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Sächsisches Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft - SMUL
ZAFT - Zentrum
für angewandte
Forschung und Technologie e.V.
HTW Dresden
Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden
KORA e.V. - Kompetenzzentrum für
Forschung und Entwicklung zum
radonsicheren Bauen und Sanieren
10. SÄCHSISCHER
RADONTAG
12. TAGUNG
RADONSICHERES
BAUEN
6. SEPTEMBER 2016
HOCHSCHULE FÜR TECHNIK
UND WIRTSCHAFT DRESDEN
veranstaltet durch:
unterstützt durch:

 
Inhalt
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 3
INHALT
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Grußwort des Vorstands von KORA e.V
....................................................................... 5
Prof. Dr. Knut Schmidtke
Grußwort des Prorektors für Forschung und Entwicklung der HTW Dresden
.......... 7
Herbert Wolff
Grußwort des Staatssekretärs des Sächsischen Staatsministeriums für
Umwelt und Landwirtschaft
........................................................................................... 9
BAULICHER RADONSCHUTZ –
RÜCKBLICK UND AUSBLICK
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
10. Sächsischer Radontag – Rückblick und Ausblick zur Entwicklung des bauli-
chen Radonschutzes in Deutschland
......................................................................... 11
Wolfgang Ringer
Die Arbeit der European Radon Association und der aktuelle Stand der Um-
setzung der EU-Grundnorm in Österreich
.................................................................. 21
Roland Strubbe
Stand der Erarbeitung der DIN-Norm „Radongeschütztes Bauen“
.......................... 41
GESUNDHEIT – MESSUNG - BEISPIELE
Helmut Sagunski
Die Bewertung von Radon in der Innenraumluft aus Sicht des Ausschusses
für Innenraumrichtwerte
.............................................................................................. 47
Dr. Bert Rein
Radonlangzeitmessungen zur Bewertung des Baugrundes – Methodik und
Erfahrungen in der Praxis
............................................................................................ 55
Ingo Fesenbeck
Erhebungsmessungen: Radon in baden-württembergischen Schulen
.................... 57
Pamela Jentner
Radon in Bayern – Fallbeispiele von Neubau und Bestand
...................................... 63
Referentenverzeichnis
................................................................................................. 67

Seite 4
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016

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Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 5
Begrüßung
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
10 Jahre Sächsischer Radontag in Dresden! Mit den zuvor durch KORA e.V. veranstalteten Tagungen
Radonsicheres Bauen trifft man sich hier in Dresden in diesem Jahr bereits zum 12. Mal, um Fragen
des radonsicheren Bauens und Sanierens zu diskutieren.
Die Jubiläumsveranstaltung des 10. Sächsischen Radontages soll Gelegenheit zu einem kurzen
Rückblick, aber auch zu einem Ausblick auf die zukünftig zu erwartenden Entwicklungen geben. Seit
2005 treffen sich jährlich ca. 100 bis 130 Fachleute aus den unterschiedlichsten Gebieten, um Neues
über Grundlagen des Radons, über das radonsichere Bauen und Sanieren, aktuelle Forschungen
genauso wie rechtliche Fragen zu erfahren. Inzwischen sind so fast 100 Fachbeiträge zusammen
gekommen, die ausnahmslos veröffentlicht sind und z.B. über die Homepage des Sächsischen
Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft sowie von KORA e.V. heruntergeladen werden
können.
Von Anfang an stand im Vordergrund, eine Veranstaltung durchzuführen, die sich vor allen Dingen an
die in öffentlichen und privaten Verwaltungen, in der Bauwirtschaft, aber auch in der
Wohnungswirtschaft praktisch Tätigen richtet, die aber gleichzeitig einem hohen wissenschaftlichen
Niveau verpflichtet ist. Die diesjährige Jubiläumsveranstaltung folgt dem bewährten Rahmen und wird
wiederum über die neuesten Entwicklungen bei der Umsetzung der EU-Grundnorm Strahlenschutz
berichten, aber auch auf weitere aktuelle und interessante Fragen, wie die Einschätzung erhöhter
Radonkonzentration in der Raumluft im Vergleich zu anderen Schadstoffen und die Radonmessung
eingehen. Auch werden wieder Beispiele aus der Praxis des baulichen Radonschutzes vorgestellt
werden. Eine Neuerung unseres Tagungskonzeptes ist die erstmalige Durchführung einer
Podiumsdiskussion, auf der Fachleute aus unterschiedlichen Gebieten über den schweren Weg der
Umsetzung des baulichen Radonschutzes in der Baupraxis und zu den daraus entstehenden
Mehrkosten diskutieren werden.
Viele haben im Vorfeld zum Gelingen unserer heutigen Tagung beitragen. Bedanken möchte ich mich
insbesondere beim Dekan und den Mitarbeitern der Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur der HTW
Dresden, beim Forschungsinstitut der HTW Dresden, dem ZAFT e.V. sowie bei den Vertretern des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft für deren vielfältige Unterstützung.
Nun wünsche ich Ihnen einen interessanten Tag mit vielen neuen Erkenntnissen!
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorsitzender KORA e.V.
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorsitzender Kompetenzzentrum für
radonsicheres Bauen e.V.
und
Lehrgebiet Baukonstruktion an der
Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden

Seite 6
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016

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Knut Schmidtke
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 7
Grußwort zum 10. Sächsischen Radontag –
12. Tagung Radonsicheres Bauen
Ich heiße Sie als Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 10. Sächsischen Radontages und nunmehr 12.
Tagung Radonsicheres Bauen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW Dresden)
herzlich willkommen. Seit dem Jahr 2007 wird der Sächsische Radontag gemeinsam mit dem
Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft und dem Kompetenzzentrum für
Forschung und Entwicklung randonsicheres Bauen und Sanieren (KORA e.V.) mit großer Resonanz in
Fachkreisen durchgeführt. Dieses belegt die konstant hohe Teilnahme an der Tagung. Ich danke Ihnen
für das entgegengebrachte Vertrauen, die Tagung auch im Jahr 2016 an der HTW Dresden
durchzuführen. Der Sächsische Radontag bietet Vertretern aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis
ein fachspezifisches Forum, um sowohl neueste Erkenntnisse und Verfahren aus der Forschung zu
vermitteln als auch aktuelle Fragen der Umsetzung randonsicheren Bauens zu diskutieren. Diesem
Ziel dienen auch in diesem Jahr die Sektionen „Baulicher Radonschutz – Rückblick und Ausblick“,
„Gesundheit – Messung – Beispiele“ sowie die sich anschließende Podiumsdiskussion zu „Kosten der
Umsetzung des Radonschutzes für Neubauten und Sanierungsmaßnahmen“.
Die HTW Dresden unterstützt das Anliegen eines radonsicheren Bauens und Sanierens nicht nur durch
entsprechende Lehrveranstaltungen und Examensarbeiten in der Fakultät Bauingenieurwe-
sen/Architektur, sondern strebt auch zukünftig einen Ausbau der Forschung in ihrer Profillinie „Nach-
haltige Lebensgrundlagen“ an, zu der auch Fragen der Minderung von Belastungen durch Radon
zählen. Neue Erkenntnisse in der Forschung zu erarbeiten und diese mittels moderner Instrumente des
Wissenstransfers an interessierte Fachkreise und die Öffentlichkeit zu vermitteln, stellt eine der
wesentlichen Aufgaben der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, so auch der HTW Dresden
dar. Deshalb unterstützt die HTW Dresden wie auch das Zentrum für Angewandte Forschung und
Technologie e.V. an der HTW Dresden den 10. Sächsischen Radontag und die 12. Tagung Radonsi-
cheres Bauen auch im Jahr 2016 sehr gerne.
Ich danke allen, die zur Vorbereitung und Ausgestaltung der Tagung beigetragen haben und wünsche
Ihnen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung radonsicheres Bauen und Sanieren, eine
Vielzahl neuer Fachinformationen und einen intensiven fachlichen Austausch
Prof. Dr. Knut Schmidtke
Prorektors für Forschung und Entwicklung der HTW Dresden
Prof. Dr. Knut Schmidtke
Prorektors für Forschung und
Entwicklung an der Hochschule
für Technik und Wirtschaft
Dresden

Seite 8
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016

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Herbert Wolff
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 9
Begrüßung
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, Sie zum 10. Sächsischen Radontag willkommen heißen zu dürfen.
Viele von Ihnen haben in den vergangenen Jahren durch Vorträge oder Diskussionsbeiträge zum
Gelingen der Radontage beigetragen.
Die Sicht der Forschenden, der Hauseigentümer, der Mieter, der Radonfachleute, der Behörden, der
Juristen, der Studierenden tragen zu einer vielfältigen Diskussion bei. Die vielfältigen Interessen aller
Betroffenen wurden so widergespiegelt.
Wir haben viel voneinander lernen können.
Dieses Wissen können wir uns jetzt – wo wir uns in großen Schritten der Umsetzung der europäischen
Richtlinie zum Strahlenschutz (Richtlinie 2013/59/Euratom) nähern – zu Nutze machen.
Was hat sich getan in den vergangenen 10 oder – berücksichtigt man die ersten Tagungen zum
Radonsicheren Bauen – 12 Jahren?
In Sachsen wurde im Jahr 2005 vom Landtag beschlossen, dass die Staatsregierung sich dafür
einsetzen soll, die fachgerechte Beratung zum radonsicheren Bauen und Sanieren zu verstetigen und
den vorhandenen Kenntnisstand zu aktualisieren.
Ursache dafür waren neben den rechtlichen Empfehlungen der Euratom verschiedene
vorangegangene Messprogramme und Projekte zum Radonschutz in Sachsen.
Des Weiteren wurde vom damaligen Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) am 1.
August 1993 eine „Beratungsstelle zum radongeschützten Bauen“ eingerichtet. Diese wurde im Jahr
2000 in die damalige Umweltbetriebsgesellschaft (UBG) – jetzige Betriebsgesellschaft für Umwelt und
Landwirtschaft (BfUL) - überführt und personell sowie bezüglich der Bandbreite der Aufgaben erweitert.
Vor etwa 5 Jahren wurde mit Blick auf die damals anstehende EU-Richtlinie eine sächsische
Radonstrategie entwickelt. Bei dieser handelt es sich im Wesentlichen um ein Maßnahmenpapier zur
Vorbereitung der Umsetzung der bereits genannten EU-Richtlinie. In diesem Papier wurden neben den
Messprogrammen vor allem Maßnahmen zur Information der Öffentlichkeit und der Weiterbildung von
Baufachleuten, Lüftungstechnikern und Facility-Managern vorgesehen, die sukzessive umgesetzt
wurden und noch weiter umgesetzt werden.
Rückblickend können wir feststellen, dass seit Eröffnung der Radonberatungsstelle unter der Ägide
sächsischer Behörden rund 30 verschiedene Projekte und Maßnahmen zum Radonschutz umgesetzt
wurden.
Wir lernten und lernen aber auch von den Erfahrungen in anderen Bundesländern und anderen
europäischen Ländern und freuen uns darauf, in den kommenden Jahren noch stärker mit allen
zusammenarbeiten zu können.
Herbert Wolff
Staatssekretär des Sächsischen
Staatsministeriums für Umwelt
und Landwirtschaft

Grußwort
Seite 10
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
Der HTW Dresden, insbesondere Herrn Prof. Dr. Walter-Reinhold Uhlig sowie KORA und hier
insbesondere dem Vorsitzenden Herrn Professor Dr. Bernd Leißring danke ich für die umfassende
Unterstützung in den vergangenen mehr als 10 Jahren.
Herbert Wolff
Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

 
Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 11
10. SÄCHSISCHER RADONTAG – EIN RÜCKBLICK UND AUSBLICK
ZUR ENTWICKLUNG DES BAULICHEN RADONSCHUTZES IN
DEUTSCHLAND
10. SAXON RADON-DAY – ONE REVIEW AND LOOK OUT FOR THE
DEVELOPMENT OF THE CONSTRUCTIONAL RADON PROTECTION
IN GERMANY
Walter-Reinhold Uhlig
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
Zusammenfassung
Im Beitrag wird ein kurzer Rückblick auf die bisherigen „Tagungen des radonsicheren Bauens“ sowie
auf die „Sächsischen Radontage“ gegeben. Daraus abgeleitet werden Vorschläge formuliert, welche
dringenden Fragen hinsichtlich des radonsicheren Bauens und Sanierens in den kommenden Jahren
– auch unter Berücksichtigung der bevorstehenden Überführung der EU Grundnorm Strahlenschutz in
deutsches Recht – zu lösen sind. Hieraus lassen sich ganz unterschiedliche Forschungsaufgaben
ableiten.
Summary
In the article a short review on the present „Conferences of Radon-Safe construction“ as well as for the
„Saxon Radon-Days“ is given. Deviated from this proposals will formulated which urgent questions are
to be solved concerning the Radon-Safe construction and reconstruction during the coming years –
also taking into account the forthcoming transportation of the EU basic norm of ray protection in German
Right. Out of this quite different research duties can be derived.

10. Sächsischer Radontag – Ein Rückblick und Ausblick zur Entwicklung des baulichen Radonschutzes in Deutschland
Seite 12
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
1
Einführung
Der Sächsische Radontag ist in engem Zusammenhang mit der Gründung des Kompetenzzentrums
für das radonsichere Bauen und Sanieren (KORA e.V.) zu sehen. Die Satzung des Vereins nennt unter
anderem die „Förderung des Dialoges zwischen allen Interessierten an der Radonforschung“ sowie die
„Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen wie z.B. Kongresse, Symposien
Arbeitsgespräche, Symposien und Besichtigungen“ [1] als Ziele der Arbeit des Vereins. So wurde
bereits 2005, im Jahre der Gründung von KORA e.V., die erste Tagung organisiert und durchgeführt,
damals noch als „Tagung Radonsicheres Bauen“. Seit 2007 wird diese – regelmäßig im September
eines jeden Jahres stattfindend – als „Sächsischer Radontag“ gemeinsam mit dem Sächsischen
Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) durchgeführt. Seitdem ist durch beide Veranstalter
die Zielstellung der Tagung dahingehend konkretisiert worden,
den Dialog aller mit dem radonsicheren Bauen und Sanieren beschäftigten und betroffenen zu
fördern,
den Schwerpunkt auf die Vermittlung praktischer Inhalte zu legen, sich dafür weniger auf einen
wissenschaftlichen, neueste Erkenntnisse diskutierenden Disput zu konzentrieren (für letzteres
existieren andere Formate, z.B. beim Bundesamt für Strahlenschutz),
eine deutschlandweite Anlaufstelle – mit Ausstrahlung in das benachbarte Ausland – für alle
Fragen zum radonsicheren Bauen zu etablieren.
Inwieweit diese zentralen Ziele erreicht werden konnten, soll aus Anlass des diesjährigen Jubiläums im
Folgenden analysiert werden. Daran anschließend werden Fragen angesprochen, in welchen Feldern
sich für die kommenden Jahre verstärkter Gesprächs- und Informationsbedarf ergibt und wo
Forschungs- und Entwicklungsbedarf vorliegt, um für die unmittelbar bevorstehende Einführung von
gesetzlichen Festlegungen zum radonsicheren Bauen und Sanieren baupraktisch gewappnet zu sein.
2
Rückblick auf 10 Jahre Sächsischer Radontag
Anhand der folgenden Zusammenstellungen sollen die Fragen beantwortet werden, inwieweit in den
bisher durchgeführten 12 Veranstaltungen – hier ist die diesjährige bereits mitgezählt – die weiter oben
aufgeführten Zielstellungen erreicht werden konnten, welche Themenfelder besonders ausführlich,
welche dagegen eher seltener behandelt worden sind.
Einschließlich der heutigen Tagung wurde bisher die stattliche Anzahl von
116 Vorträgen
gezählt, mit
denen – wie im Folgenden gezeigt wird – ein großes Spektrum an Themen abgedeckt werden konnte.
Der Versuch, die Vorträge einem der folgenden Schwerpunkte zuzuordnen, ist nicht immer einfach
gewesen, da in vielen Beiträgen mehrere Themenkomplexe angesprochen wurden. Insofern stellt die
folgende Zusammenstellung lediglich einen Versuch dar, verdeutlicht aber ganz gut einige wichtige
Trends.
Grundlagen, Allgemeines
11 Vorträge
Hierunter sind sowohl Beiträge zu naturwissenschaftlichen Grundlagen als auch allgemeine,
keiner der folgenden Gruppen zuzuordnenden Ausführungen zusammengefasst.
Rechtliche Grundlagen und Normung
16 Vorträge
Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem baulichen Radonschutz sind ein wichtiger
Aspekt, da viele bestehenden Regelungen – zumeist aus dem Strahlenschutzrecht kommend
– für die bauliche Umsetzung noch viele Fragen offen lassen. Insofern besteht hier auch
weiterhin reichlich Gesprächsbedarf, wird dieses Thema die Sächsischen Radontage sicher
auch in den nächsten Jahren begleiten. Seit einiger Zeit wird der bauliche Radonschutz
verstärkt in die Normungsarbeit einbezogen. Der Sächsiche Radontag hat dieses Thema
zeitnah aufgegriffen.

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 13
Nationale und internationale Strategien und gesetzliche Regelungen
21 Vorträge
In dieser Gruppe sind Beiträge zusammengefasst, die sich mit der Entwicklung übergeordneter
Strategien, z.B. der Entwicklung von Radonkarten sowie – in den letzten Jahren verstärkt – mit
der EU-Grundnorm Strahlenschutz und deren Überführung in nationales Recht befassen. Die
Vorträge dieser Gruppe sind eng mit den vorhergehend genannten Ausführungen zu
rechtlichen Fragen zu sehen und bilden so einen gewichtigen Schwerpunkt der Radontage.
Radonexposition und Gesundheitsgefährdung
2 Vorträge
Die gesundheitlichen Gefährdungen sind auf den sächsischen Radontagen bisher relativ selten
Thema
von
eigenständigen
Vorträgen
gewesen.
Allerdings
sind
Fragen
der
Gesundheitsgefährdung in einer Reihe weiterer Vorträge in verschiedenen Zusammenhängen
immer wieder thematisiert worden. Trotzdem zeigt sich deutlich, dass medizinische und
epidemiologische Fragen bisher nicht zu den Schwerpunkten der Radontage zählten.
Radon und Geologie sowie Radon und Bergbaufolgen
5 Vorträge
Die Grundlage aller Radonbelastung in Gebäuden bildet zweifellos das Bodenradon. Auch ist
bekannt, dass bergbauliche Hinterlassenschaften zu besonders hohen Belastungen in den
Wohnungen angrenzender Gebäude führen können.
Radonmessung
10 Vorträge
Die Diskussion und Vorstellung unterschiedlicher Messstrategien und –verfahren ist in
außerordentlich vielen Beiträgen thematisiert worden. Insofern stellt dieser Themenkomplex
einen gewichtigen Schwerpunkt auf allen Radontagen dar. Zum Teil sehr kontroverse, lebhafte
Diskussionen haben zudem gezeigt, dass die richtige Messdurchführung ein unter Forschern
und Praktikern gleichermaßen diskutiertes Thema ist. Insofern werden Fragen der
Radonmessung ganz sicher ein „Dauerbrenner“ bleiben.
Die folgenden drei Kategorien fassen Fragen der baulichen Umsetzung des Radonschutzes
zusammen. Vor allen Dingen zeigt sich, dass die Umsetzung des übergeordneten Zieles unserer
Tagung, einer an der (Bau-)praxis orientierte Veranstaltung anzubieten, in der großen Anzahl von
Beiträgen mit Vorstellung ausgeführter Neubau- und Sanierungslösungen sehr eindrucksvoll bestätigt
wird.
Grundlagen des radonsicheren Bauens und Sanierens
11 Vorträge
Unter dieser Rubrik sind in erster Linie Beiträge zusammengefasst, die einen teilweisen oder
vollständigen Überblick über die Lösungen des radonsicheren Bauens uns Sanierens geben.
Dabei ist der Übergang zur folgenden Gruppe der Beispiele in vielen Fällen fliesend.
Beispiele für das radonsicheres Bauen und Sanieren
33 Vorträge
Der
Bogen
der
Beispiele
spannt
sich
von
Neubauten,
bei denen
besondere
Radonvorsorgemaßnahmen
vorgenommen
wurden
über
kleinere,
eher
alltägliche
Sanierungsbeispiele bis hin zu großen, komplexen Sanierungslösungen. In besonderem Maße
wurde dieser Schwerpunkt durch Vorstellungen von Radonsanierungen aus Österreich, der
Schweiz, Italien und Tschechien bereichert. Zwei besondere Schwerpunkte sollen hier noch
herausgehoben werden: So standen zum Einen die Fragen des energetischen Bauens, und
hier besonders die Wechselwirkungen zwischen energetischer Sanierung und der
Radonkonzentration
in
der
Raumluft,
zum
anderen
die
Langzeitwirkung
von
Sanierungsmaßnahmen im Fokus einer größeren Anzahl von Beiträgen. Vor allen Dingen wird
das Thema der Wechselwirkung zwischen energetischem Bauen und Sanieren und der
Radonbelastung ganz sicher weiterhin im Fokus der Radontage stehen.
Radon und Baustoffe
2 Vorträge
Auch für diesen Schwerpunkt gilt, dass Fragen der Baustoffbewertung und des -einsatzes in
vielen weiteren Beiträgen enthalten waren.

10. Sächsischer Radontag – Ein Rückblick und Ausblick zur Entwicklung des baulichen Radonschutzes in Deutschland
Seite 14
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
Zum Abschluss der kurzen Übersicht sollen einige Themenkomplexe genannt werden, die noch nicht
so häufig Inhalt von Beiträgen waren:
Radonkonzentration in der Raumluft und Lüftung
3 Vorträge
Technische Lösungen für die Lüftung von Gebäuden sind zumindest im Wohnbereich noch
relativ gering verbreitet. Da die Auslegung und der Betrieb der Lüftungsanlagen aber einen
großen Einfluss auf die Radonkonzentration in der Raumluft haben, ist hier ein wichtiger
Teilkomplex angesprochen. So können Lüftungsanlagen, die einen geringen Unterdruck in den
Räumen erzeugen, dazu führen, dass radonhaltige Bodenluft verstärkt in das Gebäude
eindringt und sich damit die Radonkonzentration in der Raumluft erhöht. Andererseits wird eine
mit geringem Überdruck arbeitende Lüftungsanlage immer dazu führen, dass die
Radonkonzentration in der Raumluft signifikant gesenkt werden kann.
Radon an Arbeitsplätzen
2 Vorträge
Das Thema der Arbeitsplatzüberwachung in besonders gefährdeten Bereichen wurde bisher
noch nicht als ein vorrangiger Themenkomplex für den Radontag identifiziert.
Risikokommunikation
5 Vorträge
Eine gute Kommunikation zwischen den Fachleuten des Bauwesens, vor allen aber zwischen
Fachleuten und Laien – die in der Regel gleichzeitig Nutzer und damit Betroffene sind – kann
nicht hoch genug eingeschätzt werden. Viele Fälle, auch aus anderen Bereichen des
öffentlichen Lebens, haben in letzter Zeit deutlich gezeigt, wie wichtig eine frühzeitige und
ehrliche Kommunikation ist. Dabei muss den Fachleuten immer bewusst sein, dass bei allen
aus dem Strahlenschutz herrührenden Themen besonders hohe Sensibilität erwartet wird.
Insofern ist die Risikokommunikation ein außerordentlich wichtiger Themenkomplex.
Die Zusammenstellung zeigt, dass der Anspruch, ein breites Spektrum an Themen abzudecken,
eindrucksvoll umgesetzt werden konnte. Die Schwerpunktthemen lagen dabei klar auf den rechtlichen
Fragen in Verbindung mit den strategischen Maßnahmen der Länder und des Bundes sowie der
baulichen Umsetzung des Radonschutzes. Hierbei wurde vor allen Dingen die Vorstellung konkreter
baulicher Lösungen durch die Gäste der Tagungen sehr positiv aufgenommen.
Eine weitere Zielstellung des Radontages war von Anfang an in die Baubranche hineinzuwirken, war
doch bis vor etwa 10 Jahren das Thema des radonsicheren Bauens und Sanierens an den
Baufachleuten erstaunlicher Weise weitestgehend vorbei gegangen und wurde im Bauwesen nur in
sehr wenigen Einzelfällen berücksichtigt. Gerade Architekten und Bauingenieure, Vertreter der Bau-
und Baustoffindustrie, aber auch die Haus- und Wohnungsbesitzer, öffentlichen Auftraggeber,
Energieberater, um nur die Wichtigsten zu nennen, müssen aber hinsichtlich der Radonproblematik
sensibilisiert werden, zeigt sich doch, dass Nichtwissen und Ignoranz die größten Hemmnisse gegen
eine Umsetzung der Ziele des radonsicheren Bauens und Sanierens sind. So steht beim Rückblick auf
10 Jahre Sächsischer Radontag auch die Frage im Vordergrund, inwieweit die hier angesprochenen
Zielgruppen erreicht werden konnten. In Abb. 1 ist sowohl die Entwicklung der Besucherzahlen als auch
die Zusammensetzung der Tagungsteilnehmer zusammengefasst. Es zeigt sich zum Einen, dass ein
Trend zur Erhöhung der Besucherzahlen erkannt werden kann, was uns als Veranstalter natürlich
erfreut, es zeigt sich aber auch eine leichte Verschiebung der Berufsgruppen hin zu Teilnehmern aus
der Baubranche. Dieser an sich erfreuliche Trend kann allerdings
noch nicht befriedigen, im
Durchschnitt 40 Teilnehmer aus diesem Bereich sind noch zu wenige. Hier sind unbedingt weitere
Anstrengungen, auch direkt aus der Baubranche erforderlich, um dem Thema des radonsicheren
Bauens und Sanierens zukünftig größeres Gewicht einzuräumen.

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Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 15
Abb. 1:
Entwicklung der Tagungsteilnehmer der Sächsischen Radontage zwischen 2007 und 2015
3
Was wurde bisher für die Baubranche erreicht, was ist noch zu tun?
3.1 Einführung
Noch ist offen, in welcher Form die Umsetzung der Forderungen aus der EU-Strahlenschutzgrundnorm
erfolgen wird. Aktuell sind Arbeitsgruppen gebildet worden, in denen unter Leitung des
Umweltministeriums Vertreter von Bund und Ländern den Prozess voranbringen. Die folgenden
Vorschläge sind als Diskussionsbeitrag in diesem Prozess zu betrachten. Es wäre wünschenswert,
wenn sich in diese Diskussion alle Betroffenen – das sind neben den Vertretern von Bund und Ländern
die Interessenvertretungen von Fachverbänden aus dem Bereich des Bauwesens und der Wohnungs-
und Immobilienwirtschaft und viele weitere interessierte Kreise – einbringen. Ich denke, der Sächsische
Radontag ist hierfür ein geeignetes Forum, einen solchen Diskussionsprozess anzustoßen.
Bisher hat sich der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie mit einem Positionspapier eingebracht.
Die dort formulierten Wünsche und Forderungen fließen in die folgenden Vorstellungen ein. Von
anderen Verbänden, wie z.B. den Ingenieur- oder Architektenkammern sind bisher noch keine
entsprechenden Stellungnahmen bekannt.

10. Sächsischer Radontag – Ein Rückblick und Ausblick zur Entwicklung des baulichen Radonschutzes in Deutschland
Seite 16
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
3.2
Information
Aktuell ist ein ganz wichtiger Aspekt, eine umfassende Aus- und Weiterbildungskampagne zu initiieren.
Ganz eindeutig ist ein großes Manko darin zu sehen, dass der weitaus größte Teil der Architekten und
Ingenieure, aber auch aller weiteren im Bauwesen Tätigen noch sehr geringe Kenntnisse hinsichtlich
des baulichen Radonschutzes hat. Unabhängig davon, dass nationale Regelungen (erst) in etwa vier
Jahren vorliegen müssen, sollte der bauliche Radonschutz bereits heute in alle Bauvorhaben
einbezogen werden. Das betrifft in erster Linie die energetische Sanierung, aber auch den Neubau und
die Deklaration von Baustoffen. Ansonsten sehen wir uns in wenigen Jahren der Situation gegenüber
gestellt, dass gerade fertiggestellte Neubauten oder Sanierungen wegen eines ungenügenden
Radonschutzes erneut saniert werden müssen. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass in der
Regel die Nachbesserung deutlich aufwändiger und damit teurer ausfällt, als wenn der bauliche
Radonschutz mit dem Neubau oder der Sanierungsmaßnahme gleich berücksichtigt worden wäre.
Vielfältige Möglichkeiten bestehen für eine umfassende Information, die im Folgenden stichpunktartig
aufgeführt werden:
Integration des Themas in die Ausbildung für alle Bauberufe:
Lehrinhalte in Universitäten
und Fachhochschulen sowie in weiteren Ausbildungsstätten des Bauwesens sind dahingehend
zu ergänzen, dass das Thema des radonsicheren Bauens und Sanierens genauso wie die
Grundlagen des energetischen Bauens, aber auch der Statik und Geologie, um nur einige
Bereiche zu nennen, einbezogen wird. In die Ausbildung sind auch weitere Fachrichtungen,
wie z.B. der Umweltschutz oder die Technischen Gebäudeausrüstung, einzubeziehen.
Weiterbildung:
Eine noch größere Bedeutung kommt der Weiterbildung aller im Bauwesen
Tätigen zu. Hier muss ein Weg gefunden werden, wie das Thema mit vertretbarem Aufwand
so kommuniziert werden kann, dass Radonschutz selbstverständlicher Teil des
Baugeschehens wird. Da nicht zu erwarten und einzufordern ist, dass alle in diesem Prozess
Beteiligten entsprechend aus- oder weitergebildet werden können, ist der Weg, den die
Freistaaten Bayern und Sachsen mit der Ausbildung zur Radon-Fachpersonen eingeschlagen
haben, ein sehr guter Ansatz, der deutschlandweit verfolgt werden sollte. Vergleichende
Strategien sind auch aus anderen Bereichen des Bauwesens bekannt, z.B. in Form des
Energieberaters, des (spezialisierten) Tragwerksplaner, Fachplaners für Brandschutz usw.
In den Prozess der Weiterbildung sind selbstverständlich auch die Verantwortlichen in
öffentlichen Einrichtungen, die Bauherren und die Wohnungswirtschaft einzubeziehen.
Umfassende Information der Bevölkerung:
Viele, zudem häufig problematische
Erfahrungen der letzten Zeit haben gezeigt, wie wichtig eine frühe und intensive Einbeziehung
der Bevölkerung in die verschiedensten Prozesse ist. Für Fragen des Strahlenschutzes gilt dies
in besonderem Maße, wird dieses Thema gerade in Deutschland sehr emotional diskutiert.
Eine gute und sachliche Information ist in diesem Zusammenhang außerordentlich wichtig.
3.3
Gesetz – Vorschrift – untergesetzliche Regelung
Im Grunde ist die Frage, in welcher Form Regelungen zum baulichen Radonschutz getroffen werden,
für die Bauschaffenden zwar nicht unwichtig, aber, so würde ich behaupten, zweitrangig. Vermutlich
wird es so sein, dass eine gestufte Regelung eingeführt wird. Wichtig ist aber zu klären, was geregelt
wird. Hierauf werde ich im folgenden Abschnitt 3.4 zurückkommen.
Ein vergleichender Blick auf bestehende Regelungen des Bauwesens soll zeigen, welche
Möglichkeiten es gibt, den Radonschutz in den Bauprozess zu integrieren.
Beispiel: Regelungen zum energetischen Bauen:
Diese beruhen auf einer gesetzlichen Regelung, dem
EnEG
(Energieeinsparungsgesetzes). Da in
einem Gesetz in erster Linie allgemeine Ziele verankert werden, sind zur (baupraktischen)

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 17
Umsetzungen weitere, nachgeordnete Regelungen erforderlich. Für das energetische Bauen ist das
die
EnEV
. Diese wiederum bezieht sich in vielen Einzelaspekten auf ein Paket von
DIN-Normen
(z.B.
DIN 4108 und DIN V 18599), die für die Nachweisführung unerlässlich sind. Darüber hinaus fliesen in
das energetische Bauen eine Vielzahl von baulichen und anlagentechnischen Lösungen ein, die nicht
in Normen oder Gesetzen geregelt sind. So werden viele Lösungen über
allgemeine bauaufsichtliche
Zulassungen
geregelt. Interessant ist, dass vor allen Dingen im Bereich der Bauwerkssanierung
spezielle
Regelungen
erarbeitet
und
in
Merkblättern
oder
ähnlichen
Dokumentationen
niedergeschrieben werden, die als wichtige Hilfe für die Planung und Bauausführung heute unerlässlich
sind. Genannt werden sollen hier vor allen Dingen die Merkblätter der WTA (Wissenschaftlich
technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege) [8]
Beispiel freiwillige Verpflichtung
Gerade dort, wo hohe Qualitätsstandards wichtig sind, sind freiwillige Verpflichtungen zur Einhaltung
eines gewissen Niveaus ein gutes, vielfach angewendetes Mittel. In Deutschland hat sich auf diesem
Gebiet
RAL
(RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung) [9] als wichtigster Partner
etabliert. So gibt es derzeit etwa 85 RAL-Gütevereine, die dem Bauwesen zugeordnet werden können.
Beispiele sind RAL-Gütevereine für Abbrucharbeiten, den Fertigbau, den Kanalbau oder die
Wärmedämmung von Fassaden.
3.4
Regelungen für das Radonsichere Bauen und Sanieren
3.4.1 Übersicht
Die Regelungen zum radonsicheren Bauen und Sanieren werden sich, wie bereits angedeutet, aus
verschiedenen Komponenten zusammensetzen. Zunächst soll noch einmal zusammengestellt werden,
wo dringender Regelungsbedarf besteht:
Einführung von Referenzwerten
Beschreibung von Prozessen
Beschreibung von technischen Lösungen einschl. der Festlegung von Qualitätsstandards
3.4.2 Referenzwerte
Die Festlegung stellt eine grundsätzliche Komponente dar und sollte deshalb in einem zu
schaffenden/zu überarbeitenden Gesetz verankert werden. Dabei ist klar abzugrenzen, wo dieser Wert
gilt und wo nicht, wo evtl. Ausnahmen zugelassen werden usw. Der in der Strahlenschutzgrundnorm
definierte Referenzwert von 300 Bq/m³ stellt einen guten Kompromiss dar. Wie bereits an früherer Stelle
angemerkt, sollten Überlegungen, für Deutschland einen niedrigeren Wert zu definieren, vorerst nicht
weiter verfolgt werden, da hier nach meiner Kenntnis eine belastbare Folgeabschätzung fehlt. Wie im
Positionspapier des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie [10] …“wird für die Bauwirtschaft der
Referenzwert immense Bedeutung für haftungs- und Gewährleistungsfragen erlangen. Hier sind zu
klären, inwieweit die Überschreitung des Referenzwertes einen Baumangel darstellt und welche
Bedeutung er im Rahmen von Gerichtsbarkeiten erlangen wird. Hier brauchen wir dringend
rechtssichere Festlegungen“.
3.4.3 Beschreibung von Prozessen
Es sind klare Regelungen zu definieren, in welcher Form der Radonschutz in das Bauen und die
Bewirtschaftung von Gebäuden einbezogen wird. Hier ist vor allen Dingen zu klären, wann und in
welcher Form Messungen durchzuführen sind sowie welche Konsequenzen sich ergeben, wenn im

10. Sächsischer Radontag – Ein Rückblick und Ausblick zur Entwicklung des baulichen Radonschutzes in Deutschland
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10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
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Ergebnis der Messungen erhöhte Radonkonzentrationen festgestellt werden (s. auch Punkt 3.4.2). Es
ist zu klären, ob es in absehbarer Zeit eine allgemeine Verpflichtung zur Radonmessung – ähnlich der
Erstellung von Energiepässen im Bereich des energetischen Bauens - geben wird oder „nur“ im
Zusammenhang mit baulichen Maßnahmen Radonmessung durchgeführt werden müssen. Die
Wünsche aus dem Bauwesen – kurze Messzeiten plus geringer Aufwand (preiswert) plus hohe
Sicherheit und Aussagekraft – sind nur schwer zu vereinigen. Ganz sicher liegt hier noch eine große
Wegstrecke vor uns, bis alle die Fragen, die sich mit den Prozessabläufen ergeben, geklärt sind.
3.4.4 Beschreibung
von
technischen
Lösungen
und
Festlegung
von
Qualitätsstandards
Wie bereits erwähnt, sind die Lösungen im baulichen Radonschutz bekannt und weitestgehend erprobt.
Deshalb ist es ausreichend, grundsätzliche Aussagen in Normen aufzunehmen, ohne die konkreten
Umsetzungen vorzugeben. Ob die Festlegungen in bestehende DIN-Normen (z.B. zur Abdichtung aus
dem Baubereich oder zur Lüftung aus dem TGA-Bereich) integriert werden oder aber eine
eigenständige Norm für den baulichen und anlagentechnischen Radonschutz entwickelt wird, ist nach
meiner Kenntnis noch nicht endgültig entschieden. Beide Lösungen sind möglich, allerdings sollten in
den Entscheidungsprozess vor allen Dingen diejenigen einbezogen werden, die später mit den Normen
arbeiten müssen, also die Architekten und Bauingenieure. Für alle am Bau Beteiligten dürfte zweifellos
die Zusammenfassung aller zu regelnden Aspekte des radonsicheren Bauens in einer Norm die
bevorzugte Lösung sein.
Für die Radonsanierung sind häufig keine so eindeutigen Lösungen wie im Neubau anwendbar, in der
Regel stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die radonsichere Sanierung erfordert deshalb
deutlich größeren Sachverstand und Erfahrung. Das ist in anderen Gebieten des Bauens nicht anders
und deshalb können auch hier die Erfahrungen aus der bisherigen Praxis Pate stehen. So ergibt sich
nach meinem Dafürhalten ein sinnvoller Weg, spezielle Regelungen und Prozessbeschreibungen zum
baulichen Radonschutz in ein WTA-Merkblatt zu fassen.
Bereits mehrfach ist darauf verwiesen worden, dass der Erfolg einer baulichen Radonschutzmaßnahme
– sowohl beim Neubau als auch der Sanierung – von der Einhaltung hoher Qualitätsstandards abhängt.
Diese durchzusetzen, sind Gesetze und Normen im Allgemeinen nicht gut geeignet. Ich denke, hier
wäre die Gründung eines RAL-Gütevereins ein vielfach erprobter Weg, die erforderlichen
Qualitätskriterien zu definieren und durchzusetzen.
3.4.5 Berücksichtigung des baulichen Radonschutzes im Baugenehmigungsverfahren
Aktuell sind im Baugenehmigungsverfahrens Nachweise des Wärmeschutzes (nach EnEV), des
Brandschutzes, der Standsicherheit, des Erschütterungsschutzes, Schallschutzes und noch einige
mehr mit einem Bauantrag einzureichen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Abforderung eines
weiteren Nachweises für den Radonschutz nicht auf umfassende Zustimmung trifft. Aber die zu
erwartende gesetzliche Regelung zum baulichen Radonschutz muss zwingend zu Festlegungen im
Bauordnungsrecht führen.
3.5 Zusammenfassung
Die Umsetzung der Forderungen der EU-Grundnorm zum baulichen Radonschutz in deutsches Recht
wird neben Gesetzen und Normen weitere Bausteine, wie ergänzende Regelungen zur
Radonsanierung oder untergesetzliche Regelungen zur Qualitätssicherung benötigen. Dabei wird die
Umsetzung vor allen Dingen dann erfolgreich sein, wenn frühzeitig alle am Bau Beteiligten in den
Prozess einbezogen werden.

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 6. Sept. 2016
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4
Literaturverzeichnis
[1]
Trautmannsheimer, Markus: Vorgaben der neuen Strahlenschutzgrundnorm zu Radon;
Tagungsband 8. Sächsischer Radontag, Dresden 2014
[2]
de.wikipedia/wiki/Anerkannte_Regeln_der_Technik
[3]
Uhlig, Walter-Reinhold: Brauchen wir für Neubauten Messungen der Bodenradonkonzentration?;
Tagungsband 7. Sächsischer Radontag, Dresden 2013
[4]
Guhr, Andreas: Die Radonexposition der Bevölkerung beim Aufenthalt in Gebäuden –
Messtechnische Erfassung der Radonkonzentration; Tagungsband 1. Tagung Radonsicheres
Bauen, Dresden 2005
[5]
Schulz, Hartmut u.a.: Neue Aspekte der Radonmessung in Gebäuden, Tagungsband 2.
Sächsischer Radontag, Dresden 2008
[6]
Guhr, Andreas, Conrady, Jürgen und Rein, Bert: Vergleichende Anasyse von Verfahren zur Kurz-
und Langzeitmessung der Radonkonzentration, Tagungsband 7. Sächsischer Radontag,
Dresden 2013
[7]
Beck, Thomas: Normen auf dem Gebiet der Messung und Bewertung von Radon; Tagungsband
8. Sächsischer Radontag, Dresden 2014
[8]
www.wta.de/de/wta-merkblaetter
[9]
www.ral-guetezeichen.de
[10]
Positionspapier zur Umsetzung der EURATOM BSS in das deutsche Strahlenschutzrecht vom
14.02.2014;
http://www.bauindustrie.de

 
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Wolfgang Ringer
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DIE ARBEIT DER EUROPEAN RADON ASSOCIATION UND DER
AKTUELLE STAND DER UMSETZUNG DER EU-GRUNDNORM IN
ÖSTERREICH
THE WORK OF THE EUROPEAN RADON ASSOCIATION AND THE
CURRENT STATE OF THE IMPLEMENTATION OF THE EU-BASIC
NORM IN AUSTRIA
Wolfgang Ringer
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährung, Linz (A)

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Roland Strubbe
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STAND
DER
ERARBEITUNG
DER
DIN-NORM
„RADONGESCHÜTZTES BAUEN“
STATE OF PROCESSING OF THE DIN STANDARD "RADON
PROTECTED BUILDING"
Roland Strubbe
DIN-Arbeitsausschuss, Ed. Züblin AG
Zusammenfassung
Im DIN Deutsches Institut für Normung e. V. hat sich ein Arbeitsausschuss gegründet, mit dem Ziel,
technische Regeln zu erarbeiten und zu dokumentieren, mit denen die Anforderungen aus der Richtlinie
2013/59/Euratom zum Schutz von Innenräumen vor Radonbelastungen umgesetzt werden können. Als
Zwischenergebnis seiner Tätigkeit ist der Ausschuss zu dem Ergebnis gekommen, dass für die
Veröffentlichung einer Norm als anerkannte Regel der Technik derzeit noch keine ausreichende Basis
vorhanden ist. Um dennoch die grundsätzlich anerkannten Bauweisen bekannt zu machen und
schnellstmöglich Rückmeldungen zu erhalten, in welchem Umfang sich diese Bauweisen bewähren
durch verlässliche Einhaltung von Grenzwerten, soll eine DIN SPEC als Vornorm erarbeitet werden. Im
Text werden die Ziele, der bisher erreichte Bearbeitungsstand sowie ein Ausblick auf die geplante
weitere Bearbeitung gegeben.
Summary
In DIN Deutsches Institut für Normung e. V., a working committee has been set up, with the aim to
document technical rules, by which the requirements of Directive 2013/59/Euratom on the protection of
interiors can be reacted against radon pollution. As an intermediate result of his work, the Committee
has come to the conclusion that for the publishing of a standard as an acknowledged rule of technology
currently exists no sufficient basis. Nevertheless, the principles of construction are to be published as
soon as possible. Therefore a DIN SPEC is to be developed as a preliminary standard. It is expected
to get feedback to what extent these constructions prove to reduce radon pollution. In the text, the
objectives, the processing status and the outlook for the planned further development are given

Stand der Erarbeitung der DIN-Norm „Radongeschütztes Bauen“
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1
Ausgangssituation
Aufgrund der Richtlinie 2013/59/Euratom [1] müssen bis zum 6. Februar 2018 Anforderungen zum
Schutz gegen ionisierende Strahlung in nationales Recht umgesetzt werden. Zu den umzusetzenden
Anforderungen gehört u. a. der Schutz vor Radon an Arbeitsplätzen in Innenräumen (Artikel 54) sowie
in sonstigen Innenräumen, insbesondere Wohnräumen (Artikel 74). Daneben sollen Informationen über
technische Mittel zur Verringerung vorhandener Radonkonzentrationen in Innenräumen zur Verfügung
gestellt werden.
DIN ist als eingetragener Verein eine privatrechtliche Organisation. Gemäß Vertrag mit der
Bundesrepublik Deutschland ist DIN für die Normungsarbeit zuständig. Diese Aufgabenverteilung hat
sich in der Vergangenheit bewährt und dient vielfach als „Best Practice Beispiel“. Aufgrund der positiven
Erfahrungen hat sich gerade erst der 6. Deutsche Baugerichtstag einstimmig für ein Bestehenbleiben
dieser Organisationsstruktur ausgesprochen [2].
Normative Regelungen, auf die zur Umsetzung von radongeschützem Bauen zurückgegriffen werden
könnte, liegen bisher nicht vor.
Insofern hat sich bei DIN ein (Gemeinschafts-)Arbeitsausschuss konstituiert, in dem von den
Normenausschüssen Bauwesen (NABau) sowie Heiz- und Raumlufttechnik (NHRS) bewährte und
innovative bauliche Lösungen sowie der optimierte Einsatz von Lüftungstechnik zum Schutz vor Radon
bei der Errichtung von neuen oder der Sanierung von bestehenden Gebäuden aufgezeigt werden sollen
[3].
Dabei ist die Bedeutung der DIN-Normen für das Bauwesen zu beachten. DIN-Normen sollen die
allgemein anerkannten Regeln der Technik darstellen. Aus diesem Grund wird in den
Arbeitsausschüssen eine breite Beteiligung von Vertretern der betroffenen Kreise angestrebt.
Weiter definieren die allgemein anerkannten Regeln der Technik den Mindeststandard, der bei der
Herstellung von Gebäuden zu beachten ist. Dies setzt voraus, dass bei Anwendung der Regeln die
Ergebnisse sicher vorhersagbar sind.
2
Ergebnisse aus dem Arbeitsausschuss
Nach Konstituierung des Arbeitsausschusses, dem Vertreter und Experten der öffentlichen Hand
(Behörden, Bauaufsicht), aus Wissenschaft und Forschung (Hochschulen, Forschungsinstitute) sowie
aus der Wirtschaft (Handwerk, Industrie, Ingenieure, Planer, Verbände) angehören, begann die
Tätigkeit mit einer Bestandsaufnahme.
Als Zwischenergebnis stellte der Arbeitsausschuss fest, dass bis zu einer sicheren Vorhersage einer
sich einstellenden Radonkonzentration in der Rauminnenluft noch umfangreiche Untersuchungen in
Bezug auf einzuhaltende Randbedingungen, geeignete Bauweisen und zu verwendende Materialien
sowie zu Messverfahren notwendig sind.
Daneben lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, in welcher Form gesetzliche Regelungen aus der
Umsetzung der EURATOM-Richtlinie in nationale Vorschriften im Rahmen der Normungsarbeit
Berücksichtigung finden müssen [3].
2.1 Ziele
Konstruktionsprinzipien für bauliche und lüftungstechnische Maßnahmen zur Reduzierung von Radon
in Innenräumen, soweit dieses aus Belastungen aus dem Baugrund resultiert, sind vor allem für
Wohngebäude bekannt. Der Erfolg der Maßnahmen lässt sich derzeit jedoch lediglich qualitativ

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vorhersagen, eine quantitative Prognose der durch die einzelnen Maßnahmen erreichbaren
Radonkonzentrationen für alle Innenräume ist nicht sicher möglich. Diese Situation lässt derzeit die
Veröffentlichung einer DIN-Norm als anerkannte Regel der Technik nicht zu.
Dennoch sollen die bekannten Konstruktionsprinzipien schnellstmöglich veröffentlicht werden.
Hierdurch wird eine weitere Sensibilisierung der betroffenen Kreise und bei Anwendung der
Grundprinzipien bereits eine Verbesserung der Situation erreicht.
Diese Ziele lassen sich am besten erreichen durch die Erarbeitung und Veröffentlichung einer DIN
SPEC. Hierbei handelt es sich um eine Vornorm, die vorgesehen ist, wenn wegen bestimmter
Vorbehalte keine Norm herausgegeben werden kann.
Daneben sichert dieses Vorgehen, dass aus den gewonnenen Erfahrungen sich eventuell ergebender
Korrekturbedarf kurzfristig berücksichtigt werden kann. Die Vornorm kann und soll bei Erreichen der
notwendigen Prognosesicherheit in eine endgültige Regelung übergehen.
In welchem Umfang weitere Einflüsse auf die Radonkonzentration der Innenluft wie z. B. aus Baustoffen
berücksichtigt werden können oder müssen, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.
Gleiches gilt für die Berücksichtigung von evtl. Einflüssen aus Messverfahren, Messdauern und
Messungenauigkeiten.
2.2 Referenzwerte für die Innenraumluft
In der Bewertungshierarchie hinsichtlich der Qualität der Luft in einem Innenraum stellen Referenzwerte
für die Innenraumluft die unterste Stufe dar [4]. Definitionsgemäß wird ein Referenzwert aus einer Reihe
von Messwerten einer Stichprobe aus einer Grundgesamtheit nach einem vorgegebenen Verfahren
abgeschätzt [1]. Damit handelt es bei einem Referenzwert für die Innenraumluft um einen
ausschließlich statistisch definierten Wert, der die Verteilung einer Verunreinigung der Innenraumluft
für eine definierte Grundgesamtheit zum Zeitpunkt der Durchführung der Untersuchung beschreibt.
Aktuell erhobene Referenzwerte bilden somit die derzeit vorliegende Exposition der Bevölkerung
gegenüber einem Stoff („Hintergrundbelastung“, „Normalfall“) ab. Aufgrund ihrer statistischen Herkunft
können
Referenzwerte
keinen
Aufschluss
über
ein
Gesundheitsrisiko
oder
eine
Gesundheitsgefährdung geben.
Gemäß einer international akzeptierten Konvention aus dem Bereich der klinischen Chemie wird als
(oberer) Referenzwert einer Verteilung das 95. Perzentil der Stoffkonzentration in dem für die
Referenzpopulation untersuchten Umweltmedium verwendet. Auch die Größe der Stichprobe, aus der
der Referenzwert abgeleitet wurde, sollte genannt werden. Für die Vertrauenswürdigkeit des statistisch
ermittelten 95. Perzentils kann das 0,95-Konfidenzintervalls des 95. Perzentils dienen.
Überschreitungen eines Referenzwertes weisen auf eine Auffälligkeit hin. Für eine Einordnung erhöhter
Konzentrationen kann auch das 98. oder 99. Perzentil zum Vergleich herangezogen werden. Im
Unterschied zu Richtwerten ergibt sich aus der Überschreitung eines Referenzwertes kein zwingender
Bedarf zu expositionsmindernden Maßnahmen.
In Deutschland sind Referenzwerte für eine Vielzahl von Verunreinigungen der Luft verschiedener
Innenräume (vor allem aus Wohnungen, Kindertagesstätten, Schulen, Büroräumen) verfügbar. Da
Referenzwerte definitionsgemäß die Innenraumsituation zu einem bestimmten Zeitraum für einen
definierten Innenraum unter definierten Messbedingungen abbilden, ist es erforderlich, möglichst
regelmäßig aktuelle Referenzwerte für alle relevanten Innenräume zu erheben. Für eine Verwendung
in einem regulatorischen Zusammenhang ist es darüber hinaus erforderlich, für Deutschland
repräsentative Referenzwerte für die Innenraumluft heranzuziehen. In der Praxis stammen nur wenige
Referenzwerte aus deutschlandweiten repräsentativen Erhebungen, die meisten Referenzwerte für die
Innenraumluft wurden in ausgewählten Regionen Deutschlands unter spezifischen Zielsetzungen
erhoben und sind somit nur eingeschränkt regulatorisch nutzbar.

Stand der Erarbeitung der DIN-Norm „Radongeschütztes Bauen“
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Dresden, 6. Sept. 2016
2.3 Entwurf der DIN 1946-6 Beiblatt 5
Bereits im Vorfeld der Konstituierung des Gemeinschaftsausschusses wurde durch den
Normenausschuss NHRS ein Entwurf der DIN 1946-6 Beiblatt 5 „Raumluftttechnik – Teil 6: Lüftung von
Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und
Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung; Beiblatt 5: Kellerlüftung“
erarbeitet [4].
Bestandteil des Beiblattes sind u. a. Verfahren zur Auslegung einer Kellerlüftung unter Beachtung einer
Radonbelastung sowie informative Hinweise zu möglichen baulichen Maßnahmen bei Radon, so im
Anhang C des Normentwurfs.
Vor Veröffentlichung des Entwurfs durch NHRS erfolgte eine Abstimmung mit dem zukünftig für Radon
verantwortlichen Gemeinschaftsarbeitsausschuss, in deren Folge eine abgestimmte Version des
Entwurfs freigegeben wurde.
Die Aufnahme der qualitativen Hinweise zu Radonschutzmaßnahmen erfolgte ebenfalls vor dem
Hintergrund einer möglichen Beschleunigung von Rückmeldungen, die in die weitere Normungsarbeit
einfließen sollen.
Die Auswertung der erhobenen Einsprüche gegen den Entwurf ergab keine grundsätzlichen Bedenken
gegenüber den dargestellten Konstruktionsgrundsätzen. Bestätigt hat sich allerdings, dass für eine
verbindliche Norm die Vorgabe von wissenschaftlich fundierten Werten als notwendig erachtet wird und
insofern auch Werte zu definieren sind, um konkrete Handlungsanweisungen zu erreichen.
Ebenso wurde deutlich gemacht, dass es stets elementare Aufgabe der Planung ist,
Gesundheitsgefährdungen z. B. durch Radon vorzubeugen und dass die Planung in sich stimmige
Lösungen erarbeitet.
Nach Auswertung der Einsprüche sind sowohl der Gemeinschaftsausschuss als auch NHRS zu dem
Ergebnis gekommen, das Beiblatt 5 nicht zu überarbeiten und auch nicht zu verabschieden. Damit wird
das Beiblatt spätestens 2 Jahre nach Veröffentlichung zurückgezogen. Die Bearbeitung der Einsprüche
wird in die neue DIN SPEC einfließen und verfahrensgemäß erneut als Entwurf zur Kommentierung
erscheinen.
2.4 Weiteres Arbeitsprogramm
Als wesentlicher Ausgangspunkt der weiteren Tätigkeit mussten die diversen existierenden
Begrifflichkeiten definiert werden, mit denen die beabsichtigte Radonkonzentration der Innenluft
beschrieben werden kann. So existieren bisher Anforderungen in Form von Referenzwerten,
Grenzwertempfehlungen, Zielwerten, Planungswerten, Richtwerten, Grenzwerten, Qualitätsniveau und
Bewertungsmaß.
Im Rahmen der Norm sind folgende Begrifflichkeiten beabsichtigt:
-
Referenzwert (nach Richtlinie 2013/59 [1]) – In einer Notfall-Expositionssituation oder
bestehenden Expositionssituation der Wert der effektiven Dosis- oder Organ-Äquivalentdosis-
oder Aktivitätskonzentrationswert, oberhalb dessen Expositionen als unangemessen
betrachtet werden, auch wenn es sich nicht um einen Grenzwert handelt, der nicht
überschritten werden darf.
-
Grenzwert – Wert, der nicht überschritten werden darf und damit u. a. als Grundlage für
gerichtliche Beurteilungen (z. B. zur Beurteilung, ob ein Mangel vorliegt) dient.
-
Auslegungswert (in Anlehnung an DIN 1946-6 Beiblatt 5) – Wert, welcher der Planung einer
Neubau- oder Sanierungsmaßnahme zugrunde gelegt wird und möglichst erreicht werden soll.

Roland Strubbe
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Seite 45
Abweichungen vom Auslegungswert sind sowohl nach oben als auch nach unten möglich und
zulässig. Zur Einhaltung evtl. Grenzwerte sind ggf. Sicherheitsfaktoren zu beachten.
In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Festlegung von Referenz- und Grenzwerten nicht
Bestandteil von Normen bzw. von anerkannten Regeln der Technik sein kann. Die Bestimmung dieser
Werte obliegt dem Gesetzgeber. Daneben können durch weitergehende vertragliche Regelungen – wie
z. B. zum nachhaltigen Bauen - höhere Anforderungen zu beachten sein.
Ausgehend von diesen Definitionen sollen mit der DIN SPEC Wege aufgezeigt werden, wie die
Anforderungen erfüllt werden können. Ein wesentliches Augenmerk wird dabei auf die
Gebäudekonzeption zu richten sein.
In einem weiteren Schritt muss dann untersucht werden, welche baulichen und lüftungstechnischen
Radonschutzmaßnahmen bei der gewählten Gebäudekonzeption sowieso vorhanden sind bzw. mit
geringerem wirtschaftlichen Aufwand zu einer Radonschutzmaßnahme ertüchtigt werden können. Bei
der Wahl der Radonschutzmaßnahmen werden auch die Folgekosten (u. a. Betriebs- und
Instandhaltungskosten) und die Betriebssicherheit zu beachten sein.
Nach derzeitigem Stand wird es eine grundsätzliche Untergliederung der Norm nach baulichen und
lüftungstechnischen Maßnahmen geben. Die baulichen Maßnahmen sollen nach den Bauteilen
strukturiert werden, die mit Erdreich bzw. mit radonbelasteter Luft in Berührung kommen. Im
Wesentlichen handelt es sich dabei um Abdichtungen, Drainagen/Brunnen und Unterboden-
/Zwischenwandabsaugungen.
3
Ausblick
Derzeit formuliert der Gemeinschaftsausschuss die Anforderungen an die einzelnen Bauteile sowie die
Schnittstellen zwischen baulichen und lüftungstechnischen Maßnahmen sowohl für Neubauten als
auch für Baumaßnahmen im Bestand. Ergänzt werden diese Angaben um Hinweise zur Instandhaltung.
Im Anschluss werden die Ergebnisse auf Übereinstimmung mit weiteren Regelungen zu prüfen sein.
Insbesondere in Zusammenhang mit den Anforderungen der ENEV bzw. auch bauphysikalischen
Anforderungen wie Feuchteschutz kann sich Konfliktpotential ergeben.
Besondere Anforderungen können sich auch aus dem Baurecht ergeben, z. B. bei der Frage, ob
Radonschutzmaßnahmen nach vorgesehener Raumnutzung auszuwählen sind oder nach einer
Eignung der Räume für eine bestimmte Nutzung.
Unabhängig von den diesbezüglich noch nicht absehbaren konkreten gesetzlichen Anforderungen ist
beabsichtigt, eine erste Fassung der DIN SPEC in zeitlichem Zusammenhang mit den in der EURATOM
gesetzten Fristen zu veröffentlichen. Der Entwurf wird dann im Internet einseh- und kommentierbar
sein.
4
Literaturverzeichnis
[1]
Richtlinie 2013/59/Euratom des Rates vom 5. Dezember 2013 zur Festlegung grundlegender
Sicherheitsnormen für den Schutz vor den Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender
Strahlung und zur Aufhebung der Richtlinien 89/618/Euratom, 90/641/Euratom, 96/29/Euratom,
97/43/Euratom und 2003/122/Euratom
[2]
Gesamtempfehlungen des 6. Deutschen Baugerichtstags; Internet:
http://www.heimann-
partner.com/dbgt/mp-content/user_upload/dateien/gesamtempfehlungen2016.pdf
[3]
Ankündigung des DIN-Normenausschuss Bauwesen zum geplanten Normungsprojekt
Radongeschütztes Bauen;

Stand der Erarbeitung der DIN-Norm „Radongeschütztes Bauen“
Seite 46
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
[4]
Internet:
http://www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/nabau/radongeschuetztes-bauen-
113286
[5]
DIN 1946-6 Beiblatt 5 „Raumluftttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine
Anforderungen,
Anforderungen
zur
Bemessung,
Ausführung
und
Kennzeichnung,
Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung; Beiblatt 5: Kellerlüftung - Entwurf

 
Helmut Sagunski
Dresden, 6. Sept. 2016
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DIE BEWERTUNG VON RADON IN DER INNENRAUMLUFT AUS
SICHT DES AUSSCHUSSES FÜR INNENRAUMRICHTWERTE
EVALUATION OF RADON IN INDOOR AIR BY THE GERMAN
COMMITTEE ON INDOOR GUIDE VALUES
Helmut Sagunski
Hamburg
Zusammenfassung
Zur Bewertung von Verunreinigungen der Innenraumluft verwendet der Ausschuss für
Innenraumrichtwerte üblicherweise mehrere Bewertungsansätze, die sich in ihrer gesundheitlichen und
rechtlichen Bedeutung unterscheiden. Für nicht-krebserzeugende und krebserzeugende Stoffe ohne
ein nennenswertes gentoxisches Potenzial setzt der Ausschuss Richtwerte für die Innenraumluft fest.
Diese Richtwerte können unter Bezug z. B. auf das Baurecht im Vollzug eine justiziable Relevanz
erhalten.
Für gentoxische krebserzeugende Verunreinigungen der Innenraumluft wie z. B. Radon führt der
Ausschuss dagegen risikobezogene Bewertungen durch. In Deutschland übliche Expositionen
gegenüber Radon in der Innenraumluft sind bei Annahme eines lebenslangen Aufenthaltes in diesen
Innenräumen für Nichtraucher mit einem hohen Lungenkrebsrisiko in Höhe von 10
-4
bis 10
-3
verknüpft,
in einzelnen Fällen kann das Risiko 10
-2
übersteigen. Zur Begrenzung der Exposition gegenüber Radon
in der Luft von Gebäuden, die nicht nur vorübergehend genutzt werden, hält der Ausschuss für
Innenraumrichtwerte einen Referenzwert von 100 Bq Radon pro Kubikmeter Innenraumluft für
angemessen.
Summary
Evaluating indoor air contaminants the German Committee on Indoor Guide Values uses different
approaches with respect to their relevance to human health and their legal consequences. Regarding
non-carcinogens and non-genotoxic carcinogens the Committee issues indoor air guide values.
These guide values may receive legal liability by administrative practice referring e. g. to the building
ordinance.
On the other hand the Committee implements risk-related evaluations for genotoxic carcinogenic indoor
air pollutants like e. g. radon. Assuming a lifelong exposure of non-smokers their usual exposure to
indoor air radon in buildings in Germany is bound up with a high lung cancer risk of 10
-4
to 10
-3
, in some
cases with even more than 10
-2
. Aiming to reduce exposure to indoor air radon in buildings not only
temporarily used the Committee on Indoor Guide Values considers a reference value of 100 Bq radon
per cubic meter indoor air being appropriate.

Die Bewertung von Radon in der Innenraumluft aus der Sicht des Ausschusses für Innenraumrichtwerte
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10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
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1
Einleitung
Die toxikologische Bewertung von Verunreinigungen der Innenraumluft stellt ein noch junges Gebiet
der Umwelthygiene dar. Mit systematischen Messungen der Qualität der Innenraumluft wurde in
Deutschland erst in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch das damalige
Bundesgesundheitsamt sowie in einigen Bundesländern begonnen. Auf der Basis der Ergebnisse
dieser Messungen wurden sogenannte prioritäre Stoffe in der Innenraumluft von Wohnungen, Schulen
und Kindertagesstätten identifiziert. Damit stellte sich die Frage nach der gesundheitlichen Bewertung
dieser Stoffe.
Die
Diskussion
dieser
Fragestellung
führte
schließlich
1994
zu
dem
Beschluss
der
Gesundheitsministerkonferenz,
eine
Ad-hoc-Arbeitsgruppe
einzurichten
mit
dem
Auftrag,
bundeseinheitliche, toxikologisch begründete Richtwerte abzuleiten. Obwohl dieses Mandat zunächst
als zeitlich begrenzt angesehen wurde, ergab sich aus der Fülle weiterer entdeckter Verunreinigungen
der Innenraumluft eine stark anwachsende Liste zu bearbeitender Stoffe. In den letzten Jahren hat sich
die Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte vor allem mit der gesundheitlichen Bewertung von
krebserzeugenden Stoffen in der Innenräumluft sowie mit der Bewertung von Gerüchen bzw.
Geruchsstoffen beschäftigt.
Nach mehr als zwanzig Jahren wurde die Ad-hoc-Arbeitsgruppe im März 2015 in den Ausschuss für
Innenraumrichtwerte umbenannt und die gesundheitliche Bewertung von Verunreinigungen der
Innenraumluft damit als eine ständige Aufgabe anerkannt. Bis heute sind für über 120 Stoffe Einzel-
oder Summenrichtwerte festgesetzt sowie weitere Empfehlungen ausgesprochen worden. Alle
Begründungen zu Richtwerten für die Innenraumluft, weitere Empfehlungen sowie die Protokolle der in
der
Regel
halbjährlich
stattfindenden
Sitzungen
sind
im
Internet
unter
dem
Link:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/kommissionen-arbeitsgruppen/ausschuss-fuer-
innenraumrichtwerte-vormals-ad-hoc zugänglich.
2
Richtwerte, Referenzwerte und Leitwerte für die Innenraumluft
Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte seit 1994 hat es sich als notwendig erwiesen, unterschiedliche
Konzepte und Maßstäbe zur Beurteilung von Verunreinigungen der Innenraumluft zu entwickeln.
Anlass hierfür waren zum Einen rechtliche Anforderungen, zum Anderen der unterschiedliche
toxikologische bzw. epidemiologische Kenntnisstand zu den einzelnen Stoffen bzw. Stoffgemischen.
Um diesen beiden Anforderungen zu entsprechen, wurde vom Ausschuss ein Konzept mit Richtwerten,
Leitwerten und Referenzwerten für die Innenraumluft entwickelt [1, 2].
2.1 Richtwerte für die Innenraumluft
Um ein flexibles Handlungsinstrumentarium zu erlangen, hat der Ausschuss für Innenraumrichtwerte
ein gestuftes Verfahren eingeführt, das drei Konzentrationsbereiche unterscheidet: einen
Vorsorgebereich, einen Besorgnisbereich und einen Gefahrenbereich. Zur Trennung dieser Bereiche
dienen zwei Richtwerte, ein Vorsorgewert (Richtwert I) und ein Gefahrenwert (Richtwert II).
Der Vorsorgebereich wird dadurch beschrieben, dass bis zum Richtwert I im Rahmen einer
Einzelstoffbetrachtung nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch bei lebenslanger Exposition von
empfindlichen Personen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Mit der
Überschreitung eines Richtwertes I betritt man den sogenannten Besorgnisbereich. In diesem
Besorgnisbereich ist zwar keine (unmittelbare) Gesundheitsgefährdung anzunehmen. Gleichwohl sind
aber in diesem Konzentrationsbereich bei besonders empfindlichen Personen gesundheitliche Effekte
nicht mehr mit der erwünschten Sicherheit auszuschließen. Bei einer Überschreitung des Richtwertes
I besteht aus toxikologischer Sicht nicht mehr ein als ausreichend anzusehender Abstand bis zur
Gefahrenschwelle. Deshalb sind vorsorglich Maßnahmen zu ergreifen.

Helmut Sagunski
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 49
Charakteristisch für vorsorgliche Maßnahmen mit dem Ziel der Unterschreitung des Vorsorgewertes ist
die Beachtung der Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen. Bei Überschreitung des Richtwertes I ist
zunächst zu überprüfen, ob der Innenraum belüftbar ist (z. B. ob Fenster weit geöffnet und nicht nur
auf Kipp gestellt werden können) und auch tatsächlich ausreichend belüftet wurde. Im Ergebnis ist
vielfach die Häufigkeit des Luftwechsels entsprechend anzupassen. Erstaunlicherweise fehlt nicht
selten ein Verständnis dafür, dass Lüften grundsätzlich zur üblichen Nutzung von Räumen gehört,
insbesondere vor Beginn der Nutzung eines Innenraums. Eine erhöhte Lüftungsrate ist grundsätzlich
auch nach der Errichtung eines Gebäudes oder nach einer Renovierung von Innenräumen angezeigt.
Aus verschiedenen Gründen (z. B. um vermeintlich Heizenergie zu sparen) wird diese Notwendigkeit
nicht immer beachtet. Für Innenraumarbeitsplätze ohne Umgang mit Gefahrstoffen liegen
Lüftungsvorgaben in der Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.6 [3] vor.
Aus dem Erreichen bzw. Überschreiten des Richtwertes II (Gefahrenwertes) für die Innenraumluft ergibt
sich ein unverzüglicher Handlungsbedarf, da diese Konzentration geeignet ist, insbesondere bei
Daueraufenthalt in den Räumen die Gesundheit empfindlicher Personen zu gefährden. Bei
ununterbrochenem Aufenthalt (z. B. in Wohnungen, Pflegeheimen oder Krankenhäusern) ist für
empfindliche
Personengruppen
eine
hinreichende
Wahrscheinlichkeit
anzunehmen,
einen
Gesundheitsschaden zu erleiden.
Überschreitungen des Gefahrenwertes sind in der Praxis insgesamt eher selten. In einem solchen Fall
sind die erhobenen Messdaten hinsichtlich ihrer Plausibilität zu prüfen und ggfs. eine Kontrollmessung
zu veranlassen. Dieser Schritt ist besonders wichtig, da belastbare Daten vorliegen müssen: aus der
Überschreitung eines Gefahrenwertes für die Innenraumluft können sich unter Umständen rechtliche
Handlungen wie z. B. eine Wohnungsschließung ergeben. Eine auf der Grundlage eines Messberichtes
erlassene
entsprechende
behördliche
Verfügung
muss
gegebenenfalls
auch
einer
verwaltungsgerichtlichen
Prüfung
standhalten.
Bei
einer
belastbaren
Überschreitung
des
Gefahrenwertes ist unverzüglich zu prüfen, ob eine unmittelbare Reduzierung der Exposition möglich
ist. Falls dies nicht möglich erscheint, könnten eingreifende Maßnahmen wie
z. B. eine
Wohnungsschließung erforderlich sein.
Richtwerte sollen der Präzisierung bestimmter rechtlicher Begriffe in verschiedenen Rechtsgebieten
mit Innenraumbezug (Baurecht, Immissionsschutzrecht, Mietrecht, Arbeitsstättenrecht) dienen. Über
die vom Ausschuss gewählte Definition des Gefahrenwertes lässt sich ein Bezug zur Bauordnung der
Bundesländer (insbesondere § 3 und § 16 BauO) herstellen. Im Unterschied dazu zielt das
Bundesimmissionsschutzrecht (§ 1) sowohl auf den Schutz vor Gefahren als auch auf Vorsorge gegen
Gefahren ab. Damit lassen sich für dieses Rechtsgebiet sowohl ein Richtwert II als auch ein Richtwert
I anwenden. Für das Mietrecht wie auch für das Arbeitsstättenrecht spielen in der Regel nur
Vorsorgewerte für die Innenraumluft eine Rolle. Durch den Bezug auf rechtliche Regelungen erhalten
die Richtwerte für die Innenraumluft letztlich eine justiziable Verbindlichkeit.
Bislang sind nur sehr wenige Richtwerte für die Innenraumluft in rechtlich verbindliche Grenzwerte
überführt worden. Vereinfacht lassen sich legislative und administrative Grenzwerte unterscheiden:
legislative Grenzwerte stellen das Ergebnis einer parlamentarischen Erörterung dar, bei der
gesundheitliche gegen wirtschaftliche Aspekte, Fragen der Machbarkeit und des Aufwandes
abgewogen werden, und gelten für einen definierten Anwendungsbereich. Administrative Grenzwerte
binden die Verwaltung und betroffene Kreise (z. B. Gebäudeeigentümer), dieser im Rahmen
bestimmter Vorgehensweisen anzuwenden. Hierzu zählen beispielsweise Verwaltungsvorschriften,
Technische Baubestimmungen von einzelnen
Bundesländern nach § 3 der jeweiligen
Landesbauordnung sowie Technische Regeln für Gefahrstoffe im Arbeitsschutz.
Als erster und bisher einziger legislativer Grenzwert in Deutschland wurden in der 2.
Bundesimmissionsschutz-Verordnung von 1990 ein Gefahrenwert von 5 mg Tetrachlorethen/m
3
und
ein Vorsorgewert von 0,1 mg Tetrachlorethen/m
3
Innenraumluft festgelegt. Nach einer Übergangsfrist
ist der Gefahrenwert inzwischen ausgesetzt, da nach Auffassung des Verordnungsgebers Altanlagen
nur für wenige Jahre zulässig sein sollten und danach ausschließlich der Vorsorgewert gelten solle. Da
es sich bei dem unteren Grenzwert um einen Vorsorgewert handelt, hielt der Verordnungsgeber eine
Frist, in der expositionsmindernde Maßnahmen zur Unterschreitung des Vorsorgewertes ergriffen
werden müssen, von 6 Monaten für angemessen. Falls sich die ergriffene Maßnahme zur Minderung
der Exposition nicht als erfolgreich erweist, darf eine neue Frist für eine weitere Maßnahme gesetzt
werden. Im Einzelfall kann sich die Kette der ergriffenen Minderungsmaßnahmen über mehrere Jahre
hinziehen.

Die Bewertung von Radon in der Innenraumluft aus der Sicht des Ausschusses für Innenraumrichtwerte
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10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
Administrative Grenzwerte zu Pentachlorphenol (PCP) und zu den polychlorierten Biphenylen (PCBs)
wurden in einigen Bundesländern auf der Basis der jeweiligen Landesbauordnung in Technischen
Baubestimmungen eingeführt. Angesichts des bekannten hohen Risikos von Radon sollte auch eine
Technische Baubestimmung zu Radon erstellt werden. Die dazu 1996 einberufene Projektgruppe der
Bauministerkonferenz konnte sich nach längerer Diskussion auf ein auf Dauer nicht mehr zumutbares
Gesundheitsrisiko nach einer einjährigen Exposition gegenüber 1000 Bq Radon pro Kubikmeter
Innenraumluft verständigen. Diese Exposition sollte damit eine Gesundheitsgefahr im Sinne der
Bauordnung darstellen. Als Vorsorgewert wurde eine Konzentration von 200 Bq Radon pro Kubikmeter
angenommen. In der abschließenden Sitzung der Bauministerkonferenz in 2003 konnte sich dieser
Vorschlag jedoch nicht durchsetzen.
2.2 Referenzwerte für die Innenraumluft
In der Bewertungshierarchie hinsichtlich der Qualität der Luft in einem Innenraum stellen Referenzwerte
für die Innenraumluft die unterste Stufe dar [4]. Definitionsgemäß wird ein Referenzwert aus einer Reihe
von Messwerten einer Stichprobe aus einer Grundgesamtheit nach einem vorgegebenen Verfahren
abgeschätzt [1]. Damit handelt es bei einem Referenzwert für die Innenraumluft um einen
ausschließlich statistisch definierten Wert, der die Verteilung einer Verunreinigung der Innenraumluft
für eine definierte Grundgesamtheit zum Zeitpunkt der Durchführung der Untersuchung beschreibt.
Aktuell erhobene Referenzwerte bilden somit die derzeit vorliegende Exposition der Bevölkerung
gegenüber einem Stoff („Hintergrundbelastung“, „Normalfall“) ab. Aufgrund ihrer statistischen Herkunft
können
Referenzwerte
keinen
Aufschluss
über
ein
Gesundheitsrisiko
oder
eine
Gesundheitsgefährdung geben.
Gemäß einer international akzeptierten Konvention aus dem Bereich der klinischen Chemie wird als
(oberer) Referenzwert einer Verteilung das 95. Perzentil der Stoffkonzentration in dem für die
Referenzpopulation untersuchten Umweltmedium verwendet. Auch die Größe der Stichprobe, aus der
der Referenzwert abgeleitet wurde, sollte genannt werden. Für die Vertrauenswürdigkeit des statistisch
ermittelten 95. Perzentils kann das 0,95-Konfidenzintervalls des 95. Perzentils dienen.
Überschreitungen eines Referenzwertes weisen auf eine Auffälligkeit hin. Für eine Einordnung erhöhter
Konzentrationen kann auch das 98. oder 99. Perzentil zum Vergleich herangezogen werden. Im
Unterschied zu Richtwerten ergibt sich aus der Überschreitung eines Referenzwertes kein zwingender
Bedarf zu expositionsmindernden Maßnahmen.
In Deutschland sind Referenzwerte für eine Vielzahl von Verunreinigungen der Luft verschiedener
Innenräume (vor allem aus Wohnungen, Kindertagesstätten, Schulen, Büroräumen) verfügbar. Da
Referenzwerte definitionsgemäß die Innenraumsituation zu einem bestimmten Zeitraum für einen
definierten Innenraum unter definierten Messbedingungen abbilden, ist es erforderlich, möglichst
regelmäßig aktuelle Referenzwerte für alle relevanten Innenräume zu erheben. Für eine Verwendung
in einem regulatorischen Zusammenhang ist es darüber hinaus erforderlich, für Deutschland
repräsentative Referenzwerte für die Innenraumluft heranzuziehen. In der Praxis stammen nur wenige
Referenzwerte aus deutschlandweiten repräsentativen Erhebungen, die meisten Referenzwerte für die
Innenraumluft wurden in ausgewählten Regionen Deutschlands unter spezifischen Zielsetzungen
erhoben und sind somit nur eingeschränkt regulatorisch nutzbar.
2.3 Leitwerte für die Innenraumluft
Leitwerte für die Innenraumluft sollen eine erste Einschätzung der hygienischen Situation in einem
Innenraum unterstützen. Voraussetzung für die Festlegung von Leitwerten für die Innenraumluft ist das
Vorliegen von verallgemeinerbaren praktischen Erfahrungen, dass mit steigender Konzentration eines
Stoffes oder eines Stoffgemisches in der Innenraumluft die Wahrscheinlichkeit für Beschwerden oder
gesundheitliche Auswirkungen zunimmt. Angesichts des Fehlens hinreichend belastbarer Dosis-
Wirkungsbeziehungen für diesen Stoff bzw. diese Stoffe lassen sich jedoch keine epidemiologisch oder
toxikologisch begründeten Richtwerte ableiten [4].

Helmut Sagunski
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 51
Leitwerte wurden bisher für Kohlendioxid als Lüftungsindikator, für die Summe der flüchtigen
organischen Verbindungen (im Englischen als Total Volatile Organic Compounds - TVOC - bezeichnet)
und für Feinstaub (Partikuläre Masse - PM
2,5
) in der Innenraumluft abgeleitet. Derzeit erörtert der
Ausschuss die Bewertung von Gerüchen und Geruchsstoffen. Für ausgewählte Geruchsstoffe wurden
vorläufige Geruchsleitwerte für die Innenraumluft zur Diskussion gestellt.
Im weiteren Sinne zählt der Ausschuss auch alle sonstigen Beurteilungswerte von internationalen oder
anderen nationalen Gremien außerhalb Deutschlands wie z. B. die Empfehlungen der
Weltgesundheitsorganisation zu den Leitwerten. Diese Empfehlungen können sowohl toxikologisch als
auch unter Hygienegesichtspunkten abgeleitet worden sein. Ihre rechtliche oder administrative
Bedeutung ist nicht immer bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation weist ausdrücklich darauf hin,
dass ihre Leitwerte grundsätzlich unverbindlich sind und von den Staaten entsprechend ihrem
jeweiligen Rechtrahmen anzupassen sind.
Die Weltgesundheitsorganisation hatte 2010 erstmals für ausgewählte Stoffe (u. a. Formaldehyd,
Naphthalin und Kohlenmonoxid) Leitwerte für die Innenraumluftqualität festgelegt [5]. Angesichts des -
im Vergleich zu allen anderen von der Weltgesundheitsorganisation in ihrem Bericht bewerteten
krebserzeugenden Verunreinigungen der Innenraumluft - hohen Krebsrisikos durch Radon in der
Innenraumluft hatte die Weltgesundheitsorganisation für Radon als einzigen Stoff keinen Risikobereich,
sondern einen Referenzwert (in Höhe von 100 Bq pro Kubikmeter) vorgeschlagen. Laut Angabe der
Weltgesundheitsorganisation beruhte dieser Vorschlag auf der Auswertung des aktuellen
wissenschaftlichen Kenntnisstands zu Radon. Im Hinblick auf möglicherweise in einzelnen Staaten
vorliegende spezifische Gegebenheiten sollte aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation eine
Konzentration von 300 Bq Radon pro Kubikmeter Innenraumluft nicht überschritten werden.
3
Konzept
des
Ausschusses
für
Innenraumrichtwerte
zur
gesundheitlichen Bewertung krebserzeugender Verunreinigungen
der Innenraumluft
Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte hatte zunächst davon Abstand genommen, das
gesundheitliche Risiko von krebserzeugenden Verunreinigungen der Innenraumluft zu bewerten.
Anlass für diese Haltung war eine Entschließung der Gesundheitsministerkonferenz von 1994, wonach
die Frage, welches Krebsrisiko für die Bevölkerung als hinnehmbar oder zulässig anzusehen sei, nicht
allein auf der Ebene der Verwaltung beantwortet werden könne [6]. Nach Auffassung der
Gesundheitsministerkonferenz setze eine Festsetzung tolerabler oder akzeptabler Krebsrisiken
vielmehr einen Prozess der gesellschaftlichen Meinungsbildung voraus. Eine entsprechende
Entscheidung könne letztlich nur vom europäischen oder deutschen Parlament getroffen werden.
Beispiele für eine derartige parlamentarische Festsetzung hinnehmbarer Krebsrisiken sind der in der
39. Bundesimmissionsschutz-Verordnung festgelegte Jahresmittelgrenzwert für Benzol von 5 μg pro
Kubikmeter Luft oder der ebenfalls dort genannte Jahresmittelzielwert von 1 ng Benz(a)pyren pro
Kubikmeter Luft. Die genannte Benzol-Konzentration entspricht bei lebenslanger Exposition einem
zusätzlichen theoretischen Krebsrisiko von etwa 10
-5
und die genannte Benz(a)pyren-Konzentration
einem zusätzlichen theoretischen Krebsrisiko von etwa 10
-4
[5].
Wissenschaftliche Gremien könnten bei parlamentarischen Festsetzungen beratend zur Hilfe stehen.
Auch der Ausschuss für Innenraumrichtwerte sieht seine Aufgabe vorwiegend darin, die Bevölkerung
wie auch die relevanten Gremien über den Kenntnisstand zu krebserzeugenden Verunreinigungen der
Innenraumluft zu informieren. Erste quantitative Abschätzungen für die Situation in Deutschland zeigen
(unter der Annahme einer lebenslangen Exposition), dass die einzelnen krebserzeugenden Stoffe in
der Innenraumluft große Unterschiede in der Höhe ihres zusätzlichen theoretischen Krebsrisikos
aufweisen. Beispielsweise ist eine Konzentration bis zu 0,05 mg Formaldehyd pro Kubikmeter
Innenraumluft, die in den meisten Kinderzimmern in Deutschland anzutreffen ist, mit einem sehr
geringen zusätzlichen theoretischen Krebsrisiko von etwa 10
-7
verbunden [7]. Andere Verunreinigungen
der Innenraumluft wie z. B. die bereits genannten Stoffe Benzol oder Benz(a)pyren weisen ein höheres
theoretisches Krebsrisiko auf. Die höchsten in Innenräumen auftretenden Krebsrisiken sind durch
Radon bedingt.

Die Bewertung von Radon in der Innenraumluft aus der Sicht des Ausschusses für Innenraumrichtwerte
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10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
In den letzten Jahren haben sich international sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch die für
die Bewertung von chemischen Stoffen zuständige Europäische Chemikalienagentur (ECHA) mit der
Frage der Bewertung von krebserzeugenden Verunreinigungen in der Umwelt beschäftigt. Nach
Auffassung der Weltgesundheitsorganisation könnten sich Regelungen für krebserzeugende Stoffe in
einem
Risikobereich zwischen 10
-4
und 10
-6
bewegen [5]. Die ECHA verwendet für
Expositionsbewertungen ein sogenanntes indikatives Risiko von 10
-6
[6]. Vor diesem Hintergrund hält
es der Ausschuss für Innenraumrichtwerte beim derzeitigen Kenntnisstand für unverhältnismäßig, bei
Konzentrationen, die unter der Annahme einer lebenslangen Exposition mit einem zusätzlichen
theoretischen Krebsrisiko von 10
-6
oder weniger verknüpft sind, expositionsmindernde Maßnahmen zu
ergreifen.
Diese sehr vorsichtige Vorgehensweise führt jedoch in der Praxis zu Schwierigkeiten, da nach den
bisherigen Abschätzungen für viele der in der Innenraumluft anzutreffenden Stoffe einschließlich des
Radons ein höheres Krebsrisiko anzunehmen ist. Da wir in Deutschland mit diesen krebserzeugenden
Stoffen häufig schon jahrzehntelang leben und das damit verbundene Krebsrisiko faktisch mehr oder
weniger hingenommen haben, erscheinen massive Eingriffe jedoch nicht angemessen. Der Ausschuss
schlägt stattdessen vor, die jeweilige Exposition gegenüber einer krebserzeugenden Verunreinigung
der Innenraumluft unabhängig von der absoluten Höhe ihres Krebsrisikos auf die Höhe ihres
Referenzwertes (des 95. Perzentils) zu begrenzen. Durch die angedachte Verringerung von
Spitzenexpositionen ist zu erwarten, dass langfristig auch der Referenzwert sinken sollte.
Obwohl sich in der Innenraumluft eine Reihe krebserzeugender Stoffe nachweisen lassen, ist das
zusätzliche Lungenkrebsrisiko von Nichtrauchern beim derzeitigen Kenntnisstand überwiegend oder in
einigen Regionen sogar weitgehend durch eingeatmetes Radon bedingt. Beim derzeitigen Median der
Radon-Konzentration in Wohnungen von etwa 40 Bq/m
3
beträgt das zusätzliche theoretische
Krebsrisiko um 2x10
-4
. Etwa ab 100 Bq Radon pro Kubikmeter Innenraumluft lässt sich ein erhöhtes
Lungenkrebsrisiko in bevölkerungsbezogenen Studien in Deutschland nachweisen, es liegt bei 1: 1700
(6x10
-4
); betroffen sind hiervon etwa 4 Millionen Menschen in Deutschland. Während das
Lungenkrebsrisiko durch Radon nach den bisher gängigen Modellannahmen mit der Konzentration in
der Innenraumluft linear zunimmt, sinkt jedoch die Anzahl der betroffenen Personen drastisch: eine
lebenslange Exposition beispielsweise gegenüber 1000 Bq Radon pro Kubikmeter Innenraumluft ist mit
einem zehnfach höheren Krebsrisiko (von 1: 170) als bei 100 Bq Radon/m
3
verknüpft, jedoch sind nach
derzeitigem Kenntnisstand von diesem Risiko nur etwa 0,04 % der Bevölkerung (etwa 32 Tausend
Personen) betroffen. Auch wenn der Schutz dieser Personen vor derart hohen Radon-Belastungen
vordringlich ist, ist aus Sicht des öffentlichen Gesundheitsschutzes auch der Schutz der Bevölkerung
vor niedrigeren Radonbelastungen angesichts des damit verbundenen Lungenkrebsrisikos angezeigt.
Bei der gesundheitlichen Bewertung und dem Vergleich von Krebsrisiken ist besonders zu beachten,
dass die mitgeteilten Risikoangaben für fast alle Verunreinigungen der Innenraumluft auf
Extrapolationen aus dem Hochdosisbereich, entweder an Arbeitsplätzen mit Tätigkeiten mit
Gefahrstoffen oder aus tierexperimentellen Untersuchungen, beruhen. Aufgrund der verwendeten
Annahmen und mathematischen Modelle werden maximal mögliche theoretische Krebsrisiken
abgeschätzt. Insbesondere im Hinblick auf mögliche Reparatur- und Entgiftungsmechanismen ist mit
hoher
Wahrscheinlichkeit
davon
auszugehen,
dass
das
tatsächliche
Risiko
in
dem
Konzentrationsbereich, der in Innenräumen anzutreffen ist, niedriger ist und sogar null betragen könnte.
Die einzige bisher bekannte Ausnahme hierbei stellt das Radon dar. Die in Deutschland anzutreffenden
Radon-Konzentrationen in Innenräumen sind mit einer Risikohöhe verknüpft, die sich in
bevölkerungsbezogenen Studien nachweisen lässt. Da diese Risiken oberhalb der sogenannten
epidemiologischen Nachweisgrenze liegen, müssen die durch Radon bedingten Lungenkrebsrisiken im
Unterschied zu den oben genannten theoretischen Krebsrisiken als reale Krebsrisiken angesehen
werden.

Helmut Sagunski
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 53
4
Referenzwert für Radon in der Innenraumluft des Ausschusses für
Innenraumrichtwerte
Wie in Abschnitt 2.2 dargestellt, sollen Referenzwerte eines Stoffes in der Innenraumluft möglichst
repräsentativ für Deutschland und für relevante Innenräume sein. Als relevante Innenräume gelten
Wohninnenräume, insbesondere auch Kinderzimmer in Wohnungen, sowie Innenraumarbeitsplätze
wie Kindertagesstätten, Schulen oder Büroräume. Während für viele Verunreinigungen der
Innenraumluft, z. B. für flüchtige organische Verbindungen, umfangreiche Angaben zu ihren
Referenzwerten vorliegen, fehlen entsprechende repräsentative Angaben zu Radon.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hat in über dreißig Jahren in mehreren Messkampagnen Daten zum
Vorkommen von Radon in der Innenraumluft von Gebäuden erhoben. Diese Messungen dienten
verschiedenen Zielen, waren aber nicht für die Ableitung von Referenzwerten in der hier vorgestellten
Bedeutung ausgelegt. In einer ersten Auswertung der vom Bundesamt mitgeteilten Daten kam der
Ausschuss für Innenraumrichtwerte zu dem Ergebnis, dass der Referenzwert für Radon in der
Innenraumluft von Wohnungen in Deutschland in der Größenordnung von 100 Bq Radon pro
Kubikmeter liegen dürfte. Zur Absicherung dieser Abschätzung hat der Ausschuss das Bundesamt
gebeten, bei der nächsten Messkampagne einen für Deutschland repräsentativen Referenzwert für
Radon in der Wohnungsluft zu ermitteln und dem Ausschuss mitzuteilen.
Nach Auffassung des Ausschusses für Innenraumrichtwerte sollte dieser Referenzwert von 100 Bq
Radon pro Kubikmeter Innenraumluft in der derzeit laufenden Gesetzgebung zu Radon in Gebäuden
herangezogen werden. Ein von anderer Seite vorgeschlagener Wert von 300 Bq Radon pro Kubikmeter
entspricht etwa dem 99. Perzentil und wäre damit mit dem hier vorgestellten Verfahren der
gesundheitlichen Bewertung von Verunreinigungen der Innenraumluft nicht kompatibel.
Ziel aller Bemühungen muss es sein, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in einer Weise
radonsicher Gebäude zu errichten und Bestandsgebäude zu verbessern, dass der Referenzwert
deutlich absinkt. Eine lebenslange Exposition gegenüber Radon in der Innenraumluft in Höhe des
jetzigen Referenzwertes von 100 Bq Radon pro Kubikmeter ist mit einem hohen zusätzlichen
Krebsrisiko von etwa 1: 1700 verknüpft [6]. Einem derart hohen Krebsrisiko sind immerhin mehr als 4
Millionen Personen in Deutschland ausgesetzt. Von daher sollten die geplanten gesetzlichen Vorgaben
zum radonsicheren Bauen nicht nur die Kappung von Spitzenkonzentrationen vorsehen, sondern vor
allem den gesamten Gebäudebestand einbeziehen.
5
Literaturverzeichnis
[1]
Beurteilung
von
Innenraumluftkontaminationen
mittels
Referenz-
und
Richtwerten.
Handreichung
der
Ad-hoc-Arbeitsgruppe
Innenraumrichtwerte
der
IRK
und
AOLG.
Bundesgesundheitsblatt, 50 (7), p. 990-1005, 2007
[2]
Richtwerte für die Innenraumluft: erste Fortschreibung des Basisschemas. Mitteilung der Ad-hoc-
Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der IRK und AOLG. Bundesgesundheitsblatt, 55 (2), p. 279-
290, 2012
[3]
Ermittlung und Beurteilung chemischer Verunreinigungen der Luft von Innenraumarbeitsplätzen
(ohne Tätigkeit mit Gefahrstoffen). Gemeinsame Mitteilung der Arbeitsgruppe Luftanalysen der
Ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen
Forschungsgemeinschaft und der Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Kommission
Innenraumlufthygiene und der Obersten Landesgesundheitsbehörden. Bundesgesundheitsblatt,
57 (8), p. 1002-1018, 2014
[4]
Sagunski, H.; Heinzow, B.; Müller, L.: Referenzwerte, Leitwerte, Richtwerte und Grenzwerte für
die Innenraumluft – eine Kurzanleitung. Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft, 73 (4), p. 169 – 175,
2013

Die Bewertung von Radon in der Innenraumluft aus der Sicht des Ausschusses für Innenraumrichtwerte
Seite 54
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
[5]
WHO indoor air quality guidelines – selected pollutants. World Health Organization, Kopenhagen,
2010
[6]
Gesundheitliche Bewertung krebserzeugender Verunreinigungen der Innenraumluft – erste
Ergänzung zum Basisschema. Mitteilung des Ausschusses für Innenraumrichtwerte.
Bundesgesundheitsblatt, 58 (7), p. 769-773, 2015
[7]
Richtwert für Formaldehyd in der Innenraumluft. Mitteilung des Ausschusses für
Innenraumrichtwerte. Bundesgesundheitsblatt, 59 (8), p. 1040-1044, 2016

 
Bert Rein
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 55
RADONLANGZEITMESSUNGEN
ZUR
BEWERTUNG
DES
BAUGRUNDES – METHODIK UND ERFAHRUNGEN IN DER PRAXIS
RADON LONG TIME MEASUREMENTS FOR THE ASSESSMENT OF
THE BUILDING-GROUND – METHODOLOGY AND EXPERIENCES IN
PRACTICE
Bert Rein
GeoConsult Rein, Oppenheim

Radonlangzeitmessungen zur Bewertung des Baugrundes – Methodik und Erfahrungen in der Praxis
Seite 56
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
Der Beitrag lag zum Redaktionsschluss nicht vor

 
Ingo Fesenbeck
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 57
RADON IN SCHULEN – EINE ERHEBUNGSMESSUNG IN BADEN-
WÜRTTEMBERG
RADON IN SCHOOLS – AN ELEVATION MEASUREMENT IN
SCHOOLS IN BADEN-WUERTTEMBERG
I. Fesenbeck, Chr. Naber, G. Frank, Chr. Wilhelm, M. Schaller
Sicherheit und Umwelt, Karlsruher Institut für Technologie, Deutschland
Zusammenfassung
Mit durchschnittlich 1,1 mSv effektiver Dosis pro Jahr entsteht durch Radon und seine Folgeprodukte
der größte Anteil der natürlichen Strahlenexposition bei der Bevölkerung. Im Zuge der Umsetzung der
neuen
EU-Richtlinie
2013/59/EURATOM
[1]vom
17.01.2014
sollen
die
Grenzwerte
der
Strahlenschutzverordnung angepasst, und der Geltungsbereich in den EU-Staaten erweitert werden.
Ziel des Projekts „Radon in Schulen“ ist es eine flächendeckende Erhebungsmessung der
Radonraumluftkonzentration in baden-württembergischen Schulen durchzuführen und mögliche
Gefährdungen durch Radon-222 und den Radonfolgeprodukten zu untersuchen.
Für das Projekt wurden 1600 Schulen ausgewählt und über ein Informationsschreiben gebeten
teilzunehmen. Die Hälfte der Schulen ist flächendeckend in Baden-Württemberg verteilt. Die weitere
Hälfte befindet sich in Gebieten mit erhöhtem Radonpotential. Die Radonraumluftkonzentration wird
passiv
mittels
Karlsruher
Radonexposimetern
bestimmt.
Darauf
folgend
werden
aktive
Radonmessungen bei auffälligen Schulen sowie Informationsveranstaltungen für Kommunen, das
Lehrerkollegium und für interessierte Eltern und Schüler angeboten.
Summary
With an effective dose of about 1.1 mSv per year, radon and its secondary products have the biggest
share in the population’s natural radiation exposure. For implementation of the new EU directive
2013/59/EURATOM [1] dated January 17, 2014, it is now planned to adapt the limit values of the
Radiation Protection Ordinance and to extend the scope of validity in the EU member states. The
“Radon at Schools” project is to cover an area-wide survey of radon concentrations in room air of
schools in Baden-Württemberg. Potential hazards caused by radon-222 and secondary products of
radon are to be studied.
For the project, 1600 schools were selected and requested to participate by an information letter. Half
of the schools is distributed over the entire area of Baden-Württemberg. The other half is located in
areas of increased radon potential.
Radon concentration in room air is determined passively by Karlsruhe radon exposimeters.
Subsequently, active radon measurements will be made at conspicuous schools and information events
will be offered for municipalities, teachers, interested parents, and pupils.

image
Radon in Schulen – Eine Erhebungsmessung in Baden-Württemberg
Seite 58
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
1
Natürliche Strahlenexposition durch Radon
Radon stammt aus dem Zerfall von Uran, das sich natürlicherweise in unserem Erdboden befindet. Das
radioaktive Edelgas trägt mit seinen Folgeprodukten mit rund 50% zur natürlichen Strahlenexposition
der Bevölkerung bei. Über die Atmung gelangt Radon in die Lunge. Die von Radon und seinen
Folgeprodukten ausgehende Alpha-Strahlung führt zu einer Strahlenexposition der Lunge. Diese
Exposition ist neben dem Rauchen der zweitgrößte Risikofaktor für Lungenkrebs in Deutschland [2] [3].
Aus diesem Grund wird es in Zukunft gesetzlich verankerte Referenzwerte für Radonkonzentrationen
geben. Zur Diskussion stehen 300 Bq/m³ oder 100 Bq/m³.
Radon kann über Risse, Spalte oder Löcher aus dem Boden in das Gebäude gelangen. Dort reichert
es sich in der Raumluft an. Je nach Bauweise, Alter und Zustand des Gebäudes kann die
Radonkonzentration deutlich unterschiedliche Werte annehmen. Die Konzentration von Radon nimmt
mit höheren Stockwerken hin ab.
Abb. 1:
Schematische Verteilung der Radonkonzentration in einem Gebäude
2
Messung der Radonraumluftkonzentration
Grundsätzlich unterscheidet man bei der Messung der Radonkonzentration zwischen passiven und
aktiven Messmethoden:
Bei aktiven Radonmessgeräten wird die radonhaltige Luft über Ventilation oder Diffusion in eine
Messkammer oder auf einen Filter befördert. Diese Messgeräte besitzen eine feste Stromversorgung
oder eine Batterie und können i.d.R. die durchschnittliche Radonkonzentration über einen kurzen
Zeitraum ermitteln. Die Radonkonzentration kann meist direkt am Messgerät abgelesen werden.
Passive Radonmessungen werden u.a. mittels Kernspurdetektoren oder Aktivkohle durchgeführt. Im
Gegensatz zur aktiven Messmethode wird bei der passiven Radonmessung ein Messgerät für einen
längeren Zeitraum ausgelegt und anschließend in einem Labor ausgewertet. Das Messgerät selbst
besitzt keine Anzeige. Die Messergebnisse der Radonkonzentration werden nach der zeitversetzten
Auswertung ermittelt. Am Radonlabor des Karlsruher Instituts für Technologie werden passive
Radonmessungen
mittels
Makrofol-Kernspurdetektoren
(siehe
Abb.
2)
durchgeführt.
Der
Kernspurdetektor wird für typischerweise 100 Tage in einem Raum ausgelegt und anschließend im
Radonlabor ausgewertet. Aufgrund der langen Messdauer können tägliche Schwankungen der
Radonkonzentration sowie unterschiedliche Lüftungsverhalten herausgemittelt werden.

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Ingo Fesenbeck
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
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Abb. 2:
Karlsruher Radonexposimeter (Einzelansicht)
3
Messkampagne Radon in Schulen
Für die Messkampagne: „Radon in Schulen“ wurden rund 1600 baden-württembergische Schulen
ausgewählt und über ein Informationsschreiben gebeten an einer Radonmesskampagne teilzunehmen.
Die Hälfte der Schulen ist flächendeckend auf Baden-Württemberg verteilt. Die restlichen Schulen
befinden sich in Gebieten mit erhöhtem Radonpotential. Bei rund 3000 Messungen mit dem Karlsruher
Radonexposimeter wird die Radon-Situation von Schülern und dem Schulpersonal in Baden-
Württemberg bestimmt und ausgewertet. Im Anschluss an die passive Messkampagne werden aktive
Radonmessungen an auffälligen Schulen durchgeführt. Im Rahmen von Informationsveranstaltungen
werden die betroffenen Schulangestellten und Schüler über das Thema Radon informiert. Sowohl der
messtechnische Aufwand, als auch die Administration der Messkampagne stellen ein Labor vor einige
Herausforderungen.
4
Radonerhebungsmessung – eine Herausforderung in unbekannten
Gebäuden
Ziel der Radonerhebungsmessung ist eine möglichst umfassende Bestimmung der Radon-Situation an
baden-württembergischen Schulen. Die passiven Radonmessgeräte werden aufgrund der großen
Anzahl und der kurzen Projektdauer parallel an den Schulen ausgelegt. Aus diesem Grund wurde ein
Online-Portal für die Schulen eingerichtet. Für die Teilnahme an der Erhebungsmessung wurden die
Schulen gebeten, einen Fragebogen mit 13 Fragen zu Ihrer Schule und Ihrem Schulgebäude
auszufüllen. Mithilfe der daraus resultierenden Informationen konnte das Labor automatisiert eine
Messgerätezuordnung für die teilnehmenden Schulen vornehmen. In die Messgerätezuordnung fließen
u.a. Antworten auf die Fragen „Ist Ihre Schule unterkellert?“ oder „Wie viele häufig genutzte Räume
(wie Klassenzimmer, Hausmeisterbüros, etc.) befinden sich in Ihrem Erdgeschoss?“ ein. Der
Fragebogen hat dem Labor eine möglichst aussagekräftige Verteilung der rund 3000 Messorte auf die
teilnehmenden baden-württembergischen Schulen ermöglicht.
Neben der Verteilung der Messgeräte wurde mit dem Online-Portal eine umfangreiche
Messgeräteverwaltung geschaffen. Teilnehmende Schulen erhielten die Möglichkeit, die Daten ihrer
Radon-Messgeräte (u.a. Messperiode, Messort, Raumnutzung, etc.) online einzutragen und dem
Radonlabor für die darauffolgende Auswertung zur Verfügung zu stellen. Mithilfe des Online-Portals
konnten unter relativ geringem administrativem Aufwand ausreichend viele Informationen seitens der
Schulen für die Auswertung gesammelt werden [4].

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Radon in Schulen – Eine Erhebungsmessung in Baden-Württemberg
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10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
5
Teilnehmende Schulen in Baden-Württemberg
Mit rund 220 teilnehmenden Schulen - das entspricht einer Teilnehmerquote von ca. 14% - konnte das
Projekt der Radonerhebungsmessung gestartet werden. Die teilnehmenden Schulen sind homogen
über gesamt Baden-Württemberg verteilt. Es nehmen ausreichend viele Schulen in sowohl
radongefährdeten Bereichen, als auch Bereichen mit geringerer Radonbodenluftkonzentration teil.
Abb. 3:
Geographische Verteilung der teilnehmenden Schulen in Baden-Württemberg
6
Zusammenstellung der erzeugten Ergebnisse
Nach Auswertung von 2200 Exposimetern wurden 36 Schulen identifiziert, welche Aufenthaltsräume
mit durchschnittlichen Radonkonzentrationen über dem neu definierten, maximalen Referenzwert von
300 Bq/m³ aufweisen. Insgesamt wurden 106 Schulen identifiziert, in denen Aufenthaltsräume mit
Radonkonzentrationen größer 100 Bq/m³ existieren.
Zur Überprüfung der allgemeinen Radon-Situation der teilnehmenden Schulen werden die Ergebnisse
der passiven Radonmesskampagne herangezogen. Eine Unterscheidung der Radonkonzentration am
Tag und der Nacht sowie während der Ferienzeiten ist mittels passiver Messung nicht möglich. Bei
auffälligen Messergebnissen sind weitere aktive Messungen an den Schulen vor Ort notwendig, um die
Radon-Situation für die jeweilige Schule genau zu bestimmen. An neun besonders auffälligen Schulen
wurde bereits eine aktive Radonmessung zur Prüfung der Radonkonzentration unter Einbeziehung des
Lüftungsverhaltens durchgeführt.
6.1 Passive Messkampagne

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Ingo Fesenbeck
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
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Rund 95% der Radonmessgeräte wurden nach dem Einsatz in den Schulen wieder funktionstüchtig an
das Labor zurückgesendet. Nur sehr wenige Messgeräte konnten nicht ausgewertet werden oder sind
während der Messung verloren gegangen.
Die Ergebnisse der passiven Radonmesskampagne können unter verschiedenen Gesichtspunkten
ausgewertet werden. Im Folgenden ist ein Teil der grundlegenden Ergebnisse zusammengefasst:
Der Durchschnitt der Radonkonzentration der ausgewerteten Schulräume beträgt 104 Bq/m³.
In 144 von 2226 Räumen wurde eine Radonkonzentration über dem neu definierten maximalen
Referenzwert von 300 Bq/m³ festgestellt. 80 dieser Räume sind Aufenthaltsräume.
Aufgrund des Gebäudealters kann kein Trend in der Radonkonzentration festgestellt werden, da
zu
viele
weitere
Faktoren
(u.a.
Lüftungsverhalten,
energetische
Sanierung,
die
Radonbodenluftkonzentration, etc.) Auswirkungen auf das Messergebnis haben.
Abb. 4:
Anzahl der Messergebnisse in unterschiedlichen Konzentrations-Klassen
6.2 Aktive Messkampagne
Zur Prüfung der Radonkonzentration während Tag- und Nachtzeiten sowie der Radonkonzentration an
nicht gelüfteten Tagen, wie bspw. Ferienzeiten, werden aktive Radonmessungen an auffälligen Schulen
angeboten. Für aktive Radonmessungen werden die zu messenden Räume für mehrere Stunden/Tage
nicht gelüftet, um eine angereicherte Radon-Konzentration zu messen. Anschließend wird ein
Lüftungsprofil des Raumes aufgenommen, um die Radonkonzentration bei größerem Luftwechsel zu
simulieren und Empfehlungen für die betroffenen Schulen aussprechen zu können.
In einem Gymnasium im Schwarzwald wurden auffällige passive Radonmessergebnisse in Keller- und
Aufenthaltsräumen der Schule festgestellt. Grund für eine Überprüfung der Radonkonzentration bei
unterschiedlichen Lüftungsverhalten war die durchschnittliche Radonkonzentration von rund 850 Bq/m³
in einem häufig genutzten Lehrerzimmer mit rund 45 Lehrerkollegen. Für die aktive Radonmessung
wurde das Lehrerzimmer für einen gesamten Tag nicht gelüftet und am darauffolgenden Tag die
Radonkonzentration aktiv bestimmt. Darauffolgend wurde das Zimmer für 20 Minuten gelüftet und der
Abfall der Konzentration sowie der anschließende Aufbau überprüft (siehe Abb. 5).

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Radon in Schulen – Eine Erhebungsmessung in Baden-Württemberg
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10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
Abb. 5:
Radonkonzentration nach ausreichender Lüftung in einem Lehrerzimmer
6.3 Bewertung der Messkampagne
In 80 von 1547 gemessenen Aufenthaltsräumen wurde eine durchschnittliche Radon-
Aktivitätskonzentration von ≤ 300 Bq/m³ festgestellt. In einem Großteil der Räume konnte mithilfe von
aktiven Messungen die erfolgreiche Minimierung der Radonkonzentration mittels technischer oder
händischer Lüftung sowie mittels baulichen Maßnahmen nachgewiesen werden. Es wurden mehrere
Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Bei mehreren Informationsveranstaltungen konnten
interessierte Lehrer, Schüler, Eltern und Gebäudeverantwortliche über das Thema „Radon – eine
natürliche Strahlenbelastung“ informiert werden.
7
Danksagung
Ein besonderer Dank gilt dem Ministerium für Umwelt, Klima, und Energiewirtschaft Baden-
Württemberg, welches das Projekt „Radon in baden-württembergischen Schulen“ im Rahmen des
Förderprogramms BWPLUS (Baden-Württemberg Programm Lebensgrundlage Umwelt und ihre
Sicherung) unterstützt.
6 Literaturverzeichnis
[1]
Richtlinie 2013/59/EURATOM DES RATES zur Festlegung grundlegender Sicherheitsnormen
für den Schutz vor den Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung und zur
Aufhebung der Richtlinien 89/618/Euratom, 90/641/Euratom, 96/29/Euratom, 97/43/Euratom und
2003/122/Euratom, 17.01.2014
[2]
WHO handbook on indoor radon: a public health perspective, 2009
[3]
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Radon, Merkblätter zur
Senkung der Radonkonzentration in Wohnhäusern, Bonn 2004
[4]
Internetauftritt Radon in Schulen:
https://www.sum.kit.edu/Schulen.php

 
Pamela Jentner
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
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RADON IN BAYERN – FALLBEISPIELE VON NEUBAU UND
BESTAND
RADONGAS
IN
BAVARIA
CASE
STUDIES
FROM
NEW
CONSTRUCTION AND EXISTING BUILDINGS
Pamela Jentner
OrangePep GmbH & Co.KG, Freising
Zusammenfassung
Auch in Bayern werden seit Jahrzehnten Radonmessungen in Innenräumen sowie in der Bodenluft
durchgeführt. Die Radonkonzentrationen in Innenräumen schwanken je nach Ort und Bausubstanz der
Gebäude zwischen wenigen Becquerel / m³ und einigen Tausend Becquerel / m³. Dennoch sind
Gesundheitsrisiken durch Radon sowie Maßnahmen zum radonsicheren Bauen bei der Bevölkerung,
bei Bauherren und Fachplanern noch weitgehend unbekannt.
Anhand eines Fallbeispiels in Miesbach werden praktische Maßnahmen zum Radonschutz vorgestellt.
Bei diesem Neubau wurde das speziell entwickelte Umodan® RadonProtect Foliensystem unter der
Bodenplatte verlegt.
Summary
Since decades also in Bavaria radon measurements are carried out indoors and in the soil air. The
radon concentration indoors varies depending on location and the basic structure of the building from
a few Becquerel/m³ to several thousand of Becquerel/m³. Nevertheless health risks from radon and
measures for radon safe construction are still largely unknown by the population, by builder-owners and
construction experts.
Based on a case study in Miesbach practical measures for radonsafe construction will be presented. In
this new building the specially developed Umodan® RadonProtect foil system was installed under the
floor slab.

Radon in Bayern – Fallbeispiele von Neubau und Bestand
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10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
1
Radon in Bayern – Interesse bei Bauherren und Fachplanern
Jeder Mensch ist täglich einer gewissen Strahlung ausgesetzt. Die Quellen sind natürlicher oder
künstlicher Herkunft. Das Interesse an Informationen zu eventuellen Gesundheitsrisiken sowie zu
eigenen Präventionsmöglichkeiten erwies sich in Bayern bislang bei Bauherren und Fachplanern als
sehr unterschiedlich. Aus Gesprächen ist häufig zu vernehmen, dass künstlich erzeugte Radioaktivität
emotional als weit gefährlicher eingestuft wird als natürliche Strahlungsquellen. So werden
beispielsweise die Reaktorunfälle in Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 und deren Folgen für die
Gesundheit auch heute noch höher eingeschätzt als mögliche Risiken durch Radon in den eigenen
Wohn- und Arbeitsräumen.
Trotz umfassender Informationen vom Bayerischen Landesamt für Umwelt LfU [1], sowie von weiteren
Behörden und Institutionen, trotz umfangreicher Messreihen von Dr. Kemski & Partnern [2], sowie von
weiteren Experten, besteht in Bayern noch viel Aufklärungsbedarf. Nach unseren Erfahrungen findet
bisher bei Neubauten sowie bei Sanierungen im Bestand vor allem die Energieeinsparungsverordnung
EnEV in der jeweiligen Fassung Beachtung. Das Thema Radon, radonsicheres Bauen und Sanieren
ist in der Bevölkerung, bei Bauherren, Fachplanern und Baufachleuten nur wenig bekannt. Dies wurde
bei Untersuchungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt ebenfalls festgestellt [3].
Dabei wäre gerade die Kombination aus radonsicherem Bauen und Energieeinsparungsmaßnahmen
wichtig. Wie die Untersuchungen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt bei Sanierungen von
öffentlichen
Gebäuden
zeigten,
können
Radonkonzentrationen
in
Innenräumen
nach
Sanierungsmaßnahmen steigen oder sinken [3]. An den Untersuchungen haben 30 Gemeinden mit 31
sanierten Gebäuden im Zeitraum 2009 bis 2011 teilgenommen. Die Gemeinden befinden sich im
Bayerischen Grundgebirge von Hof bis Passau sowie im Voralpenland.
Untersuchungsergebnisse
aus
Sachsen
(Guhr
2004)
[4]
zeigten
ebenfalls,
dass
Sanierungsmaßnahmen in Bestandsgebäuden die Radonkonzentrationen in Innenräumen fallweise
maßgeblich erhöhen können.
Offen bleibt die Frage, wie das Interesse der Bauherren und Fachplaner an radonsicherem Bauen
tatsächlich im größeren Maß geweckt werden könnte.
2
Praktische Radon-Messungen in Bayern
Bereits seit Jahrzehnten werden von verschiedenen Stellen und Institutionen sowie von Fachfirmen
Radonmessungen in Bayern angeboten. Auch gab es verschiedene Messaktionen und
Untersuchungsintervalle. Dennoch ist die Nachfrage nach Radonmessungen in der Raumluft sowie in
der Bodenluft noch immer sehr gering.
Messungen beispielsweise von Dr. Kemski & Partner [2], sowie vom Umweltinstitut München e.V. [5]
belegen, dass Radonkonzentrationen in Innenräumen je nach Ortslage und baulichem Zustand des
Gebäudes wenige Becquerel/m³ bis zu mehreren Tausend Becquerel/m³ betragen können. Dies deckt
sich mit unseren eigenen orientierenden Messungen und Fallbeispielen.
Dr. Kemski & Partner liegen aus dem Landkreis Miesbach Ergebnisse aus 130 Haushalten vor. Das
Landratsamt Miesbach veröffentlichte diese Daten und informierte die Bevölkerung, dass der Landkreis
Miesbach in weiten Teilen als Radonverdachtsgebiet der Klasse III einzustufen ist [6]. Insbesondere
wurde auch auf weitere Messungen und Maßnahmen für radongeschütztes Bauen hingewiesen.
Dennoch sind radonsichere Bauweisen bei Planern, Baufachleuten sowie bei Bauherren noch
weitgehend unbekannt. Auch im nachfolgend geschilderten Fallbeispiel im Miesbach war es für die
alteingesessene Baufirma ein Novum, sich mit Radon und entsprechenden baulichen Maßnahmen zu
beschäftigen.

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Pamela Jentner
Dresden, 6. Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
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3
Fallbeispiel: Präventionsmaßnahmen bei einem Neubau in Miesbach
mit dem Umodan®RadonProtect Foliensystem
Die Bauherrenfamilie hatte sich über Radon informiert und sich für ihr neu zu erbauendes Wohnhaus
in Miesbach für eine radonsichere Bauweise entschieden. Die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf die
Verwendung des Umodan® RadonProtect Foliensystems [7]. Die Gasdichtigkeit dieser speziellen
Aluminiumfolie wurde von Dr. Kemski nicht nur am Material selbst, sondern vor allem auch an den
Stößen und heißluftverschweißten Nähten überprüft.
Die folgenden Abbildungen verdeutlichen die Verwendung des Foliensystems unterhalb der
Bodenplatte des Neubaus und zeigen auch gasdicht verarbeitete Durchdringungen (Abb.1 bis Abb.6).
Videoclips [7] die auf einer Internetplattform online gestellt wurden und öffentlich zugänglich sind,
zeigen verschiedene Arbeitsschritte live auf der Baustelle. Dies soll dazu beitragen, dass wirksame
Radonschutzmaßnahmen bekannter werden und mehr Akzeptanz finden. Zusätzlich bieten die kurzen
Filmbeiträge den planenden und ausführenden Fachleuten eine praktische Unterstützung.
Abb. 1:
Umodan® RadonProtect Folie
Abb. 2:
Umodan® RadonProtect Folie auf
Wikaflor Schutzvlies ausgelegt, mit
einigen Durchdringungen
Abb. 3:
Folienbahnen
mit
Heißluft
radondicht verschweißen
Abb. 4:
Gasdichter Anschluss an Betonteile

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Radon in Bayern – Fallbeispiele von Neubau und Bestand
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10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 6. Sept. 2016
Abb. 5:
Gasdichter Anschluss an eine
Durchdringung / Rohr, Abdeckung
der
RadonProtect
Folie
mit
Wikaflor Schutzvlies
Abb. 6:
Weiterer Aufbau mit Dämmung,
und gegossener Bodenplatte
Orientierende Kurzzeitmessungen nach der Fertigstellung des Gebäudes wiesen mit Werten deutlich
unter 100 Bq/m³ bereits auf den Erfolg der Maßnahmen hin. Die Ergebnisse von Langzeitmessungen
mit entsprechenden Jahresmittelwerten stehen noch aus.
Gemäß unseren Erfahrungen stellt das Umodan® RadonProtect Foliensystem eine wirkungsvolle,
leicht zu verarbeitende und kostengünstige Schutzmaßnahme dar.
4
Literaturverzeichnis
[1]
Bayerisches
Landesamt
für
Umwelt
LfU,
Internet-Informationen:
www.lfu.bayern.de/
strahlung/radon_in_gebaeuden/index.htm, besucht am 10.08.2016
[2]
Dr. Joachim Kemski & Partner,
www.radon-info.de,
besucht am 15.08.2016
[3]
Bayerisches Landesamt für Umwelt LfU: Radon in Innenräumen, Auswirkungen von
Gebäudeabdichtungen in Bayern, Januar 2012
[4]
GUHR:
Radonprobleme
durch
energetische
Gebäudesanierung.
Architektenkammer
Niedersachsen
(Hrsg.)
2004.
https://www.aknds.de/fileadmin/pdf/servicedb/203-
radonprobleme_durch_energetische_gebaeudesanierung.pdf
[5]
Umweltinstitut
München
e.V.,
www.umweltinstitut.org/archiv/archiv-radioaktivitaet/
fachinformationen/radon-in-der-raumluft.html, besucht am 10.08.2016
[6]
Miesbach Landratsamt Miesbach, Technischer Umweltschutz, Dipl. Ing. Florian Brand:
Radonbelastung
in
Wohngebäuden.
Empfehlungen
zum
Strahlenschutz
in
Radonverdachtsgebieten
http://www.landkreis-miesbach.de/media/custom/221_495_1.pdf
[7]
OrangePep GmbH&Co.KG, Pamela Jentner, Umodan® RadonProtect Foliensystem
www.radon-
protect.com

 
Referentenverzeichnis
Dresden, 6.Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
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Referentenverzeichnis
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
und Vorstandsmitglied KORA e.V.
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Telefon: 0351 / 462 – 2440 Telefax: 0351 / 462 - 2172
www.bau.htw-dresden.de
email: dresden@koraev.de
Prof. Dr. Knut Schmidtke
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Telefon: 0351 / 462 – 3117 Telefax: 0351 / 462 - 2167
www.htw-dresden.de
email: schmidtke@htw-dresden.de
Herbert Wolff
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
D-01097 Dresden, Archivstraße 1
www.smul.sachsen.de
email: poststelle@smul.sachsen.de
Dr. Wolfgang Ringer
Stellvertretender Geschäftsfeldleiter
Leiter der Abteilung Radon und Radioökologie
A-4020 Linz, Wieningerstraße 8
Telefon: +43 50 555-41900
www.ages.at
email: wolfgang.ringer@ages.at
Roland Strubbe
Ed. Züblin AG, Direktion Mitte / Bereich Sachsen
Handlungsbevollmächtigter
D-01129 Dresden, Radeburger Str. 28
Telefon: 0351 / 82 43 – 604 Telefax: 0351 / 82 43 – 641
www.mitte.zueblin.de
email: roland.strubbe@zueblin.de
Dr. rer. nat. Helmut Sagunski
ehem. Vorsitzender (2006-2015) des Ausschusses für Innenraumrichtwerte
email: hsagunski@gmx.de
Dr. rer. nat. habil. Bert Rein
Inhaber GeoConsult Rein
D-55276 Oppenheim, Gartenstrasse 26-28
Telefon: 06133 / 924241 Telefax: 06133 / 924243
www.geoanalysis.eu/
email: geoconsult@geoanalysis.eu
B. Sc. Ingo Fesenbeck
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Sicherheit und Umwelt
Leitung Radonlabor
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen, Hermann-von-Helmholtz-Platz 1, Gebäude 123
Telefon: 721 / 608 – 23621 Telefax: 721 / 608 – 22054
www.sum.kit.edu/Radonlabor.php
email: ingo.fesenbeck@kit.edu
Pamela Jentner
Diplom Biologin, Radonfachperson, Geschäftsführerin
OrangePep GmbH&CO.KG
D-85354 Freising, Unterer Graben 65
Telefon: 08161 / 688 – 87
www.orangepep.de,
www.radon-protect.com email: info@orangepep.de

Dresden, 6.Sept. 2016
10. Sächsischer Radontag - 12. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 68

image
 
Herausgeber KORA e.V.
Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum Radonsicheren Bauen und Sanieren
c/o HTW Dresden, Friedrich-List-Platz 1, 01069 Dresden
Telefon: 0351/4622400, Telefax: 0351/4622172
www.koraev.de,
email:
dresden@koraev.de
Dresden 2016
Redaktionelle Bearbeitung: M.Sc. Ronny Sachse
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