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Künftige Rahmenbedingungen für Klär-
schlammverwertung und Phosphorrück-
gewinnung
Eberhard Kietz

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07. April 2017 |
Dr. Eberhard Kietz / Referat Wertstoffwirtschaft
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Gliederung
Einleitung
Novelle Düngeverordnung
Novelle Klärschlammverordnung
Neue Vorgaben zur bodenbezogenen Verwertung
Vorgaben zur Phosphorrückgewinnung
EU-Papiere zur Klärschlammentsorgung
Recycling-Phosphor-Potenziale
Zusammenfassung

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| 19. April 2017 |
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Grenzwerte nach DüMV seit dem 01.01.2015
Parameter
Einheit
AbfKlärV
DüMV
Arsen
mg/kg TM
-
40
Blei
mg/kg TM
900
150
Cadmium
mg/kg TM
10 bzw. 5*
1,5
Chrom gesamt
mg/kg TM
900
-
Chrom (Cr
VI
)
mg/kg TM
-
2
Kupfer
mg/kg TM
800
900
Nickel
mg/kg TM
200
80
Quecksilber
mg/kg TM
8
1
Thallium
mg/kg TM
-
1
Zink
mg/kg TM
2.500 bzw. 2.000*
5.000
AOX
mg/kg TM
500
-
PCB
mg/kg TM
0,2
-
PCDD/PCDF
ng TCDD-TEQ/ kg TM
100
-
I-TE Dioxine und dl-PCB
ng WHO-TEQ/kg TM
-
30
PFT
mg/kg TM
-
0,1
*
bei leichten Böden, mit Tongehalt < 5 % und pH-Wert von mehr als 5 und weniger als 6

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Klärschlammentsorgung
im Freistaat Sachsen und in der Bundesrepublik Deutschland
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Novelle der Düngeverordnung I
Ziele der Novellierung der Düngeverordnung:
Verbesserung der Effizienz des Düngemitteleinsatzes
Begrenzung der Stickstoff- und Phosphatausträge aus der
Landwirtschaft
Maßnahmen:
Verlängerung der Sperrzeiten, in denen keine Düngemittel
ausgebracht werden dürfen
Ausweitung der Abstände für die Düngung in der Nähe von
Gewässern
Einbeziehung aller organischen Düngemittel in die Berechnung der
betrieblichen Stickstoffobergrenze von 170 kg/ha
Verpflichtung der Länder zum Erlass von zusätzlichen Maßnahmen
in Gebieten mit hohen Nitratwerten im Grundwasser bzw.
eutrophierten Oberflächengewässern durch Phosphat aus der
Landwirtschaft
Entwurf wurde am 15.02.2017 von der Bundesregierung beschlossen –
am 31.03.2017 hat der Bundesrat nach Maßgabe von Änderungen
zugestimmt

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Novelle der Düngeverordnung II
Die bisher nur für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft gültige
Obergrenze für die im Durchschnitt des Betriebes aufgebrachte
Stickstoffmenge in Höhe von 170 kg Stickstoff je Hektar wird auf alle
organischen und organisch-mineralischen Düngemittel ausgedehnt.
Bei Kompostanwendung gilt ein dreijähriger Bezugszeitraum für die
Stickstoff-Obergrenze (max. 510 kg N/ha in 3 Jahren)
Verlängerung der Sperrfristen für das Aufbringen von Düngemitteln
mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff (z.B. auf Ackerland vom
Ernteabschluss der letzten Hauptfrucht bis zum 31. Januar;
Ausnahme für bestimmte Kulturen bis zum 01.10., dann max. 60 kg
N/ha)
verkürzte Sperrzeit für Komposte vom 05.12. bis 15.01 . ohne
Restriktionen nach der Ernte bis zur Sperrzeit analog der Regelung
für Festmist von Huf- oder Klauentieren

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Weitere spezielle Regelungen für Komposte z.B. zur Aufteilung der N-
Nachlieferung der mit dem Kompost aufgebrachten Gesamtstickstoff-
menge für drei Folgejahre bei der N- Düngebedarfsermittlung oder zu
den Einschränkungen für die Aufbringung auf gefrorenen Böden
Klärschlämme werden durch DüV grundsätzlich wie andere organische
N-Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Gesamt-N bewertet
Dadurch erhebliche Einschränkungen für die Düngung mit Klär-
schlamm: Durch Einbeziehung in die die vorgesehene N-Obergrenze
von 60 kg Gesamt-N/ha im Herbst werden hier nur noch Aufbringungs-
mengen im Bereich von 0,5 bis 1,2t TM/ha zulässig sein. Somit wird die
Aufbringung der abfallrechtlich möglichen Höchstmenge (5 t TM/ha in
drei Jahren) zukünftig nicht mehr mit einer Gabe im Herbst erfolgen
können.
Die Einarbeitung von Klärschlamm muss innerhalb von 4 Stunden nach
der Aufbringung abgeschlossen sein
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Novelle der Düngeverordnung III

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Mantelverordnung zur ... Klärschlammverwertung
Artikel 1: Verordnung über die Verwertung von Klärschlamm,
Klärschlammgemisch und Klärschlammkompost
(Klärschlammverordnung – AbfKlärV)
Artikel 2: Änderung der Deponieverordnung (zur Langzeitlagerung)
Artikel 3: Folgeänderungen (30. BImSchV, BioAbfV und BBodSchG)
Artikel 4: Änderung der Klärschlammverordnung (Berichtspflichten)
Artikel 5: Weitere Änderung der Klärschlammverordnung
Artikel 6: Weitere Änderung der Klärschlammverordnung
Artikel 7: Bekanntmachungserlaubnis
Artikel 8: Inkrafttreten, Außerkrafttreten
(Artikel 4 tritt am 1. Januar 2023 in Kraft; Artikel 5 tritt 12 Jahre nach
Artikel 1 in Kraft; Artikel 6 tritt 15 Jahre nach Artikel 1 in Kraft)

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Novelle der Klärschlammverordnung I
- Wesentliche Inhalte zur bodenbezogenen Verwertung:
Erweiterung auf Landschaftsbau und Herstellung eines
Gemischs mit Bodenmaterial nach den Bestimmungen des
§
12
BBodSchV
Harmonisierung der Anforderungen an die höchstzulässigen
Schadstoffgehalte in Böden mit der BBodSchV und der BioAbfV
Änderung des zeitlichen Untersuchungsregimes von
Klärschlämmen auf Schadstoffe
Verschärfung der Grenzwerte für die Gehalte von PCB und AOX
sowie Festlegung neuer Grenzwerte für den Gehalt von Zink und
Benzo(a)pyren im Klärschlamm (nicht in DüMV geregelt)
Möglichkeit der Anordnung von Rückstellproben
Definition der Bedingungen für ein freiwilliges
Qualitätssicherungssystem

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Novelle der Klärschlammverordnung II
- Zusätzlich zu der Grenzwerten der DüMV sind müssen für eine
bodenbezogene Verwertung vom Klärschlamm folgende
Schadstoffkonzentrationen unterschritten werden:
Nr. Stoffbezeichnung
Grenzwert
(in Milligramm je Kilogramm
Klärschlamm Trockenmasse)
1 Zink
4 000
2
Summe organischer
Halogenverbindungen als adsorbierte
organisch gebundene Halogene (AOX)
400
3 Benzo(a)pyren (B(a)P)
1
4
Polychlorierte Biphenyle (PCB), jeweils für
die Kongenere Nummer 28, 52, 101, 138,
153, 180
0,1

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Novelle der Klärschlammverordnung III
- Wesentliche Inhalte zur Phosphorrückgewinnung:
ab 2029: weitreichendes Verbot der bodenbezogenen
Verwertung von Klärschlämmen für Betreiber von
Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaugröße von mehr
als 100.000 Einwohnerwerten (EW) und Pflicht zur
Phosphorrückgewinnung aus Klärschlämmen ab einem
Phosphorgehalt von 20 g/kg Klärschlamm TM
ab 2032: weitreichendes Verbot der bodenbezogenen
Verwertung von Klärschlämmen für Betreiber von
Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaugröße von mehr
als 50.000 Einwohnerwerten (EW) und Pflicht zur
Phosphorrückgewinnung aus Klärschlämmen ab einem
Phosphorgehalt von 20 g/kg Klärschlamm TM

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Novelle der Klärschlammverordnung III
- Artikel 4: Berichtspflichten
Kläranlagenbetreiber, die im Kalenderjahr 2023 eine
Abwasserbehandlungsanlage betreiben, haben der zuständigen
Behörde bis spätestens 31. Dezember 2023 einen Bericht über
die geplanten und eingeleiteten Maßnahmen zur Sicherstellung
der Phosphorrückgewinnung vorzulegen.
Klärschlammerzeuger, die im Kalenderjahr 2023 eine
Abwasserbehandlungsanlage betreiben, haben Proben des
anfallenden Klärschlamms im Kalenderjahr 2023 nach den
Bestimmungen des
§
32 auf den Phosphorgehalt untersuchen
zu lassen. Das Untersuchungsergebnis ist dem Bericht nach
Absatz 1 Satz 1 beizufügen.

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EU-Mitteilung zur nachhaltigen Verwendung von
Phosphor vom 8.7.2013
- „Die häufigste Methode (der Wiederverwertung von Phosphor) ist die
direkte
Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftliche
Flächen
. Das gesamte Potenzial für die Rückgewinnung ist recht
hoch ... und die starken Unterschiede zwischen den verschiedenen
Mitgliedstaaten ... zeigen, dass ein Potenzial für eine Harmonisierung
anhand
bewährter Praktiken
besteht.“
- EU-Klärschlammrichtlinie: „Die Harmonisierung höherer
Qualitätsstandards würde das Vertrauen von Landwirten und
Verbrauchern in die sichere Verwendung von Klärschlamm in der EU
erhöhen.“
- „Sollte eine Form der Phosphor-Rückgewinnung aus Abwässern
vorgeschrieben oder gefördert werden?“ Antwort: „... besteht keine
gemeinsame Strategie ...“

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Entwurf einer EU-Düngemittelverordnung vom 17.
März 2016
Anhang II - Komponentenmaterialkategorien (CMC):
CMC 3: Kompost (
Klärschlamm
als Inputmaterial unzulässig
)
CMC 5: Andere Gärrückstände als Gärrückstände von
Energiepflanzen (
Klärschlamm
als Inputmaterial unzulässig
)

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Perspektiven der Phosphor-Rückgewinnung in EU und D
Begründung zum Referentenentwurf für eine Neuordnung der
Klärschlammverwertung: „
Die insgesamt in kommunalen
Klärschlämmen bzw. Abwässern enthaltenen Phosphate könnten
größenordnungsmäßig mehr als 50 % des Bedarfs der Landwirtschaft
an Mineraldüngerphosphat decken.“
Dr. Bergs (BMUB) 2016: „...
aus Abwasser/Klärschlamm
gewonnenes Recyclingphosphor(-phosphat) kann
theoretisch
bis zu
etwa 60% der Importe an Rohphosphat (Mineraldüngephosphat)
substituieren.
LAGA 2012 und 2015
: in D könnten bis zu etwa 40 % der P-Mineral-
dünger (ca. 120.000 t P/a) durch P-Recyclingdünger ersetzt werden
Nährstoffbericht Niedersachsen 2015/2016:
durch zu viel Gülle
und Gärreste auf den Feldern Nährstoffüberschüsse an Stickstoff und
Phosphat

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Zusammenfassung
Für die bodenbezogene Klärschlammverwertung werden künftig zusätzliche
Anforderungen ausgehend von der
novellierten Düngeverordnung und der
novellierten Klärschlammverordnung
einzuhalten sein.
Für die bodenbezogene Klärschlammverwertung in Land- und Landschaftsbau
werden künftig weitgehend einheitliche Regelungen gelten.
Kläranlagenbetreiber müssen 2023 einen Bericht über ihre Planungen zur
Phosphorrückgewinnung vorlegen.
Es ist nicht zu erwarten, dass die EU dem Beispiel Deutschlands bei dem
Ausstieg aus der bodenbezogenen Klärschlammverwertung und der Pflicht zur
Phosphorrückgewinnung folgt.
Werden alle vorhandenen relevanten phosphathaltigen Abfälle und Reststoffe
genutzt, kann der größere Teil Primärphosphate durch Sekundärphosphate
ersetzt werden.

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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!