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Internet:
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Bürgerbeauftragte:
Frau Karin Bernhardt
E-Mail:
karin.bernhardt@smul.sachsen.de
Tel.:
0351 2612-9002; Fax: 0351 2612-1099
Bearbeitungsstand:
04.2011
Kurzfassung MaP 298 „Wisenta und Zeitera“
1. Gebietscharakteristik
Das FFH-Gebiet (SAC) „Wisenta und Zeitera“ liegt im nordwestlichsten Teil des sächsischen
Vogtlandkreises und erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 83,7 ha. Mit einer Ost-West-
Ausdehnung von rund 3,7 km und einer Nord-Süd-Ausdehnung von rund 4,7 km bildet es einen
Bogen um die Stadt Mühltroff. Es umfasst in den zwei Teilgebieten „Wisenta“ und „Zeitera“ die
Bachauen der beiden namensgebenden Mittelgebirgsbäche sowie des Forstbachs. Zeitera und
Forstbach bilden im Gebiet auf ganzer Länge, die Wisenta abschnittsweise die Landesgrenze nach
Thüringen. Das Wisentatal im Einzugsbereich des SAC ist vorwiegend grünlandgeprägt und
durchläuft die Stadt Mühltroff. Die Zeitera hingegen verläuft nahezu vollständig im Wald.
Der besondere Naturschutzwert des Gebietes besteht in seinem namensgebenden naturnahen,
teilweise stark mäandrierenden Bachläufen, ausgedehnten, z. T. naturnah bewirtschafteten Auen-
grünländern sowie bachbegleitenden Feuchtwäldern.
Geologisch befindet sich das Gebiet auf einem von Süden nach Norden verlaufenden Landrücken
im Bereich des Stelzener Querbruchs. Breite plateauartige Rücken und Kuppen aus überwiegend
eingeebnetem Tonschiefer charakterisieren das Gebiet ohne markante geomorphologische Gren-
zen. Im Bereich der Fließgewässer nehmen holozäne Auenablagerungen große Flächenanteile ein.
Es dominieren tiefgründige Böden mittlerer Nährkraft. Hydromorph geprägte Standorte der Fluss-
auen herrschen mit einem hohen Flächenanteil vor und werden überwiegend von Bachtälchen-
Standorten eingenommen. Periodische Überflutung kennzeichnet die Tal-Gleye und Auenböden.
Die Geländehöhe im Gebiet beträgt 458 bis 499 m, im Mittel 475 m ü. NN. Der Niederschlag fällt
aufgrund der großräumigen Regenschattenwirkung der umgebenden Gebirge mit 650 bis 750 mm
vergleichsweise gering aus.
Das FFH-Gebiet wird von Wirtschaftsgrünland dominiert (79 %), gefolgt von Nadelwäldern (5,6 %)
und Acker (3,3 %). Die Waldbestände befinden sich nahezu vollständig in privatem Besitz (fast
100%).
Nach Naturschutzrecht sind im FFH-Gebiet folgende Schutzkategorien vorhanden: Landschafts-
schutzgebiet (LSG) „Oberes Wisental“ sowie die beiden geplanten Flächennaturdenkmäler (FND)
„Zeiteratal“ (3,0 ha) und „Forstbach Langenbach“ (1,2 ha). Zudem befinden sich im Gebiet nach
§21 SächsNatSchG (i.d.F. vom 06.06.2013) zahlreiche geschützte Biotope (1,7 ha). Das FFH-
Gebiet ist Teil des EU-Vogelschutzgebiet „Wisentatal bei Mühltroff“, welches insgesamt eine Flä-
chengröße von 754 ha einnimmt und mit 54,9 ha das Gebiet überlagert.

2
2.
Erfassung und Bewertung
2.1
LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im SAC wurden 5 Lebensraumtypen (LRT) mit einer Gesamtfläche von 15,1 ha kartiert (vgl. Tabelle
1). Hinzu kommen 5,3 ha
Entwicklungsflächen für die LRT Flachland-Mähwiesen (6510) und Erlen-
Eschen- und Weichholzauenwälder (91E0*).
Tabelle 1:
Lebensraumtypen im SAC
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflächen
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SAC [%]
3150
Eutrophe Stillgewässer
3
0,3
0,4
3260
Fließgewässer mit Unterwasservegetation
5
0,9
1,1
6430
Feuchte Hochstaudenfluren
1
0,2
0,2
6510
Flachland-Mähwiesen
13
11,9
14,2
91E0*
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
8
1,8
2,2
Summe
30
15,1
18,1
*prioritärer Lebensraumtyp
Dem LRT Eutrophe Stillgewässer (3150) entsprechen 3 Teiche im Gebiet, die südlich von Mühltroff
gelegen sind und sich in einem guten Erhaltungszustand befinden. Sie weisen eine gegliederte
wertgebende submerse Vegetation auf, jedoch sind die Abundanzen der charakteristischen Arten
teilweise gering. Der Befund wird durch die Vorkommen der Rote-Liste-Arten Alpen-Laichkraut
(
Potamogeton alpinus
) und Berchtolds Zwerg-Laichkraut (
P. berchtoldii
) etwas abgemildert. Die
Rand- und Verlandungsvegetation wird gebildet von Arten wie Teich-Schachtelhalm (
Equisetum
fluviatile
), Sumpf- Schwertlilie (
Iris pseudacorus
), Einfacher Igelkolben (
Sparganium emersum
),
Gemeine Sumpfsimse (
Eleocharis palustris
) oder Rohrglanzgras (
Phalaris arundinacea
)
.
Die Uferli-
nie ist bei den meisten Gewässern wenig strukturiert und meist steilwandig.
Weite Abschnitte an Wisenta und Zeitera mit einer Gesamtlauflänge von rund 4,8 km wurden dem
LRT Fließgewässer mit Unterwasservegetation (3260) zugeordnet. Die zahlreichen Teilstrecken
wurden zu fünf LRT-Abschnitten zusammengefasst. Der Lauf der Wisenta führt überwiegend durch
Grünland, im obersten Abschnitt frei mäandrierend, in den übrigen Abschnitten jedoch vielfach be-
gradigt. Die artenarmen submersen Vegetationsbestände werden von Quellmoos (
Fontinalis antipy-
retica
) und Wasserhahnenfuß (
Ranunculus aquatilis
agg.) geprägt, bisweilen gesellt sich Kleine
Wasserlinse
(Lemna minor
) hinzu. Die Uferbereiche sind meist durch Rohrglanzgras-Röhrichte
(
Phalaris arundinacea
) gekennzeichnet. Erhebliche Beeinträchtigungen bestehen durch das an
allen Wisentaabschnitten vorhandene und teilweise Dominanzbestände bildende Drüsige Spring-
kraut (
Impatiens glandulifera
), am Unterlauf vereinzelt auch Riesen-Bärenklau (
Heracleum man-
tegazzianum
). Die Abschnitte der Wisenta befinden sich daher alle in einem ungünstigen Erhal-
tungszustand. Die Zeitera ist dagegen im Bereich der als LRT erfassten Abschnitte vergleichsweise
unbeeinträchtigt: Sie fließt in naturnaher Struktur fast vollständig im Wald, wo die Feuchtwälder
jedoch abschnittsweise durch Fichtenbestände unterbrochen sind. Die Gewässerstruktur ist natur-
nah, allerdings ist das Artenspektrum durch die Beschattung sehr begrenzt.
Im unteren Teil der Zeitera gelegen, findet sich eine Feuchte Hochstaudenflur (LRT 6430). Beson-
ders bemerkenswert ist diese aufgrund ihrer flächigen Ausbildung beiderseits des mäandrierenden
Baches und ihres hohen Artenreichtums. Bestandbildend sind Echtes Mädesüß (
Filipendula ulma-
ria)
und Echter Baldrian (
Valeriana officinalis
)
.
Als weitere seltene und kennzeichnende Art kommt
die Akeleiblättrige Wiesenraute (
Thalictrum aquilegiifolium
) vor. Der Erhaltungszustand des LRT ist
hervorragend.
Entsprechend des Bachauenstandortes überwiegen frischere bis (wechsel-)feuchtere Ausprägun-
gen der Flachland-Mähwiesen (6510). Häufige und charakteristische Begleiter der Auenwiesen sind
Schlangen-Knöterich (
Bistorta officinalis
), Scharfer und Kriechender Hahnenfuß (
Ranunculus acris,
R. repens
), Wiesenschaumkraut (
Cardamine pratensis
) und Kuckucks-Lichtnelke (
Silene flos-

3
cuculi
). Seltener treten Magerkeitszeiger wie Großer Wiesenknopf (
Sanguisorba officinalis
), Körn-
chen-Steinbrech (
Saxifraga granulata
), Wiesenmargerite (
Leucanthemum vulgare
agg.), Flaumha-
fer (
Helictotrichon pubescens
) und Kleiner Klappertopf (
Rhinanthus minor
) hinzu. Bis auf eine Flä-
che weisen alle Bestände einen günstigen Erhaltungszustand auf. Beeinträchtigungen bestehen
durch das (meist nur vereinzelte) Auftreten von Ruderalisierungs- oder Nährstoffzeigern sowie un-
typische Dominanzen.
Die Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (LRT 91E0*) grenzen im SAC entweder an Offenland
an oder befinden sich insel- oder galerieartig inmitten von Fichtenreinbeständen. Bei zwei Flächen
handelt es sich um kleinflächig entwickelte, von Hangsickerwasser geprägte Quellwälder, die übri-
gen Bestände sind dem Hainmieren-Schwarzerlen-Bachwald zuzuordnen, welche sich insgesamt
durch ihre geringer Größe auszeichnen. Abgesehen von einem Mangel an starkem Totholz sind die
standorts- und vegetationsbedingten Strukturmerkmale flächendeckend entwickelt, die Ausstattung
an Höhlenbäumen ist auf vielen Flächen hervorragend. Die lebensraumtypische Bodenvegetation
ist überwiegend flächendeckend und zum Teil artenreich ausgebildet. Der Bestandsaufbau der
einzelnen Flächen ist untereinander sehr heterogen. So treten sowohl zweischichtige Bestände als
auch ausgeprägte horizontale Strukturen mit mehreren Wuchsklassen bei einschichtigem Bestan-
desaufbau auf. Es bestehen Beeinträchtigungen durch Neophyten, Gewässerverbau, Verbiss und
Jagdbetrieb.
Tabelle 2:
Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SAC
Lebensraumtyp (LRT)
Erhaltungszustand
A
B
C
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
3150
Eutrophe Stillgewässer
-
-
3
0,3
-
-
3260
Fließgewässer mit Un-
terwasservegetation
-
-
1
0,1
4
0,8
6430
Feuchte Hochstauden-
fluren
1
0,2
-
-
-
-
6510
Flachland-Mähwiesen
11
11,9
91E0*
Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder
-
-
8
1,8
-
-
*prioritärer Lebensraumtyp
2.2
ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im SAC wurden 5 Arten des Anhang II der FFH-Richtlinie nachgewiesen. Dagegen liegt für das
Große Mausohr nur ein Nachweis aus unmittelbarer Nähe zum FFH-Gebiet, der Mühltroffer Kirche,
vor. Geeignete Habitate im Gebiet fehlen, jedoch wird die Art als Durchzügler zumindest zeitweilig
vorhanden sein.

4
Tabelle 3:
Habitatflächen der Anhang II - Arten im SAC
Anhang II – Art
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächen-
anteil im
SAC [%]
Name
Wissenschaftlicher Na-
me
Dunkler Wiesenknopf-
Ameisenbläuling
Maculinea nausithous
4
1,4
1,7
Bachneunauge
Lampetra planeri
1
0,4
0,5
Groppe
Cottus gobio
1
0,4
0,5
Kammmolch
Triturus cristatus
1
14,5
17,3
Mopsfledermaus
Barbastella barbastellus
1
10,1
12,0
Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (
Maculinea nausithous
) wurde im Gebiet auf 4 Flächen
beobachtet. Eine weitere Fläche wurde als Habitatentwicklungsfläche ausgewiesen, da hier sowohl
2008 als auch 2009 Tiere nachgewiesen werden konnten. Bestände des Großen Wiesenknopfes
(
Sanguisorba officinalis
) finden sich mit unterschiedlicher Stetigkeit auf den Flächen. Südlich der
Ortslage Mühltroff befindet sich der individuenreichste Standort mit maximal 14 Faltern. Dieser
west- bzw. südwestexponierte Hang wird dominiert von einer Ruderalflur mit hohem Grasanteil. Auf
einer weiteren Habitatfläche konnten 3 Tiere beobachtet werden, obwohl nur 2 Exemplare der Fut-
terpflanze vorhanden waren. Insgesamt sind alle Bestände nur von geringer Individuenstärke. Auf-
grund der Kleinflächigkeit der Habitat- und Habitatentwicklungsflächen befindet sich das Vorkom-
men des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings im SAC in einem ungünstigen Erhaltungszu-
stand.
Ein qualitativ herausragendes und individuenstarkes Vorkommen des Bachneunauges (
Lampetra
planeri
) konnte in der Zeitera belegt werden. Auf mehreren Probestrecken zwischen 60 und 150 m
entlang des Flusslaufes konnten jeweils ca. 30 Individuen gefangen werden. Das Habitat ist in ei-
nem sehr günstigen, natürlichen Zustand, so dass der Bestand des Bachneunauges gegenwärtig
nicht gefährdet ist.
Die Zeitera zeichnet sich außerdem durch ein zahlreiches Vorkommen der Groppe (
Cottus gobio
)
aus. Auf zwei Beprobungsstrecken entlang des Flusslaufes wurden jeweils 13 Individuen nachge-
wiesen. Aufgrund der sehr guten Habitatbedingungen sind auch die Bestände der Groppe gegen-
wärtig nicht gefährdet. Die Wisenta und der Forstbach wurden als Habitatentwicklungsflächen für
Bachneunauge und Groppe ausgewiesen.
Im FFH-Gebiet konnte der Kammmolch (
Triturus cristatus
) im Saarteich südlich von Mühltroff
nachgewiesen werden. Eine Funktion als Reproduktionsgewässer wird vermutet. Funktional zu-
sammengehörig ist der Saarteich mit einem unmittelbar benachbarten, temporären Kleingewässer
im Wald, das jedoch außerhalb des FFH-Gebietes liegt. In dem eigentlich für den Kammmolch
strukturell geeignet erscheinenden oberen Zwillingsteich wurden einige wenige Forellen gesichtet,
so dass dieser Teil des Habitats zur Reproduktion des Kammmolchs gegenwärtig ungeeignet ist.
Die Qualität des Kammmolch-Habitats insgesamt ist gut, jedoch ist der Gesamtvorrat an aktuell
besetzten sowie entwicklungsfähigen potenziellen Habitaten im Gebiet sehr beschränkt, so dass es
sich aktuell um ein relativ isoliertes Einzelvorkommen ohne Metapopulationsstruktur handelt.
Der Nachweis der Mopsfledermaus (
Barbastella barbastellus
) beschränkt sich auf ein Einzeltier im
Waldbereich. Auf dieser Grundlage wurde eine komplexe Habitatfläche abgegrenzt, jedoch ist die
Bedeutung der Habitatfläche für den Bestand der Art in der Region eher gering. Außerdem bildet
das SAC nur einen sehr kleinen und nicht repräsentativen Ausschnitt des eigentlichen Jagdhabitats
ab, in welchem Fichtenmonokulturen weithin der prägende Waldtyp sind. Daher erfolgt eine gut-
achterliche Abwertung in einen ungünstigen Erhaltungszustand. Im FFH-Gebiet bestehen starke
habitatstrukturelle Defizite insbesondere bezüglich quartierhöffiger Altholzbestände.

5
Tabelle 4:
Erhaltungszustand der Habitatflächen im SAC
Anhang II – Art
Erhaltungszustand
A
B
C
Name
Wissenschaftlicher
Name
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Dunkler Wiesen-
knopf-
Ameisenbläuling
Maculinea nausit-
hous
-
-
1
0,1
3
1,3
Bachneunauge
Lampetra planeri
1
0,4
-
-
-
-
Groppe
Cottus gobio
1
0,4
-
-
-
-
Kammmolch
Triturus cristatus
-
-
1
14,5
-
-
Mopsfledermaus
Barbastella barbas-
tellus
-
-
-
-
1
10,1
Die engsten Bezüge des SAC „Wisenta und Zeitera“ bestehen sowohl räumlich-landschaftlich als
auch bezüglich der Ausstattung zum direkt benachbarten FFH-Gebiet 296 „Nordwestvogtländische
Teiche und Moor Oberlinda“ (371 ha). In näherer Umgebung des SAC (bis 15 km) befinden sich die
FFH-Gebiete „Syrau-Kauschwitzer Heide“ (178 ha) und „Großer Weidenteich“ (342 ha). Unter
Kohärenzaspekten ist besonders das SAC „Rosenbachgebiet“ relevant, da es in der Ausstattung
sehr ähnlich und daher für den Austausch wertvoll ist.
Nach Westen hin schließen sich die thüringischen Natura 2000-Gebiete an: Das SAC 181 „Wisenta
und Zeitera“ ist mit 401 ha fast fünfmal so groß wie das gleichnamige sächsische Gebiet. Es
schließt sich im Bereich des Zeiteratals und des Zeitera-Wisenta-Zusammenflusses lückenlos an
und ist auch vor allem für das Bachneunauge von Bedeutung. Von Interesse ist außerdem das ca.
7 km entfernte SAC 182 „Wettera“ (126 ha).
Dem Vorkommen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings im Gebiet der Wisenta und Zeitera
kann vor dem Hintergrund eines Arealverbundes eine überregionale Bedeutung zuerkannt werden.
Bei den Beständen von Bachneunauge und Groppe handelt es sich um qualitativ herausragende
Vorkommen am Rand ihrer Verbreitungsschwerpunkte in Sachsen, die allerdings nur schlecht an
weitere Populationen angeschlossen sind.
Für die Erhaltung des Kammmolches ist das Gebiet in seiner Funktion zwar kein hervorragendes
Kerngebiet, es schließt sich aber direkt an die bedeutenden Kammmolchbestände des Nachbar-
SAC „Nordwestvogtländische Teiche und Moor Oberlinda“ an.
Die Wälder des Plangebiets finden ihre landschaftliche Fortsetzung in den ausgedehnten
Waldgebieten bei Greiz, Zeulenroda und Schleiz. Von einem Zusammenhang der Bestände der
Mopsfledermaus und des Großen Mausohres im Plangebiet mit den Populationen im grenznahen
Thüringen ist sicher auszugehen. Für die Mopsfledermaus stellt der Einzelfund den Erstnachweis
dar, in der umgebenden Region des nordwestlichen sächsischen Vogtlandes ist sie jedoch
regelmäßig nachgewiesen und steht hier in räumlicher Beziehung zu den nahegelegenen
Wochenstuben in Zeulenroda und Weischlitz.
3.
Maßnahmen
3.1
MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Folgende Maßnahmen auf Gebietsebene sind u.a. notwendig, um die ökologische Funktionsfähig-
keit für alle erfassten Lebensräume und Arten sowie deren Kohärenzfunktion zu sichern:
-
Erhaltung bzw. der Förderung der Unzerschnittenheit und funktionalen Zusammengehörig-
keit der Lebensraumkomplexe des Gebietes
-
Vermeidung von inneren und äußeren Störeinflüssen

6
-
Überprüfung vorhandener Drainagen auf ihre weitere Notwendigkeit, keine Neuanlage von
Entwässerungen
-
Bei Gewässerunterhaltungsmaßnahmen Belange des Naturschutzes und insbesondere
FFH-Belange beachten
-
Kein Besatz der Fließgewässer mit gebietsfremden Fischarten
-
Bisherige überwiegend extensive Bewirtschaftung der Teiche beibehalten
-
Einhaltung aller Bestimmungen der guten fachlichen Praxis der Landnutzung
3.2
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Erhaltungsmaßnahmen für die Eutrophen Stillgewässer (LRT 3150) zielen darauf ab, das jeweils
vorhandene kennzeichnende Arteninventar zu erhalten und erhebliche Beeinträchtigungen zu ver-
meiden. Dies ist in der überwiegenden Zahl der Fälle mit einer Beibehaltung der bisherigen Nut-
zungsform gegeben. An den derzeit ungenutzten „Zwillingsteichen“ ist die Nutzungsfreiheit beizu-
behalten. Enthaltene Forellen sollten entnommen werden.
Vorrangiges Ziel zum Erhalt des LRT Fließgewässer mit Unterwasservegetation (3260) im beste-
henden günstigen Zustand ist die Bewahrung einer vielfältigen Ausstattung typischer
Strukturelemente. So sind grundsätzlich alle Maßnahmen zu unterlassen, welche die natürliche
Dynamik der Fließgewässer einschränken und ihre Formbildungen beeinträchtigen.
Folgende allgemeine Behandlungsgrundsätze sind zudem zu beachten:
-
Die lebensraumtypische Gewässervegetation und die (soweit vorhanden) standorttypische
Ufervegetation sind zu erhalten.
-
Ein Wechsel offener und mit (standorttypischen) Gehölzen bestandener Gewässer-
abschnitte ist erwünscht und sollte beibehalten bzw. entwickelt werden.
-
Standortuntypische Waldbestände (Fichte) im Kontakt zum Fließgewässer sind in
standorttypische Waldgesellschaften umzubauen.
-
Zu unterlassen sind Maßnahmen, durch welche die Gewässergüte beeinträchtigt wird. Et-
waige noch vorhandene Einleiter von Abwässern sind an die Abwasserentsorgung anzu-
schließen.
-
Ein Fischbesatz mit LR-untypischen Arten ist zu unterlassen.
-
Es sind geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die Vermüllung der Wisenta zu reduzieren.
Um die einzige Fläche im Gebiet mit Vorkommen des LRT Feuchte Hochstaudenflur (6430) in dem
derzeit günstigen Zustand zu erhalten, ist der Verbuschung mit einer Pflegemahd alle 2-3 Jahre im
Herbst entgegenzuwirken.
Die Maßnahmen für die Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) zielen auf die langfristige Erhaltung der
überwiegend bereits artenreichen Frischwiesen mit Hilfe einer naturschutzverträglichen
Grünlandnutzung ab. Folgende allgemeine Behandlungsgrundsätze sind zu beachten:
-
Beibehaltung der zweischürigen Mahd
-
keine
Beweidung
bisher
ausschließlich
gemähter
Grünländer,
ausgenommen
Nachbeweidung
-
Vorgabe des Erstnutzungstermins etwa Ende Mai/Anfang Juni
-
Zweite Mahd etwa (6-)8 Wochen nach der Erstmahd (ausgenommen Habitate von
Dunklem-Wiesenknopf-Ameisenbläuling), hier Nutzungspause einhalten)
-
Beräumung der Fläche nach kurzzeitigem Abtrocknen des Mahdgutes
-
Schnitthöhe nicht unter 5 cm
-
Entzugsausgleichende Grunddüngung prinzipiell möglich
-
Keine Intensivierung der Gülledüngung
-
Kein Brachfallen der Grünlandflächen.

7
Für den LRT Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (91E*) sind folgende allgemeine Behand-
lungsgrundsätze einzuhalten:
-
Erntenutzungen über mehrere Jahrzehnte ausdehnen und so staffeln, dass auf Gebiets-
ebene ein entsprechender Anteil in der Reifephase verbleibt
-
Förderung eines mehrschichtigen Bestandesaufbaus und eines mosaikartigen Nebenei-
nanders verschiedener Waldentwicklungsphasen
-
Naturverjüngung aller lebensraumtypischen Baumarten anstreben
-
bevorzugte Entnahme von gesellschaftsfremden Baumarten im Rahmen von Durchforstun-
gen und Erntenutzungen
-
dauerhafte Beschränkung des Mischungsanteils gesellschaftsfremder Baumarten
-
Bodenschonende Durchforstung, Minimierung des Technikeinsatzes
An flächenspezifischen Maßnahmen für Wald-LRT sollen Biotopbäume sowie Totholz belassen
bzw. angereichert und die Anteile lebensraumtypischer Baumarten erhalten bzw. erhöht werden.
3.3
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Als Erhaltungsmaßnahme für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling gelten prinzipiell die Be-
handlungsgrundsätze für den LRT Flachland-Mähwiesen (6510), jedoch mit folgenden Modifizie-
rungen:
-
zweischürige Mahd mit Nutzungspause im Zeitraum von der 2. Juniwoche bis zur 2. Sep-
temberwoche
-
Habitate mit Saumcharakter nur einschürig Mitte September mähen
-
hoch angesetzter Grasschnitt (mindestens 7cm)
-
Vermeidung von Bodenverdichtung
-
parzellierte Bewirtschaftung bzw. Belassen von Brachestreifen mit ausreichendem Bestand
des Großen Wiesenknopfes
Als flächenspezifische Maßnahme ist u.a. das Belassen von Saumstreifen bei der Erstnutzung vor-
gesehen.
Maßnahmen für das Bachneunauge zielen vor allem auf die Erhaltung der verzahnten Abschnitte
der Zeitera mit sowohl sandig-kiesigen Bereichen zur Eiablage, feinsandig-schlammigen Substraten
zur Larvalentwicklung als auch Grobsubstraten für das Adulttier. Es gilt als Behandlungsgrundsatz,
dass alle Maßnahmen zu unterlassen sind, welche die natürliche Hydrodynamik, die Unzerschnit-
tenheit und die Gewässergüte der Zeitera einschränken.
Für den Erhalt der Vorkommen des Kammmolches im Gebiet ist eine Beibehaltung der bisherigen
extensiven Nutzung vorgesehen. Dabei sind folgende Behandlungsgrundsätze einzuhalten:
-
Optimal ist ein Verzicht auf Fischbesatz bzw. ein maßvoller Fischbesatz
-
Bespannung der Teiche innerhalb der Laichzeit bis zum Abschluss der Larvalentwicklung
-
Erhaltung der Unterwasser- und Verlandungsvegetation
-
Kein Umbruch von Grünland im Umkreis von 100m rund um Habitate bzw. potenziellen Ha-
bitaten
An einzelflächenspezifischen Maßnahme sind für den Kammmolch vorgesehen: die Entlandung der
Gewässer, Gehölzentfernung am Gewässerrand, Prüfung des Teichdammes und Entnahme illegal
eingesetzter Forellen.
Die Behandlungsgrundsätze für die Mopsfledermaus zielen auf den Erhalt der artspezifischen Habi-
tatrequisiten innerhalb des großflächigen Aktionsradius. Hierzu zählen insbesondere die langfristige
Sicherung baumhöhlenträchtiger Altbestände, der Erhalt einer guten Vernetzung der Jagdhabitate
sowie eine extensive forstliche Nutzung mit Erhalt bzw. Entwicklung des derzeitigen Anteils an
Laub- und Laubmischwald. Auf einen Insektizideinsatz sollte möglichst verzichtet werden.

8
Tabelle 5:
Erhaltungsmaßnahmen im SAC
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Behandlungsgrundsätze für LRT und Habitate beach-
ten
k.A.
Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes
alle LRT und Habitate
Beibehaltung der extensiven Nutzung bzw. des Nut-
zungsverzichtes
0,4
Erhalt der LR-typischen Schwimmblatt-
und Unterwasservegetation sowie der
Verlandungsvegetation, Erhalt des Ha-
bitatgewässers
3150, Kammmolch
Entlandungsmaßnahmen
<0,1
Erhalt des Habitatgewässers
Kammmolch
Instandsetzung der baulichen Anlage des Teichs
nach vorheriger Prüfung
<0,1
Erhalt des Habitatgewässers
Kammmolch
Gehölzentfernung am Gewässerrand
<0,1
Erhalt des Habitatgewässers
Kammmolch
Mahd alle 2-3 Jahre mit Terminvorgabe (Herbst)
0,2
Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes
6430
Entnahme allochthoner, standortsfremder Gehölzar-
ten am Gewässerufer
<0,1
Erhaltung eines naturnahen Mittelge-
birgsbachs mit Unterwasservegetation
3260
Zweischürige Mahd mit Terminvorgabe, hochange-
setzter Schnitt, Belassen von Brach- und Saumstrei-
fen, kein Walzen und Schleppen in der Vegetations-
zeit, z.T. Handmahd
11,9
Erhalt einer artenreichen Flachland-
mähwiese
6510, Dunkler Wiesenknopf-
Ameisenbläuling
Naturnahe Waldbewirtschaftung (insb. Biotopbäume,
Totholz), Anteil der LR-typischen Hauptbaumarten
aktiv erhalten
6,6
Sicherung des Arteninventars, Siche-
rung bzw. Verbesserung der Strukturpa-
rameter; Entwicklung bzw. Erhalt des
günstigen Erhaltungszustandes
91E0*
Beibehaltung der bisherigen extensiven Nutzung
0,4
Erhalt des Habitatgewässers
Kammmolch
Entnahme eingesetzter Forellen
<0,1
Ersteinrichtende Maßnahme als Habitat Kammmolch
*prioritärer Lebensraumtyp

4.
Fazit
Um die Kohärenzfunktion des Gebiets zu fördern, werden folgende Gebietserweiterungen vorgeschla-
gen: vollständiges Zeitera-Bachtal, Feuchtwaldbestände am Unterlauf der Zeitera, Teich an der Zeiter-
awiese, Teich oberhalb der „Heiligen Wiesen“, „Glückwiese“, Mähwiese am Wisenta-Ufer, Kleinge-
wässer am Wisneta-Ufer.
Die im Gebiet vorkommenden Gewässer-LRT und die ihnen zuzuordnenden Anhang-II-Arten (Bach-
neunauge, Groppe, Kammmolch) können mit der derzeitigen Nutzung langfristig im Gebiet erhalten
werden. Entscheidend für die Sicherung der Kammmolchvorkommen sind insbesondere die Maßnah-
men zum Erhalt der Habitatqualität des Waldteichs. Deren Umsetzung ist nach der bisherigen Ab-
stimmung noch problematisch. Für Groppe und Bachneunauge können vor allem gebietsübergreifende
Probleme (allgemeiner Habitatverlust, Isolation und Fragmentierung) entscheidend für den Erhalt wer-
den.
Für die beiden Grünland-LRT (6430, 6510) sind teils die Voraussetzungen für einen Erhalt durch Bei-
behaltung der bisherigen Nutzung gegeben, teils bestehen jedoch Abstimmungsdefizite.
Konfliktpotential verbleibt für den LRT Erlen- und Eschenwälder (91E0*) bezüglich der überwiegenden
Ablehnung der Verlängerung des Erntenutzungszeitraums mit Erhalt einer Reifephase (≥ 20 %) auf
Gebietsebene. Dies betrifft vor allem die Flächen im Zeitera-Bachtälchen. Außerdem finden insbeson-
dere strukturaufwertende Maßnahmen im Wald (LRT 91E0*, Mopsfledermaus) keine Zustimmung bei
den Waldeigentümern. Wo der Verzicht auf das Einbringen gesellschaftsfremder Baumarten nicht
umgesetzt wird, ist der LRT-Status gefährdet.
Nicht zustimmungsfähig waren bislang Erhaltungsmaßnahmen am Waldteich zugunsten eines
Kammmolch-Habitats.
Für die Habitate des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings im Gebiet bestehen Abstimmungslücken
für zwei Habitate südlich von Mühltroff.
Die Behandlungsgrundsätze für Habitate der Mopsfledermaus werden nur von einem Teil der kontak-
tierten Waldeigentümer akzeptiert, und auch dies nicht in allen Punkten.
5.
Quelle
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 298 wurde im Original von dem Büro RANA in Halle erstellt
und kann bei Interesse beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie oder
der Unteren Naturschutzbehörde des Vogtlandkreises eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten