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SMUL - Sächsisches Staatsministe-
rium für Umwelt und Landwirtschaft
ZAFT - Zentrum
für angewandte
Forschung und Technologie e.V.
HTW Dresden (FH)
Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden
KORA e.V. - Kompetenzzentrum für
Forschung und Entwicklung zum
radonsicheren Bauen und Sanieren
2. SÄCHSISCHER
RADONTAG
4. TAGUNG
RADONSICHERES
BAUEN
30. SEPTEMBER 2008
HOCHSCHULE FÜR TECHNIK UND
WIRTSCHAFT DRESDEN (FH)
veranstaltet durch:
unterstützt durch:

Inhalt
Dresden, 30.Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 3
INHALT
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Grußwort des Vorstandsvorsitzenden von KORA e.V
................................................... 5
Dr. Jürgen Staupe
Grußwort des Staatssekretärs des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
...............................7
Prof. Dr.-Ing. Hannes Neumann
Grußwort des Rektors der HTW Dresden (FH)
...............................................................9
BAUKLIMATIK UND RADONEXPOSITION
Prof. Dr.-Ing. John Grunewald
Grundlagen der freien Lüftung in Wohngebäuden
.......................................................11
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Zusammenhang zwischen Luftwechsel und Radonexposition
................................. 23
Prof. Dr.-Ing. Uwe Franzke
Technische Lösungen für Lüftungsanlagen – Stand und Entwicklung
................... 39
RECHTLICHE FRAGEN DES RADONSICHEREN BAUENS
Prof. Dr. med. Hajo Zeeb
Das internationale Radonprojekt der World Health Organization (WHO)
................ 49
Regierungsdirektor Frank Wachnow
Baurecht und Radon – öffentlich-rechtliche und zivilrechtliche Aspekte
............... 55
RADONMESSUNG UND RADONEXPOSITION
Dr. Bernd Hoffmann
Radon in Baumaterialien
.............................................................................................. 69
Dr. rer. nat. habil. Hartmut Schulz
Neue Aspekte der Radonmessung in Gebäuden
....................................................... 75

Seite 4
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
BEISPIELE
Dipl.-Ing. Bettina Gabriel
Radon in der öffentlichen Bauverwaltung des Freistaates Sachsen
....................... 83
Dipl.-Ing. Architekt T. Maschke
Umbau des Wohnheimes V der HTW Mittweida zum Institutsgebäude
................... 89
Dr. rer. nat. Joachim Kemski, Dr. rer. nat. Ralf Klingel
Kommunale Radonschutzmaßnahmen – Planung, Kommunikation,
Einzelobjekt
................................................................................................................... 95
Dr. Dipl.-Ing. Dietmar Häßler
Bauwerksabdichtung und Radonschutz – ein Fallbeispiel
..................................... 101
Prof. Dr. rer. nat. habil. Bernd Leißring
Erfahrungen bei der Radonsanierung einer Schule
................................................ 109
Dipl.-Ing. Bernd Liebscher
Entwicklung von radondichten Holzbauteilen
........................................................... 115
Referentenverzeichnis
.................................................................................................. 127

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Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 5
Begrüßung
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie sehr herzlich zum
zweiten sächsischen Radontag – der vierten Tagung
Radonsicheres Bauen
. Veranstaltet wird diese wiederum durch das
Sächsische Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft - SMUL
gemeinsam mir dem
Kompetenzzentrum für Forschung und
Entwicklung zum radonsicheren Bauen und Sanieren – KORA e.V
. In nun schon fast altbewährter
Form wird unsere heutige Veranstaltung durch die HTW Dresden sowie das ihr angeschlossene
Forschungszentrum ZAFT e.V. unterstützt.
Auf der diesjährigen Tagung stehen wiederum aktuelle Fragestellungen zum radonsicheren Bauen
und Sanieren im Mittelpunkt der Beiträge: So werden wir der Frage nachgehen, welche
Zusammenhänge zwischen Bauklimatik, dem Einsatz technischer Lösungen der
Lüftungstechnik und der Radonexposition
bestehen. Bekanntlich ist die Reduzierung des
Energieverbrauchs von Gebäuden sowohl für Neubauten als auch Sanierungsvorhaben eine der
großen aktuellen Bauaufgaben. Neben der sehr guten Wärmedämmung der Gebäudehülle sind eine
optimierte Energiebereitstellung sowie die Reduzierung des Luftwechsels die grundlegenden
Möglichkeiten, den Primärenergieverbrauch zu vermindern. Verringerter Luftwechsel führt aber
unweigerlich zur Erhöhung der Feuchte- und Schadstoffbelastung in der Raumluft und somit auch zur
Erhöhung der Radonkonzentration. Insbesondere nach Abschluss von Sanierungsmaßnahmen sind
häufig deutlich erhöhte Radonkonzentrationen in der Raumluft gemessen worden. Wie diese
„Nebenwirkungen“ energetischer Sanierungen vermieden werden können, welchen Beitrag hierzu die
Gebäudetechnik leisten kann, soll in den ersten drei Tagungsbeiträgen erörtert werden. Dichte
Gebäudehüllen erhöhen nachgewiesener Maßen auch den Einfluss des
aus den Baustoffen
freigesetzten Radons
auf die Raumluft. Hierauf wird im Zusammenhang mit Fragen der
Radonmessung
in einem weiteren Themenkomplex eingegangen. Immer wieder stehen vor allen
Dingen bei Planern und Bauausführenden
rechtliche Fragen des radonsicheren Bauens
im
Mittelpunkt des Interesses. Auf diese werden wir mit zwei Vorträgen mit Beiträgen zum geplanten
Radonhandbuch der WHO sowie zum aktuellen Baurecht eingehen. Abschließend werden wiederum
eine Reihe von
realisierten Bauvorhaben
, bei denen der Radonschutz eine mehr oder weniger
große Rolle spielte, vorgestellt.
Mit den hier kurz skizzierten Schwerpunkten unserer Tagung hoffen wir, Ihnen wiederum viele
interessante Einblicke in das wichtige Thema des radonsicheren Bauens geben zu können. Neben
der inhaltlichen Konzeption der Tagung ist für den Erfolg die organisatorische Vorbereitung nicht
minder wichtig. Danken möchte ich in diesem Zusammenhang den vielen fleißigen Helfern, die uns
bei der Vorbereitung der Tagung unterstützt haben. Besonderer Dank gilt wiederum der HTW
Dresden (FH), ohne deren Unterstützung die Durchführung der Tagung nicht möglich wäre!
Ich wünsche der Tagung einen guten Verlauf und Ihnen viele neue Erkenntnisse!
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorsitzender KORA e.V.
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorsitzender Kompetenzzentrum für
radonsicheres Bauen e.V.
und
Lehrgebiet Baukonstruktion an der
Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden (FH)

Seite 6
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008

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Jürgen Staupe
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 7
Begrüßung
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich freue mich, Sie in Dresden zu Ihrer Tagung begrüßen zu dürfen, die sich dem unter
Umweltschutzaspekten wichtigen und interessanten Thema der Radonkonzentration in Gebäuden
widmet. Die Radonthematik wird in der Öffentlichkeit sehr ambivalent wahrgenommen. Einerseits
kann Radon als radioaktives Gas Lungenkrebs verursachen, andererseits wird ihm heilende Wirkung
zugeschrieben. Auch die Frage nach einem Wert, ab dem Radon schädlich ist und oberhalb dessen
Maßnahmen getroffen werden sollen, lässt sich nicht einfach mit einer Zahl beantworten. Zur Eignung
und Wirkung von vorsorgenden baulichen Schutzmaßnahmen sowie zu Sanierungsmethoden gibt es
eine Vielzahl offener Fragen. Die Grundlage für die Beantwortung all dieser Aspekte sind das
Fachwissen und die Erfahrungen der Wissenschaftler, Planer und Sanierer. Ihre heutige Tagung soll
helfen, das Zusammenspiel dieser Kenntnisträger durch einen intensiven Erfahrungsaustausch zu
verbessern und noch bestehende Kenntnislücken zu schließen.
Der
2. Sächsische Radontag
setzt die Reihe der Veranstaltungen fort, die in den vergangenen
Jahren vom Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum radonsicheren Bauen und
Sanieren (KORA e. V.) sowie vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
durchgeführt wurden. Der Erfolg des gemeinsamen 1. Radontages im letzten Jahr bestätigt, dass wir
mit der Zusammenführung unserer Veranstaltungen und damit der Bündelung fachlicher Kompetenz
einen richtigen Weg eingeschlagen haben.
Die Schwerpunkte des 2. Sächsischen Radontages, die vom Themenkomplex Energieeinsparung und
Radon über die Bewertung des Radonrisikos bis zu Transportprozessen und Fragen zum
radonsicheren Bauen und Sanieren reichen, unterstreichen, dass der Sächsische Radontag vor allem
eine Plattform zum fachlichen Austausch zu praktischen Aspekten des Radonschutzes ist. Die
Ergebnisse Ihrer Diskussionen sind eine wichtige Grundlage für die zukünftige Arbeit der
Strahlenschutzbehörden, insbesondere der sächsischen Radonberatungsstelle. Eine qualifizierte
Aufklärung und Information auf hohem fachlichen Niveau sehe ich als den geeigneten Weg für eine
nachhaltige Verbesserung der Radonsituation an. Hierzu tragen Ihre fachlichen Anregungen
maßgeblich bei.
Für Ihre Tagung wünsche ich Ihnen nutzbringende Diskussionen und viele Denkanstöße, die Sie in
Ihrer weiteren wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und administrativen Arbeit erfolgreich einsetzen
können, sowie einen angenehmen Aufenthalt in Dresden.
Dr. Jürgen Staupe
Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft
Dr. Jürgen Staupe
Staatssekretär im Sächsischen
Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft

Seite 8
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008

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Hannes Neumann
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 9
Grußwort zum 2. SÄCHSISCHEN RADONTAG
Im Jahr 2005 wurde auf Initiative von Prof. Bernd Leißring gemeinsam mit Prof. Walter-Reinhold Uhlig
aus unserem Hause das Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum radonsicheren
Bauen und Sanieren gegründet. Im gleichen Jahr fand die erste Tagung zum Radonsicheren Bauen
im Beisein des heutigen Staatsministers des Inneren, Herrn Dr. Buttolo, statt.
KORA e.V. veranstaltet in diesem Jahr bereits seine 4. Tagung „Radonsicheres Bauen“, die seit dem
letzten Jahr gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft als
„Sächsischer Radontag“ durchgeführt wird. Diese Tagung wird unterstützt von unserer Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden – der HTW – und dem Zentrum für angewandte Forschung und
Technologie e.V. (ZAFT) – dem Forschungszentrum an der HTW Dresden.
Als Hausherr freue ich mich natürlich, die Teilnehmer der Tagung hier in unserer Hochschule
nunmehr bereits zum dritten Mal begrüßen zu können. Ich halte es für eine unseres Hochschultyps
entsprechende wesentliche Aufgabe, den wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch zu pflegen und zu
befördern.
Die HTW Dresden ist jedoch nicht nur Gasgeber der alljährlichen Tagung: die enge Verbindung
zwischen KORA e.V. und der HTW Dresden hat sich in den letzten Jahren sehr fruchtbar entwickelt.
So bietet der FB Bauingenieurwesen/Architektur seit drei Jahren eine Vorlesung „Radonsicheres
Bauen“ an, in der neben Mitarbeitern der Hochschule Experten aus verschiedenen Wissensgebieten
Lehrveranstaltungen übernommen haben, die Mitstreiter in KORA e.V. sind. Inzwischen sind auch
eine Reihe von Themen in Diplomarbeiten bearbeitet worden, die sich mit dem Radonsicheren Bauen
befassen. Eine Übersicht zu diesen Themen kann in der Posterausstellung besichtigt werden. In den
Diplomarbeiten sind zum Teil wichtige Grundlagen für weitere Forschungsthemen gelegt worden, die
in Kooperation von KORA e.V., dem ZAFT und der HTW Dresden bearbeitet werden sollen.
Damit werden wir unserer Verpflichtung gerecht, angewandte Forschung als zweites Standbein zu
betreiben und damit gleichzeitig die Ausbildung von jungen Ingenieuren den Erfordernissen des
Standes der Technik entsprechend anzupassen.
Das Programm der Tagung bietet wieder interessante Beiträge neuerer Untersuchungen zu Fragen
der Radonexposition, zur Messtechnik zu rechtlichen Fragen und zu Anwendungsbeispielen.
Mein Dank gilt den Organisatoren und den Referenten, die diese Tagung erfolgreich vorbereitet und
mit gestaltet haben. Ich wünsche ihnen einen interessanten Verlauf und einen persönlichen
Erfahrungsaustausch, der bestimmt für weitere gemeinsame Projekte im Rahmen des sich
gestaltenden Netzwerkes „Radonsicheres Bauen“ von großem Vorteil ist.
Prof. Dr.-Ing. Hannes Neumann
Rektor der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
Prof. Dr.-Ing. Hannes Neumann
Rektor der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden (FH)

Seite 10
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Roloff
Prof. Dr.-Ing. John Grunewald
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 11
GRUNDLAGEN DER FREIEN LÜFTUNG IN WOHNGEBÄUDEN
BASICS OF NATURAL VENTILATION IN RESIDENTIAL BUILDINGS
Jürgen Roloff
1)
John Grunewald
1)
1)
Institut für Bauklimatik, Fakultät Architektur, Technische Universität Dresden
Zusammenfassung
Unter Lüftung versteht man den Austausch von Raumluft mit Außenluft bei Räumen und Gebäuden.
Freie Lüftung gewinnt im Gegensatz zur Zwangslüftung oder maschinellen Lüftung die Antriebsenergie
für den Luftaustausch aus dem freien, natürlichen Kräftespiel der am Gebäude entstehenden
Druckdifferenzen. Diese Druckdifferenzen entstehen durch Wind oder thermischen Auftrieb.
Klimagerechtes Bauen bedeutet u. a., dass durch überlegte bauliche Entscheidungen diese
Druckdifferenzen sinnvoll für die Nutzung der Gebäude eingesetzt werden. Wir sind dadurch in der
Lage, den sonst notwendigen Energieeinsatz, den die Zwangslüftung erfordert, zu verringern oder zu
vermeiden. Dieser Beitrag vermittelt die physikalischen Grundlagen der freien Lüftung in
Wohngebäuden. Kleine Rechenbeispiele dienen zur Demonstration.
Summary
Ventilation means air exchange between internal and external air spaces. Contrary to the forced
convection, the natural ventilation receives its energy from the pressure differences due to the free
action of forces in and around buildings. These pressure differences can be caused by wind speed and
also by buoyancy effects. Climate-adapted construction means exploiting these natural forces by
deliberate, well considered decisions in the construction process. This helps to reduce or even to avoid
the energy demanded by the ventilation systems and would make a contribution to the reduction of the
green house gas emissions. In this paper, the basics of natural ventilation are presented. The
equations are applied to small demonstration examples.
1. Der thermische Auftrieb
Der Druck- bzw. der Dichteunterschied der Luft wirkt zwischen zwei unterschiedlich temperierten
Luftsäulen als Antrieb für Luftbewegung in Gebäuden. Die auf einen Referenzzustand (z.B. Luftdruck
in der Höhe der Erdgeschosses) bezogene Druckdifferenz hängt vom betrachteten Höhenunterschied,
beispielsweise der Geschosshöhe, ab. Als weiterer Parameter geht neben der Fallbeschleunigung g
die Dichte der Luft ein, die von der Temperatur abhängig ist.
Prinzipiell ist im wärmeren Innenraum die Dichte der Luft geringer als im Außenraum, also ist auch der
Gradient, d. h. die Abnahme des Drucks mit der Höhe ist im Innenraum geringer als im Außenraum
Δρ
p
i
io
=
⋅⋅
gh
Δρ
p
e
eo
=
⋅⋅
gh

image
Grundlagen der freien Lüftung in Wohngebäuden
Seite 12
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
(Abb. 1). Diese Druckdifferenz zwischen Innen- und Außenraum, die im Prinzip in allen Gebäuden
wirkt, also Luftbewegung über alle Öffnungen, Fugen, Fenster und Türen verursacht, kann auch bei
der Schachtlüftung ausgenutzt werden.
Abb. 1:
Druckverlauf infolge Auftrieb zwischen zwei untereinander liegenden Öffnungen
Durch die ideale Gasgleichung der Luft sind Druck und Temperatur über Dichte
ρ
L
und Gaskonstante
R
L
verbunden.
Unter Normbedingungen (T
N
=273 K, p
N
=10
5
Pa, R
L
= 288 J/kgK) gilt:
Für die Dichte
ρ
i,0
kann man daher auch setzen:
Da der Bezugsdruck p
i,0
in etwa mit p
N
gleichgesetzt werden kann, folgt:
analog erhält man:
Damit ergibt sich für den Unterschied in der Druckabnahme zwischen Innen und Außen:
.
Die durch den thermischen Auftrieb entstehenden Druckdifferenzen können nur bei großen Höhen-
oder Temperaturdifferenzen wirksam sein. Deshalb ist der entstehende Luftwechsel um so größer je
kälter die Außenluft gegenüber der Luft im Gebäude ist (also im Winter) und je höher das Gebäude
bzw. je länger der Schacht ist. Die Druckdifferenzen wirken an jedem Gebäude ausreichender Höhe.
ρ
L
p
TR
L
=
---------------
ρ
N
p
N
T
N
R
L
=
-----------------
-
ρ
i0
,
p
i0
,
T
i
--------
T
N
⋅ ρ
N
p
N
=
------------------
ρ
i0
,
ρ
N
T
N
1
T
i
≈ ⋅⋅
----
ρ
e, 0
ρ
N
T
N
1
T
e
≈ ⋅⋅
-----
Δp()
h Δp
e
– Δp
i
gh
1
T
i
----
1
T
e
= =
⋅⋅
-----

image
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Roloff
Prof. Dr.-Ing. John Grunewald
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 13
Inwieweit sich daraus Luftströmungen ergeben, hängt von den Öffnungen ab, die in der Außenhaut
des Gebäudes vorhanden sind (Fenster, Türen, Fugen) (Abb. 2).
Abb. 2:
Thermischer Auftrieb in einem Gebäude (Treppenhaus mit zu- und abströmender Luft)
1.1
Erforderlicher Luftförderstrom
Bestimmende Größe für alle funktionellen und konstruktiven Folgerungen ist der notwendige
Luftförderstrom
in [m³/h]. Der Förderstrom, also die Luftmenge pro Zeiteinheit wird als
Transportmittel genutzt, um Schadstoffe, Feuchtigkeit, Sauerstoff und Wärme zu transportieren. Je
nach Funktion oder Nutzung des Raumes überwiegt die Notwendigkeit, den Luftförderstrom für den
Transport des einen oder anderen Mediums zu bemessen. Normalerweise geht man davon aus, dass
die Luft im Innenraum höhere Konzentrationen an Schadstoffen und Feuchtigkeit hat als die
Außenluft. Umgekehrt ist es bei dem Gehalt an Sauerstoff. Wärme kann vom Außenraum in den
Innenraum transportiert werden und umgekehrt. Da bei der freien Lüftung die Druckdifferenzen sehr
gering sind, unterscheiden sich Zuluft und Abluftstrom nicht, sondern liegen in der gleichen
Größenordnung.
Bei der Berechnung der freien Lüftung muss man grundsätzlich zwei Gegebenheiten unterscheiden.
Die Bestimmung des notwendigen Volumenstroms beruht immer auf einem vorgeschriebenen oder
einzuhaltenden Wert (z. B. max. Schadstoffkonzentration im Raum) oder auf einer plausiblen
einzuhaltenden Raumklimagröße (z. B. Raumtemperatur, Raumluftfeuchte). Er ergibt sich aus einer
Bilanz, die mit der inneren und äußeren Schadstoffkonzentration, dem Feuchtegehalt oder der
Temperatur gebildet wird.
Sind mehrere Belastungsgrößen vorhanden, ist der größere erforderliche Luftförderstrom
ausschlaggebend. Die baulichen Konsequenzen beziehen sich dann auch wieder auf diesen. Da
allerdings der notwendige Förderstrom unter konkreten Bedingungen nicht immer zu realisieren ist,
muss man häufig auch den maximal oder minimal vorhandenen Förderstrom bestimmen. Dabei geht
es dann darum, ob der durch Winddruckdifferenzen oder thermischen Auftrieb entstehende
Luftförderstrom ausreichend bzw. zu groß oder zu klein ist, um die notwendige Transportleistung zu
gewährleisten.
Es ist z. B. zu berücksichtigen, dass der Förderstrom zeitweise durch die meteorologischen
Gegebenheiten auch gegen Null geht. Wenn diese Phase durch vorübergehende Speicherung, bzw.
durch kurzzeitig zulässige Überschreitung der kritischen Werte überbrückt werden kann, ohne dass
die Funktion des Raumes darunter merklich leidet, ist freie Lüftung zulässig. Meistens ist dies der Fall
in Wohnungen und ähnlich gelagerten Räumen, in denen der Nutzer auf die Situation reagieren kann.
Ist der notwendige Förderstrom mit baulichen Mitteln nicht realisierbar, oder nicht gewährleistet, ohne
V
L

Grundlagen der freien Lüftung in Wohngebäuden
Seite 14
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
dass die oben erwähnte Einschränkung zutrifft, muss man auf Zwangslüftung (ständig oder zeitweise)
zurückgreifen. Insofern ist eine frühzeitige überschlägliche Berechnung des erforderlichen
Luftförderstromes unter Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten wichtig, um schon während
der Entwurfsphase abschätzen zu können, ob eine Zwangslüftung mit ihren baulichen Folgerungen
(Lüftungszentrale, Kanalführung usw.) notwendig sein wird.
1.2
Schadstoffkonzentration
Ist die Einhaltung einer zulässigen Schadstoffkonzentration (CO2 oder ein anderes durch Nutzung der
Räume freiwerdendes Gas) zu gewährleisten, benötigt man:
=
freiwerdende Schadstoffmenge mg/h
=
zulässige Schadstoffkonzentration im Raum in mg/m³
=
Schadstoffkonzentration im Außenraum in mg/m³
Der notwendige Luftförderstrom lässt sich aus diesen Größen bestimmen und ist damit:
.
1.3
Wasserdampfkonzentration
Ähnlich wie die Schadstoffe wird auch Wasserdampf bei der Nutzung von Räumen frei. Obwohl der
Wasserdampf für den Menschen kein schädliches Gas darstellt, darf seine Konzentration im Raum
nicht zu hoch sein. Eine hohe Konzentration an Wasserdampf führt sehr häufig zu
Taupunktunterschreitung und damit zum Ausfall von flüssigem Wasser. Die zulässige Konzentration
von Wasserdampf richtet sich daher überwiegend nach der niedrigsten im Raum vorkommenden
Temperatur, die als Taupunkttemperatur eine Grenze angibt.
= freiwerdende Wasserdampfmenge in g
w/h
= zugelassene Raumluftfeuchte in g
w/m³
= Außenluftfeuchte in g
w/m³
Für den Raum kann auch die Notwendigkeit bestehen, eine bestimmte relative Feuchte
ϕ
einzuhalten
(Museumsgüter). Dann wird es notwendig, zunächst den mittleren vorhandenen Lüftungsförderstrom
zu bestimmen und dann zu berechnen, ob zur freiwerdenden Wasserdampfmenge noch zusätzlich
befeuchtet oder entfeuchtet werden muss.
1.4
Wärmetransport
Wird Luft zwischen Innen- und Außenraum ausgetauscht, handelt es sich in den meisten Fällen auch
um unterschiedliche Temperaturbereiche, so dass immer auch mit dem Luftförderstrom Wärme
transportiert wird. Dieser Wärmetransport kann sekundär sein, gegenüber dem Schadstoff oder
Feuchtetransport. Er kann, wie im Winter, von großer energetischer Bedeutung, aber eigentlich
unbeabsichtigt sein. Und er kann, wie im Sommer, absichtlich zur Erwärmung oder zur Kühlung
herangezogen werden. Ebenso wie bei der Feuchtebilanz ist das Ziel bei der Berechnung der
Wärmebilanz, entweder den Zuluftförderstrom zu ermitteln, der die benötigte Wärmemenge
G
s
c
ab
c
zu
V
L
G
s
c
ab
– c
zu
=
-------------------
-
V
L
M
W
x
ab
– x
zu
=
---------------------
M
W
x
ab
x
zu

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Roloff
Prof. Dr.-Ing. John Grunewald
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 15
transportieren kann, oder die Wärmemenge zu bestimmen, die durch den vorhandenen
Luftförderstrom ab- oder zugeführt wird.
= Wärmestrom [W]
= spezifische Wärme der Luft [J/kgK]
= Dichte der Luft (= 1,2 kg/m³)
= 0,34 J/m³K
= Temperatur abströmender Raumluft [°C]
= Temperatur zuströmender Außenluft [°C]
1.5
Der bezogene Luftförderstrom
Der Förderstrom VL [m³/h] ist als absoluter Wert wenig anschaulich und für Planungszwecke nicht gut
handhabbar. Im Allgemeinen bezieht man ihn deshalb auf eine reale für die jeweilige Planung wichtige
Größe. Das hat den Vorteil, dass nach einem Vergleich statistisch relevanter Beispiele allgemeine
Planungsgrößen gebildet werden können. Wird z. B. der notwendige Förderstrom auf eine Person P
bezogen, so kann man diesen allgemein gültigen Wert (z.B. Pettenkofermaßstab) auf jeden
hauptsächlich durch Menschen benutzten Raum anwenden
[m³ / h Person]
Die VDJ-Lüftungsregeln verlangen in Räumen mit Rauchverbot z.B. V
LP = 20 [m³/ h*Person]. Der Wert
gilt als untere Grenze. Empfohlen wird eine Erhöhung um 10 m³/h*Person. Für einen
Versammlungsraum mit n=50 Sitzplätzen ist also ein notwendiger Förderstrom von:
[m³ / h]
für 20 m³/h*Person: 20*50 = 1000m³/h bzw. für 30 m³/h*Person = 30*50 = 1500m³/h zu planen.
Flächenbezogener Förderstrom:
Bei allgemeinen Funktionen in Büro, Industrie oder Gewerbe kann
man den Förderstrom auf 1 m² Grundfläche beziehen:
[m³ / h m²]
Wenn z. B. der spezifische Wert für einen Bürobau V
LA = 2m³/h*m² beträgt, so ist für einen Büroraum
mit A
N = 30 m² Grundfläche ein Förderstrom von VL = VLA*A = 2*3 = 60 m³/h zu planen.
Volumenbezogener Förderstrom:
Sehr häufig wird der notwendige Förderstrom, der zur Erfüllung
einer bestimmten Raumfunktion (Küche, Bad, Werkstatt, Verkaufsfläche, Garage usw.) benötigt wird,
auf den Luftinhalt des betreffenden Raumes bezogen. Der Förderstrom wird dann:
[m³ / h m³ oder 1/h]
Diese sehr häufige Bezogenheit nennt man “Luftrate” oder Luftwechselzahl weil ihr Zahlenwert angibt,
wie oft (theoretisch) der Luftinhalt des Raumes pro Stunde gewechselt werden muss. Sie wird oft mit
dem Buchstaben n bezeichnet.
V
L
Φ
W
c
L
⋅⋅
ρ
L
()
θ
ab
θ
zu
=
------------------
------------------
----------
-
Φ
W
c
L
ρ
L
c
L
ρ
L
θ
ab
θ
zu
V
L
P
------
=
V
LP
V
L
= V
LP
n
V
L
A
------
=
V
LA
V
L
V
R
-------
=
V
LR

Grundlagen der freien Lüftung in Wohngebäuden
Seite 16
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
[1/h]
Beispiel Küche:
Eine Küche sollte eine Luftrate von n = 5 h-1 haben. Eine geplante Küche mit einem
Rauminhalt von 100 m³ benötigt daher einen Luftförderstrom von V
L = n*VR = 5*100 m³/h.
Wegen der Einfachheit der Berechnung im Planungsstadium sind diese bezogenen Luftförderströme
sehr häufig in Fachbüchern als Tabellenwerte für viele Raumfunktionen angegeben und leisten dabei
gute Dienste. Man muss allerdings bei Gebrauch daran denken, dass es allgemeine Werte sind, die
aus allgemein üblichen Bedingungen gewonnen wurden. Eine im Realen abweichende Planung mit
größeren oder kleineren Raumabmessungen kann daher zu groben Fehlplanungen führen. Deshalb
ist es angebracht, bei der Anwendung von bezogenen Größen das Ergebnis einer
Plausibilitätsprüfung zu unterziehen.
2. Erforderlicher Luftförderstrom
Beispielberechnung Garage:
Als Beispiel soll eine Wohnhausgarage mit sechs Stellplätzen
ausreichend belüftet werden. Abgasmenge (CO) eines Autos im Leerlauf: 0,55 m³CO/h. Die zulässige
Abgaskonzentration beträgt 100 ppm = 100*10
-6
m³CO/m³ Luft gemessen nach der Garagenordnung
NRW. Die Außenluftkonzentration für CO beträgt 0-5*10
-6
m³CO/m³Luft in Wohnbereichen und 10-
20*10
-6
m³CO/m³ Luft in Straßen mit durchschnittlichen Verkehr.
Gs (CO-Emission für ein KFZ pro Stunde) = 0,55*(20/3600+ 15/10000) = 0,00385 m³CO/h
Dabei sind 20sek. Startzeit und 15m Fahrt durch die Garage (10km/h) je Kraftfahrzeug und Stunde zu
berechnet. Der notwendige Lüftungsförderstrom pro KFZ:
[m³ / h]
Der erforderliche Aussenluftstrom für sechs Stellplätze beträgt demnach bei 60%iger Auslastung
[m³ / h]
Berücksichtigt man den Luftinhalt der Garage mit ca. 300m³, dann beträgt die Luftwechselrate:
[1/ h]
Lüftung eines Feuchtraumes:
Die freiwerdende Feuchtemenge beträgt 10l/h = 10000gw/h. Die
Raumecken als geometrische Wärmebrücken haben die niedrigsten Temperaturen (8°C). Hier soll
eine Raumluftfeuchte von 80% möglichst nicht überschritten werden. Damit wird die zulässige
maximale Raumluftfeuchte x
R
= 5,5 g/kg (h.x- Diagramm). Die Außenluftfeuchte beträgt x
R
= 1 g/ kg.
[m³ / h]
Der Förderstrom ist notwendig unter der Annahme, dass die Feuchte kontinuierlich anfällt und keine
Speicherprozesse zu berücksichtigen sind. Bei 20°C wird die mittlere relative Raumluftfeuchte damit
zu 40% festgelegt.
Lüftung eines Büroraumes:
Durch sommerliche Sonneneinstrahlung und innere Wärmeentwicklung
beträgt die Wärmelast eines Büroraumes 500 W. Die mittlere zulässige Raumlufttemperatur, die nicht
n
V
L
V
R
=
-------
V
L
0, 00385
100 – 5 10
–6
==
---------------------------------
40, 52
V
L
= 40, 52
⋅⋅
6 0, 6
150
n
150
300
=
---------
= 05
,
V
L
10000
12
, ⋅ ()
5, 5 – 1
==
------------------------------------
1851

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überschritten werden sollte, beträgt
θ
R
= 26°C. Die mittlere Außentemperatur an einem Strahlungstag
beträgt
θ
e
= 24°C.
[m³ / h]
Unter der Annahme, dass es ausreicht, die mittleren Temperaturbedingungen für den Raum
festzulegen, wird ein Förderstrom von 735 m³/h gebraucht, um 26°C Raumlufttemperatur nicht zu
überschreiten. Berücksichtigt man die Anzahl der Personen (n=10) in diesem Raum, so ergibt sich ein
personenbezogener Luftförderstrom VLP von
[m³ / h Pers]
3. Lüftungsarten
Die freie Lüftung von Gebäuden wird üblicherweise über die Lüftungsöffnungen, durch die Luft
ausgewechselt wird, definiert. Insofern unterscheidet man: Fugenlüftung, Fensterlüftung,
Schachtlüftung, Dachaufsatzlüftung. Ermittelt wird immer die real über die Lüftungsöffnungen
ausgetauschte Luftmenge VL in m³/h.
3.1
Fugenlüftung
Die Fugenlüftung findet über die Schließfugen der Fenster und Türen im Gebäude statt. Andere
Öffnungen sind u. U. auch beteiligt, z. B. Undichtheiten im Fassaden- oder im Dachbereich. Das sollte
aber wegen möglicher Schäden vermieden werden. Die Lüftung über die (Fenster-) Fugen ist ein nicht
geplanter Nebeneffekt, denn die eigentliche Lüftung sollte über die zu öffnenden Fenster stattfinden.
Der Förderstrom wird berechnet:
[m³ / h]
= Fugendurchlasskoeffizient [m³/h*mPa
2/3
]
= Länge der Fugen [m]
Die treibende Druckdifferenz ist zu windstillen Zeiten der thermische Auftrieb, im Allgemeinen aber die
am Gebäude entstehende Winddruckdifferenz.
Der Fugendurchlasskoeffizient a richtet sich nach der Beschaffenheit der Fensterfugen. Neuere mit
Dichtungsprofilen versehene Fenster haben a-Werte von 0,2...0,3 und kleiner. Je älter die Fenster
werden, je mehr nimmt allerdingsdurch Abnutzung die Durchlässigkeit zu. Ältere Fenster und
ungedichtete Fenster können im Bereich von a = 0,5...0,9 liegen.
Die Fugenlänge setzt sich zusammen aus der Summe aller Schließfugen des Fensters. Als
Druckdifferenz setzt man bei niedrigen Gebäuden (keine Hochhäuser) eine mittlere, über die Fassade
gleichmäßig verteilte Druckdifferenz an.
Vor- und nachteilig ist bei der Fugenlüftung, dass sie vom Nutzer nicht beeinflusst werden kann und
über 24 h des Tages wirkt. Der Vorteil daran ist, dass auf diese Weise eine nutzerunabhängige,
dauerhafte Lüftung z. B. für die Abführung von Wasserdampf aus der Raumluft erfolgt. Von Nachteil
wird diese Lüftung, wenn die Fugendurchlässigkeit groß ist und das Gebäude in freier Lage zu großen
Winddruckdifferenzen ausgesetzt wird. Dann wird zwar eine gute Lüftung erzielt, gleichzeitig werden
aber mit der Luft im Winter große Wärmemengen abgeführt, was zu einer Erhöhung des
Heizenergiebedarfes führt. Eine während der Gebäudeplanung abgestimmte Bemessung, die
Gebäudelage (mögliche max. Winddruckdifferenzen), Gebäudehöhe, Himmelsrichtung und Fensterart
V
L
500
0,34
⋅ ()
26 – 24
==
---------------------------------------
735
V
LP
735
10
=
---------
= 73, 5
V
L
al
ρ
Δ
23
/
=
⋅⋅
a
l

image
image
image
image
Grundlagen der freien Lüftung in Wohngebäuden
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verknüpft, kann die Fugendurchlässigkeit in einer guten Näherung an einen möglichen
Grundlüftungsbedarf anpassen.
3.2
Fensterlüftung
Die Lüftung über geöffnete Fenster ist die häufigste Art der freien Lüftung. Da sie extrem
nutzerabhängig wirkt, ist eine Berechnung mit verbindlichen Folgerungen für das Raumklima nicht
möglich. Die Möglichkeiten des Luftaustausches sind auch hier an thermischen Auftrieb und Wind
gekoppelt. Bei Windstille und gleichen Temperaturen innen und außen, findet auch bei geöffnetem
Fenster kein Luftaustausch statt. Bei geringen Temperaturdifferenzen kann man im Sommer pro m²
Fensterfläche mit etwa V
L
≈200...300
m³/m²h Luftaustausch rechnen, bei Querlüftung etwa das
Doppelte. Im Winter sind die Temperaturdifferenzen größer, und es entsteht ein Förderstrom von V
500 m³/m²h und größer. Bei Windeinfluss werden die Werte um ein Vielfaches vergrößert. Der Nutzer
kann daher Öffnungsgröße und Öffnungszeit mit den äußeren Klimabedingungen abstimmen
(Windstille, Temperaturdifferenzen) und so gefühlsmäßig die Lüftung steuern.
Abb. 3:
Übersicht Fensteröffnungsarten
Eine grobe Orientierung über mögliche Luftwechsel bei verschiedenen Fensteröffnungen geben
folgende Werte:
0,0 ... 0,5 Fenster / Türen geschlossen
0,3 ... 1,5 Fenster gekippt
5 ... 10
Fenster halb offen
10 ... 15
Fenster ganz offen
bis 40
Fenster-Querlüftung
Üblicherweise ist das zeitweise Öffnen der Fenster gebräuchlich. Damit kann dann mit einem mittleren
Lüftungsförderstrom pro m² Fensterfläche von V
L = 50...100 m/m²h gerechnet werden.

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Seite 19
3.3
Schachtlüftung
Der thermische Auftrieb wirkt in allen Gebäuden oder in Gebäudeteilen (Flure, Treppenhäuser,
Schornsteine, Aufzugsschächte usw.), die eine vertikale Ausrichtung haben. Die genaue Verteilung
der Druckdifferenzen hängt jedoch neben der Höhe von der Verteilung der Öffnungen in den
Außenwänden ab. Üblicherweise entsteht in den unteren Zonen des Gebäudes ein Unterdruck, der
Luft von außen nach innen strömen lässt. Im oberen Teil entsteht Überdruck, der Raumluft nach
außen strömen läßt. Im Mittelteil herrscht dabei ein neutrale Zone, in der keine Druckdifferenzen
auftreten. Die Hauptströmungsrichtung in Gebäuden ist daher von unten nach oben (Abb. 2).
Diese Druckkräfte nutzt man vor allem bei der Schachtlüftung aus (DIN 1807). Es werden damit
Nebenräume (Bäder, Toiletten, Kammern) belüftet, die häufig als sogenannte Dunkelräume, d.h. ohne
Fenster, geplant werden. Die Schachtlüftung funktioniert um so besser, je länger der Schacht ist und
je größer die Temperaturdifferenz zwischen unterer Einströmöffnung und oberer Ausströmöffnung ist.
Infolgedessen funktioniert die Schachtlüftung im Winter besonders gut, im Sommer schlechter. Bei
geringen Temperaturdifferenzen werden die geringen Druckkräfte durch Reibungswiderstände
aufgezehrt, es kommt zum Stillstand der Lüftung.
Die Innenoberflächen der Schächte müssen daher immer glatt (reibungsfrei) sein. Der Querschnitt
(rund oder eckig) muss möglichst strömungsgünstige Abmessungen haben (>2:3). Der Schacht sollte
lotrecht sein, maximal kann er einmal verzogen werden (60°). Trotzdem darf Schachtlüftung nur dort
angewendet werden, wo auch ein zeitweiser Stillstand verkraftet werden kann, weil eine
kontinuierliche Luftförderung nicht zu garantieren ist.
Die Berechnung des Luftförderstromes erfolgt nach:
= Summe aller Reibungszahlen (glatte Schächte ~0,03)
= Länge des Schachtes
= Summe aller Einzelwiderstände (üblicherweise ~ 3,0)
= Durchmesser des Schachtes (rund)
Für überschlägliche Berechnungen ist die Höhe h der größte Einflussfaktor. Man kann rechnen:
0,4 für raue Kanäle
0,5 für glatte Kanäle
oder noch einfacher:
.
Für die Ausführung gibt es verschiedene Formen (Abb. 4). Bei den Einzelschachtanlagen ist für jeden
zu entlüftenden Raum ein eigener Abluftschacht vorzusehen und über Dach zu führen.
Liegen zwei Räume einer Wohnung nebeneinander, können sie einen gemeinsamen Schacht haben.
Die Zuluft muss von einem benachbarten Raum derselben Wohnung (mit Fenster) durch eine
unverschließbare Öffnung nahe am Fußboden mit mindestens 150 cm² freiem Querschnitt zuströmen
können (Berliner Lüftung).
Eine bessere Strömung im Schacht und damit Lüftung des Raumes bekommt man, wenn der zu
lüftende Raum einen eigenen Zuluftschacht, von unten hochgeführt erhält. Diese Zuluftschächte
v
2
Δp
ρ
L
l
d
--
λ
+
ζ
⎝⎠
⎛⎞
=
--------------------
---------------------
------------------
-
λ
l
ζ
d
v 04
05
2
Δp
ρ
L
=
,
,
--------------
v = 0,12⋅ h⋅()
θ
i
–θ
e

image
image
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Grundlagen der freien Lüftung in Wohngebäuden
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stehen unten mit einem durchgehenden Querkanal in Verbindung, dessen Außenöffnungen sich an
zwei entgegengesetzten Gebäudeseiten befinden (Kölner Lüftung).
Abb. 4:
Schachtlüftungssysteme (Berliner, Kölner und Sammelschachtanlagenlüftung)
Bei Sammelschachtanlagen werden eine größere Anzahl von Räumen durch einen einzigen Schacht
(Haupt- o. Sammelschacht) entlüftet. Jeder zu entlüftende Raum erhält einen eigenen quadratischen
oder rechteckigen Nebenschacht von >140 cm² Querschnitt, der bereits unter der Decke des
nächsthöheren Geschosses in den Sammelschacht eingeleitet wird. Die lichte Querschnittsfläche des
Sammelschachtes muss mindestens 200 cm², darf jedoch höchstens 500 cm² groß sein. Jeder
Nebenschacht muss mindestens 2.20 m hoch sein (gemessen von Mitte Lüftungsöffnung im Raum bis
Mitte Einmündung in Sammelschacht). Gegenüberliegende Nebenschachtmündungen sind in der
Höhe um mindestens 25 cm zu versetzen. Die Zuführung der Zuluft erfolgt wie bei den
Einzelschachtanlagen von einem benachbarten Raum aus.
3.4
Dachaufsatzlüftung
Eine Lüftung, die den Gebäudetyp bestimmend formt, ist die Dachaufsatzlüftung. Sie wirkt über den
thermischen Auftrieb und wird dort eingesetzt, wo infolge der Funktion (Stahlwerke,
Glasschmelzwannen) sehr große Wärmemengen frei werden, die zu hohen Raumlufttemperaturen im
Aufenthaltsbereich des Personals führen. Bei der Dachaufsatzlüftung wirkt der zu lüftende Raum als
Schacht. Auf dem abschließenden Dach werden Lüftungsaufsätze installiert, die mit Stellklappen und
Vorrichtungen zur Regulierung dieser Klappen versehen sind. Zahl und Größe richtet sich nach dem
erforderlichen Luftwechsel. Die Zuluft strömt im unteren Bereich der Gebäude durch geöffnete Türen,
Fenster oder große Lüftungsöffnungen ein (im Winter Zuggefahr).
Die Luftgeschwindigkeit an der oberen Öffnung A
2 lässt sich in guter Näherung berechnen:
= untere Öffnung [m²]
= obere Öffnung [m²]
= Lufteintrittstemperatur [K]
= Temperaturdifferenz
= Hallenhöhe [m]
v
gh
Δθ
T
1
⋅⋅
------
1
A
2
2
A
1
2
+
---------
=
-------------
---------
A
1
A
2
T
1
Δθ
H

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Der Förderstrom und damit die abgeführte Wärmemenge ist auch hier um so größer je höher die Halle
ist und je größer die Temperaturdifferenz der ein und abströmenden Luft ist. Im Sommer ist daher die
Funktion wegen der geringen Temperaturdifferenz gefährdet. Im Winter dagegen müssen die
Zuluftöffnungen beschränkt werden, damit der Zustrom kalter Luft gedrosselt wird.
Abb. 5:
Schema der Dachaufsatzlüftung, Druck- und Temperaturverhältnisse im Gebäude
4. Literatur
[ 1 ]
Humboldt.A.: Fragments der Climatologie. Et de geologie asiatiques.I.II Paris 1831
[ 2 ] Petzold, K.: Raumlufttemperatur. 2. Aufl. Berlin: Verlag Technik 1983, und Wiesbaden:
Bauverlag 1983
[ 3 ]
Cords- Parchim, W. Technische Bauphysik Teubner Verlag 1956
[ 4 ]
Petzold, K.: Bauklimatische Hefte Heft1,1996
[ 5 ] Lutz, Jenisch, Klopfer, Freymuth, Krampf, Petzold: Lehrbuch der Bauphysik, Teubner Verlag,
1997
[ 6 ]
DIN ISO 7730 Gemäßgtes Umgebungsklima. Entwurf Okt. 1987
[ 7 ] Rietschel, H.; Raiß, W.: Lehrbuch der Heiz- und Lüftungstechnik. 15. Aufl. Berlin, Göttingen,
Heidelberg. Springer-Verlag 1968
[ 8 ]
Mc Conell, W.J.; Spiegelmann, M.: Reactions of 745 clercs to summer airconditioning. Heat. pip.
Air Cond. 12 (1940) S. 317 - 322
[ 9 ] Frank, W.: Raumklima und thermische Behaglichkeit. Schriftenreihe aus der Bauforschung-
Berlin (1976) 104, S.1-36
[ 10 ] Angus, T.C.: The Control of Indoor Climate. Oxford: Pergamon Press Ltd. 1968
[ 11 ] Fanger, P.O.: Thermal Comfort - Analysis and Applications in Environmental Engineering.
Copenhagen. Danish Technical Press 1970
[ 12 ] DIN 1946 Raumlufttechnik (VDI-Lüftungsregeln), Teil 2: Gesundheitstechnische Anforderungen.
Entwurf 1991; Teil 6: Lüftung von Wohnungen. Ausg. Nov. 1989
[ 13 ] DIN 50019 Technoklimate. Klimate und ihre technische Anwendung. Ausg. Nov. 1079
[ 14 ] Rietschel.: Raumklimatechnik Band 1, Grundlagen 16. Auflage Springer Verlag 1994
[ 15 ] Roloff, J., Das thermische Verhalten von Bauoberflächen unter Sonneneinstrahlung. (zugl. Diss.
TU Dresden, 1971)
[ 16 ] Künzel, H.: Richtiges Heizen und Lüften in Wohnungen. Wksb 32 (1987) H. 22, S. 12 - 18

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Seite 23
ZUSAMMENHANG ZWISCHEN LUFTWECHSEL UND RADONEXPO-
SITION
CONNECTION BETWEEN AIR EXCHANGE RATE AND RADON EX-
POSITION
Walter-Reinhold Uhlig
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH), FB Bauingenieurwesen/Architektur
Zusammenfassung
Für die Radonexposition in Räumen ist eine Vielzahl von Faktoren verantwortlich. Neben der Radon-
konzentration in der Bodenluft sind vor allen Dingen Undichtheiten in der an das Erdreich angrenzen-
den Gebäudehülle, Druckunterschiede zwischen dem Erdreich und den angrenzenden Räumen, die
Radonexhalation aus den Baustoffen sowie die Luftwechselrate der Raumluft für die Radonkonzentra-
tion in Gebäuden verantwortlich. Eine sichere und gleichzeitig die kostengünstige Lösung zur Redu-
zierung der Radonkonzentration ist dabei die Optimierung der Luftwechselrate.
In diesem Beitrag werden nach einer Übersicht über die möglichen Maßnahmen zur Begrenzung der
Radonexposition in der Raumluft die Mechanismen des natürlichen und künstlichen Luftwechsels
erläutert und wird anhand von Beispielen auf Probleme beim Einsatz von Lüftungssystemen einge-
gangen.
Summary
A huge number of factors are responsible for the radon exposition in rooms. Beside the radon concen-
tration in the ground air leakages in the building shell covering soil are primarily responsible, pressure
differences between the ground soil and the adjoining rooms, the radon exhalation from the building
materials as well as the aerial change council of the compartment air for the radon concentration in
buildings. Besides, a secure and at the same time the cost-efficient solution for the reduction of the
radon concentration is the optimisation the air exchange rate.
In this article the mechanisms of the natural and artificial air exchange rate are explained after an
overview of the possible measures to the limitation of the radon exposition in the compartment air and
becomes on the basis of examples on problems by the application of airing systems.
1
Radonexposition in Gebäuden
Der Mensch ist ständig einer Exposition aus natürlichen und künstlichen Strahlenquellen ausgesetzt.
Insbesondere in Böden, Gesteinen und Baumaterialien sind natürliche radioaktive Stoffe, z.B. Uran,
Thorium und Radium enthalten, wobei aus Radium das besonders mobile radioaktive Edelgas Radon
entsteht. Radon und seine Zerfallsprodukte werden vom Menschen mit der Atemluft aufgenommen.
Während das Edelgas Radon zum größten Teil wieder ausgeatmet wird, können seine Zerfalls-

Zusammenhang zwischen Luftwechsel und Radonexposition
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produkte (Polonium-218, Wismut-214, Blei-214, Polonium-214) im Atemtrakt angelagert werden, dort
zu Zellumbildungen beitragen und damit das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, erhöhen.
Die Radonkonzentration in der Luft wird in Bq/m³ gemessen. Der Wert sagt dabei aus, wie viel Atome
des radioaktiven Edelgases Radon in einer Sekunde zerfallen. Der Jahresmittelwert der Radonkon-
zentration in Wohnräumen beträgt in Deutschland etwa 50 Bq/m³ (zum Vergleich: Der Mittelwert der
Außenluftbelastung liegt bei etwa 20 Bq/m³). In Einzelfällen liegt aber der Wert weit über 10.000
Bq/m³! Insbesondere Radonkonzentrationen über 1.000 Bq/m³ bringen für die Bewohner ein erheblich
erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, mit sich.
Für die Einschätzung der gesundheitlichen Gefährdung des Menschen durch Strahlung wird im All-
gemeinen die in Sievert [Sv] angegebene effektive Dosis herangezogen. In diesen Wert gehen neben
der über einen Zeitraum (i. d. R. ein Jahr) summierten Exposition natürlicher und künstlicher Strahlung
die unterschiedliche biologische Wirkung von Alpha-, Beta- und Gammastrahlen sowie Wichtungsfak-
toren für die Strahlungsempfindlichkeit der menschlichen Organe ein. Die effektive Dosis stellt somit
einen guten Vergleichswert für das Strahlungsrisiko dar. In Abb. 1 ist für Deutschland die mittlere ef-
fektive Jahresdosis für das Jahr 1994 dargestellt (nach [1]). Weitere Untersuchungen, u.a. vom Lan-
desamt für Umweltschutz Baden-Württemberg [2] oder eine durch das Bundesamt für Strahlenschutz
in Auftrag gegebene Studie [3] kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
kosmische Strahlung
(0,3 mSv)
terrestische Strahlung
(0,4 mSv)
Ingestion durch Nahrung und
Trinkwasser
(0,3 mSv)
Medizin
(ca. 1,5 mSv)
Sonstige
(ca. 0,04 mSv)
Inhalation von Radon und
seinen Folgeprodukten
(1,4 mSv)
natürliche Strahlenexposition
künstliche Strahlenexposition
Sonstige:
- Reaktorunfall Tschernobyl < 0,02 mSv
- Niederschlag von Kernwaffenversuchen < 0,01 mSv
- kerntechnische Anlagen < 0,01 mSv
- berufliche Strahlenexposition < 0,01 mSv
- Haushalt, Technik, Forschung < 0,01 mSv
Abb. 1:
Mittlere effektive Dosis der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland (nach [1])
Wie Bild 1 zeigt, ist der mittlere Anteil von Radon und seinen Folgeprodukten an der Gesamtstrahlen-
exposition der Bevölkerung in Deutschland nach der Medizin der zweithöchste Faktor. Die Darstellung
in Bild 1 geht von mittleren Werten aus. In Gebieten mit erhöhter Konzentration von Radon in der Bo-
denluft kann deshalb dieser Anteil deutlich steigen und zum dominierenden Faktor werden.
Das radioaktive Edelgas Radon ist – wie erwähnt - im Grunde genommen für den Menschen unge-
fährlich. Vielmehr sind seine Zerfallsprodukte nahezu ausschließlich für die Erhöhung des Risikos, an
Krebs zu erkranken verantwortlich (s. u.a. [4]). Die Erfassung der Zerfallsprodukte ist allerdings relativ
aufwändig. Es wird deshalb für die Praxis des radongeschützten Bauens von der Messung der Ra-
donkonzentration in der Raumluft ausgegangen.
Im Ergebnis einer Reihe von Gesundheitsstudien der letzten Jahre, die durch Darby et al. in [5] zu-
sammengefasst und ausgewertet worden sind, kann davon ausgegangen werden, dass eine Erhö-
hung der Radonbelastung in Räumen um 70 bis 100 Bq/m² zu einer etwa 10%-igen Erhöhung des

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Lungenkrebsrisikos führt. Von den jährlich ca. 40.000 Neuerkrankungen an Lungenkrebs in Deutsch-
land werden etwa 3.000 auf eine erhöhte Radonbelastung zurückgeführt. Damit stellt die Radonbelas-
tung nach dem Rauchen die häufigste Ursache für die Erkrankung an Lungenkrebs dar.
Das gasförmige Radon gelangt aus dem Erdreich über Porenräume in die Freiluft bzw. löst sich im
Grundwasser. Über Undichtheiten der Gebäudehülle oder direkt aus den verwendeten Baustoffen
gelangt es in die Raumluft. In geringerem Maße kann es auch über Diffusion durch die an das Erd-
reich grenzenden Baukonstruktionen in die Raumluft gelangen. Radon ist also in allen Wohn- und
Aufenthaltsräumen als auch der Außenluft in unterschiedlicher Konzentration messbar. Die Bodenra-
donkonzentration direkt unterhalb bzw. neben dem Gebäude ist die wichtigste Ursache für die Radon-
belastung im Gebäude. In einer ersten, sehr groben Annäherung kann davon ausgegangen werden,
dass die Radonkonzentration in der Raumluft gegenüber der in der Bodenluft um etwa zwei Dimensi-
onen niedriger liegt, allerdings mit einem außerordentlich großen Streubereich. Neben den hier kurz
skizzierten Quellen hat der Luftwechsel sowohl zwischen den Räumen eines Gebäudes als auch zwi-
schen Innen- und Außenluft einen großen Einfluss auf die Radonkonzentration in einem Gebäude.
Zusammenfassend sind die folgenden Faktoren für die tatsächlich vorhandene Radonexposition der
Innenluft verantwortlich:
Radonbelastung der Bodenluft
(Radon aus Grundwasser)
Dichtheit der an das Erdreich grenzenden Gebäudehülle
Radonbelastung aus den eingesetzten Baustoffe
Radonbelastung in der Außenluft
Lage des betrachteten Raumes im Gebäude
Luftwechselrate im Gebäude
In Abb. 2 sind die wesentlichsten Einflussfaktoren auf die Radonkonzentration in der Raumluft zu-
sammengefasst dargestellt.
Abb. 2:
Einflussfaktoren auf die Radonexposition in der Raumluft
Zusammenfassend können die Maßnahmen, die Radonkonzentration in der Raumlauf zu begrenzen,
auf zwei Strategien verdichtet werden:
Luftwechsel
Raumluft -
Außenluft
Radonfrei-
setzung aus
den Baustof-
Luftwechsel
Raumluft -
Außenluft
Radonfrei-
setzung aus
den Baustof-
Radonkonzentration
in der
Raum-
luft
in angekoppelten Räumen
Radonkonzentration
in der
Raum-
luft
in den an das Erdreich angren-
zenden Räumen
Undichtheiten
in der Gebäudehülle/
offene Bereiche
und
Druckunterschiede
zwischen den
Räumen
Undichtheiten
in der Gebäudehülle
und
Druckunterschiede
zwischen Bo-
den und Gebäude
Bodenradonkonzentration

image
Zusammenhang zwischen Luftwechsel und Radonexposition
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Reduzierung der Radonzufuhr (aus dem Erdreich, aus den Baustoffen) durch Abdich-
tung und entsprechende Baustoffwahl
Abführung des eingetretenen Radons und seiner Zerfallsprodukte durch verstärkte Ge-
bäudelüftung
In Abb. 3 sind in einer stark vereinfachten Form die grundsätzlichen Ursachen und Wirkmechanismen
für die Radonkonzentration in einem Raum für ein Einraummodell zusammengefasst.
Abb. 3:
Prinzipdarstellung der für die Radonbelastung maßgeblichen Radon-
quellen in einem Einraummodell
Tab. 1:
Anhaltswerte für den Beitrag der Radonquellen zur Radonbelastung in Gebäuden
(nach [3] und [6]):
Radonquelle
Radonkonzentration im Gebäude {Bq/m³]
Boden
Diffusion
Konvektion
bis 100 (200)
bis einige 1.000 (100.000)
Baumaterialien (Beispiele)
Ziegel
Beton
Gips
Alaunschiefer
5 … 15
20 … 40
10 … 70
400 … 700
Wasser
(Durchschnitt verschiedener Länder)
5 … 23
Umgebungsluft
5 … 80
Die Zusammenstellung in Tabelle 1 zeigt, dass in erster Linie die Radonbelastung aus der Bodenluft
maßgeblich zur Belastung der Raumluft beiträgt, in bestimmten Fällen kann die Exhalation aus den
Baustoffen einen relevanten Beitrag zur Belastung der Raumluft beitragen. Die weiteren Quellen
(Wasser, Umgebungsluft) tragen dagegen kaum zur Radonbelastung in Gebäuden bei, weswegen
diese i. A. vernachlässigt werden.
2 Radonschutzmaßnahmen
Im Grunde lassen sich die Radonschutzmaßnahmen auf vier Gruppen zusammenfassen:
1. Abdichtung gegen Radon aus der Bodenluft
2. Umkehrung des Druckgefälles zwischen Bodenluft und Raumluft
3. verstärkte Raumlüftung (mit oder ohne mechanische Lüftungssysteme).
4. Wahl von Baustoffen mit geringer Exhalation
AUSSENLUFT
Abluftstrom
Zuluftstrom
ERDREICH
Radonquelle Bodenluft
Exhalation aus
Baustoffen
Radonzerfall

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image
image
image
image
image
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Ein Überblick über die baulichen und lüftungstechnischen Möglichkeiten zur Reduzierung der Radon-
zufuhr ist u.a. in [7] gegeben worden. Im Folgenden soll auf einige ausgewählte Aspekte eingegangen
werden:
Bautechnische Maßnahmen:
Abdichtung der erdberührten Außenhülle des Gebäudes mittels Folien und Bahnenbelägen:
Hierbei ist insbesondere die saubere Abdichtung von Durchführungen in den Wänden und der Boden-
platte von größter Bedeutung. Wie in der Diplomarbeit von C. Funke nachgewiesen [8] ergibt sich
selbst bei einer vergleichsweise geringen Leckage in der
Außenhülle von insgesamt ca. 5 cm² und bei normaler Dicke
der Bodenplatte von ca. 20 cm ein etwa 30 mal größerer
konvektiver Luftstrom gegenüber der Diffusion durch die
Bodenplatte. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind auf dem 1.
Sächsischen Radontag [9] und [10] ausführlich vorgestellt
worden.
Die große Bedeutung der Abdichtung von Anschlüssen und
Durchführungen in der erdberührten Gebäudehülle muss zu
sauberen bautechnischen Detaillösungen führen, wie sie
z.B. in der Diplomarbeit von D. Marz [11] für die Gebäude-
sanierung entwickelt worden sind. In Abb. 4 ist aus dieser
Arbeit beispielhaft eine Lösung für die saubere Gestaltung
eines Bodeneinlaufs wieder gegeben.
Die Untersuchungen von T. Klink [12] bestätigen die Fest-
stellung, dass eine etwa 20 cm dicke (rissfreie) Betonplatte
auch bei vergleichsweise hoher Bodenradonbelastung voll-
kommen ausreichend ist, um die Radonkonzentration im
angrenzenden Raum auf ein vertretbares Maß zu reduzieren
(Abb. 5).
Innenabdichtung von Gebäuden:
Eine Innenabdichtung
wird in verschiedenen Veröffentlichungen als Ersatz für eine
nicht realisierbare Außenabdichtung im Sanierungsfall vor-
geschlagen. Diese ist aber, wie bereits u.a. in [7] dargestellt,
abzulehnen, da dies zu einer erhöhten Durchfeuchtung des
Kellermauerwerks führt.
Lüftungstechnische Maßnahmen:
Vor allen Dingen im Sanierungsfall werden unterschiedliche lüftungstechnische Maßnahmen ange-
wandt, deren Ziel die Umkehr des konvektiven Luftstroms zwischen Boden- und Raumluft (s. Abb. 3)
ist. Im Einzelnen können die folgenden Wirkprinzipien zum Einsatz kommen:
Abb. 4:
Radondichter Bodeneinlauf
Abb. 5:
Abhängigkeit der Radonkonzentration im Raum von der
Dicke der Bodenplatte [12], zitiert nach [13]

image
Zusammenhang zwischen Luftwechsel und Radonexposition
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Eliminierung des Unterdruckes im Keller,
durch
Schaffung oberirdischer Nachströmöffnungen,
Direkte Zuluftführung zu Öfen und Heizungsanlagen,
Einbau dichter Rauchrohrklappen
Aufbau eines Unterdruckes im Boden, u.a. durch
o
Entlüftung von Hohlräumen unter der untersten Geschossdecke
o
Einbau einer Bodendränage
o
Absaugen der Bodenluft über Einzelschächte
o
Einsatz von Radonbrunnen.
Für den Erfolg der hier genannten Lösungen zum Aufbau eines Unterdruckes im Erdreich sind die
Permeabiltät des Bodens sowie der Feuchtegehalt von entscheidender Bedeutung. Des Weiteren
ist zu klären, ob die Luftabführung über den natürlichen Auftrieb ausreicht oder aber technisch un-
terstützt werden muss.
Die hier genannten Lösungen sind in verschiedenen Veröffentlichungen (u.a. [3], [7] und [9]) in
prinzipiellen Darstellungen vorgestellt worden. Auch hier ist auf eine saubere Ausführung aller
baulichen Details zu achten. Beispielhaft soll hier aus der Diplomarbeit D. Marz [11] eine Lösung
für eine Bodenluftdränage wiedergegeben werden (Abb. 6).
Abb. 6:
Beispiel für den Einbau einer Bodenluftdränage mit Flächenabdichtung des Kellerfußbodens in ei-
nem bestehenden Gebäude (nach [11])
Natürlicher Luftaustausch durch gezielte Lüftung der Räume
Aufbau eines Überdruckes im Gebäude
Diese Strategie wird vor allen Dingen dann verfolgt, wenn Lüftungsanlagen eingebaut werden, da
diese bei entsprechender Konzeption leicht mit einem geringen, aber für die Unterbindung des
Radontransportes vom Erdreich ins Gebäude ausreichenden Überdruck betrieben werden kön-
nen.
Auf den Zusammenhang zwischen Luftaustausch und der Radonbelastung wird in den Abschnit-
ten 3 und 4 näher eingegangen.

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Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 30. September 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Radonexhalation aus den Baustoffen
Bisher existieren lediglich sporadische Angaben zur Radonexhalation aus Baustoffen. Auch sind
die Messmethoden nicht standardisiert, weswegen in der Literatur angegebene Werte nicht voll-
ständig vergleichbar sind. Da aber die Freisetzung von Radon aus den Baustoffen vor allen Din-
gen bei geringen Luftwechselraten – wie sie auf Grund energetischer Ziele im heutigen Bauge-
schehen angestrebt werden – zu erhöhten Radonkonzentrationen führen kann, ist die Kenntnis
über die Freisetzung von Radon aus Baustoffen eine wichtige umfassend zu lösende Frage. In ei-
nem weiteren Beitrag dieser Tagung wird auf Radon aus Baumaterialien noch näher eingegan-
gen.
Kosten und Wirksamkeit von Radonschutzmaßnahmen:
Leider fehlen immer noch verlässliche Angaben zur Wirksamkeit sowie zu den Kosten der verschie-
denen Radonschutzmaßnahmen. Über die im Radonhandbuch Deutschland zusammengestellte, sehr
pauschale Aussage (s. Abb. 7) hinausgehend konnten nur sehr wenige Quellen herangezogen wer-
den, die sich mit der Frage der Wirksamkeit sowie der Kosten befassen.
Abb. 7:
Einschätzung der Erfolgsaussichten von Radonschutzmaßnahmen (Anhaltswerte) nach [3]
Eine britische Untersuchung aus dem Jahre 1995 [14] kommt zusammengefasst zu folgendem Ergeb-
nis:
Die Abdichtung von Rissen in den Bodenplatten sowie die Einrichtung eines Überdruckes bringt
sehr gute Ergebnisse
Der Erfolg von mechanischen Zu- und Abluftsysteme in den Räumen führt lediglich bei etwa 50%
zu einem spürbaren Erfolg.
Weitere Untersuchungen sind u.a. in Schweden sowie den USA durchgeführt worden.
Unstrittig ist aber, dass die Reduzierung der Radonkonzentration in Räumen durch die sinnvolle Erhö-
hung des Luftwechsels außerordentlich kostengünstig – auch unter Berücksichtigung einer eventuel-
len geringfügigen Erhöhung der Heizungskosten – erreicht werden kann.

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Zusammenhang zwischen Luftwechsel und Radonexposition
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. September 2008
3
Einfluss des natürlichen Luftwechsels auf die Radonbelastung in
Räumen
Auf die Radonbelastung in Räumen
hat die Luftwechselrate einen sehr
großen Einfluss. Beispielhaft sei dies
anhand der Ergebnisse einer Lang-
zeitmessung von Schulz und Möser,
u.a. vorgestellt in [10], verdeutlicht:
Gemessen wurde über einen längeren
Zeitraum die Radon-belastung in
einem Bürogebäude. In Abbildung 8
sind für einen beispiel-haften Raum
die Einzelmesswerte so geordnet,
dass den Werten, die an
Wochenenden sowie an Wochen-
tagen erfasst wurden jeweils unter-
schiedliche Farben zugeordnet sind.
Es zeigt sich sehr deutlich, dass die
Radonbelastung an den Wochen-
enden sowie den Tageszeiten der
Wochentage außerhalb der Arbeitszeit deutlich höher liegt als in der Arbeitszeit. Diese Unterschiede
sind darauf zurückzuführen, dass in der Arbeitszeit Türen benutzt und Fenster geöffnet werden und
damit ein deutlich größerer Luftwechsel entsteht. Die Unterschiede der Radonkonzentration zwischen
den betrachteten charakteristischen Nutzungssituationen sind deutlich, sie liegen in diesem Beispiel
im Verhältnis von 1:3 bis 1:4.
Die Radonbelastung kann für das in Abb. 3 dargestellte Einraummodell nach [8] durch eine Differenzi-
algleichung (s. Gl. 1) beschrieben werden mit:
(1)
Im ersten Term
λ*C(t)
der Gleichung wird der Radonzerfall erfasst, V
o
beschreibt das Raumvolumen.
Die Terme der eckigen Klammer erfassen in der aufgeführten Reihenfolge die Exhalationsrate aus
den Baustoffen, den Volumenstrom aus dem Erdreich, die Radonkonzentration des Abluftvolumen-
stromes sowie den Zuluftvolumenstrom mit der Außenluftradonkonzentration C
A
. Ausführlich ist die
Herleitung und Anwendung der Differenzialgleichung in der Arbeit von C. Funke [8] beschrieben. Auch
ist dort nachgewiesen worden, dass das hier skizzierte Einraummodell grundsätzlich in ein Mehrzo-
nenmodell, bei dem mehrere Räume miteinander durch konvektive und (in geringerem Maße) diffusive
Ströme verkoppelt sind, anwendbar ist.
Die Kenntnisse zur Beschreibung diffusiver und konvektiver Vorgänge, der Radonexhalation sowie der
Radonzerfallgesetze lassen bei Anwendung der Differenzialgleichung Simulationsrechnungen zu,
welche die Radonbelastung in den Räumen bei gegebenen Randbedingungen beschreiben. Im Rah-
men dieses Beitrags soll mit den folgenden Ergebnissen von Simulationsrechnungen die große Be-
deutung der Luftwechselrate verdeutlicht werden.
Im ersten Beispiel (Abb. 9) wird ein konvektiver Lufteintritt aus der Bodenluft in einen Kellerraum be-
trachtet. Alle weiteren möglichen Quellen, wie die Exhalation sowie Diffusion wurden für diese Be-
rechnung auf 0 gesetzt.
Abb. 8
: Mittlerer Tagesgang der Radonkonzentration an Arbeitsta-
gen und am Wochenende in einem Büroraum

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Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 30. September 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Abb. 9:
Simulation der Radonkonzentration in einem Kellerraum in Abhängigkeit vom Luftwechsel
bei konvektivem Eintritt radonhaltiger Bodenluft
Für die Simulationsrechnung sind dabei die folgenden Ausgangswerte zugrunde gelegt worden:
Radonkonzentration in der Bodenluft: 10.000 Bq/m³
Volumenstrom von außen nach innen 0,05 m³/h (der z.B. bei einer Leckagefläche von ca. 3,15
cm² und einer Temperaturdifferenz zwischen innen und außen von ca. 6 K entsteht)
Raumgröße 50 m³
Luftwechselrate 0 bzw. 0,1 [1/h].
Während bei vollkommen fehlendem Luftwechsel die Radonkonzentration im Raum trotz vergleichs-
weise geringer Bodenradonkonzentration auf Werte von weit über 1000 Bq/m³ steigen würde, ergibt
bereits ein recht geringer Luftwechsel von 0,1 h
-1
eine Radonbelastung für den betrachteten Raum
von etwa 150 Bq/m³, die damit für einen Kellerraum im akzeptablen Bereich liegt.
M. P. Jansson [15] hat für verschiedene Exhalati-
onsraten aus den Wandbaustoffen die Radonkon-
zentration in Abhängigkeit von der Luftwechselrate
dargestellt (Abb. 10). Das Beispiel zeigt, dass die
Radonexhalation aus den Wandbaustoffen durch-
aus zu einer relevanten Belastung in der Raumluft
führen kann, wenn die Luftwechselraten niedrig
sind.
Abb. 10:
Darstellung der Radonkonzentration in Abhängigkeit
von der Exhalation aus den Wandbaustoffen und der
Luftwechselrate (nach [15])
In einem weiteren Beispiel wird ein Raum betrachtet, der an einen hoch belasteten Kellerraum ange-
koppelt ist (Abb. 11). Auch in diesem von C. Funke [8] untersuchten Beispiel zeigt sich sehr deutlich
der Einfluss der Luftwechselrate auf die Radonkonzentration.
Entwicklung der Radonkonzentration in einem Raum
0
200
400
600
800
1000
1200
0
24 48 72 96 120 144 168 192 216 240 264 288 312 336 360
Zeit [h]
Radonkonzentration [ Bq/m³ ]
konvektiver Radoneintritt, LW im Raum 0 [1/h]
konvektiver Radoneintritt, LW im Raum 0,1 [1/h]

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Zusammenhang zwischen Luftwechsel und Radonexposition
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Abb. 11:
Simulation der Radon-
konzentration in einem
an einen hoch belasteten
Keller angekoppelten
Raum in Abhängigkeit
unterschiedlicher Luft-
wechselraten
Die drei hier vorgestellten Berechnungen verdeutlichen den hohen Stellenwert des Luftwechsels für
die Radonkonzentration in der Raumluft. Allerdings, das zeigen die Beispiele auch, kann nicht ohne
weiteres ein anzustrebender Wert für die Luftwechselrate angegeben werden, der zu einer akzeptab-
len Radonkonzentration in der Raumluft führt. Nach Gertis [13] sollte diese aber immer größer 0,5 h
-1
sein, um ein akzeptables Niveau der Radonbelastung in der Raumluft zu erreichen. Für sehr hohe
Radonbelastungen aus der Bodenluft oder den Baustoffen können aber auch Luftwechselraten bis 1
h
-1
sinnvoll sein.
Die in Abb. 12 wiedergegebenen
Messergebnisse aus der Arbeit
von Bergmann [16] zeigen ein-
drucksvoll die Auswirkung eines
undichten Kellers auf die Radon-
konzentration. Die starken tages-
zeitlichen Schwankungen sind auf
die Druckunterschiede zwischen
Erdreich und Raum zurückzufüh-
ren.
Abb. 12:
Schwankung der Radonkonzentration
im Keller eines Passivhauses (nach
[16]); der Kellerraum ist nicht in das
Lüftungskonzept des Gebäudes (s.
MP 2 bis 4) integriert!
Im Folgenden sollen die für Wohnräume formulierten Luftwechselraten vergleichend den Werten ge-
genüber gestellt werden, die sich aus den Anforderungen des energetischen Bauens ergeben. Diese
haben sich seit der ersten Energiekrise in den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts bis heute ständig
verschärft. Die damals eingeführte Wärmeschutzverordnung legte für Deutschland erstmals verbindli-
che Werte für energetisches Bauen fest. Im Jahre 2002 wurde mit der Energieeinsparverordnung eine
neue qualitative sowie quantitative Zielstellung an das energetische Bauen definiert, die aktuelle Fas-
sung der EnEV 2004 [17] legt wiederum höhere Ziele fest. Neben der immer besseren Dämmung der
Gebäudeaußenhülle sind die Anforderungen an die Gebäudedichtheit ständig erhöht bzw. konkreti-
siert worden. Mit Blick auf die Energiebilanz der Gebäude macht dies auch durchaus Sinn, werden
doch die Lüftungswärmeverluste bei sehr guter Dämmung der Gebäudeaußenhülle zunehmend zum
bestimmenden Faktor für die Höhe des Energieverbrauchs eines Gebäudes, wie die Beispielrechnung
in Abb. 13 zeigt.
Entwicklung der Radonkonzentration in einem Raum
0
100
200
300
400
500
600
0 4 8 12 16 20 24 28 32 36 40 44 48
Zeit [h]
R adonkonzentration
[ Bq/m³ ]
LW = 0,1 [1/h] der Whg., 2 m³/h vom Keller
keine Lüftung der Whg., 2 m³/h vom Keller
LW = 0,2 [1/h] der Whg., 2 m³/h vom Keller
Radonkonzentration im Keller

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Abb. 13:
Beispielhafte Darstellung
der Anteile an den Ener-
gieverlusten und –
gewinnen eines Gebäudes
bei unterschiedlichem
Dämmniveau der Gebäu-
deaußenhülle
Die Entwicklung der Luftwechselrate n
50
vom unsanierten Altbau bis zum Passivhaus zeigt Abb. 14.
Abb. 14:
Entwicklung der Luftwechselraten
n
50
in Wohngebäuden
Im § 6 der EnEV 2007 werden die Anforderungen an die Dichtheit von Fenster und Fenstertüren ge-
regelt. So wird in Abschnitt (1) gefordert:
„Die Fugendurchlässigkeit außen liegender Fenster, Fenstertüren und Dachflächenfenster muss
den Anforderungen der Anlage 4, Nr. 1 genügen. Wird die Dichtheit nach den Sätzen 1 und 2 ü-
berprüft, sind die Anforderungen nach Anlage 4 Nr. 2 einzuhalten.“
Die zitierte Anlage 4 fordert für die angesprochenen Fenster in Satz 1 die Einhaltung der Fugendurch-
lässigkeit nach DIN EN 12207. Danach sind die in der Tabelle 2 zusammengestellten Werte einzuhal-
ten:
Tab. 2:
Anforderungen an die Fugendurchlässigkeit nach DIN EN 12207
Anzahl der Vollgeschosse des
Gebäudes
Referenzdurchlässigkeit nach
DIN EN 12207
Fugendurchlässigkeit - umge-
rechneter Wert
aus DIN EN 12207
m³/(h*m) bei 100 Pa
m³/(h*m) bei 10 Pa
bis zu 2 Fensterklasse 2)
6,75
1,454
Mehr als 2 (Fensterklasse 3)
2,25
0,485
Entwicklung der Luftwechselraten in Abhängigkeit von
der Gebäudeart
0
2
4
6
8
10
12
14
Altbau, unsaniert
älterer Neubau
Niedrigenergiehaus
Passivhaus

Zusammenhang zwischen Luftwechsel und Radonexposition
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Wird eine Überprüfung der Luftdichtheit nach § 6, Abs. 1 vorgenommen, so darf der maximal zulässig
Luftstrom von innen nach außen bei einer Druckdifferenz von 50 Pa die folgenden Werte nicht über-
schreiten:
ohne raumlufttechnische Anlagen:
3 h
-1
mit raumlufttechnischen Anlagen:
1,5 h
-1
Die Überprüfung erfolgt mittels Blower-Door-Test, bei dem im zu untersuchendem Gebäude oder Ge-
bäudeteil über ein in eine Türöffnung eingebautes Gebläse ein konstanter Überdruck von 50 Pa er-
zeugt wird. Über die Messung des Volumenstromes im Verhältnis zum Gebäudevolumen wird der
Luftwechsel bei 50 Pa Überdruck (im Allgemeinen mit n
50
bezeichnet) ermittelt. Das Verfahren ist in
DIN EN 13829 geregelt. Die mit diesem Verfahren gemessenen Luftwechselraten sind mit den sich
tatsächlich einstellenden nicht vergleichbar. Näherungsweise muss der gemessene Wert durch 3 bis 4
geteilt werden, um einen den natürlichen Bedingungen vergleichbaren Wert zu erhalten. C. Funke hat
in ihrer Diplomarbeit umfangreiche Auswertungen der Fachliteratur hinsichtlich des Mindestluftwech-
sels durchgeführt. Danach kann für die nach EnEV errichteten Gebäuden von folgenden Luftwechsel-
raten ausgegangen werden:
Gebäude ohne Nachweis der Luftdichtheit: ≤ 0,7 h
-1
Gebäude mit Nachweis der Luftdichtheit:
≤ 0,6 h
-1
Die Mindestluftwechselraten, die erreicht werden müssen, um Schimmelpilzbefall sicher zu vermei-
den, liegen zwischen 0,15 und 0,45 h
-1
in Neubauten sowie zwischen 0,20 und 0,70 h
-1
im Altbau.
Tatsächlich vorhandene Luftwechselraten wurden für unsanierte Altbauten zwischen 4 bis 12 h
-1
ge-
messen, für Passivhäuser zwischen 0,1 bis 0,6 h
-1
.
Diese Werte liegen an der Grenze der bzw. deutlich unter den für den Radonschutz angestrebten
Mindestluftwechselraten. Insbesondere in der Altbausanierung kann dies, da hier die vollständige
Abdichtung des Baukörpers zum Erdreich häufig nicht möglich ist (s. u.a. die Messergebnisse in Bild
12) und auch nicht angestrebt wird, zu sehr hohen Radonbelastungen der Raumluft führen (s. u.a. die
Berechnungen in [18]). Für sehr dicht ausgeführte Gebäude, wie beim Passivhauskonzept zwingend
vorgeschrieben, bei Sanierungen sowie Neubauten nach den Anforderungen der EnEV gelegentlich in
Verkennung der Wirkmechanismen realisiert, ist deshalb zwingend eine künstliche Lüftung erforder-
lich.
4
Künstliche Lüftung und Radonbelastung
Die verschiedenen technischen Möglichkeiten der künstlichen Belüftung werden im Beitrag von U.
Franzke [19] vorgestellt. Für die Reduzierung der Radonkonzentration in den betrachteten Räumen ist
es wichtig, dass gegenüber der aus dem Erdreich nachströmenden Luft ein – wenn auch geringer -
Überdruck aufgebaut wird. Wird die Lüftungstechnik in Verbindung mit einer Wärmerückgewinnungs-
anlage betrieben, kann dies sowohl zu einer hohen Energieeffizienz beitragen als auch die Schad-
stoffbelastung in der Raumluft deutliche reduzieren.
Im Folgenden soll anhand von Messwerten in Passivhäusern, die von F. Bergmann [16] durchgeführt
wurden, die Wirksamkeit von Raumklimaanlagen hinsichtlich der Radonkonzentration in der Raumluft
betrachtet werden. Abb. 15 verdeutlicht eindrucksvoll die Wirksamkeit einer Raumklimaanlage in ei-
nem Passivhaus. Ist die Lüftungsanlage in Betrieb, werden Radonkonzentrationen in der Raumluft
erreicht, die nahe der Radonkonzentration in der Außenluft und damit deutlich unter den anzustreben-
den Grenzwerten liegen. Sobald die Lüftungsanlage abgeschaltet wird, steigt die Radonbelastung in
der Raumluft auf ein deutlich höheres Plateau. Da angenommen werden kann, dass die Dichtheit der
Gebäudehülle sehr hoch ist, ist zu vermuten, dass hier vor allen Dingen die Radonexhalation aus den
Baustoffen für den erhöhten Wert verantwortlich ist.
el-
t
nier-
en Sperre
g der
kale Ab-

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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 35
Abb. 15:
Radonbelastung in einem Passiv-
haus bei Regelbetrieb (Lüftungsanla-
ge in Betrieb) und abgeschalteter
Lüftungsanlage [16])
In Abb. 16 wird die Messung der Druck-
unterschiede zwischen Innenraum und
Außenluft in einem weiteren Passivhaus
gezeigt. Die Bodenradonkonzentration ist
mit ca. 100 kBq/m³ relativ hoch. Das Ge-
bäude ist in ein Untergeschoss mit Zu-
gangsbereich sowie verschiedenen Ne-
benräumen (Messpunkte 1 bis 3) sowie
ein Obergeschoss mit allen Wohnräumen
(Messpunkt 4) gegliedert. Die Lüftungs-
anlage arbeitet, wie aus Bild 16 ersicht-
lich, mit einem geringen Überdruck.
Abb. 16:
Luftdruckdifferenz zwischen Raum-
und Außenluft in einem Passivhaus
[16]
In Abb. 17 und 18 sind die Messergeb-
nisse der Radonkonzentration in den
Räumen wieder gegeben
Abb. 17:
Radonbelastung in einem Passiv-
haus. Der Eingangsbereich ist nicht
in das Lüftungsregime integriert
Abb. 18
Radonbelastung im gleichen Gebäu-
de wie Bild 17 ohne Messpunkt 3
Diagramm 25: Haus 4 - Radonkonzentrationen (1h-Auflösung)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
07.07.06
18:00
08.07.06
00:00
08.07.06 06:00
08.07.06 12:00
08.07.06 18:00
09.07.06 00:00
09.07.06 06:00
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12:00
09.07.06 18:00
10.07.06 00:00
10.07.06 06:00
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11.07.06
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12.07.06 12:00
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13.07.06
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13.07.06
18:00
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17.07.06
00:00
17.07.06 06:00
Datum / Uhrzeit
[Bq /m ³]
MP 1 (UG RmHL) AG1228
MP 2 (EG Wohnen) DM167&170
MP 3 (OG Flur) R3a
MP 4 (Außenluft) AG0940
→ Lüftung aus →

Zusammenhang zwischen Luftwechsel und Radonexposition
Seite 36
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Die Ergebnisse des Messpunktes 4 (Abb. 18) zeigen, dass der gemessene Überdruck ausreicht, um
die im Beispiel hohe Bodenradonkonzentration ohne Auswirkungen auf die Radonkonzentration in der
Raumluft zu begrenzen. Dagegen werden im Untergeschoss starke Schwankungen der Radonkon-
zentration in der Raumluft beobachtet. Hierzu ist anzumerken, das der Eingangsraum in das Gebäude
(MP 3) nicht in das Lüftungsregime eingebunden ist. Zusätzlich sind in dem Eingangsbereich alle
Hausanschlüsse mit den erforderlichen Wand- und Deckendurchbrüchen für die Anschlüsse einge-
ordnet. Offensichtlich sind hier Undichtheiten in der Gebäudehülle vorhanden, die ein direktes konvek-
tives Einströmen der Bodenluft ermöglichen (Abb. 17). Dass diese großen Schwankungen im Ein-
gangsraum des Gebäudes auf die weiteren Räume des Untergeschosses „durchschlagen“, obwohl
diese in das Lüftungsregime eingebunden sind, liegt sowohl an den weniger dichten Anbindungen der
Räume an den Eingangsbereich sowie an dem Betriebsregime der Lüftungsanlage. Diese wird hier
mit einem gestaffelten Lüftungsprogramm betrieben. Im Regelfall arbeitet die Anlage mit einer gerin-
gen Grundstufe, die dreimal am Tag durch eine Phase mit verstärkter Lüftung (analog der Stoßlüftung
von Fenstern) unterbrochen wird. Offensichtlich ist diese Betriebsart nicht in der Lage, die aus dem
Eingangsbereich nachströmende radonhaltige Luft vollständig abzuführen. Da das Obergeschoss vom
Erdgeschoss baulich wesentlich deutlicher abgekoppelt ist, kann dort die hier beschriebene Abhän-
gigkeit nicht mehr beobachtet werden.
Das Beispiel zeigt, dass eine exakte, auf den konkreten Anwendungsfall abgestimmte Lüftungspla-
nung erforderlich ist, um zu einem auch hinsichtlich der Radonbelastung zufrieden stellenden Ergeb-
nis zu kommen. Indirekt wird mit diesem Fall die Aussage in [14] bestätigt, wonach der Einsatz von
Raumklimaanlagen nicht immer zu einem befriedigenden Ergebnis führt.
5 Literatur
[1]
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg): Bericht der Bundes-
regierung an den Deutschen Bundestag über Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung im
Jahr 1994, Bonn 1995. Drucksache – Deutscher Bundestag 13/2287
[2]
Landesamt für Umweltschutz Baden-Württemberg (Hrsg): Radioaktivität in Baden-Württemberg;
Karlsruhe, 1994
[3]
Bundesamt für Strahlenschutz (Hrsg): Radon-Handbuch Deutschland; Bonn, 2001
[4]
Schmidt, M.: Grenzwertpolitik am Beispiel radioaktiver Niedrigstrahlung. Ökologische Konzepte
15(1989), Nr. 30
[5]
Darby, S. et al., Radon in homes and risk of lung cancer: collaborative analysis of individual data
from 13 European case-control studies; Mritish Medical Journal; December 2004
[6]
Ringer, W.: Bestimmende Faktoren für die Radonkonzentration in Gebäuden;
[7]
Uhlig, Walter-Reinhold: Baulicher Radonschutz im Neubau und Sanierungsmaßnahmen an be-
stehenden Gebäuden; Tagungsband 1. Tagung radonsicheres Bauen, Dresden 2005
[8]
Funke, Claudia: Beitrag zur Bestimmung der Radondichtheit von Baustoffen und Baukonstrukti-
onen; HTW Dresden (FH), 2007
[9] Uhlig, Walter-Reinhold: Bauliche Grundlagen des radonsicheren Bauens und Sanierens; Ta-
gungsband 1. sächsischer Radontag, Dresden 2007
[10] Schulz, H.: Aktueller Kenntnisstand zu Radon in Gebäuden; Tagungsband 1. sächsischer Ra-
dontag, Dresden 2007
[11] Marz, D.: Beitrag zur Konzeption radondichter Baukonstruktionen; HTW Dresden (FH) 2007
[12] Klink, T.: Der Transport des radioaktiven Isotops Radon-222 in Abhängigkeit von der Mikrostruk-
tur zementgebundener Mörtel; Universität Essen, Diss. 1996
[13] Gertis, K.: Radon in Gebäuden; Fraunhofer IRB Verlag, 2008
[14] Stephen, R. K.: Positive pressurisation: a BRE guide to radon remedial measures in existing
dwellings. Building Research Establishment, 119 (BRE report; 281)
[15] Jansson, M. P.: Modeling ventilation and radon in new dutch dwellings; International Journal on
Indoor Air 13(2003), Nr. 2

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 30. September 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 37
[16] Bergmann, Frank: Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern; Diplomarbeit HTW
Dresden (FH), 2006
[17] Energieeinsparverordnung EnEV 2004¸Bundesgesetzblatt vom 7.12.2004
[18] Conrady, Jürgen, Andreas Guhr, Bernd Leißring, M. Nagel: Modellösung für die Vermeidung
erhöhter Werte von Wohnungsradon durch bauliche Energiesparmaßnahmen, Abschlussbericht
Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 2004
[19] Franzke, U.: Technische Lösungen für Lüftungsanlangen – Stand und Entwicklung; Tagungs-
band 2. Sächsischer Radontag, 2008

Seite 38
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008

Uwe Franzke
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 39
TECHNISCHE LÖSUNGEN FÜR LÜFTUNGSANLAGEN – STAND
UND ENTWICKLUNG
TECHNICAL SOLUTIONS FOR VENTILATION SYSTEMS – STATE
OF THE ART AND NEW DEVELOPMENTS
Uwe Franzke
Institut für Luft- und Kältetechnik
Gemeinnützige Gesellschaft mbH
01309 Dresden
Zusammenfassung
Lüftungstechnische Systeme sind für moderne Gebäude hinsichtlich einer effektiven
Wärmerückgewinnung, einer guten Luftqualität aber vor allem auch hinsichtlich der zuverlässigen
Druckhaltung unverzichtbar. Die Fensterlüftung ist nicht geeignet, den Eintrag von Radon sicher zu
vermeiden.
Erst die Fähigkeit von Lüftungsanlagen, die Differenzdrücke gegenüber Kellerräumen definiert zu
regeln, schafft die Möglichkeit, den Eintrag von Radon in die Gebäude zu verringern.
Im Vortrag werden die einzelnen Möglichkeiten der Lüftung von Gebäuden dargestellt und hinsichtlich
der zu erwartenden Probleme analysiert.
Summary
In modern buildings ventilation systems are necessary due to an efficiency heat recovery, a good air
quality and to achieve defined pressure conditions. The air infiltration through the window is not able
to avoid the supply of radon.
It should be mentioned, that especially the capability to control the pressure difference against
basement is significant to avoid the supply of radon into the building.
The presentation will give an overview about the different possibilities of the ventilation of buildings. A
short evaluation of the expected problems is given.

Technische Lösungen für Lüftungsanlagen – Stand und Entwicklungen
Seite 40
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
1 Einleitung
Nach der Weltgesundheitsdefinition (WHO) von 1946 gilt:
"Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und
nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen."
Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) haben die Aufgabe, die Raumluftqualität und die
Bedingungen für den thermischen Komfort und die Feuchte im Raum so zu regeln, dass die
vereinbarte Nutzung der Räume ohne Einschränkungen möglich ist. Sie sollen Lasten (Stoffe,
Gerüche, Feuchte, Wärme) abführen und helfen, die anwesenden Personen gegen die Einwirkung
von gesundheitlich nachteiligen und belästigenden Stoffen und Einflüssen zu schützen. RLT-Anlagen
leisten damit einen direkten Beitrag zur Gesunderhaltung.
Gegenwärtig wird allerdings nur die Energieeinsparung an Gebäuden diskutiert. Die
Energieeinsparverordnung EnEV 2007 beschreibt den energetischen Standard der gegenwärtigen
Gebäude und Gebäudetechnik. Es heißt im § 3:
“Zu errichtende Wohngebäude sind so auszuführen, dass der Jahres-Primärenergiebedarf für
Heizung, Warmwasserbereitung und Lüftung sowie der spezifische, auf die wärmeübertragende
Umfassungsfläche bezogene Transmissionswärmeverlust die Höchstwerte in Anlage 1 Tabelle 1 nicht
überschreitet.”
Die Radonthematik ist nicht Gegenstand der EnEV.
Dazu muss die EN 13779 [1] herangezogen werden. Auch wenn diese Norm nicht für Wohngebäude
gilt, können viele Aspekte übertragen werden. Es lautet in der Einleitung:
„Diese Norm bietet Planern, Gebäudeeigentümern und Nutzern Leitlinien für Lüftungs- und
Klimaanlagen, um bei akzeptablen Installations- und Betriebskosten ein zu allen Jahreszeiten
behagliches und gesundheitlich unbedenkliches Innenraumklima zu schaffen.“
Im Anhang A.10.2 wird Bezug genommen auf die Vermeidung des Radoneintrages. Es heißt:
„In Gebieten, in denen mit hoher Außenluftverunreinigung gerechnet werden muss (Kategorien ODA
2 bis ODA 3) oder wenn Unterdruck eine Zunahme der Radon-Konzentration verursachen kann,
sollten der Unterdruck im Raum minimiert werden. Als Alternative kann das Gebäude für einen
leichten Überdruck ausgelegt werden.“
2 Definitionen
In Gebäuden mit lüftungstechnischen Anlagen gibt es per Definition unterschiedliche Qualitäten der
Luft. Die
Abb. 1
zeigt die verschiedenen Luftqualitäten. Die Abkürzungen entsprechen den
englischen Bezeichnungen.
Die
Abb. 2
zeigt die Struktur der RLT-Anlagen. Aufgrund der Vielfalt der unterschiedlichen
Anforderungen in Gebäuden hat sich in den vergangenen Jahren eine enorme Breite
unterschiedlicher Systeme ergeben.
Für die Sicherstellung geeigneter Druckverhältnisse (Überdruck gegenüber dem Keller) gehen nur
Systeme, die von außen dem Gebäude Luft über Ventilatoren zuführen. Klassische
Umluftkühlsysteme werden daher auch nicht weiter betrachtet.

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Uwe Franzke
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 41
Außenluft
ODA
Zuluft
SUP
Raumluft IDA
Überströmluft TRA
Abluft
ETA
Umluft RCA
Fortluft
EHA
Sekundärluft
SEC
Leckluft
LEA
Infiltration
INF
Exfiltration
EXF
Mischluft
MIA
Sekundärluft SEC
Außenluft
ODA
Zuluft
SUP
Raumluft IDA
Überströmluft TRA
Abluft
ETA
Umluft RCA
Fortluft
EHA
Sekundärluft
SEC
Leckluft
LEA
Infiltration
INF
Exfiltration
EXF
Mischluft
MIA
Sekundärluft SEC
Abb. 1:
Definitionen gemäß EN 13779
Bei der Auslegung der Anlage ist die Qualität der Außenluft um das Gebäude herum bzw. der
vorgesehene Standort des Gebäudes zu berücksichtigen. Die Qualität der Außenluft (ODA) ist für die
Raumluftqualität (IDA) von entscheidender Bedeutung.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Auswirkungen schlechter Außenluft im Innenraum in der Auslegung zu
mildern:
Installation der Außenluft an Stellen, an denen die Außenluft am wenigsten verunreinigt ist
Reinigen der Luft
Während Partikel mit klassischen Luftfiltern abgeschieden werden können, bestehen bei gasförmigen
Verunreinigungen erhebliche Probleme. Gasfilter sind zwar prinzipiell bekannt (Aktivkohlefilter); deren
Einsatz in bezug auf Radon bringt jedoch keinen Effekt.
Die Klassifizierung der Außenluft ist in
Tab. 1
angegeben. Diese Kategorien geben Auskunft darüber,
ob eine Reduzierung der Außenluft-Verunreinigungen erforderlich ist. Folgende Definitionen werden
vereinbart:
ODA 1 gilt, wenn die WHO-Richtlinien (1999) und alle nationalen Normen oder –vorschriften
zur Qualität der Außenluft eingehalten werden
ODA 2 gilt, wenn die Verunreinigungskonzentration die WHO-Richtlinien oder nationale
Normen oder –vorschriften zur Qualität der Außenluft um einen Faktor bis zu 1,5
überschreiten
ODA 3 gilt bei einer Überschreitung von mehr als 1,5

image
Technische Lösungen für Lüftungsanlagen – Stand und Entwicklungen
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Tab. 1:
Klassifizierung der Außenluft gemäß DIN EN 13779
Kategorie
Beschreibung
ODA 1
saubere Luft, die nur zeitweise staubbelastet sein darf (Pollen)
ODA 2
Außenluft mit hoher Konzentration an Staub oder Feinstaub und / oder gasförmigen
Verunreinigungen
ODA 3
Außenluft mit sehr hoher Konzentration gasförmigen Verunreinigungen und / oder an
Staub oder Feinstaub
Abb. 2:
Struktur der RLT-Anlagen

Uwe Franzke
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 43
Die
Tab. 2
gibt einen Überblick der Außenluftklassifizierung anhand von ausgewählten Städten.
Unabhängig von der Beschaffung des entsprechenden Datenmaterials zeigt sich die deutliche
Abhängigkeit der Qualität der Aussagen von der direkten lokalen Anordnung der jeweiligen
Messstation.
Tab. 2:
Zusammenfassung der Außenluftklassifizierung anhand von Beispielen der DIN EN 13779
Grenzwert / Richtwert
Stuttgart
London
Madrid
SO
2
Jahresmittel
50
μ
g/m
3
5
8
11
Maximum 24 h
125
μ
g/m
3
23
38
37
Tage über 125
μ
g/m
3
0
0
0
Faktor über Grenzwert
<1
<1
<1
O
3
Jahresmittel 63 52 55
Maximum 8 h
120
μ
g/m
3
178
134
123
Tage über 120
μ
g/m
3
31
4
1
Faktor über Grenzwert
< 1,5
<1,5
<1,5
NO
2
Jahresmittel 40
μ
g/m
3
80 62 52
Maximum 1 h
200
μ
g/m
3
244
176
216
Stunden über 200
μ
g/m
3
21
0
1
Faktor über Grenzwert
< 1,5
< 1
< 1,5
PM
10
Jahresmittel 40
μ
g/m
3
34 27 29
Maximum 24 h 50
μ
g/m
3
109 78 109
Tage über
50
μ
g/m
3
35 Tage
42
20
44
Faktor über Grenzwert
< 1,5
<1
<1,5
ODA Klasse
4
2
4
Die notwendigen Außenluftvolumenströme sind der
Tab. 3
beispielhaft zu entnehmen. Es fällt auf,
dass der Bereich der Wohngebäude (trotzt längerer Expositionszeit) geringere
Außenluftvolumenströme erfordert als der Bereich der Nichtwohngebäude. Gemäß DIN 1946 Teil 6
gilt für die Grundlüftung von Wohnungen, dass bei der planmäßig anzunehmenden Personenzahl pro
Nutzfläche mindestens 30 m³/h pro Person zur Verfügung stehen. Den Werten ist eine Raumhöhe
von 2,5 m zugeordnet. Auch bei einer höheren als nicht planmäßigen Personenzahl pro Nutzfläche
müssen mindestens 20 m³/(h . Person) zur Verfügung stehen.
Aufgabe der RLT-Anlagen ist es, diese Außenluftvolumenströme so aufzubereiten, dass eine
behagliche und gesundheitlich zuträgliche Raumluft entsteht.
Tab. 3:
Notwendige Außenluftvolumenströme gemäß DIN EN 15251 [2]
Kategorie
Wohn- und
Schlafzimmer
Fläche
schadstoffarmes
Einzelbüro Fläche
m³/h Person
m³/h m² m²/Person m³/h Person
m³/h m² m²/Person
I 36 5.04 7 72 7.2 10
II 25.2 3.6 7 50.4 5.04 10
III 14.4 2.16 7 28.8 2.88 10

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Technische Lösungen für Lüftungsanlagen – Stand und Entwicklungen
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
3 Technische Lösungsmöglichkeiten
Die Hauptquelle für den Eintrag von Radon liegt im Erdreich, siehe
Abb. 3
. Demzufolge muss durch
eine entsprechende Druckgestaltung im Gebäude sichergestellt werden, dass möglichst permanent
Überdruck gegenüber dem Keller besteht.
Unter Nutzung der allgemeinen Gasgleichung, siehe Gl. 1, kann für einen exemplarischen Raum der
sich einstellende Differenzdruck zwischen Raum und Umgebung in Abhängigkeit der technisch
möglichen Einstellung der Zu- und Abluftvolumenströme berechnet werden. Es zeigt sich, dass
Abweichungen von 10 % zwischen beiden Luftvolumenströmen bereits zu Differenzdrücken von etwa
15 Pa führen. Daraus wird ersichtlich, welche Bedeutung die geordnete Zuführung der
Luftvolumenströme für die Druckhaltung eines Gebäudes hat.
p
V
=
m
R
T
(1)
Abb. 3:
Aufgabe der Lüftungstechnik – Vermeidung des Eintrages von Radon
in das Gebäude
Die
Abb. 5
zeigt die Situation der Fensterlüftung. Die neutrale Zone liegt in der Regel in etwa in der
Mitte des geöffneten Fensters. Unter der Annahme, dass keine weiteren Öffnungen am Gebäude
bestehen, würde sich für diesen Raum eine ausgeglichene Volumenstrombilanz ergeben. Die
aufgrund der Dichteunterschiede zwischen Innen und Außen geförderten Luftvolumenströme sind in
Abb. 6
für ein Drehflügelfenster (1 x 1 m) exemplarisch berechnet.
Zu beachten ist, dass es im Winter zunächst bei einer Verringerung der Temperaturdifferenz
zwischen Innen und Außen zu einer Reduzierung des Luftvolumenstromes kommt. Sobald sich im
Sommer die Temperaturverhältnisse ändern, kommt es erneut zu einem Anstieg der
Luftvolumenströme.
Sobald weitere Öffnungen am Gebäude vorhanden sind, kommt es zu einer Verschiebung der
neutralen Zone. Je nach Anordnung der Öffnungen im Gebäude kann sich speziell im Kellerbereich
ein nennenswerter Unterdruck einstellen, siehe
Abb. 7
.

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Uwe Franzke
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 45
Abb. 4:
Aufgabe der Lüftungstechnik – Vermeidung des Eintrages von Radon in das Gebäude
Kondensation
Warm und
Feucht
Kalt und
Trocken
ρ
ρ
RL
AL
<
Abb. 5:
Fensterlüftung

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0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
-15 -10
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
Außentemperatur °C
Volumenstrom m³/h
Abb. 6:
Volumenströme bei Fensterlüftung
Δ
p
=
g
⋅ Δρ ⋅ Δ
h
Abb. 7:
Druckaufbau in einem Gebäude
Ein Beispiel für eine mechanische Abluftanlage zeigt die
Abb. 8
. Diese Anordnung ist typisch für die
Installation der Küchenabluft bzw. auch der Abluft bei fensterlosen Bädern (nach DIN 18017
vorgeschrieben). Das Nachströmen der Außenluft erfolgt über die nach DIN 1946 Teil 6
vorgeschriebenen Außenluftdurchlässe bzw. wird den vorhandenen Leckageflächen überlassen. Bei
dichten Gebäuden stellt sich dadurch bereits ein nennenswerter Unterdruck ein. Es gelten die

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Uwe Franzke
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 47
analogen Beziehungen gemäß Gl. (1) bzw.
Abb. 6
. Hinzu kommt immer der Einfluss der Windkräfte.
Auf der dem Wind zugewandten Seite entsteht Überdruck und auf der Abströmseite Unterdruck. Je
nach Situation kann es damit zu einem Anstieg des Abluftvolumenstromes kommen. Infolge des
daraus resultierenden Unterdruckes im Raum kann es zu einer Übertragung von Radon aus dem
Keller kommen.
Unterdruck durch Wind
Überlagerung der Wirkung
der Abluftventilatoren
Wind
Abb. 8:
Überlagerung des Windeinflusses auf die Lüftungsanlage
Die
Abb. 9
zeigt ein Beispiel für eine Lüftungsanlage mit Zu- und Abluftventilatoren. Prinzipiell kann
der Überdruck im Raum durch eine Differenzdruckregelung im Regelfall sichergestellt werden. Durch
die Anordnung der Zu- und Abluftseite auf verschiedenen Seiten des Gebäudes kann der Einfluss des
Windes zu einer nicht ausgeglichenen Volumenstrombilanz führen.
Durch die Anordnung der Ansaugung und der Fortluftöffnung gemeinsam auf einer Seite des
Gebäudes kann eine weitere Stabilität erreicht werden. Dadurch wird auch die Integration einer
Wärmerückgewinnung möglich, die wesentliche Voraussetzung für die Verbesserung der
energetischen Effizienz ist.
Erst durch die Verwendung von Ventilatoren bestehen die Voraussetzungen, um eine effektive
Filterung der Außenluft vornehmen zu können. Die ungeordnete Nachströmung der Außenluft ist
unter dem Aspekt der Gesundheit und der Hygiene nicht anzuraten.

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Technische Lösungen für Lüftungsanlagen – Stand und Entwicklungen
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
Abb. 9
:
Mechanische Lüftungsanlage mit Zu- und Abluftventilator
4 Zusammenfassung
Die Lüftung von Gebäuden ist für die Schaffung hygienischer und behaglicher Raumluftzustände
unabdingbar. Der Versuch, die notwendigen Außenluftvolumenströme allein über die freie Lüftung zu
realisieren, schafft in der Regel unkontrollierbare Druckverhältnisse in den Gebäuden, so dass ein
Eindringen von Radon in Wohnbereiche nicht ausgeschlossen werden kann.
Auch der Einsatz von mechanischen Abluftanlagen zur Entlüftung fensterloser Küchen und Bäder
kann bei unsachgemäßer Ausführung der Außenluftdurchlässe zu einem Unterdruck und damit zu
einer Übertragung von Radon aus dem Keller/Erdreich-Bereich in die Wohnbereiche führen. Erst
durch die Verwendung von Zu- und Abluftanlagen entstehen die Voraussetzungen für geordnete
Druckverhältnisse. In Kombination mit einer Wärmerückgewinnung können dann auch energetische
Vorteile geltend gemacht werden.
5 Literaturverzeichnis
[1] DIN EN 13779. Lüftung von Nichtwohngebäuden – Allgemeine Grundlagen und Anforderungen
für Lüftungs- und Klimaanlagen und Raumkühlsysteme. 2007
[2] DIN EN 15251. Eingangsparameter für das Raumklima zur Auslegung und Bewertung der
Energieeffizienz von Gebäuden – Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik. 2007

Hajo Zeeb
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 49
DAS INTERNATIONALE RADONPROJEKT DER WORLD HEALTH
ORGANIZATION (WHO)
THE WORLD HEALTH ORGANIZATION INTERNATIONAL RADON
PROJECT
Hajo Zeeb
Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Johannes Gutenberg – Universität
Mainz
Zusammenfassung
Neuere epidemiologische Studien haben bestätigt, dass innerhäusliches Radon ein ernstzunehmender
Risikofaktor für Lungenkrebserkrankungen ist. Die WHO hat daher im Jahr 2005 mit internationalen
Partnern das Internationale Radon Projekt (IRP) entwickelt, das sich mit den verschiedenen
Komponenten des Radonproblems befasst. Als Kernziele des Projekts wurden definiert: a) die
Identifikation effektiver Strategien zur Verminderung der gesundheitlichen Folgen von Radon b) die
Förderung von geprüften politisch-regulatorischen Optionen sowie Präventions- und
Sanierungsprogrammen (einschließlich des Monitoring und der Evaluation solcher Programme) c) Die
Förderung der öffentlichen, politischen und ökonomischen Aufmerksamkeit bezüglich der Folgen der
innerhäuslichen Radonexposition (unter Einbeziehung von Finanzinstitutionen als Zielgruppe) und d)
die Schätzung der globalen gesundheitlichen Folgen der Exposition mit Radon unter Nutzung der
weltweit vorhandenen Studiendaten. Die Ergebnisse der WHO - Projektarbeitsgruppen werden im
demnächst erscheinenden WHO Radon Handbuch präsentiert.
Summary
Recent epidemiological studies of people exposed to indoor radon have confirmed that radon in
homes is a serious health hazard. To address the issue at an international level, the World Health
Organization (WHO) established the International Radon Project (IRP) in 2005. The project's scope
and the key objectives were defined as: a) to identify effective strategies for reducing the health
impact of radon; b) to promote sound policy options, prevention and mitigation programmes (including
monitoring and evaluation of programmes); c) to raise public, political and economical awareness
about the consequences of exposure to radon (including financial institutions as target group), and d)
to estimate the global health impact of exposure to residential radon using available data on radon
worldwide. The results of the different WHO working groups will be presented in the upcoming WHO
Radon Handbook.

Das Internationale Radon Projekt der WHO
Seite 50
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
1 Einleitung
Die Verminderung der mit Umwelteinflüssen verbundenen Gesundheitslast ist ein Kernanliegen der
Weltgesundheitsorganisation WHO. Innerhalb der WHO beschäftigt sich das „Department of Public
Health and Environment“, und hier besonders das „Radiation and Environmental Health Team“, mit
allen Aspekten von Strahlung und Gesundheit. Im Vordergrund stehen Risikoabschätzungen und die
Erstellung von Politik – und Richtlinienentwicklung in diesem Bereich, aber auch die Organisation
medizinischer Unterstützung bei Strahlenunfällen im Rahmen internationaler Netzwerke.
Beim Radon handelt es sich um die bedeutsamste Quelle natürlicher Strahlung in vielen Ländern der
Welt [1]. Im Jahr 2005 wurden die Ergebnisse der gemeinsamen Auswertungen europäischer [2]
sowie nordamerikanischer [3] epidemiologischer Studien zu innerhäuslichem Radon und
Lungenkrebs publiziert; die gemeinsame Analyse der beiden chinesischen Studien war schon im
Vorjahr veröffentlicht worden [4]. Die Risikoschätzungen aus diesen Studien liegen recht nahe
beieinander und legen einen linearen Anstieg des Lungenkrebsrisikos bei ansteigender
innerhäuslicher Radonkonzentration nahe. Ebenso stehen die Ergebnisse auch recht gut mit den
Daten aus den Studien bei beruflich exponierten Bergarbeitern im Einklang. Schätzungen gehen
davon aus, dass zwischen 3 und 14% aller Lungenkarzinome weltweit durch Radon hervorgerufen
werden, und diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Radons als wichtiges Umwelt-
Lungenkarzinogen. Im Gegensatz dazu haben WHO Mitgliedstaaten allerdings festgestellt, dass
sowohl die Öffentlichkeit als auch politisch Verantwortliche sich des Problems nicht ausreichend
annehmen, obwohl es klar beschriebene und zumeist auch vergleichsweise einfach umzusetzende
Maßnahmen des Radonschutzes bei Bau und Sanierung von Gebäuden gibt. Die WHO hat daher im
Jahr 2005 das Internationale Radon-Projekt (IRP) ins Leben gerufen und sich dabei ihrer
Möglichkeiten als internationaler Institution bedient, Wissenschaftler, Regulatoren und andere Akteure
mit Interesse am Radon zusammenzubringen und gemeinsam Ansätze zur Verminderung von
gesundheitlichen Problemen zu entwickeln [5].
2
Aufgabenbereiche und Ziele des WHO IRP
Das WHO-IRP wurde als offenes internationales Projekt unter Teilnahme von erfahrenen
Schlüsselpartnern geplant. Vorgesehen war, das IRP zu einer Plattform des Austausches zu gestalten,
so dass Ländern mit etablierten Radonprogrammen und solche, die erst am Anfang ihrer Aktivitäten
zum Komplex Radon stehen, in intensiven Erfahrungsaustausch treten können. Deutschland war von
Beginn an durch Experten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) und des Bundesministeriums für
Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vertreten.
Das übergeordnete Ziel des Projektes ist die Verringerung der gesundheitlichen Auswirkungen von
innerhäuslichem Radon; damit ist auch die Abgrenzung von eher auf berufliche Expositionen oder
andere Aspekte des Radonproblems ausgerichteten Initiativen sowie reinen Forschungsprojekten
deutlich. Bei dem ersten Treffen von IRP – Interessierten in Genf im Januar 2005 nahmen Experten
aus 17 Ländern teil und schlugen eine vorläufige Liste von Projektzielen vor, die im Verlauf diskutiert
und umformuliert wurden. Diese Ziele sind:
Die Identifikation effektiver Strategien zur Verminderung der gesundheitlichen Folgen von
Radon
Die Förderung von geprüften politisch-regulatorischen Optionen sowie Präventions- und
Sanierungsprogrammen (einschließlich des Monitoring und der Evaluation solcher Programme)
Die Förderung der öffentlichen, politischen und ökonomischen Aufmerksamkeit bezüglich der
Folgen der innerhäuslichen Radonexposition (unter Einbeziehung von Finanzinstitutionen als
Zielgruppe)
Die Schätzung der globalen gesundheitlichen Folgen der Exposition mit Radon unter Nutzung
der weltweit vorhandenen Studiendaten

Hajo Zeeb
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 51
Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern sind im Projektverlauf in das Projekt involviert gewesen. Dabei
sind europäische Länder sowie die USA und Canada stark repräsentiert, aber auch eine Reihe
asiatischer sowie südamerikanischer Länder. Internationale Einrichtungen wie die EU (Joínt Research
Center in Ispra), die IAEO und UNSCEAR haben Beobachter entsandt und zum Teil aktiv an den
Diskussionen bei den jährlichen Projekttreffen teilgenommen.
3
Arbeitsweise und Finanzierung des WHO - IRP
Aktivitäten des Internationalen Radon-Projekts wurden weitgehend von freiwilligen Zahlungen einzelner
WHO-Mitgliedsländer, darunter Deutschland, finanziert. Das Projekt hat sein Sekretariat bei der WHO
in Genf. Thematische Arbeitsgruppen bilden das Rückgrat des Projektes. Die WHO koordiniert den
Informationsfluss (z.B. mit Newsletter, Webseiten), hat einen Survey durchgeführt sowie das jährliche
Projektreffen vorbereitet und koordiniert. Drei internationale Projekttreffen haben stattgefunden, zwei in
Genf in Januar 2005 und März 2006 sowie ein weiteres im März 2007 im Deutschen Museum in
München. Weiterhin fanden mehrere Treffen des Redaktionskomitees für das WHO Radon Handbuch
statt.
4 IRP Arbeitsgruppen
Sechs Arbeitsgruppen zur Bearbeitung des umfangreichen inhaltlichen Programms wurden
eingerichtet. Die thematischen Schwerpunkte der Arbeitsgruppen sind: Gesundheitliche
Risikoabschätzung, Radonmessung, Prävention und Sanierung, Kosten-Nutzenaspekte des
Radonschutzes und Leitlinien für nationale Radonprogramme. Die Frage von Referenzwerten für
Radon wurde besonders in dieser letzten Gruppe diskutiert. Ein wichtiges Ziel war die Erstellung eines
themenspezifischen Berichtsabschnitts für die gemeinsame Projektpublikation.
4.1 Gesundheitliche Risikoabschätzung
Aufgrund der kürzlich veröffentlichten neuen gepoolten epidemiologischen Studien zu innerhäuslichem
Radon und Lungenkrebs konnte das Projekt auf einer sehr guten Evidenzbasis aufbauen. Die Haupt-
und eine Reihe der Koautoren dieser Studien (aus USA und Kanada, Europa und China) wurden auch
zu Partnern im WHO-IRP. Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit den zentralen Aussagen und der
Interpretation der vorhandenen Daten. Aufgrund der Einschätzung, dass absolute Risikoangaben
(etwa: das Lebenszeitrisiko für einen Lungenkrebs bei Exposition mit 400 Bq/m
3
beträgt für Raucher
16%) für das Verständnis der epidemiologischen Daten oft hilfreicher als relative Risikoangaben sind
(per 100 Bq/m
3
steigt das Risiko um 16%), ist eines der zentralen Themen die Quantifizierung der dem
Radon zuschreibbaren Todesfälle. Zusammen mit der wissenschaftlichen UN - Kommission UNSCEAR
hat die Arbeitsgruppe außerdem eine umfangreiche Datenbasis weltweiter Informationen zum
innerhäuslichen Radon zusammengestellt. Eines der wichtigen Ergebnisse der Arbeit dieser Gruppe ist
die empirisch belegbare Aussage, dass es bei der Radonkontrolle nicht ausschließlich um Häuser mit
hohen Radonkonzentrationen gehen kann, sondern auch die Verminderung mittlerer
Radonkonzentrationen in allen Häusern bedeutsam ist, da Expositionen unter 100 Bq/m
3
den größten
Anteil aller radonassoziierten Lungenkrebserkrankungen und Todesfälle bedingen. Klar wird aufgrund
der epidemiologischen Analysen, dass die Reduzierung der Radonkonzentration quer über den
Häuserbestand einer Region oder gar eines Landes im Sinne einer Verminderung der
Lungenkrebsfälle das größte Potential aufweist.

Das Internationale Radon Projekt der WHO
Seite 52
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
Für die laufende Untersuchung zur weltweiten Radon-Krankheitslast wird die methodologische
Erfahrung aus den Pooling-Projekten mit der gesamten verfügbaren Information über weltweite
Radonkonzentrationen und Lungenkrebsraten verbunden. Neben dem WHO Radon Handbuch soll die
„Radon Burden of Disease Study“ ein Produkt der Arbeit des WHO-Projektes werden.
4.2 Radonmessung
Weltweit besteht umfangreiche Expertise für Radonmessungen unter vielen verschiedenen Umständen
und Bedingungen. Die entsprechende WHO-Arbeitsgruppe entwickelte eine ausführliche Übersicht zur
derzeitigen Messpraxis in den verschiedenen Teilnehmerländern und stellte Empfehlungen und
Anwendungshinweise in Bezug auf aktuelle Messproblematiken zusammen. Allgemein wird davon
ausgegangen, dass die Messung der Konzentration von Radongas einen angemessenen, einfachen
und kosteneffektiven Ersatz für die Messung von Radonzerfallsprodukten darstellt. Die Arbeitsgruppe
bestätigte auch, dass für die Abschätzung der mittleren jährlichen Radonkonzentration in einem
Gebäude Langzeitmessungen über mindestens 3 Monate geboten sind.
Die Arbeitsgruppe nutzte u.a. einen im Rahmen des Projektes durchgeführten internationalen WHO
Survey zu Radon [7], um Informationen zu den üblicherweise genutzten Messmethoden und -
instrumenten zu erhalten. Am häufigsten werden Kernspurdetektoren, Elektret-Ionisationskammern und
Aktivkohledetektoren verwendet. Die verschiedenen Detektoren und ihre Anwendungsbereiche
wurden dann für das Radon – Handbuch beschrieben und begutachtet. Ein wichtiges Thema bei
Radonmessungen ist die Qualitätssicherung. Die Arbeitsgruppe hat hierzu Informationen und Leitlinien
formuliert und verschiedene Komponenten qualitativ hochwertiger Radonmessprogramme
beschrieben. Eine Einigung auf internationaler Ebene über standardisierte Messprotokolle wäre hier
ein wichtiger erster Schritt in Richtung einer verbesserten Vergleichbarkeit von internationalen
Radondaten.
4.3 Prävention und Sanierung
Prävention und Sanierung sind die zentralen Aktivitäten in der praktischen Arbeit, um
Radonkonzentrationen zu verringern. Die Prävention bezieht sich auf neu gebaute Häuser und den
dort zu implementierenden Radonschutz, während Sanierung in bestehenden Gebäuden mit erhöhten
Radonkonzentrationen zum Tragen kommt. Für beide Bereiche gibt es eine Reihe technischer
Lösungsansätze, mit denen sich die entsprechende Arbeitsgruppe beschäftigte. Sanierungsansätze
umfassen recht einfache Barrierelösungen und verbesserte Ventilation wie auch technisch
anspruchsvollere Ventilations- und Druckumkehr- bzw. Überdruckverfahren. Radonmessungen sind vor
und auch nach der Installation entsprechender Systeme nötig, um die Effektivität der Maßnahmen zu
prüfen. Die Bedeutung einer entsprechenden Bauforschung sowie der Aus- und Weiterbildung für mit
Radonschutz befasste Beschäftigte der Bauindustrie wird im WHO Radon Handbuch hervorgehoben.
4.4 Kosteneffektivität von Radonkontrollmaßnahmen
Mit der ökonomischen Evaluierung alternativer Radonkontrollstrategien befasst sich eine weitere IRP-
Arbeitsgruppe um Alastair Gray von der Universität Oxford. In dem von der Arbeitsgruppe präferierten
Kosteneffektivitätsansatz werden Kosten gesundheitlicher Folgen von Radon in Bezug zu dem
gesundheitlichen Gewinn durch Prävention oder Sanierung (also z.B. dem Gewinn an Lebensjahren
bei entsprechender Radonreduktion) gesetzt; diese Berechnung wird für eine Reihe verschiedener
Radonkontrollansätze und Ausgangsbedingungen durchgeführt. Daraus lassen sich ein Index und eine
Rangliste für die Priorisierung verschiedener Aktivitäten erstellen. Frühere Analysen weisen darauf hin,
dass präventive Maßnahmen in allen Häusern kosteneffektiv sind, wenn mehr als 5% aller Häuser

Hajo Zeeb
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Seite 53
Radonkonzentrationen über 200 Bq/m
3
aufweisen. In einigen Regionen mit sehr niedrigen Radonrisiken
können die Messkosten die Sanierungskosten übersteigen, da sehr viele Messungen durchgeführt
werden müssen, um die wenigen Häuser mit erhöhten Messwerten zu identifizieren.
Die ökonomischen Analysen beruhen auf einer Reihe von Annahmen und bedürfen sehr klarer
Vorgaben über die zu verwendenden Rahmenbedingungen. Es bestehen viele Unsicherheiten bei den
gesundheitsökonomischen Abschätzungen, die offen diskutiert werden müssen. Ein derartiges
Vorgehen kann aber eine pragmatische Basis für die ökonomische Beurteilung von
Radonkontrollmaßnahmen ergeben.
4.5 Risikokommunikation
Ebenso wie in Bezug auf Radonmessung und Sanierung existieren weltweit erhebliche Erfahrungen
zur offensichtlich recht schwierigen Risikokommunikation zu Radon. Die hierzu tätige Arbeitsgruppe
stellte fest, dass weltweit eine Vielzahl von verschiedenen Kommunikationsansätzen zum Einsatz
gekommen ist, allerdings oft nur mit mäßigem Erfolg. Die verschiedenen Ansätze wurden von der
Gruppe zusammengetragen und analysiert, um zu praktischen und grundlegenden Empfehlungen zur
Risikokommunikation zu gelangen. Einige Ergebnisse aus dem WHO Survey legen nahe, dass zu einer
erfolgreichen Risikokommunikation eine kleine Zahl von klaren und eindeutigen Aussagen gehört, die
sowohl Risiken als auch die Möglichkeiten zur Risikominimierung für Einzelpersonen und deren
Familien benennen.
Eine besondere Herausforderung für die Kommunikation ist die Beziehung zwischen Radon und
Rauchen. Für Nichtraucher mit ihrem gegenüber Rauchern deutlich erniedrigten Lebenszeitrisiko für
Lungenkrebs ist Radon einer der wichtigsten Risikofaktoren. Absolut betrachtet treten die meisten
Lungenkrebsfälle und auch der Großteil der radonassoziierten Krebsfälle unter Rauchern auf.
Andererseits sind die relativen Risikoerhöhungen per 100 Bq/m
3
bei Rauchern und Nichtrauchern den
neueren Daten zufolge nicht unterschiedlich [2,3]. Insofern erscheint es sinnvoll, die
Risikokommunikation mit einem integrierten Ansatz zu betreiben, der die kombinierten Risiken von
Rauchen und Radon betont.
4.6 Nationale Radonprogramme
Ziele, Aufgaben und Komponenten eines nationalen bzw. regionalen Radonprogramms waren Thema
einer weiteren Arbeitsgruppe, die aktuelle Programme untersuchte und Vergleiche durchführte.
Zur Charakterisierung des Radonproblems in einer Region oder Land sind repräsentative
Radonsurveys ein zentrales Werkzeug. Sofern sich daraus Handlungsbedarf ergibt, wird die
Entwicklung und Umsetzung eines strukturierten, mehrere Sektoren umspannendes Radonprogramms
empfohlen. Neben der Fortsetzung von Surveys zur Radonmessung unter definierten
Rahmenbedingungen soll ein solches Programm den Rahmen für die Risikoabschätzung,
Radonmessungen samt Qualitätssicherung, Radonprävention und -sanierung sowie für die
Risikokommunikation entwickeln.
Referenzwerte für innerhäusliche Radonkonzentrationen sollen einen Wert benennen, bei dessen
Erreichung oder Überschreitung Maßnahmen zur Verminderung der Radonkontrolle ergriffen werden
sollen. Die epidemiologischen Daten zeigen, dass ein Referenzwert nicht als eindeutig abgrenzender
Wert zwischen Schaden und Schutz interpretiert werden kann. Daher können protektive Maßnahmen
durchaus auch unterhalb des Referenzwertes berechtigt sein. Das entspricht dem ALARA-Prinzip
(ALARA = as low as reasonably achievable) und trägt zur Verminderung der mittleren
Radonkonzentration in Häusern bei.
Radon-Referenzwerte werden normalerweise auf nationaler Ebene erlassen. Das WHO Projekt hat die
bestehenden Empfehlungen für Referenzwerte in einer größeren Zahl von Ländern geprüft und
diskutiert [7]. Ein Wert von 100 Bq/m
3
wird als orientierender Referenzwert vorgeschlagen, wobei je

Das Internationale Radon Projekt der WHO
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
nach jeweiligen Prioritäten und Umständen auch Werte bis <400 Bq/m
3
als Referenzwert akzeptabel
sein können. Diese Vorschläge sind insgesamt konsistent mit den aktuellen Empfehlungen der
Internationalen Strahlenschutzkommission ICRP (mittlere Jahresdosis durch Radon < 10mMSv) [8],
insbesondere wenn der von UNSCEAR vorgeschlagene Konversionskoeffizient angewendet wird (40
Bq/m
3
= 1 mSv) [9]. Allerdings ist festzuhalten, dass Referenzwerte nur eine Komponente einer
umfassenden Strategie zur Verminderung der Gesundheitslast durch Radon darstellen, die auch z.B.
mit Nichtraucherschutz und Anti-Tabak-Programmen abgestimmt werden sollten. Diese Sichtweise
berücksichtigt, dass der Großteil aller mit Radon zusammenhängenden Lungenkrebsfälle bei Personen
auftritt, die gegenüber Radonkonzentrationen unterhalb des Referenzwertes exponiert sind.
5 Abschlußbemerkung
Die weltweiten Erfahrungen mit Ansätzen zur Kontrolle des innerhäuslichen Radon legen die
Einschätzung nahe, das nachhaltige und erfolgreiche Aktivitäten in diesem Bereich eine erhebliche
Herausforderung bedeuten. Dies rührt unter anderem daher, dass der gesundheitliche Gewinn von
Radonkontrollmaßnahmen, nämlich eine Verringerung des Lungenkrebsrisikos, erst nach einer langen
Zeitspanne und grundsätzlich nicht für eine Einzelperson demonstrierbar ist. Ddiese langfristigen
Trends werden zudem erheblich von der Entwicklung des Hauptrisikofaktors für Lungenkrebs, dem
Rauchen, beeinflusst.
Noch sind viele Fragen offen, etwa zur Vergleichbarkeit von Radondaten oder in Bezug auf die besten
Messverfahren in verschiedenen Situationen. Ein besonderes Problem stellt die Umsetzung der
Erkenntnisse zu Radonrisiken in praktikable und Erfolg versprechende Programme dar. Das
Internationale Radonprojekt der WHO strebt an, zur Lösung dieser Probleme beizutragen, indem es als
Ressource für alle WHO Mitgliedsstaaten Wege aufzeigt, wie mit Radon als Umweltrisikofaktor
umgegangen werden kann. Die WHO möchte Länder in ihren Bemühungen um eine Verminderung
radonassozierter Gesundheitsrisiken unterstützen und mit internationaler Zusammenarbeit zu diesem
Ziel beitragen. Das neue WHO Radon Handbuch soll hierbei eine wichtige Rolle spielen.
6 Literaturverzeichnis
[1]
BEIR VI. Health Effects of Exposure to Radon - BEIR VI. Washington, D.C.:National Academy
Press, 1999
[2]
Darby, S., et al.: Radon in homes and risk of lung cancer: collaborative analysis of individual
data from 13 European case-control studies, BMJ 330:223, 2005
[3]
Krewski, D., et al.: A combined analysis of North American case-control studies of residential
radon and lung cancer. J.Toxicol.Environ.Health.A, 69: 533-597, 2006.
[4] Lubin JH; Wang ZY; Boice JD, et al: Risk of lung cancer and residential radon in China:
pooled results of two studies. Int J Cancer 109, 132-137, 2004
[5] Zielinski, J.M.; Carr Z.; Krewski D.: World Health Organization's International Radon
Project, J. Toxicol. Environ. Health 69, 759, 2006
[7]
WORLD HEALTH ORGANISATION. WHO International Radon Project Survey on Radon
Guidelines, Programmes and Activities. Geneva: World Health Organization, 2007
[8]
The 2007 Recommendations of the International Commission on Radiological Protection. ICRP
publication 103. Ann ICRP, 37(2-4), 1-332, 2007
[9]
UNSCEAR 2000. United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation.
Sources and Effects of Ionizing Radiation. Report to the General Assembly, Vol I: Sources.
New York: United Nations, 2000

Frank Wachno
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 55
BAURECHT UND RADON – ÖFFENTLICH-RECHTLICHE UND
ZIVILRECHTLICHE ASPEKTE
CONSTRUCTION LAW AND RADON – RELATIONSHIPS TO
ADMINISTRATIVE AND PRIVATE LAW
Frank Wachno
Landesdirektion Chemnitz
Zusammenfassung
Die Instrumente der kommunalen Bauleitplanung sind strukturell nicht geeignet, einen wirksamen
Beitrag zum Radonschutz von Gebäuden zu liefern. Möglich sind hier lediglich unverbindliche
Hinweise mit Warnfunktion zu Flächen mit besonderen Radonbelastungen.
Weder in der Sächsischen Bauordnung noch in untergesetzlichen Rechtsnormen oder eingeführten
Technischen Baubestimmungen finden sich Bestimmungen, aus denen sich zum Zweck der
Begrenzung von Radonkonzentrationen in der Raumluft konkrete Zielvorgaben oder Verpflichtungen
zum Treffen baulich-technischer Schutzvorkehrungen ableiten lassen.
Solche Detailvorschriften sind jedoch notwendig, um Radonschutz „vollziehbar“ zu machen, denn
allein die baupolizeiliche Generalklausel ist nicht geeignet, hinreichend konkretisierte Verpflichtungen
für den am Bau beteiligten Personenkreis sowie die Baubehörden zu begründen.
Unzureichender Radonschutz kann zivilrechtliche Einstandspflichten für Planer, Bauunternehmer und
Wohnraumvermieter hervorrufen. Solange eine obergerichtliche Rechtsprechung fehlt, lässt sich
angesichts der Bandbreite der in der Diskussion befindlichen Empfehlungen nicht sicher einschätzen,
welche Schutzstandards einzelne Untergerichte als jeweils vertraglich geschuldet ansehen werden.
Summary
The instruments of the municipal urban land-use planning are not likely structurally to deliver an
effective contribution to the radon protection of buildings. Merely non-binding tips with warning
function to surfaces with special radon charges are possible here.
Neither in the Saxon building code nor in non-legislative rules or introduced technical building
regulations are found the regulations from which for the purpose of the limitation of radon
concentrations in the space air concrete objectives or liabilities can be derived to the meeting of
architectural-technical protective precautions.
Nevertheless, such detailed regulations are necessary to make radon protection "executable",
because only the construction-police general clause is not likely to justify enough concretised
liabilities for the circle of acquaintances involved in the construction as well as the building authorities.
Insufficient radon protection can cause civil deuce duties for planners, building contractors and living
space renters. As long as a super judicial jurisprudence is absent, does not make in view of the
fluctuation margin of the recommendations located in the discussion certainly estimate which
protective standards look at single sub courts as in each case contractual owed.

Baurecht und Radon – öffentlich-rechtliche und zivilrechtliche Aspekte
Seite 56
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
1
Radonschutz und Bauleitplanung
Das Bauplanungsrecht als ein Kernbestandteil des öffentlichen Baurechts eröffnet unseren Städten
und Gemeinden einen breiten Spielraum zur Steuerung des Baugeschehens auf ihrem Hoheitsgebiet.
Das Grundgesetz garantiert in Art. 28 die kommunale Selbstverwaltung, worunter als zentraler
Bereich die gemeindliche Planungshoheit fällt, zu deren Ausfüllung das Baugesetzbuch (BauGB) die
bauleitplanerischen Handlungsmöglichkeiten der Kommunen näher ausgestaltet hat.
Den Gemeinden stellt das Baugesetzbuch (BauGB) zur Steuerung des Baugeschehens auf ihrem
Hoheitsgebiet zur Verfügung den Flächennutzungsplan (§ 5 BauGB), den „klassischen“
Bebauungsplan (§§ 8, 9 BauGB), den vorhabenbezogenen Bebauungsplan, auch als Vorhaben- und
Erschließungsplan bezeichnet (§ 12 BauGB), die Innenbereichssatzungen nach § 34 Abs. 4 BauGB
sowie die Außenbereichssatzung gemäß § 35 Abs. 6 BauGB. Da Innen- und
Außenbereichssatzungen im Kern den Zweck verfolgen, lediglich Klarheit über die generelle
Bebaubarkeit einzelner Grundstücke herbeizuführen bzw. diese zu erleichtern, ohne nähere
Anforderungen an die Art der Ausführung des einzelnen Bauvorhabens zu normieren, wird auf diese
Satzungen in der Folge nicht mehr eingegangen.
1.1 Der Flächennutzungsplan
Nach § 5 BauGB hat der Flächennutzungsplan die Aufgabe, die sich aus der beabsichtigten
städtebaulichen Entwicklung ergebende Art der Bodennutzung für das gesamte Gemeindegebiet in
den Grundzügen darzustellen. Seine Funktion besteht dabei insbesondere darin, die
unterschiedlichen Arten der in der Kommune vorhandenen und zukünftig vorgesehenen
Bodennutzung (z.B. Wohnbau, Gewerbe, Landwirtschaft) eher grobmaschig aufzunehmen und im
Grundsätzlichen einander so zuzuordnen, dass städtebauliche Konflikte (etwa lärmintensive Industrie
unmittelbar neben einem Wohngebiet) vermieden werden.
Als sog. vorbereitender Bauleitplan stellt der Flächennutzungsplan das planerische Grundkonzept der
Gemeinde dar, welches auf weitere Ausdifferenzierung namentlich in Gestalt einzelner
Bebauungspläne angewiesen ist. Er verpflichtet die Gemeinde, seine Darstellungen künftigen
Bebauungsplänen zugrunde zu legen (Entwicklungsgebot, § 8 Abs. 2 BauGB), stellt aber keine
Rechtsnorm dar [1] und entfaltet insbesondere von ganz wenigen, hier nicht interessierenden
Ausnahmen keine unmittelbare rechtliche Außenwirkung gegenüber dem Bürger. Schon von daher ist
er nicht geeignet, Bauwillige zum Ergreifen bestimmter bautechnischer Schutzvorkehrungen zu
verpflichten.
Allerdings enthält § 5 Abs. 3 BauGB einen Kennzeichnungsauftrag zu bestimmte Areale. So sollen
etwa besonders gekennzeichnet werden Flächen, bei deren Bebauung besondere bauliche
Vorkehrungen und Sicherungsmaßnahmen gegen äußere Einwirkungen und Naturgewalten
erforderlich werden (Abs. 3 Nr. 1) sowie für eine bauliche Nutzung vorgesehene Flächen, deren
Böden erheblich mit umweltgefährdenden Stoffen belastet sind (Abs. 3 Nr. 3).
Zu den äußeren Einwirkungen und Naturgewalten zählen indes nur solche Phänomene, die
unmittelbar auf den Bestand der baulichen Substanz einwirken wie z.B. ein potentieller Bergrutsch,
Lawinen, Steinschlag oder Hochwasser [2]. Natürliche Ausgasungsvorgänge des Bodens werden
hiervon nicht erfasst. Radon absondernde Flächen stellen auch keine erheblich mit
umweltgefährdenden Stoffen belasteten Böden im Sinne von § 5 Abs. 3 Nr. 3 BauGB dar. Mit der
Kennzeichnungspflicht für solche Flächen hat ebenso wie bei der Parallelvorschrift zum
Bebauungsplan (§ 9 Abs. 5 Nr. 3 BauGB) die Altlastenproblematik Eingang in das BauGB gefunden.
Erfasst werden lediglich Bodenbelastungen, zu deren näherer begrifflicher Konkretisierung auf das
Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) zurückgegriffen werden kann, welches in § 2 Abs. 3 und
5 BBodSchG schädliche Bodenveränderungen sowie Altlasten gesetzlich definiert. Voraussetzung ist
dabei, dass die Bodenbelastungen auf anthropogenen Eingriffen in die natürliche Bodenfunktion
beruhen, was bei der natürlichen Bodenausgasung gerade nicht der Fall ist.

Frank Wachno
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 57
Möchte eine Gemeinde in ihrem Flächennutzungsplan gleichwohl auf besondere Radonbelastungen
hinweisen, kann sie dies lediglich in rein informeller Weise tun, etwa im Rahmen der obligatorischen
Planbegründung
1.2 Der „klassische“ Bebauungsplan
Der aus dem Flächennutzungsplan zu entwickelnde „klassische“ Bebauungsplan enthält gemäß § 8
Abs. 1 Satz 1 BauGB die rechtsverbindlichen Festsetzungen für die städtebauliche Ordnung. Er wird
als Satzung beschlossen (§ 10 Abs. 1 BauGB) und entfaltet als ortsrechtliche Regelung unmittelbare
rechtliche Außenwirkungen für die von der Planung Betroffenen.
Für die Inhalte des Bebauungsplanes gilt allerdings das Prinzip der Formstrenge, d.h. es können nur
solche Festsetzungen getroffen werden, die gesetzlich ausdrücklich vorgesehen sind, namentlich in
dem 26 Punkte umfassenden Katalog des § 9 Abs. 1 BauGB.
Gedankliche Anknüpfungsmöglichkeiten für Regelungen zum Radonschutz bietet hier allein § 9 Abs.
1 Nr. 24 BauGB. Nach dieser Vorschrift können aus städtebaulichen Gründen festgesetzt werden
die von der Bebauung freizuhaltenden Schutzflächen und ihre Nutzung, die Flächen für
besondere Anlagen und Vorkehrungen zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen
und sonstigen Gefahren im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes sowie die zum
Schutz vor solchen Einwirkungen oder zur Vermeidung oder Minderung solcher
Einwirkungen zu treffenden baulichen und sonstigen technischen Vorkehrungen.
Zulässige Festsetzungen auf dieser Grundlage erfordern allerdings zwingend, dass sie zum Schutz
vor schädlichen Umwelteinwirkungen und sonstigen Gefahren im Sinne des Bundes-
Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) erfolgen.
Das BImSchG indes erfasst nur solche Emissionen und Immissionen, die im weitesten Sinne auf
technischen Vorgängen, sei es durch den Betrieb von Anlagen oder die Verwendung von Stoffen,
beruhen [3]. Die Einwirkungen von Radon als Ergebnis eines natürlichen Ausgasungsvorganges der
Erdoberfläche fallen insoweit nicht in den Regelungsbereich des BImSchG. Daher ermöglicht es auch
§ 9 Abs. 1 Nr. 24 BauGB der Gemeinde nicht, in einem Bebauungsplan die Durchführungen von
Maßnahmen zum Radonschutz verbindlich anzuordnen.
Unabhängig hiervon ermächtigt die Öffnungsklausel in § 9 Abs. 4 BauGB die Länder, durch
Rechtsvorschriften zu bestimmen, dass auf Landesrecht beruhende Regelungen in den
Bebauungsplan als Festsetzungen aufgenommen werden können. Damit ist zwar grundsätzlich ein
Einfallstor geschaffen, durch welches theoretisch auch bauordnungsrechtliche Anforderungen an den
Radonschutz Eingang in den Bebauungsplan finden könnten.
Von den Möglichkeiten dieser Öffnungsklausel macht die Sächsische Bauordnung (SächsBO) in
ihrem § 89 Gebrauch. § 89 Abs. 1 SächsBO benennt einen Katalog von Gegenständen, zu denen die
Gemeinden örtliche Bauvorschriften erlassen dürfen, welche gemäß § 89 Abs. 2 SächsBO auch in
einen Bebauungsplan aufgenommen können. Inhaltlich ist den Gemeinden hier die Befugnis
eingeräumt worden, durch ortsrechtliche Vorschriften im Wesentlichen bestimmte gestalterische
Anforderungen an bauliche Anlagen stellen zu können. Regelungen zu bautechnischen
Sicherheitsvorkehrungen zur Abwehr gesundheitlicher Gefahren sind nicht Bestandteil dieser
Ermächtigung.
Hinsichtlich möglicher Kennzeichnungspflichten für besonders Radon belastete Flächen auf der
Grundlage von § 9 Abs. 5 BauGB gilt das bereits zur Parallelvorschrift des § 5 Abs. 3 BauGB für den
Flächennutzungsplan Ausgeführte. Mangels einer unmittelbaren Bauwerksschädigung durch Radon
handelt es sich bei den einschlägig betroffenen Flächen nicht um solche, bei deren Bebauung
besondere bauliche Vorkehrungen gegen äußere Einwirkungen oder bei denen besondere bauliche
Sicherungsmaßnahmen gegen Naturgewalten erforderlich sind (Abs. 5 Nr. 1). Da die
Radonausgasung weiterhin nicht auf Eingriffen des Menschen in die natürliche Bodenfunktion beruht,
liegen auch keine Flächen vor, deren Böden erheblich mit umweltgefährdenden Stoffen belastet im
Sinn von Abs. 5 Nr. 3 sind.

Baurecht und Radon – öffentlich-rechtliche und zivilrechtliche Aspekte
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Auch ohne Verpflichtung zu einer Kennzeichnung bleibt es den Kommunen wiederum unbenommen,
im Bebauungsplan zu Warnzwecken in geeigneter Weise auf hohe anzutreffende
Radonkonzentrationen hinzuweisen, sowohl in der textlichen Begründung als auch durch
Kennzeichnungen im zeichnerischen Teil des Planes.
1.3 Der vorhabenbezogene Bebauungsplan
Gemäß § 12 Abs. 1 BauGB kann die Gemeinde durch einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan die
Zulässigkeit von Vorhaben bestimmen, wenn der Vorhabenträger auf der Grundlage eines mit der
Gemeinde abgestimmten Plans zur Durchführung der Vorhaben und der Erschließungsmaßnahmen
(Vorhaben- und Erschließungsplan) bereit und in der Lage ist und sich zur Durchführung innerhalb
einer bestimmten Frist … verpflichtet (Durchführungsvertrag). Obwohl der Vorhaben- und
Erschließungsplan (VEP) lediglich einen Teil des als Satzung zu beschließenden
vorhabenbezogenen Bebauungsplanes bildet, werden in der Praxis beide Begriffe oftmals in
synonymer Weise verwendet.
Im Gegensatz zum „klassischen“ Bebauungsplan als einer Angebotsplanung (bestimmt wird die
zulässige Nutzung der Planflächen ohne Verpflichtung des Grundstückseigentümers, auch tatsächlich
zu bauen) steht beim vorhabenbezogenen Bebauungsplan die tatsächliche Realisierung eines
konkreten städtebaulichen Projektes durch einen leistungsfähigen Investor im Vordergrund. Zu
diesem Zweck hat der Gesetzgeber hier den Kommunen weitergehende Regelungsmöglichkeiten
eingeräumt und in § 12 Abs. 3 BauGB ausdrücklich bestimmt, dass im Bereich eines VEP die
Gemeinde bei der Bestimmung der Zulässigkeit der Vorhaben nicht an den Festsetzungskatalog des
§ 9 BauGB und der Vorschriften der Baunutzungsverordnung (BauNVO) gebunden ist.
Damit hat es die planende Gemeinde in der Hand, z.B. bei der Neuausweisung eines Wohngebietes
auf der Grundlage eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für den Vorhabenträger auch
bauplanungsrechtlich eine Verpflichtung zu begründen, nur solche Gebäude zu errichten, die einen
festzulegenden Standard hinsichtlich des Radonschutzes einhalten.
2
Radonschutz und Bauordnungsrecht
Im Gegensatz zum Bauplanungsrecht, welches vereinfacht ausgedrückt regelt,
was wo
gebaut
werden kann, befasst sich das Bauordnungsrecht mit der Frage,
wie
zu bauen ist. Dabei ist die
Ermächtigung des Gesetzgebers, Anforderungen an das
Wie
der Bauausführung zu stellen,
allerdings eingeschränkt. Unter der Geltung der Grundrechte ist der Staat nicht befugt, umfassende
baugestalterische Vorgaben zu machen oder eigene bauästhetische Vorstellungen für verbindlich zu
erklären. Reglementierungen zum
Wie
des Bauens sind im Kern nur zulässig, soweit dies der Abwehr
von Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dient. Als Gefahrenabwehrrecht handelt es
sich beim Bauordnungsrecht um klassisches Polizeirecht, wie schon seine frühere Bezeichnung als
Baupolizeirecht
zum Ausdruck bringt.
2.1 Der normative Befund
Seine rechtliche Ausformung findet das Bauordnungsrecht in den Landesbauordnungen der
Bundesländer, im Freistaat Sachsen also in der Sächsischen Bauordnung (SächsBO), den auf ihrer
Grundlage erlassenen untergesetzlichen Vorschriften sowie sonstigen von der SächsBO in Bezug
genommenen Normen.

Frank Wachno
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 59
2.1.1 Die „Generalklausel“, § 3 Abs. 1 SächsBO
Die zentrale Vorschrift des Bauordnungsrechtes, aus der sich letztlich alle spezielleren
Anforderungen ableiten, ist die materielle Grundsatznorm des § 3 Abs. 1 SächsBO:
Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die
öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen
Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden.
Für viele Gefahrenbereiche finden sich in der SächsBO diese Generalklausel ausfüllende detaillierte
Vorgaben. Den Begriff Radon indes sucht man dort vergeblich. Einen Anknüpfungspunkt bildet allein
§ 13 Abs. 1 SächsBO im Abschnitt „Allgemeine Anforderungen an die Bauausführung“ Unter der
Überschrift „Schutz gegen schädliche Einflüsse“ wird bestimmt, dass bauliche Anlagen so
angeordnet, beschaffen und gebrauchstauglich sein müssen, dass durch Wasser, Feuchtigkeit,
pflanzliche und tierische Schädlinge sowie andere chemische, physikalische oder biologische
Einflüsse Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen. Hieraus lässt sich lediglich
ableiten, dass bauliche Anlagen so beschaffen und gebrauchstauglich sein müssen, dass durch die
Einwirkung von Radon keine Gefahren entstehen. Dies geht kaum über das hinaus, was schon die
Generalklausel verlangt.
Eine derart abstrakte Pflichtenumschreibung gewinnt praktische Relevanz nur dann, wenn aus ihr im
Einzelfall spezifische Konsequenzen erwachsen (können), konkrete und auch durchsetzbare
Handlungspflichten für den am Bau beteiligten Personenkreis begründet werden. Dazu muss
zunächst Klarheit über das Vorliegen einer Gefahr bestehen. Unter diesem Zentralbegriff des
allgemeinen Ordnungsrechtes ist ein Zustand zu verstehen, der bei ungehindertem Ablauf des
objektiv zu erwartenden Geschehens zum Entstehen eines Schadens an den maßgeblichen
Schutzgütern führt. Der Schadenseintritt muss dabei hinreichend wahrscheinlich sein; eine
allgemeine Vermutung genügt demgegenüber ebenso wenig wie ein bloßer Schadensverdacht [4].
Der
Vorsorgegrundsatz
wird von der baurechtlichen Generalklausel nicht umfasst [5].
Die Annahme einer (bau-)polizeilichen Gefahr erfordert insoweit zunächst eine prognostische
Entscheidung hinsichtlich des denkbaren Schadens. Dabei sind an den Grad der Wahrscheinlichkeit
eines Schadenseintritts unterschiedliche Anforderungen zu stellen, abhängig von der Bedeutung des
jeweiligen Schutzgutes. Je höherwertiger das betroffene Schutzgut erscheint und je größer der
Umfang eines möglichen Schaden ist, desto geringere Anforderungen sind an die Wahrscheinlichkeit
des Schadenseintritts zu stellen.
Zu unterscheiden ist weiterhin zwischen einer abstrakten und einer konkreten Gefahr. Eine abstrakte
Gefahr liegt vor, wenn bestimmte Umstände und Verhaltensweisen nach der Lebenserfahrung
generell mit einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit zu einem Schaden führen können. Dies reicht
aus, um zum Schutz vor möglichen Schäden z.B. Rechtsvorschriften auf der Grundlage von § 88 Abs.
1 SächsBO zu erlassen, die auch dann zu beachten sind, wenn im konkreten Einzelfall die jeweilige
Gefahr nicht zu befürchten wäre.
Bauaufsichtliche Einzelanordnungen erfordern hingegen das Vorliegen einer konkreten Gefahr.
Voraussetzung ist hier die prognostische Feststellung, dass im konkreten Einzelfall bei
ungehindertem Geschehensablauf in absehbarer Zeit ein Schaden mit hinreichender
Wahrscheinlichkeit eintreten wird.
2.1.2 Rechtsverordnungen
Auf der Grundlage von § 88 Abs. 1 Nr. 1 SächsBO ist die oberste Bauaufsichtsbehörde (das
Sächsische Staatsministerium des Innern) befugt, im Wege einer Rechtsverordnung nähere
Bestimmungen zu den allgemeinen Anforderungen an bauliche Anlagen zu treffen. Von dieser

Baurecht und Radon – öffentlich-rechtliche und zivilrechtliche Aspekte
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Ermächtigung, eine denkbare Ausführungsverordnung zu § 13 SächsBO (Schutz gegen schädliche
Einflüsse) zu erlassen, wurde bisher kein Gebrauch gemacht.
2.1.3 Eingeführte Technische Baubestimmungen
Auch für bestimmte technische Regeln unterhalb der Ebene von gesetzlicher Regelung und
Rechtsverordnung gilt eine Verpflichtung zur Beachtung, nämlich für solche Regeln, die als
Technische Baubestimmungen von der obersten Bauaufsichtsbehörde durch öffentliche
Bekanntmachung förmlich eingeführt worden sind (§ 3 Abs. 3 S. 1 SächsBO).
Gerade im Bereich der Schadstoffeinwirkungen finden sich markante Beispiele für entsprechend
eingeführte technische Regeln. Zu nennen hier etwa die Richtlinie für die Bewertung und Sanierung
Pentachlorphenol(PCP)-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCP-Richtlinie), die
Richtlinien für die Bewertung und Sanierung schwach gebundener Asbestprodukte in Gebäuden
(Asbest-Richtlinie) oder die Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und
Bauteile in Gebäuden, die Regelungen mit zum Teil enormer Detailschärfe zu Anwendungsbereichen,
Arbeits- und Messverfahren sowie einzelnen Grenzwerten enthalten.
Für den Bereich Radon ist der Entwurf einer entsprechenden Richtlinie erarbeitet worden, welchen
die Bauministerkonferenz im Dezember 2003 auch zustimmend zur Kenntnis genommen hat. Eine
Einführung als Technische Baubestimmung ist es allerdings bis heute in keinem Bundesland erfolgt.
2.1.4 Die allgemein anerkannten Regeln der Technik
Allgemein anerkannte Regeln der Technik erfassen die technischen Regeln für den Entwurf und die
Ausführung baulicher Anlagen, die in Wissenschaft und Praxis bekannt und als richtig und notwendig
anerkannt sind. Es handelt sich hierbei um den wissenschaftlich-technischen Anforderungen
genügende Festlegungen, welche von der herrschenden Meinung der in der Praxis tätigen Fachleute
als richtig erkannt und angewandt werden [6].
Besondere formale Anforderungen werden an die allgemein anerkannten Regeln der Technik nicht
gestellt, doch haben sie ganz überwiegend ihren schriftlichen Niederschlag in bestimmten
Regelwerken erfahren wie z.B. den VdI-Richtlinien oder den DIN-Normen.
Rechtsnormcharakter kommt diesen Vorschriften als solchen nicht zu. Unmittelbare rechtliche
Verbindlichkeit und das Erfordernis, sie zu beachten, erlangen sie nur aufgrund der förmlichen
bauaufsichtlichen Einführung als Technische Baubestimmungen (§ 3 Abs. 3 SächsBO). Eine
generelle Beachtenspflicht aller allgemein anerkannten Regeln der Technik, wie sie noch die
SächsBO 1992 vorsah, wurde vom Gesetzgeber ersatzlos gestrichen.
Abgesehen davon ist auch inhaltlich zu Fragen des Radonschutzes, namentlich mit Blick auf
anzuwendende Grenzwerte, kein solcher Konsens in allen beteiligten Fachkreisen erkennbar, der es
erlauben würde, hier eine allgemein anerkannte Regel der Technik festzustellen.
2.1.5 Sonstige Vorschriften
Das Problemfeld Radon wird Arbeitsstättenrecht von den §§ 95, 96 der Verordnung über den Schutz
vor Schäden durch ionisierende Strahlen (Strahlenschutzverordnung – StrlSchV) aufgegriffen. Die
dortigen Regelungen haben allerdings keine baulich-technischen Schutzvorkehrungen oder
Obergrenzen einer zulässigen Radonkonzentration in der Raumluft zum Gegenstand, sondern

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limitieren lediglich die maximal zulässige Einwirkdosis für die einzelne beruflich strahlenexponierte
Person bezogen auf einen bestimmten Zeitraum.
Auf Bundesebene wurden im Juli 2004 der Entwurf eines Gesetzes zum Schutz vor Radon beim
Aufenthalt in Gebäuden (Radonschutzgesetz) sowie der Entwurf einer Verordnung zum Schutz vor
ionisierenden Strahlen durch Radon beim Aufenthalt in Gebäuden (Radonschutzverordnung)
vorgelegt, deren Regelungen Neubauten und die Sanierung von Gebäuden erfassen. Im
überarbeiteten Entwurf des Radonschutzgesetzes vom März 2005 war vorgesehen, dass für
Neubauten oder für Gebäude, die in ihrer Bausubstanz wesentlich geändert werden, ein Zielwert von
100 Bq/m
3
in der Raumluftkonzentration eingehalten werden muss. Die Einführung dieser
Rechtsvorschriften ist bisher am einhelligen Widerstand der Länder gescheitert.
2.2 Die Vollzugsebene
Die Betrachtung der in Frage kommenden normativen Grundlagen hat ergeben, dass verbindliche
Pflichten zum Treffen von Radonschutzvorkehrungen rechtstechnisch derzeit allein aus der
bauordnungsrechtlichen Generalklausel ergänzt um die allgemeinen Anforderungen nach § 13
SächsBO (Schutz gegen schädliche Einflüsse) resultieren können. Fraglich ist nun, auf welchen
Ebenen der Rechtsanwendung sich hieraus welche konkreten Schlussfolgerungen ziehen lassen.
2.2.1 Das Baugenehmigungsverfahren
Bei erstem Hinsehen scheint es nahe zu liegen, dass – sofern bei einem zur Genehmigung
anstehenden Vorhaben Radon in gefährlichem Ausmaß auftreten kann – dies Auswirkungen auf die
Baugenehmigung haben muss. Gleichwohl kommt der Frage hinreichenden Radonschutzes im
Baugenehmigungsverfahren nur untergeordnete Bedeutung zu. Das „klassische“
Baugenehmigungsverfahren, innerhalb dessen die Baubehörde die vollumfängliche Übereinstimmung
des beantragten Vorhabens mit allen Anforderungen des öffentlichen Rechts prüft, findet nur noch bei
Sonderbauten statt (und selbst hier mit Einschränkungen, vgl. den begrenzten Prüfumfang gemäß §
64 SächsBO). In allen anderen Fällen ist – sofern ein Genehmigungsverfahren überhaupt noch
ansteht und nicht die Genehmigungsfreistellung nach § 62 SächsBO greift – lediglich das sog.
vereinfachte Baugenehmigungsverfahren gemäß § 63 SächsBO durchzuführen. Dieses ist,
abgesehen von Hochhäusern, insbesondere für alle Wohngebäude einschlägig.
Das Charakteristikum des vereinfachten Baugenehmigungsverfahrens besteht in seinem
eingeschränkten Prüfungsumfang, der im Wesentlichen allein die Einhaltung des Bauplanungsrechts
zum Gegenstand hat. Ob das Vorhaben den bauordnungsrechtlichen Anforderungen entspricht, hat
die Baubehörde hingegen nicht zu prüfen. Und was nicht zu prüfen ist, darf auch nicht in die
Entscheidung über die Baugenehmigung einfließen. Der Baubehörde ist es damit insbesondere
verwehrt, Vorgaben zu einer radongeschützten Bauweise zwecks Durchsetzung der
bauordnungsrechtlichen Generalklausel etwa als Nebenbestimmung in eine Baugenehmigung
aufzunehmen.
Als Anknüpfungspunkt bei Bauvorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile (dem
sog. unbeplanten Innenbereich) kommt insoweit allein § 34 Abs. 1 Satz 2 BauGB in Betracht, wonach
die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse gewahrt bleiben müssen.
Hier ist aber zu berücksichtigen, dass diese Zulässigkeitsvoraussetzung allein städtebaulicher Art ist
und nicht auch andere Belange mit umfasst, wie sie etwa das Bauordnungsrecht hinsichtlich
technisch-konstruktiver Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse abdeckt [7]. Dem
Erfordernis der gesunden Wohn- und Arbeitsverhältnisse kommt im Rahmen des § 34 BauGB nicht
die Funktion zu, auch ohne weitergehenden städtebaulichen Bezug den Ausschluss jedweder mit

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einer Gebäudenutzung möglicherweise verbundenen Gefährdungssituation zur
bauplanungsrechtlichen Zulässigkeitsvoraussetzung zu erheben.
Um städtebauliche Missstände im engeren Sinn (also z.B. das unvermittelte Aufeinanderprallen von
stark emittierenden Industriebetrieben mit benachbarter Wohnnutzung) handelt es sich bei unserer
Fragestellung jedoch nicht. Denn es geht hier weniger um die Zulässigkeit von Wohnbauvorhaben am
jeweiligen Standort aufgrund ihres städtebaulichen Kontextes, sondern vornehmlich darum, ob und
welche technisch-konstruktiven Vorkehrungen notwendig sind, damit bestimmte
Radonkonzentrationen in der Raumluft nicht überschritten werden. Dies betrifft vorrangig die
Gewährleistung bauordnungsrechtlicher Sicherheitsanforderungen für das jeweilige Gebäude, im
Kern aber nicht die Verhinderung eines städtebaulichen Missstandes. Insoweit gehört im
Genehmigungsverfahren die Frage, ob bei der Verwirklichung des beantragten Vorhabens
hinreichende bautechnische Standards zum Schutz vor Radon eingehalten sind, regelmäßig nicht
zum auf das Bauplanungsrecht beschränkten Prüfprogramm der Behörde.
2.2.2 Bauaufsichtliches Tätigwerden
Hat der Gesetzgeber den Bauaufsichtsbehörden in den zurückliegenden Jahren die Möglichkeit, im
Baugenehmigungsverfahren die Einhaltung bauordnungsrechtlicher Anforderungen präventiv zu
kontrollieren, erheblich eingeschränkt, so ist hierdurch die Notwendigkeit stärker in den Vordergrund
gerückt, rechtmäßige baurechtliche Zustände durch (nachträgliches) repressives bauaufsichtliches
Tätigwerden herzustellen.
Denn nach wie vor haben die Bauaufsichtsbehörden darüber zu wachen, dass bei der Errichtung und
Nutzung von baulichen Anlagen die öffentlich-rechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Zur
Wahrnehmung dieser Aufgabe sind sie befugt, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen (§ 58 Abs. 2
SächsBO). Erhalten die Baubehörden Kenntnis von einem Verstoß gegen die einschlägigen
öffentlich-rechtlichen Vorschriften, haben sie nach pflichtgemäßem Ermessen gegen diesen Verstoß
vorzugehen und die Herstellung eines rechtmäßigen Zustandes zu verlangen.
Um auf dieser Grundlage tätig werden zu können, bedarf es zunächst der Feststellung eines
Verstoßes gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften. Wie wir gesehen haben, existieren keine
speziellen Rechtsnormen, die Vorgaben zur Radonsicherheit von Gebäuden machen, so dass als
Voraussetzung eines bauaufsichtlichen Einschreitens nur eine Verletzung der
bauordnungsrechtlichen Generalklausel in Betracht kommt, also eine Gefahr für Leben und
Gesundheit im Sinne von § 3 Abs. 1 SächsBO abgewehrt werden muss.
Aufgrund einer Vielzahl vorliegender epidemiologischer Studien kann heute als wissenschaftlich
gesichert gelten, dass mit steigender Radonkonzentration in Wohnungen ein klarer Anstieg des
Lungenkrebsrisikos für die Bewohner verbunden ist. Ihrer auf diesen Studien fußenden
Risikobewertung legt die Deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) die Annahme einer linearen
Expositions-Wirkungs-Beziehung ohne Schwellenwert
zugrunde und geht dabei von einer Steigerung
des Lungenkrebsrisikos um etwa 10% je 100 Bq/m
3
Radonkonzentration in der Raumluft aus [8].
Diesen Ansatz stringent zu Ende gedacht hieße, dem Auftreten jedweden Radons, selbst im Rahmen
der in Deutschland in Wohnungen durchschnittlich anzutreffenden Konzentration von etwa 50 Bq/m
3
oder sogar unterhalb dieser Schwelle, eine Gesundheitsgefahr beizumessen. Dass dies nicht die
Grundlage für die Annahme einer Polizeigefahr i.S.d. § 3 Abs. 1 SächsBO sein kann, liegt auf der
Hand. Vorkehrungen zum Fernhalten jeglichen Radons aus der Raumluft sind allenfalls unter
Laborbedingungen denkbar, sind im alltäglichen Baugeschehen schlichtweg nicht praktikabel und
werden auch von niemandem gefordert. Die SSK selbst hält es nicht für sinnvoll, auch unter
Annahme einer linearen Dosis-Wirkungsbeziehung isolierte Angaben zu Mortalitätsrisiken für
Expositionen zu machen, die wesentlich unterhalb der Signifikanzgrenze der vorliegenden
Studienergebnisse liegen [9]. Die untersten Signifikanzgrenzen liegen dabei bei etwa 100 Bq/m
3
.
Damit wird deutlich, dass das Vorliegen einer Gefahr im Rechtssinne, die weitergehende Pflichten für
Planer und Bauherren sowie Eingriffsbefugnisse der Bauaufsichtsbehörden zu begründen vermag,
erst oberhalb einer bestimmten Radonkonzentration einsetzen kann. Wo eine solche Grenze exakt zu

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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 63
ziehen wäre, ist derzeit allerdings nicht allgemeinverbindlich feststellbar, wie eine kurze Umschau
belegt.
Auf EU-Ebene sind Standardwerte genannt in der Empfehlung der Kommission vom 21. Februar
1990 zum Schutz der Bevölkerung vor Radonexposition innerhalb von Gebäuden
[10]. Unterschieden
wird zwischen bestehenden und neu zu errichtenden Gebäuden. Als Referenzwert, bei dessen
Überschreitung Gegenmaßnahmen zur Verringerung der Radonwerte veranlasst seien, wird eine
jährliche durchschnittliche Radonkonzentration von 400 Bq/m
3
angeführt. Als Planungswert, der
mitgliedsstaatlichen Regelungen für neu zu errichtende Gebäude zugrunde gelegt und nicht
überschritten werden sollte, wird ein jährlicher durchschnittlicher Radonwert von 200 Bq/m
3
genannt.
Die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) hat 1994 für den Wohnungsbereich als
Veranlassung zu Schutzmaßnahmen eine Spanne zwischen 200 – 600 Bq/m
3
angeführt. In ihren
Empfehlungen von 2007 hält sie ausdrücklich die Benennung eines oberen Referenzwertes von 600
Bq/m
3
für ausreichend und stellt es den zuständigen nationalen Institutionen anheim, für ihr Land
unter Berücksichtigung der jeweiligen gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen
Optimierungen vorzunehmen [11].
Die SSK geht in ihren Empfehlungen aus dem Jahr 1994 [12] für den Wohnbereich, ohne zwischen
Bestands- und Neubauten zu differenzieren, von einem „Normalbereich“ aus, welcher keine
Maßnahmen erforderlich mache, der bei einer Radonbelastung im jährlichen Mittel von 250 Bq/m
3
endet. Der Bereich zwischen 250 und 1.000 Bq/m
3
gilt als „Ermessensbereich“, innerhalb dessen
„einfache Maßnahmen“ zur Reduzierung der Exposition durch Radon angezeigt sind. Im Bereich
oberhalb von 1.000 Bq/m
3
(Sanierungsbereich) sollte die Radon-Konzentration reduziert werden
sollte, auch wenn dazu aufwendigere Maßnahmen notwendig werden. Bei Konzentrationen oberhalb
von 15.000 Bq/m
3
ist eine Sanierung schnellstmöglich, längstens innerhalb eines Jahres,
durchzuführen. Mittlerweile empfiehlt die SSK in ihrer Stellungnahme von 2005, bei der Entscheidung
über konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Radonkonzentrationen in Wohnungen auch den
Bereich unterhalb von 250 Bq/m
3
„zu berücksichtigen“ [13], ohne jedoch andere Werte konkret zu
benennen.
Der Bund hat in seinem Entwurf eines Radonschutzgesetzes für Neubauten und die wesentliche
Änderung von Bestandsgebäuden eine Verpflichtung vorgesehen, solche Maßnahmen zu ergreifen,
dass in Aufenthaltsräumen ein „ Zielwert“ für die Raumluftkonzentration von 100 Bq/m
3
erreicht wird.
Zweck des Gesetzes sollte sowohl der Schutz wie auch die Vorsorge gegen eine erhöhte
Strahlenexposition der Menschen durch Radon beim Aufenthalt in Gebäuden sein. Der Widerstand
der Länder gerade gegen die Grenzziehung 100 Bq/m
3
hat bisher eine Verabschiedung des
Gesetzentwurfes verhindert.
Bauaufsichtliches Tätigwerden setzt eine konkrete Gefahr im Rechtssinne voraus, also einen
Zustand, der im Einzelfall den Eintritt eines Schadens in überschaubarer Zukunft mit hinreichender
Wahrscheinlichkeit erwarten lässt. Die vorliegend umrissenen epidemiologischen Befunde und die
Bandbreite der hieraus entwickelten Empfehlungen, verbunden mit den divergierenden Vorstellungen
des Bundes und der Länder über rechtlich gebotene Grenzwertsetzungen lassen es hier einfach nicht
zu, im Wege der schlichten Begriffssubsumtion durch den Rechtsanwender dem Umschlagen eines
abstrakten gesundheitlichen Gefährdungspotentials hin zur konkreten Polizeigefahr einen exakten
Schwellenwert zuzuordnen. Die Festschreibung eines solchen Grenzwertes ist jedoch erforderlich,
um wünschenswerte Radonschutz-Standards auch vollziehbar zu machen. Die vor Ort handelnden
Verwaltungsbehörden sind weder in der Lage noch kompetenzrechtlich überhaupt berufen,
selbständig festzulegen, wo die Grenze verlaufen soll zwischen gesundheitsschützenden
Maßnahmen, die Ausfluss des Vorsorgegrundsatzes sind, und solchen, die der unmittelbaren
Gefahrenabwehr dienen. Hierzu bedarf es vielmehr einer rechtsnormativen Entscheidung, einer
Festlegung allgemein-verbindlicher Standards durch die zuständigen staatlichen Institutionen
(Gesetzgeber bzw. oberste Landesbehörden), wie sie bereits für nicht wenige anderweitige
Schadstoffe in der Raumluft getroffen wurde. Damit werden auch sinnvolle Differenzierungen in den
Anforderungen beispielsweise an Bestandsgebäude und neu zu errichtende Baulichkeiten denkbar,
die bei einer ausschließlichen Anknüpfung an den Gefahrenabwehrbegriff nicht möglich wären. Denn
die Schadensgeneigheit einer bestimmten Radonkonzentration lässt sich nicht unterschiedlich
beurteilen, je nach dem, ob sie in einem bestehenden oder in einem noch zu errichtenden Gebäude
auftritt.

Baurecht und Radon – öffentlich-rechtliche und zivilrechtliche Aspekte
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Schließlich sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass das repressive bauaufsichtliche
Instrumentarium bereits strukturell nur sehr bedingt geeignet erscheint, fehlende konkret-normative
Schutzstandards zu kompensieren. Die baubehördlichen Aufsichts- und Eingriffsbefugnisse zielen im
Kern weniger darauf ab, dem Bauherrn bestimmte Baumaßnahmen positiv vorzugeben, vielmehr
steht zunächst nur die Unterbindung rechtswidrigen Bauens und einer rechtswidrigen Nutzung im
Vordergrund. So beschränken sich die speziellen baubehördlichen Eingriffsermächtigungen in den §§
79, 80 SächsBO auf die Befugnisse, die Einstellung der Bauarbeiten anzuordnen, die Baustelle zu
versiegeln, Arbeitsgeräte wegzunehmen und die Beseitigung schon errichteter Anlagen oder das
Verbot ihrer Nutzung zu verfügen.
Tritt nun eine überhöhte Radonkonzentration nur in wenigen Räumen eines Gebäudes auf, kann es
zur Abwehr der damit verbundenen Gefahr ausreichen, ein Verbot der Nutzung dieser Räumlichkeiten
zu dauerhaften Aufenthaltszwecken auszusprechen. Wegen der Vorrangigkeit der speziellen
Eingriffsbefugnisse scheidet dann ein Rückgriff auf die Generalermächtigung in § 58 Abs. 2 SächsBO
aus und es besteht keine Möglichkeit, positive technisch-konstruktive Maßnahmen zur Reduzierung
der Radonkonzentration zu verlangen. Auch insoweit ermöglicht das Bauordnungsrecht derzeit keine
umfassende Durchsetzung einer radongeschützten Bauweise.
3
Zivilrechtliche Berührungspunkte
Da der am Bau beteiligte Personenkreis durchweg auch in privatrechtlichen Beziehungen miteinander
steht, ist nun zu fragen, ob sich hieraus Verpflichtungen zum Treffen weitergehenderer
Schutzmaßnahmen ergeben. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass das Zivilrecht wesentlich vom
Grundsatz der Vertragsfreiheit geprägt wird. Die vertragsschließenden Parteien haben es zu allererst
selbst in der Hand, die wechselseitig zu erfüllenden Pflichten exakt festzulegen. Ein für die
Radonproblematik sensibilisierter Bauherr wird es dabei nicht versäumen, schon beim Abschluss
eines Architektenvertrages oder dem Eingehen eines Werkvertrages mit einem Bauunternehmen zur
Errichtung seines Wohnhauses in die Vereinbarung Vorgaben zur Einhaltung hinreichenden
Radonschutzes aufzunehmen.
Vertragsinhalt können konkret bezeichnete bauliche Vorkehrungen werden, aber auch eine
Einstandspflicht des Architekten oder Bauunternehmers für die Einhaltung der Empfehlungen
bestimmter Institutionen, etwa der Deutschen Strahlenschutzkommission. Diese Empfehlungen, die
aus sich heraus noch keine unmittelbaren Rechtsbindungen entfalten, werden in einem solchen Fall
allein durch die Einbeziehung in den Vertrag für die Vertragspartner rechtsverbindlich.
Schwieriger wird die Situation, wenn konkrete vertragliche Regelungen fehlen. Es stellt sich dann die
Frage, ob sich aus den für das zivile Vertragsrecht maßgeblichen gesetzlichen Vorschriften
Anforderungen hinsichtlich des Radonschutzes ableiten lassen. Die explizite Benennung von Radon
wird man auch im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) oder in der Vergabe- und Vertragsordnung für
Bauleistungen (VOB) vergeblich suchen.
Die Radonproblematik weist jedoch Bezüge zu verschiedenen bürgerlich-rechtlichen Vertragstypen
auf. Ein Anknüpfungspunkt ist der Werkvertrag, durch den sich ein Bauunternehmer zur Herstellung
eines Gebäudes verpflichtet. Zu nennen ist weiterhin als Unterfall des Werkvertrages der Architekten-
oder Ingenieurvertrag mit dem Schwerpunkt ordnungsgemäße Planung, ggfls. Ausführung und
Überwachung des Bauvorhabens. Betroffen kann schließlich auch der Mietvertrag sein, wenn Radon
in vermieteten Wohn- oder Gewerberäumen auftritt.
Für den Werkvertrag gilt, dass der Unternehmer nach §§ 631 Abs. 1, 633 Abs. 1 BGB das
herzustellende Werk dem Besteller frei von Sach- und Rechtsmängeln zu verschaffen hat. Was einen
Sachmangel darstellt, bestimmt der Gesetzgeber nach Art eines Ausschlussverfahrens, indem er
definiert, wann kein Sachmangel vorliegt. Das Werk ist gemäß § 633 Abs. 2 BGB frei von
Sachmängeln, wenn es die vereinbarte Beschaffenheit hat oder es sich - soweit eine Beschaffenheit
nicht vereinbart ist - für eine ggfls. vertraglich vorausgesetzte, ansonsten gewöhnliche Verwendung
eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Werken der gleichen Art üblich ist und die der
Besteller nach der Art des Werks erwarten kann.

Frank Wachno
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 65
Für das Mietverhältnis bestimmt § 535 Abs. 1 BGB, dass der Vermieter dem Mieter die Mietsache in
einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu überlassen und sie während der
Mietzeit in diesem Zustand zu erhalten hat. Besitzt die Mietsache einen Mangel, der ihre Tauglichkeit
zum vertragsgemäßen Gebrauch ganz oder teilweise aufhebt, wird der Mieter in entsprechendem
Maße von der Mietzahlung frei (§ 536 Abs. 1 BGB), eventuell ergänzt um die Möglichkeit zur
fristlosen Kündigung aus wichtigem Grund (§ 543 BGB).
Mithin schulden nach den gesetzlichen Vorgaben Architekt, Bauunternehmer und Vermieter jeweils
die Planung, die Errichtung und das Zur-Verfügung-Stellen von Gebäuden bzw. Räumen in einem
solchen Zustand, der die Räumlichkeiten als zum dauerhaften Aufenthalt von Menschen tauglich und
geeignet erscheinen lässt.
Die Einhaltung welcher Standards notwendig ist, um einem Bauwerk die Geeignetheit und
Tauglichkeit zum dauerhaften Aufenthalt zuerkennen zu können, lässt sich den einschlägigen
zivilrechtlichen Vorschriften nicht entnehmen. Zwar kann noch – auch ohne ausdrückliche Anordnung
in einer Rechtsnorm – als gesichert gelten, dass Wohngebäude und Arbeitsstätten jedenfalls dann
nicht geeignet und tauglich zur Erreichung des jeweiligen Vertragszweckes sind, wenn der Aufenthalt
in ihnen mit nachweislichen Gefahren für Leib, Leben und Gesundheit verbunden ist. Damit ist wenig
gewonnen, denn es stellt sich nun die gleiche Frage wie bereits zum Bauordnungsrecht, nämlich
anhand welcher Kriterien ein abschließendes Urteil über das Vorliegen einer relevanten
gesundheitlichen Gefährdung und damit die Ordnungsgemäßheit der in den Vertragsbeziehungen
erbrachten Leistungen gefällt werden soll.
Zur Beantwortung kann auch auf Regelungen aus anderen Rechtsgebieten, die sich auf den
Gegenstand der vertraglichen Pflichten auswirken, zurückgegriffen werden. Bauplanungs- und
bauordnungsrechtliche Vorgaben wären hier grundsätzlich beachtlich, doch lassen sich derzeit dem
öffentlichen Baurecht gerade keine verbindlichen Standards zum Radonschutz entnehmen.
Im Regelfall gehört zu den vertraglichen Pflichten des Werkvertrages die Beachtung der anerkannten
Regeln der Technik (im Einzelnen nicht ganz unstrittig, jedenfalls für den VOB-Vertrag ausdrücklich
angeordnet in § 4 Nr. 2 Abs. 1 VOB/B). Jedoch weist der aktuelle Diskussionsstand in Wissenschaft
und Praxis keinen solchen Konsens auf, der es erlauben würde, die Nichtüberschreitung einer exakt
quantifizierten Radonmenge in der Raumluft als anerkannte Regel der Technik einzustufen.
Im Zusammenhang mit der Errichtung von Gebäuden wird der Architekt oder Bauingenieur
regelmäßig mit der Erstellung einer Genehmigungsplanung beauftragt. Ihm obliegt es dabei, eine
genehmigungsfähige Planung vorzulegen. Erweist sich die Planung als dauerhaft nicht
genehmigungsfähig, ist das Werk unabhängig von einem Verschulden des Entwurfsverfassers
mangelhaft. Auch dieser Aspekt führt jedoch nicht weiter, da fehlender Radonschutz - wie schon
erörtert – in aller Regel keine Versagung der Baugenehmigung zur Folge hat.
Kommt es wegen des Auftretens von Radon in Gebäuden zu werk- oder mietvertraglichen
Rechtsstreitigkeiten, verfügt der Zivilrichter mithin ebenso wenig wie der Verwaltungsrechtler über
vollziehbare Rechtsnormen, denen sich konkrete Anforderungen an Radonschutzvorkehrungen
entnehmen lassen.
Obergerichtliche Rechtsprechung zu Fragen eines zivilrechtlich geschuldeten Radonschutzes liegt bis
heute ersichtlich nicht vor. Auf unterer Ebene ist eine unveröffentlichte Entscheidung des LG Zwickau
- Az. 2 O 43/05 - aus dem Jahr 2005 bekannt, das sich mit der fristlosen Kündigung eines
Mietvertrages über Gewerberäume wegen der dort aufgetretenen Radonkonzentration zu befassen
hatte. Messungen des gerichtlich bestellten Sachverständigen ergaben in den Räumlichkeiten der
Gewerbehalle eine Radonbelastung zwischen 1200 und 1700 Bq/m
3
. Unter Hinweis auf die Aussagen
der SSK aus dem Jahr 2004, dass ein zusätzliches Lungenkrebsrisiko bereits im Bereich einer
Radonkonzentration größer 140 Bq/m
3
bestehe und oberhalb 250 Bq/m
3
mit einer relativen Erhöhung
des Lungenkrebsrisikos von mehr als 20% gerechnet werden müsse, hat das Gericht eine erhebliche
Gesundheitsgefährdung angenommen, die zur sofortigen Kündigung berechtige.
Ohne die Entscheidung trotz der unbesehenen Übertragung von Risikobewertungen zu Wohnräumen
auf Arbeitsstätten im Ergebnis in Frage stellen zu wollen, steht sie allerdings im Einklang mit einer
Herangehensweise, die in der veröffentlichten Judikatur - auch wenn Radon hier bisher keinen Platz
hat - zu anderen Schadstoffen in der Raumluft anzutreffen ist.

Baurecht und Radon – öffentlich-rechtliche und zivilrechtliche Aspekte
Seite 66
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Da das Gericht regelmäßig über keine eigene vertiefte Sachkenntnis zur Gesundheitsschädlichkeit
der jeweiligen Fremdstoffe verfügt, wird hierüber prozessual Beweis erhoben durch Gutachten eines
bestellten Sachverständigen. Dieser nimmt sodann gerade für Bereiche, zu denen keine
rechtsnormativen Vorschriften vorliegen, Bezug auf „Empfehlungen“ oder sonstige Hinweise,
„Richtwerte“ oder „Zielwerte“ einschlägig befasster Institutionen wie zum Beispiel dem
Umweltbundesamt, die nun wiederum das Gericht seiner Entscheidung zugrunde legt.
Hierdurch werden solche „Empfehlungen“ faktisch zu beachtenspflichtigen anerkannten Regeln der
Technik, ohne dass immer sauber danach differenziert würde, ob der jeweils empfohlene Standard
zur Abwehr einer nachweislichen Gesundheitsgefährdung konkret erforderlich ist oder es sich um
fachlich durchaus wünschenswerte, aber letztlich allein aus dem Vorsorgegedanken herrührende
Anforderungen handelt.
Damit ist die Bandbreite richterlicher Spruchpraxis aber noch nicht ausgeschöpft. Auch ohne
Nachweis einer konkreten Gesundheitsgefährdung hat das OLG Oldenburg einen Werkmangel
angenommen, wenn die Raumluft fünf Monate nach dem Einbau von Parkett noch in einem Maß mit
Ethylacetat und n-Butanol belastet ist, wie es üblicherweise in Haushalten nicht vorkommt, da allein
ein begründeter Gefahrenverdacht zur Bejahung eines Sachmangels ausreiche [14].
Noch weiter ging das Landgericht Lübeck. Die zu entscheidende Mietstreitigkeit betraf einen PCP-Fall
vor Einführung der PCP-Richtlinie. Das Gericht führte aus, zwar sei in Wissenschaft, Rechtsprechung
und Lehre bisher streitig, ab welchem Grenzwert in der Raumluft eine Gesundheitsschädlichkeit
anzunehmen sei. Weder hierauf noch darauf, ob überhaupt PCP in der Raumluft vorhanden sei,
komme es aber nicht an. Denn für die Annahme eines Sachmangels sei es ausreichend, dass die
Behandlung von Holzteilen in der Wohnung mit PCP und Lindan feststehe [15].
Auf der anderen Seite hat das Landgericht Berlin angenommen, dass eine nachgewiesene Belastung
der Raumluft mit PAK, die unter Berücksichtigung von Empfehlungen des Bundesumweltamtes erst
mittelfristig Maßnahmen erforderlich werden lässt, keinen zur Mietminderung berechtigenden
Sachmangel darstellt [16].
Vor der Hintergrund dieser wenig konsistenten richterlichen Spruchpraxis kann nicht ausgeschlossen
werden, dass gerade die unterinstanzliche Zivilrechtsprechung in Fällen, bei denen Radon
nennenswert über den durchschnittlich anzutreffenden Konzentrationen auftritt und insbesondere die
von der SSK empfohlenen Richtwerte überschreitet, das Vorliegen eines Sachmangels im Sinne des
Werkvertrags- und Mietrechts bejahen wird. Dies muss nicht grundsätzlich verwundern, da ein
zivilrechtlicher Sachmangel auf einer Abweichung der Ist-Beschaffenheit von der vertraglich
geschuldeten Soll-Beschaffenheit beruht. Dass dabei die im Einzelfall geschuldete Soll-
Beschaffenheit einen höheren Sicherheitsstandard beinhalten kann als das Nichtbestehen einer
konkreten Polizeigefahr im Sinne des Bauordnungsrechts, erscheint eher selbstverständlich.
Gerade für den verantwortlichen Planer eines Wohngebäudes ist dabei ein gewisses wirtschaftliches
Risiko, wegen unzureichenden Radonschutzes in Anspruch genommen zu werden, nicht
ausgeschlossen, das er durch eine eingehende Beratung im Vorfeld minimieren kann. Dass allerdings
insoweit das Zivilrecht generell einen höheren Sicherheitsstandard als das Bauordnungsrecht
verlangt, kann ebenso wenig festgestellt werden wie sich aus dem bisherigen Stand der
Zivilrechtsprechung auch keine weitergehenden allgemeingültigen Maßstäbe zur Bewältigung der
Radonproblematik ableiten lassen.
4 Literaturverzeichnis
[1] Söfker, in Ernst/Zinkahn/Bielenberg, BauGB, Kommentar, § 5 Rdnr. 7
[2] Löhr, in Battis/Krautzberger/Löhr, BauGB, Kommentar, 10. Aufl., § 5 Rdnr. 38
[3] Dietlein, in Landmann/Rohmer, Umweltrecht, Kommentar, Bd. 1, BImSchG, § 2 Rdnr. 30
[4] vgl. Jäde in Jäde/Dirnberger/Böhme, Bauordnungsrecht Sachsen, SächsBO, § 3 Rdnr. 13
[5] Lechner in Simon/Busse, Bayerische Bauordnung, Art. 3 Rdnr. 151
[6] Jäde in Jäde/Dirnberger/Böhme, Bauordnungsrecht Sachsen, SächsBO, § 3 Rdnr. 62

Frank Wachno
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Seite 67
[7] Söfker, in Ernst/Zinkahn/Bielenberg, BauGB, Kommentar, § 34 Rdnr. 66
[8] Lungenkrebsrisiko durch Radonexpositionen in Wohnungen, Stellungnahme der
Strahlenschutzkommission, verabschiedet in der 199. Sitzung
(www.ssk.de/werke/w2005.htm)
[9] Attributives Lungenkrebsrisiko durch Radon-Expositionen in Wohnungen, Stellungnahme der
Strahlenschutzkommission, verabschiedet in der 208. Sitzung
(www.ssk.de/werke/w2006.htm)
[10] Amtsblatt Nr. L 080 vom 27/03/1990 S. 0026 – 0028
[11] ICRP 2007 Recommendations of the International Commission on Radiological Protection, ICRP
Publication 103
[12] Strahlenschutzgrundsätze zur Begrenzung der Strahlenexposition durch Radon und seine
Zerfallsprodukte in Gebäuden, Empfehlung der Strahlenschutzkommission, verabschiedet in der
124. Sitzung
(www.ssk.de/werke/w1994.htm)
[13] siehe Nachweis bei [8]
[14] OLG Oldenburg, Urt. v. 14.10.1998 – 2 U 179/98 –, zit. nach juris
[15] LG Lübeck, Urt. v. 06.11.1997 – 14 S 135/97 –, zit. nach juris
[16] LG Berlin, Urt. v. 17.08.2004 – 64 S 368/03 –, zit. nach juris

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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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Bernd Hoffmann
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 69
RADON IN BAUMATERIALIEN
RADON IN BUILDING MATERIALS
Bernd Hoffmann
Bundesamt für Strahlenschutz, Berlin
Zusammenfassung
Aus allen mineralischen Baumaterialien tritt Radon aus. Gerade bei den Wandbildnern stellt sich die
Frage nach der Relevanz dieser Emission als Zulassungskriterium. Es werden verschiedene
Messmethoden hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile diskutiert. Ergebnisse repräsentativer Messungen
des BfS bestätigen, dass der Anteil der Baustoffe an der Radonbelastung gegenüber dem geogenen
Radons in deutschen Häusern meistens gering ist.
Summary
Radon emanates from all mineral building materials. Especially for the bulk wall materials the
question of relevance of the emission as a criterion for approval is of general interest. Different
measurememt methods are discussed in view of their respective advantages and disadvantages.
Results of representative measurements of the BfS confirm the minor contribution of building material
to the exposure to radon in German houses compared to the geogenic radon.
1 Hintergrund
Aufgrund ihrer geologischen Entstehung enthalten alle zur Herstellung von Baumaterialien
verwendeten Rohstoffe einen bestimmten Anteil an natürlicher Radioaktivität, insbesondere an
Kalium-40 und den Radionukliden der Uran-238- und der Thorium-232-Zerfallsreihe. Dies führt
sowohl zu einer externen Exposition der in den Häusern lebenden Menschen durch Gammastrahlung
als auch zu einer Abgabe von Radon und somit einer inneren Exposition durch Inhalation der
Radonzerfallsprodukte.
Im Jahr 1989 wurde die europäischen „Bauproduktenrichtlinie“ (BPR) [1] verabschiedet, die die
wesentlichen Anforderungen an die Brauchbarkeit eines Produktes definiert und das Vorgehen zur
CE-Kennzeichnung regelt. Sie enthält in Artikel 7 die Forderung zur Erarbeitung harmonisierter
Normen. Im Anhang I (Wesentliche Anforderungen) dieser Richtlinie ist unter Punkt 3 (Hygiene,
Gesundheits- und Umweltschutz) u.a. der Schutz vor „Emissionen gefährlicher Strahlen“ genannt,
wobei im Sinne des Strahlenschutzes darunter sowohl die äußere Exposition als auch die Inhalation
von Radon zu verstehen ist. Die Umsetzung der BPR in deutsches Recht erfolgte 1992 mit dem
Bauproduktengesetz (BauPG) [2].
Daraus folgend wurde ein Auftrag an das Europäische Komitee für Normung (CEN) zur Erarbeitung
einer harmonisierten Norm für Emissionen von gesundheitsgefährdenden Stoffen aus Baumaterialien

Radon in Baumaterialien
Seite 70
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
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erteilt. Eine Expertengruppe, das sog. Technical Committee (TC) 351 „Bewertung der Freisetzung
gefährlicher Substanzen aus Bauprodukten“ mit fünf Arbeits- und dazu gehörenden
Beratungsgruppen wurde gebildet, diesen Auftrag umzusetzen. Die AG Radioaktivität hat den
primären Auftrag, bis 2011 einen „State of the art-report“ zu erarbeiten.
Im Jahre 1999 publizierte die Europäischen Kommission einen Bewertungsansatz hinsichtlich des
Strahlenschutzes, die Radiation Protection 112 „Radiological protection principles concerning the
natural radioactivity of building materials“ [3]. In einigen europäischen Länder, wie z. B. Polen [4],
Österreich [5] und den Niederlanden [6], existieren mittlerweile Normen und Regelungen, die eine
Begrenzung der Radionuklidkonzentration und implizit und/oder explizit der Radonexhalation als
Zulassungsgrundlage für Bauprodukte beinhalten oder eine Messmethode zur Ermittlung der
Radonexhalation vorschreiben.
In Deutschland fehlen bisher verbindliche Regeln zur Bewertung der von Bauprodukten ausgehenden
Strahlenexposition und zu Messverfahren für deren Ermittlung, im Besonderen der Radonexhalation.
Diese sind jedoch für die vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zu erteilenden
bauaufsichtlichen Zulassungen entsprechend der Musterbauordnung [7] und der
Landesbauordnungen notwendig, sobald der Strahlenschutz als Zulassungskriterium aufgenommen
werden sollte.
Des Weiteren fehlt es an einer systematischen Erhebung von in Deutschland aktuell eingesetzten
mineralischen Baustoffen. Die bisher durchgeführten und publizierten Werte umfassten im
Wesentlichen Messungen im Auftrag der Industrie zur Eignungsprüfung industrieller Zuschlagsstoffe
(z.B. Flugaschen oder Hochofenschlacken) sowie Fertigbaustoffe mit oftmals nur ungenau bekannter
Zusammensetzung [z.B. 8].
Im Rahmen einer Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Baustoffe – Steine und
Erden e.V. (bbs) wurden in den letzten beiden Jahren durch das BfS eine Reihe von aktuellen
Baustoffen untersucht, mit dem Ziel, eine repräsentative Erhebung der Konzentration natürlicher
Radionuklide und der Radonexhalationsraten und damit eine Abschätzung der zu erwartenden
Belastung der Bevölkerung zu ermitteln. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.
Hier sollen die vom BfS verwendeten Messmethoden vorgestellt und erste Ergebnisse präsentiert
werden.
2
Messmethoden zur Bestimmung der Exhalation
2.1 Grundlagen
Zur Bestimmung der Radonabgabe eines Baustoffes existieren zahlreiche verschiedener
Messmethoden [z.B. 9, 10, 11]. Die Vergleichbarkeit der Resultate verschiedener Messmethoden ist
dabei nicht gewährleistet [12]. Auch hängt die Exhalationsrate von verschiedenen Parametern, wie z.
B. Probengeometrie, Feuchte, Temperatur und Alter des Materials, ab.
Die in Deutschland bisher überwiegend eingesetzte und von der Industrie akzeptierte Methode ist die
Bestimmung der flächenbezogenen Exhalationsrate mittels zeitaufgelöster Spektroskopie der
elektrostatisch abgeschiedenen Zerfallsprodukte in einem der Probe aufgesetztem Messvolumen [8,
13]. Vorteil dieser Methode ist die direkte Bestimmung der flächenbezogenen Exhalationsraten von
Radon und Thoron unter Kontrolle des zeitlichen Verlaufes und des Spektrums. Des Weiteren ist es
möglich, in realitätsnahen und in realen Einbausituationen zu messen. Nachteilig wirken sich die
feuchteabhängige Effizienz der elektrostatischen Abscheidung und mögliche Leckraten aus. Auch
liegt nur bei größeren Messvolumina in guter Näherung eine freie Exhalation vor [14].
Die niederländische Norm NEN 5699 [6] beschreibt einen anderen Weg. Der ganze Probenkörper
wird in ein Messvolumen eingebracht und kontinuierlich mit Luft geregelter Feuchte und Temperatur
umströmt. Das austretende Radon wird mit einer Kältefalle gesammelt und z.B. mittels Flüssig-
szintillationszähler oder gammaspektroskopisch die Zerfallsprodukte quantifiziert. Diese
Vorgehensweise, die vergleichbar mit der Bestimmung der flüchtigen organischen Verbindungen

Bernd Hoffmann
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2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 71
(VOC) ist, vermeidet die Nachteile der ersten Methode, lässt aber nur mit größerem apparativen
Aufwand im Labor die Bestimmung gewichtsbezogener Exhalationsraten zu.
Bei den laufenden Untersuchungen des BfS werden zu Vergleichszwecken zur Qualitätssicherung
zwei unabhängige Messmethoden eingesetzt. Beide Methoden basieren auf der Messung des
Emanationskoeffizienten
,
d.h. dem Anteil des im Material freigesetzten Radons, das durch den
Porenraum der Luft außerhalb der Probe zugängig ist.
Die Exhalationsrate kann aus den Emanationskoeffizienten mit den Parametern
effektiver Diffusionskoeffizient
D*
,
Materialdichte
ρ,
Zerfallskonstante des Radons
λ
Rn
,
Materialdicke:
d
,
Radiumaktivitätskonzentration:
C
Ra-226
über die Gleichung
⋅⋅
⋅⋅
R
d
Φ=R ρ λ
ε C
Ra
Rn
2
tanh
226
(1)
bestimmt werden [15]. Dabei steht
R = D
2
/
λ
Rn
(2)
für die sogenannten Diffusionslänge von Radon im porösen Material. Betrachtet man den Fall, dass
der Zerfall des Radons innerhalb der Probe keine Rolle spielt, d. h. dass die Diffusionslänge groß
gegenüber der Probendicke ist, so vereinfacht sich die Gleichung zu
Φ=ρ λ
ε C
226
d
/2
Rn
⋅ ⋅
Ra-
(3).
Diese konservative Annahme gilt für den Großteil der gemessenen Baustoffe (siehe z. B. [8]).
Der Emanationskoeffizient kann in einfacher Weise mit gekörntem Material bestimmt werden. Dabei
muss gewährleistet sein, dass der Korndurchmesser sehr viel kleiner als die Diffusionslänge
R
ist.
Diese Forderung ist bei einem Korndurchmesser von weniger als 4 mm praktisch immer erfüllt. Um
vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, muss die Emanationsrate bei einem definierten
Feuchtigkeitsgehalt bestimmt werden.
2.2 Messmethode 1: abgeschlossenes Volumen, Szintillationskammern
Primär wird bei diesem Verfahren die Sättigungskonzentration gemessen, die sich nach dem
Einschließen der Pulverprobe in einem gasdichten Volumen einstellt. Die in diesem Luftvolumen
enthaltene Radonaktivität beschreibt im Gleichgewicht den Anteil der vom Radium produzierten
Radonatome, der in das Luftvolumen übergegangen ist.
Nach standardisierter Vorbehandlung des Materials (Zermahlen, Trocknung) wird eine definierte
Menge des gekörnten Materials abgewogen (ca. 200 g), in ein Volumen von ca. 250 ml abgefüllt,
dicht verschlossen und für eine definierte Zeit von mehr als 12 Tagen gelagert. Nach Ablauf dieser
Zeit wird dem Gesamtvolumen durch Absaugung mittels vorevakuierter Szintillationskammer ein
Teilvolumen entnommen. Aus der Messung der Radon-222-Aktivität in der Szintillationskammer kann

Radon in Baumaterialien
Seite 72
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
die gesamte im Probenvolumen vorhandene Radon-222-Aktivität bestimmt werden und daraus
wiederum der Emanationskoeffizient.
Der Vorteil dieser Methode liegt in der relativ hohen Sättigungskonzentration und der damit
verbundenen geringen Messunsicherheit. Problematisch ist die Gewährleistung der Radondichtheit
der Probenbehälter und der mit dem Einstellen des Gleichgewichtes verbundenen Lagerungszeit.
2.3 Messmethode 2: offenes Volumen, Zweifiltermethode
Bei dieser Methode wird der Probenbehälter kontinuierlich mit radonfreiem Stickstoff gespült. Das in
der Probe gebildete Radon wird dabei mit dem Stickstoff in eine Messkammer überführt.
Radonfolgeprodukte, die sich vor der Messkammer gebildet haben, werden durch einen ersten Filter
am Einlass der Messkammer zurückgehalten. Die Radonfolgeprodukte, die sich dann innerhalb der
Kammer bilden, werden auf einem zweiten Filter abgeschieden und mittels eines Halbleiterdetektors
(Oberflächensperrschichtdetektor) alphaspektroskopisch gemessen. Aus der
Radonfolgeproduktmessung kann auf die Radonkonzentration im Stickstoffstrom und weiter auf die
Emanation in der Probe geschlossen werden.
Im Gegensatz zur ersten Methode ist der Einfluss von Undichtigkeiten bei geeigneten
Randbedingungen vollständig auszuschließen. Bei einer Messzeit von 24 Stunden wird eine sehr
geringe untere Nachweisgrenze von ca. 0,24 Bq/m
3
im Stickstoffstrom erreicht. Nachteilig wirkt sich
der hohe Stickstoffverbrauch aus.
3 Ergebnisse
Beide Messverfahren ergaben im Rahmen ihrer Messunsicherheit vergleichbare Werte. Die
Unsicherheit des Messverfahrens mit abgeschlossenem Volumen konnte mit konservativen
Annahmen zu kleiner als 50% abgeschätzt werden, wobei der größte Einzelbetrag zur
Gesamtunsicherheit durch mögliche Leckraten verursacht wird. Die Unsicherheit der offenen Methode
wird durch die geringe nachzuweisende Radonkonzentration im Stickstoffstrom bestimmt und liegt
noch über der Unsicherheit der ersten Methode. Bei beiden Verfahren laufen derzeit umfangreiche
Optimierungsuntersuchungen.
Da die interne Dosis letztendlich von der Innenraumluftkonzentration abhängt, diese wiederum sehr
stark mit den baulichen Gegebenheiten und dem Nutzungsverhalten variiert, wird die Bewertung
üblicherweise für einen hypothetischen Modellraum vorgenommen. Die durch die Exhalation aus
Baustoffen zu erwartende Innenraumkonzentration lässt sich mittels
C
Rn
(4)
aus den Modellraumparametern
gesamte innere Wandfläche A = 38 m
2
Volumen V = 17,4 m
3
Luftwechselzahl
ν =
0,5 h
-1
und der bestimmten Radonexhalationsrate (in Bq/m
2
h) abschätzen.
Die bisher so ermittelten Radonbeiträge an industriellen Baustoffen liegen ausnahmslos unterhalb
von 20 Bq/m
3
und damit – verglichen dem durchschnittlichen geogenen Radonbeitrag in Häusern -

Bernd Hoffmann
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 73
auf einem niedrigen Niveau. Die Schwankungsbreiten innerhalb der Produktgruppen sind dabei sehr
groß. Fliesen, Gipsprodukte, Kalksandstein, Putze, Mörtel, Estriche und Porenbeton führen zu
Radonkonzentrationen von 0 – 4 Bq/m
3
, Ziegel von 1 – 12 Bq/m
3
, Zement, Leichtbeton und Beton von
1 – 18 Bq/m
3
.
Sollen die äußere Exposition und die durch Radon verursachte interne Exposition verglichen werden,
ist die Umrechnung der Radonkonzentration in eine effektive Dosis erforderlich. Der dazu notwendige
Dosiskonversionsfaktor ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Bei Verwendung des
Koeffizienten lt. UNSCEAR 2000 entspricht - bei einer für die Bevölkerung unterstellten
Aufenthaltszeit in Häusern von ca. 7000 Stunden pro Jahr (d. h. 19 Stunden pro Tag) - eine
Radonkonzentration von 40 Bq/m
3
einer effektiven Dosis von 1 mSv/a. Bei Verwendung des
Dosiskoeffizienten gemäß ICRP 65 von 60 Bq/m
3
für 1 mSv/a wären die errechneten Dosen um 1/3
geringer. Ziegel führen damit zu einer geschätzten internen Dosis von bis ca. 0,3 mSv/a, Zement,
Leichtbeton und Beton bis ca. 0,4 mSv/a.
Die externe Exposition kann mittels RP 112 [3] abgeschätzt werden. Bei Ziegeln, Leichtbeton und
Beton wurde eine Dosis zwischen 0,3 und 1 mSv/a ermittelt, für alle anderen Produktgruppen liegt die
externe Dosis unter 0,3 mSv/a.
Für die Mehrzahl der Baumaterialgruppen wurde somit eine Gesamtdosis unterhalb von 1 mSv/a
abgeschätzt. Dieser Wert kann lediglich bei den letzten drei Produktgruppen, die allerdings die
Massenprodukte darstellen, leicht überschritten werden. In keinem Fall wurde eine Gesamtdosis von
2 mSv/a erreicht.
4 Literaturverzeichnis
[1] Richtlinie des Rates vom 21. Dezember 1988 zur Angleichung der Rechts- und
Verwaltungsvorschriften der Mitgliedsstaaten über Bauprodukte (89/106/EWG), geändert durch
die Richtlinie des Rates 93/68/EWG vom 22. Juli 1993
[2] Gesetz über das Inverkehrbringen von und den freien Warenverkehr mit Bauprodukten zur
Umsetzung der Richtlinie 89/106/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 zur Angleichung der
Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedsstaaten über Bauprodukte vom 10.August 1992
[3] Radiation Protection 112 „Radiological protection principles concerning the natural radioactivity of
building materials“, European Commission, Internet:
http://ec.europa.eu/energy/nuclear/radioprotection/publication/doc/112_en.pdf
(besucht am 19. 8.
2008)
[4] Regulation of the council of ministers of 2 January 2007 on the requirements imposed on the
content of natural radioisotopes: potassium K-40, radium Ra-226 and thorium Th-228 in raw
materials and materials applied in buildings for the accommodation of people and livestock, and in
industrial waste applied in construction, and the control of radioisotope content. Journal of Laws
No. 4, Item 29, Internet:
http://www.paa.gov.pl/en/?frame=1.2
(besucht am 19. 8. 2008)
[5] Österreichisches Normungsinstitut ÖNORM S 5200, Radioaktivität in Baustoffen, 1. 4. 1996
[6] NEN 5699, Radioactivity measurements – Determination method of the rate of the radon
exhalation of dense building materials, Nederlands Normalisatie-instiuut, 2001
[7] Musterbauordnung (MBO), Internet:
http://www.bauordnungen.de/html/musterbauordnung.html
(besucht am 19. 8. 2008)
[8] G. Keller, B. Hoffmann, T. Feigenspan, Radon permeability and radon exhalation of building
materials. The Science of the Total Environment, 272, p. 85-89, 2001
[9] K. Kovler, Radon exhalation of hardening concrete: monitoring cement hydration and prediction
of radon concentration in construction site, Journal of Environmental Radioactivity, 86 p. 354-366,
2006

Radon in Baumaterialien
Seite 74
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
[10] C. Ferry, P. Richon, A. Beneito, J. Cabrera, J.-C. Sabroux, An experimental method for measuring
the radon-222 emanation factor in rocks, Radiation Measurements, 35(6), p. 579 – 583, 2002
[11] N.D. Chau, E. Chruściel, Ł. Prokólski, Factors controlling measurements of radon mass
exhalation rate, Journal of Environmental Radioactivity, 82, p. 363-369, 2005
[12] N.P. Petropoulos, M. J. Anagnostakis, S. P. Simopoulos, Building materials radon exhalation rate:
ERRICCA intercomparison exercise results, The Science of the Total Environment, 272, p. 109-
118, 2001.
[13] K.-H. Folkerts, Theoretische und experimentelle Untersuchungen über Diffusion und Exhalation
der natürlich radioaktiven Edelgase
222
Rn (Radon) und
220
Rn (Thoron) aus Baustoffen und deren
praktische Bedeutung für die Strahlenexposition in Wohnräumen, Dissertation, Universität des
Saarlandes, 1983
[14] C. Samuelsson, H. Pettersson, Exhalation Of
222
Rn from Porous Materials, Radiation Protection
Dosimetry, 7 (1-4), p. 95-100, 1984.
[15] J. Porstendöfer, Properties and behaviour of radon and thoron and their decay products in the air,
Journal of Aerosol Science, 25, p. 219-263, 1994

Flesch, Hermann, Jobski, Leißring, Löbner, Schulz
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 75
NEUE ASPEKTE DER RADONMESSUNG IN GEBÄUDEN
NEW ASPECTS OF THE RADON MEASUREMENT IN BUILDINGS
Flesch
1
, Hermann
2
, Jobski
2
, Leißring
3
, Löbner
4
, Schulz
1
in alphabetischer Folge
1
) IAF – Radioökologie GmbH
2
) B.P.S. Engineering GmbH
3
) Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX
4
) Wismut GmbH
Zusammenfassung
Durch das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie wurden die Firmen IAF - Radioökologie
GmbH, WISMUT GmbH, Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX und B.P.S. Engineering GmbH
mit der Studie „Radon in öffentlichen Gebäuden“ beauftragt. In der Studie wurden 6 Gebäude, d.h. je
zwei Rathäuser, Ortsämter und Schulen mit unterschiedlichen Gebäudetypen und Nutzungsarten
untersucht. Im Ergebnis der komplexen Untersuchungen wird ein Vorschlag zum Radon-Screening in
öffentlichen Gebäuden vorgestellt, der sowohl aktive Messungen mit Radonmonitoren, passive
integrierende Langzeitmessungen als auch integrierende Langzeitmessungen in den Zeitfenstern
„Arbeitszeit“ und „nicht Arbeitszeit“ integriert. In der Auswertung wird gezeigt, dass die Ergebnisse der
integrierenden Langzeitmessungen die Arbeitszeit zu ca. 20 % beinhalten und das Gesamtergebnis
durch die restliche Zeit von ca. 80% außerhalb der Arbeitszeit maßgeblich beeinflusst wird. Die
Untersuchungen zeigen, dass diese Messungen eine worst-case Situation darstellen und zur
Ableitung von Expositionen und möglichen Maßnahmen ungeeignet sind. Das vorgestellte
Bewertungsschema bietet die Möglichkeit, diese integrierenden Langzeitmessungen entweder sofort
oder durch ergänzende Messungen als Bewertungsgrundlage nutzen zu können. Für zukünftige
Radon-Screening-Messungen werden aus den Untersuchungen sinnvolle Methoden abgeleitet. Es
wird darauf hingewiesen, dass das Bewertungsschema einen Vorschlag für die weitere
Vorgehensweise darstellt, die jedoch durch weitere Untersuchungen an öffentlichen Gebäuden mit
anderen Nutzungsszenarien validiert werden muss.
Summary
The companies IAF - Radioökologie GmbH, WISMUT GmbH, Bergtechnisches Ingenieurbüro
GEOPRAX and B.P.S. Engineering GmbH were instructed with the study „radon in public buildings“
by the Saxon regional authority for environment and geology. In that study 6 buildings, i.e. two city
halls, local offices and schools with different building types and kinds of utilisation were examined. In
the result of the complex investigations a proposal is introduced to the Radon-Screening in public
buildings which integrates active measurements with radon monitors, passive integrating long time
measurements as well as integrating long time measurements in the time windows "working hours"
and „non - working hours“. In the evaluation it is shown that the results of the integrating long time
measurements the working hours are contained to approx. 20% and the whole result is decisively
influenced by the remaining time of approx. 80% beyond the working hours. The investigations show
that these measurements display a worst-case situation and are inexpedient for the derivation of
expositions and possible measures. The introduced assessment pattern offers the possibility to be
able to use these integrating long time measurements either immediately or by complementary

Neue Aspekte der Radonmessung in Gebäuden
Seite 76
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
measurements as a basis of evaluation. For future radon screening measurements sensible methods
are derived from the investigations. It is pointed out to the fact that the assessment pattern shows a
proposal for the other approach which must be validated, nevertheless, by other investigations in
public buildings with other scenarios of utilisation.
1 Vorbemerkungen
Die Firmen IAF - Radioökologie GmbH, WISMUT GmbH, Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX
und B.P.S. Engineering GmbH wurden als Bietergemeinschaft im Rahmen eines Werkvertrages
durch das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) beauftragt, das Vorhaben "Radon
in öffentlichen Gebäuden" zu bearbeiten.
Nachdem in Sachsen schon verschiedene Projekte zur Erfassung der Radonsituation in
Wohngebäuden durchgeführt wurden, sollte im Rahmen dieses Vorhabens die Situation in
öffentlichen Gebäuden untersucht werden, da sich diese wegen der spezifischen
Nutzungsbedingungen von Wohngebäuden unterscheiden. Nachfolgend werden die wichtigsten
Ergebnisse diese Studie dargestellt.
In der Abb. 1sind beispielhaft die Ergebnisse für einen Büroraum im 2. Obergeschoss dargestellt. Es
ist im linken Bild klar zu erkennen, dass immer mit Beginn der Arbeitszeit die Radonkonzentration im
Zimmer stark abfällt, während sie nach Feierabend wieder ansteigt. Dieser Sachverhalt ist in der
rechten Abbildung anhand des gemittelten Tagesgangs in prägnanter Weise ablesbar. Zu Beginn der
Arbeitszeit (etwa 8 Uhr) fällt die Radonkonzentration im Raum von knapp 200 Bq/m³ auf Werte von
ca. 50 Bq/m³. Nach Feierabend, wenn die Türen und Fenster geschlossen sind, steigt die
Radonkonzentration wieder an und erreicht zu Arbeitsbeginn den höchsten Wert.
Einen weiteren Einblick in das Systemverhalten des gesamten Gebäudes liefert die mittlere
Radonkonzentration an Wochenenden und Feiertagen. Zwei Merkmale dieser Darstellung sind
bedeutsam. Zuerst ist zu konstatieren, dass die mittlere Radonkonzentration höher liegt als während
der arbeitsfreien Stunden an gewöhnlichen Arbeitstagen. Viel wichtiger ist jedoch die Erkenntnis,
dass an den Wochenenden, wenn keine Nutzung besteht, die Radonkonzentration, verglichen zu den
Arbeitstagen, annähernd konstant ist. Dies kann nur dadurch entstehen, dass sich ohne die direkte
Nutzung im Raum eine Art von Fließgleichgewicht ausbilden kann, dass sich aus dem Radonreservoir
des Hauses und den bei geschlossenen Türen und Fenstern bestehenden Luftwechsel einstellt.
Abb. 1:
Beispielhafte Darstellung des Radon-Zeitverlaufes und des Radon-Tagesgangs
Die Durchführung von Radon-Screenings in öffentlichen Gebäuden und der Bewertung der
Messergebnisse beruht auf den Ergebnissen zu ausgewählten Gebäudetypen und Nutzungsarten. Es
wurden 6 Gebäude, d.h. je zwei Rathäuser, Ortsämter und Schulen untersucht. Es ist vom
gegenwärtigen Sachstand denkbar, dass die im Rahmen des Projekts "Radon in öffentlichen
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
18.06.06
25.06.06
02.07.06
Rn-222 [Bq/m³]
2. OG O8H1R209
Radon-Zeitverlauf
0
50
100
150
200
250
300
350
0:00
6:00
12:00
18:00
0:00
Rn-222 [Bq/m³]
2. OG O8H1R209
Arbeitsfreie Tage und Wochenenden
Arbeitstage ohne Nutzung
Arbeitszeit an Werktagen
Radon-Tagesgang

Flesch, Hermann, Jobski, Leißring, Löbner, Schulz
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 77
Gebäuden" gewonnenen Erkenntnisse auch auf andere Typen von öffentlichen Gebäuden wie
Krankenhäuser, Büro- und Verwaltungsgebäude, Kindergärten etc. verallgemeinert werden können.
Diese Verallgemeinerung müsste jedoch durch entsprechende Untersuchungen belegt werden. Im
Folgenden wird aufbauend auf den durchgeführten Untersuchungen eine vereinfachte
Herangehensweise vorgeschlagen, wie bei Radon-Screenings in öffentlichen Gebäuden und der
Bewertung der Messergebnisse vorgegangen werden sollte.
2
Festlegung einer geeigneten Anzahl der Messpunkte
Es ist im Sinne einer Screening-Messung nicht erforderlich, in jedem Raum zu messen. Eine
Mindestanzahl
der Messpunkte N
MP
ergibt sich, wenn
in jeder Etage und im Keller jeweils in 3 Räumen gemessen wird.
Bei großen Gebäuden könnte eine statistische Anpassung an die Gesamtraumzahl der Räume N
R
zielführend sein:
Falls mehr als 50 Räume vorhanden sind, kann die Anzahl der Messpunkte nach
N
MP
=
2 N
R
abgeschätzt werden, wobei N
R
die Anzahl aller Räume des Gebäudes ist.
Bei N=36 Räumen, sollten in etwa 12 Räumen Radon-Screening-Messungen
durchgeführt werden, bei N=100 etwa in 20 Räumen.
3
Messdauer und Messmethode
Die Messdauer und die Messmethode hängen stark von der Nutzung des Raums ab. Die
Raumnutzung sollte im Vorfeld der Messungen durch entsprechende Befragungen oder Recherchen
spezifiziert werden. Es werden 4 Varianten diskutiert, die gegenwärtig praktiziert werden, um die
Radonsituation in öffentlichen Gebäuden zu erfassen:
Variante (1) Zeitauflösende Messungen mit Radonmonitoren,
Variante (2) Passive Messungen der Radonkonzentration mit Hilfe von Kernspurdetektoren,
Variante (3) Passive Messungen der Radonkonzentration mit Hilfe von Kernspurdetektoren
während und außerhalb der Arbeitszeit,
Variante (4) Kombination der Variante (1) mit den Varianten (2) und (3).
3.1 Variante (1) Zeitauflösende Messungen mit Radonmonitoren
In möglichst vielen Räumen zeitauflösend die Radonkonzentration über einen Zeitraum von ca. 10
Tagen messen, wobei nach Möglichkeit zwei Wochenenden eingeschlossen sein sollten.
Vorteil
: Die Variante (1) ist sehr differenziert einsetzbar, kann aber auch wegen der Bereitstellung der
Radonmessgeräte und dem damit verknüpften Handling kostenintensiv sein. Es hat sich gezeigt,
dass bei Erfassung des Gesamtsystemverhaltens des Gebäudes eine Messung im 10-Minuten- oder
1-Stunden-Rhythmus von ca. 10 Tagen (2 Wochenenden eingeschlossen) ausreichend ist, die
tatsächliche Exposition während der Arbeitszeit realistisch abzuschätzen. Diese Methode liefert
überdies genaue Aussagen über das Wechselspiel von Radonkonzentration und Nutzungsverhalten
und ermöglicht, die Ursachen hoher Radonkonzentrationen zu erkennen und Problemlösungen

Neue Aspekte der Radonmessung in Gebäuden
Seite 78
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
anzustreben. Die Aussagekraft dieser Methode wurde im Rahmen des Projekts "Radon in öffentlichen
Gebäuden" detailliert untersucht.
Nachteil
: Wegen der Kosten für einen Radonmonitor und den Kosten für Auf- und Abbau der Geräte
sind zeitauflösende Messungen für ein Radon-Screening in großen öffentlichen Gebäuden nur in
Ausnahmefällen finanziell zu vertreten. Für das Verstehen der allgemeinen Radonsituation in einem
Gebäude und der Ableitung von Sanierungsmaßnahmen sind sie jedoch unverzichtbar.
3.2 Variante (2) Passive Messungen der Radonkonzentration mit Hilfe von
Kernspurdetektoren
In möglichst vielen Räumen die Radonkonzentration über einen Zeitraum von 1 - 3 Monaten mit Hilfe
von Kernspurdetektoren messen.
Vorteil
: Die Variante (2) ist sehr kostengünstig. Deshalb kann die mittlere Radonkonzentration in
vielen Räumen eines Gebäudes gemessen werden.
Nachteil
: In öffentlichen Gebäuden oder Schulen sind Räume nur etwa 20% der Zeit genutzt, so dass
die Radonsituation in der arbeitsfreien Zeit den weitaus größten Beitrag zum gemessenen Mittelwert
liefert. Da jedoch nur zeitgemittelte Radonkonzentrationswerte für die untersuchten Räume für den
gesamten Zeitraum zur Verfügung stehen, kann mit der Variante (2) nur eine beschränkte Information
über die tatsächliche Expositionssituation während der Raumnutzung gewonnen werden. Keine
Aussagen zur Identifikation von Quellen im Sanierungsfall möglich.
Bemerkung
: Die Untersuchungen im Rahmen des Projekts "Radon in öffentlichen Gebäuden"
zeigten, dass dennoch mit Variante (2) unter Einbeziehung der Nutzungsgewohnheiten eine
Relativierung der gemessenen Langzeitmittelwerte der Radonkonzentrationen vorgenommen werden
kann (siehe Kap. 5).
3.3 Variante (3) Passive Messungen der Radonkonzentration mit Hilfe von
Kernspurdetektoren während und außerhalb der Arbeitszeit
In möglichst vielen Räumen eines Gebäudes die Radonkonzentration über einen Zeitraum von 1 - 3
Monaten separat während und außerhalb der Arbeitszeit mit Hilfe von Kernspurdetektoren in zwei
unterschiedlichen Zeitregimen zu messen.
Vorteil
: Die Variante (3) ist sehr kostengünstig und erfasst die tatsächliche Exposition sehr sicher,
wenn die Expositionszeit mit der vorprogrammierten Schaltzeit übereinstimmt.
Nachteil
: Die Kernspurdetektoren müssen in ein batteriegetriebenes Schaltmodul positioniert werden,
um eine separate Exposition der Detektoren zu garantieren. Keine Aussagen zur Identifikation von
Quellen im Sanierungsfall möglich.
Bemerkung
: Die Variante (3) erfasst die tatsächliche Exposition sehr sicher, wenn die Expositionszeit
mit der vorprogrammierten Schaltzeit übereinstimmt. Sie ist in vielerlei Hinsicht aus ökonomischen
Gründen alternativlos. Die Schaltmodule können wiederverwendet werden.
3.4 Variante (4) Kombination der Variante (1) mit den Varianten (2) und (3)
In ausgewählten Räumen zeitauflösend die Radonkonzentration im 10-Minuten- oder 1-Stunden-
Rhythmus über einen Zeitraum von ca. 10 Tagen messen, wobei nach Möglichkeit zwei
Wochenenden eingeschlossen sein sollten. Gleichzeitig wird in diesen und anderen Räumen die
mittlere Radonkonzentration mit Hilfe von Kernspurdetektoren über den gesamten

Flesch, Hermann, Jobski, Leißring, Löbner, Schulz
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 79
Untersuchungszeitraum (Variante (2)) oder mit den Schaltmodulen (Variante (3)) separat während
und außerhalb der Arbeitszeit gemessen.
Vorteil
: Die Variante (4) ist sehr differenziert einsetzbar. Ihre Aussagekraft hinsichtlich der tatsächlich
zu veranschlagenden Radonexposition wurde im Rahmen des Projekts "Radon in öffentlichen
Gebäuden" sehr detailliert untersucht und stellt nach den vorliegenden Erkenntnissen die
Vorzugslösung dar, die Gesamtradonsituation zu erfassen. Diese Variante liefert wie Variante (1) die
erforderlichen Aussagen über das Wechselspiel von Radonkonzentration und Nutzungsverhalten und
ermöglicht, Ursachen hoher Radonkonzentrationen zu erkennen und Problemlösungen anzustreben.
Nachteil
: Die Variante (4) ist für einen Routinebetrieb und generelles Radon-Screening wegen des
möglichen Kostenfaktors (Bereitstellung von Radonmonitoren) weniger geeignet. Für das Verstehen
der allgemeinen Radonsituation in einem Gebäude und der Ableitung von Sanierungsmaßnahmen ist
ein Vorgehen, wie durch Variante (4) vorgeben, die Methode der Wahl.
4 Zusatzinformation zu den jeweiligen Räumen
Für die Bewertung der Radonsituation ist eine Reihe von Zusatzinformationen erforderlich, die
nachfolgend aufgelistet sind:
Wie oft wird der Raum genutzt?
Regelmäßige Nutzung: ca. 40 Std. pro Woche oder mehr
Sporadische Nutzung: < 10 Std. pro Woche
Seltene Nutzung: < 2 Std. pro Woche
Charakterisierung des Raums
Fenster werden nachts immer verschlossen,
Türen am Tag geöffnet,
Fenster am Tage angekippt,
Lüftungssysteme vorhanden,
sichtbare lufttechnische Anbindungen zu anderen Räumen bestehen,
etc.
Charakterisierung des Gebäudes
Alter und Lage des Gebäudes,
Aufbau des Gebäudes,
etc.
5
Bewertung der Messergebnisse und Handlungsschema
Es wird davon ausgegangen, dass nach Abschluss der Messung mit Hilfe von Kernspurdetektoren
(vgl. Variante (2)) von mehreren Wochen oder Monaten ein mittlerer Radonkonzentrationswert C
Rn
für
die Gesamtzeit vorliegt. Diese Radonkonzentration enthält a priori keine Information über die Höhe
der Radonkonzentration, die während der Arbeitszeit zu veranschlagen ist und ob tatsächlich ein
Radonrisiko besteht. Es wird vorgeschlagen, einen Schwellenwert C
SW
zu betrachten, der festlegt, ob
vertiefende Untersuchungen zur Erfassung der Radonexpositionssituation während der Arbeitszeit
erforderlich sind oder nicht.
Ist
C
Rn
< C
SW
, sind keine vertiefenden Untersuchungen erforderlich, d.h. es ist beim
Unterschreiten des Schwellenwerts davon auszugehen, dass auch während der

Neue Aspekte der Radonmessung in Gebäuden
Seite 80
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
Arbeitszeit durch die durch die Raumnutzung bedingte Absenkung der
Radonkonzentration ein Auftreten eines Radonrisikos nicht zu besorgen ist.
Ist
C
Rn
> C
SW
, können entweder pauschale oder detailliertere Bewertungen der
Radonsituation durchgeführt werden. Grundvoraussetzung ist jedoch in jedem Fall, dass
das Systemverhalten des Gebäudes bzw. des betrachteten Raums qualitativ verstanden
ist.
Handelt es sich z.B. um einen Typ von Gebäude, über den bereits Erfahrungswerte vorliegen, könnte
auf zusätzliche zeitauflösende Kurzzeitmessungen mit Radonmonitoren (ca. über eine Woche) in
ausgewählten Räumen verzichtet werden. Falls keine Erfahrungswerte vorliegen, sollten in
Abhängigkeit von den Messergebnissen der Langzeitmessungen nachträglich Informationen über das
Systemverhalten des Gebäudes hinsichtlich des Radontransports und des Luftwechsels gewonnen
werden. Es ist davon auszugehen, dass mit dem Anwachsen der Anzahl der
Untersuchungsergebnisse über unterschiedlichste öffentliche Gebäude auch der Grad der
Pauschalierung stetig anwachsen kann.
Regelmäßige Nutzung
Eine regelmäßige Raumnutzung liegt vor, wenn der Raum mindestens oder ca. 40 Std. pro Woche
genutzt wird. Für die Abschätzung der Radonexposition wird die während der Aufenthaltszeit
(Arbeitszeit) zu veranschlagende Radonkonzentration <C
Rn
> im Raum (als Schätzwert) aus dem
Ergebnis der Langzeitmessung C
Rn
wie folgt berechnet:
Rn
C
Rn
m
Bq
<
C
>= −α ⋅
+α⋅
³
(1 ) 30
(1)
Der erste Term berücksichtigt, dass die Radonkonzentration im Raum nicht unter die der Außenluft
fallen kann, für die hier 30 Bq/m³ angenommen wurde. Der Parameter
α
ist eine empirisch zu
bestimmende Größe, die zwischen null und eins variiert. Sie wird durch den während der Arbeitszeit
herrschenden Luftwechsel und die Kopplung des Raums an das Radonreservoir des Gebäudes
bestimmt. Bei großen Luftwechseln tendiert
α →
0, bei Nichtnutzung des Raums
α →
1, so dass
beide wichtigen Grenzfälle erfasst sind. Beispielhaft wird im Folgenden
α ≈
0.5 betrachtet. Welcher
Faktor tatsächlich zu berücksichtigen ist, der auch gleichzeitig ein gewisses Maß an Konservativität
enthält, können nur weiterführende Untersuchungen zeigen.
Ist beispielhaft im Langzeitmittel (4 - 12 Wochen) eine Radonkonzentration von C
Rn
= 200 Bq/m³ in
einem Raum gemessen worden, wird nach Gl. (1) die während der Aufenthaltszeit zu
veranschlagende Radonkonzentration mit <C
Rn
>
115 Bq/m³ abgeschätzt. Erst bei einer
Langzeitradonkonzentration von ca. 400 Bq/m³ würde bei einem regelmäßig genutzten Raum die für
die Arbeitszeit zu veranschlagende Radonkonzentration etwa 200 Bq/m³ erreichen.
Im Ergebnis der hier durchgeführten Abschätzungen könnte ein Schwellenwert von C
SW
400 Bq/m³
eingeführt werden. Die Fortführung der Untersuchungen und Berücksichtigung weiterer empirischer
Daten könnte die Schwankungsbreite des Schwellenwerts, die mit der Raumnutzung eng verknüpft
ist, weiter eingrenzen.
Sporadische oder seltene Nutzung
Eine sporadische oder seltene Raumnutzung liegt vor, wenn der Raum weniger als 10 Stunden in der
Woche genutzt wird. In dem Fall sollte für die Abschätzung der Radonexposition die zu
veranschlagende Radonkonzentration <C
Rn
> während der Aufenthaltszeit (Arbeitszeit) im Raum nach
folgender zu Gl. (1) komplementärer Näherung berechnet werden:
Rn
C
Rn
m
Bq
<
C
>=
−β ⋅
+β⋅
³
(1 ) 30
(2)

Flesch, Hermann, Jobski, Leißring, Löbner, Schulz
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 81
Erste Auswertungen zeigen, dass der Parameter
β
bei 0,8 anzusiedeln ist. Ist z.B. im Langzeitmittel
(4 - 6 Wochen) C
Rn
= 250 Bq/m³ gemessen worden, ergibt sich für die Radonkonzentration während
der Aufenthaltszeit ein Wert von <C
Rn
>
200 Bq/m³. Auch hier wird die Zukunft zeigen, welcher
Faktor tatsächlich anzuwenden ist, der auch gleichzeitig ein gewisses Maß an Konservativität enthält.
Das höchste Maß an Konservativität wird erreicht, wenn der Langzeitmittelwert berücksichtigt wird.
Die Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass bereits sehr kurze Lüftungsmaßnahmen zu einem
signifikanten Absenken der während der Arbeitszeit zu veranschlagenden Radonkonzentration führen
können. Die dargestellte Vorgehensweise ist schematisch in der Abb. 2 dargestellt.
Messdauer
t
M
, Messmethode
t
M
= 4 - 12 Wochen (Sommer u. Winter),
Festkörperkernspurdosimeter (FKSD)
Geeignete Anzahl von Messpunkten
n
M
Raumzahl N < 50
Raumzahl N > 50
z. B. N = 75
n
MP
20
n
MP
=
2
N
R
n
MP
3 je Etage
Bewertung der Ergebnisse
keine weiteren
Untersuchungen erforderlich
C
Rn
< C
SW
C
Rn
100 Bq/m³
regelmäßig
Nutzung
sporadisch, selten
Rn
C
Rn
m
Bq
<
C
>=
−β ⋅
+β⋅
³
(1
) 30
mit
β:
0,75 bis 1
Zusatzinformationen zu den jeweiligen Räumen
Nutzungszeit
40 Std./Woche (
regelmäßig
),
< 10 Std./Woche (
sporadisch
),
< 2 Std./Woche (
selten
)
Nutzungsmerkmale
Lüftungsverhalten
Lüftungssystem vorhanden
Anbindung zu anderen Räumen
Charakterisierung des Gebäudes
(Alter, Lage ...)
Rn
C
Rn
m
Bq
<
C
>= −α ⋅
+α⋅
³
(1
) 30
Erfahrungswert
für
α
α:
0,25 bis 0,75
Messergebnis c
Rn
Mittelwert während der gesamten Messzeit
Anwendung eines
Schwellenwertes C
SW
Bestimmung von
α
,
raumspezifisch
<
C
Rn
>
Mittelwert während Arbeitszeit
³
30
³
30
m
Bq
C
m
Bq
C
Rn
Rn
<
>−
α=
Beispiel:
c
Rn
= 250 Bq/m³
<C
Rn
>
90 Bq/m³
α
= 0,25
Beispiel:
c
Rn
= 300 Bq/m³
<C
Rn
>
=255 Bq/m³
β
= 0,75
Messdauer
t
M
, Messmethode
t
M
= 4 - 12 Wochen (Sommer u. Winter),
Festkörperkernspurdosimeter (FKSD)
Messdauer
t
M
, Messmethode
t
M
= 4 - 12 Wochen (Sommer u. Winter),
Festkörperkernspurdosimeter (FKSD)
Geeignete Anzahl von Messpunkten
n
M
Raumzahl N < 50
Raumzahl N > 50
z. B. N = 75
n
MP
20
n
MP
=
2
N
R
Raumzahl N < 50
n
MP
3 je Etage
Raumzahl N > 50
z. B. N = 75
n
MP
20
n
MP
=
2
N
R
n
MP
3 je Etage
Bewertung der Ergebnisse
keine weiteren
Untersuchungen erforderlich
C
Rn
< C
SW
keine weiteren
Untersuchungen erforderlich
C
Rn
< C
SW
C
Rn
100 Bq/m³
regelmäßig
Nutzung
sporadisch, selten
Rn
C
Rn
m
Bq
<
C
>=
−β ⋅
+β⋅
³
(1
) 30
mit
β:
0,75 bis 1
Zusatzinformationen zu den jeweiligen Räumen
Nutzungszeit
40 Std./Woche (
regelmäßig
),
< 10 Std./Woche (
sporadisch
),
< 2 Std./Woche (
selten
)
Nutzungsmerkmale
Lüftungsverhalten
Lüftungssystem vorhanden
Anbindung zu anderen Räumen
Charakterisierung des Gebäudes
(Alter, Lage ...)
Zusatzinformationen zu den jeweiligen Räumen
Nutzungszeit
40 Std./Woche (
regelmäßig
),
< 10 Std./Woche (
sporadisch
),
< 2 Std./Woche (
selten
)
Nutzungsmerkmale
Lüftungsverhalten
Lüftungssystem vorhanden
Anbindung zu anderen Räumen
Charakterisierung des Gebäudes
(Alter, Lage ...)
Rn
C
Rn
m
Bq
<
C
>= −α ⋅
+α⋅
³
(1
) 30
Rn
Rn
C
m
Bq
<
C
>= −α ⋅
+α⋅
³
(1
) 30
Erfahrungswert
für
α
α:
0,25 bis 0,75
Erfahrungswert
für
α
α:
0,25 bis 0,75
Messergebnis c
Rn
Mittelwert während der gesamten Messzeit
Anwendung eines
Schwellenwertes C
SW
Bestimmung von
α
,
raumspezifisch
<
C
Rn
>
Mittelwert während Arbeitszeit
³
30
³
30
m
Bq
C
m
Bq
C
Rn
Rn
<
>−
α=
Bestimmung von
α
,
raumspezifisch
<
C
Rn
>
Mittelwert während Arbeitszeit
³
30
³
30
m
Bq
C
m
Bq
C
Rn
Rn
<
>−
α=
Beispiel:
c
Rn
= 250 Bq/m³
<C
Rn
>
90 Bq/m³
α
= 0,25
Beispiel:
c
Rn
= 250 Bq/m³
<C
Rn
>
90 Bq/m³
α
= 0,25
Beispiel:
c
Rn
= 300 Bq/m³
<C
Rn
>
=255 Bq/m³
β
= 0,75
Beispiel:
c
Rn
= 300 Bq/m³
<C
Rn
>
=255 Bq/m³
Beispiel:
c
Rn
= 300 Bq/m³
<C
Rn
>
=255 Bq/m³
Beispiel:
c
Rn
= 300 Bq/m³
<C
Rn
>
=255 Bq/m³
β
= 0,75
Abb. 2:
Vorgehensweise bei der Durchführung von Radon-Screenings in öffentlichen Gebäuden und
der Bewertung der Messergebnisse

Neue Aspekte der Radonmessung in Gebäuden
Seite 82
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
6 Zusammenfassung/Fazit
Die Untersuchungen im Rahmen des Projekts "Radon in öffentlichen Gebäuden" haben zu dem
Tatbestand geführt, dass die Radonkonzentration in einem Raum teils drastisch abgesenkt wird,
wenn durch die Nutzung bereits ein geringer Luftwechsel induziert wird. Es wird deshalb
vorgeschlagen, einen Schwellenwert C
SW
für die Langzeitmessungen zu betrachten, der festlegt, ob
vertiefende Untersuchungen zur Erfassung der Radonexpositionssituation während der Arbeitszeit
erforderlich sind oder nicht. Das hier diskutierte Bewertungsschema ist ein erster Vorschlag, wie eine
Bewertung der durch eine Langzeitmessung gewonnenen Radonkonzentrationen unter
Berücksichtigung der Nutzungseigenschaften in einfachster Form vorgenommen werden könnte. Die
zukünftigen Untersuchungsergebnisse werden zeigen, ob eine einfache Pauschalierung der
Langzeitmessergebnisse möglich ist oder nicht.
Wird jedoch die Langzeitradonkonzentration gemäß Variante (3) bestimmt, sind die hier
durchgeführten Abschätzungen für eine Pauschalierung nicht erforderlich, da für die zwei Zeitregime,
d.h. während der Arbeitszeit und außerhalb der Arbeitszeit, separate Mittelwerte der
Radonkonzentration vorliegen. Mit Hilfe dieser Werte kann der Schwellenwert C
SW
und die Parameter
α
und
β
direkt bestimmt werden. Gegenüber der herkömmlichen Methode der Langzeitmessung mit
Kernspurdetektoren würden sich in längerer Sicht die Kosten verdoppeln, da die notwendigen
Schaltmodule wiederverwendet werden können.

Bettina Gabriel
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 83
RADON IN DER ÖFFENTLICHEN BAUVERWALTUNG DES
FREISTAATES SACHSEN
RADON IN THE PUBLIC ADMINISTRATION OF CONSTRUCTION OF
THE FREE STATE OF SAXONY
Bettina Gabriel
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Zentrale, Dresden
Zusammenfassung
Der Staatsbetrieb SIB als ein kompetenter und fachkundiger Bauherr und als einer der größten
Immobilienverwalter im Freistaat Sachsen muss sich bei der Umsetzung der an ihn gestellten
Bauaufgaben auch des Themas ‚Radon’ annehmen. Dabei steht an erster Stelle die gezielte
Information und fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, um eventuell bestehende
Hemmschwellen abzubauen. Bewährt hat sich dabei die sehr gute Zusammenarbeit mit dem SMUL
und der Beratungsstelle für Radongeschütztes Bauen in Bad Schlema. Ein Zusammenwirken der am
Planungs- und Bauprozess beteiligten freiberuflich tätigen Architekten und Ingenieure und der
bauausführenden Firmen und dem Nutzer ist dabei unerlässlich. Die innerbetriebliche
Herangehensweise und der Umgang mit dem Thema soll im Bericht dargestellt werden.
Summary
The state enterprise SIB as a competent and skilled developer and as one of the biggest real estate
governors in the Free State of Saxony must take care with the conversion of the construction tasks
set to him also of the subject‚ radon’. Besides, the specific information and technical analysis with the
subject stands, firstly to diminish, perhaps, existing inhibition thresholds. Besides, there has proved
itself the very good cooperation with the SMUL and the advice centre for radon-protected construction
in Bad Schlema. A cooperation in the planning trial and construction trial involved freelance active
architect and engineers and the construction-executive companies and the user, besides, is essential.
The in-plant approach and the contact with the subject should be shown in the report.
1 Der Staatsbetrieb SIB
Mit der Errichtung des Staatsbetriebes SIB zum 1. Januar 2003 ist er für die Unterbringung der
staatlichen Behörden, für die Staatshochbaumaßnahmen des Freistaates, die Hochbaumaßnahmen
des Bundes und Dritter und für die Ausübung aller Eigentümerfunktionen, wie Grundstücksverkehr,
Grundstücksverwaltung und die Bewirtschaftung zuständig und in gleichem Maße für die
Immobilienverwertung landeseigener Liegenschaften und Gebäude.

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Radon in der öffentlichen Bauverwaltung des Freistaates Sachsen
Seite 84
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
Mit einem Bauvolumen von ca. 465 Mio. EUR im Landes- und Hochschulbau (Tab. 1) ist der
Staatsbetrieb SIB ein kompetenter Bauherr und übernimmt die Aufgabe der Bauherrenfunktion für die
Ministerien des Freistaates und ihrer nachgeordneten Einrichtungen.
Tab. 1:
Bauausgaben des SIB nach Kategorien in Mio. EUR
Kategorie
Bauausgaben
in Mio. EUR
Bildung 193,5
Soziales 22,7
Kulturbau 23,4
Justizvollzugsanstalten 26,6
Gerichte 10,3
Polizei 30,7
Schlösser/Burgen
27,5
Verwaltungsgebäude
71,4
Hochwasser 6,9
Energieeffizienzmaßnahmen 10,0
Bundesbau 41,9
Im Jahr 2007 wurden im Rahmen des Immobilienmanagements ca. 3.400 Gebäude mit ca. 4,2 Mio.
m² Nutzfläche verwaltet. Damit ist der Staatsbetrieb SIB einer der größten Immobilienverwalter im
Freistaat.
Der Staatsbetrieb ist mit der Zentrale und seinen 7 Niederlassungen flächendeckend über den
gesamten Freistaat verteilt (Abb. 1) und kann so seinen Kunden beratend zur Seite stehen und die
ihm übertragenden Bauherrenaufgaben effizient erledigen.
Abb 1:
Zuständigkeitsbereich des SIB

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Bettina Gabriel
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 85
In der Funktion als fachkundiger öffentlicher Bauherr übernimmt der Staatsbetrieb SIB auch eine
Vorbild- und Leitfunktion, sei es für den Erhalt des kulturellen Erbes, der zeitgenössischen Baukultur
oder aber als fairer Partner des Baugewerbes und der freiberuflich tätigen Architekten und
Ingenieure. Ein Credo dabei ist die Beachtung normgerechter Bauweisen sowie in diesem
Zusammenhang stehend wirtschaftliches und nachhaltiges Bauen.
2
Das Radonpotential in Sachsen und dessen Auswirkung auf den
Staatsbetrieb SIB
Wie schon ausgeführt, erstreckt sich der Zuständigkeitsbereich des Staatsbetriebes SIB
flächendeckend über ganz Sachsen. Die Radonkarte für den Freistaat Sachsen [1], in der die
Radonkonzentration der Bodenluft dargestellt wird (Abb. 2), macht deutlich, dass das Thema ‚Radon’
auch vom Staatsbetrieb SIB fast flächendeckend in unterschiedlichen Abstufungen und
Konzentrationen zu betrachten ist.
Anhand der Karte ist erkennbar, dass speziell in den Niederlassungen Zwickau, Chemnitz, Leipzig
und auch Dresden eine intensive Auseinandersetzung und Beschäftigung mit dem Thema ‚Radon’
erforderlich ist, um die gestellten Bauaufgaben hinsichtlich der sich ergebenen baulichen
Radonschutzmaßnahmen erfüllen zu können.
Abb. 2:
Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft Sachsens
3 Herangehensweise des SIB an das Thema ‚Radon’
An erster Stelle des Lösungsweges steht die Information über und die Beschäftigung bzw. fachliche
Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Radon’ und die Aneignung von Wissen über sich ergebende
bauliche Maßnahmen. Intensiv genutzt werden vom Staatsbetrieb SIB die inzwischen zahlreichen
Publikationen und umfangreichen Informationen des SMUL und des LfULG.

Radon in der öffentlichen Bauverwaltung des Freistaates Sachsen
Seite 86
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
So werden Hemmschwellen der Beschäftigten abgebaut und vor allem eine Sensibilisierung für das
Thema erreicht.
Sehr konstruktiv zu bewerten ist ebenfalls der direkte Austausch über die ‚Interministerielle
Arbeitsgruppe Radon’ unter Federführung des SMUL.
Ein weiter Baustein der Wissensaneignung und Aneignung von aktuellen Fachkenntnissen auf
diesem Gebiet ist die sehr lobenswerte Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für
Radongeschütztes Bauen in Bad Schlema. Von den betroffenen Niederlassungen wird die sehr
ausführliche und fachkundige Beratung hervorgehoben und erleichtert so wesentlich den Planungs-
und Ausführungsprozess der konkreten Baumaßnahme.
Eine sehr große Bedeutung kommt im Planung- und Ausführungsprozess, gerade im Staatsbetrieb
SIB als ein bedeutender Auftraggeber der freiberuflich tätigen Architekten und Ingenieure (Abb. 3),
die Auswahl eines fachkompetenten Planungsbüros und in der öffentlichen Auftragsvergabe dem
fachkundigen Baubetrieb zu. Dabei hat sich bewährt, solche Planungsbüros auszuwählen, die aus
der Region kommen und mit dem Thema ‚Radon’ und den örtlichen Baugrundverhältnissen bestens
vertraut sind und somit vor allem wirtschaftliche und angemessene Lösungen anbieten können.
Abb. 3:
Verträge des SIB mit freiberuflich Tätigen 2007
Wie bekannt ist, gibt es mit dem Radonhandbuch Deutschland [2] und den Ergebnissen der
Untersuchungen zur Radonsituation und Bodenradonsituation in Deutschland [1] Materialien, die
bestenfalls für eine Erstbewertung geeignet sind, aber für den weiteren Planungsprozess nicht
ausreichend sind. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, durch Verdichtungsmessungen und
Messungen der Radonkonzentration in Gebäuden ausreichend belastbare, als Planungsgrundlage
geeignete Daten zur Auswahl der baulichen Radonschutzmaßnahmen am konkreten Standort zu
erhalten.
Im Staatsbetrieb SIB wurde deshalb festgelegt, bei Radonverdachtsflächen und Radonvorsorge-
gebieten Verdichtungsmessungen im Zuge von notwendigen Baugrunduntersuchungen durchzu-
führen. Nur dann können für die Neubaumaßnahmen oder für die zu nutzenden Räume die
entsprechenden bautechnisch sinnvollen Maßnahmen festgelegt werden.
80%
20%
Verträge mit sächsischen freiberuflich Tätigen
Verträge mit freiberuflich Tätigen anderer Bundesländer
Der Staatsbetrieb Sächs. Immobilien- u. Baumanagement des Freistaates Sachsen hat im Zeitraum
Januar bis Dezember 2007
(Bund + Land)
4.462 Verträge mit einem Gesamthonorar von
mit freiberuflich Tätigen geschlossen.
85,8 Mio Euro
150 Verträge mit einem Gesamthonorar von
an freiberuflich Tätige der
alten
Bundesländer
bzw. anderer
EU-Staaten
,
14,7 Mio Euro
4.312 Verträge mit einem Gesamthonorar von
an freiberuflich Tätige der
neuen
Bundesländer
davon
71,1 Mio Euro
4.206
Verträge mit einem Gesamthonorar von
mit
sächsischen
freiberuflich Tätigen.
68,8 Mio Euro
80 %
des Gesamtvertragsvolumens wurde mit
freiberuflich Tätigen aus
Sachsen
abgeschlossen.

Bettina Gabriel
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 87
In Deutschland und Sachsen sind wir in der Situation, dass es keine gesetzlich vorgeschriebenen
Grenzwerte der Radonkonzentrationen in der Bodenluft und für Gebäude/Räume gibt, sondern
Empfehlungswerte. Daran orientiert und in Abstimmung mit dem SMUL hat der Staatsbetrieb SIB im
Juni 2005 für seinen Geschäftbereich festgelegt, dass für Neubauten
bis auf Weiteres die
Empfehlungen der EU-Kommission mit einem Planungswert für Neubauten
≤ 200 Bq/m³
Radonkonzentration zu beachten ist. Die Niederlassungen wurden umfangreich zum Thema
informiert und die genannten Kartenwerke sowie Ansprechpartner bekannt gemacht. Weiterhin wurde
festgelegt, dass auch bei Baumaßnahmen im Bestand
bauliche Vorkehrungen zu treffen sind, die zur
Minderung der Radonkonzentration im Gebäude beitragen.
In der Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Informationen und innerbetrieblichen Regelungen
des Staatsbetriebes SIB sind die Niederlassungen gemeinsam mit den beteiligten Planungsbüros
somit in der Lage, konkrete bauliche Maßnahmen zu planen und auszuführen. Dabei sind ebenso die
Grundsätze der Sächsischen Haushaltsordnung (SäHO) und die allgemeinen Planungsgrundsätze,
wie Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Angemessenheit zu beachten.
Auf die verschiedenartigen konkreten baulichen Maßnahmen möchte ich an dieser Stelle nicht
eingehen, vielmehr wollte ich die prinzipielle Herangehensweise des Staatsbetriebes SIB aufzeigen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt im gesamten Planungs- und Bauprozess, der auf keinen Fall zu
vernachlässigen ist, stellt die Einbeziehung und aktive Kommunikation der Niederlassungen mit dem
Nutzer der Gebäude und Räume dar. Auch hier hat sich bewährt, das Thema ‚Radon’ in der
frühzeitigen Planungsphase mit dem Nutzer zu thematisieren und ihn in ausreichendem Maße zu
informieren.
Wie hinreichend bekannt ist, hat das Nutzerverhalten Einfluss auf das Raumklima und die Raumluft
und das radonsicheres Bauen immer ein Zusammenspiel verschiedenster Einzelmaßnahmen
darstellt. Die Praxis hat aber gezeigt, dass der individuellen Fensterlüftung zur Reduzierung der
Radonkonzentration nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden kann und darf, da sie einer starken
Schwankung hinsichtlich des subjektiven Verhaltens des Nutzers unterlegen ist.
Nicht selten von uns als Auftraggeber in ein konzeptionelles und finanzielles Korsett gezwängt, sind
Architekten und Ingenieure wenn es gilt, in einem Bestandsgebäude möglichst alle erforderlichen
Nutzungen und Flächen optimal und wirtschaftlich unterzubringen. Auch hier ist Überzeugungsarbeit
beim Nutzer wichtig und erfolgversprechend, z. B. Arbeitsplätze nicht in erdberührten
Gebäudebereichen unterzubringen, sondern nach Alternativen zu suchen; auch unter der Maßgabe,
Abstriche vom Raumprogramm zu machen.
4
Nachsorge der Baumaßnahmen
Durch die Niederlassungen wird nach Abschluss der Baumaßnahmen in begründeten Einzelfällen
eine Langzeitmessung als Erfolgskontrolle durchgeführt. Dies ist abhängig von den gemessenen
Ausgangswerten der Radonbelastung und den technischen Lösungen des radonsicheren Bauens.
Wichtig dabei ist, ob der Nachweis erbracht werden kann, dass die Maßnahmen für das radonsichere
Bauen erfolgreich waren und vor allem, ob das Zusammenspiel der vielschichtigen Maßnahmen
langfristig erfolgreich ist. Auch hier spielt das Nutzerverhalten eine große Rolle. Dabei ist es ebenfalls
die Aufgabe des Staatsbetriebes SIB den Nutzer über die Nutzungsdauer des Gebäudes zu begleiten
und zu beraten. Dies ist unbedingt erforderlich, aber auch Selbstverständnis für uns als
Bauverwaltung. Der technische Ausstattungsgrad der Gebäude, nicht nur im Zusammenhang mit dem
radonsicheren Bauen, hat und wird weiter zunehmen. Auch hier ist der Staatsbetrieb SIB zukünftig
noch stärker in der Verantwortung.

Radon in der öffentlichen Bauverwaltung des Freistaates Sachsen
Seite 88
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
5 Ausblick
Auch in der Sächsischen Hochbauverwaltung wird sich des Themas ‚Radon’ in besonderem Maße
angenommen, ohne Polemik zu betreiben oder unsere Kunden und Nutzer zu verunsichern.
Es hat sich gezeigt, dass durch eine konsequente Informationsvermittlung und gezielte Beschäftigung
mit der Materie gute und wirtschaftliche Lösungen für den Einzelfall erreicht werden können.
Auch in Hinblick auf den Anspruch des Staatsbetriebes SIB innovativ und nachhaltig zu bauen und
dem sehr aktuellen Thema der Energieeffizienz bei Neubauten und der energietechnischen
Optimierung von Bestandsgebäuden kommt dem interaktiven Zusammenspiel aller Fachrichtungen
des Ingenieurwesens eine sehr große Bedeutung zu. Dieses Zusammenspiel gilt es weiter zu
entwickeln und zu fördern.
6 Literaturverzeichnis
[1] Kemski & Partner; Untersuchungen zur Radonsituation und Bodenradonsituation in Deutschland
im Auftrag des BMU; 2003
[2] Freistaat Sachsen, Staatsministerium für Finanzen, SIB Geschäftsbericht 2007

T. Maschke
Dresden, 30. Sept. 2008
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 89
BAUEN IM BESTAND MIT RADON – AM BEISPIEL DER HTW
MITTWEIDA
BUILD IN EXISTENCE – IN EXAMLPLE OF HTW MITTWEIDA
T. Maschke
Heinle, Wischer und Partner
Freie Architekten
1 Entwurfsansatz
Nach einer 25 jährigen Nutzungszeit als Studentenwohnheim der Hochschule für Technik und
Wirtschaft in Mittweida wurde die Umnutzung des Hauses, zum Institutsgebäude für die Fachbereiche
Informations- und Elektrotechnik, Medien mit Fernsehstudio, Mathematik, Physik und
Betriebswirtschaft als Wettbewerb im Rahmen eines VHS Verfahrens, ausgeschrieben. Im Rahmen
des VHS Verfahrens wurde auch über den kompletten Abriss und Neubau nachgedacht, dies jedoch
als deutlich aufwendigere Methode verworfen.
Überdimensional groß, mit einer Rasterfassade, kontrastierte das Haus weithin sichtbar im hügeligen
Areal der Hochschule stark mit der umgebenden Bebauung aus der Gründerzeit und den 60er
Jahren.
Die wichtigsten Aspekte, die den Entwurf bestimmten, waren die städtebauliche Situation, die
Aufwertung des Gebäudes innerhalb des Hochschulareals und die Neuorganisation der
Gebäudestruktur entsprechend moderner Lehrmethoden. Dies alles war in einem vorgegebenem
Kostenrahmen umzusetzen, der auch die bauliche Sanierung, u. a. von Asbest, Radon und die
brandschutztechnische Ertüchtigung des Bauwerkes mit einschloss.
Die Struktur der Neuplanung orientierte sich am Bestand des Wohnheimes. Durch den Rückbau um
ein Vollgeschoss und die Zurücksetzung des 4. Obergeschoss zum Staffelgeschoss wurde die
Traufkante gesenkt und somit die Dominanz des Gebäudes deutlich zurück genommen. Das
ehemalige Kellergeschoss konnte durch Abgrabungen des Geländes als Eingangsebene nutzbar
gemacht und gestalterisch den Obergeschossen angeglichen werden.
2 Bestand
Der 5-geschossige unterkellerte Stahlbetonbau mit Fertigteildecken und leichter Vorhangfassade
wurde als Versuchsbau für Wohnheime 1973 errichtet und bis 1996 als solches betrieben. Nach
Freizug durch das Studentenwerk Freiberg befand sich im Gebäude die Interimslösung für die Mensa
der Hochschule.

Bauen im Bestand mit Radon – am Beispiel der HTW Mittweida
Seite 90
2. Sächsischer Radontag - 4. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 30. Sept. 2008
Durch die intensive Nutzung war die Bausubstanz physisch und moralisch verschlissen. Das
Gebäude war außerdem durch den Einbau schwach gebundener Asbestprodukte belastet. Durch die
vorhandene Oberflächenversiegelung bestand zwar keine unmittelbare Gefahr für die Umwelt, eine
Asbestsanierung war jedoch unabdingbar.
3 Planung
Im Rahmen der Erstellung des Bodengutachtens wurden auch Untersuchungen zur
Radonkonzentration in der Bodenluft durchgeführt, die eine Einteilung des Gebäudes in Kategorie E
ergaben und die damit dazu führten, das Maßnahmen zum präventiven Radonschutz bei der Planung
des Gebäudes mit einfließen mussten. Diese wurden auch durch den Auftraggeber (SIB Chemnitz)
als dringliche Aufgabe erkannt.
Aus dieser Feststellung ergaben sich 2 Hauptbereiche
1. Bestandsbau
2. Neubau
3.1 Bestandsbau
Für den Bestandsbau kam das Entwurfskonzept mit Abgrabung des Geländes und Nutzung des
ehemaligen Kellergeschoss als zukünftiges Erdgeschoss dem Radonschutz entgegen, so dass sich
die Maßnahmen auf die Bodenplatte und Durchdringungen beschränkte.
Im Rahmen des Abbruchs zeigte sich, dass die vorhandenen Außenwände, in Bereichen, in denen
noch Erdreich anstehen sollte, in Folge von Mischbauweisen weder für die spätere Nutzung noch für
den Radonschutz (auch bei Aufbringung einer Abdichtung) geeignet waren. Diese Flächen wurden
zusätzlich noch rückgebaut und entsprechend neu in Stahlbeton hergestellt. Zusätzlich wurden die
Bereiche von außen mit Bitumenschweißbahnen versehen und entsprechend durch
Perimeterdämmung geschützt.
Die Abdichtung im Bereich der Bodenplatte erfolgte im Zusammenhang mit der Abdichtung gegen
Erdfeuchte als vollflächige Bitumenabdichtung auf der Bodenplatte. Es gab dabei unterschiedliche
Anschlusshöhen und Fußbodenaufbauten miteinander zu verbinden (siehe Detail).
Durchdringungen der Abdichtung
Es wurden 3 Arten von Durchdringungen der Bodenplatte erfasst und entsprechend planerisch
behandelt
1. für haustechnische Durchdringungen wurde die Ausführung mit Los-Fest-Flansch festgelegt
2. konstruktive Durchdringungen der Abdichtung wurden durch Untermauerungen
ausgeschlossen (siehe Detail)
3. Für die Anbindung des Altbaus an den Technikraum im Neubau, wurde ein Medienkanal in
WU-Beton und zusätzlicher bituminöser Abdichtung vorgesehen, um die Anzahl der
Durchdringungen zu verringern.
3.2 Neubau
Das Erdgeschoss des Neubaus wurde komplett in WU-Beton geplant, da die Technikräume in Folge
der größeren Raumhöhen teilweise im Erdreich eingegraben sind. In Folge der Radonbelastung
erfolgte die Festlegung zur zusätzlichen Ausführung einer Bitumenschweißbahn auf der Bodenplatte.

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