image
Werkvertrag
"Medienpräsenz- und Akzeptanzstudie
'Wölfe in Deutschland'"
August 2006
Arbeitsbereich Wildtierökologie und Wildtiermanagement
Forstzoologisches Institut
Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften
Universität Freiburg
Wolfswelpen in der Lausitz
© NDR 2004/ U. Anders

image
image
image
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
2
Impressum
Die vorliegende Studie wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) durch ein Projekt des Bundesamtes für
Naturschutz (BfN) finanziert.
Auftraggeber war das Staatliche Museum für Naturkunde in Görlitz. Die Durchführung
erfolgte auftragsgemäß in enger Abstimmung mit dem Kontaktbüro „Wolfsregion
Lausitz“ und dem Wildbiologischen Büro „LUPUS“.
Auftragnehmer:
Dr. Petra Kaczensky
Arbeitsbereich Wildtierökologie und Wildtiermanagement
Forstzoologisches Institut
Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften
Universität Freiburg
Tennenbacher Strasse 4
D-79085 Freiburg
Tel (+49) 761-203-3799
Fax (+49) 761-203-3667
e-mail: petra.kaczensky@wildlife.uni-freiburg.de

image
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
3
Rotkäppchen Märchenpostkarte,
Ende 1911
(Quelle:
http://de.wikipedia.org
)
Vorspann
Rotkäppchen und der Wolf
Es war einmal in einem Dorf ein kleines Mädchen, das
hübscheste, das man sich vorstellen konnte; seine Mutter war
ganz in das Kind vernarrt, und noch vernarrter war seine
Grossmutter. Diese gute Frau liess ihm ein rotes Käppchen
machen, und weil ihm das so gut stand, nannte man es überall
nur Rotkäppchen. Eines Tages sprach seine Mutter, die gerade
Fladen gebacken und zubereitet hatte, zu ihm: "Sieh einmal
nach, wie es deiner Grossmutter geht, denn man hat mir gesagt,
sie sei krank. Bring ihr einen Fladen und diesen kleinen Topf
Butter."
Rotkäppchen lief sogleich davon, um zu seiner Grossmutter
zu gehen, die in einem anderen Dorf wohnte. Als es durch einen
Wald kam, traf es den Gevatter Wolf, der grosse Lust hatte, es
zu fressen; aber er wagte es nicht wegen einiger Holzfäller, die in
dem Wald waren. Er fragte es, wohin es gehe. Das arme
Mädchen, das nicht wusste, dass es gefährlich war,
stehenzubleiben und einem Wolf zuzuhören, sagte zu ihm: "Ich
besuche meine Grossmutter und bringe ihr einen Fladen und
einen kleinen Topf Butter, die ihr meine Mutter schickt." "Wohnt
sie denn sehr weit?" fragte der Wolf.
"Oh ja", sagte das kleine Rotkäppchen, "es ist noch ein
Stück hinter der Mühle, die Ihr da unten seht, im ersten Haus vom Dorf." "Na schön!" sagte der Wolf.
"Dann will ich sie auch besuchen. Ich gehe diesen Weg hier, und du gehst den anderen Weg damal
sehen, wer eher da ist." Der Wolf lief aus Leibeskräften den Weg, der kürzer war, und das kleine Mädchen
ging den längeren Weg, wobei es seine Freude daran hatte, Haselnüsse zu sammeln, Schmetterlingen
nachzujagen und Sträusse aus den Blümchen zu binden, die es fand. Der Wolf brauchte nicht lange, um
zum Haus der Grossmutter zu gelangen. Er klopfte an: poch, poch.
"Wer ist da?"
"Ich bin Euer Töchterchen Rotkäppchen", sagte der Wolf, indem er seine Stimme verstellte, "und
bringe Euch einen Fladen und einen kleinen Topf Butter, die Euch meine Mutter schickt." Die gute
Grossmutter, die im Bett lag, weil sie ein wenig krank war, rief ihm zu: "Zieh den Pflock, dann fällt der
Riegel."
Der Wolf zog den Pflock, und die Tür ging auf. Er stürzte sich auf die gute Frau und verschlang sie im
Nu, denn er hatte schon seit über drei Tagen nichts gegessen. Darauf schloss er die Tür wieder und ging
hin und legte sich in das Bett der Grossmutter, um dort auf das kleine Rotkäppchen zu warten, das einige
Zeit später kam und an die Tür klopfte: poch, poch.
"Wer ist da?"
Als Rotkäppchen die rauhe Stimme des Wolfs hörte, hatte es erst Angst, aber weil es meinte, die
Grossmutter sei erkältet, gab es zur Antwort: "Ich bin Euer Töchterchen Rotkäppchen und bringe Euch
einen Fladen und einen kleinen Topf Butter, die Euch meine Mutter schickt." Der Wolf rief ihm zu, indem
er seine Stimme ein wenig sanfter machte: "Zieh den Pflock, dann fällt der Riegel." Rotkäppchen zog den
Pflock, und die Tür ging auf.
Als der Wolf sah, dass es hereinkam, versteckte er sich im Bett unter der Decke und sagte zu ihm:
"Stell den Fladen und den kleinen Topf Butter auf den Backtrog und leg dich zu mir." Das kleine
Rotkäppchen zieht sich aus und geht hin und legt sich in das Bett, wo es zu seinem allergrössten
Erstaunen sah, wie seine Grossmutter ohne Kleider beschaffen war. Es sagte zu ihr:
"Grossmutter, was habt Ihr für grosse Arme!"
"Damit ich dich besser umfangen kann, mein Kind!"
"Grossmutter, was habt Ihr für grosse Beine!"
"Damit ich besser laufen kann, mein Kind!"
"Grossmutter, was habt Ihr für grosse Ohren!"
"Damit ich besser hören kann, mein Kind!"
"Grossmutter, was habt Ihr für grosse Augen!"

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
4
"Damit ich besser sehen kann, mein Kind!"
"Grossmutter, was habt Ihr für grosse Zähne!"
"Damit ich dich fressen kann!"
Und mit diesen Worten stürzte sich der böse Wolf auf Rotkäppchen und frass es.
Moral
Hier sieht man, dass ein jedes Kind und dass die kleinen Mädchen (die schon gar, so hübsch und
fein, so wunderbar!) sehr übel tun, wenn sie vertrauensselig sind, und dass es nicht erstaunlich ist, wenn
dann ein Wolf so viele frisst. Ich sag ein Wolf, denn alle Wölfe haben beileibe nicht die gleiche Art: Da gibt
es welche, die ganz zart, ganz freundlich leise, ohne Böses je zu sagen, gefällig, mild, mit artigem
Betragen die jungen Damen scharf ins Auge fassen und ihnen folgen in die Häuser, durch die Gassen
doch ach, ein jeder weiss, gerade sie, die zärtlich werben, gerade diese Wölfe locken ins Verderben.
Rotkäppchen, Übersetzung der ältesten bekannten schriftlichen Fassungen von Charles Perrault (1697;
„Le petit chaperon rouge“).

image
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
5
Federzeichnung von Chr. Conradin in von Tschudi (1917)
Die Wölfe der Schweizer Alpen
Die Wölfe sind seit Beginn unseres
Jahrhunderts in der Schweiz seltener
geworden, und man bezweifelte, ob man sie
überhaupt noch zu den ständigen, bei uns
sich fortpflanzenden Raubtieren des
Gebirges zählen, dürfe. Haben wir, doch
keine, so großen zusammenhängenden,
nicht zu durchdringenden und zu
beherrschenden Waldgebiete, wie diese
Tiere zu Ihrer weiten Jagd bedürfen…
….Mit der
größten Vorsicht verlassen sie
Ihre Schlucht; da sie nicht so klug und
unvermerkt wie die Füchse zu rauben ver-
stehen, müssen sie sich ferner von
bewohnten Geländen halten….
…Leise, stets lauernd, mit schiefem, scharfem Blick, halb furchtsam und halb tölpisch
durchforscht der alte Mörder, den sein hagerer, knochiger Bau, seine eingezogenen Weichen, sein
schleichender, unentschlossener Gang charakterisieren, gegen den Wind das Dickicht des
Hochwaldes und hinterlässt eine Fährte, die der eines großen Hundes ähnlich, aber länger
gewöhnlich schnurgerade ist. Widerlich und unangenehm in seinen Manieren, gierig, boshaft,
veschlagen, mißtrauisch, gehässig in seinem Naturell, unerträglich durch seinen abscheulichen
Geruch ist er ein Schrecken der Tierwelt der er sich naht.
Mit hängender Standarte lauert er auf die spärliche Beute, beschleicht ein Hasel- oder
Steinhühnchen, paßt den Ratten, Wieseln und Mäusen auf und schlingt auch eine Eidechse, eine
Kröte, einen Grasfrosch oder selbst eine Blindschleiche oder Ringelnatter hinunter wenn ihm
bessere Beute abgeht. Größere Tiere verfolgt er laufend, bis sie müde sind, was die Katzenarten
nie tun.
Im Winter vermehrt die Kälte seinen ohnehin fast unersättlichen Heißhunger; doch ist dann die
Jagd besser, die Fährte sicherer...
...Vor dem Beginn unseres Jahrhunderts war die Auffindung einer Wolfsspur das Signal zum
Aufbruch ganzer Gemeinden, und die Chronik erzählt: «Wiebald man einen Wolf, gewar wird,
schlecht man, Sturm über ihn: als dann empört sich eine ganze Landschaft ,zum Gejägt, bis er
umbracht oder vertriben ist.» Letzteres geschah bei solchem «gemeinen Gejägt denn auch
häufiger als ersteres, da die Wölfe, besonders wenn sie starke Beute gemacht haben, als ahnten
sie die notwendig eintretende Verfolgung, rasch das Revier verlassen. Man bediente sich großer
Netze, «Wolfsgarne» die der Reisende noch jetzt in den leberbergischen Dörfern und auf dem
Rathause zu Davos sieht, wo bis in die neueste Zeit noch mehr als dreißig Wolfsköpfe und
Wolfsrachen unter dem Vordache herausgrinsten und ihm wohl deutlich genug erzählten, wie
furchtbar häufig diese Bestien in jenen Gebirgen hausten…
…Am liebsten lauert bekanntlich der streifende Wolf den Schafen auf, und seine erbittertsten
und wütendsten Gegner sind daher auch die echten Schäferhunde. Manchmal gräbt er sich
nachts durch die Erde in die Schafställe durch. Mit weitaufgerissenem Rachen, der den
furchtbaren Schmuck der weißen, spitzen Zahnreihen und den außerordentlich weiten, roten
Schlund zeigt, springt er auf den größten Hammel los, hält ihn mit einem Vorderfuß und zerreißt
ihn mit seinem Gebiß. Die äußerst starken Muskeln und Knochen des Kopfes und Nackens
befähigen ihn, das getötete Schaf, ja selbst einen Rehbock im Maule fortzutragen und das Tier
selbst im Laufe so hoch zu halten, daß es die Erde nicht berührt.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
6
Menschen hat er im letzten Jahrhundert in der Schweiz kaum öfters angegriffen; er flieht sie
vielmehr und ist sehr feig, wenn ihn nicht der bittere Hunger halb rasend macht oder schwere
Verwundung zur Notwehr reizt…
…Wird der Wolf gejagt und verfolgt, so setzt er sich nur Im äußersten Notfalle zur Wehr. Die
Nase an den Boden gedrückt, flieht er mit feurig glänzenden Augen, während er das, Hals- und
Schulterhaar emporsträubt. Haben ihn die Hunde in die Enge getrieben, so zerreißt er ein paar
derselben und flieht, sobald, er Luft hat. Wir kennen kaum ein Beispiel, daß er, selbst ange-
schossen, auf den Jäger gegangen wäre, wie der Bär häufig tut; es scheint vielmehr, daß ihn nur
der rasendste Hunger zum Angriff auf Menschen treibe, und daß er weit feiger als der Luchs und
selbst als die wilde Katze sei…
...Tölpischer als der Fuchs, dabei aber tückisch und höchst mißtrauisch, ist er tollkühn ohne
Schlauheit, In seinem ganzen Wesen ohne alle Schönheit und wohl überhaupt eine der
häßlichsten
.
Tiernaturen. Mit dem Hunde hat er nur körperliche Ähnlichkeit; man kann nicht
sagen, er sei der wilde Hund, der Hund im Urzustande; er ist vielmehr der durch und durch
verdorbene Hund, das Zerrbild des Hundes, das alle übeln Seiten der Hundenatur, an sich trägt,
aber nichts von den guten, so daß er hierin, da die Natur sonst nicht so häufig in Zerrbildern
zeichnet, eine wirklich Interessante Erscheinung bildet. Sein gesellschaftlicher Trieb, den wir
sonst selten bei Raubtieren wiederfinden, ist nur scheinbar und von der Raubsucht und Mordlust
bedingt. Die Wölfe gehen nur in Rudeln, um ein starkes Tier zu besiegen, wobei es einer jagt und
die andern dem Opfer den Weg abzuschneiden suchen. Sie vereinzeln sich sofort nach
gemachter Beute. Da sie ihre Nahrung, selbst zermalmte große Knochen, sehr rasch verdauen,
sind sie immer hungrig und gierig und trotz ihres klapperdürren Aussehens beinahe un-
ersättlich…
…Alle Zähmung und Zucht haftet nur auswendig an dieser unveränderlichen und
unerziehbaren Natur. Der bestdressierte Wolf eilt bei Gelegenheit in seine Wildnis zurück und ist
der alte, gemeine Mörder, und die sorgsamste Pflege pflanzt nicht einen Funken von
Anhänglichkeit oder Treue in das niedrige Gemüt. Dabei ist es höchst interessant, daß bei der
entschiedensten gegenseitigen Antipathie Wolf und Hund doch Bastarde erzeugen…
Aus:
Das Thierleben der Alpenwelt, Friedrich von Tschudi (1875).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
7
Struktur der vorliegenden Arbeit
Wölfe kehren nach Ostdeutschland zurück, von den einen euphorisch als Symbol der
Wildnis begrüßt, von Anderen nur gelitten, oder sogar als Bestien verteufelt. Schäden
an Haustieren, Konkurrenzdenken der Jäger und alte Ängste in der Bevölkerung
(„Rotkäppchensyndrom“) erschweren die Rückkehr der Wölfe. Der Wolf ist viel stärker
als Luchs oder Bär ein Tier, das die Emotionen hoch schlagen lässt (Lopez 1978, Fritts
et al. 2003).
Der erste Bär, Wolf oder Luchs nach über 100 Jahren ist natürlich auch eine tolle
Sensation. Tote Haustiere, tote Raubtiere oder verängstigte Menschen sind aber auch
ein interessanter Anlass (Krammer 1995). Von vielen Beteiligten wird die
Berichterstattung in den Medien oft als reißerisch und unsachlich empfunden (z.B.
Kaczensky et al. 1999).
Ziel der vorliegenden Studie war, die Einstellung der Bevölkerung zur Rückkehr der
Wölfe zu analysieren. Mögliche Problemfelder, Fragen, Ängste, Bedürfnisse und
Erwartungen sollten identifiziert und daraus nötiger Informations- und Aufklärungsbedarf
abgeleitet werden. Die Studie wurde so durchgeführt, dass die Ergebnisse mit denen
ähnlicher Europäischer Studien, insbesondere aus Polen, vergleichbar sind.
Die Studie liegt in Form zweier eigenständiger Berichte vor:
(1) Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland, durchgeführt von Petra Kaczensky
(2) Analyse der Printmedien für den Zeitraum 2001-2005, durchgeführt von Beatrix
Stoepel
(3) Aus den Ergebnissen der beiden eigenständigen Studien wurden dann in einem
dritten Teil die Grundzüge für ein PR Konzept für Wölfe in Deutschland erarbeitet.
Im gemeinsamen Anhang befinden sich außerdem drei Hausarbeiten von Martin
Wenzel, Heiko Disch und Fabian Moser, die als Ergänzung der beiden Hauptstudien zu
sehen sind.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
8

image
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
9
Teil I
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Petra Kaczensky
August 2006
Arbeitsbereich Wildtierökologie und Wildtiermanagement
Forstzoologisches Institut
Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften
Universität Freiburg

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
10
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung................................................................................................................ 11
2.
Methoden...............................................................................................................16
2.1.
Untersuchungsgebiet ...................................................................................... 16
2.2.
Fragebogen..................................................................................................... 17
2.3.
Verteilung........................................................................................................ 19
2.4.
Rücklaufquote und Repräsentativität der Stichprobe ...................................... 21
2.5.
Nicht-Antworter................................................................................................ 26
2.6.
Datenanalyse .................................................................................................. 28
2.7.
Mündliche Passantenbefragung („Face to face“) ............................................ 32
3.
Ergebnisse.............................................................................................................33
3.1.
Vergleich zwischen den Untersuchungsgebieten............................................ 33
3.1.1.
Einstellung zu Umwelt- und Naturschutz allgemein ................................. 33
3.1.2.
Freizeitverhalten....................................................................................... 35
3.1.3.
Eigene Erfahrung mit Wölfen / Bewusstsein im Wolfsgebiet zu leben ..... 37
3.1.4.
Wichtigkeit des Themas / Einschätzung des eigenen Kenntnisstandes... 38
3.1.5.
Einstellung zum Wolf................................................................................ 40
3.1.6.
Einschätzung der Nützlichkeit / Schädlichkeit des Wolfes ....................... 41
3.1.7.
Persönliche Betroffenheit ......................................................................... 42
3.1.8.
Wissensstand über Wölfe ........................................................................ 44
3.1.9.
Gewünschter Umgang mit Wölfen in Deutschland................................... 46
3.1.10.
Akzeptanz von Kompensationszahlungen............................................ 52
3.2.
Welche Faktoren bestimmen die Einstellung zum Wolf?................................. 53
3.3.
Zusammenhang von Akzeptanz und möglichem Umgang mit Wölfen in
Deutschland .................................................................................................... 57
3.4.
Charakteristika von „Wolfsfreunden“ und „Wolfsgegnern“............................... 58
3.5.
Mündliche Kurzumfrage .................................................................................. 59
3.5.1.
Assoziationskategorien ............................................................................ 59
3.5.2.
Einstellung zum Wolf................................................................................ 61
3.6.
Direkter Vergleich identischer Fragen mit anderen Studien ............................ 62
3.6.1.
Jägerumfrage in Sachsen 2005 ............................................................... 62
3.6.2.
Einstellung zu Großraubtieren im Vergleich............................................. 64
3.6.3.
Umgang mit dem Wolf.............................................................................. 65
4.
Diskussion.............................................................................................................. 66
4.1.
Methodik.......................................................................................................... 66
4.2.
Wölfe in Deutschland ...................................................................................... 67
4.3.
Besonderheiten im Wolfsgebiet....................................................................... 69
4.4.
Vergleich der allgemeinen Bevölkerung mit spezifischen Interessengruppen. 71
4.5.
Deutschland im Internationalen Vergleich....................................................... 72
5.
Schlussfolgerung.................................................................................................... 72
6.
Danksagung...........................................................................................................73
7.
Literaturverzeichnis................................................................................................74

image
image
image
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
11
Wolfsgebiet
Oberlausitz
Abbildung 1: Aktuelle
Wolfsverbreitung in
Deutschland und
Zuwanderungen seit 1990.
© Katrin Groß
1. Einleitung
Seit dem Jahr 2000 ist es klar, Deutschland ist wieder Wolfsland – auf dem
Truppenübungsplatz „Oberlausitz“ unweit der polnischen Grenze konnte die erste
erfolgreiche Welpenaufzucht seit über 100 Jahren dokumentiert werden (Kluth und
Reinhardt 2005). Heute, sechs Jahre später, gibt es im Freistaat Sachsen zwei
etablierte Rudel, eines auf dem Truppenübungsplatz „Oberlausitz“ und ein weiteres,
etwas weiter westlich, in der Neustädter Heide (Abbildung 1). Seit dem Jahre 2000
wurden mindestens 40 Welpen geboren, trotzdem ist der Wolfsbestand in Deutschland
mit heute knapp 30 Wölfen immer noch sehr klein (siehe Chronologie des Wolfes in
Deutschland, Kluth und Reinhardt unveröffentl. Anhang 1).
Einzelne Wölfe waren auch in der Vergangenheit schon immer von Polen aus nach
Ostdeutschland vorgedrungen, genossen in der DDR jedoch keinen Schutzstatus und
wurden daher meist rasch abgeschossen. Erst mit der Wiedervereinigung 1990 bekam
der Wolf auch in Ostdeutschland seinen Status als streng geschützte Tierart (Möckel
2005). Politische Trendwende also auch für den Wolf?
Kaum ein Wildtier ist so stark emotional belegt wie der Wolf (
Canis lupus
). Im
historischen Europa wurde der Wolf als Verkörperung Satans von der Kirche geächtet,
als Werwolf gefürchtet und als Schädling an Haus- und Wildtieren gnadenlos verfolgt
(Lopez 1978, Fritts et al. 2003). In den Volksmärchen wird der Wolf im Gegensatz zum
„listigen“ Fuchs und „drolligen“ Bären als hässlich, feige, gefräßig und dumm portraitiert.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
12
In der Originalfassung des bekannten Märchens „Rotkäppchen“, ist der Wolf gar ein
junge Mädchen vernaschender Wüstling (Perrault 1697).
Frühe Naturhistoriker übernahmen dieses stark negativ gefärbte Bild und noch Friedrich
von Tschudi charakterisiert den Wolf wenig schmeichelhaft und sieht in ihm ein Zerrbild
der Natur (von Tschudi 1875). Dieses negative Bild änderte sich erst langsam im Zuge
der Industriellen Revolution und einer zunehmenden Verstädterung der Bevölkerung.
Die Abhängigkeit von Nutzvieh ist heute nur mehr für eine kleine Minderheit der
Bevölkerung eine Lebensrealität (Breitenmoser 1998) und die Haltung zur Natur hat sich
grundlegend geändern.
In unserer heutigen, post-materialistischen Gesellschaft wird „Natur“ nicht mehr als
Widersacher, der es zu trotzen und die es zu unterwerfen gilt, empfunden, sondern als
ein fragiles Gefüge, das unseren Schutz und unsere Hilfe braucht („New Ecological
Paradigm (NEP)“, Dunlap et al. 2000, Diekmann und Preisendörfer 2001). Ein ähnlicher
Einstellungswandel scheint sich auch Raubtieren gegenüber zu vollziehen, wenn auch
weniger ausgeprägt und stärker differenziert nach verschiedenen Interessengruppen
(Kaltenborn et al. 1998). Nicht mehr „Rotkäppchen“, sondern Farley Mowats „Ein
Sommer mit Wölfen“ (engl. Erstausgabe 1963, 1983 verfilmt) und Michael Blakes „Der
mit dem Wolf tanzt“ (engl. Erstausgabe 1988, 1990 verfilmt) prägen das moderne,
populistische Wolfsbild. Außerdem gehört der Wolf inzwischen zu einem der am Besten
studierten Wildtiere (Mech und Boitani 2003).
Bei einer Typisierung von Wolfsgegnern bzw. Wolfsfreunden in der Schweiz findet
Caluori (1999) drei Typen: (1) den modernen Wolfsgegner, für den der Wolf ein Zeichen
der Bedrohung für die zivilisatorischen Errungenschaften der Moderne ist, (2) den
postmodernen Wolfsfreund, für den der Wolf ein Zeichen für den Widerstand gegen die
als zerstörerisch wahrgenommenen zivilisatorischen Errungenschaften der Moderne ist,
und (3) der ambivalente Wolfsfreund, der irgendwo zwischen beiden Typen steht.
Letzterer Typus ist dem Wolf gegenüber zwar vordergründig positiv eingestellt, wird
aber beim Auftreten von unerwarteten Interessenskonflikten mit hoher
Wahrscheinlichkeit in alte Denkschemata zurückfallen und dem Wolf gegenüber wieder
eine negative Haltung einnehmen (Caluori 1999).
Warum ist die Einstellung so wichtig? In der Sozialpsychologie wird die Einstellung als
die persönliche Bewertung einer Person, eines Objektes oder einer Idee bezeichnet.
Grundsätzlich besteht ein starker Zusammenhang zwischen der Einstellung einer
Person und dem gezeigten Verhalten (Abbildung 2). Dieser Zusammenhang ist umso
stärker, je spezifischer eine Einstellung zu einem spezifischen Verhalten passt, je
gegenwärtiger eine Einstellung für ein bestimmtes Verhalten ist, je mehr persönliche
Erfahrungen mit dem Einstellungsobjekt gemacht wurden, und je geringer der soziale
Druck auf eine Person ist, ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Einstellung zu
vertreten („Gruppenzwang“; Fishbein und Ajzen 1975, Ajzen und Fishbein 1977, Bright
und Manfredo 1996, Zinn 1998). Im Gegensatz zu Werten, die sehr früh in der sozialen
Entwicklung eines Menschen angelegt werden und später kaum noch verändert werden,
sind Einstellungen leichter zugänglich und werden durch Erfahrungen und Informationen
mitgeprägt (Pierce et al. 2001). Um also abschätzen zu können, wie sich Menschen

image
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
13
Decker et al. 2001
Werte
Werteorientierungen
(Wahrnehmungs Muster)
Einstellungen & Normen
Verhalten
Verhaltensintensionen
- wenige
- schwer zu ändern
- im Unterbewusstsein
- wenig spezifisch
- entscheidet für die
Wahrnehmung
- werden früh angelegt
- viele
- leicht zu ändern
- im Bewusstsein
- Situationsabhängig
Werteorientierungen
(Wahrnehmungsmuster)
Pierce et al. 2001
Raubtieren gegenüber verhalten bzw. welchen Umgang sie sich mit diesen wünschen
würden, ist die Ermittlung der Einstellung von zentraler Bedeutung.
Abbildung 2:
Hierarchischer
Zusammenhang
zwischen Werten,
Einstellungen und
tatsächlichem
Verhalten.
Was passiert also, wenn Großräuber wiederkehren in Gebiete, in denen man sich an
ihre Abwesenheit gewöhnt hat? Oftmals konnte sich eine extensive Weidewirtschaft
ohne jegliche Behirtung entwickeln (Breitenmoser 1998). Kommen nun Großraubtiere in
ein solches Gebiet zurück, sind hohe Schäden an Nutztieren die Folge (Kaczensky
1999) und eine niedrige Akzeptanz, zumindest bei den Betroffenen (Szinovatz 1997,
Bjerke et al. 1998, Kvaalen 1998, Vitterso et al. 1999, Bath und Majic 2001, Williams et
al. 2002). In bestimmten Situationen kann es auch zu Übergriffen auf Haustiere
kommen. In Schweden und Finnland ist die Erbeutung von Jagdhunden durch Wölfe ein
zunehmendes Problem; und zwar weniger aus finanziellen, als aus emotionalen
Gründen (Salvatori und Linnell 2005, Juha Toikka, Finnischer Jäger und Hundeführer
pers. Mitteil.).
Der Einfluss von Großräubern auf Wildtiere ist etwas, was in der breiten Öffentlichkeit
kaum, in der Jägerschaft aber umso heftiger diskutiert wird, vor allem im
Zusammenhang mit Luchs und Wolf (Graf von Plettenberg 2005, Wegner 2005,
Wotschikowsky 2006). Während Schäden an Haustieren durch Hüte- oder
Schutzmaßnahmen (z.B. Elektrozäune, Herdenschutzhunde, Wahl der Weide siehe
auch Carnivore Damage Prevention News) sehr stark eingedämmt werden können, ist
den Jägern „nicht zu helfen“. Mit der Rückkehr von Wolf und Luchs verlieren sie ihren
Anspruch auf das alleinige Jagdrecht – in einem Land wie Deutschland mit einem auf
dem Exklusivitätsrecht basierenden Revierjagdystem nicht ganz einfach (Graf von
Plettenberg 2005, Wotschikowsky 2006). Fehlende Akzeptanz dieser, zwar
zahlenmäßig kleinen Interessengruppen, kann fatale Auswirkungen haben. Auch heute
noch sind illegale Abschüsse, Fallen und Gift eine der Hauptursachen für stagnierende
oder rückläufige Großräuberbestände in Europa (Boitani 2000, Breitenmoser et al. 2000,
Swenson et al. 2001). Die Einstellung der Jäger zum Wolf muss aber durchaus nicht nur

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
14
negativ sein und es gibt Beispiele aus Skandinavien und Nordamerika, wo Jäger den
Wölfen positiver gegenüberstehen als die breite Bevölkerung (Williams et al. 2002,
Heberlein und Ericsson 2005).
Neben Schäden an Haustieren ist die Furcht vor Großraubtieren ein weiterer Grund für
eine ablehnende Haltung gegenüber Wolf, Bär und Luchs (Linnell et al. 2003,
Kaczensky et al. 2004). In Europa und Nordamerika ist die Wahrscheinlichkeit, von
einem wilden Wolf angegriffen zu werden, verschwindend gering. In der Vergangenheit
gab es jedoch Fälle. Die meisten betrafen entweder kleine Kinder ohne Aufsicht, oder
tollwütige Wölfe, die wahllos Menschen attackierten (Linnell et al. 2002 & 2003). Heute
herrschen für Mensch und Wolf ganz andere Lebensbedingungen, trotzdem sitzt die alte
Angst tief (siehe auch Moser 2006 im Anhang III). Wo zudem Managementpläne und
Erfahrungen im Umgang mit Großraubtieren fehlen, reagieren Behörden beim ersten
Auftreten von Problemen oft „chaotisch“ und hinterlassen bei vielen Betroffenen und der
breiten Öffentlichkeit eine große Unsicherheit.
Jüngstes Beispiel ist das Auftreten des Braunbären „Bruno“ im Bayrisch / Tirolerischen
Alpenraum im Frühsommer 2006. Der Bär brach wiederholt in Stallungen ein und drang
auf der Suche nach Fressbaren auch in Siedlungen ein (Österreichische Eingreiftruppe
2006). Obwohl der Bär nach Einschätzung von Experten ein echtes Risiko für die
Bevölkerung darstellte, spaltete der behördlich autorisierte Abschuss des Bären die
Nation tief und hinterließ große Unsicherheit. War die Zustimmung zu der Frage „Alle
Wildtiere, die in Deutschland einst lebten, haben das Recht sich hier wieder
anzusiedeln“ 2004 noch bei 49%, sank sie 2006 „nach Bruno“ auf 41%. Diese Abnahme
ist vor allem auf eine verringerte Zustimmung in Bayern, das von „Bruno“ direkt
betroffene Bundesland, zurückzuführen. Dort sank die Zustimmung nämlich von 52% im
Jahr 2004 auf nur mehr 27% im Jahr 2006. Auch die Angst vor einer Begegnung mit
Wolf oder Bär stieg in Bayern von 36% im Jahr 2004 auf 43% im Jahr 2006 (Emnid
Umfragen 2004 & 2006).
Wie die Bevölkerung auf die Wiederkehr von Großraubtieren reagiert, kann von vielen
Faktoren abhängen und ist oft auch ein Spiegel der sozioökonomischen Gegebenheiten.
So neigen ältere Leute und Frauen sowie Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau
oft zu einer negativeren Einstellung als ihre jungen, männlichen und gut ausgebildeten
Counterparts (Bjerke et al. 1998, Williams et al. 2002, Kleiven et al. 2004). Bei Frauen
und jungen Eltern ist es oft die Sorge um die Kinder, die eine kritische oder ablehnende
Haltung gegenüber Bär, Wolf und Luchs bedingen kann (Balciauskiene und Balciauskas
2001). Moderne Kommunikationstechniken in einer hochmobilen Bevölkerung haben
allerdings dazu geführt, dass die oft beschriebenen Unterschiede in der Einstellung der
Land- gegenüber der Stadtbevölkerung in vielen Regionen allmählich verschwinden
(Kaczensky et al. 2004). Viel wichtiger als der Wohnort ist, ob und wie stark die
Befragten in der Landwirtschaft und der traditionellen Jagd verwurzelt sind (Heberlein
und Ericsson 2005). Ericcson (zitiert in Heberlein und Ericsson 2005) beschreibt den
Wolf treffend als „Symbol für die Kluft zwischen Stadt- und Landbevölkerung“. Auch die
Zugehörigkeit zu bestimmten Interessengruppen hat oftmals einen erheblichen Einfluss
auf die Einstellung zu Großraubtieren. Im Allgemeinen sind Jäger und Schafzüchter
Großraubtieren gegenüber eher negativ und Naturschützer und die breite Bevölkerung
eher positiv eingestellt (Kellert et al. 1996, Williams et al. 2002, Fritts et al. 2003).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
15
Oft wird argumentiert, die Bevölkerung wisse einfach nicht genug über die
Großraubtiere und habe daher eine negative Einstellung. Unzählige Broschüren und
Faltblätter wurden schon zu Luchs, Wolf und Bär gedruckt und finden im Allgemeinen
auch dankbare Abnehmer. Allerdings zeigen immer mehr Studien, dass mehr Wissen
nicht unbedingt auch eine positive Einstellung und damit eine höhere Akzeptanz
bedeuten muss. Gerade Jäger und Viehzüchter haben oft einen höheren Wissensstand
über Natur und Wildtiere, einschließlich Großräuber, als der Durchschnittsbürger. Dies
bedingt aber noch lange nicht, dass ihre Akzeptanz höher ist (Ericsson und Heberlein
2003, Kaczensky et al. 2004).
In einem Überblicksartikel spekulieren Zimmermann et al. (2001), dass die negative
Einstellung Großraubtieren gegenüber eine Funktion der Distanz und Gewöhnung ist. Je
weiter weg Großräuber vom Wohnort der Befragten leben, umso positiver die
Einstellung. Kommen die Großraubtiere näher, steigt die negative Einstellung aus Angst
vor dem Unbekannten. Tauchen dann die ersten Großraubtiere in unmittelbarer Nähe
des eigenen Wohnortes auf, erreicht die negative Einstellung ihren Höhepunkt. Mit
zunehmender Gewöhnung sinkt die negative Einstellung dann aber rasch wieder ab und
die Mehrheit der Bevölkerung wird wieder eine positive Einstellung haben. Dieses
Modell kann allerdings nur dann zutreffen, wenn die auftretenden Konflikte mit
Großraubtieren gering bleiben. Denn in Anbetracht von hohen Schäden oder häufigen
Problemen kann die Wiederkehr von Großräubern dazu führen, dass eine naive und
anfangs positiv eingestellte Bevölkerung deutlich realistischer und damit negativer in
ihrer Einstellung wird (Ericsson und Heberlein 2003).
Die Einstellung zum Wolf kann also von vielen Faktoren abhängen und lässt sich nicht
ganz einfach vorhersagen. Ziel der vorliegenden Studie war daher die Beantwortung
folgender Fragen:
Wie ist die Einstellung der Bevölkerung zum Wolf in Deutschland?
Welches sind die Hauptfaktoren, die die Einstellung zum Wolf beeinflussen?
Wie steht die Bevölkerung verschiedenen Managementoptionen gegenüber?
Haben die Leute im Wolfsgebiet eine andere Einstellung zu Wölfen als im Rest von
Deutschland?
Schlägt sich die Informationspolitik der Printmedien im Wissensstand der
Bevölkerung nieder?
Gibt es Unterschiede in der Einstellung zwischen verschiedenen Interessengruppen?
Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?

image
image
image
image
image
image
image
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
16
2. Methoden
2.1. Untersuchungsgebiet
Da einer der Schwerpunkte der Akzeptanzumfrage war, ob es Unterschiede in der
Einstellung der Bevölkerung zum Wolf im und außerhalb des Wolfsgebietes gibt, lag der
Schwerpunk der Befragung in Ostdeutschland. In Sachsen wurden 400 Fragebögen im
Wolfsgebiet (östlich von Hoyerswerda bis zur Deutsch-Polnischen Grenze, Abbildung 3)
verteilt. Weitere 400 Fragebögen wurden in einem 70 km entfernten Vergleichsgebiet in
Brandenburg (zwischen Jüterbog und der B 96) verteilt.
Das Vergleichsgebiet wurde so gewählt, dass es in Größe, Landnutzung und
Bevölkerungsstruktur dem Wolfsgebiet möglichst ähnlich ist (Tabelle 1). In beiden
Gebieten ist der Waldanteil hoch, der Braunkohletagebau landschaftsgestaltend und
große Flächen sind aktive oder ehemalige Truppenübungsplätze (Abbildung 3).
Abbildung 3
:
Untersuchungsgebiete der Akzeptanzstudie.
Wolfsgebiet
400
Dresden
200
Vergleichsgebiet
400
Standorte der
mündlichen
Kurzumfrage
Brandenburg
Sachsen

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
17
Tabelle 1
:
Gebietsstatistiken des Wolfsgebietes in Sachsen und der Vergleichsgebietes
in Brandenburg.
Ort
Bevölkerung
1,2
Gebietsgröße³
(km²)
%
Landwirt-
schaft
4
% Wald
4
Viehaltungs-
betriebe
5
Schafhaltungs-
betriebe
5
Schafe
5
Beherber-
gungs-
betriebe
6
Gästeüber-
nachtungen
6
Daten auf Gemeindeebene
1
Wolfsregion Umfrage
58,397
1,000
Brandenburg Umfrage
57,877
1,000
Daten auf Landkreisebene
Wolfsgebiet
222,167
2,681
38
41
334
152
13,300
145
523,296
Vergleichsgebiet Brandenburg
285,305
4,353
43
42
351
67
14,218
227
1,279,540
Dresden
435,451
328
37
21
33
22
1,726
141
2,349,982
Freiburg
186,488
153
25
42
30
12
3,658
72
865,726
1
Bevölkerung >15 Jahre, Stand 2005, Gemeinderegister online
2
Bevölkerung >14 Jahre, Stand 31.12.2004, Quelle Genesis
3
Stand 3.5.2003, Quelle Genesis
4
Stand 2000/2001, Quelle Genesis
5
Stand 3.5.2003, Betriebe mit mind. 8 Rindern oder Schweinen, 20 Schafe oder 200 Stück Gelügel, Allgemeine Agrarstrukturerhebung, Quelle Genesis
6
Stand 2003, für Sachsen 1996, mind. 8 Gäste, Quelle Genesis
Als weitere Vergleichsgebiete wurden zwei Großstädte gewählt: zum einen die nur 60
km vom Wolfsgebiet liegende Landeshauptstadt von Sachsen (Dresden) und zum
anderen das vom Wolfsgebiet fast 800 km entfernte Freiburg in Baden Württemberg.
Zusätzlich wurden 150 kurze mündliche Umfragen im Großraum Freiburg (Freiburg und
Elzach), sowie 120 in Weißwasser im Wolfsgebiet und 130 in Spremberg, unmittelbar
angrenzend zum Wolfsgebiet, in Brandenburg durchgeführt (Abbildung 3).
2.2. Fragebogen
Der Fragebogen bestand aus 5 DIN A4 Blättern incl. je einem farbigen Titel- und
Schlussblatt (Abbildung 4). Auf der Innenseite des Titelblattes stand eine kurze
Einführung zu Sinn und Zweck der Umfrage, nebst Kontaktadressen. Danach folgte die
eigentliche Umfrage mit insgesamt 95 Fragen in sechs Themenkomplexen (siehe
kompletter Fragebogen im Anhang 2):
I. Umwelt- und Naturschutz
II. Freizeitverhalten & eigene Erfahrung (20 Fragen)
III. Einstellung zum Wolf (16 Fragen)
IV. Wissen (15 Fragen)
V. Umgang mit Wölfen (20 Fragen)
VI. Demografische Daten (13 Fragen)
Um eine Vergleichbarkeit mit anderen Studien zu ermöglichen, orientierten sich die
Fragen und Fragenkomplexe an der bestehenden Theorie bzw. Umfragen, die in
anderen Ländern, oder in der Vergangenheit in Deutschland zu ähnlichen Themen
durchgeführt worden sind. So basiert der erste Abschnitt “Umwelt- und Naturschutz“ auf
der New Ecological Paradigm (NEP) Skala von Dunlap et al. (2000) und wurde auch
teilweise von Kuckartz und Grunenberg (2002) und Kuckartz und Rheingans-Heintze
(2004) für die bundesweiten Umfragen zum Umweltbewusstsein in Deutschland
verwendet. Die Fragen in den anderen Abschnitten orientieren sich an
gebietsspezifischen Bedürfnissen, hervorgegangen aus Diskussionen mit dem
Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ und dem Wildbiologischen Büro „LUPUS“, sowie

image
image
image
image
image
image
Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
18
anderen Studien in Deutschland und Europa. So fußen Fragen in den Abschnitten III.
Einstellung zum Wolf auf Arbeiten von Bath (1991; Wyoming, USA), Bath (2000;
Frankreich), Bath und Majic (2001; Kroatien), Kaczensky et al. (2004, Slowenien), und
A. Olszańska (unveröffentl.; Polen). Fragen in Abschnitt V. Umgang mit Wölfen
stammen zum Teil aus Kleiven et al. (2004; Norwegen), Gärtner und Hauptmann und
Hauptmann (2005; Deutschland) und einigen der bereits oben genannten Arbeiten.
Abbildung 4:
Titelblatt und
Einführungstext
des Fragebogens.
Die meisten Fragen waren durch Ankreuzen auf einer 5-punktigen Likert Skala von
„stimme voll und ganz zu“(5) bis „stimme überhaupt nicht zu“ (1) zu beantworten. Um
das übermäßige ankreuzen der mittleren Kategorie „teils/teils“ (3) durch Leute, die
eigentlich keine Meinung zu dieser Frage haben, zu verhindern, wurde eine zusätzliche
Kategorie „weiß nicht“ angeboten. In einigen Themenkomplexen wurden zusätzlich auch
einige „multiple choice“ Fragen gestellt.
Im Themenkomplex Wissen wurden neben fünf „multiple choice“- und zwei offenen
Fragen zusätzlich acht Aussagen zur Biologie des Wolfes angeboten, die entweder mit
„richtig“ oder mit „falsch“ angekreuzt werden konnten. Um Raten zu vermeiden, wurde
wiederum eine Kategorie „weiß nicht“ angeboten. Im letzten Absatz wurden
soziodemografische Daten, wie Alter, Geschlecht, Ausbildung, Familienstand und
Zugehörigkeit zu verschiedenen Interessengruppen abgefragt.
In einem ersten Schritt wurde der Fragebogen mit 24 Forststudenten, die auch gebeten
wurden, allgemeine Kommentare abzugeben, getestet. Missverständliche Fragen
wurden daraufhin geändert bzw. gestrichen. Die überarbeitete und gekürzte Variante
des Fragebogens wurde anschließend nochmals mit 21 zufällig ausgewählten Bürgern
in Freiburg getestet. Weitere Änderungen waren nach diesem zweiten Testlauf nicht
mehr nötig.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
19
2.3. Verteilung
Um eine möglichst hohe Rücklaufquote zu erlangen, wurden die Fragebögen direkt an
der Haustür verteilt und idealer Weise nach ein bis zwei Stunden ausgefüllt wieder
eingesammelt. Im Falle einer möglichen Abwesenheit zur Abholzeit wurden die
Befragten gebeten, gegebenenfalls vor Verlassen des Hauses die ausgefüllten
Fragebögen in einer Plastiktüte vor die Haustür zu legen.
Die Verteilung erfolgte im Wolfsgebiet durch 17 freiwillige Helfer, alles Mitglieder der
jeweiligen NABU Ortsgruppen. Pro Verteiler wurden zwischen drei und 70 Fragebögen
über einen Zeitraum von drei Wochen verteilt. Im Vergleichsgebiet in Brandenburg
erfolgte die Verteilung durch drei freiwillige Helfer, wiederum NABU Mitglieder. Hier
wurden pro Verteiler 52-248 Fragebögen über einen Zeitraum von vier Wochen verteilt.
In Dresden und Freiburg erfolgte die Verteilung der Fragebögen mit Hilfe von Studenten.
In Dresden verteilten neun Studenten zwischen zwei und 30 Fragebögen pro Person
über einen Zeitraum von fünf Tagen. In Freiburg verteilten zwei Studenten im Rahmen
einer Hausarbeit je 100 Fragebögen über einen Zeitraum von drei Wochen. Alle
Personen wurden in einem sechs wöchigen Zeitraum zwischen Mitte Februar und Ende
März 2006 befragt.
Alle Verteiler wurden einer ca. 1-stündigen Schulung unterzogen und bekamen
zusätzlich noch ein Merkblatt (siehe Anhang 3). Während der Schulung erhielten die
Verteiler Hintergrundinformationen zu Sinn und Zweck der Umfrage und detaillierte
Instruktionen zur Umfragemethodik. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, dass:
die Stichprobe zufällig sein muss
der Verteiler sich einen Standardspruch zulegen muss
der Verteiler unter keinen Umständen die zu Befragenden beeinflussen darf
der Verteiler vorab keine Informationen zum Wolf geben darf
Außerdem wurden die Verteiler gebeten, wenn möglich das geschätzte Alter und das
Geschlecht von Leuten aufzuschreiben, die nicht bereit waren, an der Umfrage
mitzumachen.
Neben dieser mehr technischen Schulung erhielten die Verteiler außerdem
Informationen zu Wölfen in Deutschland. Der Fokus des Powerpoint Vortrags lag hier
besonders auf Aspekten, die auch im Fragebogen angesprochen wurden. Alle Verteiler
erhielten zudem die Broschüre „Wölfe vor unserer Haustür“ (Freistaat Sachsen und
IFAW 2005) in der gleichen Anzahl wie die zu verteilenden Fragebögen. Beim
Einsammeln der Fragebögen wurde die Broschüre den Befragten bei Interesse
kostenlos überlassen.
Die Auswahl der Häuser erfolgte zufällig, nach einem vom Verteiler individuell
entworfenen Muster. In Freiburg wählten die Studenten zu befragende Häuser mit
Reiskörnern auf dem Stadtplan aus. In Dresden wurden die Studenten gebeten, etwa
gleichmäßig aus jeder Straße des ihnen zugewiesenen Stadtteils ein Haus am Anfang,
der Mitte und am Ende auszusuchen. Im Wolfsgebiet und im Vergleichsgebiet waren die
Verteiler aufgerufen, vorher zu bestimmen, welches Haus (Ortsanfang, Ortsmitte,

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
20
Bundesland Kreisname
Ort
Gemeindetyp Einwohner
Fragebögen
Wolfsgebiet
Sachsen
Kamenz
Lohsa
Gemeinde
4,599
32
Sachsen
Kamenz
Spreetal
Gemeinde
2,274
16
Sachsen
Oberlausitzkreis
Bad Muskau
Stadt
4,032
28
Sachsen
Oberlausitzkreis
Boxberg/O.L.
Gemeinde
3,182
22
Sachsen
Oberlausitzkreis
Gablenz
Gemeinde
1,973
14
Sachsen
Oberlausitzkreis
Groß Düben
Gemeinde
1,357
9
Sachsen
Oberlausitzkreis
Hähnichen
Gemeinde
1,550
11
Sachsen
Oberlausitzkreis
Klitten
Gemeinde
1,501
10
Sachsen
Oberlausitzkreis
Krauschwitz
Gemeinde
4,023
28
Sachsen
Oberlausitzkreis
Kreba-Neudorf
Gemeinde
1,077
7
Sachsen
Oberlausitzkreis
Rietschen
Gemeinde
3,106
21
Sachsen
Oberlausitzkreis
Schleife
Gemeinde
2,973
20
Sachsen
Oberlausitzkreis
Trebendorf
Gemeinde
1,099
8
Sachsen
Oberlausitzkreis
Uhyst
Gemeinde
1,185
8
Sachsen
Oberlausitzkreis
Weißkeißel
Gemeinde
1,500
10
Sachsen
Oberlausitzkreis
Weißwasser/O.L. Kreisstadt
22,966
157
Gesamt
58,397
400
Vergleichsgebiet
Brandenburg Teltow-Fläming
Baruth/Mark
Stadt
4,515
31
Brandenburg Teltow-Fläming
Dahme/Mark
Stadt
6,035
42
Brandenburg Teltow-Fläming
Dahme/Mark
Gemeinde
542
4
Brandenburg Teltow-Fläming
Dahme/Mark
Gemeinde
833
6
Brandenburg Dahme-Spreewald Drahnsdorf
Gemeinde
676
5
Brandenburg Dahme-Spreewald Golßen
Stadt
2,868
20
Brandenburg Teltow-Fläming
Jüterbog
Stadt
13,449
93
Brandenburg Teltow-Fläming
Luckenwalde
Stadt
21,718
150
Brandenburg Teltow-Fläming
Nuthe-Urstromtal
Gemeinde
7,241
50
Gesamt
57,877
400
Ortsende) befragt werden soll und dann zufällig ein Stockwerk oder eine Straßenseite
auszusuchen.
Die Anzahl der pro Ort verteilten Fragebögen war in etwa proportional zur
Einwohnerzahl der Gemeinden (Tabelle 2). Aus logistischen Gründen konnten allerdings
nicht alle Orte immer wie gewünscht angefahren werden und so wurde vereinzelt vom
idealen Verbreitungsschema abgewichen. Die Fragebögen wurden nur an Einwohner
verteilt, die älter als 16 Jahre waren. Alle Fragebögen, die von Jüngeren ausgefüllt
waren, wurden aussortiert.
Tabelle 2: An die Verteiler ausgegebenes Verteilungsschema nach Einwohnerzahlen
der Gemeinden im Wolfsgebiet und im Vergleichsgebiet.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
21
Ort
verteilt
verwertbar
Rücklaufrate
Wolfsgebiet
400
327
0.82
Brandenburg
450
396
0.88
Dresden
240
165
0.69
Freiburg
220
184
0.84
Gesamt
1310
1072
0.82
2.4. Rücklaufquote und Repräsentativität der Stichprobe
Insgesamt wurden in allen vier Untersuchungsgebieten 1310 Fragebögen verteilt, von
denen 1072 wiedereingesammelt und für eine Analyse geeignet waren. Die verwertbare
Rücklaufquote lag im Gesamtdurchschnitt bei 82% (Tabelle 3).
Tabelle 3
:
Rücklaufquote der Fragebögen
1
.
1
Leer abgegebene, ausgefüllt von Leuten <16 Jahre und Nonsense-Fragebögen sind hier bereits abgezogen.
In den einzelnen Gebieten wurden zwischen 0.15 und 0.68% der Bevölkerung befragt
(Tabelle 4).
Tabelle 4: Anteil der befragten Bevölkerung in den Untersuchungsgebieten.
Ort
Bevölkerung Stichprobe
%
Gebietsgröße
(km²)
Wolfsgebiet
1
58397
327
0.56
1000
Vergleichsgebiet Brandenburg
1
57877
396
0.68
1000
Dresden
2
435451
165
0.04
328
Freiburg
2
186488
184
0.10
153
1
Bevölkerung >15 Jahre, Stand 2005, Quelle Gemeindestatistik online
2
Bevölkerung >14 Jahre auf Landkreisebene, Stand 32.12.2004, Quelle Genesis

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
22
Das Geschlechterverhältnis der gesamten Stichprobe war mit 51% Männern und 49%
Frauen recht ausgeglichen und wich nur in Freiburg erheblich von der tatsächlichen
Bevölkerungszusammensetzung ab (Abbildung 5).
0.49
0.54
0.49
0.48
0.48
0.55
0.47
0.39
0.51
0.46
0.51
0.52
0.52
0.45
0.53
0.61
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
0.70
0.80
0.90
1.00
Wolfsregion
Wolfsregion
Stichprobe
Brandenburg Brandenburg
Stichprobe
Dresden
Dresden
Stichprobe
Freiburg
Freiburg
Stichprobe
Gebiet
Anteil in der Bevölkerung / Stichprobe
weiblich
männlich
Abbildung 5: Geschlechterverteilung in der Bevölkerung und in den Stichproben der
einzelnen Untersuchungsgebiete.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
23
0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
0.30
0.35
0.40
0.45
15-19
20-29
30-39
40-49
50-59
>60
Anteil an der Bevölkerung
Brandenburg gesamt %
Brandenburg Stichprobe %
0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
0.30
0.35
0.40
0.45
15-19
20-29
30-39
40-49
50-59
>60
Anteil an der Bevölkerung
Freiburg gesamt %
Freiburg Stichprobe %
0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
0.30
0.35
0.40
0.45
15-19 20-29 30-39 40-49 50-59 >60
Anteil an der Bevölkerung
Wolfsgebiet
Wolfsgebiet Stichprobe
0.00
0.05
0.10
0.15
0.20
0.25
0.30
0.35
0.40
0.45
15-19 20-29 30-39 40-49 50-59 >60
Anteil an der Bevölkerung
Dresden
Dresden Stichprobe
Altersklasse (Jahre)
Altersklasse (Jahre)
Die Altersverteilung war ebenfalls recht ausgeglichen und wich nur in Dresden erheblich
von der tatsächlichen Altersstruktur der Dresdner Bevölkerung ab (Abbildung 6). Das
Durchschnittsalter der Gesamtstichproben lag bei 44 Jahren; im Wolfsgebiet bei 50, im
Vergleichsgebiet in Brandenburg bei 41, in Dresden bei 37 und in Freiburg bei 44
Jahren.
Abbildung 6
:
Altersstruktur in der Bevölkerung und in den Stichproben der einzelnen
Untersuchungsgebiete.
Im Durchschnitt leben die Befragten im Wolfsgebiet seit 32 Jahren am Ort der
Befragung, im Vergleichsgebiet in Brandenburg seit 28 Jahren, in Dresden seit 20
Jahren und in Freiburg seit 24 Jahren. Da die Durchschnittswohndauer natürlich auch
vom Alter abhängt und das Durchschnittsalter der vier Stichproben unterschiedlich ist,
wurde auch das Verhältnis Alter/Wohndauer (Sesshaftigkeitsindex) angeschaut. Der
Sesshaftigkeitsindex für das Wolfsgebiet (2.5) und das Vergleichsgebiet in Brandenburg
(2.6) liegen signifikant niedriger, d.h. die Leute wohnen länger am gleichen Ort als in
Dresden (4.7) und Freiburg (4.9; Kruskal-Wallis Test, df=3, Chi²=50.5, p<0.001; nur die
Unterschiede zwischen Wolfsgebiet und Vergleichsgebiet in Brandenburg auf der einen
und Freiburg und Dresden auf der anderen Seite sind signifikant, Post-hoc U-Tests mit
Bonferroni Korrektur).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
24
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
Wolfsregion
Wolfsregion
Stichprobe
Brandenburg Brandenburg
Stichprobe
Dresden
Dresden
Stichprobe
Freiburg
Freiburg
Stichprobe
Gebiet
Anteil Fachhochschul- oder Universitätsabschluß
Was die Ausbildung angeht, sind gut Ausgebildete, besonders solche mit
Fachhochschul- bzw. Universitätsabschluss, in der Stichprobe in allen vier
Untersuchungsgebieten deutlich überrepräsentiert (Abbildung 7).
Abbildung 7: Anteil von Leuten mit einem Fachhochschul- oder Universitätsabschluss in
der Bevölkerung und in den Stichproben der einzelnen Untersuchungsgebiete.
Vertreter von, im Bezug auf Wölfe, wichtigen Interessengruppen waren in der
Stichprobe sowohl überrepräsentiert (Jäger und Nutztierhalter) als auch
unterrepräsentiert (Mitglieder einer Naturschutzorganisation; Tabelle 5). Trotzdem
waren die absoluten Zahlen der Befragten für die einzelnen Interessengruppen relativ
klein (Nutztierhalter: 126, Jäger: 26, Mitglied einer Naturschutzorganisation: 76, davon
zwei Jäger). Tätige in der Tourismusbranche konnten an Hand des Fragebogens nicht
identifiziert werden, ihr Anteil an der Bevölkerung ist aber in den einzelnen
Untersuchungsgebieten sehr gering.
Tabelle 5: Anteil von Vertretern verschiedener Interessengruppen in der Bevölkerung
und in der Stichprobe in den Untersuchungsgebieten.
Bevölkerung Stichprobe BevölkerungStichprobe
Bevölkerung Stichprobe
Bevölkerung Stichprobe
Nutztierhalter (%)
0.15
17.43
0.12
16.67
0.01
1.88
0.02
0.00
Jäger
1
(%)
0.25
3.19
0.55
2.35
0.25
2.48
0.38
1.71
Naturschutzorg. (%)
3.21
4.74
7.50
20.69
1
Durchschnitt für das gesamte Bundesland, Quelle
http://www.jagd-online.de/seite.cfm?020103
Wolfsgebiet
Brandenburg
Dresden
Freiburg

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
25
Familien mit Kindern sind in Deutschland rare geworden und dies zeigt sich auch in
unserer Stichprobe (Abbildung 8). In unserer Stichprobe lag die durchschnittliche Anzahl
von Personen pro Haushalt bei 2.7 in der Wolfsregion, bei 3.1 im Vergleichsgebiet in
Brandenburg, bei 2.7 in Dresden und bei 3.4 in Freiburg
Abbildung 8: Anteil an Haushalten mit Kindern in den Stichproben der
Untersuchungsgebiete.
0.62
0.43
0.67
0.45
0.05
0.06
0.08
0.05
0.02
0.03
0.00
0.15
0.13
0.28
0.19
0.25
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
0.70
0.80
0.90
1.00
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Gebiet
Anteil Antworten
Fehlend
Kinder 7-16
Kinder bis 6 & 7-16
Kinder bis 6
keine Kinder

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
26
Der Anteil von Hunde- und Katzenbesitzern in den einzelnen Untersuchungsgebieten
konnte nicht ermittelt werden. In der Stichprobe haben jedoch deutlich mehr Menschen
im ländlich geprägten Wolfsgebiet und im Vergleichsgebiet in Brandenburg Hunde und
vor allem Katzen, als in den beiden Großstädten (Tabelle 6).
Tabelle 6: Katzen- und Hundebesitzer in der Stichprobe.
Untersuchungsgebiet Katzenbesitzer
(%)
Hundebesitzer
(%)
Wolfsgebiet 37 24
Brandenburg 43 31
Dresden 19 10
Freiburg 20 8
2.5. Nicht-Antworter
Der Anteil derer, die für die Befragung ausgesucht wurden, sich aber weigerten an der
Umfrage teilzunehmen, variierte sehr stark, und zwar besonders zwischen den
Verteilern (Tabelle 7). Regionale Unterschiede zwischen den Untersuchungsgebieten
gehen daher vermutlich stärker auf das unterschiedliche Talent der einzelnen Verteiler
zurück, als dass sie eine regionsspezifische unterschiedliche Bereitschaft der Teilnahme
signalisieren. Durch die nachträgliche Befragung der Verteiler haben sich allerdings
folgende Faktoren als hinderlich für die Teilnahme erwiesen (siehe dazu auch Wenzel
2006):
Gegensprechanlagen, da es sehr einfach ist, jemanden abzuwimmeln (sehr häufig in
Städten)
Ungünstige Witterung, da sich die Leute bei Regen nicht gerne rausklingeln und/oder
nasse Befrager in den Windfang lassen
Dunkelheit, da man fremde Leute dann noch schlechter einschätzen kann
Wochenende oder Feierabend, da die Leute dann ausspannen und nicht mit
Fragebögen belästigt werden wollen

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
27
Anzahl Leute
Fragebögen
Verteiler angesprochen abgelehnt Verloren
1
Wolfsgebiet
1 60 15 5
2 30 14 0
3 30 4 1
4 24 7 0
5 59 38 4
6 55 6 2
7 36 3 2
8 25 7 4
9 60 40 0
Mittelwert (%)
35%
7%
Brandenburg
1 keine Angaben ~40% ~15%
2 keine Angaben ~55% ~20%
Mittelwert (%)
~48%
~18%
Dresden
1 26 14 0
2 26 9 2
3 35 33 0
Mittelwert (%)
64%
3%
Freiburg
1+2 306 106 14
Mittelwert (%)
35%
12%
1
Fragebögen konnten nicht wieder abgeholt werden oder wurden leer abgegeben.
Die Nicht-Beantworter waren im Schnitt älter als diejenigen, die an der Umfrage
teilgenommen haben (Tabelle 8). Ein häufiges Argument der über Sechzigjährigen war
„ich bin dafür zu alt, fragt doch die Jungen“. Die häufigsten Argumente gegen eine
Teilname aller anderen Altersklassen waren „Keine Zeit“, „Keine Lust“ und „Kein
Interesse“
1
.
In den beiden Großstädten waren Frauen weniger bereit, an der Umfrage teilzunehmen,
als Männer (Tabelle 8), wurden aber offensichtlich auch deutlich häufiger angetroffen als
Männer. Das Geschlechterverhältnis in der Stichprobe ist dann nämlich fast
ausgeglichen. Ein möglicher Grund für die stärker ablehnende Haltung der Frauen mag
sein, dass sie Fremden gegenüber aus Sicherheitsgründen vorsichtiger sind.
Allerdings zeigte sich auch, dass Menschen, die Wölfen gegenüber sehr negativ
eingestellt sind, oft nicht bereit sind, überhaupt an einer Umfrage teilzunehmen. Häufig
reagierten Wolfsgegner auf die Anfrage der Verteiler verärgert, extrem misstrauisch
1
Die Argumente gegen eine Teilname wurden von den Verteilern nicht systematisch erhoben, sondern
nur als subjektive Einschätzung angegeben.
Tabelle 7: Nicht-Antworter
aufgezeichnet, bzw. angeschätzt von 16
der insgesamt 31 Verteiler.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
28
oder sogar aggressiv. Es entstand der Eindruck, dass sie mit Wölfen, in welcher Form
auch immer, nichts zu tun haben wollen und evtl. befürchten, dass schon das Ausfüllen
eines Fragebogens als Zugeständnis gesehen werden könnte. Wie hoch der Anteil der
Wolfsgegner unter den Nicht-Beantwortern wirklich ist, lässt sich an Hand dieser
Umfrage allerdings nicht quantifizieren.
Anzahl Nicht-
Antworter
Durchschnittsalter
Gebiet Frauen Männer
Nicht-
Antworter
Stichprobe
Wolfsregion 22 25 55 50
Brandenburg keine Angaben 41
Dresden 52 32 50 37
Freiburg
71
35
oft >60 Jahre
44
2.6. Datenanalyse
Die Fragebögen wurden von studentischen Hilfskräften der Universität Freiburg jeweils
in Zweiergruppen in eine vorgefertigte EXCEL Datenbank (Microsoft Office Excel 2003)
eingegeben (100-400 Fragebögen pro Gruppe). Die Datenbanken wurden anschließend
von der Autorin auf Fehler untersucht und an Hand der Fragebögen korrigiert. Die
Fehlerrate lag bei weniger als 1%. Die anschließende Datenanalyse erfolgte im SPSS
10.0 (Statistical Package for the Social Sciences; SPSS Inc., Chicago, Illinois, USA), ein
Großteil der Visualisierung erfolgte in EXCEL. Für alle statistischen Tests wurde ein
Signifikanzniveau von P <0.05 festgelegt. Bei allen Analysen und Darstellungen in
Tabellen und Grafiken wurde das amerikanische Zahlenformat verwendet, also ein
Punkt als Dezimalzeichen und nicht wie sonst üblich ein Komma und ein Komma als
1000 Rennzeichen.
Um Unterschiede zwischen den Untersuchungsgebieten zu testen, wurde bei
Normalverteilung der Daten eine ANOVA mit post-hoc Test verwendet (Bonferroni
Korrektur bei Varianzgleichheit, Tamhane Korrekur bei einer Abweichung von der
Varianzgleichheit). Lag keine Normalverteilung vor, wurden nicht-parametrische
Testverfahren angewandt. Da auf Grund der großen Stichproben auch kleine
Unterschiede in den Antwortenverteilungen zwischen den Untersuchungsgebieten
signifikant sind, die Relevanz für die Praxis jedoch zweifelhaft bleibt, wurde beim
Vergleich von Einzelantworten weitgehend auf einen statistischen Vergleich verzichtet
(z.B. es spielt vermutlich keine Rolle, ob 56% der Befragten für eine Kompensation von
Wolfsschäden sind oder nur 54%, egal ob der Unterschied signifikant ist oder nicht).
Um Zufallsfehler (z.B. falsches Ankreuzen) zu minimieren, wurden zu zahlreichen
Themenkomplexen mehrere Fragen gestellt, die in die gleiche Richtung zielen(Zeller
und Carmines 1980). Die Antworten wurden so kodiert, dass einer positiven Einstellung
(z.B. zur Natur, zu Wölfen, etc.) die hohen Werte der Likert Skale zugeordnet wurden
Tabelle 8: Alters- und
Geschlechterverteilung der Nicht-
Antworter aufgezeichnet bzw.
angeschätzt von 14 der insgesamt
31 Verteiler.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
29
und einer negativen Einstellung die niedrigen Werte. Waren die Fragen im Fragebogen
anders herum gestellt, wurden sie in der Datenbank anschließend umkodiert. Die
Zuverlässigkeit (Konsistenz) dieser Themenkomplexe (Skalen) wurde durch
Realibilitätsverfahren getestet. Skalen gelten als konsistent, wenn der Wert für
Chrombach α > 0.70 ist. Für geeignete Themenkomplexe wurden anschließend
Mittelwerte („Scores“) errechnet. Wissensfragen wurden dichoton kodiert, also mit 0 für
falsche, „weiß nicht“ oder fehlende Antworten, und 1 für richtige Antworten.
Die gewählten Skalen erwiesen sich als gut geeignetes Maß für die Einstellung zum
Wolf und für die persönliche Betroffenheit (
Tabelle 9
). Die Skala zur allgemeinen
Umwelteinstellung (NEP Skale) war mit 0.71 dagegen nur knapp über dem
Schwellenwert von 0.70. Das relativ schlechte Abschneiden der NEP Skale könnte mit
der unglücklichen Platzierung auf der ersten Seite zusammenhängen. Bei einer
Umfrage zum Thema „Wölfe in Deutschland“ möchten die Leute zum Wolf gefragt
werden und waren bei den ersten sehr allgemeinen Fragen vermutlich
ungeduldig/frustriert. Die Wissensskala lag mit 0.69 knapp unter dem angepeilten
Schwellenwert. Allerdings ist es schwierig, Wissen konsistent abzufragen, da
Wissensfragen fast immer auf sehr unterschiedliche Kategorien von Wissen
zurückgreifen (Multidimensonalität). Hinzu kommt, dass „Multiple Choice“ Fragen, trotz
Angebot einer „weiß nicht“ Kategorie die Befragten häufig zum Raten veranlassen.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
30
Mittelwert / Score
Cronbach's α
n
Umwelt- und Naturschutz (NEP Skala)
0.71
929
1. Wir Menschen haben das Recht unsere Umwelt entsprechend unseren Bedürfnissen zu
gestalten.
2. Das Meiste was Wissenschaft und Technik hervorgebracht haben, schadet der Umwelt.
3. Wissenschaft und Technik werden viele Umweltprobleme lösen, ohne dass wir unsere
Lebensweise ändern müssen.
4. Wir Menschen missbrauchen unsere Umwelt im großen Stil.
5. Der Mensch soll die Natur achten, weil auch Tiere und Pflanzen ein Lebensrecht haben.
6. Unsere Umwelt ist robust genug, um den Einfluss unserer modernen Industriegesellschaft zu
verkraften.
7. Nach meiner Einschätzung wird das Umweltproblem in seiner Bedeutung von vielen
Umweltschützern übertrieben.
8. Wenn wir so weitermachen wie bisher, steuern wir auf eine Umweltkatastrophe zu.
9. Der Umgang mit Wildtieren sollte vorrangig am Nutzen für die Gesellschaft ausgerichtet sein.
11. Wenn es noch mehr Vorschriften für den Naturschutz gibt, kann man bald überhaupt nichts
mehr machen.
Einstellung zum Wolf
0.89
918
1. Wie ist Ihre Einstellung zu Wölfen?
2. Die Anwesenheit von Wölfen erhöht für mich den Wert einer Landschaft, selbst wenn ich sie
nie zu sehen bekomme.
3. Für mich ist es wichtig, Wölfe auch für künftige Generationen zu erhalten.
4. Wölfe gehören nicht in unsere heutige Kulturlandschaft.
5. Wölfe haben, wie andere heimische Wildtiere auch, ein Recht in Deutschland zu leben.
6. Es gibt genug Wölfe in anderen Ländern, so dass es in Deutschland nicht auch noch welche
geben muss.
Persönliche Betroffenheit
0.87
900
11. Durch die Anwesenheit von Wölfen hätte ich Angst alleine in den Wald zu gehen.
12. Durch die Anwesenheit von Wölfen wäre ich um die Sicherheit meiner Kinder besorgt.
13. Durch die Anwesenheit von Wölfen wäre ich um die Sicherheit meiner Haustiere besorgt.
14. Die Anwesenheit von Wölfen würde mein Freizeitverhalten negativ beeinflussen.
15. Durch die Anwesenheit von Wölfen befürchte ich finanzielle Einbußen.
16. Durch die Anwesenheit von Wölfen befürchte ich Einschränkungen in der Landnutzung.
Wissen (richtige Antwort)
0.69
1072
1. Wie viele freilebende Wölfe leben heute wieder in Deutschland?
(10-30)
4. Woher kommen die freilebenden Wölfe in Deutschland?
(Antwort: 1, auch [1+4])
5. Wie viel wiegt ein durchschnittlicher erwachsener Wolf in Europa?
(Antwort: 2)
6. Was ist die Hauptbeute von Wölfen in Europa?
(Antwort: 2, auch [2+1] oder [2+3])
7. Wie viele Wölfe leben im Durchschnitt in einem Wolfsrudel
(2-15)
8. Im Gegensatz zu einer Hündin kann eine Wölfin nur 1x im Jahr Junge bekommen.
(richtig)
9. Ein Wolfsrudel duldet keine fremden Wölfe in seinem Revier.
(richtig)
10. Der Wolf ist der Stammvater aller heutigen Hunderassen.
(richtig)
11. Mischlinge aus Wolf und Hund können sich nicht weiter fortpflanzen.
(falsch)
12. Der Wolf ist eine weltweit bedrohte Art.
(falsch)
13. In Europa leben Wölfe vor allem in Skandinavien.
(falsch)
14. Besonders in strengen Wintern leiden Wölfe Hunger.
(falsch)
15. Der Wolf spielt für die Verbreitung der Tollwut keine große Rolle.
(richtig)
Tabelle 9: Skala, die in der Auswertung verwendet wurden
2
.
2
Die Fragennummern entsprechen der Nummerierung in den entsprechenden Abschnitten des
Fragebogens (siehe Anhang).
Skala

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
31
Um zu untersuchen, welche Faktoren den größten Einfluss auf die Einstellung zu
Wölfen haben, wurden multivariate Testverfahren verwendet. Der Vorteil multivariater
Verfahren ist, dass alle Einflussvariablen gleichzeitig getestet werden können. Der
Nachteil paarweiser (bivariater) Vergleiche zwischen zwei Stichproben ist ja immer, dass
diese Stichproben sich in der Regel in einer ganzen Reihe von Variablen unterscheiden,
z.B. bei einem Vergleich der Antworten aus dem Wolfsgebiet mit denen aus Freiburg
bestehen nicht nur Unterschiede im Gebiet, sondern auch die Alters-, Ausbildungs- und
Geschlechterzusammensetzung ist verschieden. Stellt man nun Unterschiede zwischen
Gebieten fest, weiß man im bivariaten Vergleich nicht, liegt es am Gebiet oder vielleicht
daran, dass Frauen und Männer eine unterschiedliche Einstellung haben und die
Stichproben diesbezüglich zufällig unterschiedlich sind.
Erst wenn multivariate Testverfahren zeigen, dass Alter, Geschlecht oder andere
relevante soziodemografische Faktoren keine Rolle spielen, können Stichproben
unterschiedlicher demografischer Zusammensetzung wirklich verglichen werden. Im
vorliegenden Fall wurde ein Lineares Regressionsmodell mit schrittweisem, rückwärts
gerichtetem Variablenausschluss verwendet. Dabei wurden aus dem kompletten Model
schrittweise alle nicht-signifikanten Variablen entfernt, bis nur mehr signifikante
Variablen übrig blieben. Die Robustheit des Models wurde getestet, indem die Analysen
mehrfach mit einer zufälligen 50%-igen Teilstichprobe (split-half Model) des gesamten
Datensatzes wiederholt wurden.
Als Grundlage für das multivariate Testverfahren diente das auf Grund der Literatur
erstellte Zusammenhangsmodell in Abbildung 9.
Abbildung 9: Erwartete Zusammenhänge verschiedener Einflussvariablen auf die
Einstellung zum Wolf.
Wissen
Nützlichkeit /
Schädlichkeit
Einstellung Wolf
Umgang mit Wolf
Umwelteinstellung
Soziodemografische
Faktoren
Freizeitverhalten
Eigene Betroffenheit
Angst
Interesse

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
32
2.7. Mündliche Passantenbefragung („Face to face“)
Um sicherzustellen, dass die schriftliche Umfrage wirklich repräsentativ ist, wurde
zusätzlich zur schriftlichen Befragung noch eine mündliche Kurzbefragung durchgeführt.
Dazu wurden im Januar 2006, im Rahmen einer Hausarbeit, 150 Personen im
Großraum Freiburg befragt (100 in Freiburg und 50 in Elzach; Moser 2006). Im Juni
2006 wurden, ebenfalls von Fabian Moser, weitere 250 Personen im bzw. am Rande
des Wolfsgebietes in Sachsen (120 in Weißwasser) und Brandenburg (130 in
Spremberg) befragt.
Die Passanten wurden zufällig angesprochen, wobei darauf geachtet wurde, dass
ungefähr gleich viele Männer und Frauen und alle Altersklassen in der Stichprobe
vertreten waren. Es wurden nur Antworten von Passanten mit 16 Jahren und älter
aufgenommen. Die Fragestellung war normiert und erfolgte immer in der gleichen
Reihenfolge:
„Ich studiere Forst- und Umweltwissenschaften an der Uni Freiburg und führe im
Rahmen meines Studiums eine Kurzumfrage durch. Darf ich Sie nach ihrer ganz
spontanen Assoziation zu einem Wildtier fragen – ein Begriff, ein Themenkomplex
der Ihnen spontan einfällt? Das Tier ist der Wolf.“
In Weißwasser und Spremberg wurden die Passanten zudem gefragt:
Wie ist Ihre Einstellung zu Wölfen? Eher positiv, neutral oder negativ?
Finden Sie es gut, dass es wieder Wölfe hier in der Region gibt? Ja, nein, weiß
nicht?
Danach wurden die Befragten noch nach ihrem Alter gefragt und es wurde notiert, ob es
sich um einen Mann oder eine Frau gehandelt hat. Die Antworten wurden während der
Befragung handschriftlich notiert und zur Auswertung in eine EXCEL- Datenbank
eingegeben und kategorisiert.
Um von 400 Passanten Antworten zu erhalten, mussten 688 angesprochen werden;
dies entspricht einer Erwiderungsrate von 58%. Die Stichprobe der Befragten war in
allen drei Gebieten recht ähnlich und sowohl im Bezug auf das Geschlechterverhältnis,
wie der Alterszusammensetzung recht ausgeglichen (Tabelle 10). Das
Durchschnittsalter der mündlich Befragten entsprach mit 41 Jahren fast genau dem der
schriftlich befragten (44 Jahre, Kapitel 2.4).
Tabelle 10: Alter und
Geschlecht von 400
Passanten, die zum
Wolf befragt wurden.
Männlich
Weiblich
Freiburg
0.47
0.53
39
150
Weisswasser
0.43
0.58
37
120
Spremberg
0.52
0.48
47
130
Gesamtergebnis
0.47
0.53
41
400
Geschlechterverhältnis
Ort
N
Duchschnittl.
Alter

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
33
N =
318
392
163
181
Freiburg
Dresden
Brandenburg
Wolfsregion
Umwelt- und Naturschutz - NEP Scala
5.0
4.0
3.0
2.0
1.0
Abbildung 10: NEP Skale nach
Untersuchungsgebieten.
1=modernes Naturbild (Natur als
Gegner)
5=post-modernes Naturbild
(Natur als empfindliches
Gefüge)
[Die Boxplots zeigen jeweils die
Werteverteilung der einzelnen
Stichproben. In der Box sind jeweils
die mittleren 50% der Werte. Die
Mittellinie markiert den Median
(Zentralwert). Die Intervalle unter- und
oberhalb der Box zeigen die restlichen
25% Intervalle. Die Kreise markieren
Ausreißer.]
Mittelwert
3. Ergebnisse
3.1. Vergleich zwischen den Untersuchungsgebieten
3.1.1.
Einstellung zu Umwelt- und Naturschutz allgemein
In der allgemeinen Einstellung zu Umwelt- und Naturschutz (NEP Skala) konnten
zwischen den Gebieten keine großen Unterschiede festgestellt werden (Abbildung 10).
Insgesamt überwiegt ganz klar eine post-moderne Einstellung, die in der Natur ein
schützenswertes, empfindsames Gefüge sieht. Ein signifikanter Unterschied zwischen
den Untersuchungsgebieten bestand nur zwischen Freiburg auf der einen und den
anderen drei Gebieten auf der anderen Seite (ANOVA: df=3, F=10.6, P<0.001; post-hoc
Tests mit Bonferroni Korrektur: nur
Wolfsregion-Freiburg
,
Brandenburg-Freiburg
und
Dresden-Freiburg p<0.05).
Auch im Vergleich mit der bundesweiten Umfrage zum Umweltbewusstsein in
Deutschland (Kuckartz und Grunenberg 2002, Kuckartz und Rheingans-Heintze 2004)
ergeben sich bei den identischen Fragen nur geringe Abweichungen, aber alle in
Richtung einer noch post-moderneren Einstellung. Inwieweit dies eine Folge der
Stichprobe oder eines zeitlichen Trends ist, kann hier nicht geklärt werden (Abbildung
11).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
34
1.00
1.50
2.00
2.50
3.00
3.50
4.00
4.50
5.00
Das meiste was
Wissenschaft und
Technik
hervorgebracht haben,
schadet der Umwelt
Wissenschaft und
Technik werden viele
Umweltprobleme lösen,
ohne dass wir unsere
Lebensweise ändern
müssen
Der Mensch soll die
Natur achten, weil auch
Tiere und Pflanzen ein
Lebensrecht haben
Nach meiner
Einschätzung wird das
Umweltproblem in
seiner Bedeutung von
vielen
Umweltschützern
übertrieben
Wenn wir so
weitermachen wie
bisher, steuern wir auf
eine
Umweltkatastrophe zu
Wenn es noch mehr
Vorschriften für den
Naturschutz gibt, kann
man bald überhaupt
nichts mehr machen
Diese Studien (n=1072)
Umweltbewusstsein 2004 (n=2018)
Umweltbewusstsein 2002 (n=2361)
Abbildung 11: Vergleich identischer Fragen zwischen dieser Umfrage und der Umfrage
zum Umweltbewusstsein in Deutschland von Kuckartz und Grunenberg (2002) und
Kuckartz und Rheingans-Heintze (2004).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
35
N =
327
396
165
184
Freiburg
Dresden
Brandenburg
Wolfsregion
Naturfreizeit Nutzung
40
32
24
16
8
Abbildung 12: Summenskala der
Naturfreizeitnutzung.
Max. 40: an allen Freizeitaktivitäten
großes Interesse.
Min. 8: an keiner Freizeitaktivität
Interesse.
[Die Boxplots zeigen jeweils die
Werteverteilung der einzelnen
Stichproben. In der Box sind jeweils die
mittleren 50% der Werte. Die Mittellinie
markiert den Median (Zentralwert). Die
Intervalle unter- und oberhalb der Box
zeigen die restlichen 25% Intervalle. Die
Kreise markieren Ausreißer.]
Naturfreizeit Summenskala
3.1.2. Freizeitverhalten
Naturfreizeit, die ohne große technische Hilfsmittel und Ausrüstung möglich ist, spielt in
allen vier Untersuchungsgebieten eine große Rolle (Abbildung 12). Die Verteilung der
Summen aller acht Freizeitaktivitäten (Summenskala Freizeit) unterschied sich zwischen
den Untersuchungsgebieten kaum, war aber im Wolfsgebiet signifikant höher als in den
drei anderen Untersuchungsgebieten (ANOVA: df=3, F=9.2, P<0.001; Post-hoc Tests
mit Tamhane Korrektor: nur
Wolfsgebiet-Brandenburg
,
Wolfsgebiet-Dresden
und
Wolfsgebiet-Freiburg
p<0.05).
In der Bedeutung der einzelnen Freizeitaktivitäten gab es jedoch durchaus
gebietsspezifische Unterschiede, aber eher im Unterschied zwischen den beiden
Großstädten auf der einen und den beiden ländlich geprägten Untersuchungsgebieten
Wolfsregion und Vergleichsgebiet Brandenburg auf der anderen Seite (Abbildung 13).
So wird z.B. Pilze sammeln in den beiden ländlichen Gebieten höher, Wandern &
Joggen und Naturfotografie dagegen wesentlich weniger geschätzt als in den beiden
Großstädten. Interessant ist das sehr hohe Interesse an Wildtier- und
Vogelbeobachtungen, gerade in der Wolfsregion. Fahrradfahren erfreut sich in allen vier
Gebieten der höchsten Beliebtheit überhaupt.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
36
Wandern oder Joggen
großes Interesse
Interesse
teils/teils
wenig Interesse
kein Interesse
Fehlend
Prozent
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wandern und
Joggen
Fahrrad fahren
großes Interesse
Interesse
teils/teils
wenig Interesse
kein Interesse
Fehlend
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Fahrrad fahren
Pilze sammeln
großes Interesse
Interesse
teils/teils
wenig Interesse
kein Interesse
Fehlend
Prozent
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Pilze sammeln
Naturfotografie
großes Interesse
Interesse
teils/teils
wenig Interesse
kein Interesse
Fehlend
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Naturfotografie
großes Interesse
Interesse
teils/teils
wenig Interesse
kein Interesse
Fehlend
Prozent
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Vögel beobachten
großes Interesse
Interesse
teils/teils
wenig Interesse
kein Interesse
Fehlend
40
30
20
10
0
Gebiet
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wildtiere
beobachten
Prozent
Prozent
Prozent
großes Interesse
Interesse
teils/teils
wenig Interesse
kein Interesse
Fehlend
Prozent
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Prozent
großes Interesse
Interesse
teils/teils
wenig Interesse
kein Interesse
Fehlend
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Hund spazieren
führen
Fehlend wenig Interesse Interesse
kein Interesse teils/teils großes Interesse
Fehlend wenig Interesse Interesse
kein Interesse teils/teils großes Interesse
Wolfsgebiet
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Abbildung 13: Das
Interesse an
Naturfreizeit-
aktivitäten
(Skalen der X-
Achsen nicht
identisch).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
37
Haben Sie schon mal freilebende Wölfe gesehen?
86
85
88
90
13
14
12
10
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
% Antworten
Fehlend
Ja
Nein
Haben Sie in Deutschland schon mal freilebende
Wölfe gesehen?
85
92
96
14
6
4
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Fehlend
Ja
Nein
Haben Sie in Deutschland schon mal Hinweise auf
Wölfe gefunden?
76
93
93
22
5
6
0%
20%
40%
60%
80%
100%
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
% Antworte
Fehlend
Ja
Nein
Würden Sie gerne Hinweise auf Wölfe in freier
Natur sehen?
35
47
25
21
49
73
71
61
%
%
%
%
%
%
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Fehlend
Ja
Nein
3.1.3.
Eigene Erfahrung mit Wölfen / Bewusstsein im Wolfsgebiet zu leben
Wie nicht anders zu erwarten, ist der Anteil derer, die schon einmal direkte Erfahrung
mit Wölfen gemacht haben, gering. In allen vier Gebieten geben 10-14% der Befragten
an, schon mal einen freilebenden Wolf gesehen zu haben. Im Wolfsgebiet meinen
deutlich mehr Befragte tatsächlich schon mal einen freilebenden Wolf, oder Hinweise
auf Wölfe in Deutschland gesehen haben wollen, als Befragte im Vergleichsgebiet in
Brandenburg oder aus Dresden (in Freiburg wurde diese Frage nicht gestellt; Abbildung
14). Bewohner im Wolfsgebiet haben anscheinend alle Wolfsbeobachtungen in
Deutschland gemacht; die Befragten in Brandenburg und Dresden dagegen nur etwa
zur Hälfte in Deutschland und zur Hälfte woanders (Abbildung 14).
Auf die Frage, ob sie gerne Hinweise auf Wölfe in freier Natur sehen würden,
antworteten zwischen 21% und 47% mit nein. Die ablehnende Haltung war allerdings
nicht im Wolfsgebiet, sondern im Vergleichsgebiet in Brandenburg am höchsten.
Abbildung 14: Eigene Erfahrung mit Wölfen in den Untersuchungsgebieten
*
.
*
Es ist offensichtlich unlogisch, dass im Wolfsgebiet nur 13% der Befragten überhaupt schon mal einen
freilebenden Wolf gesehen haben, aber 14% einen freilebenden Wolf in Deutschland gesehen haben.
Man muss hier immer bedenken, dass es sich um soziologische Daten handelt und Antworten nie 100%
konsistent sind. Daher sollten Abweichungen/Unterschiede in den Antworten um einige Prozentpunkte
nach oben oder unten nicht überinterpretiert werden.
*

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
38
Überraschender Weise waren sich nur die Hälfte der Befragten im Wolfsgebiet
überhaupt bewusst, dass in ihrer Gemeinde freilebende Wölfe leben. Für Bewohner der
Gemeinde Weißwasser, die am Rand des Wolfsgebietes liegt mag das auch
verständlich sein. Allerdings gaben immerhin noch 32% an, noch nie in einem Gebiet
gewesen zu sein, in dem es freilebende Wölfe gibt (Abbildung 15). Es ist aber mehr als
unwahrscheinlich, dass Einwohner von Weißwasser nie durch das Wolfsgebiet fahren
oder dort spazieren gehen.
3.1.4.
Wichtigkeit des Themas / Einschätzung des eigenen Kenntnisstandes
Umwelt- und Naturschutz rangierten in der bundesweiten Umfrage zum
Umweltbewusstsein in Deutschland 2004 an dritter Stelle, hinter Fragen des
Arbeitsmarktes und der Wirtschaftlichen Lage (Kuckartz and Rheingans-Heintze 2004).
Auch aus der vorliegenden Umfrage wird klar, dass Umwelt- und Naturschutz weiterhin
wichtig, aber nicht unbedingt das Top Thema sind. Jagd oder der Umgang mit
Wildtieren bzw. mit Wölfen in Deutschland fallen in ihrer Bedeutung für die Befragten
deutlich hinter den Umwelt- und Naturschutzthemen zurück, und zwar in allen vier
Untersuchungsgebieten (Abbildung 16).
Der eigene Kenntnisstand wird für Themen des Umwelt- und Naturschutzes von den
meisten Befragten als „teils/teils“ oder gut eingeschätzt. Bei den Themen Jagd oder der
Gibt es in Ihrer Gemeinde freilebende Wölfe?
46
97
97
50
1
1
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
% Antworten
fehlend
Ja
Nein
Waren Sie schon mal in einem Gebiet in dem
es freilebende Wölfe gibt?
32
78
56
74
65
19
44
26
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
% Antworten
fehlend
Ja
Nein
Abbildung 15: Bewusstsein im
Wolfsgebiet zu leben.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
39
Umwelt- und Naturschutz
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
nicht
wichtig
wenig
wichtig
teils/teils
wichtig
sehr
wichtig
fehlend
W
B
D
F
Jagd oder der Umgang mit Wildtieren
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
nicht
wichtig
wenig
wichtig
teils/teils
wichtig
sehr
wichtig
fehlend
W
B
D
F
Wölfe in Deutschland
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
nicht
wichtig
wenig
wichtig
teils/teils
wichtig
sehr
wichtig
fehlend
W
B
D
F
Umwelt- und Naturschutz
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
sehr
wenig
wenig
teils/teils
gut
sehr gut
fehlend
W
B
D
F
Jagd oder der Umgang mit Wildtieren
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
sehr
wenig
wenig
teils/teils
gut
sehr gut
fehlend
W
B
D
F
Wölfe in Deutschland
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
sehr
wenig
wenig
teils/teils
gut
sehr gut
fehlend
W
B
D
F
Umwelt- und Naturschutz
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
nicht
wichtig
wenig
wichtig
teils/teils
wichtig
sehr
wichtig
fehlend
W
B
D
F
Jagd oder der Umgang mit Wildtieren
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
nicht
wichtig
wenig
wichtig
teils/teils
wichtig
sehr
wichtig
fehlend
W
B
D
F
Wölfe in Deutschland
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
0.60
nicht
wichtig
wenig
wichtig
teils/teils
wichtig
sehr
wichtig
fehlend
W
B
D
F
Umwelt- und Naturschutz
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
sehr
wenig
wenig
teils/teils
gut
sehr gut
fehlend
W
B
D
F
Jagd oder der Umgang mit Wildtieren
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
sehr
wenig
wenig
teils/teils
gut
sehr gut
fehlend
W
B
D
F
Wölfe in Deutschland
0.00
0.10
0.20
0.30
0.40
0.50
sehr
wenig
wenig
teils/teils
gut
sehr gut
fehlend
W
B
D
F
Wie wichtig sind Ihnen folgende Themen?
Wie gut kennen Sie sich mit folgenden Themen aus?
Anteil
Antworten
Anteil
Antworten
Anteil
Antworten
Anteil
Antworten
Anteil
Antworten
Anteil
Antworten
Umgang mit Wildtieren und Wölfen in Deutschland geben nur sehr wenige Befragte an,
einen guten oder sehr guten Kenntnisstand zu haben. Einzig im Wolfsgebiet ist der
Anteil derer, die sich gut oder sehr gut auszukennen glauben, etwas höher, und derer,
die sich sehr wenig auskennen, deutlich geringer (Abbildung 16). Diese
Selbsteinschätzung deckt sich auch mit den tatsächlichen Ergebnissen zum
Wissensstand (siehe Kapitel 3.1.8).
Abbildung 16: Wichtigkeit (links) und eigene Einschätzung des Kenntnisstandes (rechts)
zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes, Jagd und dem Umgang mit Wildtieren und
Wölfen in Deutschland (W=Wolfsgebiet, B=Vergleichsgebiet Brandenburg, D=Dresden,
F=Freiburg; Skalen der X-Achsen rechts und links nicht identisch).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
40
N =
311
378
157
168
Freiburg
Dresden
Brandenburg
Wolfsregion
Einstellung zum Wolf
5
4
3
2
1
Abbildung 17: Skalenergebnis
Einstellung zum Wolf.
1=sehr negative Einstellung
5=sehr positive Einstellung
[Die Boxplots zeigen jeweils die
Werteverteilung der einzelnen
Stichproben. In der Box sind jeweils
die mittleren 50% der Werte. Die
Mittellinie markiert den Median
(Zentralwert). Die Intervalle unter- und
oberhalb der Box zeigen die restlichen
25% Intervalle. Die Kreise markieren
Ausreißer.]
Skalenmittelwert
3.1.5. Einstellung zum Wolf
Die Einstellung zum Wolf war insgesamt sehr positiv. Im Vergleich zwischen den
Gebieten schnitten die beiden Großstädte tendenziell etwas besser ab, als das
Wolfsgebiet oder das Vergleichsgebiet in Brandenburg (Abbildung 17; ANOVA: df=3,
F=14.6; Post-hoc Tests mit Tamhane Korrektor: nur
Wolfsgebiet-Dresden
,
Brandenburg-
Dresden
und
Wolfsgebiet-Freiburg
und
Brandenburg-Freiburg
p<0.05). An Hand der
Detailfragen ist zu erkennen, dass es im Wolfsgebiet einen Anteil von 10-15% gibt, die
Wölfen gegenüber besonders negativ eingestellt sind. In den anderen drei Gebieten ist
dieser Anteil nur etwa halb so groß (Abbildung 18).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
41
sehr positiv
positiv
teils/teils
negativ
sehr negativ
Fehlend
Prozent
70
60
50
40
30
20
10
0
stimme voll zu
stimme zu
teils/teils
stimme nicht zu
stimme überhaupt nic
Fehlend
70
60
50
40
30
20
10
0
Wie ist Ihre
Einstellung zu
Wölfen?
Die Anwesenheit
von Wölfen erhöht
für mich den Wert
einer Landschaft..
stimme voll zu
stimme zu
teils/teils
stimme nicht zu
stimme überhaupt nic
Fehlend
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wölfe gehören nicht
in unsere
Kulturlandschaft…
stimme voll zu
stimme zu
teils/teils
stimme nicht zu
stimme überhaupt nic
Fehlend
Prozent
70
60
50
40
30
20
10
0
Wölfe wichtig für
künftige
Generationen..
stimme voll zu
stimme zu
teils/teils
stimme nicht zu
stimme überhaupt nic
Fehlend
70
60
50
40
30
20
10
0
Wölfe haben wie
andere Wildtiere
auch ein Recht in D
zu leben…
stimme voll zu
stimme zu
teils/teils
stimme nicht zu
stimme überhaupt nic
Fehlend
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Es gibt genug Wölfe
in anderen Ländern,
es muss in D nicht
auch noch welche
geben….
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
% Antworten
Prozent
% Antworten
Prozent
Abbildung 18: Einzelfragen der Skala Einstellung zum Wolf.
3.1.6.
Einschätzung der Nützlichkeit / Schädlichkeit des Wolfes
Die Fragen, die für eine Skala zur Einschätzung der Nützlichkeit / Schädlichkeit des
Wolfes gedacht waren, können nur als Einzelfragen betrachtet werden, da die
Antworten nicht konsistent waren (Chrombach`s α=0.53; n=711). Aus den Einzelfragen
ist aber zu ersehen, dass Wölfe von der großen Mehrheit nicht als besondere
Bedrohung für Nutz- oder Wildtierbestände angesehen werden. Im Gegenteil, die
meisten Befragten sind der Meinung, Wölfe haben quasi die Funktion einer
Gesundheitspolizei. Allerdings glauben auch nur wenige Befragte, dass die
Anwesenheit der Wölfe sich positiv auf den Tourismus auswirken könnte (Abbildung 19).
Im Vergleich der Gebiete fällt auf, dass mehr Befragte im Wolfsgebiet an große
Schäden an Nutztieren, aber auch an eine positive Auswirkung auf den Tourismus
glauben. In Brandenburg rechnet man dagegen weniger mit Schäden, aber auch nicht
mit einem zunehmenden Tourismus als Reaktion auf Wölfe. In den beiden Städten ist
der Anteil derer, die keine Einschätzung abgeben wollten („weiß nicht“ oder fehlend)
deutlich höher als im Wolfsgebiet und im Vergleichsgebiet in Brandenburg (Abbildung
19).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
42
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
Prozent
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wölfe wirken sich positiv
auf den Tourismus aus
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
Prozent
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wölfe reduzieren den
Wildbestand so, dass
eine Bejagung der
Wildbestände nicht mehr
möglich ist
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
40
30
20
10
0
Gebiet
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wölfe fressen besonders
die alten und kranken
Tiere und halten so den
Wildbestand gesund
Wölfe richten große
Schäden an Nutztieren an
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
Prozent
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wölfe wirken sich positiv
auf den Tourismus aus
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
Prozent
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wölfe reduzieren den
Wildbestand so, dass
eine Bejagung der
Wildbestände nicht mehr
möglich ist
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
40
30
20
10
0
Gebiet
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wölfe fressen besonders
die alten und kranken
Tiere und halten so den
Wildbestand gesund
Wölfe richten große
Schäden an Nutztieren an
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
% Antworten
% Antworten
Abbildung 19: Einschätzung der Nützlichkeit / Schädlichkeit von Wölfen.
3.1.7. Persönliche Betroffenheit
Interessant ist hier, dass die persönliche Betroffenheit im Vergleichsgebiet in
Brandenburg am höchsten ist, sich das Wolfsgebiet aber nicht von den beiden
Großstädten unterscheidet (Abbildung 20; ANOVA: df=3, F=11.2; Post-hoc Tests mit
Tamhane Korrektor: nur
Brandenburg-Wolfsgebiet
,
Brandenburg-Dresden
und
Brandenburg-Freiburg
p<0.05).
Im Wolfsgebiet haben am wenigsten Leute Angst, allein in den Wald zu gehen, sind am
wenigsten um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt und fürchten am wenigsten
Einschränkungen in der Landnutzung oder eine negative Beeinflussung ihres
Freizeitverhaltens durch die Anwesenheit der Wölfe. In Brandenburg, wo die Wölfe
quasi „vor der Tür stehen“, ist die Beunruhigung bzw. der Anteil derer, die sich nicht
sicher sind, was sie zu erwarten haben, deutlich höher und ähnelt eher der Haltung in
den beiden Großstädten (Abbildung 21).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
43
Abbildung 20: Skala der eigenen
Betroffenheit durch die
Anwesenheit von Wölfen.
1=sehr geringe Betroffenheit
5=sehr hohe Betroffenheit
[Die Boxplots zeigen jeweils die
Werteverteilung der einzelnen
Stichproben. In der Box sind jeweils die
mittleren 50% der Werte. Die Mittellinie
markiert den Median (Zentralwert). Die
Intervalle unter- und oberhalb der Box
zeigen die restlichen 25% Intervalle. Die
Kreise markieren Ausreißer.]
N =
305
377
145
170
Freiburg
Dresden
Brandenburg
Wolfsregion
Persönliche Betroffenheit
5
4
3
2
1
Skalenmittelwert
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
Prozent
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…Angst allein in
den Wald zu gehen
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…um die Sicherheit
meiner Kinder
besorgt
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…um die Sicherheit
meiner Haustiere
besorgt
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…um die Sicherheit
meiner Haustiere
besorgt
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
Prozent
100
80
60
40
20
0
Gebiet
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…Finanzielle Einbußen
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
Prozent
100
80
60
40
20
0
Gebiet
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…Finanzielle Einbußen
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…Einschränkungen in
der Landnutzung
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…Einschränkungen in
der Landnutzung
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…Freizeitverhalten
negativ beeinflussen
Fehlend
- -
-
-/+
+
+ +
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
…Freizeitverhalten
negativ beeinflussen
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
Fehlend --
-
-/+
+
++
% Antworten
% Antworten
Abbildung 21: Einzelfragen der Betroffenheitsskala (Skalen der X-Achsen nicht
identisch).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
44
N =
327
396
165
184
Freiburg
Dresden
Brandenburg
Wolfsregion
Wissen
13
12
11
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
Abbildung 22:
Wissensskala.
0=keine Frage richtig
beantwortet.
13=alle 13 Fragen richtig
beantwortet.
[Die Boxplots zeigen jeweils
die Werteverteilung der
einzelnen Stichproben. In der
Box sind jeweils die mittleren
50% der Werte. Die Mittellinie
markiert den Median
(Zentralwert). Die Intervalle
unter- und oberhalb der Box
zeigen die restlichen 25%
Intervalle. Die Kreise
markieren Ausreißer.]
Skalensumme
Wissen
3.1.8. Wissensstand über Wölfe
Der Wissensstand über Wölfe ist allgemein recht niedrig und die wenigsten Befragten
konnten mehr als die Hälfte der Fragen richtig beantworten. Relativ gesehen war der
Wissensstand in der Wolfsregion am höchsten und in Freiburg am niedrigsten
(Abbildung 22; ANOVA: df=3, F=13.3; Post-hoc Tests mit Tamhane Korrektor: P
Wolfsgebiet-
Brandenburg
=0.07
,
P
Wolfsgebiet-Dresden
=0.01, P
Wolfsgebiet-Freiburg
<0.01, P
Brandenburg-Dresden
=0.67
,
P
Brandenburg-Freiburg
<0.05, P
Freiburg-Dresden
=0.12). Dies entsprach auch der
Selbsteinschätzung der Befragten (siehe Kapitel 3.1.4).
Die Fragen, die von der Mehrheit der Befragten richtig beantwortet werden konnten,
waren „Der Wolf ist der Stammvater aller heutigen Hunderassen“, „Ein Wolfsrudel duldet
keine fremden Wölfe in seinem Revier“ und „Woher kommen die freilebenden Wölfe in
Deutschland?“. Die meisten falschen Antworten erhielt die Frage „Der Wolf ist eine
weltweit bedrohte Art“, „Besonders in strengen Wintern leiden Wölfe Hunger“ und
„Wieviele freilebende Wölfe leben heute wieder in Deutschland?“(Tabelle 11).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
45
Tabelle 12:
Häufigkeit und
Qualität der
Information zu
einzelnen
Wissensfragen in
den Printmedien
2001-2005
(N=447).
Grün unterlegt: am
häufigsten richtig
beantwortete Fragen.
Gelb unterlegt: am
seltensten richtig
beantwortete Fragen.
Informationen zu den Themen
% Artikel
Kommentar
Anzahl Wölfe in D
40
fast alle richtig
Herkunft Polen
25
kaum falsche, gelegentlich Tschechien
und Russland, oder Sibirien
Bestandsentwicklung
36
Nachwuchs, Abwanderung, kleine
Population
Größe & Gewicht
5
Schäferhund, gelegentlich bis 80kg
Beute
21
Mäuse bis Hirsch, Wild, Raubzeug,
Regulierung,
Schafe, 1500kg/Jahr
Rudelgröße
5
5-8, 2-10, Familie, Alpha Paar
Territorial
18
70-300 km², leer, menschenarm, TÜP,
wenig Jagd, Abwanderung
Stammvater des Hundes
2
Stammvater aller Hunderassen
Hybriden fertil
4
mehr oder weniger korrekt, nicht immer
nachvollziehbar
Verbreitung in Europa
11
Ost- und Südosteuropa, 20.000 in
Europa, Polen, Spanien, Russland,
Skandinavien nur 120
Gefährdung Mensch
31
Fokus auf Scheu, 5% der Artikel über
Angriffe von Wölfen auf Menschen
Gefährdung Haustiere
28
Schutzmaßnahmen, 20-50 tote Schafe,
Gelegentlich Hunde
Tollwut
1
Hälfte: Gefahr, Hälfte: kein Problem in D
da Impfung
Richtige Antworten (%) auf folgende Fragen:
W
B
D
F
Wie viele freilebende Wölfe leben heute wieder in Deutschland?
34
24
31
15
Woher kommen die freilebenden Wölfe in Deutschland
78
76
70
66
Wieviel wiegt ein durchschnittlicher Wolf in Europa?
51
53
38
42
Was ist die Hauptbeute von Wölfen in Europa
58
49
39
31
Wie viele Wölfe leben im Durchschnitt in einem Wolfsrudel?
51
36
47
39
Im Gegensatz zu einer Hündin kann eine Wölfin nur 1x im Jahr Junge
bekommen.
62
57
56
54
Ein Wolfsrudel duldet keine fremden Wölfe in seinem Revier.
79
73
68
66
Der Wolf ist der Stammvater aller heutigen Hunderassen.
80
80
79
70
Mischlinge aus Wolf und Hund können sich nicht weiter fortpflanzen.
61
56
55
44
Der Wolf ist eine weltweit bedrohte Art.
16
14
8
7
In Europa leben Wölfe vor allem in Skandinavien.
36
33
36
31
Besonders in strengen Wintern leiden Wölfe Hunger.
26
23
19
11
Der Wolf spielt für die Verbreitung der Tollwut keine große Rolle.
42
47
39
43
Tabelle 11: Anteil der richtigen Antworten bei den verschiedenen Wissensfragen
1
. Grün
unterlegt: am häufigsten richtig beantwortete Fragen, Gelb unterlegt: am seltensten richtig beantwortete
Fragen.
1
W=Wolfsgebiet, B=Vergleichsgebiet in Brandenburg, D=Dresden, F=Freiburg
Von den 511 durch Beatrix Stoepel (2006; siehe Teil II) analysierten Artikeln der täglich
oder wöchentlich erscheinenden Printmedien 2001-2005 wurden 447 (87%) auf ihren
Informationsgehalt bezüglich des im Fragebogen abgefragten Wissens hin untersucht.
Ein enger Zusammenhang zwischen der Häufigkeit, mit der eine Information in den
Printmedien gegeben wurde, und der Häufigkeit, mit der einzelne Fragen richtig
beantwortet wurden, konnte dabei nicht festgestellt werden (Tabelle 12). Ganz
offensichtlich holen sich die Bürger ihr Wissen nicht allein aus den Printmedien.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
46
ungeeignet
für wenige Einzeltie
geeignet für eine st
Fehlend
Prozent
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wie beurteilen Sie die
vorhandenen
Lebensräume in
Sachsen/Brandenburg
Fehlend
für Einzeltiere geeignet
für stabile Population geeignet
ungeeignet
ungeeignet
für wenige Einzeltie
geeignet für eine st
Fehlend
Prozent
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wie beurteilen Sie die
vorhandenen
Lebensräume in
Sachsen/Brandenburg
Fehlend
für Einzeltiere geeignet
für stabile Population geeignet
ungeeignet
Abbildung 24: Beurteilung der
Wolfslebensräume in Brandenburg und
Sachsen durch die Befragten in den
Untersuchungsgebieten.
% Antworten
Auf die Frage, ob sie gerne mehr über Wölfe in Deutschland erfahren wollen,
antworteten zwischen 25 und 41% der Befragten mit „nein“. Dies heißt, ein relativ großer
Teil der Befragten ist für Informationsmaterial nicht oder nur sehr schwer erreichbar
(Abbildung 23).
3.1.9. Gewünschter Umgang mit Wölfen in Deutschland
Im Wolfsgebiet geht fast die Hälfte der Befragten davon aus, dass die Lebensräume in
Sachsen und Brandenburg für eine stabile Wolfspopulation geeignet sind. Im
Vergleichsgebiet in Brandenburg sind es etwa 40%, in Dresden 45% und in Freiburg nur
mehr 30%. Ein etwa gleicher Anteil in allen Untersuchungsgebieten (29-35%) ist der
Meinung, die Lebensräume sind nur für Einzeltiere geeignet. Nur eine kleine Minderheit
hält hält die Lebensräume in Sachsen und Brandenburg für ungeeignet (Abbildung 24).
Außerhalb des Wolfsgebietes sind sich allerdings 20% nicht sicher, was sie denken
sollen („weiß nicht“ oder fehlende Antworten).
Würden Sie gerne mehr über Wölfe in D erfahren?
41
38
25
34
52
56
70
58
0%
20%
40%
60%
80%
100%
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
% Antworten
Fehlend
Ja
Nein
Abbildung 23:
Interesse an mehr
Information über
Wölfe.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
47
keine Wölfe
weniger Wölfe
soviel Wölfe wie heu
mehr Wölfe
Fehlend
Prozent
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Welche zukünftige
Bestandsentwicklung
würden Sie sich für
Wölfe in D wünschen?
Fehlend
wie heute
keine
mehr
weniger
keine Wölfe
weniger Wölfe
soviel Wölfe wie heu
mehr Wölfe
Fehlend
Prozent
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Welche zukünftige
Bestandsentwicklung
würden Sie sich für
Wölfe in D wünschen?
Fehlend
wie heute
keine
mehr
weniger
% Antworten
Die Entwicklung der Wolfspopulation in den letzten 5 Jahren wurde im Wolfsgebiet von
einem Großteil der Befragten als „zunehmend“ empfunden. In Brandenburg und
Dresden war nur die Hälfte der Befragten dieser Meinung und in Freiburg nur ein Drittel
(Abbildung 25).
Nur knapp ein Drittel aller Befragten im Wolfsgebiet wünscht sich mehr Wölfe. In
Brandenburg sind es etwa 40%, in Dresden 60% und in Freiburg knapp die Hälfte.
Keine oder weniger Wölfe wollen fast 20% im Wolfsgebiet und ebenso viele im
Vergleichsgebiet in Brandenburg; in den beiden Großstädten sind es deutlich weniger
„Wolfsgegner“ (Abbildung 26).
Wie schätzen Sie die Bestandsentwicklung von Wölfen
in D in den letzten 5 Jahren ein
70
50
47
34
17
11
13
17
4
11
15
21
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Wolfsgebiet
Brandenburg
Dresden
Freiburg
% Antworten
fehlend
Abnahme
gleichbleibend
Zunahme
Abbildung 25:
Empfundene
Bestands-
entwicklung
von Wölfen in
Deutschland.
Abbildung 26: Zukünftig gewünschte
Bestandsentwicklung für Wölfe in
Deutschland.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
48
nicht akzeptabel
tolerierbar
biologisch notwendig
Fehlend
Prozent
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Fehlend
ja
nein
100
80
60
40
20
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Halten Sie den Wolf als ehemals
einheimische Tierart in der heutigen
Kulturlandschaft für:
Würden Sie gezielte Aussetzungen
von Wölfen unter wissenschaftlicher
Begleitung in geeigneten Gebieten
akzeptieren, um die natürliche
Zuwanderung zu unterstützen?
Fehlend ja nein
% Antworten
Der Großteil der Befragten hält den Wolf in unserer Kulturlandschaft für tolerierbar oder
sogar biologisch notwendig. Wieder ist der Anteil derer, die klar gegen Wölfe sind, im
Wolfsgebiet, aber auch im Vergleichsgebiet in Brandenburg deutlich höher; wieder liegt
die Ablehnung bei ~10% (Abbildung 27).
Einer gezielten Aussetzung von Wölfen zur Bestandsstützung stimmen im Wolfsgebiet
etwa gleich viele Befragte zu wie sie ablehnen. Im Vergleich der Untersuchungsgebiete
ist die Zustimmung für eine Aussetzung umso höher, je weiter weg die Befragten vom
Wolfsgebiet leben (Abbildung 27).
Abbildung 27: Meinungen zu Wölfen in unserer Kulturlandschaft bzw. zu gezielten
Aussetzungen (Skala der X-Achsen nicht identisch).
In eine ähnliche Richtung zielt daher auch die Frage, wie nah am Wohnort die Befragten
die Gegenwart von Wölfen tolerieren würden. Hier wollten eigentlich nur ~10% Wölfe
wirklich näher als 1 km an ihrem Wohnort haben. Im Wolfsgebiet und im
Vergleichsgebiet in Brandenburg wollten wieder ~10% keine Wölfe haben (Abbildung
28).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
49
keine Wölfe
> 100 km
> 10 km
6-10 km
1-5 km
unter 1 km
Fehlend
Prozent
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Abbildung 28: Toleranz der Befragten
gegenüber der Gegenwart von Wölfen an
ihrem Wohnort.
Wie nah zu Ihrem Wohnort würden Sie
die Gegenwart von Wölfen tolerieren?
% Antworten
Die Akzeptanz der Befragten für verschiedene Szenarien von Wolfsverhalten war
erwartungsgemäß für Wölfe in Schutzgebieten am höchsten und für Wölfe, die
Menschen bedrohen, am niedrigsten (Abbildung 29).
Die Unterschiede zwischen den Untersuchungsgebieten waren zumeist gering:
In der Akzeptanz von Wölfen, die Menschen bedrohen, gab es keinerlei Unterschied
zwischen den Gebieten (ANOVA: df=3, F=2.3, p=0.08).
Bei der Akzeptanz von Hybriden waren die Unterschiede zwischen dem Wolfsgebiet
und den beiden Großstädten, sowie Brandenburg und Dresden signifikant (ANOVA:
df=3, F=14.8; Post-hoc Tests mit Bonferroni Korrektur: nur
Wolfsgebiet-Dresden
,
Wolfsgebiet-Freiburg
und
Brandenburg-Dresden
p<0.05).
Die Akzeptanz für das Töten von Hunden und Katzen durch Wölfe war in den beiden
Großstädten signifikant höher als im Wolfsgebiet und in Brandenburg (ANOVA: df=3,
F=8.5; Post-hoc Tests mit Tamhane Korrektur: nur
Wolfsgebiet-Dresden
,
Wolfsgebiet-Freiburg
,
Brandenburg-Dresden
und
Brandeburg-Freiburg
p<0.05). In
den beiden Großstädten war der Anteil an Katzen- und Hundebesitzer allerdings
auch deutlich niedriger als in den beiden ländlichen Gebieten (Tabelle 6).
Die Akzeptanz für das das Töten von Nutztieren durch Wölfe war in den beiden
Großstädten ebenfalls signifikant höher als im Wolfsgebiet und in Brandenburg.
Allerdings war hier der Unterschied Wolfsregion-Dresden nicht signifikant war
(ANOVA: df=3, F=9.9; Post-hoc Tests mit Bonferroni Korrektur: nur
Wolfsgebiet-
Freiburg, Brandenburg-Dresden und Brandenburg-Freiburg
p<0.05). Wiederum ist
der Anteil der Nutztierbesitzer in den beiden Großstädten natürlich deutlich geringer
als in den beiden ländlichen Gebieten (Tabelle 5).
Die Akzeptanz von Wölfen in der Nähe von Siedlungen unterschied sich nur
signifikant zwischen Brandenburg und Dresden (ANOVA: df=3, F=5.2; Post-hoc
Tests mit Bonferroni Korrektur: nur
Brandenburg-Dresden und
p<0.05). Die
Akzeptanz von Wölfen in Schutzgebieten war im Wolfsgebiet signifikant niedriger, als

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
50
3.8
3.2
2.3
2.0
2.1
1.5
4.3
2.9
2.2
2.0
2.3
1.6
4.4
3.4
2.5
2.4
2.9
1.6
4.5
3.1
2.7
2.4
2.5
1.7
1.00
1.50
2.00
2.50
3.00
3.50
4.00
4.50
5.00
Schutzgebieten
Nähe von
Siedlungen
töten Nutztiere
töten Hunde
oder Katzen
Hybriden aus
Hund + Wolf
bedrohen
Menschen
Mittelwert
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
in den anderen drei Untersuchungsgebieten (ANOVA: df=3, F=17.5; Post-hoc Tests
mit Tamhane Korrektur: nur
Wolfsgebiet-Brandenburg
,
Wolfsgebiet-Dresden
und
Wolfsgebiet-Freiburg
p<0.05). Warum die Akzeptanz für Wölfe in Schutzgebieten im
Wolfsgebiet deutlich niedriger ist, ist seltsam und lässt sich hier nicht klären.
Abbildung 29: Mittlere Zustimmung für verschiedene Szenarien von Wölfen in
Deutschland (1= keine Akzeptanz, 5=sehr hohe Akzeptanz; Originaltext siehe
Fragebogen Anhang 2).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
51
3.8
3.2
2.4
2.6
2.1
1.8
3.0
2.3
2.4
2.5
1.7
3.9
3.3
2.7
2.8
2.9
2.0
3.2
2.7
2.7
2.8
1.9
3.8
3.9
1.00
1.50
2.00
2.50
3.00
3.50
4.00
Schutzgebieten
Nähe von
Siedlungen
töten Nutztiere
töten Hunde
oder Katzen
Hybriden aus
Hund + Wolf
bedrohen
Menschen
Mittlere Stärke der Maßnahme
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Die Präferenz für Managementmaßnahmen entsprach in etwa der mittleren Akzeptanz
der vorgegebenen Szenarien des Wolfsverhaltens (Abbildung 30).
Im Vergleich der Gebiete war die Bereitschaft für massive Managementmaßnahmen,
also Fang & Gehege oder Abschuss / Tötung, in den beiden Großstädten etwas
geringer als im Wolfsgebiet und im Vergleichsgebiet in Brandenburg:
Wölfe in Naturschutzgebieten ANOVA: df=3, F=2.1, P=0.103;
Wölfe in der Nähe zu Siedlungen ANOVA: df=3, F=7.1, p<0.001, Post-hoc Tests mit
Bonferroni Korrektur: nur
Wolfsregion-Brandenburg
und
Brandenburg-Dresden
p<0.05;
Wölfe töten Nutztiere ANOVA: df=3, F=14.5, p<0.05, Post-hoc Tests mit Tamhane
Korrektur: nur
Wolfsregion-Dresden, Wolfsregion-Freiburg, Brandenburg-Dresden
und
Brandenburg-Freiburg
p<0.05;
Wölfe töten Katzen und Hunde ANOVA: df=3, F=9.6, Post-hoc Tests mit Tamhane
Korrektur: nur
Wolfsregion-Dresden, Brandenburg-Dresden
und
Brandenburg-
Freiburg
p<0.05;
Hybriden aus Hund und Wolf: ANOVA: df=3, F=22.3, Post-hoc Tests mit Tamhane
Korrektur: alle Paare bis auf
Brandenburg-Freiburg
und
Freiburg-Dresden
p<0.05;
Wölfe bedrohen Menschen: ANOVA: df=3, F=4.0, Post-hoc Tests mit Tamhane
Korrektur: nur
Brandenburg-Dresden
und
Brandenburg-Freiburg
p<0.05).
Abbildung 30: Mittlere Zustimmung für Managementmaßnahmen entlang eines
Gradienten von keine Maßnahme (4,0) über Abschreckung / Vertreibung (3,0), Fang &
Gehege (2,0) bis Abschuss / Tötung (1,0).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
52
nein, nie
nur in Ausnahmefälle
ja, teilweise
ja, zu 100%
Fehlend
Prozent
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
nein, nie
nur in Ausnahmefälle
ja, teilweise
ja, zu 100%
Fehlend
70
60
50
40
30
20
10
0
Gebiet
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Sollen Jäger für
Wildtiere entschädigt
werden …
Sollen Landwirte für
Nutztiere entschädigt
werden…
% Antworten
3.1.10. Akzeptanz von Kompensationszahlungen
Die Mehrheit der Befragten stimmt Kompensationszahlungen an Landwirte für Nutztiere
zu. Die Zustimmung für 100% Kompensation ist im Wolfsgebiet deutlich höher als in den
drei anderen Gebieten, wo man eher zu einer nur anteiligen Kompensation tendiert
(Abbildung 31).
Eine Kompensation bei Wildtieren wird von der Mehrheit entweder abgelehnt oder nur in
Ausnahmefällen unterstützt. Im Wolfsgebiet und im Vergleichsgebiet in Brandenburg
sind mehr Befragte dafür, auch für Wildtiere Kompensation zu zahlen, als in den beiden
Großstädten (Abbildung 31).
Abbildung 31: Zustimmung der Befragten zu Kompensationszahlungen.
Nach dem möglichen Finanzier von Kompensationszahlungen gefragt, favorisierten die
Befragten im Wolfsgebiet und im Vergleichsgebiet in Brandenburg ganz klar die EU,
gefolgt vom Deutschen Staat und von Naturschutzorganisationen. Bei den Befragten
aus Dresden und Freiburg liegt die Präferenz etwa zu gleichen Teilen bei der EU und
dem Deutschen Staat, ebenfalls gefolgt von Naturschutzorganisationen (Abbildung 32).
Selbst etwas zu den Kompensationszahlungen möchten weniger als die Hälfte der
Befragten beitragen, am wenigsten bereit dazu sind die Befragten im Wolfsgebiet,
gefolgt vom Vergleichsgebiet in Brandenburg, Dresden und schließlich Freiburg.
Immerhin waren aber 40% aller Befragten bereit für den Schutz der Wölfe in
Deutschland zu spenden und zwar in einer Größenordnung von insgesamt 6000 EURO.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
53
Fehlend
keine Entschädigung
Spendengelder
Naturschutzorg.
Nutztierhalter/Jäger
Deutscher
Staat
EU
weiß nicht
Prozent
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wer sollte im Falle von
Entschädigungs-
zahlungen für die
Kosten aufkommen?
> 100 EURO
bis 100 EURO
bis 50 EURO
bis 10 EURO
1-5 Euro
nichts
Fehlend
70
60
50
40
30
20
10
0
Wolfsregion
Brandenburg
Dresden
Freiburg
Wie viel Geld wären sie
bereit jährlich für den
Schutz von Wölfen in
Deutschland zu
spenden?
% Antworten
Abbildung 32: Wer soll für Kompensationszahlungen aufkommen?
Der Anteil der Befragten, die nicht bereit ist, jährlich für den Schutz der Wölfe zu
spenden, korreliert stark mit der Arbeitslosenquote in den entsprechenden
Untersuchungsgebieten (r²=0.86; Wolfsregion 19%, Brandenburg 15%, Dresden 14%
und Freiburg 8%, Genesis 2004).
3.2. Welche Faktoren bestimmen die Einstellung zum Wolf?
Entsprechend des Modells (Abbildung 9, Kapitel 2.6) wurden die folgenden Variablen an
Hand eines Multiplen Linearen Regressionsmodells als mögliche erklärende Variable für
die Einstellung zum Wolf (Skalenwert) getestet:
Soziodemografische Faktoren (Alter, Geschlecht, Ausbildung, Kinder, Hund, Katze)
Gebiet (Dummy oder Stellvertreter Variable für Kategoriale Variable; 1=Ausprägung
liegt vor, 0=Ausprägung liegt nicht vor)
Interessengruppen (Naturschützer, Jäger, Nutztierhalter)
Wissen (Summe)
Bedeutung von Naturfreizeit (Summe)
NEP Skala (Skalenmittelwert)
Eigene Betroffenheit (Skalenmittelwert)
Interesse (Kategorische Variable)
Trend der Wolfspopulation (Kategorische Variable)
Eignung des Lebensraumes (Kategorische Variable)

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
54
Abhängige Variable: "Einstellung
zum Wolf" (Skalenmittelwert)
Standardisierte
Koeffizienten
Beta
T
Signifikanz
Unabhängige Variable
(Konstante)
15.500
<0.001
Wichtigkeit des Themas Wolf in
Deutschland
0.379
14.838
<0.001
Persönliche Betroffenheit
(Skalenmittelwert)
-0.356
-14.199
<0.001
Lebensräume in
Sachsen/Brandenburg geeignet
0.191
-7.681
<0.001
Gebiet im Vergleich zum Wolfsebiet
(Dummy Variable):
Brandenburg
0.130
4.970
<0.001
Dresden
0.152
6.089
<0.001
Freiburg
0.153
6.090
<0.001
Umwelt- und Naturschutz - NEP
Skala (Skalenmittelwert)
0.125
5.381
<0.001
Alter
-0.092
-3.996
<0.001
Naturfreizeit (Summe)
0.059
2.581
0.010
Modelanpassung: R² = 0.65
Wichtigste Faktoren für die Einstellung zum Wolf waren: (1) wie wichtig das Thema für
den Befragten ist (je wichtiger, umso positiver die Einstellung), (2) wie stark der Befragte
sich persönlich von Wölfen betroffen fühlt (je stärker betroffen, umso negativer die
Einstellung) und (3) wie geeignet der Befragte den Lebensraum für Wölfe in
Brandenburg und Sachsen einschätzte (eine positive Lebensraumeinschätzung bewirkt
eine positive Einstellung; Tabelle 13). Das Modell erwies sich als sehr robust und auch
die Residuen (der unerklärte Teil der Restvariabilität) sind normalverteilt und sprechen
gegen einen systematischen Fehler.
Ein praktisch identisches Modell erhält man, wenn man statt eines multiplen linearen
Regressionsmodells ein allgemeines lineares Regressionsmodell verwendet (GLM).
Tabelle 13: Ergebnis des multiplen linearen Regressionsmodells für die abhängige
Variable „Einstellung zum Wolf“ (Skalenmittelwert). Der Standardisierte Koeffizient Beta
und der T-Wert ist ein Maß für die Stärke des Zusammenhangs der erklärenden
Variablen mit der unabhängigen Variable „Einstellung zum Wolf“ (Skalenwert).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
55
Anschließend wurden für die drei Hauptfaktoren, die für die „Einstellung zum Wolf“
ausschlaggebend sind, ebenfalls multilinearen Regressionsmodellen gerechnet. Das
Hauptaugenmerk lag hier darauf zu testen, welche Bedeutung die eher zweitrangigen
Variablen Wissen, Einstellung zur Natur und soziodemografische Variablen haben.
Folgende Variablen wurden in die Modelle aufgenommen:
Soziodemografische Faktoren (Alter, Geschlecht, Ausbildung, Kinder, Hund, Katze)
Interessengruppen (Naturschützer, Jäger, Nutztierhalter)
Wissen (Summe)
Bedeutung von Naturfreizeit (Summe)
NEP Skala (Skalenmittelwert)
Eigene Betroffenheit (Skalenmittelwert; nur für Wichtigkeit des Themas und
Lebensraumeignung)
Naturgemäß ist die Güte der Anpassung dieser nachgeordneten Modelle gering, R² ist
klein und das heißt, dass die Variablen nur einen sehr geringen Teil der beobachteten
Variabilität erklären. Die folgenden Ergebnisse dürfen also nicht überbewertet werden:
Für die persönliche Betroffenheit waren die grundlegende Einstellung zur Natur (je
post-moderner, umso weniger betroffen), Wissen (je größer das Wissen, umso
weniger betroffen), Geschlecht (Frauen fühlen sich eher betroffen als Männer), die
Haltung von Nutztieren (Nutztierhalter fühlen sich eher betroffen) und Alter (je älter,
umso weniger betroffen) wichtig.
Für die Wichtigkeit des Themas waren persönliche Betroffenheit (je betroffener,
umso weniger wichtig ist das Thema Wolf!), Naturfreizeitaktivitäten (je wichtiger,
umso wichtiger das Thema Wolf), Wissen (je größer das Wissen, umso wichtiger das
Thema) und die grundlegende Einstellung zur Natur (je post-moderner, umso
wichtiger das Thema Wolf) ausschlaggebend. Alter und der Besitz von Nutztieren
haben dagegen kaum einen Einfluss;
Für die Einschätzung der Lebensraumeignung waren wiederum die persönliche
Betroffenheit (je betroffener, umso weniger geeignet werden die Lebensräume
eingeschätzt) und Wissen (je größer das Wissen, umso positiver die
Lebensraumeinschätzung) wichtig. Die anderen Variablen Alter, grundlegende
Einstellung zur Natur, Geschlecht und Naturfreizeitaktivitäten spielen kaum eine
Rolle.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
56
Unabhängige Variable
Standardisierte
Koeffizienten
Beta
T Signifikanz
Persönliche Betroffenheit
(Konstante)
17.383
<0.001
Umwelt- und Naturschutz - NEP
Skala (Skalenmittelwert)
-0.238
-7.131
<0.001
Wissen (Summe)
-0.215
-6.416
<0.001
Geschlecht*
0.173
5.188
<0.001
Haben Sie Nutztiere?**
0.143
4.317
<0.001
Alter
-0.133
-3.974
<0.001
Modelanpassung: R²=0.167
Wichtigkeit des Themas
Persönliche Betroffenheit
-0.324
-9.722
<0.001
Naturfreizeit (Summe)
0.202
6.281
<0.001
Wissen (Summe)
0.165
5.078
<0.001
Umwelt- und Naturschutz - NEP
Skala
0.139
4.276
<0.001
Alter
-0.082
-2.578
0.010
Haben Sie Nutztiere?**
-0.089
-2.830
0.005
Modelanpassung: R²=0.280
Lebensraumeignung
(Konstante)
8.362
<0.001
Persönliche Betroffenheit
-0.341
10.011
<0.001
Wissen (Summe)
0.130
-3.871
<0.001
Alter
-0.081
2.451
0.014
Umwelt- und Naturschutz - NEP
Skala
0.081
-2.373
0.018
Geschlecht*
-0.080
2.365
0.018
Naturfreizeit (Summe)
0.070
-2.053
0.040
Modelanpassung: R²=0.200
*Mann=0; Frau=1
**kein Nutztier=0, Nutztier=1
Tabelle 14: Ergebnisse der nachgeordneten multiplen Regressionsmodelle für die drei
wichtigsten Einflussvariablen für die Einstellung zum Wolf. Der Standardisierte
Koeffizient Beta und der T-Wert ist ein Maß für die Stärke des Zusammenhangs der
erklärenden Variablen mit den unabhängigen Variablen „Persönliche Betroffenheit“
(Skalenwert), „Wichtigkeit des Themas“ und „Lebensraumeignung“.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
57
Variable
Pearson
R
P
N
Welche zukünftige Bestandsentwicklung würden Sie sich für
Wölfe in Deutschland wünschen?
0.775
<0.001
835
Wie nah an Ihrem Wohnort würden Sie die Gegenwart von
Wölfen tolerieren?
0.663
<0.001
906
Halten Sie den Wolf als ehemals einheimische Tierart in der
heutigen Kulturlandschaft für
0.583
<0.001
941
Akzeptanz von "Wölfe können in der Nähe von Siedlungen
gesehen werden"
0.554
<0.001
989
keine Maßnahme bei "Wölfe können in der Nähe von Siedlungen
gesehen werden"
0.536
<0.001
954
Würden Sie gezielte Aussetzungen von Wölfen unter
wissenschaftlicher Begleitung in geeigneten Gebieten
akzeptieren, um die natürliche Zuwanderung zu unterstützen?
0.511
<0.001
853
Würden Sie gerne mehr über Wölfe in D erfahren?
0.483
<0.001
957
keine Maßnahme bei "Wölfe leben in Naturschutzgebieten und
NPs, abseits von menschlichen Siedlungen"
0.449
<0.001
959
Wieviel Geld wären Sie bereit jährlich für den Schutz von Wölfen
in D zu spenden?
0.439
<0.001
933
keine Maßnahm bei "Wölfe töten Nutztiere"
0.425
<0.001
937
keine Maßnahme bei "Wölfe töten Hunde oder Katzen"
0.401
<0.001
911
keine Maßnahme bei "Wölfe bedrohen Menschen"
0.275
<0.001
937
keine Maßnahme bei "Wölfe paaren sich mit Haushunden
(Hybriden)"
0.241
<0.001
835
Akzeptanz von "Wölfe töten Nutztiere"
0.183
<0.001
974
Akzeptanz von "Wölfe töten Hunde oder Katzen"
0.158
<0.001
930
Akzeptanz von "Wölfe paaren sich mit Haushunden (Hybriden)"
0.159
<0.001
872
Akzeptanz von "Wölfe bedrohen Menschen"
-0.126
<0.001
961
Wie schätzen Sie die Bestandsentwicklung von Wölfen in D in
den letzten 5 Jahren ein?
0.033
0.348
811
Akzeptanz "Wölfe leben in Naturschutzgebieten und NPs, abseits
von menschlichen Siedlungen"
0.013
0.674
983
Einstellung zum Wolf (Skalenwert)
3.3. Zusammenhang von Akzeptanz und möglichem Umgang mit
Wölfen in Deutschland
Da die Theorie davon ausgeht, dass die Einstellung zu einem Thema Auswirkungen auf
das Handeln, bzw. die Handlungsintension der Befragten hat (Abbildung 2), wurde im
Folgenden der Zusammenhang von Einzelfragen im bevorzugten Umgang mit Wölfen in
Deutschland mit der Einstellung zu Wölfen korreliert.
Der engste Zusammenhang (Pearson Korrelationskoeffizient > 0.5) zwischen einer
Einzelfrage zum Umgang mit Wölfen in Deutschland und der Einstellung zu Wölfen
bestand für: (1) die gewünschte Bestandsentwicklung, (2) der Toleranz zum Wohnort,
(3) Einstufung des Wolfes in der heutigen Kulturlandschaft, (3) der Akzeptanz von
Wolfspräsenz nahe an Siedlungen, (4) keinen Managementmaßnahmen, wenn Wölfe in
der Nähe von Siedlungen gesehen werden, und (5) der Unterstützung von gezielten
Aussetzungen von Wölfen zur Bestandsstützung (Tabelle 15).
Tabelle 15: Korrelation zwischen Einzelfragen zum Umgang mit Wölfen in Deutschland
und der Einstellung zum Wolf (Skalenwert).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
58
Tabelle 16: Anteil positiv und
negativ eingestellter Personen in
den vier Untersuchungsgebieten.
Gebiet
negativ*
positiv*
Wolfsregion
16
62
Brandenburg
9
62
Dresden
3
82
Freiburg
4
73
Gesamt
9 67
*Einstellung Skalenwert: negativ 1-2.5; positiv: 3.5-5
% Stichprobe
3.4. Charakteristika von „Wolfsfreunden“ und „Wolfsgegnern“
Wenn man die Befragten nach ihrem durchschnittlichen Skalenwert „Einstellung zum
Wolf“ in positiv und negativ Eingestellte aufteilt, sieht man nochmals deutlich, dass der
Großteil der Befragten in allen vier Untersuchungsgebieten gegenüber dem Wolf positiv
eingestellt ist. Im Wolfsgebiet gibt es mit 16% den höchsten Anteil negativ eingestellter
Personen (Tabelle 16).
Da es die negativ eingestellten Personen sind, die eine Wiederansiedlung gefährden
können, wurde im Folgenden analysiert, wie sich dieser negativ eingestellte
Personenkreis - unabhängig vom Untersuchungsgebiet - zusammensetzt und in
welchen Faktoren er sich von denen unterscheidet, die Wölfen gegenüber positiv
eingestellt sind.
Die größten Unterschiede in der Zusammensetzung der positiven gegenüber der
negativen Stichprobe waren: (1) Wichtigkeit des Themas Wolf, (2) Persönliche
Betroffenheit, und (3) Einschätzung der Lebensraumeignung (Tabelle 17); also die
Faktoren, die auch schon im multivariaten Modell als Haupteinflussfaktoren identifiziert
wurden (Tabelle 13). Hinzu kommt allerdings, dass der Anteil an Nutztierhaltern und
Jägern in der negativen Stichprobe deutlich höher ist (Tabelle 17). Nur 16% der
Befragten in der negativen Stichprobe haben Interesse an mehr Informationen zum
Thema Wolf. Sie sind damit für gedrucktes Material sehr schwer zu erreichen (Tabelle
17).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
59
Tabelle 17: Vergleich
der Zusammensetzung
von negativer
Stichprobe
(„Wolfsgegner“),
Gesamtstichprobe und
positiver Stichprobe
(„Wolfsfreunde“).
Variable
Negative
Stichprobe
Alle
Positive
Stichprobe
NEP Scala (Mittelwert)
3.4
3.7
3.8
Naturfreizeit (Mittelwert)
26.1
25.3
25.9
Wolf ist wichtiges Thema (%)
3
33
45
Persönliche Betroffenheit (Mittelwert)
3.3
2.1
1.8
Glauben es werden mehr Wölfe (%)
60
53
56
Wissen (Mittelwert)
5.1
0.1
6.5
Lebensraum geeignet für stabile
Wolfspopulation (%)
5 41
54
Alter (Mittelwert)
53
44
42
Alter (Spanne)
17-83
16-84
16-83
Frauen (%)
43
49
48
Männer (%)
47
48
50
Universität + Fachhochschule (%)
21
34
38
Kinder ja (%)
19
31
32
Hund ja (%)
24
22
23
Katze ja (%)
35
34
35
Nutztiere ja (%)
25
12
10
Jäger ja (%)
16
2
3
Naturschützer ja (%)
77
7
Wollen mehr über Wolf wissen (%)
16
58
72
3.5. Mündliche Kurzumfrage
3.5.1. Assoziationskategorien
Die aufgenommenen Assoziationen konnten in die folgenden 21 Kategorien eingeteilt
werden:
(1)
Angst/ Böse
(z.B. „Gefährlich“, „Aggressiv“)
(2)
Negatives Erscheinungsbild
(z.B. „Zähne“, „Gelbe Augen“)
(3)
Schäden an Haustieren
(z.B. „Hat ein Schaf gerissen“)
(4)
Schaden für die Jagd
(z.B. „Macht das Wild kaputt“)
(5) Deutschland ungeeignet
(z.B. „Nicht in den Schwarzwald zurück“)
(6) Raubtier / Fleischfresser
(7)
Neutral
(z.B. „Grau“, „Fell“)
(8)
Wald / Heide
(9)
Rudel
(z.B. „Rudeltier“)
(10)
Hund
(z.B. „Hundeähnlich“, „Schäferhund“)
(11)
Ortsbezug woanders
(z.B. „Wölfe im Bayrischen Wald“)
(12)
Rückkehr nach Deutschland
(z.B. „Kommen nach Deutschland zurück“)
(13)
Ortsbezug Wolfsregion
(z.B. „Leben auf den TÜP“, „Lebt in Sachsen“)
(14)
Bedrohte Tierart
(z.B. „Selten“, „Gibt es nicht mehr“, „In Deutschland
ausgestorben“ )
(15)
Deutschland geeignet
(z.B. „Sofort wieder im Schwarzwald ansiedeln“)
(16)
Ungefährlich
(z.B. „Scheu“, „Ungefährlich“)
(17)
Positives Erscheinungsbild
(z.B. „Schön“, „Majestätisch“)

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
60
Kategorien
Elzach
Freiburg Spremberg Weisswasser Summe
Angst/Böse
12
17
18
14
16
Negatives Erscheinungsbild
2
4
1
2
2
Schäden an Haustieren
0
2
2
1
2
Schaden für Jagd
0
0
3
1
1
Deutschland ungeeignet
8
1
1
0
2
eher negativ
22
24
25
18
22
Raubtier/Fleischfresser
0
3
20
9
10
Neutral
12
2
5
9
7
Wald/Heide
2
0
2
7
3
Rudel
2
5
2
4
3
Hund
8
11
7
7
8
eher neutral
24
21
35
36
31
Ortsbezug - woanders
0
3
0
0
1
Rückkehr nach Deutschland
0
3
2
0
1
Ortsbezug Wolfsregion
0
0
7
11
6
Bedrohte Tierart
10
13
4
4
7
Deutschland geeignet
4
2
0
0
1
Ungefährlich
2
3
2
2
2
Positives Erscheinungsbild
2
5
5
8
6
Missverstanden
4
1
1
1
1
Wildnis/Frei/Wild
8
13
5
8
8
eher positiv
30
43
25
33
33
Märchen/Film/Literatur
16
8
12
11
11
Diverses
8
4
2
3
4
(18)
Missverstanden
(z.B. „Vom Menschen missverstanden“, „Mit Vorurteilen
behaftet“)
(19) Wildnis
,
Frei, Wild
(z.B. „Ursprünglich“, „Instinkt“)
(20) Märchen/ Film/ Literatur
(z.B. „Rotkäppchen und der Wolf“, „Der mit dem Wolf
tanzt“)
(21) Divers
Bei den spontanen Assoziationen zum Wolf überwogen in der Summe die eher positiv
oder neutral belegten Kategorien. Den höchsten Anteil aller Einzelkategorien belegte
allerdings Kategorie (1) „Angst / Böse“. Die Assoziation der „böse Wolf“ sitzt also immer
noch ziemlich tief. Auch Märchen wie Rotkäppchen waren eine durchaus häufige,
spontane Assoziation. Schäden an Haustieren gehörten nur ganz selten zu den
spontanen Assoziationen.
Tabelle 18: Spontane Assoziation von 400 Befragten zum Wildtier Wolf (Angaben in %).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
61
Ort
nein
nein/ja
egal
ja, wenn.. ja
weiss nicht
Weißwasser 8 2 7 4 77 3
Spremberg
14
4
7
17
55
3
Summe
11
3
7
11
66
3
3.5.2. Einstellung zum Wolf
Auf die Frage, wie ihre Einstellung zu Wölfen ist, antworteten in Weißwasser und
Spremberg 45% mit „positiv“, 50% mit „neutral“ und 5% mit „negativ“ (Tabelle 19). Man
kann diese Antwortenverteilung nicht direkt mit Abbildung 18 oder Tabelle 16
vergleichen, da den Antworten unterschiedliche Skalen zugrunde liegen. Im Fragebogen
waren die Antworten von 1-5 (sehr positiv, positiv, neutral, negativ, sehr negativ)
skaliert, bei der mündlichen Befragung jedoch nur von 1-3 (positiv, neutral, negativ). In
der Kurzumfrage äußerten sich die Leute jedoch deutlich stärker neutral, als bei der
schriftlichen Umfrage (vergl. Tabelle 16).
Tabelle 19: Einstellung zum Wolf von 250 Befragten in Weißwasser und Spremberg.
Ort
Negativ (%)
Neutral (%)
Positiv (%)
Weißwasser
3
49
48
Spremberg
7
51
42
Mittelwert
5
50
45
Obwohl im Schnitt nur 5% der Befragten Wölfen gegenüber negativ eingestellt sind,
finden es 11% nicht gut, dass wieder Wölfe in der Region leben (Tabelle 20). Die 11%
Ablehnung der Wölfe deckt sich mit den Zahlen aus dem Fragebogen (siehe Abbildung
26, Abbildung 27, Abbildung 28). In Spremberg fiel die Umfrage etwas negativer aus, als
in Weißwasser. Allerdings ist die Stichprobe doch relativ klein.
Tabelle 20: Finden Sie es gut, dass es wieder Wölfe in der Region gibt?

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
62
3.6. Direkter Vergleich identischer Fragen mit anderen Studien
3.6.1.
Jägerumfrage in Sachsen 2005
Im Jahr 2005 wurden von Michaela Hauptmann im Rahmen einer Diplomarbeit 257
Jäger im bzw. am Rand des Wolfsgebiets zum Wolf befragt (Jägerumfrage). Ein Teil der
Daten wurde anschließend von Gärtner und Hauptmann (2005) veröffentlicht. Drei
Fragen aus dem Jägerfragebogen wurden auch in dieser Studie verwendet und im
Folgenden werden die Antworten der Befragten im Wolfsgebiet (Bürgerumfrage) mit
denen aus der Jägerumfrage verglichen.
Bei allen drei Fragen fällt der große Unterschied in der Antwortenverteilung zwischen
Bürgern und Jägern sofort ins Auge. Während die Hälfte der befragten Bürger die
Lebensräume in Sachsen und Brandenburg für eine stabile Wolfspopulation geeignet
hält, sind nur 11% der Jäger dieser Meinung. Auch ist der Anteil derer, die die
Lebensräume für ungeeignet halten, unter den Jägern ungleich höher als unter den
Bürgern (Abbildung 33).
Im Gegensatz zu fast einem Viertel der Bürger hält kaum ein Jäger den Wolf für
biologisch notwendig. Während nur 10% der Bürger Wölfe in der heutigen
Kulturlandschaft für nicht akzeptabel halten, tun dies ganze 43% der Jäger (Abbildung
34).
Die Frage nach der Akzeptanz von gezielten Aussetzungen kann auf Grund des
unterschiedlich angebotenen Antwortenkatalogs nicht 1:1 verglichen werden (die
Antwort „nur in begründeten Einzelfällen“ gab es in der Bürgerumfrage nicht). Auffällig
ist aber, dass trotz einer differenzierteren Auswahl an Antworten 66% der Jäger strikt
gegen eine Aussetzung zur Unterstützung der natürlichen Zuwanderung und nur 9%
dafür waren. Die Ablehnung von Aussetzungen ist auch unter den Bürgern im
Wolfsgebiet noch hoch, allerdings sind etwa gleich viele dagegen wie dafür (Abbildung
35).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
63
22
63
7
2
10
48
43
5
0
10
20
30
40
50
60
70
Fehlend
biologisch
notwendig
tolerierbar
nicht akzeptabel
% Antworten
diese Studie (Wolfsgebiet, N=327)
Jägerumfrage (N=257; Gärtner &
Hauptmann 2005)
11
50
32
6
7
11
48
35
0
10
20
30
40
50
60
Fehlend
für stabile
Population geeignet
für Einzeltiere
geeignet
ungeeignet
% Antworten
diese Studie (Wolfsgebiet, N=327)
Jägerumfrage (N=257; Gärtner & Hauptmann 2005)
17
43
40
0
9
25
66
0
10
20
30
40
50
60
70
Fehlend
ja(1) / hab ich
nichts dagegen(2)
nur in begründeten
Einzelfällen(2)
nein(1) / auf keinen
Fall(2)
% Antworten
diese Studie (Wolfsgebiet, N=327)
Jägerumfrage (N=257; Gärtner & Hauptmann 2005)
Abbildung 33:
Wie beurteilen
Sie die
vorhandenen
Lebensräume in
Sachsen /
Brandenburg?
Abbildung 34:
Halten Sie den
Wolf als
ehemals
einheimische
Tierart in der
heutigen
Kulturlandschaft
für….?
Abbildung 35:
Würden Sie die
gezielte
Aussetzung von
Wölfen unter
wissenschaftlich
er Begleitung in
geeignete
Gebiete
akzeptieren, um
die natürliche
Zuwanderung zu
unterstützen?

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
64
Gebiet
Mittelwert
N
Region
Zielgruppe
Referenz
Wolf
Deutschland
3.8
324
Freiburg + Dresden
allg. Bevölkerung
diese Studie
Deutschland
3.5
690
Wolfsgebiet Sachsen +
Vergleichsgebiet in Brandenburg
allg. Bevölkerung
diese Studie
Litauen
3.5
486
Litauen
allg. Bevölkerung
Balciauskiene und Balciauskas 2001
USA
3.3
371
Wyoming
allg. Bevölkerung
Bath 1991
Frankreich
3.2
402
Savoi
allg. Bevölkerung
Bath 2000
Österreich
3.1
1592
Ötscher / Hochschwab
allg. Bevölkerung
Leizinger 2005
Frankreich
3.0
393
Alp Maritime
allg. Bevölkerung
Bath 2000
Kroatien
2.8
402
Gorski Kotar
allg. Bevölkerung
Bath und Majic 2001
Kroatien
2.3
401
Lika
allg. Bevölkerung
Bath und Majic 2001
Kroatien
2.3
406
Dalmatien
allg. Bevölkerung
Bath und Majic 2001
Mongolia
2.5
126
Gobi & Khangai
Hirten
Enksaikhaan & Kaczensky unpubl.
Bär
Kroatien
4.0
283
Kerngebiet
allg. Bevölkerung
Majic 2003
Kroatien
3.9
214
Randgebiet
allg. Bevölkerung
Majic 2003
Slowenien
3.5
434
Kerngebiet
allg. Bevölkerung
Kaczensky et al. 2004
Slowenien
3.5
448
Randgebiet
allg. Bevölkerung
Kaczensky et al. 2004
Österreich
3.5
1612
Ötscher / Hochschwab
allg. Bevölkerung
Leizinger 2005
Norwegen
3.1
180
Randgebiet
allg. Bevölkerung
Norwegen
2.9
119
Kerngebiet
allg. Bevölkerung
Szinovatz 1997
Luchs
Litauen
3.8
486
Litauen
allg. Bevölkerung
Balciauskiene und Balciauskas 2001
Österreich
3.5
1590
Ötscher / Hochschwab
allg. Bevölkerung
Leizinger 2005
3.6.2.
Einstellung zu Großraubtieren im Vergleich
Wie ist die Einstellung zum Wolf in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern oder
Regionen? Auch wenn die einzelnen Studien sicher nicht ohne weiteres 1:1 verglichen
werden können, so zeigt ein Blick auf Tabelle 21, dass Deutschland im Vergleich sehr
gut dasteht, ja sogar „Spitzenreiter“ in Sachen Wolfsakzeptanz ist. Besser weg kommen
eigentlich nur die Bären in Kroatien.
Tabelle 21: Einstellung zu Großraubtieren basierend auf dem Mittelwert der einzelnen
Frage „Wie ist Ihre Einstellung zu….?“ Oder „Mögen Sie ….?“ – Sehr positiv/Ja sehr (5),
positiv/ja (4), neutral (3), negativ/nein (2), sehr negativ/nein, überhaupt nicht (1).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
65
1.00
1.50
2.00
2.50
3.00
3.50
4.00
4.50
5.00
Schutzgebieten
Nähe von Siedlungen
töten
Nutztiere
töten
Hunde oder
Katzen
bedrohen
Menschen
Mittelwert
Deutschland (N=1072; diese Studie)
Norwegen (N=3134; Kleiven et al. 2004)
3.6.3.
Umgang mit dem Wolf
Die Fragen 5-16 im Abschnitt V. Umgang mit Wölfen entsprachen dem Fragenkatalog
von Kleiven et al. (2004). Im Vergleich zwischen Deutschland und Norwegen ist die
Akzeptanz für verschiedene Szenarien des Wolfsverhaltens in Deutschland immer
höher. Besonders auffällig ist die höhere Bereitschaft, Wölfe auch in der Nähe von
Siedlungen zu tolerieren und Schäden an Nutztieren hinzunehmen (Abbildung 36).
Abbildung 36: Vergleich der mittleren Akzeptanz für verschiedene Szenarien von
Wolfsverhalten in Norwegen und Deutschland (1=gar keine Akzeptanz, 5=sehr hohe
Akzeptanz; Originaltext siehe Fragebogen im Anhang 2 und Kleiven et al. (2004)).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
66
4. Diskussion
4.1. Methodik
Die Organisation der Verteilung außerhalb von Dresden und Freiburg erwies sich als
extrem aufwändig und kam nur wegen des hohen Engagements aller Beteiligten
überhaupt zustande. Die erzielten Rücklaufquoten waren aber, mit einigen Ausnahmen,
sehr gut (Tabelle 3). Auch die Zusammensetzung der Stichproben war besser als erhofft
und wich nur im Hinblick auf die Ausbildung deutlich vom Bevölkerungsprofil der
Untersuchungsgebiete ab. In der multivariaten Analyse der möglichen Einfußvariablen
zeigte sich zudem, dass soziodemografische Variablen nur einen sehr geringen Einfluss
auf die Einstellung zum Wolf haben. Einzig das Alter hatte einen signifikanten Einfluss,
allerdings war auch dieser sehr gering (Tabelle 13).
Der Fragebogen war sehr lang, was eine komplexe Analyse vieler verschiedener
Fragenkomplexe erlaubte, viele Befragten aber an die Grenzen ihrer Geduld brachte.
Obwohl sich mehrere Befragte darüber auch auf der Rückseite beschwerten, füllte fast
niemand den Fragebogen nur teilweise aus. Durch den persönlichen Kontakt zu den
Bewohnern der Region konnten zudem auch Daten zu den Nicht-Beantwortern
gesammelt werden. Bei den Nicht-Beantwortern ist eine Verzerrung zu älteren Personen
und Frauen feststellbar. In der endgültigen Stichprobe sind diese jedoch nicht
unterrepräsentiert, was vermuten lässt, dass sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit
zu Hause angetroffen werden (z.B. Hausfrauen und Rentner, siehe auch Wenzel 2006,
Anhang I, diese Studie).
Allerdings wurde klar, und zwar in allen vier Untersuchungsgebieten und bei der
mündlichen Kurzumfrage, dass die Bereitschaft, an einer Umfrage mitzumachen, unter
extremen Wolfsgegnern sehr gering ist. Sie sind deshalb in der Stichprobe sicher
unterrepräsentiert. Für das Ergebnis der Umfrage heißt dies, dass sie ein positiveres
Bild zeichnet, als es in der gesamten Bevölkerung tatsächlich vorherrscht. Festzuhalten
bleibt aber auch, dass die extremen Wolfsgegner eine kleine Minderheit sind.
Insgesamt gesehen war die Verteilung an der Haustür also aufwendig, hat aber zu dem
gewünschten Erfolg geführt, tatsächlich eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung
zum Thema Wölfe in Deutschland zu befragen.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
67
4.2. Wölfe in Deutschland
Die Studie belegt, dass die Einstellung zum Wolf in Deutschland bei der Mehrheit der
Bevölkerung positiv ist (Abbildung 17, Abbildung 18). Nur eine Minderheit befürchtet
große Schäden an Haus- und Wildtieren (Abbildung 19) oder fühlt sich oder seine
Kinder durch die Anwesenheit der Wölfe bedroht (Abbildung 21). Zudem ist die Mehrheit
der Bevölkerung der Meinung, dass die Lebensräume in Sachsen und Brandenburg für
eine stabile Wolfspopulation, oder zumindest für Einzeltiere geeignet sind (Abbildung
24), und sie halten Wölfe in unserer heutigen Kulturlandschaft für tolerierbar oder sogar
für biologisch notwendig (Abbildung 27).
Für die meisten Befragten hatte das Thema Wölfe in Deutschland allerdings einen
geringen Stellenwert (Abbildung 16). Auffallend ist ferner der geringe Wissensstand
(Abbildung 22, Tabelle 11). Sehr hoch ist auch der Anteil derer, die nicht mehr über
Wölfe in Deutschland erfahren wollen (Abbildung 23). Dies spricht dafür, dass viele der
Befragten sich mit dem Thema Wölfe in Deutschland bisher kaum auseinandergesetzt
haben und ihre Einstellung nicht sehr gefestigt ist. Wird das Thema Wölfe dann plötzlich
von den Medien groß aufgegriffen und kontrovers diskutiert, besteht die Gefahr, dass
die Meinung dieser Leute von einer schwach positiven zu einer ausgeprägt negativen
Haltung kippt (Typ „ambivalenter Wolfsfreund“, Caluori 1999, Enck und Brown 2000).
Hauptfaktoren, die bestimmen, wie positiv oder negativ jemand Wölfen gegenüber
eingestellt ist, waren die Wichtigkeit des Themas Wölfe in Deutschland, die eigene
Betroffenheit und die Einschätzung der Lebensraumeignung in Sachsen und
Brandenburg. Soziodemografische Faktoren wie Ausbildung, Geschlecht, oder die
Anwesenheit von Kindern oder Haustieren im Haushalt der Befragten spielten dagegen
keine Rolle, ebenso wenig wie der allgemeine Wissensstand (Tabelle 13). Ein ähnliches
Ergebnis lieferte eine Umfrage zu Bären in Slowenien (Kaczensky et al. 2004). Auch
dort spielten soziodemografische Faktoren und Wissen eine untergeordnete Rolle. Viel
wichtiger waren dagegen die empfundene Nützlichkeit/Schädlichkeit des Bären und die
geschätzte Gefährlichkeit für den Menschen (Angst). Im Wolfsfragebogen setzten sich
die Fragen zur eigenen Betroffenheit ebenfalls aus Einzelfragen zusammen, die sowohl
auf die eigene Angst vor dem Wolf, als auch vor Übergriffen auf Haus- und Nutztiere
abzielten. Zahlreiche andere Arbeiten zeigen ebenfalls, dass die eigene Betroffenheit
einer der Schlüsselfaktoren für die Einstellung gegenüber Wölfen ist (Williams et al.
2002).
Je mehr man sich persönlich betroffen fühlt, umso wichtiger ist einem ein Thema (siehe
auch Tabelle 14). Vor diesem Hintergrund überrascht der hohe Stellenwert nicht, den
die Wichtigkeit des Themas Wölfe in Deutschland für die Einstellung des Befragten hat.
Ein Thema gewinnt allerdings auch an Wichtigkeit, wenn es häufig thematisiert und
öffentlich diskutiert wird. Hier spielt die Medienpräsenz eine große Rolle (Stoepel 2006,
Teil II). Während sich in Deutschland bisher wahrscheinlich wenige Bürger viele
Gedanken über die Rückkehr von Bären nach Deutschland gemacht haben, wurde das
Thema mit Auftreten von „Bruno“ im Juni / Juli 2006 zum Top-Thema in den Medien und
löste eine breite öffentliche Diskussion aus (Genovesi et al. 2006, Kolter 2006) und
plötzlich war das Thema Bären in Deutschland wichtig.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
68
Die Wölfe in der Lausitz haben bisher nie einen solchen Medienrummel ausgelöst und
das Thema ist vorwiegend von regionalem Interesse (Stoepel 2006, Teil II). In einem
Gebiet mit hoher Arbeitslosigkeit und Bevölkerungsschwund und allen daraus
resultierenden sozialen Problemen kann man nicht erwarten, dass der Wolf in
Deutschland ein Top-Thema ist. Ein Vorwurf, der gelegentlich geäußert wird, ist „Für
Wölfe ist Geld da, aber für die Menschen nicht“. In Freiburg dagegen sind die Bürger so
weit weg vom Geschehen, dass Wölfe in Deutschland schon aus diesem Grund den
wenigsten wirklich wichtig erscheinen. Will man die Leute mit Information erreichen, ist
die Herausforderung Interesse zu wecken, ohne gleichzeitig den Verdacht aufkommen
zu lassen, die regionalen Probleme „kleinreden“ zu wollen.
Ist das Interesse und damit überhaupt erst die Bereitschaft für mehr Informationen zu
Wölfen in Deutschland geweckt, sollte sich die Informationspolitik auf Themen der
persönlichen Betroffenheit konzentrieren. Wie gefährlich ist der Wolf für Mensch und
Tier? Was tue ich, wenn ich einem Wolf begegne? Da das Interesse an weiteren
Informationen zum Wolf nicht gerade hoch ist, wäre es didaktisch geschickt, das
Informationsangebot mit den überaus beliebten Naturfreizeitaktivitäten zu verknüpfen
(Abbildung 13). Radfahren ist die Freizeitbeschäftigung Nummer 1. Der geplante
Wolfsradweg erscheint da ein gelungener Schachzug zu sein. Auch das Interesse an
Wildtierbeobachtungen ist sehr groß und Wolfsexkursionen sollten für Touristen und
Einheimische kostengünstig und naturverträglich angeboten werden. Ein überraschend
hoher Anteil der Befragten im Wolfsgebiet ist sich ja überhaupt nicht bewusst, dass sie
im Wolfsgebiet leben bzw. dieses häufig durchqueren! Es scheint, als herrsche die
Vorstellung, dass die Wolfspräsenz im Wesentlichen auf den Truppenübungsplatz
beschränkt ist.
Dass dies nicht der Fall ist und Wölfe sehr gut auch in einer Kulturlandschaft leben
können wäre wichtig zu kommunizieren. Die Einschätzung der Lebensraumeignung war
schließlich eine der Hauptvariablen für die Akzeptanz. Wie die Kurzumfrage von Moser
(2006, Anhang II) zeigt, verbinden immer noch viele Menschen Wölfe mit Wildnis und
Freiheit. Auch wird der Wolf von Naturschutzorganisationen und Vereinen gerne als
Symbol für Wildnis und intakte Natur vermarktet (z.B. Projekt „Wildnis wagen“ des
BUND). Die Erfahrungen aus der Lausitz und anderen Gebieten in Europa zeigen aber,
dass Wölfe keine Wildnis brauchen. Wölfe vor den Toren Roms (Boitani 1992), im Vorort
von Brasov (Promberger et al. 1996) oder in den Sonnenblumen- und Weizenfeldern in
Spanien (Blanco et al. 2005) sind hier nur einige Beispiele für die Anpassungsfähigkeit
der Wölfe. Ausschlaggebend für die Lebensraumeignung sind die menschliche
Akzeptanz, eine ausreichende Nahrungsgrundlage und wenig frequentierte
Rückzugsgebiete für die Welpenaufzucht. Ist dies gegeben, können Wölfe fast überall
leben. Dies sollte viel stärker kommuniziert werden, denn durch die enge Verknüpfung
von Wölfen mit Wildnis, schränken wir die Lebensraumeignung für Wölfe in den Köpfen
der Menschen sehr stark ein.
„Weg von Wolf und Wildnis“ heißt aber auch, die Menschen auf mögliche Begegnungen
mit Wölfen vorzubereiten und ihnen die Angst davor zu nehmen. Spezifische
Informationen für Pilzsammler, Beerenpflücker und Radfahrer erscheinen sinnvoll und
verknüpfen das Thema Wolf mit den eigenen Interessen. Rotkäppchen, das ja auch in
den Wald geht und Blumen und Beeren pflückt, ist hier sicher ein guter Aufhänger.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
69
Zusätzlich sollte versucht werden, Artikel in den entsprechenden Fachzeitschriften
dieser Personengruppen zu platzieren und dort auch Vortragsserien anzukündigen.
Im Bezug auf ein zukünftiges Wolfsmanagement wünscht nur ein kleiner Teil der
Befragten keine oder weniger Wölfe in Deutschland. Selbst Wolfsaussetzungen zur
Bestandsstützung stimmten 72% aller Befragten zu. Allerdings haben bei den Fragen
zur Bestandsentwicklung, der Lebensraumeignung und möglichen Aussetzungen knapp
20% „weiß nicht“ oder gar keine Antwort angekreuzt. Auch hier zeigt sich, dass die
Einschätzung wenig gefestigt ist. Der Anteil derer, die sich ablehnend oder negativ
äußern, liegt mit 8% auch nicht ganz niedrig.
Die Akzeptanz für Schäden an Nutz- und Haustieren liegt im neutralen bis negativen
Bereich, für Wölfe, die Menschen bedrohen, zwischen negativ und sehr negativ. Dieses
Muster war zu erwarten. Bei den Managementmaßnahmen wird klar, dass die Option
Abschuss/Töten wenig favorisiert wird. Selbst bei Wölfen, die Menschen bedrohen, wird
Fang & Gehege favorisiert. Dies deckt sich mit den Erfahrungen im Fall „Bruno“ und den
heftigen Protesten der Bevölkerung gegen seinen Abschuss. Fünfundvierzig Prozent der
Deutschen stimmten auf die Frage „Bären sollten auf keinen Fall getötet werden“ mit ja
und nur 9% waren der Meinung „Es ist besser einen frei lebenden Braunbären zu
erlegen, als ihn zu fangen und einzusperren“ (Emnid Umfrage 2006).
Insgesamt herrscht große Einmütigkeit darüber, dass Nutztierhalter ganz oder teilweise
für Schäden durch Wölfe entschädigt werden. Die Bereitschaft, selbst finanziell etwas zu
einer Entschädigungslösung beizutragen, ist aber gering (Abbildung 31). Favorisierte
Finanzquellen dafür sind die EU und der Deutsche Staat, sprich je weiter vom eigenen
Geldbeutel, umso beliebter. Einer Entschädigung von Jägern für Verluste an Wildtieren
durch Wölfe lehnt etwa die Hälfte der Befragten ab. Jene, die eine Entschädigung
befürworten, wollen diese nur in Ausnahmefällen oder nur teilweise. Eine 100%ige
Entschädigung wird nur von wenigen favorisiert. Trotzdem wird klar, dass ein Konsens
in der Bevölkerung besteht, Betroffene nicht finanziell allein „im Regen stehen zu
lassen“.
4.3. Besonderheiten im Wolfsgebiet
Die großen Unterschiede beim Vergleich der Untersuchungsgebiete lagen meist nicht
zwischen Wolfsgebiet und den anderen drei Regionen, sondern zwischen Wolfsgebiet
und Vergleichsgebiet in Brandenburg auf der einen Seite (also zwei eher ländlich
geprägten Gebieten), und den beiden Großstädten Dresden und Freiburg auf der
anderen. Dieses klassische Stadt-Land Gefälle löst sich in vielen Gegenden durch
regen Zu- und Abzug von Menschen zwischen Stadt und Land auf. Dass das Stadt-
Land Gefälle im Wolfsgebiet in Sachsen und im Vergleichsgebiet in Brandenburg noch
so stark ausgeprägt ist, liegt vermutlich daran, dass es sich um sehr strukturschwache
Gegenden handelt die im Wesentlichen eine Abwanderung und so gut wie keine
Zuwanderung von Leuten zu verzeichnen haben (Kröhnert et al. 2006).

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
70
Eindeutige Unterschiede im Wolfsgebiet gegenüber dem Vergleichsgebiet in
Brandenburg und den Großstädten gibt es aber im Wissensstand. Je weiter weg das
Untersuchungsgebiet vom Wolfsvorkommen lag, umso geringer war der Kenntnisstand
über Wölfe (Abbildung 22). Dies deutet darauf hin, dass die Informationspolitik der
letzten Jahre, die im Wolfsgebiet sehr intensiv war (siehe auch Stoepel 2006, Teil II),
Früchte getragen hat. Zahlreiche Vorträge, Ausstellungen, Pressemitteilungen, Artikel
und Beiträge im Fernsehen scheinen Wirkung zu zeigen. Der geringe Zusammenhang
zwischen der Häufigkeit, mit der bestimmte Themen in den Tages- und
Wochenzeitungen aufgegriffen werden, und dem Wissensstand der Bevölkerung lässt
allerdings vermuten, dass diese Medien für die Wissensvermittlung nur eine
untergeordnete Rolle spielen.
Trotzdem ist die Einstellung zum Wolf im Wolfsgebiet nicht positiver. Wissensvermittlung
allein ist also kein Garant für eine positive Einstellung. Studien aus anderen Ländern
zeigen, dass bei kontroversen Wildtieren Faktenwissen oft nur zur Stärkung der eigenen
Argumentation, bzw. des eigenen Standpunktes verwendet wird. Oft sind es die
Interessengruppen, die am stärksten in der Opposition sind, die sich die meiste
Information beschaffen, um so ihre Ansichten „zu zementieren“ oder die Gegner
„aushebeln“ zu können (Bath 1994, Szinovatz 1997, Ericsson und Heberlein 2003).
Innerhalb der gleichen Interessengruppen zeigt sich aber im Allgemeinen, dass Leute
mit mehr Wissen meist eine positivere und, fast noch wichtiger, eine gefestigtere
Meinung haben. Allerdings macht mehr Wissen nicht negative Erfahrungen wett, seien
sie nun real oder eingebildet (Ericsson und Heberlein 2003).
Wissen hatte einen signifikanten Einfluss auf die Einschätzung der eigenen
Betroffenheit durch Wölfe (Tabelle 14). Die Einschätzung der eigenen Betroffenheit war
im Wolfsgebiet – überraschender Weise – gleich wie in den beiden Großstädten und
deutlich geringer als im Vergleichsgebiet in Brandenburg (Abbildung 20). Dies würde für
die These von Zimmermann et al. (2001) sprechen, zumindest im Hinblick auf die
Einschätzung des Gefahren- und Schadenspotenzials von Wölfen. In den Großstädten
Dresden und Freiburg fühlen sich die Leute wenig von Wölfen „bedroht“, diese sind ja
auch weit weg und es steht nicht zu befürchten, sie je vor der Haustür zu haben. Im
Wolfsgebiet lebt man nun schon seit sechs Jahren mit Wölfen und hat die Erfahrung
gemacht, dass alles halb so schlimm ist. Die Schäden sind gering und die Wölfe
unauffällig (Kluth und Reinhardt 2005 und Kluth und Reinhardt unveröff. Anhang 1). Im
Vergleichsgebiet in Brandenburg stehen die Wölfe dagegen „unmittelbar vor der Tür“
und es herrscht mehr Unsicherheit darüber, was mit den Wölfen auf die Bevölkerung
zukommt. Verglichen mit den drei anderen Gebieten haben im Wolfsgebiet nur halb so
viele Leute Angst, allein in den Wald zu gehen. Sie fürchten auch nicht um die
Sicherheit ihrer Kinder (Abbildung 21). Die Mär vom „bösen Wolf“ wird hier also durch
die Anwesenheit der Wölfe entkräftet.
Im Wolfsgebiet wünschen sich deutlich weniger Menschen mehr Wölfe als in den drei
anderen Gebieten. Inwieweit die Befragten die Frage auf eine höhere Wolfsdichte bei
sich oder ein größeres Verbreitungsgebiet in Deutschland verstanden haben, lässt sich
hier nicht klären. Es ist aber sicher wichtig, diesen Punkt bei der Öffentlichkeitsarbeit
immer wieder klar zu machen: Wölfe sind territorial und mehr Wölfe heißt in erster Linie
ein größeres Gebiet mit Wolfsvorkommen, nicht aber eine höhere Wolfsdichte im

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
71
jetzigen Wolfsgebiet. Inwieweit die Bevölkerung und die Politik wirklich bereit sind, eine
etablierte Wolfspopulation und nicht nur zwei Rudel im östlichsten Zipfel Deutschlands,
aktiv zu unterstützen, wird die Zukunft zeigen.
4.4. Vergleich der allgemeinen Bevölkerung mit spezifischen
Interessengruppen
Ein Vergleich mit den Ergebnissen einer Befragung von 257 Jägern im und um das
Wolfsgebiet (Gärtner und Hauptmann 2005) zeigt, dass im Gegensatz zur allgemeinen
Bevölkerung kaum ein Jäger die Lebensräume in Sachsen und Brandenburg für eine
stabile Wolfspopulation geeignet hält. Der Wolf wird in der Kulturlandschaft eher gelitten
als akzeptiert, das Aussetzen von Wölfen zur Bestandsstützung wird weitgehend
abgelehnt. Der Anteil Jäger in der Bürgerbefragung (diese Studie) war mit 26 Befragten
sehr klein und unzureichend für eine separate Auswertung. Allerdings waren Jäger unter
den „Wolfsgegnern“ überrepräsentiert (Tabelle 16).
In der öffentlichen Diskussion zieht sich die Jägerschaft häufig auf den Standpunkt
zurück: „Wenn sie von allein kommen, sind sie willkommen“. Die Umfrageergebnisse
vermitteln, den Eindruck, dass man eher hofft, sie werden es noch möglichst lange
bleiben lassen. Die deutlich geringere Akzeptanz bei den Jägern wirft die Frage auf, was
es hilft, wenn die breite Bevölkerung überwiegend positiv, die Jägerschaft aber
weitgehend negativ eingestellt ist. Die Erfahrung zeigt, dass eine kleine Gruppe negativ
gesinnter Interessenvertreter, die über die richtigen Mittel verfügt, eine
Wiedereinbürgerung bzw. Wiederbesiedlung leicht zunichte machen kann (Hook und
Robinson 1982). In Ostdeutschland wurden seit der Unterschutzstellung 1990 allein in
Brandenburg noch mindestens fünf Wölfe erlegt (Möckel 2005).
Die Jäger sind und bleiben also eine wichtige Interessengruppe für den Wolfsschutz in
Deutschland. Die Arbeit von Disch (2006) lässt vermuten, dass Jäger Wölfen andere
Emotionen entgegenbringen als der Durchschnittsbürger. Während der Anblick von
Wolfswelpen und die Schlagzeile „Junge Wölfe in Deutschland“ die meisten Herzen
höher schlagen lassen, nimmt ein Jäger dies evtl. wenig begeistert auf. Schließlich
heißen junge Wölfe mehr Mäuler, die mit Schalenwild gestopft werden müssen, und
auch mehr Wölfe in der Zukunft. Des einen Freud, des anderen Leid.
Öffentlichkeitsarbeit für Jäger muss daher zwangsläufig anders ausgerichtet sein als für
die breite Bevölkerung; denn die Bedürfnisse und Ängste der Jäger sind ganz andere.
Jägerseminare und Artikel in Jagdzeitschriften, am besten organisiert durch interessierte
und engagierte Jäger, sind hier vermutlich das Mittel der Wahl.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
72
4.5. Deutschland im Internationalen Vergleich
Im internationalen Vergleich braucht sich Deutschland nicht zu verstecken, die
Deutschen stehen „ihren“ Wölfen sehr positiv gegenüber (Tabelle 21). Allerdings war
dies bei einer weitgehend städtischen Bevölkerung, wenigen Wölfen und keinen
nennenswerten Schäden eigentlich auch zu erwarten (Williams et al. 2002).
Problematisch ist, wie schon vorher angedeutet, eher der geringe Stellenwert des
Themas Wölfe in Deutschland in der Gesellschaft.
Deutschland schneidet in der Akzeptanz von verschiedenem Wolfsverhalten im
Vergleich zu Norwegen immer deutlich positiver ab (Abbildung 36). Allerdings wäre alles
andere eher bedenklich, da der Wolf in Norwegen, wegen der hohen Schäden an
Schafen, sehr kontrovers diskutiert wird. Der aktuelle Managementplan für Norwegen
sieht nur die Etablierung von drei, rein auf norwegischer Seite lebender Wolfsrudel, vor.
Die Etablierung weiterer Wolfsrudel wird im Moment durch gezielte Abschüsse
unterbunden (Salvatori und John Linnell 2005).
Leider standen für diese Studie noch keine Vergleichsdaten aus Polen zur Verfügung,
denn die Auswertung der Umfrageergebnisse von 1998 und 2005 hat gerade erst
begonnen. Zusätzlich ist geplant, möglichst bald eine identische Umfrage im
westpolnischen Wolfsgebiet durchzuführen (H. Okarma und A. Olszańska pers.
Mitteilung 2006). Schließlich hängt das Überleben der kleinen Wolfspopulation in
Ostdeutschland ganz wesentlich davon ab, dass weitere Wölfe zuwandern. Auf
deutscher Seite müssen wir dann dafür sorgen, dass sie auch willkommen sind und
bleiben. Wie die vorliegende Studie gezeigt hat, sind die Voraussetzungen dafür, mit
gewissen Abstrichen, durchaus günstig.
5. Schlussfolgerung
Aus der vorliegenden Studie lassen sich zusammenfassend folgende Schlüsse ziehen:
Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist Wölfen gegenüber positiv
eingestellt.
Das Thema Wölfe in Deutschland ist von eher geringem gesellschaftlichem
Interesse, der Wissensstand ist niedrig und das Interesse an weiteren Informationen
zum Wolf ist nicht übermäßig groß.
Die überwiegend positive Meinung der Befragten ist nicht sehr gefestigt und es
besteht die Gefahr, dass die Stimmung mit dem Auftreten von größeren Problemen
ins negative kippt.
Die Wichtigkeit, die dem Thema Wölfe in Deutschland beigemessen wird, die
persönliche Betroffenheit und die Einschätzung des Wolfslebensraumes in Sachsen
und Brandenburg waren die wichtigsten Einflussfaktoren für die Einstellung zum
Wolf.
Soziodemografische Daten und Wissen spielen für die Einstellung zum Wolf fast
keine Rolle. Ein gewisser indirekter Einfluss ist allerdings gegeben, so ist z.B. die
Einschätzung der eigenen Betroffenheit auch vom Wissensstand abhängig

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
73
Im Bezug auf den Umgang mit Wölfen zeigt sich, dass Abschuss oder Tötung von
der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt und selbst bei der Bedrohung von
Menschen der Fang mit anschließender Unterbringung im Gehege favorisiert wird.
Entschädigungszahlungen an Nutztierhalter für Schäden durch Wölfe werden von
der Mehrheit der Bevölkerung befürwortet. Die Finanzierung wird dabei von der EU
oder dem deutschen Staat gewünscht. Entschädigungszahlungen an Jäger für
Schäden an Wildtieren werden dagegen nur in Ausnahmefällen befürwortet.
Unterschiede zwischen den Untersuchungsgebieten traten im Allgemeinen zwischen
Wolfsgebiet und Vergleichsgebiet in Brandenburg auf der einen und den beiden
Großstädten Dresden und Freiburg auf der anderen Seite auf.
Der größte Unterschied zwischen dem Wolfsgebiet und den anderen drei Gebieten
bestand hinsichtlich des Wissensstandes (im Wolfsgebiet am höchsten) und der
eigenen Betroffenheit (im Wolfsgebiet gleich niedrig wie in den beiden Großstädten).
Es bestand kein enger Zusammenhang zwischen dem Wissenstand der Bevölkerung
und der Häufigkeit, mit dem diese Themen in den Tages- und Wochenzeitschriften
aufgegriffen werden.
Im Vergleich zur Bevölkerung hat die Interessensgruppe der Jäger eine deutlich
negativere Wahrnehmung von Wölfen in Deutschland.
Im internationalen Vergleich sind die Deutschen eine der wolfsfreundlichsten
Nationen.
6. Danksagung
Diese Studie wäre ohne die Mitarbeit vieler, engagierter Freiwilliger nie möglich
gewesen. Besonderer Dank gilt Jana Schellenberg vom Kontaktbüro „Wolfsregion
Lausitz“ und Hermann Ansorge vom Naturhistorischen Museum Görlitz für die
logistische Unterstützung. Dank auch an den Communication Officer Sebastian Körner
für die Erinnerungsmails zur Einhaltung des Terminplans.
Für die Verteilung im Wolfsgebiet geht mein herzlicher Dank an den NABU Sachsen,
ganz besonders an Engbert Grünke für eigenes Verteilen und die Koordination der
vielen freiwilligen Verteiler, namentlich (alphabetisch): Albrecht Exner, Reinhard Göpfert,
Wolfgang Grösche, Andreas Haase, Stefan Hanschke, Stefan Kaasche, Mario
Kostrzewa, André Niemz, Manfred Schüssler, Helga Schellenberg, Christian Schulze,
Willfried Spank, Gerd Gotzmann und Eberhard Zech.
Für die Verteilung im Vergleichsgebiet in Brandenburg ein herzliches Dankeschön an
die überaus engagierten Mitglieder des NABU Brandenburg, namentlich Peter
Zäpernick, Gunter Golla und Gerhard Metz. In Dresden ein herzliches Dankeschön an
die Verteiler (alphabetisch): Armando Avila, Lucie Beesten, Katrin Landgraf, Sven
Lehne, Uwe Lohse, Diosdado Martinez, Mathias Riebold, Franziska Rudisch und Carina
Schwan.
In Freiburg verdienen ein großes Lob: Martin Wenzel für die Verteilung der Fragebögen
und die Evaluation der organisatorischen Schwächen, Fabian Moser für die

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
74
Durchführung der Kurzumfragen im Raum Freiburg und im Wolfsgebiet und Heiko Disch
für die Umfrage mit verschiedenen Wolfsbildern.
Ganz am Schluss ein ganz großes Dankeschön an Ilka Reinhardt und Gesa Kluth vom
Wildbiologischen Büro „LUPUS“ für die stets freundliche Aufnahme und die
unübertroffene Gastfreundschaft. Ohne die Herberge „LUPUS“ mit gutem Essen und
Wein wäre diese Arbeit unmöglich gewesen. Einen herzlichen Dank auch an Ullrich
Wotschikowsky für sein nächtliches Gegenlesen der Arbeit und seine konstruktiven
Anmerkungen.
7. Literaturverzeichnis
Ajzen, I. and M. Fishbein. 1977. Attitude-behavior relations: A theorethical analysis and
review of empirical research. Psychological Bulletin, 84:888-918.
Balciauskiene, L. and L. Balciauskas. 2001. Threat perception of large carnivores: Are
there sexual differences? Report for the Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE).
[unter:
www.lcie.org]
Bath, A. and A. Majic. 2001. Human dimensions in wolf management in Croatia. Report
for the Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE). [unter:
www.lcie.org]
Bath, A. J. 1991. Public attitudes about wolf restoration in Yellowstone National Park.
Chapter 26, pages 367-376 in: R.B. Keiter, and M.S. Boyce (Eds.). The Greater
Yellowstone Ecosystem - Redefining America's Wilderness Heritage. Yale University
Press, New Haven and London, USA and UK.
Bath, A. J. 1994. Public attitudes toward polar bears: An application of human
dimensions in wildlife resource research. Volume1, pages 168-174 in: I.Thomson
(Eds.). Proceedings of the International Union of Game Biologists XXI Congress.
Bath, A. J. 2000. Human dimensions in wolf management in Savoie and Des Alpes
Maritimes, France. Report for the Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE). [unter:
www.lcie.org]
Bath, A. J. and A. Majic. 2001. Human dimensions in wolf management in Croatia.
Report for the Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE). [unter:
www.lcie.org]
Bjerke, T., O. Reitan, and S. R. Kellert. 1998. Attitudes towards wolves in southeastern
Norway. Society and Natural Resources, 11:169-178.
Blanco, J. C., Y. Cortés, and E. Virgós. 2005. Wolf response to two kinds of barriers in
an agricultural habitat in Spain. Canadian Journal of Zoology, 83:312-323.
Boitani, L. 1992. Wolf Management in intensively used areas in Italy. Pages 158-172 in:
F.H. Harrington and P.C. Paquet (Eds.) Wolves of the World. Noyes Publication, Park
Ridge, New Jersey, USA.
Boitani. L. 2000. Action plan for the conservation of wolves in Europe. Nature and
Environment 113, 84pp.
Breitenmoser, U. 1998. Large predators in the Alps: the fall and rise of man’s
competitors. Biological Conservation, 83:279-289

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
75
Breitenmoser, U., C. Breitenmoser-Würsten, H. Okarma, T. Kaphegyi, U. Kaphegyi-
Wallmann, and U. M. Müller. 2000. Action plan for the conservation of the Eurasian
lynx (
Lynx lynx
) in Europe. Nature and Environment 112, Council of Europe
Publishing, Strasbourg, 83pp.
Bright, A. D. and M. J. Manfredo. 1996. A conceptual model of attitudes toward natural
resource issues: a case study of wolf reintroduction. Human Dimensions of Wildlife,
1(1):1-21
Caluori, U. 1999. Der Wolf - Wildtier oder wildes Tier? Lizentiatsarbeit am Institut für
Ethologie der Universität Bern, Schweiz.
Carnivore Damage Prevention News. [unter:
www.kora.unibe.ch/en/proj/cdpnews/index.html
]
Diekmann, A. und P. Preisendörfer. 2001. Umweltsoziologie. Rowohlt Taschenbuch
Verlag GmbH, Hamburg, Deutschland.
Disch, H. 2006. Welche Emotionen rufen Wolfsbilder hervor? In: P. Kaczensky (Eds.).
Medienpäsenz- und Akzeptanzstudie "Wölfe in Deutschland". Endbericht. Universität
Freiburg, Deutschland.
Dunlap, R. E., K. D. Van Liere, A. G. Mertig, and R. E. Jones. 2000. Measuring
endorsement of the new ecological paradigma: A revised NEP scale. Journal of
Social Issues, 56(3):425-442.
Emnid Umfrage 2006. 2006. Umfrage zu Bär und Wolf 2006. Deutsche Wildtier Stiftung.
[unter:
www.deutschewildtierstiftung.de/
]
Emnid Umfrage. 2004. Umfrage zu Bär und Wolf 2004. Deutsche Wildtier Stiftung.
[unter:
www.deutschewildtierstiftung.de/
]
Enck, J.W. and T.L. Brown. 2000. Preliminary assessment of social feasibility for
reintroducing gray wolves to the Adirondack Park in northern New York. Cornell
University, Human Dimensions Research Unit Series No. 00-03.
Ericsson, G. and T. A. Heberlein. 2003. Attitudes of hunters, locals, and the general
public in Sweden now that the wolves are back. Biological Conservation, 111:149-
159.
Fishbein, M. and I. Ajzen. 1975. Belief, attitude, intention, and behavior: An introductionti
the theory and research. Reading, MA: Addison-Wesley, USA.
Freistaat Sachsen und IFAW. 2005. Wölfe vor unserer Haustür. Broschüre. Sächsisches
Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Dresden, Deutschland.
Friedrich von Tschudi. 1875. Das Thierleben der Alpenwelt, Leipzig, Deutschland.
Fritts, S. H., R. O. Stephenson, R. D. Hayes, and Boitani. L. 2003. Wolves and humans.
Pages 289-316 in: D. Mech and L. Boitani (Eds.). Wolves - Behavior, Ecology, and
Conservation. The University of Chicago Press, Chicago and London.
Gärtner, S. und M. Hauptmann. 2005. Das sachsische Wolfsvorkommen im Spiegelbild
der Jägerschaft vor Ort - Ergebnisse einer anonymen Umfrage. Beiträge zur Jagd-
und Wildforschung, 30:223-230.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
76
Genovesi, P., G. Rauer, B.Striebel, and M. Wölfl. 2006. The first bear to enter Germany
in 170 years shot: the story of JJ1 (Bruno). International Bear News of the
International Bear Association (IBA), 15(3):8-9.
Graf von Plettenberg, F. 2005. Wald, Wild, Wolf, Mensch. Seiten 13-21 in:
Sonderausgabe der Mitteilungen für Sächsische Säugetierfreunde. Naturschutzbund
(NABU) Sachsen, Leipzig, Deutschland.
Hauptmann, M. 2005. Meinungsumfrage unter der Jägerschaft zum Vorkommen
desWolfes
(Canis lupus)
in der Niederschlesischen Oberlausitz. Diplomarbeit an der
Thüringer Fachhochschule für Forstwirtschaft Schwarzburg, Deutschland.
Heberlein, T. A. and G. Ericsson. 2005. Ties to the countryside: Accounting for urbanites
attitudes towards hunting, wolves, and wildlife. Human Dimensions of Wildlife,
10:213-227.
Hook, R. A. and W. L. Robinson. 1982. Attitudes of Michigan Citizens toward predators.
Pages 382-394 in: L.N. Carbyn, S.H. Fritt, and D.R. Seip (Eds.). Ecology and
conservation of wolves in a changing world. Canadian Circumpolar Institute,
University of Alberta, Edmonton, Alberta, Canada
Kaczensky, P. 1999. Large carnivore depredation on livestock in Europe. Ursus, 11:59-
72.
Kaczensky, P., M. Blazic, and H. Gossow. 2004. Public attitude towards brown bears
(
Ursus arctos
) in Slovenia. Biological Conservation, 118:661-674.
Kaltenborn, B. P., T. Bjerke, and E. Strumse. 1998. Diverging attitudes towards
predators: Do environmental beliefs play a part? Human Ecology, Review, 5(2):1-8.
Kellert, S. R., M. Black, C. R. Rush, and A. J. Bath. 1996. Human culture and large
carnivore conservation in North America. Conservation Biology, 10:977-990
Kleiven, J., T. Bjerke, and B. P. Kaltenborn. 2004. Factors influencing the social
acceptability of large carnivore behavior. Biodiversity and Conservation, 13:1647-
1658.
Kluth, G. und I. Reinhardt. 2005. Wölfe in der Oberlausitz - aktueller Status 2004. Seiten
26-35 in: Sonderausgabe der Mitteilungen für Sächsische Säugetierfreunde.
Naturschutzbund (NABU) Sachsen, Leipzig, Deutschland.
Kolter, L. 2006. Bear Country Germany? International Bear News of the International
Bear Association (IBA), 15(3):6-8.
Krammer, S. 1995. Nurmi ist tot! Es lebe Nurmi! Internationaler Holzmarkt, 11.
Kröhnert, S., F. Medicu und R. Klingholz. 2006. Die demografische Lage der Nation.
Kurzversion. Berlin-Institut, Deutschland. [unter:
www.berlin-institut.de]
Kuckartz, U. und H. Grunenberg. 2002. Umweltbewusstsein in Deutschland 2002.
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Berlin,
Deutschland. [unter:
www.umweltbewusstsein.de/ub/]
Kuckartz, U. und A. Rheingans-Heintze. 2004. Umweltbewusstsein in Deutschland
2004. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Berlin,
Deutschland. [unter:
www.umweltbewusstsein.de/ub/]

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
77
Kvaalen, I. 1998. Acceptance of lynx by sheep farmers - a sociological comparison.
Council of Europe Publishing, 59-64, Straßbourg Cedex
Leizinger, D. 2005. Die Einstellung der österreichischen Bevölkerung gegenüber Bären,
Wölfen und Luchsen. Diplomarbeit am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der
Universität für Bodenkultur in Wien, Österreich.
Linnell, J. D. C., J. Solberg, S. Brainerd, O. Liberg, H. Sand, P. Wabakken, and I. Kojola.
2003. Is the fear of wolves justified? A Fennoscandian perspective. Acta Zoologica
Lituanica, 34-40.
Linnell, J.D.C., R. Andersen, Z. Andersone, L. Balciauskas, J.C. Blanco, L. Boitani, S.
Brainerd, U. Breitenmoser, I. Kojola, O. Liberg, J. Loe, H. Okarma, H. C. Pedersen,
C. Promberger, H. Sand, E.J. Solberg, H. Valdmann, and P. Wabakken. 2002. The
fear of wolves: A review of wolf attacks on humans. NINA/NIKU report, NINA Norsk
institutt for naturforskning, Trondheim, Norway, 65pp.
Lopez, B. 1978. Of Wolves and Men. Charles Scribner`s Sons, New York, USA.
Majic, A. 2003. Human dimensions in brown bear management. Final report. WWF,
Euronatur, Croatian Ministry of Agriculture and Foretry, Croatian Forests and
Memorial University of Newfoundland.
Mech, L. D. and Boitani. L. 2003. Wolves - Behavior, Ecology, and Conservation. The
University of Chicago Press, Chicago and London, USA and UK.
Möckel, R. 2005. Wölfe im südlichen Brandenburg - Chronik der Wiederbesiedlung bis
Dezember 2004. Seiten 48-58 in: Sonderausgabe der Mitteilungen für Sächsische
Säugetierfreunde. Naturschutzbund (NABU) Sachsen, Leipzig, Deutschland.
Moser, F. 2006. Kurzumfrage Wolfsassoziationen. In: P. Kaczensky (Eds.).
Medienpäsenz- und Akzeptanzstudie "Wölfe in Deutschland". Endbericht. Universität
Freiburg, Deutschland.
Österreichische Bären-Eingreiftruppe. 2006. JJ1 "Bruno" in Tirol, Vorarlberg und Bayern
2006. Protokoll und Beurteilung der Ereignisse (Entwurf). Universität Freiburg,
Deutschland.
Perrault, C. 1697. „Le petit chaperon rouge“ (Rotkäppchen). [unter:
www.maerchenlexikon.de/etexte/333/te333-002.htm
].
Pierce, C.L., M.J. Manfredo, and J.J. Vaske. 2001. Social science theories in wildlife
management. Pages 39-56 in: D.J. Decker, T.L. Brown, and W.F. Siemer (Eds.).
Human dimensions of wildlife management in North America. The Wildlife Society,
Bethesda, Maryland, USA.
Promberger, C., O. Ionescu, I. Muntenu, A. Mertens, D. Stancu, P. Sürth, L. Petre, and
C. Roschak. 1996. Carpathian Wolf Project. Annual Report 1995/96.
Salvatori, V. and J. Linnell. 2005. Report on the conservation status and threats for wolf
(
Canis lupus
) in Europe. Councel of Europe. PVS/Inf (2005) 16. [unter:
www.lcie.org]
Stoepel, B. 2006. Medienanalyse zur Berichterstattung über "Wölfe in Deutschland"
2001-2005. In: P. Kaczensky (Eds.). Medienpäsenz- und Akzeptanzstudie "Wölfe in
Deutschland". Endbericht. Universität Freiburg, Deutschland.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
78
Swenson, J. E., N. Gerstl, B. Dahle, and A. Zedrosser. 2001. Action Plan for the
Conservation of the Brown Bear in Europe. Nature and Environment 114, 69pp.
Szinovatz, V. J. 1997. Attitudes of the Norwegian public toward bear and lynx.
Diplomarbeit am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für
Bodenkultur in Wien, Österreich.
Wegener, D. 2005. Wolf und Jagd. Seiten 22-25 in: Sonderausgabe der Mitteilungen für
Sächsische Säugetierfreunde. Naturschutzbund (NABU) Sachsen, Leipzig,
Deutschland.
Vitterso, J., T. Bjerke, and B.P. Kaltenborn. 1999. Attitudes towads large carnivores
among sheep farmers experiencing different degrees of depredation. Human
Dimensions in Wildlife, 4:20-35.
Wenzel, M. 206. Methodischer Ansatz der Umfrage "Wölfe in Deutschland - Was
meinen Sie". In: P. Kaczensky (Eds.). Medienpäsenz- und Akzeptanzstudie "Wölfe in
Deutschland". Endbericht. Universität Freiburg, Deutschland.
Williams, C. K., G. Ericsson, and T. A. Heberlein. 2002. A quantitative summary of
attitudes toward wolves and their reintroduction. Wildlife Society Bulletin, 30(2):575-
584.
Wotschikowsky, U. 2006. Wölfe, Jagd und Wald in der Oberlausitz. Report, VAUNA,
Oberammergau, Deutschland.
Zeller, R. and E. Carmines. 1980. Measurement in social sciences: The link between
theory and data. Chelsea, Michigan, Cambridge University Press.
Zimmermann, B., P. Wabakken, and M. Dötterer. 2001. Human-carnivore interactions in
Norway: How does the re-appearance of large carnivores affect people’s attitude.
Forest Snow and Landscape Research, 76(1/2):137-153.
Zinn, H.C., M.J. Manfredo, J.J. Vaske, and K. Wittmann. 1998. Using normative
believes to determine the acceptability ofwildlife management actions. Society and
Natural Resources, 11:649-662.

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
79
Anhang 1:
Chronologie des Wolfes in Deutschland (Stand Sommer 2006, Kluth und
Reinhardt unveröffentl.):
Jahr Ereignis
1904
Der letzte Wolf Deutschlands wird in Sachsen geschossen.
1945 – 1990
Insgesamt 22 Wölfe werden in Deutschland geschossen, 13
davon in der DDR.
1987
Der Wolf wird in der BRD unter Schutz gestellt. In der DDR darf
und ab 1984 soll der Wolf auch weiterhin geschossen werden.
1990
Mit der Wiedervereinigung gilt der Wolf in ganz Deutschland als
streng geschützte Art.
1990 – 1999
In den neuen Bundesländern werden mindestens fünf Wölfe
geschossen, zwei weitere überfahren.
1995
Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz taucht ein einzelner
Wolf auf.
1998
Erstmalige Sichtung von zwei Wölfen auf dem
Truppenübungsplatz Oberlausitz.
2000
Im November werden auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz
erstmalig sechs Wölfe beobachtet: Die beiden "Alten" haben vier
Welpen aufgezogen:
Muskauer-Heide-Rudel = 6 (2 Eltern, 4 Welpen)
2001 Muskauer-Heide-Rudel = ca. 8 (2 Eltern, 4 Jährlinge, mind. 2
Welpen)
2002
Muskauer-Heide-Rudel = ca. 7 (2 Eltern, ca. 2 Jährlinge, mind. 3
Welpen)
Die vier im Jahr 2000 geborenen Jungwölfe wandern aus dem
elterlichen Territorium ab. Einer davon, die sogenannte
Neustädter Wölfin, etabliert ihr Territorium rings um
Neustadt/Spree.
Im Frühjahr wird eine Schafherde bei Mühlrose wiederholt von
Wölfen angegriffen. Ergebnis: 33 tote Schafe.
2003 Muskauer-Heide-Rudel = ca. 10 (2 Eltern, ca. 3 Jährlinge, 5
Welpen).
Die Neustädter Wölfin verpaart sich mit einem Hund. Von den
neun Hybridwelpen verschwinden sieben noch in ihrem ersten
Lebensjahr, die anderen beiden werden eingefangen und in ein
Gehege verbracht.
2004
Muskauer-Heide-Rudel = ca. 8 (2 Eltern, ca. 5 Jährlinge, mind. 2
Welpen).
Die Neustädter Wölfin versucht erneut, sich mit einem Hund zu
paaren, jedoch ohne Erfolg.
Im Herbst taucht im Revier der Wölfin ein Wolfsrüde auf und
gründet mit ihr das Neustädter Rudel.
2005 Muskauer-Heide-Rudel = ca. 9 (2 Eltern, ca. 2 Jährlinge, 5
Welpen)
Neustädter Rudel = 7 (2 Eltern, 5 Welpen)
Sommer 2006
Muskauer-Heide-Rudel = ca. 13 (2 Eltern, ca. 3 Jährlinge, 8
Welpen)
Neustädter Rudel = ca. 11 (2 Eltern, ca. 3 Jährlinge, 6 Welpen)

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
80
Anhang 2: Fragebogen Wölfe in Deutschland
I. Umwelt- und Naturschutz allgemein
In diesem ersten Abschnitt würden wir gerne mehr über Ihre Einstellung zum Umwelt- und Naturschutz
bzw. dem Umgang mit Wildtieren ganz allgemein wissen.
- Bitte kreuzen Sie in dieser Liste an, in welchem Maße Sie den folgenden Aussagen zustimmen oder
nicht zustimmen -
Umwelt- und Naturschutz:
1. Wir Menschen haben das Recht unsere Umwelt
entsprechend unseren Bedürfnissen zu gestalten.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
2. Das Meiste was Wissenschaft und Technik hervorgebracht
haben, schadet der Umwelt.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
3. Wissenschaft und Technik werden viele Umweltprobleme
lösen, ohne dass wir unsere Lebensweise ändern
müssen.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
4. Wir Menschen missbrauchen unsere Umwelt im großen
Stil.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
5. Der Mensch soll die Natur achten, weil auch Tiere und
Pflanzen ein Lebensrecht haben.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
6. Unsere Umwelt ist robust genug, um den Einfluss unserer
modernen Industriegesellschaft zu verkraften.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
7. Nach meiner Einschätzung wird das Umweltproblem in
seiner Bedeutung von vielen Umweltschützern
übertrieben.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
8. Wenn wir so weitermachen wie bisher, steuern wir auf eine
Umweltkatastrophe zu.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
Umgang mit Wildtieren:
9. Der Umgang mit Wildtieren sollte vorrangig am Nutzen für
die Gesellschaft ausgerichtet sein.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
10. Ich bin gegen die Jagd, da sie das Recht eines Wildtieres
auf Leben antastet.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
11. Wenn es noch mehr Vorschriften für den Naturschutz
gibt, kann man bald überhaupt nichts mehr machen.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
stimme voll
& ganz zu
stimme überhaupt
nicht zu
teils/teils
stimme voll
& ganz zu
stimme überhaupt
nicht zu
teils/teil
s

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
81
II. Freizeitverhalten & Erfahrung mit Wölfen
- Bitte kreuzen Sie in den folgenden Liste an, was für Sie am ehesten zutrifft -
Wie sehr interessieren Sie sich für die
folgenden Freizeitaktivitäten:
großes
Interesse
Interesse
teils/teils
wenig
Interesse
kein
Interesse
1. Wandern oder Joggen 5 4 3 2 1
2. Fahrrad fahren
5
4
3
2
1
3. Beeren sammeln 5 4 3 2 1
4. Naturfotografie
5
4
3
2
1
5. Pilze sammeln 5 4 3 2 1
6. Hund spazieren führen
5
4
3
2
1
7. Vögel beobachten 5 4 3 2 1
8. Wildtiere beobachten
5
4
3
2
1
Erfahrung mit Wölfen:
ja
nein
9. Gibt es in Ihrer Gemeinde freilebende Wölfe?
1
2
10. Waren Sie schon mal in einem Gebiet in dem es freilebende Wölfe gibt?
1
2
11. Haben Sie schon mal freilebende Wölfe gesehen?
1
2
12. Haben Sie in Deutschland schon mal freilebende Wölfe gesehen?
1
2
13. Haben Sie in Deutschland schon mal Hinweise auf Wölfe gefunden (Spuren,
Kot oder die Überreste von Beutetieren)?
1 2
14. Würden Sie gerne Hinweise auf Wölfe in freier Natur sehen?
1
2
Wie wichtig sind Ihnen folgende
Themen:
sehr
wichtig
wichtig
teils/teils
wenig
wichtig
nicht
wichtig
15. Umwelt- oder Naturschutz 5 4 3 2 1
16. Jagd oder der Umgang mit Wildtieren
5
4
3
2
1
17. Wölfe in Deutschland 5 4 3 2 1
Wie gut kennen Sie sich mit folgenden
Themen aus:
sehr gut
gut
teils/teils
wenig
sehr
wenig
18. Umwelt- oder Naturschutz 5 4 3 2 1
19. Jagd oder der Umgang mit Wildtieren
5
4
3
2
1
20. Wölfe in Deutschland 5 4 3 2 1

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
82
III. Einstellung zum Wolf
-Bitte kreuzen Sie an welche Einstellung für Sie am ehesten zutrifft-
1. Wie ist Ihre Einstellung zu Wölfen?
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
- Bitte kreuzen Sie in den folgenden Listen an, in welchem Maße Sie den folgenden Aussagen zustimmen
oder nicht zustimmen –
Inwieweit stimmen Sie folgenden Aussagen zu?
2. Die Anwesenheit von Wölfen erhöht für mich den Wert
einer Landschaft, selbst wenn ich sie nie zu sehen
bekomme.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
3. Für mich ist es wichtig, Wölfe auch für künftige
Generationen zu erhalten.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
4. Wölfe gehören nicht in unsere heutige Kulturlandschaft.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
5. Wölfe haben, wie andere heimische Wildtiere auch, ein
Recht in Deutschland zu leben.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
6. Es gibt genug Wölfe in anderen Ländern, so dass es in
Deutschland nicht auch noch welche geben muss.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
Wie ist Ihre Einschätzung folgender Aussagen?
7. Wölfe richten große Schäden an Haustieren an.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
8. Wölfe wirken sich positiv auf den Tourismus aus.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
9. Wölfe reduzieren den Wildbestand so, dass eine Bejagung
der Wildbestände nicht mehr möglich ist.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
10. Wölfe fressen besonders die alten und kranken Tiere und
halten so den Wildbestand gesund.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
Wie stark treffen folgende Aussagen für Sie
persönlich zu?
11. Durch die Anwesenheit von Wölfen hätte ich Angst
alleine in den Wald zu gehen.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
12. Durch die Anwesenheit von Wölfen wäre ich um die
Sicherheit meiner Kinder besorgt.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
13. Durch die Anwesenheit von Wölfen wäre ich um die
Sicherheit meiner Haustiere besorgt.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
14. Die Anwesenheit von Wölfen würde mein
Freizeitverhalten negativ beeinflussen.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
15. Durch die Anwesenheit von Wölfen befürchte ich
finanzielle Einbußen.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
16. Durch die Anwesenheit von Wölfen befürchte ich
Einschränkungen in der Landnutzung.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
sehr
positiv
sehr
negativ
teils/teils
stimme voll
& ganz zu
stimme über-
haupt nicht zu
teils/teils
stimme voll
& ganz zu
stimme über-
haupt nicht zu
teils/teils
stimme voll
& ganz zu
stimme über-
haupt nicht zu
teils/teils

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
83
IV. Einschätzung von Wölfen
1. Wie viele freilebende Wölfe leben heute wieder in Deutschland?:
_________ □ weiß nicht
- Bitte kreuzen Sie im folgenden Absatz jeweils nur eine
Antwort an -
2. Wie schätzen Sie die Bestandsentwicklung von Wölfen in Deutschland in den letzten 5 Jahren
ein?
□ es werden mehr □ gleich bleibend □ es werden weniger □ weiß nicht
3. Welche zukünftige Bestandsentwicklung würden Sie sich für Wölfe in Deutschland wünschen?
□ mehr Wölfe □ soviel Wölfe wie heute □ weniger Wölfe □ keine Wölfe □ egal
4. Woher kommen die freilebenden Wölfe in Deutschland?
□ einige Wölfe waren immer da
□ illegale Aussetzungen □ genehmigten Aussetzungen
□ natürliche Zuwanderung aus dem Osten
□ weiß nicht
5. Wie viel wiegt ein durchschnittlicher erwachsener Wolf in Europa?
□ <20 kg
□ 20-49 kg
□ 50-79 kg
□ 80-100 kg
□ >100 kg
□ weiß nicht
6. Was ist die Hauptbeute von Wölfen in Europa?
□ Mäuse und andere Kleinsäuger
□ große Huftiere wie Reh, Rothirsch und Wildschwein
□ Nutztiere wie Ziegen, Schafe & Rinder
□ Hunde und Katzen
□ weiß nicht
7. Wie viele Wölfe leben im Durchschnitt in einem Wolfsrudel:
_________ □ weiß nicht
- Bitte kreuzen Sie in der folgenden Liste an, ob Sie die Aussagen für richtig oder falsch halten -
Welche der folgenden Aussagen ist richtig:
Richtig Falsch
8. Im Gegensatz zu einer Hündin kann eine Wölfin nur 1x im Jahr
Junge bekommen.
1 2
□ weiß
nicht
9. Ein Wolfsrudel duldet keine fremden Wölfe in seinem Revier.
1
2
□ weiß
nicht
10. Der Wolf ist der Stammvater aller heutigen Hunderassen.
1
2
□ weiß
nicht
11. Mischlinge aus Wolf und Hund können sich nicht weiter
fortpflanzen.
1
2
□ weiß
nicht
12. Der Wolf ist eine weltweit bedrohte Art.
1
2
□ weiß
nicht
13. In Europa leben Wölfe vor allem in Skandinavien.
1
2
□ weiß
nicht
14. Besonders in strengen Wintern leiden Wölfe Hunger.
1
2
□ weiß
nicht
15. Der Wolf spielt für die Verbreitung der Tollwut keine große Rolle.
1
2
□ weiß
nicht

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
84
V. Der Umgang mit Wölfen
- Bitte kreuzen Sie bei den folgenden Fragen immer nur eine
Antwort an -
1. Halten Sie den Wolf als ehemals einheimische Tierart in der heutigen Kulturlandschaft für:
□ biologisch notwendig
□ tolerierbar
□ nicht akzeptierbar
□ weiß nicht
2. Wie beurteilen Sie die vorhandenen Lebensräume in Sachsen/Brandenburg:
□ geeignet für eine stabile Wolfspopulation
□ für wenige Einzeltiere geeignet
□ ungeeignet
□ weiß nicht
3. Würden Sie gezielte Aussetzungen von Wölfen unter wissenschaftlicher Begleitung in
geeigneten Gebieten akzeptieren, um die natürliche Zuwanderung zu unterstützen?
□ ja
□ nein
□ weiß nicht
4. Wie nah zu Ihrem Wohnort würden Sie die Gegenwart von Wölfen tolerieren?
□ unter 1 km
□ 1-5 km
□ 6-10 km
□ mehr als 10 km
□ mehr als 100 km
□ ich will nicht, dass Wölfe in Deutschland leben
□ weiß nicht
Wie akzeptabel wäre für Sie das folgende Verhalten von Wölfen in Deutschland?
- Bitte kreuzen Sie an wie akzeptabel oder inakzeptabel Sie die folgenden Verhaltensweisen von Wölfen
in Deutschland einschätzen -
5. Wölfe leben in Naturschutzgebieten oder Nationalparks,
abseits von menschlichen Besiedlungen.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
6. Wölfe können in der Nähe von Siedlungen gesehen
werden.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
7. Wölfe töten Nutztiere.
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
8. Wölfe töten Hunde oder Katzen.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
9. Wölfe paaren sich mit Haushunden und produzieren
Mischlinge aus Wolf und Hund (Hybriden).
5 4 3 2 1
□ weiß
nicht
10. Wölfe bedrohen Menschen.
5
4
3
2
1
□ weiß
nicht
gut
akzeptabel
völlig
inakzeptabel
teils/teils

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
85
Welche Managementmaßnahmen würden Sie bei den in der folgenden Tabelle aufgeführten
Verhaltensweisen bevorzugen?
- Bitte kreuzen Sie jeweils nur eine
Maßnahme pro Zeile an -
Keine
Maßnahmen
Abschrecken
/ Vertreiben
Fang &
Gehege
Abschuss /
Tötung
11. Wölfe leben in
Naturschutzgebieten oder
Nationalparks.
4 3 2 1
□ weiß
nicht
12. Wölfe können in der
Nähe von Siedlungen
gesehen werden.
4
3
2
1
□ weiß
nicht
13. Wölfe töten Nutztiere.
4
3
2
1
□ weiß
nicht
14. Wölfe töten Hunde
oder Katzen.
4
3
2
1
□ weiß
nicht
15. Mischlingen aus Hund
und Wolf treten auf.
4 3 2 1
□ weiß
nicht
16. Wölfe bedrohen
Menschen.
4
3
2
1
□ weiß
nicht
- Bitte kreuzen Sie jeweils nur eine
Antwort pro Frage an -
17. Sollen Landwirte für Nutztiere entschädigt werden, die von Wölfen getötet wurden?
□ ja, zu 100%
□ ja, zumindest teilweise
□ nur in Ausnahmefällen
□ nein, nie
□ weiß nicht
18. Sollen Jäger für Wildtiere entschädigt werden, die von Wölfen getötete wurden?
□ ja, zu 100%
□ ja, zumindest teilweise
□ nur in Ausnahmefällen
□ nein, nie
□ weiß nicht
19. Wer sollte im Falle von Entschädigungszahlungen für die Kosten aufkommen?
□ die EU
□ der Deutsche Staat
□ Dachverband der Nutztierhalter/Jäger
□ Naturschutzorganisationen
□ Spendengelder
□ es sollte keine Entschädigung geben
□ weiß nicht
20. Wie viel Geld wären sie bereit jährlich für den Schutz von Wölfen in Deutschland zu spenden:
□ nichts □ 1-5 EURO □ bis zu 10 EURO □ bis zu 50 EURO □ bis 100 EURO □ über 100 EURO

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
86
VI. Hintergrundinformationen
Hier hätten wir zum Schluss noch gerne einige Angeben zu Ihrer Person bzw. Ihrem Haushalt:
1. Alter:
___________
2. Geschlecht:
□ weiblich
□ männlich
3. Höchster Abschluss:
□ Hauptschule □ Realschule □ Oberschule (POS) □ Gymnasium / EOS □ Fachhochschule
□ Universität
□ Sonstige:____________________________
4. Wie viele Personen leben in Ihrem Haushalt?:_____
5. Leben in Ihrem Haushalt?:
□ keine Kinder □ Kind(er) bis 6 Jahre □ Kind(er) zwischen 7-16 Jahre
6. Leben Sie in:
□ einer Großstadt (≥ 40.000 Einwohner)
□ einer Kleinstadt (3.000 – 40.000 Einwohner)
□ einem Dorf (< 3.000 Einwohner)
□ auf einem Einzelhof
7. Wie viele Jahre wohnen Sie bereits an diesem Ort?__
_________
8. Was sind Sie von Beruf?
:____________________________
9. Haben Sie einen Hund oder eine Katze
: □ nein □ Hund
□ Katze
10. Haben Sie Nutztiere
: □ ja □ nein
11. Sind Sie Jäger
: □ ja
□ nein
12. Gehören Sie einer Naturschutzorganisation an
: □ ja
□ nein
13. Würden Sie gerne mehr über Wölfe in Deutschland erfahren?
□ ja
□ nein
!!! GANZ HERZLICHEN DANK FÜR IHRE ZEIT UND MITARBEIT!!!
-
Zusätzliche Kommentare können Sie uns gerne auf die letzte Seite schreiben –

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
87
Anhang 3: Merkblatt für Verteiler der Wolfsumfrage.
______________________________________________________________________
Merkblatt Wolfsumfrage
Grundsätzliche Methode:
● Direkte Verteilung an der Haustür
● Zum Einsammeln aufschreiben wo Fragebögen abgegeben wurden
● Wiedereinsammeln nach 1-2 Stunden
● Nicht-Antworter aufschreiben (Alter schätzen und Mann/Frau)
Verteilung:
● in jedem Ort nach Zufallsprinzip – vorher überlegen:
z.B. Ort Mitte, rechte Seite, 5. Haus; wenn dort niemand bereit ist einfach nächstes Haus/Stock rechts
● im Haushalt: Person die als nächstes Geburtstag hat; nur Personen >16 Jahre
Allgemeines Auftreten:
● keine “Missionierung”
● Auftreten nur
als Museum Görlitz (neutral + seriös)
● keine Werbung in “eigener Sache” (Wolfs T-shirt, Anstecker NEIN!)
Unfrage an den „Mann“ bringen:
● Standartspruch!
- betonen, dass es sich bei Ihnen u freiwillige Helfer / Studenten handelt
- Museum Görlitz führt die Umfrage aus
- Ihre Meinung zählt – kein Test
- die Fragebögen anonym bleiben
- Zeitaufwand ca. 15-25min
- Wiederabholung, kann auch vor Tür gelegt werden
● keine Information zum Wolf am Anfang
● Wolfsinfo können beim Einsammeln gegeben werden – aber:
kein Grundsatzdiskussionen; nicht
provozieren lassen
● Wolfsbroschüre nur bei Interesse verteilen, bitte vorher fragen
Auch noch wichtig:
-
Kilometer und Fahrtstrecke aufschreiben
-
Zeitaufwand aufschreiben
Möglicher Standardspruch
Wir führen für das Staatliche Museum für Naturkunde Görlitz eine Umfrage zum Thema Wölfe in
Deutschland durch und bitten Sie um Ihre Mitarbeit. Es handelt sich um einen Fragebogen, denen wir
Ihnen aushändigen möchten und nach 1-2 Stunden wieder einsammeln würden. Keine Angst zum
Ausfüllen brauchen Sie höchstens 15-25 Minuten. Dieser Fragebogen ist kein Test, sondern wir wollen
wissen was Sie über Wölfe denken und wie Sie sich den Umgang mit Wölfen in Deutschland vorstellen
können. Alle Fragebögen bleiben anonym und werden vom Projektträger nicht an Dritte weitergegeben.
Zum Einsammeln können Sie uns den Fragebogen auch vor Ihre Haustür legen, gegebenenfalls in einer
Plastiktüte oder mit einem Stein beschwert. Die Ergebnisse können Sie im Herbst dieses Jahres im
Internet abrufen – Webadresse ist auf dem Fragebogen angegeben.
Falls Fragen kommen:
Wer sind Sie?
-
Sie helfen bei der Umfrage als Freiwillige und aus Interesse mit (bitte nicht NABU oder andere
Verbände ins Feld führen)
Warum Wölfe in Deutschland?

Akzeptanzstudie für Wölfe in Deutschland
Kaczensky 2006
88
-
Seit einiger Zeit gibt es wieder Wölfe in Deutschland – manche Leute freuen sich, andere haben Angst
oder sind dagegen. Für den weiteren Umgang mit Wölfen ist es wichtig die Meinung der lokalen
Bevölkerung zu kennen.
-
Bitte machen Sie beim Austeilen der Fragebögen keine
Angaben zu:
Wie viele Wölfe
Wo Wölfe sind
Woher die Wölfe kommen
GUTES GELINGEN!