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Informationsblatt zur Führung ausländischer
akademischer Grade im Freistaat Sachsen
(Stand August 2021)
Zur Führung ausländischer akademischer, staatlicher und kirchlicher Grade bedarf es im
Freistaat Sachsen keiner individuellen Genehmigung. Es gilt die gesetzliche
Allgemeingenehmigung gemäß § 44 des Gesetzes über die Freiheit der Hochschulen im
Freistaat Sachsen (Sächsisches Hochschulfreiheitsgesetz - SächsHSFG) in der Fassung der
Bekanntmachung vom 15. Januar 2013 in der jeweils geltenden Fassung.
Inhaberinnen und Inhaber ausländischer akademischer, staatlicher und kirchlicher Grade
tragen selbst die Verantwortung dafür, dass sie befugt sind, diese zu führen.
Dabei ist Folgendes zu beachten:
Der Grad kann nur geführt werden, wenn er von einer nach dem Recht des
Herkunftslandes anerkannten Hochschule und aufgrund eines nach dem Recht des
Herkunftslandes anerkannten Hochschulabschlusses nach einem ordnungsgemäß
durch Prüfung abgeschlossenen Studium verliehen worden ist.
Der Grad ist in der Form zu führen, in der er verliehen worden ist (Originalform). Die
verliehene Form kann buchstabengetreu in lateinische Schrift übertragen (transliteriert)
und eine wörtliche Übersetzung in Klammern hinzugefügt werden. Ferner kann die im
Herkunftsland zugelassene oder nachweislich allgemein übliche Abkürzung geführt
werden.
Die verleihende Hochschule ist anzugeben (Herkunftsbezeichnung).
Von diesen Grundsätzen gibt es eine Reihe begünstigender Ausnahmen:
Ohne Herkunftsbezeichnung (Angabe der verleihenden Hochschule) dürfen Hochschulgrade
aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union
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oder des Europäischen Wirtschaftsraumes
sowie des Europäischen Hochschulinstitutes Florenz und der Päpstlichen Hochschulen
geführt werden.
Wer in einem wissenschaftlichen Promotionsverfahren einen Doktorgrad in einem
Mitgliedsstaat der Europäischen Union
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oder des Europäischen Wirtschaftsraumes sowie des
Europäischen Hochschulinstitutes Florenz und der Päpstlichen Hochschulen erworben hat,
kann anstelle der im Herkunftsland zugelassenen oder nachweislich allgemein üblichen
Abkürzung die Abkürzung „Dr.“ ohne fachlichen Zusatz und ohne Herkunftsbezeichnung
führen. Die gleichzeitige Führung beider Abkürzungen ist nicht zulässig.
Diese Sonderregelung gilt nicht für Doktorgrade, die ohne Promotionsstudien oder –verfahren
vergeben werden (so genannte Berufsdoktorate) und für Doktorgrade, die nach den
rechtlichen Regelungen des Herkunftslandes nicht der dritten Ebene der Bologna-
Klassifikation der Studienabschlüsse zugeordnet sind.
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gilt nicht für die im Nortdteil Zyperns erworbenen Hochschulgrade

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Inhaberinnen und Inhaber folgender Doktorgrade können anstelle der im Herkunftsland
zugelassenen oder nachweislich üblichen Abkürzung die Abkürzung „Dr.“ ohne fachlichen
Zusatz jedoch mit Herkunftsbezeichnung führen:
Russland
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:
kandidat biologiceskich nauk
kandidat chimiceskich nauk
kandidat farmacevticeskich nauk
kandidat filologiceskich nauk
kandidat fiziko-matematiceskich nauk
kandidat geograficeskich nauk
kandidat geologo-mineralogiceskich nauk
kandidat iskusstvovedenija
kandidat medicinskich nauk
kandidat architektury
kandidat psichologiceskich nauk
kandidat selskochozjajstvennych nauk
kandidat techniceskich nauk
kandidat veterinarnych nauk
Inhaberinnen und Inhaber folgender Doktorgrade
Australien:
„Doctor of …“ mit jeweils unterschiedlicher Abkürzung
Israel:
„Doctor of …“ mit jeweils unterschiedlicher Abkürzung
Japan:
„Doctor of …“ (hakushi …)
Kanada:
„Doctor of Philosophy” – Abk.: „Ph.D.”
Vereinigtes Königreich:
„Doctor of…” mit jeweils unterschiedlicher Abkürzung
Vereinigte Staaten von Amerika:
„Doctor of Philosophy“ – Abk.: „Ph.D.“, sofern die
verleihende Einrichtung von der „Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching” als
„R1: Doctoral Universities – Very high research activity“ oder als „R2: Doctoral Universities -
High research activity” klassifiziert ist,
können anstelle der im Herkunftsland zugelassenen oder nachweislich allgemein üblichen
Abkürzungen die Abkürzung „Dr.“ jeweils ohne fachlichen Zusatz und Herkunftsbezeichnung
führen.
Doktorate, die unter die vorgenannten Regelungen für Drittstaaten fallen, müssen, unabhängig
von ihrer originalsprachlichen Bezeichnung im Herkunftsstaat, Graden entsprechen, die auf
der Grundlage eines wissenschaftlichen Promotionsverfahrens erworben werden und der
dritten Ebene der Bologna-Klassifikation zugeordnet sein.
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Die Kandidatengrade müssen von der staatlichen „Vyssaja attestacionnaja komissija Ministerstva
obrazovanija i nauki Rossijskoj Federacii“ (russische Abkürzung: VAK)/Oberste Attestationskommission
des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation (Bezeichnung seit 2007)
oder einer ihrer Vorgängereinrichtungen verliehen worden sein. Diese sind:
bis 1991:
„Vyssaja attestacionnaja komissija pri Sovete Ministrov SSSR“/Oberste Attestations-
kommission beim Ministerrat der UdSSR
1992-1996: „Vyssij attestacionnyj komitet Rossijskoj Federacii“/Oberstes Attestationskomitee der
Russischen Föderation
1997-2001: „Gosudarstvennyj vyssij attestacionnyj komitet Rossijskoj Federacii“/Staatliches Oberstes
Attestationskomitee der Russischen Föderation
2001-2006: „Vyssaja attestacionnaja komissija Ministerstva obrazovanija Rossijskoj Federacii“/
Oberste Attestationskommission des Ministeriums für Bildung der Russischen
Föderation

 
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Vereinbarungen und Abkommen der Bundesrepublik Deutschland oder ihrer Bundesländer mit
anderen Staaten, die Inhaber ausländischer Grade begünstigen, gelten vorrangig. Eine
Übersicht über die Abkommen finden Sie unter folgendem Link:
https://anabin.kmk.org/anabin.html
.
Ein ausländischer akademischer
Ehrengrad
, der von einer nach dem Recht des
Herkunftslandes zur Verleihung berechtigten Hochschule oder anderen Stellen verliehen
wurde, kann nach Maßgabe der für die Verleihung geltenden Rechtsvorschriften in der
verliehenen Originalform unter Angabe der verleihenden Stelle geführt werden.
Die Regelungen gelten für das Führen von
ausländischen Hochschultiteln und
Hochschultätigkeitsbezeichnungen
entsprechend. Nach dem Ausscheiden aus dem
Dienstverhältnis der ausländischen Hochschule ist das Führen eines ausländischen
Hochschultitels gestattet, wenn dies auch nach dem Recht des Herkunftslandes zulässig ist.
Die Umwandlung eines ausländischen akademischen Grades in einen entsprechenden
deutschen Grad können nur Berechtigte nach § 10 des Bundesvertriebenengesetzes
(Spätaussiedlerinnen/Spätaussiedler) beantragen. Die Umwandlung ist nur möglich, wenn ein
gleichwertiger deutscher Abschluss existiert.
Wer entgegen § 44 SächsHSFG fremdsprachige Grade oder diesen zum Verwechseln
ähnliche Grade führt, solche Grade verleiht oder anbietet, den Erwerb solcher Grade zu
vermitteln, handelt ordnungswidrig im Sinne von § 113 Abs. 2 Nr. 6 SächsHSFG.
Besondere berufsrechtliche Genehmigungs- und Anzeigeerfordernisse
bleiben durch die
gesetzliche Führungsbefugnis gemäß § 44 Sächsisches Hochschulfreiheitsgesetz unberührt.
In diesen Fällen müssen Sie sich mit den zuständigen berufsständischen Einrichtungen und
Institutionen in Verbindung setzten. Dies gilt insbesondere für reglementierte Berufe.
Zuständige Stellen sind insoweit unter anderem für
Approbationen und Berufserlaubnisse
für Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Apothekerinnen und
Apotheker
Landesdirektion Sachsen, Dienststelle Dresden, Stauffenbergallee 2, 01099 Dresden
für Tierärztinnen und Tierärzte
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt,
Albertstraße 10, 01097 Dresden
für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten
Landesdirektion Sachsen, Sächsisches Landesprüfungsamt für akademische Heilberufe,
Stauffenbergallee 2, 01099 Dresden
für die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter,
Sozialpädagogin oder Sozialpädagoge, Heilpädagogin oder Heilpädagoge,
Kindheitspädagogin oder Kindheitspädagoge
Landesdirektion Sachsen, Dienststelle Chemnitz, Altchemnitzerstraße 41, 09120 Chemnitz
für die staatliche Anerkennung ausländischer Lehrerbildungsabschlüsse
Landesamt für Schule und Bildung, Standort Radebeul, Dresdner Straße 78c, 01445 Radebeul

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Zuständige Kammern für das Führen von Facharztbezeichnungen und
Berufsbezeichnungen sind die
Sächsische Landesärztekammer, Schützenhöhe 16, 01099 Dresden
Sächsische Landeszahnärztekammer, Schützenhöhe 11, 01099 Dresden
Sächsische Tierärztekammer, Schützenhöhe 16, 01099 Dresden
Sächsische Landesapothekenkammer, Pillnitzer Landstr. 10, 01326 Dresden
Architektenkammer Sachsen, Goetheallee 37, 01309 Dresden
Rechtsanwaltskammer Sachsen, Glacisstraße 6, 01099 Dresden
Ingenieurkammer Sachsen, Annenstraße 10, 01067 Dresden
Zeugnisbewertung für ausländische Hochschulqualifikationen
Eine Zeugnisbewertung ist ein offizielles Dokument der Zentralstelle für ausländisches
Bildungswesen (ZAB), Bonn, mit dem eine ausländische Hochschulqualifikation beschrieben
und ihre beruflichen und akademischen Verwendungsmöglichkeiten bescheinigt werden.
Eine Zeugnisbewertung der ZAB soll Ihnen den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt mit einer
ausländischen Hochschulqualifikation erleichtern. Sie ist eine vergleichende Einstufung, nicht
jedoch eine Anerkennung, wie sie in reglementierten Berufen erforderlich ist. Die
Zeugnisbewertung ist kostenpflichtig. Weitere Informationen, auch zur Antragstellung, erhalten
Sie unter folgendem Link:
https://www.kmk.org/zab/zentralstelle-fuer-auslaendisches-
bildungswesen/zeugnisbewertung-fuer-auslaendische-hochschulqualifikationen.html.
Für weitere Informationen steht Ihnen auch die Datenbank „anabin“ der Zentralstelle für
ausländisches Bildungswesen, Bonn, im Sekretariat der Kultusministerkonferenz zur
Verfügung. Sie enthält Informationen über ausländische Hochschulabschlüsse,
Studienrichtungen sowie Hinweise auf Äquivalenzen von derzeit ca. 180 Ländern. Sie finden
die Homepage unter folgendem Link:
https://anabin.kmk.org/anabin.html
.
Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber entscheiden selbst, ob die ausländische Ausbildung den
Anforderungen der angebotenen Arbeitsstelle entspricht. Das gilt auch für die Einstellung in
den öffentlichen Dienst. In diesen Fällen werden die erforderlichen Feststellungen durch die
einstellende Behörde getroffen.
Sofern im Einzelfall eine Bewertung des ausländischen Abschlusses zur Beurteilung der
Förderungsvoraussetzungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG)
erforderlich ist, müssen Sie sich mit dem zuständigen Amt für Ausbildungsförderung – in der
Regel das örtliche Studentenwerk – in Verbindung setzen. Dieses wird die Entscheidung im
Rahmen seiner Amtsermittlungspflicht, ggf. unter Beteiligung der Zentralstelle für
ausländisches Bildungswesen, treffen.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Sächsische Staatsministerium für
Wissenschaft, Kultur und Tourismus, Wigardstraße 17, 01097 Dresden. Sprechzeiten:
Dienstag 10:00 – 12:00 Uhr, Donnerstag 14:00 – 16:00 Uhr und nach Vereinbarung.
Telefonische Auskünfte erhalten Sie unter folgender Telefonnummer: 0351/564-63115.