Stand: 9.10.2012
Ländlicher Raum – Vielfalt leben

2
EINFÜHRUNG.................................................................................................................3
WAS WIR GEMEINSAM BIS 2020 ERREICHEN WOLLEN...........................................4
1
VIER HANDLUNGSFELDER.............................................................................5
1.1
Einkommen sichern und Beschäftigungschancen eröffnen ................................... 5
1.1.1
Wirtschaft und Arbeit fördern ........................................................................................................ 5
1.1.2
Land-, Forst- und Holzwirtschaft................................................................................................... 6
1.1.3
Tourismus im ländlichen Raum..................................................................................................... 6
1.1.4
Bergbau......................................................................................................................................... 7
1.2
Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit ................................................................... 7
1.2.1
Telekommunikation ....................................................................................................................... 7
1.3
Erreichbarkeit und Mobilität....................................................................................... 8
1.3.1
Straßeninfrastruktur ...................................................................................................................... 8
1.3.2
Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV).................................................................................... 9
1.4
Daseinsvorsorge und Infrastruktur ........................................................................... 9
1.4.1
Bildung und Betreuung................................................................................................................ 10
1.4.1.1
Frühkindliche Bildung und Betreuung......................................................................................... 10
1.4.1.2
Schule ......................................................................................................................................... 11
1.4.2
Medizinische und pflegerische Versorgung ................................................................................ 11
1.4.2.1
Medizinische Versorgung............................................................................................................ 11
1.4.2.2
Pflegerische Versorgung............................................................................................................. 13
1.4.3
Einzelhandel................................................................................................................................ 13
1.4.4
Verwaltung .................................................................................................................................. 14
1.4.4.1
Die einheitliche Behördennummer D 115................................................................................... 14
1.4.4.2
Bürgerterminal und mobile Bürgerbüros..................................................................................... 14
1.4.5
Sicherheit, Brandschutz, Katastrophenschutz, Rettungsdienst.................................................. 15
1.4.5.1
Polizei.......................................................................................................................................... 15
1.4.5.2
Brandschutz ................................................................................................................................ 15
1.4.5.3
Katastrophenschutz .................................................................................................................... 16
1.4.5.4
Rettungsdienst ............................................................................................................................ 17
1.4.6
Siedlungsentwicklung.................................................................................................................. 17
1.4.6.1
Siedlungsstruktur ........................................................................................................................ 17
1.4.6.2
Regionale Strukturen .................................................................................................................. 18
1.4.6.3
Ländliche Regionen flexibel entwickeln – neue Finanzierungsformen....................................... 18
1.4.6.4
Grenzübergreifende Regionalentwicklung.................................................................................. 19
1.4.7
Energie ........................................................................................................................................ 19
1.4.8
Siedlungswasserwirtschaft.......................................................................................................... 20
1.4.9
Gewässer- und Hochwasserschutz ............................................................................................ 20
2
LEBENSQUALITÄT UND SOZIALES MITEINANDER....................................22
2.1
Kultur......................................................................................................................... 22
2.2
Ehrenamt - „Füreinander ist Ehrensache“.............................................................. 22
2.3
Kulturlandschaft und Naturschutz .......................................................................... 23
3
FINANZEN........................................................................................................25

3
Einführung
In den ländlichen Regionen in Sachsen le-
ben Menschen, die mit ihrer Heimat stark
verwurzelt sind und für die ehrenamtliches
Engagement und Nachbarschaftshilfe häu-
fig noch Selbstverständlichkeit sind.
Die ländlichen Regionen sind durch ein
dichtes Netz gepflegter Dörfer und Städte,
abwechslungsreiche Landschaften sowie
eine Vielzahl breit aufgestellter klein- und
mittelständischer Unternehmen geprägt. Bei
einem Flächenanteil von etwa 80 % ist der
ländliche Raum Heimat für etwa die Hälfte
der sächsischen Bevölkerung.
Einige Unterschiede der ländlich geprägten
Regionen gibt es hinsichtlich ihrer Wirt-
schaftsstruktur, ihrer Erreichbarkeit und
ihrer Nähe zu großstädtischen Zentren. Im
sorbischen Siedlungsgebiet finden zudem
die Lebensbedürfnisse des sorbischen Vol-
kes Berücksichtigung. Eine ausgewogene
Aufgabenteilung zwischen Stadt und Land
sichert die Daseinsvorsorge. Mit der neuen
EU-Förderperiode ab 2014 und dem Aus-
laufen des Solidarpaktes 2019 werden die
finanziellen Spielräume in Sachsen deutlich
geringer werden. Auch der demografische
Wandel stellt eine große Herausforderung
insbesondere in den ländlichen Regionen
dar. Bis 2020 und auch danach sinkt die
Bevölkerungszahl im ländlichen Raum um
mehr als 10 %. Die einzelnen Regionen
sind jedoch in unterschiedlichem Ausmaß
davon betroffen. Daher ist es der Sächsi-
schen Staatsregierung wichtig, schon heute
die Versorgungsinfrastruktur für den Bedarf
von morgen zu schaffen. Wir brauchen so-
zial, ökologisch und finanziell nachhaltige
Lösungen. Nur so sichern wir den nachfol-
genden Generationen die notwendigen fi-
nanziellen Spielräume für einen lebenswer-
ten und entwicklungsfähigen ländlichen
Raum.
Unsere Regionen entwickeln sich nur dann
erfolgreich, wenn sich die Menschen vor Ort
einsetzen. Deshalb stärkt die Sächsische
Staatsregierung
die
Eigenverantwortung
und die Mitwirkungsmöglichkeiten der Ak-
teure vor Ort. Wir können uns dabei auf die
wichtigsten Potenziale der ländlichen Regi-
onen in Sachsen stützen: Vielfalt, regionale
Identität,
sächsischen
Unternehmergeist
und eine hohe Lebensqualität. Diese erfor-
dern und ermöglichen unterschiedliche
Entwicklungswege.
Die Bedürfnisse der Menschen stehen im
Mittelpunkt der Politik für den ländlichen
Raum. Diese Leitlinien sollen aktivieren,
Antworten zu finden auf wichtige Fragen für
die Zukunft des ländlichen Raumes: Wo
liegen neue wirtschaftliche Chancen? Wie
lassen sich Versorgung, Gesundheit, Pflege
und Verwaltung zukünftig so organisieren,
dass Qualität, Erreichbarkeit und Bezahl-
barkeit gewährleistet sind? Wie sehen trag-
fähige und moderne Bildungs-, Infrastruktur
und Mobilitätskonzepte in ländlichen Regio-
nen aus? Wie können ländliche Kommunen
bestmöglich kooperieren? Diese Herausfor-
derungen machen deutlich, dass Politik für
ländliche Regionen verstärkt themenüber-
greifend erfolgen muss. Die Staatsregierung
nimmt die Erarbeitung dieser Leitlinien zum
Anlass, die Menschen im ländlichen Raum
nach ihren Lebensverhältnissen zu befra-
gen. Neben den Fachzielen, Fakten und
Maßnahmen wird dieses Konzept so wir-
kungsvoll gespiegelt. Daraus werden sich
auch Hinweise für die künftige Gestaltung
europäischer Förderprogramme und deren
Umsetzung in Sachsen ergeben.
Diese Leitlinien für den ländlichen Raum
sind zugleich auch Ausdruck der Wert-
schätzung für die Lebensleistung der Men-
schen in den Städten und Dörfern im ländli-
chen Raum.

4
Was wir gemeinsam bis 2020 erreichen
wollen
Die Beschäftigungs- und Einkommenssi-
tuation sowie die Lebensqualität verbes-
sern,
Bildungsqualität, medizinische Versor-
gung und Chancengerechtigkeit sichern,
regionale Verantwortung und Kompetenz
einschließlich der Gewährung der erfor-
derlichen Spielräume nutzen und fördern,
regionale wirtschaftliche Potenziale noch
stärker nutzen,
regionale Entwicklungsimpulse setzen,
mit dem demografischen Wandel Zukunft
gestalten,
Grundversorgung mit Waren und Dienst-
leistungen sichern
Mobilität gewährleisten,
bedarfsgerechte und flexible Lösungen
für eine nachhaltige Infrastruktur finden,
eine moderne und leistungsfähige Ver-
waltung aufrechterhalten.

5
1
Vier Handlungsfelder
1.1
Einkommen sichern und Be-
schäftigungschancen eröffnen
„Der ländliche Raum verfügt über
motivierte Fachkräfte und innovati-
ve Unternehmen. Die eigenständi-
ge Wertschöpfung leistet einen er-
heblichen Beitrag für den gesam-
ten Freistaat Sachsen.“
1.1.1
Wirtschaft und Arbeit fördern
„Regional und vertikal vernetzte
Unternehmen leisten mehr für die
Wertschöpfung
im
ländlichen
Raum.“
Ausgangslage
Die ländlichen Regionen in Sachsen sind
durch eine diversifizierte und klein struktu-
rierte
Unternehmenslandschaft
gekenn-
zeichnet. Mittelstand, Handwerk, Land-,
Forst- und Ernährungswirtschaft sowie der
Tourismus sind das Rückgrat der Entwick-
lung ländlicher Regionen. Immerhin befin-
den sich über 80 % der erfolgreichen Unter-
nehmen im ländlichen Raum.
Eine gut entwickelte öffentliche Infrastruktur
bietet der Wirtschaft die Grundlage zur
Fortentwicklung. Hohe Qualifikation der
Mitarbeiter, Innovation und Wettbewerbsfä-
higkeit gehören zu den wichtigsten Faktoren
und sind der Schlüssel für Modernität und
Leistungsfähigkeit.
Moderne
berufliche
Schulzentren,
die
landwirtschaftlichen
Fachschulen und überbetriebliche Ausbil-
dungsstätten gewährleisten dafür als regio-
nale Zentren des Bildungsgeschehens eine
hohe Qualität für die berufliche Aus- und
Weiterbildung.
Viele Unternehmen können aufgrund feh-
lenden Eigenkapitals die Mittel für zukunfts-
orientierte Investitionen nicht oder nur unter
hoher Belastung aufbringen. Höher qualifi-
zierte Arbeitskräfte können zukünftig nur mit
besonderen Anreizen gehalten oder gewor-
ben werden.
Auch die Unternehmensnachfolge ist nicht
in allen Unternehmen gewährleistet.
Ca. 15.000 Unternehmensnachfolgen sind
in Sachsen bis 2020 abzusichern, davon
auch viele im ländlichen Raum.
Entwicklungsziele
Die Sächsische Staatsregierung wird die
gewerbliche Wirtschaft weiterhin unterstüt-
zen. Im Fokus stehen die Stärkung und das
Wachstum der regionalen Wertschöpfung
und der regionalen Wachstumskerne.
Um qualifizierte Dauerarbeitsplätze in den
ländlichen Regionen zu sichern, werden wir
die Unternehmen in ihrer Wettbewerbsfä-
higkeit durch regionale und vertikale Ver-
netzungsangebote stärken.
Erreichbare, bedarfsgerechte und qualitativ
hochwertige Aus- und Weiterbildungsange-
bote bilden eine wichtige Voraussetzung für
die Sicherung des Fachkräfteangebotes in
den ländlichen Regionen. Berufliche Schul-
zentren sollen sich zu Kompetenzzentren
für die berufliche Aus- und Fortbildung profi-
lieren können. Die Qualität der Bildungsar-
beit an den landwirtschaftlichen Fachschu-
len wird weiter gesteigert.
Maßnahmen
Zur Steigerung der Attraktivität der
Wirtschaftsstandorte im ländlichen
Raum werden der Ausbau der Inf-
rastruktur und die Ansiedlung von
Unternehmen gezielt gefördert.
Forschungs- und Entwicklungser-
gebnisse werden für kleine und
mittlere Unternehmen besser nutz-
bar gemacht.
Die Netzwerke der Integrierten
Ländlichen Entwicklung (ILE) wer-
den zur Anbahnung von Kooperati-
onen genutzt, um Wertschöpfungs-
ketten zu schaffen.
Die Absatzförderung für regionale
Produkte wird fortgeführt und eine
Exportoffensive zur Stärkung des
Auslandsgeschäftes für die Ernäh-
rungswirtschaft initiiert.

6
Existenzgründungen und Eigenka-
pitalbildung im ländlichen Raum
werden unterstützt.
Die betriebliche Weiterbildung von
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
wird gefördert.
Die Kooperation von Schulen und
Unternehmen sowie Beratungsleis-
tungen werden gezielt ausgebaut.
Beispiele hierfür sind Initiativen wie
„Lernen vor Ort“, „Aufstieg durch
Bildung“ sowie die Koordinierungs-
stellen „Regionales Übergangsma-
nagement“.
1.1.2
Land-, Forst- und Holzwirtschaft
„Wettbewerbsfähige Unternehmen
der Land- und Forstwirtschaft sind
ein stabiles Standbein für den länd-
lichen Raum.“
Ausgangslage
Ca. 40.000 Beschäftigte arbeiten unmittel-
bar in der Land- und Forstwirtschaft. Damit
sind die Land- und Forstwirtschaft und ihre
vor- und nachgelagerten Bereiche wichtige
und standortstabile Wirtschaftskräfte im
ländlichen Raum.
Die Flächenbewirtschaftung im ländlichen
Raum trägt entscheidend zur Versorgungs-
sicherheit mit Nahrungsmitteln, nachwach-
senden Rohstoffen und erneuerbaren Ener-
gien aus der eigenen sächsischen Wert-
schöpfung bei. Die Nutzung von Boden,
Wasser und Landschaft für die Produkti-
onsprozesse in der Land- und Forstwirt-
schaft erfordern einen besonders verant-
wortungsvollen – nachhaltigen – Umgang
mit den natürlichen Ressourcen. Künftig
werden sich die Auswirkungen des Klima-
wandels u. a. in höheren Ertragsrisiken für
die Land- und Forstwirtschaft bemerkbar
machen.
Eine Stärke Sachsens ist die agrarstruktu-
relle Vielfalt. Sie trägt nicht nur zur Wettbe-
werbsfähigkeit des Sektors bei, sondern ist
Voraussetzung für die
Bewahrung und
Entwicklung der heimatlichen Kulturland-
schaften, der Ortsbilder, für das Brauchtum
und den sozialen Frieden im ländlichen
Raum.
Entwicklungsziele
Die Sächsische Staatsregierung setzt sich
für die Weiterentwicklung einer wettbe-
werbsfähigen, vielfältig strukturierten und
nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft ein.
Untrennbar damit verbunden sind die För-
derung des ökologischen Landbaus und
anderer umweltverträglicher Produktions-
methoden.
Auch in den landwirtschaftlich benachteilig-
ten Gebieten soll die Landwirtschaft eine
verlässliche Perspektive haben. Einen Weg
dahin bietet die stärkere Nutzung der Viel-
falt land- und forstwirtschaftlicher Wert-
schöpfungspotenziale.
Maßnahmen
Förderung umweltschonender Pro-
duktionsverfahren und Anerken-
nung weiterer Gemeinwohlleistun-
gen der Land- und Forstwirtschaft
Der ökologische Landbau wird ge-
zielt unterstützt.
Der Aktionsplan „Klima und Ener-
gie“
einschließlich
der
Anpas-
sungsstrategie Landwirtschaft an
den Klimawandel wird umgesetzt.
Regionale Wirtschaftskreisläufe in
der Land- und Forstwirtschaft wer-
den gestärkt.
Eine multifunktionale Waldbewirt-
schaftung einschließlich Waldum-
bau in standortgerechte Mischwäl-
der und Unterstützung der Wald-
mehrung wird sichergestellt.
1.1.3
Tourismus im ländlichen Raum
„Sachsens reiche Kulturlandschaft
ist eine elementare Triebkraft für
touristische Destinationen.“
Ausgangslage
Der Tourismus im Freistaat Sachsen hat
sich in den vergangenen Jahren zu einem
wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Der
ländliche Raum hat mit mehr als der Hälfte
aller Ankünfte und annähernd zwei Drittel
der Übernachtungen einen wesentlichen
Anteil daran. Sein Potenzial gründet sich
auf die reiche Natur- und Kulturlandschaft.

7
Die wichtigsten Tourismussegmente liegen
im Bereich Aktivurlaub sowie den gesund-
heitsorientierten Urlaubsformen. Die touris-
tischen Angebote der Ober- und Mittelzent-
ren und der ländliche Raum ergänzen sich
vorteilhaft.
Attraktive
Tourismusregionen
zeichnen sich auch durch eine hohe Le-
bensqualität für ihre Bewohner aus.
Entwicklungsziele
Der ländliche Raum soll sich aus seinen
regionalen Stärken heraus als integraler
Bestandteil wettbewerbsfähiger touristischer
Destinationen, insbesondere durch Verzah-
nung mit den Zentren, weiter entwickeln.
Maßnahmen
Die Marketingförderung wird auf
die
touristischen
Destinationen
konzentriert.
Die Entwicklung zielgruppenspezi-
fischer Angebote wird unterstützt.
Leader-/ILE-Regionen werden mit
den Destinationen durch private
und öffentlich getragene touristi-
sche Aktivitäten vernetzt.
Der Ausbau der touristischen Infra-
struktur wird gezielt gefördert
Eine Erfahrungs- und Vermark-
tungsplattform für den Tourismus
im ländlichen Raum wird durch die
Initiativen „Sachsens Erlebnisdör-
fer“ und „Urlaub in Sachsens Dör-
fern“ bereitgestellt.
1.1.4
Bergbau
„Bergbau vereint Sachsens Traditi-
onen und seine Zukunft.“
Ausgangslage
Die Gewinnung von Braunkohle und mine-
ralischen Rohstoffen ist eine Quelle der
Wertschöpfung im ländlichen Raum und hat
die Menschen in vielen ländlichen Regionen
Sachsens geprägt. Die im ländlichen Raum
ansässigen Bergbauunternehmen tragen
wesentlich zur Versorgungssicherheit der
Gesamtwirtschaft bei.
Nach der Wiedernutzbarmachung der durch
den Bergbau in Anspruch genommenen
Flächen eröffnen sich neue Möglichkeiten,
die Lebensqualität seiner Bewohner maß-
geblich zu erhöhen. Durch die Nachnutzung
in einer reizvollen Landschaft, wie z. B. im
Leipziger und Lausitzer Seenland, werden
neue Perspektiven für eine Wertschöpfung
eröffnet.
Entwicklungsziele
Um neue Potenziale für die regionale Wert-
schöpfung zu erschließen und die Wirt-
schaft mit Rohstoffen zu versorgen, unter-
stützt die Sächsische Staatsregierung die
Erkundung und Erschließung von Rohstoff-
vorkommen. Dabei werden die Ziele der
Wiedernutzbarmachung frühzeitig und im
engen Zusammenwirken mit den Akteuren
vor Ort festgelegt. Die Folgenutzung von
durch den Bergbau in Anspruch genomme-
ner Flächen soll dabei einen wirksamen
Beitrag zur regionalen Entwicklung und der
Lebensqualität leisten.
Maßnahmen
Die Bergbauunternehmen werden
bei der Errichtung der zum Roh-
stoffabbau notwendigen Infrastruk-
tur unterstützt.
Die Ziele der Wiedernutzbarma-
chung und der entsprechenden
Folgenutzung werden im engen
Zusammenwirken mit der kommu-
nalen Ebene, der Bevölkerung vor
Ort und der regionalen Wirtschaft
festgelegt.
1.2
Innovations- und Wettbewerbs-
fähigkeit
„Sachsen setzt auf Unternehmen
und deren Mitarbeiter, die mit mo-
dernen Technologien arbeiten, die
gut vernetzt sind, von Kooperatio-
nen profitieren und damit im Wett-
bewerb bestehen.“
1.2.1
Telekommunikation
Ausgangslage
Der Zugang über einen leistungsfähigen
Breitbandanschluss in das Internet ist Vor-
aussetzung für die Konkurrenzfähigkeit des
ländlichen Raumes als Wirtschafts- und
Wohnstandort. Dennoch ist in vielen Ge-
meinden noch kein hochleistungsfähiger

8
Internet-Zugang verfügbar. Die in vielen
Orten im ländlichen Raum durch Long-
Term-Evolution-Ausbau (LTE) und gezielte
Förderung erreichte Grundversorgung ist
dafür nicht in jedem Falle ausreichend. Be-
reits jetzt benötigen Unternehmen und Frei-
berufler wesentlich höhere Übertragungsra-
ten. Auch im privaten und öffentlichen Be-
reich machen neue Anwendungen mit höhe-
ren Datenmengen eine entsprechende An-
passung der Leistungsfähigkeit der Über-
tragungstechnik erforderlich. Ein flächende-
ckendes Angebot von bedarfsgerechten
Internet-Zugängen ist gerade für den ländli-
chen Raum ein entscheidender Standortfak-
tor.
Entwicklungsziele
Es wird die flächendeckende Grundversor-
gung und perspektivisch ein flächende-
ckendes
Angebot
hochleistungsfähiger
Breitbandanschlüsse zu marktbezogenen,
erschwinglichen Konditionen mit Übertra-
gungsraten von 25 - 50 Megabits pro Se-
kunde und mehr auch im ländlichen Raum
angestrebt.
Maßnahmen
Um ein flächendeckendes Angebot
mit
Hochgeschwindigkeitsinternet
auch in Gebieten sicherzustellen,
in denen ein Ausbau Betreibern be-
triebswirtschaftlich unrentabel er-
scheint, fördert der Freistaat Sach-
sen
volkswirtschaftlich
sinnvolle
Maßnahmen zum Schließen der
Wirtschaftlichkeitslücke
und
die
Verlegung von Leerrohren mit dem
Ziel eines flächendeckenden An-
gebotes in ganz Sachsen.
Die Tätigkeit und Finanzierung der
sächsischen
Breitbandberatungs-
stelle, die derzeit Kommunen und
Unternehmen bei dem Ausbau der
Grundversorgung unterstützt, wird
entsprechend modifiziert.
1.3
Erreichbarkeit und Mobilität
„Erreichbarkeit und Mobilität si-
chern durch eine der Nachfrage
entsprechende Verkehrsanbindung
und Verkehrsbedienung.“
1.3.1
Straßeninfrastruktur
„Sachsens Straßen – Rückgrat für
den ländlichen Raum“
Ausgangslage
Für die überwiegende Mehrzahl der sächsi-
schen Gemeinden sind die zugehörigen
Ober- und Mittelzentren mit dem Individual-
verkehr gut erreichbar. Insbesondere die
Staatsstraßen sind das Rückgrat für Mobili-
tät und die wirtschaftliche Dynamik im länd-
lichen Raum. Sie dienen als Bindeglied an
die großen Verkehrsachsen und öffnen da-
mit den Weg zu den wirtschaftlichen Zent-
ren und zentralen Versorgungseinrichtun-
gen.
Entwicklungsziele
Das Straßennetz wird bedarfsgerecht erhal-
ten und angepasst. Die Achsen des Fern-
straßennetzes werden schrittweise komplet-
tiert.
Maßnahmen
Das übergeordnete Straßennetz
wird, soweit notwendig, durch Ver-
bindungen in die Nachbarstaaten
und Bau von Ortsumgehungen bei
Bundes- und Staatsstraßen, er-
gänzt.
Die standard- und bedarfsgerechte
Erhaltung des Bundes- und Staats-
straßennetzes bildet künftig einen
Schwerpunkt. Hierfür wird das
Straßennetz
der
Bundes-
und
Staatsstraßen nach Netzklassen
gegliedert. Angepasst an die Netz-
klassen werden differenzierte Aus-
baustandards festgelegt.
In dünn besiedelten Regionen wird
zur Erschließung von Ortslagen der
Ausbaustandard
kommunaler
Straßen bedarfsgerecht differen-
ziert.
Als Angebot zur Bündelung des
motorisierten
Individualverkehrs
werden im Umland von Anschluss-
stellen von Bundesautobahnen Mit-
fahrerparkplätze eingerichtet und
vom Bund finanziert.

9
1.3.2
Öffentlicher Personennahver-
kehr (ÖPNV)
„Ein moderner ÖPNV sichert gute
Lebensbedingungen auch für die
Menschen im ländlichen Raum.“
Ausgangslage
Vier Fünftel der Fördermittel fließen in
den ländlichen Raum und kommen dort
insbesondere den Menschen zugute, die
kein individuelles Verkehrsmittel nutzen
können.
Gemäß
dem
Sächsischen
ÖPNV-Gesetz ist die Planung, Organisa-
tion und Ausgestaltung des ÖPNV eine
freiwillige Aufgabe der Landkreise und
kreisfreien Städte. Diese arbeiten in fünf
kommunalen Zweckverbänden flächen-
deckend zusammen und stimmen sich
miteinander ab. In den durch die Zweck-
verbände erstellten Nahverkehrsplänen
werden die Ziele und Rahmenvorgaben
für die Gestaltung und Finanzierung des
ÖPNV im jeweiligen Nahverkehrsraum
bestimmt.
Die Schülerbeförderung im ländlichen
Raum wird durch die Einführung eines
neuen Schlüssels für die Verteilung der
Mittel zur Finanzierung des Ausbildungs-
verkehrs stärker unterstützt.
Entwicklungsziele
Die Entwicklung der Angebote des ÖPNV
erfolgt entsprechend der jeweils vorhande-
nen Nachfrage der Bürger unter Berücksich-
tigung der raumordnerischen Erfordernisse.
ÖPNV muss aber auch für alle bezahlbar
bleiben, deshalb gilt auch hier der Grund-
satz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit.
Ziele sind die Gewährleistung der Erreich-
barkeit der Ober- und Mittelzentren sowie
der Anpassung der Verkehrsinfrastrukturen.
Im Vordergrund steht dabei die Gewährleis-
tung der Daseinsvorsorge, insbesondere
der notwendigen Mobilität von Menschen,
die nicht in der Lage sind, andere Verkehrs-
systeme zu nutzen. Dabei sind die Sicher-
heitsbedürfnisse der Fahrgäste und die Be-
lange der Menschen mit Behinderung sowie
die Bedürfnisse von Personen, die in ihrer
Mobilität beeinträchtigt sind, besonders zu
berücksichtigen.
Maßnahmen
Differenzierte
Verkehrsangebote
werden entwickelt. Dabei müssen
der Schülerverkehr bei der Absi-
cherung
einer
ÖPNV-
Grundversorgung – insbesondere
im ländlichen Raum – durch die
Aufgabenträger
und
Festschrei-
bung in den Nahverkehrsplänen
berücksichtigt werden.
Bei geringer Nachfrage in ländli-
chen Räumen und außerhalb der
Verkehrsspitzenzeiten örtlich wer-
den angepasste flexible Bedie-
nungsformen durch Organisation
von alternativen Bedienformen im
ÖPNV eingeführt (z. B. Rufbus, An-
rufsammeltaxi, Anruflinientaxi, Bür-
gerbusse).
Schnittstellen zwischen Individual-
verkehr und ÖPNV (z. B. Park &
Ride) werden ausgebaut.
Regional bzw. lokal angepasste
Lösungen bei Infrastruktur und
Verkehrsangebot
werden entwi-
ckelt.
Ein attraktiver, sicherer und um-
weltfreundlicher ÖPNV durch eine
Busförderung wird gewährleistet.
1.4
Daseinsvorsorge und Infrastruk-
tur
„Daseinsvorsorge und Infrastruktur
im ländlichen Raum mit intelligen-
ten und regionalen Lösungen wei-
terentwickeln.“
Ausgangslage
Die sächsischen Dörfer haben in den letzten
20 Jahren eine positive Entwicklung ge-
nommen. Die öffentliche Infrastruktur wurde
modernisiert und viele Bürger haben ihre
Häuser renoviert. Zeitgemäße öffentliche
Gemeinschaftseinrichtungen sind entstan-
den. Die Orte wurden durch die Investitio-
nen der Bürger und der öffentlichen Hand
modern und zeitgemäß weiterentwickelt.
Umfragen zeigen eine große Zufriedenheit
der Bevölkerung im ländlichen Raum mit
ihrer eigenen Situation.

10
In den nächsten Jahren stehen die ländli-
chen Regionen besonders durch die Folgen
des demografischen Wandels vor folgenden
Herausforderungen:
Die Leerstandsentwicklung bedroht
geschlossene
funktionale
Dorf-
strukturen.
Steigende Energie-/Ver- und Ent-
sorgungskosten belasten Haushal-
te und Kommunen.
Ländlich
geprägten
Gemeinden
fällt es zunehmend schwerer, die
Grundversorgung und die Daseins-
vorsorge sicherzustellen.
Zudem steigt der Bedarf an Wohnungen für
Haushalte im Niedrigeinkommensbereich.
Entwicklungsziele
In Sachsen wird für alle Bürger auch in
ländlichen Regionen ein angemessener
Zugang zu den Einrichtungen und Leistun-
gen der Daseinsvorsorge insbesondere in
den Bereichen Bildung, Gesundheit sowie
durch eine bedarfsgerechte Ausgestaltung
des ÖPNV gewährleistet.
Die Versorgungsstruktur der zentralen Orte
übernimmt auch die Versorgung des Ver-
flechtungsbereichs. Insbesondere in peri-
pheren, dünnbesiedelten ländlichen Räu-
men werden zur Sicherung der Daseinsvor-
sorge regionale Spielräume ermöglicht.
Maßnahmen
Für die einzelnen Bereiche der Daseinsvor-
sorge sind folgende Maßnahmen geplant:
1.4.1
Bildung und Betreuung
„Hochwertige Bildungs- und Be-
treuungsmöglichkeiten in Wohnort-
nähe sind eine Investition in die
Zukunft der Region.“
1.4.1.1 Frühkindliche Bildung und Be-
treuung
„Eine vielfältige Trägerlandschaft
sichert die Kinderbetreuung auch
im ländlichen Raum.“
Ausgangslage
In den ländlichen Regionen Sachsens be-
steht ein weitgehend flächendeckendes
Angebot an Plätzen in Kindertageseinrich-
tungen bzw. Kindertagespflegestellen. Um
die Kinder gut auf die Schule vorzubereiten,
kooperieren Kindertageseinrichtungen und
Grundschulen und arbeiten nach dem säch-
sischen Bildungsplan.
Der bereits gültige Rechtsanspruch auf ei-
nen Betreuungsplatz für Kinder ab dem
vollendeten 3. Lebensjahr wird ab 1. August
2013 für Kinder bereits ab Vollendung des
1. Lebensjahres erweitert. Da jetzt die Fami-
liengründungsphase der geburtenschwa-
chen Jahrgänge der 90er Jahre beginnt,
wird der Bedarf an Plätzen in Kinderta-
geseinrichtungen in den nächsten Jahren
rückläufig sein.
Entwicklungsziele
Es werden hochwertige frühkindliche Bil-
dungs- und Betreuungsmöglichkeiten in
ausreichender Kapazität angeboten. Um die
sächsischen Dörfer für junge Familien att-
raktiv zu halten, gilt ein besonderes Au-
genmerk den wohnortnahen bedarfsgerech-
ten Angeboten.
Maßnahmen
Die Ausreichung von Fördermitteln
für Investitionen in Einrichtungen
der Kindertagesbetreuung in Ver-
antwortung der Landkreise bzw.
kreisfreien Städte wird im Rahmen
der haushalterischen Möglichkeiten
fortentwickelt.
Die Hortbetreuung wird in Abstim-
mung mit der Schulnetzplanung
möglichst in räumlicher Nähe zu
den bestandssicheren Grundschu-
len angeboten.

11
1.4.1.2 Schule
„Kooperation sichert gleichwertige
Bildungschancen
im
ländlichen
Raum.“
Ausgangslage
Gute Bildungsangebote und wohnortnahe
Schulen sind ein wichtiger Standortfaktor.
Durch sie wird ein Ort für Familien und Un-
ternehmen deutlich attraktiver. In den letz-
ten Jahren mussten aber bereits zahlreiche
Schulstandorte in ländlichen Regionen auf-
grund der rückläufigen Schülerzahlen auf-
gegeben werden. Auch wenn die Schulwe-
ge dadurch durchschnittlich länger wurden,
liegen die schulischen Angebote in zumut-
barer Entfernung.
Entwicklungsziele
Die flächendeckende Sicherung und Wei-
terentwicklung der Qualität schulischer Bil-
dung genießt in Sachsen Priorität. Für jeden
Schüler wird auch künftig mindestens ein
schulisches Angebot jeder Schulart in zu-
mutbarer Entfernung zur Verfügung stehen.
Zwischen den Schularten gibt es eine hohe
Durchlässigkeit und jeder Schulabschluss
ermöglicht den Anschluss in ein weiterfüh-
rendes Bildungsangebot. Schulen kooperie-
ren miteinander sowie mit externen Part-
nern in der Region.
Gegenwärtig wird an allen sorbischen
Grundschulen zweisprachig unterrichtet, um
die aktive sorbisch-deutsche Zweisprachig-
keit zu fördern.
Maßnahmen
Die Schulnetzplanung wird stärker
mit der Regionalplanung verzahnt,
um in jedem Falle eine zumutbare
Erreichbarkeit zu sichern. Das Netz
der Grundzentren bildet dabei für
die Grundschulen das „Rückgrat“.
Gleiches gilt für die Mittelzentren
bei den weiterführenden Schulen.
Es werden Anreize zur kommuna-
len
Zusammenarbeit
bei
der
Schulnetzplanung geschaffen.
In Zusammenarbeit mit der kom-
munalen Ebene wird unter Beach-
tung der haushälterischen und tarif-
lichen Möglichkeiten geprüft, in-
wieweit spezifische Anreize für die
Ansiedlung junger Lehrkräfte ge-
setzt werden können.
1.4.2
Medizinische und pflegerische
Versorgung
„Vernetzte Strukturen sichern me-
dizinische Leistungen für die Men-
schen im ländlichen Raum.“
1.4.2.1 Medizinische Versorgung
„Für alle Altersgruppen wird eine
bedarfsgerechte medizinische Ver-
sorgung flächendeckend angebo-
ten.“
Ausgangslage
Der ärztliche Behandlungsbedarf im ländli-
chen Raum verändert sich sowohl im ambu-
lanten wie im stationären Bereich aufgrund
der sich fortsetzenden Alterung der Bevöl-
kerung. Gleichzeitig nimmt der kinder- und
jugendmedizinische Behandlungsbedarf ab,
weil sich die Zahl der unter 15-Jährigen von
derzeit 11 % auf 10 % reduziert. Hinzu
kommt, dass es im ländlichen Raum zu-
nehmend schwieriger wird, Ärzte für den
niedergelassenen Bereich, insbesondere für
die hausärztliche Versorgung, aber auch für
eine Tätigkeit im Krankenhaus zu gewinnen.
Entwicklungsziele
Zur Gewährleistung einer bedarfsgerechten
medizinischen Versorgung wirken wir einem
drohenden Ärztemangel entgegen. Die
Kassenärztliche
Vereinigung
Sachsen
(KVS) hat den Sicherstellungsauftrag für die
vertragsärztliche Versorgung inne. Dem
steigenden ärztlichen Behandlungsbedarf
insbesondere von alten und hochbetagten
Menschen tragen wir Rechnung.
Die flächendeckende Versorgung aller stati-
onär zu behandelnden Kinder in Kinderklin-
ken soll garantiert werden. Angemessene
Anfahrtswege zu Einrichtungen mit allge-
meiner Kinder- und Jugendmedizin sollen
auch künftig nicht überschritten werden.
Alten Menschen soll ein möglichst langer
Verbleib in ihrem häuslichen Umfeld ermög-
licht werden. Hierzu soll geriatrischen Pati-
entinnen und Patienten ein wohnortnaher
Zugang zu einer hochwertigen und effizien-

12
ten Diagnostik und Therapie, inklusive An-
gebote zur Rehabilitation, gewährleistet
werden. Dafür werden geriatrische Netz-
werke etabliert.
Durch Ausbau innovativer Telematikver-
bünde soll auch Patientinnen und Patienten,
die nicht in der Nähe einer spezialisierten
Klinik leben, durch eine fachärztliche Onli-
neberatung
eine
qualifizierte
Vor-Ort-
Behandlung ermöglicht werden (siehe Leit-
projekt „Schlaganfallnetzwerk“).
Maßnahmen
Anreize zur Niederlassung von Ärzten im
ländlichen Raum werden durch unterschied-
liche Förderinstrumente geschaffen:
Investitionen für die Neugründung
bzw. Übernahme von Arztpraxen
und bei Gründung einer Zweigpra-
xis in unterversorgten oder von Un-
terversorgung
bedrohten
Pla-
nungsbereichen kann die Kassen-
ärztliche
Vereinigung
Sachsen
(KVS), die den Sicherstellungsauf-
trag für die vertragsärztliche Ver-
sorgung hat, mit Zuschüssen bis zu
60.000 EUR, an denen sich die
Krankenkassen hälftig beteiligen,
unterstützen.
Der
Landesaus-
schuss der Ärzte und Krankenkas-
sen stellt fest, ob in einem Pla-
nungsbereich
Unterversorgung,
drohende Unterversorgung oder
zusätzlicher lokaler Versorgungs-
bedarf besteht, und entscheidet
über die Gewährung der Zuschlä-
ge. Darüber hinaus kann die KVS
einen Strukturfonds bilden, aus
dem Zuschläge auch zur Ausbil-
dung und für die Vergabe von Sti-
pendien verwendet werden kön-
nen.
Ärzte, die sich in Gebieten mit dro-
hender Unterversorgung niederlas-
sen, erhalten zinsverbilligte Darle-
hen.
In Orten bis 5.000 Einwohner wird
die bauliche Umnutzung leer ste-
hender Gebäude zu einer Arztpra-
xis sowie die Ausstattung einer
neuen Arztpraxis mit 30 – 50 % der
förderfähigen
Ausgaben
bezu-
schusst.
Medizinstudenten können eine fi-
nanzielle
monatliche
Förderung
während des Studiums erhalten,
wenn sie sich verpflichten, nach
dem Studium und der Weiterbil-
dung zum Facharzt für Allgemein-
medizin für eine angemessene
Mindestzeit als Hausarzt in einer
ärztlich unterversorgten Region in
Sachsen tätig zu sein.
Die flächendeckende Versorgung aller stati-
onär zu behandelnden Kinder in Kinderklin-
ken soll garantiert werden, indem
in Krankenhäusern mit Fachgebie-
ten für Kinder- und Jugendmedizin
stationär
eingewiesene
Kinder
grundsätzlich in Kinderabteilungen
betreut werden.
Kinderkliniken in den ländlichen
Regionen, in denen Kinderärzte im
niedergelassenen Bereich fehlen,
die Aufgaben der ambulanten kin-
der- und jugendmedizinischen Ver-
sorgung mit übernehmen.
Geriatrische Netzwerke werden von 2011
bis 2013 zunächst in drei Modellregionen
erprobt. Sie bestehen aus geriatrischen
Zentren an Krankenhäusern und Reha-
Einrichtungen, die eng mit Krankenhäusern,
Schwerpunktpraxen, Hausärzten und nie-
dergelassenen Fachärzten, ambulanten und
stationären Reha-Einrichtungen, Pflegehei-
men und -diensten, therapeutischen und
psychosozialen Diensten, Kommunen und
der Wohnungswirtschaft kooperieren.
Um
hochwertige
Versorgungsstrukturen
auch im ländlichen Raum anbieten zu kön-
nen, soll ein intelligentes Netzwerk zwi-
schen Basisversorger vor Ort und Spezialist
im Ballungsraum installiert werden. Im Di-
rektionsbezirk Dresden hat sich das Carus
Consilium Sachsen (CCS) hierfür das Ziel
gesetzt, eine integrierte Gesundheitsversor-
gung regional zu organisieren. Dafür haben
sich im CCS bereits ca. 500 Partner ver-
schiedener Leistungsbereiche zusammen-
geschlossen.
Die für den Bereich der Schlaganfallversor-
gung bereits flächendeckend etablierten
Telematikverbünde zwischen Krankenhäu-

13
sern sollen sukzessive auch auf andere
Versorgungsbereiche (z. B. interdisziplinäre
Tumorboards) ausgeweitet werden.
1.4.2.2 Pflegerische Versorgung
„Ältere Menschen sollen möglichst
lange zu Hause wohnen und
selbstbestimmt leben können.“
Ausgangslage
Derzeit wird die Versorgung aller pflegebe-
dürftigen Menschen in Sachsen flächende-
ckend auf qualitativ hohem Niveau gewähr-
leistet. In den Dörfern und Kleinstädten des
ländlichen Raumes wird jedoch der Anteil
der älteren und hochbetagten Menschen
stark zunehmen. Mit dem höheren Lebens-
alter nimmt auch die Wahrscheinlichkeit von
Pflegebedürftigkeit zu. Aufgrund der Bin-
nenwanderung jüngerer Menschen werden
die innerfamiliären Hilfeleistungen insbe-
sondere in den ländlichen Regionen rück-
läufig sein und durch verstärkte Hilfe Dritter
ersetzt werden müssen.
Entwicklungsziele
Ältere Menschen sollen so lange wie mög-
lich in ihrem häuslichen Umfeld selbstbe-
stimmt leben können. Deshalb ist der ambu-
lanten Versorgung eine Präferenz gegen-
über der stationären Versorgung einzuräu-
men und die Versorgung mit niedrigschwel-
ligen Angeboten und Beratungsmöglichkei-
ten auszubauen.
Die Motivation der Kinder- und Enkelfamili-
en, Sorge für ihre Seniorinnen und Senioren
zu tragen, soll durch geeignete Anreize ge-
stärkt werden. Insbesondere sind den Pfle-
gebedürftigen und ihren Angehörigen not-
wendige Informationen über die zur Verfü-
gung stehenden Angebote bereitzustellen.
Maßnahmen
Mit folgenden Maßnahmen werden die
Rahmenbedingungen für den selbstbe-
stimmten Verbleib älterer Menschen in ih-
rem häuslichen Umfeld verbessert:
Eng verzahnt arbeitende teilstatio-
näre und ambulante Pflegeangebo-
te, in denen professionelle, familiä-
re und ehrenamtliche Leistungen
verknüpft sind, werden weiterent-
wickelt.
Die Versorgung mit niedrigschwel-
ligen Betreuungsangeboten wird
bedarfsgerecht ausgebaut.
Die ergänzende „Alltagsbegleitung
für Senioren“ wird überwiegend
aus Mitteln des Europäischen So-
zialfonds gefördert.
Maßnahmen zum altengerechten
Umbau, zur Um- oder Wiedernut-
zung ungenutzter Bausubstanz zu
privaten Wohnzwecken werden im
Rahmen der Integrierten Ländli-
chen Entwicklung sowie der Städ-
tebau- und Wohnraumförderung
unterstützt. Es gilt insbesondere
Familien zu motivieren, privates
Mehrgenerationenwohnen
ein-
schließlich der Großelterngenerati-
on zu realisieren. Die Einführung
eines „Großelternbonus“ bei der
Finanzierung wird geprüft.
Um aktuelle Informationen über die
vorhandenen Pflegeangebote be-
reitzustellen, werden das internet-
basierte
Informationsportal
(www.PflegeNetz.sachsen.de)
und
die vernetzte Pflegeberatung der
verschiedenen Sozialträger laufend
bedarfsgerecht erweitert.
1.4.3
Einzelhandel
„Versorgung im Dorf auf neuen
Wegen.“
Ausgangslage
Die wohnortsnahe Grundversorgung mit
Waren und Dienstleistungen ist ein bedeut-
samer Faktor für die Lebensqualität. Auf
Grund sinkender Nachfrage sinkt die Ver-
fügbarkeit dieser Leistungsangebote. Be-
reits 2007 wurde die Entwicklung der Nah-
versorgung außerhalb der Ober- und Mittel-
zentren als kritisch eingeschätzt: Fast die
Hälfte der Kommunen mit weniger als 2.000
Einwohnern verfügte nicht mehr über ein
Lebensmittelgeschäft mit Vollsortiment.
Entwicklungsziele
Die Grundversorgung mit Waren und
Dienstleistungen in den ländlichen Regio-
nen wird durch das Setzen von staatlichen

14
Rahmenbedingungen und Impulsen unter-
stützt.
Maßnahmen
Unternehmensnachfolgen und Ge-
schäftsübernahmen werden unter-
stützt.
Investitionen in die Ausstattung
gewerblicher
Grundversorgungs-
einrichtungen, die landwirtschaftli-
che Direktvermarktung und Mo-
dellprojekte mit innovativen Kon-
zepten werden im Rahmen der
Ländlichen Entwicklung gefördert.
Die Kombination von verschiede-
nen Angeboten unter einem Dach
in Form von Dienstleistungszentren
wird unterstützt.
Genossenschaftsmodelle
stärken
den Selbsthilfegedanken.
Mobile Einrichtungen werden un-
terstützt.
1.4.4
Verwaltung
„Sachsens Verwaltung fit für die
Zukunft – mit neuen Instrumenten
den
Herausforderungen
begeg-
nen.“
1.4.4.1 Die einheitliche Behördennum-
mer D 115
Ausgangslage
In Zusammenarbeit zwischen Bund und
Ländern wird derzeit das Grundgerüst für
den Regelbetrieb der Behördenrufnummer
115 aufgebaut. Obwohl D 115 ein vorrangig
kommunales Projekt ist, unterstützt die
Staatsregierung mit zahlreichen Maßnah-
men den Einführungsprozess.
Anlässlich des 5. Nationalen IT-Gipfels in
Dresden am 7. Dezember 2010 erfolgte die
Freischaltung dieses Auskunftsdienstes für
Dresden.
Entwicklungsziele
Die Bürger erhalten mit der einheitlichen
Behördenrufnummer 115 einen direkten,
professionellen telefonischen Zugang zu
Auskünften über Leistungen der öffentlichen
Verwaltung. D 115 steht für eine Verwal-
tungsebene übergreifende Zusammenar-
beit, um eine stärkere Ausrichtung der öf-
fentlichen Verwaltung auf die Serviceerwar-
tungen der Bürger zu erzielen und den tele-
fonischen Bürgerservice zu verbessern.
Dazu werden dezentrale Servicestrukturen
von Bund, Ländern und Kommunen mitein-
ander vernetzt, so dass die Bürger schnell
qualifizierte Informationen abrufen können.
Gemäß der Charta D 115 muss ein Servi-
ceversprechen durch die teilnehmenden
Kommunen und Länder erfüllt werden. Dies
enthält unter anderem:
75 % der D 115-Anrufe werden in-
nerhalb von 30 Sekunden durch
einen Mitarbeiter angenommen,
65 % der D 115-Anrufe werden
beim ersten Telefonkontakt ab-
schließend beantwortet, bzw. an
die Fachebene weitergeleitet,
der D 115-Service ist Montag bis
Freitag von 8:00 bis 18:00 Uhr er-
reichbar.
Maßnahmen
Der Freistaat Sachsen beteiligt sich
finanziell am Aufbau der zentralen
Strukturen für den D 115-Verbund
bis Ende 2014.
Der Freistaat Sachsen stellt den
Kommunen
kostenlos
ein
lT-
Fachverfahren für D 115 Service-
center zur Verfügung und unter-
stützt die Kommunen beim Aufbau
der Servicecenter und beim Marke-
ting.
Bis Ende 2014 soll die einheitliche
Behördennummer 115 bundesweit
und damit auch in Sachsen, den
Bürgern zur Verfügung stehen.
1.4.4.2 Bürgerterminal und mobile Bür-
gerbüros
„Alle Bürger mitnehmen und neue
Medien nutzen.“
Ausgangslage
Die demografische und die technische Ent-
wicklung machen neue Angebote der Ver-

15
waltung notwendig. Die Bürger erwarten
zunehmend internetgestützte Verwaltungs-
dienstleistungen. Die geringere Bevölke-
rungsdichte in ländlichen Regionen und die
nachlassende Mobilität älterer Bürger ver-
langen ebenfalls nach Antworten.
Entwicklungsziele
Durch Bürgerterminals und mobile Bürger-
büros wird ein einfacher Zugang zu Verwal-
tungsdienstleistungen für Jung und Alt so-
wohl online als auch im direkten Kontakt
ermöglicht. Die Transparenz und Service-
qualität von Verwaltungsdienstleistungen
wird gesteigert.
Maßnahmen
Es wird ein moderner Bürgerservi-
ce in Form von Bürgerterminals
und mobilen Bürgerbüros in aus-
gewählten Pilotkommunen bereit-
gestellt.
Verwaltungsverfahren
werden
durch Deregulierungsmaßnahmen
vereinfacht.
1.4.5
Sicherheit, Brandschutz, Katast-
rophenschutz, Rettungsdienst
„Sicherheit in allen Räumen Sach-
sens – Herausforderung und Zu-
kunftsaufgabe.“
1.4.5.1 Polizei
„Bürgernahe Polizei in allen Teil-
räumen.“
Ausgangslage
Der Freistaat Sachsen ist mittlerweile eines
der sichersten Bundesländer mit einer über
dem Bundesdurchschnitt liegenden Aufklä-
rungsquote. Durch die Schaffung solider
und nachhaltiger Strukturen, die über die
nächsten zehn Jahre hinaus Bestand ha-
ben, soll die Polizei langfristig zukunftsfähig
gestaltet werden. Die Bürger im Freistaat
Sachsen sollen sich weiterhin sicher fühlen
und ihrer Polizei vertrauen. Die Gewährleis-
tung der Inneren Sicherheit ist und bleibt ein
wesentlicher Aspekt der Lebensqualität so-
wie ein bedeutender Standortfaktor für den
Freistaat Sachsen.
Entwicklungsziele
Die Polizei arbeitet weiterhin bürgernah und
gemeinwesenorientiert. Dazu wird an den
bisherigen Standorten festgehalten. Dies
umfasst auch den ländlichen Raum, ein-
schließlich der Grenzregionen, in dem die
Polizei weiterhin lageangepasst präsent
sein wird. Die Zusammenarbeit mit Bundes-
polizei, Zoll sowie der Polizei in Polen und
Tschechien ist ein wesentlicher Bestandteil
der Bekämpfung der grenzüberschreitenden
Kriminalität. Durch den Einsatz moderner
Technik soll zudem die Flexibilität der Poli-
zei auch im ländlichen Raum gestärkt wer-
den.
Maßnahmen
Die Streifenbeamten bleiben in der
bisherigen Anzahl erhalten, wobei
sich das Betreuungsverhältnis ver-
bessern wird.
Als Ansprechpartner vor Ort wer-
den Bürgerpolizisten im stärkeren
Umfang als bisher eingesetzt.
Die Einsatzeinheiten der Bereit-
schaftspolizei werden in ihrer bis-
herigen Stärke und Anzahl beibe-
halten.
Zugunsten der Präsenz vor Ort
werden Führungs-, Stabs- und
Verwaltungsaufgaben gebündelt.
Die polizeilichen Basisdienststellen
vor Ort werden angemessene In-
terventionszeiten und die Präsenz
gewährleisten.
Die sächsische Polizei ist mit der
Bundespolizei und dem Zoll in den
Gemeinsamen Zentren mit Polen
und Tschechien vertreten und un-
terhält mit der Bundespolizei ge-
meinsame Fahndungsgruppen für
den grenznahen Raum.
Die Polizeidirektionen mit Grenz-
bezug werden bei der Personalzu-
messung gesondert berücksichtigt.
1.4.5.2 Brandschutz
„Helden gesucht!“
Ausgangslage

16
Die Gemeinden sind verantwortlich für den
abwehrenden Brandschutz und die Hilfeleis-
tung im Gemeindegebiet. Die Freiwilligen
Feuerwehren und die ehrenamtlichen Leis-
tungen ihrer Bürger sind insbesondere in
den ländlichen Regionen unverzichtbarer
Bestandteil des flächendeckenden Brand-
schutzes.
Neben der traditionellen Aufgabe „Brandbe-
kämpfung“ nehmen andere Aufgaben einen
immer höheren Stellenwert für die Feuer-
wehren ein. Die Tageseinsatzbereitschaft
der Freiwilligen Feuerwehren im ländlichen
Bereich ist zunehmend schwieriger sicher-
zustellen. Die Ursachen sind vielfältig. Zu
ihnen zählen altersbedingt sinkende Mit-
gliederzahlen und Abwesenheit durch aus-
wärtige Arbeitsstätten. Die Feuerwehrkam-
pagne „Helden gesucht!“ zeigt Wirkung: Die
Mitgliederzahl bei der Jugendfeuerwehr in
Sachsen ist seit der Kampagne erstmals
nach über zehn Jahren wieder gestiegen.
Entwicklungsziele
Die Träger des Brandschutzes sollen bei
der Suche nach neuen strukturellen Ansät-
zen für die Feuerwehren zur Gewährleis-
tung des abwehrenden Brandschutzes und
Hilfeleistungen unterstützt werden. Ge-
sichtspunkte des demografischen Wandels
und die sich ändernden gesellschaftlichen
Bedingungen werden dabei besonders be-
rücksichtigt (z. B. bei der Förderung eines
Projektes in der Feuerwehr der Stadt
Weißwasser aus Zuwendungen der Staats-
kanzlei über die Förderrichtlinie Demogra-
fie).
Maßnahmen
Die Staatsregierung fördert:
Jugendfeuerwehren und die Nach-
wuchsarbeit der Feuerwehr,
die intra- und interkommunale Zu-
sammenarbeit,
Investitionen der Kommunen in
Brandschutztechnik und Gebäude
sowie
Fahrzeuge für den überörtlichen
Einsatz.
Die Motivation der ehrenamtlich tätigen
Feuerwehrleute wird gestärkt durch:
die Stiftung von Ehrenzeichen und
Orden,
die Gewährung einer Jubiläums-
zuwendung,
Einführung des sog. Feuerwehrfüh-
rerscheins für die Mitglieder der
Freiwilligen Feuerwehren, die nicht
im Besitz der Fahrerlaubnis der
Führerscheinklasse C 1 sind,
die Unterstützung der Gemeinden
bei Maßnahmen der Förderung von
Feuerwehren.
1.4.5.3 Katastrophenschutz
„Ehrenamt im Einsatz – leistungs-
fähig und im Notfall präsent.“
Ausgangslage
Die Landkreise sind verantwortlich für den
Katastrophenschutz. Zurzeit sind noch ge-
nügend Helfer - auch unter Einsatz der örtli-
chen Feuerwehren - vorhanden.
Entwicklungsziele
Ein flächendeckender Katastrophenschutz
zur Sicherstellung der Gefahrenabwehr bei
Großschadenslagen und Katastrophen wird
gewährleistet.
Maßnahmen
Die Staatsregierung fördert die
Nachwuchsarbeit bei den von pri-
vaten Hilfsorganisationen getrage-
nen Katastrophenschutzeinheiten.
Die
Jubiläumszuwendung
wird
auch für die Helfer im Katastro-
phenschutz gewährt.
Öffentlichkeitsarbeit zur Erhaltung
der notwendigen Helferzahlen wird
fortgesetzt.
Der Freistaat Sachsen fördert die
Ausstattung.
Die Ländergrenzen übergreifende
Information und Zusammenarbeit
wird ausgebaut.

17
Die in den Katastrophenschutzein-
heiten ehrenamtlich tätigen Helfe-
rinnen und Helfer werden durch die
verstärkte öffentliche Würdigung
ausgewählter
Einsatzkräfte
im
Rahmen eines Helferempfanges
gestärkt und motiviert.
Es wird ein Ehrenzeichen gestiftet.
Der sog. Feuerwehrführerschein
wird auch auf die Helfer im Katast-
rophenschutz ausgedehnt.
1.4.5.4
Rettungsdienst
„Schnelle Hilfe langfristig gewähr-
leisten.“
Ausgangslage
Ein bedarfsgerechter Rettungsdienst und
die notärztliche Versorgung aller Menschen
im ländlichen Raum sind derzeit überall in
Sachsen nach den rechtlichen Vorgaben
gewährleistet. Die verschiedenen Verant-
wortungsträger für die Durchführung und
Finanzierung der sich ergänzenden Formen
des Rettungsdienstes arbeiten zielgerichtet
und effizient zusammen.
Entwicklungsziel
Ein leistungsstarker Rettungsdienst wird
gewährleistet. Er leistet Hilfe innerhalb von
zwölf Minuten im gesamten Land.
Maßnahmen
Für die Notarztgewinnung im länd-
lichen Bereich werden finanzielle
Anreize geschaffen, z. B. durch
geeignete
Honorierungssysteme
der Krankenkassen.
Die Bereichspläne werden durch
die Träger des Rettungsdienstes,
z. B. im Hinblick auf die Fahrzeug-
bemessung, Anzahl und Standorte
von Rettungswachen, der Bedarfs-
entwicklung angepasst.
Der Luftrettungsdienst ergänzt und
unterstützt den bodengebundenen
Rettungsdienst. Dies betrifft insbe-
sondere auch die schwer erreich-
baren Gebiete.
1.4.6
Siedlungsentwicklung
„Stadt und Land – Hand in Hand
mit dem demografischen Wandel
Zukunft gestalten.“
1.4.6.1 Siedlungsstruktur
„Freiräume im Ort intelligent nut-
zen.“
Ausgangslage
Das gestufte Standortsystem der zentralen
Orte mit seinen Ober-, Mittel- und Grund-
zentren bildet das Grundgerüst für die Sied-
lungsentwicklung.
Der demografische Wandel im ländlichen
Raum macht in den nächsten Jahren eine
Strategie der intelligenten Anpassung erfor-
derlich. Kooperation und Konzentration sind
unabdingbar, um den Zugang zu öffentlicher
Daseinsvorsorge sowie die Grundversor-
gung mit Waren und Dienstleistungen zu
gewährleisten.
Die Regionalmanagements der Integrierten
Ländlichen Entwicklung unterstützen die
Bürger und Gemeinden in den ländlichen
Regionen bei der Lösung dieser Aufgaben
durch Konzepte, Koordinierung und Bera-
tung.
Entwicklungsziele
Innenstädte und Dorfkerne werden als
Wohnstandort gestärkt und Brachen wieder
nutzbar gemacht. Die Wohneigentumsquote
wird erhöht und der Wohnungsbau berück-
sichtigt die erweiterten Bedürfnisse ver-
schiedener Bevölkerungsgruppen. Kommu-
nale Energiekonzepte sichern eine nachhal-
tige Energieversorgung und erhöhen die
Energieeffizienz im Alltag.
Künftig werden verstärkt einzelne Orte
Funktionen für andere Dörfer und Städte mit
übernehmen, um Handlungsspielräume zu
erhalten und neue Perspektiven zu er-
schließen.
Die Funktionalität unserer Städte ist auf
weniger Einwohner einzurichten, aber auch
auf den Zustrom von Nutzern der Infrastruk-
tur aus dem Umland.
Maßnahmen

18
Innenstädte und Dorfkerne sollen
zu attraktiven Orten des Wohnens
für Jung und Alt weiterentwickelt
werden.
Die Infrastruktur wird an das not-
wendige Maß angepasst. Dabei
muss die Versorgungsstruktur in
den zentralen Orten so ausgerich-
tet werden, dass sie auch die Ver-
sorgung angrenzender Verflech-
tungsbereiche sicherstellt.
Einzelhandel in der Innenstadt hat
Vorrang vor Verkaufsflächen auf
der grünen Wiese. Innerörtliche
Brachen sollen für die Stadt- und
Dorfentwicklung genutzt werden.
Die Förderung erfolgt auf der
Grundlage regionaler Konzepte,
die in einem umfassenden Beteili-
gungsprozess mit den gesellschaft-
lichen Akteuren und dem Umland
aufgestellt sind und sich an der
demografischen Entwicklung orien-
tieren.
1.4.6.2 Regionale Strukturen
„Regionale
Kooperation
sichert
Selbstbestimmung und gleichwerti-
ge Lebensbedingungen“.
Ausgangslage
In der Integrierten Ländlichen Entwicklung
(ILE) hat sich die notwendige Zusammenar-
beit der Dörfer über die Gemeindegrenzen
hinaus mit der Entwicklung von Projekten
an der Basis bewährt. Die Akteure in den 35
Leader- und ILE-Gebieten in Sachsen set-
zen eigenverantwortlich ihre Prioritäten bei
der Umsetzung ihrer Strategie in der ländli-
chen Stadt- und Dorfentwicklung. Die regio-
nalen Budgetorientierungen aus dem Euro-
päischen
Landwirtschaftsfonds
(ELER)
können dabei nicht alle notwendigen Inves-
titionen abdecken.
Entwicklungsziele
Der Prozess der Integrierten Ländlichen
Entwicklung wird weitergeführt und die regi-
onale Verantwortung für Konzepte und Pro-
jekte ausgebaut. Bei der Umsetzung der
Projekte wird die demografische Entwick-
lung berücksichtigt und der Nachhaltigkeits-
gedanke gestärkt.
Die erweiterte Anwendung der Instrumente
der Ländlichen Neuordnung wird ange-
strebt.
Maßnahmen
Alle Ressorts der Staatsregierung
tragen eigenverantwortlich mit ih-
ren Instrumenten zur Umsetzung
der regionalen Strategien bei.
Die Orientierung der ILE-Förderung
auf den Baubestand wird fortge-
setzt und das Regionalmanage-
ment weitergeführt.
Energieeffizienz wird bei der För-
derung berücksichtigt.
Die Förderung wird mit Verfahren
der Ländlichen Neuordnung kom-
biniert, z. B. für Prozesse der
Dorfentwicklung.
1.4.6.3 Ländliche Regionen flexibel ent-
wickeln – neue Finanzierungs-
formen
„Die
Akteure vor Ort tragen Ver-
antwortung für Projekte und Finan-
zen.“
Ausgangslage
Ab 2014 wird es zu einer voraussichtlich
deutlichen Verminderung der Zuschüsse
aus den europäischen Fonds kommen.
Gleichzeitig
beabsichtigt
die
EU-
Kommission, der örtlichen Ebene mehr Ver-
antwortung für Projekte aber auch für die
Einhaltung verfahrenstechnischer Anforde-
rungen zu übertragen.
Die Integrierte Ländliche Entwicklung im
Rahmen des ELER-Förderverfahrens hat
sich schon in der laufenden Förderperiode
in diesem Sinne bewährt. Regionale Ent-
scheidungsgremien wählen förderwürdige
Projekte aus. Dieses effiziente Auswahlver-
fahren erübrigt staatliche Eingriffe im Einzel-
fall. Das SMUL bleibt dabei Richtliniengeber
und das eigentliche Verwaltungsverfahren
bei den Landkreisen. Mit der regionalen
Budgetorientierung verfügt die Region wäh-
rend der gesamten Programmlaufzeit über
eine finanzielle Perspektive.

19
Der ILE-Prozess hat seit 2007 dazu beige-
tragen, dass die regionale Identität und die
Vielfalt der sächsischen Regionen weiter
ausdifferenziert wurden.
Die regionalen Konzepte (ILEK) mit ihrem
integrierten Ansatz gehen schon heute weit
über den eigentlichen Wirkungsbereich des
ELER hinaus.
Entwicklungsziele
Ziel ist es, im ländlichen Raum künftig vor
allem regionale Strategien für die überge-
meindliche Zusammenarbeit und zur Koor-
dinierung von Ideen und Projekten zu nut-
zen. Die Erfahrungen zeigen, dass durch
Konzentration der Managementaufgaben
über alle Bereiche effiziente regionale Ent-
wicklungen ermöglicht werden. Einzelne
Fachplanungen werden dadurch nicht be-
rührt.
Maßnahmen
Das Instrument ILE wird für die
Förderung von Projekten im ländli-
chen Raum auch nach 2014 wei-
tergeführt.
Die Ressorts prüfen im Hinblick auf
die Förderperiode ab 2014, wie die
Zielstellung „eine Region, eine
Gemeinschaft, ein Management“
so realisiert werden kann, dass
Projekte verschiedener Förderbe-
reiche vor Ort aus nur einer Strate-
gie entwickelt werden können.
Bestehende Strukturen und Mana-
gements der Regionen können
nach dieser Abstimmung über die
bestehende ILE hinaus entspre-
chend der Möglichkeiten der ande-
ren EU-Förderfonds erweitert wer-
den.
1.4.6.4 Grenzübergreifende Regional-
entwicklung
„Grenzen überwinden durch Zu-
sammenarbeit.“
Ausgangslage
Sachsen liegt an einer ehemaligen EU-
Außengrenze mit einer Länge von 120 km
zu Polen und 450 km zu Tschechien. Mit
dieser Grenzlage sind zahlreiche Chancen
aber auch Nachteile verbunden, die es ab-
zumildern gilt (z. B. infrastrukturelle Defizite,
verstärkter struktureller und demografischer
Wandel und ungünstigere Erreichbarkeit).
Hierbei werden auch die Instrumente der
EU-Struktur- und Kohäsionspolitik genutzt,
um die Situation im Rahmen der Europäi-
schen Territorialen Zusammenarbeit
zu
verbessern.
Entwicklungsziele
Durch eine Intensivierung der grenzüber-
greifenden Zusammenarbeit wird die Le-
bensqualität für die in den Grenzregionen
lebenden Menschen entsprechend der regi-
onalspezifischen Potenziale verbessert und
die Daseinsvorsorge gewährleistet.
Maßnahmen
Projekte der grenzübergreifenden
Zusammenarbeit werden im Rah-
men der Ausgestaltung der künfti-
gen
Operationellen
Programme
unterstützt.
In diesem Rahmen der Regional-
entwicklung werden grenzübergrei-
fende Projekte durchgeführt.
1.4.7
Energie
„Der ländliche Raum hat die Ener-
gie für Sachsens Zukunft.“
Ausgangslage
Der Großteil der neu entstandenen Unter-
nehmen der Energiewirtschaft ist mit mehre-
ren Tausend Arbeitsplätzen im ländlichen
Raum angesiedelt. Die fossilen Rohstoffe
als auch die erneuerbaren Energien werden
fast ausschließlich im ländlichen Raum ge-
wonnen oder erzeugt. Dadurch tragen die
dort ansässigen Menschen die Entwicklung
mit und ziehen gleichzeitig wirtschaftlichen
Nutzen daraus.
Entwicklungsziele
Die Energieversorgung soll die Lebensquali-
tät der Menschen und die Wettbewerbsfä-
higkeit der Wirtschaft in Sachsen im Ein-
klang mit den Erfordernissen eines vorsor-
genden Klimaschutzes nachhaltig sichern.
Kernziel der Staatsregierung ist die dauer-
hafte, marktgerechte Positionierung wett-
bewerbsfähiger sächsischer Unternehmen

20
für eine kosten- und energieeffiziente Er-
zeugung und Verteilung der im ländlichen
Raum erzeugten Energie. Hierfür kommen
nur langfristig verfügbare und erneuerbare
heimische Rohstoffe und Energiequellen in
Frage.
Maßnahmen
Forschung und Entwicklung im Be-
reich der Energietechnologien wird
gefördert.
Die Nutzung erneuerbarer Ener-
gien und die Verbesserung der
Energieeffizienz in allen Bereichen
werden unterstützt.
Initialberatungen werden durch die
Sächsische Energieagentur - SA-
ENA GmbH abgesichert.
Die energetische/stoffliche Nutzung
von
Holz
und
Agrarroh-
und
-reststoffen wird unterstützt. Dabei
wird auf ein ausgewogenes Ver-
hältnis zwischen der Erzeugung
von Nahrungsmitteln und nach-
wachsenden Rohstoffen geachtet.
Die Nutzung erneuerbarer Ener-
gien für den Eigenbedarf u. a.
durch einfache, unbürokratische
Genehmigungsverfahren für Klein-
anlagen wird begünstigt.
Die energetische Sanierung öffent-
licher Gebäude wird befördert.
Die Akzeptanz der Gewinnung von
Braunkohle
durch
bürgernahe
Raumplanung
und
nachhaltige
Wiedernutzbarmachung von Ab-
baustätten ist ein Anliegen der
Staatsregierung.
1.4.8
Siedlungswasserwirtschaft
„Bezahlbare Lösungen für eine zu-
kunftssichere Ver- und Entsor-
gung.“
Ausgangslage
Während 1990 noch 50 % des Trinkwassers
nicht normgerecht und bis zu 25 % auch
stofflich belastet waren, ist heute das Was-
ser der öffentlichen Trinkwasserversorger
überall bedenkenlos trinkbar.
Mit umfangreichen Fördermitteln und Inves-
titionen wurden seit 1990 die rechtlichen
Anforderungen für die Behandlung kommu-
nalen Abwassers weitgehend umgesetzt.
Nachholbedarf gibt es noch für knapp 14 %
der Einwohner, die überwiegend im ländli-
chen Raum leben. In ihrem Interesse müs-
sen wir bezahlbare Lösungen finden, vor
allem vor dem Hintergrund sinkender Ein-
wohnerzahlen und damit geringerer Bei-
tragszahler.
Entwicklungsziele
Eine flächendeckend sichere und wirtschaft-
liche Wasserversorgung in hoher Qualität
wird gewährleistet.
Bis 2015 ist eine flächendeckende Abwas-
serentsorgung entsprechend der gesetzli-
chen Anforderungen zu erreichen. Dabei
wird insbesondere in dünn besiedelten länd-
lichen Regionen auf dezentrale und klein-
räumig flexible Gruppen- und Einzellösun-
gen gesetzt.
Maßnahmen
Es wird eine neue Grundsatzkon-
zeption Wasserversorgung für den
Zeitraum bis 2020 unter Berück-
sichtigung
der
demografischen
Entwicklung und der aktuellen Kli-
maprojektionen erarbeitet.
Die Abwasserbeseitigungskonzep-
te (ABK) werden überprüft und an
die künftige Entwicklung ange-
passt.
Der Freistaat Sachsen fördert wei-
terhin den Bau von dezentralen
Kläranlagen.
1.4.9
Gewässer- und Hochwasser-
schutz
„Lebendige Gewässer – lebendige
Regionen.“
Ausgangslage
Sachsen verfügt über eine vielfältige Ge-
wässerlandschaft. Die Hochwasserereignis-
se des vergangenen Jahrzehnts haben das
besondere Gefahrenpotenzial dieser Ge-

21
wässerlandschaft und die Notwendigkeiten
zum vorbeugenden Hochwasserschutz auf-
gezeigt. Vielfältige konzeptionelle und prak-
tische Maßnahmen wurden seither mit ho-
hem Mitteleinsatz erfolgreich durchgeführt.
Durch gezielte Gewässerunterhaltung, flä-
chengebundene Bewirtschaftungsmaßnah-
men und ein effizientes Flächenmanage-
ment kann der Wasserrückhalt in der Fläche
ständig verbessert und einer weiteren Flä-
chenversiegelung entgegengewirkt werden.
Räume, in denen Wasser zurückgehalten
werden kann, und Talsperren für den
Hochwasserschutz stehen insbesondere im
ländlichen Raum zur Verfügung. Ihre Nutz-
barmachung mindert die Hochwassergefahr
in den ländlichen Siedlungsgebieten ebenso
wie in den Ballungsräumen.
Entwicklungsziele
Der Hochwasserschutz wird insbesondere
durch Wasserrückhalt (-retention) in der
Fläche weiter verbessert. Die Flächenver-
siegelung wird reduziert und Brachflächen
werden revitalisiert. Mehr naturnahe Fließ-
gewässerstrukturen
werden
geschaffen
sowie punktuelle und diffuse Nähr- und
Schadstoffeinträge werden weiter minimiert.
Die Bürger nehmen die Möglichkeiten der
individuellen Eigenvorsorge wahr.
Die touristische Nutzbarkeit der Gewässer
und ihrer unmittelbaren Umgebung wird bei
wasserbaulichen Maßnahmen beachtet.
Maßnahmen
Die Wasserrahmenrichtlinie wird in
der Fläche umgesetzt.
Das Hochwasserrisikomanagement
für die Gewässer wird umge-
setzt/weiter befördert.
Kommunale
Hochwasserschutz-
maßnahmen werden nach der För-
derrichtlinie
Gewässer/Hochwas-
serschutz 2007 – RL GH/2007 ge-
fördert.

22
2
Lebensqualität und sozia-
les Miteinander
„Sachsens Zukunft in Stadt und
Land braucht Kultur, Identität und
Tradition.“
2.1
Kultur
„Kultur ist kein Privileg der Städte.“
Ausgangslage
Kultur und Tradition sind die Grundpfeiler
der regionalen Identität, der Heimatverbun-
denheit und der Werteorientierung der Men-
schen im ländlichen Raum. Traditionell be-
stimmen die Aktivitäten der Bürger in zahl-
reichen Vereinen das kulturelle und geistige
Leben auf dem Lande.
Darüber hinaus bereichern u. a. Kulturtreffs,
Kunstgalerien, Musikfestivals und verschie-
denste Orchester, Museen, Volkshochschu-
len und kleine Theater und Freilichtbühnen
das vielseitige kulturelle Spektrum in den
ländlichen Regionen.
Das Sächsische Kulturraumgesetz sichert
durch staatliche Mitfinanzierung und Ent-
scheidungskompetenz der Akteure vor Ort
ein breites Kulturangebot in ganz Sachsen.
Zahlreiche historische Bauten und Denkmä-
ler prägen die sächsischen Ortsbilder. Sie
werden mit Sachverstand, Leidenschaft und
finanziellem Einsatz durch die Eigentümer
gepflegt und entwickelt.
Entwicklungsziele
Kultur und Tradition dienen der Stärkung
der lokalen und regionalen Identität, sie sind
wichtige Gesichtspunkte bei der Begleitung
des demografischen Wandels. Dazu gehört
auch die Entwicklung traditioneller Dorf-
strukturen. Um ein hochwertiges kulturelles
Angebot in ländlichen Regionen zu ermögli-
chen,
werden
auch
Stadt-Umland-
Beziehungen verstärkt nutzbar gemacht.
Maßnahmen
Im Rahmen der ILE werden Projek-
te der Dorfentwicklung, bauliche
Investitionen zum Erhalt und zur
Weiterentwicklung des ländlichen
Kulturerbes sowie mobile Kulturan-
gebote gefördert.
Die Durchführung von Wettbewer-
ben zur Dorf- und Siedlungskultur,
insbesondere die Teilnahme von
Dörfern am Wettbewerb „Unser
Dorf hat Zukunft“, wird unterstützt.
Ländliche Regionen werden bei der
Vergabe der Sächsischen Lan-
desausstellung besonders berück-
sichtigt.
Die Umstrukturierung der Landes-
bühnen Sachsen zu einem mobilen
Theater für Sachsen ergänzt das
Angebot regionaler und örtlicher
Bühnen.
2.2
Ehrenamt - „Füreinander ist Eh-
rensache“
„Ehrenamtliches
Engagement
macht das Gemeinwesen lebens-
wert.“
Ausgangslage
Bürgerschaftliches Engagement, Eigenini-
tiative und Ehrenamt sind Ausdruck von
Solidarität und Teilhabe. Die gegenseitige
Bekanntheit, gepflegte Traditionen und eine
rege Vereinstätigkeit bieten in ländlichen
Regionen gute Voraussetzungen für die
Ehrenamtsarbeit und ein wirkungsvolles
Engagement des Einzelnen. Im Vergleich
zu anderen ländlichen Regionen Deutsch-
lands kann Sachsen noch aktiver werden.
Insbesondere für die ältere Generation be-
stehen neue Chancen des aktiven Mitwir-
kens. Die Staatsregierung setzt über ver-
schiedene Angebote und Fördermöglichkei-
ten Anreize zur Ausübung ehrenamtlicher
Tätigkeit. Wichtige Elemente sind das Pro-
gramm „Wir für Sachsen“, das ESF-
Förderprogramm „Lokales Kapital für sozia-
le Zwecke“ und die Alltagsbegleitung für
Senioren.
Im Bereich der Integrierten Ländlichen Ent-
wicklung bestehen weitgehende Mitwir-
kungsmöglichkeiten für die Akteure vor Ort.
Entwicklungsziele
Um mit den demografischen Herausforde-
rungen die Zukunft in den ländlichen Regio-
nen besser gestalten zu können, wird ver-
stärkt auf die Aktivierung der freiwilligen
Leistungen der Bürgerinnen und Bürger in
ihrem Umfeld gesetzt. Das ehrenamtliche

23
Engagement erfährt hohe gesellschaftliche
Wertschätzung. Es werden gezielt Anreize
zur Förderung des Ehrenamts gesetzt.
Die Unterstützungsbereitschaft und soziale
Kompetenz in der Bevölkerung gegenüber
älteren Menschen wird durch Informations-
und Bildungsangebote gestärkt.
Die Mitwirkungsmöglichkeiten der Men-
schen vor Ort bei lokal bedeutsamen Pla-
nungen und Entwicklungen werden ausge-
baut.
Maßnahmen
Förderung ehrenamtlicher Tätigkeit
in den Bereichen Soziales, Umwelt,
Kultur und Sport im Rahmen des
Förderprogramms „Wir für Sach-
sen“.
Investitionen in Vereinsanlagen zur
Entwicklung des dörflichen Ge-
meinschaftslebens werden geför-
dert.
Die ehrenamtliche Alltagsbeglei-
tung für Senioren wird weiter aus
Mitteln des Europäischen Sozial-
fonds unterstützt.
Das Ehrenamt im Naturschutz-
dienst wird stabilisiert und unter-
stützt.
Leitende ehrenamtliche Akteure im
Rahmen der Integrierten Ländli-
chen Entwicklung erhalten eine
Qualifizierung.
Die regionalen informellen Entwick-
lungskonzepte werden über eine
breite
Bürgerbeteiligung
fortge-
schrieben.
Ehrenamtliches Engagement wird
durch die Vergabe der sächsischen
Ehrenamtskarte und verschiedene
Formen der Anerkennung (z. B.
Auszeichnung
mit
der
Annen-
Medaille und Empfang im Sächsi-
schen Landtag) gewürdigt.
2.3
Kulturlandschaft und Natur-
schutz
„Sachsens intakte Natur und Land-
schaft sind Lebensgrundlage und
Kapital.“
Ausgangslage
Der ländliche Raum des Freistaates Sach-
sen ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit
hoher Attraktivität für seine Bewohner und
Besucher. Sie wird durch eine Vielfalt an
regionaltypischen Naturräumen geprägt:
Die sächsischen Großschutzgebiete sowie
das Netz von Naturschutz-, Flora-Fauna-
Habitat-
und Vogelschutzgebieten
sind
Grundpfeiler der Entwicklung im ländlichen
Raum. Sie leisten einen wertvollen Beitrag
zur Bewahrung des anvertrauten Naturer-
bes, zum Naturerlebnis und der naturkundli-
chen Bildung der Bevölkerung.
Mit dem Programm zur Biologischen Vielfalt
wirkt auch der Freistaat Sachsen aktiv dem
Verlust an Arten und Lebensräumen entge-
gen. Den Erfolg belegen zum Beispiel die
Rückkehr des Wolfes und die Wiederan-
siedlung des Lachses. Zugleich wird der
Naturtourismus behutsam entwickelt. Den-
noch haben auch im Freistaat Sachsen ge-
genwärtig nur 27 % der Arten und
58 % der Lebensraumtypen einen nach-
weislich günstigen Erhaltungszustand.
Entwicklungsziele
Der ländliche Raum wird als wertvoller Re-
generationsraum für unsere Lebensgrund-
lagen bewahrt.
Sein Naturkapital soll auch weiterhin für das
Ökosystem lebenswichtige Dienstleistun-
gen, wie z. B. Klimaregulierung, Grund- und
Hochwasserschutz oder Erholung, erbrin-
gen. Diese Leistungen im ländlichen Raum
gilt es anzuerkennen und in Zusammenar-
beit mit den Akteuren vor Ort zu erhalten.
Der Flächenverbrauch durch Straßenbau,
Siedlungstätigkeit und Ausgleichsmaßnah-
men wird reduziert.
Die Auswirkungen des Klimawandels finden
im Naturschutz und bei der Landbewirt-
schaftung Berücksichtigung.
Maßnahmen
Das Programm zur Biologischen
Vielfalt im Freistaat Sachsen wird
umgesetzt. Wichtig sind hierbei die
Unterstützung des ehrenamtlichen
Naturschutzes über seine Aus- und

24
Weiterbildung für qualitativ hoch-
wertige Maßnahmen und die ver-
stärkte
Umsetzung
komplexer
Kompensations- bzw. Ökokonto-
maßnahmen.
Ein differenziertes und vorbildliches
naturschutzfachliches Handeln auf
der Fläche des Freistaates Sach-
sen entsprechend der unterschied-
lichen
Nutzungsintensität
sowie
gezieltes
Flächenmanagement
durch Kauf oder Tausch bedeut-
samer Flächen wird umgesetzt.
Das gemeinsame Handlungspro-
gramm von SMI und SMUL zur
Reduzierung
der
Flächeninan-
spruchnahme im Freistaat Sachsen
wird umgesetzt.
Konflikte der Flächennutzung durch
die Energiewirtschaft mit dem Er-
halt der Kulturlandschaft werden
auch unter Berücksichtigung der
örtlichen Bevölkerung gelöst.

25
3
Finanzen
„Nachhaltigkeit und Generationen-
gerechtigkeit sind die Markenzei-
chen sächsischer Haushaltspolitik.“
Ausgangslage
Finanzielle Nachhaltigkeit und Generatio-
nengerechtigkeit sind Markenzeichen der
soliden sächsischen Haushaltspolitik. Hier-
von profitiert auch der ländliche Raum. Der
Staatshaushalt zeichnet sich auf der Aus-
gabenseite durch eine der höchsten Investi-
tionsquoten aller Bundesländer aus, auf der
Einnahmeseite wird bereits seit dem Jahr
2006 auf eine Neuverschuldung verzichtet.
Für die künftige Einnahmeentwicklung sind
im Freistaat Sachsen erhebliche reale Min-
dereinnahmen um bis zu 20 % für das Jahr
2025 gegenüber heute abzusehen. Wesent-
liche Ursachen sind die zurückgehenden
Leistungen aus dem Solidarpakt II, der EU-
Förderung sowie die Auswirkungen des
demografischen Wandels.
Dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit von
öffentlichen Ausgaben sind sämtliche Poli-
tikbereiche verpflichtet - dies gilt für die Zen-
tren und den ländlichen Raum gleicherma-
ßen.
Der kommunale Finanzausgleich spielt mit
seinen transparenten Verteilungsregeln eine
Schlüsselrolle in dem Bestreben nach einer
angemessenen Daseinsvorsorge in allen
Teilen Sachsens und trägt zu Planbarkeit
und finanzieller Stabilität in den sächsischen
Kommunen bei. Er ist regelmäßig auf seine
Aktualität hin zu überprüfen.
Der weitreichende Verzicht auf eine Zweck-
bindung der Finanzausgleichsmittel stärkt
die
regionale
Entscheidungskraft
und
schafft Freiräume zur effizienten Aufgaben-
wahrnehmung in den Kommunen.
Umfang und Zeitpunkt der Realisierung der
hier genannten Maßnahmen und Projekte
stehen daher unter dem Vorbehalt einer
gesicherten Finanzierung und der Bereit-
stellung der Haushaltsmittel und Stellen
durch den Sächsischen Landtag. Dabei wird
die Nutzung von Finanzierungsprogram-
men, die durch Dritte (mit-)finanziert wer-
den, insbesondere EU-Programmen ange-
strebt. Ein Anspruch gegen den Freistaat
Sachsen auf Realisierung, Finanzierung
oder finanzielle Förderung kann aus den
Leitlinien und den Projekten nicht abgeleitet
werden.
Entwicklungsziele
Die Unterstützung der Kommunen zur Si-
cherung ihrer finanziellen Handlungsfähig-
keit wird durch den kommunalen Finanz-
ausgleich beibehalten. Der Finanzausgleich
soll die zwischen den Kommunen beste-
henden
Finanzkraftunterschiede
soweit
ausgleichen, dass jede Gebietskörperschaft
unter
Beachtung
aller
Einnahmen
weitgehend gleichmäßig in die Lage ver-
setzt wird, ihre Aufgaben zu erfüllen.
Maßnahmen
Die
Wirkungsmechanismen
des
kommunalen
Finanzausgleichs
werden regelmäßig überprüft und
fortentwickelt.
Mit dem Straßenlastenausgleich
werden Mittel nach der Fläche ver-
teilt, um so unterschiedliche Bedar-
fe, die sich nicht an Einwohnerzah-
len messen lassen, sachgerechter
auszugleichen.
Jede Neu- und Bestandsinvestition
wird
auf
ihre
Erforderlichkeit,
Nachhaltigkeit, den spezifischen
Nutzen und die dauerhafte Finan-
zierbarkeit geprüft.
Über den Beirat für den kommuna-
len Finanzausgleich werden auch
die
Kommunen
im
ländlichen
Raum weiterhin bei Fragen der
Ausgestaltung dieses Instrumentes
vertreten.