image
image
Plan T
Planungsgruppe Landschaft und Umwelt
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Artenschutzrechtliche Prüfung

Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
Auftraggeber: Stadtverwaltung Coswig
Postfach 11 10
06131 Coswig
Auftragnehmer: Plan T
Planungsgruppe Landschaft und Umwelt
Wichernstraße 1b
01445 Radebeul
Tel.: 0351.8920070
Fax: 0351.8920079
Projektleitung:
Gabriele Hintemann, Dipl.-Geographin
Bearbeitung: Silke Scheidler, Dipl.-Ing. Landschaftsplanung, M.Sc. Raumentwicklung
und Naturressourcenmanagement
Stand:
08. November 2019
Radebeul, 08. November 2019
Dipl.-Geogr. Gabriele Hintemann

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
3
Inhaltsverzeichnis
1
Anlass und Aufgabenstellung
6
2
Grundlagen und Methodik
7
2.1 Rechtliche Grundlagen
7
2.2 Methodisches Vorgehen
11
3
Bestandserfassung
13
3.1 Überblick über das Untersuchungsgebiet
13
3.2 Allgemeine Einschätzung der Lebensraumqualität und der Habitateignung für
artenschutzrelevanten Arten
17
3.3 Ergebnisse vorliegender faunistischer Erfassungen
20
3.4 Datengrundlagen der Fachbehörden
23
3.5 Aktualität der Datengrundlagen
23
4
Betroffenheitsanalyse
24
4.1 Beschreibung des Vorhabens, der Wirkfaktoren und Wirkzonen
24
4.1.1
Beschreibung des Vorhabens
24
4.1.2
Relevante Wirkfaktoren des Vorhabens
24
4.1.3
Bestimmung der projektspezifischen Wirkzonen
25
4.2 Ermittlung des prüfrelevanten Artenspektrums
25
5
Konfliktanalyse – Prüfung der Verbotstatbestände
26
5.1 Bündelung relevanter Arten für die Konfliktanalyse
26
5.2 Bewertungs- und Beurteilungskriterien
27
5.2.1
Prüfmaßstab „Ökologische Funktionsfähigkeit“
27
5.2.2
Prüfmaßstab „Erhaltungszustand der lokalen Population“
27
5.2.3
Artengruppenspezifische Empfindlichkeiten
28
5.2.4
Konfliktmindernde Maßnahmen und vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen
30
5.3 Art- bzw. artgruppenbezogene Risikoeinschätzung
31
5.3.1
Arten nach Anhang IV der FFH-RL
31
5.3.1.1
Fledermäuse
31
5.3.2
Europäische Vogelarten nach Art. 1 der VSchRL
47
5.3.2.1
Brutvögel der Offen- und Halboffenlandschaften
47
5.3.2.2
Brutvögel unterschiedlicher Gehölzstrukturen (Waldränder, Feldgehölze,
Baumgruppen, sonstige Gehölzstrukturen – auch in Siedlungslagen)
54
5.3.2.3
Gebäudebrüter
63
5.3.2.4
Ungefährdete, weitverbreitete Vogelarten (Ubiquisten)
68
5.4 Artenschutzrechtlich begründete Maßnahmen zur Vermeidung der
Verbotstatbestände
70
6
Zusammenfassung
73
7
Quellenverzeichnis
74
7.1 Gesetze, Richtlinien, Erlasse und Urteile
74
7.2 Literaturverzeichnis
74
7.3 Gutachten und Planungen
80
8
Anhang
81
8.1 Ermittlung des prüfrelevanten Artenspektrums
81
8.1.1
Ausschluss nicht prüfrelevanter Arten / Artengruppen
81
8.1.2
Prüfrelevante Arten / Artengruppen
84

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
4
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Darstellung und Erläuterungen der artenschutzrechtlichen
Verbotstatbestände
7
Tabelle 2:
Ausnahmen von den Verbotstatbeständen und deren Erläuterung
11
Tabelle 3:
Liste der im Spätsommer 2019 nachgewiesenen Vogelarten mit Rote Liste
Status in Sachsen bzw. Deutschland (NSI 2019)
23
Tabelle 4:
Zusammenfassung der prüfungsrelevanten Arten und Artengruppen
26
Tabelle 5:
Wirkfaktoren und Empfindlichkeiten gegenüber den spezifischen
Wirkungen des Vorhabens / Betroffenheiten der verschiedenen
Artengruppen
29
Tabelle 6:
Prüfung der Verbotstatbestände gemäß § 44 BNatSchG der euryöken, weit
verbreiteten Vogelarten
69
Tabelle 7:
Erforderliche konfliktvermeidende Maßnahmen (kvM) und vorgezogene
Ausgleichsmßnahmen (CEF)
70
Tabelle 8:
Ausschluss nicht prüfrelevanter Arten gemäß LFULG 2017c
82
Tabelle 9:
Potenziell vorkommende bzw. nachgewiesene Arten des Anhangs IV der
FFH-RL sowie streng geschützte Vogelarten, Arten des Anhang I der
VSchRL sowie Vogelarten mit Rote Liste Status im Untersuchungsgebiet
und mögliche Betroffenheit
85
Tabelle 10:
Nachgewiesene vorkommende ubiquitäre Vogelarten (Gildenprüfung)
sowie deren mögliche Betroffenheit durch das Vorhaben
92
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Räumliche Einordnung des Geltungsbereiches des B-Planes
„Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“
13
Abbildung 2: Überlagerungsbereich des Geltungsbereiches B-Plan Nr. 67 Neusörnewitz
Cliebener Straße und des Untersuchungsgebietes der faunistischen
Erfassungen zur S 84
21
Abbildung 3: Artnachweise im Geltungsbereich des B-Plan Nr. 67 (gelbe gestrichelte
Linie) bzw. im Umfeld (NSI 2014a und 2014b sowie Schmidt 2014)
22
Abbildung 4: Im Zuge der faunistischen Erfassungen zur S 84 nachgewiesene
Fledermausvorkommen im Umfeld des Geltungsbereiches des B-Planes
Nr. 67 (Schmidt 2014)
41
Abbildung 5: Im Zuge der faunistischen Erfassungen zur S 84 nachgewiesene
Vorkommen der Offen- und Halboffenlandbrüter im Umfeld des
Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 (NSI Dresden 2014)
50
Abbildung 6: Im Zuge der faunistischen Erfassungen zur S 84 nachgewiesene
Vorkommen der Brutvögel unterschiedlicher Gehölzstrukturen im Umfeld
des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 (NSI Dresden 2014)
58
Abbildung 7:
Schematische Darstellung der Biotoptypen im Umfeld des Vorhabens
83
Fotoverzeichnis
Foto 1:
Containerlagerung auf der Gewerbefläche Köhlerstraße 1-3 (links),
Aufschüttungen auf der Gewerbefläche Köhlerstraße 1-3 mit Blick auf das
neu errichtete Verwaltungsgebäude (rechts)
14

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
5
Foto 2:
Blick auf das angrenzende Wäldchen (links), Baumreihe aus Spitz-Ahorn
entlang der Erschließungsstraße auf dem Betriebsgelände Köhlerstraße 11-
13 (rechts)
14
Foto 3:
Blick auf die südlich der bestehenden Gewerbeflächen angrenzenden
Ackerflächen
15
Foto 4:
Gewerbefläche Fabrikstraße 11 (links), Gewerbefläche Fabrikstraße 9
(rechts)
15
Foto 5:
Wohnbebauung an der Fabrikstraße 7 und 9 (links), Intensivgrünland Ecke
Fabrikstraße/Cliebener Straße mit Blick auf die Gewerbenutzung an der
Cliebener Straße (rechts)
16
Foto 6:
Landwirtschaftlicher Betriebsstandort an der Cliebener Straße (links),
Landwirtschaftliche Nutzung an der Cliebener Straße (rechts)
16
Foto 7:
Landwirtschaftliche Nutzung angrenzend an Gewerbeflächen Köhlerstraße
(rechts im Bild)
16
Foto 8:
Hecke entlang des Fachgroßhandels an der Cliebener Straße 99 (links),
Bibernell-Rose in der Hecke entlang der Grundstücksgrenze (rechts)
17
Foto 9:
Blick über Ackerflächen / Ackerbrachen zu den Gewerbeflächen
Köhlerstraße, links im Bild angrenzend Robinien-Birken-Bestand
17
Foto 10:
Gewerbefläche Fabrikstraße 11 (links), Gewerbefläche Fabrikstraße 9
(rechts)
18
Foto 11:
Gebäude des Landwirtschaftsbetriebes an der Cliebener Straße (links),
Verkaufsgebäude (rechts)
18
Foto 12:
Aufschüttungen aus Bauschutt und Baumaterialien im zentralen Bereich
der Gewerbefläche Köhlerstraße 1-3 mit Potenzial als Habitat für die
Zauneidechse
18
Foto 13:
Südöstliche Randbereiche des Laubmischwaldes auf der alten Deponie
19
Foto 14:
Birkenwäldchen hinter dem ENSO-Gebäude (Fabrikstraße 11) (links),
Gehölzbe- stände im Bereich der Gärten (rechts)
19
Foto 15:
Grünland auf dem Betriebsgelände Köhlerstraße 11-13 (links), als Weide
genutztes Intensivgrünland im Nordosten des Untersuchungsgebietes
(rechts) (potenzielle Habitatstrukturen für Offenlandbrüter)
20
Foto 16:
Intensiv genutzte Ackerflächen im südlichen UG (potenzielle
Habitatstrukturen für Offenlandbrüter)
20
Abkürzungsverzeichnis
B-Plan
Bebauungsplan gemäß §§ 8 - 10a BauGB
BauGB
Baugesetzbuch
BNatSchG
Bundesnaturschutzgesetz
FFH
Fauna Flora Habitat
FFH-RL
FFH-Richtlinie
GOP
Grünordnungsplan
Kat.
Kategorie
MTB
Messtischblatt (topografische Karte im Maßstab 1 : 25.000)
MTBQ
Messtischblattquadrant
NHN
Normalhöhennull

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
6
1 Anlass und Aufgabenstellung
Die Stadt Coswig beabsichtigt, einen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Neusörnewitz Clie-
bener Straße aufzustellen, um den Bestand städtebaulich zu ordnen und Erweiterungen zu ermögli-
chen. Im ersten Schritt soll für die Gesamtfläche von ca. 22,9 ha ein Vorentwurf erstellt werden. Im
zweiten Schritt werden voraussichtlich nur Teilflächen weiterbearbeitet und zum Satzungsbeschluss
geführt.
Das Vorhaben ist hinsichtlich des Eintretens von Verbotstatbeständen des § 44 BNatSchG Abs.
1-5 (besonderer Artenschutz) zu prüfen. Die vorliegende artenschutzrechtliche Prüfung hat das vor-
rangige Ziel, artenschutzrechtliche Konflikte frühzeitig zu erkennen und Konzepte zur Konfliktver-
meidung bzw. Konfliktminderung aufzuzeigen. Die artenschutzrechtliche Prüfung wird als Risikoein-
schätzung für die entscheidungsrelevanten Tier- und Pflanzenarten durchgeführt. Als entscheidungs-
relevante Arten kommen Tier- und Pflanzenarten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie sowie europäi-
sche Vogelarten gem. Art. 1 der Vogelschutzrichtlinie in Betracht:
die als gefährdet gelten (Rote Liste-Status in Deutschland und Sachsen), selten und / oder ökolo-
gisch sehr anspruchsvoll sind
deren natürliches Verbreitungsgebiet im Wirkraum des Geltungsbereiches liegt
die eine vorhabensspezifische Empfindlichkeit aufweisen (ggü. bau-, anlage- oder betriebsbeding-
ten Wirkungen)
für die negativen Auswirkungen auf den Erhaltungszustand ihrer Populationen nicht ausgeschlos-
sen werden können und/oder
für die die Bundesrepublik Deutschland oder der Freistaat Sachsen eine besondere Verantwortung
tragen
Basierend auf den Ergebnissen der Risikoeinschätzung sind die grundsätzlichen Möglichkeiten
zur Durchführung von Vermeidungsmaßnahmen, sofern erforderlich vorgezogenen Ausgleichsmaß-
nahmen (CEF-Maßnahmen) oder Kompensationsmaßnahmen zu betrachten. Ziel der artenschutz-
rechtlichen Betrachtung ist die Beurteilung für die entscheidungsrelevanten Arten, ob durch die Ge-
werbegebietsplanung eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der betroffenen Populationen
mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden kann oder nicht.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
7
2 Grundlagen und Methodik
2.1 Rechtliche Grundlagen
Zugriffsverbote des § 44 BNatSchG
Die zentralen Vorgaben des Artenschutzes sind in § 44 BNatSchG dargelegt, der sowohl für die
besonders als auch für die streng geschützten Tier- und Pflanzenarten unterschiedliche Verbote von
Beeinträchtigungen normiert.
In der nachfolgenden Tabelle 1 werden die für Eingriffsvorhaben relevanten artenschutzrechtli-
chen Zugriffsverbote (Schädigungs- und Störungsverbote) des § 44 Abs. 1 BNatSchG dargelegt und
erläutert. Die Erläuterungen sind wesentliche Grundlage für die Beurteilung, ob die artenschutzrecht-
lichen Verbotstatbestände Anwendung finden oder durch Maßnahmen vermieden werden können.
Tabelle 1:
Darstellung und Erläuterungen der artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände
Verbotstatbestand
Erläuterungen
Spezieller Artenschutz
§ 44 Absatz 1 BNatSchG (Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten)
(1) Es ist verboten,
Nr. 1
wildlebenden Tieren der besonders ge-
schützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu
verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungs-
formen aus der Natur zu entnehmen, zu beschä-
digen oder zu zerstören,
Tötungs- und Verletzungsverbote
Ein Verstoß gegen dieses Schädigungs- und Tötungsverbot kann u.a. bei
der Baufeldfreimachung erfolgen, z.B. wenn Niststätten/Bruthöhlen der
Avifauna in Anspruch genommen werden und Tiere getötet oder Eier zer-
stört werden. Das artenschutzrechtliche Tötungsverbot ist nach aktueller
Rechtsprechung des BVerwG (BVerwG, Urteil vom 08.01.2014 - 9 A 4.13 -,
juris Rn. 99) dann nicht erfüllt, wenn das vorhabenbedingte Tötungsrisiko
unter Berücksichtigung von Schadensvermeidungsmaßnahmen nicht höher
ist als das Risiko, dem einzelne Exemplare der jeweiligen Art im Rahmen
des allgemeinen Naturgeschehens stets ausgesetzt sind. Das gilt nicht nur
für das betriebsbedingte Risiko von Kollisionen im Straßenverkehr, sondern
auch für bau- und anlagebezogene Risiken. Nach dem Maßstab praktischer
Vernunft ist somit keine weitergehende artenschutzrechtliche Verantwor-
tung gegeben, wenn das baubedingte Tötungsrisiko durch Vermeidungs-
maßnahmen bereits bis zur Schwelle des allgemeinen Lebensrisikos, dem
die Individuen der jeweiligen Art ohnehin unterliegen, gesenkt worden ist.
Unvermeidbare betriebsbedingte Tötungen einzelner Individuen (z. B. Tier-
kollisionen nach Inbetriebnahme einer Straße) fallen als Verwirklichung so-
zialadäquater Risiken in der Regel nicht unter das Verbot. Vielmehr muss
sich durch ein Vorhaben das Risiko des Erfolgseintritts (Tötung besonders
geschützter Tiere) in signifikanter Weise erhöhen (BVerwG, Urteil vom
09.07.2008 - 9 A 14.07 -, juris Rn. 90). Ob ein signifikant erhöhtes Risiko
vorliegt, ist im Einzelfall in Bezug auf die Lage der geplanten Maßnahme,
die jeweiligen Vorkommen und die Biologie der Arten zu betrachten (Tö-
tungswahrscheinlichkeit) (LANA & BMU 2009).
Erheblich sind Verletzungen und Tötungen, die nicht mehr zu den normalen
und somit noch tolerierbaren Risiken eines Vorhabens gezählt werden kön-
nen (BMVBS 2009). Ein erhöhtes Kollisionsrisiko beim Queren von traditio-
nellen Flugrouten von Fledermäusen, das über das allgemeine Lebensrisiko
hinausgeht, kann den Verbotstatbestand auslösen. Daher müssen alle An-
haltspunkte erfasst werden, die eine erhöhte Gefährdung indizieren
(BMVBS 2009).
Gemäß § 44 Absatz 5 Nr. 2 liegt ein Verstoß gegen das Verbot des Nach-
stellens und Fangens wild lebender Tiere und der Entnahme, Beschädigung
oder Zerstörung ihrer Entwicklungsformen nach Absatz 1 Nummer 1 nicht
vor, wenn die Tiere oder ihre Entwicklungsformen im Rahmen einer erfor-
derlichen Maßnahme, die auf den Schutz der Tiere vor Tötung oder Verlet-
zung oder ihrer Entwicklungsformen vor Entnahme, Beschädigung oder Zer-
störung und die Erhaltung der ökologischen Funktion der Fortpflanzungs-

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
8
Verbotstatbestand
Erläuterungen
oder Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang gerichtet ist, beeinträchtigt
werden und diese Beeinträchtigungen unvermeidbar sind.
Die Zugriffs- und Besitzverbote gelten nicht für Handlungen zur Vorbereitung
gesetzlich vorgeschriebener Prüfungen, die von fachkundigen Personen un-
ter größtmöglicher Schonung der untersuchten Exemplare und der übrigen
Tier- und Pflanzenwelt im notwendigen Umfang vorgenommen werden.
Nr. 2
wild lebende Tiere der streng geschützten
Arten und der europäischen Vogelarten während
der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Über-
winterungs- und Wanderzeiten erheblich zu stö-
ren; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich
durch die Störung der Erhaltungszustand der lo-
kalen Population einer Art verschlechtert,
Störungsverbote
Erhebliche Störungen sind während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-,
Mauser-, Überwinterungs- und Wanderzeiten von Relevanz (LBV-SH 2016).
Bei einigen Arten können sie den gesamten phänologischen Lebenszyklus
nahezu lückenlos abdecken (LANA & BMU 2009). Viele Arten halten sich
dagegen nicht ganzjährig in einem bestimmten Raum auf (u.a. Zugvögel,
Fledermäuse, einige Amphibien), so dass sich Störungen häufig durch
Bauzeitenfenster ausschließen lassen (LBV-SH 2016).
Als Störungen werden direkt auf ein Tier einwirkende Beunruhigungen oder
Scheuchwirkungen bewertet, die nicht zwingend zur Tötung oder zum
vollständigen Verlust der ökologischen Funktion von Fortpflanzungs- oder
Ruhestätten führen (LBV-SH 2016). Nicht jede störende Handlung erfüllt
den Verbotstatbestand, sondern nur eine erhebliche Störung, durch die sich
der „Erhaltungszustand der lokalen Population“ verschlechtert. Eine
Verschlechterung des Erhaltungszustandes ist immer dann anzunehmen,
wenn sich als Folge der Störung die Größe oder der Fortpflanzungserfolg
der lokalen Population signifikant und nachhaltig verringert. Bei häufigen
und weit verbreiteten Arten führen kleinräumige Störungen einzelner
Individuen im Regelfall nicht zu einem Verstoß gegen das Störungsverbot.
Störungen an den Populationszentren können aber auch bei häufigeren
Arten zur Überschreitung der Erheblichkeitsschwelle führen. Demgegen-
über kann bei landesweit seltenen Arten mit geringen Populationsgrößen
eine erhebliche Störung bereits dann vorliegen, wenn die Fortpflanz-
ungsfähigkeit, der Bruterfolg oder die Überlebenschancen einzelner
Individuen beeinträchtigt oder gefährdet werden (LANA & BMU 2009).
Störungen, die zum dauerhaften Verlust der Funktionsfähigkeit einer
Fortpflanzungs- und Ruhestätte führen, werden artenschutzrechtlich nicht
dem Störungsverbot zugeordnet, sondern als Verbot der Zerstörung oder
Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten behandelt (LBV-SH
2016).
In der Planungspraxis lassen sich lokale Populationen als lokale Bestände
in einem störungsrelevanten Zusammenhang definieren. Folgende Abgren-
zungen der lokalen Population sind möglich (verändert nach LANA & BMU
2009):
1. Lokale Population im Sinne eines gut abgrenzbaren örtlichen Vorkom-
mens: Abgrenzung von kleinräumigen Landschaftseinheiten bei Arten mit
einer punktuellen oder zerstreuten Verbreitung (Laichgemeinschaften, Wo-
chenstuben, Brutkolonien) oder bei Arten mit lokalen Dichtezentren (u.a. Mit-
telspecht, Feldlerche).
2. Lokale Population im Sinne einer flächigen Verbreitung: Abgrenzung von
naturräumlichen Landschaftseinheiten bei Arten mit einer flächigen Verbrei-
tung (Kohlmeise, Buchfink) sowie bei revierbildenden Arten mit großen Ak-
tionsräumen (Mäusebussard, Turmfalke).
Nr. 3
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild-
lebenden Tiere der besonders geschützten Arten
aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen o-
der zu zerstören,
Schutz von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Entscheidend für das Vorliegen einer Beschädigung von Fortpflanzungs- o-
der Ruhestätten ist die Feststellung, dass eine Verminderung des Fortpflan-
zungserfolges oder der Ruhemöglichkeiten des betroffenen Individuums o-
der der betroffenen Individuengruppe wahrscheinlich ist (LANA & BMU
2009).
Soweit in Anhang IV der FFH-RL aufgeführte Arten oder europäische Vogel-
arten betroffen sind, ist nach § 44 Abs. 5 Satz 2 BNatSchG der Verbotstat-
bestand des Absatzes 1 Nr. 3 dann nicht verwirklicht, wenn sichergestellt
ist, dass trotz Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung einzelner Nester,
Bruthöhlen, Laichplätze etc. die ökologische Funktion der betroffenen

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
9
Verbotstatbestand
Erläuterungen
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang weiterhin
gewährleistet ist. An der ökologischen Gesamtsituation des von dem Vorha-
ben betroffenen Bereichs darf im Hinblick auf seine Funktion als Fortpflan-
zungs- oder Ruhestätte keine Verschlechterung auftreten (BUNDESREGIE-
RUNG 2007).
Bezüglich der zeitlichen Dauer des Schutzes einer Fortpflanzungs- und Ru-
hestätte lassen sich zwei Fälle unterscheiden (verändert nach LANA & BMU
2009):
1. Verbotstatbestand nicht erfüllt: Zerstörung einer Fortpflanzungs- oder Ru-
hestätte außerhalb der Nutzungszeiten von nicht standorttreuen Tierarten
(Arten, die ihre Lebensstätten regelmäßig wechseln und nicht erneut nut-
zen). Voraussetzung ist jedoch, dass im Wirkraum der lokalen Population
auch ausreichend Ausweichhabitate vorhanden sind und keine einmalige
Fortpflanzungs- oder Ruhestätte durch das Vorhaben betroffen ist.2. Ver-
botstatbestand erfüllt: Zerstörung von regelmäßig genutzten Fortpflan-
zungs- oder Ruhestätten von standorttreuen Tierarten (Arten, die regelmä-
ßig zu einer Lebensstätte wieder zurückkehren).
Ein Sonderfall tritt ein, wenn es zur Aufgabe regelmäßig genutzter Brutre-
viere von Vogelarten kommt, die zwar ihre Neststandorte, nicht aber ihre
Brutreviere regelmäßig wechseln. Auch in diesem Fall ist der Verbotstatbe-
stand erfüllt. Nicht erfüllt ist der Verbotstatbestand hingegen, wenn bei die-
ser Konstellation zwar der bisherige Neststandort zerstört wird, jedoch wei-
terhin Nistmöglichkeiten im Revier verbleiben (keine Aufgabe des Brutre-
viers).
Nahrungs- und Jagdbereiche sowie Flugrouten und Wanderkorridore unter-
liegen als solche nicht dem Verbot des § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG. Aus-
nahmsweise kann ihre Beschädigung auch tatbestandsmäßig sein, wenn
dadurch die Funktion der Fortpflanzungs- oder Ruhestätte vollständig ent-
fällt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn durch den Wegfall eines Nah-
rungshabitats eine erfolgreiche Reproduktion in der Fortpflanzungsstätte
ausgeschlossen ist; eine bloße Verschlechterung der Nahrungssituation ge-
nügt hierzu nicht. Entsprechendes gilt, wenn eine Ruhestätte durch bauliche
Maßnahmen auf Dauer nicht funktionsfähig ist (LANA & BMU 2009).
Nach LANDESBETRIEB STRAßENWESEN (LBV-SH 2016) sind
Überwinterungs-
und Rastplätze
dem Begriff Ruhestätte zuzuordnen und hinsichtlich des
Verbotstatbestandes gem. § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG zu betrachten, wenn
sie im Zug- und Rastzyklus der Art eine wichtige Rolle spielen (z.B. regel-
mäßig aufgesuchte Schlafplätze oder der Verbund regelmäßig frequentier-
ter Äsungsflächen). Der LBV-SH (2016) führt dazu aus, dass Rastplätze
dann als „regelmäßig genutzt“ gelten können, wenn für sie sign fikante Rast-
bestände beispielsweise mindestens in 3 der letzten 5 Jahre festgestellt wor-
den sind. Gebiete mit Rastbeständen von mindestens landesweiter Bedeu-
tung werden als artenschutzrechtlich relevant berücksichtigt. Die gutachter-
liche Einschränkung auf die mindestens landesweit bedeutsamen Vorkom-
men basiert auf pragmatischen Gründen. Kleinere Bestände von Rastvögeln
weisen meist eine höhere Flexibilität auf.
Nr. 4
wildlebende Pflanzen der besonders ge-
schützten Arten oder ihre Entwicklungsformen
aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre
Standorte zu beschädigen oder zu zerstören.
Zugriffsverbote in Bezug auf Pflanzen
Das Verbot der Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung umfasst sämtli-
che unter Abs. 1 Nr. 3 aufgeführten Tathandlungen. Dabei sind entweder
Standorte entwickelter Pflanzen oder für das Gedeihen derer Entwicklungs-
formen geeignete Standorte gemeint (LANA & BMU 2009).

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
10
Verbotstatbestand
Erläuterungen
§ 44 Absatz 5 Satz 2 BNatSchG
Nr. 1
Ein Verstoß gegen das Tötungs- und Ver-
letzungsverbot nach Absatz 1 Nummer 1 liegt
nicht vor, wenn die Beeinträchtigung durch den
Eingriff oder das Vorhaben das Tötungs- und
Verletzungsrisiko für Exemplare der betroffenen
Arten nicht signifikant erhöht und diese Beein-
trächtigung bei Anwendung der gebotenen, fach-
lich anerkannten Schutzmaßnahmen nicht ver-
mieden werden kann,
Absatz 1 Nummer 1 besagt:
Es ist verboten, 1. wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne
vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten,
Der Signifikanzansatz beinhaltet, dass das artenschutzrechtliche Tötungs-
verbot nicht verletzt wird, wenn das prognostizierte Tötungsrisiko durch Ver-
meidungsmaßnahmen bereits bis zur Schwelle des allgemeinen Lebensrisi-
kos abgesenkt ist. Das allgemeine Lebensrisiko ergibt sich dabei nicht allein
aus dem allgemeinen Naturgeschehen, sondern kann auch dann sozialadä-
quat sein, wenn es vom Menschen verursacht wurde (wie etwa durch Ver-
kehrswege als gewöhnlichem Bestandteil des Naturraums) (REDEKER SELL-
NER DAHS 2017).
Es kann nie verhindert werden, dass einzelne Individuen vorhabensbedingt
zu Schaden kommen (u.a. Kollisionen mit Windrändern, Stromleitungen o-
der Straßenverkehr). Im Zuge der Prognose und Bewertung des Tötungs-
tatbestandes darf es kein deutlich gesteigertes Risiko geben, dass Tiere zu
Schaden kommen. Diese Einschränkung des Tötungs- und Verletzungsver-
botes dient nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung dem Verhältnis-
mäßigkeitsgrundsatz. Sie soll sicherstellen, dass ein unvermeidbarer Ver-
lust einzelner Tiere durch ein Vorhaben nicht automatisch und immer zu ei-
nem Verstoß gegen das artenschutzrechtliche Verbot führt (BMUB 2017).
Nr. 2
Ein Verstoß gegen das Verbot des Nach-
stellens und Fangens wild lebender Tiere und
der Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung
ihrer Entwicklungsformen nach Absatz 1 Num-
mer 1 liegt nicht vor, wenn die Tiere oder ihre
Entwicklungsformen im Rahmen einer erforderli-
chen Maßnahme, die auf den Schutz der Tiere
vor Tötung oder Verletzung oder ihrer Entwick-
lungsformen vor Entnahme, Beschädigung oder
Zerstörung und die Erhaltung der ökologischen
Funktion der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten
im räumlichen Zusammenhang gerichtet ist, be-
einträchtigt werden und diese Beeinträchtigun-
gen unvermeidbar sind,
Vorgesehen wird, dass erforderliche und fachgerecht durchgeführte Maß-
nahmen, die auf den Schutz der Tiere vor Tötung oder Verletzung oder auf
die Erhaltung der ökologischen Funktion geschützter Lebensstätten im
räumlichen Zusammenhang gerichtet sind, das Verbot des Nachstellens
und Fangens wild lebender Tiere und der Entnahme, Beschädigung oder
Zerstörung ihrer Entwicklungsformen nicht verwirklichen. Ein Verstoß gegen
das Fangverbot ist auch gem. der EU-Kommission dann nicht gegeben,
wenn die Umsetzungsmaßnahme lediglich dem Schutz der Art dient (REDE-
KER SELLNER DAHS 2017).
Nr. 3
Das Verbot nach Absatz 1 Nummer 3 liegt
nicht vor, wenn die ökologische Funktion der von
dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen Fort-
pflanzungs- und Ruhestätten im räumlichen Zu-
sammenhang weiterhin erfüllt wird.
Im Vordergrund steht dabei die Sicherung der ökologischen Funktion be-
troffener Fortpflanzungs- und Ruhestätten – bzw. Pflanzenstandorten – von
in Anhang IV FFH-Richtlinie aufgeführten Arten oder europäischen Vogelar-
ten (LANA & BMU 2009). Die geschaffenen Spielräume erlauben […] bei der
Zulassung von Vorhaben und bei Planungen eine auf die Aufrechterhaltung
der ökologischen Funktionalität von Fortpflanzungs- oder Ruhestätten ge-
richtete Prüfung (BUNDESREGIERUNG 2007). Zudem wird bei nach § 15
BNatSchG zulässigen Eingriffen der Anwendungsbereich des § 44 auf die
europäisch geschützten Arten eingegrenzt (BMVBS 2009).
Die Erhaltung der ökologischen Funktion, der von dem Eingriff oder Vorha-
ben betroffenen Fortpflanzungs- oder Ruhestätten im räumlichen Zusam-
menhang, kann auch durch schadensmindernde vorbeugende Vermei-
dungsmaßnahmen erreicht werden. Sind derartige Maßnahmen nicht hinrei-
chend, müssen gemäß § 45 Abs. 5 S. 3 BNatSchG funktionserhaltende oder
konfliktmindernde Maßnahmen - in Gestalt vorgezogener Ausgleichsmaß-
nahmen - ergriffen werden. Vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen müssen
unmittelbar an den voraussichtlich betroffenen Exemplaren einer Art anset-
zen, mit diesen räumlich-funktional verbunden sein und spätestens im Zeit-
punkt des Eingriffs Funktionsfähigkeit aufweisen.
Ausnahmen von den Verboten des § 44 BNatSchG
Die Ausnahmen von den Verboten des § 44 Abs. 1 und 2 BNatSchG werden vollständig in § 45
Abs. 7 BNatSchG geregelt. Danach können die nach Landesrecht zuständigen Behörden von den
Verboten des § 44 im Einzelfall weitere Ausnahmen zulassen (Tabelle 2).

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
11
Tabelle 2:
Ausnahmen von den Verbotstatbeständen und deren Erläuterung
§ 45 Absatz 7 Nr. 4 und 5
Erläuterungen
Nr. 4
im Interesse der Gesundheit des Men-
schen, der öffentlichen Sicherheit, ein-
schließlich der Landesverteidigung und des
Schutzes der Zivilbevölkerung oder der
maßgeblich günstigeren Auswirkungen auf
die Umwelt oder
Mit diesen Neuregelungen wird die Einhaltung der Ausnahmetatbestände des
Artikels 16 FFH-RL sowie des Artikels 9 VSchRL sichergestellt.
Nr. 5
aus anderen zwingenden Gründen des
überwiegenden öffentlichen Interesses ein-
schließlich solcher sozialer oder wirtschaftli-
cher Art.
Es genügt nicht jedes öffentliche Interesse, um ein Vorhaben zu rechtfertigen.
Vielmehr muss das öffentliche Interesse von ähnlichem Gewicht wie die in Nr. 4
aufgezählten Gründe sein. Zudem muss das öffentliche Interesse, das mit dem
Vorhaben verfolgt wird, im einzelnen Fall gewichtiger („überwiegend") sein als
die im konkreten Fall betroffenen Belange des Artenschutzes. Deswegen müs-
sen die Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses dem Artenschutz im
konkreten Fall vorgehen (LANA & BMU 2009).
Ausnahmen von den artenschutzrechtlichen Verboten können gemäß § 45 Abs. 7 BNatSchG je-
doch nur dann gewährt werden, wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind
und
sich der Erhal-
tungszustand der Populationen einer Art weder verschlechtert noch die Wiederherstellung des günsti-
gen Erhaltungszustandes behindert wird. Artikel 16 Abs. 3 der FFH-RL und Artikel 9 Abs. 2 der
VSchRL sind zu beachten (§ 45 Abs. 7 BNatSchG).
Bei der artenschutzrechtlichen Ausnahmeprüfung ist nicht die lokale Population der betroffenen
Art die Bezugsgröße für die Durchführung von Maßnahmen zur Sicherung des günstigen Erhaltungs-
zustandes. Abzustellen ist vielmehr auf eine gebietsbezogene Gesamtbetrachtung, die auch die ande-
ren (Teil-)Populationen der Art in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in den Blick nimmt (BVerwG,
Urteil vom 09.06.2010 - 9 A 20.08 -, juris Rn. 60). Nicht jeder Verlust eines lokalen Vorkommens
einer Art ist mit einer Verschlechterung des Erhaltungszustands der Populationen der betroffenen Art
gleichzusetzen.
2.2 Methodisches Vorgehen
Das methodische Vorgehen für den artenschutzrechtlichen Fachbeitrag orientiert sich an den na-
tionalen und europäischen artenschutzrechtlichen Vorgaben.
Der Artenschutzbeitrag gliedert sich wie folgt:
1. Relevanzprüfung (Betroffenheitsanalyse)
Gegenstand der artenschutzrechtlichen Prüfung sind alle im Wirkraum vorkommenden Europäi-
schen Vogelarten sowie die Arten des Anhang IV FFH-RL. Grundsätzlich ebenfalls zu berücksichti-
gen sind die sogenannten „Verantwortungsarten“ nach § 54 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG. Eine Rechtsver-
ordnung nach § 54 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG über Arten, für deren Schutz die Bundesrepublik Deutsch-
land in hohem Maße verantwortlich ist, existiert derzeit für den Freistaat Sachsen noch nicht. Bis eine
solche Verordnung erlassen wird, sind folglich nur die Arten des Anhangs IV FFH-RL und die euro-
päischen Vogelarten zu berücksichtigen.
Die Relevanzprüfung hat die Aufgabe, diejenigen Arten zu ermitteln, die durch das konkrete Vor-
haben betroffen sein könnten. Dabei werden in einem ersten Arbeitsschritt auf der Grundlage
-
der vorliegenden tabellarischen Übersichten der regelmäßig in Sachsen auftretenden Tier- und
Pflanzenarten bzw. Vogelarten (LFULG 2017a, b),
-
der Auswertung vorliegender faunistischer Sonderuntersuchungen,
-
der vorhandenen Daten der Naturschutzfachbehörden (Artdatenbank, Atlanten) bzw. von ehren-
amtlichen Naturschutzhelfern (Gebietskenner)
-
sowie der Habitatausstattung im Gebiet

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
12
alle im Geltungsbereich prüfungsrelevanten europarechtlich geschützten Arten ermittelt.
Der Ausschluss nicht zu prüfender Arten erfolgt über das Nichtvorhandensein geeigneter Lebens-
raumstrukturen im Untersuchungsgebiet (Grobausscheidung über die Habitatkomplexe gemäß
LFULG (2017a, b) bzw. über das Fehlen im entsprechenden Naturraum (keine Nachweise im Rahmen
von Kartierungen, Altdaten bzw. im Messtischblattquadranten).
Zudem wird geprüft, inwieweit die im Untersuchungsraum vorkommenden Arten möglicherweise
durch bau-, anlage- und betriebsbedingte Wirkungen betroffen sein könnten. Die mögliche Betroffen-
heit ist dabei abhängig von den nachgewiesenen und potenziellen Lebensstätten der Art in Bezug auf
die prognostizierten Wirkungen. Dabei genügt die ausreichende Wahrscheinlichkeit des Eintretens
einer möglichen Betroffenheit einer Tier- und Pflanzenart. In diesem Fall sind die potenziellen Beein-
trächtigungen im Rahmen der Konfliktanalyse artbezogen zu beschreiben und anhand artspezifischer
Empfindlichkeiten zu bewerten.
2. Konfliktanalyse - Prüfung der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG
Im Rahmen der Konfliktanalyse erfolgt die Beschreibung und Prüfung der artenschutzrechtlichen
Schädigungs- und Störungsverbote. Die mögliche Betroffenheit von Arten ist abhängig von den Fort-
pflanzungs- und Ruhestätten der Art in Bezug auf die potenziellen Wirkungen des Vorhabens. Die
Beeinträchtigungen werden artbezogen beschrieben und anhand der artspezifischen Empfindlichkei-
ten bewertet.
Für jede betroffene Art wird ermittelt, ob die spezifischen Verbotstatbestände des § 44 Abs. 1
BNatSchG voraussichtlich eintreten. Berücksichtigt werden Vermeidungs-/Minderungs- und Schutz-
maßnahmen. Es erfolgt eine Bewertung der Wirksamkeit der o. g. Maßnahmen. Zudem wird geprüft,
ob durch zusätzliche vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (sog. CEF-Maßnahmen) ein Verstoß gegen
die Verbotstatbestände des § 44 Abs. 1 Nr. 1-3 BNatSchG vermieden werden kann.

image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
13
3 Bestandserfassung
3.1 Überblick über das Untersuchungsgebiet
Der Geltungsbereich des B-Planes „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ liegt in Neu-
sörnewitz, einem Ortsteil der Stadt Coswig im Landkreis Meißen. Neusörnewitz befindet sich im nord-
westlichen Teil des Elbtalkessels. Nordöstlich benachbart liegt Weinböhla, nördlich die Stadt Meißen.
Geprägt wird der Ortsteil durch ausgedehnte Industrieflächen und Gewerbegebiete in Abwechslung
mit Wohnsiedlungen, vgl. nachfolgende Abbildung 1. Am Haltepunkt Neusörnewitz besitzt der Orts-
teil einen Anschluss an das Dresdner S-Bahn-Netz.
Abbildung 1: Räumliche Einordnung des Geltungsbereiches des B-Planes „Gewerbegebiet Neusör-
newitz Cliebener Straße“
Der Geltungsbereich des Bebauungsplans hat eine Gesamtgröße von ca. 23,1 ha und umfasst die
Flurstücke 576/2, 576/3, 577/2, 577/6, 577/7, 577/8, 580/1, 580/5, 580/6, 581/8, 581/9, 581/10,
581/11, 581/13, 581/14, 581/16, 581/20, 582/3, 582/4, 582/9, 582/10, 582/12, 582/14, 584/1, 584/4,
584/5, 584/6, 584/7, 584/8, 587/5, 587/6, 587/8, 587/9, 589/1, 589/2, 589/4, 589/5, 590/1, 590/4,
590/6, 590/7, 591/1, 591/4, 591/5, 591/6, 596/9, 598/4, 598/5, 606/1, 607/1, 610/1 und 611/1 der Ge-
markung Sörnewitz.

image
image
image
image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
14
Der Geltungsbereich des B-Planes Nr. 67 umfasst im Norden gewerblich genutzte Flächen entlang
der Köhler- und Fabrikstraße sowie der Cliebener Straße und großräumige landwirtschaftliche Nutz-
flächen im Süden.
Im nordwestlichen Teil des Geltungsbereiches befindet sich die Gewerbefläche Köhlerstraße 1-3.
Das Gelände wird zur Lagerung (Container u. a.) und Fertigung genutzt. Diese Flächen sind versiegelt
(vgl. Foto 1, links). Im zentralen Bereich des Betriebsgeländes befinden sich ein mesophiles Grünland
und Aufschüttungen aus Bauschutt bzw.- Baumaterialien (vgl. Foto 1, rechts).
Foto 1:
Containerlagerung auf der Gewerbefläche Köhlerstraße 1-3 (links), Aufschüttungen
auf der Gewerbefläche Köhlerstraße 1-3 mit Blick auf das neu errichtete Verwal-
tungsgebäude (rechts)
Auf der Westseite angrenzend befindet sich eine alte Deponie, auf der sich ein laubmischwaldähn-
liches Feldgehölz aus Robinien und Birke entwickelt hat (vgl. Foto 2, links). Darüber hinaus kommen
Zitter-Pappel, Weiden, Gemeine Kiefer und Berg-Ahorn vor (vgl. Foto 2, rechts).
Foto 2:
Blick auf das angrenzende Wäldchen (links), Baumreihe aus Spitz-Ahorn entlang der
Erschließungsstraße auf dem Betriebsgelände Köhlerstraße 11-13 (rechts)
Südlich der Gewerbefläche Köhlerstraße 1-3 grenzen Ackerflächen an.

image
image
image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
15
Foto 3:
Blick auf die südlich der bestehenden Gewerbeflächen angrenzenden Ackerflächen
Auf den Nachbargrundstücken von Köhlerstraße 11-13 befinden sich zwei weitere gewerblich ge-
nutzte Grundstücke. In der Fabrikstraße 11 steht das Verwaltungsgebäude eines Leitungsträgers
(ENSO). Die Fläche hinter dem Gebäude wird als Parkplatz genutzt. Die Fläche ist nahezu vollständig
versiegelt (vgl. Foto 4, links). Eine Teilfläche ist mit einem Birkenwäldchen bestockt. Das Grundstück
der Fabrikstraße 9 weist ebenfalls einen hohen Versiegelungsgrad auf. Ausnahmen stellen Teilberei-
che mit wassergebundener Decke dar sowie Randbereiche mit Abstandsgrün (vgl. Foto 4, rechts).
Foto 4:
Gewerbefläche Fabrikstraße 11 (links), Gewerbefläche Fabrikstraße 9 (rechts)
Zu einem geringen Anteil befindet sich im Geltungsbereich des B-Planes Nr. 67 auch Wohnbe-
bauung. Dazu gehören zwei Mehrfamilienhäuser mit Gärten und Garagenanlagen an der Fabrikstraße
7 und 9 (vgl. Foto 5, links). Das Eckflurstück Fabrikstraße/Cliebener Straße wird als Weidegrünland
genutzt (vgl. Foto 5, rechts).

image
image
image
image
image
image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
16
Foto 5:
Wohnbebauung an der Fabrikstraße 7 und 9 (links), Intensivgrünland Ecke Fab-
rikstraße/Cliebener Straße mit Blick auf die Gewerbenutzung an der Cliebener Straße
(rechts)
Entlang der Cliebener Straße befinden sich ebenfalls Flächen gewerblicher Nutzung. Dazu zählen
ein landwirtschaftlicher Betriebsstandort, ein Logistikunternehmen und zwei Fachgroßhandel (vgl.
Foto 6, links). Die Grünlandflächen zwischen dem landwirtschaftlichen Betriebsstandort und den Ge-
werbeflächen der Köhlerstraße 11-13 werden durch Beweidung intensiv genutzt (vgl. Foto 6, rechts)
Foto 6:
Landwirtschaftlicher Betriebsstandort an der Cliebener Straße (links), Landwirtschaft-
liche Nutzung an der Cliebener Straße (rechts)
Südlich davon erstrecken sich intensiv genutzte Ackerflächen (vgl. Foto 7).
Foto 7:
Landwirtschaftliche Nutzung angrenzend an Gewerbeflächen Köhlerstraße (rechts im
Bild)

image
image
image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
17
Zwei Fachgroßhandel an der Cliebener Straße bilden den südöstlichen Abschluss der Bebauung
innerhalb des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67. Auf der westlichen Seite des Grundstückes
stockt eine Hecke aus Walnussbäumen (
Juglans regia
), Stiel-Eiche (
Quercus robur
) und Berg-Ahorn
(
Acer pseudoplatanus
) sowie Haselsträuchern (
Corylus avellana
), Gemeiner Schneeball (
Viburnum
opulus
) und Bibernell-Rose (
Rosa spinosissima
).
Foto 8:
Hecke entlang des Fachgroßhandels an der Cliebener Straße 99 (links), Bibernell-
Rose in der Hecke entlang der Grundstücksgrenze (rechts)
Foto 9:
Blick über Ackerflächen / Ackerbrachen zu den Gewerbeflächen Köhlerstraße, links im
Bild angrenzend Robinien-Birken-Bestand
3.2 Allgemeine Einschätzung der Lebensraumqualität und der Habitat-
eignung für artenschutzrelevanten Arten
Die Lebensraumqualität und damit die Habitateignung des Gebietes für streng und besonders ge-
schützte Arten hängt im Wesentlichen von der Nutzungsintensität im Untersuchungsraum ab. Der
Geltungsbereich des B-Planes „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ wird insbesondere
durch die bereits vorhandenen Gewerbestandorte sowie durch artenarmes Intensivgrünland und groß-
räumige Ackerflächen geprägt.
Aufgrund der Siedlungs-(rand-)lage, der bereits vorhandenen Gewerbestandorte sowie der inten-
siven landwirtschaftlichen Nutzung unterliegt der Geltungsbereich des B-Plans bereits heute hohen
anthropogenen Vorbelastungen. Hierzu zählen insbesondere die anthropogene Überprägung der vor-
handenen Biotope sowie optische und akustische Störreize, die zu Minderungen der Habitatqualität
führen.
Im Norden und Osten des Geltungsbereiches des B-Planes sind entlang der Köhler- und Fab-
rikstraße sowie entlang der Cliebener Straße zahlreiche Gewerbe- und zwei Wohngebäude vorhanden.
Wäldchen auf
ehemaliger Halde
Gewerbeflächen
Köhlerstraße 11-13
Ackerflächen /-brachen im Südteil
des Geltungsbereich B-Plans

image
image
image
image
image
image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
18
Diese Gebäude weisen ein Quartierpotenzial für typische Kulturfolger, wie gebäudebewohnende Fle-
dermäuse und Vögel, auf.
Foto 10:
Gewerbefläche Fabrikstraße 11 (links), Gewerbefläche Fabrikstraße 9 (rechts)
Foto 11: Gebäude des Landwirtschaftsbetriebes an der Cliebener Straße (links), Verkaufsgebäude
(rechts)
Die im zentralen Bereich der Gewerbefläche Köhlerstraße 11-13 vorhandenen Aufschüttungen
aus Bauschutt bzw. Baumaterialien stellen grundsätzlich für Zauneidechsen geeignete Habitate dar.
Aufgrund der Lage der Aufschüttungen und der offenen Bereiche inmitten des Betriebsgeländes Köh-
lerstraße 11-13 ist jedoch ein Vorkommen der Zauneidechse unwahrscheinlich. Die potenziell geeig-
neten Habitate werden umschlossen von Gebäuden und Verkehrsflächen im Norden und Osten, von
intensiv genutzten Ackerflächen im Süden und von den Waldbeständen im Bereich der ehemaligen
Deponie im Westen, sodass ein Einwandern der Zauneidechse nicht anzunehmen ist (NSI 2019).
Foto 12: Aufschüttungen aus Bauschutt und Baumaterialien im zentralen Bereich der Gewerbe-
fläche Köhlerstraße 1-3 mit Potenzial als Habitat für die Zauneidechse

image
image
image
image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
19
Der nordwestliche Randbereich des B-Plan-Gebietes wird von den auf einer alten Deponie sto-
ckenden Laubmischwaldbeständen eingenommen (vgl. Foto 13), die waldbewohnenden Vogelarten
sowie Fledermäusen Lebensraum als Fortpflanzungs- und Ruhestätten sowie als Jagdhabitat dienen
können. Im Bereich der zu den Wohngebäuden gehörenden Gärten sind zahlreiche Bäume und Sträu-
cher vorhanden. Weiterhin sind im Bereich der bestehenden Gewerbestandorte entlang der Fabrik-
und Köhlerstraße zum Teil Baumreihen und Gehölzgruppen eingestreut (vgl. Foto 14). Entlang der
nördlichen und westlichen Grenze der Gewerbestandorte entlang der Cliebener Straße stockt eine
Feldhecke.
Mit Ausnahme einer alten Stiel-Eiche im südlichen Bereich der Gärten (vgl. Foto 14, rechts) han-
delt es sich dabei vorwiegend um jüngere Gehölzbestände. Mit einem Quartierpotenzial für baumhöh-
lenbewohnende Fledermäuse oder Brutvögel ist daher innerhalb des UG nicht zu rechnen. Jedoch bie-
ten die vorhandenen Gehölzbestände störungstoleranten Freibrütern verschiedener Gehölzstrukturen
sowie Vogelarten der Halboffenlandschaften Lebensraum. Weiterhin können derartige Gehölzbe-
stände Fledermäusen als Flugroute und Jagdhabitat dienen.
Foto 13:
Südöstliche Randbereiche des Laubmischwaldes auf der alten Deponie
Foto 14:
Birkenwäldchen hinter dem ENSO-Gebäude (Fabrikstraße 11) (links), Gehölzbe-
stände im Bereich der Gärten (rechts)
Außerhalb der Siedlungslagen und Gewerbestandorte wird der Raum ebenfalls durch den Einfluss
menschlicher Nutzungen geprägt. Im nördlichen Teil des Geltungsbereiches des B-Planes sind klei-
nere Wirtschaftsgrünländer vorhanden, während die südlichen Bereiche von ausgeräumten Ackerflu-
ren dominiert werden, die bodenbrütenden Offenlandarten als Lebensraum dienen.

image
image
image
image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
20
Foto 15:
Grünland auf dem Betriebsgelände Köhlerstraße 11-13 (links), als Weide genutz-
tes Intensivgrünland im Nordosten des Untersuchungsgebietes (rechts) (potenzi-
elle Habitatstrukturen für Offenlandbrüter)
Foto 16:
Intensiv genutzte Ackerflächen im südlichen UG (potenzielle Habitatstrukturen
für Offenlandbrüter)
3.3 Ergebnisse vorliegender faunistischer Erfassungen
Unbeeinflusste, natürliche Lebensräume sind im Plangebiet nicht vorhanden. Dies ist auf die
intensive Nutzung des Gebietes als Gewerbegebiet sowie auf die Bewirtschaftung der
Erweiterungsflächen als Acker und Weidegrünland zurückzuführen.
Faunistisch haben die bisher unbebauten Flächen nur eine geringe bis mittlere Bedeutung als
Lebensraum für Tiere. Die Fauna des Plangebietes umfasst aufgrund der anthropogenen Überformung
und dem Nichtvorhandensein naturnaher Biotope ein eingeschränktes durch Ubiquisten geprägtes
Artenspektrum, ohne spezifische Bindung an bestimmte Biotope. Innerhalb des Geltungsbereichs
weisen die vorhandenen Biotop- und Nutzungsstrukturen daher eine geringe bis mittlere Bedeutung
für den Arten- und Biotopschutz auf.
Dies spiegelt sich auch im vorliegenden Artenspektrum aus vorliegenden faunistischen
Erfassungen von Planungen Dritter wider. So liegt ein Großteil des Geltungsbereiches zum B-Plan
innerhalb des Untersuchungsraumes zum Straßenbauvorhaben „S 84 Neubau Niederwartha – Meißen,
BA 3 (VKE 325.2 – Vorhabenträger DEGES)“, siehe nachfolgende Abbildung 2.

image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
21
Abbildung 2: Überlagerungsbereich des Geltungsbereiches B-Plan Nr. 67 Neusörnewitz Cliebener
Straße und des Untersuchungsgebietes der faunistischen Erfassungen zur S 84
In Zusammenhang mit dem geplanten Straßenbauvorhaben S 84 liegen Erfassungen zu den
Artengruppen Avifauna, Fledermäuse und Herpetofauna vor:
NSI DRESDEN – NATURSCHUTZINSTITUT REGION DRESDEN E.V. (2014a): S 84 Neubau
Niederwartha-Meißen 3. BA, Avifaunistisches Sondergutachten. Dresden, Oktober 2014.
NSI DRESDEN – NATURSCHUTZINSTITUT REGION DRESDEN E.V. (2014b): S 84 Neubau
Niederwartha-Meißen
3.
BA,
Faunistisches
Sondergutachten
Reptilien,
insbesondere
Zauneidechse (
Lacerta agilis
). Dresden, Oktober 2014.
SCHMIDT, C. (2014): Faunistische Sonderuntersuchung Fledermäuse im Rahmen der Planung des
Neubaus der S 84 Niederwartha – Meißen, 3. Bauabschnitt. Niesky, Oktober 2014.
Für den Geltungsbereich liegen Nachweise der Feldlerche auf den Ackerflächen im südlichen Teil
des B-Plangebiets vor. Darüber hinaus wurden im Geltungsbereich verschiedene Fledermausarten
(Großer Abendsegler, Großes Mausohr) festgestellt. Das Offenland wird zur Jagd genutzt. Auch
gebäudebewohnende Fledermausarten wie Braunes Langohr, Breitflügelfledermaus, Fransen-
fledermaus, Graues Langohr können innerhalb der bebauten Bereiche nicht ausgeschlossen werden.

image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
22
Geeignete Zauneidechsenhabitatstrukturen mit Nachweisen befinden sich entlang des östlichen
Randes des Waldbestandes auf der ehemaligen Deponie und entlang des südlichen Randes eines
Gehölzbestandes östlich der Cliebener Straße (NSI 2014b). Zauneidechsennachweise liegen für die
Teile des untersuchten Raumes, der sich mit dem Geltungsbereich räumlich überlagert, dagegen nicht
vor.
Abbildung 3: Artnachweise im Geltungsbereich des B-Plan Nr. 67 (gelbe gestrichelte Linie) bzw.
im Umfeld (NSI 2014a und 2014b sowie SCHMIDT 2014)
Für den gesamten Geltungsbereich des B-Planes fanden im August und September zudem zwei
ergänzende Übersichtsbegehungen zur Avifauna und zur Zauneidechse statt. Ziel war die Überprüfung
der
Habitateignung
zur
Bestätigung
potenzieller
Habitate
und
charakteristischer
Lebensraumstrukturen.
Auf der Fläche des Geltungsbereiches konnten im August und September folgende
Sichtbeobachtungen gemacht werden (NSI 2019):

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
23
Tabelle 3:
Liste der im Spätsommer 2019 nachgewiesenen Vogelarten mit Rote Liste Status in
Sachsen bzw. Deutschland (NSI 2019)
Deutscher Name
Wissenschaftlicher Name
RL D
RL SN
Blaumeise
Parus caeruleus
-
-
Braunkehlchen
Saxicola rubetra
2
2
Elster
Pica pica
-
-
Feldsperling
Passer montanus
V
-
Haussperling
Passer domesticus
V
V
Hausrotschwanz
Phoenicorus ochruros
-
-
Nachtigall
Luscinia megarhynchos
-
-
Rauchschwalbe
Hirundo rustica
3
3
Stieglitz
Carduelis carduelis
-
-
Turmfalke
Falco tinnunculus
-
-
RL SN - Rote Liste Sachsens (ZÖPHEL et al. 2015), RL D - Rote Liste Deutschlands (GRÜNEBERG et al. 2015); 0 - Ausgestorben
oder verschollen, 1 - vom Aussterben bedroht, 2 - stark gefährdet, 3 - gefährdet, V - Vorwarnliste
Bei den Nachweisen handelt es sich nicht um Brutnachweise. Die Rauchschwalbe und der
Turmfalke werden als wahrscheinliche Nahrungsgäste bezeichnet. Das angetroffene Braunkehlchen
war als Durchzügler auf dem Herbstzug. Bei den übrigen Arten handelt es sich um weit verbreitete
ubiquitäre Arten.
Die Übersichtsbegehung im August und September erbrachte keine Vorkommen der
Zauneidechse (
Lacerta agilis
). An dem südexponierten Gehölzsaum östlich der Cliebener Straße, wo
bereits 2014 Nachweise erfolgten, wurden am 27.8.2019 zwei Exemplare der Zauneidechse
festgestellt. Die Nachweise liegen jedoch außerhalb des Geltungsbereiches den B-Planes.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der untersuchte Raum Lebensraum für wenig
anspruchsvolle bzw. störempfindliche Arten bietet.
Ergänzend zur Auswertung vorliegender Daten wurde eine Potenzialbetrachtung durchgeführt.
Bei Artvorkommen innerhalb des MTBQ (4847sw) wurde geprüft, ob im Geltungsbereich geeignete
Habitatstrukturen vorhanden sind. Bei positivem Befund wurden die entsprechenden wertgebenden
Arten in die Relevanztabellen (vgl. Kapitel 8.1) aufgenommen.
3.4 Datengrundlagen der Fachbehörden
Bei den vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zur Verfügung
gestellten Daten handelt es sich um Auszüge aus der Artdatenbank „MultiBase CS“, deren Inhalt den
gegenwärtigen Kenntnisstand der sächsischen Naturschutzbehörden darstellt.
LFULG – SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND GEOLOGIE (2017):
Auszug aus der Artdatenbank Sachsen (MultiBaseCS), übermittelt durch LRA Meißen am
04.10.2017.
3.5 Aktualität der Datengrundlagen
Für die artenschutzrechtliche Bewertung liegen mit den faunistischen Erfassungen im Zuge der S
84 aus den Jahren 2014 und 2015, der Datenrecherche (Nachweise der letzten 5 Jahre) sowie der
zusätzlichen Begehungen im Jahre 2019 die notwendigen Grundlagen für die Prüfung der
artenschutzrechtlichen Verbotstatbestände vor. Die Aktualität der Daten ist gewährleistet.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
24
4 Betroffenheitsanalyse
4.1 Beschreibung des Vorhabens, der Wirkfaktoren und Wirkzonen
4.1.1
Beschreibung des Vorhabens
Die Stadt Coswig beabsichtigt, einen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Neusörnewitz Clie-
bener Straße aufzustellen, um den Bestand städtebaulich zu ordnen und Erweiterungen zu ermögli-
chen. Mit der rechtlichen Festsetzung des Plangebietes als Gewerbegebiet ist eine Intensivierung der
in den nördlichen und östlichen Teilbereichen des Geltungsbereiches des B-Planes bereits vorhande-
nen Nutzung zu erwarten.
4.1.2
Relevante Wirkfaktoren des Vorhabens
Mögliche baubedingte Beeinträchtigungen
Zu den baubedingten Wirkungen zählen alle auf die zeitlich befristete Baumaßnahme
beschränkten Umweltauswirkungen, z. B. durch Baustellenverkehr, Baustelleneinrichtungen sowie
durch den Baubetrieb:
Lärm und visuelle Störreize (Bewegung, Licht) im Zuge des Baugeschehens; Erschütterungen
durch das Baugeschehen (Gefahr der erheblichen Störung - § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG)
baubedingte Flächeninanspruchnahme durch Anlage von zeitlich begrenzten Baustraßen,
Baustelleneinrichtungen und Lagerflächen/Bauprovisorien zur Verkehrsführung während der
Bauphase (Zerstörung oder Beschädigung der Vegetationsbestände im Arbeitsradius von
Baumaschinen sowie im Bereich der Bauprovisorien, Verdichtung durch Befahren) (Gefahr der
Inanspruchnahme bzw. Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten - § 44 Abs. 1 Nr. 3
BNatSchG)
Veränderungen der Standortbedingungen (Gefahr der Beschädigung von Fortpflanzungs- und
Ruhestätten - § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG)
Mögliche anlagebedingte Beeinträchtigungen
Unter die anlagebedingten Wirkungen fallen alle durch das Bauvorhaben dauerhaft verursachten
Veränderungen in Natur und Landschaft. Sie sind zeitlich unbegrenzt und greifen in das örtliche Wir-
kungsgefüge ein:
Dauerhafte Beseitigung von Habitatstrukturen / Lebensstätten durch Flächeninanspruchnahme
(Gefahr der Inanspruchnahme von Fortpflanzungs- und Ruhestätten - § 44 Abs. 1 Nr. 3
BNatSchG)
Erhöhung von Zerschneidungseffekten, Trenn- und Barrierewirkungen, Einschränkung des Aus-
breitungsvermögens und der Wanderbewegungen der Fauna (z. B. Fledermäuse) (Gefahr der er-
heblichen Störung - § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG)
Veränderung der Sichtbeziehungen für Arten durch die Anlage von hohen Vertikalstrukturen
(Bauwerke) im Offenland/Minderung der Habitateignung durch optische Kulissenwirkung (Ge-
fahr der erheblichen Störung - § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG)
Mögliche betriebsbedingte Beeinträchtigungen
Betriebsbedingte Auswirkungen sind die, die durch Betrieb und Unterhaltung hervorgerufen
werden:
Erhöhung der Lärmemissionen und visuellen Störreize (Bewegung, Licht) durch Nutzung /
Unterhaltung der gewerblichen Flächen und Mischgebiete (Gefahr der erheblichen Störung - § 44
Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG)

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
25
4.1.3
Bestimmung der projektspezifischen Wirkzonen
Der Untersuchungsraum des Artenschutzbeitrags ist der Raum, der zur Beurteilung der
Auswirkungen des Vorhabens auf die europäisch geschützten Tier- und Pflanzenarten herangezogen
werden muss.
Neben den unmittelbaren Auswirkungen des Vorhabens (mögliche bau- und anlagebedingte
Flächeninanspruchnahme von Nist-, Brut-, Wohn- und Zufluchtsstätten bzw. Pflanzenstandorten
durch
Überbauung)
sind
auch
Beeinträchtigungen
durch
Ausstrahlungseffekte
infolge
betriebsbedingter Beeinträchtigungen zu erwarten, die über die direkt in Anspruch genommene
Grundfläche hinauswirken (Störungen).
Eingriffsort
Am Eingriffsort, d. h. der direkt beanspruchten Grundfläche, liegt eine
sehr hohe Wirkintensität
vor. Durch Flächenversiegelung / Überbauung geht die Funktion der betroffenen Flächen und
Strukturen als Fortpflanzungs- und Ruhestätte vollständig verloren.
Wirkraum
Der Wirkraum umfasst den Bereich, wo betriebsbedingte Auswirkungen über die direkte
Flächeninanspruchnahme
hinausreichen
(z. B.
Visuelle/optische
Störreize,
Lärm,
Zerschneidungseffekte etc.). Der Wirkraum definiert sich somit über die Reichweite der
Störwirkungen.
4.2 Ermittlung des prüfrelevanten Artenspektrums
Die Ermittlung des prüfrelevanten Artenspektrums wurde in zwei Schritten durchgeführt: Im
ersten Schritt wurde anhand von bestimmten Kriterien eine Abschichtung vorgenommen, für welche
Arten mit ausreichender Sicherheit eine Betroffenheit durch eine Gewerbegebietserweiterung
ausgeschlossen werden kann. Diese nicht prüfrelevanten Arten werden nicht weiter betrachtet. In
einem zweiten Schritt erfolgte die Prüfung, welche der verbleibenden Tier- und Pflanzenarten
tatsächlich betroffen sein könnten und Gegenstand der nachfolgenden Konfliktanalyse sind.
Die Ermittlung der prüfrelevanten Arten ist dem Kapitel 8.1 im Anhang zu entnehmen.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
26
5 Konfliktanalyse – Prüfung der Verbotstatbestände
5.1 Bündelung relevanter Arten für die Konfliktanalyse
Bei der Prüfung der Verbotstatbestände ist es nicht erforderlich, dass jede Art einzeln betrachtet
wird. Es existieren von der Europäischen Kommission anerkannte Bündelungsmöglichkeiten:
„Es
kann selbstverständlich Fälle geben, in denen eine ganze Artengruppe mit ähnlichen Situationen
konfrontiert ist und ähnliche Bedürfnisse hat und somit global vorgegangen werden kann“
(EUROPÄISCHE KOMMISSION 2007, I.2.3.b Rn. 36, Fn. 27; Übersetzung aus dem englischen
Originaltext durch Verf.) (vgl. auch LÜTTMANN 2007).
Die Arten haben ähnliche Artansprüche und unterliegen einer vergleichbaren Situation. Auf die
artspezifischen Besonderheiten wird ergänzend eingegangen. Auf diese Weise können mögliche
Konflikte gebündelt abgebildet werden. Die gewählte Form der Artenbündelung ist eine
übersichtlichere Darstellung möglicher Konflikte, um Wiederholungen zu vermeiden. Es werden
jedoch sämtliche artspezifischen Betroffenheiten benannt und bewertet.
Die nachfolgende Tabelle 4 fasst die prüfungsrelevanten Arten zusammen und stellt die
nachfolgende Bündelung im Rahmen der Risikoabschätzung dar.
Tabelle 4:
Zusammenfassung der prüfungsrelevanten Arten und Artengruppen
Artengruppe
Einzelarten
Arten des Anhangs IV der FFH-RL
Fledermäuse
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfledermaus, Fransenfledermaus,
Graues Langohr, Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfledermaus, Rauhautfledermaus,
Wasserfledermaus, Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Europäisch geschützte Vogelarten
Brutvögel der Offen- und Halboffen-
landschaften
Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldlerche, Neuntöter
Brutvögel unterschiedlicher
Gehölzstrukturen (Waldränder,
Feldgehölze, Baumgruppen, sonstige
Gehölzstrukturen – auch in Siedlungslagen)
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht, Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
Gebäudebrüter
Mehlschwalbe, Rauchschwalbe
Ungefährdete, weitverbreitete Vogelarten
(Ubiquisten)
Aaskrähe (Nebelkrähe, Rabenkrähe), Amsel, Blaumeise, Dorngrasmücke,
Elster, Feldsperling, Gartengrasmücke, Gelbspötter, Girlitz, Goldammer,
Grünfink, Heckenbraunelle, Klappergrasmücke, Kohlmeise, Kolkrabe,
Mönchsgrasmücke, Nachtigall, Pirol, Ringeltaube, Rotkehlchen, Stieglitz,
Türkentaube, Zaunkönig, Zilpzalp
Hausrotschwanz, Haussperling, Mauersegler, Straßentaube
Schafstelze, Sumpfrohrsänger

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
27
5.2 Bewertungs- und Beurteilungskriterien
5.2.1 Prüfmaßstab „Ökologische Funktionsfähigkeit“
Im § 44 Abs. 5 S. 3 BNatSchG erfolgt eine Einschränkung der Verbotstatbestände dahingehend,
dass ein Verstoß gegen das Verbot des Absatzes 1 Nr. 3 und im Hinblick auf damit verbundene un-
vermeidbare Beeinträchtigungen wild lebender Tiere auch gegen das Verbot des Absatzes 1 Nr. 1
nicht vorliegt, „…
wenn die ökologische Funktion der von dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt wird.
“ (§ 44 Abs.
5 Satz 3 BNatSchG).
Zur Bewertung der ökologischen Funktionsfähigkeit ist die Abgrenzung der essenziellen Habi-
tatstrukturen einer Art erforderlich. Dies sind neben den eigentlichen Fortpflanzungsstätten (z.B. Nes-
ter, Wochenstuben, Laichgewässer) und Ruhestätten (z.B. Zwischenquartiere, Rast- und Schlafplätze)
auch weitere damit verbundene Habitatbestandteile wie Nahrungsgebiete mit engem Bezug zu den
Fortpflanzungsstätten, Balzplätzen und Verbindungswegen.
Durch das Vorhaben darf sich also die ökologische Gesamtsituation für die Population im räum-
lichen Zusammenhang nicht verschlechtern. Tritt eine Unterbrechung der Funktionsfähigkeit ein, kann
es zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustands der Population im Gebiet kommen (vgl. hierzu
den folgenden Abschnitt 5.2.2).
5.2.2 Prüfmaßstab „Erhaltungszustand der lokalen Population“
Der Störungstatbestand des § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG stellt im Gegensatz zu den beiden anderen
Verbotstatbeständen (Tötungs- und Verletzungsverbot, Nr. 1 sowie Beschädigungs- und Zerstörungs-
verbot, Nr. 3), welche grundsätzlich auf dem Niveau der betroffenen Individuen bzw. der einzelnen
Fortpflanzungs- und Ruhestätten bewertet werden, eine Besonderheit dar, da nur Störungen verbots-
relevant sind, die sich erheblich auf den Erhaltungszustand der lokalen Population auswirken. Eine
erhebliche Störung liegt gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 2 2. HS BNatSchG dann vor, wenn sich durch die
Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert. Das Störungsverbot
verfolgt damit einen artbezogenen Schutzansatz.
Grundsätzlich ist von dem Eintreten einer erheblichen Störung dann auszugehen, wenn die Größe
der lokalen Population und/oder ihr Fortpflanzungserfolg signifikant und nachhaltig zurückgeht. Dies
ist besonders dann anzunehmen, wenn Tiere aufgrund der Störungen den Wirkraum dauerhaft verlas-
sen und wenn sich ihre Überlebenschancen, ihre Reproduktionsfähigkeit oder ihr Reproduktionserfolg
im gestörten Bereich verschlechtern. Um diese negativen Auswirkungen auf den Erhaltungszustand
der lokalen Population zu bewerten ist eine artspezifische Einzelfallprüfung unter Berücksichtigung
der betroffenen Lebens- und Zeiträume vorzunehmen (LBV-SH 2016).
Können Individuen auf benachbarte Lebensräume grundsätzlich ausweichen, ohne dass es zu ne-
gativen Auswirkungen auf die lokale Population kommt, kann dies in die Bewertung der Erheblichkeit
von Störungen mit einbezogen werden. Dafür ist jedoch plausibel aufzuzeigen, dass die Ausweichle-
bensräume von den betroffenen Individuen tatsächlich genutzt werden können. Dafür müssen die Aus-
weichlebensräume u. a. störungsarm, erreichbar und verfügbar sein. Die Verfügbarkeit setzt voraus,
dass die Ausweichlebensräume nicht bereits von Artgenossen oder Feinden/ Konkurrenten besetzt
sind (LBV-SH 2016).
Eine Besonderheit liegt für allgemein verbreitete und ungefährdete Brutvogelarten vor. Bei flächig
vorkommenden und ungefährdeten Vogelarten ist ein Eintreten verbotsrelevanter Störungen in der
Regel auszuschließen. Grund hierfür ist, dass es bei Arten mit einer geringen Spezialisierung sowie
dem Vorhandensein eines hohen Anteils an geeigneten Habitatstrukturen dazu führt, dass räumlich
zusammenhängende lokale Populationen nur sehr großflächig abzugrenzen sind. Zudem weisen diese
lokalen Populationen meist sehr hohe Individuenzahlen auf. Die prognostizierten Störungen betreffen
somit nur einen geringen Anteil der betroffenen Population. Eine Verschlechterung des Erhaltungszu-
standes der lokalen Population kann daher für die allgemein verbreiteten und ungefährdeten Vogelar-
ten in der Regel ausgeschlossen werden (RUNGE et al. 2010, LBV-SH 2016).

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
28
5.2.3
Artengruppenspezifische Empfindlichkeiten
Jede Artengruppe reagiert unterschiedlich auf die Wirkungen eines Bauvorhabens. Zur Feststel-
lung einer Betroffenheit der jeweiligen Artengruppe werden daher zunächst die artengruppenspezifi-
schen Empfindlichkeiten gegenüber den Wirkungen des Vorhabens zusammengestellt. Durch eine
Überlagerung der Reichweiten der entsprechenden Wirkfaktoren mit den bekannten Lebensräumen
der vorkommenden Arten kann eine erste Einschätzung ihrer potenziellen Betroffenheit im Wirkraum
des Vorhabens erfolgen. Im Folgenden sind für die im Gebiet vorkommenden Artengruppen arten-
gruppenspezifische Empfindlichkeiten dargestellt.
Fledermäuse
Fledermäuse nutzen ihre Quartiere, die oft besondere klimatische Bedingungen erfüllen müssen,
häufig in großen, individuenreichen Verbänden. Da geeignete Quartiere selten sind, reagieren Fleder-
mäuse ausgesprochen empfindlich auf die Inanspruchnahme bzw. Zerstörung von Quartieren, insbe-
sondere bei Wochenstuben oder großen Winterquartieren. Aber auch der Verlust von Zwischenquar-
tieren bedeutet Energie- und Zeitaufwand für die Suche nach einem neuen Quartier. Der Energie- und
Zeitaufwand, der damit verbunden ist, steht nicht für Aufgaben, wie Nahrungssuche und Fortpflan-
zung zur Verfügung (RASSMUS et al. 2003).
Bei den überwiegend strukturgebunden fliegenden Fledermausarten besteht zudem eine hohe
Empfindlichkeit gegenüber Unterbrechungen von traditionellen Flugrouten.
Viele Fledermausarten detektieren und lokalisieren ihre Beuteinsekten anhand deren Echos. Bei
einzelnen Arten spielt daneben aber auch eine passiv akustische Orientierung eine Rolle, d. h., sie
nutzen die Geräusche der Beutetiere, um diese zu finden. Untersuchungen zeigen, dass diese Beute-
tiergeräusche z. B. durch verkehrsbedingte Verlärmung der Jagdhabitate "maskiert" werden können.
Dadurch kann der Jagderfolg dieser Arten in trassennahen Jagdhabitaten reduziert werden. (vgl.
SCHAUB et al. 2008, SIEMERS & SCHAUB 2011).
Lichtemissionen können somit zu einer Meidung von Jagdhabitaten einzelner Fledermausarten
führen. Bekannt ist, dass insbesondere einige Waldfledermausarten wie Bechstein-, Fransen-, Bartfle-
dermäuse, Mausohren und Langohren sowie auch Hufeisennasen Licht meiden, da sie sich durch Licht
gestört fühlen bzw. einem höheren Prädationsdruck, z. B. durch Eulen unterliegen. Wasserfleder-
mäuse, Mausohren und Kleine Hufeisennasen verlagern sogar ihre Flugrouten bei Beleuchtung (CE-
REMA 2016, STONE et al. 2009, STONE 2013). So können Straßenbeleuchtung und das Scheinwerfer-
licht der Fahrzeuge unter bestimmten Bedingungen sogar zu einer unüberwindlichen Barriere werden.
Zudem kann es zu einer Minderung der Habitatqualität in Jagdhabitaten kommen. Die Meidung aus-
geleuchteter Bereiche kann aufgrund der hohen Störempfindlichkeit einiger Arten gegenüber künstli-
chen Lichtquellen insbesondere an Quartieren zu negativen Auswirkungen führen. Dabei kann es
durch die Beleuchtung von Gebäuden mit Fledermauskolonien zu einem verspäteten Ausfliegen zur
Nahrungssuche kommen. Im schlimmsten Fall wurde die Aufgabe der Quartiere festgestellt. Vor allem
Fransen- und Bechsteinfledermaus sowie das Große Mausohr sind sehr lichtscheu. (KAIPF & TRUBE
2007)
Dagegen können herkömmliche stationäre anthropogene Lichtquellen (u. a. Straßenbeleuchtung
mit Quecksilber-Hochdrucklampen) bestimmte Fledermausarten anlocken (Zwergfledermaus, Abend-
segler und Kleinabendsegler, Breitflügelfledermaus) (LEWANZIK & VOIGT 2016, KAIPF & TRUBE
2007). Diese Arten können daher im beleuchteten Straßenbereich während der Jagd zu Kollisionsop-
fern werden.
Avifauna
Vögel sind besonders bei hoher Spezialisierung von der direkten Inanspruchnahme ihrer Brut-
strukturen (z. B. Höhlenbäumen, Feldgehölze, offene Sandflächen) betroffen. Trotz ihrer Mobilität ist
ein Ausweichen auf Grund der dichten „Nischenbesetzung“, der innerartlichen Konkurrenz und einer
ggf. erhöhten Prädation nicht immer erfolgreich und mit erhöhtem Energie- und Zeitaufwand verbun-
den (RASSMUS et al. 2003). Auch der Verlust weiterer Lebensraumstrukturen, wie Singwarten oder
Nahrungsräume, kann sich negativ auf die Vitalität von Vogelpopulationen, insbesondere in struktur-
armen Agrarlandschaften, auswirken.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
29
Arten mit großen Arealansprüchen reagieren auf Zerschneidung/Fragmentierung ihrer Lebens-
räume empfindlich. Dies stellt sich insbesondere dann als problematisch dar, wenn Teillebensräume
voneinander getrennt werden. Dabei können auch Einschränkungen in der Überschaubarkeit des Ge-
ländes Beeinträchtigungen hervorrufen.
Vögel gelten als eine gegenüber Lärm und Störungen empfindliche Artengruppe (z. B. RASSMUS
et al. 2003). Insbesondere brütende und rastende Vögel zeigen eine hohe Sensibilität gegenüber Stö-
rungen. Die erforderliche erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber den Störquellen reduziert das Zeit-
budget - z. B. für die Nahrungssuche - und Fluchtreaktionen verschlechtern die Energiebilanz. Durch
die Geräuschkulisse werden die Gesänge der Vögel übertönt, so dass akustische Signale (z. B. Warn-
oder Kontaktrufe) maskiert werden. Bei nachtaktiven Arten sind Beeinträchtigungen durch Blendwir-
kungen möglich. Verstärkt werden diese Effekte je nach Vogelart durch die Empfindlichkeit gegen-
über visuellen Störreizen, insbesondere im Zuge der Bautätigkeiten.
Eine Betroffenheit gegenüber Schadstoffeinträgen in anliegende Gewässer ist für Vögel in der
Regel nicht abzuleiten.
Zusammenfassung der artengruppenspezifischen Wirkfaktoren und artspezifischen Betroffen-
heiten
Die nachfolgende Matrix veranschaulicht die generellen Betroffenheiten der im Geltungsbereich
nachgewiesenen Artengruppen gegenüber bau-, anlage- und betriebsbedingten Wirkungen, die sich
aus der jeweiligen Empfindlichkeit gegenüber diesen Wirkfaktoren ableiten lässt.
Tabelle 5:
Wirkfaktoren und Empfindlichkeiten gegenüber den spezifischen Wirkungen des
Vorhabens / Betroffenheiten der verschiedenen Artengruppen
Wirkfaktor
Potenzielle Empfindlichkeit gegenüber
den Wirkungen des Vorhabens /
Betroffenheit der Artengruppe
Fleder-
mäuse
Avifauna
Baubedingt
Inanspruchnahme von Flächen für das Baugeschehen
x
x
Lärm, visuelle Störreize, Erschütterungen während der Bauphase
x
x
Veränderungen der Standortbedingungen
-
(x)
Baubedingte Barrierewirkung / Flächenzerschneidung
(x)
-
Anlagebedingt
Habitatbeseitigung durch Flächeninanspruchnahme und Versiegelung
x
x
Zerschneidungseffekte/Fragmentierung obligater Lebensstätten/Teillebensstätten
x
x
Veränderungen des Wasserregimes durch Drainagen oder Stauwirkungen
-
-
Barrierewirkung / Kulissenwirkung
(x)
(x)
Betriebsbedingt
Kollisionsgefahr
x
x
Lärmemissionen und visuelle Störreize (Lichtwirkung durch Beleuchtung)
(x)
x
x
Artengruppe empfindlich gegenüber dem Wirkfaktor
(x)
Empfindlichkeit gegenüber dem Wirkfaktor nur unter bestimmten Voraussetzungen gegeben
-
keine Betroffenheit der Artengruppe gegenüber Wirkfaktor

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
30
5.2.4
Konfliktmindernde Maßnahmen und vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen
Die Erhaltung der ökologischen Funktion der von dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen Fort-
pflanzungs- oder Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang kann durch schadensmindernde vorbeu-
gende Vermeidungsmaßnahmen sichergestellt werden.
Davon abzugrenzen sind vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (sog. CEF-Maßnahmen) im Sinne
des § 44 Abs. 5 S. 3 BNatSchG. Sind vorbeugende Vermeidungsmaßnahmen nicht hinreichend, müs-
sen gemäß dieser Vorschrift funktionserhaltende oder konfliktmindernde Maßnahmen - CEF-Maß-
nahmen - ergriffen werden. CEF-Maßnahmen müssen unmittelbar an den voraussichtlich betroffenen
Exemplaren einer Art ansetzen, mit diesen räumlich-funktional verbunden sein und spätestens zum
Zeitpunkt des Eingriffs Funktionsfähigkeit ausweisen (BVERWG, Urteil vom 14.4.2010 - 9 A 5.08 -,
juris Rn. 123; EUROPÄISCHE KOMMISSION 2007, S. 53). Als CEF-Maßnahmen anerkannt sind bei-
spielsweise die qualitative und quantitative Verbesserung bestehender Lebensstätten oder die Anlage
neuer Lebensstätten im räumlichen Zusammenhang zur betroffenen Lebensstätte. Wichtig ist, dass
diese Ausgleichsmaßnahmen bereits zum Eingriffszeitpunkt wirksam sind (vgl. LANA & BMU 2009).
Dadurch wird gewährleistet, dass die Funktion der Lebensstätten gewahrt wird und die lokalen Popu-
lationen der betroffenen Arten in ihrem Erhaltungszustand nicht gefährdet werden.
Das Guidance Document der EU-Kommission hebt hervor: „…
Es muss ein hohes Maß an Sicher-
heit geben, dass die Maßnahmen ausreichen, um jede Verschlechterung oder Zerstörung zu vermei-
den. Die Bewertung der Erfolgsaussichten muss auf der Basis objektiver Informationen unter dem
Aspekt der Merkmale und spezifischen Umweltbedingungen der betroffenen Lebensstätte erfolgen.
Zusätzlich muss die Anwendung von CEF-Maßnahmen den Schutzstatus der betroffenen Spezies be-
rücksichtigen. Zum Beispiel muss im Falle von seltenen Arten mit einem ungünstigen Schutzstatus ein
höherer Grad an Sicherheit gegeben sein, dass die Maßnahmen wie vorgesehen wirken werden, als in
Fällen mit weiter verbreiteten Arten mit einem günstigen Schutzstatus
“ (EUROPÄISCHE KOMMISSION
2007: II.3.4. Abs. 76).

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
31
5.3 Art- bzw. artgruppenbezogene Risikoeinschätzung
5.3.1
Arten nach Anhang IV der FFH-RL
5.3.1.1 Fledermäuse
Prüfung der Verbotstatbestände gemäß § 44 BNatSchG
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
1. Schutz und Gefährdungsstatus
Schutzstatus
streng geschützt
Art nach Anh. A der EGArtSchVO
Art nach Anh. IV FFH-RL
Art nach Anl. 1 Sp. 3 BArtSchV
besonders geschützt
Art nach Anh. B der EGArtSchVO
Europäische Vogelart
Art nach Anl. 1 Sp. 2 BArtSchV
Gefährdungsstatus
RL Deutschland (Kat. 2: Graues Langohr, Mopsfle-
dermaus; Kat. D: Mückenfledermaus, Zweifarbfleder-
maus; Kat. G: Breitflügelfledermaus; Kat. V: Abendseg-
ler, Braunes Langohr, Große und Kleine Bartfledermaus,
Großes Mausohr)
RL Sachsen (Kat. 2: Graues Langohr, Kleine Bartfle-
dermaus, Mopsfledermaus; Kat. 3: Breitflügelfledermaus,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Zweifarbfledermaus; Kat. V:
Abendsegler, Braunes Langohr, Fransenfledermaus,
Zwergfledermaus)
Einstufung Erhaltungszustand in Sachsen
FV günstig / hervorragend (Braunes Langohr,
Fransenfledermaus, Großes Mausohr, Wasserfleder-
maus, Zwergfledermaus)
U 1 ungünstig / unzureichend (Abendsegler,
Breitflügelfledermaus, Graues Langohr, Mopsfleder-
maus, Mückenfledermaus, Rauhautfledermaus, Zwei-
farbfledermaus)
U 2 ungünstig / schlecht
2. Bestand und Empfindlichkeit
2.1 Lebensraumansprüche und Verhaltensweisen
Lebensraum:
Der
Abendsegler
ist stark an den Lebensraum Wald gebunden. Wichtigstes Requisit in besiedelten Wäldern ist ein
hoher Anteil an Alt- und Totholz. Als Jagdgebiete werden insektenreiche Landschaften genutzt, sofern diese einen
hindernisfreien Flugraum bieten, z. B. große Wasserflächen, Talwiesen, lichte Wälder, abgeerntete Felder und be-
leuchtete Flächen im Siedlungsbereich. Nadelwälder werden dabei unterproportional und Gewässer und Auwälder
überproportional als Jagdhabitate aufgesucht. Die Sommerquartiere befinden sich in Baumhöhlen (insbesondere
Spechthöhlen) und Nistkästen. Vereinzelt werden auch Hohlräume hinter Gebäudeverkleidungen oder in Gebäuden
als Quartiere genutzt. Die Quartiere werden alle 2 bis 3 Tage gewechselt, so dass im Jahresverlauf von einer
Population bis zu 60 Höhlenbäume genutzt werden. Als Mindestquartierdichte werden 8 regelmäßig aufgesuchte
Höhlenbäume pro 1 km² angegeben. Die Anfang August bezogenen Balzhöhlen befinden sich in 8 bis 12 m Höhe,
hauptsächlich in Bäumen/Felsspalten an Stellen (z. B. Waldrand, Alleen, Felswände), an denen die Weibchen ent-
lang patrouillieren können. Baumquartiere finden sich im Allgemeinen bevorzugt in Waldrandnähe oder längs von
Wegen. Als Winterquartiere dienen Fels- und Mauerspalten sowie Baumhöhlen (BOYE & DIETZ 2004, TLUG 2009).

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
32
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochenstuben, Ruhestätten die Tagesverstecke und Winterquartiere (LANA
2009).
Das
Braune Langohr
ist ein typischer Waldbewohner und besiedelt eine breite Palette an Waldbiotopen (DIETZ et
al. 2007). Als Jagdhabitate werden u. a. Waldränder, Gebüsche und Hecken, Obstplantagen sowie Parks und Gär-
ten genutzt. Die Sommerquartiere befinden sich in Baumhöhlen, Spalten, hinter abstehender Rinde sowie in Fle-
dermauskästen. Als Winterquartier dienen hauptsächlich Höhlen, Stollen und Keller. Vereinzelt wurden auch Über-
winterungen in Baumhöhlen festgestellt (KIEFER & BOYE 2004a). Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochenstuben,
Ruhestätten die Tagesverstecke und Winterquartiere (LANA 2009).
Die
Breitflügelfledermaus
jagt überwiegend über offenen Flächen, welche in den Randbereichen Gehölzstruktu-
ren aufweisen. Dazu zählen Waldränder, Grünlandflächen mit Hecken und Gewässerufer. Im Siedlungsbereich
werden außerdem Parkanlagen, Hinterhöfe, Sportplätze und Straßenlaternen genutzt. Die Sommerquartiere befin-
den sich hauptsächlich in Spalten oder kleineren Hohlräumen an Gebäuden. Die Quartiere werden unterschiedlich
genutzt. Manche Wochenstubengesellschaften nutzen ein einzelnes Gebäudequartier über die ganze Aufzuchts-
periode, andere Gesellschaften nutzen neben einem Hauptquartier noch eine Vielzahl von Nebenquartieren im Dorf
und wechseln beinahe täglich zwischen den Quartieren des Verbundes. Als Winterquartiere dienen Keller, Stollen
und Höhlen sowie vereinzelt oberirdische Spaltenquartiere (ROSENAU & BOYE 2004, TLUG 2009). Die Fortpflan-
zungsstätten sind die Wochenstuben, Ruhestätten die Tagesverstecke und Winterquartiere (LANA 2009).
Die
Fransenfledermaus
weist eine sehr variable Lebensraumnutzung auf, kommt jedoch vorwiegend in Wäldern
sowie auf locker mit Bäumen bestandenen Flächen und entlang von Gewässern sowie Wiesen und Weiden vor
(BRINKMANN et al. 2012, DIETZ et al. 2007). Die Art jagt hauptsächlich dicht an der Vegetation, bejagt jedoch auch
regelmäßig Wasserflächen. Die Sommerquartiere befinden sich überwiegend in Dachstühlen, Mauerspalten, Baum-
höhlen, Viehställen sowie in Nist- und Fledermauskästen. Bei der Wahl der Winterquartiere werden Höhlen, Stollen
und Keller bevorzugt (TRAPPMANN & BOYE 2004). Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochenstuben, Ruhestätten
die Tagesverstecke und Winterquartiere (LANA 2009).
Das
Graue Langohr
ist eine typische Dorffledermaus. Ihre Jagdgebiete liegen dementsprechend in warmen Talla-
gen und menschlichen Siedlungen, Gärten, extensiv bewirtschafteten Agrarlandschaften sowie an Gehölzrändern
und in Wäldern (DIETZ et al. 2007). Die Sommerquartiere befinden sich in und an Gebäuden, dabei werden Dach-
böden und Mauerhohlräume bevorzugt. Als Winterquartiere dienen Keller, Bunker sowie Mauerspalten (KIEFER &
BOYE 2004b). Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochenstuben, Ruhestätten die Tagesverstecke und Winterquar-
tiere (LANA 2009).
Die Jagdgebiete der
Großen Bartfledermaus
befinden sich in Wäldern, Gärten und an Gewässern oder entlang
von Hecken, Baumreihen, Waldrändern und Gräben. Als Sommerquartiere dienen Gebäudespalten, Dachböden,
Stammaufrisse sowie Baumhöhlen und Fledermauskästen. Auch ihre Wochenstuben sind im Dachbereich von Ge-
bäuden, hinter Verkleidungen oder Streichbalken, meist nahe an Waldrändern und haben eine direkte Vegetations-
anbindung an Gehölzzüge. Als Winterquartiere dienen Stollen, Höhlen und Keller (BRINKMANN et al. 2012, BOYE et
al. 2004, TLUG 2009). Die Fortpflanzungsstätten der Großen Bartfledermaus sind die Wochenstuben, Ruhestätten
die Tagesverstecke und Winterquartiere (LANA 2009).
Die Jagdgebiete des
Großen Mausohrs
liegen zu über 75 % in geschlossenen Waldbeständen, insbesondere in
Laubwäldern. Ebenfalls bejagt werden Obstgärten, Äcker und frisch gemähte Wiesen. Große Mausohren sind vor-
zugsweise gebäudebewohnende Fledermäuse. Die Sommerquartiere befinden sich hauptsächlich auf Dachböden
und in Gebäudespalten, vereinzelt nutzt die Art auch Quartiere in Baumhöhlen und Nistkästen. Nistkästen und
Hohlräume in Brücken werden auch als Männchen- und Paarungsquartier genutzt. Als Winterquartiere dienen un-
terirdische Höhlen, Stollen und Keller. Die Jagdgebiete liegen meist in geschlossenen Waldbeständen mit geringer
Bodenbedeckung sowie im freien Luftraum bis in 2 m Höhe (SIMON & BOYE 2004, TLUG 2009). Als Fortpflanzungs-
stätte sind die Wochenstubenquartiere und Paarungsquartiere anzusehen. Eine ungestörte Zone von mind. 50 m
um die Quartiere sind essenzieller Bestandteil für die Fortpflanzungsstätte. Ein weiterer essenzieller Bestandteil der

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
33
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Habitatfläche ist die Hauptflugroute, die zum Wechsel zwischen Wochenstubenquartier und Jagdgebiet genutzt
wird. Zu den Ruhestätten gehören Tagesschlafplätze und auch die Winterquartiere. Für diese Quartiere ist ebenfalls
eine ungestörte 50 m-Zone Grundvoraussetzung für eine Habitateignung (RUNGE et al. 2010).
Die
Kleine Bartfledermaus
ist sehr anpassungsfähig und kommt in Wäldern, in der offenen Kulturlandschaft, an
Gewässern sowie im Siedlungsbereich vor. Sie jagt im dörflichen Siedlungsbereich, in Streuobstbeständen, He-
cken, Gärten, Feuchtgebieten und an Gewässern in kleinräumig strukturierten Landschaften. Auch siedlungsnahe
Wald(-rand-)bereiche werden bejagt. Die Sommerquartiere befinden sich in Spalten und Höhlräumen an Gebäuden,
in Baumhöhlen sowie in Nistkästen. Als Winterquartier bevorzugt die Art eher warme und feuchte unterirdische
Räume in denen sie dann offen an der Wand hängt (Höhlen, Stollen und Keller) (BOYE 2004a, TLUG 2009). Die
Fortpflanzungsstätten der Kleinen Bartfledermaus sind die Wochenstuben, Ruhestätten die Tagesverstecke und
Winterquartiere (LANA 2009).
Die
Mopsfledermaus
ist eine Art der Wälder und waldreichen Gebiete. Der Lebensraum der Art ist weitgehend auf
Wälder beschränkt, sie kommt jedoch aber auch in waldnahen Gärten und Heckengebieten vor (DIETZ et al. 2007).
Die Art jagt sowohl in Wäldern und parkartigen Landschaften als auch entlang von Waldrändern, Feldhecken,
Baumreihen und Wasserläufen. Die Sommerquartiere befinden sich meist in engen Baum- und Gebäudespalten,
zuweilen auch in Spechthöhlen. Baumquartiere befinden sich vor allem hinter abgeplatzter Rinde oder in Stamman-
rissen, seltener in Spechthöhlen. Auch an Gebäuden werden enge Spalten als Quartiere bevorzugt. Typische Quar-
tiere sind Fensterläden, Holzverkleidungen oder Fachwerkspalten. Fledermaus-Flachkästen werden auch ange-
nommen. Als Winterquartier werden Karsthöhlen, ausgediente Bergwerke, Bunkeranlagen sowie Spalten an Bäu-
men und Gebäuden bevorzugt (BOYE & MEINIG 2004, TLUG 2009). Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochenstu-
ben, Ruhestätten die Tagesverstecke und Winterquartiere (LANA 2009).
Die
Mückenfledermaus
ist an wassernahe Lebensräume gebunden, z. B. Auwälder, Waldränder, Parks, Laub-
waldbestände mit Teichen, Niederungen und Gewässer. Landwirtschaftliche Nutzflächen und Grünland werden da-
gegen gemieden. Vor allem während der Jungenaufzucht werden Gewässer und ihre Randbereiche als hauptsäch-
liche Jagdgebiete angenommen, während außerhalb der Fortpflanzungszeit auch Heckenstrukturen oder Waldrän-
der bejagt werden. Die Mückenfledermaus jagt meist unter überhängenden Ästen an Gewässern, in eng begrenzen
Vegetationslücken im Wald oder über Kleingewässern und nutzt Gebiete, die bis zu ca. 1,7 km vom Quartier entfernt
sind. Die Sommerquartiere befinden sich in Außenverkleidungen von Häusern, Flachdachverkleidungen, Zwischen-
dächern und Hohlwänden sowie in Baumhöhlen und Fledermauskästen. Paarungsquartiere haben oft exponierte
Standorte. Winternachweise sind bislang spärlich und stammen meist aus Gebäuden, Baumhöhlen und Fleder-
mauskästen (BRINKMANN et al. 2012,
DIETZ et al. 2007, TLUG 2009). Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochen-
stuben, Ruhestätten die Tagesverstecke und Winterquartiere (LANA 2009).
Die Vorkommen der
Rauhautfledermaus
liegen in naturnahen, reich strukturierten Waldhabitaten und Parkland-
schaften, oft in der Nähe von Gewässern (DIETZ et al. 2007). Die Rauhautfledermaus jagt an Gewässerufern, Wald-
rändern, über Schilfflächen und Feuchtwiesen, seltener auch in lichten Altholzbeständen. Die Sommerquartiere
befinden sich in Baumhöhlen, Holzspalten, Stammrissen und Fledermauskästen. Es werden auch Wochenstuben
an Holzverkleidungen von Scheunen und Häusern gefunden. Einzel- und Paarungsquartiere finden sich vor allem
in Baumhöhlen und -spalten, aber auch in Felsspalten oder in Dehnungsfugen von Brücken. Paarungsquartiere
werden an exponierten Stellen wie Alleen oder am Flussufer/Waldrand oder einzeln stehenden Bauwerken und
Gebäuden aufgesucht. Die Überwinterung erfolgt einzeln oder in kleinen Gruppen. Als Winterquartiere dienen Spal-
ten an Gebäuden und in Holzstapeln sowie Höhlen und Spalten in Wald- und Parkbäumen (BOYE & MEYER-CORDS
2004, TLUG 2009). Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochenstuben, Ruhestätten die Tagesverstecke und Win-
terquartiere (LANA 2009).
Die
Wasserfledermaus
ist eine anpassungsfähige Fledermausart. Als Jagdgebiete werden überwiegend offene
Wasserflächen, langsam fließende Bäche und kleinere Flüsse genutzt, gelegentlich auch wasserferne Stellen. Ein-
zelne Tiere konnten aber auch in Wäldern, Parks oder (Streuobst-)Wiesen beobachtet werden. Für

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
34
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Wasserfledermäuse haben Wälder als Quartierstandorte eine große Bedeutung, insbesondere wenn sie sich in
Gewässernähe befinden. Hauptsächlich ist die Wasserfledermaus eine baumhöhlenbewohnende Art, aber gele-
gentlich werden Wochenstuben auch in Spalten (z. B. unter Brücken), an Fassaden oder selten auch unterirdisch
in Kellern gefunden. Die wichtigsten Quartiergebiete sind dennoch gewässerbegleitende Gehölzstreifen oder ge-
wässernahe Wälder. Zur Wochenstubenzeit werden meist typische Spechtbäume genutzt. Die meiste Zeit des Som-
mers wechseln die Mitglieder eines Wochenstubenverbandes ihre Quartiere beinahe täglich und benötigen 40 bis
50 Baumhöhlen in der Wochenstubenzeit. Als Winterquartiere dienen relativ warme und feuchte Höhlen, Bergwerke
und Keller (BRINKMANN et al. 2012, DIETZ & BOYE 2004, TLUG 2009). Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochen-
stuben, Ruhestätten die Tagesverstecke und Winterquartiere (LANA 2009).
Zweifarbfledermäuse
bevorzugen im Sommer offensichtlich Lebensräume mit Wald und Felsstrukturen. Als Ersatz
für Felsen werden gerne Gebäude angenommen. Die Jagdgebiete der Zweifarbfledermaus liegen über Gewässern,
Uferzonen, offenen Agrarflächen, Wiesen und in Siedlungen. Sommer- und Winterquartiere befinden sich in Fels-
spalten sowie in und an Gebäuden. Im Sommer werden niedrige Häuser in Vorstädten oder ländlicher Lage bevor-
zugt, während die Wahl bei Winterquartieren häufig auf sehr hohe Gebäude in Innenstädten fällt (BOYE 2004b,
TLUG 2009). Die Fortpflanzungsstätten sind die Wochenstuben, Ruhestätten die Tagesverstecke und Winterquar-
tiere (LANA 2009).
Die
Zwergfledermaus
ist eine sehr flexible Art des Siedlungsbereiches, die sowohl in der Innenstadt als auch im
ländlichen Bereich anzutreffen ist. Vorkommensschwerpunkt der Zwergfledermaus ist der Siedlungsraum, darunter
auch die Zentren von Großstädten. Wenn vorhanden, so ist die Zwergfledermaus in der Nähe von Wäldern und
Gewässern zu finden. Zur Jagd werden Gebiete in der Nähe von Grenzstrukturen (Hecken, Wege oder Waldränder)
bevorzugt, sie jagt aber auch über Gewässern und an Straßenbeleuchtungen. Lineare Landschaftselemente stellen
wichtige Orientierungspunkte dar. Die Sommerquartiere befinden sich in Zwischendächern sowie Spaltenquartieren
(im Bereich von Flachdachabschlüssen, Wandverkleidungen, Dachkästen oder Fensterläden). Von Einzeltieren und
Wochenstubenkolonien werden jedoch auch Baumhöhlen und Nistkästen genutzt. Typische Winterquartiere sind
trockene Stollen und Höhlen z. B. in Steinbrüchen sowie trockene Gewölbe von Burgen, Schlössern oder großen
Kirchen (MEINIG & BOYE 2004, TLUG 2009). Die Fortpflanzungsstätte der Zwergfledermaus besteht aus den Wo-
chenstubenquartieren und ihren Ein- und Ausflugbereichen (Schwärmbereichen). Normalerweise ist eine Wochen-
stubenkolonie auf eine Ortslage beschränkt. Auch alle Paarungsquartiere gehören zur Fortpflanzungsstätte. Die
Zwergfledermaus ist deutlich weniger störanfällig als andere Fledermausarten, daher beschränkt sich die benötigte
ungestörte Zone um die Fortpflanzungsstätte auf einen 10 m-Radius. Regelmäßig und von großen Individuenzahlen
genutzte Flugrouten gehören zu den essenziellen Teilhabitatflächen. Tagesschlafplätze und Winterquartiere gelten
als Ruhestätten. Tagesschlafplätze werden nur von Einzeltieren genutzt und benötigen daher keine ungestörte
Zone. Aufgrund des herbstlichen Schwärmverhaltens am Winterquartier ist eine ungestörte Zone von 50 m von
essenzieller Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des Quartiers (RUNGE et al. 2010).
Mobilität / Ausbreitungspotenzial / Flugverhalten:
Der
Abendsegler
ist eine sehr mobile Fledermausart und ein sehr schneller Flieger. Seine Transferflüge können
bis zu 1.600 km betragen. Der Abendsegler jagt meist über den Baumkronen. Als Jagdgebiete werden in Wipfel-
höhe und wahrscheinlich im Bereich bis mehrere hundert Meter über dem Boden nahezu alle Landschaftstypen
bejagt, wobei Jagdflüge mehr als 10 km vom Quartier wegführen können. Es wurden jedoch auch schon Quartier-
wechsel über Entfernungen von über 20 km beobachtet (BOYE & DIETZ 2004, TLUG 2009). Meistens finden die
schnellen Jagdflüge jedoch in einer Höhe von 10 bis 40 m statt. Die Art gilt durch ihre hohen Überflüge als wenig
strukturgebunden (BRINKMANN et al. 2012).
Das
Braune Langohr
ist eine wenig wanderfreudige Art. Sommer- und Winterquartiere sind selten mehr als 20 km
voneinander entfernt. Auch die Jagdflüge führen nicht weiter als 3 km vom Quartier weg. Innerhalb der Aktions-
räume lassen sich dabei bestimmte „Kernjagdgebiete“ erkennen, die regelmäßig genutzt werden und meist kleiner
als 1 ha (höchstens 1,5 km um das Quartier) sind. Das Braune Langohr ist sehr strukturgebunden und weist zumeist

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
35
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
einen langsamen, sehr wendigen Flug (7 - 10 km/h) in niedriger Höhe (3 - 6 m) auf, welcher nahe an Vegetations-
strukturen entlang führt. Während der Jagd wird die Beute direkt vom Substrat bzw. der Vegetation aufgelesen
(BRINKMANN et al. 2012, KIEFER & BOYE 2004, TLUG 2009).
Die
Breitflügelfledermaus
gilt als ortstreue Art. Die Entfernung zwischen Sommer- und Winterquartier liegt bei
unter 50 km. Die Art hat zumeist einen bedächtigen Flug (20 km/h) in einer Höhe von ca. 10 - 15 m und orientiert
sich dabei an bestimmten Flugstraßen. Ihre Jagdgebiete liegen durchschnittlich in einem Radius von 6,5 km (bis
12 km) um das Quartier. Pro Nacht werden mehrere (2 bis 6 Jagdgebiete) angeflogen. Die Breitflügelfledermaus
fliegt in 10 bis 15 m Höhe und weist dabei eine bedingte Strukturgebundenheit auf (BRINKMANN et al. 2012, ROSENAU
& BOYE 2004, TLUG 2009).
Die Entfernung zwischen Sommer- und Winterquartier der
Fransenfledermaus
beträgt in der Regel 80 km. Sie ist
eine hochmobile Art, die in der Nacht in ihren im Mittel 215 ha großen Jagdgebieten bis zu 6 Kernjagdgebiete
manchmal mehrfach hintereinander anfliegt und im Spätsommer kilometerweite „Ausflüge“ unternimmt. Die bevor-
zugten Kerngebiete für die Nahrungssuche befinden sich jedoch im Radius bis ca. 1,5 km um das Quartier. Auf
dem Weg zu ihren Kernjagdgebieten benutzen Fransenfledermäuse häufig Flugstraßen, die sich an linearen Struk-
turen orientieren. Sie gehört somit zu den strukturgebundenen Fledermausarten (BRINKMANN et al. 2012). Der Jagd-
flug ist nicht sonderlich schnell und erfolgt mit 1 - 4 m oft niedrig über dem Boden. Die Fransenfledermaus ist eine
sehr manövrierfähige Art, die auf engstem Raum sehr langsam fliegen und auch rütteln kann. Sie nimmt regelmäßig
Beuteinsekten vom Substrat, der Vegetation, teilweise auch vom Boden auf (BRINKMANN et al. 2012, TRAPPMANN &
BOYE 2004, TLUG 2009).
Das
Graue Langohr
ist sehr standorttreu. Sommer und Winterquartiere liegen nur bis zu 18 km voneinander ent-
fernt. Die Jagdgebiete befinden sich in einem Radius von bis zu 5,5 km um das Quartier. Meist liegen jedoch die
regelmäßig und gelegentlich in einer Nacht mehrfach angeflogenen Jagdgebiete nur etwa 1,4 km um das Quartier
herum. Die Jagdgebiete können bis zu 75 ha groß sein und bestehen aus bis zu 10 Teiljagdgebieten, die kleinräumig
bejagt werden. Das Graue Langohr besitzt zwei unterschiedliche Jagdstrategien: Zum einen die kleinräumige, lang-
same Jagd bei sehr wendigem Flug innerhalb von Vegetationsbeständen (Aufnahme der Beute vom Substrat bzw.
der Vegetation) und zum anderen den schnelleren Jagdflug im offenen Luftraum (Jagd nach fliegenden Insekten).
Der Flug ist meistens 2 bis 5 m über dem Boden, aber manchmal auch tiefer (10 cm) oder hoch in der Baumkro-
nenregion (BRINKMANN et al. 2012, KIEFER & BOYE 2004a, TLUG 2009). Das Graue Langohr gehört zu den struktur-
gebundenen Fledermausarten (BRINKMANN et al. 2012).
Die
Große Bartfledermaus
ist weitgehend ortstreu. Jedoch als Mittelstreckenwanderer eingestuft, kann sie Distan-
zen bis zu 250 km zwischen Sommer- und Winterquartier überwinden. Regelmäßig beflogene Jagdgebiete können
mehr als 10 km vom Sommerquartier entfernt sein. Die Jagdflüge erfolgen überwiegend längs von Leitstrukturen
(u. a. Hecken, Gewässer), wodurch sie als strukturgebunden bis bedingt strukturgebunden gilt (BRINKMANN et al.
2012). Große Bartfledermäuse fliegen mit hoher Geschwindigkeit in einer Höhe von 2 m bis in Baumkronenhöhe,
im Wald auch niedriger (BRINKMANN et al. 2012, TLUG 2009).
Das
Große Mausohr
wird als Mittelstreckenwanderer eingestuft. Die Art kann Distanzen bis zu 200 km zwischen
Sommer- und Winterquartier überwinden. Trotz der hohen Bindung an die Geburtswochenstube kann doch ein
regelmäßiger Individuenaustausch zwischen Wochenstuben mit Entfernungen bis zu 30 km beobachtet werden. In
der Regel werden Aktionsräume in einem Radius von bis zu 15 km um die Wochenstube beobachtet. Die Aktions-
räume der Männchen sind kleiner als die der Weibchen, große Wochenstubenkolonien beanspruchen in Landschaf-
ten mit mindestens 40 % Waldanteil einen Aktionsraum von mindestens 800 km
2
. Bei der Bodenjagd (z. B. auf
Laufkäfer) fliegen Große Mausohren recht langsam (ca. 15 km/h) in 0,5-3 m Höhe über dem Boden. Transferflüge
und Jagdflüge um Baumkronen werden in einem schnellen Streckenflug (bis zu 50 km/h) durchgeführt (BRINKMANN
et al. 2012, SIMON & BOYE 2004, TLUG 2009). Die Art gilt als bedingt strukturgebunden (bis strukturgebunden)
(BRINKMANN et al. 2012).

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
36
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Die
Kleine Bartfledermaus
ist eine ortstreue Art, die nur kleinräumig (unter 100 km) wandert. Die Entfernung zwi-
schen Sommer- und Winterquartier beträgt jedoch meist weniger als 50 km. Die Art fliegt recht langsam (10-15
km/h), dafür wendig oft nur in einer Höhe von 1 bis 3 (6) m über dem Boden, teilweise aber auch im Baumkronen-
bereich. Sie jagt bis zu 2,8 km vom Quartier entfernt, bleibt aber bei entsprechender Biotopausstattung auch näher
beim Quartier (meist in einem Radius von 650 m um das Quartier). Die Kleine Bartfledermaus jagt opportunistisch
und fliegt bis zu 12 Teiljagdgebiete innerhalb einer Nacht an (BOYE 2004a, BRINKMANN et al. 2012, TLUG 2009). Die
Jagd findet oft in Gehölznähe statt, wodurch sie als strukturgebunden (bis bedingt strukturgebunden) gilt (BRINK-
MANN et al. 2012).
Sommer- und Winterquartiere der
Mopsfledermaus
liegen meist nur zwischen 20 und 40 km auseinander, Migra-
tionsdistanzen von mehr als 100 km sind sehr selten. Der Aktionsraum der Mopsfledermaus reicht etwa 8 bis 10 km
um das Quartier. Bei der Jagd wechselt die Art zwischen schnellem und langsam-wendigem Flug entlang von line-
aren Strukturen, z. B. Wasserläufen, Waldwegen und -straßen. Sie jagt sehr wendig in Wipfelhöhe dicht an Vege-
tationskanten entlang und taucht auch immer wieder in den Kronenbereich ein (BRINKMANN et al. 2012). Auch die
Flughöhe variiert zwischen niedrig über dem Boden (ab 1,5 m) bis über das Baumkronendach. Die Mopsfledermaus
zählt zu den sehr mobilen Fledermausarten mit einer hohen Dynamik im Quartierwechselverhalten. Ein Wochen-
stubenverband nutzt eine Vielzahl von Quartieren auf einer Fläche von mehr als 64 ha. Dabei werden im Laufe der
Nacht bis zu 10 Jagdgebiete angeflogen. Auf den Transferflügen zwischen den Jagdgebieten werden feste Flug-
routen genutzt, die in 2 bis 5 m Höhe beflogen werden (Boye & Meinig 2004). Die Art gilt als bedingt strukturgebun-
den (bis strukturgebunden) (BRINKMANN et al. 2012).
Über die Entfernung von Sommer- und Winterquartieren und das Wanderungsverhalten der
Mückenfledermaus
liegen bisher kaum gesicherte Erkenntnisse vor (DIETZ et al. 2007). Das Auftreten von Paarungsgruppen in Gebie-
ten, in denen die Art im Sommer nicht gefunden wurde, spricht für zumindest kleinräumige Wanderungen. Die Jagd
erfolgt bei der Mückenfledermaus insgesamt kleinräumiger, aber auf einem größeren Gesamtareal als bei der
Zwergfledermaus. Das Flugverhalten ist durch einen schnellen und wendigen Flug zwischen Bodennähe und Baum-
kronenhöhe sowie vegetationsnah und im freien Luftraum charakterisiert (BRINKMANN et al. 2012). Es handelt sich
um eine bedingt strukturgebundene Art (BRINKMANN et al. 2012).
Die
Rauhautfledermaus
gilt als saisonaler Weitstrecken-Wanderer und legt dabei Strecken zwischen 1.000 und
2.000 km zurück (DIETZ et al. 2007). Die Jagdgebiete können bis 6,5 km weit vom Quartier entfernt sein. Die Orien-
tierung während des Jagdfluges erfolgt häufig an Leitstrukturen, es können aber auch - insbesondere bei Transfer-
flügen - große offene Flächen überflogen werden. Die Rauhautfledermaus jagt in schnellem geradlinigen Flug an
linearen Elementen, selten auch in lichten Altholzbeständen in Höhen von 3 bis 20 m (BOYE & MEYER-CORDS 2004,
BRINKMANN et al. 2012, TLUG 2009). Die Art gilt als bedingt strukturgebunden (BRINKMANN et al. 2012).
Die
Wasserfledermaus
ist eine sehr mobile Art. Als wanderfähige Fledermaus legt sie zwischen Sommer- und
Winterquartier Strecken bis zu 100 km zurück. Die Entfernung zwischen Jagdgebiet und Quartier beträgt 7 bis 8
km. Der Flug der Wasserfledermaus ist recht langsam (10 - 18 km/h) und erfolgt meist entlang markanter Land-
schaftsstrukturen oder dicht über der Wasseroberfläche. Bei entsprechender Landschaftsausstattung liegen die
Jagdgebiete jedoch meist nicht weiter als 3 km von den Quartieren entfernt. Wird über Flüssen gejagt, entfernen
sich die Tiere in einer Nacht auch über 20 km vom Quartier. (DIETZ & BOYE 2004, TLUG 2009). Die Wasserfleder-
maus gilt als strukturgebundene (bis bedingt strukturgebundene) Fledermausart (BRINKMANN et al. 2012).
Zweifarbfledermäuse
sind schnelle Flieger. Während einige europäische Populationen, wie in Dänemark und im
Böhmerwald, weitgehend standorttreu zu sein scheinen, wandern die osteuropäischen Populationen. Entfernungen
von über 1.700 km zwischen Sommer- und Winterquartieren sind nachgewiesen. Männchen ziehen dabei nur teil-
weise mit in die Sommergebiete. Sie verbleiben zum Teil in den Überwinterungs- und Durchzugsgebieten. Die
Jagdgebiete der Männchen liegen im Mittel 5,7 km vom Quartier entfernt, die der Weibchen 2,4 km. Insekten werden
vor allem über Gewässern oder ihrem weiteren Umfeld im schnellen und geradlinigen Flug in (7)10 bis > 50 m Höhe
gejagt. An Straßenlaternen wird die Jagd aber auch in relativ engen Flugbahnen beobachtet (BOYE 2004,

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
37
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
BRINKMANN et al. 2012, DIETZ et al. 2007, TLUG 2009). Die Art gilt als wenig (bis bedingt) strukturgebunden (BRINK-
MANN et al. 2012).
Die
Zwergfledermaus
ist sehr ortstreu und Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartier unter 20 km sind
die Regel. Es wurden Jagdgebietsentfernungen bis zu 2 km und Aktionsraumgrößen zwischen 50 und 92 ha beo-
bachtet. Die Zwergfledermaus jagt mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 - 15 km/h. Bejagt werden vor allem
Grenzstrukturen, an denen die Tiere in einigen Metern Höhe entlang patrouillieren und im freien Luftraum kleine
und kleinste Insekten erbeuten (MEINIG & BOYE 2004, TLUG 2009). Jedoch sind auch Jagdflüge über unstrukturier-
tem Offenland nicht ungewöhnlich. Somit gilt die Art als bedingt strukturgebunden (BRINKMANN et al. 2012).
Gefährdung und Empfindlichkeit:
Durch die Abhängigkeit der Wochenstubenkolonien von höhlenreichen Baumbeständen, die Brutortstreue der
Weibchen und die spezifische Überwinterungsstrategie besitzt der
Abendsegler
ein hohes Gefährdungspotenzial.
Frieren Quartiere durch, können große Winterverluste auftreten. Quartiersverluste entstehen außerdem durch forst-
wirtschaftliche Maßnahmen sowie durch Fällung und Baumpflegemaßnahmen (BOYE & DIETZ 2004). Die Kollisions-
gefahr ist bei den hohen Transferflügen sehr gering, jedoch kommt es bei Jagdflügen unter Straßenlaternen häufig
zu Verkehrsunfällen (BRINKMANN et al. 2012). Durch den hohen Flug ist der Abendsegler gegenüber Beeinträchti-
gungen durch den Straßenverkehr generell recht unempfindlich. So zeigt die Art eine sehr geringe Empfindlichkeit
gegenüber Zerschneidungswirkungen und geringe Empfindlichkeiten gegenüber Licht- und Lärmemissionen
(BRINKMANN et al. 2012).
Das
Braune Langohr
ist vor allem empfindlich gegenüber Veränderungen des Lebensraumes durch Einsatz von
Holzschutzmitteln auf Dachböden und forstwirtschaftliche Maßnahmen (KIEFER & BOYE 2004). Das Braune Langohr
weist zudem durch seinen langsamen und niedrigen Flug ein hohes Kollisionsrisiko während Transferflügen auf
(BRINKMANN et al. 2012). Aufgrund der Strukturgebundenheit ist die Art sehr hoch empfindlich gegen Zerschnei-
dungswirkungen (BRINKMANN et al. 2012). Stark befahrene Straßen durch Wälder oder breite Waldschneisen wer-
den von den Populationen nicht überwunden und haben starke Barrierewirkungen (KIEFER & BOYE 2004). Gegen-
über Licht- und Lärmemissionen weist die Art eine hohe Empfindlichkeit auf (Maskierung von Beutetiergeräuschen
im Jagdhabitat) (BRINKMANN et al. 2012).
Die
Breitflügelfledermaus
ist vor allem empfindlich gegenüber fledermausfeindlichen Gebäudesanierungen und
Pestizideinsätzen (ROSENAU & BOYE 2004). Durch die an den Menschen gebundene Lebensweise wird die Art auch
häufig Opfer des Straßenverkehrs (ROSENAU & BOYE 2004), das Kollisionsrisiko bei Transferflügen wird aber als
gering eingeschätzt (BRINKMANN et al. 2012). Gegenüber Zerschneidung, Licht- und Lärmemissionen weist die Art
ebenfalls geringe Empfindlichkeiten auf (BRINKMANN et al. 2012).
Die
Fransenfledermaus
weist Empfindlichkeiten gegenüber Pestizideinsätzen der Forstwirtschaft auf, welche zu
Quartiersverlusten in Wäldern sowie einem fehlenden Nahrungsangebot im Umfeld der Quartiere führen. Die Vor-
kommen im Siedlungsbereich sind durch die Zerstörung der Gebäudequartiere, insbesondere die Modernisierung
von Kuhställen, beeinträchtigt (TRAPPMANN & BOYE 2004). Bei Transferflügen ist sie einem hohen Kollisionsrisiko
ausgesetzt (BRINKMANN et al. 2012). Die Art weist eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Zerschneidung und Lichte-
missionen, jedoch eine geringe gegenüber Lärmemissionen auf (BRINKMANN et al. 2012).
Das
Graue Langohr
weist Empfindlichkeiten gegenüber Quartiersverlusten an Gebäuden infolge von Renovie-
rungsarbeiten und dem Einsatz von Holzschutzmitteln auf. Außerdem liegt eine Gefährdung durch Nahrungsdezi-
mierung vor, die auf die Intensivierung von landwirtschaftlichen und dörflichen Nutzungen sowie die Vernichtung
insektenreicher Landschaftsstrukturen zurückzuführen ist (KIEFER & BOYE 2004a). Zudem unterliegt das Graue
Langohr einem hohen Kollisionsrisiko bei Transferflügen (BRINKMANN et al. 2012). Durch ihre ausgeprägte Struktur-
gebundenheit ist die Art sehr hoch empfindlich gegenüber Zerschneidung. Gegenüber Licht- und Lärmemissionen
(Maskierung von Beutetiergeräuschen) weist sie eine hohe Empfindlichkeit auf (BRINKMANN et al. 2012).

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
38
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Die
Große Bartfledermaus
weist Empfindlichkeiten gegenüber Quartiersverluste auf. Gebäudebewohnende Kolo-
nien werden durch Renovierungsmaßnahmen an Gebäuden oder direkte Verfolgung gefährdet. Bei Quartieren in
Waldbeständen liegt eine Beeinträchtigung durch die forstwirtschaftliche Nutzung alter Bäume und Durchforstungs-
maßnahmen im Bestand vor (BOYE et al. 2004). Das Kollisionsrisiko bei Transferflügen ist mit mittel zu bewerten
(BRINKMANN et al. 2012). Die Empfindlichkeit der Großen Bartfledermaus gegenüber Zerschneidung ist als mittel bis
hoch einzustufen. Die Art weist zudem eine hohe Empfindlichkeiten gegenüber Licht- und Lärmemissionen (Mas-
kierung von Beutetiergeräuschen im Jagdhabitat) auf (BRINKMANN et al. 2012).
Den bedeutsamsten Gefährdungsfaktor beim
Großen Mausohr
stellt die Dezimierung bzw. Vergiftung der Nah-
rungstiere durch Pestizideinsatz im Obstbau und in der Forstwirtschaft dar. Die Konzentration in großen bis sehr
großen Wochenstubenkolonien, die meist große Dachräume als Quartier benötigen, führt bei der Sanierung von
Gebäuden zu Populationsverlusten. Zudem können Mausohren auch von mutwilliger Vertreibung oder Verletzung
betroffen sein (SIMON & BOYE 2004). Bei Transferflügen unterliegt die Art einem mittleren Kollisionsrisiko (BRINK-
MANN et al. 2012). Gegenüber Zerschneidungswirkungen ist die Art mittel- bis hochempfindlich, gegenüber Licht-
und Lärmemissionen weist sie eine hohe Empfindlichkeit auf (Maskierung von Beutetiergeräuschen im Jagdhabitat)
(BRINKMANN et al. 2012).
Durch die Wahl von Quartieren im Siedlungsbereich und die niedrige Flughöhe bildet der Straßenverkehr den
Schwerpunkt bei der Gefährdung der
Kleinen Bartfledermaus
(BOYE 2004a), auch bei Transferflügen unterliegt
sie einem hohen Kollisionsrisiko (BRINKMANN et al. 2012). Die Kleine Bartfledermaus weist gegenüber Zerschnei-
dung und Lichtemissionen eine hohe Empfindlichkeit auf. Lärmemissionen spielen bei der Art dagegen nur eine
geringe Rolle (BRINKMANN et al. 2012).
Da die
Mopsfledermaus
häufig die Verstecke wechselt, benötigt sie ein reiches Quartierangebot. Durch forstliche
Maßnahmen ist jedoch der bevorzugte Quartiertyp „Spalte außen an Bäumen“ selten geworden. Hinzu kommt die
Spezialisierung der Art auf Kleinschmetterlinge als Nahrung, weshalb sie von einem individuenreichen Vorkommen
dieser Insekten abhängig ist, deren Bestand sich durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblich reduziert
(BOYE & MEINIG 2004). Bei ihren Jagdflügen in geringer Höhe über Wegen und Straßen und entlang von Schneisen
werden Mopsfledermäuse häufig Opfer des Straßenverkehrs (BOYE & MEINIG 2004), bei den höheren Transferflügen
unterliegen sie einer mittleren Kollisionsgefahr (BRINKMANN et al. 2012). Durch die mittlere Strukturbindung weist
die Mopsfledermaus eine hohe bis mittlere Empfindlichkeit gegenüber Zerschneidung auf. Die Empfindlichkeit ge-
genüber Lichtemissionen wird als hoch, gegenüber Lärm als gering eingestuft (BRINKMANN et al. 2012).
Als Hauptursachen für die relative Seltenheit der
Mückenfledermaus
in Deutschland sind die Lebensraumvernich-
tung durch die Land- und Forstwirtschaft sowie ein naturschutzfachlich nicht sachgerechter Gewässerausbau und
Hochwasserschutz mit Trockenlegung und Vernichtung von Auwäldern anzusehen. Zudem weist die Art Empfind-
lichkeiten gegenüber der Ausbringung von Pestiziden auf (MEINIG & BOYE 2004). Während nur von einem mittleren
Kollisionsrisiko bei Transferflügen ausgegangen wird, kommt es bei Jagdflügen im Straßenraum häufig zu Ver-
kehrsunfällen (BRINKMANN et al. 2012). Die Art weist eine mittlere bis geringe Empfindlichkeit gegenüber Zerschnei-
dung auf, gegenüber Licht- und Lärmemissionen gilt sie als gering empfindlich (BRINKMANN et al. 2012).
Die Bindung an Baumhöhlen als Quartiere, die Konzentration der Flugwege und Paarungsgebiete in Auwaldgebie-
ten der größeren Flüsse und die sehr weiten saisonalen Wanderungen haben ein hohes Gefährdungspotenzial für
die
Rauhautfledermaus
zur Folge (BOYE & MEYER-CORDS 2004). Während das Kollisionsrisiko bei Transferflügen
als mittel zu bezeichnen ist, kommt es bei Jagdflügen im Straßenraum häufig zu Unfällen (BRINKMANN et al. 2012).
Aufgrund der nur bedingten Strukturbindung der Art weist sie gegenüber Zerschneidung eine mittlere bis geringe
Empfindlichkeit auf. Gegenüber Licht- und Lärmemissionen ist die Rauhautfledermaus gering empfindlich (BRINK-
MANN et al. 2012).
Die
Wasserfledermaus
leidet unter Quartierverlusten infolge der Abholzung von geeigneten Quartierbäumen und
des Verschlusses von Höhleneinflugmöglichkeiten. Höhlentourismus und die damit verbundene Störung der Tiere
im Winterquartier stellt einen weiteren Gefährdungsgrund dar (DIETZ & BOYE 2004). Zudem werden

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
39
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Wasserfledermäuse bei Jagdflügen häufig Opfer des Straßenverkehrs (DIETZ & BOYE 2004) und unterliegen auch
bei Transferflügen einem hohen Kollisionsrisiko (BRINKMANN et al. 2012). Wasserfledermäuse sind hoch empfindlich
gegenüber Zerschneidungswirkungen und Lichtemissionen. Lärmemissionen spielen eine untergeordnete (geringe)
Rolle (BRINKMANN et al. 2012).
Die Seltenheit von Wochenstuben und die Nähe vieler Vorkommen zu intensiv genutzten Bereichen (Innenstädte)
stellen eine Gefahr für die
Zweifarbfledermaus
dar (BOYE 2004). Besonders bei der Sanierung von Gebäudefas-
saden können Hangplätze verloren gehen (DIETZ et al. 2007). Auf dem Zug bilden Windkraftanlagen eine ernst zu
nehmende Bedrohung (DIETZ et al. 2007), während die Kollisionsgefahr bei Transferflügen im Straßenverkehr als
sehr gering eingestuft wird (BRINKMANN et al. 2012). Aufgrund ihrer höchstens bedingten Strukturbindung reagiert
die Zweifarbfledermaus sehr gering empfindlich auf Zerschneidung. Auch gegenüber Licht- und Lärmemissionen
weist sie geringe Empfindlichkeiten auf (BRINKMANN et al. 2012).
Die
Zwergfledermaus
weist Empfindlichkeiten gegenüber Pestizidanwendungen in der Land- und Forstwirtschaft
sowie in Hausgärten auf, da diese eine Verringerung des Nahrungsangebotes zur Folge haben. Die Sanierung von
Gebäuden, der Verschluss von Quartieren sowie die Verwendung von Holzschutzmitteln stellen weitere Bedrohun-
gen für die Art dar (MEINIG & BOYE 2004). Während sie bei Transferflügen lediglich einem mittleren Kollisionsrisiko
unterliegen, werden Zwergfledermäuse bei Jagdflügen häufig Opfer des Straßenverkehrs (BRINKMANN et al. 2012,
MEINIG & BOYE 2004). Gegenüber Zerschneidungswirkungen weisen Zwergfledermäuse eine mittlere bis geringe
Empfindlichkeit auf. Licht- und Lärmemissionen spielen eine untergeordnete (geringe) Rolle (BRINKMANN et al.
2012).
2.2 Verbreitung in Sachsen
Sachsen ist Durchzugs-, Reproduktions-, Sommer- und Überwinterungsgebiet für den
Abendsegler
. Die Wochen-
stuben lassen sich vor allem in den nördlichen gewässer- und waldreichen Gebieten nachweisen. In besonders
hoher Dichte wurden sie im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet festgestellt. Eine größere Anzahl an Wochenstu-
ben sind auch in der Düben-Dahlener Heide, der Elsterwerda-Herzberger Elsterniederung sowie in gewässerrei-
chen Teilen des Lössgefildes, in Bereichen des Leipziger Landes und des Westlausitzer Hügel- und Berglandes zu
erwarten (HAUER et al. 2009).
Die Vorkommen des
Braunen Langohrs
sind in Sachsen recht gleichmäßig über das gesamte Landesgebiet ver-
teilt und reichen bis in Höhenlagen von 800 m ü. NHN. Geringere Artvorkommen weisen lediglich die Bereiche im
Norden des Leipziger Landes bei Delitzsch, im nordsächsischen Platten- und Hügelland, im Mittelsächsischen Löss-
hügelland südwestlich von Riesa und im Oberlausitzer Gefilde westlich von Bautzen auf (HAUER et al. 2009).
In Sachsen ist die
Breitflügelfledermaus
in allen Landschaftsteilen verbreitet. Die Nachweise reichen dabei bis zu
einer Höhe von 700 m ü. NHN. Schwerpunkte liegen im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet sowie in den Sied-
lungen am Rand der Düben-Dahlener Heide, in der Stadt Leipzig sowie dem Bornaer, Zwickauer und Bautzener
Raum (HAUER et al. 2009).
Sachsen ist Reproduktions- und Überwinterungsgebiet der
Fransenfledermaus
. Die Art kommt, außer in waldar-
men Acker- und Tagebaugebieten, in allen Regionen Sachsens vor. Die Verbreitungsschwerpunkte befinden sich
in der Düben-Dahlener Heide, im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet, im Leipziger Land sowie in den Vorgebirgs-
lagen im Vogtland, Erzgebirgsbecken und Östlicher Oberlausitz. Die Winterquartiere weisen eine Häufung im Mittel-
und Bergland auf (HAUER et al. 2009).
Das
Graue Langohr
ist im nördlichen sowie nordöstlichen Tief- und Hügelland recht gleichmäßig verbreitet, in den
Randlagen der Mittelgebirge liegen jedoch nur vereinzelte Funde vor. Besonders häufig wurde die Art in der Düben-
Dahlener Heide, dem Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet sowie in der Dresdner Elbtalweitung nachgewiesen
(HAUER et al. 2009).
Sachsen ist für die
Große Bartfledermaus
Reproduktions- und Überwinterungsgebiet. Verbreitungsschwerpunkte
bilden das Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet, die Umgebung Dresdens, Bornas und Werdaus sowie wenige

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
40
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Orte in den unteren Berglagen des Vogtlandes, des Oberlausitzer Berglandes und des Mittel- und Osterzgebirges
(HAUER et al. 2009).
In Sachsen lassen sich die Wochenstubenkolonien des
Großes Mausohrs
hauptsächlich in waldreichen Teilen des
Sächsischen Lössgefildes sowie im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet nachweisen. Zur Überwinterung wandern
Mausohren aus dem Tief- und Hügelland in die Mittelgebirge, insbesondere in das Erzgebirge (HAUER et al. 2009).
Sachsen ist Reproduktions- und Überwinterungsgebiet der
Kleinen Bartfledermaus
. Die Wochenstuben befinden
sich hauptsächlich im Sächsischen Tiefland mit Schwerpunkt in der Düben-Dahlener Heide, im Oberlausitzer Heide-
und Teichgebiet sowie im Lössgefilde (HAUER et al. 2009).
Sachsen ist für die
Mopsfledermaus
Reproduktions- und Überwinterungsgebiet. Die Verbreitungsschwerpunkte
befinden sich vor allem im Sächsischen Lössgefilde, in der Düben-Dahlener Heide, im Vogtland, in der Sächsischen
Schweiz und im Oberlausitzer Bergland. Wochenstuben lassen sich im südlichen Leipziger Land, im Altenburg-
Zeitzer Lösshügelland, im Erzgebirgsbecken, Vogtland, Oberlausitzer Bergland und in der Östlichen Oberlausitz
nachweisen (HAUER et al. 2009).
Sachsen ist für die
Mückenfledermaus
Vermehrungs- und Überwinterungsgebiet. Die Vorkommen konzentrieren
sich überwiegend auf das Tiefland und die Lössgefilde östlich der Elbe. Wochenstubenquartiere konnten bisher im
Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet, im Leipziger Land, im Nordsächsischen Platten- und Hügelland, in der
Großenhainer Pflege und im Westlausitzer Hügel- und Bergland nachgewiesen werden (HAUER et al. 2009).
Sachsen ist als Paarungs-, Durchzugs- und Rastgebiet für die
Rauhautfledermaus
von erheblicher Bedeutung,
bisher sind jedoch nur wenige Fortpflanzungs- und Überwinterungsstätten bekannt. Nachweise von Wochenstu-
benkolonien finden sich im Leipziger Land, im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet sowie in den wald- und gewäs-
serreichen Gebieten in der Nordhälfte Sachsens (HAUER et al. 2009).
Sachsen ist für die
Wasserfledermaus
Reproduktions- und Sommergebiet. Außerdem wandert eine große Anzahl
an Tieren zu und überwintert hier. Im Sommerhalbjahr wurde die Art in nahezu ganz Sachsen beobachtet. Verbrei-
tungsschwerpunkte befinden sich im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet sowie im Süden des Leipziger Landes.
Die Winterquartiere lassen sich vor allem im Hügel- und Bergland zwischen 110 und 910 m ü. NHN nachweisen
(HAUER et al. 2009).
Die
Zweifarbfledermaus
tritt in Sachsen als Wintergast und Durchzügler sowie als Übersommerer auf. Bei den
weit über das Land verteilten Nachweisen handelt es sich überwiegend um Einzelfunde, u. a. im Vogtland, im Mittel-
und Osterzgebirge, in der Oberlausitz sowie in der Muskauer Heide. Die Winterquartiere befinden sich hauptsäch-
lich in großen Städten wie Dresden, Leipzig, Plauen, Zwickau und Chemnitz sowie in den Mittelgebirgen mit Schwer-
punkt in der Sächsischen Schweiz (HAUER et al. 2009).
Die
Zwergfledermaus
ist in Sachsen ganzjährig und mit Ausnahme der höheren Berglagen weit verbreitet. Vor-
kommensschwerpunkte befinden sich in der Oberlausitz, der Sächsischen Schweiz und der Dresdner Elbtalweitung
sowie dem Osterzgebirge. Wochenstuben der Zwergfledermaus lassen sich vor allem in der Oberlausitz sowie den
Gebieten um Dresden, Freiberg, Borna und Crimmitschau nachweisen. Große Winterquartiere sind in Sachsen
kaum bekannt. Die Wochenstubengebiete und die Fundorte überwinternder Zwergfledermäuse sind weitgehend
identisch (HAUER et al. 2009).
2.3 Vorkommen im Untersuchungsraum
Vorkommen nachgewiesen
Vorkommen potenziell möglich
(Quelle: SCHMIDT 2014, LFULG 2017)
Im Zuge der Fledermauserfassungen zum Vorhaben „S 84 Neubau Niederwartha – Meißen, BA 3 (VKE 325.2)“ im
Jahr 2014 wurden innerhalb bzw. im Umfeld des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 häufige Vorkommen von
Abendsegler, Breitflügelfledermaus, Rauhautfledermaus und Zwergfledermaus nachgewiesen. Die Große und die
Kleine Bartfledermaus sind anhand ihrer Rufe nicht zu unterscheiden, daher wurden die entsprechenden

image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
41
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
erbrachten akustischen Nachweise zur Artengruppe „Bartfledermausart“ zusammengefasst. Selten bzw. vereinzelt
wurden auch Nachweise der Arten Fransenfledermaus, Großes Mausohr, Mopsfledermaus, Wasserfledermaus
und Zweifarbfledermaus sowie der Artengruppe „Langohr indet“ (umfasst die akustisch schwer unterscheidbaren
Arten Braunes und Graues Langohr) erbracht. Die Mückenfledermaus konnte 2014 nicht direkt nachgewiesen
werden. Allerdings wurde in einer Entfernung von mind. 1 km eine nicht weiter identifizierbare Pipistrellus-Art (Pi-
pistrellus indet.) nachgewiesen, sodass die Anwesenheit der Mückenfledermaus nicht ausgeschlossen werden
kann. Für den Abendsegler und die Zwergfledermaus wurden zudem Reproduktionsnachweise im Umfeld des B-
Plan-Gebietes erbracht.
Aufgrund der Habitatausstattung ist auch innerhalb des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 mit Vorkommen
der genannten Fledermausarten zu rechnen.
Abbildung 4: Im Zuge der faunistischen Erfassungen zur S 84 nachgewiesene Fledermausvorkommen im Umfeld
des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 (SCHMIDT 2014)

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
42
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
3. Prognose und Bewertung der Zugriffsverbote nach § 44 BNatSchG
a) Fang, Verletzung, Tötung (§ 44 Abs. 1, Nr. 1 BNatSchG)
Werden im Zuge der baubedingten Zerstörung bzw.
Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Tiere unvermeidbar gefangen, getötet bzw. verletzt?
ja
nein
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme ist vorge-
sehen
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Baubedingte Gefährdung
: Im Zuge der Baufeldfreimachung werden keine Gehölzbestände mit Quartierpotenzial für
Fledermäuse gerodet. Die vorhandenen Altholzbestände innerhalb des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67
werden im Rahmen des GOP als zu erhaltende Gehölzbestände gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 25 b BauGB festgeschrieben.
Somit können baubedingte Verletzungen oder Tötungen von Fledermäusen in Baumquartieren mit ausreichender
Sicherheit ausgeschlossen werden.
Im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes ist jedoch mit einem Abriss bereits bestehender Gebäude zu
rechnen. Alle der hier betrachteten Fledermäuse nutzen auch Gebäudequartiere. Somit kann ein baubedingtes
Eintreten des Verbotstatbestandes im Zuge von Gebäudeabrissen für alle der hier betrachteten Fledermausarten
nicht ausgeschlossen werden.
Angaben zu erforderlichen Vermeidungsmaßnahmen zum Schutz von Individuen:
- konfliktvermeidende Bauzeitenregelung
Bauzeitenregelung bzw. Baufeldinspektionen sind vorgesehen
ja
nein
die Bauzeiten beschränken sich auf den Zeitraum außerhalb der Aktivitätsphasen
(Baufeldfreimachung / Abriss von Gebäuden außerhalb der Fortpflanzungszeit (1. Oktober bis 28.
Februar))
potenzielle Aufzuchtstätten und Ruhestätten der Art werden vor dem Eingriff auf Besatz geprüft
(Um sicherzustellen, dass keine Tiere während der Baufeldfreimachung im Winterquartier getötet
werden, sind alle festgestellten oder potenziellen Gebäudequartiere im Herbst vor dem Eingriff auf
möglichen Besatz zu prüfen und zu kennzeichnen.)
ggf. Verschluss oder Entwertung von unbesetzten Quartieren
(Im Einzelfall, wenn mit vollständiger Sicherheit festgestellt wurde, dass ein Quartier unbesiedelt ist,
wird dieses im Anschluss an die Besatzkontrolle verschlossen, um einen Wiedereinflug vor der Bau-
feldfreimachung zu verhindern. Durch eine entsprechende Vorkehrung wird gewährleistet, dass die
Tiere die Höhle zwar verlassen, aber nicht mehr einfliegen können (sog. „One-Way-Pass“). Als Zeit-
punkt des Verschlusses ist der Herbst (September / Oktober) vorzusehen, da zu diesem Zeitpunkt
Fledermäuse die Quartiere nicht mehr als Wochenstube und noch nicht als Winterquartier nutzen).
Das baubedingte Eintreten des Verbotstatbestandes
kann ausgeschlossen werden
ja
nein
Entstehen betriebsbedingt Risiken, die über das allgemeine
Lebensrisiko hinausgehen (signifikante Erhöhung)?
ja
nein

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
43
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Betriebsbedingte Gefährdung
: Kollisionen von Fledermäusen mit Zuliefererverkehr sind nicht zu erwarten, da im
Bereich der Erschließungsstraße nur geringe Fahrgeschwindigkeiten und ein geringes Verkehrsaufkommen zu er-
warten sind. Der Verbotstatbestand tritt nicht ein.
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen
Beschreibung und Bewertung der Maßnahme:
entfällt
Das betriebsbedingte Eintreten des Verbotstatbestandes
kann ausgeschlossen werden
ja
nein
b) Störungstatbestände (§ 44 Absatz 1 Nummer 2 BNatSchG)
Werden evtl. Tiere während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-,
Mauser-, Überwinterungs- und Wanderzeiten projektbedingt erheblich
gestört (eine erhebliche Beeinträchtigung liegt vor, wenn sich durch
die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population
einer Art verschlechtert)?
ja
nein
Vermeidungs- bzw. CEF-Maßnahmen erforderlich?
ja
nein
Verschlechterung des Erhaltungszustands der lokalen
Population kann ausgeschlossen werden?
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Baubedingte Störung:
Baubedingte Störungen treten vor allem im Zuge der Baufeldfreimachung auf. Gehölze mit
Quartierpotenzial für baumbewohnende Fledermausarten werden im Rahmen des GOP als zu erhaltende
Gehölzbestände gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 25 b BauGB festgeschrieben. Somit können baubedingte Störungen von
Fledermäusen in Baumquartieren im Zuge von Rodungsarbeiten mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen
werden.
Im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes können baubedingte Gebäudeabrisse nicht sicher ausge-
schlossen werden. Alle der hier betrachteten Fledermausarten nutzen u.a. auch Gebäude Sommer-, Wochenstu-
ben- und/oder Winterquartiere. Somit kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass einzelne Individuen der
Fledermäuse durch die Abrissarbeiten gestört werden.
Bewertungsrelevante Störungen treten auch dann auf, wenn räumlich-funktionale Beziehungen während der Fort-
pflanzungs-, Aufzucht-, Überwinterungs- oder Wanderzeiten unterbrochen werden. Es ist bekannt, dass Lichtemis-
sionen bei Fledermäusen zu einem veränderten Flugverhalten führen können. So konnte nachgewiesen werden,
dass auf Explorationsflügen Fledermäuse bei Licht wesentlich häufiger als bei Dunkelheit landen, um so einem
erhöhten Prädationsdruck auszuweichen (LÜTTMANN et al. 2009). D. h. Fledermäuse sind bei Licht von ihren Fein-
den besser zu erkennen. Es ist davon auszugehen, dass nächtliche „Lichtverschmutzungen“ im Bereich von Flug-
routen mit hoher (regionaler) Bedeutung erhebliche negative Konsequenzen für die Populationen der Fledermaus-
arten bewirken. Braunes und Graues Langohr, Große und Kleine Bartfledermaus, Fransenfledermaus, Mopsfleder-
maus, Großes Mausohr und Wasserfledermaus zeichnen sich durch eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Licht aus
(BRINKMANN et al. 2012). Daher ist davon auszugehen, dass vorhabensnahe Jagdhabitatflächen und Flugkorridore
eine Funktionsminderung infolge von Lichtirritationen erfahren. Braunes und Graues Langohr sowie Großes Maus-
ohr sind zudem empfindlich gegenüber Lärmemissionen im Bereich von Jagdhabitaten, da es zur Maskierung von

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
44
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Beutetiergeräuschen im Jagdhabitat kommen kann (BRINKMANN et al. 2012). Für diese Arten besteht durch Licht-
bzw. Lärmemissionen grundsätzlich die Gefahr, dass es im Zuge nächtlicher Bauarbeiten zu Irritationen im Bereich
von Flugrouten entlang der linearen Gehölzstrukturen kommen kann. Abendsegler, Breitflügelfledermaus, Mücken-
fledermaus, Rauhautfledermaus, Zweifarbfledermaus und Zwergfledermaus weisen nur geringe Empfindlichkeiten
gegenüber Zerschneidungseffekten, Licht- und Lärmemissionen auf (BRINKMANN et al. 2012). Aufgrund ihrer artspe-
zifisch geringen Störempfindlichkeit können Beeinträchtigungen durch Störungen für diese Arten im Zuge des Vor-
habens ausgeschlossen werden. Innerhalb des Geltungsbereiches sind keine Flugrouten / Transferräume hoher
Bedeutung vorhanden. Die bestehenden linearen Gehölzbestände sind vielfach durch Gebäude und Verkehrswege
unterbrochen und weisen höchstens eine mittlere Bedeutung für (bedingt) strukturgebunden fliegende Fledermäuse
auf. Zudem sind baubedingte Störungen an Flugrouten oder in Jagdhabitaten sind jedoch nur dann bewertungsre-
levant, wenn die für ein langfristiges Überleben der jeweiligen Art notwendigen Raumbewegungen dauerhaft ein-
geschränkt werden. Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch um temporäre Störungen, welche ausschließlich
während der Bauphase und dann auch nur bei nächtlichen Bautätigkeiten auftreten können. Auf Populationsebene
sind keine Auswirkungen infolge vereinzelter, temporär und lokal eng begrenzter Störungen von Verbundstrukturen
abzuleiten. Erhebliche Beeinträchtigungen im Bereich bedeutender Flugstrukturen sind daher nicht abzuleiten Der
Verbotstatbestand aufgrund baubedingter Störungen tritt nicht ein.
Betriebsbedingte Störung:
Betriebsbedingte Störungen der licht- und lärmsensiblen Fledermausarten (s. o.) können
durch verkehrsbedingte Emissionen wie Scheinwerferlicht, Straßenbeleuchtungen und die Geräuschkulisse vorbei-
fahrender Fahrzeuge verursacht werden. Es ist daher zu klären, ob entlang der verbleibenden bzw. im Rahmen des
GOP neu anzulegenden Hecken und Baumreihen jagende Fledermäuse durch die Licht- und Lärmemissionen ge-
stört werden. Grundsätzlich ist von dem Eintreten einer erheblichen Störung dann auszugehen, wenn die Größe
der lokalen Population und/oder ihr Fortpflanzungserfolg signifikant und nachhaltig zurückgeht. Dies ist besonders
dann anzunehmen, wenn Tiere aufgrund der Störungen den Wirkraum dauerhaft verlassen und wenn sich ihre
Überlebenschancen, ihre Reproduktionsfähigkeit oder ihr Reproduktionserfolg im gestörten Bereich verschlechtern.
Im vorliegenden Fall kann davon ausgegangen werden, dass es insbesondere während der Dämmerungs- und
Nachtzeiten durch Zuliefererverkehr zu keinen kontinuierlichen Lichtemissionen bzw. einer großräumigen Ausleuch-
tung im Bereich der linearen Gehölzbestände kommt. Aufgrund der geringen zu erwartenden Verkehrsbelegung auf
der Erschließungsstraße ist nicht mit einer kontinuierlichen Schallkulisse zu rechnen. Aufgrund der innerörtlichen
Lage ist mit einer dauerhaften Straßenbeleuchtung im Bereich der Erschließungsstraße zu rechnen. Da sich das
geplante Gewerbegebiet jedoch im vorbelasteten Siedlungsbereich von Coswig befindet, führt eine Beleuchtung
der geplanten Erschließungsstraße zu keinen Beeinträchtigungen, die über das Maß der Vorbelastung hinausge-
hen. Gemäß der bauordnungsrechtlichen Festsetzungen im GOP ist das Anstrahlen von baulichen Anlagen nur im
Bereich Fabrikstraße, Köhlerstraße und Cliebener Straße zulässig. Dadurch wird eine Ausleuchtung von Habi-
tatstrukturen der Fledermäuse auf den straßenabgewandten Seiten vermieden. Somit ist nicht zu erwarten, dass
durch licht- oder lärmbedingte Störungen Raumbewegungen der licht- und lärmsensiblen Fledermausarten dauer-
haft eingeschränkt werden. Eine Betroffenheit aufgrund betriebsbedingter Störwirkungen kann ausgeschlossen
werden. Der Verbotstatbestand der Störung tritt nicht ein.
Beschreibung der konfliktvermeidenden Maßnahmen:
entfällt
Bewertung der Maßnahmen / Auswirkungen auf die lokale Population:
entfällt
Das Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausgeschlossen wer-
den.
ja
nein

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
45
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
c) Entnahme, Beschädigung, Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten (§ 44 Absatz 1 Nummer 3
BNatSchG)
Werden Fortpflanzungs- und Ruhestätten aus der Natur
entnommen, beschädigt oder zerstört?
ja
nein
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen?
ja
nein
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme ist vorgesehen?
ja
nein
Funktionalität im räumlichen Zusammenhang bleibt gewahrt
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme durch Rodungsarbeiten
: Im Zuge der Baufeldfreimachung werden
keine Gehölzbestände mit Quartierpotenzial für Fledermäuse gerodet. Die vorhandenen Altholzbestände innerhalb
des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 werden im Rahmen des GOP als zu erhaltende Gehölzbestände ge-
mäß § 9 Abs. 1 Nr. 25 b BauGB festgeschrieben. Somit kann eine bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme von
Fortpflanzungs- und Ruhestätten der Fledermäuse im Zuge der Baufeldfreimachung ausgeschlossen werden.
Bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme durch Abrissarbeiten
: Im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbe-
gebietes ist jedoch mit einem Abriss bereits bestehender Gebäude zu rechnen. Alle der hier betrachteten Fleder-
mäuse nutzen auch Gebäudequartiere. Somit kann ein bau- und anlagebedingtes Eintreten des Verbotstatbestan-
des im Zuge von Gebäudeabrissen für alle der hier betrachteten Fledermausarten nicht ausgeschlossen werden.
Daher sind vorsorglich Maßnahmen zur Vermeidung zu ergreifen.
Beschreibung der konfliktvermeidenden Maßnahmen:
-
Bauzeitenregelung im Zuge der Abrissarbeiten / Kontrolle potenzieller Gebäudequartiere vor dem Eingriff /
ggf. Verschluss / Entwertung unbesetzter Quartiere / ggf. Bergung überwinternder Tiere (kvM 1)
-
ggf. Bereitstellung von Ausweichquartieren für Fledermäuse bei Verlust geeigneter Gebäudequartiere (CEF
1)
Bewertung der Maßnahmen/ Auswirkungen auf die ökologische Funktionsfähigkeit:
Durch die Bauzeitenregelung wird gewährleistet, dass keine aktuell besetzten Fortpflanzungsstätten während der
empfindlichen Wochenstubenzeit von gebäudebewohnenden Fledermäusen verloren gehen. Es kann jedoch nicht
ausgeschlossen werden, dass ggf. auch besetzte Ruhestätten während der Winterruhe zerstört werden. Durch den
Verschluss oder die Entwertung unbesetzter Quartiere wird der Wiedereinflug von Fledermäusen unterbunden (kvM
1). Damit wird mit größtmöglicher Sicherheit gewährleistet, dass im Zuge von Gebäudeabrissen alle potenziellen
Quartiere unbesiedelt sind. Sofern besetzte Quartiere in oder an den abzureißenden Gebäuden festgestellt werden,
sind künstliche Fledermausquartiere bereitzustellen (CEF 1). Dadurch wird sichergestellt, dass das ganzjährige
Quartierstättenangebot im räumlichen Zusammenhang nicht verschlechtert wird. Der Ausgleichsbedarf für die
Quartierverluste orientiert sich an den ggf. festgestellten Quartierstrukturen. Die tatsächlich notwendige Anzahl der
Ausweichquartiere kann erst nach den Abrissarbeiten festgelegt werden. Die Ausweichquartiere müssen
unmittelbar nach den Abrissarbeiten bereits während der Winterruhe zur Verfügung gestellt werden. Durch die
Bereitstellung von Quartierhilfen wird eine quantitative Verschlechterung des Quartierstättenangebotes verhindert.
Unter Berücksichtigung der oben genannten Maßnahmen bleibt die ökologische Funktionsfähigkeit des Raumes für
die Fledermausarten erhalten.
Das Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausgeschlossen werden.
ja
nein

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
46
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbe-
gebiet Neusörnewitz Cliebener
Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Arten
Abendsegler, Braunes Langohr, Breitflügelfleder-
maus, Fransenfledermaus, Graues Langohr,
Große Bartfledermaus, Großes Mausohr, Kleine
Bartfledermaus, Mopsfledermaus, Mückenfleder-
maus, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus,
Zweifarbfledermaus, Zwergfledermaus
Erteilung einer Ausnahme nach § 45 (7) BNatSchG erforderlich?
nein (Prüfung endet hiermit)
ja (weitere Prüfschritte notwendig)
4. Fazit
Die fachlich geeigneten und zumutbaren Vorkehrungen im Form von
Vermeidungsmaßnahmen
vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen
Maßnahmen zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes
sind im zu verfügenden Plan (LBP, Landschaftspflegerische Maßnahmen) dargestellt.
Eine spezielle Pflege- und Funktionskontrolle ist notwendig und wird veranlasst;
Unter Berücksichtigung der Wirkungsprognose einschließlich vorgesehener Maßnahmen
kann das Eintreten von Verbotstatbeständen des § 44 Absatz 1 BNatSchG ausgeschlossen werden, so dass
keine Ausnahme nach § 45 Absatz 7 BNatSchG erforderlich ist.
kann eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der betroffenen Art im Bezugsraum der Planung und auf
übergeordneter Ebene ausgeschlossen werden, so dass in Verbindung mit dem Vorliegen der weiteren Aus-
nahmebedingungen die Voraussetzungen gemäß § 45 Absatz 7 BNatSchG erfüllt sind.
Die Zulassungsvoraussetzungen liegen vor.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
47
5.3.2
Europäische Vogelarten nach Art. 1 der VSchRL
5.3.2.1 Brutvögel der Offen- und Halboffenlandschaften
Prüfung der Verbotstatbestände gemäß § 44 BNatSchG
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldler-
che, Neuntöter
1. Schutz und Gefährdungsstatus
Schutzstatus
streng geschützt
Art nach Anh. A der EGArtSchVO
Art nach Anh. IV FFH-RL
Art nach Anl. 1 Sp. 3 BArtSchV
besonders geschützt
Art nach Anh. B der EGArtSchVO
Europäische Vogelart
Art nach Anl. 1 Sp. 2 BArtSchV
Gefährdungsstatus
RL Deutschland (Kat. 2: Braunkehlchen, Kat. 3:
Bluthänfling, Feldlerche)
RL Deutschland - Wandervögel (Kat. V: Bluthänfling,
Braunkehlchen)
RL Sachsen (Kat. 2: Braunkehlchen, Kat. V: Blut-
hänfling, Feldlerche)
Einstufung Erhaltungszustand in Sachsen
FV günstig / hervorragend (Bluthänfling, Neuntö-
ter)
U 1 ungünstig / unzureichend (Feldlerche)
U 2 ungünstig / schlecht (Braunkehlchen)
2. Bestand und Empfindlichkeit
2.1 Lebensraumansprüche und Verhaltensweisen
Lebensraum:
Der
Bluthänfling
bevorzugt offene bis halboffene Landschaften mit Gebüschen, Hecken oder Einzelbäumen, ins-
besondere Agrarlandschaften mit Hecken (Ackerbau und Grünland), Heiden und verbuschte Halbtrockenrasen so-
wie Brachen, Kahlschläge und Dörfer/Stadtrandbereiche. Von Bedeutung sind Hochstaudenfluren und andere Sa-
menstrukturen (Nahrungshabitate) sowie strukturreiche Gebüsche und junge Nadelbäume (Nisthabitat). Die Art ist
tagaktiv und gilt als Freibrüter mit Nestanlage in dichten Hecken und Büschen aus Laub- und Nadelgehölzen (SÜD-
BECK et al. 2005). Der Nahrungserwerb erfolgt an Stauden und auf dem Boden (BAUER et al. 2005b).
Das
Braunkehlchen
bevorzugt offene Landschaften mit vertikal strukturierter Vegetation als Ansitzwarte und bo-
dennaher Deckung, z. B. Uferstaudenflur, Moore, Altschilfbestände mit Weiden in Flussauen. In der Kulturland-
schaft werden brachliegende Gras-Kraut-Fluren, Staudensäume an Grünland- und Ackerkomplexen sowie an Gra-
bensystemen besiedelt. Das Braunkehlchen gilt als Bodenbrüter und tagaktive Art, singt aber mitunter auch nachts
bzw. vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Die Nestanlage erfolgt auf dem Boden, versteckt in dichter
Vegetation und in der Nähe einer Sitzwarte (SÜDBECK et al. 2005). Das Braunkehlchen ist ein Wartenjäger und
fängt Beute aus der Luft oder vom Boden (BAUER et al. 2005b). Der Raumbedarf zur Brutzeit liegt bei 0,5 bis > 3
ha (FLADE 1994). Die Art besitzt eine hohe Ortstreue. Die Hauptbrutzeit reicht von April bis August (BMVBS 2009).
Die Territoriumsgröße der Art liegt nicht selten bei nur 0,5 ha (kleinster Nestabstand 20 m), in der Regel liegt die
sie auch in dicht besiedelten Flächen mindestens bei 0,75 ha (Nestabstände zwischen 80 und 200 m). Die Sied-
lungsdichtewerte aus der mitteleuropäischen Kulturlandschaft streuen unabhängig von der Höhenlage zwischen
0,2 und 10 BP/ 10ha. Entscheidend dafür sind der Bewirtschaftungsgrad und das Wartenangebot (GLUTZ V. BLOTZ-
HEIM 2001).
Die
Feldlerche
bevorzugt offene Landschaften mit weitgehend freiem Horizont, hauptsächlich Kulturlebensräume
wie Grünland- und Ackergebiete. Es werden jedoch auch Moore, Heidegebiete sowie größere Waldlichtungen be-
siedelt. Von Bedeutung für die Ansiedlung sind trockene bis wechselfeuchte Böden mit karger Gras- und Krautve-
getation (SÜDBECK 2005). Einzelgebäude (Aussiedlerhöfe, Scheunen, Ställe), einzelnstehende Bäume,

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
48
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldler-
che, Neuntöter
Baumreihen, Gebüschstreifen und Hochspannungsleitungen stehen der Ansiedlung nicht im Wege, beeinträchti-
gen jedoch die Siedlungsdichte. Hält zu bewaldeten oder bebauten Gebieten einen Mindestabstand ein, der von
der Höhe der Vertikalstrukturen, aber auch von deren Ausdehnung abhängig ist und mindestens 60 - 120 m beträgt
(bei Gehölzen bzw. Siedlungen von höchstens 30 ha). Mosaikartig gegliederte halboffene Landschaften mit hohem
Waldanteil (bzw. Heckenanteil von > 150 - 200 m/ha), enge Täler und Freilandflächen von < 5 - 10 ha scheiden
deshalb in der Regel als Feldlerchenbiotope aus. Ausgesprochene Hanglagen werden nur im übersichtlichen obe-
ren Teil (in der Nähe von Terrassen, Kuppen oder Rücken) besiedelt. Während für den Nahrungserwerb weitge-
hend kahle oder von kurzer Vegetation bedeckte Böden notwendig sind, wird das Nest in niedriger, karger bis
wenig dicht stehender Vegetation von Wiesen, Weideland, Äckern (Getreide-, Klee-, Kartoffel- und Gemü-
seäckern), Wegrandgesellschaften und Dünen angelegt (Vegetationshöhe und Deckungsgrad bei Baubeginn: in
Klee 5–8 cm/ 40–60%, im Sommergetreide 5 - 15 cm / 10 - 20%, im Mais 30 - 50 cm / bis 20%). Feldsäume in
einer Breite bis etwa 20 m (oder die Nähe vegetationsarmer Stellen) werden häufiger als Nistplatz gewählt als die
Feldmitte; das Nest liegt dann durch überhängende Vegetation geschützt unmittelbar am Ackeranriss oder in der
verunkrauteten, lichten Übergangszone zwischen Wegböschung und Acker, meist in relativ dichtem Grashorst. Der
Abstand zu kleineren Vertikalstrukturen muss nicht immer sehr groß sein (z. B. 8 m neben 2 m hohem Maschen-
drahtzaun. Brut- und Jungenaufzuchtszeit ist von April bis August (BAUER et al. 2005a). Die Reviergrößen liegen
in Abhängigkeit der Nahrungsverfügbarkeit und Siedlungsdichte zwischen 0,2 und 5 ha. (GLUTZ V. BLOTZHEIM 2001)
Die Feldlerche besitzt meistens eine hohe Ortstreue (BMVBS 2009). Sie gilt als tagaktive Art, zieht jedoch auch
nachts (SÜDBECK 2005). Die Feldlerche ist ein rasch laufender Bodenvogel, Übernachtung und Nahrungserwerb
erfolgt daher auf dem Boden. Typisch für die Art ist der Singflug und auffälliges Verhalten bei der Balz wie z. B.
Hüpfen oder Verbeugen vor dem Weibchen (BAUER et al. 2005a). Die Siedlungsdichte der Feldlerche in der Agrar-
flur ist von Art und Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung sowie von den natürlichen standörtlichen Gegeben-
heiten und der Landschaftsausstattung abhängig. Nach GLUTZ V. BLOTZHEIM (2001) sind in NW-England bei Wech-
selwirtschaft während 8 Jahren folgende Dichten ermittelt worden: 4,2–6,1 (M 5,1) Reviere (R)/10 ha auf Dauer-
weide, 3,3–5,7 (M 4,3) R/10 ha auf alten Mähwiesen, 1,7–4,5 (M 3,0) R/10 ha auf nassem, struppigem Weideland,
0–3 (M 1,6) R/10 ha in Hafer- und Gerstefeldern und 0–3 (M 1,1) R/10 ha in Rüben- und Kartoffeläckern (ROBSON
& WILLIAMSON 1.c. in GLUTZ V. BLOTZHEIM 2001). Hohe Feuchtigkeit, besonders aber zunehmende Parzellengröße,
abnehmende Durchmischung der Kulturen, dicht geschlossene, raschwüchsige Gras- und Krautfluren, Gebüsch,
Hecken, Feldgehölze oder mosaikartige Mischung von offener Landschaft und Wald senken die Siedlungsdichte.
Aus stark gedüngten und intensiv genutzten Mähwiesen kann die Feldlerche vollständig verschwinden. Deshalb
ist die Dichte in der modernen Agrarlandschaft in Mitteleuropa heute vielfach stark vom Ackerlandanteil abhängig.
Im Schweizer Mittelland schwankt die Dichte bei einem Ackerlandanteil von 80–90% zwischen 2,2 und 5,9 BP/10
ha; bei einem Ackerlandanteil von 50% sind noch Dichten von 0,7–2,4 BP/10 ha zu erwarten, und bei einem Anteil
von < 30% fällt die Dichte gewöhnlich auf 0,5 BP/10 ha oder weniger (LUDER 1.c.; ähnlich für Rheinland-Pfalz bei
BOSSELMANN, Naturschutz Orn. Rheinland-Pfalz 2, 1983 beides in GLUTZ V. BLOTZHEIM 2001). Bei den heute häufi-
gen Parzellengrößen von > 0,5 ha und entsprechend geringer Durchmischung verschiedenartiger Kulturen liegen
die Dichten selbst bei hohem Ackerlandanteil eher zwischen 1,1 und 3,7 BP/10 ha (A. SCHLÄPFER pers. Mitt. in
GLUTZ V. BLOTZHEIM 2001).
Der
Neuntöter
bevorzugt halboffene bis offene Landschaften mit lockerem strukturreichen Gehölzbestand. Haupt-
sächlich kommt die Art in extensiv genutztem Kulturland vor, welches mit Hecken und Brachen gegliedert ist. Der
Neuntöter gilt als Freibrüter und tagaktive Art. Die Nestanlage erfolgt in Büschen aller Art (bevorzugt Dornenbü-
sche, insbesondere Brombeere, Heckenrose, Weißdorn, Kreuzdorn aber auch Holunder), vereinzelt auch in Bäu-
men (SÜDBECK et al. 2005). Günstig ist angrenzendes, möglich extensiv genutztes Grünland (Feuchtwiesen bis
Trockenrasen). Wichtig sind freie Ansitzwarten (einzelne Büsche, Bäume, Zäune, Leitungen) und höhere einzeln
stehende, dichte Büsche als Nistplatz, umgeben von Nahrungsflächen mit nicht zu hoher, lückiger, insektenreicher
Vegetation. Die Art besitzt eine durchschnittliche Ortstreue (BMVBS 2009). Partnertreue ist aufgrund der geringen
Ortsbindung der Weibchen und der raschen Verpaarung selten. Junggesellen, denen nicht innerhalb von max. 5
Tagen eine Verpaarung gelingt, siedeln meist um; Weibchen, die keinen Partner finden, verschwinden oft bereits
nach einigen Minuten. Ein Brutrevier ist durchschnittlich 0,1 - 8 ha groß. Hauptbrutzeit und Jungenaufzucht dauert
von Mai bis August (GLUTZ V. BLOTZHEIM & BAUER 2001). Der Neuntöter ist ein Nachtzieher. Die Jagdmethoden

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
49
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldler-
che, Neuntöter
variieren je nach Witterung, bevorzugt wird allerdings die Flugjagd. Charakteristisch für die Art ist, dass er seine
Beute an geeigneten Ästen bzw. Dornen aufspießt und sich damit ein Vorratslager anlegt (BAUER et al. 2005b).
Gefährdung und Empfindlichkeit:
Gefährdung des
Bluthänflings
durch erhebliche Nahrungsengpässe infolge Intensivierung der Landwirtschaft,
Herbizideinsatz, häufige Mahd, Flurbereinigung, Umwandlung von Grün- in Ackerland und zunehmende Versiege-
lung der Landschaft. Zudem hat der Eingriff in Heckenlandschaften (Heckenrodung, verringerte Pflegemaßnah-
men) den Verlust geeigneter Bruthabitate zur Folge. (BAUER et al. 2005b)
Fluchtdistanz nach GASSNER et al. (2010): 15 m; Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach GARNIEL & MIERWALD (2010):
Brutvogel der Gruppe 4, Effektdistanz 200 m.
Eine Gefährdung des
Braunkehlchens
entsteht durch die Zerstörung von Brut- und Nahrungshabitaten, z. B. Um-
wandlung von Lebensräumen zu Intensivwiesen oder Ackerland, Entfernung von Randstrukturen, verstärkte Dün-
gung und mehrfache Mahd, Überbauung und Entwässerung (BAUER et al. 2005b).
Fluchtdistanz nach GASSNER ET AL. (2010): 40 m; Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach GARNIEL & MIERWALD (2010):
Brutvogel der Gruppe 4, Effektdistanz 200 m.
Gefährdung der
Feldlerche
durch die Zerstörung von Bruthabitaten infolge der Intensivierung der Landwirtschaft
(starke Düngung, massiver Biozideinsatz). Verlust von Brutplätzen durch Entwässerung sowie zunehmende Ver-
siegelung und Verbauung der Landschaft. (BAUER et al. 2005b)
Fluchtdistanz nach GASSNER et al. (2010): 20 m; Effektdistanz nach GARNIEL & MIERWALD (2010): Brutvogel der
Gruppe 4, Effektdistanz 500 m; Fluchtdistanz nach GLUTZ V. BLOTZHEIM (2001): beträgt am Nest zu Beginn der
Bebrütung 35 - 40 m.
Eine Gefährdung der
Neuntöter
besteht durch Lebensraumverluste in Brutgebieten (Beseitigung von Hecken, Auf-
forstung, Umbruch von Grünland, Heide- und Moorflächen, Versiegelung), Abnahme des Nahrungsangebotes in-
folge von Intensivierungsmaßnahmen und Zerstörung der Strukturvielfalt (BAUER et al. 2005b).
Fluchtdistanz nach GASSNER et al. (2010): 30 m; Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach Garniel & Mierwald (2010):
Brutvogel der Gruppe 4, Effektdistanz 200 m.
2.2 Verbreitung
Sachsen:
In Sachsen ist der
Bluthänfling
flächendeckend und relativ gleichmäßig verbreiteter Brutvogel. Deutlich niedrigere
Dichtewerte nur in Waldlandschaften des Tieflands (Dübener Heide, Dahlener Heide, Wermsdorfer Wald, Lausitzer
Heideland) sowie der höheren Berglagen (insbesondere Westerzgebirge). Zum Bergland hin in Zusammenhang
mit immissionsbedingten Waldauflichtungen bis auf die höchsten Gipfel. 9.000–18.000 Brutpaare = 0,49–0,98
BP/km2 (STEFFENS et al. 2013).
Das
Braunkehlchen
ist Brutvogel im gesamten Gebiet mit teils erheblichen Lücken in unteren Berglagen und dem
angrenzenden Hügelland sowie wieder dichterem Vorkommen im Tiefland und den Übergangsbereichen zum Hü-
gelland. Im Bergland bis in Höhenlagen von 1.150 m ü. NN (STEFFENS et al. 2013). In Sachsen weist das Braun-
kehlchen einen geschätzten Bestand von 1.500 bis 3.000 BP auf (STEFFENS et al. 2013).
Die
Feldlerche
ist Brutvogel im gesamten Gebiet mit deutlicher Dichtedifferenzierung zwischen Siedlungsballun-
gen und laubbaumreichen Waldgebieten auf der einen sowie waldarmen Agrarräumen, Kiefernheidewäldern, Berg-
baufolgelandschaften sowie fichtendominierten Hoch- und Kammlagen auf der anderen Seite. Zum Bergland hin
bis zu 950 m ü. NN (STEFFENS et al. 2013). In Sachsen weist die Art einen geschätzten Bestand von 80.000 bis
160.000 BP auf (STEFFENS et al. 2013).
In Sachsen weist der
Neuntöter
eine flächendeckende Verbreitung auf, zum Bergland hin mit abnehmender Dichte
und insbesondere in fichtendominierten Kammlagen des Erzgebirges teilweise nur sporadisch und örtlich fehlend.
Höchstgelegene Brutvorkommen im Westerzgebirge bei 950 m ü. NN. Der Neuntöter hat einen geschätzten Be-
stand von 8.000 bis 16.000 BP (STEFFENS et al. 2013).

image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
50
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldler-
che, Neuntöter
2.3 Vorkommen im Untersuchungsraum
Vorkommen nachgewiesen
Vorkommen potenziell möglich
(Quelle: NSI DRESDEN 2014a, NSI 2019)
Im Rahmen der avifaunistischen Sonderuntersuchung zum Vorhaben „S 84 Neubau Niederwartha – Meißen, BA 3
(VKE 325.2)“ wurde der
Bluthänfling
u. a. im Bereich der großflächigen Ackerfluren zwischen Neusörnewitz und
Brockwitz, dem Feldgehölz im Bereich der ehemaligen Deponie sowie in den von Gärten geprägten Siedlungs-
randbereichen von Neusörnewitz regelmäßig beobachtet. Weiterhin konnten im Jahr 2014 im Bereich der großflä-
chigen Ackerfluren südlich von Neusörnewitz zahlreiche Reviere der
Feldlerche
nachgewiesen werden. Die Art
kommt im Vorhabensumfeld zwar flächendeckend, jedoch mit einer geringen Siedlungsdichte vor. Nachweise des
Neuntöters
konnten 2014 im Halboffenland westlich der ehemaligen Deponie erbracht werden. Nachweise des
Braunkehlchens
konnten im Jahr 2014 nicht erbracht werden. Jedoch wurde die Art bei den Übersichtsbegehun-
gen 2019 innerhalb des Geltungsbereiches des B-Planes festgestellt.
Abbildung 5:
Im Zuge der faunistischen Erfassungen zur S 84 nachgewiesene Vorkommen der Offen- und
Halboffenlandbrüter im Umfeld des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 (NSI DRESDEN 2014)

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
51
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldler-
che, Neuntöter
3. Prognose und Bewertung der Zugriffsverbote nach § 44 BNatSchG
a) Fang, Verletzung, Tötung (§ 44 Abs. 1, Nr. 1 BNatSchG)
Werden im Zuge der baubedingten Zerstörung bzw.
Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Tiere unvermeidbar gefangen, getötet bzw. verletzt?
ja
nein
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme ist vorge-
sehen
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Baubedingte Gefährdung
: Die baubedingt beanspruchten Grünland- und Ackerflächen innerhalb des Geltungsbe-
reiches des B-Planes Nr. 67 befinden sich im Bereich nachgewiesener bzw. potenzieller Bruthabitate von Braun-
kehlchen und Feldlerche. Die beanspruchten Gehölzstrukturen (insbesondere Hecken und Gebüsche) stellen po-
tenzielle Bruthabitate von Bluthänfling und Neuntöter dar. Im Zuge der Baufeldfreimachung werden die Offenland-
lebensräume sowie Gehölzstrukturen in Anspruch genommen. Daher können Verletzungen und Tötungen von
Nestlingen bzw. Beschädigungen von Eiern von Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldlerche und Neuntöter während
der Baufeldfreimachung nicht ausgeschlossen werden.
Angaben zu erforderlichen Vermeidungsmaßnahmen zum Schutz von Individuen:
- konfliktvermeidende Bauzeitenregelung
Bauzeitenregelung bzw. Baufeldinspektionen sind vorgesehen
ja
nein
die Bauzeiten beschränken sich auf den Zeitraum außerhalb der Aktivitätsphasen
(Baufeldfreimachung außerhalb der Brut- und Fortpflanzungszeit der Avifauna (1. Oktober bis 28.
Februar) (kvM 2))
Vermeidung der spontanen Wiederbesiedelung des geräumten Baufeldes (kvM 3)
potenzielle Aufzuchtstätten und Ruhestätten der Art werden vor dem Eingriff auf Besatz geprüft
Das baubedingte Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausge-
schlossen werden
ja
nein
Entstehen betriebsbedingt Risiken, die über das allgemeine Lebensri-
siko hinausgehen (signifikante Erhöhung)?
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Betriebsbedingte Gefährdung
: Kollisionen von Offen- oder Halboffenlandbrütern mit Zuliefererverkehr sind nicht zu
erwarten, da im Bereich der Erschließungsstraße nur geringe Fahrgeschwindigkeiten und ein geringes Verkehrs-
aufkommen zu erwarten sind. Weiterhin ist durch die Nutzung und Unterhaltung der gewerblichen Flächen und
Mischgebiete im bereits vorbelasteten Siedlungsrandbereich von Neusörnewitz mit keinen Verletzungen oder Tö-
tungen von Individuen zu rechnen. Der Verbotstatbestand tritt nicht ein.
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen
Beschreibung und Bewertung der Maßnahme:
entfällt
Das betriebsbedingte Eintreten des Verbotstatbestandes kann aus-
geschlossen werden
ja
nein

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
52
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldler-
che, Neuntöter
b) Störungstatbestände (§ 44 Absatz 1 Nummer 2 BNatSchG)
Werden evtl. Tiere während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-,
Mauser-, Überwinterungs- und Wanderzeiten projektbedingt erheblich
gestört (eine erhebliche Beeinträchtigung liegt vor, wenn sich durch
die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population
einer Art verschlechtert)?
ja
nein
Vermeidungs- bzw. CEF-Maßnahmen erforderlich?
ja
nein
Verschlechterung des Erhaltungszustands der lokalen
Population kann ausgeschlossen werden?
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Baubedingte Störung:
Während der Bauzeit kommt es zu diskontinuierlichen Störreizen durch Bewegungen von
Menschen und Baumaschinen auf der Baustelle sowie Baustellenlärm. Es ist mit Störungen und einer Minderung
der Habitateignung für die hier betrachteten Arten zu rechnen.
Anlagebedingte Störung
: Die Feldlerche brütet im offenen Gelände mit weitestgehend freiem Horizont. Daher ist
für die Feldlerche mit anlagebedingten Störungen durch die Kulissenwirkung neuer Gebäude zu rechnen.
Betriebsbedingte Störung:
Störungen von Offen- oder Halboffenlandbrütern aufgrund des Zuliefererverkehrs sind
nicht zu erwarten, da im Bereich der Erschließungsstraße nur geringe Fahrgeschwindigkeiten und ein geringes
Verkehrsaufkommen zu erwarten sind. Weiterhin ist durch die Nutzung und Unterhaltung der gewerblichen Flächen
und Mischgebiete im bereits vorbelasteten Siedlungsrandbereich von Neusörnewitz mit keinen über das Maß der
Vorbelastung hinaus gehenden Störwirkungen zu rechnen. Der Verbotstatbestand tritt nicht ein.
Beschreibung der konfliktvermeidenden Maßnahmen:
entfällt
Bewertung der Maßnahmen/Auswirkungen auf die lokale Population:
Bau- und anlagebedingte Störung:
Im Umfeld des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 verbleiben ausreichend
unbeeinträchtigte Offen- und Halboffenlandstrukturen, in die die hier betrachteten Arten ausweichen können. Es
verbleiben keine erheblichen Beeinträchtigungen.
Betriebsbedingte Störung:
entfällt
Das Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausgeschlossen wer-
den.
ja
nein
c) Entnahme, Beschädigung, Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten (§ 44 Absatz 1 Nummer 3
BNatSchG)
Werden Fortpflanzungs- und Ruhestätten aus der Natur
entnommen, beschädigt oder zerstört?
ja
nein
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen?
ja
nein
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme ist vorgesehen?
ja
nein
Funktionalität im räumlichen Zusammenhang bleibt gewahrt
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme
: Durch den Bau des Gewerbegebietes findet eine Inanspruchnahme
von Acker- und Grünlandflächen sowie von Gehölzstrukturen statt, die den hier betrachteten Offen- und Halboffen-
landbrütern als Lebensraum und Bruthabitat dienen. Gemäß der schematischen Abgrenzung der Feldlerchen-

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
53
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldler-
che, Neuntöter
reviere aus dem Erfassungsjahr 2014 werden im Zuge der Bauarbeiten zwei Feldlerchenreviere vollständig bzw.
anteilig durch das Baugeschehen beansprucht (s. Abbildung 5). Ein weiteres Feldlerchenrevier unterliegt einer sehr
geringfügigen Inanspruchnahme. Aufgrund der schematischen Abgrenzung ist dieser Flächenverlust jedoch nicht
ausschlaggebend für die Habitatentwertung. Durch die bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme der Offen- und
Halboffenlandstrukturen kommt es zu einer Inanspruchnahme von nachgewiesenen bzw. potenziellen Fortpflan-
zungs- und Ruhestätten von Bluthänfling, Braunkehlchen, Feldlerche und Neuntöter.
Beschreibung der konfliktvermeidenden Maßnahmen:
-
Bauzeitenregelung (vgl. Punkt 3 a) (kvM 2)
-
Vermeidung der spontanen Wiederbesiedelung des geräumten Baufeldes (kvM 3)
Bewertung der Maßnahmen / Auswirkungen auf die ökologische Funktionsfähigkeit:
Bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme
: Durch die Beanspruchung außerhalb der Brutzeit (Bauzeiten-
regelung) sowie durch aktive Vergrämungsmaßnahmen innerhalb des geräumten Baufeldes kann vermieden
werden, dass eine Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung von in Funktion befindlichen, also besetzten
Niststandorten erfolgt. Im Umfeld des geplanten Gewerbegebietes verbleiben ausreichend geeignete
Habitatstrukturen, sodass ein Ausweichen in unbeeinträchtigte Gebiete für die Arten problemlos möglich ist.
Das Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausgeschlossen werden.
ja
nein
Erteilung einer Ausnahme nach § 45 (7) BNatSchG erforderlich?
nein (Prüfung endet hiermit)
ja (weitere Prüfschritte notwendig)
4. Fazit
Die fachlich geeigneten und zumutbaren Vorkehrungen im Form von
Vermeidungsmaßnahmen
vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen
Maßnahmen zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes
sind im zu verfügenden Plan (LBP, Landschaftspflegerische Maßnahmen) dargestellt.
Eine spezielle Pflege- und Funktionskontrolle ist notwendig und wird veranlasst
Unter Berücksichtigung der Wirkungsprognose einschließlich vorgesehener Maßnahmen
kann das Eintreten von Verbotstatbeständen des § 44 Absatz 1 BNatSchG ausgeschlossen werden, so dass
keine Ausnahme nach § 45 Absatz 7 BNatSchG erforderlich ist.
kann eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der betroffenen Art im Bezugsraum der Planung und
auf übergeordneter Ebene ausgeschlossen werden, so dass in Verbindung mit dem Vorliegen der weiteren
Ausnahmebedingungen die Voraussetzungen gemäß § 45 Absatz 7 BNatSchG erfüllt sind.
Die Zulassungsvoraussetzungen liegen vor.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
54
5.3.2.2 Brutvögel unterschiedlicher Gehölzstrukturen (Waldränder, Feldgehölze,
Baumgruppen, sonstige Gehölzstrukturen – auch in Siedlungslagen)
Prüfung der Verbotstatbestände gemäß § 44 BNatSchG
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
1. Schutz und Gefährdungsstatus
Schutzstatus
streng geschützt
Art nach Anh. A der EGArtSchVO
Art nach Anh. IV FFH-RL
Art nach Anl. 1 Sp. 3 BArtSchV (Grünspecht)
besonders geschützt
Art nach Anh. B der EGArtSchVO
Europäische Vogelart
Art nach Anl. 1 Sp. 2 BArtSchV
Gefährdungsstatus
RL Deutschland (Kat. V: Gartenrotschwanz, Ku-
ckuck, Kat. 3: Star, Trauerschnäpper)
RL Deutschland – Wandervögel (Kat. V: Trauer-
schnäpper, Kat. 3: Kuckuck)
RL Sachsen (Kat. V: Trauerschnäpper, Kat. 3: Dohle,
Gartenrotschwanz, Kuckuck)
Einstufung Erhaltungszustand in Sachsen
FV günstig / hervorragend (Gartenrotschwanz,
Grünspecht, Star, Trauerschnäpper)
U 1 ungünstig / unzureichend (Dohle, Kuckuck)
U 2 ungünstig / schlecht
2. Bestand und Empfindlichkeit
2.1 Lebensraumansprüche und Verhaltensweisen
Lebensraum:
Die
Dohle
besiedelt lichte Wälder mit angrenzenden offenen Nahrungshabitaten, häufig werden auch Ersatzlebens-
räume im Siedlungsbereich genutzt (Gartenstädte, Parkanlagen, Brücken, Gebäude). Die Brutplätze befinden sich
in lichten Altholzbeständen oder Felsenwänden mit Höhlenangebot (SÜDBECK et al. 2005). Die Art ist tagaktiv und
gilt überwiegend als Höhlen- und Gebäudebrüter, seltener Baum- oder Felsbrüter. Als Nistplatz dienen Löcher,
Höhlen, Nischen, Vertiefungen und geschützte Räume verschiedenster Art sowie Nistkästen. Der Nahrungserwerb
erfolgt hauptsächlich am Boden, zuweilen jedoch auch in Bäumen (BAUER et al. 2005b).
Der
Gartenrotschwanz
brütet in lichten, aufgelockerten Altholzbeständen und kommt heute vor allem in alten Wei-
denauwäldern, Hecken mit Überhältern, Feldgehölzen, Hofgehölzen, in Streuobstwiesen sowie in gehölzreichen
Siedlungen, Parks und Grünanlagen vor, wobei er sich vor allem von Insekten und Spinnen ernährt. Die Art ist
tagaktiv und gilt sowohl als Höhlen-, Halbhöhlen- als auch als Freibrüter. Es wird in der Regel einmal im Jahr ge-
brütet, wobei ein Gelege meist aus 6-7 Eiern besteht und 12-14 Tage bebrütet wird (BAUER et al. 2005b, SÜDBECK
et al. 2005).
Der
Grünspecht
bevorzugt halboffene Landschaften, z. B. Parkanlagen, Feldgehölze, Streuobstanlagen sowie
Randzonen von Laub- und Mischwäldern, Auen- und Erlenbruchwäldern. In ausgedehnten Waldungen kommt die
Art nur vor, wenn größere Lichtungen, Waldwiesen und Kahlschläge aufzufinden sind. Wichtig ist ein recht ausge-
dehnter, aber lichter bis stark aufgelockerter Altholzbestand im Kontakt zu offenen Wiesen und Weiden. Der Grün-
specht gilt als Höhlenbrüter und tagaktive Art. Die Nestanlage erfolgt in Höhlen von Laub- und Nadelbäumen, selten
werden auch Nisthilfen genutzt. Schlaf- und Bruthöhlen befinden sich häufig im Wald (bis 1,2 km vom Waldrand
entfernt; gelegentlich sogar in Fichtenpflanzbestand oder in Überhälter eines Niederwaldes). Bruthöhlen werden
über Jahre genutzt (GLUTZ V. BLOTZHEIM 2001). Die Hauptbrutzeit reicht von April bis Juli (BAUER et al. 2005a). Der
Raumbedarf zur Brutzeit beträgt 8 bis > 100 ha (FLADE 1994). Nach der ersten Brut haben Grünspechte zwar einen
recht großen Aktionsradius, bleiben dem einmal gewählten Aufenthaltsraum in der Regel aber treu (GLUTZ V. BLOTZ-
HEIM 2001). Nach BMVBS (2009) entspricht dies einer (hohen Ortstreue bis zu) einer hohen Nesttreue. Der

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
55
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
Nahrungserwerb findet überwiegend am Boden statt, indem Böschungen und Wegränder auf der Suche nach Amei-
sennestern abgeflogen werden (BAUER et al. 2005a).
Der
Kuckuck
besiedelt verschiedenste Lebensraumtypen, von halboffenen Waldlandschaften über Moore bis zu
Küstenlandschaften, lediglich in ausgeräumten Agrarlandschaften liegen keine Nachweise vor. Zur Eiablage bevor-
zugt er offene Flächen mit geeigneten Sitzwarten, u.a. Röhrichte und Moorheiden. Die Art ist überwiegend tagaktiv
und gilt als Brutschmarotzer. Die Eier werden auf Nester anderer Arten verteilt, insbesondere von Teich- und Sumpf-
rohrsänger, Bachstelze, Wiesenpieper und Rotkehlchen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt, indem die Beute, vorzugs-
weise Schmetterlingsraupen, von Bäumen und Büschen abgelesen werden (BAUER et al. 2005a, SÜDBECK et al.
2005).
Der
Star
kommt als Brutvogel in Gebieten mit ausreichendem Angebot an Brutplätzen (bevorzugt höhlenreichen
Baumgruppen, Nistkästen oder Gebäudegruppen) und offenen Flächen zur Nahrungssuche vor. Günstige Nah-
rungshabitate sind nicht zu trockene, kurzrasige Grünländer in 200 - 500 m Entfernung zu den Nisthöhlen. Daneben
werden auch Strukturen wie Parkanlagen mit Rasenflächen, Lichtungen geschlossener Laubwälder oder baumlose
Weide- und Wiesenflächen besiedelt. Große geschlossene Nadelwälder, sowie baum- und gebäudefreie Agrarland-
schaften werden gemieden. Außerhalb der Brutzeit ist der Star meist in großen Schwärmen in Obstgärten und -
plantagen, Weinbergen, auf nicht zu trockenen Grünlandflächen, Deponien, schlammigen Seeufern, Schotter- und
Sandbänken von Flüssen und Ruderalflächen zu finden. Als Schlafplätze dienen Schilf, Laub- oder im Winter auch
Koniferenbestände; zunehmend auch in Großstädten z.B. an Hausfassaden. Als Nistplätze dienen ausgefaulte Ast-
löcher, Buntspechthöhlen, Felshöhlen und -spalten oder Freiräume unter losen Ziegeln, oft ist die Art auf Nistkästen
angewiesen. Der Star ist tagaktiv, die Nahrungsaufnahme und das Nahrungsspektrum (tierisch und pflanzlich) sind
vielfältig (BAUER et al. 2005a).
Der
Trauerschnäpper
kommt als Brutvogel insbesondere in lichten, alten und unterholzarmen Laub- und
Mischwäldern mit ausreichendem Bruthöhlenangebot vor. Siedelt aber auch, bei Angebot von Nistkästen, in reinen
Nadelwäldern, Parks, Friedhöfen und Gärten. Auf dem Durchzug sind Trauerschnäpper in Laubbaumgruppen,
gerne nah am Wasser, aber auch mitten in der Stadt zu finden. Die tagaktiven Vögel nisten gebietsweise
ausschließlich in Nistkästen, sonst werden größere Höhlen bevorzugt. Der Nahrungserwerb erfolgt durch kurze
Jagdflüge von Ansitzwarten, teilweise durch Ablesen von Zweigen. Bei schlechterem Wetter erfolgt die
Nahrungssuche vermehrt am Boden (BAUER et al. 2005a, FÜNFSTÜCK et al. 2010).
Gefährdung und Empfindlichkeit:
Gefährdung der
Dohle
durch Verlust der Lebensräume und Zerstörung von Brutplätzen infolge Gebäudesanierung
oder -abriss, intensive forstliche Eingriffe und Störungen durch Klettersport. Hinsichtlich des Nahrungsangebotes
weist die Art Empfindlichkeiten gegenüber der Intensivierung der Landwirtschaft, Verlust von Brachflächen,
Monotonisierung sowie zunehmendem Einsatz von Bioziden auf. Weiterhin wird die Dohle häufig Opfer direkter
Verfolgung.
Fluchtdistanz nach GASSNER ET AL. (2010): 20 m; Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach GARNIEL & MIERWALD (2010):
Brutvogel der Gruppe 5, Effektdistanz 100 m.
Der
Gartenrotschwanz
ist durch Verluste von Altholzbeständen, Streuobst- und Parkbäumen sowie Hecken, durch
Ausräumung, Strukturverarmung und intensivere Nutzung der Kulturlandschaft betroffen (BAUER et al. 2005b).
Fluchtdistanz nach GASSNER ET AL. (2010): 20 m; Brutvogel der Gruppe 4 (untergeordnete Lärmempfindlichkeit) mit
einer Effektdistanz von 100 m zu Straßen (GARNIEL & MIERWALD 2010).
Gefährdung des
Grünspechts
durch Lebensraumverlust infolge der Ausräumung der Landschaft mit Beseitigung
von Streuobstanlagen sowie von Hecken und Feldgehölzen, Umwandlung von Laub- und Mischwaldbeständen in
Nadelwälder, Rückgang der Offenbereiche im Wald, Zerstörung der Auwälder und Veränderungen der dörflichen
Strukturen mit geringerem Nahrungsangebot (Rückgang der Ameisennahrung). Zudem werden Grünspechte häufig
Opfer des Straßenverkehrs oder kollidieren an Bahndämmen (BAUER et al. 2005a).
Fluchtdistanz nach GASSNER ET AL. (2010): 60 m; Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach GARNIEL & MIERWALD (2010):
Brutvogel der Gruppe 4, Effektdistanz 200 m.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
56
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
Der Bestand des
Kuckucks
wird erheblich beeinträchtigt durch starken Rückgang und zunehmende Ausdünnung
der Bestände der wichtigsten Wirtsvögel als Folge von Zerstörung und Verlust der Lebensräume sowie durch den
starken Rückgang von Schmetterlingen und Maikäfern. Zudem wird angegeben, dass der Kuckuck oft infolge von
Verwechslungen mit dem Sperber verfolgt und bejagt wird.
Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach GARNIEL & MIERWALD (2010): Brutvogel der Gruppe 2 (mit mittlerer Lärmemp-
findlichkeit) mit einer Effektdistanz von 300 m zu Straßen. Der kritische Schallpegel beträgt 58 dB(A)tags (gemes-
sen in 10 m Höhe).
Die größte Gefährdung des
Stars
geht vom Menschen aus. Sie beruht auf Verfolgung und Jagd, mittels Kontaktgif-
ten oder Dynamit, Störungen der Brutgebiete, Veränderung der landwirtschaftlichen Nutzung (Aufgabe der Weide-
wirtschaft, Biozideinsatz) sowie Unfälle an Leitungsdrähten und im Straßenverkehr. Natürliche Gefährdungen stel-
len klimatische Bedingungen, Nistplatzkonkurrenz und Prädation dar.
Fluchtdistanz nach GASSNER et al. (2010): 15 m; Effektdistanz nach Garniel & Mierwald (2010): Brutvogel der Gruppe
4 (Brutvögel mit untergeordneter Lärmempfindlichkeit), Effektdistanz 100 m.
Für Bestandsverluste des
Trauerschnäppers
sind insbesondere der Verlust naturnaher, höhlenreicher Altholzbe-
stände und Obstgärten, die Verarmung der Insektenfauna durch Durchforstung und Biozideinsatz, sowie Verbauung
verantwortlich. Da der Trauerschnäpper vermehrt von Nistkästen abhängig ist, wirkt sich außerdem die Zerstörung
und mangelnde Wartung dieser gebietsweise negativ aus.
Fluchtdistanz nach GASSNER ET AL. (2010): 20 m; Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach GARNIEL & MIERWALD (2010):
Brutvogel der Gruppe 4 (Brutvögel mit untergeordneter Lärmempfindlichkeit), Effektdistanz 200 m
2.2 Verbreitung
Sachsen:
Die
Dohle
ist Brutvogel in nahezu allen Naturräumen. Aufgrund des überwiegend kolonieartigen Brütens gibt es
sehr diskontinuierliche Vorkommen mit Schwerpunkten in Südwestsachsen, Mittelsachsen, dem Raum um Freiberg,
dem Elbtal und Südostsachsen. In ländlichen Siedlungen bzw. in siedlungsarmen Gefilde- und Waldlandschaften
ist die Art z. T. völlig fehlend, erstaunlicherweise z. T. aber auch in Städten. Zum Bergland hin ist sie gegenwärtig
bis ca. 600–750 m ü. NN zu finden (STEFFENS et al. 2013). In Sachsen existiert ein geschätzter Bestand von 1.100
bis 2.200 BP (STEFFENS et al. 2013).
Der
Gartenrotschwanz
ist in allen Gebieten Sachsens verbreitet, gegenwärtig allerdings in geringer Dichte. Brut-
nachweise gibt es bis in die Kammlagen des Mittelgebirges, im Erzgebirge kommt er bis 1.200 m ü. NN vor. Der
Brutbestand wird mit 6.000 – 12.000 BP angegeben (STEFFENS et al. 2013).
Die Verbreitung des
Grünspechts
bezieht sich auf das gesamte Flach- und Hügelland, mitunter auch fehlend in
Regionen mit ausgedehnten Heidewäldern sowie siedlungs- und gehölzarmen Teilen des Gefildes. Brutvorkommen
bis 700 m ü. NN sind zwar bekannt, ab einer Höhenlage von 300 m ü. NN nehmen die Brutdichten allerdings deutlich
ab (STEFFENS et al. 2013). In Sachsen weist die Art einen geschätzten Bestand von 1.500 bis 3.000 BP auf (STEF-
FENS et al. 2013).
Der
Kuckuck
ist ohne vertikale Einschränkung im gesamten Gebiet verbreitet. Es werden 2.000 - 4.000 Männchen-
Reviere für Sachsen geschätzt (STEFFENS et al. 2013).
Der
Star
kommt als Brutvogel in ganz Sachsen vor. Zum Bergland hin bis 1.100 m ü. NN. Deutlich höhere Vorkom-
men bei und in Siedlungen, in geringerer Dichte in nadelwaldreichem Bergland, sowie gehölzarmen Agrarräumen.
In Sachsen weist die Art einen geschätzten Bestand von 100.000 - 200.000 BP auf und zählt damit zu den häufigs-
ten Brutvogelarten (STEFFENS et al. 2013).
Der
Trauerschnäpper
kommt als Brutvogel nahezu im gesamten sächsischen Gebiet mit Schwerpunkten in laub-
wald- und siedlungsreichen Gebieten vor. Der Bestand wird auf 15.000-30.000 Brutpaare in Sachsen geschätzt,
womit es die häufigste Schnäpperart ist (STEFFENS et al. 2013).

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
57
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
2.3 Vorkommen im Untersuchungsraum
Vorkommen nachgewiesen
Vorkommen potenziell möglich
(Quelle: NSI DRESDEN 2014a, NSI 2019)
Im Rahmen der avifaunistischen Sonderuntersuchung zum Vorhaben „S 84 Neubau Niederwartha – Meißen, BA 3
(VKE 325.2)“ wurde die
Dohle
als relativ seltener Nahrungsgast im Bereich der landwirtschaftlich genutzten Flä-
chen zwischen Neusörnewitz und Brockwitz nachgewiesen. Im Bereich einer Sukzessionsfläche östlich des Zie-
gelweges in Coswig wurde im Jahr 2014 ein Brutrevier des
Grünspechtes
nachgewiesen (ca. 1,4 km vom Gel-
tungsbereich des B-Planes Nr. 67 entfernt). Aufgrund der Habitatausstattung im Geltungsbereich des B-Planes
Nr. 67 können potenzielle Brutansiedlungen der beiden Arten nicht ausgeschlossen werden. Der
Gartenrotschwanz
wurde 2014 im Umfeld des B-Plangebietes in den Gehölzbeständen am Rande von Gehöften
und (Klein-)Gartenanlagen als Brutvogel nachgewiesen. Der
Kuckuck
wurde im Jahr 2014 als Teilsiedler im
Bereich einer Sukzessionsfläche südlich von Neusörnewitz, auf der sich Laub- bzw. Vorwaldbestände und
Halboffenlandstrukturen abwechseln, festgestellt. Der
Star
und der
Trauerschnäpper
konnten im Rahmen der
avifaunistischen Erfassung 2014 u. a. in den mit Gärten durchsetzten Siedlungsrandbereichen von Coswig,
Neusörnewitz, und Elbgausiedlung als Brutvögel nachgewiesen werden.
Im Rahmen der avifaunistischen Erfassungen 2014 wurde im Bereich der durch Ruderalfluren mit
Gehölzaufwuchs und zum Teil dichteren Gehölzstrukturen geprägten Sukzessionsfläche östlich des Ziegelweges
in Coswig ein Brutrevier des
Grünspechtes
nachgewiesen (ca. 1,4 km vom Geltungsbereich des B-Planes Nr. 67
entfernt).

image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
58
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
Abbildung 6: Im Zuge der faunistischen Erfassungen zur S 84 nachgewiesene Vorkommen der Brutvögel unter-
schiedlicher Gehölzstrukturen im Umfeld des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 (NSI DRESDEN
2014)
3. Prognose und Bewertung der Zugriffsverbote nach § 44 BNatSchG
a) Fang, Verletzung, Tötung (§ 44 Abs. 1, Nr. 1 BNatSchG)
Werden im Zuge der baubedingten Zerstörung bzw.
Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Tiere unvermeidbar gefangen, getötet bzw. verletzt?
ja
nein
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme ist vorge-
sehen

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
59
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Baubedingte Gefährdung
: Im Zuge der Baufeldfreimachung werden Gehölzbestände gerodet und die krautige
Vegetation abgeschoben. Weiterhin können im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes Abrisse von
Bestandsgebäuden nicht ausgeschlossen. Beim Abriss von Gebäuden sowie bei der Rodung von Gehölzen bzw.
beim Abschieben der Vegetation kann es zu einer Beschädigung von potenziell vorhandenen Niststätten der Dohle
kommen (vgl. Punkt 3 c). Durch die Beseitigung von Gehölzbeständen können zudem Niststätten des
Gartenrotschwanzes (als Freibrüter) beansprucht werden. Weiterhin können dadurch Niststätten von Wirtsvögeln
des Kuckucks beschädigt werden. Eine Verletzung oder Tötung von Nestlingen von Dohle, Gartenrotschwanz und
Kuckuck bzw. ihrer Eier ist somit möglich.
Im Zuge der Baufeldfreimachung werden keine nachgewiesenen oder potenziellen Höhlenbäume von
Gartenrotschwanz (als Höhlenbrüter), Grünspecht, Star und Trauerschnäpper in Anspruch genommen. Die
vorhandenen Altholzbestände innerhalb des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 werden im Rahmen des GOP
als zu erhaltende Gehölzbestände gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 25 b BauGB festgeschrieben. Somit können baubedingte
Verletzungen oder Tötungen von Nestlingen und Eiern von Gartenrotschwanz (in Höhlenbäumen), Grünspecht,
Star und Trauerschnäpper ausgeschlossen werden.
Angaben zu erforderlichen Vermeidungsmaßnahmen zum Schutz von Individuen:
- konfliktvermeidende Bauzeitenregelung
Bauzeitenregelung bzw. Baufeldinspektionen sind vorgesehen
ja
nein
die Bauzeiten beschränken sich auf den Zeitraum außerhalb der Aktivitätsphasen
(Baufeldfreimachung außerhalb der Brut- und Fortpflanzungszeit der Avifauna (1. Oktober bis 28.
Februar) (kvM 2) (nur für Dohle, Gartenrotschwanz, Kuckuck))
potenzielle Aufzuchtstätten und Ruhestätten der Art werden vor dem Eingriff auf Besatz geprüft
Beschreibung und Bewertung der Maßnahmen zur Vermeidung:
Durch die Baufeldfreimachung im Zeitraum außerhalb der Brutzeit kann vermieden werden, dass eine Entnahme,
Beschädigung oder Zerstörung von in Funktion befindlichen, also besetzten Fortpflanzungsstätten von Dohle,
Gartenrotschwanz und Kuckuck erfolgt. Die Beschädigung von Eiern bzw. das Verletzen oder Töten von
Nestlingen der Arten kann vermieden werden.
Das baubedingte Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausge-
schlossen werden
ja
nein
Entstehen betriebsbedingt Risiken, die über das allgemeine Lebensri-
siko hinausgehen (signifikante Erhöhung)?
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Betriebsbedingte Gefährdung
: Kollisionen von Gehölzbrütern mit Zuliefererverkehr sind nicht zu erwarten, da im
Bereich der Erschließungsstraße nur geringe Fahrgeschwindigkeiten und ein geringes Verkehrsaufkommen zu
erwarten sind. Weiterhin ist durch die Nutzung und Unterhaltung der gewerblichen Flächen und Mischgebiete im
bereits vorbelasteten Siedlungsrandbereich von Neusörnewitz mit keinen Verletzungen oder Tötungen von Indivi-
duen zu rechnen. Der Verbotstatbestand tritt nicht ein.
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen
Beschreibung und Bewertung der Maßnahme:
entfällt
Das betriebsbedingte Eintreten des Verbotstatbestandes kann aus-
geschlossen werden
ja
nein

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
60
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
b) Störungstatbestände (§ 44 Absatz 1 Nummer 2 BNatSchG)
Werden evtl. Tiere während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-,
Mauser-, Überwinterungs- und Wanderzeiten projektbedingt erheblich
gestört (eine erhebliche Beeinträchtigung liegt vor, wenn sich durch
die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population
einer Art verschlechtert)?
ja
nein
Vermeidungs- bzw. CEF-Maßnahmen erforderlich?
ja
nein
Verschlechterung des Erhaltungszustands der lokalen
Population kann ausgeschlossen werden?
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Baubedingte Störung:
Während der Bauphase können diskontinuierliche Störungen durch ungerichtete Bewe-
gungen von Menschen und Baumaschinen sowie Licht- und Lärmemissionen im Umfeld des Baufeldes zu
Störungen von einzelnen Individuen der Gehölzbrüter führen. Es ist davon auszugehen, dass die Arten während
der begrenzten Bauzeit den Baustellenbereich einschließlich angrenzender Bereiche meidet. Bei der Beurteilung
der temporären Störwirkungen durch die Bauarbeiten werden in der Regel die artspezifischen Fluchtdistanzen
herangezogen Nach GASSNER et al. (2010) liegt die Fluchtdistanz von Dohle, Gartenrotschwanz und Trauer-
schnäpper bei 20 m, von Star bei 15 m und von Grünspecht bei 60 m. Somit können für die Arten temporäre
Störungen während der Bauphase und damit eine Abnahme der Siedlungsdichte in einem Korridor von 15 - 60 m
um das Baufeld nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund dieses engen Meidekorridors ist nicht mit einer Abnahme
der Siedlungsdichte der Arten im Vorhabensumfeld zu rechnen. Es bestehen Möglichkeiten zum lokalen
Ausweichen. Die zeitlich und räumlich eng begrenzten Störwirkungen stellen für Dohle, Gartenrotschwanz,
Grünspecht, Star und Trauerschnäpper jedoch keine erhebliche Beeinträchtigung der lokalen Bestände dar. Die
Brut- und Nahrungsfunktion im Raum bleibt aufrechterhalten.
Die meisten Wirtsvögel des Kuckucks gehören zu den weitverbreiteten und ungefährdeten Arten. Für diese stellen
die zeitlich und räumlich eng begrenzten Störwirkungen keine erhebliche Beeinträchtigung der lokalen Bestände
dar. Die Brut- und Nahrungsfunktion im Raum bleibt für die ungefährdeten Arten und somit für den Kuckuck während
der Bauzeit aufrechterhalten.
Betriebsbedingte Störung:
Störungen der Gehölzbrüter aufgrund des Zuliefererverkehrs sind nicht zu erwarten, da
im Bereich der Erschließungsstraße nur geringe Fahrgeschwindigkeiten und ein geringes Verkehrsaufkommen zu
erwarten sind. Weiterhin ist durch die Nutzung und Unterhaltung der gewerblichen Flächen und Mischgebiete im
bereits vorbelasteten Siedlungsrandbereich von Neusörnewitz mit keinen über das Maß der Vorbelastung hinaus
gehenden Störwirkungen zu rechnen. Der Verbotstatbestand tritt nicht ein.
Beschreibung der konfliktvermeidenden Maßnahmen:
entfällt
Bewertung der Maßnahmen / Auswirkungen auf die lokale Population:
entfällt
Das Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausgeschlossen wer-
den.
ja
nein

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
61
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
c) Entnahme, Beschädigung, Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten (§ 44 Absatz 1 Nummer 3
BNatSchG)
Werden Fortpflanzungs- und Ruhestätten aus der Natur
entnommen, beschädigt oder zerstört?
ja
nein
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen?
ja
nein
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme ist vorgesehen?
ja
nein
Funktionalität im räumlichen Zusammenhang bleibt gewahrt
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme
: Im Zuge der Baufeldfreimachung werden Gehölzbestände gerodet
und die krautige Vegetation abgeschoben. Weiterhin können im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes
Abrisse von Bestandsgebäuden nicht ausgeschlossen. Beim Abriss von Gebäuden sowie bei der Rodung von
Gehölzen bzw. beim Abschieben der Vegetation kann es zu einer Beschädigung von potenziell vorhandenen
Niststätten der Dohle kommen. Durch die Beseitigung von Gehölzbeständen können zudem Niststätten des
Gartenrotschwanzes (als Freibrüter) beansprucht werden. Weiterhin können dadurch Niststätten von Wirtsvögeln
des Kuckucks beschädigt werden. Für die genannten Arten ist innerhalb des B-Plangebietes mit einer
Inanspruchnahme von Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu rechnen.
Im Zuge der Baufeldfreimachung werden keine nachgewiesenen oder potenziellen Höhlenbäume von
Gartenrotschwanz (als Höhlenbrüter), Grünspecht, Star und Trauerschnäpper in Anspruch genommen. Die
vorhandenen Altholzbestände innerhalb des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 werden im Rahmen des GOP
als zu erhaltende Gehölzbestände gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 25 b BauGB festgeschrieben. Somit kann eine bau- und
anlagebedingte Inanspruchnahme von Fortpflanzungs- und Ruhestätten ausgeschlossen werden. Der Verbots-
tatbestand tritt für Gartenrotschwanz (als Höhlenbrüter), Grünsprecht, Start und Trauerschnäpper nicht ein.
Beschreibung der konfliktvermeidenden Maßnahmen:
-
Bauzeitenregelung (vgl. Punkt 3 a) (kvM 2) (nur für Dohle, Gartenrotschwanz, Kuckuck)
-
Vorortbegehung vor Baufeldfreimachung im Zuge von möglichen Gebäudeabrissen (Suche nach Bruthöhlen
der Dohle) (kvM 4)
-
ggf. Schaffung geeigneter Ersatzniststätten für die Dohle vor Abriss von Gebäuden. Vor Beginn der Bautätig-
keiten sind bei Verlust von Bruthöhlen zusätzliche Nistmöglichkeiten bereitzustellen (CEF 2)
Bewertung der Maßnahmen/ Auswirkungen auf die ökologische Funktionsfähigkeit:
Bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme
: Durch die Beanspruchung außerhalb der Brutzeit (Bauzeitenregelung)
kann vermieden werden, dass eine Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung von in Funktion befindlichen, also
besetzten Niststandorten erfolgt. Im Umfeld des geplanten Gewerbegebietes verbleiben ausreichend geeignete
Habitatstrukturen, sodass ein Ausweichen in unbeeinträchtigte Gebiete für Gartenrotschwanz und Kuckuck
problemlos möglich ist.
Für die Dohle ist der Nistplatz häufig ein limitierender Faktor für die Brutdichte. Daher kommt den potenziellen
Niststätten, wozu bei der Dohle Baumhöhlen, aber auch überdachte Nischen oder Löcher an Gebäuden zählen,
eine besondere Bedeutung zu. Dies beruht auf der Annahme, dass die Art (wenn auch nicht dieselben Individuen)
in der Regel die Höhlen und Nischen wieder nutzen. Mögliche Beschädigungen oder Zerstörungen von Bruthöhlen
stellen daher eine bewertungsrelevante Beeinträchtigung dar. Daher sind vor Beginn der Baufeldfreimachung die
abzureißenden Gebäude auf als Niststätte genutzte Nischen, Löcher, Vertiefungen hin abzusuchen. Beim
Vorhandensein von festgestellten bzw. potenziellen Höhlen oder Nischen in Gebäuden im Baufeld, sind pro Nische
an Gebäude drei künstliche Nisthilfen bzw. pro potenzieller Gebäudenische zwei Nisthilfen außerhalb der
Wirkreichweite des Vorhabens anzubringen. Die ökologische Funktion der Fortpflanzungsstätten kann somit im
räumlichen Zusammenhang weiterhin erhalten werden.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
62
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbege-
biet Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Dohle, Gartenrotschwanz, Grünspecht,
Kuckuck, Star, Trauerschnäpper
Das Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausgeschlossen werden.
ja
nein
Erteilung einer Ausnahme nach § 45 (7) BNatSchG erforderlich?
nein (Prüfung endet hiermit)
ja (weitere Prüfschritte notwendig)
4. Fazit
Die fachlich geeigneten und zumutbaren Vorkehrungen im Form von
Vermeidungsmaßnahmen
vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen
Maßnahmen zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes
sind im zu verfügenden Plan (LBP, Landschaftspflegerische Maßnahmen) dargestellt.
Eine spezielle Pflege- und Funktionskontrolle ist notwendig und wird veranlasst;
Unter Berücksichtigung der Wirkungsprognose einschließlich vorgesehener Maßnahmen
kann das Eintreten von Verbotstatbeständen des § 44 Absatz 1 BNatSchG ausgeschlossen werden, so dass
keine Ausnahme nach § 45 Absatz 7 BNatSchG erforderlich ist.
kann eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der betroffenen Art im Bezugsraum der Planung und auf
übergeordneter Ebene ausgeschlossen werden, so dass in Verbindung mit dem Vorliegen der weiteren Aus-
nahmebedingungen die Voraussetzungen gemäß § 45 Absatz 7 BNatSchG erfüllt sind.
Die Zulassungsvoraussetzungen liegen vor.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
63
5.3.2.3 Gebäudebrüter
Prüfung der Verbotstatbestände gemäß § 44 BNatSchG
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet
Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Mehlschwalbe, Rauchschwalbe
1. Schutz und Gefährdungsstatus
Schutzstatus
streng geschützt
Art nach Anh. A der EGArtSchVO
Art nach Anh. IV FFH-RL
Art nach Anl. 1 Sp. 3 BArtSchV
besonders geschützt
Art nach Anh. B der EGArtSchVO
Europäische Vogelart
Art nach Anl. 1 Sp. 2 BArtSchV
Gefährdungsstatus
RL Deutschland (Kat. 3)
RL Sachsen (Kat. 3)
Einstufung Erhaltungszustand in Sachsen
FV günstig / hervorragend / häufige BVA
U 1 ungünstig / unzureichend
U 2 ungünstig / schlecht
2. Bestand und Empfindlichkeit
2.1 Lebensraumansprüche und Verhaltensweisen
Die
Mehlschwalbe
gilt als ausgesprochener Kulturfolger und brütet vor allem in menschlichen Siedlungen, vom
Einzelhaus bis zum Großstadtzentrum. Im Stadtbereich werden Wohnblockzonen und Industriegebiete bevorzugt.
Die Art kommt aber ebenso weitab menschlicher Siedlungen, z. B. an Brücken, Schöpfwerken und Leuchttürmen
vor. Von Bedeutung für die Ansiedlung sind Gewässernähe bzw. schlammige, lehmige bodenoffene Ufer oder Pfüt-
zen. Die Art ist tagaktiv und gilt als Fels- bzw. Gebäudebrüter mit Nestern unter Vorsprüngen an Bauwerken jeder
Art. Von Relevanz ist eine raue Oberflächenstruktur der Bauwerke sowie ein freier Anflug. Nahrungshabitate befin-
den sich über reich strukturierten, offenen Grünflächen und über Gewässern innerhalb von 1.000 m um den Nest-
standort. Der Nahrungserwerb erfolgt fast ausschließlich in der Luft, mitunter aber auch im Rüttelflug oder im Sitzen
auf Mauern, Felswänden und Bäumen (BAUER et al. 2005b, SÜDBECK et al. 2005).
Die
Rauchschwalbe
gilt in Mitteleuropa als ausgesprochener Kulturfolger. Besiedelt werden Dörfer mit lockerer
Bebauung sowie städtische Lebensräumen (Gartenstadt, Kleingarten, Blockrandbebauung, Innenstadt), wobei mit
zunehmender Verstädterung die Siedlungsdichte stark abnimmt. Die Art ist tagaktiv und gilt als Nischenbrüter mit
Neststandorten in frei zugänglichen Gebäuden, u. a. Ställe, Scheunen, Schuppen, Lagerräume. Der Nahrungser-
werb erfolgt in der Luft über reich strukturierten offenen Grünflächen und über Gewässern im Umkreis von 500 m
um den Neststandort (BAUER et al. 2005b, SÜDBECK et al. 2005).
Gefährdung und Empfindlichkeit:
Gefährdung der
Mehlschwalbe
durch Nistplatz- oder Baumaterialmangel infolge zunehmender Versiegelung mit
negativen Auswirkungen auf die interspezifische Nistplatz-Konkurrenz. Zudem wird die Bestandsdichte der Mehl-
schwalbe durch Rückgang der Insektennahrung in feuchten Niederungen infolge Intensivierung der Bewirtschaf-
tung, Drainagen und Grundwasserabsenkung sowie mutwillige Zerstörung von Nestern reduziert.
Fluchtdistanz nach GASSNER et al. (2010): i. d. freien Landschaft 20 m; Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach GAR-
NIEL & MIERWALD (2010): Brutvogel der Gruppe 5, Effektdistanz 100 m.
Gefährdung der
Rauchschwalbe
durch zunehmenden Nist- und Nahrungsverlust infolge Intensivierung der Land-
wirtschaft, intensiver Grünlandnutzung mit Überdüngung und Biozideinsatz, zunehmende Modernisierung dörflicher
Strukturen sowie Versiegelung der Landschaft und Ausdehnung der Ballungszonen. Zudem werden Rauchschwal-
ben häufig Opfer direkter Verfolgung oder kollidieren im Straßenverkehr bzw. an Freileitungen.
Fluchtdistanz nach GASSNER et al. (2010): < 10 m; Effektdistanz ggf. Fluchtdistanz nach GARNIEL & MIERWALD
(2010): Brutvogel der Gruppe 5, Effektdistanz 100 m.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
64
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet
Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Mehlschwalbe, Rauchschwalbe
2.2 Verbreitung
Sachsen:
Die
Mehlschwalbe
gilt im gesamten Landesgebiet Sachsens bis 970 m ü. NN als Brutvogel der Ortschaften. Lokal
kommt die Art an isolierten Einzelgebäuden und an größeren Brücken vor. Eine Konzentration der Brutbestände ist
in gewässernahen Siedlungen der Flussauen, insbesondere der Elbe zu finden. In Sachsen weist die Art einen
geschätzten Bestand von 35.000 bis 70.000 BP auf (STEFFENS et al. 2013).
In Sachsen existiert derzeit ein geschätzter Bestand der
Rauchschwalbe
von 30.000 bis 60.000 Brutpaaren. Sie
kommt im gesamten Gebiet vor, vor allem im Offenland mit ländlichen Gemeinden, in waldreichen Gebieten weniger
häufig bis fehlend. Im Bergland ist die Rauchschwalbe regelmäßig in Höhenlagen bis 950 m ü. NN vorzufinden
(STEFFENS et al. 2013).
2.3 Vorkommen im Untersuchungsraum
Vorkommen nachgewiesen
Vorkommen potenziell möglich
(Quelle: NSI DRESDEN 2014a)
Im Rahmen der avifaunistischen Sonderuntersuchung zum Vorhaben „S 84 Neubau Niederwartha – Meißen, BA 3
(VKE 325.2)“ konnten im Jahr 2014 im Bereich der Gewerbeflächen sowie der Siedlungsbereiche mit großen Gärten
am westlichen Siedlungsrand von Coswig Brutnachweise der Mehlschwalbe und der Rauchschwalbe erbracht wer-
den (mind. 900 m außerhalb des B-Plangebietes). Aufgrund der Habitatausstattung ist innerhalb des Geltungsbe-
reiches des B-Planes Nr. 67 potenziell mit Vorkommen der beiden Schwalbenarten zu rechnen.
3. Prognose und Bewertung der Zugriffsverbote nach § 44 BNatSchG
a) Fang, Verletzung, Tötung (§ 44 Abs. 1, Nr. 1 BNatSchG)
Werden im Zuge der baubedingten Zerstörung bzw.
Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Tiere unvermeidbar gefangen, getötet bzw. verletzt?
ja
nein
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme ist vorge-
sehen
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Baubedingte Gefährdung
: Mehl- und Rauchschwalbe brüten vor allem in menschlichen Siedlungen und nisten unter
Vorsprüngen und in Nischen an und in Bauwerken jeder Art. Im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes
kann ein Abriss bereits bestehender Gebäude nicht sicher ausgeschlossen werden. Für diese Gebäude kann ein
Brüten von Mehl- und Rauchschwalbe nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Daher ist ein Verlust von
Fortpflanzungsstätten der beiden Arten möglich. Durch den Verlust von (potenziellen) Niststandorten besteht die
Gefahr des Tötens von Nestlingen bzw. des Beschädigens von Eiern.
Angaben zu erforderlichen Vermeidungsmaßnahmen zum Schutz von Individuen:
- konfliktvermeidende Bauzeitenregelung
Bauzeitenregelung bzw. Baufeldinspektionen sind vorgesehen
ja
nein
die Bauzeiten beschränken sich auf den Zeitraum außerhalb der Aktivitätsphasen (kvM 2)
(Baufeldfreimachung außerhalb der Brut- und Fortpflanzungszeit der Avifauna (1. Oktober bis 28.
Februar))
potenzielle Aufzuchtstätten und Ruhestätten der Art werden vor dem Eingriff auf Besatz geprüft

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
65
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet
Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Mehlschwalbe, Rauchschwalbe
Beschreibung und Bewertung der Maßnahmen zur Vermeidung:
Durch die Baufeldfreimachung im Zeitraum außerhalb der Brutzeit kann vermieden werden, dass eine Entnahme,
Beschädigung oder Zerstörung von in Funktion befindlichen, also besetzten Fortpflanzungsstätten erfolgt. Die Be-
schädigung von Eiern bzw. das Verletzen oder Töten von Nestlingen kann vermieden werden.
Das baubedingte Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausge-
schlossen werden
ja
nein
Entstehen betriebsbedingt Risiken, die über das allgemeine Lebensrisiko
hinausgehen (signifikante Erhöhung)?
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Betriebsbedingte Gefährdung
: Aufgrund der hohen Vorbelastungen durch die Lage am Siedlungsrandbereich von
Neusörnewitz kommt es durch die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebietes zu keinen betriebsbedingen
Beeinträchtigungen, die über das Maß der Vorbelastung hinausgehen.
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen
Beschreibung und Bewertung der Maßnahme:
entfällt
Das betriebsbedingte Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausge-
schlossen werden
ja
nein
b) Störungstatbestände (§ 44 Absatz 1 Nummer 2 BNatSchG)
Werden evtl. Tiere während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderzeiten projekt-
bedingt erheblich gestört (eine erhebliche Beeinträchtigung liegt vor, wenn sich durch
die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population
einer Art verschlechtert)?
ja
nein
Vermeidungs- bzw. CEF-Maßnahmen erforderlich?
ja
nein
Verschlechterung des Erhaltungszustands der lokalen
Population kann ausgeschlossen werden?
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Baubedingte Störung:
Während der Bauphase können diskontinuierliche Störungen durch ungerichtete Bewegun-
gen von Menschen und Baumaschinen sowie Licht- und Lärmemissionen zu Störungen von einzelnen Individuen
führen. Zur Beurteilung der temporären Störwirkungen durch die Bauarbeiten werden die artspezifischen Fluchtdis-
tanzen herangezogen. Die Fluchtdistanzen liegen laut GASSNER et al. (2010) bei der Mehlschwalbe in der freien
Landschaft bei < 10 - 20 m, bei der Rauchschwalbe bei < 10 m. Somit können temporäre Störungen während der
Bauphase in einem Korridor von maximal 20 um das Baufeld nicht ausgeschlossen werden. In geeigneten Brut-
strukturen rings um das Baufeld ist daher von zeitlich und räumlich eng begrenzten Störwirkungen auszugehen.
Dies kann zu einer Abnahme der Siedlungsdichte der Arten im Wirkbereich der Baustelle führen. Für die beiden
weitverbreiteten Schwalbenarten stellen die zeitlich und räumlich eng begrenzten Störwirkungen jedoch keine er-
hebliche Beeinträchtigung der lokalen Bestände dar. Die Brut- und Nahrungsfunktion im Raum bleiben für die Mehl-
schwalbe und die Rauchschwalbe aufrechterhalten.
Störungen während der Nahrungssuche sind nicht auszuschließen, jedoch nicht bewertungsrelevant. Das Stö-
rungsverbot nach § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG kann zwar grundsätzlich durch Scheuchwirkung während der Nah-
rungssuche ausgelöst werden. Rechtlich relevant sind allerdings nur erhebliche Störungen, durch die sich der Er-
haltungszustand der lokalen Populationen verschlechtert. Die Gebäudebrüter sind gut an menschliche Aktivitäten

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
66
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet
Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Mehlschwalbe, Rauchschwalbe
angepasst. Da die Arten gezielt Siedlungsstrukturen aufsuchen, kann eine Verschlechterung des Erhaltungszustan-
des der lokalen Gebäudebrüterpopulationen während der Bauphase ausgeschlossen werden.
Betriebsbedingte Störung
: Als Kulturfolger weisen die beiden Schwalben keine besondere Empfindlichkeit gegen-
über anthropogen bedingten Störeinflüssen auf. Weiterhin sind aufgrund der Lage des Vorhabens im Siedlungs-
randbereich von Neusörnewitz keine betriebsbedingten, über das Maß der Vorbelastung hinausgehenden Störun-
gen der Arten zu erwarten. Erhebliche Störungen liegen erst dann vor, wenn der Erhaltungszustand der lokalen
Populationen der Gebäudebrüter verschlechtert wird. Durch die kleinräumigen Beeinträchtigungen sind die Überle-
benschance, der Bruterfolg oder die Reproduktionsfähigkeit der Arten auf lokaler Ebene nicht betroffen. Innerhalb
des Untersuchungsraums verbleiben großräumig unbeeinträchtigte Flächen, die die Vitalität bzw. einen guten Er-
haltungszustand der im Gebiet siedelnden Populationen sichern können. Der Verbotstatbestand tritt nicht ein
Beschreibung der konfliktvermeidenden Maßnahmen:
entfällt
Bewertung der Maßnahmen / Auswirkungen auf die lokale Population:
keine
Das Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausgeschlossen werden.
ja
nein
c) Entnahme, Beschädigung, Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten (§ 44 Absatz 1 Nummer 3
BNatSchG)
Werden Fortpflanzungs- und Ruhestätten aus der Natur
entnommen, beschädigt oder zerstört?
ja
nein
Vermeidungsmaßnahme ist vorgesehen?
ja
nein
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme ist vorgesehen?
ja
nein
Funktionalität im räumlichen Zusammenhang bleibt gewahrt
ja
nein
Beschreibung und Bewertung der Beeinträchtigung:
Bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme
: Im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes kann ein Abriss
bereits bestehender Gebäude nicht sicher ausgeschlossen werden. Es ist daher mit einem direkten Flächenverlust
von Niststandorten für Mehl- und Rauchschwalbe zu rechnen. Durch den Abriss von Gebäuden ist ein Verlust von
Fortpflanzungsstätten möglich.
Beschreibung der konfliktvermeidenden Maßnahmen:
-
Bauzeitenregelung (kvM 2) (vgl. Punkt 3 a)
Bewertung der Maßnahmen / Auswirkungen auf die ökologische Funktionsfähigkeit:
Bau- und anlagebedingte Inanspruchnahme
: Für die Gebäudebrüter kann ein Verlust von Gebäuden mit Brutstät-
tenfunktion durch die Erweiterung des Gewerbegebietes nicht ausgeschlossen werden. Durch die Bauzeitenrege-
lung wird jedoch sichergestellt, dass keine aktuell genutzten Fortpflanzungsstätten verloren gehen. Beide Arten sind
in der Lage, neue Nester anzulegen. Im Umfeld des Vorhabens verbleiben zahlreiche Gebäude, an denen neue
Nester errichtet werden können. Die ökologische Funktion der Fortpflanzungsstätten kann somit im räumlichen
Zusammenhang weiterhin erhalten werden.
Das Eintreten des Verbotstatbestandes kann ausgeschlossen werden.
ja
nein
Erteilung einer Ausnahme nach § 45 (7) BNatSchG erforderlich?
nein (Prüfung endet hiermit)
ja (weitere Prüfschritte notwendig)

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
67
Formblatt Artenschutz
Projektbezeichnung
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet
Neusörnewitz Cliebener Straße“
Vorhabenträger
Stadtverwaltung Coswig
Betroffene Art
Mehlschwalbe, Rauchschwalbe
4. Fazit
Die fachlich geeigneten und zumutbaren Vorkehrungen im Form von
Vermeidungsmaßnahmen
vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen
Maßnahmen zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes
sind im zu verfügenden Plan (LBP, Landschaftspflegerische Maßnahmen) dargestellt.
Eine spezielle Pflege- und Funktionskontrolle ist notwendig und wird veranlasst;
Unter Berücksichtigung der Wirkungsprognose einschließlich vorgesehener Maßnahmen
kann das Eintreten von Verbotstatbeständen des § 44 Absatz 1 BNatSchG ausgeschlossen werden, so dass
keine Ausnahme nach § 45 Absatz 7 BNatSchG erforderlich ist.
kann eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der betroffenen Art im Bezugsraum der Planung und auf
übergeordneter Ebene ausgeschlossen werden, so dass in Verbindung mit dem Vorliegen der weiteren Aus-
nahmebedingungen die Voraussetzungen gemäß § 45 Absatz 7 BNatSchG erfüllt sind.
Die Zulassungsvoraussetzungen liegen vor.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
68
5.3.2.4 Ungefährdete, weitverbreitete Vogelarten (Ubiquisten)
Bei den weitverbreiteten, ungefährdeten Vogelarten im Gebiet ist die Wirkungsempfindlichkeit
der Arten vorhabensspezifisch in der Regel so gering, dass mit hinreichender Sicherheit davon
ausgegangen werden kann, dass unter Beachtung allgemeingültiger artenschutzrechtlicher
Maßnahmen keine Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG ausgelöst werden können.
Das Vorgehen, dass euryöke
1
, weit verbreitete Vogelarten keiner vertieften Betrachtung zu
unterziehen sind, wird weitgehend akzeptiert (BMVBS 2009). Jedoch sind die artenschutzrechtlichen
Zugriffsverbote (Schädigungs- und Störungsverbote) auch bei weit verbreiteten und ungefährdeten
Brutvogelarten
gutachterlich
auszuschließen.
Somit
sind
ebenfalls
die
Tötungs-
und
Verletzungsverbote sowie Störungsverbote zu vermeiden und der Schutz von Fortpflanzungs- und
Ruhestätten zu gewährleisten.
Das
Risiko der Tötung
und die damit verbundene Notwendigkeit von Vermeidungsmaßnahmen
ist während der Baufeldfreimachung auch für die allgegenwärtigen Vogelarten gegeben (LBV-SH
2016). Daher muss das Tötungsrisiko durch Vermeidungsmaßnahmen (Bauzeitenregelungen) ver-
mieden werden. Das betriebsbedingte Kollisionsrisiko fällt dagegen bei häufigen Arten in der Regel
nicht unter das Tötungsverbot. Bei flächig vorkommenden Arten, welche nur eine geringe
Spezialisierung an ihren Lebensraum aufweisen, wird das Tötungsrisiko dem „allgemeinen
Lebensrisiko“ zugerechnet, so dass keine Notwendigkeit von Vermeidungsmaßnahmen besteht.
Bei
flächig
vorkommenden
und
ungefährdeten
Vogelarten
ist
das
Eintreten
des
Störungstatbestandes
in der Regel ausgeschlossen. Die geringe Spezialisierung der Arten sowie der
hohe Anteil an geeigneten Habitatstrukturen führen dazu, dass räumlich zusammenhängende lokale
Populationen sehr großflächig abzugrenzen sind und in der Regel sehr hohe Individuenzahlen
aufweisen. Die prognostizierten vorhabensbedingten Störungen betreffen somit nur einen geringen
Anteil der lokalen Population. Eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der lokalen Population
und damit die Erfüllung des Verbotstatbestandes der erheblichen Störung kann unter diesen
Voraussetzungen in der Regel ausgeschlossen werden (LBV-SH 2016, RUNGE et al. 2010). Im
vorliegenden Fall kommt hinzu, dass durch die Lage im Bereich des Siedlungsrandes von
Neusörnewitz ausschließlich anthropogen vorbelastete Lebensraumstrukturen beeinträchtigt werden.
Die weit verbreiteten und ungefährdeten Brutvogelarten gehören mehrheitlich zu den wenig
lärmempfindlichen Arten, die auch sonst ein höheres Maß an Störungen tolerieren können. Ein
Ausweichen im räumlichen Zusammenhang ist somit möglich.
Der Verbotstatbestand der
Zerstörung oder Beschädigung von Fortpflanzungs- und
Ruhestätten
ist an das vorhabensbedingte Verschwinden bzw. an die störungsbedingte Entwertung
von Habitatelementen geknüpft. Die Folgen eines lokalen Habitatverlustes sind für flächig
vorkommende Vogelarten in der Regel nicht so gravierend, dass sie einen zeitlich vorgezogenen
Ausgleich erfordern. Der vorhabensbedingte Verlust von Fortpflanzungs- und Ruhestätten wird in den
meisten Fällen über die Kompensationsmaßnahmen der Eingriffsregelung abgedeckt (LBV-SH 2016).
Eine Ausnahme stellen Niststätten dar, welche von Natur aus einen limitierenden Charakter aufweisen
wie Baumhöhlen oder spezielle Nischenstrukturen. Ihr Verlust kann im räumlichen Zusammenhang
zu einer Verminderung des Fortpflanzungserfolges oder der Ruhemöglichkeiten selbst bei häufig
vorkommenden Arten führen. Um einen Verstoß gegen das Zerstörungsverbot zu umgehen, werden
daher auch für Höhlen- und Spaltenquartiere vorgezogene Ersatzlebensräume vorgesehen.
1
euryök = Bezeichnung für Organismen, die sehr unterschiedliche Umweltbedingungen tolerieren

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
69
Tabelle 6:
Prüfung der Verbotstatbestände gemäß § 44 BNatSchG der euryöken, weit verbreiteten Vogelarten
Lebensstätte
Arten
Artenschutzrechtliche Zugriffsverbote ohne
artenschutzrechtliche Maßnahmen
Artenschutzrechtliche Zugriffsverbote unter
Berücksichtigung artenschutzrechtlicher
Maßnahmen
Frei- und Bodenbrüter verschiede-
ner Gehölzstrukturen
(u. a. Wald-
randbiotope, Baumgruppen, Feldge-
hölze, Feldhecken, Gebüsche, Sied-
lungsgehölze, Ufergehölze, Wälder)
Freibrüter in Bäumen und Sträuchern:
Aaskrähe (Nebel-
krähe, Rabenkrähe), Elster, Gartengrasmücke, Gelbspötter,
Heckenbraunelle, Kolkrabe, Mönchsgrasmücke, Pirol, Ringel-
taube, Türkentaube, Zaunkönig
Freibrüter der Hecken/Gebüsche
: Dorngrasmücke (auch
Krautschicht), Klappergrasmücke, Stieglitz
Bodenbrüter oder Brüter der Krautschicht:
Goldammer,
Nachtigall, Rotkehlchen, Zilpzalp
Generalisten:
Amsel, Girlitz, Grünfink
Baumhöhlenbrüter ohne eigenen Nestbau:
Blaumeise,
Feldsperling, Kohlmeise
Verbotstatbestand „Fang, Verletzung, Tötung“
tritt ein (§ 44 (1) Nr. 1)
ja
nein
Vermeidungsmaßnahmen:
- Bauzeitenregelung (kvM 2)
Fazit: Zentrale Vorgaben des Artenschutzes
gem. § 44 BNatSchG werden eingehalten
Verbotstatbestand „Störung während der Fort-
pflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinte-
rungs-, Wanderungszeiten“ tritt ein (§ 44 (1)
Nr. 2)
ja
nein
Verbotstatbestand „Entnahme, Beschädigung,
Zerstörung von Fortpflanzungs- oder Ruhe-
stätten“ tritt ein (§ 44 (1) Nr. 3)
ja
nein
Gebäudebrüter (Höhlen-, Halbhöh-
len- und Nischenbrüter)
(Gebäudebrüter)
Hausrotschwanz, Haussperling, Mauersegler, Straßentaube
Verbotstatbestand „Fang, Verletzung, Tötung“
tritt ein (§ 44 (1) Nr. 1)
ja
nein
Vermeidungsmaßnahmen:
- Bauzeitenregelung (kvM 2)
- Vorortbegehung vor Baufeldfreimachung im
Zuge von möglichen Gebäudeabrissen (Suche
nach Bruthöhlen) (kvM 4)
CEF-Maßnahmen:
- ggf. Schaffung geeigneter Ersatzniststätten vor
Abriss von Gebäuden
Fazit: Zentrale Vorgaben des Artenschutzes
gem. § 44 BNatSchG werden eingehalten
Verbotstatbestand „Störung während der Fort-
pflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinte-
rungs-, Wanderungszeiten“ tritt ein (§ 44 (1)
Nr. 2)
ja
nein
Verbotstatbestand „Entnahme, Beschädigung,
Zerstörung von Fortpflanzungs- oder Ruhe-
stätten“ tritt ein (§ 44 (1) Nr. 3)
ja
nein
Brutvögel der offenen und halbof-
fenen Landschaften
Freibrüter der Krautschicht
: Sumpfrohrsänger
Bodenbrüter oder Brüter der Krautschicht
: Schafstelze
Verbotstatbestand „Fang, Verletzung, Tötung“
tritt ein (§ 44 (1) Nr. 1)
ja
nein
Vermeidungsmaßnahmen:
- Bauzeitenregelung (kvM 2)
Fazit: Zentrale Vorgaben des Artenschutzes
gem. § 44 BNatSchG werden eingehalten
Verbotstatbestand „Störung während der Fort-
pflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinte-
rungs-, Wanderungszeiten“ tritt ein (§ 44 (1)
Nr. 2)
ja
nein
Verbotstatbestand „Entnahme, Beschädigung,
Zerstörung von Fortpflanzungs- oder Ruhe-
stätten“ tritt ein (§ 44 (1) Nr. 3)
ja
nein

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
70
5.4 Artenschutzrechtlich begründete Maßnahmen zur Vermeidung der
Verbotstatbestände
Maßnahmen, die zur Vermeidung der Verbotstatbestände des § 44 BNatSchG erforderlich sind,
können gemäß LBV-SH 2016 in folgende Kategorien eingeteilt werden:
konfliktvermeidende Maßnahmen (artenschutzrechtliche Vermeidungsmaßnahmen),
vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen zur Erhaltung der ökologischen Funktion (CEF-Maßnah-
men) und
artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen zur Sicherung der ökologischen Funktionalität von
Fortpflanzungs- und Ruhestätten ungefährdeter Arten ohne besondere Habitatansprüche.
Zu den allgemeinen
konfliktvermeidenden Maßnahmen
gehören meist bauwerks- oder
baudurchführungsbezogene Vorkehrungen, die an der Quelle der Beeinträchtigung greifen (u. a.
Bestimmungen zum Baugeschehen (zeitliche oder räumliche Auflagen), etc.). Sie führen dazu,
negative Wirkungen des Vorhabens zu unterbinden.
CEF-Maßnahmen
dienen dem Schutz artenschutzrelevanter (Teil-) Populationen vor negativen
Auswirkungen des Eingriffs und sichern die ökologische Funktionalität ihrer Lebensstätten. Um die
Funktion der Lebensstätten einer (Teil-) Population kontinuierlich zu erhalten, findet die
Durchführung der CEF-Maßnahmen i. d. R. vor Beginn des Eingriffs statt. Die Wirksamkeit der
durchgeführten Maßnahmen muss grundsätzlich mit Beginn der Beeinträchtigung gewährleistet sein.
Zudem müssen die Vorkehrungen im räumlichen Zusammenhang zu der beeinträchtigten
Fortpflanzungs- und Ruhestätte bzw. des beeinträchtigten Lebensraumes der (Teil-) Population liegen.
Artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen
, die zum Erhalt der ökologischen Funktion nicht
zwingend vorgezogen umgesetzt werden müssen, können bei der Betroffenheit von ungefährdeten
Arten ohne besondere Habitatansprüche herangezogen werden. Eine verzögerte Wirksamkeit der
Maßnahmen hat für diese ungefährdeten Arten keine Auswirkung auf ihre (Teil-) Population. Auch
können die Maßnahmen im weiteren räumlichen Zusammenhang geplant werden. Sofern die
Ausgleichsmaßnahmen der Eingriffsregelung langfristig die Lebensraumfunktion der relevanten
Arten erfüllen können, sind diese Maßnahmen in der artenschutzrechtlichen Bewertung zu
berücksichtigen.
In der folgenden Tabelle 7 sind alle Maßnahmen aufgelistet, die im Rahmen des vorliegenden
Artenschutzbeitrags zur Vermeidung des Eintretens von Verbotstatbeständen nach § 44 Abs. 1
BNatSchG notwendig werden.
Tabelle 7:
Erforderliche konfliktvermeidende Maßnahmen (kvM) und vorgezogene
Ausgleichsmßnahmen (CEF)
lfd. Nr.
Maßnahme
Zielart
Konfliktvermeidende Maßnahmen (kvM)
kvM 1
Bauzeitenregelung Fledermäuse im Zuge der Abrissarbeiten: Absuchen der Ab-
rissgebäude nach (potenziellen) Quartierstrukturen / ggf. Verschluss oder Ent-
wertung von unbesetzten wintergeeigneten Quartierstrukturen durch
Fachgutachter / ggf. Abrissarbeiten unter Begleitung eines Fachgutachters /
ggf. Bergung überwinternder Fledermäuse
(
Optionalmaßnahme für den Fall, dass
im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes bestehende Gebäude
abgerissen werden
)
Die Baufeldfreimachung und die damit verbundenen Abrissarbeiten von Gebäuden ha-
ben in Abstimmung mit den Belangen der Avifauna im Zeitraum vom 1. Oktober bis 28.
Februar zu erfolgen. Durch die Maßnahme wird die Inanspruchnahme besetzter Som-
merquartiere verhindert. Im Zuge der Abrissarbeiten gehen überirdische Gebäude ver-
loren, für die eine Eignung als Winterquartier nicht ausgeschlossen werden kann.
Der potenzielle Gebäudequartierbestand ist im Bereich des Trassenverlaufs rechtzeitig
vor Beginn der Baufeldfreimachung im September bzw. Oktober (vor Beginn der
Fledermäuse (alle)

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
71
lfd. Nr.
Maßnahme
Zielart
Abrissarbeiten) durch Fachgutachter auf Fledermausquartiere hin zu untersuchen.
Wird in diesem Zusammenhang festgestellt, dass Tiere in den Gebäuden überwintern
könnten, sind diese als wintergeeignete Fledermausquartiere zu kennzeichnen. Bestä-
tigt sich die Nutzung von Gebäudestrukturen durch Fledermäuse (Sommer- und/oder
Winterquartier), so ist der Verlust der Quartiere adäquat zu ersetzen.
Kann mit ausreichender Sicherheit festgestellt werden, dass ein wintergeeignetes
Quartier unbesiedelt ist, wird dieses im Anschluss an die Kontrolle verschlossen, um
einen Wiedereinflug vor der Baufeldfreimachung zu verhindern. Es bietet sich auch der
sog. „One-Way-Pass“ an. Durch eine entsprechende Vorkehrung wird gewährleistet,
dass die Tiere die Höhle zwar verlassen, aber nicht mehr einfliegen können.
Sofern eine winterliche Quartiereignung einzelner Gebäude festgestellt wurde, sind die
Abrissarbeiten zwingend von Fachgutachtern zu begleiten.
Die Maßnahmen sind in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde durchzuführen.
kvM 2
Bauzeitenregelung, Baufeldfreimachung / Rodung von Gehölzen und Abriss
von Gebäuden außerhalb der Brut- und Fortpflanzungszeit der Avifauna
Die Baufeldberäumung im Bereich von Grünländern, Ruderalfluren und Ackerflächen
erfolgt im, für die im Planungsraum vorkommenden Arten unkritischen Zeitraum, von
Anfang September bis Mitte März.
Entsprechend der Verbote des § 39 Abs. 5 Nr. 2 und 3 BNatSchG erfolgen keine Fäl-
lung, Schnitt, Rodung von Gehölzen und/oder Hecken und Röhrichten in der Zeit vom
01. März bis 30. September bzw. die Baufeldberäumung (einschließlich des Abrisses
von Gebäuden) muss außerhalb der Brutzeit, d. h. im Zeitraum vom 1. Oktober bis
28. Februar erfolgen.
Durch die Maßnahme wird die Inanspruchnahme besetzter Nester sowie eine Brutan-
siedlungen im Trassenbereich vermieden.
Sollte eine Baufeldfreimachung während der Brutzeit erforderlich werden, so ist im
Rahmen der Vorortbegehung nachzuweisen, dass keine aktuellen Nester von der
Baufeldfreimachung betroffen sind. Bei Vorhandensein von aktuellen Nachweisen hat
die Baufeldfreimachung (Baubeginn) außerhalb der Brutzeiten zu erfolgen.
Brutvögel der Offen- und
Halboffenlandschaften
(alle)
Brutvögel unterschied-
licher Gehölzstrukturen
(nur Dohle, Gartenrot-
schwanz, Kuckuck)
Gebäudebrüter (alle)
Ubiquitäre Vogelarten
(alle)
kvM 3
Vermeidung der spontanen Wiederbesiedelung des geräumten Baufeldes
Wenn nach der Baufeldräumung bzw. im weiteren Bauablauf Unterbrechungen im
geplanten Bauablauf eintreten, ist es nicht auszuschließen, dass sich einige Arten
zwischenzeitlich wieder im Baufeld ansiedeln. Dies trifft besonders für Bodenbrüter
des Offenlandes zu. Zur Vermeidung von Beeinträchtigungen werden unter fachlicher
Begleitung der UBB aktive Vergrämungsmaßnahmen durchgeführt. Hierdurch soll
sichergestellt werden, dass kein Brutpaar auf den Bauflächen, Lagerflächen oder
Zuwegungen seinen Niststandort anlegt (LBV-SH 2016).
Für Brutvögel sind Bauunterbrechungen ab einer Dauer von 5 Tagen von Bedeutung.
Nach einer 5 Tage anhaltenden Baupause sind Vergrämungsmaßnahmen
erforderlich. Erfolgen keine Vergrämungsmaßnahmen ist nach einer Baupause von 5
Tagen das Baufeld durch die Umweltbaubegleitung nach Brutvorkommen ab-
zusuchen. Wenn brütende Vögel festgestellt werden, dürfen die Tätigkeiten erst nach
Abschluss des Brutgeschäftes fortgesetzt werden (LBV-SH 2016).
Vergrämungsmaßnahmen sind nur innerhalb des Baufeldes (sowie der Baustraßen
und Zufahrten) durchzuführen, da die Scheuchwirkungen der Maßnahme über das
Baufeld hinausstrahlen (LBV-SH 2016). Durch akustische und optische Signale wer-
den potenzielle Brutvögel aus den technologischen Bauflächen auch bei Bauunter-
brechungen ferngehalten.
Die Maßnahme ist in Abstimmung mit der Umweltbaubegleitung durchzuführen.
Brutvögel der Offen- und
Halboffenlandschaften
(alle)
kvM 4
Vorortbegehung vor Baufeldfreimachung im Zuge von möglichen
Gebäudeabrissen
(
Optionalmaßnahme für den Fall, dass im Zuge der
Weiterentwicklung des Gewerbegebietes bestehende Gebäude abgerissen werden
)
Sofern im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes bestehende Gebäude
abgerissen werden, sind unmittelbar vor den Abrissarbeiten im Rahmen einer Vorort-
begehung die abzureißenden Gebäude auf Niststandorte und Quartierstandorte ge-
bäudebewohnender Fledermäuse abzusuchen. Diese Erfassung bietet die Grundlage
für die Bereitstellung von Nistgelegenheiten für Fledermäuse und Höhlen-/ Nischen-
brüter ohne eigenen Nestbau (CEF 1, CEF 2).
Fledermäuse
Brutvögel unterschied-
licher Gehölzstrukturen
(nur Dohle)
Ubiquitäre Vogelarten
(nur ubiquitäre
Gebäudebrüter)

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
72
lfd. Nr.
Maßnahme
Zielart
Sollte in begründeten Einzelfällen eine Baufeldfreimachung innerhalb der Brut- und
Fortpflanzungszeit der Avifauna notwendig werden, sind vorsorglich die erfassten
Höhlen zu verschließen, um eine Nutzung zu verhindern.
Die Maßnahme ist in Abstimmung mit der Umweltbaubegleitung durchzuführen.
Vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (CEF)
CEF 1
Bereitstellung von Ausweichquartieren für Fledermäuse bei Verlust geeigneter
Gebäudequartiere
(
Optionalmaßnahme für den Fall, dass im Zuge der
Weiterentwicklung des Gewerbegebietes bestehende Gebäude abgerissen werden
)
Für Fledermäuse mit Gebäudequartieren sind bei Abriss von Gebäuden mit einem of-
fensichtlichen Quartierstättenpotenzial neue Quartierstandorte bereitzustellen.
Der Gesamtbedarf an Ersatzquartieren wird während der Vorkontrolle (kvM 4) durch
den Fachgutachter festgelegt. Gehen wochenstubengeeignete Gebäudequartiere ver-
loren, beträgt das Ausgleichsverhältnis 1 : 3. Es ist bekannt, dass nicht alle Quartier-
kästen durch Fledermäuse angenommen werden. Damit begründet sich das Aus-
gleichsverhältnis zugunsten der Quartierhilfen. Ersatzquartiere sind im räumlichen Um-
feld (< 1 km Entfernung) und vor Beendigung der Winterruhe anzubringen.
Für Tagesverstecke bzw. Balzquartiere ohne Funktion als Wochenstuben- und/oder
Winterquartier ist in der Regel kein Ersatz erforderlich (LBV-SH 2011).
Um die Funktionsfähigkeit der Fortpflanzungs- und Ruhestätten langfristig zu sichern,
werden die Fledermauskästen an geeigneten, in räumlichem Kontakt zu Jagd- und
Leitstrukturen stehenden Gebäuden angebracht. Die Quartierhilfen sind als solche
rechtlich zu sichern. Mit den Eigentümern der Gebäude ist eine entsprechende Verein-
barung darüber zu erzielen. Störungen im Zuge des Gebäudeerhalts (u. a. Fassaden-
sanierungen) sind rechtzeitig mit der Unteren Naturschutzbehörde abzustimmen.
Quartierkammern weisen unterschiedliche Eigenschaften auf und sind daher für eine
Vielzahl von Fledermausarten als Lebensraumstrukturen geeignet (u. a. Bartfleder-
mäuse, Zwergfledermaus). Eine Aneinanderreihung von Quartierkammern ist durch
eine seitliche Aussparung mit Sollbruchstelle möglich. Auch geeignet sind sogenannte
Fledermaus-Universal-Sommerquartiere. Fledermaus-Wandschalen eignen sich zur
Erhaltung bestehender Kolonien und Schaffung neuer Quartiere. Die Fledermaus-
Wandschalen können als Sommerverstecke eingesetzt werden oder bei Wahl eines
frostsicheren, feuchten Bereiches (u. a. Keller, Stollen) auch als Versteck in einem
Winterquartier dienen (u. a. für Zwerg-, Bart- und Mopsfledermäuse als Tagesversteck
geeignet). Auch geeignet sind sog. Fledermaus-Wandsysteme. Im Zuge von Sanie-
rungs- oder Neubauarbeiten bieten sich Fledermaus-Ganzjahres-Einbauquartiere an.
Die Einbausteine eignen sich durch ihre spezielle Isolierung sowohl im Winter wie auch
im Sommer als Quartier für gebäudebewohnende Fledermausarten.
Die Kompensation ist unter Einbeziehung eines Fledermauskundlers im Voraus mit der
Unteren Naturschutzbehörde abzustimmen. Die artgerechte Ausführung ist zu über-
prüfen.
Fledermäuse (alle)
CEF 2
Bereitstellung von Nistgelegenheiten für Gebäudebrüter
(
Optionalmaßnahme für
den Fall, dass im Zuge der Weiterentwicklung des Gewerbegebietes bestehende
Gebäude abgerissen werden
)
Für die Gebäudebrüter (Höhlen-, Halbhöhlen- und Nischenbrüter) sind nach Abspra-
che mit der Fachbehörde vor Baubeginn Nisthilfen aufzuhängen. Die Anzahl dieser
künstlichen Bruthöhlen orientiert sich an der Anzahl der durch den Abriss von Gebäu-
den betroffenen Bruthöhlen.
Für jeden im Wirkkorridor festgestellten und durch Gebäudeabriss betroffenen Höhlen-
standort sind außerhalb bewertungsrelevanter Wirkzonen des Vorhabens, jedoch im
räumlichen und funktionalen Zusammenhang, 3 künstliche Nisthilfen anzubringen.
Diese sind für die Dauer von 10 Jahren zu unterhalten und bei Bedarf gleichwertig zu
ersetzen.
Einige der im Planungsraum vorkommenden Vogelarten sind aufgrund ihrer Artspezifik
nicht in der Lage, eigenständig Bruthöhlen anzulegen. Darüber hinaus ist auch von
einem limitierten Höhlenangebot auszugehen. Um einer Vergrämung betroffener Arten
entgegenzuwirken, sind künstliche Nisthilfen anzubringen. Diese werden nachweislich
durch die Arten angenommen.
Die Nisthilfen sind in Abstimmung mit der Stadt Coswig an öffentlichen Gebäuden (z. B.
Schulen, Rathaus, etc.) anzubringen und als solche rechtlich zu sichern.
Die Maßnahme ist vor Beginn der Abrissarbeiten durchzuführen.
Brutvögel unterschied-
licher Gehölzstrukturen
(nur Dohle)
Ubiquitäre Vogelarten
(nur ubiquitäre
Gebäudebrüter)

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
73
6 Zusammenfassung
Die Stadt Coswig beabsichtigt, einen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Neusörnewitz Clie-
bener Straße aufzustellen, um den Bestand städtebaulich zu ordnen und Erweiterungen zu ermögli-
chen. Im ersten Schritt soll für die Gesamtfläche von ca. 22,9 ha ein Vorentwurf erstellt werden. Im
zweiten Schritt werden voraussichtlich nur Teilflächen weiterbearbeitet und zum Satzungsbeschluss
geführt.
Das Vorhaben unterliegt den artenschutzrechtlichen Anforderungen der §§ 44 und 45 BNatSchG.
Die artenschutzrechtliche Prüfung wird für die Tier- und Pflanzenarten des Anhangs IV lit. a) der
FFH-RL sowie alle nach der VSchRL geschützten europäischen Vogelarten durchgeführt.
Vorkommen europarechtlich geschützter Pflanzenarten wurden nicht nachgewiesen. Die Prüfung von
artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen in Bezug auf Pflanzenarten des Anhangs IV ist damit
gegenstandslos.
Die Prüfung erfolgt hinsichtlich folgender Verbotstatbestände:
Nachstellung, Fang, Verletzung oder Tötung der Arten oder ihrer Entwicklungsformen (§ 44 Abs.
1 Nr. 1 BNatSchG),
erhebliche Störung während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wan-
derungszeiten (§ 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG) sowie
Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten (§ 44 Abs. 1 Nr.
3 BNatSchG).
Im Ergebnis der Relevanzprüfung ist für 14 Fledermausarten des Anhangs IV der FFH-RL sowie
für 42 Vogelarten ein Vorkommen im Geltungsbereich des B-Planes Nr. 67 nachgewiesen bzw.
aufgrund der Habitatansprüche möglich. Für diese Arten erfolgt im Rahmen der Konfliktanalyse eine
detaillierte Betrachtung aller wahrscheinlichen Betroffenheiten sowie bei Bedarf die Ableitung von
Maßnahmen zur Vermeidung artenschutzrechtlicher Verbotstatbestände.
Unter Ausschöpfung der Möglichkeiten zur Vermeidung / zum Schutz der geschützten Arten
(kvM) sowie durch entsprechende vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (CEF) wird ein Verstoß gegen
die Verbotstatbestände des § 44 Abs. 1 BNatSchG in Bezug auf alle europäisch geschützten Arten
verhindert.
Es kann sichergestellt werden, dass die ökologische Gesamtsituation des vom Vorhaben
betroffenen Raumes für die betrachteten Vogelarten sowie Arten des Anhanges IV der FFH-RL
gewahrt bleibt.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
74
7 Quellenverzeichnis
7.1 Gesetze, Richtlinien, Erlasse und Urteile
BARTSCHV – BUNDESARTENSCHUTZVERORDNUNG: Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und
Pflanzenarten vom 16. Februar 2005 (BGBl. I S. 258, 896), die zuletzt durch Artikel 10 des
Gesetzes vom 21. Januar 2013 (BGBl. I S. 95) geändert worden ist.
BNATSCHG – BUNDESNATURSCHUTZGESETZ (Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege) vom
29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542), das zuletzt durch Artikel 8 des Gesetzes vom 13. Mai 2019
(BGBl. I S. 706) geändert worden ist.
BUNDESREGIERUNG (2007): Entwurf des Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundesnaturschutzgeset-
zes. Gesetzentwurf der Bundesregierung. Deutscher Bundestag Drucksache 16/5100 6. Wahl-
periode. 25.04.2007. Elektronische Vorab-Fassung einschließlich Begründung.
BVERWG 9 A 14.07 (BUNDESVERWALTUNGSGERICHT): Urteil zum Planfeststellungsbeschluss vom
2. Januar 2007 für den Bau einer Autobahn-Nordumgehung von Bad Oeynhausen. Verkündet
am 09.07.2008.
BVERWG 9 A 20.08 (BUNDESVERWALTUNGSGERICHT): Urteil zum Neubau der Autobahn 44 (A 44)
von der Anschlussstelle Universitätsstraße bis ca. 510 m östlich der Schattbachstraße im
Stadtgebiet von Bochum. Verkündet am 09.06.2010.
BVERWG 9 A 5.08 (BUNDESVERWALTUNGSGERICHT): Urteil zum Planfeststellungsbeschluss für den
Neubau der Bundesautobahn A 44 Kassel - Herleshausen im Teilabschnitt Anschlussstelle
Hessisch Lichtenau-Ost bis Hasselbach (VKE 32). Verkündet am 14.04.2010.
BVERWG 9 A 4.13 (BUNDESVERWALTUNGSGERICHT): Urteil zum Neubau der Bundesautobahn A 14
im Abschnitt B 189 nördlich Colbitz bis Dolle/L 29 einschließlich Streckenabschnitt 1.2N
(VKE 1.3/1.2N). Verkündet am 08.01.2014.
EUARTSCHV / EG-VO-A – EUROPÄISCHE ARTENSCHUTZVERORDNUNG: Verordnung (EG) Nr.
338/97 des Rates über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten
durch Überwachung des Handels vom 9. Dezember 1996 (ABl. L 61 vom 3.3.1997, S. 1), die
zuletzt durch Verordnung (EU) Nr. 750/2013 der Kommission vom 29. Juli 2013 (ABl. L 212
vom 17.8.2013) geändert worden ist.
FFH-RL – FAUNA-FLORA-HABITAT-RICHTLINIE: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21.05.1992
zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (ABl.
EG Nr. L 206 S. 7 vom 22.07.1992), geändert durch Richtlinie 97/62/EG vom 27.10.1997
(ABl. EG Nr. L 305 S. 42 vom 08.11.1997), angepasst durch den Beschluss 95/1/EG vom
01.01.1995, zuletzt geändert durch Richtlinie 2013/17/EU vom 13.05.2013 (ABl. EG Nr. L
158/193 vom 10.06.2013).
VSCHRL (2009): Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. No-
vember 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (kodifizierte Fassung),
VSchRL - Vogelschutzrichtlinie.
7.2 Literaturverzeichnis
BAUER, H.-G., BEZZEL, E. & W. FIEDLER (HRSG.) (2005a): Das Kompendium der Vögel Mitteleuro-
pas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes - Nichtsper-
lingsvögel. 2. vollst. überarb. Auflage. Aula-Verlag/Wiebelsheim.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
75
BAUER, H.-G., BEZZEL, E. & W. FIEDLER (HRSG.) (2005b): Das Kompendium der Vögel Mitteleuro-
pas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 2: Passeriformes - Sperlingsvögel. 2.
vollst. überarb. Auflage. Aula-Verlag/Wiebelsheim.
BFN – BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ (2019): Internethandbuch zu den Arten der FFH-Richtlinie
Anhang IV. Steckbriefe und Verbreitungskarten. Digital abgerufen unter dem Link:
https://ffh-anhang4.bfn.de/
am 15.08.2019.
BMUB – BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ, BAU UND REAKTORSICHERHEIT
(2017): Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes - häufig gestellte Fragen. Digital abgerufen
unter dem Link:
http://www.bmub.bund.de/service/buergerforum/haeufige-fragen-faq/faq-
detailansicht/?no_cache=1&tx_irfaq_pi1%5bcat%5d=55 am 20.07.2017.
BMVBS – BUNDESMINISTERIUM FÜR VERKEHR, BAU UND STADTENTWICKLUNG (2009): Entwicklung
von Methodiken zur Umsetzung der Eingriffsregelung und artenschutzrechtlicher Regelungen
des BNatSchG sowie Entwicklung von Darstellungsformen für landschaftspflegerische Be-
gleitpläne im Bundesfernstraßenbau. Gutachten zum LBP-Leitfaden. F+E Projekt
Nr.02.0233/2003/LR erarbeitet durch Smeets & Damaschek, Bosch & Partner, FÖA Land-
schaftsplanung und Dr. Gassner. Oktober 2008. Bonn.
BOYE, P. (2004):
Eptesicus nilssonii
(KEYSERLING & BLASIUS, 1839). In: PETERSEN, B., G. ELLWAN-
GER, R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutzge-
bietssystem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in
Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft
69/Band 2.
BOYE, P. & C. MEYER-CORDS (2004):
Pipistrellus nathusii
(KEYSERLING & BLASIUS, 1839). In: PE-
TERSEN, B., G. ELLWANGER, R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das
europäische Schutzgebietssystem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der
FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege
und Naturschutz Heft 69/Band 2.
BOYE, P. & H. MEINIG (2004):
Barbastella barbastellus
(SCHREBER, 1774). In: PETERSEN, B., G. ELL-
WANGER, R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutz-
gebietssystem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in
Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft
69/Band 2.
BOYE, P. & M. DIETZ (2004):
Nyctalus noctula
(SCHREBER, 1774). In: PETERSEN, B., G. ELLWANGER,
R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutzgebietssys-
tem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland.
Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/Band 2.
BOYE, P. (2004a):
Myotis mystacinus
(KUHL, 1817). In: PETERSEN, B., G. ELLWANGER, R. BLESS, P.
BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutzgebietssystem Natura
2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 2: Wir-
beltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/Band 2.
BOYE, P. (2004b):
Vespertilio murinus
(LINNAEUS, 1758). In: PETERSEN, B., G. ELLWANGER, R.
BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutzgebietssystem
Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band
2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/Band 2.
BOYE, P., DENSE, C. & U. RAHMEL (2004):
Myotis brandtii
(EVERSMANN, 1845). In: PETERSEN, B.,
G. ELLWANGER, R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische
Schutzgebietssystem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
76
in Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz
Heft 69/Band 2.
BRINKMANN, R., BIEDERMANN, M., BONTADINA, F., DIETZ, M., HINTEMANN, G., KARST, I., SCHMIDT,
C. & W. SCHORCHT (2012): Planung und Gestaltung von Querungshilfen für Fledermäuse. –
Eine Arbeitshilfe für Straßenbauvorhaben im Freistaat Sachsen. Sächsisches Staatsministe-
rium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, 146 Seiten.
CEREMA – CENTRE D’ETUDES ET D’EXPERTISE SUR LES RISQUES, L’ENVIRONNEMENT, LA MOBILITÉ ET
L’AMÉNAGEMENT (2016): Chiroptères et infrastructures de transport. Guide méthodologique.
DIETZ, C., HELVERSEN, O. & D. NILL (2007): Handbuch der Fledermäuse Europas und Nordwestafri-
kas (Biologie, Kennzeichen, Gefährdung). Kosmos.
DIETZ, M. & P. BOYE (2004):
Myotis daubentonii
(KUHL, 1817). In: PETERSEN, B., G. ELLWANGER,
R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutzgebietssys-
tem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland.
Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/Band 2.
EUROPÄISCHE KOMMISSION (2007): Guidance Document on the strict protection of animal species of
community interest provided by the `Habitats` Directive 92/43/EEC (FINAL VERSION, Feb-
ruar 2007). - Leitfaden zum strengen Schutzsystem für Tierarten von gemeinschaftlichem In-
teresse im Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43/EWG.
FISCHER, U. & T. SOBCZYK (2001): Rote Liste Schwärmer. Materialien zu Naturschutz und Land-
schaftspflege 2001. Hrsg.: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie. Dresden.
FLADE, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands. Grundlagen für den
Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. IHW-Verlag/Eching.
FÜNFSTÜCK, H.-J., EBERT, A. & I. WEIß (2010): Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. Quelle &
Meyer Verlag Wiebelsheim.
GARNIEL, A. & U. MIERWALD (2010): Arbeitshilfe „Vögel und Straßenverkehr“ - Ausgabe 2010. Er-
gebnis des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens FE 02.286/2007/LRB „Entwicklung ei-
nes Handlungsleitfadens für Vermeidung und Kompensation verkehrsbedingter Wirkungen
auf die Avifauna“ der Bundesanstalt für Straßenwesen bearbeitet von KIfL – Kieler Institut
für Landschaftsökologie.
GASSNER, WINKELBRANDT & BERNOTAT (2010): UVP und Strategische Umweltprüfung: Rechtliche
und fachliche Anleitung für die Umweltprüfung. 5. Auflage. C.F. Müller Verlag, Heidelberg.
GEISER, R. (1998): Rote Liste der Käfer (Coleoptera). - In: BINOT, M., BLESS, R., BOYE, P., GRUTKE,
H. & P. PRETSCHER (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. – Bonn-Bad Godes-
berg (Landwirtschaftsverlag GmbH, Münster-Hiltrup). – Schriftenreihe für Landschafts-
pflege und Naturschutz 55.
GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. N. & K. M BAUER (2001): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1 -
14 – III. Wiesenbaden.
GRÜNEBERG, C., H.-G. BAUER, H. HAUPT, O. HÜPPOP, T. RYSLAVY & P. SÜDBECK (2015): Rote Liste
der Brutvögel Deutschlands, 5. Fassung, 30. November 2015. In: Deutscher Rat für Vogel-
schutz, Naturschutzbund Deutschland (Hrsg.). Berichte zum Vogelschutz. Heft Nr. 52, 2015.
HAUER, S., ANSORGE, H. & U. ZÖPHEL (2009): Atlas der Säugetiere Sachsens. Hrsg. Sächsisches Lan-
desamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
77
KAIPF, I. & A. TRUBE (2007): Fledermausarten und ihre Lichtempfindlichkeit. Arbeitsgemeinschaft
Fledermausschutz. LNV-Info 12/2017.
KIEFER, A. & P. BOYE (2004a):
Plecotus auritus
(LINNAEUS, 1758). In: Petersen, B., G. Ellwanger, R.
Bless, P. Boye, E. Schröder & A. Ssymank (2004): Das europäische Schutzgebietssystem
Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band
2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/Band 2.
KIEFER, A. & P. BOYE (2004b):
Plecotus austriacus
(J. B. FISCHER, 1829). IN: PETERSEN, B., G. ELL-
WANGER, R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutz-
gebietssystem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in
Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft
69/Band 2.
KLAUSNITZER, B. (1995): Rote Liste Blatthorn- und Hirschkäfer. Materialien zu Naturschutz und
Landschaftspflege 5/1995. Hrsg.: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie. Dres-
den.
KÜHNEL, K.-D., GEIGER, A., LAUFER, H., PODLOUCKY, R. & M. SCHLÜPMANN. (2008b): Rote Liste
und Gesamtartenliste der Kriechtiere (Reptilia) Deutschlands. Stand Dezember 2008. In: BfN
- Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) (2009): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze
Deutschlands. Band 1: Wirbeltiere. Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 70 (1). Bonn-
Bad-Godesberg: 231 – 256.
LANA - LÄNDER-ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR NATURSCHUTZ, LANDSCHAFTSPFLEGE UND ERHO-
LUNG (2006): Hinweise der LANA zur Anwendung des europäischen Artenschutzrechts bei
der Zulassung von Vorhaben und bei Planungen. Entwurf der gemeinsamen Arbeitsgruppe
der LANA-Fachausschüsse Artenschutz, Eingriffsregelung und Recht.
LANA - LÄNDER-ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR NATURSCHUTZ, LANDSCHAFTSPFLEGE UND ERHO-
LUNG (2009): Vollzugshinweise zum Artenschutzrecht, Stand 13.03.2009.
LANA - LÄNDER-ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR NATURSCHUTZ, LANDSCHAFTSPFLEGE UND ERHO-
LUNG (2010): Vollzugshinweise zum Artenschutzrecht vom ständigen Ausschuss „Arten- und
Biotopschutz“ überarbeitet (Stand: 19.11.2010).
LANA & BMU (LÄNDER-ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR NATURSCHUTZ, LANDSCHAFTSPFLEGE UND
ERHOLUNG & BUNDESMINISTERIUM FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHER-
HEIT) (2009): Hinweise zu zentralen unbestimmten Rechtsbegriffen im Bundesnaturschutz-
gesetz.
LBV-SH (Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein) (Hrsg.) (2016): Beachtung des
Artenschutzrechtes bei der Planfeststellung. Aktualisierung mit Erläuterungen und Beispie-
len. In Zusammenarbeit mit dem Kieler Institut für Landschaftsökologie und dem Landesamt
für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein. Kiel. 85.
S + Anlagen.
LEWANZIK, D. & C. C. VOIGT (2016): Transition from conventional to light-emitting diode street light-
ing changes activity of urban bats. Journal of Applied Ecology, 2016.
LFULG – LANDESAMT FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND GEOLOGIE (2017a): Tabelle: Streng ge-
schützte Tier- und Pflanzenarten (außer Vögel) in Sachsen, Version 2.0 (Stand: 12.05.2017).
Digital bereitgestellt unter Arbeitshilfen Artenschutz, Link:
https://www.umwelt.sach-
sen.de/umwelt/natur/20403.htm

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
78
LFULG – LANDESAMT FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND GEOLOGIE (2017b): Tabelle: Regelmä-
ßig in Sachsen auftretende Vogelarten, Version 2.0 (Stand: 30.03.2017). Digital bereitgestellt
unter
Arbeitshilfen
Artenschutz,
Link:
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur
/20403.htm.
LFULG – LANDESAMT FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND GEOLOGIE (20170c): Ablaufschema zur
Prüfung des Artenschutzes nach § 44 Abs. 1 i. V. m. Abs. 5 BNatSchG. Digital abgerufen
unter dem Link:
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/20403.htm
am 03.02.2017.
LÜTTMANN, J. (2007): Artenschutz und Straßenplanung. Spannungsfeld zwischen rechtlicher Norm
und praktischer Umsetzung. Naturschutz und Landschaftsplanung, 39 (8): 236-242.
LÜTTMANN, DR. J., FUHRMANN, M., FÖA LANDSCHAFTSPLANUNG, KERTH, DR. G. & DR. B. SIEMERS
(2009): Quantifizierung und Bewältigung verkehrsbedingter Trennwirkungen auf Fleder-
mauspopulationen als Arten des Anhangs der FFH-Richtlinie. Gutachten. Forschungsbericht
FE-NR. 02.0256/2004/LR im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadt-
entwicklung. Unveröffentlichter Entwurf mit Stand April 2009.
MEINIG, H. & P. BOYE (2004a):
Pipistrellus pipistrellus
(SCHREBER, 1774). In: PETERSEN, B., G. ELL-
WANGER, R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutz-
gebietssystem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in
Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft
69/Band 2.
MEINIG, H.; BOYE, P., HUTTERER R. (2008): Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mamma-
lia) Deutschlands. In: BfN - Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) (2009): Rote Liste gefährde-
ter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 1: Wirbeltiere. Naturschutz und Biologische
Vielfalt, Heft 70 (1). Bonn-Bad-Godesberg: 115-153.
PETERSEN, B., G. ELLWANGER, G. BIEWALD, U. HAUKE, G. LUDWIG, P. PRETSCHER, E. SCHRÖDER &
A. SSYMANK (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000: Ökologie und Ver-
breitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 1: Pflanzen und Wirbellose.
Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/Band 1.
PETERSEN, B., G. ELLWANGER, R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europä-
ische Schutzgebietssystem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richt-
linie in Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Natur-
schutz Heft 69/Band 2.
RASSMUS, J., C. HERDEN, I. JENSEN, H. RECK & K. SCHÖPS (2003): Methodische Anforderungen an
Wirkungsprognosen in der Eingriffsregelung. Schriftenreihe Angewandte Landschaftsökolo-
gie 51.
REDEKER SELLNER DAHS (2017): Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.
Öffentliche Anhörung zum Gesetzentwurf der Bundesregierung. Entwurf eines Gesetzes zur
Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes BT-Drucksache 18/11939 am 17. Mai 2017 - Stel-
lungnahme von Dr. Frank Fellenberg, LL.M. (Cambridge) Rechtsanwalt und Fachanwalt für
Verwaltungsrecht. Berlin 12.05.2017.
REINHARDT, R. & R. BOLZ (2008): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera)
(Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. Stand Dezember 2008 (gering-
fügig ergänzt Dezember 2010). In: BfN - Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) (2011): Rote
Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1).
Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 70 (3). Bonn-Bad-Godesberg: 167 – 194.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
79
REINHARDT, R. (2007b): Rote Liste Tagfalter Sachsens. Naturschutz und Landespflege. Hrsg.: Lan-
desamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. 32 S.
RENNWALD, E., SOBCZYK T. & A. HOFMANN (2007): Rote Liste und Gesamtartenliste der Spinnerar-
tigen Falter (Lepidoptera: Bombyces, Sphinges s.l.) Deutschlands. Stand Dezember 2007
(geringfügig ergänzt Dezember 2010). In: BfN - Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) (2011):
Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere
(Teil 1). Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 70 (3). Bonn-Bad-Godesberg: 243 –
283.
ROSENAU, S. & P. BOYE (2004):
Eptesicus serotinus
(SCHREBER, 1774). In: Petersen, B., G. Ellwan-
ger, R. Bless, P. Boye, E. Schröder & A. Ssymank (2004): Das europäische Schutzgebiets-
system Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland.
Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/Band 2.
RUNGE, H., SIMON, M. & T. WIDDIG (2010): Rahmenbedingungen für die Wirksamkeit von Maßnah-
men des Artenschutzes bei Infrastrukturvorhaben, FuE-Vorhaben im Rahmen des Umwelt-
forschungsplanes des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im
Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz - FKZ 3507 82 080, (unter Mitarb. von: Louis, H.
W., Reich, M., Bernotat, D., Mayer, F., Dohm, P., Köstermeyer, H., Smit- Viergutz, J., Sze-
der, K.).- Hannover, Marburg.
SCHAUB, A.; OSTWALD, J. & B. M. SIEMERS (2008): Foraging bats avoid noise. Journal of Experi-
mental Biology 211, 3174-3180 (2008).
SIEMERS, B.M. & A. SCHAUB (2011): Hunting at the highway: traffic noise reduces foraging efficiency
in acoustic predators. Proceedings of the Royal Society B 278, 1646-1652 (2011).
SIMON, M. & P. BOYE (2004):
Myotis myotis
(BORKHAUSEN, 1797). In: PETERSEN, B., G. ELLWAN-
GER, R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutzge-
bietssystem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in
Deutschland. Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft
69/Band 2.
SMUL – SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (2006a): Urteil
des EuGH vom 10.01.2006 - vorläufige Verfahrenshinweise. Erlass vom 27.02.2006.
SMUL – SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (2006b): Urteil
des EuGH vom 10.01.2006 - vorläufige Verfahrenshinweise. Erlass vom 25.07.2006.
SMUL – SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (2007): Ergän-
zung zum Erlass vom 27.02.2006 und zum Erlass vom 25.07.2006 zum Vollzug des europa-
rechtlichen Gebiets- und Artenschutzes. Erlass vom 05.02.2007.
SMWA – SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ARBEIT (2009): Hinweise zum
Artenschutzrecht. Erlass vom 09.12.2009.
STEFFENS, R.; NACHTIGALL, W.; RAU, S.; TRAPP, H. & J. ULBRICHT (2013): Brutvögel in Sachsen.
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden, 656 S.
STONE, E. L., JONES, G. & S. HARRIS (2009): Street lighting disturbs Commuting bats.
STONE, E.L. (2013): Bats and Lighting: Overview of current evidence and mitigation guidance.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
80
SÜDBECK, P., ANDRETZKE, H., FISCHER, S., GEDEON, K., SCHIKORE, T., SCHRÖDER K. & C. SUDFELDT
(2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Mugler-Verlag, Ra-
dolfzell.
TLUG – THÜRINGER LANDESANSTALT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (2009): Artensteckbriefe Thü-
ringen 2009. Digital abgerufen am 30.07.2012 unter dem Link:
http://www.tlug-
jena.de/de/tlug/umweltthemen/natur_und_landschaft/artenschutz/.
TRAPPMANN, C. & P. BOYE (2004):
Myotis nattereri
(KUHL, 1817). In: PETERSEN, B., G. ELLWANGER,
R. BLESS, P. BOYE, E. SCHRÖDER & A. SSYMANK (2004): Das europäische Schutzgebietssys-
tem Natura 2000: Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland.
Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 69/Band 2.
ZÖPHEL, U., TRAPP, H., & DR. R. WARNKE-GRÜTTNER (2015): Rote Liste der Wirbeltiere Sachsens.
Kurzfassung (Dezember 2015). Version 1.0. Hrsg LfULG - Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie.
7.3 Gutachten und Planungen
NSI DRESDEN – NATURSCHUTZINSTITUT REGION DRESDEN E.V. (2014a): S 84 Neubau Niederwartha-
Meißen 3. BA, Avifaunistisches Sondergutachten. Dresden, Oktober 2014.
NSI DRESDEN – NATURSCHUTZINSTITUT REGION DRESDEN E.V. (2014b): S 84 Neubau Niederwartha-
Meißen 3. BA, Faunistisches Sondergutachten Reptilien, insbesondere Zauneidechse (Lacerta
agilis). Dresden, Oktober 2014.
NSI – AG NATURSCHUTZINSTITUT REGION DRESDEN E.V. (2019): Übersichtsbegehungen Avifauna
und Zauneidechse Coswig – Cliebener Straße. Dresden. Zwischenstand 12.09.2019.
SCHMIDT, C. (2014): Faunistische Sonderuntersuchung Fledermäuse im Rahmen der Planung des Neu-
baus der S 84 Niederwartha – Meißen, 3. Bauabschnitt. Niesky, Oktober 2014.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
81
8 Anhang
8.1 Ermittlung des prüfrelevanten Artenspektrums
8.1.1
Ausschluss nicht prüfrelevanter Arten / Artengruppen
Im Rahmen der projektspezifischen Ermittlung des prüfrelevanten Artenspektrums wird unter-
sucht, für welche Arten ein Vorkommen im Geltungsbereich des B-Plans grundsätzlich ausgeschlos-
sen werden kann. Die Abschichtung erfolgt nach folgenden Kriterien (LFULG 2017c):
Art entsprechend den Roten Listen Sachsens ausgestorben/verschollen, nicht vorkommend;
Wirkraum liegt außerhalb des bekannten Verbreitungsgebietes der Art in Sachsen oder
Erforderlicher Lebensraum / Standort der Art im Wirkraum des Vorhabens nicht vorkommend
(Lebensraum-Grobfilter z. B. nach Mooren, Wäldern, Magerrasen).
Trifft keines der drei Filterkriterien für die jeweilige Art zu, ist deren weiterführende Betrachtung
im Rahmen der Relevanztabelle (vgl. Kapitel 8.1.2) notwendig. In der nachfolgenden Tabelle 8 wer-
den die nicht prüfrelevanten Arten zusammengestellt:

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
82
Tabelle 8:
Ausschluss nicht prüfrelevanter Arten gemäß LFULG 2017c
Artengruppe
Arten, für die eine potenzielle Betroffenheit durch das Vorhaben ausgeschlossen
werden können
Kriterium 1: Art entsprechend den Roten Listen Sachsens ausgestorben / verschollen, nicht vorkommend
Europäisch geschützte Vogelarten
Auerhuhn (
Tetrao urogallus
), Großer Brachvogel (
Numenius arquata
), Haselhuhn (
Tetras-
tes bonasia
, syn.
Bonasa bonasia
), Uferschnepfe (
Limosa limosa
), Zwergseeschwalbe
(
Sterna albifrons
)
Kriterium 2: Wirkraum liegt außerhalb des bekannten Verbreitungsgebietes der Art in Sachsen (kein Nachweis im
Messtischblatt 4847)
Säuger (ohne Fledermäuse)
Feldhamster (
Cricetus cricetus
), Haselmaus (
Muscardinus avellanarius
), Luchs (
Lynx lynx
),
Wildkatze (
Felis sylvestris
), Wolf (
Canis lupus
)
Fledermäuse
Bechsteinfledermaus (
Myotis bechsteinii
), Kleinabendsegler (
Nyctalus leisleri
), Kleine Huf-
eisennase (
Rhinolophus hipposideros
), Nymphenfledermaus (
Myotis alcathoe
), Teichfle-
dermaus (
Myotis dasycneme
)
Reptilien
Würfelnatter (
Natrix tesselata
)
Farn- und Samenpflanzen
Gelber Frauenschuh (
Cypripedium calceolus
),
Europäisch geschützte Vogelarten
Austernfischer (
Haematopus ostralegus
), Baumfalke (Falco subbuteo), Bekassine (
Galli-
nago gallinago
), Bienenfresser (
Merops apiaster
), Birkhuhn (
Tetrao tetrix
), Blaukehlchen
(
Luscinia svecica
), Brachpieper (
Anthus campestris
), Flussseeschwalbe (
Sterna hirundo
),
Flussuferläufer (
Actitis hypoleucos
), Gänsesäger (
Mergus merganser
), Grauspecht (
Picus
canus
), Haubenlerche (
Galerida cristata
), Karmingimpel (
Caropodacus erythrinus
), Klein-
ralle (
Porzana parva
), Knäkente (
Anas querquedula
), Raubwürger (
Lanius excubitor
), Rot-
schenkel (
Tringa totanus
), Saatkrähe (
Corvus frugilegus
), Schwarzkopfmöwe (
Larus mela-
nocephalus
), Singschwan (
Cygnus cygnus
), Steinkauz (
Athene noctua
), Steinschmätzer
(
Oenanthe oenanthe
), Tüpfelralle (
Porzana porzana
), Turteltaube (
Streptopelia turtur
), Uhu
(
Bubo bubo
), Waldohreule (
Asio otus
), Waldwasserläufer (
Tringa ochropus
), Wanderfalke
(
Falco peregrinus
), Wiedehopf (
Upupa epops
), Wiesenweihe (
Circus pygargus
), Würgfalke
(
Falco cherrug
), Ziegenmelker (
Caprimulgus europeaus
), Zwergschnäpper (
Ficedula
parva
)

image
Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
83
Artengruppe
Arten, für die eine potenzielle Betroffenheit durch das Vorhaben ausgeschlossen
werden können
Kriterium 3: Lebensraum-Grobfilter: Erforderlicher Lebensraum / Standort der Art im Wirkraum des Vorhabens nicht
vorkommend
Abbildung 7:
Schematische Darstellung der Biotoptypen im Umfeld des Vorhabens
Der Geltungsbereich des B-Planes Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ wird im Norden und Nordosten vor
allem durch die bestehenden Gewerbestandorte geprägt, in die Abstandsflächen mit Gehölzen und artenarme, intensiv genutzte
Grünländer eingestreut sind. Im Nordwesten ragt ein auf einer ehemaligen Deponie stockendes Feldgehölz bis in das B-Plan-
Gebiet hinein. Die südlichen Bereiche Geltungsbereiches werden von ausgeräumten Ackerflächen eingenommen. Entlang der
Grenzlinien zu den Gewerbestandorten verlaufen oftmals Hecken und Baumreihen.
Geschlossene Waldbestände, Gewässer, Feuchtbiotope (z. B. Sümpfe, Moore), Heiden, Magerrasen sowie Höhlen, Fels- und
Offenbodenbiotope sind innerhalb des Geltungsbereiches des B-Planes Nr. 67 nicht vorhanden.
Säuger (ohne Fledermäuse)
Biber (
Castor fiber
), Fischotter (
Lutra lutra
)
Amphibien
Kleiner Wasserfrosch (
Rana lessonae
), Knoblauchkröte (
Pelobates fuscus
), Kreuzkröte
(
Bufo calamita
), Laubfrosch (
Hyla arborea
), Moorfrosch (
Rana arvalis
), Nördlicher Kamm-
molch (
Triturus cristatus
), Rotbauchunke (
Bombina bombina
), Springfrosch (
Rana dalma-
tina
), Wechselkröte (
Bufo viridis
)
Libellen
Asiatische Keiljungfer (
Gomphus flavipes
), Große Moosjungfer (
Leucorrhinia pectoralis
),
Grüne Flussjungfer (
Ophiogomphus cecilia
), Östliche Moosjungfer (
Leucorrhinia albifrons
),
Zierliche Moosjungfer (
Leucorrhinia caudalis
)

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand:
08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
84
Artengruppe
Arten, für die eine potenzielle Betroffenheit durch das Vorhaben ausgeschlossen
werden können
Schmetterlinge
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (
Phengaris nausithous
), Eschen-Scheckenfalter
(
Euphydryas maturna
), Großer Feuerfalter (
Lycaena dispar
), Heller Wiesenknopf-Ameisen-
bläuling (
Phengaris teleius
)
Käfer
Breitrand (
Dytiscus latissimus
), Schmalbindiger Breitflügel-Tauchkäfer (
Graphoderus bili-
neatus
)
Farn- und Samenpflanzen
Braungrüner Strichfarn (
Asplenium adulterinum
), Liegendes Büchsenkraut (
Lindernia pro-
cumbens
), Prächtiger Dünnfarn (
Trichomanes speciosum
), Scheidenblütgras (
Coleanthus
subtilis
), Schwimmendes Froschkraut (
Luronium natans
)
Einzeln abzuprüfende europäisch
geschützte Vogelarten
Drosselrohrsänger (
Acrocephalus arundinaceus
), Eisvogel (
Alcedo atthis
), Fischadler
(
Pandion haliaetus
), Flussregenpfeifer (
Charadrius dubius
), Goldregenpfeifer (
Pluvialis ap-
ricaria
), Halsbandschnäpper (
Ficedula albicollis
), Heidelerche (
Lullula arborea
), Kornweihe
(
Circus cyaneus
), Kranich (
Grus grus
) (nur Brutvogel), Krickente (
Anas crecca
), Löffelente
(
Anas clypeata
), Mittelspecht (
Dendrocopos medius
), Moorente (
Aythya nyroca
), Purpurrei-
her (
Ardea purpurea
), Raufußkauz (
Aegolius funereus
), Rohrdommel (
Botaurus stellaris
),
Rohrschwirl (
Locustella luscinioides
), Rohrweihe (
Circus aeruginosus
), Rothalstaucher
(
Podiceps grisegena
), Schafstelze (
Motacilla flava
), Schilfrohrsänger (
Acrocephalus
schoenobaenus
), Schleiereule (
Tyto alba
), Schnatterente (
Anas strepera
), Schwarzhal-
staucher (
Podiceps nigricollis
), Schwarzspecht (
Dryocopus martius
), Schwarzstorch (
Cico-
nia nigra
), Seeadler (
Haliaeetus albicilla
), Silberreiher (
Casmeroidus albus
), Sperlingskauz
(
Glaucidium passerinum
), Stelzenläufer (
Himantopus himantopus
), Sumpfohreule (
Asio
flammeus
), Tafelente (
Aythya ferina
), Teichralle (
Gallinula chloropus
), Trauerseeschwalbe
(
Chlidonias niger
), Uferschwalbe (
Riparia riparia
), Wachtelkönig (
Crex crex
), Waldkauz
(
Strix aluco
), Wendehals (
Jynx torquilla
), Wespenbussard (
Pernis apivorus
), Zwergdommel
(
Ixobrychus minutus
)
Einzeln abzuprüfende Rastvögel
größerer Gewässer / Äcker
Spießente (
Anas acuta
)
Ubiquitäre Vogelarten
Bachstelze (
Motacilla alba
), Bartmeise (
Panurus biarmicus
), Beutelmeise (
Remiz penduli-
nus
), Blässralle (
Fulica atra
), Brandgans (
Tadorna tadorna
), Gänsesäger (
Mergus mergan-
ser
), Gebirgsstelze (
Motacilla cinerea
), Graugans (
Anser anser
), Graureiher (
Ardea cine-
rea
), Haubentaucher (
Podiceps cristatus
), Höckerschwan (
Cygnus olor
), Kolbenente (
Netta
rufina
), Kormoran (
Phalacrocorax carbo
), Lachmöwe (
Larus ridibundus
), Mittelmeermöwe
(
Larus michahellis
), Pfeifente (
Anas penelope
), Reiherente (
Aythya fuligula
), Rohrammer
(
Emberiza schoeniclus
), Schellente (
Bucephala clangula
), Schlagschwirl (
Locustella fluvia-
tilis
), Schwarzkopfmöwe (
Larus melanocephalus
), Silbermöwe (
Larus argentatus
), Step-
penmöwe (
Larus cachinnans
), Stockente (
Anas platyrhynchos
), Sturmmöwe (
Larus ca-
nus
), Teichrohrsänger (
Acrocephalus scirpaceus
), Wasseramsel (
Cinclus cinclus
), Wasser-
ralle (
Rallus aquaticus
), Zwergsäger (
Mergus albellus
), Zwergtaucher (
Tachybaptus ruficol-
lis
)
8.1.2
Prüfrelevante Arten / Artengruppen
Die Prüfung im Rahmen der Relevanztabellen (vgl. nachfolgende Tabelle 9) filtert diejenigen
Arten heraus, welche zwar im räumlichen Umfeld vorkommen (können), jedoch das Eintreten eines
Verbotstatbestandes aufgrund einer geringen vorhabensspezifischen Wirkungsempfindlichkeit für sie
begründet ausgeschlossen werden kann (i. d. R. nur europäische, weitverbreitete, ungefährdete Arten
oder bei Vorhaben mit geringer Wirkungsintensität.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
85
Tabelle 9:
Potenziell vorkommende bzw. nachgewiesene Arten des Anhangs IV der FFH-RL sowie streng geschützte Vogelarten, Arten des Anhang I der VSchRL
sowie Vogelarten mit Rote Liste Status im Untersuchungsgebiet und mögliche Betroffenheit
Deutscher Art-
name
Wissenschaftli-
cher Artname
Schutzsta-
tus nach
BNatSchG
RL
D
RL
SN
Erhal-
tungs-
zustand
SN
Lebensraum / Habitatkomplexe
Vorkommen im
Gebiet
Beeinträch-
tigungen
durch Vor-
haben mög-
lich
Begründung Ausschluss
Fledermäuse
(SCHMIDT 2014)
Abendsegler
Nyctalus noctula
S
(FFH-IV)
V
V
unzu-
reichend
Wald, Feldgehölz, Hecken, Siedlung,
Offenland, Gewässer
Aktionsraum bis 10 km um Quartier,
bei Wanderungen bis 100 km pro
Nacht
Nachweis 2014
innerhalb des
UG
ja
-
Braunes Langohr
Plecotus auritus
S
(FFH-IV)
V
V
günstig
Wald, Feldgehölz, Hecken, Siedlung
Aktionsraum bis 3 km um Quartier
Nachweis 2014
(Langohr indet.)
ca. 300 m außer-
halb UG
ja
-
Breitflügelfleder-
maus
Eptesicus seroti-
nus
S
(FFH-IV)
G
3
unzu-
reichend
Wald, Feldgehölz, Hecken, Siedlung
Aktionsraum 1-12 km um Quartier
Nachweis 2014
ca. 250 m außer-
halb UG
ja
-
Fransenfledermaus
Myotis nattereri
S
(FFH-IV)
-
V
günstig
Wald, Feldgehölz, Hecken, Siedlung,
Offenland, Gewässer
Aktionsraum bis 1,5 km um Quartier,
vereinzelt auch mehr
Nachweis 2014
ca. 290 m außer-
halb UG
ja
-
Graues Langohr
Plecotus austria-
cus
S
(FFH-IV)
2
2
unzu-
reichend
Wald, Feldgehölz, Hecken, Siedlung,
Offenland, Gewässer
Aktionsraum bis 5,5 km um Quartier
Nachweis 2014
(Langohr indet.)
ca. 300 m außer-
halb UG
ja
-
Große Bartfleder-
maus
Myotis brandtii
S
(FFH-IV)
V
3
unzu-
reichend
Wald, Feldgehölz, Hecken, Siedlung
Aktionsraum bis 100 km²
Nachweis 2014
(Bartfledermaus
indet.) ca. 270 m
außerhalb UG
ja
-

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
86
Deutscher Art-
name
Wissenschaftli-
cher Artname
Schutzsta-
tus nach
BNatSchG
RL
D
RL
SN
Erhal-
tungs-
zustand
SN
Lebensraum / Habitatkomplexe
Vorkommen im
Gebiet
Beeinträch-
tigungen
durch Vor-
haben mög-
lich
Begründung Ausschluss
Großes Mausohr
Myotis myotis
S
(FFH-II, FFH-
IV)
V
3
günstig
Wald, Feldgehölz, Hecken, Siedlung,
Offenland
Aktionsraum bis 30 km um Quartier,
vereinzelt auch über 100 km
Nachweis 2014
ca. 50 m außer-
halb UG
ja
-
Kleine Bartfleder-
maus
Myotis mystacinus
S
(FFH-IV)
V
2
unzu-
reichend
Wald, Feldgehölz, Hecken, Siedlung,
Gewässer
Aktionsraum bis 600 m vom Quartier
Nachweis 2014
(Bartfledermaus
indet.) ca. 270 m
außerhalb UG
ja
-
Mopsfledermaus
Barbastella bar-
bastellus
S
(FFH-II, FFH-
IV)
2
2
unzu-
reichend
Wald
Aktionsraum 600 m bis 15 km
Nachweis 2014
ca. 900 m außer-
halb des UG
ja
-
Mückenfledermaus
Pipistrellus pygma-
eus
S
(FFH-IV)
D
3
unzu-
reichend
Gewässer, Wald, Feldgehölz, Sied-
lung
Aktionsraum bis 2 km um Quartier
Nachweis 2014
(Pipistrellus in-
det.) ca. 1.000 m
vom UG entfernt
ja
-
Nordfledermaus
Eptesicus nilssonii
S
(FFH-IV)
G
2
unzu-
reichend
Wald, Gewässer, Offenland, Sied-
lung
Aktionsraum 8-10 km um Quartier
nein
nein
Die Nordfledermaus kommt in waldreichen Gebieten mit
eingestreuten Freiflächen und Gewässern vor. Sie jagt in
Wäldern unterschiedlichen Typs, an Gewässern und
regelmäßig auch in Ortschaften an Straßenlaternen. Die
Sommerquartiere befinden sich überwiegend in Spalten in
und an Gebäuden, z. B. hinter Hausverkleidungen,
Fensterläden oder im Firstbereich des Daches. Als
Winterquartier werden meist trockene unterirdische
Verstecke (Bergwerke, Bunker, Höhlen) gewählt (BOYE
2004, TLUG 2009). Die Siedlungsbereiche des UG weisen
keine Habitateignung für die Nordfledermaus auf. Im
Rahmen der faunistischen Sonderuntersuchungen wurde
die Art nicht nachgewiesen (SCHMIDT 2014).
Eine Betroffenheit der Art ist ausgeschlossen.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
87
Deutscher Art-
name
Wissenschaftli-
cher Artname
Schutzsta-
tus nach
BNatSchG
RL
D
RL
SN
Erhal-
tungs-
zustand
SN
Lebensraum / Habitatkomplexe
Vorkommen im
Gebiet
Beeinträch-
tigungen
durch Vor-
haben mög-
lich
Begründung Ausschluss
Rauhautfledermaus
Pipistrellus nathusii
S
(FFH-IV)
-
3
unzu-
reichend
Wald, Gewässer, Offenland
Aktionsraum bis 6,5 km um Quartier
Nachweis 2014
ca. 140 m außer-
halb des UG
ja
-
Wasserfledermaus
Myotis daubentonii
S
(FFH-IV)
-
-
günstig
Gewässer, Offenland, Wald, Feldge-
hölz
Aktionsraum bis 8 km um Quartier
Nachweis 2014
ca. 300 m außer-
halb des UG
ja
-
Zweifarbfledermaus
Vespertilio murinus
S
(FFH-IV)
D
3
unzu-
reichend
Gewässer, Offenland, Siedlung
Aktionsraum durchschnittl. 1,5 km
um Quartier
Nachweis 2014
ca. 1.800 m au-
ßerhalb des UG
ja
-
Zwergfledermaus
Pipistrellus pi-
pistrellus
S
(FFH-IV)
-
V
günstig
Gewässer, Offenland, Wald, Feldge-
hölz, Siedlung
Aktionsraum bis 2 km um Quartier
Nachweis 2014
ca. 290 m außer-
halb des UG
ja
-
Reptilien
(LFULG 2017, NSI 2019)
Glattnatter
Coronella austriaca
S
(FFH-IV)
3
2
unzu-
reichend
Sommerhabitat: Wald, Offenland,
Feldgehölze/Hecken
Winterhabitat: Offenland
Aktionsradius bis etwa 480 m.
nein
nein
Die Art bevorzugt heterogene Vegetationsstrukturen mit
kleinflächig verzahntem Biotopmosaik sowie wärmespei-
cherndem Substrat in Form von Felsen, Gesteinshalden,
Sandböden, Mauern oder Totholz. Derartige Habitatstruktu-
ren sind im Geltungsbereich des B-Planes nicht vorhanden.
Zudem konnte die Art im Rahmen der faunistischen Erfas-
sungen (NSI 2014b) nicht nachgewiesen werden. Es liegt le-
diglich ein Altnachweis aus dem Jahr 2011 vom nördlichen
Randbereich der Ortslage Sörnewitz vor (LFULG 2017). Die-
ser befindet sich in einer Entfernung von mind. 1,1 km vom
Geltungsbereich des B-Planes entfernt. Aufgrund der gerin-
gen Aktionsdistanzen (max. 480 m) kann ein Einwandern in
das Plangebiet ausgeschlossen werden.
Eine Betroffenheit der Art ist ausgeschlossen.
Zauneidechse
Lacerta agilis
S
(FFH-IV)
V
3
unzu-
reichend
Sommerhabitat (Fortpflanzungs-
stätte / Sonnenplätze): Offenland
nein
nein
Die im zentralen Bereich der Gewerbefläche Köhlerstraße 1-
3 vorhandenen Aufschüttungen aus Bauschutt bzw.- Bau-
materialien stellen grundsätzlich für Zauneidechsen

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
88
Deutscher Art-
name
Wissenschaftli-
cher Artname
Schutzsta-
tus nach
BNatSchG
RL
D
RL
SN
Erhal-
tungs-
zustand
SN
Lebensraum / Habitatkomplexe
Vorkommen im
Gebiet
Beeinträch-
tigungen
durch Vor-
haben mög-
lich
Begründung Ausschluss
Winterhabitat: Offenland
Aktionsradius bis 300 m (max. 4
km).
geeignete Habitate dar (vgl. Foto 12). Aufgrund der Lage der
Aufschüttungen und der offenen Bereiche inmitten des Be-
triebsgeländes ist jedoch ein Vorkommen der Zauneidechse
unwahrscheinlich. Die potenziell geeigneten Habitate wer-
den umschlossen von Gebäuden und Verkehrsflächen im
Norden und Osten, von intensiv genutzten Ackerflächen im
Süden und von den Waldbeständen im Bereich der ehemali-
gen Deponie im Westen, sodass ein Einwandern der Zau-
neidechse unwahrscheinlich ist (NSI 2019). Weiterhin liegen
keine Altnachweise aus dem Geltungsbereich des B-Planes
vor.
Eine Betroffenheit der Art ist ausgeschlossen.
Schmetterlinge
Nachtkerzen-
schwärmer
Proserpinus pro-
serpina
S
(FFH-IV)
-
2
günstig
Biotopanspruch: Offenland, Gewäs-
ser
Raupenhabitat: Weidenröschenar-
ten, Nachtkerze.
nein
nein
Die Raupe des Nachtkerzenschwärmers ist oligophag an
Wirtspflanzen der Familie Onagraceae gebunden. Im Zuge
der Vorortbegehungen wurden keine Vorkommen von Wei-
denröschen oder Nachtkerzen gefunden. Vorkommen der
Art innerhalb des Geltungsbereiches des B-Planes sind da-
her nicht zu erwarten.
Eine Betroffenheit der Art ist ausgeschlossen.
Käfer
Eremit
Osmoderma ere-
mita
S
(FFH-II, FFH-
IV)
2
2
unzu-
reichend
Wald, Feldgehölze / Hecken
potenziell mög-
lich
nein
Der Eremit bevorzugt besonnte, alte, brüchige Laubbäume,
insbesondere Eichen, Linden und alte Obstgehölze. Der ein-
zige Altbaum mit Habitatpotenzial für die Art ist die Stiel-Ei-
che an der südöstlichen Ecke der vorhandenen Garten-
grundstücke. Dieses Gehölz wird im Zuge des GOP zum ge-
planten B-Plan als zu erhaltender, wertvoller Gehölzbestand
ausgewiesen. Eine Fällung oder sonstige Beschädigung ist
somit ausgeschlossen.
Eine Betroffenheit der Art ist ausgeschlossen.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
89
Deutscher Art-
name
Wissenschaftli-
cher Artname
Schutzsta-
tus nach
BNatSchG
RL
D
RL
SN
Erhal-
tungs-
zustand
SN
Lebensraum / Habitatkomplexe
Vorkommen im
Gebiet
Beeinträch-
tigungen
durch Vor-
haben mög-
lich
Begründung Ausschluss
Brutvögel der Offen- und Halboffenlandschaften
(NSI 2014a, NSI 2019)
Bluthänfling (
Carduelis cannabina
),
Braunkehlchen (
Saxicola rubetra
),
Feldlerche (
Alauda arvensis
), Neuntöter
(
Lanius collurio
)
siehe Konfliktblätter (vgl. Kap. 5.3.2)
(Halb-)Offenland
Nachweise 2014
im Umfeld des
UG (Bluthänfling,
Feldlerche,
Neuntöter, Nach-
weis 2019
(Braunkehlchen)
ja
-
Feldschwirl (
Locustella naevia
),
Grauammer (
Miliaria calandra (syn.
Emberiza calandra)
), Kiebitz (
Vanellus
vanellus
), Kranich (
Grus grus
)
(Nahrungsgast), Rebhuhn (
Perdix perdix
),
Sperbergrasmücke (
Sylvia nisoria
),
Wiesenpieper (
Anthus pratensis
)
siehe Konfliktblätter (vgl. Kap. 5.3.2)
(Halb-)Offenland
nein
nein
Durch das avifaunistische Sondergutachten (NSI DRESDEN
2014a) wurden trotz flächendeckenden halbquantitativen
Kartierungen aller Brutvogelarten sowie Revierkartierung der
wertgebenden Vogelarten keine Hinweise auf die Arten er-
bracht, sodass ein Vorkommen im Planungsraum mit ausrei-
chender Sicherheit ausgeschlossen werden kann.
Eine Betroffenheit der Arten ist ausgeschlossen.
Brutvögel unterschiedlicher Gehölzstrukturen (Waldränder, Feldgehölze, Baumgruppen, sonstige Gehölzstrukturen – auch in Siedlungslagen)
(NSI 2014a, NSI 2019)
Dohle (
Corvus monedula (Coloeus
monedula)
), Gartenrotschwanz
(
Phoenicurus phoenicurus
), Grünspecht
(
Picus viridis
), Kuckuck (
Cuculus
canorus
), Star (
Sturnus vulgaris
),
Trauerschnäpper (
Ficedula hypoleuca
)
siehe Konfliktblätter (vgl. Kap. 5.3.2)
Offenland, Feldgehölze / Hecken,
Siedlungen, Wald
Nachweise 2014
im Umfeld des
Vorhabens
ja
-
Baumpieper
Anthus trivialis
B
(Eur-Vog)
3
3
unzu-
reichend
Wald, Offenland
nein
nein
Der Baumpieper hat sein Hauptvorkommen in offenen bis
halboffenen Landschaften mit einzeln oder locker stehenden
Bäumen, die als Singwarte dienen. Eine nicht zu dichte
jedoch reich strukturierte Krautschicht ist für die Nahrungs-
suche wichtig und dient auch als Neststandort. Da durch das
avifaunistische Sondergutachten (NSI DRESDEN 2014a)
keine Artnachweise des Baumpiepers erbracht wurden,
kann eine Besiedlung ausgeschlossen werden.
Eine Betroffenheit der Art ist ausgeschlossen.

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
90
Deutscher Art-
name
Wissenschaftli-
cher Artname
Schutzsta-
tus nach
BNatSchG
RL
D
RL
SN
Erhal-
tungs-
zustand
SN
Lebensraum / Habitatkomplexe
Vorkommen im
Gebiet
Beeinträch-
tigungen
durch Vor-
haben mög-
lich
Begründung Ausschluss
Gebäudebrüter
(NSI 2014a, NSI 2019)
Mehlschwalbe (
Delichon urbicum (Syn.
Delichon urbica)
), Rauchschwalbe (
Hi-
rundo rustica
)
B
(Eur-Vog)
3
3
unzu-
reichend
Offenland, Siedlungen
Nachweise 2014
im Umfeld des
Vorhabens
(beide), Nach-
weis 2019
(Raucschwalbe)
ja
-
Greifvögel und sonstige Nahrungsgäste
(NSI 2014a, NSI 2019)
Mäusebussard (
Buteo buteo
), Rotmilan
(
Milvus milvus
), Schwarzmilan (
Milvus
migrans
), Sperber (
Accipiter nisus
),
Turmfalke (
Falco tinnunculus
),
Weißstorch (
Ciconia ciconia
)
siehe Konfliktblätter (vgl. Kap. 5.3.2)
Wald, Offenland, Feldgehölze / He-
cken, (Gewässer)
Nachweise 2014
im Umfeld des
Vorhabens (alle),
Nachweis 2019
im UG (Turm-
falke)
nein
Der Geltungsbereich des B-Planes Nr. 67 weist eine aus-
schließliche Eignung als Nahrungshabitat für Greifvögel und
sonstige Nahrungsgäste auf. Dabei handelt es sich um
keine obligaten Nahrungshabitate, sodass durch Inan-
spruchnahme und Störung keine erheblichen Beeinträchti-
gungen der Arten abzuleiten sind. Keine Eignung für Greif-
vogel-Horststandorte aufgrund der Nähe zur Bebauung und
damit verbundenen Störwirkungen. Horststandorte des
Weißstorches konnten ebenfalls nicht festgestellt werden.
Eine Betroffenheit der Arten ist ausgeschlossen.
Habicht
Accipiter gentilis
S
(EG-VO-A)
-
-
günstig
Wald, Feldgehölze/Hecken, Gewäs-
ser
nein
nein
Der Habicht besiedelt Altholzbestände in Nadel-, Laub- oder
Mischwäldern sowie deren Waldrandzonen. Zudem werden
junge Moorbirkenwälder, Feldgehölze, kleine Waldstücke
und locker bebaute Stadtbereiche besiedelt, sofern diese in
nahrungsreichen Revieren liegen. Die Feld- und
Siedlungsgehölze im Untersuchungsraum weisen demnach
grundsätzlich eine Habitateignung für den Habicht auf.
Diese Strukturen waren Bestandteil der avifaunistischen
Sonderuntersuchung (NSI DRESDEN 2014a). Da trotz
flächendeckenden halbquantitativen Kartierungen aller
Brutvogelarten sowie Revierkartierung der wertgebenden
Vogelarten keine Hinweise auf den Habicht erbracht werden
konnten, ist ein Vorkommen im Planungsraum

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
91
Deutscher Art-
name
Wissenschaftli-
cher Artname
Schutzsta-
tus nach
BNatSchG
RL
D
RL
SN
Erhal-
tungs-
zustand
SN
Lebensraum / Habitatkomplexe
Vorkommen im
Gebiet
Beeinträch-
tigungen
durch Vor-
haben mög-
lich
Begründung Ausschluss
auszuschließen.
Eine Betroffenheit der Art ist ausgeschlossen.
Schutzstatus:
B - besonders geschützt, S - streng geschützt; FFH-II - Anhang II FFH-Richtlinie, FFH-IV - Anhang IV FFH-Richtlinie; Eur-Vog - Europäische Vogelart,
BArt-3 - Bundesartenschutzverordnung Anlage 1 Spalte 3; EG-VO-A - EG-Artenschutzverordnung, Anhang A
RL D - Rote Liste Deutschland, RL SN – Rote Liste Sachsen:
0 - Ausgestorben oder verschollen; 1 - vom Aussterben bedroht; 2 - stark gefährdet; 3 - gefährdet; V - Vorwarnliste; G - Gefährdung anzunehmen; R - extrem selten; nB - nicht bewertet
Säugetiere:
RL D - Rote Liste Deutschland (MEINIG et al. 2008), RL SN – Rote Liste Sachsen (ZÖPHEL et al. 2015)
Reptilien:
RL D - Rote Liste Deutschland (KÜHNEL et al. 2008b), RL SN – Rote Liste Sachsen (ZÖPHEL et al. 2015)
Schmetterlinge:
RL D - Rote Liste Deutschland (REINHARDT & BOLZ 2008, RENNWALD et al. 2007), RL SN – Rote Liste Sachsen (REINHARDT 2007b, FISCHER & SOBCYK 2001)
Käfer:
RL D - Rote Liste Deutschland (GEISER 1998), RL SN – Rote Liste Sachsen (KLAUSNITZER 1995)
Vögel:
RL D - Rote Liste Deutschland (GRÜNEBERG et al. 2015), RL SN – Rote Liste Sachsen (ZÖPHEL et al. 2015)
Erhaltungszustand gemäß LFULG (2017a): Tabelle Streng geschützte Tier- und Pflanzenarten (außer Vögel) in Sachsen, Version 2.0
Erhaltungszustand und Lebensraumkomplexe nach LFULG (2017b): Tabelle Regelmäßig in Sachsen auftretende Vogelarten, Version 2.0

Bebauungsplan Nr. 67 „Gewerbegebiet Neusörnewitz Cliebener Straße“ Artenschutzrechtliche Prüfung
Stand: 08. November 2019
Plan T Planungsgruppe Landschaft und Umwelt • Wichernstraße 1b • 01445 Radebeul • Telefon: 0351.892 007-0
92
Tabelle 10:
Nachgewiesene vorkommende ubiquitäre Vogelarten (Gildenprüfung) sowie deren mögliche Betroffenheit durch das Vorhaben
Geprüfte Gilde
Artnachweise im Untersuchungsgebiet
(NSI 2014a, NSI 2019)
Gebietsnutzung
Betroffen-
heit mög-
lich
Ausschlussgründe für die Gilde
Frei- und Bodenbrüter verschie-
dener Gehölzstrukturen
(u. a.
Waldrandbiotope, Baumgruppen,
Feldgehölze, Feldhecken, Gebü-
sche, Siedlungsgehölze, Uferge-
hölze, Wälder)
Aaskrähe (Nebelkrähe, Rabenkrähe), Amsel, Blaumeise, Dorngrasmücke, Elster, Feldsper-
ling, Gartengrasmücke, Gelbspötter, Girlitz, Goldammer, Grünfink, Heckenbraunelle, Klap-
pergrasmücke, Kohlmeise, Kolkrabe, Mönchsgrasmücke, Nachtigall, Pirol, Ringeltaube, Rot-
kehlchen, Stieglitz, Türkentaube, Zaunkönig, Zilpzalp
Folgende Arten wurden im UG nicht nachgewiesen und werden daher nicht weiter betrachtet:
Buchfink, Buntspecht, Eichelhäher, Erlenzeisig, Fichtenkreuzschnabel, Fitis, Gartenbaumläu-
fer, Gimpel, Grauschnäpper, Grünlaubsänger, Haubenmeise, Hohltaube, Kernbeißer, Klei-
ber, Kleinspecht, Misteldrossel, Schwanzmeise, Singdrossel, Sommergoldhähnchen, Spros-
ser, Sumpfmeise, Tannenmeise, Wacholderdrossel, Waldbaumläufer, Waldlaubsänger,
Waldschnepfe, Weidenmeise, Wintergoldhähnchen
Nachweise 2014 im
Umfeld des Geltungs-
bereiches (alle), Nach-
weise 2019 (Blau-
meise, Elster, Feldsper-
ling, Nachtigall, Stieg-
litz)
ja
-
Gebäudebrüter (Höhlen-, Halb-
höhlen- und Nischenbrüter)
(Gebäudebrüter)
Hausrotschwanz, Haussperling, Mauersegler, Straßentaube
Nachweise 2014 im
Umfeld des Geltungs-
bereiches (alle), Nach-
weise 2019 (Hausrot-
schwanz, Haussper-
ling)
ja
-
Brutvögel der offenen und halb-
offenen Landschaften
Schafstelze, Sumpfrohrsänger
Folgende Arten wurden im UG nicht nachgewiesen und werden daher nicht weiter betrachtet:
Fasan, Schwarzkehlchen, Wachtel
Nachweise 2014 im
Umfeld des Geltungs-
bereiches
ja
-