Vorläufige Hinweise zum Einsatz von
Baustoffrecyclingmaterial im Freistaat Sachsen
(Recyclingerlass)
(Stand: 9. Januar 2020)
1. Allgemeines
Diese Hinweise gelten vorerst bis zum 31. Dezember 2021, längstens jedoch bis zum
Inkrafttreten einer Verordnung des Bundes oder eines länderübergreifenden, vom
Freistaat Sachsen gebilligten Regelwerkes zum selben Regelungsgegenstand.
2. Anwendungsbereich
Diese Hinweise richten sich
1. an die Erzeuger und Besitzer mineralischer Bau- und Abbruchabfälle,
2. an Produzenten und Lieferanten mineralischer Recyclingbaustoffe, die im
Freistaat Sachsen verwendet werden,
3. an Bauherren, Bauwerksplaner und Bauausführende,
4. an die mit der Überwachung der Bewirtschaftung mineralischer Bau- und
Abbruchabfälle sowie des Einsatzes von Recyclingbaustoffe befassten Stellen,
insbesondere an die Abfall- und Bodenschutz- sowie Wasserbehörden sowie
5. an die mit der Untersuchung und Gütesicherung von Recyclingbaustoffen
befassten Stellen.
Ausgangsmaterialien für Recyclingbaustoffe sind grundsätzlich folgende, im
Wesentlichen bei Abbruch, Rück-, Neu-, Aus- und Umbau von Gebäuden, Kunstbauten,
Straßen und Wegen sowie im Hoch- und Tiefbau anfallende Abfälle folgender Abfall-
arten:
1. Beton (Abfallschlüssel 17 01 01),
2. Ziegel (Abfallschlüssel 17 01 02),
3. Fliesen und Keramik (Abfallschlüssel 17 01 03),
4. Gemische aus Beton, Ziegeln, Fliesen und Keramik (Abfallschlüssel 17 01 07),
5. Bitumengemische außer kohlenteerhaltige Bitumengemische (Abfallschlüssel
17 03 02),
6. Abfälle aus Keramikerzeugnissen, Ziegeln, Fliesen und Steinzeug (Abfall-
schlüssel 10 12 08),
7. Betonabfälle (Abfallschlüssel 10 13 14), hier jedoch ohne Betonschlämme.

2
Der Anwendungsbereich dieser Hinweise erstreckt sich auf folgende, als Recycling-
baustoffe bezeichnete Materialien:
1. Bauschutt, aufbereitet durch Brechen, Klassieren, Sieben,
2. Bauschutt (unaufbereitet), sofern er sich für bautechnische Zwecke auch ohne
Aufbereitung eignet,
3. Straßenaufbruch mit Ausnahme von Ausbauasphalt, der im Sinne der Nr. 7 des
folgenden Satzes verwertet wird sowie
4. natürliche Gesteinskörnungen, Natur- und Betonwerksteine, die getrennt oder
gemeinsam mit Bauschutt in Baustoff-Recyclinganlagen aufbereitet werden,
und deren Einbau in
technischen Bauwerken
.
Der Anwendungsbereich dieser Hinweise erstreckt sich jedoch nicht auf:
1. bautechnische Qualitätsanforderungen (diese ergeben sich aus den
einschlägigen Technischen Regelwerken),
2. die Verwertung von Bodenmaterial,
3. die Verfüllung von Tagebauen (zum Beispiel Steinbrüchen) und Abgrabungen,
4. technische Bauwerke, die im Rahmen der Verfüllung von Tagebauen und
Abgrabungen errichtet und nicht zurückgebaut, sondern Teil des Bodens werden,
5. Düngung und Bodenverbesserung,
6. bodenähnliche Anwendungen sowie
7. Ausbauasphalt (der Verwertungsklasse A), der als Asphaltgranulat in Trag-,
Deck-, Binder- und Tragdeckschichten gemäß der „Richtlinien für die umwelt-
verträgliche Verwertung von Ausbaustoffen mit teer-/ pechtypischen Bestand-
teilen sowie für die Verwertung von Ausbauasphalt im Straßenbau (RuVA-StB01,
Fassung 2005)“ verwertet wird.
3.
Anforderungen an die Aufbereitung und Lagerung
Die Ausgangsmaterialien zur Herstellung mineralischer Recyclingbaustoffe sind so zu
lagern und aufzubereiten, dass sie den Anforderungen dieser Hinweise entsprechen.
Generell ist eine größtmögliche Getrennthaltung der einzelnen Ausgangsmaterialien
anzustreben.
Ausgangsmaterialien, die im Verdacht stehen, die in Kapitel 5 Tabelle 1 enthaltenen
Anforderungen an die Qualität von Recyclingbaustoffen nicht einhalten zu können
(zum Beispiel pech- und teerverdächtiges Straßenaufbruchmaterial, Gipsplatten), sind
separat zu lagern und in Abhängigkeit von den Analyseergebnissen der Eingangsüber-
wachung zu verwerten oder zu beseitigen.
Die Bereiche für die Lagerung der angenommenen Ausgangsmaterialien sollen räum-
lich und organisatorisch voneinander getrennt und erkennbar gekennzeichnet sein.

3
4. Einbaukonfigurationen für Baustoffrecyclingmaterial
4.1. Grundsätzliches
Die Möglichkeiten zum Einbau von Baustoffrecyclingmaterial richten sich im Regelfall
nach Stoffkonzentrationen im Feststoff beziehungsweise Eluat (Zuordnungswerte W1.1,
W1.2 und W2). Diese beschreiben Materialqualitäten und lassen bestimmte Einbau-
konfigurationen zu, die in den Kapiteln 4.3 bis 4.5.5 dargestellt werden. Ein Recycling-
baustoff der Qualität W1.1 kann in Einbaukonfigurationen W1.1, W1.2 sowie W2, ein
Recyclingbaustoff der Qualität W1.2 nur in Einbaukonfigurationen W1.2 sowie W2 und
ein Recyclingbaustoff der Qualität W2 nur in der Einbaukonfiguration W2 eingesetzt
werden.
Beim Einbau des Baustoffrecyclingmaterials ist der Mindestabstand zum höchsten zu
erwartenden Grundwasserstand gemäß den Abbildungen 1 bis 8 zu beachteten. Der
höchste zu erwartende Grundwasserstand entspricht dem höchsten gemessenen oder
aus Messdaten abgeleiteten sowie von nicht dauerhafter Grundwasserabsenkung
unbeeinflussten Grundwasserstand zuzüglich eines Sicherheitsabstands von 0,5 Meter.
Zur Beurteilung sind insbesondere Hydroisohypsenpläne sowie Grundwasserflur-
abstandskarten heranzuziehen (zum Beispiel Informationsportal iDA
1
).
4.2. Schutzgebiete
Besondere gebietsbezogene Einschränkungen (zum Beispiel Wasserschutzgebiets-
verordnung) sind zu beachten. Der Einsatz in Trinkwasserschutzgebieten, Heilquellen-
schutzgebieten und Wasservorranggebieten bedarf stets der Einzelfallprüfung und einer
Abstimmung mit der zuständigen Wasserbehörde. In den Schutzzonen I und II von fest-
gesetzten, einstweilig festgestellten oder fachbehördlich geplanten Trinkwasserschutz-
gebieten und Heilquellenschutzgebieten ist der Einsatz von Baustoffrecyclingmaterial
untersagt. Im Weiteren sind die Vorgaben zu den Gebieten in Ziffer 4.3 und 4.5 zu
beachten. Regelungen aufgrund der §§ 51 bis 53 Wasserhaushaltsgesetz bleiben unbe-
rührt.
In Schutzgebieten nach Naturschutzrecht ist die Zulässigkeit des Einsatzes von Recyc-
lingmaterial in der jeweiligen Rechtsverordnung geregelt. Die Einzelfallprüfung nimmt
die untere Naturschutzbehörde vor. Es greifen außerdem die Eingriffs-/Aus-
gleichsregelung (§ 14 ff. Bundesnaturschutzgesetz [BNatSchG]), der gesetzliche
Biotopschutz (§ 30 BNatSchG) und die Feststellung des Projektcharakters
(§ 34 BNatSchG).
1
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida/pages/access/login.xhtml

4
4.3. Einbaukonfiguration W1.1 - Verwendung in technischen Bauwerken
(offen)
Die Recyclingmaterialien werden so eingebaut, dass sie von Wasser durchsickert
werden können (wasserdurchlässige Bauweise). Die Einbaukonfiguration W1.1 stellt
sicher, dass selbst unter ungünstigen hydrogeologischen Bedingungen keine nach-
teiligen Veränderungen des Grundwassers auftreten.
In
Zone III und III A von festgesetzten, vorläufig sichergestellten oder behördlich
geplanten Trinkwasserschutzgebieten,
Zone III von festgesetzten, vorläufig sichergestellten oder behördlich geplanten
Heilquellenschutzgebieten,
Wasservorranggebieten, die in Raumordnungsplänen ausgewiesen sind, und
Gebieten mit häufigen Überschwemmungen, zum Beispiel Hochwasserrück-
haltebecken, Flussauen und Außendeichflächen
sollen keine Recyclingmaterialien eingesetzt werden, deren Schadstoffgehalte die
Zuordnungswerte W1.1 überschreiten. Die zuständige Wasserbehörde kann im Einzel-
fall Ausnahmen zulassen.
4.4. Einbaukonfiguration W1.2 - Verwendung in technischen Bauwerken
(offen) unter günstigen hydrogeologischen Voraussetzungen
Die Recyclingmaterialien werden so eingebaut, dass sie von Wasser durchsickert
werden können (wasserdurchlässige Bauweise). Bei Verwendung von Recycling-
materialien der Qualität W1.2 ist nur unter günstigen hydrogeologischen Bedingungen
stets sichergestellt, dass keine nachteiligen Veränderungen des Grundwassers auf-
treten. Günstige hydrogeologische Bedingungen liegen dann vor, wenn der Grund-
1m
P
Material bis Qualität W1.1
höchster zu erwartender
Grundwasserstand
nicht besonders abdichtende Fläche
Abbildung 1: Einbaukonfiguration W1.1

5
wasserleiter durch flächig verbreitete, ausreichend mächtige und homogene
Deckschichten mit geringer Durchlässigkeit und hohem Rückhaltevermögen gegenüber
Schadstoffen geschützt ist. Ein hohes Rückhaltevermögen bieten in der Regel Deck-
schichten aus Tonen, Schluffen oder Lehmen mit mindestens zwei Meter Mächtigkeit.
Der Nachweis günstiger hydrogeologischer Bedingungen ist durch Gutachten fach-
kundiger Ingenieurbüros zu führen. Der Nachweis ist aufzubewahren und auf Verlangen
der zuständigen Behörde vorzulegen.
4.5.
Einbaukonfiguration W2 - Eingeschränkter Einbau in technischen Bau-
werken mit definierten technischen Sicherungsmaßnahmen
Die Recyclingmaterialien werden unter einer wasserundurchlässigen Deckschicht so
eingebaut, dass sie von Wasser nicht oder nur geringfügig durchsickert werden können
(nicht oder nur gering wasserdurchlässige Bauweise), also entweder in Tragschichten
unter wasserundurchlässiger Schicht oder als gebundene Tragschichten/Gründungen
unter wenig durchlässigen Deckschichten (zum Beispiel unter Pflaster oder Platten).
In
Zone III A und III B von festgesetzten, vorläufig sichergestellten oder behördlich
geplanten Trinkwasserschutzgebieten,
Zone III und IV von festgesetzten, vorläufig sichergestellten oder behördlich
geplanten Heilquellenschutzgebieten sowie
Wasservorranggebieten, die in Raumordnungsplänen ausgewiesen sind,
ist der Einbau von Recyclingmaterialien, die die Zuordnungswerte W2 einhalten, nur in
den wasserundurchlässigen Bauweisen des Straßenbaus möglich. Dabei ist darauf zu
achten, dass es während der Bauarbeiten vor dem Aufbringen der wasserundurchlässi-
gen Deckschicht nicht zur Auslaugung oder Auswaschung von Schadstoffen aus den
2 m bindige Schicht
2 m
Material bis Qualität W1.2
höchster zu erwartender
Grundwasserstand
nicht besonders abdichtende Schicht
P
Abbildung 2: Einbaukonfiguration W1.2

6
Recyclingmaterialien kommt, soweit diese nicht aufgrund kurzer baubedingter
Zwischenstände unvermeidbar ist.
4.5.1.
Verwendung unter einer Deckschicht aus Beton oder Asphalt
4.5.2.
Verwendung als hydraulisch gebundene Tragschicht oder als Gründung
höchster zu erwartender
Grundwasserstand
wenig durchlässige Deckschicht
hydraulisch gebundenes Material
bis Qualität W2
1
1
1 m
besonders abdichtende Schicht
Material bis Qualität W2
höchster zu erwartender
Grundwasserstand
Abbildung 3: Einbaukonfiguration W2 - Verwendung unter einer Deck-
schicht aus Beton oder Asphalt
Abbildung 4: Einbaukonfiguration W2 - Verwendung als hydraulisch gebundene
Tragschicht oder als Gründung unter wenig durchlässiger Deckschicht (Pflaster,
Platten)

7
4.5.3. Verwendung als Schüttmaterial
Verwendung bei Verkehrswegedämmen, sofern
eine wasserundurchlässige Fahrbahndecke,
an den Dammbanketten und -böschungen eine mineralische Oberflächenabdich-
tung mit einer Dicke von mindestens 0,5 m sowie einer Durchlässigkeit von
k
f
< 10
-8
m/s, Kunststoffdichtungsbahnen oder geosynthetischen Tondichtungs-
bahnen und
eine darüber liegende Rekultivierungsschicht
vorgesehen sind. Letztere muss im Falle der mineralischen Oberflächenabdichtung
gleichzeitig die Eigenschaften einer Wasserhaushaltsschicht aufweisen. Der geforderte
k
f
-Wert kann eine gezielte erdbautechnische Verdichtung sowohl des Dammes an sich
als auch der Deckschicht erfordern.
Für Lärmschutzwälle gelten entsprechende Anforderungen.
1 m
Material bis Qualität W2
Deckschicht 0,5 m; k
f
<10
-8
m/s oder Kunststoff-
dichtungsbahnen oder geosynthetische Tondich-
tungsbahnen, jeweils mit Aufbringen einer Rekul-
tivierungsschicht nach § 12 BBodSchV, letztere
muss im Falle der Deckschicht gleichzeitig die Ei-
genschaften einer Wasserhaushaltsschicht auf-
weisen
Wasserundurchlässige
Fahrbahndecke
höchster zu erwartender
Grundwasserstand
Abbildung 5: Einbaukonfiguration W2 - Verwendung als Schüttmaterial in einem
Verkehrswegedamm

8
4.5.4. Verwendung zur Gründung von Bauwerken und Verfüllung von Arbeits-
räumen
4.5.5.
Weitere Einbaubeispiele mit verschiedenen Einbaukonfigurationen
Abbildung 7 zeigt ein Einbaubeispiel für Recyclingmaterial bis zur Qualität W2. Das
Durchströmen von Materialien der Qualität W2 muss auch bei seitlich zuströmendem
Grund- und Sickerwässern durch technische Sicherungsmaßnahmen ausgeschlossen
sein.
1 m
Materialqualität bis W2
höchster zu erwartender Grundwasserstand
besonders abdichtende
Schicht aus Beton oder
Asphalt
Abbildung 6: Einbaukonfiguration W2 - Verwendung zur Gründung von Bau-
werken
Abbildung 7: Einbau von Recyclingmaterial verschiedener Qualitäten zur Unter-
fütterung von Bauwerken und Verfüllung von Arbeitsräumen
technische Sicherungs-
maßnahme bei Ver-
füllung mit W2-Material
Grund-/Sickerwasser
höchster zu erwartender Grundwasserstand
Material bis Qualität W2
Bauwerk
besonders abdichtende Schicht
wie in Abb. 3
1 m
HHW

9
5. Anforderungen an die Qualität von Recyclingbaustoffen im Hin-
blick auf die Umweltverträglichkeit
5.1. Zuordnungswerte
Die in Tabelle 1 aufgeführten Zuordnungswerte W1.1, W1.2 und W2 stellen jeweils die
Obergrenzen für die jeweiligen Einbaukonfigurationen dar.
Niedrigere Zuordnungswerte als W1.1, die natürlichen, geogen nicht belasteten Böden
entsprechen würden, sind für Recyclingmaterial aus Bauschutt nicht relevant, da die
Verwendung dieses Materials für bodenähnliche Anwendungen grundsätzlich ausge-
schlossen wird. W0-Werte werden deshalb nicht definiert.
Eine Überschreitung der Zuordnungswerte in Tabelle 1 kann ausnahmsweise zuge-
lassen werden, wenn der Nachweis gegenüber der zuständigen Wasserbehörde
erbracht wird, dass trotz der Überschreitung schädliche Umweltbeeinträchtigungen nicht
zu besorgen sind (siehe dazu Kapitel 5.2.).
Wenn die natürliche (geogene) oder großflächig siedlungsbedingte Hintergrund-
belastung am Einsatzort die Zuordnungswerte der Tabelle 1 übersteigt, durch den
Materialeinbau jedoch keine erhebliche Freisetzung von Schadstoffen oder zusätzliche
Einträge mit nachteiligen Auswirkungen auf Bodenfunktionen und Grundwasser erfolgt
und keine schädliche Bodenveränderung be- oder entsteht, ist in der Regel ein Einbau
bis zu den am Einsatzort vorkommenden Schadstoffgehalten möglich.
Bezüglich der Verfahrensweise zur Bestimmung der Stoffkonzentrationen, welche mit
den Zuordnungswerten zu vergleichen sind, ist der
Anhang
zu beachten.

10
Tabelle 1: Zuordnungswerte (W-Werte)
Zuordnungswerte
Nr.
Parameter
Dimension
W1.1
W1.2
W2
1 Kohlenwasserstoffe C
10
-C
40
mg/kg
300 (600*) 500 (600*) 1000
(2000
*
)
2
PAK nach EPA
mg/kg
5 (10**)
15 (25**)
25
3 EOX
mg/kg
3
5
10
4 PCB
6
mg/kg 0,1 0,5 1
5 Arsen
μg/l
10
40
50
6 Blei
μg/l
25
100
100
7 Cadmium
μg/l
5
5
5
8 Chrom gesamt
μg/l
50
75
100
9 Kupfer
μg/l
50
150
200
10 Nickel
μg/l
50
100
100
11 Quecksilber
μg/l
1
1
2
12 Zink
μg/l
500
500
500
13 Phenole
μg/l
20
50
100
14 Chlorid
mg/l
100
200
300
15 Sulfat
mg/l
240
300
600
16 pH-Wert
--------
7-12,5***
7-12,5***
7-12,5***
17 elektr. Leitfähigkeit
μS/cm
1500***
2500***
3000***
*
Werte gelten nur, sofern die MKW-Konzentrationen auf Asphaltanteile zurück-
zuführen sind. Zum Nachweis ist im Eluat eine MKW-Konzentration von 200 μg/l
einzuhalten.
**
Werte gelten nur, sofern die PAK-Konzentrationen auf Asphaltanteile zurück-
zuführen sind. Zum Nachweis ist im Eluat eine PAK-Konzentration von 0,2 μg/l
einzuhalten.
*** Werte sind bei frisch gebrochenem, reinem Betonmaterial kein Ausschluss-
kriterium, wenn die Werte für Chlorid und Sulfat und alle übrigen Zuordnungs-
werte eingehalten werden und andere Salzbelastungen ausgeschlossen werden
können.

11
5.2. Anforderung des Grundwasserschutzes bei ausnahmsweiser
Überschreitung der Zuordnungswerte
Ein Überschreiten der Zuordnungswerte nach Tabelle 1 kann durch die zuständige
Wasserbehörde ausnahmsweise zugelassen werden, wenn durch den Bauherren
nachgewiesen wird, dass die Geringfügigkeitsschwellen des Grundwasserschutzes
gemäß Tabelle 2 am Übergang der ungesättigten zur gesättigten Zone im konkreten
Einzelfall dauerhaft nicht überschritten werden.
Nr.
Parameter
Dimension
Konzentrationen
1 Arsen μg/l 10 (3,2*)
2 Blei μg/l 10 (1,2*)
3 Cadmium μg/l 0,5 (0,3*)
4
Chrom gesamt
μg/l
50 (3,4*)
5 Kupfer
μg/l
50 (5,4*)
6 Nickel
μg/l
20 (7*)
7 Quecksilber μg/l
0,2 (0,1*)
8 Zink
μg/l
500 (60*)
9 Phenol
μg/l
8
10
Chlorid
mg/l
250 (100*)
11
Sulfat
mg/l
250
12
Fluorid
μg/l
750
13
LHKW
μg/l
10
14
Anthracen
μg/l
0,1
15
Fluoranthen
μg/l
0,1
(*) Für die Beurteilung konkret betroffener und grundwasserabhängiger aquatischer
oder gesetzlich geschützter Land-Ökosysteme sind die ökotoxikologisch begrün-
Tabelle 2: Konzentrationen im Sickerwasser am Übergang von der ungesättigten zur
gesättigten Zone

12
deten Geringfügigkeitsschwellen des Grundwasserschutzes (siehe Einführung des
GFS-Berichtes 2016 im Freistaat Sachsen, 12. Juli 2018
2
) einzuhalten.
6. Zusätzliche Anforderungen beim Einsatz von Baustoffrecycling-
material, Bewertung der Überwachungsergebnisse und
Einhaltung der Zuordnungswerte
Die Sicherung der Qualität der bautechnischen Kennwerte des Baustoffrecycling-
materials für den Straßenbau erfolgt nach den Festlegungen des Sächsischen Staats-
ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Abteilung „Verkehr“ (SMWA). Zusätz-
lich zu den Anforderungen an die Umweltverträglichkeit sind insbesondere bei der
Verwendung als Betonzuschlag die Anforderungen der DIN 4226-100 zu erfüllen. Für
die werkseigene Produktionskontrolle (WPk), die Fremdüberwachung sowie die
Qualitätssicherung beziehungsweise Dokumentation gelten die Vorgaben der LAGA-
Mitteilungen 20, Teil Bauschutt, Stand 6. November 1997. Die Ergebnisse aus der WPk
und der Fremdüberwachung und gegebenenfalls behördlichen Überwachung sind in
einer Zeitreihe festzuhalten. Die geforderten Zuordnungswerte gelten als überschritten,
wenn aus dieser Zeitreihe hervorgeht, dass bei den letzten fünf im Rahmen der WPk
beziehungsweise Fremdüberwachung und gegebenenfalls der behördlichen Über-
wachung durchgeführten Überprüfungen ein und derselbe Zuordnungswert der Tabelle
1 zweimal überschritten wurde oder in einem Fall eine Überschreitung von mehr als 50
Prozent auftrat. Eine einzelne Überschreitung von mehr als 50 Prozent kann toleriert
werden, sofern die Überschreitung des betreffenden Zuordnungswertes nicht bei min-
destens einer von zwei weiteren repräsentativen Probenahmen des beanstandeten
Haufwerks bestätigt
wird.
7.
Abgrenzungskriterien "Abfall – Produkt"
Ein Recyclingbaustoff kann das Ende der Abfalleigenschaft erreichen, wenn er die
Anforderungen nach § 5 Absatz 1 Kreislaufwirtschaftsgesetz erfüllt, das heißt, wenn er
ein Verwertungsverfahren durchlaufen hat und so beschaffen ist, dass
1.
er üblicherweise für bestimmte Zwecke verwendet wird,
2.
ein Markt für ihn oder eine Nachfrage nach ihm besteht,
3.
er alle für seine jeweilige Zweckbestimmung geltenden technischen Anforderun-
gen sowie alle Rechtsvorschriften und anwendbaren Normen für Erzeugnisse
erfüllt sowie
2
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/203.htm

13
4.
seine Verwendung insgesamt nicht zu schädlichen Auswirkungen auf Mensch
oder Umwelt führt.
Zur Erfüllung der Anforderungen nach Satz 1 Nummer 4 müssen Recyclingbaustoffe die
in Kapitel 5 Tabelle 1 genannten Zuordnungswerte W 1.1 zuverlässig einhalten,
ordnungsgemäß deklariert (der Anwendungsbereich ist genau zu bestimmen) und
gütegesichert sein. Die Sicherung der Qualität der Recyclingbaustoffe nach diesem
Erlass ist durch ein behördlich anerkanntes Gütesicherungssystem zu gewährleisten.
Die behördliche Anerkennung kann durch das Sächsische Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (LfULG) oder durch ein anderes Bundesland erfolgen. Im
letzteren Fall ist eine Bestätigung durch das LfULG vor der Aufnahme der Tätigkeit im
Freistaat Sachsen erforderlich. Die örtlich zuständige Abfallbehörde kann für ihren
Zuständigkeitsbereich ebenfalls Gütesicherungssysteme anerkennen.
8. Ausschreibungen
Zum Schutz der natürlichen Ressourcen sind Bauherren und Bauwerksplaner auf-
gerufen, den Einsatz von Recyclingbaustoffen durch materialneutrale Ausschreibungen
oder solche, in denen Recyclingbaustoffe gefordert werden, zu fördern. Bei Ausschrei-
bungen der öffentlichen Hand im Freistaat Sachsen kommt ein Ausschluss von Recyc-
lingmaterial oder -produkten nur ausnahmsweise in Betracht und ist nachvollziehbar zu
begründen (§ 10 Satz 4 Sächsisches Kreislaufwirtschafts- und Bodenschutzgesetz
[SächsKrWBodSchG]).

14
Anhang
1.
Allgemeine Hinweise zu den Untersuchungsverfahren
Die Fachgremien des LAGA-Forums Abfalluntersuchung und der Fachbeirat für Boden-
untersuchungen haben zur Harmonisierung der Untersuchungsmethoden in 2018 eine
gemeinsame Methodensammlung zusammengestellt. Neben der Harmonisierung dient
diese Zusammenstellung auch der Aktualisierung mit dem Hinweis auf die Gleich-
wertigkeit neuer, leistungsstarker Untersuchungsverfahren, insbesondere als Ersatz für
veraltete oder bereits zurückgezogene Normen. Mit Beschluss 42/2018 der Umwelt-
ministerkonferenz wurde diese Methodensammlung veröffentlicht
3
und den Ländern zur
Einführung empfohlen.
2.
Probengewinnung und -vorbereitung
Das Material ist grundsätzlich in der Kornverteilung zu untersuchen, in der es verwertet
werden soll. Eine Zerkleinerung darf nur insoweit vorgenommen werden, wie sie für die
Durchführung der Untersuchung unbedingt notwendig ist.
a.) Recyclingbaustoffe im ungebundenen Zustand:
Es ist die zur Auslieferung kommende Lieferkörnung zu untersuchen. Gröbere Körner
werden aussortiert und verworfen.
Die Probenmenge der Laborprobe ist in Abhängigkeit vom Größtkorn des zu unter-
suchenden Materials wie folgt zu wählen:
Größtkorn
< 10 mm
rd. 1.000 g
10 bis 20 mm
rd. 1.500 g
> 20 mm
rd. 2.500 g.
b.) Recyclingbaustoffe im gebundenen Zustand:
Aus den Betonmischungen (zuzulassendes Material und Vergleichsmischung) sind
Betonwürfel mit den Abmessungen 100 mm x 100 mm x 100 mm nach DIN EN 12390-
2: 2009-08 herzustellen (Schalöl darf nicht verwendet werden). Die Würfel werden in
der Regel nach einem Tag ausgeschalt.
3
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/359/dokumente/methosa_fu_v1_1_18-11-
06_online_laga_fbu.pdf

15
Nach dem Ausschalen sind Probenkörper dicht verpackt bei einer Temperatur von 20
2 Grad Celsius zu lagern. In der Regel werden die Probenkörper bis zu einem Alter von
56 Tagen gelagert. Die Anforderung gilt als erfüllt, wenn die Würfel sofort in eine min-
destens 0,3 Millimeter dicke Kunststofffolie zweifach eingewickelt und alle Ränder der
Kunststofffolie mit Klebeband überklebt werden. Bei der Elution von organischen Sub-
stanzen ist die Lagerungsart mit dem LfULG abzustimmen. In Abhängigkeit von der
Festigkeitsentwicklung des Betons kann auch eine andere Lagerungsdauer festgelegt
werden, die jedoch 91 Tage nicht überschreiten darf.
4
3. Elutionsverfahren
Die Eluatherstellung erfolgt nach DIN EN 12457-4 (01/2003) in Verbindung mit
Anhang E mit folgenden Abweichungen:
a.) Recyclingbaustoffe im ungebundenen Zustand:
Das Wasser-Feststoffverhältnis beträgt in jedem Fall 10: 1.
Die Eluierung mehrerer Teilproben ist zulässig. Vor der Weiterverarbeitung sind in
diesem Fall die Teileluate zu vereinigen. Sofern eine Trocknung der Probe zur Proben-
teilung und gegebenenfalls. Siebung erforderlich wird, ist eine Lufttrocknung vorzu-
nehmen.
Der Wassergehalt der zur Auslaugung vorgesehenen Probe ist an einer Parallelprobe
durch Trocknung bei 105 Grad Celsius entsprechend DIN EN 15934 (11/2012) –
Verfahren A zu ermitteln.
Eluatbehandlung:
Die Trennung von Eluat und Probe hat unmittelbar nach Beendigung des Schüttelns zu
erfolgen. Für die Bestimmung der organisch-chemischen Parameter darf das trübe
Eluat nicht filtriert werden. Das zu untersuchende Eluat ist durch Zentrifugieren herzu-
stellen. Sollen leichtflüchtige Parameter bestimmt werden, so ist das Eluat bei einer
Zentrifugationsdauer von mehr als zehn Minuten zu kühlen.
Eluatgewinnung:
Zur Elution ist das Wasser-Probe-Gemisch während 24 Stunden zu schütteln. Dies
kann durch Überkopfdrehen oder mit einem Schwingtisch erfolgen. Es muss sicher-
gestellt werden, dass die gesamte Probenmenge ständig bewegt wird und Kornver-
feinerungen weitestgehend vermieden werden.
4
Teil I Kap. 1.3.2.3 der DIBt-Mitteilung „Grundsätze zur Bewertung der Auswirkungen von Bauprodukten
auf Boden und Grundwasser“
https://www.dibt.de/fileadmin/dibt-
website/Dokumente/Referat/II6/Bauprodukte_Boden_Grundwasser_Grundsaetze_Bewertung.pdf

16
b.) Recyclingbaustoffe im gebundenen Zustand:
Die Eluatherstellung erfolgt in Anlehnung an das in der DIN EN 1744-3 (11/2002)
beschriebenen Verfahren. Soll der Recyclingbaustoff im gebundenen Zustand verwertet
werden, ist in jedem Fall auch ein Eluat des ungebundenen Recyclingmaterials herzu-
stellen.
Eluatgewinnung:
Das Untersuchungsmaterial befindet sich derart in einem Trog, dass ein allseitiger
Wasserzutritt erfolgt. Das Wasser ist während der gesamten Eluationszeit (zum Beispiel
durch einen Magnetrührwerk) ständig in Bewegung zu halten.
Das Flüssigkeits-/Feststoffverhältnis von 10: 1 und die Elutionszeit von 24 Stunden ent-
sprechen der DIN EN 12457-4 (01/2003) in Verbindung mit Anhang E.
4. Analyseverfahren
4.1. Analytische Bestimmung von Feststoffkonzentrationen
Die analytische Bestimmung der Feststoffkonzentrationen erfolgt aus dem Königs-
wasserextrakt im geschlossenen Verfahren nach DIN EN 13657 (01/2003) aus auf-
gemahlenen Proben (Korngröße < 250 μm).
Mineralölkohlenwasserstoffe
Die angegebenen Zuordnungswerte gelten für Kohlenwasserstoffverbindungen mit
einer Kettenlänge von C
10
bis C
40
(Bestimmung nach LAGA KW/04 [11/2009] in Verbin-
dung mit DIN EN 14039 [01/2005]).
PAK nach EPA
PAK nach EPA umfassen eine von der US-Environmental Protection Agency (EPA) zu-
sammengestellte Liste mit 16 PAK, die repräsentativ für die Gruppe der PAK unter-
sucht werden. In der EPA-Liste sind folgende PAK aufgeführt: Acenaphthen, Acenaph-
thylen, Anthracen, Benzo[a]anthracen, Benzo[a]pyren, Benzo[b]fluoranthen, Ben-
zo[g,h,i]perylen, Benzo[k]fluoranthen, Chrysen, Dibenzo[a,h]anthracen, Fluoranthen,
Fluoren, Indeno[1,2,3-cd]pyren, Naphthalin, Phenanthren und Pyren. Die Bestimmung
im Feststoff erfolgt nach folgenden Untersuchungsmethoden:
DIN ISO 18287 (05/2006)
DIN EN 15527 (09/2008).
EOX
Die Bestimmung erfolgt nach DIN 38414-17 (01/2017).

17
PCB
6
Summe der polychlorierten Biphenyle; in der Regel erfolgt die Bestimmung über die
sechs Kongenere (28, 52, 101, 138, 153 und 180) nach Ballschmiter gemäß DIN EN
15308 (12/2016), multipliziert mit 5; gegebenenfalls zum Beispiel bei bekanntem
Stoffspektrum einfache Summenbildung aller relevanten Einzelstoffe (DIN 38407-3
(07/1998) beziehungsweise DIN 38407-37 (11/2013)).
4.2. Analytische Bestimmung von Eluatkonzentrationen
Die entsprechend der DIN EN 12457-4 (01/2003) in Verbindung mit Anhang E herge-
stellten Eluate sind bezüglich der nachfolgend tabellarisch aufgelisteten allgemeinen,
anorganischen und organischen Parameter zu untersuchen:

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Tabelle A1: Analysenverfahren zur Bestimmung der Eluatkonzentrationen
Parameter
Analysenverfahren
pH-Wert
DIN EN ISO 10523 (04/2012)
elektrische Leitfähigkeit
DIN EN 27888 (11/1993)
Arsen
DIN ISO 22036 (06/2009) oder DIN EN ISO 17294 -
2 (01/2017); ggf. DIN EN ISO 11969 (11/1996) unter
Berücksichtigung möglicher Matrixeffekte
Blei
DIN ISO 22036 (06/2009) oder DIN EN ISO 17294 -
2 (01/2017)
Cadmium
DIN ISO 22036 (06/2009) oder DIN EN ISO 17294 -
2 (01/2017)
Chrom gesamt
DIN ISO 22036 (06/2009) oder DIN EN ISO 17294 -
2 (01/2017)
Kupfer
DIN ISO 22036 (06/2009) oder DIN EN ISO 17294 -
2 (01/2017)
Nickel
DIN ISO 22036 (06/2009) oder DIN EN ISO 17294 -
2 (01/2017)
Quecksilber
DIN EN ISO 12846 (08/2012)
Zink
DIN ISO 22036 (06/2009) oder DIN EN ISO 17294 -
2 (01/2017)
Phenole DIN 38407-27 (10/2012); gegebenenfalls auch
ISO/DIS 8165-2 (07/1999)
Chlorid
DIN EN ISO 10304-1 (07/2009)
Sulfat
DIN EN ISO 10304-1 (07/2009)
Kohlenwasserstoffe C
10
-C
40
DIN EN ISO 9377-2 (04/2004)
PAK nach EPA
DIN 38407-39 (09/2011)
DIN EN ISO 17993 (03/2004)
DIN ISO 28540 (05/2014)
Die in diesem Anhang benannten Untersuchungsverfahren entsprechen dem Stand der
Technik, soweit diese in der Methodensammlung des LAGA-Forums Abfallunter-
suchung beziehungsweise des Fachbeirats für Bodenuntersuchung, Version 1.1, Stand
4. Juli 2018 aufgeführt sind. Den weiteren Fortschritt in der Analytik werden nach-
folgende Versionen der Methodensammlung abbilden; diese sind dann künftig heranzu-
ziehen.
Die Stoffkonzentrationen im Eluat sind nach folgenden Analyseverfahren zu bestimmen:

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Tabelle A2: Zusätzliche Analysenverfahren für die Bestimmung der Konzentrationen
am Übergang von der ungesättigten zur gesättigten Zone
Parameter
Analysenverfahren
Phenol
DIN 38407-27 (10/2012); gegebenenfalls auch ISO
8165-2 (07/1999)
Fluorid
DIN 38405-4 (07/1985)
DIN EN ISO 10304-1 (07/2009)
LHKW
DIN EN ISO 10301 (08/1997)
DIN EN ISO 15680 (04/2004)
DIN 38407-43 (10/2014)
Anthracen
DIN EN ISO 17993 (03/2004)
DIN 38407-39 (09/2011)
DIN ISO 28540 (05/2014)
Fluoranthen
DIN EN ISO 17993 (03/2004)
DIN 38407-39 (09/2011)
DIN ISO 28540 (05/2014)