Auf Grund der Lage in Mitteleuropa kommt dem Freistaat Sachsen und der Woiwodschaft
Niederschlesien im europäischen Integrationsprozess ein besonderes Gewicht zu. Nach der
EU-Erweiterung zum 1. Mai 2004 spielt die grenzübergreifende Zusammenarbeit mit der
Republik Polen im Freistaat Sachsen eine besondere Rolle. Sachsen ist sich seiner Funktion
als Mittler zwischen West-, Mittel- und Osteuropa und den damit verbundenen Chancen im
erweiterten Europa bewusst. Bereits der Landesentwicklungsplan Sachsen 2003 bot
planerische Ideen und Lösungen auch zu Fragen der Auswirkungen der EU-Erweiterung an.
Im Leitbild wurde darauf verwiesen, dass die transnationale und die grenzübergreifende
Zusammenarbeit auszubauen ist. Dazu sollen die räumlichen Voraussetzungen für den
Ausbau funktionaler Verflechtungen und Kommunikationsbeziehungen mit den Regionen der
Nachbarländer geschaffen und grenzübergreifende Kooperationen entwickelt werden. Für
Sachsen ist die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg ohne Alternative, um die
menschlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und ökologischen Ressourcen der Grenzregionen
voll auszuschöpfen und aufzuwerten und den gemeinsamen Grenzraum weiter zu entwickeln.
Der Landesentwicklungsplan 2013 setzt diesen Weg konsequent fort: „Der Freistaat Sachsen
bringt sich als attraktiver und aktiver Partner mit seiner kulturellen Vielfalt und
wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit in die Entwicklung der Europäischen Union ein. In der
Mitte Europas nutzt Sachsen seine Chancen, insbesondere mit seinen Oberzentren als
wichtige Standorte von Wirtschaft und Wissenschaft und wird seine Brückenfunktion nach
Osteuropa durch gute Nachbarschaft, eine kontinuierliche Weiterentwicklung der
grenzübergreifenden Zusammenarbeit und Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen
weiter stärken“.
Mit den Woiwodschaften Niederschlesien und Lebuser Land pflegt Sachsen seit Jahren
regionale Partnerschaften. Seit 1999 unterhält der Freistaat Sachsen eine
Regionalpartnerschaft mit der Woiwodschaft Niederschlesien, seit 2008 auch mit der
Woiwodschaft Lebuser Land. Die Grundlagen der bisherigen sächsisch-niederschlesischen
Zusammenarbeit sind zwei gemeinsame Erklärungen, die der damalige sächsische
Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt Biedenkopf am 17. September 1999 mit dem damaligen
Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien, Prof. Dr. Jan Waszkiewicz, sowie am 2. Mai
2000 mit dem damaligen niederschlesischen Woiwoden Witold Krochmal unterzeichnete. In
den Erklärungen hoben beide Seiten die positiven Auswirkungen einer grenzübergreifenden
Zusammenarbeit auf die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung sowie auf die innere
Sicherheit und auf die Bewältigung ökologischer Probleme hervor. Das Sächsische
Staatsministerium des Innern arbeitet seit mehreren Jahren mit dem Marschallamt der
Woiwodschaft Niederschlesien an verschiedenen transnationalen und grenzüberschreitenden
Projekten, auch auf dem Gebiet der Raumordnung, Raumplanung und Raumentwicklung, und
in mehreren Gremien zusammen. Exemplarisch für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit
können mehrere gemeinsam durchgeführte transnationale und grenzüberschreitende Projekte
genannt werden. In den inzwischen abgeschlossenen EU-Projekten "Via Regia" und "Via
Regia Plus" wurde gemeinsam eine Raumentwicklungsstrategie für den III. Paneuropäischen
Verkehrskorridor Via Regia erarbeitet. Das Projekt „Gemeinsam für den Grenzraum
Niederschlesien-Sachsen“ gehörte 2013 zu den Preisträgern des "Wettbewerbs für
modellhafte deutsch - polnische Kooperationsprojekte", der vom Bundesministerium für
Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in Kooperation mit dem Ministerium für
Regionalentwicklung der Republik Polen veranstaltet wurde. In der Begründung betonten die
Juroren, dass in dem Projekt beispielhaft gezeigt wird, wie die Kooperation und
Kommunikation zwischen den Verwaltungen benachbarter Regionen in Europa effektiv
funktionieren kann. Das Projekt sei so angelegt, dass es trotz seiner Komplexität und der
Vielzahl der Partner das Potenzial besitzt, tatsächlich zu konkreten Verbesserungen in der
grenzüberschreitenden Region zu führen. Dazu tragen nicht zuletzt die Beteiligung von

Experten an allen Arbeitsgruppen und die Einbeziehung der Kommunen bei. Die Juroren
schätzten das Projekt als ein interessantes Beispiel der Nutzung von INTERREG-Mitteln ein
und betrachten es als potenzielles Best-Practice-Modell für die grenzüberschreitende
Verwaltungszusammenarbeit europäischer Regionen.
Sachsen und Niederschlesien können heute auf eine erfolgreiche Kooperation zurückblicken
und stolz auf das bisher Erreichte sein. Beide Regionen werden sich auch in Zukunft den
Herausforderungen einer grenzübergreifenden Zusammenarbeit stellen müssen. Gemeinsam
können sie so die Chancen, die sich aus ihrer Lage im Herzen Europas ergeben, optimal
nutzen. Denn Polen ist nicht nur Sachsens Nachbar, sondern auch einer der wichtigsten
Partner in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.
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