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Kurzfassung MaP 157 „Winzerwiese“
1. GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das SCI 157 „Winzerwiese“ besteht aus zwei Teilflächen mit einer Gesamtfläche von rund
33 ha. Es befindet sich ca. 5 km nördlich von Meißen, westlich der B 101 zwischen den
Ortslagen Naundörfel und Ockrilla im Süden sowie Kmehlen und Gävernitz im Norden.
Die nördlich des Gosebachs gelegenen Flächen des SCI gehören zum Landkreis Riesa-
Großenhain, südlich davon befindliche zum Landkreis Meißen.
Naturräumlich wird das SCI „Winzerwiese“ der Makrochore Großenhainer Pflege in der
Naturregion des Sächsischen Lößgefildes zugeordnet. Es liegt zwischen 140 und 180 m
ü. NN. Lage und Charakter des Gebietes werden durch den Talraum des Gosebachs und
das Waldgebiet Gävernitzer Heidchen bestimmt. Das SCI „Winzerwiese“ repräsentiert mit
seinen beiden Teilflächen ein strukturreiches Feuchtgebiet seltener Ausbildung im sächsi-
schen Hügelland.
Das Grundgestein wird überwiegend von mächtigen pleistozänen Ablagerungen bedeckt.
Bestimmende Leitbodentypen des Offenlandes sind Pseudogley-Braunerde, Braunerde,
Pseudogley, Pseudogley-Parabraunerden, Fahlerde-Pseudogley, Gley und Pseudogley-
Gley. Die Waldbestände stocken auf frischen bis wechselfeuchten Standorten mittlerer
Nährkraftstufe. Das SCI liegt im Bereich der schwach kontinental geprägten unteren La-
gen des mäßig trockenen Hügellandes mit vergleichsweise günstigen klimatischen Bedin-
gungen (durchschnittliche Jahrestemperatur: 8,5°C, durchschnittlicher Jahresnieder-
schlag: 620 - 640 mm).
Die aktuelle Landnutzung wird im westlichen Teilgebiet zu etwa gleichen Teilen von
Waldbeständen und Grünland geprägt. Im östlichen Bereich dominieren Mischwaldbe-
stände, in die zwei Kleingewässer (ehemalige Kaolingruben) und ein Zwischenmoor ein-
gebettet sind. Bestimmendes Fließgewässer im Gebiet ist der Gosebach, der auf einer
Länge von etwa 800 m durch die westliche Teilfläche fließt. Seine Wasserführung
schwankt in Abhängigkeit von der Witterung stark, er fällt im Sommer meist trocken. Der
pH-Wert des Wassers liegt im schwach basischen Bereich. Im Ergebnis von Bachbegra-
digungen und Meliorationsmaßnahmen hat die „Winzerwiese“ stark an Bodennässe verlo-
ren.
Der überwiegende Teil des SCI befindet sich im Landschaftsschutzgebiet „Riesaer Elbtal
und Seußlitzer Elbhügelland“, ein geringer Anteil im LSG „Elbtal nördlich von Meißen“.
Der gesamte nördlich des Gosebachs gelegene Teil der westlichen Teilfläche entspricht
dem NSG „Winzerwiese“. Laut Regionalplan für die Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge
ist eine erweiterte Neufestsetzung des NSG geplant. Das SCI schließt die FND „Bergkup-
pe mit Bruchwald am Gosebach“ und „Alte Tongruben“ ein.

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2.
ERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im Bearbeitungsgebiet wurden sieben Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-
Richtlinie mit einer Flächengröße von insgesamt 5,9 ha erfasst (vgl. Tabelle 1). Das ent-
spricht einem Anteil von 17,8% der Gesamtfläche des SCI. Etwa 5,36 ha wurden als Ent-
wicklungsfläche ausgewiesen (16,4% der Gesamtfläche). Dabei handelt es sich um oligo-
bis mesotrophe Stillgewässer (0,7 ha), Flachland-Mähwiesen (0,5 ha), Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder (2,2 ha) und Eichenwälder auf Sandebenen (2,0 ha).
Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 157
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflä-
chen
Fläche
[ha]
Flächenan-
teil im SCI
3130
Oligo- bis mesotrophe Stillgewässer
1
0,4
1,2 %
6410 Pfeifengraswiesen
2 0,4 1,2 %
6430
Feuchte Hochstaudenfluren
1
0,1
0,3 %
7140
Übergangs- und Schwingrasenmoore
1
0,2
0,6 %
9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder 1 2,7 8,2 %
9190
Eichenwälder auf Sandebenen
1
0,6
1,8 %
91E0* Erlen-Eschen- und Weichholzauenwäl-
der
2 1,5 4,5 %
gesamt: 9 5,9 17,8 %
*prioritärer Lebensraumtyp
Herausragende Bedeutung haben in Sachsen die Pfeifengraswiesen (LRT 6410) in ihrer
Ausprägung auf basenreichen Standorten. Diese Ausbildungsform des Lebensraumtyps
ist hier extrem selten und die wenigen Vorkommen liegen sehr zerstreut. Die beiden Vor-
kommen im SCI „Winzerwiese“ gehören zu den sehr wenigen und naturschutzfachlich
bedeutenden Vorkommen des Lebensraumtyps in Sachsen. Die Artenausstattung weist
eine hohe Vielfalt, zahlreiche seltene und besondere Spezies, auch pflanzengeographisch
bedeutsame Arten sowie stark gefährdete bzw. vom Aussterben bedrohte Pflanzen auf.
Das mesotrophe Gewässer (LRT 3130) in der ehemaligen Kaolingrube weist im Vergleich
mit anderen Vorkommen dieses Typs in Sachsen eine relativ kleine Flächengröße und nur
eine durchschnittliche Artenausstattung auf. Dem Gewässer ist jedoch innerhalb des
Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 aufgrund seiner isolierten Lage im sächsischen Löß-
hügelland, der Verzahnung mit dem im Hügelland gleichfalls nur sporadisch vorkommen

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den Lebensraumtyp Übergangsmoor (LRT 7140) sowie in Verbindung mit seiner Funktion
als geeigneter Lebensraum für die Anhang II-Arten Große Moosjungfer und Kammmolch
eine wichtige Bedeutung zuzuschreiben.
Auf der westlichen Teilfläche 1 (Winzerwiese) befinden sich die zwei Flächen des LRT
6410. Die Standorte im Auenbereich des Gosebaches sind durch kalkhaltige Wiesenleh-
me mit eingelagerten Sandhegern gekennzeichnet. Sie gehören zu den sehr wenigen und
naturschutzfachlich bedeutenden Vorkommen des Lebensraumtyps in Sachsen.
Als Feuchte Hochstaudenflur (LRT 6430) wurde ein schmaler Uferstreifen südlich des
Gosebaches erfasst.
Auf der Teilfläche 2 wurde eine ca. 0,2 ha große Fläche des Lebensraumtyps 7140 kar-
tiert. Das Übergangsmoor besitzt gut ausgeprägte lebensraumtypische Strukturen und
einen noch weitgehend intakten Wasserhaushalt.
Der Lebensraumtyp umfasst einen von Eichen beherrschten Wald mit Beimischung von
Birke, Buche, Kiefer und Hainbuche. Der Standort ist weitgehend grundwasserfern, mäßig
frisch bis feucht und mäßig nährstoffreich mit sandig-lehmigem Substrat.
In der Baumschicht des LRT 9190 herrschen locker stehende Eichen vor, die von Zitter-
Pappeln und Birken begleitet werden. Die Bodenvegetation besteht zum großen Teil aus
Säure- sowie einigen Feuchte- und Wechselfeuchtezeigern. Insgesamt ist ein lebens-
raumtypisches, jedoch verarmtes Arteninventar der Bodenvegetation festzustellen.
Darüber hinaus tragen auch die in Sachsen stark gefährdeten und nur noch auf Restflä-
chen vorhandenen Erlen-Eschen-Wälder (LRT 91E0*) durch den überwiegend guten Zu-
stand und die zum Teil bemerkenswerte Artenausstattung in ihrer engen Verzahnung mit
anderen wichtigen Bestandteilen im Komplex des Feuchtgebietes zur hohen Bedeutung
des SCI „Winzerwiese“ bei.
Acht der neun LRT-Flächen befinden sich in einem günstigen Erhaltungszustand (vgl.
Tabelle 2). Der ungünstige Erhaltungszustand des mesotrophen Stillgewässers resultiert
v.a. aus den Beeinträchtigungen in Form von hohem Fischbesatz, Angelnutzung, hoher
Begängnis/Frequentierung und einer direkten Schädigung der Vegetation.

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Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 157
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
3130
Oligo- bis mesotrophe
Stillgewässer
- - - - 1 0,3
6410 Pfeifengraswiesen 2 0,4 - - - -
6430
Feuchte Hochstaudenflu-
ren
- - 1 0,1 - -
7140
Übergangs- und Schwing-
rasenmoore
- - 1 0,2 - -
9170
Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder
- - 1 2,7 - -
9190
Eichenwälder auf Sand-
ebenen
- - 1 0,6 - -
91E0*
Erlen-Eschen- und Weich-
holzauenwälder
- - 2 1,5 - -
*prioritärer Lebensraumtyp
Das SCI „Winzerwiese“ liegt relativ nahe am süd-westlich verlaufenden Elbtal, das eine
wichtige Verbindungsachse für NATURA 2000 darstellt. Nächstgelegene Gebiete sind die
SCI „Seußlitzer Gründe“, „Bosel und Elbhänge nördlich Meißen“ sowie „Waldteiche bei
Mistschänke und Ziegenbusch“. Trotz der ziemlich isolierten Lage der „Winzerwiese“ be-
sitzt dieser naturschutzfachlich wertvolle Bereich ein hohes Potenzial als wichtiger Tritt-
stein vor allem innerhalb des regionalen NATURA 2000 – Verbundes.
2.2. ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im SCI „Winzerwiese“ wurde der Nachweis von zwei Tierarten des Anhangs II der FFH-
Richtlinie erbracht (vgl. Tabelle 3): Kammmolch und Große Moosjungfer.

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Tabelle 3: Habitatflächen der Anhang II - Arten im SCI 157
Anhang II - Art
Name
wissenschaftli-
cher Name
Anzahl der Ha-
bitate im Gebiet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Kammmolch
Triturus cristatus
3
15,1
45,7 %
Große Moosjung-
fer
Leucorrhinia pec-
toralis
1 0,4 1,2 %
Als Reproduktionsgewässer des Kammmolchs wurden die Alte Tongrube Kmehlen und
die Grube Baselitz nachgewiesen. Die Stillgewässer heben insgesamt eine Flächengröße
von 1 ha. Die Waldfläche, welche die Gewässer umgibt, wurde als Landlebensraum ab-
gegrenzt. Die aktuellen Erhaltungszustände der Habitate werden jeweils der Kategorie C
(schlecht) zugeordnet (Tabelle 4), die sich aus den kritischen Bewertungen der jeweiligen
Kriterien Zustand der Population, Beeinträchtigungen und z.T. Habitatqualität ergeben.
Als Habitat der Großen Moosjungfer wurde die Alte Tongruben Kmehlen ausgewiesen.
Das Gewässer ist besonders in seinem nordöstlichen Teil hinsichtlich der Struktur als Re-
produktionsgewässer für die Art geeignet. Es existieren Flachwasserbereiche mit submer-
ser und Schwimmblattvegetation. Auch Besonnung, vorhandene Sitzwarten und der an-
grenzende Gehölzbereich sowie die gewässerbegleitende Binsenflur stellen aus struktu-
reller Sicht gute Bedingungen dar. Obwohl das Habitat der Großen Moosjungfer hinsicht-
lich der Strukturen mit einem sehr guten Zustand (A) eingeschätzt wurde, führten der Zu-
stand der Population sowie Beeinträchtigungen des Habitats v.a. durch Fischbesatz und
Angelbetrieb/ Freizeitnutzung insgesamt jedoch zu einem ungünstigen Erhaltungszustand
(Tabelle 4).
Tabelle 4: Erhaltungszustand der Habitatfläche im SCI 157
Erhaltungszustand
Anhang II - Art
A B C
Name
wissenschaftli-
cher Name
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Kammmolch
Triturus cristatus
- - - - 3 15,2
Große Moosjung-
fer
Leucorrhinia pec-
toralis
- - - - 1 0,4

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3. MAßNAHMEN
3.1. MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Wesentliches Ziel des Managementplans ist die Bewahrung, Wiederherstellung und För-
derung eines günstigen Erhaltungszustandes sowie die Entwicklung der Bestände von
Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie. Weiterhin ist die Erhaltung (und weitere
Entwicklung) der feuchtgeprägten Lebensraumtypen, insbesondere Pfeifengraswiesen,
mesotrophe Gewässer, Übergangsmoore und Erlen-Eschen-Auenwälder sowie der Habi-
tate von Kammmolch und Großer Moosjungfer von Bedeutung. Grundsätze bzw. Einzel-
maßnahmen sind auf Gebietsebene:
- Sicherung des gebietstypischen Wasserhaushaltes; insbesondere Verzicht auf jegliche
Meliorations- oder anderweitige Entwässerungsmaßnahmen sowie Wasserentnahmen,
- extensive Wiesennutzung im Randbereich des Gosebachs bei Erhaltung vorhandener
Hochstaudenfluren,
- naturnahe Bewirtschaftung der Waldlebensräume unter Orientierung an waldbaulichen
Grundsätzen.
3.2. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Zur Verringerung der vorhandenen Beeinträchtigungen und zur Wiederherstellung eines
günstigen Erhaltungszustandes des oligo- bis mesotrophen Stillgewässers gehören vor
allem die Reduzierung des Fischbesatzes auf ein den Erhaltungszielen des SCI verträgli-
ches Maß sowie die Beseitigung von Müll und sonstigen Ablagerungen. Darüber hinaus
ist das Betretungs- und Badeverbot der als Flächennaturdenkmal geschützten Gewässer
durchzusetzen. Zur Verbesserung der Vegetationsentwicklung für die lebensraumtypi-
schen Arten ist eine Vergrößerung des Anteils an Flachwasserbereichen anzustreben.
Pfeifengraswiesen sind relativ junge Bestandteile der Kulturlandschaft, die traditionell
nicht gedüngt und nur einmal jährlich im Herbst gemäht werden. Um den günstigen Erhal-
tungszustand des Lebensraumtyps zu sichern, ist auch weiterhin ein jährlicher Schnitt
Ende September bis Anfang Oktober, einschließlich des Abtransportes des Mahdgutes,
zu gewährleisten. Der vorhandene Gehölzaufwuchs sollte beseitigt werden. Auf den Ein-
satz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist ebenso zu verzichten wie auf den Einsatz
schwerer Technik oder eine Nachbeweidung.
Wichtige Voraussetzung zur Erhaltung der Lebensraumtypen Feuchte Hochstaudenfluren
und Übergangs- und Schwingrasenmoore ist die Sicherung eines günstigen Wasserhaus-
haltes. Der vorhandene Gehölzaufwuchs sollte beseitigt werden. Während das Über

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gangs- und Schwingrasenmoor keiner Nutzung bzw. Pflege bedarf, ist die Feuchte Hoch-
staudenflur durch Mahd im Abstand von 3 - 5 Jahren zu pflegen. Zur Minderung des Näh-
stoffeintrages und zur Verhinderung von direkten Schäden der Vegetation des Moores ist
eine weitgehende Unterbindung des Begängnisses im Rahmen der Angel- und Badenut-
zung der beiden Kleingewässer notwendig.
Zum Erhalt und zur Verbesserung struktureller Merkmale der Wald-LRT sollen diese ein-
zelstamm- oder truppweise genutzt werden, wobei die Erntenutzungen über mehrere
Jahrzehnte auszudehnen sind. Die Verjüngung der jeweils lebensraumtypischen Haupt-
und Nebenbaumarten soll kleinflächig und in der Regel über Naturverjüngung erfolgen.
Auf die Förderung einer kleinräumigen mosaikartigen Verteilung der Altersklassen sollte
geachtet werden. Ein Mindestanteil an starkem Totholz ist zu sichern, (potenzielle) Bio-
topbäume sind, auch bei Pflege, Durchforstungen und Erntenutzungen, zu belassen. Eine
standortgerechte und lebensraumtypische Baumartenmischung ist zu erhalten und zu
fördern, wobei die Beimischung lebensraumtypischer Pionierbaumarten toleriert werden
soll. In den beiden Eichenwald-LRT sollte der Mischungsanteil gesellschaftsfremder
Baumarten dauerhaft maximal 20% betragen.
Zur Vermeidung von Beeinträchtigungen darf die Befahrung der Wälder nur auf perma-
nenten Rückegassen erfolgen und es ist auf den Einsatz bodenschonender Rücketechni-
ken zu achten. In den Erlen-Eschen-Wäldern ist das Befahren der Nassstandorte mög-
lichst zu vermeiden (Holzbringung von den trockenen Randbereichen aus mit Seil ge-
währleisten).
3.3. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Voraussetzung für eine erfolgreiche Reproduktion sowohl der Großen Moosjungfer als
auch des Kammmolches ist die Sicherung einer ungestörten Larvalentwicklung. Wichtigs-
te Maßnahme zur Sicherung bzw. Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustan-
des ihrer Reproduktionshabitate ist daher die Reduzierung bzw. Entnahme des Fischbe-
satzes der Gewässer. Im Zusammenhang damit ist die Unterbindung der Angel- und Frei-
zeitnutzung erforderlich. Weiterhin sind bei Bedarf partiell Gehölze im Randbereich zu
entnehmen bzw. Flachwasserbereiche auszudehnen, um deren Besonnung und damit
Erwärmung langfristig zu gewährleisten. Das Landhabitat des Kammmolches besteht ü-
berwiegend aus Waldbeständen. Zur Vermeidung von Beeinträchtigungen der dort befind-
lichen Tagesverstecke und Winterquartiere sind die Waldstücke schonend zu bewirtschaf-
ten. Zu diesen Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen gehören der Verzicht auf Kahl-
schläge (Kleinstkahlschläge sind möglich) und tiefe Bodenbearbeitung. Außerdem sind
Baumstubben, Schlagabraum und liegendes Totholz als wichtige Strukturen für den
Kammmolch im Bestand zu belassen.

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Tabelle 5: Erhaltungsmaßnahmen im SCI
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Naturnahe Waldbewirtschaftung
4,8
Bewahrung des günstigen Erhaltungszustand
Erlen-Eschen- und Weichholzauen-
wälder (91E0*), Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder (9170), Eichenwäl-
der auf Sandebenen (9190), Kamm-
molch
Extensive Grünlandbewirtschaftung
0,4
Bewahrung des günstigen Erhaltungszustand
Pfeifengraswiesen (6410)
Extensive Flächennutzung
0,1
Bewahrung des günstigen Erhaltungszustand
Feuchte Hochstaudenfluren (6430)
Extensive Grünlandbewirtschaftung
2,2
Bewahrung der günstigen Erhaltungszustände der angren-
zenden LRT
Pfeifengraswiesen (6410) und Feuchte
Hochstaudenfluren (6430)
Vollständige Beseitigung der Gehöl-
ze/Rodung, Entbuschung, keine
Entwässerungsmaßnahmen
0,2
Bewahrung des günstigen Erhaltungszustand
Übergangs- und Schwingrasenmoore
(7140)
Erhaltungspflege der Gewässer
0,4
Bewahrung des günstigen Erhaltungszustandes, Erhalt des
Kammmolchhabitates (Sicherung einer ungestörten Larva-
lentwicklung)
oligo- bis mesotrophe Stillgewässer
(3130), Kammmolch und Große Moos-
jungfer

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9
Erhaltungspflege der Gewässer
0,7
Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes
(Sicherung einer ungestörten Larvalentwicklung, Verbesse-
rung Habitatqualität),
Kammmolch
Naturnahe Waldbewirtschaftung
5,7
Sicherung des Landhabitates
Kammmolch
Grünlandbewirtschaftung nach guter
fachlicher Praxis
0,8
Erhaltung der Fläche als Habitat
Kammmolch
*prioritärer Lebensraumtyp

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4. FAZIT
Die freiwillige Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen erscheint dort realistisch,
wo die gegenwärtige Nutzung bereits weitgehend den geforderten Maßnahmen ent-
spricht und entsprechende Bewirtschaftungsverträge vorliegen. Dies betrifft das Grün-
land im Naturschutzgebiet „Winzerwiese“ und Teilflächen im unmittelbar südlich an-
grenzenden Grünland. Im Ergebnis der Beratung der Nutzer verbleiben im landwirt-
schaftlichen Bereich keine Zielkonflikte mehr. Auch von Seiten der forstlichen Nutzer
bzw. Eigentümer besteht keine grundsätzliche Ablehnung gegenüber der Umsetzung
der Maßnahmen. Damit verbleiben auch im forstwirtschaftlichen Bereich für die abge-
stimmten Flächen keine Zielkonflikte.
Die Problematik der Entnahme des Fischbesatzes sowie der Einstellung des Angelbe-
triebes in der Tongrube Kmehlen (LRT 3130, Oligo- bis mesotrophes Stillgewässer)
konnte nicht grundsätzlich geklärt werden. Im Rahmen der Nutzerabstimmungen wurde
jedoch eine Kompromissvariante vereinbart. Die Fläche des angrenzenden Lebens-
raumtyps 7140 (Übergangs- und Schwingrasenmoor) wird durch Beschilderung vom
Angelbereich ausgegrenzt.
Zielkonflikte bestehen hinsichtlich des geplanten Abbaus von Kaolin im Umfeld bzw. im
SCI (östliche Teilfläche).
Schließlich sollte die Einbeziehung weiterer Bereiche in das SCI geprüft werden, da im
Rahmen der Ersterfassung eine wertvolle Fläche außerhalb des Schutzgebiets festge-
stellt wurde. Das Gewässer an der Waldwiese westlich der B 101 ist das aktuell wich-
tigste Fortpflanzungsgewässer des Kammmolches im Bereich des Gävernitzer Heid-
chens und ist auch als Larvengewässer für die Große Moosjungfer geeignet. Damit
könnte eine wesentliche Stabilisierung und Erweiterung der Kammmolchpopulation im
SCI „Winzerwiese“ erreicht werden.
5. QUELLE
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 157 wurde im Original von Buder, Büro für
Landschaftsökologie, Dresden erstellt und kann bei Interesse bei der federführenden
Behörde, dem Regierungspräsidium Dresden, Umweltfachbereich – Außenstelle Ra-
debeul oder beim Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie eingesehen wer-
den.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten