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Zentrum für angewandte Forschung
und Technik e.V. an der HTW Dresden
2. TAGUNG
RADONSICHERES
BAUEN
27. SEPTEMBER 2006
DRESDEN
HOCHSCHULE FÜR
TECHNIK UND WIRTSCHAFT DRESDEN (FH)
veranstaltet durch:
KORA e.V.
Kompetenzzentrum für Forschung und
Entwicklung zum Radonsicheren Bauen und Sanieren
Hochschule für Technik
und Wirtschaft Dresden (FH)

Inhalt
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 3
INHALT
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Grußwort des Vorstandsvorsitzenden von KORA e.V. ........................................................5
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Grußwort des Prorektors für Forschung und Entwicklung an der HTW Dresden (FH) .......7
Ministerialrat Frank Leder
Empfehlungen zu Radon in Gebäuden................................................................................9
Dipl.-Ing. Georges-André Roserens
Radonschutz in der Schweiz - Diverse Sanierungen;
Neue Gebäude: Erwartungen und Realität; Gesetze und Immobilien................................17
Dr. Josef Thomas
Das Radonprogramm der Tschechischen Republik...........................................................25
Prof. Dr. rer. nat. habil. Bernd Leißring
Dr. rer. nat. habil. Hartmut Schulz
Erfahrungen bei der Radonsanierung an einem Objekt mit komplizierten
Untergrundverhältnissen....................................................................................................35
Dr. rer. nat. Andreas Guhr
Dipl.-Ing. Hans-Georg Henjes
Dipl.-Ing. Thomas Kloepzig
Radonsanierung eines historischen Gebäudes aus dem Gebiet des Altbergbaus ............45
Dr.
rer. nat. Jürgen Conrady
Dr. rer. nat. Andreas Guhr
Prof. Dr. rer. nat. habil. Bernd Leißring
Veränderung der Radonkonzentration in Gebäuden im Ergebnis von Bau- und
Sanierungsmaßnahmen-Fallbeispiele................................................................................51
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Dr. Werner Preuße
Dipl.-Ing. Frank Bergmann
Dipl.-Ing. Alfred Taube
Radonsituation in Passivhäusern – Bericht zu untersuchten Fallbeispielen ......................57
Dipl.-Ing. Lutz Werner
Dipl.-Ing. Nick Leißring
Praktischer Radonschutz mittels Verlegen von radondichten Schutzfolien
in Alt- und Neubauten.........................................................................................................69
Dr. Walfried Löbner
Luftaustausch in Gebäuden – Bestimmung der Luftwechselrate in Räumen.....................77
Dipl.-Ing. Bernd Liebscher
Dipl.-Ing. Hans-Georg Henjes
Radonsicheres Bauen mit Holz – eine bauliche Alternative...............................................85
Referentenverzeichnis........................................................................................................89

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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006

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Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Begrüßung
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie sehr herzlich zur
„zweiten Tagung Radonsicheres Bauen“
an der HTW Dresden.
Veranstaltet wird diese wiederum durch das „Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum
radonsicheren Bauen und Sanieren – KORA e.V.“ in Kooperation mit der HTW Dresden (FH) und dem
ZAFT e.V. an der HTW Dresden.
Die im September 2005 veranstaltete erste Tagung radonsicheren Bauens hat eine erfreulich gute
Resonanz gefunden, verbunden mit dem mehrfach geäußerten Wunsch, das Thema in weiteren Ver-
anstaltungen zu vertiefen. Während vor einem Jahr Fragen der Entstehung der Radonbelastung, der
Eindringmechanismen radonhaltiger Luft in Gebäude, des Schutzes vor überhöhter Radonbelastung
in Gebäuden, sowie der gesundheitlichen Risiken erhöhter Radonbelastung im Vordergrund der Bei-
träge standen, soll in der heutigen Tagung die praktischen Umsetzung des Radonschutzes im Zent-
rum der Beiträge stehen. Eine solche Zielstellung lässt sich besonders gut durch die Vorstellung von
realisierten Radonschutzmaßnahmen darstellen. Die Tagung steht deshalb unter dem Themen-
schwerpunkt
Fallbeispiele
.
Fragen des radonsicheren Bauens erhalten im Zusammenhang mit dem durch die Bundesregierung
beschlossenen Programms zur energetischen Gebäudesanierung zusätzliche Aktualität – bekanntlich
erhöht sich in vielen Fällen nach dem Einbau dichterer Fenster sowie nach weiteren abdichtenden
Maßnahmen die Radonbelastung in Räumen deutlich! Das aber die energetische Verbesserung im
Altbaubestand bzw. die Realisierung hoher Dämmstandards im Neubau nicht notgedrungen zu erhöh-
ter Radonkonzentration in der Raumluft führen müssen, wird in einigen der Beiträge gezeigt werden.
Die Veranstaltung ist in drei Themenkomplexe untergliedert:
Wir freuen uns, im ersten Schwerpunkt erfahren zu können, wie das Land Sachsen auf die in weiten
Landesteilen hohen Radonkonzentration reagiert, welche Strategien hier verfolgt werden. Einige un-
serer direkten Nachbarn haben ähnliche Probleme hinsichtlich des radonsicheren Bauens zu lösen.
Gerade in Tschechien und in der Schweiz werden aber seit vielen Jahren sehr konsequent Strategien
verfolgt, den Radonschutz im Bauen zu verankern. Auf die Beiträge von Verantwortlichen aus diesen
beiden Ländern freue ich mich deshalb in besonderem Maße.
Im zweiten Themenschwerpunkt wird die Vorstellung ganz konkreter Objekte, sowohl aus dem
Neubaubereich als auch der Sanierung von Gebäuden, stehen.
Der dritte Schwerpunkt schließlich beinhaltet Einzelaspekte des radonsicheren Bauens.
Wir hoffen, Ihnen damit viele interessante Einblicke in das Thema des radonsicheren Bauens geben
zu können. Sicher werden aber eine Reihe von Fragen offen bleiben. Die Abschlussdiskussion soll
hier Hinweise geben, wie es mit dem Radonschutz weiter geht, wo noch offene Fragen einer Klärung
bedürfen, aber auch was bisher erreicht worden ist.
Ich wünsche unserer Tagung einen guten Verlauf und Ihnen viele neue Erkenntnisse!
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorstandsvorsitzender KORA e.V.
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
und Vorstandsvorsitzender KORA e.V.

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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006

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Roland Stenzel
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Prorektor für Forschung und Entwicklung
der Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden (FH)
Grußwort von Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
zur 2. Tagung "Radonsicheres Bauen" am 27.09.2006 in Dresden
Nachdem die 1. Tagung "Radonsicheres Bauen" im September 2005 eine sehr erfreuliche Resonanz
erfahren hat und wir über 70 Teilnehmer aus verschiedensten Einrichtungen an der HTW Dresden
begrüßen durften, freuen wir uns nunmehr auf die Fortsetzung und Vertiefung dieser sehr wichtigen
Thematik.
Radon als unsichtbares, geschmack- und geruchloses Edelgas entsteht als Folgeprodukt des Zerfalls
von Uran und gelangt je nach Bodendurchlässigkeit in die Atmosphäre bzw. durch Risse und
Öffnungen sowie durch Diffusion in Gebäude. Dadurch können bei erhöhten Radonkonzentrationen
Gesundheitsschädigungen eintreten. Gerade in Sachsen und hier insbesondere im Erzgebirge treten
aufgrund der früheren Bergbauaktivitäten die höchsten Radonbelastungen in Deutschland auf. Daher
bieten sich die Etablierung von Forschungs- und Weiterbildungsaktivitäten auf dem Gebiet der
Radonbelastung sowie dem radonsicheren Bauen an.
Folgerichtig erfolgte die Bündelung der vorhandenen Kompetenzen im 2005 gegründeten Kompetenz-
zentrum für Forschung und Entwicklung zum Radonsicheren Bauen und Sanieren e.V. (KORA). Die
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH) als Mitgründer von KORA e.V. bietet ideale
Voraussetzungen für eine anwendungsorientierte Forschung und Lehre. In 8 Fachbereichen werden in
27 Studiengängen ca. 5300 Studenten betreut. Gemeinsam mit dem Zentrum für angewandte
Forschung und Technologie e.V. (ZAFT) wurden im vergangenen Jahr etwa 4 Mio. Euro aus
Forschungsvorhaben erwirtschaftet und daraus etwa 50 Mitarbeiter finanziert. Die unterschiedlichen
Fachdisziplinen, wie Bauingenieurwesen, Architektur, Gartenbau und Landespflege, Chemie-
ingenieurwesen, aber auch Physik sind alle mehr oder weniger intensiv mit Problemen der
Schadstoffbelastung in der Natur sowie der gebauten Umwelt befasst. Hier kann die Hochschule eine
ideale Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit bieten. Gleichzeitig lassen sich neueste
Erkenntnisse aus Forschungsvorhaben in die studentische Aus- und Weiterbildung einbinden.
Die 2. Tagung "Radonsicheres Bauen", wiederum gemeinsam vom KORA e.V., der HTW Dresden
sowie dem ZAFT e.V. organisiert, soll neueste Erkenntnisse auf diesem Gebiet anhand verschiedener
praktischer Beispiele diskutieren. Von besonderem Interesse sind auch die Beiträge unserer
ausländischen Nachbarn aus der Schweiz und der Tschechischen Republik, da in diesen Ländern
ähnliche Probleme mit Radon bestehen und somit ein Erfahrungsaustausch hinsichtlich Grenzwerten
und Gegenmaßnahmen sehr sinnvoll ist.
Ich wünsche allen Tagungsteilnehmern interessante Vorträge und Diskussionen sowie einen
angenehmen Aufenthalt an unserer Hochschule.
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Prorektor für Forschung und Entwicklung

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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006

Frank Leder
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Radonberatung und Radonsanierungen im Freistaat Sachsen
Radonconsultation and Radonremedation at Freistaat Sachsen
Frank Leder
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Zusammenfassung
Der Freistaat Sachsen ist eines der Bundesländer, das aufgrund geologischer Bedingungen flächen-
deckend die höchsten Konzentrationen an Bodenradon aufweist. Deshalb hat er sich schon frühzeitig
diesem Radonproblem angenommen. Bereits 1992 wurde ein Handlungskonzept zu Radon in Gebäu-
den erarbeitet, das im Wesentlichen auch heute noch Bestand hat. Hauptschwerpunkt ist die Beratung
und Information der Betroffenen durch die Radonberatungsstelle in Bad Schlema. Von 1994 bis 2005
wurden in einem bundesweit einmaligen Förderprogramm Sanierungsmaßnahmen unterstützt. Im
Ergebnis der bisherigen Erfahrungen zeichnet sich ab, dass es mit einem Paket von vielen Einzel-
maßnahmen, die von Information über Beratung, Ausbildung und bautechnischen Maßnahmen bis hin
zu Normungen reichen, gelingen kann, die Radoninnenraumkonzentration in den Gebäuden künftig
dauerhaft senken zu können.
Summary
In some geological areas of the German Federal State of Saxony comparatively increased concentra-
tions of soil radon can be observed. Knowledge about this problem caused Saxon authorities to en-
force an early and extensive examination. Already in 1992 a concept of action for radon in buildings
was developed which largely still is enduring. Main focus is the information and consultation of the
concerned public by the well frequented Saxon Radon Information Point in Bad Schlema. From 1994
to 2005 a nationwide unique Saxon program supported remediation measures for buildings with high
radon concentrations. As a result of present experience it becomes apparent that in future a package
of different single measures as information and consulting, education, technical construction measures
and standardisation may help to decrease radon concentrations in buildings permanently.
1. Vorbemerkungen
Nachdem erkannt worden ist, dass Radon in erhöhten Konzentrationen Lungenkrebs verursachen
kann, wurde an Reglungen zum Schutz und zu Schutzmaßnahmen der Beschäftigten im Bergbau
gearbeitet. Aber auch erhöhte Radonkonzentrationen in der Raumluft von Aufenthaltsräumen können
bei den Bewohnern Lungenkrebs verursachen. Weil große Gebiete Sachsens ein erhöhtes Radonpo-
tential aufweisen, hat sich die sächsische Staatsregierung schon Anfang der 90iger Jahre dem Prob-
lem gestellt. Im Folgenden soll darüber berichtet werden, mit welchen Maßnahmen sich das Sächsi-
schen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) dem Problem Radon in Gebäuden
gestellt hat, welche Erfahrungen gemacht wurden und welche Maßnahmen als sinnvoll angesehen
werden.
2.
Die Radonsituation im Freistaat Sachsen
Sachsen ist auf Grund der besonderen geologisch-mineralogischen Situation eines von den Bundes-
ländern, die von erhöhten Radonkonzentrationen am stärksten betroffenen sind. In den Grundge-
birgsbereichen treten granitische Gesteine auf, bei deren Bildung sich in hydrothermalen Lagerstätten
Schwermetalle – u.a. Uran – angereichert haben. Die Vorkommen an diesen abbauwürdigen Erzen
führten zu dem Jahrhunderte langen, intensiven Bergbau im Erzgebirge. Der teilweise sehr oberflä-

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Radonberatungen und Radonsanierungen im Freistaat Sachsen
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
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chennahe Bergbau, die Bergbaurückstände und die Verwendung von Bergematerial beim Hausbau
verstärkten die aufgrund des Mutterisotops Uran bereits geologisch erhöhten Radonkonzentrationen
in manchen Gebäuden.
Weil die geologische Struktur Sachsens sehr heterogen ist, können detaillierte weiträumige Aussagen
zum Radonvorkommen nicht getroffen werden.
2.1. Das Radonpotential
Die Radonkarte für den Freistaat Sachsen (siehe Abb. 1) wurde auf Basis von 234 ausgewählten re-
präsentativen Messorten erstellt [1]. Im Mittel kommt damit ein Messort auf eine Fläche von 78 km².
Die vorhandene Messortdichte reicht nicht aus, um mit gewisser Sicherheit Gebiete in Sachsen aus-
weisen zu können, in denen erhöhte Radonkonzentrationen im Boden vorkommen. Entsprechende
Verdichtungsmessungen sind daher noch erforderlich.
Abb. 1:
Die Radonkonzentration in der Bodenluft in Sachsen
2.2. Radon in Gebäuden
Zur Einschätzung der Radonsituation in den Gebäuden Sachsen stehen etwa 51.000 Messdaten zur
Verfügung, die in mehr als 10 sehr unterschiedlichen Messprogrammen ermittelt worden sind. Insge-
samt liegen aus 394 Gemeinden Daten vor, welche sich über alle Landkreise des Freistaat Sachsen
verteilen. In den Landkreisen Zwickauer Land, Meißen und Döbeln gibt es für alle Gemeinden Mess-
werte. Für 152 Gemeinden liegen bisher keine Daten liegen vor (siehe Abb. 2).

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Frank Leder
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Abb. 2:
Gemeinden in denen Aussagen zu Radonkonzentrationen in Aufenthaltsräumen
möglich sind
Weil ca. 85 % der vorhandenen Daten aus Kurzzeitmessungen mit einer Messdauer von 1 bis 6 Ta-
gen und nur ca. 10 % der Werte aus Langzeitmessungen mit einer Messdauer von mindestens 1 Jahr
stammen, sind also weitere Verdichtungsmessungen erforderlich, um eine sichere Aussage über eine
flächendeckende Bewertung der Radonsituation in Gebäuden treffen zu können.
Tab. 2:
grobe Abschätzung zur Anzahl und dem Anteil betroffener Wohngebäude in Sachsen bei denen
die Aufenthaltsräumen im Erdgeschoss und höher betrachtet wurden
Radon-Konzentration [Bq/m³]
0...100
100...200
200...1.000
>1.000
Summe
Anzahl der Messwerte
10.600
5.700
2.000
18.300
Erzgebige
Anteil der betroffenen
Häuser in Prozent
90 %
8 %
2 %
Anzahl der Messwerte
21.000
8.100
2.500
31.600
Sachsen
Anteil der betroffenen
Häuser in Prozent
73 %
22 %
5 %
1 %
Eine erste grobe Abschätzung auf der bisherigen Datenlage ergibt, dass ca. 6 % der Wohngebäude
Radonkonzentration oberhalb 200 Bq/m³ in Erd- und Obergeschossen aufweisen, oberhalb 400 Bq/m³
ca. 2 % und oberhalb 1.000 Bq/m³ ca. 1 % (siehe Tab. 2). 1 % entspricht etwa 4.500 Wohngebäuden
Sachsens.
3.
Maßnahmen der sächsischen Landesregierung
In Anbetracht der Untersuchungsergebnisse zum Lungenkrebsrisiko durch Radon, die zumindest für
höhere Konzentrationen ein erhöhtes Risiko aufzeigen, der besonderen Betroffenheit sächsischer
Regionen und der Tatsache, dass die meisten europäischen Länder Empfehlungen bzw. Regelungen
zu Radon in Gebäuden haben, sind Maßnahmen zum Schutz vor erhöhten Radoninnenraumkon-
zentrationen sinnvoll.

Radonberatungen und Radonsanierungen im Freistaat Sachsen
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
3.1. Die Förderung von Sanierungsmaßnahmen
Weil die sächsische Staatsregierung der Radonthematik einen wichtigen Stellenwert beimisst, wurden
bereits seit dem Jahre 1993 Maßnahmen zur Bestimmung der Radonkonzentration in Gebäuden und
Sanierungsmaßnahmen gefördert. Ziel war es, die teilweise sehr erheblichen Radoninnenraumkon-
zentrationen zu minimieren, um das individuelle Lungenkrebsrisiko der Bewohner von Häusern dras-
tisch zu senken. Eine breite Unterstützung von Sanierungsmaßnahmen, um die Radoninnenraumkon-
zentration in den Gebäuden von Sachsen durchschnittlich zu senken, war nicht vorgesehen.
Neben Einzelmaßnahmen zur Ermittlung und Minderung der Radonkonzentration in Gebäuden wur-
den auch Sondervorhaben, wie beispielsweise die Entwicklung und Anwendung von Techniken zur
Radonsanierung von Gebäuden sowie die großflächige Reduzierung der Radonkonzentration in be-
bauten Gebieten unterstützt.
Die Höhe der Förderung betrug im Regelfall 30 % der zuwendungsfähigen Ausgaben. Bei Gebietskör-
perschaften oder Sondervorhaben konnte die Förderung auf bis zu 80 % erhöht werden. Die ausge-
reichten Fördermittel sind in Tabelle 3 aufgeführt.
In Auswertung der mit Fördermitteln gestützten Maßnahmen kann festgehalten werden, dass es im-
mer möglich ist, sehr hohe Radoninnenraumkonzentrationen auf annehmbare Werte zu mindern.
Selbst bei extremen Ausgangswerten wie beispielsweise von 76.000 Bq/m³ im Wohnbereich wurden
in diesem Einzelfall mit Endwerten von unter 800 Bq/m³ zufrieden stellende Ergebnisse erzielt.
Tab. 3:
Übersicht zu den ausgereichten Fördermittel in T€ (in Klammern DM)
Zeitraum
Maßnahmen zur Ermittlung
und Minderung der Radon-
konzentration in Gebäuden
Sondervorhaben
Fördermittel gesamt
1993-2001
472 (923)
1.767 (3.456)
2.239 (4.379)
2002-2005 73 504 577
1993-2005 545 2.271 2.816
In der Regel wurden Minderungen von durchschnittlich mehr als 95 % erzielt. Die erreichten Sanie-
rungswerte lagen in einem Wertebereich von 150 Bq/m³ bis 800 Bq/m³. Die Ausgangssituation und
Sanierungsergebnisse ausgewählter Vorhaben sind in Tabelle 4 dargestellt.
Als wichtigstes Sondervorhaben sei das Projekt Schneeberg angeführt, bei dem durch eine natürliche
Bewetterung des Grubengebäudes die Radonkonzentration in den darüber liegenden Gebäuden in
der Stadt Schneeberg vermindert werden soll. Das Projekt läuft von 1996 bis 2007. Zwischenergeb-
nisse, die im Rahmen spezieller Bewetterungsversuche unter Winter- und Sommerbedingungen ge-
wonnen wurden, zeigen die Wirksamkeit des Systems und eine positive Beeinflussung einer Vielzahl
von Gebäuden. Die Ergebnisse werden nach Abschluss der wesentlichsten bergbaulichen Maßnah-
men Anfang 2008 vorliegen.
Tab. 4:
Ausgewählte Beispiele geförderter Vorhaben
Rn-Konzentration [Bq/m³]
vor Sanierung
nach Sanierung
Minderung
Nr.
Bodenluft
Keller
Wohnraum
Keller
Wohnraum
[%]
1 678.000 14.000 49.000 700 490 >96,5
2 28.100 576 98
3 126.000 76.000 3.060 <740 99
4 3.184 410 490 85
5 4.540 440 90
6 266.500 4.500 238 150 95
7 860.000 70.000 18.000 190 99
8 5.586 1.890 219 85
9 540.000 15.000 3.970 740 82
10 8.700 7.840 760 93

Frank Leder
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Die Förderung ist zum 31.12.2005 eingestellt worden, weil die Unterstützung nicht auf Dauer ausge-
richtet war, die Eigenverantwortung der Betroffenen künftig stärker im Mittelpunkt stehen soll und die
Unterstützung durch Information, Beratung und Aufklärung der Betroffenen intensiver erfolgen soll.
3.2. Die Radonberatung
Parallel zur Förderung wurde 1994 vom damaligen Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und
Landesentwicklung eine Radonberatungsstelle in Bad Schlema eingerichtet, die bis 1999 vom Lan-
desamt für Umwelt und Geologie (LfUG) betrieben wurde. Danach hat die Staatliche Umweltbetriebs-
gesellschaft (UBG) die Beratungsstelle übernommen und den Aufgabenbereich erweitert, so dass jetzt
auch eigenständige Untersuchungs- und Messprogramme durchgeführt werden können.
An diese Beratungsstelle können sich alle Betroffenen (Privatpersonen, Kommunen, Vereine u.a.)
wenden. Es werden Messungen zu Radonkonzentrationen in Gebäuden und in der Bodenluft durch-
geführt und Informationen zu möglichen Schutz- bzw. Sanierungsmaßnahmen. gegeben. Die Bera-
tung erfolgt direkt oder telefonisch.
Im Zeitraum 2000 bis 2005 wurden ca. 500 Beratungen und über 270 Messeinsätze mit ca. 1.900
Einzelmessungen durchgeführt. Wie groß ein Interesse an einer Beratung und Unterstützung ist, zei-
gen die etwa 50 Anfragen von Bürgern und Kommunen aus anderen Bundesländern. Eine solche
Einrichtung war lange Zeit einmalig in Deutschland. Die Radonberatungsstelle hat sich zu einer Insti-
tution entwickelt und sich einen sehr guten Ruf erarbeitet.
3.3. Information und Öffentlichkeitsarbeit
Eine möglichst umfassende Information der Öffentlichkeit und der Betroffenen ist eine Grundsäule der
Radonvorsorge. Deshalb wurden von den Behörden des Freistaates Sachsen eine Reihe Informati-
onsmaterialien herausgegeben.
Die Broschüren und Flyer mit den Titeln „Radongeschütztes Bauen“ [2], „Radon - Gesundheitsrisiko
oder Heilmittel?“ [3] und „Radioaktivität und Strahlenschutz – Normalität oder Risiko?“ [4] geben Erläu-
terungen zum Thema und Hinweise zu Sanierungsfragen.
In speziellen Workshops, welche regelmäßig durchgeführt werden, sollen die Betroffenen und die
entsprechenden Fachleute informiert und zu weitergehenden Überlegungen angeregt werden. Die
Zielgruppe für diese Informationen ist daher sehr weit gefächert. Sie reicht von Architekten, Bauinge-
nieuren, Mitarbeitern von Bauämtern in den Kommunen und Landratsämtern, den speziellen Pla-
nungsbüros, den Kammern und Innungen bis hin zu den Betroffenen selbst. Dies ist auch eine wichti-
ge Möglichkeit, mit Firmen und Vereinen, die sich mit der Radonthematik beschäftigen, Kontakt zu
halten und Informationen auszutauschen.
Zum Tag der offenen Tür der Sächsischen Staatsministerien und der Staatskanzlei, dem so genann-
ten „Gläsernen Regierungsviertel“ stehen stets kompetente Mitarbeiter zur Auskunft bereit. Messebe-
teiligungen auf den Regionalmessen in Sachsen wie beispielsweise der Umweltmesse „Terratec“ und
der Verbrauchermesse „Hausmesse“ gehören auch zur Öffentlichkeitsarbeit.
Auf den Internetseiten des SMUL
(www.smul.sachsen.de),
des LfUG
(www.lfug.smul.sachsen.de)
und
der UBG
(www.smul.sachsen.de/de/wu/organisation/ubg)
sind umfangreiche Informationen zum The-
ma Radon und Hinweise auf entsprechende Ansprechpartner zu finden.
Auch die Medien nehmen sich der Thematik an. So konnten verschiedene Presseberichte und TV-
Sendungen veröffentlicht werden.
3.4. Bau- und Flächennutzungsplanungen
Bereits zu einem frühen Zeitpunkt wurde das LfUG als Strahlenschutzbehörde bei der Beteiligung von
Trägern öffentlicher Belange einbezogen, insbesondere bei der Erstellung von Bauleitplanungen. In
einem Jahr werden zwischen 300 und 400 Anfragen geprüft.
Als ein weiteres sehr wirksames Mittel haben sich konkrete Hinweise und Informationen zur Radonsi-
tuation in den entsprechenden Bauleitplänen, Bebauungsplänen, Flächennutzungsplänen oder Städ-
tebaulichen Satzungen erwiesen. Empfehlungen zu Schutzmaßnahmen gegenüber dem Eindringen
von Radon in Gebäuden für künftige Bauherren sind deshalb in eine Reihe von solchen Plänen einge-
flossen.

Radonberatungen und Radonsanierungen im Freistaat Sachsen
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3.5. Eigenverantwortung und Regelungen
Die Verbesserung der Radonsituation ist ein wichtiges Ziel für eine Vorsorge gegenüber Lungenkrebs.
Die Behandlung der Radonthematik muss jedoch so erfolgen, dass sie einerseits dem vorsorgenden
Schutz der Bevölkerung gerecht wird und andererseits die historisch gewachsenen Besonderheiten
und geologischen Bedingungen sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse der Regionen berücksichtigt.
In der Vereinbarung zwischen den Landesverbänden Sachsens der CDU und der SPD über die Bil-
dung der Staatsregierung für die 4. Legislaturperiode des Sächsischen Landtages vom November
2004 (Koalitionsvertrag) werden Normen- und Standarderhöhungen gegenüber dem jeweils geltenden
EU-Recht abgelehnt, sofern sie den Interessen Sachsens entgegenstehen. Als ein aktuelles Beispiel
ist das zum damaligen Zeitpunkt vom BMU geplante Radonschutzgesetz angeführt.
Weil die Deregulierung ein wichtiges politisches Anliegen ist, wurde auch in dem Koalitionsvertrag
zwischen CDU, CSU und SPD vom 11.11.2005 zur Bildung der Bundesregierung vereinbart, dass die
Entlastung von Bürgern, Wirtschaft und Behörden von einem Übermaß an Vorschriften und der damit
einhergehenden Belastung durch bürokratische Pflichten und Kosten ein wichtiges Anliegen der Koali-
tion ist.
Der Sächsische Landtag hat in seiner 37. Sitzung am 08.12.2005 einem gemeinsamen Antrag der
CDU- und SPD-Fraktion „Radonrichtlinie ablehnen – qualifizierte Beartung ausbauen“ zugestimmt.
Danach wird die Staatsregierung ersucht, sich dafür einzusetzen, dass gesetzliche Regelungen zur
Begrenzung der Radonkonzentration unterbleiben, und stattdessen in Anlehnung an die Vorschläge
der Europäischen Kommission Zielwerte empfohlen werden. Weiterhin soll die fachgerechte Beratung
zum radonsicheren Bauen und Sanieren verstetigt und die Verringerung der Radonkonzentration wei-
terhin befördert werden.
Für die Zustimmung der Menschen zu politischen Entscheidungen wird es entscheidend sein, wie es
gelingt, unnötige Bürokratie abzubauen und die europäische Gesetzgebung auf das tatsächlich Not-
wendige zu beschränken.
4.
Weitere sinnvolle Maßnahmen zum Radonschutz
Neben möglichen gesetzlichen Regelungen und der bereits diskutierten Information und Beratung
sowie Bebauungsplanung bestehen auch andere sinnvolle Lösungsansätze, die nachfolgend diskutiert
werden sollen.
4.1. Aus- und Weiterbildung von Fachkräften
Die Radondichtheit eines Gebäudes hängt maßgeblich von der Qualität der Bauausführung ab. Risse,
Spalten und schlecht ausgeführte Abdichtungen von Durchführungen durch Bodenplatten und Mauer-
werk sind Radoneintrittspfade. Deshalb ist eine Sensibilisierung und Aufklärung im Baubereich von
besonderer Bedeutung.
Erstrebenswert wäre es deshalb, wenn das Thema Radonschutz künftig in der Ausbildung von Archi-
tekten, Bauingenieuren und anderen Fachingenieuren des Bauwesens aufgenommen wird. Es ist
erfreulich, dass das Thema Radon an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) im
Jahr 2005 bundesweit einmalig in das Ausbildungsprogramm integriert werden konnte.
Aber auch eine entsprechende Vermittlung der Kenntnisse zum Radon bei der Facharbeiterausbil-
dung wäre wichtig. Wie bekannt, liegt der Schwerpunkt bei der Wirksamkeit von vorbeugenden Bau-
maßnahmen auf deren qualitätsgerechter Ausführung. Kleinste Fehler in der Bauausführung machen
viele Projektziele zunichte.
Ebenso wäre künftig auch der Qualifizierung der Fachkräfte ein breiter Raum zu widmen.
4.2. Messtechnik und Messverfahren
Grundlage für eine exakte Bewertung der Radoninnenraumkonzentration ist zu allererst eine genaue
und reproduzierbare Messung. Dafür sollten Messverfahren, -methoden und -geräte festgelegt wer-
den. Außer der Loseblattsammlung „Übersicht über die Messung von Radon und Radonzerfallspro-
dukten“ [5], die von Arbeitskreis „natürliche Radioaktivität“ des Fachverbandes für Strahlenschutz e.V.
erarbeitet wurde, und allgemeine Hinweise im Radonhandbuch des Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) [6] gibt es gegenwärtig keine verbindlichen Vorgaben. Die

Frank Leder
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Erstellung einer zentralen Richtlinie oder eines Leitfaden zu Radon-Messtechnik und –Verfahren ist
daher dringend geboten.
Hilfreich wären auch entsprechende DIN-Normen zur Messung der Radon-Konzentration in der Innen-
raumluft, im Boden und im Wasser, zur Messung der Radonfolgeproduktkonzentration in der Luft und
zur Messung der Radonexhalation aus Baumaterialien. Diesbezügliche Normen auf europäischer
Ebene zu erstellen, wäre möglicherweise sogar sinnvoller.
Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn die mit dieser Thematik beschäftigten Ingenieurbüros
und Einrichtungen im Rahmen einer „guten Laborpraxis“ regelmäßig Vergleichsmessungen zur Quali-
tätssicherung durchführen, wie das in anderen europäischen Ländern bereits schon üblich ist. In Er-
mangelung dessen, wird die UBG künftig Stichtagsbeprobungen anbieten.
4.3. Wissenschaftliche Maßnahmen
Forschungen zum Thema Radon beschränkten sich bisher im Wesentlichen auf epidemiologische
Untersuchungen zur Wirkung von Radon auf den Menschen und auf Materialeigenschaften hinsicht-
lich der Radonexhalation und Sperrwirkung.
Voraussetzung für wirksame und effektive Vorbeuge- und Sanierungsmaßnahmen ist aber, dass die
Radonverhältnisse in den jeweiligen Gebäuden und Räumen im Zusammenhang mit den unterschied-
lichen Baugrund-, gebäudetechnischen, Lüftungs- und Klimabedingungen verstanden werden. Neben
den grundlegenden theoretischen Überlegungen bedarf es nach hiesiger Ansicht hierzu auch noch
einiger praktischer Untersuchungen an entsprechenden Gebäuden. Die Radonverhältnisse sind bei
Einfamilienhäusern anders als bei Mehrfamilienhäusern und öffentlichen Gebäuden zu bewerten. In
diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die UBG in Zusammenarbeit mit der HTW die Radonver-
hältnisse bei Niedrigenergie- und Passivhäusern untersucht. Die Ergebnisse werden für Anfang 2007
erwartet. Interessierte werden auf die entsprechenden Internetseiten verwiesen.
0
5
10
15
20
25
30
35
40
<1901
1901-1920
1921-1940
1941-1960
1961-1980
>1982
>1992
Baualter der Gebäude
Alte Bundesländer
Überschreitungshäufigkeit [%]
Neue Bundesländer
Abb. 4:
Darstellung der Überschreitungshäufigkeit in Abhängigkeit vom Baualter
(nach Kemski & Partner, 2004)
4.4. Bautechnische Maßnahmen
Die Erfahrungen zeigen, dass bei einer qualitätsgerechten Bauausführung, die den modernen Bau-
standards entspricht, die Radoninnenraumkonzentrationen sehr niedrig gehalten werden kann. In der
Regel ist dann schon ein hinreichender Radonschutz gegeben. In einer Untersuchung von Kemski &
Partner im Auftrag des BMU ist ein solcher Trend möglicherweise zu erkennen (siehe Abb. 4). Ra-
donprobleme in Innenräumen sind nämlich dann zu erwarten, wenn die Fundamentbodenplatte große
Risse oder Spalten aufweist, eine DIN-gerechte Abdichtung der Gebäude gegen Bodenfeuchte nicht
erfolgt oder Zu- und Abgänge der Medien in das Gebäude nicht entsprechend dicht in das Mauerwerk
eingebunden sind. Radonschutzmaßnahmen müssen deshalb künftig zu allgemeinen Regeln der
Baukunst werden.

Radonberatungen und Radonsanierungen im Freistaat Sachsen
Seite 16
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
4.5. Ingenieurleistungen
Ein fundamentaler Schwerpunkt liegt natürlich auf der Wirkung der auf dem Markt angebotenen Leis-
tungen zum Radonschutz einschließlich der entsprechenden Messungen und Bewertungen von fach-
kundigen Ingenieurbüros und Baubetrieben, von denen sich eine Reihe in Sachsen mit Angeboten zu
Beratungen und Sanierungen zur Minimierung der Radoninnenraumkonzentration sowie zu Messun-
gen etabliert haben.
5.
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Der Freistaat Sachsen sieht es auch künftig als eine wichtige Aufgabe an, die Radoninnenraumkon-
zentrationen in den Gebäuden zu minimieren. Dies soll ausschließlich durch eine intensive Aufklä-
rung, Information und durch die Stärkung der Eigenverantwortung der Betroffenen erfolgen.
Die bisher bei der Radonsanierung und dem vorbeugenden Radonschutz bei Neubauten gewonnene
Erfahrung ist, dass es fast immer gelingt, ein Gebäude auf annehmbare Radoninnenraumkonzentrati-
onen einzustellen. Ob dies organisatorische, bautechnische oder lüftungstechnische Maßnahmen
sind, soll dahin gestellt bleiben. Die Auswahl der Mittel soll in jedem Falle dem jeweiligen Eigentümer
oder Nutzer überlassen sein. Um jedoch eine geeignete Auswahl der Mittel treffen zu können, ist pro-
funde Kenntnis der Radonwegsamkeiten, der Wirkung von Radonbarrieren und des luftdynamischen
Verhaltens in Gebäuden zwingend erforderlich.
Die Erfahrungen zeigen auch, dass es im Rahmen eines Paketes von vielen Einzelmaßnahmen mög-
lich sein sollte, eine effektive und dauerhaft wirksame Minderung der durchschnittlichen Radoninnen-
raumkonzentrationen in Deutschland zu erreichen. Zu einem solchen Paket gehören an Hand einer
ausreichenden Datengrundlage unter anderem eine fachgerechte Bewertung, eine umfassende Infor-
mation und Aufklärung, eine hinreichende Ausbildung des Fachpersonals, Hinweise in den entspre-
chenden Bauplanungen, standardisierte Messgeräte und –verfahren einschließlich einer Qualitätssi-
cherung sowie Qualitätszertifizierungen von Baumaterialien.
Jede einzelne Maßnahme für sich betrachtet hat möglicherweise noch keine ausschlaggebende Wir-
kung, aber im Komplex wirken diese sicherlich nachhaltig.
6. Literaturverzeichnis
[1] Kemski & Partner; Untersuchungen zur Radonsituation und Bodenradonsituation in Deutschland
im Auftrag des BMU; 2003
[2] Radon - Gesundheitsrisiko oder Heilmittel? SMUL; November 2003
[3] Radioaktivität und Strahlenschutz – Normalität oder Risiko?; SMUL November 2004
[4] Radonberatung; UBG; 1998
[5] Übersicht über die Messung von Radon und Radonzerfallsprodukten (Loseblattsammlung);
Fachverband für Strahlenschutz e.V.; Januar 2000
[6] Radon-Handbuch Deutschland; BMU; September 2001

Georges-André Roserens
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 17
Radonschutz in der Schweiz – Diverse Sanierungen
Neue Gebäude: Erwartungen und Realität
Gesetze und Immobilien
Radon in Switzerland – various mitigations
New buildings: Expectations and reality:
Laws and real estates
Georges-André Roserens
Bundesamt für Gesundheit, Sektion Radon, CH-3003 Bern
Zusammenfassung
Gebäude mit hohen Radonkonzentrationen müssen ausfindig gemacht werden. Sie sollten je nach
gemessener Radonkonzentration mehr oder weniger rasch saniert werden. Die kostengünstigste
Variante ist eine Sanierung zusammen mit einer Renovation. Oft geht letztere mit einem
Eigentümerwechsel einher.
Mit 1 bis 5 Wohnungen sind die meisten betroffenen Gebäude von kleinerer Grösse und befinden sich
grösstenteils ausserhalb des Stadtgebiets. Werden Sanierungen bereits bei tiefen oder sehr tiefen
Radonkonzentrationen ins Auge gefasst, so steigt die Zahl der Sanierungen stark an. Die
Sanierungsmethoden dürfen die Eigentümer nicht abschrecken und müssen für die Investoren
verhältnismässig und tragbar sein. Sonst kann die Situation auftreten, dass Radonmessungen
gefälscht werden. Es ist sehr schwierig, ein altes Gebäude mit einer Radonkonzentration von einigen
Tausend Bq/m
3
zu sanieren und die Konzentration zu tragbaren Kosten unter 400 Bq/m
3
zu senken.
Die grösste Herausforderung ist, mit neuen Gebäuden keine neuen Probleme zu schaffen.
Eigentümer und Architekt müssen informiert werden, dass in einigen Regionen ein hohes Radonrisiko
besteht und die Sanierungskosten oft 5- bis 10-mal höher ausfallen als präventive Massnahmen. In
mehreren Hundert neuen Gebäuden wurden Messungen vorgenommen. In einigen Regionen sind die
Radonkonzentrationen sehr tief. In anderen wurden Baufehler festgestellt; in diesen Fällen können die
Radonkonzentrationen in den bewohnten Räumen über 2000 Bq/m
3
betragen.
Es wäre nützlich, bei einem Immobilientransfer eine obligatorische Radonmessung einzuführen, deren
Kosten zu Lasten des Verkäufers gingen. Ansonsten sollte der Käufer die Möglichkeit haben, nach
dem Kauf eine Messung durchführen zu lassen, wobei vertraglich geregelt wäre, dass die Kosten für
eine eventuelle Sanierung zu Lasten des Verkäufers gingen.
Summary
Buildings with high radon concentrations must be found. They should be redeveloped according to
measured radon concentration more or less quickly. The cheapest variation is a renovation together
with a renovation. Often walks along latter with an owner's change. With from 1 to 5 flats are most
affected buildings of smaller size and are mainly beyond the city. If renovations are already considered
with deep or very deep radon concentrations, the number of the renovations strongly rises. The
renovation methods may not deter the owners and must be relative for the investors and be portable.
But the situation can appear that radon measurements are faked. It is very difficult to redevelop an old
building with a radon concentration of some Thousand Bq/m
3
and to lower the concentration to portable
costs less than 400 Bq/m
3
. The biggest challenge is to create no new problems with new buildings.
Owners and architect must be informed that in some regions a high radon risk exists and the renovation
costs are often from 5 to 10 times higher than preventive measures. In several Hundred new buildings
measurements were carried out. In some regions the radon concentrations are very deep. In others
construction mistakes were ascertained; in these cases the radon concentrations in the inhabited rooms
more than 2000 can amount to Bq/m
3
. It would help to introduce a compulsory radon measurement to a
real estate transfer whose costs went to loads of the shop assistant. Otherwise the buyer should have
the possibility to let carry out a measurement after the purchase and would be regulated by contract
that the costs went for a possible renovation to loads of the shop assistant.

image
Radonschutz in der Schweiz – Diverse Sanierungen
Neue Gebäude: Erwartungen und Realität – Gesetze und Immobilien
Seite 18
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
1.
Diverse Sanierungen
Die ganze Problematik der Radonkonzentration ist abhängig vom Druckunterschied, wobei die
Konvektion entscheidend ist. Die Diffusion kann in unseren Gebäuden vernachlässigt werden.
Abb. 1.1:
Natürliche Druckverhältnisse im Gebäude
Folgende Methoden werden angewandt (aufgeführt nach ihrer Einfachheit).
Umnutzung von Räumen (ein Zimmer wird in einen nicht verwendeten Raum umgewandelt)
Abdichtung von Löchern und Rissen (im Allgemeinen ungenügende, aber notwendige
Massnahme)
Abb. 1.2:
Nachströmung durch die Abschlussdose des Kabelfernsehens im Schlafzimmer
Luftvolumenstrom (geschätzt mit Flowfinder-Messung) ca. 2-3 m3/h
Natürliche Belüftung des Hohlraums (passive Methode)
Entlüftung des Hohlraums (mit Ventilator, aktive Methode)
Anbringung einer dichten Türe zwischen dem nicht bewohnten Untergeschoss und dem
bewohnten Teil
Absaugung des Kellers (bei Kellern mit Naturböden, Steinmauern und/oder Kellerdecke aus
durchlässigem Material)
-
Neutralebene
+

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Georges-André Roserens
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 19
Abb. 1.3:
Trockene Mauerwerke
Abb. 1.4:
Boden entlüften mit einem Radonbrunnen oder Drainagesystem (je nach Situation aktiv oder passiv)
Abb. 1.5:
Druckverringerung im Gebäudeinnern

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Radonschutz in der Schweiz – Diverse Sanierungen
Neue Gebäude: Erwartungen und Realität – Gesetze und Immobilien
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Abb. 1.6:
Beispiele von Aussenluft-Durchlässen
Installation einer mechanischen Lüftung in den genutzten Räumen (Achtung: nur Belüftung)
Abb. 1.7:
Leichter Überdruck im Gebäude
Diese Methoden müssen oft kombiniert werden, um die gewünschte Reduktion der
Radonkonzentration zu erreichen.
2. Neue Gebäude: Erwartungen und Realität
Abb. 1.8:
Streifenfundamente
++
+
+

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Georges-André Roserens
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 21
Abb. 1.9:
Betonfundamentplatte
In mehreren Kantonen wurden in neuen Gebäuden Kontrollmessungen durchgeführt.
In zwei Kantonen wird der Richtwert von 400 Bq/m
3
eingehalten. In einem Kanton wurden
Überschreitungen des Grenzwertes von 1000 Bq/m
3
gemessen. Wir sind daran, die Gebäude zu
kontrollieren und zu sanieren; es handelt sich um Mehrfamilienhäuser.
Folgende Fehler wurden festgestellt.
Installation einer Erdwärmesonde im Gebäudeinnern
Um einen alten Gewölbekeller erhalten zu können, erfolgte der Neubau erst ausgehend vom
Grundgeschoss.
Ein Keller mit Naturboden ist mit einer undichten Türe an den bewohnten Teil angeschlossen.
Ein in den Fels gebauter Keller ausserhalb des Gebäudes weist gegenüber dem bewohnten Teil
Undichtheiten auf.
Weitere Fälle werden zurzeit analysiert.
Architekten und Eigentümer müssen bereits bei der Ausschreibung auf die tatsächliche
Radonsituation aufmerksam gemacht werden
Kantone mit hohem Radonrisiko haben in das Baubewilligungsverfahren ein Formular eingebaut, dass
Architekten und Eigentümer zur Wahrnehmung ihrer strafrechtlichen und moralischen Verantwortung
verpflichtet.

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Neue Gebäude: Erwartungen und Realität – Gesetze und Immobilien
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Beispiele der verwendeten Formulare:

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Georges-André Roserens
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
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1.
2.
3.
4.
5.

Radonschutz in der Schweiz – Diverse Sanierungen
Neue Gebäude: Erwartungen und Realität – Gesetze und Immobilien
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
Tab. 1:
Beispiele von Messungen 2005/2006:
Bei Neubauten (7) und umgebauten Gebäuden (1) im Kanton Neuenburg
Rn [Bq/m
3
]
bewohnt
Rn [Bq/m
3
]
unbewohnt
Neubau
Umbau
Chambrelien 68 360 x
Cernier 192 x
Cernier 79 114 x
Fleurier 57 65 x
Fleurier 315 1309 x
La Sagne
61/59
x
Brot-Plamboz 190/218 x
Fontaines 45 66 x
Es handelt sich um Kontrollmessungen in Zonen mit hoher Radonkonzentration, in denen keine
baulichen Maßnahmen zur Verringerung der Radonkonzentration durchgeführt wurden.
3. Gesetze und Immobilien
In Gesetzen und Verordnungen müssen für Wohn- und Arbeitsgebäude unbedingt feste Grenzwerte in
Bq/m
3
festgelegt sein. Diese Voraussetzung ist unabdingbar, um Sanierungen und bauliche Regeln
durchsetzen zu können. Andere, flexible Formulierungen, so auch Empfehlungen für
Radonkonzentrationen, sind nicht wirksam.
Mit den Grenzwerten für bestehende Gebäude lassen sich Spitzenwerte und extreme Dosen
eliminieren. Baureglemente für Renovationen, Umnutzungen und Neubauten ermöglichen, den
nationalen Durchschnitt zu senken.
Ein Problem stellt die Nutzung der Räumlichkeiten im Untergeschoss dar und zwar auch, wenn das
Gebäude eine Konzentration unterhalb des zulässigen Grenzwertes aufweist. Genutzte Räume im
Untergeschoss weisen oft Radonkonzentrationen auf, die über den gesetzlichen Grenzwerten liegen.
Vor der Umnutzung von Räumen, sollte die Radonkonzentration unbedingt gemessen werden. Oft
erfolgt aber eine solche Umnutzung durch den Eigentümer illegal; eine Beratung ist in einem solchen
Fall nicht möglich.

Josef Thomas
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 25
DAS RADONPROGRAMM DER TSCHECHISCHEN REPUBLIK
THE RADON PROGRAMM OF THE CZECH REPUBLIC
Josef Thomas
Staatliches Institut für Strahlenschutz, Praha
Zusammenfassung
Die grundsätzlichen Dokumente (Regierungsbeschluss No. 542/1999 zum Radonprogramm und die
entsprechenden Paragraphen im Atomgesetz No. 18/1997) und die wichtigsten Charakteristiken der
Radonproblematik, als da sind die repräsentative Verteilung der Radonexposition der Bevölkerung,
die Abschätzung der Anzahl von Risikohäusern über 400 Bq/m
3
(32 000 Häuser = 2% des Hausbe-
standes) und die bisherigen Erfolge bei der Suche nach diesen Risikohäusern (78% nach 17 Jahren,
vielleicht zu langsam) werden beschrieben. Als neues Ziel wird neben der Sanierung der Risikohäuser
(bei leider niedrigem Interesse der betroffenen Besitzer) die qualifizierte Durchführung des Präventiv-
Programmes in Neubauten angesehen, also die Aufgabe der Bautechnik und der Bauregelung in Zu-
kunft (eher als Sache des Strahlenschutzes).
Summary
The basic documents (Governmental Resolution No. 542/1997 about the Radon Programme and the
relevant articles of the Atomic Act No. 18/1997 Coll.) are described and the most important characte-
ristics of the radon problems (representative distribution of the exposure to radon in the population,
estimation of the number of houses at risk above 400 Bq/m
3
(32 000 houses = 2% of the house-stock)
and the success of the search programme up to now (78% during 17 years, may be too lengthy)) are
given. Beside the mitigation of houses with higher risk (unfortunately low interest of their owners) as
the new aim of the Radon Programme is seen the qualified realisation of preventive measures in new
houses - therefore the task of building engineering and building regulations in future (more then the
task of radiation protection).
1. Historie
500 Jahre Lungenkrebs im Ag-U Bergbau
40 Jahre Uranförderung für die UdSSR seit 1946, ab 1954 unter Überwachung durch die Ab-
teilung Strahlenhygiene des Gesundheitsministeriums
Lungenkrebs als Berufskrankheit seit 1960 anerkannt
Epidemiologische Studie, Anfang 1978
Beschäftigung mit der Radonproblematik in Wohnungen – Joachimsthal, 1979
1. bis 3. Radonprogramm 1990-99 durch das Umweltministerium, Gesundheitsministerium
und Finanzministerium, Interresort-Radonkomission
erstes Radon-Regulativ durch das Gesundheitsministerium, No.76/1991
Epidemiologische Studie bei Bevölkerung, 1992
Strahlenschutz beim Staatlichem Amt für Nuklearsicherheit ab 1996 angesiedelt
4. Radonprogramm, 2000-09 durch das Staatliche Amt für Nuklearsicherheit, Finanzministeri-
um, Umweltministerium, Ministerium für Regionalentwicklung und Ministerium für Industrie
und Handel sowie die 37 Kreisämter;
ab 2003: 14 Bezirksämter und Experten

Das Radonprogramm der Tschechischen Republik
Seite 26
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
2. Wie arbeitet das Radonprogramm in der Tschechischen Republik
Regierungsbeschluss No.542/1999 (novel. No. 970/2002),
vierter Regierungsbeschluss ab 1990
Legislative
des Staatlichen Amtes für Nuklearsicherheit (und Strahlenschutz) (SANS)
des Finanzministeriums (FM)
2.1
Beschluss der Regierung der Tschechischen Republik vom 7. Oktober 2002
Die Regierung
nimmt den Report über Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zur Kenntnis
genehmigt das Radonprogramm der Tschechischen Republik
stimmt der Gewährung von Finanzmitteln aus dem Staatshaushalt für
Sanierungs-maßnahmen gegen Radon in Schulgebäuden, Wohnungen,
Familienhäusern und öffentlichen Wasserwerken zu, genehmigt die Beträge im
Haushaltsgesetz nach bestimmten Kriterien.
beauftragt
den Präsidenten des Staatlichen Amtes für Nuklearsicherheit, die Minister für
Finanzen, Regionalentwicklung, Umwelt, Industrie u. Handel, die Erfüllung des
Radonprogramms bis 2009 zu gewährleisten,
den Präsidenten des Staatlichen Amtes für Nuklearsicherheit, die Minister für
Finanzen, Regionalentwicklung, Umwelt, Industrie und Handel, die
notwendigen Finanzmittel in den Haushalt einzubringen,
den Finanzminister in Zusammenarbeit mit dem Präsidenten des Staatlichen
Amtes für Nuklearsicherheit, Richtlinien zur Gewährung von Beiträgen zu
erlassen,
den Finanzminister, ab 2000 in der Allgemeinen Verwaltungskasse eine
Reserve für diese Beiträge zu bilden.
beansprucht die Bezirkshauptmänner zum Zusammenwirken bei der Erfüllung
von
Punkt IV.
2.2
Radonprogramm der Tschechischen Republik
Herausfinden von Gebäuden mit hoher Radonkonzentration in der Raumluft:
Detektoren und Auswertung besorgen
durch das Staatliche Amt für Nuklearsicherheit
Verteilung und Einsammeln von Detektoren
durch die Bezirksämter (BA)
Sendung der Messresultate an die Bezirksämter
durch das Staatliches Amt für Nuklear-
sicherheit
Sendung der Messresultate an die Hauseigentümer
durch die Bezirksämter
Präventive Maßnahmen gegen Radon
Erstellung von prognostizierenden Radonrisikokarten für die Gebietsplanung
durch das Staatliche
Amt für Nuklearsicherheit und das Ministerium für Regionalentwicklung,
Erarbeitung einer einheitlichen Metodik zur Bestimmung des Radonrisikos von Bauplätzen
durch
das Staatliche Amt für Nuklearsicherheit und das Ministerium für Regionalentwicklung,
Gewährleistung einheitlicher Standarts in den Bauämtern
durch das Ministerium für Regionalent-
wicklung und das Staatliche Amt für Nuklearsicherheit.

Josef Thomas
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 27
Sanierung von Gebäuden und Wasserwerken
Gewährung von Fördermitteln aus dem Haushalt für Sanierungsmaßnahmen gegen Radon
in Gebäuden:
-
Kriterien für die Gewährung
: Staatliches Amt für Nuklearsicherheit und
Finanz-ministerium und Ministerium für Regionalentwicklung
-
Gewährung von Fördermitteln für Besitzer der Risikohäuser
: Bezirksamt und
Staatliches Amt für Nuklearsicherheit
-
Kontrolle der Finanzierung
: Finanzministerium und Bezirksamt
-
Kontrolle der Maßnahmen
: Bezirksamt und Ministerium für
Regionalentwicklung und Staatliches Amt für Nuklearsicherheit
Auswertung der Effektivät der Maßnahmen
durch das Staatliche Amt für Nuklearsicherheit
Gewährung von Beiträgen aus dem Haushalt für Sanierungsmaßnahmen gegen Radon in
Wasserwerken
durch das Finanzministerium, das Staatliche Amt für Nuklearsicherheit und
das Agrarministerium.
Information der Öffentlichkeit
bei Neubauten über Prävention
-
Bearbeitung und Herstellung der Druckerzeugnisse
: Staatliches Amt für
Nuklearsicherheit und Ministerium für Regionalentwicklung,
-
Verteilung unter der Bevölkerung
: Ministerium für Regionalentwicklung und
Bezirksamt,
für bestehende Gebäude über Sanierungsmöglichkeiten
-
Bearbeitung und Herstellung der Druckerzeugnisse
: Staatliches Amt für
Nuklearsicherheit und Ministerium für Regionalentwicklung,
-
Verteilung unter der Bevölkerung
: Ministerium für Regionalentwicklung und
Bezirksamt.
Entwicklung und Forschung
von Sanierungsmethoden und deren Bewertung
: Ministerium für Industrie und Handel und
Staatliches Amt für Nuklearsicherheit,
von diagnostischen Methoden für Gebäude
: Staatliches Amt für Nuklearsicherheit,
von Methoden zur Bestimmung des Radonrisikos von Bauplätzen und
Bereitstellung von Referenzflächen: Umweltministerium und Staatliches Amt für Nuklear-
sicherheit,
von Radonrisikokarten für den Wohnungsbestand
: Staatliches Amt für Nuklearsicherheit
und Umweltministerium.
Finanzielle Aufwendungen:
Der Teil B des Anhanges des Regierungsbeschlusses summiert die Aufgaben der beteiligten
Ministerien und gibt die Höhe der Kosten des Radonprogramms pro Jahr an:
Staatliches Amt für Nuklearsicherheit
3 Mill. CZK
(100 Tausend
∈)
Ministerium für Regionalentwicklung
0,2 Mill. CZK
( 7 Tausend
∈)
Umweltministerium
1 Mill. CZK
( 30 Tausend
∈)
Ministerium für Industrie und Handel
1 Mill. CZK
( 30 Tausend
∈)
Agrarministerium
0,2 Mill. CZK
( 7 Tausend
∈)
Sanierung (Wohnungen, Schulen, Wasserwerke)
30 Mill. CZK
( 1 Million
∈)

Das Radonprogramm der Tschechischen Republik
Seite 28
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
2.3.
Radon im Atomgesetz No.18/1997
§ 3, 2i:
Das Staatliche Amt für Nuklearsicherheit überwacht, beurteilt und reguliert die
Strahlenexposition von Personen
§ 6:
Exposition aus natürlichen Quellen
§ 6, 1-3:
Arbeitsplätze
§ 6, 4:
Wer die Errichtung von Gebäuden mit Wohnräumen beantragt … ist verpflichtet, dem
Bauamt den Radonindex des Grundstückes mitzuteilen. Wenn sich das Gebäude nicht
auf einem Grundstück mit niedrigen Radonindex befindet, muss das Gebäude präventiv
gegen das Eindringen von Radon aus dem Baugrund geschützt werden. Die Bedingun-
gen bestimmt das Bauamt in der Standort- und in der Baugenehmigung.
§ 6, 5:
In Gebäuden mit Wohnräumen
, wo die Radonkonzentration oder Gamma-strahlen-
Intensität
höher als der in der Richtlinie angefürte Richtwert ist
, und die Exposition
durch solche Maßnahmen reduzierbar ist, dass die erwartete Reduzierung der Gesund-
heitsschäden zur Begründung der mit dem Eingriff verbundenen Schäden und Kosten
ausreicht,
ist der Besitzer des Gebäudes zu Bemühungen verpflichtet,
die Strah-
lenbelastung auf einen Wert zu reduzieren, der unter Beachtung von wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Faktoren vernünftig erreichbar ist.
§ 6, 5 Forts.:
Überschreitet
die Exposition den in der Richtlinie angegebenen
Grenzwert
,
ordnet
das Bauamt die Durchführung
der notwendigen Änderungen am Gebäude auf Grund
erheblicher Gesundheitsgefährdung
an
, wenn das im öffentlichem Interesse ist.
Von der
Überschreitung von Richt- oder Grenzwerten muss der Eigentümer den Mieter informie-
ren.
§ 28, 2:
Der Staat kann
Zuschüsse zur Beseitigung von alten Strahlenlasten gewähren, und
zwar:
e: zum Ermitteln von Radonrisiken in Gebäuden und Wasserwerken und für Maß-
nahmen, die nach § 6,5 nachweisbar begründet sind.
§ 46a:
Die Bezirksämter beteiligen sich
im Rahmen des Schutzes der Bevölkerung vor Ex-
position durch natürliche Quellen
an der Suche nach Gebäuden mit höherem Expo-
sitionsniveau und an der Verteilung von Zuwendungen
für Sanierungs-maßnahmen
in diesen Gebäuden und in Wasseraufbereitungsanlagen.
§ 9, 1:
Die Genehmigung vom Staatlichen Amt für Nuklearsicherheit ist notwendig für folgende
Tätigkeiten
:
Dienstleistungen bezüglich Strahlenschutz
(z.B. Radonindex,
Radonkonzentration in Gebäuden, in Wasser, Massenindex in Baumaterial)
weiter: Inspektion, QA/QC, Schulung, Prüfung, …
3. Hauptcharakteristiken des Radonprogramms
Grundcharakteristik des Radonrisikos:
Es ist – mehr oder weniger - immer und überall anwesend;
es ist mit Sinnen nicht wahrnehmbar;
es wird meistens unterschätzt, manchmal überschätzt.
Aber
es ist nicht verschuldet – nicht bekannt, nicht entdeckt, nicht bautechnisch reguliert, kein BG;
es ist vorhersagbar, erklärbar – Geologie und Qualität der Isolation gegen Grund;
technisch effektiv lösbar – Sanierung und Prävention.

image
Josef Thomas
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 29
Voraussetzungen des Radonprogramms
Kenntnis des Umfangs der Risiken;
Kenntnis der Ursachen und der Lösungen;
Konzeption des Vorgehens;
Leitung, Organisation und Mitarbeit;
Kontrolle;
Entwicklung und Forschung.
Abb. 1:
Repräsentative Verteilung der Radonexposition der Bevölkerung der Tschechischen Republik, 1993/94

Das Radonprogramm der Tschechischen Republik
Seite 30
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
Tab. 1:
Verteilung der Radonexposition im Wohnungsbestand der Tschechischen Republik, Abschätzung der
Anzahl von Risikohäusern und die jährliche Lungenkrebsmortalität durch Radon
Rn Konz.
Anteil
Durchschn.
Effektivdosis
Gebäude
Personen
Lungenkrebs, jährlich
Bq/m
3
%
mSv/Jahr
Tausend
Tausend
Anzahl
%
bis 200
88,46
2,26
1 443
9 050
590
67
200 - 400
9,58
6,72
156
980
190
22
über 400
1,96±0,33
17,4
32±5
201
100
11
über 1000
0,195±0,108
53,2
3±1,7
20
30
3
10 - 20000
100
2,99
1 631
10 230
880
100
430-1650 Konf. Int.
Nach kompletter Sanierung
bis 200
88,46
2,26
1 443
9 050
590
72
200 - 400
9,58
6,72
156
1 180
230
28
Komplette Vorbeugungslösung
bis 200
100
2,26
1 631
10 230
780
100
Tab. 2:
Jährlich ersparte Kollektivdosis bei idealem Erfolg der Sanierung und Vorbeugung
Rn Konz.
Anteil
Gebäude
Personen
Efekt. Dosis
Kollektivdosis
Bq/m
3
%
Tausend
Tausend
mSv/Jahr
manSv/Jahr
< 200
88,4
1 443
9 050
2,3
20 400
200 - 400
9,6
156
980
6,7
6 600
> 400
2
32
200
17,4
3 500
1 631
10 230
3,0
30 500
Idealresultat der Sanierung
200 - 400
2
60
200
6,7
1 300
Ersparte Kollektivdosis
2 200
Idealresultat der Vorbeugung
< 200
100
3 000
10 230
2,3
23 100
Ersparte Kollektivdosis
7 400
Physikalische Gründe für höhere Risiken
hohe Radon-Konzentration im Boden - Geologie
große Defekte in der Barriere der Kontaktfläche - Baudefekte
großer Unterdruck – niedrige Temperatur – konvektive Zufuhr von Radon
geringe Lüftung – schlechtes Nutzungs-Regime
a(t+∆) = r(t) / k(t) (Bq/h.m
3
)/(1/h)
(1)
Radondiagnostik vor/nach Sanierung
bei niedrigem Risiko ist neben konvektiver Radon-Zufuhr auch Diffusion im Spiel

Josef Thomas
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 31
Konzeption des Radonprogramms
Rechtfertigung der Intervention des Radonprogramms
Komplexität des Zuganges, Kooperation
Sanierung + Vorbeugung, Baumaterial, Wasser, usw.
Hegemonie – Strahlenschutz x Bauwesen
Kontrolle – Planerfüllung, Wirksamkeit
Informationen, Aufklärung
Radonkommerz – billig oder gefördert
Rechtfertigung der Intervention des Radonprogramms
Vermeidung von Lungenkrebsfällen
ökonomisch – cost-benefit, cost-effectivity Analysen
technisch – lösbar, effektiv, wenig belästigend
soziologisch – ältere Häuser, „Sünden der Vergangenheit“, Wahrnehmung des Risikos
Multifaktor Problem - Kooperation
Strahlenschutz – historisch
Physik, Metrologie, Messtechnik,
Geologie
Bautechnik – Hauptproblem
Ökonomie
Psychologie, Soziologie
Politik, Legislative (Rechte und Pflichten der Menschen)
Massenmedien, Fachliteratur, Informatik
Kooperationen im Radonprogramm
Staatsprogramm in Kooperation mit
Selbstverwalung - Regionen, Gemeinden
Fachleuten – Instituten, Universitäten (Bautechnik, Geologie, Strahlenschutz, …)
Wirtschaft, Gesellschaften (Messfirmen, Profi-Assoziationen, …)
bürgerliche Initiativen, stakeholders
Man braucht
einen fähigen Manager (muss nicht begeistert sein)
politischen Willen
breit konzipierte Kooperation
genug Zeit, Geld und Leute
Wer und wie viele sind betroffen
2 % (35 000) - Gebäude mit höherem Risiko
0,6 % (10 000) - neue Gebäude pro Jahr
schon nach vier Jahren des Radonprogramms gibt es mehr neue Gebäude als alte Risikoge-
bäude, also Aufmerksamkeit auf Prävention richten,
alles betrifft konkrete Personen, alle sind direkt ansprechbar (nach Kontaktaufnahme), also
kein Grund zur Medialisierung des Radonprogramms

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Das Radonprogramm der Tschechischen Republik
Seite 32
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
4. Erfolge des Radonprogramms der Tschechischen Republik
265 Radonkarten 1:50 000
(www.geology.cz)
RIP-Messungspflicht nach Atomgesetz
ČSN 73 0601 Radon-Norm – Rn Etikette
Suchprogramm – über 70% gefunden
effektive Sanierungsmethoden
strenge Kontrolle der Sanierungseffektivität
Für die Bestimmung des Radonindexes sind 111 Firmen lizensiert.
Tab. 3:
3. Quartil der Radonkonzentration c
A
in der Bodenluft
RIB
3. Quartil der Radonkonzentration c
A
in Bodenluft
kBq/m
3
niedrig
c
A
< 30
c
A
< 20
c
A
< 10
mittel
30 ≤ c
A
< 100
20 ≤ c
A
< 70
10 ≤ c
A
< 30
hoch
c
A
100
c
A
70
c
A
30
niedrig
mittel
hoch
Permeabilität des Bodens
Kompletter Satz von Radonkarten im Maßstab 1:50 000
Abb. 2:
Karte Radonindex Děčín

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Josef Thomas
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 33
Abb. 3:
Karte Radonindex Horní Blatná
Abb. 4:
Karte Radonindex

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Das Radonprogramm der Tschechischen Republik
Seite 34
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
Das Radonlabel von Gebäuden wird in der Norm ČSN 37 0601 geregelt und bezeichnet das erhöhte
Lungenkrebsrisiko:
Abb. 4:
Das Radonlabel von
Gebäuden
Das Suchprogramm
Tab. 4:
Das Suchprogramm
Anzahl der Häuser
mit mehr als 400 Bq/m³
Etappe Zeitraum gesucht/J gefunden/J% saniert/J % Mill. Euro/J
Strahlenhygiene 1991-96 19.300 3300 17 300 9 3,3
Staatsverwaltung 1997-02 7600 1800 24 400 22 1,3
Selbstverwaltung 2003-05 5300 800 15 17 6 0,08
kumulativ
13000
25000
19
3800
15
28
Auch 340 Schulen und Wasser in 360 Wasserwerken wurden saniert
Suchstrategie:
staatlich x selbstverwaltet
Staat darf nicht anordnen x Gemeinde hat wichtigere Aufgaben
gezielt: Radonkarte, Bautyp
zufällig: Sucherfolg + repräsentative Exposition
5. Aktuelle Problemen des Radonprogramms der Tschechischen Republik
niedriges Interesse an Sanierungen, auch bei Förderung, keine aktive Aufklärung
langsames Aufspüren von Risikohäusern
niedrige Mitarbeitsbereitschaft der Gemeindevorstände, keine Pflicht
niedrige legislative Kraft im Bauwesen und Baugesetz

Bernd Leißring
Hartmut Schulz
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 35
Erfahrungen aus Sanierungsmaßnahmen mit komplizierten
Untergrundverhältnissen
Experiences of remedial action in areas with complicated subsoil-
conditions
Bernd Leißring
1)
Hartmut Schulz
2)
1)
Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX, Chemnitz
2)
IAF Radioökologie Dresden GmbH, Dresden
Zusammenfassung
Die Sanierung bestehender radonbelasteter Gebäude auf bergbaulich beeinflussten Untergrund stellt
besondere Anforderungen an die Herangehensweise und Ausführung. Ohne das Systemverständnis
zwischen Gebäude, Interface und bergbaulichen Einflüssen zu erfassen und zu verstehen ist eine
Sanierung nicht relevant. In dem vorzustellenden Beispiel werden die dazu notwendigen Erfassungen
und unterschiedlichen messtechnischen Schritte erläutert. Dabei spielt das zu erkennende
Radontransportmodell der Quellen und der Kopplung eine primäre Rolle. Die Systemanalyse zeigt die
Möglichkeiten für erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen in diesem praktischen Fall und zeigt einen
prinzipiellen Lösungsansatz für vergleichbare Verhältnisse. Abschließend werden die ausgeführten
Sanierungsschritte dargestellt und die Prüfung der Wirksamkeit und der Nachweis des
Sanierungserfolges dokumentiert.
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Messung der Radonkonzentrationen in Innenräumen des
Gebäudes -
Kombination aus Kurz- und Langzeitmessung
Bestimmung der Radonkonzentration in der Bodenluft
zur
Erfassung des Radonpotentials im Baugrund
Zur Abklärung der radiologischen Situation:
Bestimmung von
Ra-226 und Pb-210 im Baumaterial und
Baugrund
Bestimmung der
Ortsdosisleistung der Gammastrahlung
im
Gebäude und Außengelände
Suche nach
Radon-Eintrittspfaden
(Sniffing-Messungen) im
Gebäude
Erfassung Gebäudestruktur/ Klimatechnik / Heizung
Erfassung des radiologischen Ausgangszustands
vor der Sanierung eines G
ebäudes (allgemein)

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Erfahrungen bei der Radonsanierung
an einem Objekt mit komplizierten Untergrundverhältnissen
Seite 36
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Gebäude mit direkter Verbindung zum Grubengebäude
Gebäude mit Standort auf Ablagerungen
aus Bergbautätigkeit (Halde)
Morphologische Höhenlage des Gebäudes im Bezug auf
eventuelle Bewetterungssysteme im Grubengebäude
Zusätzlich ist in Bergbaugebieten zu beachten:
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Radon aus dem
Baugrund
Radon aus
bergmännischer
Auffahrung
Haupteintrittspfade des Radons ins Gebäude sind
durch Gebäudestruktur vorgegeben

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Bernd Leißring
Hartmut Schulz
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 37
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Existenz von 4 Radonreservoiren
Welche Radonfracht letztlich in ein Haus
gelangt, hängt von der lufttechnischen
Kopplung von 4 Radon- (Wärmreservoiren)
ab:
Grubenhohlräume,
Baugrund,
Atmosphäre und
Haus
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Kopplung der 4 Radonreservoire
Die Radon Reservoire sind jahreszeitlich
unterschiedlich und stark durch die
Hausnutzung gekoppelt.
Die daraus resultierenden verschiedenartig
gerichteten Konvektionsströme sind
Ursache für die Alteration der
Radonkonzentration in den Häusern

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Erfahrungen bei der Radonsanierung
an einem Objekt mit komplizierten Untergrundverhältnissen
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2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Erdgeschoss
1. Obergeschoss
2. Obergeschoss
Abnehmende Tendenz der Radonkonzentration
vom Erdgeschoss in Richtung Obergeschoss
Jedoch Ausreißer: Hinweis auf direkte
Kopplung mit Radonquelle im Boden
über Risse, Medien, Hohlräume etc.
Verteilung Radonkonzentration im Gebäude
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Entwicklung der Radonkonzentration
nach einer Querlüftung von ca. 1 Stunde
0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
35000
06:00
07:00
08:00
09:00
10:00
11:00
12:00
13:00
14:00
15:00
16:00
17:00
18:00
Radonkonz. in Bq/m³
0
2
4
6
8
10
12
14
Temperatur in °C
Senkung auf 400 Bq/m³ nach
ca. 20 minutiger Lüftung
Anstieg auf 28.000 Bq/m³
nach 5 Stunden
vorher
nachher

Bernd Leißring
Hartmut Schulz
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 39
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Radontransportmodell
mehrere gekoppelte Differentialgleichungen für den
Radontransport für "zusammenhängende" Räume
jeder Raum hat separate Quelle
jeder Raum hat separate Kopplung zu Nachbarräumen
jeder Raum hat Luftaustausch mit der Atmosphäre
etc…
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Modell Quellen und Kopplung
für Radontransport (schematisch)
Quelle1
Quelle2
Quelle3
Abluft
Luft
Luft
Luft
Abluft
Abluft
R1_2
R2_1
R1_1

Erfahrungen bei der Radonsanierung
an einem Objekt mit komplizierten Untergrundverhältnissen
Seite 40
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Abdichtung Baugrund / Gebäude gegenüber Radoneintritt
Installation Radonbrunnen - Gezielte Abführung
Überdruck zur Reduzierung der Radonzufuhr
Lüftungstechnischen Maßnahmen
Änderung Nutzungsverhalten
Allgemeine Möglichkeiten der Radonsanierung
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Zuführung Verbrennungsluft für die
Heizungsanlage von außen zur Reduzierung
des Kamineffektes im Gebäude
Wichtig:
Gezielte Spülung mit Außenluft
unterhalb der der Bodenplatte zur
Verdünnung der ins Gebäude eindringenden
Radonkonzentration
Wichtig:
Einbau eines Radonbrunnens zur
gezielten Abführung radonhaltiger Bodenluft
aus Hohlräumen unterhalb des Hauses
Systemanalyse
hat gezeigt, dass folgende
Sanierungsmaßnahmen erfolgreich sein können:

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Bernd Leißring
Hartmut Schulz
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 41
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Ausführung der Radonsanierung
Gerichtete Spülung unterhalb
der Bodenplatte Raum R1-1
(aufgelockerter Untergrund)
Installation eines
Radonbrunnens zur
Abführung der
radonhaltigen
Bodenluft
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Prüfung der Wirksamkeit der Sanierungsmaßnahme
durch Radonexhalationsmessungen
0
5000
10000
15000
20000
25000
11.5.06
12.5.06
13.5.06
14.5.06
15.5.06
16.5.06
17.5.06
18.5.06
19.5.06
[Bq/m³]
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
[0C]
Radonkonzentration
Temperatur
Anschaltung der Lüfter

Erfahrungen bei der Radonsanierung
an einem Objekt mit komplizierten Untergrundverhältnissen
Seite 42
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Prüfung der Wirksamkeit der Sanierungsmaßnahme
durch Messung der Radonkonzentration in der
Abluft des Radonbrunnens
0
20000
40000
60000
80000
100000
120000
140000
160000
180000
08.06.
08.06.
09.06.
09.06.
09.06.
10.06.
10.06.
10.06.
11.06.
C-Rn in Bq/m³
Lüftung
aktiv
Lüftung
deaktiviert
Lüftung
aktiv
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Prüfung Sanierung – Monitormessungen R1-1
0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
02:00
04:00
06:00
08:00
10:00
12:00
14:00
16:00
18:00
20:00
22:00
00:00
02:00
04:00
06:00
08:00
10:00
12:00
14:00
16:00
18:00
20:00
22:00
00:00
02:00
04:00
06:00
C-Rn in Bq/m³
Anstieg von
950 Bq/m³
auf
25.000 Bq/m³
0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
02:00
04:00
06:00
08:00
10:00
12:00
14:00
16:00
18:00
20:00
22:00
00:00
02:00
04:00
06:00
08:00
10:00
12:00
14:00
16:00
18:00
20:00
22:00
00:00
02:00
04:00
06:00
C-Rn in Bq/m³
Anstieg von
950 Bq/m³
auf
25.000 Bq/m³
Anstieg nach Abschaltung
des Belüftungssystems

Bernd Leißring
Hartmut Schulz
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 43
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Nachweis Sanierungserfolg
950
1.800
550
1.500
1.000
100
1.200
1.000
1.000
800
1.000
400
300
400
250
500
50
300
200
500
29.400
7.000
2.500
5.500
2.500
5.000
20.000
9.000
4.000
4.000
10.000
1.500
1.500
3.000
2.400
3.000
70
8.000
1.500
4.000
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
R1-1
R1-2
R1-3
R1-4
R1-5
R1-7
R2-1
R2-3
R2-4
R2-5
R2-7
R2-8
R3-1
R3-2
R3-3
R3-4
R3-5
R3-6
R3-7
R3-8
Belüftungssystem in Betrieb
Belüftungssystem außer Betrieb
2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. in Dresden
GEOPRAX - IAF
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Ohne Systemverständnis (Haus im Bergbaugebiet)
ist keine Sanierung möglich
Vorarbeiten zur Erfassung des Ist-Zustands sowie
zur Klärung des Systemverständnisses notwendig
Systemverständnis ermöglicht gezielten
Einsatz technischer Maßnahmen
Durch gezielte technische Maßnahmen wird
enorme Reduzierung der Radonkonzentration erreicht

Seite 44
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006

Andreas Guhr
Hans-Georg Henjes, Thomas Kloepzig
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 45
Radonsanierung eines historischen Gebäudes
aus dem Gebiet des Altbergbaus
Radon reorganization of a historical building
from the area of the old mining industry
Andreas Guhr
1)
Hans-Georg Henjes
2)
Thomas Kloepzig
1)
1)
Altrac Radon-Messtechnik Berlin
2)
Bergsicherung Schneeberg GmbH
Zusammenfassung
Die Bestandsaufnahme hinsichtlich der Radonkonzentration in einem etwa 300 Jahre alten Gebäude
erbringt stark erhöhte Messwerte. Es wurde eine Sperrung des Fußbodens gegenüber aus dem Bau-
grund eindringendem Radon durchgeführt. In Kombination damit wird Radon im Fußbodenunterbau
mittels Luftdrainage ausgespült.
Messungen nach der Sanierung zeigen deutlich niedrigere Radon-
werte. Die zusätzliche Installation eines handelsüblichen Lüfters kann eine weitere Senkung der Ra-
donkonzentration bewirken.
Summary
The stock-taking concerning the concentration of radon in a building that is about 300 years old shows
very high values. There was carried out a closure of the floor regarding radon gas from the basement.
In combination with an airdrainage system radon will be flushed outside the building. Measures of the
radon concentration after the refurbishment shows obvious lower values. With the additional installa-
tion of a usual ventilator it is possible to reduce the radon concentration further.
Einführung
Die Radonkonzentration in Wohn- und Aufenthaltsräumen wird im Wesentlichen durch das geogene
Radonpotential im Baugrund sowie die Bauart der Häuser bestimmt. Eine geringere Belüftung des
Gebäudes oder eine durch Bau- und Sanierungsmaßnahmen bedingte niedrigere Luftwechselzahl
kann zu einem deutlichen Anstieg der Radonexposition der Nutzer führen. So steigt die Radonkon-
zentration nach Umbauarbeiten zur Erhöhung der Energieeffizienz der betreffenden Häuser in etwa
der Hälfte der Fälle um 300 bis 700 Prozent. Bei Bestandsobjekten können die Kosten für eine Ra-
donsanierung stark variieren. Deshalb ist vor einer Sanierung zu prüfen, welche Maßnahmen für die
jeweiligen Bedingungen geeignet sind.
Die Situation
Erhöhte Radonkonzentrationen in Gebäuden können auftreten, wenn beispielsweise die nachfolgend
genannten Gegebenheiten vorliegen:
-das Gebäude liegt in einem Gebiet mit erhöhter Radonbelastung (radon-prone-areas);
-es befinden sich oberflächennahe bergmännische Auffahrungen unter dem Gebäude;
-das Gebäude wurde auf einer Halde errichtet;
-das Fundament und/oder die Außenwände des Kellers wurden nicht radondicht errichtet;
-beim Bau des Gebäudes wurde Baumaterial mit erhöhtem Radium-Gehalt verwendet.

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Radonsanierung eines historischen Gebäudes aus dem Gebiet des Altbergbaus
Seite 46
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
Den Hauptbeitrag für eine erhöhte Radonkonzentration im Gebäude liefert das unter dem Fundament
vorhandene Radonpotenzial. Das Radon kann auf zwei Arten in ein Gebäude gelangen:
-Eindringen von Radon als Bestandteil der Bodenluft infolge Druckdifferenzen durch Leckstellen
der erdberührenden Teile des Untergeschosses;
-Diffusion von Radon in das Gebäudeinnere.
Im Folgenden wird die Situation hinsichtlich der Strahlenbelastung infolge der Inhalation von Radon
der Bewohner eines ca. 300 Jahre alten Gebäudes vor und nach der Sanierung dargestellt. Das Ge-
bäude selbst befindet sich in einer der vom Bundesamt für Strahlenschutz klassifizierten „radon-
prone-areas“ im Freistaat Sachsen. Während das Gebäude am Anfang als Huthaus für den Bergbau
diente, wurde es im Lauf der letzten beiden Jahrhunderte als Wohngebäude genutzt und während
dieser Zeit mehrfach um- und ausgebaut.
Das Gebäude ist mit einem ca. 10 m² großen Gewölbe unterkellert. Ein Fundament war vor Beginn
der Sanierungsmaßnahmen nicht vorhanden. Die Holzdielung der einzelnen Zimmer des Erdgeschos-
ses befand sich unmittelbar über einer Erdschüttung. Die nachfolgende Abbildung zeigt ein Zimmer
des Erdgeschosses zu dem Zeitpunkt, als die Dielung entfernt und die Messtechnik (Prof. von Philips-
born; Radiometrisches Seminar der Universität Regensburg) zur Erfassung der Radonkonzentration in
den einzelnen Räumen des Hauses aufgebaut wurde.
Abb. 1:
Erfassung der Radonkonzentration vor Baubeginn
Kenntnis darüber, ob erhöhte Werte der Radonkonzentration in einem Gebäude vorliegen, kann man
nur über Radonmessungen erlangen. Zu diesem Zweck wurden sowohl Übersichts- als auch Bewer-
tungsmessungen durchgeführt. Bei den Übersichtsmessungen über einen Zeitraum von wenigen
Stunden wurden kontinuierlich messende Geräte elektronischer Bauart eingesetzt, wohingegen bei
den Bewertungsmessungen passive Radon-Diffusionskammern auf der Grundlage von Kernspur-
Detektoren zum Einsatz kamen. In der Tabelle 1 sind die Mittelwerte der Langzeitmessungen der Ra-
donkonzentration in den einzelnen Räumen aufgeführt.

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Andreas Guhr
Hans-Georg Henjes, Thomas Kloepzig
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 47
Tab. 1:
Werte der ermittelten Radonkonzentration in den Räumen des
Objektes vor Beginn der Sanierung (Messzeit 1 Monat)
Raum
Belastung
Sanierungsraum EG
2.700 Bq/m³
Mittelzimmer EG
3.650 Bq/m³
Wohnzimmer EG
3.500 Bq/m³
Küche EG
3.270 Bq/m³
Bad EG
1.800 Bq/m³
Zimmer 1 DG
1.100 Bq/m³
Bad DG
1.230 Bq/m³
Zimmer 2 DG: Standort 1
530 Bq/m³
Zimmer 2 DG: Standort 2
850 Bq/m³
Kellergewölbe 24.500 Bq/m³
Realisierung der Radonsanierung
Die Gebäudearchitektur mit der gegebenen Teilunterkellerung erforderte Lösungen mit zwei Teilwir-
kungsansätzen. Die Bergsicherung Schneeberg GmbH als ausführender Fachbetrieb wählte für den
nicht unterkellerten Gebäudebereich eine bereits mehrfach erfolgreich erprobte Kombinationslösung
von Entlüftung des Gebäudeunterbaus mit einer Radonabdichtung des Erdgeschossfußbodens.
Diesem Prinzip entspricht der nachfolgend skizzierte Fußbodenaufbau:
5 cm Estrich
5 cm Schutzestrich
Trennlage (1x PE-Folie)
8 cm Dämmung
Voranstrich, Bitumen-Schweißbahn mit Alueinlage,
am Rand aufgekantet und mit Dickbeschichtung abgedichtet
15 cm Stahlbeton
Trennlage (1x PE-Folie)
25 cm Schotter mit Drainage DN 100,
Ab- und Zuluftverrohrung (KG - DN 100)
Abb. 2:
Schematische Darstellung des Fußbodenaufbaus
Zu diesem Zweck musste als Erstes die vorhandene Holzbalkendielung entfernt und ein der Aufbau-
stärke entsprechender Bodenaushub erfolgen. Die Entlüftung des Gebäudeunterbaus wurde durch
eine 25 cm starke Schotterschicht, Korngröße 45, in der in regelmäßigen Abständen Drainagerohr DN
100 eingebaut sind, erreicht. Diese werden auf eine Zuluft-Leitung und eine Abluft-Leitung zusam-
mengebunden. Der Austritt der Abluftleitung aus dem Gebäude sollte, wenn möglich, auf einen Hoch-
punkt gelegt werden, wie zum Beispiel über die Einbindung in ein Regenwasserfallrohr oder einen
Rauchabzug. Damit wird eine „Kaminwirkung“ erreicht, die die Durchspülung des Gebäudeunterbaus

image
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Radonsanierung eines historischen Gebäudes aus dem Gebiet des Altbergbaus
Seite 48
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
auf natürliche Weise, ohne Zufuhr von Elektroenergie erfolgen lässt. Über der Schotterschicht befindet
sich eine erste Lage aus stabiler PE-Folie, die erstens die nachfolgende Betonschicht von der Draina-
geschicht trennt und zweitens als Vorsperre für das aufsteigende Radon dient. Darauf wurde eine be-
wehrte Bodenplatte mit der statisch erforderlichen Betonqualität bzw. Stärke gegossen. Auf diese Be-
tonbodenplatte ist die eigentliche Radonabdichtung aufgebracht. Diese besteht aus einem Voranstrich
und einer aluminiumarmierten Bitumenschweißbahn mit einer Dicke von 1,5 mm, die mit einem Diffu-
sionskoeffizienten von Radon von 8,21x 10
-14
m²/s vom Hersteller als radondicht zertifiziert ist. Die
Schweißbahn wurde an den Außenwänden aufgekantet sowie mit einer Dickbeschichtung verschlos-
sen. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen auszugsweise die Reihenfolge der ausgeführten Arbeiten
zur Erstellung des radondichten Fußbodenaufbaus.
Abb. 3:
Verlegung von Drainagerohren in einer
Schüttung aus 25 cm Schotter
Als Schutz für die Radonabdichtung dient ein 5 cm starke Estrichschicht, auf die dann die Wärme-
dämmung aufgelegt ist. Über der Wärmedämmung liegt üblicherweise eine weitere PE-Trennfolie, auf
der letztlich der Estrich für den Fußbodenbelag aufgegossen wird.
Abb. 4:
Radondichte Folie mit aufgebrachter Armierung
Die Abluft wird unter Ausnutzung des Kamineffektes über ein Rohr an der Gebäudeaußenwand über
Dach abgeleitet. Die

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Dr. rer. nat. Andreas Guhr, Dipl.-Ing. Hans-Georg Henjes, Dipl.-Ing. Thomas Kloepzig
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 49
Abb. 5:
Ableitung der Luft aus dem Drainagesystem über Dach (Quelle: BAG Bern)
Eine Radonsanierung des Gewölbekellers wurde seitens der Bauherren nicht gewünscht, obwohl die
im Keller ermittelte Radonkonzentration mit ca. 25.000 Bq/m³ vergleichsweise hoch ausfiel. Mit dem
Ziel der Verhinderung des konvektiven Eintritts von Radon aus dem Keller in das Wohngebäude wur-
de eine radondichte Tür zwischen Keller und Flur des Erdgeschosses eingebaut.
Abb. 6:
Radondichte Kellertür
Erfolgskontrolle
Allein die Ermittlung der Radonkonzentration nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen kann Auf-
schluss über den Erfolg der ausgeführten Arbeiten zur Reduzierung der Radonkonzentration in einem
Gebäude geben. Zu diesem Zweck erfolgten nach der vollständigen Realisierung der Bauarbeiten
zeitaufgelöste Langzeitmessungen. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen den zeitlichen Verlauf der
Radonkonzentration in ausgewählten Räumen des Gebäudes.

Radonsanierung eines historischen Gebäudes aus dem Gebiet des Altbergbaus
Seite 50
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
12.02.06 01:00
12.02.06 07:00
12.02.06 13:00
12.02.06 19:00
13.02.06 01:00
13.02.06 07:00
13.02.06 13:00
13.02.06 19:00
14.02.06 01:00
14.02.06 07:00
14.02.06 13:00
14.02.06 19:00
15.02.06 01:00
15.02.06 07:00
15.02.06 13:00
15.02.06 19:00
16.02.06 01:00
16.02.06 07:00
16.02.06 13:00
16.02.06 19:00
17.02.06 01:00
17.02.06 07:00
Bq/m³
0
50
100
150
200
250
300
29.03.06 14:00
29.03.06 16:00
29.03.06 18:00
29.03.06 20:00
29.03.06 22:00
30.03.06 00:00
30.03.06 02:00
30.03.06 04:00
30.03.06 06:00
30.03.06 08:00
30.03.06 10:00
30.03.06 12:00
30.03.06 14:00
30.03.06 16:00
30.03.06 18:00
30.03.06 20:00
30.03.06 22:00
31.03.06 00:00
31.03.06 02:00
31.03.06 04:00
31.03.06 06:00
31.03.06 08:00
31.03.06 10:00
31.03.06 12:00
Bq/m³
Schlafzimmer OG rechts
Abb. 7:
Mittelzimmer Erdgeschoss und Schlafzimmer Obergeschoss
Die Abbildungen zeigen deutlich, dass die Radonkonzentration in den betreffenden Räumen im Ergeb-
nis der Sanierungsmaßnahmen signifikant gesunken ist (vgl. Tab. 1). Mit dem Ziel, die ausgeführte
Sperrung des Fußbodens gegen eindringendes Radon mit einer lüftungstechnischen Maßnahme zu
kombinieren, erfolgte im Kellergewölbe der Einbau eines kleinen Lüfters am Schornsteinzug. Die nach-
folgenden Abbildungen zeigen den Verlauf der Radonkonzentration in Abhängigkeit des Schaltregimes
des Lüfters.
0
100
200
300
400
500
600
700
800
01.03.2006 20:00
02.03.2006 20:00
03.03.2006 20:00
04.03.2006 20:00
05.03.2006 20:00
06.03.2006 20:00
07.03.2006 20:00
08.03.2006 20:00
09.03.2006 20:00
10.03.2006 20:00
11.03.2006 20:00
12.03.2006 19:00
13.03.2006 19:00
14.03.2006 19:00
15.03.2006 19:00
16.03.2006 19:00
17.03.2006 19:00
18.03.2006 18:00
19.03.2006 18:00
20.03.2006 18:00
21.03.2006 18:00
22.03.2006 18:00
Bq/m³
Lüfter bläst in
Keller
Lüfter bläst in
Keller
Lüfter bläst in
Schornstein
0
200
400
600
800
1000
1200
17.02.06 09:00
18.02.06 09:00
19.02.06 09:00
20.02.06 09:00
21.02.06 09:00
22.02.06 08:00
23.02.06 08:00
24.02.06 08:00
25.02.06 08:00
26.02.06 08:00
27.02.06 08:00
28.02.06 08:00
01.03.06 08:00
Bq/m³
Lüfter bläst in
Schornstein
Lüfter bläst in
Keller
Abb. 8:
Mittelzimmer Erdgeschoss und Wohnzimmer Erdgeschoss
Obwohl es sich nur um einen sehr kleinen Lüfter mit einer Leistungsaufnahme von 20 Watt handelt
zeigen die Abbildungen 8a und 8b den Einfluss des Lüfters auf den Verlauf der Radonkonzentration
im Gebäude. Es ist deutlich sichtbar, dass die Radonkonzentration bei Erzeugung eines Überdruckes
(Lüfter bläst in Keller) signifikant sinkt. Dagegen ist offensichtlich, dass die Radonwerte bei Erzeugung
eines Unterdrucks (Lüfter bläst in Schornstein) ansteigen.
Vom Bauherr selbst durchgeführte Versuche zur zusätzlichen manuellen Lüftung mit Fenster bzw.
Balkontür zeigten nur kurzfristig Wirkung und sind daher nur als Sofortmaßnahme geeignet.
Zusammenfassung
Die Radonexposition der Bewohner eines Hauses in einer der „radon-prone-areas“ in der Bundesre-
publik Deutschland konnte mittels der Realisierung einer Kombinationslösung von Entlüftung des Ge-
bäudeunterbaus mit einer horizontalen Abdichtung des Fußbodens des Erdgeschosses deutlich ge-
senkt werden. Die zusätzliche Installation eines Kleinlüfters am Schornsteinzug im Keller mit dem Ziel
der Erzeugung eines Überdruckes bewirkt eine weitere Senkung der Radonkonzentration in den
Wohnräumen bis unter die Obergrenze des Normalbereiches (250 Bq/m³).

Jürgen Conrady
Andreas Guhr, Bernd Leißring
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 51
Veränderung der Radonkonzentration in Gebäuden im Ergebnis
von Bau- und Sanierungsmaßnahmen – Fallbeispiele
Change of the radon concentration in buildings in the result of measures
of reconstruction and building – Case examples
Jürgen Conrady
1)
Andreas Guhr
2)
Bernd Leissring
3)
1)
PreCura-Institut für Präventive Medizin e.V., Schneeberg
2)
ALTRAC, Berlin
3)
Allgemeine Ausführungs- und Ingenieurgesellschaft für Bauprojekte mbH, Schneeberg
Einleitung
Die Radonexposition in Gebäuden wird nach dem Zigarettenrauchen als bedeutendste Ursache für
Lungenkrebs angesehen. Gegenwärtig werden die dementsprechenden europäischen, asiatischen
und amerikanischen epidemiologischen Studien gemeinsam ausgewertet. Obwohl dem Ergebnis nicht
vorgegriffen werden soll ist aber davon auszugehen, dass die bisherigen Risikoschätzungen bestätigt
und möglicherweise sogar erhöht werden [1]. Vor diesem Hintergrund sind Veränderungen der Ra-
donkonzentration zu werten, die im Ergebnis von baulichen Energiesparmaßnahmen an Gebäuden
entstehen können. Eine Beschreibung dieser Problematik und des internationalen Kenntnisstandes
findet sich bei [2].
Danach kann bei energieeffizienter Bauweise die Radonkonzentration erheblich ansteigen, wodurch
eine ökologisch sinnvolle Maßnahme möglicherweise durch ein zunehmendes Gesundheitsrisiko kon-
terkariert wird. Im Focus unseres Interesses stehen dabei nicht die Gebäude, die neu und nach mo-
dernen Standards errichtet werden, sondern diejenigen, die alt sind und schrittweise durch einzelne,
gezielte Umbau- und Rekonstruktionsmaßnahmen energieeffizienter werden sollen.
In diesem Beitrag werden daher Veränderungen der Radonkonzentration im Zeitraum von 1991-2002
im Zusammenhang mit baulichen Energiesparmaßnahmen an bestehenden Gebäuden beschrieben
und einzelne Fallbeispiele demonstriert.
1. Methodik
Im Zeitraum von 1991-2002 wurde die Radonkonzentration in einer Gebäudestichprobe aus Schnee-
berg und Schlema und anderen Orten des Landkreises Aue/Schwarzenberg wiederholt gemessen
(n = 385). Die Messungen erfolgten jeweils über ein Jahr mit Kernspurdetektoren und wurden teilwei-
se durch retrospektive Messungen ergänzt. Im Ergebnis wurde eine s.g. verbundene Stichprobe ge-
schaffen, die für die Analyse der Fragestellung vorteilhaft ist. Neben den Messungen wurden Daten zu
den baulichen Veränderungen nach Art und Zeitpunkt mittels standardisierter Methoden erhoben.
Dabei war der Zustand der Gebäude 1991 von besonderem Interesse, weil es erst danach Bau- und
Rekonstruktionsmaßnahmen im großen Umfang durchgeführt wurden. Diese Substichprobe umfasst
117 Gebäude und liegt dieser Auswertung zugrunde. Dabei wird als Anstieg oder Abfall ein Wert des
Quotienten aus der Radonkonzentration von 1991/2002 von ≥ 1,5 bzw. ≤ 0,5 gewertet. Ein Wert des
Quotienten > 0,5 und < 1,5 steht dabei für keine Veränderung.

Veränderung der Radonkonzentration in Gebäuden
im Ergebnis von Bau- und Sanierungsmaßnahmen - Fallbeispiele
Seite 52
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
2. Ergebnisse
Im Beobachtungszeitraum von 1991-2002 wurden ca. 97% der Gebäude mehr oder weniger umfas-
send rekonstruiert. Im Gegensatz zu den Gebäuden, die nicht baulich verändert wurden (Abb.1), ist
die Radonkonzentration hier im Vergleich zu den Ausgangswerten entweder angestiegen, gefallen
oder auch unverändert geblieben (Abb. 2).
0
250
500
750
1000
1250
1500
Rn-VORW.
0
500
1000
1500
Rn-NACHW.
Abb. 1:
Vergleich der Radonkonzentration in unveränderten Gebäuden 2002 (Rn-NACHW) zu 1991(Rn-VORW).
0,1
0,06
1
0,6
0,4
0,2
10
6
4
2
100
60
40
20
1000
600
400
200
10000
6000
4000
2000
Rn-Wz-02
30
40
50
70
100
200
300
500
700
1000
2000
3000
5000
Rn-Wz-91
Abb. 2:
Vergleich der Radonkonzentration in der Gebäudestichprobe 1991 zu 2002 im Wohnzimmer. Die blau
gekennzeichneten Werte sind erhöht, die grünen Punkte stehen für erniedrigte Werte. Rot sind die un-
veränderten Werte gekennzeichnet. (Lineare Regression F p< 0,0001).
Zwischen diesen verschiedenen Gruppen bestehen dabei keine Unterschiede hinsichtlich des Gebäu-
dealters, der Beschaffenheit des Baugrundes (Chi
2
p = 0,06, Fels; Chi
2
p= 0,224, Halde und Altberg-
bau), und hinsichtlich der Beeinflussung der Gebäude durch Anlagen des Altbergbaus (Chi
2
p =
0,473). Die Ausgangswerte der Radonkonzentration sowohl im Wohnzimmer als auch im Keller unter-
scheiden sich zwischen diesen Gruppen nicht. (Abb. 3). Im Vergleich zum Normalwert der Radonkon-
zentration im Aufenthaltsbereich von Gebäuden, sind diese Werte allerdings stark erhöht.
Nach Umbaumaßnahmen ist in einem Teil der Gebäude die Radonkonzentration im Wohnbereich
deutlich gefallen, im Kellerbereich sind die Werte konstant geblieben (Abb. 4). Der Abfall von durch-
schnittlich 1311 Bq/m
3
auf durchschnittlich 348 Bq/m
3
ist hoch signifikant. Die Beispiele 1-3 demonst-
rieren einzelne Fälle aus dieser Gruppe. Im ersten Fall wurde das Gebäude bis auf die Außenmauern

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Jürgen Conrady
Andreas Guhr, Bernd Leißring
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 53
komplett umgebaut, ohne dass allerdings spezielle Maßnahmen zum Radonschutz durchgeführt wur-
den. Das Gleich trifft auch im zweiten Fall zu. Neben der Betonierung des Kellerbodens und der Erd-
geschoßdecken, scheint auch die Umstellung von Einzelöfen auf eine Zentral- oder Fernheizung und
die Lokalisation des Heizkessels von Bedeutung zu sein. Unter diesen Umständen verursacht selbst
der Einbau von Isolierfenstern keinen Anstieg der Radonkonzentration.
Abb. 3:
Gegenüberstellung der Radonkonzentration 1991 der Gruppen mit fallender,
unveränderter und ansteigender Radonkonzentration zu 2002
Abb. 4:
Mittlere Radonkonzentration im Wohnzimmer und Keller in Gebäuden
mit erniedrigter Radonkonzentration im Wohnzimmer 1991 zu 2002

image
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Veränderung der Radonkonzentration in Gebäuden
im Ergebnis von Bau- und Sanierungsmaßnahmen - Fallbeispiele
Seite 54
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
Wenn die Radonkonzentration nach Umbauarbeiten angestiegen ist, bietet sich ein anderes Bild. Im
Gegensatz zu den Gebäuden mit fallender Radonexposition ändert sich die Radonkonzentration nicht
nur in Wohnbereich, sondern auch im Keller. Auch hier sind die Veränderungen hochsignifikant
(Abb. 5). Betrachtet man anhand von Beispielen das Spektrum von Umbaumaßnahmen in dieser
Gruppe, fallen einige Unterschiede auf. Rekonstruktionsmaßnahmen, die in der Regel eine Zunahme
der Radonkonzentration bewirken (Isolierfenster, Ofenheizung, Dämmung von Fassade und Dach)
werden häufig isoliert durchgeführt und in ihren Auswirkungen nicht durch Maßnahmen begrenzt, die
dieser Tendenz entgegenwirken können (z.B. gleichzeitige Betonierung des Kellerbodens und der
Kellerdecke, Einbau einer modernen Heizung, Verlagerung des Heizkessels aus dem Keller oder Erd-
geschoß u.a.).

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Jürgen Conrady
Andreas Guhr, Bernd Leißring
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 55
Abb. 5:
Veränderung der Radonkonzentration im Wohnzimmer und Keller in den
Gebäuden mit erhöhter Radonkonzentration nach Umbaumaßnahmen.
Die Beispiele 4-6 zeigen das Spektrum der Umbaumaßnahmen in dieser Gruppe.

Veränderung der Radonkonzentration in Gebäuden
im Ergebnis von Bau- und Sanierungsmaßnahmen - Fallbeispiele
Seite 56
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
3. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Die Radonkonzentration in einem Gebäude wird von vielen Faktoren beeinflusst, zu denen auch die
Gebäudeeigenschaften gehören.
Veränderungen dieser Eigenschaften durch Umbau- und Rekonstruktionsmaßnahmen können zu
erheblichen Veränderungen der Radonkonzentration führen.
Diese Problematik sollte bei der Planung und Ausführung von Maßnahmen zur energetischen Gebäu-
desanierung, insbesondere in Regionen mit erhöhter Radonexposition, beachtet werden.
Baumaßnahmen mit dem Ziel der Energieeinsparung verursachen in der Regel einen Anstieg der
Radonkonzentration.
Unter diesen Umständen sollten diese Baumaßnahmen gezielt durch solche ergänzt werden, die unter
Beachtung der Effektivität diesem Anstieg entgegenwirken können.
Methoden zur Prognostizierung der Auswirkungen von baulichen Veränderungen in der Planungspha-
se sind in der Entwicklung und sollten letztlich
die Ankopplung des Gebäudes an den Baugrund
den Radontransport in das Gebäude
die Kinetik der Transport- und Austauschprozesse innerhalb des Gebäudes und deren
Wechselwirkung mit baulichen Veränderungen
beschreiben können.
Im Rahmen einer gezielten Risikokommunikation mit der Bevölkerung, der Wirtschaft und Politik sollte
über diese Problematik aufgeklärt und eine adäquate Handlungsbereitschaft potentiell Betroffener
entwickelt werden.
Literatur
[1] The 1stMeeting of National Experts for WHO's International Radon Project
Geneva, 17-18. Januara 2005
[2] J. Conrady, A. Guhr, B. Leissring: Modelllösung für die Vermeidung erhöhter Werte
von Wohnungsradon durch bauliche Energiesparmaßnahmen
AZ 17349, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 2004

Walter-Reinhold Uhlig
Werner Preuße
Frank Bergmann
Alfred Taube
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 57
UNTERSUCHUNGEN ZUR RADONSITUATION IN PASSIVHÄUSERN
INVESTIGATIONS FOR RADON SITUATION IN PASSIVE HOUSES
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
1)
Dipl.-Ing. (FH) Frank Bergmann
1)
Dr. Werner Preuße
2)
Dipl.-Ing. (FH) Alfred Taube
2)
1)
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
2)
Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft, 2. Landesmessstelle für Umweltradioaktivität Chemnitz
Zusammenfassung
Passivhäuser sind Gebäude, die einen außerordentlich niedrigen Verbrauch an Heizenergie auswei-
sen. Erreicht wird das durch eine sehr gute Dämmung und hohe Dichtheit der Gebäudehülle. Passiv-
häuser werden grundsätzlich mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet.
Die Frage, inwieweit in Passivhäusern durch die hohe Dichtheit der Gebäudehülle und die Nutzung
eines Erdwärmetauschers die Gefahr erhöhter Radonkonzentrationen entsteht, war Inhalt der hier
vorgestellten Studie. Dazu wurden für vier ausgewählte Passivhäuser, die in Gebieten mit erhöhtem
Radongehalt in der Bodenluft errichtet worden sind, Innenraum-Radonkonzentrationen im zeitlichen
Verlauf erfasst. Die Messungen haben ergeben, dass die Passivhäuser, weitestgehend unabhängig
von der Bodenluftradonkonzentration sowie der Bauweise der Gebäude, dann sehr geringe Radon-
konzentrationen zeigen, wenn die Lüftungsanlage in Betrieb ist. Sobald diese ausgeschaltet wird,
steigt die Radonkonzentration im Gebäude deutlich an. Als besonders kritisch müssen Räume oder
Raumbereiche, die nicht in das Passivhaussystem und damit in den Wirkungsbereich der Lüftungsan-
lage eingebunden sind, eingeschätzt werden. Dagegen hatten in den Untersuchungsobjekten andere
Faktoren, wie die Radonexhalation der Baustoffe sowie das System der Frischluftfassung untergeord-
neten Einfluss auf den Radongehalt in der Raumluft.
Summary
Passive houses are buildings showing an extraordinary low level of heat energy consumption. This is
achievable by a very good heat insulation and high tightness of the external envelope of the build-
ing.Passive houses are always equipped with a ventilating system using heat recovery.
Subject of this study was whether the high tightness of the external envelope and the use of a ground
heat exchanger cause a risk of high indoor radon concentration in passive houses. Therefore four
selected passive houses, which were all situated in regions of high radon concentration in soil gas,
were investigated for indoor radon concentration and its temporal variation. Virtually independent on
the soil gas radon concentration and the architecture of the passive houses, the concentration of ra-
don was very low as long as the ventilating system was operational. As soon as the ventilating system
was switched off, the radon concentration increased significantly. Rooms or areas which are not inte-
grated into the passive house system and thus not included in the ventilating system were most criti-
cal. Other factors like the radon exhalation of building material and the inlet system for fresh outdoor
air had minor influence on the indoor radon concentration of the investigated buildings.

Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern
Seite 58
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27. September 2006
1.
Problemstellung Passivhaus und Radonbelastung
Nur wenige Fragen des Bauens stehen heute so im Mittelpunkt wie die Energieeinsparung in der Ge-
bäudenutzung. Das umso mehr, da die Energiepreise in den letzten Jahren in erheblichem Maße ge-
stiegen sind - und sich ganz sicher noch weiter erhöhen werden. Bereits in den 70-er Jahren des 20.
Jahrhunderts setzte sich – ausgelöst durch die erste Energiekrise 1973 – die Erkenntnis durch, dass
fossile Energieträger nicht in unbegrenzter Menge zur Verfügung stehen. Hinzu kommen in den letz-
ten Jahren verstärkt mahnende Stimmen, die die derzeit zu beobachtenden Klimaänderungen, deren
Auswirkungen nur erahnt werden können, zu einem großen Teil anthropogenen Ursachen zuordnen.
Analysiert man den Primärenergieverbrauch in Deutschland, entfallen auf die Beheizung von Gebäu-
den ca. 20% des Gesamtenergieverbrauchs. Diesen zu senken, ist Aufgabe aller Energiesparmaß-
nahmen im und am Gebäude. Der Gesetzgeber reagierte auf das Erfordernis zur Energieeinsparung
im Gebäudebau mit der 1977 eingeführten Wärmeschutzverordnung, seit 2001 und nach mehreren
Novellierungen als Energieeinsparverordnung (EnEV) bekannt.
In der EnEV werden energetische Standards definiert, die für Neubauten und – mit gewissen Ein-
schränkungen – in der Gebäudesanierung eingehalten werden müssen. Neben diesen Mindeststan-
dards existieren eine Reihe von darüber hinausgehenden Konzepten, so das Niedrigenergiehaus, das
Passivhaus, Nullenergiehaus usw.
Dabei beschreibt das
Passivhauskonzept
einen außerordentlich hohen energetischen Standard.
Durch steigende Energiepreise, gewachsenes Umweltbewusstsein, aber auch durch großzügige För-
derinstrumente in Verbindung mit sich ständig weiterentwickelnden technischen Lösungen hat das
Passivhaus in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung erlebt, sind viele Projekte geplant und
realisiert worden. Weitere werden folgen.
Ausgehend von den prinzipiellen Erkenntnissen zur Gefährlichkeit der Inhalation der kurzlebigen Fol-
geprodukte des natürlichen, radioaktiven Edelgases Radon-222 wurden in Deutschland wie auch in
anderen Ländern eine Reihe von Untersuchungsprogrammen zur genaueren Bestimmung des radon-
induzierten Lungenkrebsrisikos in Abhängigkeit von der Exposition, zur Verteilung von Radon-222 in
Gebäuden sowie zur Charakterisierung des geogenen Radon-Potentials durchgeführt. Einige für die
bauliche Praxis interessante Fragestellungen wurden dagegen bisher nur wenig untersucht. In diesem
Beitrag soll daher der Frage nachgegangen werden, welche Auswirkungen das Passivhauskonzept
auf die Radonbelastung der Raumluft hat. Die gefundenen Ergebnisse lassen zumindest tendenziell
Rückschlüsse auf eine Reihe weiterer Schadstoffbelastungen zu.
2.
Beschreibung des Passivhauskonzeptes
Mit dem Begriff des Passivhauses wird ein energetischer Standard für Gebäude beschrieben, der
nach [1] wie folgt eingegrenzt werden kann:
Der maximale Heizenergiebedarf darf den Wert von 15 kWh/(m²*a) nicht überschreiten.
Das entspricht, in Heizöl umgerechnet, einem jährlichen Bedarf von maximal 1,5 l/m².
Damit wird über 90 % weniger Heizenergie als in einem noch nicht energetisch sanierten
Altbau benötigt.
Mit Einhaltung dieser Grenzwerte wird erreicht, dass behagliche Temperaturen sommers
wie winters ohne separates Heizsystem, ausschließlich über die Einspeisung der erforder-
lichen Wärmeenergie in das Lüftungssystem erreichbar sind.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden zwei Grundprinzipien verfolgt:
Vermeidung von Wärmeverlus-
ten
und
Optimierung der Wärmegewinne
. Konkrete Maßnahmen sind im Folgenden zusammenge-
stellt:
Es ist ein sehr hohes Dämmniveau der opaken Bauhülle mit Wärmedurchgangskoeffizien-
ten (U-Werten) zwischen 0,10 und 0,15 W/(m²*K) zu realisieren. Besonderes Augenmerk
ist auf die Vermeidung von Wärmebrücken zu legen.

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Walter-Reinhold Uhlig
Werner Preuße
Frank Bergmann
Alfred Taube
Dresden, 27. September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 59
Um die äußere Hüllfläche zu minimieren, sollten Passivhäuser sehr kompakt gestaltet
werden. Große Fensterflächen sollen bevorzugt in Richtung Süden (zwischen Südost und
Südwest) orientiert sein.
Dreifachverglasung und supergedämmte Rahmenkonstruktionen ermöglichen einen U-
Wert des Fensters von weniger als 0,8 W/(m²*K). Damit durch das hohe Dämmniveau der
Fenster die solaren Wärmegewinne nicht zu stark eingeschränkt werden, soll der Ge-
samtenergiedurchlassgrad (g-Wert) der Fenster 50% nicht unterschreiten.
Sehr hohe Anforderungen sind an die Dichtheit der Gebäudehülle, die mit dem Blower-
Door-Verfahren zu überprüfen ist, zu stellen. Für die Drucktestluftwechselzahl (Wert für
den stündlichen Luftwechsel bei einer Druckdifferenz von 50 Pa) n
50
muss ≤ 0,6
-1
erreicht
werden.
Zwingend erforderlich ist eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung (Wärmetau-
scher). Sinnvoll ist die Vorerwärmung der angesaugten Frischluft über einen Erdwärme-
tauscher auf ca. 5
o
C.
Die Erwärmung des Brauchwassers kann durch Solarkollektoren oder auch eine Wärme-
pumpe unterstützt werden.
Ergänzt wird das Passivhauskonzept durch den Einsatz energiesparender Haushaltgeräte
und Beleuchtungsmittel.
Die Art des Heizungssystems ist für das Passivhaus von
untergeordneter Bedeutung, da – wie beschrieben – die
benötigte Heizenergie sehr gering ist. Es können nahezu
alle heute angewendeten Lösungen, wie traditionelle Öl-
bzw. Gasheizungen, aber auch Holz-Pelletheizung, So-
larunterstützung, Wärmepumpe usw. zur Anwendung
kommen.
In
Abb. 1
ist das Schema für ein Passivhaus beispielhaft
dargestellt.
In der folgenden
Tab. 1
sind die für den Passivhaus-
standard einzuhaltenden Kriterien den Anforderungen
der EnEV sowie realen Werten im Altbestand gegenüber
gestellt. Diese Zusammenstellung verdeutlicht das ver-
gleichsweise hohe Anforderungsniveau an Passivhäu-
ser.
Abb. 1:
Prinzipdarstellung der wesentlichen Elemente des Passivhauskonzeptes (nach [3])
Tab. 1:
Vergleich der Anforderungskriterien für Passivhäuser mit den Mindestforderungen
nach Energieeinsparverordnungen sowie üblichen Werten im Altbaubestand
Altbaubestand
EnEV
Passivhaus
Kriterium
Dimension
übliche Werte
An-
forderungen
An-
forderungen
Jahres-Heizenergiebedarf kWh/(m²*a) 120 ... 200 50…95 ≤ 15
Dämmniveau der opaken Bauteile (U-Wert)
W/(m²*K)
ca. 0,50 … 2,00
0,20 … 0,35
0,10 … 0,15
Dämmniveau der Fenster (U-Wert Gesamtsystem)
W/(m²*K)
2,8 ... 5,6
≤ 1,6
≤ 0,8
Gesamtenergiedurchlassgrad g der Fenster
-
k. A.
≥ 0,6
≥ 0,5
Drucktestluftwechselzahl n
50
1/h
k. A.
1,5 bzw. 3,0
≤ 0,6

Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern
Seite 60
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3.
Radon – ein natürlicher Luftschadstoff!
Das natürliche radioaktive Edelgas Radon-222 kann über seine kurzlebigen Folgeprodukte Lungen-
krebs verursachen. Die Wahrscheinlichkeit hierfür nimmt mit steigender Exposition zu. Die Anreiche-
rung hoher Radonkonzentrationen ist – abhängig von Bauweise und Gebäudezustand – in Gebäuden
möglich. Mit dem Problem "Radon in Gebäuden" haben sich deshalb nationale und internationale
Strahlenschutzgremien mehrfach befasst. Für Deutschland gibt es Stellungnahmen des Bundesamtes
für Strahlenschutz (BfS) und Empfehlungen der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK). Auch
die Europäische Kommission hat zu Radon in Gebäuden Empfehlungen ausgesprochen. Gesetzliche
Regelungen gibt es für spezielle Arbeitsplätze (z.B. Untertage). Radium-226, das langlebige Mutter-
nuklid von Radon-222, ist im Gestein, in Böden und in anorganischen Baumaterialien vorhanden und
bildet daher dort ständig Radon nach, das als Edelgas aus dem "Wirtsmaterial" zu einem bestimmten
Anteil freigesetzt und durch Konvektion und Diffusion zur Bodenoberfläche und ggf. in ein Gebäude
befördert werden kann.
Durch den Unterdruck, der in einem Gebäude i.d.R. gegenüber der Bodenluft herrscht, kann es in das
Gebäude gesaugt werden. Die Konvektion durch Undichtigkeiten in der erdberührenden Gebäudehül-
le ist meist die Hauptursache für erhöhte Radonkonzentrationen in Gebäuden.
Für eine niedrige Konzentration von Radon in der Raumluft, sind bei vergleichbaren Bodenradonkon-
zentrationen in erster Linie die folgenden Kriterien verantwortlich:
hohe Dichtheit der Gebäudehülle gegen das Erdreich
ausreichender Austausch der Gebäudeluft
Durch die im Passivhaus geforderte hohe (und kontrollierte) Gebäudedichtheit werden konvektive
Ströme aus dem Erdreich weitestgehend unterbrochen, sodass das Einströmen von Radon aus der
Bodenluft gegenüber heute üblichen Baustandards und vor allen Dingen gegenüber Altbauten deutlich
niedriger ausfallen dürfte. Die Reduzierung des Luftwechsels könnte andererseits zu einer Erhöhung
der Schadstoffbelastung in den Räumen führen. Hier ist vor allen Dingen die Art und Größe des Luft-
austausches maßgebend für die Qualität der Raumluft.
4.
Beschreibung der Untersuchungsobjekte und der durchgeführten
Messungen
4.1
Auswahl der Untersuchungsobjekte
Für die Untersuchungen wurden vier in den letzten Jahren in Sachsen errichtete Passivhäuser aus-
gewählt. Die Gebäudedaten sowie Daten zur Luftdichtheit und Ausbildung der Außenluftfassung wur-
den aus den zur Verfügung gestellten Bau- und Messunterlagen entnommen.
Die Objektauswahl erfolgte nach den folgenden Kriterien:
1. Vorliegen des Passivhausstandards als geprüftes Qualitätskriterium
2. Bereitschaft der Hausbewohner zur Durchführung der Messungen
3. hohe Radonbelastung in der Bodenluft
4. unterschiedliche Bausysteme und Entwurfskonzepte
Das erste Auswahlkriterium konnte auf Grund der Vorauswahl – es wurden ausschließlich durch das
Landesamt für Umwelt und Geologie gefördert Objekte in die Auswahl einbezogen - gesichert werden.
Eine erste Auswahl der Objekte erfolgte über die zu erwartende Radonbelastung der Bodenluft. Hier-
zu konnten die in der 2. Landesmessstelle für Umweltradioaktivität vorhandenen umfangreichen Daten
genutzt werden. Die Bereitschaft der Hausbewohner zur Unterstützung der Untersuchungen wurde
durch eine schriftliche Anfrage eingeholt. Mit dieser Anfrage wurden gleichzeitig die Gebäudedaten
abgefragt.
Insgesamt kristallisierten sich vier Objekte heraus, die in die Untersuchungen einbezogen werden
konnten. Die Bodenluftradonwerte im Umfeld der untersuchten Gebäude liegen im Bereich der obers-
ten durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) definierten Kategorie (> 100 kBq/m
3
).

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Seite 61
Unter den ausgewählten Gebäuden sind sowohl in Massiv- als auch Holzständerbauweise errichtete
Gebäude zu finden. In zwei Gebäuden bezieht sich der in die Belüftung einbezogene Bereich auf das
Gesamtgebäude, in zwei Beispielen sind einzelne Räume bzw. das gesamte Kellergeschoss nicht in
den belüfteten Bereich einbezogen.
In der folgenden Übersicht sind die wichtigsten Gebäudedaten sowie Ausgangswerte der Radonbelas-
tung zusammengestellt:
Tab. 2:
Zusammenstellung der Ausgangsdaten für die Untersuchungsobjekte
Kriterium
Haus 1
Haus 2
Haus 3
Haus 4
Bild
Geschossanzahl
3 Geschosse,
vollunterkellert
3 Geschosse,
vollunterkellert
3 Geschosse,
teilunterkellert
3 Geschosse,
vollunterkellert
Beschreibung der
Baukonstruktion
Massivbau (Kalksand-
stein, Massivdecken)
Klassisches Holzdach
mit Vollsparrendäm-
mung
Kellergeschoss massiv
(Beton)
Erd- und Obergeschoss
als Holzständerkonstruk-
tion
Klassisches Holzdach
Massivbau (Kalksand-
stein), um Massivbau-
körper aus Denkmal-
schutzgründen histori-
sche Holzständerkon-
struktion wiedererrichtet
Klassisches Holzdach
mit Vollsparrendäm-
mung
Massivbau (Kalk-
sandstein, Massivde-
cken)
Massivdach
Besonderheiten
Ein Raum des Unterge-
schosses (Flur) ist nicht
in das Lüftungskonzept
einbezogen!
Umbau einer Scheune;
Keller und Seitengebäu-
de sind nicht in das
Passivhauskonzept
einbezogen
Baujahr 2006 2001 2002 2005
Außenluftfassung
50 cm über dem Erd-
reich,
Erdregister
70 cm über dem Erd-
reich,
Erdregister
1 m über dem Erdreich,
Erdregister
2,5 m über dem
Erdreich,
Erdregister
Drucktestluftwech-
selrate n
50
[1/h]
0,39
0,56 bzw. 0,61
unbekannt
0,12 (!)
Nennluftwechsel
[1/h]
0,4 0,46 0,96 unbekannt
Bodenluftradon-
konzentration
[Bq/m³]
135.000 139.000 121.000 111.000
Radonkonzentra-
tion in der Außen-
luft [Bq/m³]
30 23 36 27

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Seite 62
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4.2
Beschreibung der Messungen
Die Messung der Bodenluftradonkonzentration erfolgte über vier bzw. – für Haus 2 - drei Messpunkte
in unmittelbarer Nähe zum Untersuchungsobjekt mittels des Messgerätes AlphaGUARD und einer
Bodenluft-Sonde. Die Radonkonzentration in der Außenluft wurde parallel zu den Messungen der
Radonbelastung im Gebäude mit dem Messgerät AlphaGUARD gemessen. Für die Messungen in den
Innenräumen wurden die folgenden Messgeräte eingesetzt:
AlphaGUARD
DOSEman
Radim 3a und Radim 5a
In den vier Untersuchungsobjekten wurden über einen Zeitraum von 9,5 bis 11,75 Tagen kontinuierli-
che Messungen mit einem Messintervall von einer Stunde durchgeführt. Die Anzahl der Messpunkte
und deren Anordnung im Gebäude ergaben sich aus den örtlichen Gegebenheiten. In der folgenden
Tabelle sind die Daten für die einzelnen Untersuchungsobjekte zusammengestellt.
Tab. 3:
Zusammenstellung der Messungen in den Untersuchungsobjekten
Kriterium
Haus 1
Haus 2
Haus 3
Haus 4
Messdauer
11,75 Tage
9,75 Tage
10,5 Tage
9,5 Tage
gesamt 4 5 5 4
Anzahl und
Ort der
Messpunkte
Unter- bzw. Kellerge-
schoss
1 3 1 1
Erdgeschoss 1 1 2 1
Dachgeschoss 1 1 1
außen 1 1 1 1
Da unterschiedliche Messgeräte zum Einsatz kamen, mussten die gemessenen Werte zum Teil korri-
giert werden.
Gemessen wurden die folgenden Daten:
Radonkonzentration innen und außen
Luftdruck innen und außen
Temperatur innen und außen
Luftfeuchte innen und außen
5.
Ergebnisse der Messungen
5.1. Übersicht
Die Messungen der Radonkonzentration lassen verallgemeinerungsfähige Aussagen zur Radonbelas-
tung in Passivhäusern bei Betrieb der Lüftungsanlage (Regelbetrieb) sowie abgeschalteter Lüftung zu.
In engem Zusammenhang wurde die Frage der Luftdichtheit der Gebäudehülle betrachtet.
Weiterhin wurden die folgenden Fragestellungen betrachtet, ohne endgültige, verallgemeinerungsfä-
hige Aussagen anzustreben:
Radonbelastung von nicht in die Lüftungsanlage einbezogenen Räumen sowie deren Auswir-
kungen auf die belüfteten Räume;
Belastung der Räume durch Exhalation aus den Baustoffen
Einfluss der Luftfassung und des Erdregisters auf die Radonbelastung im Gebäude

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Seite 63
5.2 Radonbelastung im Regelbetrieb sowie bei abgeschalteter Lüftungsanlage
Immer dann, wenn die Lüftungsanlage ordnungsgemäß betrieben wurde, sind in den Räumen sehr
geringe, im Bereich der Radonkonzentration der Außenluft liegende Werte, gemessen worden. Dieses
Ergebnis war insofern zu erwarten, da ein kontinuierlicher Luftaustausch gewährleistet ist und – wie
am Beispiel des Hauses 2 zu beobachten – zu jeder Zeit ein wenn auch geringer Überdruck im Ge-
bäude vorhanden war, der mit dazu beiträgt, dass keine radonbelastete Bodenluft durch Konvektion
nachströmen kann.
Sobald die Lüftungsanlage ausgeschaltet wurde, stiegen die Radonwerte in den Räumen der Gebäu-
de zum Teil deutlich an. Dieser Anstieg wurde vor allen Dingen dann beobachtet, wenn das Haus
nicht genutzt war, also auch keine Türen und Fenster geöffnet wurden. Sobald durch Fenster und
Türen Außenluft einströmen konnte (in Haus 2 Bezeichnung „Handwerker“ – s.
Abb. 2
), reduzierte
sich die Radonkonzentration in den Räumen, ohne auf die Werte im Lüftungsbetrieb abzusinken. Aus
Abb. 3
ist erkennbar, dass sich nach einer gewissen Zeit nach Abschaltung der Lüftungsanlage ein
neues Belastungsniveau ergibt, dieses aber nach Wiederaufnahme des Lüftungsbetriebes schnell
wieder auf das geringe Belastungsniveau bei Lüftungsbetrieb absinkt.
Diese Zusammenhänge sind in den folgenden beiden Kurven deutlich ablesbar:
Abb. 2:
Radonkonzentration Haus 1
Diagramm 2: Haus 1 - Radonkonzentrationen (1h-Auflösung) korrigiert
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
14.06.06 18:00
15.06.06 00:00
15.06.06 06:00
15.06.06
12:00
15.06.06
18:00
16.06.06
00:00
16.06.06 06:00
16.06.06
12:00
16.06.06 18:00
17.06.06 00:00
17.06.06 06:00
17.06.06 12:00
17.06.06
18:00
18.06.06
00:00
18.06.06
06:00
18.06.06 12:00
18.06.06 18:00
19.06.06 00:00
19.06.06 06:00
19.06.06 12:00
19.06.06 18:00
20.06.06
00:00
20.06.06
06:00
20.06.06
12:00
20.06.06
18:00
21.06.06 00:00
21.06.06 06:00
21.06.06 12:00
21.06.06
18:00
22.06.06
00:00
22.06.06
06:00
22.06.06
12:00
22.06.06
18:00
23.06.06 00:00
23.06.06 06:00
23.06.06 12:00
23.06.06 18:00
24.06.06
00:00
24.06.06
06:00
24.06.06
12:00
24.06.06
18:00
25.06.06
00:00
25.06.06
06:00
25.06.06 12:00
25.06.06 18:00
26.06.06
00:00
26.06.06
06:00
26.06.06
12:00
Datum / Uhrzeit
[B q /m ³]
MP 1 (UG RmHL) AG0202
MP 2 (EG Wohnen) DM168
MP 3 (OG Flur) R5a
MP 4 (Außenluft) AG1015
Lüftung aus →
H and w e rk er a k tiv

Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern
Seite 64
2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Abb. 3:
Radonkonzentration Haus 4
Die Größe sowie Geschwindigkeit des Anstieges der Radonbelastung bei abgeschalteter Lüftungsan-
lage wird durch die folgenden Kriterien beeinflusst:
Undichtigkeiten in der an das Erdreich angrenzenden Gebäudehülle (z.B. Durchdringungen)
Exhalation aus den Baustoffen (Einbau radonhaltiger Baustoffe)
Diffusion radonhaltiger Luft durch die Gebäudehülle.
Welche der hier genannten Ursachen im konkreten Falle wirkt, konnte im Rahmen der Studie nicht
eindeutig geklärt werden. Aus den Bauunterlagen der einzelnen Gebäude konnte aber entnommen
werden, dass – trotz Passivhausstandards – nicht in jedem Falle Baustoffe eingesetzt worden sind,
die nach dem Klassifizierungsvorschlag von Keller/Hoffmann [4] die Kriterien an Radondichtheit erfüll-
ten (siehe hierzu eine Zusammenstellung in [
5]), sodass mit einem gewissen Anteil diffusiven Eindrin-
gens von Radon gerechnet werden kann.
5.3 Radonquellen im Gebäude
Erhöhte Radonbelastungen in einzelnen Bereichen der Gebäude wurden vor allen Dingen dann ge-
messen, wenn Räume oder Raumbereiche nicht in das Lüftungskonzept eingebunden und diese
Räume nicht genügend zum Erdreich abgedichtet waren.
Diagramm 25: Haus 4 - Radonkonzentrationen (1h-Auflösung)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
07.07.06 18:00
08.07.06 00:00
08.07.06
06:00
08.07.06
12:00
08.07.06 18:00
09.07.06 00:00
09.07.06
06:00
09.07.06
12:00
09.07.06 18:00
10.07.06
00:00
10.07.06
06:00
10.07.06 12:00
10.07.06
18:00
11.07.06
00:00
11.07.06 06:00
11.07.06 12:00
11.07.06
18:00
12.07.06
00:00
12.07.06 06:00
12.07.06
12:00
12.07.06
18:00
13.07.06
00:00
13.07.06
06:00
13.07.06
12:00
13.07.06
18:00
14.07.06 00:00
14.07.06
06:00
14.07.06
12:00
14.07.06 18:00
15.07.06
00:00
15.07.06
06:00
15.07.06
12:00
15.07.06 18:00
16.07.06
00:00
16.07.06
06:00
16.07.06 12:00
16.07.06
18:00
17.07.06
00:00
17.07.06
06:00
Datum / Uhrzeit
[B q/m ³]
MP 1 (UG RmHL) AG1228
MP 2 (EG Wohnen) DM167&170
MP 3 (OG Flur) R3a
MP 4 (Außenluft) AG0940
→ Lüftung aus →

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Seite 65
Dieses betraf:
den Eingangsbereich in das Untergeschoss des Hauses 2 (
Abb. 4
– dort MP 3) sowie
Kellergeschoss und Nebengebäude des Hauses 3 (
Abb. 5 und 6
).
In Lüftungsanlage einbezogener
Bereich (gilt für Abb. 4 bis 6)
Abb. 4:
Grundriss Untergeschoss Haus 2
Abb. 5:
Längsschnitt Haus 3
Abb. 6:
Querschnitt Haus 3
In Haus 2 ergibt sich für den Vorraum (MP 3) eine sehr hohe und stark schwankende Radonbelastung
(
Abb. 7
), die auch auf die umliegenden Bereiche in abgeschwächter Form ausstrahlt (
Abb. 8
).

Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern
Seite 66
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Abb. 7 und 8:
Radonbelastung im Untergeschoss des Hauses 2 (mit bzw. ohne Meßpunkt 3)
0
50
100
150
200
250
300
350
[Bq/m ³]
MP 1 ( UG Vorrat)
MP 2 (UG Technik)
MP 4 (EG Kinderzimmer)
MP 5 (Außenluft)
Haus 2 - Radonkonzentrationen (1h-Aufglösung)
0
500
1000
1500
2000
2500
19.06.06 18:00
21.06.06
00:00
23.06.06 00:00
25.06.06 00:00
27.06.06
00:00
29.06.06 12:00
Datum / Uhrzeit
[Bq/m³]
MP 1 (UG Vorrat)
MP 2 (UG Technik)
MP 3 (UG Eingangsbereich)
MP 4 (EG Kinderzimmer)
MP 5 (Außenluft)

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Der Verlauf am Messpunkt MP 3 (s.
Abb. 7
) zeigt einen klaren Tagesgang wie er für viele Gebäude
mit erhöhten Radonbelastungen charakteristisch ist. Durch die ungenügende Dichtheit der erdberühr-
ten Hülle werden durch die sich im Tagesrhythmus ändernden Druckverhältnisse zwischen Gebäude
und Boden periodisch schwankende Radonkonzentrationen in das Haus gesaugt. Auffällig ist, dass
die Messpunkte MP 1 und MP 2 – beide im selben Geschoss wie MP 3, aber im belüfteten Bereich
des Gebäudes liegend – die Schwankungen des MP3 nachvollziehen, allerdings in deutlich abge-
schwächter Form (s.
Abb. 7 und 8
), was eine nicht ausreichende Dichtheit der in den Lüftungsverbund
eingebundenen Räume belegt. Dagegen ist am MP 4 (Obergeschoss) das Niveau des Radongehaltes
in der Außenluft festzustellen, was bereits für die Häuser 1 und 4 beschrieben wurde.
Für das Haus 3 (s.
Abb. 9
) lassen die großen zählstatistischen Messunsicherheiten der an MP 2 und 3
eingesetzten Messgeräte keine Aussagen über die Ankopplung des Kellers (MP 1) an die in den Lüf-
tungsverbund eingebundenen Räume zu. Lediglich der Verlauf der Messwerte an MP 4 mit gerätebe-
dingt kleineren Messunsicherheiten belegt diese Ankopplung, da bei einem um mehr als einen Faktor
10 niedrigeren Konzentrationsniveau ein ähnlicher Verlauf mit charakteristischen Minima und Maxima
wie an MP 1 zu beobachten war. Die Radonbelastung des Kellergeschosses mit Werten über 1.000
Bq/m³ ist in einen kritischen Bereich einzuordnen, während in den Wohnbereichen die Konzentration
von Radon in der Raumluft nur selten über 100 Bq/m³ steigt und damit im normalen Bereich liegt.
Abb. 9:
Radonbelastung Haus 3
5.4 Einfluss der Außenluftfassung und des Erdregisters
Für die Ansaugung der der Lüftungsanlage zuzuführenden Frischluft sind verschiedene Lösungen
bekannt. Hinsichtlich der Senkung des Radongehaltes in der Raumluft sollte ausschließlich eine An-
saugung deutlich über der Geländeoberfläche erfolgen. Dadurch wird sichergestellt, dass die den
Räumen zugeführte Frischluft mit den sehr geringen Radonkonzentrationen der Außenluft und nicht
den viel höheren der Bodenluft vorbelastet wird. Das zur Temperierung der angesaugten Luft zumeist
verlegte Erdregister muss in gleicher Weise wie die Gebäudehülle gegen Nachströmen von Bodenluft
abgedichtet sein, um den Radongehalt niedrig zu halten.
1
10
100
1000
10000
30.06.06 18:00
11.07.06 06:00
[Bq/m³]
MP 1 (UG RmHL)
MP 2 (EG Wohnen)
MP 3 (EG Küche)
MP 4 (OG Flur)
MP 5 (Außenluft)

Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern
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Bei den untersuchten vier Gebäuden – allesamt mit Ansaugstutzen für die Frischluft über dem Gelän-
deniveau (s.
Tab. 2
) und mit Erdregister – konnten keine Indizien für eine erhöhte Radonkonzentration
in der angesaugten Luft gefunden werden. Trotzdem sollte diesem Problem – auch in Hinsicht auf
einen längerfristigen Betrieb der Lüftungsanlage – weitere Aufmerksamkeit gewidmet werden.
6. Zusammenfassung
Die Untersuchungen an insgesamt vier Objekten haben gezeigt, dass Passivhaus und Radonschutz
keinen Gegensatz bilden. Durch die kontrollierte Lüftung mit einem ständig wirkenden geringen Über-
druck in den Räumen und durch die hohen Anforderungen an die Dichtheit der Gebäude liegt die Ra-
donkonzentration in den Räumen im Bereich oder nur gering über der Radonkonzentration in der Au-
ßenluft und damit deutlich niedriger als in den meisten konventionell errichteten Gebäuden.
Erhöhte Radonbelastungen ergeben sich immer dann, wenn die Lüftungsanlage nicht betrieben wird
oder Räume und Raumbereiche nicht in die Zwangsbelüftung einbezogen sind. Hier führen dann
kleinste Undichtheiten in der an das Erdreich angrenzenden Gebäudehülle und/oder Exhalationen aus
den eingesetzten Baustoffen zu erhöhten Radonkonzentrationen in den Räumen. Diese könnten bei
sehr hohen Radonwerten in der Bodenluft zu kritischen Werten in der Raumluft führen. Die Forderung
muss deshalb im Zusammenhang mit dem Bau von Passivhäusern sein, alle Räume des Gebäudes in
das Lüftungskonzept einzubeziehen.
Von Interesse für weitere Untersuchungen dürfte sein, wie sich die Dichtheit der Gebäudehülle und
der technischen Anlagen sowie die ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit der Lüftungsanlage über
einen längeren Zeitraum verhalten. Zurzeit existieren keine Regelungen zur wieder kehrenden Prü-
fung der Dichtheit der Gebäudehülle über die Lebensdauer eines Gebäudes. Hier sollten über weitere
Untersuchungen Grundlagen geschaffen werden, um zu einer sinnvollen Regelung zu kommen.
7. Literaturverzeichnis
[1]
Passivhaus Institut Dr. Wolfgang Feist:
www.passiv.de
[2]
Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei
Gebäuden - Energieeinsparverordnung (EnEV) - vom 16.11.2001 in der Fassung vom
8.12.2004
[3]
Bergmann, Frank: Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern; Diplomarbeit HTW
Dresden(FH), 2006
[4]
Keller, G. und B. Hoffmann: Forschungen zum Problemkreis Radon, 14. Statusgespräch 2001
[5]
Uhlig, Walter-Reinhold: Baulicher Radonschutz im Neubau und Sanierungsmaßnahmen an
bestehenden Gebäuden; Tagungsband zur 1. Tagung Radonsicheres Bauen, Dresden 2005

Lutz Werner
Nick Leißring
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 69
Praktischer Radonschutz mittels PEHD-Kunststoffdichtungsbahnen
Practical Protection from Radon with HDPE-Liners
Lutz Werner
1)
Nick Leißring
2)
1)
AKW Umwelttechnik Service GmbH, Grünhain
2)
Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX, Chemnitz
Zusammenfassung
Der Einsatz von PEHD-Dichtungsbahnen zum praktischen Radonschutz für Neubauten und zu sanierende
Altbauten ist von aktuellem Interesse. Ausgehend von der Beschreibung des Produktes und den Vorteilen von
PEHD-Dichtungsbahnen werden die möglichen Anwendungsgebiete angegeben. Die fachgerechte Verlegung der
Folien mit genormter chemischer Beständigkeit durch einen Spezialbetrieb sowohl als Abdichtung gegen Wasser
als auch gegen Radonzuflüsse wird dargelegt. Die dabei zu erzielenden ökologischen Vorteile sind mit
ökonomisch günstigen Bedingungen verbunden. An mehreren Beispielen werden gewonnene Erfahrungen
vermittelt und spezielle Elemente zum Radon- und Feuchtigkeitsschutz vorgestellt.
Summary
The use of HDPE-Liners fort he practical protection from radon for new buildings and old buildings which are
redeveloped is of acute interest. Coming from the description of the product and the advantages of HDPE-Liners
the possible the areas of use will be mentioned. The professional (expert) laying of the HDPE-Liners with
standardized chemical resistance by a special firm as seal against radon-inflows will be showed. The gained
experiences will be presented and also special elements for the protection against radon and damp.
Der Vortrag wird durch ausgewählte Folien der Powerpoint-Präsentation dargestellt.
Produktbeschreibung
Kunststoffdichtungsbahnen werden seit mehr als15 Jahren aus PE hoher Dichte im
Extrusionskalanderverfahren hergestellt. Das UV-stabilisierte Granulat wird dabei in
speziell für diesen Verwendungszweck gebauten Extrudern aufgeschmolzen,
homogenisiert und anschließend über eine Breitschlitzdüse extrudiert.
Unmittelbar nachher wird die Dichtungsbahn in einem Kalanderglättwerk geformt,
kaIibriert und mit der jeweiligen Struktur versehen.
Zur Herstellung der nahtlos extrudierten PEHD Dichtungsbahnen werden nur speziell
ausgewählte, hochwertige Polyethylentypen mit ausgezeichneten physikalischen.
chemischen Eigenschaften sowie geprüften Langzeiteigenschaften ohne die Zugabe
von Regranulaten verwendet..
Diese Technologie ermöglicht die Herstellung von glatten und strukturierten Bahnen
in kalandrierter Ausführung bis zu 7 m Breite. Die Haupteinsatzgebiete der PEHD
Dichtungsbahnen sind Deponie- und Wasserspeichertechnik.
Glatte Dichtungsbahnen dienen primär der Basisabdichtung, die strukturierten
Bahnen kommen vorwiegend als Oberflächenabdichtung und im Böschungsbereich
von Deponien zum Einsatz. Durch die speziellen Oberflächenausbildungen der
Bahnen können selbst steilste Böschungen einwandfrei abgedichtet werden.
Quelle:
www.agru.at

Praktischer Radonschutz mittels PEHD-Kunststoffdichtungsbahnen
Seite 70
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
Produktbeschreibung
Vorteile der PEHD Dichtungsbahnen
hohe Chemikalienbeständigkeit
hohe Reißdehnung
hohe Durchstoßfestigkeit
auch bei niedrigen Temperaturen flexibel
Wärmebeständigkeit
hohe Dauerdruckfestigkeit
UV-beständig
gute Schweißbarkeit
hohe chemische und biologische Beständigkeit
nagetier- und wurzelbeständig hohe Witterungsbeständigkeit
geprüft nach nationalen und internationalen Normen und Richtlinien
Quelle:
www.agru.at
Produktbeschreibung
Anwendungsgebiete
Die bedeutendsten Anwendungsmöglichkeiten der schwarz eingefärbten,
UV-stabilisierten PEHD Dichtungsbahnen sind:
Basis- und Oberflächenabdichtung für Haus-, lndustrie- und
Sondermülldeponien
Auffangwannen und -räume für grundwassergefährdende Medien
Rückhaltebecken für ÖI-, lndustrie- und Klärschlämme
Abdichtung von Manipulationsbereichen in de petrochemischen Industrie
Grundwasserschutz im Bereich von Erzaufbereitungsanlagen
Auskleidung von Kanälen und Flussläufen
Abdichtung von Dämmen und Deichen bei Kanälen, Talsperren und Flüssen
Wasserspeicher
Minenindustrie
Feuchtigkeits- und Radonschutz in der Bauindustrie
Quelle:
www.agru.at

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Lutz Werner
Nick Leißring
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 71
Firmenbeschreibung
Unser Leistungsangebot umfasst Beratung und Ausführung von
1. Grundwasser und Bodenschutz nach WHG § 19
Deponiebasis und Oberflächenabdichtungen für Haus-, Industrie- und Sondermüll
Auffangwannen und Räume für wassergefährdende Flüssigkeiten, auch CKW und
doppellagig prüfbar
Tanklager, Verladestationen, Tankstellen
Straßenabdichtungen in Wasserschutzgebieten
Kühlanlagen, Deponiesickerwasserbecken, auch doppellagig prüfbar
Güllebecken
2. Wasserbau
Abdichtung von Flussläufen, Grabensystemen, Dämmen und Deichen
Auskleidung von Reservoirs und Regenrückhaltebecken, künstliche Seen und Teiche
Auskleidung kommunaler Schwimmbäder sowie privater Schwimmbecken, Pools
3. Ingenieurbau
Wannen- und Bauwerksabdichtungen gegen Feuchtigkeit und Radon
Betonschutzplatten für Abdichtungen von Kläranlagen, SIWA-Behältern,
Wasseraufbereitungsanlagen und Solebehälter, auch in prüfbarer doppellagiger
Ausführung.
Fachbetrieb nach § 191 WHG
Der Schutz des Bodens und des Grundwassers
nimmt eine wachsende Bedeutung aufgrund
zunehmenden Einsatzes umweltgefährdender
Stoffe ein (z. B. Chipindustrie).
Die der Gesellschaft auferlegten Verantwortung
findet ihren Niederschlag in den strengen
Gesetzesauflagen wie dem WHG (Wasserhaus-
haltsgesetz).
Die AKW-Umwelttechnik GmbH beweist ständig,
dass der Umweltschutz nicht nur ökologische
Vorteile bringt, sondern auch auf sehr ökonomische
Weise zu erzielen ist.
Die AKW-Umwelttechnik verwendet vorrangig
Kunststoffdichtungsbahnen, die den Anforderungen
nach § 19 WHG entsprechen.
Bei der Lagererrichtung ist die Abdichtung gegen
wassergefährdende Stoffe unentbehrlich. Dabei ist
es sinnvoll, Systeme zu verwenden, die eine
chemisch genormte Beständigkeit aufweisen.
Die Wahl derartiger Systeme gestattet dem
Anwender multifunktional nutzbare Lagerflächen in
Betrieb zu nehmen.

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Praktischer Radonschutz mittels PEHD-Kunststoffdichtungsbahnen
Seite 72
2. Tagung Radonsicheres Bauen
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Radon & Feuchtigkeitssperre
Horizontale Abdichtung mit PEHD-Schutzfolie
Radon & Feuchtigkeitssperre
Horizontale Abdichtung mit PEHD-Schutzfolie in Beton

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Lutz Werner
Nick Leißring
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 73
Radon & Feuchtigkeitssperre
Horizontale Abdichtung mit vertikalen Wandanschluss
Radon & Feuchtigkeitssperre
Horizontale Abdichtung mit Mediendurchführung

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Praktischer Radonschutz mittels PEHD-Kunststoffdichtungsbahnen
Seite 74
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
Radon & Feuchtigkeitssperre
Vertikale Abdichtung mit Mediendurchführung (System Doyma)
Qualitätssicherung
Die Abdichtung des Gebäudes gegen Radon mit verschweißten Kunststoffbahnen aus
PEHD erfordert spezielle Voraussetzungen und Bedingungen.
Dazu gehören:
Die Kunststoffbahnen aus PEHD dürfen nur durch qualifizierte Fachfirmen mit
entsprechenden Referenzen verlegt werden, die ein gültiges Prüfzeugnis
hinsichtlich der Schweißnahlausführung für PEHD-Dichtungsbahnen gemäß
DVS 2212 Teil 2 und 3 für nachfolgende Schweißverfahren nachweisen können:
- Heizkeilschweißen "HH" (III-3); Überlappnaht einfach und doppelt
- Warmgas-Extrusionsschweißen“WE/II“ (II-1), V-Nacht, s = 20 mm
Die Verlegefirma muss entsprechende Referenzen über ausgeführte Objekte nach-
weisen können. Die Referenzen müssen dem entsprechendem Angebot beigelegt
werden. Für die Verlegung der Kunststoffdichtungsbahnen gelten folgende
Rahmenbedingungen:
Für die horizontale Dichtung sind Kunststoffdichtungsbahnen aus PEHD, Basis
Dowlex von mind. 2 mm Dicke zu verwenden, die verschweißt werden können
und eine entsprechende DIBt-Zulassung haben.
Das verwendete Material muss ein aktuelles Prüfzeugnis hinsichtlich seiner
Radondichtheit aufweisen. Das aktuelle Prüfzeugnis muss dem Angebot
beigelegt werden.

Lutz Werner
Nick Leißring
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 75
Qualitätssicherung
Für die Verschweißung der Dichtungsbahnen und Formteile sind folgende Schweiß-
verfahren zu verwenden:
- Heizkeilschweißen mit Überlappung und Prüfkanal
- Extrusionsauftragsnahtschweißen.
Die auf der Baustelle ausgeführten Schweißnähte sind im Rahmen der Eigen-
überwachung zu prüfen. Entsprechende Prüfprotokolle (mind. 1 Protokoll je
Baukörper) sind der Bauleitung zu übergeben, externe Schweißnahtdichtekontrolle
wird vorbehalten. Die Verlegung und Verschweißung der
Kunststoffdichtungsbahnen ist an folgende klimatische Bedingungen gebunden:
- Temperatur > 5 °C
- Relative Luftfeuchte < 80 %
Um den Baufortschritt auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen zu
gewährleisten, sind Abdeckungen der Schweißflächen sowie ggf. Schweißtunnel mit
Lufttrocknung durch den Verleger einzusetzen. Entscheidend für die Ausführbarkeit
der Schweißung ist dabei das Ergebnis der Probeschweißung.
Für die Ausführung der horizontalen Dichtung gelten nachfolgende verlegtechnische
Grundsätze: .
- Alle Schweißnähte der Bahnen sind mit Überlappungen auszubilden.
- Die Kunststoffdichtung wird auf einem bauseits zu erstellendem stein- und
wurzelfreiem, ebenem und verdichtetem Planum (auch Beton-Sauberkeits-
schicht) verlegt.

Seite 76
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006

Walfried Löbner
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 77
LUFTAUSTAUSCH IN GEBÄUDEN -
BESTIMMUNG DER LUFTWECHSELRATE IN RÄUMEN
AIR INTERCHANGE IN BUILDINGS -
DETERMINATION OF THE CHANGE OF AIR RATE IN ROOMS
Walfried Löbner
WISMUT GmbH Chemnitz
Zusammenfassung
Der Luftaustausch in Gebäuden hat einen wesentlichen Einfluss auf die Radonkonzentration. Es
werden verschiedene Verfahren zur experimentellen Bestimmung des Luftaustausches durch die
Gebäudehülle diskutiert. Dabei wird auf bestehende Normen verwiesen. Die gesonderte Bestimmung
der Luftwechselrate bzw. des mittleren Alters der Luft in Räumen eines Gebäudes mittels Tracergas-
Technologie hat sich für die Bewertung der Radonsituation in praktischen Anwendungsfällen als
hilfreich erwiesen.
Summary
The air flow and the air exchange in buildings have a significant influence on the indoor radon
concentration. It will be discussed several techniques to characterize the infiltration air flow and the air
exchange through the building envelope or through walls with imperfections and openings. Standards
developed are mentioned. For the assessment of the radon situations in buildings the determination of
the air exchange rate or the mean age of air the tracer gas dilution turned out to be rather useful.
1. Problemstellung
Da sich der erwachsene Mensch in den industrialisierten Ländern Europas durchschnittlich bis zu 90%
des Tages in Innenräumen aufhält, hat die Innenraumluftqualität und damit auch die Radonsituation in
Gebäuden für die Gesundheitsvorsorge bzw. den Strahlenschutz der allgemeinen Bevölkerung einen
hohen Stellenwert. Die Charakterisierung der Radonsituation in Wohnhäusern, in Gebäuden mit
ständigen Arbeitsplätzen und in öffentlichen Gebäuden (Schulen, Kindergärten,
Verwaltungsgebäuden) steht im engen Zusammenhang mit den verstärkten Anstrengungen zur
Gewährleistung der Luftqualität in Innenräumen bei beabsichtigten Maßnahmen zur
Gebäudesanierung und Energieeinsparung. Die heutige Ausstattung von Gebäuden mit dicht
schließenden Fenstern, gedämmten Fassaden und Dächern kann einen zu geringen Luftaustausch
und damit eine Zunahme der Schadstoffkonzentrationen (somit auch Radon) zur Folge haben. Die
praktischen Erfahrungen der letzten Jahre haben ergeben, dass die Radonproblematik in Gebäuden
nicht losgelöst vom Luftaustausch und den Luftvolumenströmen bewertet werden kann, da häufig
konvektive Transportprozesse die dominierende Ursache für erhöhte Radonkonzentrationen in den
Innenräumen darstellt und das Radon durch Gebäudeluftströmungen aus dem Baugrund vom
Kellergeschoß bis in die obersten Etagen transportiert wird [1]. Infiltration und Lüftung haben einen
entscheidenden Einfluss sowohl auf das Raumklima und den Energiebedarf von Gebäuden als auch
auf die Radonsituation in den Innenräumen. Radonsicheres Bauen und fundierte Radon-Sanierung
von Gebäuden mit vorhandenen erhöhten Radonkonzentrationen verlangen deshalb eine verstärkte
Nutzung des ingenieurtechnischen Wissens der Gebäudeklimatisierung und experimentelle Verfahren
zur Bestimmung des Luftaustausches in Gebäuden. In der Regel reichen integrierende
Radonmessungen in den Innenräumen eines Gebäudes nicht aus, um den Einfluss des
Luftaustauschens auf die Radonsituation bewerten zu können.

Luftaustausch in Gebäuden -
Bestimmung der Luftwechselrate in Räumen
Seite 78
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
Bereits in den 80er Jahren wurden vom Air Infiltration and Ventilation Centre (AIVC) einfache
Berechnungsmethoden zum Luftaustausch in Gebäuden angegeben [2]. Der Luftaustausch in
Gebäuden ist mittlerweile Gegenstand spezieller internationaler Konferenzen (z. B. AIR
DISTRIBUTION IN ROOMS
Ventilation for Health and Sustainable Environment Reading, UK, 2000)
[3] geworden
.
Entsprechende Erkenntnisse fanden in letzter Zeit auch in deutschen Normen [4] ihren
Niederschlag. Mit dem Blower-Door-Verfahren wurde ein Messverfahren insbesondere im
Zusammenhang mit der Umsetzung der Energieeinsparverordnung in die Baupraxis eingeführt [5]. Die
Bestimmung des lokalen Alters der Luft in Gebäuden zur Charakterisierung der Lüftungsbedingungen
wurde von der Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) als Norm-Entwurf [6] der Öffentlichkeit
vorgelegt. Diese Messverfahren werden noch zu wenig im Zusammenhang mit der Bewertung der
Radonsituation in Gebäuden praktiziert.
Anliegen dieses Beitrages ist es, die Methoden zur Charakterisierung des Luftaustauschs in
Gebäuden für die Ermittlung von Parametern zur Quantifizierung der Radonsituation in Innenräumen
zu diskutieren. Die Kombination von experimentellen Verfahren zur Charakterisierung des
Luftaustausches und der Bestimmung der Radonkonzentration (zeitaufgelöste Messungen der Rn-
Konzentration) in Gebäuden kann einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des
Systemverständnisses leisten.
2. Bestimmung von Luftvolumenströmen in Gebäuden
Im Zusammenhang mit erhöhten Radonkonzentrationen in einem Gebäude sind zwei verschiedene
Infiltrations-Volumenströme in ein Gebäude von Interesse:
-
die Infiltration von Bodenluft durch die Gebäudehülle im Keller- bzw. Erdgeschoß, die die
Radoneintrittsrate wesentlich bestimmt und
-
die Infiltration von Außenluft durch die Gebäudehülle bzw. durch Lüftungsöffnungen, die
infolge des Verdünnungseffektes in der Regel zu einer Reduzierung der
Radonkonzentration in einzelnen Räumen des Gebäudes führt.
Diese Prozessgrößen sind für jedes Haus unikal und können aus Bauunterlagen und
Gebäudegeometrien nicht abgeleitet werden.
Bei der Infiltration handelt es sich um den unkontrollierten Luftaustausch durch Undichtigkeiten (Risse,
Fugen und Öffnungen) in der Gebäudehülle. Infiltrations-Volumenströme werden durch Winddruck
und Druckdifferenzen infolge von Temperaturunterschieden (Auftriebsdruck) hervorgerufen. Der
Auftriebsdruck wird weiterhin dadurch beeinflusst, ob sich eine senkrechte Luftleitung
(Lüftungsschacht, Schornstein, Treppenhaus) im Gebäude im offenen oder geschlossenen Zustand
befindet. Die mathematische Beschreibung der Luftströmung durch Risse, Spalten und Öffnungen in
der Gebäudehülle ist sehr komplex, so dass vereinfachende Annahmen getroffen werden müssen.
Für relativ große Öffnungen (Lüftungsschlitze, große Fugen, geöffnete Fenster) ist die Strömung
normalerweise turbulent und der Infiltrationsvolumenstrom kann durch folgende Gleichung
beschrieben werden:
2
1
inf
2
q
=
C
d
A
p
V
ρ
(1)
wobei C
d
der Öffnungsbeiwert,
ρ
die Luftdichte,
A die Querschnittsfläche der Öffnung und
∆p
die Druckdifferenz an der Öffnung sind.

Walfried Löbner
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 79
Für enge Ritzen und Spalten mit relativ langen Strömungswegen ist die Strömung im Wesentlichen
laminar und der Infiltrationsvolumenstrom proportional zur Druckdifferenz. Im praktischen
Anwendungsfall kann in der Regel zwischen den Strömungsarten nicht unterschieden werden. Es hat
sich für den Infiltrationsvolumenstrom ein Potenzansatz
( )
n
q
V
=
C
inf
p
inf
(2)
bewährt, wobei n der Strömungsexponent (n = 0,67) und C
inf
der Durchlässigkeitskoeffizient [2, 4]
sind, die experimentell (z. B. nach ISO 9972) oder durch Erfahrungswerte (siehe AIVC) zu bestimmen
sind.
Die Druckdifferenz durch den thermischen Auftrieb wird durch die Temperaturunterschiede zwischen
der Innenraumluft und Außenluft bzw. dem Temperaturunterschied zwischen verschiedenen
Geschossen eines Gebäudes bestimmt. Durch Wind hervorgerufene Infiltrations-Volumenströme
können ebenfalls mit einem Potenzansatz gemäß Gl. (2) beschrieben werden. Die
Winddruckdifferenzen sind vom Gebäudetyp sowie vom Windschutz (Lage des Gebäudes in der
Umgebung) abhängig und proportional dem Quadrat der Windgeschwindigkeit v
w
[2, 4].
Auftriebsbedingte Druckunterschiede sind oft in der gleichen Größenordnung wie diejenigen infolge
des Winddrucks.
Die Infiltrations-Volumenströme an einem Gebäude sind in der Regel einer direkten Messung (mittels
Anemometer) nicht zugänglich, so dass sie über Modellannahmen aus messbaren Parametern zu
ermitteln sind. Folgende Messgrößen sind somit für die Quantifizierung der Infiltrations-
Volumenströme in einem Gebäude von Relevanz:
Zeitabhängigkeit der Außenlufttemperatur T
A
(t),
Zeitabhängigkeit der Innenraumlufttemperatur T
i
(t) in verschiedenen Zonen in
einem Gebäude,
Zeitabhängigkeit der Windgeschwindigkeit v
w
,
Differenzdruck zwischen außen und innen bzw. zwischen verschiedenen Zonen in
einem Gebäude.
Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die meteorologischen Parameter (Außenlufttemperatur,
Windgeschwindigkeit) und damit auch der Differenzdruck tages- und jahreszeitlichen Schwankungen
unterworfen sind. In der Regel sind damit die Luftvolumenströme in einem Gebäude instationär, so
dass für die Bewertung die Kenntnis der Zeitabhängigkeit dieser Messgrößen von Bedeutung ist.
Für die Bewertung der Radonsituation in einem Gebäude hat sich die unmittelbare zeitaufgelöste
Messung des Differenzdruckes an charakteristischen Stellen an einem Gebäude bewährt.
Die Abbildung 1 zeigt beispielhaft den Differenzdruck gegenüber der freien Atmosphäre an einem
mehrgeschossigen Gebäude im Erdgeschoss unter winterlichen Bedingungen, der einen
Infiltrationsvolumenstrom aus dem Kellergeschoss und der kälteren Außenluft zur Folge hat. Damit
wird radonhaltige Luft aus dem Keller- in das Erdgeschoß transportiert und zusätzlich die
Konzentration durch Infiltration von Außenluft (mit relativ geringer Radon-Konzentration) verdünnt. In
einem Gebäude verursachen unter natürlichen Belüftungsbedingungen Druckdifferenzen von wenigen
Pa entsprechende Infiltrations-Volumenströme.
In Gebäuden mit einem maschinellen Lüftungssystem muss beim Luftaustausch im Gebäude
zusätzlich der Volumenstrom des maschinellen Lüftungssystems berücksichtigt werden [4]. Wird vom
Heizungssystem die Verbrennungsluft der Raumluft entnommen, so resultiert daraus ebenfalls ein
Volumenstrom im Gebäude [4]. Temperaturunterschiede innerhalb des Gebäudes (z. B. Treppenhaus
und Räume in verschiedenen Etagen) verursachen im Gebäude Innenvolumenströme, die ggf.
zusätzlich zu beachten sind. Die prinzipielle Vorgehensweise beim Berechnungsverfahren zur
Bestimmung von Luftvolumenströmen in Wohnungen (Gebäuden) ist in der DIN EN 13465 [4]
beschrieben. Wurden zusätzlich die Radonkonzentrationen in den verschiedenen Zonen des
Gebäudes und in der Außenluft zeitaufgelöst gemessen, so lässt sich in Kombination mit den
abgeschätzten Volumenströmen die Radonsituation im Gebäude fundierter bewerten.

Luftaustausch in Gebäuden -
Bestimmung der Luftwechselrate in Räumen
Seite 80
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
Abb. 1:
Zeitabhängigkeit einer Differenzdruckmessung zwischen einem Innenraum und der Außenluft unter
winterlichen Bedingungen im Erdgeschoß
3. Anwendung der Blower-Door-Technologie
Im Zusammenhang mit der Verbesserung des Wärmeschutzes von Gebäuden und den
Anstrengungen zur Verringerung der Lüftungswärmeverluste wurden in den letzten Jahren
verschiedene Mess- und Bewertungsverfahren entwickelt. International durchgesetzt hat sich hierzu
das Differenzdruckverfahren mittels Blower-Door [5], das eine Quantifizierung der Undichtigkeit der
Gebäudehülle bzw. die Quantifizierung von Leckagen erlaubt. Diese Technologie wird standardmäßig
zur Bestimmung der Luftdichtheit von Gebäuden (insbesondere bei Niedrigenergiehäusern) und zur
Quantifizierung von Luftleckagen in der Gebäudehülle eingesetzt.
Es wird mittels Ventilator mit regelbarem und kalibriertem Luftvolumenstrom im Gebäude bzw. in
einzelnen Räumen ein Über- oder ein Unterdruck erzeugt. Damit ist es möglich, systematisch die
Abhängigkeit der erzeugten Druckdifferenzen vom künstlich erzeugten Volumenstrom zu ermitteln. Bei
Anwendung von Gl. (1) bzw. Gl. (2) kann damit der Öffnungsbeiwert oder der effektive
Durchlässigkeitskoeffizient für eine Gebäudehülle oder einer definierten Zone im Gebäude
experimentell ermittelt werden.
Aus dem Quotienten von Volumenstrom Q und dem belüfteten Nettovolumen V des Gebäudes oder
der definierten Zone kann die Luftwechselrate
V
Q
n
=
(3)
ermittelt werden. Bei der Anwendung dieses experimentellen Verfahrens ist es üblich, die
Luftwechselrate n
50
bei einem Differenzdruck von 50 Pa zu ermitteln.
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
21.2.06 12:00
21.2.06 14:24
21.2.06 16:48
21.2.06 19:12
21.2.06 21:36
22.2.06 0:00
22.2.06 2:24
22.2.06 4:48
22.2.06 7:12
22.2.06 9:36
22.2.06 12:00
Datum/Zeit
Differenzdruck in Pa

Walfried Löbner
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 81
Typische Ergebnisse für n
50
der Gebäude-Dichtheitsmessung sind:
bei undichten Altbauten
4 bis 12 h
-1
,
bei Neubauten ohne besondere Sorgfalt
3 bis 7 h
-1
,
bei Niedrigenergiehäusern
1 bis 2 h
-1
und
bei Passivhäusern
0,1 bis 0,6 h
-1
.
Zur Bewertung des Luftaustausches unter natürlichen Bedingungen im Zusammenhang mit der
Radonsituation in Gebäuden ist dieser Parameter ungeeignet,
da weder durch den natürlichen
Auftrieb noch durch den Winddruck solche Druckdifferenzen erreicht werden. Als Näherung wird in der
Literatur [7] die Luftwechselrate unter natürlichen Bedingungen mit
20
n
50
Λ≈
(4)
abgeschätzt. Im Zusammenhang mit der Charakterisierung der Radonsituation in einem Gebäude ist
somit die Standardanwendung der Blower-Door-Technologie nur von begrenztem Aussagewert. Der
Luftwechsel bei 50 Pa Differenzdruck ist in der Regel so groß, dass die Innenraumkonzentration von
Radon auf relativ kleine Werte „verdünnt“ würde und daraus eine Fehleinschätzung der realen
Situation resultieren könnte.
Für die Bestimmung des Einflusses des Luftaustausches bzw. der Luftwechselrate auf die
Radonsituation in Gebäuden muss deshalb die Vorgehensweise beim Blower-Door-Einsatz modifiziert
werden. Es hat sich die Kombination von Rn-Konzentrationsmessungen mit systematischen
Differenzdruckänderungen (< 20 Pa) mittels Blower-Door in bestimmten Räumen eines Gebäudes zur
Ermittlung des Radonzuflusses als zweckdienlich erwiesen. Mit dieser Technologie kann der
konvektive Radonzufluss über Risse und Spalten quantifiziert werden.
In den USA ist es üblich, die Messergebnisse aus einer „Mehr-Punkt“-Messung mit Blower-Door-
Anordnung auf
∆p
= 4 Pa Druckunterschied zu extrapolieren [7] und aus dem Volumenstrom eine
effektive Leckagefläche (ELA) zu berechnen
p
L
p
Q
p
ELA
=
2
ρ
.
(5)
Bezogen auf
∆p
= 4 Pa erhält man unter Verwendung der Luftdichte
ρ
L
bei Raumtemperatur unter
Standardbedingungen ELA
4 Pa
= 1,076 Q
4 Pa
in cm².
Typische Werte der effektiven Leckagefläche ELA
4 Pa
sind z. B.:
für eine Außenwand
0,14 cm²/m²,
für Innenwände
2
cm²/m²,
Decken-Wand-Stoß 0,81 cm²/m,
für Fenster
1…5 cm²,
für Innentürrahmen
250 cm².
Eine solche Messgröße kann für die Beurteilung des Einflusses vom Luftaustausch auf die
Radonsituation in Gebäuden hilfreich sein.

Luftaustausch in Gebäuden -
Bestimmung der Luftwechselrate in Räumen
Seite 82
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 27.September 2006
Bestimmung der Luftwechselrate in Gebäuden mittels Tracergas
Tracergastechniken zur Messung des Luftaustausches basieren auf der Möglichkeit, zwischen Luft,
die sich innerhalb des betrachteten Raumes befindet und neu in den Raum einströmender Luft, zu
unterscheiden. Wenn es gilt, die Luftbeschaffenheit (z. B. die Radonsituation) in einem Gebäude oder
einer Wohnung und damit auch die Effektivität der Lüftung zu beurteilen, ist das mittlere Alter der Luft
– die durchschnittliche Verweildauer der Luft in einer definierten Gebäudezone – eine wichtige
Kenngröße. In [6] werden vier unterschiedliche Verfahren, mit denen sich jeweils durch Verwendung
eines Tracergases das Alter der Luft bzw. die Luftwechselrate bestimmen lässt, beschrieben.
Die ISO 12569 [8] beschreibt das Indikatorgasverdünnungsverfahren für Räume, die als einzelne
Zone charakterisiert werden können.
Bei der praktischen Anwendung hat sich das Abklingverfahren als besonders einfach in der
Handhabung erwiesen. Es wird eine definierte Menge von Tracergas (wenige ml) in einen Raum
injiziert und gleichmäßig verteilt. Anschließend wird die Zeitabhängigkeit der Tracergaskonzentration
gemessen. Als Tracergase eignen sich CO
2
, N
2
O und SF
6
.
In einer gut durchmischten Zone (Raum) ergibt sich das lokale Alter der Luft
τ
p
aus
(
)
()
0
0
Ct
t
C t dt
t
p
=
=
τ
(6)
wobei
τ
p
das lokale Alter der Luft in h,
t
die Zeit in h,
C(t)
die Tracergaskonzentration zum Zeitpunkt t und
C(t=t
0
) die Anfangskonzentration (Beginn des Abklingens) sind.
Das Integral in Gl. (6) wird numerisch ausgewertet.
Findet im Raum eine Lüftung statt, so ergibt sich die Zeitkonstante
τ
=V/Q aus dem Raumvolumen V
und dem Volumenstrom der Lüftung Q. Der reziproke Wert der Zeitkonstante wird als Luftwechselrate
Λ
= Q/V bezeichnet.
Mit dem Tracergasverfahren kann somit unabhängig von der Radonkonzentrationsmessung der
Luftaustausch bzw. die Luftwechselrate quantifiziert werden.
In Abb. 2 ist beispielhaft die Bestimmung der Luftwechselrate mittels Tracergas-Technologie
dargestellt. Es handelt sich um ein relativ schnelles und robustes Verfahren, was im Zusammenhang
mit der Bewertung der Radonsituation in Räumen eine wesentliche Zusatzinformation liefert.

Walfried Löbner
Dresden, 27.September 2006
2. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 83
Luftwechselrate
Λ =
2,68 1/h
0,1
1
10
0 20 40 60 80 100
Zeit in Minuten
Tracergaskonzentration in ppb
Abb. 2:
Bestimmung der Luftwechselrate in einem Kellerraum mit Tracergas (SF
6
)
Findet in einem Raum mit einem Volumen V eine Radonfreisetzung aus einer Fläche A (z. B.
Fußboden oder Wand eines Raumes) statt, so lässt sich unter stationären Bedingungen aus der
gemessenen Radonkonzentration C
Rn
im Gleichgewichtszustand und der zusätzlich mit dem
Tracergasverfahren ermittelten Luftwechselrate
Λ
die Radonexhalationsrate J (bzw. die
Radongenerationsrate G) bestimmen:
A
C
V
J
Rn
(
Rn
+ Λ
)
=
λ
(7)
wobei
λ
Rn
= 1/132 h
-1
die Zerfallskonstante des Radons ist.
Zusammenfassend kann eingeschätzt werden, dass die Charakterisierung des Luftaustausches in
Gebäuden bzw. einzelnen Räumen durch Bestimmung zusätzlicher Parameter (zeitaufgelöste
Differenzdruckmessungen) und einer unabhängigen Bestimmung der Luftwechselrate mittels
Tracergas-Technologie die Bewertung der Radonsituation in Gebäuden und des Einflusses des
Luftaustausches auf die Radonkonzentration fundierter erfolgen kann.
4. Literaturverzeichnis
[1]
H. Schulz, E. Hermann, W. Löbner, J. Höpner:
Bewertung des Radonrisikos eines Baugrundes, Radonstatusgespräch 2004, Berlin.
[2]
Liddament, M. W.: Air Infiltration Calculation Techniques – An Applications Guide,
AIVC 1986.
[3]
Awbi, H.B. (ed.): Air Distribution in Rooms, Ventilation for Health and Sustainable Environment,
Reading, UK, 9 – 12 July, ELSEVIER, Amsterdam, 2000.
[4] DIN EN 13465 (Entwurf): Berechnungsverfahren zur Bestimmung von Luftströmen in
Wohnungen, 1999-04.

Luftaustausch in Gebäuden -
Bestimmung der Luftwechselrate in Räumen
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Dresden, 27.September 2006
[5] DIN EN 13829 „Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden – Bestimmung der
Luftdurchlässigkeit von Gebäuden – Differenzdruckverfahren“.
[6] DIN ISO 16000-8 (Entwurf): Innenraumluftverunreinigungen – Teil 8: Bestimmung des lokalen
Alters der Luft in Gebäuden zur Charakterisierung der Lüftungsbedingungen, Juni 2005.
[7]
Sherman, M.: The Use of Blower-Door Data, University of California, Lawerence Berkeley Lab.,
LBL-35173, 1998.
[8]
DIN EN ISO 12569: Bestimmung des Luftwechsels von
Gebäuden, 1998.

Bernd Liebscher
Hans-Georg Henjes
Dresden, 27. September 2006
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EIGENHEIMBAU
ÖKOLOGISCH NACHHALTIG UND OHNE RADONBELASTUNG
BUILDING OF HOMES
ECOLOGICAL LASTING AND WITHOUT RADON-EXPOSURE
Bernd Liebscher
1)
Hans-Georg Henjes
2)
1)
Architekturbüro, Marienberg
2)
Bergsicherung Schneeberg GmbH
Zusammenfassung
Ziel und Aufgabenstellung
Planungskonzept
gestalterische Lösung
Energiehaushalt
Belastung durch Schadstoffe
Summary
intention and conceptual formulation
strategic planing
creative solution
energy budget
contaminant loads
1. Ziel und Aufgabenstellung
Durch die jahrelange Beschäftigung im Büro mit dem Holzbau, entstand schon vor langer Zeit die Idee
ein zeitgemäßes Wohnholzhaus zu errichten.
Kriterien für diesen Anspruch:
-
geringer Energieverbrauch
-
günstige Baukosten
-
flexible Gebäudenutzung
-
hoher Anteil der Möglichkeit Eigenleistung zu erbringen.
-
hoher ökologischer Wert
Produkt aus der Region
-
geringe Belastung an Giften/ Strahlungen
In unserem Bauherrn haben wir einen Partner gefunden, der für sich diesen Anspruch erhob, ein
Eigenheim in Holz zu errichten und sich dabei funktionell auf das Wesentliche zu beschränken.

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Eigenheimbau ökologisch nachhaltig und ohne Radonbelastung
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Mit dem Erwerb eines Einzelgrundstückes waren letztlich auch die bauordnungsrechtlichen
Vorschriften nicht besonders hinderlich. Das Fehlen eines verbindlichen Bebauungsplanes war von
Vorteil, da im Regelfall die letztlich erarbeitete Lösung keine typische Lösung darstellt.
2. Planungskonzept
Funktionelle Lösung
Das Eigenheim sollte die wichtigen Funktionen wie Windfang/ Gäste-WC/ Abstellraum/ Küche und
Wohnzimmer im Erdgeschoss, s. Abb. 1, und Bad/ Gästezimmer/ Schlafzimmer/ Arbeitszimmer im
DG, s. Abb. 2, erfüllen.
Abb. 1:
Grundriss EG
Konstruktive Lösung
Um dauerhaft eine Schädigung des Holzes auszuschließen, ist es trocken zu halten. Zum Gelände hin
sind dies in der Regel 30 cm. Durch die Nichtunterkellerung erfolgte die Gründung des Gebäudes auf
3 Säulenfundamenten, deren OF 30 cm über Gelände ist, s. Abb. 3.
Die Holzkonstruktion wurde als Ständer–Bauweise geplant. Die Lastabtragung erfolgt in der
Wandaußenkonstruktion sowie durch 2 Innnenstützen. Alle Innenwände sind nichttragend und somit
letztlich frei definierbar.

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Hans-Georg Henjes
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3. gestalterische Lösung
Mit der Reduzierung des Gebäudes auf das Wesentliche, entstand die kubische Form. Grundsätzlich
ist aber nicht ausgeschlossen, die Dachform zu variieren.
Die Fassade sollte auch den Baustoff Holz wiederspiegeln. Es wurde sich für eine
Lärchenholzstülpschalung, s. Abb. 4, entschieden. Im Inneren wurden die tragenden Holzbalken auch
sichtbar belassen.
Abb. 2:
Grundriss DG
4. Energiehaushalt
Die Außenflächen des Gebäudes (Fassade/ Dach/ Bodenplatten) wurden mit Mineralwolle wind- und
diffusionsdicht gebaut.
Für zukünftige Vorhaben ist geplant, auf Mineralwolle zu Gunsten von Holzfaserdämmung zu
verzichten. Der Vorteil der Holzfaser liegt im hohen Gewicht, die damit ein besseres
Wärmespeicherungsvermögen hat. Es wird der Niedrigenergiehausstandard rechnerisch erreicht. Die
Gebäudeheizung erfolgt durch eine Gastherme, die gleichzeitig das Warmwasser bereitet.

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Eigenheimbau ökologisch nachhaltig und ohne Radonbelastung
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5. Belastung durch Schadstoffe
Generell wurde vom Bauherrn großer Wert auf den Einsatz von schadstofffreien Baustoffen gelegt.
Unter strengen Kriterien konnte bei einigen Ausbaustoffen zweifelsfrei nicht der Nachweis erbracht
werden.
Radon
Durch die Unterlüftung der gesamten Bodenplatte erfolgt eine permanente Ableitung von möglichen
Gasen aus dem Erdreich.
Kritischer Bereich ist nur der Medienschacht unter dem Gebäude mit dem Kontrolleinstieg vom
Technikraum aus.
Die Luke wurde durch Gummidichtung und Schrauben dichtschließend ausgeführt. Handwerklich
wurden die Durchdringungen für Trinkwasser, Gasleitung, Elt- u. Abwasserleitungen ausgeführt.
Abb. 3:
Gebäudeschnitt
Abb. 4:
Gebäudeansicht

Referentenverzeichnis
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Referentenverzeichnis
Dipl.-Ing. (FH) Frank Bergmann
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Dr. rer. nat. Jürgen Conrady
PreCura Institut für Präventive Medizin e.V. (Vorsitzender)
D-12623 Berlin, Kastanienallee 6a
Telefon: 030 / 927 996 34, Telefax: 03772 / 329 539
www.precura.de
email: precura-conrady@t-online.de
Dr. rer. nat. Andreas Guhr
ALTRAC Radon-Messtechnik
D-12524 Berlin, Dorothea-Viehmann-Straße 28
Telefon: 030 / 679 897 37, Telefax: 030 / 678 018 86
www.altrac.de
email: Guhr.ALTRAC@t-online.de
Dipl.-Ing. Hans-Georg Henjes
Bergsicherung Schneeberg GmbH
D-08289 Schneeberg, Kobaltstraße 42
Telefon: 03722/29150, Telefax: 03772/22494
email: Bergsicherung_Schneeberg@t-online.de
Ministerialrat Frank Leder
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Referatsleiter Kerntechnik und Strahlenschutz
D-01097 Dresden, Archivstraße 1
Telefon: 0351 / 564 - 2301, Telefax: 0351 / 564 - 2209
www.smulsachsen.de
Prof. h.c. Dr. rer.nat. habil Bernd Leißring
Bergtechnisches Ingenieurbüro Geoprax
D-09114 Chemnitz, Max-Planck-Str. 18
Telefon: 0371 / 336 – 2788, Telefax: 0371 / 336 - 2789
www.geoprax-leissring.de
email: chemnitz@geoprax-leissring.de
Dipl.-Ing. Nick Leißring
Bergtechnisches Ingenieurbüro Geoprax
D-09114 Chemnitz, Max-Planck-Str. 18
Telefon: 0371 / 336 – 2788, Telefax: 0371 / 336 - 2789
www.geoprax-leissring.de
email: chemnitz@geoprax-leissring.de
Dipl.-Ing. Bernd Liebscher
D-09496 Marienberg, Amtsstraße 13
Telefon: 03735 / 90802, Telefax: 03735 / 22331
www.architekturbuero-Liebscher.de
eMail: design@architekturbuero-Liebscher.de
Dr. rer. nat. Walfried Löbner
WISMUT GmbH
Abteilung Umwelt Überwachung Strahlenschutz
D-09117 Chemnitz, Jagdschänkenstraße 29
Telefon: 0371 / 8120 – 127, Telefax: 0371 / 8120 - 107
www.wismut.de
eMail: w.loebner@wismut.de

Referentenverzeichnis
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Dr. rer. nat. Werner Preuße
Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft
GB 2, Umweltradioaktivität
D-09131 Chemnitz, Dresdner Straße 183
Telefon: 0371 461 2420. Telefax: 0371 / 461 2422
www.smul.sachsen.de/de/wu/organisation/ubg
email: werner.preusse@ubg.smul.sachsen.de
Ing. Georges-André Roserenz
Bundesamt für Gesundheit, Sektion Radon
CH-3003 Bern
Telefon: +41 (0)31 322 21 11, Telefax: +41 (0)31 323 37 72
www.bag.admin.ch
email: radon@bag.admin.ch
Dr. rer. nat. habil. Hartmut Schulz
IAF Radioökologie GmbH (Geschäftsführer)
D-01326 Dresden, Karpatenstraße 20
Telefon: 0351 / 263 30 – 12, Telefax: 0351 / 263 30 - 22
www.iaf-dresden.de
email: info@iaf-dresden.de
Prof. Dr.-Ing. habil Roland Stenzel
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Telefon: 0351 / 462 – 2414
www.htw-dresden.de
email: prorektor@htw-dresden.de
Dipl.-Ing. Alfred Taube
Beratungsstelle für radongeschütztes Bauen
D-083017 Bad Schlema, Prof.-Dr.-Rajewski-Str. 4
Telefon: 03772 / 24214, Telefax: 03772 / 24214
www.smul.sachsen.de/de/wu/orgination/ubg/
eMail: alfred.taube@ubg.smul.sachsen.de
Dr. Josef Thomas
Staatliches Institut für Strahlenschutz, Praha
Tschechische Republik
110 00 Praha 1, Senovazne nam. 9
www.sujb.cz
email: Josef.Thomas@sujb.cz
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
und Vorstandsvorsitzender KORA e.V.
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Telefon: 0351 / 462 - 2440, Telefax: 0351 / 462 - 2172
www.bau.htw-dresden.de/index.htm?bcm
email: dresden@koraev.de
Dipl.-Ing. Lutz Werner
AKW Umwelttechnik Service GmbH
D-08344 Grünhain-Beierfeld, Am Gewerbegebiet 1
Telefon: 03774 / 35996, Telefax: 03774 / 35091
www.akw-umwelttechnik.de
eMail: info@akw-umwelttechnik.de

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Herausgeber KORA e.V.
Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum Radonsicheren Bauen und Sanieren
c/o HTW Dresden (FH), Friedrich-List-Platz 1, 01069 Dresden
Telefon: 0351/4622400, Telefax: 0351/4622172
www.koraev.de,
email: dresden@koraev.de
Dresden 2006
Redaktionelle Bearbeitung: Dipl.-Ing. Ralf Groh
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HTW Dresden (FH), Bereich Druck und Foto