image
Ereignisanalyse
Hochwasser Juni 2013

Ereignisanalyse
zum Hochwasser im
Juni 2013 in Sachsen
Projektleitung
Petra Walther
Projektkoordination
Evelin Bohn
Wissenschaftliche Bearbeitung
LfULG: Wanja Bilinski, Evelin Bohn, Uwe Büttner, Christina Görner,
Dr. Ingo Müller, Sylvia Rhode, Achim Six, Petra Walther, Erhard Wolf, Katrin Zander
LTV: Karin Freier, Dr. Stephan Gerber, Stefan Jentsch, Thomas Kopp, Ulf Winkler
SMUL: Peter Wundrak

 
02 |
Inhalt
Vorwort 05
Einleitung 07
1 Gebietsbeschreibung
09
1.1
Einzugsgebiet der Elbe
09
1.2
Einzugsgebiete der sächsischen Nebenflüsse
der Oberen Elbe
10
1.3
Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
11
1.4
Einzugsgebiet der Mulde
11
1.5
Einzugsgebiet der Weißen Elster
12
1.6
Einzugsgebiet der Spree
14
1.7
Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße
14
2 Meteorologie
15
2.1
Hydrometeorologische
Vorbedingungen
bis zum 29. Mai 2013
15
2.2
Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
im Zeitraum 30. Mai bis 2. Juni 2013
17
2.3
Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
am 08. und 09. Juni 2013
22
2.4
Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
am 20. und 21. Juni 2013
22
2.5
Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
am 24. und 25. Juni 2013
23
2.6
Gebietsniederschlag im Mai und Juni 2013
26
3 Hydrologie
29
3.1
Verlauf des Hochwassers in den e inzelnen
Einzugsgebieten
29
3.1.1
Elbe
29
3.1.2 Nebenflüsse der oberen Elbe
34
3.1.3
Schwarze
Elster
39
3.1.4
Mulde
43
3.1.5
Weiße
Elster
78
3.1.6
Spree
97
3.1.7
Lausitzer
Neiße
99
3.2
Das Junihochwasser 2013 im Vergleich zu
Hochwassern aus der Vergangenheit
100
3.2.1 Vergleich mit dem Ereignis 2002
100
3.2.2 Deterministische Analyse des Junihochwassers
2013 im Einzugsgebiet der Mulde und
Weißen Elster im Vergleich mit anderen
Sommerhochwasserereignissen
103
3.3
Hochwasserstatistische
Einordnung
109
3.4 Grundwasser
109
3.4.1 Grundhochwasser 2013
111
3.5 Oberflächenwasserbeschaffenheit
115
4 Überschwemmungsflächen
120
4.1
Befliegungen zur Erfassung von
Überschwemmungsflächen
120
4.2 Hochwassermarken
124
4.2.1 Projekt Hochwassermarken in Sachsen
125
4.3
Vergleich der Überschwemmungsflächen der
Hochwasser 2002 und 2013
126
5
Auswirkungen des Hochwassers 2013
auf die Wasserqualität von
Trink- und Brauchwassertalsperren
133
5.1 Trinkwassertalsperren
133
5.2 Brauchwassertalsperren
133
5.3
Beschaffenheitsveränderung
der
Talsperren
infolge des Hochwassers
134
5.4
Einträge aus den Einzugsgebieten
135
5.5 Schlussfolgerungen
136
6 Schadensprozesse
137
6.1
Schadensprozesse an Deichen
137
6.1.1 Schadensprozesse bis zum
Bemessungs wasserstand
137
6.1.2 Schadensprozesse bei Deichüberströmung
137
6.2
Räumliche
Verteilungsmuster
der aufgetretenen Schadensprozesse
138
6.2.1 Deichschäden
138
6.2.2 Sonstige Schäden
138

| 03
7 Schadensbilanz
143
7.1 Schadenserfassung
143
7.2
Überblick über die Schäden im
Freistaat Sachsen
143
7.2.1 Die regionale Verteilung der Schäden
144
7.2.2 Die Schäden in den privaten Haushalten
144
7.2.3 Die Schäden an Wohngebäuden
144
7.2.4 Die Schäden in der gewerblichen Wirtschaft
144
7.2.5 Die Schäden an staatlicher Infrastruktur
144
7.2.6 Die Auswirkungen des Hochwassers auf
den Tourismus in Sachsen
145
7.2.7 Die Schäden in der Land-, Forst- und
Fischereiwirtschaft
146
7.2.8 Die Kosten der Katastrophenbekämpfung
146
7.3
Detaillierte Untersuchung von Schäden an
staatlicher und kommunaler Infrastruktur
146
7.3.1 Regionale Verteilung der Schäden
146
7.3.2 Analyse der Schäden an Gewässern I. Ordnung
149
8
Nutzen der durch den Freistaat Sachsen nach
2002 errichteten öffentlichen Hochwasser-
schutzanlagen beim Hochwasser im Juni 2013 150
8.1
Monetäre Bewertung des Nutzens
151
8.1.1 Ergebnisse im Überblick
151
8.1.2 Nutzen der Hochwasserschutzanlagen
im Flussgebiet der Weißen Elster
152
8.1.3 Nutzen der Hochwasserschutzanlagen
im Flussgebiet der Mulden
153
8.1.4 Nutzen der Hochwasserschutzanlagen
an der Elbe
155
8.1.5 Nutzen der Hochwasserschutzanlagen
an weiteren Gewässer
156
8.2
Nichtmonetäre und nur schwer bewertbare Aspekte
des Nutzen von Hochwasserschutzmaßnahmen
156
8.3 Zusammenfassung
157
9
Ereignismanagement und -bewältigung
158
9.1
Hochwasserwarnungen
und Katastrophenmanagement
158
9.2
Analyse der sozialen Netzwerke
164
10 Fallbeispiele
170
10.1 Seelhausener See und die Interaktion
mit Mulde und Lober-Leine-Kanal
170
10.1.1 Gebietsbeschreibung
170
10.1.2 Ereignisverlauf vom 30. Mai bis 12. Juni 2013
170
10.1.3 Schlussfolgerungen und Ausblick
176
10.2 Hochwasser in Leipzig – Steuerung und
Rückhalt am Gewässerknoten Leipzig
177
10.2.1 Ereignisverlauf im Stadtgebiet von Leipzig
177
10.2.2 Zusammenfassung
183
10.3 Starkregenereignisse
184
10.3.1 Situation Sachsen
184
10.3.2 Hochkirch und Weissenberg
184
10.3.3 Oderwitz
186
10.3.4 Dippoldiswalde
190
10.3.5 Geithain
192
10.3.6 Zusammenfassung und Ausblick
194
10.4
Schadstoffverdacht
durch
hochwasser bedingte
Sedimentablagerungen
195
10.4.1 Veranlassung
195
10.4.2 Untersuchungskampagne
195
10.4.3 Ergebnisse
196
10.4.4 Diskussion und Schlussfolgerungen
198
11
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
200
11.1 Zusammenfassung des Inhalts
200
11.2
Zusammenfassung
der
Schlussfolgerungen
und Erkenntnisse
202
Anhang 205
Literatur 205
Abkürzungen 207
Anlagen 209
I. Gewässernetz und Hochwassermeldepegel
des Freistaates Sachsen
209
II. Niederschlag-Abfluss-Diagramme Mulde
210
III. Niederschlag-Abfluss-Diagramme Weiße Elster
223
IV. Abflussbeiwerte
231
V. Hauptwerte ausgewählter Pegel
234

image
image
image
image
Vorwort | 05
Sachsen ist innerhalb von 11 Jahren von fünf teils extremen
Hochwassern heimgesucht worden. Jedes dieser Hochwasser
hatte unterschiedliche hydrometeorologische Ursachen.
Seit dem Augusthochwasser 2002 werden diese Hochwasser-
ereignisse nicht nur nach rein fachlichen Kriterien ausgewertet,
sondern auch die Schadensprozesse und die entstandenen Schä-
den analysiert. Damit ist es möglich, präventive Maßnahmen zu
planen und effektiv umzusetzen, um das Gefahren- und Scha-
denspotenzial zukünftig zu reduzieren
Die jetzt vorliegende Ereignisanalyse des Junihochwassers 2013
zeigt, dass beim Hochwasserrisikomanagement und Hochwas-
sernachrichtendienst die nach dem Hochwasser 2002 neu aus-
gerichtete Hochwasserschutzstrategie und die umfangreichen
Verbesserungen des Hochwasserrisikomanagements in allen
Handlungsfeldern gefruchtet haben. Das verdeutlicht u. a. eine
Gegenüberstellung der Hochwasserereignisse 2002 und 2013.
Sie waren zwar von ihrer Intensität und Ausdehnung her ähn-
lich, dennoch sind beim Hochwasser 2013 nur ein Drittel der
Hochwasserschäden des Jahres 2002 entstanden. Diese Erfolge
entbinden uns jedoch nicht davon, das Hochwasserrisikoma-
nagement als feste Daueraufgabe zu verankern und kontinuier-
lich weiterzuentwickeln. Dazu soll diese Ereignisanalyse einen
Beitrag leisten.
Vorwort
Erstmals beleuchtet wurden auch die sozialen Netzwerke, die
einen wesentlichen Anteil bei der Hochwasserabwehr hatten.
Mit der heutigen Entwicklung der Medien wird das keine einma-
lige oder kurzzeitige Erscheinung bleiben. Vielmehr stellt sich für
die Zukunft die Frage, wo soziale Medien gezielt helfen und un-
terstützen können oder wo sie ggf. den klassischen Katastro-
phenschutz behindern.
Die Ereignisanalyse des Junihochwassers 2013 wurde federfüh-
rend vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie in enger Zusammenarbeit mit der Landestalsper-
renverwaltung Sachsen, dem Sächsischen Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft sowie mit der Landesdirektion und
den Landratsämtern erarbeitet. Sie beruht auf Gutachten sowie
auf Daten und Fakten des Deutschen Wetterdienstes, des Tsche-
chischen Hydrometeorologischen Institutes, der Bundesanstalt
für Gewässerkunde, der Technischen Hochschule Nürnberg, der
Ruhr-Universität Bochum und zahlreicher Ingenieurbüros.
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen, die zum guten Ge-
lingen beigetragen haben.
Norbert Eichkorn
Präsident des Sächsischen Landesamtes
für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Heinz Gräfe
Geschäftsführer der Landestalsperren-
verwaltung des Freistaates Sachsen

image
Einleitung | 07
Im Juni 2013 kam es auf Grund der starken Niederschläge in
Verbindung mit der außerordentlich hohen Bodenfeuchte in na-
hezu allen Flussgebieten Sachsens zu einem extremen Hochwas-
ser. An einem Großteil der Gewässer sind die Richtwerte der
höchsten Alarmstufe 4 überschritten worden. Besonders betrof-
fen waren neben dem Elbestrom das Einzugsgebiet der Mulde
und der Weißen Elster. In der Zwickauer Mulde wurden zum Teil
Wasserstände erreicht, die die Werte des Augusthochwassers
2002 noch übertrafen. Gleichzeitig ereignete sich in weiten Tei-
len des Einzugsgebietes der Weißen Elster eine extreme und so
in den bisherigen hydrologischen Beobachtungen seit 1954
nicht mehr aufgetretene Hochwassersituation.
Die entstandenen Hochwasserschäden werden nach vorliegen-
den Erhebungen (SK 2013) auf rund 1,88 Milliarden Euro ge-
schätzt.
Die Abbildung 0-1 zeigt die vom Hochwasser 2013 betroffenen
Gewässer 1. Ordnung im Freistaat Sachsen und die Intensität
des Ereignisses anhand der erreichten Richtwasserstände der
Alarmstufen.
Einleitung
Abbildung 0-1: Gebietskulisse der vom Hochwasser 2013 betroffenen Gewässer 1. Ordnung

08 | Einleitung
Unmittelbar nach dem Hochwasser im Juni 2013 wurde mit der
Analyse der besonders schwer von der Katastrophe betroffenen
Flüsse begonnen. Dieser Auftrag ergab sich bereits aus den Emp-
fehlungen der Kommission zur Untersuchung der Meldesysteme
nach dem Hochwasser 2010 (Jeschke et al. 2010), aber auch aus
den bisher gesammelten Erfahrungen seit dem Hochwasser
2002. Dabei konnte auf das bewährte Team der Ereignisanalyse
2010/11, bestehend aus Vertretern des LfULG, der LTV und des
SMUL, zurückgegriffen werden. Es war deshalb möglich, erste
Aussagen und Einschätzungen zum Hochwasser zeitnah zur Ver-
fügung zu stellen (LfULG 2013 b), u. a. für die am 19. Juni 2013
von der sächsischen Staatsregierung beauftragten Kommission
zur Untersuchung der Flutkatastrophe 2013 unter Leitung von
General a. D. Hans-Peter von Kirchbach. Die Kommission unter-
suchte die Abläufe des Hochwassers und lokalisierte Schwach-
stellen, um daraus für die Zukunft Lehren zu ziehen (Kirchbach
et al. 2013). Diese Konsequenzen zum Meldesystem, zur Katas-
trophenabwehr, aber auch die weiteren im Rahmen der Ereigni-
sanalyse beauftragten Untersuchungen zu den sozialen Netz-
werken (Hagen et al. 2015) haben Eingang im Kapitel Ereignis-
management und Hochwassernachrichtendienst gefunden.
Die Ereignisanalyse beginnt mit der Beschreibung der meteoro-
logischen und hydrologischen Prozessabläufe. Dabei wird erst-
mals eine deterministische Analyse des Ereignisses zu den his-
torischen Hochwassern in den Einzugsgebieten der Mulde und
Weißen Elster vorgenommenen und eine wichtige Vorausset-
zung zum besseren hydrologischen Prozessverständnis ge-
schaffen.
Im Kapitel Schadensprozesse liegt diesmal das Hauptaugenmerk
auf den Schadensprozessen an den Deichen. Ein weiterer wich-
tiger Abschnitt in der Ereignisanalyse ist die Bewertung des
Nutzens der durch den Freistaat Sachsen nach 2002 errichteten
öffentlichen Hochwasserschutzanlagen beim Hochwasser im
Juni 2013. Nachweislich sind mehr als 450 Mio. Euro Schaden
durch diese verhindert worden.
Die Überschwemmungsgebiete vom Hochwasser 2013 auf
Grundlage der verfügbaren Daten (Luftbilder aus hochwasser-
scheitelnahen Überfliegungen, Markierung der überschwemm-
ten Flächen und der gesetzten Hochwassermarken) auszuweisen,
erwies sich als schwierig und war nur für die Elbe und für Be-
reiche der Mulde möglich. Im Rahmen der Ereignisanalyse ist ein
Leitfaden für eine einheitliche und vergleichbare Erhebung und
Dokumentation von Hochwasserständen und Hochwassermar-
ken erarbeitet worden und wird im Kapitel 4 auszugsweise vor-
gestellt.
Die Studie wird durch ausgewählte Fallbeispiele, wie den Ge-
schehnissen an der Mulde zur Landesgrenze nach Sachsen-
Anhalt sowie der Steuerung und den Rückhalt des Hochwassers
im Großraum Leipzig, ergänzt.
Unmittelbar nach dem Hochwasser kam es am 08. und
09. Juni 2013 zu einem Starkregenereignis, das nochmals mit
erheblichen Schäden, zum größten Teil verursacht durch wild
abfließendes Wasser, verbunden war. Im Kapitel 10 werden diese
in ganz Sachsen aufgetretenen aber lokal begrenzten Gescheh-
nisse geschildert und ausgewertet. Das war nur mit der umfang-
reichen Unterstützung der betroffenen Landratsämter und Kom-
munen möglich.
Den Abschluss des Berichtes bildet eine Synthese, in der die
wichtigsten Ergebnisse aus der Ereignisanalyse des Hochwassers
2013 zusammengefasst sind.

image
1 Gebietsbeschreibung | 09
1 Gebietsbeschreibung
Der Freistaat Sachsen umfasst eine Fläche von 18.413 km² und
weist eine sehr vielfältige naturräumliche Gliederung auf. Etwa
18 % der Landesfläche liegen im lößfreien Tiefland, 49 % in den
Lößgebieten und 33 % im sächsischen Mittelgebirge (Mannsfeld
und Syrbe 2008).
Dem Tiefland können die Leipziger Bucht sowie die nördliche
Oberlausitz zugeordnet werden. Das Lößhügelland befindet sich
südlich des Tieflandes und die Mittelgebirgsschwelle bilden vor
allem das Erzgebirge, die Sächsische Schweiz und östlich daran
anschließend das Oberlausitzer Bergland und das Zittauer Gebirge.
Die Geländehöhen liegen zwischen ca. 80 m ü. NN im Tiefland
und rund 1.200 m ü. NN im Erzgebirge. Insgesamt flacht das
Relief Sachsens nach Nordwesten und Norden ab. Dieser Rich-
tung folgt in der Regel auch das Tälersystem der meist im Mit-
telgebirge entspringenden Flüsse. Die Abbildung 1-1 zeigt das
Relief und die naturräumliche Gliederung Sachsens.
Im Folgenden wird kurz auf die während des Hochwassers 2013
betroffenen Einzugsgebiete der Elbe, der Nebenflüsse der Oberen
Elbe, der Schwarzen Elster, der Mulde, der Weißen Elster, der
Spree und der Lausitzer Neiße eingegangen. Eine ausführlichere
Beschreibung der Einzugsgebiete kann der Ereignisanalyse
2010/11 (LfULG 2013 a) entnommen werden.
1.1 Einzugsgebiet der Elbe
Die Elbe bildet mit einer Länge von 1.094 km und einem Einzugs-
gebiet von 148.268 km² nach Donau, Weichsel und Rhein das
viertgrößte Flussgebiet Mitteleuropas und erstreckt sich über
vier Staaten. Der größte Teil des Einzugsgebietes liegt in
Deutschland (65,5 %) und der Tschechischen Republik (33,7 %),
ein sehr kleiner Teil in Österreich (0,6 %) und Polen (0,2 %).
Abbildung 1-1: Naturräumliche Gliederung Sachsens

image
10 | 1 Gebietsbeschreibung
In Sachsen durchfließt die Elbe zunächst in tief eingeschnittenen
Mäandern das Elbsandsteingebirge und tritt unterhalb von Pirna
in die Dresdner Elbtalweitung ein. Von Meißen bis Schloss
Hirschstein durchfließt die Elbe das Durchbruchstal im Bereich
des Meißner Syenit-Granit-Massivs und prägt bis zur nördlichen
Landesgrenze die breite Tieflandaue des Riesa-Torgauer Elbtals.
1.2 Einzugsgebiete der sächsischen
Nebenflüsse der Oberen Elbe
Während des Hochwassers im Juni 2013 waren wie 2002 vor
allem die linksseitigen Nebenflüsse der Elbe im Abschnitt von
Pirna bis Riesa stark betroffen (Abbildung 1-2).
Lockwitzbach
Der Lockwitzbach ist ein Mittelgebirgsbach der nördlich von
Schmiedeberg im sächsischen Osterzgebirge in einer Höhe von
560 m ü. NN entspringt. Er fließt auf einer Länge von etwa 30 km
weitestgehend in nördlicher Richtung, bevor er in Dresden im
Stadtteil Kleinzschachwitz in die Elbe mündet. Das Einzugsgebiet
des Lockwitzbaches ist 84 km² groß.
Im Hochwassersfall speist der Lockwitzbach den Niedersedlitzer
Flutgraben, der Anfang des 20. Jahrhunderts zur Hochwasser-
entlastung der Dresdner Stadtteile Niedersedlitz, Großzschach-
witz und Kleinzschachwitz gebaut wurde. In Dresden-Tolkewitz
mündet der Niedersedlitzer Flutgraben zusammen mit dem aus
westlicher Richtung zufließenden und im Stadtteil Dobritz ein-
mündenden Geberbach in die Elbe.
Weißeritz
Die Weißeritz ist ein geschiebegeprägter Mittelgebirgsfluss mit
einem Einzugsgebiet von 391 km². Sie entsteht durch die Verei-
nigung der Roten und Wilden Weißeritz bei Tharandt.
Die Rote Weißeritz fließt im Oberlauf durch größere Waldgebiete
und mehrere kleinere Ortslagen. Nach Dippoldiswalde wird sie
durch die Talsperre Malter gestaut. Unterhalb der Talsperre fließt
die Rote Weißeritz durch ein enges, naturbelassenes Tal.
Die Wilde Weißeritz hat ihren Ursprung im Grenzgebiet zur
Tschechischen Republik. Sie fließt im Oberlauf durch vorwiegend
dünn oder nicht besiedeltes Gebiet und wird durch die Talsper-
ren Lehnmühle und Klingenberg gestaut.
Einige Kilometer unterhalb der Stadt Tharandt vereinigen sich
Wilde Weißeritz und Rote Weißeritz zur Vereinigten Weißeritz.
Diese durchfließt als städtisch geprägtes Gerinne mit weitge-
hend befestigten Ufern die Städte Freital und Dresden bis zur
Mündung in die Elbe.
Wilde Sau
Die Wilde Sau entspringt im Tharandter Wald bei Pohrsdorf und
ist ebenfalls ein linker Nebenfluss der Elbe. Sie hat eine Länge
von etwa 13 km, ein Einzugsgebiet von 52 km² und fließt in
nordöstlicher Richtung. In Klipphausen, unterhalb des Ortsteiles
Constappel, mündet sie in die Elbe.
Besonders in den breiten Sohlentälern des Oberlaufes weist die
Wilde Sau ausgeprägte Mäander auf, die in den Ortslagen zum
Teil durch Begradigung reguliert wurden. Unterhalb von Klipp-
hausen verengt sich ihr Lauf in einem Kerbtal mit stellenweisem
Wildbachcharakter, bevor sie sich in der Elbniederung wieder
aufweitet.
Triebisch
Die Triebisch entspringt in einer Höhe von 428 m ü. NN im Tha-
randter Wald bei Grillenburg und ist ein etwa 37 km langer,
linksseitiger Nebenfluss der Elbe. Ihr Einzugsgebiet ist 176 km²
groß.
Im Oberlauf bei Rothschönberg nimmt sie durch den Rothschön-
berger Stolln die Bergbauwässer des Freiberger Bergbaureviers
auf. Ihr größter Zufluss ist die Kleine Triebisch, die oberhalb von
Garsebach in die Triebisch mündet. Um landwirtschaftliche Flä-
chen zu gewinnen, wurde das Profil der Triebisch in den Ortsla-
gen ab Niedermunzig ausgebaut und teilweise begradigt. In
Meißen durchquert sie den nach ihr benannten Stadtteil Trie-
bischtal, bevor sie südlich der Altstadt in die Elbe mündet.
Ketzerbach
Der Ketzerbach ist ein 30 km langer Nebenfluss der Elbe. Er ent-
springt in der Nähe von Katzenberg in 284 m ü. NN. Das Ein-
zugsgebiet des Ketzerbaches hat eine Größe von 168 km² und
besteht fast ausschließlich aus einer lößbedeckten Offenland-
schaft, die zu 89 % landwirtschaftlich genutzt wird.
Er umfließt die Radewitzer Höhe, dabei führt sein Lauf zwischen
den Nossener Ortsteilen Wolkau und Saultitz hindurch und wen-
Abbildung 1-2: Einzugsgebiete sächsischer Nebenflüsse der Oberen Elbe

image
1 Gebietsbeschreibung | 11
1
det sich beim Ortsteil Starbach nach Nordosten. Der Unterlauf
des Baches wurde von Zöthain bis zur Mündung in die Elbe in
Zehren in der Vergangenheit stark begradigt.
Jahna
Die Jahna, die in Riesa von links in die Elbe mündet, entspringt
bei dem Dorf Präbschütz östlich von Döbeln. Sie hat eine Länge
von etwa 30 km und markiert teilweise die nördliche Grenze der
Lommatzscher Pflege. Ihr Einzugsgebiet hat eine Größe von
244 km².
1.3 Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
Die Schwarze Elster ist 179 km lang und entspringt im Lausitzer
Bergland am Hochstein oberhalb der Ortslage Kindisch. Nach
etwa 63 km passiert sie die sächsisch-brandenburgische Grenze
und mündet bei Listafehrda (Landkreis Wittenberg) in die Elbe.
Als rechter Nebenfluss der Elbe durchfließt die Schwarze Elster
die Bundesländer Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt
und hat ein Gesamteinzugsgebiet von 5.706 km², wovon ca.
2.263 km² auf sächsisches Gebiet entfallen (Abbildung 1-3).
Die wichtigsten Nebenflüsse der Schwarzen Elster in Sachsen
sind rechtsseitig das Hoyerswerdaer Schwarzwasser und links-
seitig die Pulsnitz und die Große Röder. Größter Nebenfluss ist
die Große Röder mit einer Länge von 105 km und einem Einzugs-
gebiet von über 859 km². Sie entspringt im Bereich der Westlau-
sitzer Vorberge in der Nähe von Rammenau in 326 m ü. NN und
entwässert das westliche Vorfeld des Nordwestlausitzer Berg-
Abbildung 1-3: Der sächsische Teil des Einzugsgebietes der Schwarzen Elster
und Hügellandes. Nachdem die Große Röder Großröhrsdorf
durchquert hat, fließt sie zwischen Wallroda und Radeberg
durch das Hüttertal, kurz danach nimmt sie in Radeberg das
Wasser der Schwarzen Röder auf. Westlich von Elsterwerda zwi-
schen Saathain und Würdenhain mündet die Große Röder
schließlich in die Schwarze Elster.
1.4 Einzugsgebiet der Mulde
Die Mulde (Vereinigte Mulde) mündet bei Dessau von links in die
Elbe. Ihr Einzugsgebiet ist ca. 7.400 km² groß, davon liegen 85 %
in Sachsen (Abbildung 1-4). Die Mulde entsteht durch die Ver-
einigung von Zwickauer und Freiberger Mulde bei Sermuth. Das
Einzugsgebiet der Mulden entwässert in großen Teilen das Erz-
gebirge und das nördlich vorgelagerte Hügelland.
Der rechte Quellfluss der Vereinigten Mulde ist die Freiberger
Mulde. Sie entspringt in Tschechien auf dem Hauptkamm des
Osterzgebirges. Ihre wichtigsten Nebenflüsse sind rechtsseitig
die Gimmlitz und die Bobritzsch und linksseitig der Münzbach,
der Kleinwaltersdorfer Bach, die Striegis und die Zschopau.
Durch die Zschopau wird der mittlere Jahresabfluss der Freiber-
ger Mulde mehr als verdreifacht. Die Zschopau entspringt im
mittleren Erzgebirge am Nordhang des Fichtelberges und ent-
wässert ein Einzugsgebiet von 1.847 km². In Flöha fließt ihr der
größte Nebenfluss, die Flöha, zu. Sie übertrifft die Zschopau hier
sogar etwas an Größe. In der Talsperre Kriebstein wird die Zscho-
pau gestaut und mündet beim Dorf Schweta westlich von Dö-
beln in die Freiberger Mulde.

image
12 | 1 Gebietsbeschreibung
Abbildung 1-4: Sächsisches Einzugsgebiet der Mulde
Der linke Quellfluss der Vereinigten Mulde ist die Zwickauer
Mulde. Sie besitzt selbst auch zwei Quellbäche, die Rote Mulde
und die Weiße Mulde. Wichtige Nebenflüsse sind rechtsseitig die
Große Pyra, die Große Bockau, das Schwarzwasser und die
Chemnitz und linksseitig der Rödelbach. Die Chemnitz ist der
größte Nebenfluss der Zwickauer Mulde, welche ihr oberhalb von
Wechselburg zufließt. Sie wird durch den Zusammenfluss von
Zwönitz und Würschnitz im Süden der Stadt Chemnitz gebildet
und umfasst eine Einzugsgebietsfläche von 533 km².
1.5 Einzugsgebiet der Weißen Elster
Die Weiße Elster ist ein 257 km langer rechter Nebenfluss der
Saale, der das hügelige bis ebene Leipziger Land prägt und ein
Einzugsgebiet von etwa 5.154 km² besitzt (Abbildung 1-5). Sie
entspringt im tschechischen Teil des Elstergebirges östlich von
Asch am Fuße des Kapellenberges. Daran schließt sich das obere
sächsische Teilgebiet mit dem Oberlauf der Weißen Elster und

image
1 Gebietsbeschreibung | 13
Abbildung 1-5: Einzugsgebiet der Weißen Elster
1
dem Oberlauf der Pleiße an. Die Pleiße ist der bedeutendste Ne-
benfluss der Weißen Elster.
Im Oberlauf ist die Göltzsch der größte Nebenfluss der Weißen
Elster, die kurz unterhalb der Landesgrenze zwischen Sachsen
und Thüringen in die Weiße Elster mündet. Von Thüringen fließt
die Weiße Elster durch Sachsen-Anhalt wieder nach Sachsen.
Im unteren sächsischen Abschnitt der Weißen Elster münden als
wichtige Nebenflüsse die Schnauder, die Pleiße und die Parthe.
Mit ihren Mündungsarmen Luppe und Weiße Elster mündet sie
zwischen Merseburg und Halle in die Saale. Großlandschaftlich
gehört das Elstergebiet im Oberlauf dem Mittelgebirge, im Mit-
tellauf der Vorlandzone der Mittelgebirge und im Unterlauf dem
Flachland mit der Leipziger Tieflandsbucht an.
Das Tal der Weißen Elster besitzt große Ausuferungsflächen, die
für den Hochwasserschutz von Bedeutung sind und lokal im
Hochwasserfall als Überschwemmungsflächen und Retentions-
räume genutzt werden.

image
image
14 | 1 Gebietsbeschreibung
1.6 Einzugsgebiet der Spree
Die Spree ist ein knapp 400 km langer linker Nebenfluss der Ha-
vel und fließt durch die Bundesländer Sachsen, Brandenburg
und Berlin. Sie entspringt im Oberlausitzer Bergland nahe der
Grenze zu Tschechien und hat ein Gesamteinzugsgebiet von
10.104 km². Der sächsische Anteil des Einzugsgebietes der Spree
umfasst 2.025 km² mit einer Wasserlauflänge von 107,3 km (Ab-
bildung 1-6).
Die Spree hat in ihrem Quellgebiet zunächst den Charakter eines
Mittelgebirgsflusses. Ab der Talsperre Bautzen (Mittellauf) legt
die Spree den Hauptteil ihrer Laufstrecke als typischer Flach-
landfluss zurück. Sie bildet im Oberlausitzer Heide- und Teich-
gebiet die erste Flussverzweigung, d. h., dass die Kleine Spree
nach Westen abzweigt und etwa 30 km flussabwärts bei Spree-
witz wieder in die Große Spree mündet. Nach Abzweig der Klei-
nen Spree mündet das Löbauer Wasser in die Spree. Bei Sprey
mündet als größter rechter Nebenfluss der Schwarze Schöps.
Nach Erreichen der brandenburgischen Landesgrenze durch-
fließt die Spree die Stadt Spremberg und verzweigt sich dann
zum Spreewald. Richtung Norden mündet die Spree in Berlin in
die Havel, welche in die Elbe mündet.
Abbildung 1-6: Sächsisches Einzugsgebiet der Spree
Abbildung 1-7: Sächsisches Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße
1.7 Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße
Die Lausitzer Neiße entspringt im tschechischen Isergebirge in
einer Höhe von 774 m ü. NN und hat eine Gesamtlänge von etwa
252 km. Nach 55 km erreicht sie bei Hartau im Lausitzer Gebirge
in einer Höhe von 234 m ü. NN die deutsche Grenze. Bis zum
Dreiländereck südlich von Zittau bildet der Fluss auf etwa einem
Kilometer Länge die Grenze zwischen Deutschland und Tsche-
chien. In ihrem weiteren Verlauf nach Norden ist die Lausitzer
Neiße der Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen. Rund
15 km südlich von Eisenhüttenstadt mündet sie bei Ratzdorf in
die Oder.
Das 4.403 km² große Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße liegt zu
16 % auf dem Territorium der Tschechischen Republik, zu 51 %
auf dem der Republik Polen und zu 33 % auf dem der Bundes-
republik Deutschland. Der sächsische Anteil am Einzugsgebiet
der Lausitzer Neiße beträgt 840 km² (Abbildung 1-7).
Von polnischer Seite sind die bedeutendsten Zuflüsse die Mied-
zianka, die Witka (auf tschechischem Gebiet Smědá), die Skroda,
die Wodra und die Lubsza. Die wichtigsten linksseitigen Zuflüsse
auf sächsischem Gebiet sind die Mandau und die Pließnitz, auf
Brandenburger Gebiet der Malxe-Neiße-Kanal und das Schwarze
Fließ.

image
image
2 Meteorologie | 15
2 Meteorologie
Im Folgenden werden die Wetterlagen und das Niederschlags-
geschehen der Monate Mai und Juni 2013 beschrieben. Dabei
wird die Niederschlagssituation für Deutschland, Sachsen und
das Einzugsgebiet der Elbe analysiert. Es werden zunächst die
Hochwasser begünstigenden Vorbedingungen im Mai betrach-
tet. Daran schließt sich die Darstellung der vier Zeiträume mit
extremen Niederschlägen im Mai und Juni, der raumzeitlichen
Niederschlagsverteilung sowie der entsprechenden wetterlagen-
spezifischen Bedingungen an. Abschließend werden die monat-
lichen Gebietsniederschläge für Mai und Juni betrachtet.
Sofern bei den hier dargestellten Tageswerten der Nieder-
schlagshöhen nichts anderes angegeben ist, beziehen sich diese
jeweils auf den Zeitraum von 08:00 Uhr des Niederschlagstages
bis 08:00 Uhr des Folgetages (MESZ).
Die Auswertungen beruhen zum Großteil auf einem hydrome-
teorologischen Gutachten des Deutschen Wetterdienstes (DWD
2013), auf dem gewässerkundlichen Monatsbericht des LfULG
(LfULG 2013 b), auf einem Bericht des Tschechischen Hydrome-
teorologischen Instituts (ČHMÚ 2013) sowie auf einem Gutach-
ten von Prof. U. Haberlandt der Universität Hannover (Haber-
landt 2014). Des Weiteren wurden die Analysen des Instituts für
Meteorologie der Freien Universität Berlin
(www.met.fu-berlin.
de) sowie des Informationssystems »Wettergefahren-Frühwar-
nung«
(www.wettergefahren-fruehwarnung.de)
herangezogen.
2.1 Hydrometeorologische Vorbedingungen
bis zum 29. Mai 2013
Bereits vor den Starkniederschlägen Ende Mai und Anfang Juni
waren Randbedingungen eingetreten, die ein Hochwasser in
Deutschland und Tschechien begünstigen.
In der ersten Maiwoche wurde die Großwetterlage durch die
»Hochdruckbrücke Mitteleuropa« (BM) bestimmt. In der zweiten
Maiwoche herrschte die sonst bevorzugt im Winterhalbjahr auf-
tretende »winkelförmige Westlage« (WW) vor. Dabei wurden die
vom Atlantik ostwärts ziehenden Tiefausläufer über dem östli-
chen Mitteleuropa abgebremst und der Höhenströmung gemäß
nach Norden umgelenkt. Vom 15. bis 17. Mai gelangte bei der
»Südlage, zyklonal« (Sz) vorübergehend sehr warme Luft ins öst-
liche Mitteleuropa. Vom 18. bis 21. Mai dominierte die Großwet-
terlage »Tief Mitteleuropa« (TM). Am 22. Mai begann die sieben
Tage dauernde Phase der Großwetterlage »Trog Mitteleuropa«
(TrM). Von Nordwesten einströmende Polarluft ließ über Mittel-
europa einen hoch reichenden Kaltluftkörper entstehen. Um
diesen kreisten kleine, sehr wetterwirksame Bodentiefs. Es kam
verbreitet, vor allem im Norden und in der Mitte Deutschlands,
aber auch in Tschechien, zu sehr ergiebigen Niederschlägen. Ab-
bildung 2-1 enthält die Niederschlagssumme für den Zeitraum
17. bis 29. Mai 2013.
Am 26. Mai war, insbesondere wegen der Niederschläge vom 24.
bis zum 26. Mai, im Süden und Osten Deutschlands sowie in
Tschechien vielerorts der mehrjährige mittlere Niederschlag des
Monats Mai bereits erreicht. Das zeigt beispielhaft die Abbildung
2-2, in der die Aufeinanderfolge der täglichen Niederschlagshö-
hen und deren kumulierte Summe unter Angabe des Monats-
mittels Mai am Beispiel der Station Garsebach bei Meißen dar-
gestellt ist (DWD 2013).
Abbildung 2-1: Räumliche Verteilung der Niederschlagssumme vom
17.05. – 29.05.2013 (Datenquelle: RADOLAN, DWD)

image
16 | 2 Meteorologie
Bereits am 28. und 29. Mai kam es erneut zu hohen Niederschlä-
gen, wobei am 28. Mai das Gebiet Sachsens und am 29. Mai das
Gebiet Tschechiens jeweils stärker betroffen waren. Am 28. Mai
fielen vor allem in Nord- und Ostsachsen Niederschläge zwi-
schen 20 mm und 30 mm (vgl. Abbildung 2-2). In Tschechien war
relativ kleinräumig der Norden Böhmens (Böhmische Schweiz,
Jeschkengebirge) mit Niederschlagssummen von 30 – 40 mm
betroffen. Am 29. Mai regnete es ebenfalls in ganz Sachsen. Die
höchsten Niederschläge von bis zu ca. 15 mm traten dabei lokal
begrenzt auf, z. B. in den Regionen Dresden und Chemnitz sowie
im Westerzgebirge. Auch in Tschechien regnete es flächende-
ckend und vereinzelt kam es zu Gewittern. In der Nähe von
Příbram in Mittelböhmen wurden die höchsten Niederschläge
mit 43 mm registriert.
Diese überdurchschnittlichen Niederschlagssummen sorgten
dafür, dass die Böden in weiten Teilen Deutschlands und Tsche-
chiens mit Wasser gesättigt und oftmals überstaut waren. Ende
Mai wiesen rund 40 % der Fläche Deutschlands so hohe Boden-
feuchtewerte auf, wie sie seit Beginn der Messungen 1962 im
Mai noch nicht beobachtet wurden (DWD 2013).
Die extrem hohen Werte der Bodenfeuchte waren die entschei-
dende Ausgangsbedingung für sehr hohe Abflussbeiwerte. Das
heißt, es kam zu einer sehr schnellen Transformation der weite-
ren Starkniederschläge, insbesondere vom 30. Mai bis zum
03. Juni, in Direktabflüsse, die für die Bildung teils extremer
Abbildung 2-2: Tägliche Niederschlagshöhen und deren kumulierte Summe sowie die mittlere monatliche Niederschlagssumme für Mai (1981-2010)
für die Station Garsebach bei Meißen (DWD 2013)
0
50
100
150
200
250
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
01.05.
03.05.
05.05.
07.05.
09.05.
11.05.
13.05.
15.05.
17.05.
19.05.
21.05.
23.05.
25.05.
27.05.
29.05.
31.05.
02.06.
N kumuliert [mm]
N [mm]
Datum
N [mm]
N kumuliert [mm]
mittl. Monatssumme N (1981-2010) [mm]
Abbildung 2-3: Bodenfeuchte am 30.05.2013 für Deutschland
(Datenquelle:
DWD)

image
2 Meteorologie | 17
2
Hochwasserwellen im gesamten Elbeeinzugsgebiet verantwort-
lich waren.
Die Bodenfeuchte (in % nFK
1
) ist für die Nacht vom 29. auf den
30. Mai in Abbildung 2-3 für Deutschland und in Abbildung 2-4
für Sachsen dargestellt. Es wird deutlich, dass der Boden in wei-
ten Teilen Deutschlands bereits zu diesem Zeitpunkt wasserge-
sättigt war. Die Bodenfeuchtewerte lagen in Deutschland zwi-
schen 62 % nFK und 120 % nFK. Dabei wiesen rund 65 % der
Fläche Deutschlands eine Bodenfeuchte von ≥100 % nFK auf. In
Sachsen lag die Bodenfeuchte in der Nacht des 29. Mai zwischen
79 % nFK und 112 % nFK und damit zwischen 7 % nFK und
41 % nFK über dem Mittel für den Zeitraum 1981-2010.
2.2 Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
im Zeitraum 30. Mai bis 2. Juni 2013
Die niederschlagsreiche Witterung des Monats Mai verstärkte
sich ab dem 29. Mai mit der Großwetterlage »Tief Mitteleuropa«,
wobei nun vor allem der Süden und der Südosten Deutschlands
großflächig von mehrtägigem kräftigem Dauerregen betroffen
waren. An der Vorderseite des ausgeprägten Trogs über Mittel-
1 nutzbare Feldkapazität
europa bildete sich im Bodenniveau das Tief »Frederik«, das am
29. Mai über Ungarn lag. Im Verlauf des 30. Mai verstärkte sich
dieses Tief und verlagerte sich nach Nordtschechien. Um dieses
Tief herum strömte in weitem Bogen immer wieder warme und
vor allem feuchte Luft aus dem südöstlichen Mittelmeerraum in
Richtung Deutschland. Dort glitt die labil geschichtete Luft, die
hochreichend einen großen Flüssigwassergehalt hatte, auf die
deutlich kühleren Luftmassen auf, die mit der nördlichen Strö-
mung am Rande des atlantischen Hochs nach Deutschland ge-
langt waren. Dieser Prozess der Wolkenbildung wurde orogra-
fisch bedingt noch verstärkt. Durch die nördliche Anströmung
auf der Westflanke des Tiefs kam es zusätzlich zu Staueffekten
an den Nordrändern von Gebirgen wie dem Erzgebirge, dem Thü-
ringer Wald und den Alpen. In den Bundesländer Sachsen, Thü-
ringen und Bayern wurden Niederschlagsmengen von knapp
50 mm bis 8:00 Uhr des 31. Mai registriert. Die höchste 24-stün-
dige Niederschlagssumme meldete Neuhaus am Rennweg in
Thüringen mit 49 mm. Aber auch Chemnitz registrierte mit
41,8 mm (Tabelle 2-1) eine sehr hohe Tagessumme. Es regnete
auch auf dem gesamten Gebiet der Tschechischen Republik mit
durchschnittlich 12 mm. An den Stationen Kdyně in Westböh-
men und Cínovec im Erzgebirge wurden mit jeweils rund 40 mm
die höchsten Niederschlagssummen gemessen. Damit war der
30. Mai in Sachsen, Thüringen und Tschechien der regenreichste
Tag des Monats Mai.
Abbildung 2-4: Bodenfeuchte am 30.05.2013 für Sachsen (Datenquelle: DWD)

image
18 | 2 Meteorologie
Am 31. Mai waren die Niederschläge in Sachsen zwar insgesamt
weitaus geringer als in Süddeutschland und als am Vortag, er-
reichten aber mit z. B. 24 mm an der Station Chemnitz (Tabelle
2-1) dennoch beachtliche Summen. In der Tschechischen Repu-
blik waren die Niederschläge am 31. Mai deutlich geringer. Mit
Ausnahme einiger Stationen in Westböhmen, erreichten die Ta-
gesniederschläge an den meisten tschechischen Stationen Werte
bis 15 mm.
Danach verlagerte sich Tief »Frederik« bis zur Nacht zum 01. Juni
nach Südwesten, befand sich schließlich mit seinem Zentrum
über den Alpen (Abbildung 2-5) und löste sich am 02. Juni über
Korsika auf. Zeitgleich dazu entwickelte sich das Tiefdruckgebiet
»Günther«, das am 01. Juni über Polen verortet war (Abbildung
2-5).
Im Laufe des 01. Juni zog Tief »Günther« langsam über den Osten
Deutschlands sowie die Tschechische Republik und war aus-
schlaggebend für die Starkniederschläge am 01. und 02. Juni.
Hochdruckgebiete über Nord- und Westeuropa blockierten das
weitere Vordringen des Tiefs, wodurch es über Mitteleuropa ver-
harrte. Die Warmfront des Tiefs traf bei der Westverlagerung
über Ostdeutschland und Böhmen auf einfließende Kaltluft in
den bodennahen Schichten. Dadurch wurde die feuchtwarme
Luft zum Aufstieg gezwungen und es konnten sich weitere in-
tensive Niederschlagsgebiete bilden. Diese neu gebildeten Nie-
derschlagsgebiete wurden orografisch bedingt noch verstärkt
und sorgten in Verbindung mit den noch bestehenden Nieder-
schlagsgebieten von Tief »Frederik« für ergiebige Regenmengen
in Deutschland, Tschechien und den Alpenländern. In Sachsen
wurden die höchsten 24-stündigen Niederschlagsmengen in
Stützengrün-Hundshübel mit 100,4 mm und in Carlsfeld mit
95,5 mm gemessen. In Tschechien fielen ebenfalls extreme Re-
genmengen, vor allem in Böhmen, wo es innerhalb von 24 Stun-
den vielerorts über 80 mm und an manchen Orten sogar über
100 mm regnete. Die höchste Niederschlagssumme wurde hier
an der Station Horní Maršov im Riesengebirge mit 130 mm re-
gistriert (Tabelle 2-2). Die Station Churáňov im Böhmerwald
registrierte 86,7 mm (Tabelle 2-2) und die Station Praha-Libus
58,9 mm. In den Regionen Süd- und Mittelböhmen fielen durch-
schnittlich 58 mm bzw. 45 mm Niederschlag.
Am 02. Juni war die Großwetterlage weiterhin unverändert und
es kam erneut zu Starkniederschlägen mit gebietsweiser konvek-
tiver und gewittriger Verstärkung. In Sachsen und Tschechien
fielen die Niederschläge an diesem Tag teilweise höher als die des
Vortages aus. So wurden an der Station Stollberg-Gablenz
58,7 mm (Tabelle 2-1), in Pulsnitz 51,4 mm und in Karlovy Vary
29,1 mm gemessen. Die höchste Tagessumme in der Tschechi-
schen Republik wurde in Mittelböhmen an der Station Poděbrady
mit 87,9 mm gemessen (Tabelle 2-2). Für die Region Mittelböh-
men ergab sich eine durchschnittliche Niederschlagssumme von
25 mm. Über 70 mm Niederschlag fielen im Isergebirge (Bedřichov
Abbildung 2-5: Frontenverlauf über Europa am 01.06.2013, 02:00 Uhr (Quelle: DWD, Namensgebung der Hoch- und Tiefdruckgebiete
durch FU Berlin)

2 Meteorologie | 19
Station
Einzugsgebiet
24h-Niederschlag [mm]
96h-Nieder-
schlag [mm]
Wiederkehr-
intervall
[Jahre]
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
30.05.- 02.06.
TS Falkenstein
Weiße Elster
57,4
23,3
53,5
49,2
183,4
80
Tirpersdorf
Weiße Elster
50,3
24,3
48,4
43,4
166,4
80
Treuen
Weiße Elster
38,1
17,9
47,5
48,0
151,5
50
Stützengrün-Hundshübel
Zwickauer Mulde
56,2
22,4
100,4
45,0
224,0
100
TS Eibenstock
Zwickauer Mulde
52,6
27,0
90,8
44,4
214,8
>100
Carlsfeld
Zwickauer Mulde
47,9
12,4
95,5
38,5
194,3
50
Stollberg-Gablenz
Zwickauer Mulde
56,2
23,2
50,7
58,7
188,8
100
TS Grünberg-Muldenberg
Zwickauer Mulde
47,3
26,2
66,4
42,0
181,9
80
St. Egidien-Kuhschnappel
Zwickauer Mulde
54,3
30,9
47,6
46,7
179,5
>100
Aue
Zwickauer Mulde
46,4
19,1
58,6
53,2
177,3
100
Chemnitz
Zwickauer Mulde
41,8
24,3
45,8
47,6
159,5
50
Rechenberg-Bienenmühle-H.
Freiberger Mulde
43,6
8,2
107,5
55,5
214,8
>100
Marienberg
Freiberger Mulde
43,0
7,5
66,1
52,5
169,1
100
Deutschneudorf-Brüderwiese
Freiberger Mulde
25,7
4,0
91,5
42,1
163,3
50
Drebach
Freiberger Mulde
45,5
6,7
40,9
44,7
137,8
20
Zinnwald-Georgenfeld
Obere Elbe
39,5
7,2
62,6
44,5
153,8
20
Garsebach bei Meißen
Obere Elbe
32,7
14,6
31,7
47,7
126,7
30
Coswig
Obere Elbe
20,2
19,2
29,7
54,5
123,6
20
Rosenthal-Bielatal
Obere Elbe
32,4
5,9
36,6
35,3
110,2
5
Dresden-Klotzsche
Obere Elbe
12,8
18,7
29,8
43,4
104,7
7
Station
Einzugsgebiet
24h-Niederschlag [mm]
48h-Nieder-
schlag [mm]
Wiederkehr-
intervall [Jahre]
120h-Nieder-
schlag [mm]
Wiederkehr-
intervall [Jahre]
01.06.
02.06.
01. – 02.06.
29.05. – 02.06.
Horní Maršov
Labe
130,3
17,7
148,0
70
167,3
20
Poděbrady
Labe
41,6
87,9
129,5
>100
152,7
>100
Jestibnice
Vlatava
95,6
32,5
128,1
>100
166,1
70
Nadějkov, Větrov
Vlatava
81,0
31,7
112,7
50
153,8
40
Votice
Vlatava
73,5
33,1
106,6
40
159,6
50
Kovářov
Vlatava
85,1
26,3
111,4
50
157,5
60
Střezimíř
Vlatava
107,0
29,3
136,3
>100
182,4
>100
Železná Ruda, Špičák
Vlatava
84,6
72,8
157,4
20
219,4
20
Churáňov
Otava
86,7
36,3
123,0
20
175,5
20
Zbytiny
Otava
108,3
34,5
142,8
60
191,3
40
Frantoly
Otava
101,0
25,0
126,0
40
161,6
30
Tabelle 2-1: 24-stündige und 96-stündige Niederschlagssummen für den Zeitraum 30.05. (8:00 Uhr) bis 03.06.2013 (8:00 Uhr) und entsprechendes
Wiederkehrintervall für ausgewählte Niederschlagsstationen Sachsens (DWD 2013)
Tabelle 2-2: 24-stündige, 48-stündige und 120-stündige Niederschlagssummen für den 01. und 02. Juni bzw. vom 29. Mai (8:00 Uhr) bis 03. Juni
(8:00 Uhr) sowie das entsprechende Wiederkehrintervall der mehrtägigen Summen für ausgewählte Niederschlagstationen Tschechiens (
Č
HMÚ 2013)
2
76 mm) und im Böhmerwald (Železná Ruda Špičák 72,8 mm)
(Tabelle 2-2). Da sich die Regengebiete nach Süden verlagerten
und sich dabei von Norden her abschwächten, lag der Nieder-
schlagsschwerpunkt bis zum Morgen des 03. Juni über dem Erz-
gebirge, im Frankenland und in Böhmen. In den 48 Stunden vom
01. bis zum 02. Juni fielen in der Tschechischen Republik durch-
schnittlich etwa 50 mm Niederschlag.

image
image
image
image
image
20 | 2 Meteorologie
Im Laufe des 03. Juni verschob sich der Niederschlagsschwer-
punkt in Tschechien nach Nordmähren, wo örtlich bis zu 50 mm
Niederschlag fielen.
Erst als Tief »Günther« ab dem 03. Juni nach Osteuropa abzog
und sich abschwächte, ließen die ergiebigen Niederschläge in
Mitteleuropa und im Nordalpenraum nach.
Tabelle 2-1 gibt einen Überblick über die täglichen Nieder-
schlagshöhen der vier Tage vom 30. Mai bis zum 02. Juni sowie
deren Summe und das jeweils entsprechende Wiederkehrinter-
vall an ausgewählten Stationen Sachsens. In Tabelle 2-2 sind für
ausgewählte tschechische Stationen die Tagesniederschläge des
01. und 02. Juni, deren Summe und das Wiederkehrintervall der
Summe sowie die Niederschlagssumme des fünftägigen Zeit-
raums vom 29. Mai bis zum 02. Juni und das entsprechende
Wiederkehrintervall enthalten.
Die 96-stündige Niederschlagssumme für den Zeitraum 30. Mai
bis 03. Juni ist in der Abbildung 2-6 für Deutschland und die
grenznahen Regionen dargestellt. Es ist gut erkennbar, dass der
Schwerpunkt der Starkniederschläge in Sachsen, Thüringen,
Bayern und Baden-Württemberg sowie Tschechien lag. In
Deutschland waren dabei speziell das Erzgebirge, der Thüringer
Wald, die Alpen und ihr Vorland sowie Fränkische und Schwäbi-
sche Alb und der Schwarzwald betroffen. Hier wurden Nieder-
schlagssummen von 150 mm/96 h und mehr erreicht. In Tsche-
chien konzentrierten sich die Niederschläge vor allem auf
Böhmen und das Riesengebirge.
Abbildung 2-6: Räumliche Verteilung Niederschlagssumme für
Deutschland vom 30.05. – 02.06.2013 (Datenquelle: RADOLAN, DWD)
Abbildung 2-7: Räumliche Verteilung der Tageswerte der Niederschlagshöhe für Sachsen am 30.05.2013 (oben links), 31.05.2013 (oben rechts),
01.06.2013 (unten links) und 02.06.2013 (unten rechts) (Datenquelle: Haberlandt (2014) auf Basis von DWD-Daten)

2 Meteorologie | 21
Abbildung 2-7 zeigt für Sachsen und angrenzende Gebiete die
täglichen Niederschlagssummen für die vier Tage vom 30. Mai
bis zum 02. Juni. Sie verdeutlichen die räumliche und zeitliche
Verteilung der Hochwasser auslösenden Starkniederschläge. Gut
erkennbar ist der Niederschlagsschwerpunkt über dem Erzge-
birge und dessen nördlichen Staubereichen vor allem am 01. und
02. Juni mit Niederschlagssummen von bis zu 100 mm, aber
auch am 30. Mai mit bis zu 60 mm und am 31. Mai mit bis zu
30 mm Niederschlag.
Der zeitliche Verlauf der täglichen Niederschlagssummen für das
Einzugsgebiet der Weißen Elster sowie der Zwickauer und Frei-
berger Mulde ist für die Monate Mai und Juni in Abbildung 2-8
und Abbildung 2-9 dargestellt. Sie zeigen die bereits erwähnten
hohen Niederschläge im Mai besonders am 26. Mai im Vorfeld
des Hochwassers. Um den Monatswechsel zeigt sich die Häu-
fung der Starkniederschläge, die zu dem extremen Hochwasser
führten. Auch im Juni fielen weiter sehr hohe Niederschläge, vor
allem am 09., 20. sowie 24. und 25. Juni. Im Folgenden werden
diese näher betrachtet.
0
5
10
15
20
25
30
35
40
01.05.
03.05.
05.05.
07.05.
09.05.
11.05.
13.05.
15.05.
17.05.
19.05.
21.05.
23.05.
25.05.
27.05.
29.05.
31.05.
02.06.
04.06.
06.06.
08.06.
10.06.
12.06.
14.06.
16.06.
18.06.
20.06.
22.06.
24.06.
26.06.
28.06.
Gebietsniederschlag [mm]
Weiße Elster
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
01.05.
03.05.
05.05.
07.05.
09.05.
11.05.
13.05.
15.05.
17.05.
19.05.
21.05.
23.05.
25.05.
27.05.
29.05.
31.05.
02.06.
04.06.
06.06.
08.06.
10.06.
12.06.
14.06.
16.06.
18.06.
20.06.
22.06.
24.06.
26.06.
28.06.
Gebietsniederschlag [mm]
Zwickauer Mulde
Freiberger Mulde
Abbildung 2-8: Zeitlicher Verlauf des mittleren Niederschlags im Einzugsgebiet der Weißen Elster für die Monate Mai und Juni 2013
(Datenquelle: Haberlandt (2014) auf Basis von DWD-Daten)
Abbildung 2-9: Zeitlicher Verlauf des mittleren Niederschlags im Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde und der Freiberger Mulde für die Monate
Mai und Juni 2013 (Datenquelle: Haberlandt (2014) auf Basis von DWD-Daten)
2

image
image
22 | 2 Meteorologie
2.3 Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
am 08. und 09. Juni 2013
Die erste Junihälfte war in Sachsen durch kurzfristige Luftmas-
senwechsel gekennzeichnet. Eingelagert in einen Höhentrog
über Skandinavien entwickelte sich Anfang Juni das Tiefdruck-
gebiet »Herrmann«. Dieser Höhentrog dehnte sich nach Süden
aus, wodurch eine Verbindung zu dem Höhentief über Frankreich
entstand und sich über Mitteleuropa eine markante Luftmassen-
grenze ausbildete. In diesem Bereich entwickelten sich gegen
Abend des 08. Juni einzelne, unwetterartige Schauer und Gewit-
ter. So wurden am 08. Juni an der Station Zittau 48 mm (davon
42,1 mm in einer Stunde) gemessen.
Am 09. Juni befand sich über Großbritannien ein Bodenhoch und
das Tief »Herrmann« verlagerte sich nach Nordskandinavien.
Zwischen diesen beiden Druckgebieten gelangten mit einer
nördlichen Strömung kühlere und stabil geschichtete Luftmas-
sen nach Norddeutschland. Die Kaltfrontokklusion des Tiefs
»Herrmann« lag dabei über Deutschland und es kam lokal er-
neut zu heftigen konvektiven Schauern und Gewittern mit sehr
hohen Niederschlägen innerhalb kürzester Zeit. Die Nieder-
schläge konzentrierten sich in Sachsen insbesondere auf die
Sächsische Schweiz, das Lausitzer Bergland und das Einzugs-
gebiet des mittleren Löbauer Wassers um Weißenberg (Abbil-
Abbildung 2-10: Räumliche Verteilung der Tageswerte der Niederschlagshöhe für Sachsen und grenznahe Regionen am 09.06.2013
(Datenquelle: RADOLAN, DWD)
dung 2-10). So wurde an der Station Weißenberg ein 1 h – Nie-
derschlag von 36,8 mm (Tagessumme 49,7 mm) nach einem
vortägigen 1 h – Niederschlag von bereits 26,8 mm beobachtet.
Extrem hohe Stundenniederschläge wurden auch an den Sta-
tionen Ebersbach (33,9 mm), Dürrhennersdorf (36,4 mm bei
einem Tagesniederschlag von 49,9 mm) und Sebnitz (24,3 mm
bei einer Tagessumme von 45,7 mm) registriert. In anderen Ge-
bieten Sachsens traten noch kleinräumiger extreme Stunden-
niederschläge auf, so wurden in Hartmannsdorf (Talsperre
Lehnmühle) 60,1 mm in einer Stunde und eine Tagessumme
von 86 mm erreicht.
Abbildung 2-10 enthält die täglichen Niederschlagssummen des
09. Juni für Sachsen und grenznahe Regionen und verdeutlicht
den Niederschlagsschwerpunkt mit bis zu 45 mm über dem Ge-
biet der Sächsischen Schweiz und dem Lausitzer Bergland.
2.4 Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
am 20. und 21. Juni 2013
Ein Hoch über Mitteleuropa sorgte im Folgezeitraum für warmes
und meist niederschlagsfreies Wetter. Vom 17. bis zum 21. Juni
herrschte die Großwetterlage »Trog Westeuropa«. An der Trog-
vorderseite gelangte mit einer südlichen Strömung subtropische,

image
image
2 Meteorologie | 23
Abbildung 2-11: Räumliche Verteilung der Tageswerte der Niederschlagshöhe für Sachsen und grenznahe Regionen am 20.06.2013
(Datenquelle: Haberlandt (2014) auf Basis von DWD-Daten)
sehr warme bis heiße, labil geschichtete Luft nach Mitteleuropa,
so dass ab 17. Juni Höchsttemperaturen von über 30 °C, regional
auch über 35 °C, gemessen wurden. Am 20. Juni wiesen Sachsen
und Bayern die höchsten Temperaturen auf. Die Tageshöchst-
temperatur lag in Dresden-Klotzsche bei 33,5 °C und in Hoyers-
werda bei 35,3 °C.
Bis zum 20. Juni blieb es in Sachsen niederschlagsfrei und sehr
heiß. In der Nacht zum 21. Juni griff von Westen die Kaltfront
des Tiefs »Norbert« auf Sachsen über und brachte teils kräftige
unwetterartige Gewitter, Starkregen, Sturmböen und Hagel mit
sich. In Sachsen wurden die Gewitter am Erzgebirge orografisch
verstärkt und brachten bis zu 5 cm großen Hagel.
In den Flussgebieten der Schwarzen Elster und der Weißen Elster
sowie der Mulde, der Großen Röder und auch im Lausitzer Berg-
land fielen dabei beträchtliche Niederschlagssummen (Abbil-
dung 2-11). Im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster wurden an
den Stationen Hoyerswerda 77,7 mm (davon 41,6 mm in einer
Stunde), Speicher Radeburg I 66,8 mm und Kleinröhrsdorf
55,4 mm (davon 50,2 mm in einer Stunde) gemessen. Im Ein-
zugsgebiet der Weißen Elster wurden an der Station Leipzig-
Holzhausen 67,6 mm (davon 59,9 mm in einer Stunde) und an
der Lysimeterstation Brandis 47,3 mm (davon 35,6 mm in einer
Stunde) registriert. Im Mulde-Einzugsgebiet fielen an den Stati-
onen Grimma-Kleinbothen 63,8 mm (davon 38,1 mm in einer
Stunde), Sermuth 45,4 mm (davon 35,7 mm in einer Stunde) und
Talsperre Einsiedel 45,1 mm Niederschlag.
Ab 22. Juni wurde die Witterung durch die Großwetterlage »Trog
Mitteleuropa« geprägt. Bis zum 23. Juni entwickelten sich nur
vereinzelt, meist tagesgangbedingte Schauer und Gewitter mit
geringem Niederschlag.
Abbildung 2-11 zeigt die räumliche Verteilung der Niederschläge
vom 20. Juni in Sachsen und den grenznahen Gebieten. Der mar-
kanteste Schwerpunkt mit bis zu 100 mm ist deutlich in der
Region Hoyerswerda im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster er-
kennbar. Aber auch auf das Stadtgebiet Leipzig, die Einzugsge-
biete von Mulde und Großer Röder sowie das Lausitzer Bergland
konzentrierten sich die Niederschläge mit Summen von bis zu
70 mm.
2.5 Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
am 24. und 25. Juni 2013
Am 24. Juni bildete sich an der Vorderseite eines ausgeprägten
Höhentroges über dem Atlantik und Mitteleuropa das Tiefdruck-
gebiet »Petar«, dessen Zentrum über Ungarn analysiert wurde.
Gesteuert durch den Höhentrog verlagerte sich dieses Tief bis
zum 28. Juni von Ungarn über Polen (Abbildung 2-12), die Ost-
2

image
24 | 2 Meteorologie
see und Südskandinavien bis zur Nordsee, wo es sich schließlich
auffüllte. In diesen Tagen lag über Mitteleuropa maritime Polar-
luft und östlich davon warme subtropische Luft. Dadurch wurde
das Tief »Petar« und in den niedrigeren Schichten der Atmo-
sphäre die Strömung aus nördlichen Richtungen verstärkt. Es
kam zu starker Warmluftadvektion, die ergiebige und lang an-
haltende Niederschläge im Bereich des Tiefdruckgebietes verur-
sachte. Die Tagestemperaturen sanken dabei auf 10 bis 14 °C.
Die kräftigsten Regenfälle ereigneten sich am 24. und 25. Juni
über weiten Teilen Tschechiens sowie über Westpolen und Ost-
deutschland.
Am 24. Juni verstärkte sich das Niederschlagsgebiet über Tsche-
chien sowie über den Bundesländern Sachsen und Brandenburg
und verlagerte sich nur langsam. In Tschechien war dieser Tag
der niederschlagsreichste des Monats Juni. Hier fielen in einem
ca. 150 km breiten Streifen mehr als 40 mm Niederschlag. Davon
betroffen waren vor allem die Osthälfte Böhmens und die West-
hälfte Mährens. Die höchste Niederschlagssumme wurde mit
103 mm an der Station Džbánice in Südmähren gemessen. Im
Riesengebirge und im Isergebirge traten Tagesniederschläge von
bis zu 80 mm auf. In Ostsachsen wurden Niederschlagssummen
von 20 bis über 50 mm registriert (Görlitz 51 mm; Dürrhenners-
dorf 36,4 mm; Reichenbach/OL 40,8 mm). In der Sächsischen
Schweiz und dem Osterzgebirge fielen 10 bis über 35 mm (Lich-
tenhain-Mittelndorf 32,7 mm; Zinnwald-Georgenfeld 35,5 mm).
Im Einzugsgebiet der Oberen Elbe auf tschechischem Gebiet
fielen Niederschlagssummen von 60 bis über 80 mm (Svratouch
86,9 mm; Pardubice 68,8 mm). Bei der weiteren Verlagerung des
Tiefs »Petar« nach Norden dehnte sich dieses Niederschlagsge-
biet über die gesamte Osthälfte Deutschlands aus.
Am 25. Juni verlagerte sich das Tief weiter nach Norden und im
gesamten Freistaat Sachsen fielen ergiebige Regenmengen. In
Ostsachsen und dem sächsischen Bergland wurden teilweise
Niederschlagssummen von 30 bis über 40 mm registriert (Rei-
chenbach/OL 37,2 mm; Zinnwald-Georgenfeld 49,4 mm; Tal-
sperre Gottleuba 43,7 mm). In Tschechien ließen die Nieder-
schläge insgesamt nach, dennoch regnete es landesweit mit
lokalen Verstärkungen weiter. Es fielen durchschnittlich 10 mm
Niederschlag. Die höchsten Niederschläge traten im Iser- und
Erzgebirge sowie in Ostböhmen auf. Die Station Bílý Potok im
Isergebirge registrierte mit 93 mm die höchste Tagessumme.
Somit fielen in den ostsächsischen Einzugsgebieten flächende-
ckend 48-stündige Niederschlagssummen von 50 bis 80 mm und
im Einzugsgebiet der Elbe auf tschechischem Gebiet 70 bis
Abbildung 2-12: Frontenverlauf über Europa am 25.06.2013, 02:00 Uhr (Quelle: DWD, Namensgebung der Hoch- und Tiefdruckgebiete durch FU Berlin)

image
image
image
image
2 Meteorologie | 25
Station
Niederschlag [mm]
48h-Nieder-
schlag [mm]
24.06.2013
25.06.2013
24.-25.06.2013
Bertsdorf-Hörnitz
42,7
17,2
59,9
Görlitz
51,0
23,8
74,8
Liberec
51,0
25,4
76,4
Reichenbach OL
40,8
37,2
78,0
TS Quitzdorf
35,4
36,4
71,8
Lichtenhain-Mittelndorf
32,7
22,4
55,1
Fürstenwalde
24,3
39,3
63,6
TS Gottleuba
22,3
43,7
66,0
TS Klingenberg
20,4
39,7
60,1
Zinnwald-Georgenfeld
35,5
49,4
84,9
Dippoldiswalde
24,7
37,1
61,8
Sohland/Spree
31,3
23,0
54,3
Dürrhennersdorf
36,4
28,3
64,7
Hähnichen-Trebus
34,6
25,0
59,6
Kosetice bei Tabor
56,4
16,6
73,0
Pardubice
68,8
16,9
85,7
Ústí nad Orlicí
55,9
13,6
69,5
Svratouch
83,9
22,8
106,7
Křižanovice
81,9
25,0
106,9
Krucemburk
79,5
33,5
113,0
Tabelle 2-3: 24-stündige und 48-stündige Niederschlagssummen für den
24. und 25.06.2013 an ausgewählten Niederschlagstationen Sachsens
und Tschechiens (DWD 2013;
Č
HMÚ 2013)
Abbildung 2-14: Räumliche Verteilung der Tageswerte der Niederschlagshöhe für Sachsen und grenznahe Regionen am 24.06.2013 (links)
und 25.06.2013 (rechts) (Datenquelle: Haberlandt (2014) auf Basis von DWD-Daten)
Abbildung 2-13: Räumliche Verteilung der Niederschlagssumme
für Deutschland und grenznahe Gebiete vom 24.05. – 25.06.2013
(Datenquelle: RADOLAN, DWD)
2

26 | 2 Meteorologie
100 mm. Die höchste Niederschlagssumme wurde in dem tsche-
chischen Ort Krucemburk gemessen, wo binnen dieser zwei Tage
113 mm fielen.
Ab dem 26. Juni begann sich ein Hochdruckausläufer von Wes-
ten nach Mitteleuropa hin auszudehnen und die Niederschläge
ließen damit von Westen her allmählich nach. Für Ostsachsen,
das Osterzgebirge und die Sächsische Schweiz hielt der Dauer-
regen bis zum Morgen des 26. Juni an.
Die 24-stündigen und 48-stündigen Niederschlagssummen für
den 24. und 25. Juni sind in Tabelle 2-3 für ausgewählte Nieder-
schlagstationen in Sachsen und Tschechien zusammengestellt.
Abbildung 2-13 zeigt die 48-stündige radarbasierte Nieder-
schlagssumme für den Zeitraum 24. und 25. Juni für Deutsch-
land und grenznahe Gebiete. Sehr gut erkennbar ist dabei der
Niederschlagsschwerpunkt über Ostdeutschland und vor allem
über dem Osten Sachsens sowie dem Norden Tschechiens mit
Niederschlagssummen von bis zu 200 mm.
Für Sachsen sind die 24-stündigen Niederschlagssummen ge-
trennt für den 24. und den 25. Juni in Abbildung 2-14 darge-
stellt. Dabei wird die Ausdehnung des Niederschlagsgebietes
nach Westen verdeutlicht. Der Schwerpunkt der Niederschläge
mit bis zu 60 mm lag am 24. Juni über dem Einzugsgebiet der
Lausitzer Neiße und verschob sich zum 25. Juni hin über das
Osterzgebirge, wo noch bis zu 50 mm fielen.
2.6 Gebietsniederschlag im Mai und
Juni 2013
Abschließend erfolgt eine Betrachtung der Gebietsnieder-
schlagssummen für die Monate Mai und Juni 2013. Die Abbil-
dung 2-15 zeigt die radarbasierten Niederschlagshöhen für
Deutschland und die grenznahen Gebiete. Für Mai zeigt sich die
flächendeckende extreme Niederschlagsmenge mit dem Schwer-
punkt auf Bayern und Baden-Württemberg, Thüringen und
Sachsen sowie Ostniedersachsen. Hier fielen gebietsweise mehr
als 150 mm und lokal sogar bis zu 300 mm. Tabelle 2-4 enthält
Beispiele für die Gebietsniederschläge und deren Abweichung
vom langjährigen Monatsmittel (1981– 2010). In Thüringen fie-
len im Mittel 178 mm, dies entspricht einer extremen Abwei-
chung von 264 % vom Mittel der Referenzperiode 1981– 2010.
Für Sachsen ergaben sich ein Gebietsmittel von 137 mm und
damit eine Abweichung von 212 %. Im Einzugsgebiet der Elbe
bis einschließlich der Saale summierten sich die Niederschläge
im Mittel auf 144 mm, was eine Abweichung von 233 % bedeu-
tet. Auf dem Gebiet der Tschechischen Republik summierten sich
die Niederschläge im Mai auf durchschnittlich 113 mm, was
152 % des mittleren Monatsniederschlags der Jahre 1961-1990
darstellt. Für Böhmen betrug der durchschnittliche Gebietsnie-
derschlag 115 mm und bedeutete eine Abweichung von 174 %
vom Normalwert (1961–1990). Die größten Niederschlagshöhen
wurden in Westböhmen (126 mm, 221 % des Normalwertes) und
Nordböhmen (116 mm, 187 % des Normalwertes) registriert.
Für den Juni 2013 ist deutlich der Niederschlagsschwerpunkt
über Sachsen, Bayern und Tschechien zu erkennen. In diesem
Monat summierten sich die Niederschläge in diesen Gebieten
wieder großflächig auf bis zu 150 mm und lokal auf bis zu
300 mm. Für Juni lag das Gebietsmittel in Sachsen bei 174 mm
und einer Abweichung von 254 % vom Normalwert. Das Elbe-
einzugsgebiet bis einschließlich Saale wies einen mittleren Ge-
bietsniederschlag von 110 mm und damit eine Abweichung von
172 % auf.
Für die Tschechische Republik ergab sich ein durchschnittlicher
Gebietsniederschlag von 146 mm, dies entspricht 174 % des
Tabelle 2-4: Gebietsniederschlagssummen für Mai und Juni 2013 und die entsprechende Abweichung vom Monatsmittel der
Referenzperiode 1981-2010 für Sachsen und angrenzende Bundesländer sowie das Elbeeinzugsgebiet (DWD 2013, IKSE 2013)
Gebiet
Mai 2013
Juni 2013
Niederschlag [mm] Abweichung vom Mittel
1981 – 2010
[%]
Niederschlag [mm] Abweichung vom Mittel
1981 – 2010
[%]
Sachsen
137
212
174
254
Elbe (bis einschließlich Saale)
144
233
110
172
Elbe (unterhalb Saale)
105
190
77
122
Sachsen-Anhalt
122
223
48
84
Brandenburg und Berlin
93
171
84
144
Thüringen
178
264
71
106
Tschechien
113
152*
146
174*
Böhmen
115
174*
Kreis Karlsbad
125
205*
* Referenzperiode: 1961–1991

image
image
2 Meteorologie | 27
Mittelwertes der Periode 1961 – 1990. Die Monatssumme für Juni
2013 war damit die höchste jemals registrierte seit 1961. Im
westlichen Teil der Tschechischen Republik fiel dabei mehr Nie-
derschlag (z. B. Böhmen 154 mm) und die langjährigen Monats-
mittel wurden hier bereits in der ersten Junidekade erreicht oder
gar überschritten. Die höchsten Niederschlagsmengen traten in
einem Streifen vom Böhmerwald bis hin zum Riesen- und Iser-
gebirge auf und erreichten die höchsten Abweichungen vom
langjährigen Monatsmittel in den Kreisen Mittelböhmen
(163 mm, 217 %), Liberec (175 mm, 211 %) und Ústí nad Labem
(141 mm, 207 %).
Abbildung 2-16 enthält die Darstellung der Niederschlagssum-
men für das Gebiet Sachsen und grenznahe Regionen für Mai
und Juni 2013. Die Werte lagen im Mai zwischen 75 mm und
216 mm und im Juni zwischen 51 mm und 287 mm. Im Mai lag
der Schwerpunkt der Niederschläge über dem Erzgebirge und
dem Vogtland in den Einzugsgebieten der Weißen Elster und den
Mulden. Im Juni lagen die Niederschlagssummen in weiten Tei-
len über 200 mm. Besonders betroffen waren dabei das Erzge-
birge, das Elbsandsteingebirge, das Lausitzer Bergland und das
Zittauer Gebirge sowie deren nördliche Staubereiche und das
Gebiet um Hoyerswerda.
Die monatlichen Niederschlagssummen für Mai und Juni 2013
im Einzugsgebiet der Elbe sind in Abbildung 2-17 dargestellt.
Abbildung 2-15: Räumliche Verteilung der monatlichen Niederschlagssummen für Deutschland und grenznahe Gebiete
für Mai 2013 (links) und Juni 2013 (rechts) (Datenquelle: RADOLAN, DWD)
2

image
image
image
image
28 | 2 Meteorologie
Abbildung 2-16: Räumliche Verteilung der monatlichen Niederschlagssummen für Sachsen und grenznahe Gebiete für Mai 2013 (links)
und Juni 2013 (rechts) (Datenquelle: Haberlandt (2014) auf Basis von DWD-Daten)
Abbildung 2-17: Räumliche Verteilung der monatlichen Niederschlagssummen für das Einzugsgebiet der Elbe (Datenquelle: DWD und
ČHMÚ
)

3 Hydrologie | 29
3 Hydrologie
3.1 Verlauf des Hochwassers in den
e inzelnen
Einzugsgebieten
3.1.1 Elbe
Die Starkniederschläge Ende Mai und Anfang Juni führten auf
tschechischem Gebiet in Elbe und Moldau zu einem Hochwasser,
dessen Verlauf durch die Moldau dominiert wurde. Dabei waren
im Moldaueinzugsgebiet die Einzugsgebiete der Berounka, der
Otava, der Lainsitz (Lužnice) sowie kleinerer Nebenflüsse der
Moldau, die direkt in die Stauseen der Moldaukaskade münden,
am stärksten betroffen.
Vor dem Beginn des Hochwassers waren die Hochwasserrückhal-
teräume aller tschechischen Talsperren frei (IKSE 2014). Deshalb
konnte die Hochwasserwelle aus den Quellbereichen der Moldau
fast vollständig durch die Talsperre Lipno I gekappt werden. Aber
vor allem durch die Steuerung der Talsperre Orlík war es möglich,
den Hochwasserscheitel der Moldau um 18 Stunden zu verzö-
gern. Diese Zeit wurde benötigt, um die Hochwasserschutzmaß-
nahmen in Prag und am Unterlauf der Moldau aber auch an der
tschechischen Elbe vorzubereiten (IKSE 2014).
Der maximale Hochwasserzufluss zur Talsperre Orlík betrug
2.160 m³/s, die maximale Abgabe 1.950 m³/s. Die Stauräume der
Moldaukaskade füllten sich sehr schnell. Aber auch durch die
Zuflüsse aus der Sázava und der Berounka stieg der Wasserstand
der Moldau unterhalb der Kaskade und damit in Prag sehr
schnell an. Die Moldau am Pegel Prag-Chuchle erreichte ihren
Hochwasserscheitel am 04. Juni früh bei einem Abfluss von
3.040 m³/s. Dabei trafen die Hochwasserscheitel der Berounka
und der Moldau zusammen. Untersuchungen haben ergeben,
dass ohne die Wirkung der Moldaukaskaden und der Talsperren
im Einzugsgebiet der Sázava und der Berounka der Abfluss in
Prag um etwa 550 m³/s größer gewesen wäre (ČHMÚ 2014).
Im Elbeeinzugsgebiet oberhalb der Mündung der Moldau waren
vor allem der obere Teil der tschechischen Elbe und ihre Neben-
flüssen stark vom Hochwasser betroffen. Hier traten große
Schäden auf. Der Einfluss der Talsperren im Einzugsgebiet der
Elbe verringert sich flussabwärts sukzessive und an der unteren
Elbe unterhalb von Mělník kann dieser Einfluss vernachlässigt
werden (ČHMÚ 2014). Wie beim Hochwasser im August 2002
kam es im Unterlauf zu Ausuferungen und zum Rückstau der
Elbe. Etwa 27 km vor der Mündung der Moldau in die Elbe, bil-
dete sich am Pegel Kostelec nad Labem am 04. Juni ein Hoch-
wasserscheitelabfluss mit 744 m³/s aus.
Das Hochwasser der Elbe traf an der Moldaumündung auf ein
Hochwasser der Moldau, das im Scheitelbabfluss fast viermal
größer war. Am Zusammenfluss von Moldau und Elbe am Pegel
Mělník wurde am 05. Juni ein Hochwasserscheitel mit einem
Abfluss von 3.640 m³/s erreicht. Die langgestreckte Hochwas-
serwelle erreichte den Pegel Ústí nad Labem am Abend des
05. Juni bei einem Abfluss von 3.630 m³/s. Am Elbepegel
Ústí nad Labem wäre ohne die Rückhaltewirkung der Moldau-
kaskade und der Talsperre Nechranice an der Eger der Abfluss
um etwa 430 m³/s größer gewesen (ČHMÚ 2014). Der simulierte
Einfluss der tschechischen Talsperren an den wichtigsten Pegeln
an der unteren Moldau, der Elbe und der Eger auf den Abfluss
und den Wasserstand ist in der Tabelle 3-1 zusammengefasst.
Wasserstandsganglinien und Abflussganglinien ausgewählter Pe-
gel beginnend an der tschechischen Elbe mit dem Pegel Kostelec
nad Labem oberhalb der Moldaumündung bis zum Pegel Ústí nad
Labem sind in Abbildung 3-1 und Abbildung 3-2 dargestellt.
Tabelle 3-1: Simulation des unbeeinflussten sowie beeinflussten Hochwasserverlaufs im Juni 2013 an wichtigen Pegeln
der unteren Moldau, Eger und Elbe (Quelle:
ČHMÚ
2014)
Pegel
Gewässer
Simulierter unbeeinflusster
Hochwasserverlauf
Simulierter beeinflusster
Hochwasserverlauf
Differenz
Q
sim
[m³/s]
W
sim
[m]
Q
sim
[m³/s]
W
sim
[m]
Δ
Q
sim
[m³/s]
Δ
W
sim
[m]
Praha-Chuchle
Moldau
3.640
3.084
556
Vraňany
Moldau
3.590
167,10
3.082
166,68
508
0,42
Mělník
Elbe
4.030
162,66
3.611
162,19
419
0,47
Louny
Eger
347
177,36
257
176,99
90
0,37
Ústí n. L.
Elbe
4.116
142,20
3.682
141,65
434
0,55

image
30 | 3 Hydrologie
Abbildung 3-1: Wasserstandsganglinien an den Pegeln Kostelec n.L./Elbe, Praha-Chuchle/Moldau und Usti n.L./Elbe
vom 28.05. – 05.07.2013 (Datenquelle:
ČHMÚ
)
Abbildung 3-2: Abflussganglinien der Pegel Kostelec n.L./Elbe, Praha-Chuchle/Moldau, Melnik/Elbe und Usti n.L./Elbe vom 26.05. – 01.07.2013
(Datenquelle:
ČHMÚ
)
546
0
200
400
600
800
Wasserstand [cm]
Praha-Chuchle
1072
0
200
400
600
800
1000
1200
28.05.
30.05.
01.06.
03.06.
05.06.
07.06.
09.06.
11.06.
13.06.
15.06.
17.06.
19.06.
21.06.
23.06.
25.06.
27.06.
29.06.
01.07.
03.07.
05.07.
Wasserstand [cm]
Usti n. L.
712
0
200
400
600
800
Wasserstand [cm]
Kostelec n.L.
4.000
3.500
3.000
2.500
2.000
1.500
1.000
500
0
Abfluss [m³/s]
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
17.06.
18.06.
19.06.
20.06.
21.06.
22.06.
23.06.
24.06.
25.06.
26.06.
27.06.
28.06.
29.06.
30.06.
01.07.
Kostelec n.L./Elbe
Praha-Chuchle/Moldau
Melnik/Elbe
Usti n.L./Elbe

image
3 Hydrologie | 31
3
Bereits am 31. Mai wurde am Pegel Schöna, dem ersten deut-
schen Elbepegel in Sachsen nach der tschechischen Grenze, der
Richtwert der Alarmstufe 1 (400 cm) überschritten. Bis in die
frühen Morgenstunden des 06. Juni stieg der Wasserstand um
weitere sechs Meter an und erreichte einen Scheitelwasserstand
von 1.065 cm (Q=3.750 m³/s). Dieser lag damit 139 cm unter
dem HHW vom August 2002 (1.204 cm). Am Pegel Pirna wurde
fünf Stunden später der Scheitelwasserstand mit 966 cm er-
reicht, der 79 cm unter dem Wasserstand vom Augusthochwas-
ser 2002 lag (Abbildung 3-4).
Der Scheitel der Hochwasserwelle erreichte den Pegel Dresden
am Nachmittag des 06. Juni mit einem Wasserstand von 878 cm
(Abbildung 3-3 und 3-4) und lag damit 62 cm unter dem HHW
vom August 2002 (940 cm). Dieser Wasserstand entspricht ei-
nem Abfluss von 3.950 m³/s.
Abbildung 3-4: Wasserstandsganglinien der Elbe an den Pegeln Schöna, Pirna und Dresden vom 28.05. – 05.07.2013 (Datenquelle: WSA Magdeburg)
Abbildung 3-3: Die Elbe in Dresden am 06.06.2013 beim
Hochwasserscheitel am Terrassenufer mit Hochwassermarke vom
09.08.2002 (Foto: LfULG)
878
0
200
400
600
800
1000
1200
28.05.
30.05.
01.06.
03.06.
05.06.
07.06.
09.06.
11.06.
13.06.
15.06.
17.06.
19.06.
21.06.
23.06.
25.06.
27.06.
29.06.
01.07.
03.07.
05.07.
Wasserstand [cm]
Dresden
966
0
200
400
600
800
1000
1200
Wasserstand [cm]
Pirna
1065
0
200
400
600
800
1000
1200
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Schöna

image
32 | 3 Hydrologie
Am 06. Juni nachmittags wurde auch am Pegel Meißen der
Scheitelwasserstand mit 1.007 cm erreicht. Beim Hochwasser im
August 2002 war der Wasserstand nur 32 cm höher. Bereits 2,5 h
früher als in Meißen wurde der Hochwasserscheitel mit 940 cm
am Pegel Riesa beobachtet, der damit nur 7 cm unter dem von
2002 lag (Abbildung 3-6).
Ab 895 cm und bei einem Abfluss von etwa 3.200 m³/s kam es
bereits am 05. Juni zu Ufer- und Deichüberströmungen zwi-
schen Nünchritz und der Brücke der B169. Am 06. Juni gegen
13 Uhr brach dann der einen alten Elbarm querende Deich zwi-
schen Moritz und Promnitz (Abbildung 3-5), was den Deichhin-
terlandabfluss erhöhte und damit den Wasserstand am Pegel
Riesa innerhalb von 2 Stunden um 5 cm auf 935 cm absenkte.
Am 06. Juni wurde in Riesa bei einem Wasserstand von 932 cm
ohne den Deichhinterlandabfluss ein Abfluss von 3.448 m³/s
direkt gemessen. Einschließlich des Deichhinterlandabflusses
wurde ein Scheitelabfluss von 4.210 m³/s bestimmt.
Abbildung 3-6: Wasserstandsganglinien der Elbe an den Pegeln Meißen, Riesa und Torgau vom 28.05. – 05.07.2013
(Datenquelle: WSA Magdeburg)
923
0
200
400
600
800
1000
1200
28.05.
30.05.
01.06.
03.06.
05.06.
07.06.
09.06.
11.06.
13.06.
15.06.
17.06.
19.06.
21.06.
23.06.
25.06.
27.06.
29.06.
01.07.
03.07.
05.07.
Wasserstand [cm]
Torgau
940
0
200
400
600
800
1000
1200
Wasserstand [cm]
Riesa
1007
0
200
400
600
800
1000
1200
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Meissen
Abbildung 3-5: Die Elbe bei Riesa – Deichbruch im alten Elbarm
zwischen Moritz und Promnitz am 06.06.2013 (Foto: LD Sachsen)

image
3 Hydrologie | 33
3
Abbildung 3-7: Abflussganglinien der Elbe-Pegel Schöna, Dresden, Riesa und Torgau vom 28.05. bis 03.07.2013 (Datenquelle: WSA Magdeburg)
Gewässer
Pegel
Einzugs-
gebiet
[km²]
Hochwasser August 2002
Hochwasser Juni 2013
W
[cm]
Q
[m³/s]
Datum
Uhrzeit
[MESZ]
W
[cm]
Q
[m³/s]
Jährlichkeit
[Jahre]
Elbe
Kostelec n. L.
13.186
367
530
04.06.
13:00
712
744
5
Moldau
Praha-Chuchle
26.731
782
5.160
04.06.
04:50
546
3.040
20 – 50
Elbe
Mělník
41.838
1.066
5.050
05.06.
03:00
936
3.640
50
Elbe
Ústí n. L.
48.540
1.196
4.700
05.06.
19:50
1.072
3.630
20 – 50
Elbe
Schöna
51.391
1.204
4.780
06.06.
03:50
1.065
3.750
20 – 50
Elbe
Pirna
52.080
1.045
06.06.
08:46
966
Elbe
Dresden
53.096
940
4.580
06.06.
14:22
878
3.950
50 –100
Elbe
Meißen
53.885
1.039
06.06.
16:17
1.007
Elbe
Riesa
54.485
947
06.06.
13:44*)
940*)
4.210**)
Elbe
Torgau
55.211
949
4.420
07.06.
14:34
923
4.090
50 –100
*) Wasserstand und Scheiteleintrittszeit sind durch die Deichbrüche bei Riesa beeinflusst
**) Durchfluss mit Deichhinterlandabfluss
Tabelle 3-2: Scheitelwasserstände und -abflüsse an ausgewählten Pegeln beim Hochwasser Juni 2013 im Vergleich zum Hochwasser im August 2002
und die hochwasserstatistische Einordnung (Datenquelle:
ČHMÚ
, WSA Magdeburg)
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
17.06.
18.06.
19.06.
20.06.
21.06.
22.06.
23.06.
24.06.
25.06.
26.06.
27.06.
28.06.
29.06.
30.06.
01.07.
02.07.
03.07.
Schöna
Dresden
Riesa
Torgau
4.500
4.000
3.500
3.000
2.500
2.000
1.500
1.000
500
0
Abfluss [m³/s]
Einen Tag später am 07. Juni wurde der Scheitel der Hochwas-
serwelle am Pegel Torgau mit einem Wasserstand von 923 cm
beobachtet. Der erreichte Scheitel am Pegel Torgau unterschritt
mit 26 cm den Höchststand von 2002. Der Scheitelabfluss kann
mit 4.090 m³/s angegeben werden. Die Abflussganglinien der
sächsischen Elbpegel sind in Abbildung 3-7 dargestellt.
In der Tabelle 3-2 sind die Scheitelwasserstände und -abflüsse
ausgewählter Pegel, auch im Vergleich zum Hochwasser im Au-
gust 2002, zusammengestellt. Die Jährlichkeiten der tschechi-
schen Pegel wurden dem Bericht der IKSE zum Hochwasser 2013
(IKSE 2014) entnommen.
Insgesamt kam es auf dem sächsischen Elbabschnitt auf Grund
Überströmens des Deichkörpers zu vier Deichbrüchen und einem
Deichbruch auf Grund des Versagens des Sielbauwerkes, wo-
durch teilweise das Abflussgeschehen lokal maßgeblich beein-
flusst wurde. Die Wasserstände an den sächsischen Elbpegeln

34 | 3 Hydrologie
befanden sich mehr als sechs Tage über dem Richtwert der
Alarmstufe 4. Erst am 16. Juni konnte die Hochwasserentwar-
nung für den Elbestrom vorgenommen werden (Abbildung 3-6).
Den Hochwasserberichten der Bundesanstalt für Gewässerkunde
(BfG 2014) und der Internationalen Kommission zum Schutz der
Elbe (IKSE 2014) können weitere Informationen zum Hochwas-
serverlauf an der gesamten Elbe entnommen werden.
Das Hochwasser erreichte im Oberlauf der Elbe nicht die Dimen-
sionen vom August 2002. Erst in der Mittelelbe spitzte sich die
Lage deutlich zu. Dabei ist festzustellen, dass sich bereits auf
dem sächsischen Abschnitt der Elbe ein sehr langgestreckter
Hochwasserscheitel ausbildete, der dann nur mit einer geringen
Verzögerung von zwei bis vier Tagen die Hochwasserwellen zu-
erst von der Mulde und dann von der Saale aufnahm. Das Elbe-
hochwasser erreichte ab Coswig (Sachsen-Anhalt) sein extrems-
tes Ausmaß. Ab Pegel Coswig begann der rund 350 km lange,
zusammenhängende Elbeabschnitt, in welchem vom 8. bis zum
11. Juni sukzessive die HHW aller Pegel überschritten wurden
(IKSE 2014).
In der zweiten Junihälfte beruhigte sich die Situation an den
Gewässern nach und nach und die Wasserführung ging allmäh-
lich zurück. Das Einzugsgebiet war aber immer noch gesättigt
und so stiegen an fast allen Gewässern nach intensiven Nieder-
schlägen am 24. und 25. Juni die Wasserstände erneut bis in den
Hochwasserbereich an.
Am Pegel Schöna bildete sich am 27. Juni in den Mittagsstunden
mit einem Wasserstand von 569 cm der Hochwasserscheitel im
Bereich der Alarmstufe 2 aus. Am Pegel Dresden wurde der
Scheitelwasserstand mit 541 cm am 27. Juni in den Abendstun-
den und am Pegel Riesa mit 609 cm in der Nacht vom 27. zum
28. Juni beobachtet. Am Pegel Torgau wurde mit einem Schei-
telwasserstand von 602 cm am 28. Juni nachmittags knapp der
Richtwert der Alarmstufe 1 überschritten. Am 29. Juni erfolgte
für den Elbestrom die Hochwasserentwarnung. Diese zweite
Hochwasserwelle im Juni 2013 kann an den sächsischen Elbpe-
geln einem Hochwasser mit einem Wiederkehrintervall von
knapp zwei Jahren zugeordnet werden.
3.1.2 Nebenflüsse der oberen Elbe
Die ergiebigen Niederschläge von Anfang Juni führten auch in
den linken Nebenflüssen der Oberen Elbe zu einem größeren
Hochwasser. Hier waren vor allem die Weißeritzen, die Triebisch
und der Ketzerbach betroffen.
In der Tabelle 3-3 sind von ausgewählten Pegeln in den Einzugs-
gebieten die Hochwasserscheitel zusammengestellt.
Im Einzugsgebiet der Weißeritz konnten die Talsperren Lehn-
mühle und Klingenberg (Wilde Weißeritz) sowie die Talsperre
Malter (Rote Weißeritz) die Hochwasserscheitel maßgeblich re-
duzieren.
Abbildung 3-8: Betrieb der Talsperre Lehnmühle vom 20.05. – 09.06.2013 (Datenquelle: LTV)

3 Hydrologie | 35
3
Tabelle 3-3: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der
Weißeritz, der Triebisch und des Ketzerbaches
Pegel
Gewässer
Scheitel-
eintrittszeit
Scheitel-
wasser-
stand
Scheitel-
abfluss
[MESZ]
[cm]
[m³/s]
Hainsberg 3
Wilde Weißeritz
03.06.2013, 02:45
164
61,2
Hainsberg 5
Rote Weißeritz
03.06.2013, 14:30
172
67,2
Hainsberg 6
Vereinigte
Weißeritz
03.06.2013, 09:45
244
Plauen
Vereinigte
Weißeritz
03.06.2013, 10:30
341
120
Munzig 1
Triebisch
02.06.2013, 14:00
284
51,4
Garsebach
Triebisch
02.06.2013, 15:00
243
63,0
Ziegenhain
Ketzerbach
02.06.2013, 18:30
215
Piskowitz 2
Ketzerbach
02.06.2013, 22:45
274
56,4
Abbildung 3-9: Betrieb der Talsperre Klingenberg vom 20.05. – 15.06.2013 (Datenquelle: LTV)
ten, 11,2 m³/s des Hochwasserabflusses wurden im Wildbett der
Wilden Weißeritz belassen. In Summe wurden in die Talsperre
Lehnmühle ca. 5,5 Mio. m³ der Hochwasserwelle eingestaut. Der
zur Verfügung stehende gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum
musste nicht vollständig in Anspruch genommen werden. Die
Talsperre Lehnmühle (Abbildung 3-8) hat einen maßgeblichen
Einfluss auf die Hochwasserzuflüsse der unterhalb in der Wilden
Weißeritz liegende Talsperre Klingenberg (Abbildung 3-9).
So zeigte der Zuflusspegel Beerwalde 1 zur Talsperre Klingenberg
während des Hochwassers einen Scheitelwert von 28,3 m³/s. Der
natürliche, unbeeinflusste Zuflussscheitel zur Talsperre Klingen-
berg ohne die reduzierende Wirkung der Talsperre Lehnmühle
hätte im Bereich von 50,0 m³/s gelegen. Während des gesamten
Hochwassers wurde eine Wildbettabgabe an die Wilde Weißeritz
von 20,0 m³/s nicht überschritten. In Summe wurden in die Tal-
sperre Klingenberg ca. 1,8 Mio. m³ Hochwasserabfluss einge-
staut. Der zur Verfügung stehende gewöhnliche Hochwasser-
rückhalteraum wurde nicht vollständig in Anspruch genommen.
Trotz des Überlaufens der Talsperre Malter über die Hochwasse-
rentlastungsanlage wurde durch Steuerung der Grundablassan-
lage unter der Bedingung »Abgabe aus der Grundablassanlage
+ Hochwasserüberlauf = schadloser Abfluss im Unterlauf« das
Entstehen Schaden bringender Hochwasserabflüsse im Unter-
lauf der Talsperre Malter vermieden. Hierbei wurde die Wirkung
An der Sperrstelle der Talsperre Lehnmühle wurde ein Zufluss-
scheitel von 37,4 m³/s beobachtet (Abbildung 3-8). Zum Zeit-
punkt der höchsten Talsperrenzuflüsse wurden ca. 70 % von
diesem durch Einstau in die Talsperre Lehnmühle zurückgehal-

image
36 | 3 Hydrologie
Abbildung 3-10: Betrieb der Talsperre Malter vom 20.05. – 09.06.2013 (Datenquelle: LTV)
Abbildung 3-11: Abflussganglinien an Pegeln der Wilden, Roten und Vereinigten Weißeritz vom 30.05. – 16.06.2013
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Hainsberg 3/Wilde Weißeritz
Hainsberg 5/Rote Weißeritz
Plauen/Vereinigte Weißeritz
140
120
100
80
60
40
20
0
Abfluss [m³/s]

3 Hydrologie | 37
3
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Hainsberg 3/Wilde Weißeritz
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Hainsberg 5/Rote Weißeritz
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Hainsberg 6/Vereinigte Weißeritz
0
50
100
150
200
250
300
350
400
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Plauen/Vereinigte Weißeritz
Abbildung 3-12: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln
der Roten, der Wilden und der Vereinigten Weißeritz vom 25.05. – 16.06.2013
des außergewöhnlichen Hochwasserrückhalteraumes der Tal-
sperre Malter optimal ausgenutzt.
Die Talsperre Malter (Abbildung 3-10) zeigte an der Sperrstelle
einen natürlichen Hochwasserscheitelzufluss von 75,0 m³/s.
Von diesem Abfluss wurden zum Zeitpunkt der höchsten Tal-
sperrenzuflüsse ca. 47 % durch Einstau in die Talsperre Malter
zurückgehalten, maximal 40,0 m³/s des Hochwasserabflusses
wurden im Wildbett der Roten Weißeritz belassen. Der zur Ver-
fügung stehende gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum von
4,34 Mio. m³ musste vollständig, der außergewöhnliche Hoch-
wasserrückhalteraum teilweise in Anspruch genommen werden.
Insgesamt wurden in die Talsperre Malter 5,1 Mio. m³ Hochwas-
serabfluss eingestaut.
Die effektive Reduzierung der Hochwasserscheitel durch die Tal-
sperren im Einzugsgebiet zeigt sich auch an den unterhalb lie-
genden Pegeln. Am 03. Juni wurde zwar am Pegel Hainsberg 5/
Rote Weißeritz ein Scheitelwasserstand mit 172 cm im Bereich
des Richtwertes der Alarmstufe 4 erreicht, während der Scheitel
am Pegel Hainsberg 3/Wilde Weißeritz in der Alarmstufe 3 und
der am Pegel Hainsberg 6/Vereinigten Weißeritz nur noch in der
Alarmstufe 2 lag (Abbildung 3-12).

image
38 | 3 Hydrologie
Abbildung 3-13: Keine Überflutungsgefahr am »Weißeritzknick« im
Stadtgebiet von Dresden (Foto: Tanja Tröger, DNN.de)
In der Abbildung 3-11 sind die Abflussganglinien von Roter, Wil-
der und Vereinigter Weißeritz dargestellt. In der Vereinigten
Weißeritz wurde im Stadtgebiet von Dresden am Pegel Plauen
am 03. Juni um 10:30 Uhr ein Scheitelwasserstand von 341 cm
erreicht. Dies entspricht einem Abfluss von 120 m³/s. Durch die
kontinuierliche Verbesserung des Hochwasserschutzes im Stadt-
gebiet von Dresden kam es zu keinen großflächigen Über-
schwemmungen durch die Vereinigte Weißeritz (Abbildung
3-13).
Am Pegel Munzig 1/Triebisch stieg der Wasserstand am 02. Juni
etwas über den Richtwert der Alarmstufe 4 mit einem Höchst-
stand von 284 cm (Abbildung 3-14). Dabei ist zu berücksichti-
gen, dass die Triebisch erheblich Geschiebe und Treibgut mit sich
führte und ablagerte. Auch an weiteren Hochwassermeldepegeln
der Nebenflüsse der Oberen Elbe wurden verbreitet die Richt-
werte der Alarmstufe 2 und 3 überschritten.
Die lokal unwetterartigen Regenfälle am 08. und 09. Juni führ-
ten nochmals zu raschen Wasserstandsanstiegen (vgl. Kapitel
10.3). An einigen Pegeln wurde der Richtwert der Alarmstufe 2,
an den Pegeln Ostrau 1/Jahna und Sebnitz 2/Sebnitz die Richt-
werte der Alarmstufe 3 überschritten. Dabei stieg der Wasser-
stand am Pegel Ostrau 1 in zwei Stunden um 125 cm an und am
Pegel Sebnitz 2 erhöhte sich die Durchflussmenge innerhalb von
fünf Stunden um das Siebenfache.
Abbildung 3-14: Beobachtete Wasserstandsganglinie des Pegels Munzig 1/Triebisch vom 25.05. – 16.06.2013
0
50
100
150
200
250
300
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Die Starkniederschläge am 20. und 21. Juni führten nur örtlich
und kurzzeitig zu Hochwasser. Beispielsweise am Pegel Ziegen-
hain/Ketzerbach wurde in der Nacht vom 20. zum 21. Juni ein
Wasserstand im Bereich des Richtwertes der Alarmstufe 3
(192 cm) beobachtet (Abbildung 3-15).

3 Hydrologie | 39
3
3.1.3 Schwarze Elster
Im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster waren vor allem das
Hoyerswerdaer Schwarzwasser und die Große Röder von Hoch-
wasser betroffen. Hier wurden Wasserstandsanstiege an den
Hochwassermeldepegeln bis in den Bereich der Alarmstufe 4, in
den anderen Fließgewässern bis in den Bereich der Alarmstu-
fen 2 und 3 registriert.
In der Tabelle 3-4 sind von ausgewählten Pegeln in den Einzugs-
gebieten der Schwarzen Elster die Hochwasserscheitel zusam-
mengestellt.
Die Abbildung 3-16 und Abbildung 3-17 zeigen die Wasser-
standsganglinien von Pegeln im Einzugsgebiet der Schwarzen
Elster und der Großen Röder.
Im Oberlauf der Schwarzen Elster (Abbildung 3-16) am Pegel
Trado 3 wurde der Scheitel am 04. Juni mit 177 cm im Bereich
der Alarmstufe 3 erreicht. Am Pegel Zescha/Hoyerswerdaer
Schwarzwasser stieg das Wasser bis in die Alarmstufe 4 bei einem
Scheitel von 211 cm. Im Unterlauf der Schwarzen Elster, nach
dem Zusammenfluss von Schwarzer Elster, Klosterwasser und
Hoyerswerdaer Schwarzwasser wurde am Pegel Neuwiese ein
Wasserstand von 319 cm registriert. Dieser lag nur 6 cm unter
dem Scheitelwasserstand vom September 2010.
In der Großen Röder (Abbildung 3-17) wurde am Pegel Radeberg
am 03. Juni der Maximalwasserstand im Bereich des Richtwertes
der Alarmstufe 3 (186 cm) und am Pegel Großdittmannsdorf ein
Scheitelwasserstand von 272 cm im Bereich des Richtwertes der
Alarmstufe 4 beobachtet.
0
50
100
150
200
250
300
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
17.06.
18.06.
19.06.
20.06.
21.06.
22.06.
23.06.
24.06.
25.06.
26.06.
27.06.
28.06.
29.06.
30.06.
01.07.
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Abbildung 3-15: Beobachtete Wasserstandsganglinie des Pegels Ziegenhain/Ketzerbach vom 25.05. – 01.07.2013
Tabelle 3-4: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der
Schwarzen Elster
Pegel
Gewässer
Scheitelein-
trittszeit
Scheitel-
wasser-
stand
Scheitel-
abfluss
[MESZ]
[cm]
[m³/s]
Trado 3
Schwarze Elster
04.06.2013, 04:15
177
14,4
Schönau
Klosterwasser
04.06.2013, 04:45
173
12,5
Zescha
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
04.06.2013, 04:30
211
24,1
Neuwiese
Schwarze Elster
04.06.2013, 22:45
319
53,2
Radeberg
Große Röder
03.06.2013, 18:15
186
36,3
Großditt-
mannsdorf
Große Röder
03.06.2013, 23:15
272
64,3
Klein-
raschütz
Große Röder
04.06.2013, 21:15
307
64,0

40 | 3 Hydrologie
0
50
100
150
200
250
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Trado 3/Schwarze Elster
0
50
100
150
200
250
Wasserstand [cm]
Schönau/Klosterwasser
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Zescha/Hoyerswerdaer Schwarzwasser
0
50
100
150
200
250
300
350
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
17.06.
18.06.
19.06.
20.06.
21.06.
22.06.
23.06.
24.06.
25.06.
26.06.
27.06.
28.06.
29.06.
30.06.
01.07.
Wasserstand [cm]
Neuwiese/Schwarze Elster
Abbildung 3-16: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln im Einzugsgebiet der
Schwarzen Elster vom 25.05. – 01.07.2013

3 Hydrologie | 41
3
0
50
100
150
200
250
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Radeberg/Große Röder
0
50
100
150
200
250
300
350
Wasserstand [cm]
Großdittmannsdorf/Große Röder
0
50
100
150
200
250
300
350
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
17.06.
18.06.
19.06.
20.06.
21.06.
22.06.
23.06.
24.06.
25.06.
26.06.
27.06.
28.06.
29.06.
30.06.
01.07.
Wasserstand [cm]
Kleinraschütz/Große Röder
Abbildung 3-17: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Großen Röder vom
25.05. – 01.07.2013
Der Wellenscheitel der Großen Röder erreichte den Pegel Klein-
raschütz am 04. Juni etwas über dem Richtwert der Alarmstufe 4
(307 cm). Dabei hat der hohe Grasaufwuchs im Doppeltrapez-
profil zu einer Wasserstandserhöhung um ca. 25 cm geführt. Der
Wasserstand von 307 cm entspricht einem Durchfluss von
64,0 m³/s und damit einem statistischem Wiederkehrintervall
von 25 bis 50 Jahren. Dieser Wasserstand lag nur 9 cm unter
dem HHW vom 29. September 2010.
Infolge des anhaltenden und ergiebigen Niederschlages vom 24.
und 25. Juni stieg die Wasserführung in allen Fließgewässern
des Flussgebietes erneut an. Dabei wurden an den Hochwasser-
meldepegeln im Einzugsgebieten der Schwarzen Elster (Pegel
Neuwiese) und der Großen Röder (Großdittmannsdorf und
Kleinraschütz) teilweise die Richtwerte der Alarmstufe 2 er-
reicht.
In Abbildung 3-18 und Abbildung 3-19 sind die Abflussgangli-
nien ausgewählter Pegel im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
dargestellt.

image
image
42 | 3 Hydrologie
Abbildung 3-18: Abflussganglinien an Pegeln der Schwarzen Elster, Klosterwasser und Hoyerswerdaer Schwarzwasser vom 26.05. – 01.07.2013
Abbildung 3-19: Abflussganglinien an Pegeln der Großen Röder vom 26.05. – 01.07.2013
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
17.06.
18.06.
19.06.
20.06.
21.06.
22.06.
23.06.
24.06.
25.06.
26.06.
27.06.
28.06.
29.06.
30.06.
01.07.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
17.06.
18.06.
19.06.
20.06.
21.06.
22.06.
23.06.
24.06.
25.06.
26.06.
27.06.
28.06.
29.06.
30.06.
01.07.
Schönau/Klosterwasser
Trado 3/Schwarze Elster
Zescha/Hoyerswerdaer Schwarzwasser
Neuwiese/Schwarze Elster
Radeberg/Große Röder
Großdittmannsdorf/Große Röder
Kleinraschütz/Große Röder
60
50
40
30
20
10
0
70
60
50
40
30
20
10
0
Abfluss [m³/s]
Abfluss [m³/s]

image
3 Hydrologie | 43
3
3.1.4 Mulde
Im Muldegebiet kam es in der ersten Junidekade 2013 durch die
Starkregen zwischen Ende Mai und Anfang Juni besonders im
Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde und ihrer Nebenflüsse
(Schwarzwasser, Chemnitz mit Zwönitz und Würschnitz) zu ei-
nem extremen Hochwassergeschehen. Im Einzugsgebiet der
Freiberger Mulde und ihrer Nebenflüsse (Bobritzsch, Striegis,
Zschopau mit Flöha) traten ebenfalls große bis extreme Hoch-
wasser auf.
Es wurden an 17 von 35 Hochwassermeldepegeln im Einzugs-
gebiet der Mulde die Richtwerte der Alarmstufe 4 überschritten.
An 10 Hochwassermeldepegeln lagen die Scheitelwasserstände
im Bereich der Alarmstufe 3 und jeweils an vier Pegeln im Be-
reich von Alarmstufe 2 bzw. 1. Die erreichten Scheitelwasser-
stände an den Hochwassermeldepegeln im Einzugsgebiet der
Zwickauer Mulde, ihrer Nebenflüsse sowie der Vereinigten Mulde
(Abbildung 3-20) lagen dabei bis auf wenige Ausnahmen in der
Größenordnung der Höchststände von 2002. An den Hochwas-
sermeldepegeln im Einzugsgebiet der Freiberger Mulde hingegen
wurden im Vergleich signifikant geringere Scheitelwasserstände
als im August 2002 beobachtet (Tabelle 3-5), dennoch lagen
auch hier die Scheitel oft über dem Richtwert der Alarmstufe 4.
Die zweite Junidekade war durch einen relativ schnellen Rück-
gang der Wasserstände an den Pegeln im gesamten Einzugsge-
biet bis in den Bereich der mittleren Niedrigwasserstände (MNW)
gekennzeichnet.
Tabelle 3-5: Scheitelwasserstände und -abflüsse an ausgewählten Pegeln des Muldegebietes beim Hochwasser Juni 2013 im Vergleich
zum Hochwasser im August 2002 und August 2010
Pegel
Gewässer
Hochwasser
August
2002
Hochwasser
August
2010
Hochwasser Juni 2013
W
[cm]
Q
[m³/s]
W
[cm]
Q
[m³/s]
W
[cm]
Q
[m³/s]
Datum
[MESZ]
Golzern 1
Vereinigte Mulde
868
2.600
489
697
784
2.060
03.06.2013, 09:45 –10:00
Bad Düben 1
Vereinigte Mulde
852
2.200*)
655
603
866
1.770
04.06.2013, 04:30 – 07:00
Aue 3
Zwickauer Mulde
395
370
195
164
253
267
02.06.2013, 04:30 – 05:00
Zwickau-Pölbitz
Zwickauer Mulde
476
500
379
265
472
487
02.06.2013, 21:30 – 22:00
Wolkenburg
Zwickauer Mulde
603
674
456
349
626
703
03.06.2013, 00:30 – 01:45
Wechselburg 1
Zwickauer Mulde
597
1.000
417
521
616
1.010
02.06.2013, 22:15 – 00:30
Colditz
Zwickauer Mulde
463
525
720
1.050 03.06.2013, 02:00
Markersbach 2
Große Mittweida
112
11
81
5
109
10 02.06.2013, 13:00
Chemnitz 1
Chemnitz
401
233
360
187
388
202 02.06.2013, 19:45
Burkhardtsdorf 2
Zwönitz
331
77
274
58
296
66,3
02.06.2013, 14:45 –15:15
Jahnsdorf 1
Würschnitz
250
90
257
95
227
72,1
02.06.2013, 21:30 – 21:45
Nossen 1
Freiberger Mulde
467
690
234
119
363
330 03.06.2013, 09:00
Mahlitzsch
Freiberger Mulde
217
94,4
480
471
03.06.2013, 10:00 –11:00
Leisnig
Freiberger Mulde
431
225
745
1.210
03.06.2013, 06:00 – 06:15
Hopfgarten
Zschopau
306
420
120
46
257
259 02.06.2013, 19:15
Kriebstein UP
Zschopau
570
1.250
246
243
438
746 03.06.2013, 01:30
Streckewalde
Preßnitz
260
145
90
13
198
91,8
02.06.2013, 14:45 –15:00
Borstendorf
Flöha
380
540
158
89
258
257
02.06.2013, 16:00 –16:30
*) einschließlich Deichhinterlandabfluss
Abbildung 3-20: Überschwemmte Altstadt von Grimma am 03.06.2013
(Foto: SMUL)
Die Abbildung 3-21 gibt einen Überblick zu den betrachteten
Pegeln und Stauanlagen im Einzugsgebiet der Mulde.

44 | 3 Hydrologie
Zwickauer Mulde und ihre Nebenflüsse
Auf Grund der relativ gleichmäßigen und teilweise intensiven
Niederschläge, setzten am 30. Mai zwischen 04:00 Uhr und
08:00 Uhr an den Pegeln im Gebiet der Zwickauer Mulde ober-
halb der Chemnitzmündung und im Gebiet der Chemnitz starke
Wasserstandsanstiege ein. In der Folge kam es zu zwei markan-
ten Hochwasserphasen, wobei die Höchststände im zweiten
Abschnitt lagen.
Im Gebiet oberhalb der Talsperre Eibenstock wurden die ersten
Scheitelausbildungen am Pegel Sachsengrund/Große Pyra am
31. Mai um 05:15 Uhr mit 59 cm (6 cm über MHW) und am Pegel
Schönheide 3/Zwickauer Mulde am 31. Mai um 06:00 Uhr mit
173 cm (17 cm über MHW) beobachtet (Abbildung 3-22). Wegen
der durch die Talsperre Muldenberg bedingten Verzögerung des
Anstiegs in der Zwickauer Mulde oberhalb der Großen Pyra trat
der erste Scheitel am Pegel Rautenkranz/Zwickauer Mulde (Ab-
bildung 3-22) am 31. Mai erst um 07:30 Uhr mit 165 cm bereits
in Höhe des bisherigen HHW vom 31. März 2006 auf. Der danach
eintretende Rückgang fand in der Zwickauer Mulde am 31. Mai
zwischen 15:00 Uhr und 16:00 Uhr sein Ende. Danach setzte
erneut ein starker Anstieg ein, der seinen Scheitel am 02. Juni am
Pegel Rautenkranz um 07:00 Uhr mit 245 cm und am Pegel
Schönheide 3 um 08:30 Uhr mit 289 cm (28 cm unter dem HHW
vom 13. August 2002) fand. Am Pegel Sachsengrund stieg der
Wasserstand am 02. Juni 06:00 Uhr bis zu einer Höhe von 98 cm
und damit 6 cm über das HHW vom 08. Mai 1978.
Abbildung 3-21: Systemskizze Einzugsgebiet Mulde

3 Hydrologie | 45
3
Am Abgabepegel Neidhardtsthal 1/Zwickauer Mulde (Abbildung
3-22) der Talsperre Eibenstock wurde am 01. Juni um 20:30 Uhr
die Abgabe von 61 cm auf 82 cm erhöht. Danach folgte ein ge-
ringer Anstieg um 13 cm bis zum 02. Juni 16:15 Uhr. Der Abfluss
über die Hochwasserentlastungsanlage begann bereits um
13:00 Uhr, womit sich die Abgabe bis zum 03. Juni 05:30 Uhr
kontinuierlich erhöhte und zu einem langgestreckten Scheitel
bis 10:00 Uhr mit einem Wasserstand von 150 cm führte. Das
bisherige HHW von 102 cm vom 08. April 2010 (Beobachtungs-
reihe seit 2008) wurde um 48 cm überschritten.
Im Oberlauf des Schwarzwassers kurz unterhalb der Mündung
des Breitenbaches wurde am Pegel Johanngeorgenstadt 4/
Schwarzwasser (Abbildung 3-23) am 31. Mai um 06:45 Uhr der
erste Scheitel mit 168 cm in Höhe des MHW erreicht. Der sich
anschließende und mit der Zeit verringernde Rückgang hielt
bis zum Nachmittag des 01. Juni an. Der höchste Scheitel
wurde mit 232 cm nach reichlich 10-stündigem Anstieg am 02.
Juni um 02:45 Uhr erreicht. Das bisherige HHW vom 19. März
2005 (Beobachtungsreihe seit 2004) wurde um 50 cm über-
schritten.
In der Großen Mittweida, dem größten Zufluss des Schwarzwas-
sers, war am Pegel Markersbach 1/Große Mittweida (Abbildung
3-23) der erste Anstieg bis zum 31. Mai um 06:00 Uhr auf einen
Wasserstand von 68 cm erfolgt, der dann auf 62 cm zurückging
und bis zum 01. Juni 16:30 Uhr anhielt. Bis zum 02. Juni
01:00 Uhr stieg der Wasserstand auf zunächst 90 cm und hielt
Abbildung 3-22: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Großen Pyra und
Zwickauer Mulde vom 25.05. – 16.06.2013
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Rautenkranz/Zwickauer Mulde
0
50
100
150
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Sachsengrund/Große Pyra
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Schönheide 3/Zwickauer Mulde
0
50
100
150
200
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Neidhardtsthal 1/Zwickauer Mulde

46 | 3 Hydrologie
mit leichten Schwankungen bis 11:45 Uhr an, bevor dann um
14:00 Uhr der Scheitel mit 108 cm (40 cm unter dem HHW vom
12. August 2002) erreicht wurde. Der Pegel Markersbach 1 er-
fasst den Zufluss zum Unterbecken des Pumpspeicherkraftwer-
kes Markersbach. Dessen Abgabe wurde durch den Kraftwerks-
betrieb stark vergleichmäßigt. Zunächst erfolgte am Pegel
Markersbach 2/Große Mittweida (Abbildung 3-23), dem Abga-
bepegel des Unterbeckens, am 31. Mai bis 08:45 Uhr eine all-
mähliche Abgabeerhöhung auf 85 cm, die danach nur geringfü-
gig zurückgenommen wurde. Ein markanter Anstieg des
Wasserstandes setzte am 02. Juni von 04:15 Uhr bis 09:30 Uhr
ein. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Wasserstandsscheitel mit
108 bis 109 cm bis 13:00 Uhr gehalten. Das HHW vom 07. Januar
1980 (143 cm) wurde damit nicht erreicht.
Am Pegel Wildenau 1/Große Mittweida (Abbildung 3-23), dem
Mündungspegel der Großen Mittweida, war der Wasserstand
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Markersbach 2/Große Mittweida
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Markersbach 1/Große Mittweida
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Johanngeorgenstadt 4/Schwarzwasser
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Wildenau 1/Große Mittweida
0
50
100
150
200
250
300
350
400
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Aue 1/Schwarzwasser
Abbildung 3-23: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Großen Mittweida und
dem Schwarzwasser vom 25.05. – 16.06.2013

3 Hydrologie | 47
3
bis zum 31. Mai 07:30 Uhr auf 139 cm gestiegen, danach fiel
der Wasserstand wieder auf ca. 120 cm. Insbesondere durch
die Kraftwerksbeeinflussung entstand am 02. Juni zwischen
03:00 Uhr und 22:30 Uhr ein langer Bereich aus vier einzelnen,
sich in ihrer Höhe nur geringfügig unterscheidenden Scheiteln.
Der maximale Wasserstand betrug am 02. Juni um 14:30 Uhr
250 cm und war damit 50 cm höher als das bisherige HHW vom
07. August 2010 (Beobachtungsreihe seit 2006).
Der Wasserstandsverlauf am Pegel Aue 1/Schwarzwasser (Abbil-
dung 3-23) spiegelt in seiner Form das Zusammenfließen der
Hochwasserwellen aus dem Schwarzwasser selbst und der Gro-
ßen Mittweida wider. Auch hier bildete sich am 31. Mai gegen
08:30 Uhr der erste Scheitel etwa in Höhe des MHW aus, der
jedoch durch die Steuerung einer Wasserkraftanlage beeinflusst
ist. Der Wasserstand fiel danach wieder auf etwa 200 cm ab.
Nach 9,5 stündigem Anstieg um 170 cm war ein langgestreckter
Scheitelbereich bis zum 02. Juni 23:00 Uhr (W = 360 cm) zu
verzeichnen. Der höchste Wasserstand wurde am 02. Juni um
02:45 Uhr mit 375 cm (150 cm über MHW, aber 77 cm unter dem
HHW vom 13. August 2002) gemessen.
Das Zusammenfließen der zum Teil von Talsperren beeinflussten
Abflüsse aus Zwickauer Mulde und Schwarzwasser in Aue führte den
ausgeprägten langgestreckten zweiten und höchsten Scheitel in der
Zwickauer Mulde bis zur Mündung der Chemnitz fort. Am Pegel
Aue 3/Zwickauer Mulde (Abbildung 3-24) erfolgte der erste Anstieg
bis zum 31. Mai 08:45 Uhr, wobei mit 162 cm das MHW um 10 cm
überschritten wurde. In der Phase zwischen beiden Wellenscheiteln
pendelte sich der Wasserstand um 140 cm ein. Der markante Anstieg
zum zweiten Scheitel begann am 01. Juni um 19:30 Uhr bis zum
Scheitel am 02. Juni 04:30 Uhr mit 253 cm. Durch die Rückhaltung
in der Talsperre Eibenstock blieb das HHW vom 13. August 2002 um
142 cm unterschritten. Das MHW wurde um ca. 100 cm übertroffen.
0
50
100
150
200
250
300
350
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Aue 3/Zwickauer Mulde
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
Wasserstand [cm]
Niederschlema/Zwickauer Mulde
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Zwickau-Pölbitz/Zwickauer Mulde
Abbildung 3-24: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Zwickauer Mulde vom
25.05. – 16.06.2013

image
48 | 3 Hydrologie
In der Folge verharrte der Wasserstand mit unregelmäßigen Schwan-
kungen bis zum 03. Juni 09:30 Uhr über 240 cm.
Durch große seitliche Zuflüsse stiegen an den Pegeln Niedersch-
lema/Zwickauer Mulde und Zwickau-Pölbitz/Zwickauer Mulde
die Wasserstände steiler an als am Pegel Aue 3/Zwickauer Mulde.
Zusätzlich teilte sich der erste Wellenscheitel nochmals auf, so
dass es an den genannten Pegeln insgesamt zu drei Scheiteln
kam (Abbildung 3-24). Am Pegel Niederschlema stieg mit der
Hauptwelle der Wasserstand, beginnend am 01. Juni 19:00 Uhr
(W = 214 cm), um 180 cm bis zum 02. Juni 05:00 Uhr. Ab diesem
Zeitpunkt hielt sich der Scheitelbereich bis zum 03. Juni
02:45 Uhr. Der höchste Wasserstand wurde am 02. Juni um
23:45 Uhr mit 404 cm registriert. Das MHW wurde um 180 cm
überschritten und das HHW vom 10. Juli 1954 um 106 cm un-
terschritten.
Der in Wilkau-Haßlau mündende Rödelbach führte der Zwi-
ckauer Mulde extreme Wassermengen zu, so dass der Scheitel
am Pegel Zwickau-Pölbitz (Abbildung 3-24) am 02. Juni
21:30 Uhr mit 472 cm das HHW vom 10. Juli 1954 nur um 6 cm
unterschritt.
0
100
200
300
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
St. Egidien/Lungwitzbach
0
100
200
300
Wasserstand [cm]
Wasserstand
Niedermülsen 1/Mülsenbach
0
100
200
300
400
500
Wasserstand [cm]
Niederlungwitz/Lungwitzbach
0
100
200
300
400
500
600
700
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Wolkenburg/Zwickauer Mulde
Abbildung 3-26: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln des Lungwitzbaches,
Mülsenbaches und der Zwickauer Mulde vom 25.05. – 16.06.2013
Abbildung 3-25: Pegel Wolkenburg/Zwickauer Mulde am Tag nach dem
Scheiteldurchgang (Foto: BfUL)

3 Hydrologie | 49
3
Das sich anschließende Zwischeneinzugsgebiet bis zum Pegel
Wolkenburg/Zwickauer Mulde, beobachtet an den Pegeln Nie-
dermülsen 1/Mülsenbach, St. Egidien/Lungwitzbach und Nieder-
lungwitz/Lungwitzbach, zeigte ebenfalls drei Scheitel (Abbildung
3-26). Der Pegel Niedermülsen 1 erreichte bereits am 31. Mai um
18:30 Uhr mit 153 cm den höchsten Wasserstand innerhalb die-
ses Hochwassers. Das bisherige HHW vom 01. September 1995
und 12. August 2002 wurde um 2 cm überschritten. Die volumi-
nösere Hauptwelle hatte seinen Scheitelbereich am 02. Juni
zwischen 01:30 Uhr und 22:30 Uhr. Innerhalb dieses Zeitraumes
betrug der höchste Wasserstand 152 cm um 20:30 Uhr. Der
Lungwitzbach zeigte einen ähnlichen Verlauf wie der Mülsen-
bach. Am Pegel St. Egidien begann der Scheitelbereich am
02. Juni um 00:30 Uhr hielt bis zum 03. Juni 00:45 Uhr an. In-
nerhalb dieses Zeitraumes traten Wasserstandsschwankungen
um 50 cm auf. Der höchste Wasserstand wurde um 16:00 Uhr
und 19:45 Uhr mit 260 cm registriert. Bei geringeren Wasser-
standsunterschieden entsprach die Form der Hochwasserwelle
am Pegel Niederlungwitz der am Pegel St. Egidien. Der höchste
Wasserstand trat am 02. Juni 22:00 Uhr mit 392 cm auf und lag
5 cm unter dem HHW vom 08. Mai 1978.
Am Pegel Wolkenburg/Zwickauer Mulde (Abbildung 3-25 und
Abbildung 3-26) konnte ein allmählicher aber unterschiedlich
starker Anstieg der ersten Welle beobachtet werden. Aus dem
zeitlichen Vorlauf der Abflüsse aus dem Zwischeneinzugsgebiet
unterhalb des Pegels Zwickau-Pölbitz resultiert die Ausbildung
nur eines Scheitels in der ersten Welle, der einen Wasserstand
von 460 cm am 01. Juni um 02:30 Uhr (78 cm über dem MHW)
erreichte. Der Wasserstand fiel bis 21:00 Uhr auf 393 cm, um da-
nach bis zum 03. Juni 00:45 Uhr auf 626 cm zu steigen und das
bisherige HHW vom 13. August 2002 um 23 cm zu übertreffen.
Im Gebiet der Chemnitz, die wenige Kilometer oberhalb des Pe-
gels Wechselburg 1/Zwickauer Mulde in die Zwickauer Mulde
mündet, lief die Hochwasserwelle der Zwönitz der der Wür-
schnitz ca. 2 Stunden voraus. Auch die Anzahl der sich an den
Pegeln des Chemnitzgebietes herausgebildeten Wellenscheitel
stellt sich als sehr heterogen dar. Am Pegel Niederzwönitz/Zwö-
nitz (Abbildung 3-27) stieg der Wasserstand zunächst auf 80 cm
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Niederzwönitz/Zwönitz
0
50
100
150
200
250
300
350
Wasserstand [cm]
Burkhardtsdorf 2/Zwönitz
0
50
100
150
200
250
300
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Altchemnitz 2/Zwönitz
Abbildung 3-27: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Zwönitz vom 25.05. – 16.06.2013

50 | 3 Hydrologie
am 31. Mai 04:00 Uhr (4 cm unter dem MHW seit 2004). Am
02. Juni bildete sich der zweite Teil der Hochwasserwelle mit
stark schwankendem Scheitelbereich aus, dessen höchster Was-
serstand mit 136 cm (4 cm über dem HHW vom 07. August 2010)
am 02. Juni um 01:30 Uhr und 08:15 Uhr auftrat. Am Pegel Burk-
hardtsdorf 2/Zwönitz (Abbildung 3-27) wurde der erste Scheitel
am 31. Mai gegen 05:00 Uhr mit 175 cm (10 cm über MHW)
beobachtet. Die Hauptwelle erreichte am 02. Juni 04:00 Uhr ei-
nen ersten Scheitel von 278 cm und um 14:45 Uhr den Höchst-
wert von 296 cm. Dieser lag 35 cm unter dem HHW vom 13.
August 2002.
Am Pegel Altchemnitz 2/Zwönitz (Abbildung 3-27), der sich kurz
vor dem Zusammenfluss von Zwönitz und Würschnitz befindet,
stieg der Wasserstand bis zum 31. Mai 08:30 Uhr auf 175 cm an
(43 cm über MHW). Die sich anschließende Rückgangsphase
dauerte bis zum 01. Juni 18:30 Uhr. Der höchste Wasserstand
wurde um 20:15 Uhr mit 276 cm registriert und übertraf das
HHW vom 07. August 2010 um 43 cm.
In der Würschnitz war im Gegensatz zur Zwönitz im ersten Teil
der Hochwasserwelle der erste Scheitel niedriger als der Zweite.
Am Pegel Jahnsdorf 1/Würschnitz (Abbildung 3-28) wurde der
erste Scheitel am 31. Mai um 06:30 Uhr mit 172 cm beobachtet.
Nach zwischenzeitlichem Rückgang war der sehr steile Anstieg
um 19:15 Uhr zunächst bei 198 cm (37 cm über MHW) beendet.
Danach erreichte der erste Scheitel der Hauptwelle am 02. Juni
03:30 Uhr einen Wasserstand von 203 cm, um dann um
21:30 Uhr den höchsten Wasserstand mit 227 cm zu erreichen,
der 30 cm unter dem HHW vom 07. August 2010 lag. Mit etwa
0
50
100
150
200
250
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Jahnsdorf 1/Würschnitz
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Harthau/Würschnitz
0
50
100
150
200
250
300
350
400
Wasserstand [cm]
Chemnitz 1/Chemnitz
0
50
100
150
200
250
300
350
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Göritzhain/Chemnitz
Abbildung 3-28: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Würschnitz und Chemnitz
vom
25.05. – 16.06.2013

3 Hydrologie | 51
3
einer Stunde Verzögerung begann auch am Pegel Harthau/Wür-
schnitz (Abbildung 3-28) die Ausbildung der Hochwasserwelle.
Dabei war eine vergleichbare Abfolge von Wellenscheiteln und
–tälern zu beobachten (siehe Abbildung 3-28). Der höchste Was-
serstand wurde am 02. Juni um 22:30 Uhr mit 283 cm (81 cm
unter HHW vom 07. August 2010) erreicht.
Der Pegel Chemnitz 1/Chemnitz (Abbildung 3-28) hat die kom-
plexeste Ganglinie bei diesem Hochwasser aufgezeichnet. Es
bilden sich vier Wellenscheitelbereiche ab, die größtenteils durch
Schwankungen um 20 cm gekennzeichnet sind. Diese resultieren
aus der automatischen Abgabesteuerung des Schlossteiches, der
im Hauptschluss des Pleißenbaches liegt, der wiederum kurz
oberhalb des Pegels Chemnitz 1 in die Chemnitz mündet. Die
Besonderheiten setzen sich noch dadurch fort, das der erste
Scheitel auf einem singulären Niederschlagsereignis beruht,
dessen Auswirkungen im Wellenablauf bis zum Pegel Golzern 1/
Vereinigte Mulde verfolgbar sind. Am Pegel Chemnitz 1 wies der
erste Scheitel einen Wasserstand von 193 cm (34 cm unter
MHW) am 29. Mai 19:00 Uhr auf. Ab dem 30. Mai 08:15 Uhr
erfolgte ein ungleichmäßiger Anstieg in einen ersten Scheitel-
bereich der Hauptwelle, der am 31. Mai etwa von 03:15 Uhr bis
10:30 Uhr stark schwankend anhielt. Der höchste Wasserstand
in dieser Zeit betrug 259 cm um 08:45 Uhr. Der nächste Schei-
telbereich mit maximal 277 cm wurde zwischen 15:30 Uhr und
18:45 Uhr erreicht. Ab dem 01. Juni 19:00 Uhr stieg der Wasser-
stand mit starken Schwankungen zum Höchststand an, der am
02. Juni um 19:45 Uhr mit 388 cm und damit 13 cm unter dem
HHW vom 13. August 2002 beobachtet wurde.
Die starken Wasserstandsschwankungen schwächten sich im wei-
teren Verlauf der Chemnitz bis zur Zwickauer Mulde ab, sind aber
am Mündungspegel Göritzhain/Chemnitz (Abbildung 3-28) zu-
sammen mit dem Einfluss der Abgabe der Kläranlage Chemnitz-
Heinersdorf, die u. a. die schnellen Abflüsse aus den versiegelten
Teilen des Gebietes der Stadt Chemnitz durchlaufen oder vor der
Anlage in die Chemnitz direkt abgeschlagen werden, nachweisbar.
Der erste Scheitel am Pegel Göritzhain wies einen Wasserstand
von 174 cm (15 cm unter MHW) am 29. Mai um 22:15 Uhr auf.
Am 30. Mai 11:00 Uhr begann der Anstieg zum zweiten Scheitel,
der am 31. Mai 08:30 Uhr mit 234 cm erreicht war. Nach gerin-
gem Rückgang folgte der Wiederanstieg mit dem Scheitel bei
261 cm gegen 20:00 Uhr. Erst am 02. Juni gegen 22:00 Uhr wurde
der höchste Wasserstand des Ereignisses von 319 cm erreicht, der
5 cm über dem HHW vom 13. August 2002 lag.
Durch den Zufluss aus der Chemnitz und dem Eigeneinzugsgebiet
der Zwickauer Mulde zwischen dem Pegel Wolkenburg/Zwickauer
Mulde und der Chemnitz-Mündung bildeten sich die Wellen-
scheitel am Pegel Wechselburg 1/Zwickauer Mulde (Abbildung
3-29) 2 bis 5 Stunden vor den Scheiteln am oberhalb gelegenen
Pegel Wolkenburg aus. Die Anstiege und der zwischenzeitliche
Rückgang erfolgten an den Pegeln der Zwickauer Mulde unter-
halb der Chemnitzmündung jeweils in zwei Stufen. Am Pegel
Wechselburg 1 wurde der erste Scheitel am 31. Mai um 21:15 Uhr
0
100
200
300
400
500
600
700
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Wechselburg 1/Zwickauer Mulde
0
100
200
300
400
500
600
700
800
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Colditz/Zwickauer Mulde
Abbildung 3-29: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Zwickauer Mulde vom
25.05. – 16.06.2013

image
52 | 3 Hydrologie
mit 420 cm beobachtet. Das MHW war damit bereits um 60 cm
überschritten. Am 02. Juni um 22:15 Uhr wurde der über 2 Stun-
den anhaltende Höchststand von 616 cm erreicht und das bis-
herige HHW vom 13. August 2002 um 19 cm überschritten. Am
letzten Pegel der Zwickauer Mulde vor ihrer Vereinigung mit der
Freiberger Mulde, Pegel Colditz (Abbildung 3-29), konnte der
erste Scheitel am 01. Juni 01:45 Uhr mit 486 cm (127 cm über
MHW der Beobachtungsreihe seit 2006) bestimmt werden. Der
höchste Wasserstand wurde am 03. Juni 02:00 Uhr mit 720 cm
erreicht, der den seit 2006 höchsten beobachteten Wasserstand
vom 08. August 2010 um 257 cm überschritt.
Abflussverlauf im Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde
Der Abflussverlauf im Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde diffe-
renziert sich nach den unterschiedlichen Naturräumen, die dieses
Flussgebiet bilden. Im Südteil das West- bzw. das Mittlere Erzge-
birge, in Fließrichtung gefolgt vom Erzgebirgische Becken, an das
sich im Norden das Mulde-Lößhügelland anschließt. Wird zu-
nächst der Bereich des Erzgebirges betrachtet (Abbildung 3-30),
so fällt der lange Scheitelbereich der Hochwasserwellen an den
Pegeln Aue 1, Aue 3 und Niederschlema auf. Am Pegel Aue 1/
Schwarzwasser macht sich der Einfluss des PSW Markersbach
bemerkbar. Der Abflussverlauf in Aue 3 wird durch die Talsperre
Eibenstock bedingt. Da sich durch die Steuerung dieser Talsperre
die Höchstabflüsse der Zwickauer Mulde mit den Abflüssen im
Rückgang des Schwarzwassers überlagerten, ergaben sich an den
Pegeln Aue 3 und Niederschlema hohe Beharrungszeiten von
31 Stunden. Durch hohe Abflüsse aus dem schnell reagierenden
Zwischengebiet verringerte sich diese Beharrungszeit bis zum
Pegel Zwickau-Pölbitz auf 22 Stunden. Ursache hierfür dürfte
insbesondere das, ebenfalls dem Westerzgebirge zugeordnete
Einzugsgebiet des Rödelbaches sein. Die kleinen Einzugsgebiete
im Kammbereich des Erzgebirges zeigen erwartungsgemäß
schnelle und unmittelbare Reaktionen auf die hohen Nieder-
schläge in den Abendstunden des 01. Juni. Einen besonders ho-
hen spezifischen Abfluss wies der Pegel Sachsengrund/Große
Pyra auf. Hier traten, sowohl was den Abflussbeiwert (0,95) als
auch die Scheitelabflussspende (1,346 m³/(s × km²)) betrifft, die
Höchstwerte dieser relativen Kennwerte des Hochwassers 2013
im Muldegebiet auf (Tabelle IV-1).
Auch nördlich von Zwickau, im Bereich des Erzgebirgischen Be-
ckens waren hohe Zuflüsse aus dem Zwischengebiet zu ver-
zeichnen, wie der Unterschied zwischen den Abflussganglinien
der Pegel Zwickau- Pölbitz und Wolkenburg zeigt (Abbildung
3-31). Die dort befindlichen Pegel Niedermülsen 1 (Abbildung
II-8) und St. Egidien (Abbildung II-9) zeigen entsprechend hohe
Abflüsse und steile Verläufe der Hochwasserwellen. Wie aus Ab-
bildung 3-31 ersichtlich, wird der steile Verlauf der Hochwas-
serwelle in Wechselburg maßgeblich durch die Zuflüsse aus dem
Erzgebirgischen Becken bedingt (Pegel Wolkenburg).
Der Abflussverlauf im Einzugsgebiet der Chemnitz (Abbildung
3-32) wird durch die Wellenüberlagerung der Würschnitz und
Abbildung 3-30: Abflussganglinien an Pegeln der Großen Mittweida, dem Schwarzwasser und der Zwickauer Mulde vom 30.05. – 07.06.2013
30.05.
06:00
30.05.
18:00
31.05.
06:00
31.05.
18:00
01.06.
06:00
01.06.
18:00
02.06.
06:00
02.06.
18:00
03.06.
06:00
03.06.
18:00
04.06.
06:00
04.06.
18:00
05.06.
06:00
05.06.
18:00
06.06.
06:00
06.06.
18:00
07.06.
06:00
07.06.
18:00
Wildenau 1/Große Mittweida
Aue 1/Schwarzwasser
Aue 3/Zwickauer Mulde
Niederschlema/Zwickauer Mulde
Zwickau-Pölbitz/Zwickauer Mulde
500
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Abfluss [m³/s]

image
image
3 Hydrologie | 53
3
Abbildung 3-31: Abflussganglinien an Pegeln der Chemnitz und der Zwickauer Mulde vom 30.05. – 07.06.2013
30.05.
12:00
30.05.
00:00
31.05.
12:00
31.05.
00:00
01.06.
12:00
01.06.
00:00
02.06.
12:00
02.06.
00:00
03.06.
12:00
03.06.
00:00
04.06.
12:00
04.06.
00:00
05.06.
12:00
05.06.
00:00
06.06.
12:00
06.06.
00:00
07.06.
12:00
07.06.
00:00
Göritzhain/Chemnitz
Zwickau-Pölbitz/Zwickauer Mulde
Wolkenburg/Zwickauer Mulde
Wechselburg 1/Zwickauer Mulde
1.200
1.000
800
600
400
200
0
Abfluss [m³/s]
Abbildung 3-32: Abflussganglinien an Pegeln der Würschnitz, der Zwönitz und der Chemnitz vom 30.05. – 07.06.2013
Harthau/Würschnitz
Altchemnitz 2/Zwönitz
Summe Harthau + Altchemnitz 2
Chemnitz 1/Chemnitz
Göritzhain/Chemnitz
300
250
200
150
100
50
0
Abfluss [m³/s]
30.05.
12:00
30.05.
00:00
31.05.
12:00
31.05.
00:00
01.06.
12:00
01.06.
00:00
02.06.
12:00
02.06.
00:00
03.06.
12:00
03.06.
00:00
04.06.
12:00
04.06.
00:00
05.06.
12:00
05.06.
00:00
06.06.
12:00
06.06.
00:00
07.06.
12:00
07.06.
00:00

54 | 3 Hydrologie
Zwönitz sowie die urbanen Abflüsse aus dem Raum Chemnitz
geprägt. Die Würschnitz und Zwönitz weisen dabei gleicherma-
ßen hohe Scheitelabflussspenden auf, wobei sich der Verlauf der
Abflussganglinien zwischen der Würschnitz und der Zwönitz in
Hinblick auf die Beharrungszeiten deutlich unterscheiden. Die
Zwönitz zeigt bei nahezu gleicher Niederschlagsbelastung
schnellere und kurzzeitigere Rektionen. Der urbane Bereich re-
agiert in Folge der unmittelbaren, speicherungsunabhängigen
Abflussbildung direkt auf Niederschlag und bildet somit die zeit-
liche Niederschlagsverteilung ab. Durch den Wellenablauf und
die Zuflüsse aus dem Zwischengebiet vergleichmäßigt sich der
Ganglinienverlauf bis zum Pegel Göritzhain.
Speicherbewirtschaftung im Einzugsgebiet der
Zwickauer Mulde
Die in Tabelle 3-6 aufgeführten Stauanlagen werden im Folgen-
den näher betrachtet.
TS Muldenberg / Zwickauer Mulde
Am Morgen des 23. Mai befand sich der Beckenwasserstand mit
4,93 Mio. m³ auf Stauziel (Abbildung 3-33). Ab dem 24. Mai
12:45 Uhr wurde die Wildbettabgabe von 0,21 m³/s bis auf
2,59 m³/s am 28. Mai 15:00 Uhr als Vorentlastung für die bevor-
stehenden Niederschläge erhöht. Am 26. Mai überstieg der Ge-
samtzufluss erstmals die Abgaben, was zu einem ersten Anstieg
Flussgebiet
Bezeichnung
Gewässer
A
E
[km²]
I
S
[Mio. m³]
I
GHR
[Mio. m³]
Jahr der
Fertigstellung
Rückhaltemenge
Juni 2013 [Mio. m³]
Zwickauer
Mulde
TS Muldenberg
Zwickauer Mulde
18,8
5,83
0,85
1925
1,0
TS Carlsfeld
Wilzsch
5,4
3,03
0,23
1929
0,5
TS Eibenstock
Zwickauer Mulde
199,8
74,65
10,00
1987
14,2
TS Sosa
Kleine Bockau
5,9
5,94
0,00
1952
0,7
TS Stollberg
Unterer Querenbach
5,3
2,21
1,13
1954
0,2
Tabelle 3-6: Untersuchte Stauanlagen im Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde mit Kenndaten, u. a. Stauraum I
S
und gewöhnlicher
Hochwasserrückhalteraum
I
GHR
Abbildung 3-33: Betrieb der Talsperre Muldenberg vom 23.05. – 08.06.2013 (Datenquelle: LTV)

3 Hydrologie | 55
3
des Beckeninhalts auf 5,05 m³/s am Folgetag führte. Ab dem
28. Mai wurde die Wildbettabgabe wieder reduziert bis der Zu-
flussanstieg infolge der am 30. Mai einsetzenden Niederschläge
eine Erhöhung erforderte. Ab dem 30. Mai 13:00 Uhr lag die Ab-
gabe bei 2,5 m³/s und wurde in den Mittagsstunden des 31. Mai
nochmals erhöht. Bis zum 02. Juni wurden kontinuierlich mehr
als 3,0 m³/s abgegeben. Am 30. Mai um 23:15 Uhr überschritt der
Gesamtzufluss erneut die Abgaben. Der Zuflussscheitel des ersten
Ereignisses betrug 10,4 m³/s und trat am Abend des 31. Mai auf.
In den frühen Morgenstunden des 02. Juni wurde die Abgabe
wieder auf 2,5 m³/s zurückgefahren. Am 02. Juni 22:00 Uhr er-
reichte der höhere Zuflussscheitel des zweiten Ereignisses mit
18,3 m³/s die Talsperre. Nach dem Durchgang der zweiten Hoch-
wasserwelle stieg der Beckeninhalt noch an, bis er am 03. Juni
15:00 Uhr mit 5,9 Mio. m³ sein Maximum erreichte. Von den
Morgenstunden des 03. Juni bis zum Vormittag des 05. Juni lag
der Stauinhalt über dem Vollstauziel von 5,77 Mio. m³.
Der gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum wurde zu 100 %
beansprucht. Insgesamt konnten 1,0 Mio. m³ der Hochwasser-
zuflüsse zurückgehalten werden. Der Scheitel wurde um 82 %
gekappt.
TS Carlsfeld / Wilzsch
Bis Ende Mai 2013 befand sich der Beckenwasserstand unter-
halb des Stauziels von 2,41 Mio. m³ bzw. unterhalb des Voll-
stauziels von 2,98 Mio. m³ (Abbildung 3-34). Nachdem ab dem
28. Mai die Wildbettabgabe schrittweise bis auf 0,18 m³/s
zurückgefahren wurde, erfolgte in den Mittagsstunden des
30. Mai eine Erhöhung auf 0,69 m³/s. Um 20:00 Uhr desselben
Tages überstieg der Gesamtzufluss die Abgabe. Am 31. Mai
10:00 Uhr erreichte der Zufluss einen ersten Scheitelwert von
2,64 m³/s. Der Zuflussanstieg bewirkte, dass ab den Mittags-
stunden des 31. Mai der Beckeninhalt oberhalb des Stauziels
von 2,41 Mio. m³ lag. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Abgabe
nochmals erhöht und lag bis zum Abend des 05. Juni zwischen
1,1 und 1,2 m³/s.
Der Scheitelzufluss des zweiten Ereignisses betrug 10,4 m³/s
und trat am 02. Juni 03:00 Uhr auf. Nach dem Durchgang
dieser Hochwasserwelle stieg der Beckeninhalt noch an. Am
Abend des 03. Juni kam der Inhaltsanstieg bei 2,81 Mio. m³
zum Erliegen. Damit war der Stauraum zu 92,7 % beansprucht.
Der gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum wurde zu 3,9 %
beansprucht. Der Beckeninhalt verringerte sich allmählich ab
dem 05. Juni 02:45 Uhr. Eine Erhöhung der Abgabe auf 2,1 m³/s
ab dem 05. Juni 19:00 Uhr bewirkte einen beschleunigten
Rückgang des Beckeninhalts, sodass sich in den Morgenstun-
den des 08. Juni der Beckeninhalt wieder auf Stauzielniveau
befand.
Insgesamt konnten 0,5 Mio. m³ der Hochwasserzuflüsse zurück-
gehalten werden. Der Scheitel wurde um 79 % gekappt.
Abbildung 3-34: Betrieb der Talsperre Carlsfeld vom 26.05. – 09.06.2013 (Datenquelle: LTV)

56 | 3 Hydrologie
TS Eibenstock / Zwickauer Mulde
Vom 29. Mai bis in die Abendstunden des 30. Mai 2013 lag der
Zufluss zur Talsperre kontinuierlich leicht unter dem konstan-
ten Abgabeniveau von 15,4 m³/s (Abbildung 3-35). Dies be-
wirkte, dass am Nachmittag des 29. Mai der Beckeninhalt das
Stauziel von 64,64 Mio. m³ unterschritt. So konnte ein zusätz-
licher Rückhalteraum zu dem gewöhnlich vorgehaltenen ge-
schaffen werden. Am 30. Mai um 20:30 Uhr überstieg der Zu-
fluss die Abgabe und der Freiraum wurde dementsprechend
eingestaut. Ab den Morgenstunden des 31. Mai lag der Becken-
inhalt wieder oberhalb des Stauziels. Der Scheitel der ersten
Hochwasserwelle mit 63,3 m³/s erreichte die Talsperre am 31. Mai
um 20:30 Uhr.
In Vorbereitung auf die zweite Hochwasserwelle wurde am
Abend des 01. Juni die Wildbettabgabe bis auf über 25 m³/s er-
höht. Der Scheitelzufluss des zweiten Ereignisses betrug
173,1 m³/s am 02. Juni 08:00 Uhr, von diesem wurden 80 % in
der Stauanlage zurückgehalten. Zwei Stunden später überschritt
der Stauinhalt das Vollstauziel von 74,65 Mio. m³ und stieg bis
zum Morgen des 03. Juni weiter an bis auf 78,3 Mio. m³. Damit
war der Stauraum zu 104,9 % beansprucht. Der zur Verfügung
stehende gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum musste voll-
ständig, der außergewöhnliche Hochwasserrückhalteraum teil-
weise in Anspruch genommen werden. Ab den Mittagsstunden
des 02. Juni stieg die Abgabe als Reaktion auf den steigenden
Beckeninhalt bis zum 03. Juni 07:00 Uhr kontinuierlich an. Die
Spitzenabgabe aus der Talsperre betrug 80 m³/s. Das entspricht
einer Verringerung des Scheitelzuflusses um 54 %. Insgesamt
konnten 14,2 Mio. m³ der Hochwasserzuflüsse zurückgehalten
werden.
Auch während des Überlaufens über die Hochwasserentlas-
tungsanlage konnte durch die Talsperre Eibenstock der Scheitel-
abfluss im Unterlauf deutlich reduziert werden. Dies wird an-
hand der Stadt Aue am Zusammenfluss von Schwarzwasser und
Zwickauer Mulde in Abbildung 3-36 deutlich.
Die Wirkung der Talsperre Eibenstock während des Hochwassers
2013 wurde nachmodelliert (DHI-Wasy 2015). Die Modellierungs-
ergebnisse haben ergeben, dass ohne die Wirkung der Talsperre
Eibenstock in der Stadt Aue der Hochwasserabfluss ca. 405 m³/s
betragen hätte. Damit wird gezeigt, dass durch die planmäßige
Steuerung der Talsperre Eibenstock während des Hochwassers
2013 der Abfluss in der Zwickauer Mulde um ungefähr 34 % re-
duziert wurde. Der Talsperrenüberlauf ab dem 02. Juni um 13 Uhr
hat in der Stadt Aue zu keinerlei Verschärfung der Hochwasser-
situation geführt. Es kam erst zum Überlauf der Talsperre als
bereits der natürliche Rückgang des Hochwassers in Aue begon-
nen hatte. Die Steuerung der Talsperre im Juni 2013 hat insbe-
sondere für die Stadt Aue die Hochwasserlage entspannt. Damit
konnte der Umfang der dortigen Evakuierungen und Hochwas-
serabwehrmaßnahmen verringert werden.
Abbildung 3-35: Betrieb der Talsperre Eibenstock vom 28.05. – 04.06.2013 (Datenquelle: LTV)

3 Hydrologie | 57
3
Abbildung 3-36: Einfluss der Steuerung der TS Eibenstock auf die Hochwassersituation in Aue (Ergebnisse der N-A-Modellierung, DHI-Wasy 2014)
TS Sosa / Kleine Bockau
Am 25. Mai lag der Beckeninhalt leicht unterhalb des Stauziels
von 5,54 Mio. m³ (Abbildung 3-37). Vom 25. Mai bis 27. Mai
wurde die Abgabe von 0,09 m³/s auf >0,5 m³/s erhöht. Dies
führte zu einem Rückgang des Stauinhalts bis auf ein Minimum
von 5,45 Mio. m³ am 30.05 um 00:00 Uhr.
Nach einem zwischenzeitlichen Zurückfahren der Abgabe wur-
den ab dem 30. Mai 16:00 Uhr als Reaktion auf die steigenden
Zuflüsse die Abgaben wieder auf das Niveau >0,5 m³/s erhöht.
Nur eine Stunde später überschritt der Gesamtzufluss die Abga-
ben und der geschaffene Freiraum wurde eingestaut. Der Schei-
tel des ersten Ereignisses wurde zu 3,58 m³/s ermittelt und trat
am 31. Mai 04:00 Uhr auf.
In den Mittagsstunden desselben Tages überschritt der Becken-
inhalt das Stauziel von 5,54 Mio. m³. Zeitgleich fand eine noch-
malige Erhöhung der Abgabe auf >1 m³/s statt. Der Scheitelzu-
fluss des zweiten Ereignisses betrug 12,0 m³/s und trat am
02. Juni 02:00 Uhr auf. Am Morgen des 02. Juni überschritt der
Beckeninhalt das Vollstauziel von 5,94 Mio. m³. Ab den Mittags-
stunden kam es zu einem raschen Anstieg der Abgabe. Am
03. Juni 00:00 Uhr kam der Inhaltsanstieg bei 6,1 Mio. m³ zum
Erliegen und die Abgabe erreichte ein Maximum von 5,0 m³/s.
Damit war der Stauraum zu 102,7 % beansprucht.
Insgesamt konnten 0,7 Mio. m³ der Hochwasserzuflüsse zurück-
gehalten werden. Der Scheitel wurde um 59 % gekappt.
TS Stollberg / Unterer Querenbach
Seit dem 25. Mai lag der Beckeninhalt unterhalb des Stauziels
von 1,00 Mio. m³ (Abbildung 3-38). In Vorbereitung auf die stei-
genden Zuflüsse wurde die Abgabe in den Mittagsstunden des
30. Mai von <0,1 m³/s auf >0,5 m³/s angehoben. Dies führte zu
einem kurzzeitigen Rückgang des Beckeninhalts unter das Stau-
ziel. Um 18:00 Uhr desselben Tages kam es zur Überschreitung
der Abgabe durch den Gesamtzufluss. Am 31. Mai 03:00 Uhr
überschritt der Beckenfüllstand auf Grund der steigenden Zu-
flüsse das Stauziel. Ab den Nachmittagsstunden wurde die Ab-
gabe allmählich auf >1 m³/s erhöht.
Der Scheitel des ersten Ereignisses betrug 1,05 m³/s und trat am
31. Mai um 18:00 Uhr auf. Danach kam es zeitweilig zum Rück-
gang des Zuflusses auf bis zu 0,55 m³/s am Morgen des 01. Juni.
Durch den erneuten Zuflussanstieg überschritt der Beckeninhalt
am 02. Juni um 09:00 Uhr das Vollstauziel von 1,13 Mio. m³.
Etwa zeitgleich wurde die Abgabe auf bis zu 5,6 m³/s am 02. Juni
19:00 Uhr heraufgefahren. Gleichzeitig wurde der Scheitelzu-
fluss des zweiten Ereignisses mit 6,0 m³/s registriert. Eine Stunde
später kam die Zunahme des Beckeninhaltes bei 1,19 Mio. m³
zum Erliegen. Damit war der Stauraum zu 53,8 % beansprucht.
Der gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum wurde zu 9,7 %
beansprucht. Insgesamt konnten 0,2 Mio. m³ der Hochwasser-
zuflüsse zurückgehalten werden. Der Scheitel wurde um 7 %
gekappt.

58 | 3 Hydrologie
Abbildung 3-37: Betrieb der Talsperre Sosa vom 25.05. – 12.06.2013 (Datenquelle: LTV)
Abbildung 3-38: Betrieb der Talsperre Stollberg vom 25.05. – 10.06.2013 (Datenquelle: LTV)

3 Hydrologie | 59
3
Freiberger Mulde und ihre Nebenflüsse
Im Gegensatz zum Westerzgebirge setzten die Wasserstandsan-
stiege im Gebiet der Freiberger Mulde bis zur Zschopau-Mün-
dung erst am frühen Abend des 30. Mai zwischen 16:15 Uhr und
18:30 Uhr ein. Auch hier kam es mit Ausnahme des Oberlaufs
der Freiberger Mulde zu zwei markanten Scheitelbereichen, wo-
bei wiederum der zweite den ersten deutlich überstieg.
Am Pegel Mulda 1/Freiberger Mulde (Abbildung 3-39) führte der
erste Anstieg zu einem bis zum 01. Juni 10:45 Uhr anhaltenden
Plateau bei ca. 58 cm. Der weitergehende in 3 Stufen erfolgende
Anstieg führte zum Hochwasserscheitel am 03. Juni 00:30 Uhr
mit 154 cm, der 43 cm über dem HHW vom 31. März 2006 (Be-
obachtungsreihe seit 2005) lag. Im Gegensatz dazu sind am
Pegel Wolfsgrund am Chemnitzbach (Abbildung 3-39), der un-
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Mulda 1/Freiberger Mulde
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Wolfsgrund/Chemnitzbach
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Berthelsdorf/Freiberger Mulde
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Krummenhennersdorf 1/Bobritzsch
0
50
100
150
200
250
300
350
400
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Nossen 1/Freiberger Mulde
Abbildung 3-39: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Freiberger
Mulde, Bobritzsch und dem Chemnitzbach vom 25.05. – 16.06.2013

image
60 | 3 Hydrologie
terhalb des Pegels Mulda 1 der Freiberger Mulde zufließt, zwei
Scheitel zu erkennen, wobei der erste weniger markant ist. Der
erste Scheitel erreichte am 30. Mai um 23:30 Uhr 75 cm (25 cm
unter MHW). Danach setzte ein stark schwankender Rückgang
ein, bevor ab dem 01. Juni um 07:45 Uhr ein vierstufiger Anstieg
bis zum Höchststand von 148 cm am 03. Juni 01:45 Uhr ein-
setzte. Das HHW vom 13. August 2002 wurde deutlich um 51 cm
unterschritten.
Der Zufluss aus der Gimmlitz war durch die gleichmäßigen Ab-
gaben der Talsperre Lichtenberg geprägt. Einen vergleichbaren
Ganglinienverlauf wie der Pegel Mulda 1 zeichnete sich am Pe-
gel Berthelsdorf/Freiberger Mulde (Abbildung 3-39) ab. Auch
dort bildete sich ein Plateau vom 31. Mai 05:00 Uhr bis 01. Juni
12:45 Uhr bei rund 123 cm. Ebenfalls nach dreistufigem Anstieg
wurde der Scheitel am 03. Juni 02:45 Uhr mit 257 cm beobach-
tet, der 105 cm über MHW und 128 cm unter dem HHW vom
13. August 2002 lag.
Im unteren Teil des in diesem Abschnitt betrachteten Gebietes
ist wieder eine Zweigipfligkeit in beiden Scheitelbereichen her-
vorzuheben. Zwar wies am Pegel Krummenhennersdorf 1 an der
Bobritzsch (Abbildung 3-39) der Rückgang nach dem ersten
Scheitel (144 cm am 31. Mai 04:30 Uhr – entspricht MHW der
Beobachtungsreihe seit 2004) nur eine Verzögerung auf, jedoch
sind nach zweistufigem Anstieg ab 01. Juni 09:45 Uhr (82 cm)
zwei Scheitel erkennbar, deren erster einen Wasserstand von
256 cm (02. Juni 17:15 Uhr) und der zweite 262 cm (03. Juni
06:00 Uhr, 68 cm über dem HHW vom 27. März 2006 der Beob-
achtungsreihe seit 2004) aufwies.
Die Form der Ganglinie am Pegel Nossen 1/Freiberger Mulde
(Abbildung 3-39) wird stark durch den Zufluss der Bobritzsch
geprägt und unterscheidet sich dadurch deutlich von der Gang-
linienform am Pegel Berthelsdorf. Der erste Scheitel im ersten
Teil des Hochwassers erreichte am Pegel Nossen 1 am 31. Mai
05:15 Uhr einen Wasserstand von 217 cm (28 cm über MHW).
Es folgte ein Rückgang bis 14:00 Uhr und der sich anschließende
Wiederanstieg erreichte mit 208 cm um 17:30 Uhr den vorher-
gehenden Scheitelwasserstand jedoch nicht. Vor der Hauptwelle
sank der Wasserstand auf 165 cm am 01. Juni um 10:45 Uhr ab.
Der Wiederanstieg erfolgte dreistufig mit dem höchsten Was-
serstand von 363 cm am 03. Juni 09:00 Uhr (104 cm unter dem
HHW vom 13. August 2002).
In der Großen Striegis waren am Pegel Oberschöna/Große Strie-
gis (Abbildung 3-41) nur zwei markante Scheitel zu beobachten.
Der erste trat dort am 31. Mai 05:15 Uhr mit 97 cm in Höhe des
MHW der Beobachtungsreihe seit 2004 ein. Nach Rückgang um
ca. 30 cm begann am 01. Juni 19:45 Uhr der durch mehrere kurz-
zeitige Rückgänge gekennzeichnete Anstieg zum Höchstwert am
03. Juni um 03:15 Uhr mit 162 cm, der das HHW vom 27. März
2006 um 34 cm überschritt. Am unterhalb gelegenen Pegel Böh-
rigen/Striegis (Abbildung 3-40) zeigte der erste Abschnitt des
Hochwassers wieder zwei ausgeprägte Scheitel, wobei der erste
etwas geringer ausfiel als der zweite. Zu beobachten war die in
Abbildung 3-41 ersichtliche Abfolge von Wellenscheiteln und
–tälern. Der Höchststand wurde am 03. Juni 10:30 Uhr mit
274 cm (60 cm über HHW vom 28. September 2010 der Beob-
achtungsreihe seit 2004) erreicht.
Die Ganglinienform am Pegel Mahlitzsch/Freiberger Mulde (Ab-
bildung 3-41) unterscheidet sich von der am Pegel Nossen 1
dadurch, dass unter dem Einfluss des Striegiszuflusses der
zweite Scheitel im ersten Teil des Hochwassers höher lag als der
erste. Die Freiberger Mulde war dort am 31. Mai 07:30 Uhr zu-
nächst auf 305 cm angestiegen. Der nächste Scheitel wurde mit
318 cm um 18:00 Uhr (52 cm über MHW der Beobachtungsreihe
seit 2005) erreicht. Es schloss sich bis 01. Juni, 13:15 Uhr ein
deutlicher Rückgang auf 209 cm an, dem ein zweistufiger An-
stieg auf 470 cm am 02. Juni um 21:45 Uhr folgte. Der Höchst-
wasserstand des Ereignisses wurde mit 480 cm am 03. Juni von
10:00 Uhr bis 11:00 Uhr (142 cm über dem HHW vom 19. Februar
2012) erreicht.
Im Oberlaufgebiet der Zschopau und im Gebiet der Flöha began-
nen die Wasserstände am 30. Mai zwischen 04:30 Uhr und
06:30 Uhr zu steigen. Eine Ausnahme bildet das Gebiet der Flöha
oberhalb der Schweinitzmündung, wo der Beginn der Anstiege
analog zu dem im Gebiet der Freiberger Mulde oberhalb der
Zschopaumündung erst zwischen 16:45 Uhr und 17:45 Uhr er-
folgte. Mit dem weiteren Wellenablauf in der Zschopau unter-
halb der Flöhamündung und der Freiberger Mulde unterhalb der
Zschopaumündung bis zum Zusammenfluss mit der Zwickauer
Mulde verschob sich dann der Anstiegsbeginn bis 17:00 Uhr.
Am Pegel Tannenberg/Zschopau (Abbildung 3-42) trat der erste
Scheitel in der ersten Wellenphase am 31. Mai um 08:15 Uhr mit
einem Wasserstand von 98 cm auf und damit 2 cm unter MHW.
Nach einem Rückgang auf 71 cm stieg der Wasserstand in dieser
Phase nochmal auf ein Plateau von 77 cm zwischen 16:15 Uhr
und 18:00 Uhr an. Am 01. Juni setzte um 17:45 Uhr der Anstieg
zur zweiten Phase der Hochwasserwelle ein, der nach zwei Stu-
Abbildung 3-40: Scheiteldurchfluss am Pegel Böhrigen/Striegis im
Bereich des Richtwertes der Alarmstufe 2 am 03.06.2013 (Foto: BfUL)

3 Hydrologie | 61
3
fen am 02. Juni 16:15 Uhr mit dem Scheitel bei 135 cm beendet
war. Das HHW vom 13. August 2002 mit 213 cm wurde deutlich
unterschritten.
Im benachbarten Einzugsgebiet der Sehma lief das Hochwasser
am Pegel Annaberg1/Sehma in vergleichbarer Abfolge von Wel-
lenscheiteln und –tälern (siehe Abbildung 3-42) ab. Der Höchst-
stand wurde am 02. Juni um 14:45 Uhr mit 159 cm (67 cm unter
HHW vom 13. August 2002) erreicht.
Am Pegel Wiesa/Pöhlbach (Abbildung 3-42) unterschied sich der
Wellenablauf in der zweiten Hochwasserphase durch einen ein-
stufigen Anstieg von 166 cm am 01. Juni 10:00 Uhr auf 264 cm
am 02. Juni 14:00 Uhr. Dass HHW vom 13. August 2002 mit
275 cm wurde nicht erreicht. Vorangegangen war zunächst ein
erster Scheitel von 177 cm (62 cm unter MHW) am 31. Mai
06:15 Uhr, ein Rückgang auf 161 cm und ein Wiederanstieg auf
174 cm um 16:15 Uhr.
An den Pegeln Schmalzgrube 2/Preßnitz und Jöhstadt 4/Jöhstäd-
ter Schwarzwasser im oberen Gebiet der Preßnitz (Abbildung
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Oberschöna/Große Striegis
0
50
100
150
200
250
300
350
400
Wasserstand [cm]
Böhrigen/Striegis
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Mahlitzsch/Freiberger Mulde
Abbildung 3-41: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Striegis
und Freiberger Mulde vom 25.05. – 16.06.2013
3-43) sind die Einflüsse des Betriebs der Talsperre Přísečnice
(Preßnitz) erkennbar. Deren Abgabe wurde so gesteuert, dass sich
der Wasserstand am Pegel Schmalzgrube 2 in zwei Stufen auf ca.
60 cm vom 31. Mai 00:00 Uhr bis 01. Juni 12:00 Uhr einstellte.
Danach erfolgte unter dem Einfluss des Abflusses aus dem Gebiet
unterhalb der Talsperre ein weiterer zweistufiger Anstieg auf den
Höchstwasserstand von 86 cm am 02. Juni 13:00 Uhr, der 16 cm
unter dem HHW vom 31. Dezember 1995 blieb. Am Pegel Jöhstadt
4 zeigten sich in der ersten Phase des Hochwassers die Auswir-
kungen der Überleitung von Wasser aus dem Jöhstädter Schwarz-
wasser zur Talsperre Přísečnice auf tschechischem Gebiet, durch
die die Zweigipflichkeit der Welle am 31. Mai nur andeutungs-
weise zu erkennen ist. Der Beginn des Anstiegs der Hauptwelle
erfolgte am 01. Juni 10:00 Uhr bei einem Wasserstand von 50 cm.
In zwei Stufen wurde der Höchststand am 02. Juni 14:30 Uhr mit
141 cm erreicht, der 19 cm über dem bisherigen HHW vom
31. März 2006 aus der Beobachtungsreihe seit 2003 lag.

62 | 3 Hydrologie
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Tannenberg/Zschopau
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Annaberg 1/Sehma
0
50
100
150
200
250
300
Wasserstand [cm]
Wiesa/Pöhlbach
0
50
100
150
200
250
Wasserstand [cm]
Streckewalde/Preßnitz
0
50
100
150
200
250
300
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Hopfgarten/Zschopau
Abbildung 3-42: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Zschopau, Sehma, Pöhlbach
und Preßnitz vom 25.05. – 16.06.2013

3 Hydrologie | 63
3
Am Pegel Streckewalde/Preßnitz (Abbildung 3-42) zeigen sich
die Einflüsse des Talsperrenbetriebs auf tschechischer Seite nur
noch rudimentär. Der erste Anstieg war am 31. Mai 06:30 Uhr
bei einem Wasserstand von 113 cm etwa in Höhe des MHW be-
endet. Es folgte ein Rückgang auf 99 cm, bevor sich ein zweiter
Scheitel um 17:00 Uhr mit 109 cm einstellte. Der erneute, jetzt
zweistufige Anstieg zum Höchststand erfolgte am 01. Juni ab
10:00 Uhr auf 198 cm am 02. Juni 14:45 Uhr. Das HHW vom
13. August 2002 blieb um 62 cm unterschritten.
Der Ablauf der Hochwasserwelle am Pegel Hopfgarten/Zscho-
pau (Abbildung 3-42) zeigt die gleichen zeitlichen Bezüge wie
die an den oberhalb gelegenen Pegeln. Der erste Scheitel wurde
am 31. Mai 08:30 Uhr mit einem Wasserstand von 148 cm
(2 cm unter MHW) registriert. Der zweite folgte um 18:00 Uhr
mit 140 cm. Bei einem Wasserstand von 125 cm am 01. Juni
09:45 Uhr setzte der zweistufige Anstieg zum Hauptscheitel
von 257 cm am 02. Juni 19:15 Uhr ein, der 49 cm unter dem
HHW vom 13. August 2002 lag.
Bis zum Pegel Kunnersdorf/Zschopau (Abbildung 3-45) beginnt
der Wellenablauf zu dominieren, so dass eine zeitliche Verschie-
bung der Scheitel und eine Vergleichmäßigung des Anstiegs
sichtbar wird. Der erste Scheitel wurde dort mit 163 cm (9 cm
über MHW) am 31. Mai um 07:45 Uhr erreicht. Ein zweiter Schei-
tel in der ersten Phase des Hochwassers ist hier bereits nicht
mehr ausgeprägt. Der zweite Anstieg, hier im Wesentlichen
schon stetig, begann am 01. Juni 12:45 Uhr bei 133 cm. Der
Höchststand betrug am 02. Juni 19:45 Uhr 276 cm (49 cm unter
dem HHW vom 13. August 2002).
Am Pegel Rauschenbach 3/Flöha (Abbildung 3-44), der sowohl
die Abgabe aus der Talsperre Rauschenbach als auch den Zufluss
des Rauschenflusses (Pegel Rauschenbach 2/Rauschenfluß) er-
fasst, zeigte sich keine Unterteilung der Hochwasserganglinie in
zwei definierbare Abschnitte. Nach unregelmäßigem Anstieg
wurde der Scheitel am 02. Juni um 02:15 Uhr mit 98 cm erreicht.
An den Pegeln im Flöha-Gebiet bis zur Mündung der Schwarzen
Pockau waren dann wieder zwei Scheitelausbildungen in der
ersten Hochwasserphase und mindestens zwei Scheitel im zwei-
ten Hochwasserabschnitt zu beobachten, wobei in diesem je-
weils der zweite Scheitel den Höchststand markiert. Die sich
anschließenden Rückgänge waren stark gewellt.
Der Pegel Rothenthal/Natzschung (Abbildung 3-44) zeigte den
ersten Scheitel am 31. Mai 04:45 Uhr mit 96 cm (11 cm unter
0
50
100
150
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Jöhstadt 4/Jöhstädter Wasser
0
50
100
150
Wasserstand [cm]
Schmalzgrube 2/Preßnitz
0
50
100
150
200
250
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Streckewalde/Preßnitz
Abbildung 3-43: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Preßnitz und dem Jöhstädter
Wasser vom 25.05. – 16.06.2013

64 | 3 Hydrologie
0
50
100
150
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Rauschenbach 3/Flöha
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Rothenthal/Natzschung
0
50
100
150
200
250
300
350
Wasserstand [cm]
Olbernhau 3/Flöha
0
50
100
150
200
Wasserstand [cm]
Zöblitz/Schwarze Pockau
0
50
100
150
200
250
300
350
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Borstendorf/Flöha
Abbildung 3-44: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Flöha,
Natzschung und Schwarzen Pockau vom 25.05. – 16.06.2013
MHW). Danach ging der Wasserstand bis 14:00 Uhr auf 72 cm
zurück, bevor sich der Wasserstand wieder auf 85 cm erhöhte und
von 16:15 Uhr bis 18:00 anhielt. Am 01. Juni 09:00 Uhr setzte ein
Wiederanstieg ein, der am 02. Juni 00:15 Uhr bei 140 cm endete.
Nach zwischenzeitlichem Rückgang stieg der Wasserstand noch-
mals auf 140 cm um 13:15 Uhr an. Diese beiden gleichhohen
Scheitel lagen 103 cm unter dem HHW vom 12. August 2002.
Am Pegel Olbernhau 3/Flöha (Abbildung 3-44) stieg der Wasser-
stand zunächst am 31. Mai 05:30 Uhr auf 210 cm, sank danach
bis 14:00 Uhr auf 190 cm zurück, um dann bis 16:00 Uhr auf

3 Hydrologie | 65
3
202 cm zu steigen. Der Hauptanstieg begann am 01. Juni um
09:45 Uhr. Der erste Scheitel in dieser Phase betrug am 02. Juni
01:00 Uhr 313 cm, gefolgt von einem Rückgang bis 10:30 Uhr
und dem Anstieg auf den Höchststand von 329 cm um 14:15 Uhr.
In der kurzen Beobachtungszeit seit 2012 entspricht dieser Was-
serstand dem HHW.
Im Abschnitt der Flöha unterhalb der Mündung der Schwarzen
Pockau und in dieser selbst wies die Ganglinienform in der ersten
Hochwasserphase nur noch einen Scheitel auf. Am Pegel Zöblitz/
Schwarze Pockau (Abbildung 3-44) betrug dieser am 31. Mai
04:00 Uhr 94 cm (2 cm über MHW). Der zweistufige Anstieg zum
Höchststand von 150 cm am 02. Juni 17:15 Uhr (182 cm unter
dem HHW vom 13. August 2002) begann am 01. Juni 9:45 Uhr.
Der Pegel Borstendorf/Flöha (Abbildung 3-44) zeichnete den
ersten Scheitel am 31. Mai zwischen 06:30 Uhr und 08:15 Uhr
mit 165 cm genau in Höhe vom MHW auf. Am 01. Juni 10:15 Uhr
setzte der Wiederanstieg ein, der analog zum Ablauf am Pegel
Zöblitz erfolgte. Der Höchststand wurde am 02. Juni 16:00 Uhr
mit 258 cm (122 cm unter dem HHW vom 13. August 2002) be-
obachtet.
Mit wellenablaufbedingtem zeitlichem Versatz wurde die Gang-
linie bis zum Pegel Flöha 1/Flöha (Abbildung 3-45) transformiert,
wobei sich dort der erste Scheitel im zweiten Hochwasserab-
schnitt wieder deutlich heraushebt. Der Scheitel im ersten Hoch-
wasserabschnitt konnte am 31. Mai 09:00 Uhr mit 263 cm ge-
messen werden. Während der Wasserstand danach bis 01. Juni
11:30 Uhr auf 213 cm zurückgegangen war, folgte dann der
Hauptanstieg auf zunächst 393 cm am 02. Juni 06:45 Uhr, bevor
dann um 19:45 Uhr der Höchststand vom 448 cm erreicht
wurde. In der bisherigen Beobachtungszeit seit 2010 ist dieser
Wasserstand auch das HHW.
Eine ungewöhnliche Ganglinienform des ersten Hochwasserab-
schnittes zeichnete der Pegel Lichtenwalde 1/Zschopau (Abbil-
dung 3-45) auf. Beginnend am 31. Mai 01:00 Uhr setzte ein sehr
starker und sich zum Scheitel hin wölbender Anstieg ein. Der
Scheitel trat dann zwischen 09:30 Uhr und 10:30 Uhr mit einem
Wasserstand von 366 cm (30 cm über dem MHW der Beobach-
tungsreihe seit 2006) ein. Ein Rückgang, von einem kurzen Wie-
deranstieg unterbrochen, folgte bis 01. Juni 12:45 Uhr auf
302 cm. Der anschließende zweistufige Anstieg erreichte dann
0
100
200
300
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Kunnersdorf/Zschopau
0
100
200
300
400
500
Wasserstand [cm]
Flöha 1/Flöha
0
100
200
300
400
500
600
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Lichtenwalde 1/Zschopau
Abbildung 3-45: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Zschopau und Flöha vom
25.05. – 16.06.2013

image
66 | 3 Hydrologie
Abbildung 3-47: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Zschopau und Freiberger
Mulde vom 25.05. – 16.06.2013
0
100
200
300
400
500
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Kriebstein UP/Zschopau
0
100
200
300
400
500
Wasserstand [cm]
Mahlitzsch/Freiberger Mulde
0
100
200
300
400
500
600
700
800
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Leisnig/Freiberger Mulde
Abbildung 3-46: Talsperre Kriebstein am 05.06.2013
(Foto: SMUL, Matthias Löwig)
seinen Höchststand am 02. Juni um 21:15 Uhr mit 582 cm, der
in der kurzen Beobachtungsreihe seit 2006 das HHW markiert.
Die Ganglinie des Pegels Kriebstein UP/Zschopau (Abbildung
3-47) ist in ihrer unregelmäßigen Form durch die Steuerungen
der Talsperre Kriebstein (Abbildung 3-46) gekennzeichnet, ohne
dass diese wesentlichen Einfluss auf das Hochwasser nehmen
kann. Der höchste Wasserstand im ersten Hochwasserabschnitt
betrug am 31. Mai 18:15 Uhr 290 cm (50 cm über MHW). Der
Rückgang ging bis zum 01. Juni 12:45 Uhr auf 207 cm. Der
Höchststand in der zweiten Hochwasserphase wurde mit 438 cm
am 03. Juni um 01:30 Uhr (132 cm unter dem HHW vom 13. Au-
gust 2002) registriert.
Am Pegel Leisnig/Freiberger Mulde (Abbildung 3-47) war der
erste Scheitel durch den ersten Scheitel aus der Freiberger Mulde
oberhalb der Zschopaumündung bedingt. Dieser betrug am
31. Mai um 12:15 Uhr 517 cm. Der zweite Scheitel um 22:15 Uhr
mit einem Wasserstand von 541 cm (63 cm über dem MHW der
Beobachtungsreihe seit 2008) wurde durch die Scheitelüberla-
gerung von Freiberger Mulde und Zschopau verursacht. Der
Ausgangswasserstand für die zweite Hochwasserphase lag am
01. Juni 18:45 Uhr bei ca. 450 cm. Nach zweistufigem Anstieg
war der Höchststand mit 745 cm am 03. Juni 06:00 Uhr erreicht
und ist als HHW einzustufen.

image
3 Hydrologie | 67
3
Abflussverlauf im Einzugsgebiet der Freiberger Mulde
Der Abflussverlauf in der Freiberger Mulde vor Einmündung der
Zschopau (Pegel Mahlitzsch) wird stark durch die hohen Zuflüsse
aus dem Mulde-Lößhügelland (Pegel Böhrigen/Striegis) geprägt
(Abbildung 3-48). Des Weiteren weist die Bobritzsch (Pegel
Krummenhennersdorf 1) einen höheren Abflussbeiwert (0,74) als
das Gebiet des Oberlaufs der Freiberger Mulde (Pegel Berthels-
dorf, Abflussbeiwert 0,58) auf. Während die Striegis einen we-
sentlichen Beitrag zur Abflussfülle liefert, wird die Form der
Ganglinie am Pegel Mahlitzsch durch den zweigipfligen Verlauf
der Hochwasserwelle aus der oberen Freiberger Mulde (Pegel
Nossen 1) geprägt, die wiederum hauptsächlich durch den Zu-
fluss der Bobritzsch (Pegel Krummenhennersdorf 1) bedingt ist
(Abbildung 3-48).
Die Hochwasserabflüsse im Verlauf der unteren Zschopau wer-
den durch den Zusammenfluss der Flöha mit der Zschopau be-
stimmt. Wie Abbildung 3-49 zeigt, kam es beim Hochwasser
2013 zur Überlagerung zeitgleicher Scheitel.
Im Bereich des oberen Mittleren Erzgebirges zeigen die Pegel
Annaberg 1, Tannenberg und Wiesa trotz gleicher Niederschlags-
belastungen unterschiedliche Reaktionen. Ist der gleichmäßigere
Verlauf der Abflussganglinie am Pegel Tannenberg (Abbildung
II-25) gegenüber dem Pegel Annaberg 1 (Abbildung II-24) durch
das doppelt so große Einzugsgebiet zu erklären, unterscheidet
sich die Hochwasserganglinie in Wiesa (Abbildung II-26) gravie-
rend von der in Tannenberg. Im weiteren Verlauf vergleichmä-
ßigt sich die Hochwasserwelle der oberen Zschopau weiter. Die
Pegel im oberen Flöhagebiet zeigen ebenfalls deutliche Unter-
schiede im Abflussverhalten der jeweiligen Einzugsgebiete. Be-
sonders hervorzuheben ist hier der Pegel Rothenthal (Abbildung
II-29), dieser weist eine atypisch lange Zeitspanne zwischen
Niederschlagsbeginn und dem Ende der Beharrungszeit auf. We-
niger ausgeprägt ist die Plateaubildung der Abflussganglinie im
Bereich hoher Abflüsse in der Schwarzen Pockau und der oberen
Flöha (Pegel Olbernhau 3, Abbildung II-30), wobei hier auch der
Einfluss der Talsperre Rauschenbach berücksichtigt werden
muss. Nach dem Zusammenfluss von Flöha und Zschopau
kommt es unterhalb des Pegels Lichtenwalde 1 zu einer Wellen-
abflachung.
Abbildung 3-48: Abflussganglinien an Pegeln der Bobritzsch, der Striegis und der Freiberger Mulde vom 30.05. – 07.06.2013
30.05.
00:00
30.05.
12:00
31.05.
00:00
31.05.
12:00
01.06.
00:00
01.06.
12:00
02.06.
00:00
02.06.
12:00
03.06.
00:00
03.06.
12:00
04.06.
00:00
04.06.
12:00
05.06.
00:00
05.06.
12:00
06.06.
00:00
06.06.
12:00
07.06.
00:00
Krummenhnnersdorf
1/ Bobritzsch
Berthelsdorf/Freiberger Mulde
Böhrigen/Striegis
Nossen 1/Freiberger Mulde
Mahlitzsch/Freiberger Mulde
500
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Abfluss [m³/s]

image
68 | 3 Hydrologie
Speicherbewirtschaftung im Einzugsgebiet der
Freiberger Mulde
Die in Tabelle 3-7 aufgeführten Stauanlagen werden im Folgen-
den näher betrachtet.
TS Lichtenberg / Gimmlitz
Zu Beginn der dritten Maidekade befand sich der Beckenwasser-
stand mit 11,4 Mio. m³ auf Stauziel (Abbildung 3-50). Vom 24. Mai
zum 25. Mai wurde die Wildbettabgabe von 0,40 m³/s auf
>1 m³/s als Vorentlastung für die bevorstehenden Niederschläge
erhöht.
Der Zuflussanstieg in der zweiten Tageshälfte des 30. Mai erfor-
derte eine weitere Erhöhung, die schrittweise bis zum Morgen des
31. Mai bis auf ein Abgabeniveau >5 m³/s durchgeführt wurde.
In den Mittagsstunden des 01. Juni begann ein schneller Zu-
flussanstieg. Am 01. Juni um 23:00 Uhr überschritt der Becken-
inhalt das Stauziel. Am 03. Juni um 01:15 Uhr wurde der Schei-
tel der Hochwasserwelle mit 37,1 m³/s registriert. Die Abgabe
erreichte ihr Maximum um 09:45 Uhr bei 13,6 m³/s.
Nach dem Durchgang der Hochwasserwelle stieg der Beckenin-
halt noch an. Am Morgen des 04. Juni kam der Inhaltsanstieg bei
14,12 Mio. m³ zum Erliegen. Damit war der Stauraum zu 97,7 %
Abbildung 3-49: Abflussganglinien an Pegeln der Flöha und der Zschopau vom 30.05. – 07.06.2013
Tabelle 3-7: Untersuchte Stauanlagen im Einzugsgebiet der Freiberger Mulde mit Kenndaten, u. a. Stauraum I
S
und gewöhnlicher
Hochwasserrückhalteraum
I
GHR
Flussgebiet
Bezeichnung
Gewässer
A
E
[km²]
I
S
[Mio. m³]
I
GHR
[Mio. m³]
Jahr der
Fertigstellung
Rückhaltemenge
Juni 2013 [Mio. m³]
Freiberger
Mulde
TS Lichtenberg
Gimmlitz
38,8
14,45
1,50
1975
2,8
TS Cranzahl
Lampertsbach
9,3
3,10
0,12
1952
0,1
TS Rauschenbach
Flöha
70,5
15,20
2,50
1968
3,7
TS Saidenbach
Saidenbach
60,8
22,38
1,00
1933
3,1
30.05.
00:00
30.05.
12:00
31.05.
00:00
31.05.
12:00
01.06.
00:00
01.06.
12:00
02.06.
00:00
02.06.
12:00
03.06.
00:00
03.06.
12:00
04.06.
00:00
04.06.
12:00
05.06.
00:00
05.06.
12:00
06.06.
00:00
06.06.
12:00
07.06.
00:00
Kunnersdorf/Zschopau
Flöha 1/Flöha
Summe Flöha 1 + Kunnersdorf
Lichtenwalde 1/Zschopau
800
700
600
500
400
300
200
100
0
Abfluss [m³/s]

3 Hydrologie | 69
3
beansprucht. Der gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum wurde
zu 78,1 % beansprucht. Insgesamt konnten 2,8 Mio. m³ der
Hochwasserzuflüsse im gewöhnlichen Hochwasserrückhalte-
raum zurückgehalten werden. Der Scheitelzufluss wurde um
63 % gekappt.
Am Vormittag des 09. Juni kam es erneut zu einem kurzfristigen
Zuflussanstieg mit einem Scheitelwert von 1,99 m³/s. Am 11. Juni
erreichte der Beckeninhalt wieder das Stauziel.
TS Cranzahl / Lampertsbach
In der dritten Maidekade befand sich der Beckenwasserstand
leicht unter dem Stauziel von 2,85 Mio. m³ (Abbildung 3-51). Eine
variierende Abgabe zwischen 0,25 und 0,01 m³/s bei relativ kon-
stantem Zufluss unterhalb von 0,2 m³/s führte bis zum 30. Mai
14:30 Uhr zu einem Rückgang des Beckeninhalts auf 2,82 Mio. m³.
Im Zuge des Zuflussanstiegs am 30. Mai wurde die Abgabe um
15:15 Uhr auf mehr als 0,25 m³/s erhöht. Der Scheitel des ersten
Ereignisses betrug 2,83 m³/s und trat am 31. Mai um 01:45 Uhr
auf. Am Morgen des 31. Mai erfolgte eine erneute Anhebung der
Abgabe. In den folgenden Tagen wurden kontinuierlich mehr als
6 m³/s abgegeben.
Durch den erneuten Zuflussanstieg überschritt am 02. Juni um
05:30 Uhr der Beckeninhalt das Stauziel. Der Scheitel des zweiten
Ereignisses betrug 3,9 m³/s und trat am 02. Juni um 14:00 Uhr
auf. Bereits um 13:00 wurde mit 2,0 m³/s die maximale Abgabe
registriert. In den Abendstunden des 03. Juni erreichte die Be-
ckenfüllung mit 2,91 Mio. m³ ihren Maximalwert im Ereignisver-
lauf. Damit war der Stauraum zu 94,0 % beansprucht. Der ge-
wöhnliche Hochwasserrückhalteraum wurde nicht beansprucht.
Insgesamt konnten 0,1 Mio. m³ der Hochwasserzuflüsse zurück-
gehalten werden. Der Scheitelzufluss wurde um 50 % gekappt.
In den Nachmittagsstunden des 09. Juni kam es zu einem erneu-
ten Zuflussanstieg bis zu einem Scheitelwert von 1,73 m³/s,
nachdem am Morgen die Abgabe bereits auf 0,03 m³/s zurück-
gefahren wurde. Dies bewirkte den erneuten Anstieg der Be-
ckenfüllung auf das Niveau des Stauziels.
TS Rauschenbach / Flöha
Zu Beginn der dritten Maidekade befand sich der Beckenwasser-
stand mit 11,2 Mio. m³ auf Stauziel (Abbildung 3-52). Die Abgabe
variierte bis zum 30. Mai zwischen 1,35 und 3,75 m³/s. In den
späten Abendstunden wurde in Vorbereitung auf den Zufluss-
anstieg die Abgabe auf >6m³/s erhöht und am Folgetag noch-
mals heraufgesetzt.
Nachdem am Abend des 01. Juni die Abgabe kurzzeitig bis auf
5,16 m³/s zurückgefahren worden war, blieb sie im weiteren
Abbildung 3-50: Betrieb der Talsperre Lichtenberg vom 20.05. – 11.06.2013 (Datenquelle: LTV)

70 | 3 Hydrologie
Abbildung 3-51: Betrieb der Talsperre Cranzahl vom 20.05. – 11.06.2013 (Datenquelle: LTV)
Abbildung 3-52: Betrieb der Talsperre Rauschenbach vom 20.05. – 11.06.2013 (Datenquelle: LTV)

3 Hydrologie | 71
3
Ereignisverlauf durchgängig über 6 m³/s. Das Maximum wurde
am 07. Juni um 13:45 Uhr mit 13,2 m³/s registriert.
In den Morgenstunden des 01. Juni setzte ein schneller Anstieg
des Zuflusses ein, woraufhin um 15:15 Uhr der Beckeninhalt das
Stauziel überschritt. Der Scheitelzufluss der Hochwasserwelle
betrug 33,7 m³/s und trat am 02. Juni um 13:00 Uhr auf.
Nach dem Durchgang der Hochwasserwelle stieg der Beckenin-
halt noch an. In der Nacht vom 05. Juni um 06:45 Uhr wurde
mit 14,80 Mio. m³ die maximale Beckenfüllung im Ereignisver-
lauf erreicht. Damit war der Stauraum zu 97,4 % beansprucht.
Der gewöhnliche Hochwasserrückhalteraum wurde zu 84,1 %
beansprucht. Insgesamt konnten 3,7 Mio. m³ der Hochwasser-
zuflüsse zurückgehalten werden. Der Scheitel wurde um 61 %
gekappt.
TS Saidenbach / Saidenbach
Nachdem sich der Beckeninhalt am 20. Mai noch bei 19,39
Mio. m³ befand, stellte sich im Laufe der letzten Maidekade ein
Beckeninhalt unterhalb des Stauziels von 19,36 Mio. m³ ein (Ab-
bildung 3-53). Am 29. Mai um 17:45 Uhr überstieg der Becken-
inhalt infolge des Zuflussanstiegs erstmals wieder das Stauziel.
In den Morgenstunden des 30. Mai wurde die Abgabe kurzzeitig
von 1,4 m³/s bis auf >7 m³/s angehoben und dann in den fol-
genden Stunden bis auf über 9 m³/s erhöht. Am 31. Mai um
00:45 Uhr wurde ein Scheitelzufluss von 12,18 m³/s registriert.
Am Abend des 31. Mai wurde die Abgabe mit dem Zuflussrück-
gang auf >5 m³/s zurückgefahren.
In den Morgenstunden des 01. Juni setzte erneut ein Zuflussan-
stieg ein. Daraufhin überschritt der Beckeninhalt am 01. Juni um
22:00 Uhr erneut das Stauziel. Etwa zeitgleich wurde die Abgabe
schrittweise heraufgesetzt und im Verlauf der nächsten Tage
weitestgehend oberhalb von 9 m³/s belassen. Am 02. Juni um
15:15 Uhr betrug der Scheitelwert des Zuflusses 44,3 m³/s.
Nach dem Durchgang der zweiten Hochwasserwelle stieg der
Beckeninhalt noch an. Am Mittag des 04. Juni kam der Inhalts-
anstieg bei 22,3 Mio. m³ zum Erliegen. Damit war der Stauraum
zu 99,7 % beansprucht. Der gewöhnliche Hochwasserrückhalte-
raum wurde zu 92,4 % beansprucht. Der Beckeninhalt verrin-
gerte sich allmählich ab dem 05. Juni 02:45 Uhr. Am Morgen des
07. Juni wurde die Abgabe nochmals angehoben, woraufhin sich
um 10:45 Uhr die maximale Abgabe im Ereignisverlauf einstellte.
Insgesamt konnten 3,1 Mio. m³ der Hochwasserzuflüsse zurück-
gehalten werden. Der Scheitel wurde um 72 % gekappt.
Am Morgen des 09. Juni kam es zu einem erneuten Anstieg des
Zuflusses. Um 18:00 desselben Tages wurde ein zweiter Scheitel
mit 26,53 m³/s registriert, was eine Verzögerung im Rückgang
des Beckeninhalts bewirkte.
Abbildung 3-53: Betrieb der Talsperre Saidenbach vom 20.05. – 11.06.2013 (Datenquelle: LTV)

72 | 3 Hydrologie
Vereinigte Mulde
In der Vereinigten Mulde lag der Beginn der Wasserstandan-
stiege wellenablaufbedingt zwischen dem 30. Mai 18:00 Uhr und
dem 31. Mai 04:30 Uhr. Auch die Zuflüsse begannen am 30. Mai
gegen 19:00 Uhr zu steigen.
In der Vereinigten Mulde waren die beiden Hochwasserab-
schnitte jeweils durch zweistufige Anstiege gekennzeichnet. Die
dazugehörigen Scheitel resultierten aus den am Zusammenfluss
zeitlich eng beieinander liegenden Scheiteln aus Zwickauer
Mulde und Freiberger Mulde. Am Pegel Golzern 1/Vereinigte
Mulde (Abbildung 3-54) wies der erste Scheitel am 01. Juni zwi-
schen 05:30 Uhr und 07:45 Uhr einen Wasserstand von 553 cm
(122 cm über MHW) auf. Der Höchststand im zweiten Scheitel
betrug am 03. Juni 09:45 Uhr 784 cm, womit das HHW vom
13. August 2002 um 84 cm unterschritten blieb.
Nach jeweils ca. 18 Stunden Laufzeit erreichten die Scheitel den
Pegel Bad Düben 1/Vereinigte Mulde (Abbildung 3-54). Zu be-
obachten waren dort zwei Wellenscheitel und das dazwischen-
liegende Wellental (Abbildung 3-54). Der Anstieg zum Höchst-
stand von 866 cm am 04. Juni 04:30 Uhr (14 cm über HHW vom
14. August 2002) weist einige Unstetigkeiten auf, die aus Deich-
brüchen resultierten, die jedoch ein weitaus geringeres Ausmaß
als im August 2002 einnahmen.
Die der Vereinigten Mulde zufließenden Gewässer zeigen gegen-
über den anderen Fließgewässern des Mulde-Gebietes ein anderes
Verhalten, das sich in den Ganglinien der Wasserstände wider-
spiegelt. Die Ganglinie des Pegels Neichen 1/Mutzschener Wasser
zeichnet in der ersten Phase des Hochwassers vier Scheitelbildun-
gen aus (siehe Abbildung 3-55). Der Anstieg zu einem langge-
streckten und vom 02. Juni 03:15 Uhr bis 03. Juni 17:15 Uhr rei-
chenden Scheitelbereich von über 160 cm begann am 01. Juni
20:00 Uhr bei 97 cm. Der Höchststand innerhalb dieses Bereiches
wurde am 02. Juni von 09:15 Uhr bis 11:30 Uhr mit 171 cm (15 cm
unter dem HHW vom 28. September 2010) beobachtet.
Die Ganglinie des Pegels Nemt 1/Mühlbach weist im Gegensatz
dazu wieder zwei Phasen des Hochwassers mit je einem Scheitel
auf (Abbildung 3-55). Der Höchststand trat am 03. Juni
05:15 Uhr mit 150 cm (20 cm unter dem HHW vom 13. August
2002) in einem langgestreckten Scheitel auf.
Abflussverlauf in der Vereinigten Mulde
Der Pegel Golzern 1 erfasst die Summe der Zuflüsse aus der
Zwickauer und der Freiberger Mulde (Abbildung 3-56). Generell
ist der Verlauf der Hochwasserwelle im Mündungsbereich der
Zwickauer Mulde (Pegel Colditz) steiler als der der Freiberger
Mulde (Pegel Leisnig). Der Abflussbeiwert des Flussgebietes der
Zwickauer Mulde ist höher (0,63) als der entsprechende Wert der
Freiberger Mulde (0,58).
Im weiteren Verlauf der Vereinigten Mulde verändert sich die
Form der Hochwasserwelle. Der Ganglinienverlauf am Pegel Bad
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
Wasserstand [cm]
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
Golzern 1/Vereinigte Mulde
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Bad Düben 1/Vereinigte Mulde
Abbildung 3-54: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an Pegeln der Vereinigten Mulde vom
25.05. – 16.06.2013

image
3 Hydrologie | 73
3
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
200
Wasserstand [cm]
Neichen 1/Mutzschener Wasser
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
200
25.05.
26.05.
27.05.
28.05.
29.05.
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Wasserstand [cm]
Nemt1/Mühlbach
Abbildung 3-55: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an den Pegeln Neichen 1 und Nemt 1 vom
25.05. – 16.06.2013
Abbildung 3-56: Abflussganglinien an Pegeln der Zwickauer, Freiberger und Vereinigten Mulde vom 30.05. – 07.06.2013
30.05.
00:00
30.05.
12:00
31.05.
00:00
31.05.
12:00
01.06.
00:00
01.06.
12:00
02.06.
00:00
02.06.
12:00
03.06.
00:00
03.06.
12:00
04.06.
00:00
04.06.
12:00
05.06.
00:00
05.06.
12:00
06.06.
00:00
06.06.
12:00
07.06.
00:00
Colditz/Zwickauer Mulde
Leisnig/Freiberger Mulde
Golzern 1/Vereinigte Mulde
2.500
2.000
1.500
1.000
500
0
Abfluss [m³/s]

image
74 | 3 Hydrologie
Abbildung 3-57: Abflussganglinien an Pegeln der Vereinigten Mulde vom 30.05. – 16.06.2013
(Datenquelle Pegel Priorau: LHW Sachsen-Anhalt)
Priorau/Vereinigte Mulde
Bad Düben 1/Vereinigte Mulde
Golzern 1/Vereinigte Mulde
2.500
2.000
1.500
1.000
500
0
Abfluss [m³/s]
30.05.
31.05.
01.06.
02.06.
03.06.
04.06.
05.06.
06.06.
07.06.
08.06.
09.06.
10.06.
11.06.
12.06.
13.06.
14.06.
15.06.
16.06.
Düben 1 ist neben der fließzeitbedingten Verschiebung durch
eine deutliche Verminderung des Scheitelabflusses gekennzeich-
net. Die Abminderung des Hochwasserverlaufes vom Pegel Gol-
zern 1 zum Pegel Bad Düben 1 (Abbildung 3-57) resultiert dabei
zum einen aus den Deichbrüchen auf diesem Flussabschnitt und
zum anderen aus der Versickerung in den Grundwasserkörper.
Es wird derzeit abgeschätzt, dass rund 50 Mio. m³ in den Mul-
deschottern zurück gehalten worden sind.
Bemerkenswert ist weiterhin, dass obgleich am oberhalb gele-
genen Pegel Golzern 1 ein um 84 cm geringerer Scheitelwasser-
stand als 2002 beobachtet wurde, der Scheitel am Pegel Bad
Düben 1 ca. 15 cm höher als 2002 ausgefallen ist (vgl. Tabelle
3-5). Das liegt daran, dass der linksseitige Deich zwischen
Glaucha und Wellaune unmittelbar oberhalb des Pegels 2013
nicht gebrochen ist. Der Deich wurde nur leicht überströmt und
es kam zu keinem massiven Deichhinterlandabfluss über die B2
zwischen Wellaune und Bad Düben (Pegelumflut) wie in 2002.
Der Abfluss am Pegel Bad Düben 1 fiel somit 430 m³/s niedriger
aus als der offizielle HHQ-Wert von 2002 (2.200 m³/s).
Im Mündungsbereich der Mulde, am Pegel Priorau, lag der Ab-
flussscheitel am 03. Juni bei 1.440 m³/s und damit deutlich über
der Größenordnung von 2002.
Im Juni 2013 brachte das Deichversagen im Bereich der Landes-
grenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt und die dadurch
hervorgerufene Flutung des bereits gefüllten Seelhausener Sees
(vgl. Kapitel 10.1) mit zeitweilig etwa 760 m³/s (LMBV 2014), eine
geringere Scheitelreduzierung als die durch Deichversagen und
Deichhinterlandabfluss bedingte Flutung der erst teilgefüllten
Tagebaurestlöcher des Goitsche–Komplexes beim Augusthoch-
wasser 2002. Bezogen auf die Mündung der Mulde in die Elbe
bei Dessau lief der Hochwasserscheitel der Vereinigten Mulde
dem Scheitel der Elbe um fünf Tage voraus (BfG 2014).
Niederschlag-Abfluss-Beziehung mittels Abflussfüllen und
-beiwerten
In Tabelle 3-8 sind die Mittelwerte der Scheitelabflussspenden
sowie die Minima und Maxima, geordnet nach Größenklassen
der Einzugsgebietsfläche zusammengestellt. Die Mittelwerte in
den einzelnen Klassen ähneln sich in ihrer Größe stark. Im Ge-
gensatz zu Hochwasserereignissen aus Regen kurzer Dauer, war
bei diesem Ereignis auch bei größeren Einzugsgebieten die ge-
samte Fläche gleichzeitig an der Abflussbildung beteiligt. Damit
verliert die Abflusskonzentrationsphase an Bedeutung. Das Mi-
nimum der Scheitelabflussspende je Klasse belegt an den Pegeln
Schmalzgrube 2/ Preßnitz und Niederschlema/Zwickauer Mulde
den Einfluss der Talsperren Preßnitz und Eibenstock. Die gerin-
gere Abflussspende am Pegel Düben 1 kann im Vergleich zu dem
höheren Wert in Golzern (0,376 m³/(s × km²)) durch die Wellen-
abflachung auf der dazwischen gelegenen Fließstrecke erklärt
werden.

3 Hydrologie | 75
3
In Tabelle 3-9 sind die Pegel aufgeführt, deren Scheitelabfluss-
spenden über 0,65 m³/(s × km²) lagen und somit die Spitzen-
werte im Muldegebiet erreichten. Bemerkenswert ist, dass in
diese Gruppe vier Pegel an der Würschnitz und Zwönitz fallen.
Weiterhin sind drei Pegel aus dem Einzugsgebiet der oberen Zwi-
ckauer Mulde (Westerzgebirge) aber auch ein Pegel des Osterz-
gebirges (Krummenhennersdorf 1) vertreten. Der Höchstwert der
Scheitelabflussspenden tritt am Pegel Sachsengrund/ Große Pyra
auf. Ein Vergleich der Niederschlags- und Abflusswerte mit dem
Pegel Eibenstock 2/ Rähmerbach, dem nächsten Pegel mit ähn-
licher Einzugsgebietsgröße, zeigt, dass die starke Reaktion dieses
Gebietes nicht durch übergroße Niederschläge bedingt wird,
sondern durch wesentlich kürzere Reaktionszeiten dieses Gebie-
tes (Abbildung II-4 und II-5).
Eine Besonderheit des Hochwassers 2013 war die oftmals sehr
breitgipflige Form der Hochwasserwelle. Um dieses Phänomen
zu charakterisieren wurde an den verschiedenen Pegeln der
zusammenhängende Zeitraum innerhalb der Abflussganglinie
ermittelt, in dem die Abflüsse mindestens 90 % der Scheitel-
abflusswerte betrugen. Diese Zeiträume sind besonders groß,
wenn im Einzugsgebiet größere Speicher vorhanden sind, deren
Leerlaufen den Abflussrückgang verzögern. Dies ist z. B. in der
Zwickauer Mulde mit der Talsperre Eibenstock der Fall. Der Ab-
fluss verbleibt am Pegel Aue 3 über 32 Stunden auf diesem
hohen Niveau, am Pegel Zwickau-Pölbitz ist dieser Effekt noch
mit einer Beharrung von 22 Stunden merklich. Pegel mit gro-
ßen Einzugsgebieten wie z. B. Colditz/Zwickauer Mulde, Leisnig/
Freiberger Mulde und Golzern1/Vereinigte Mulde zeigen auf
Grund der langen Abflusskonzentrationszeiten generell ein län-
geres Beharrungsvermögen des Abflusses (je 17 Stunden).
Hohe Werte weist allerdings auch die Zwönitz (Pegel Burkhard-
tsdorf 2, Altchemnitz 2) auf (14 bzw. 15 Stunden), wogegen die
Pegel der benachbarte Würschnitz trotz gleicher zeitlicher Nie-
derschlagsverteilung nur 8 Stunden Beharrungszeit aufweisen.
Überdurchschnittlich hohe Zeiten weisen der Mülsenbach (10 h
Beharrung) im Erzgebirgischen Becken sowie einzelne Einzugs-
gebiete im Osterzgebirge (Pegel Berthelsdorf/Freiberger Mulde,
Pegel Oberschöna/Große Striegis, Pegel Böhrigen/Striegis) auf.
Die Tabelle 3-10 gibt einen Überblick zu den Pegeln mit Behar-
rungszeiten größer 9 Stunden.
Im Weiteren wurden die Abflussganglinien separiert, um den
Anteil des Direktabflusses am Gesamtabfluss zu ermitteln. Dieser
wurde in Bezug zum jeweiligen Gebietsniederschlag gesetzt, um
die Abflussbeiwerte (Tabelle IV-1) zu ermitteln.
Die Scheitelabflussspenden zeigen bei diesem Hochwasser nur
einen geringen Zusammenhang zur Einzugsgebietsfläche (Ab-
bildung 3-58). Die Abflussspenden liegen zwischen 0,4 und
0,6 m³/(s × km²). Deutlich höhere Scheitelabflussspenden treten
an den Pegeln der Würschnitz und Zwönitz (mit Ausnahme des
Pegels Niederzwönitz), in Rautenkranz, Johanngeorgenstadt 4
und Krummenhennersdorf auf. Eine vergleichsweise sehr nied-
rige Abflussspende war an den Pegeln Rothenthal und Schmalz-
grube 2 zu verzeichnen.
Zwischen der Scheitelabflussspende und dem Abflussbeiwert
besteht ein deutlicher nichtlinearer Zusammenhang. Mit zuneh-
mendem Abflussbeiwert nimmt auch die Scheitelabflussspende
zu (Abbildung 3-59). Da der Abflussbeiwert die Abflussbereit-
schaft des Einzugsgebietes darstellt, wird aus diesem Zusam-
menhang deutlich, dass die Scheitelabflüsse bei diesem Ereignis
von der Abflussmenge und in Folge nahezu gleicher Nieder-
schlagssummen in allen Einzugsgebieten, von den gebietsspezi-
fischen Abflussbildungsprozessen und nicht von der Abflusskon-
zentrationsphase bedingt waren.
Der Abflussbeiwert (Tabelle IV-1) stellt ein wesentliches Merkmal
zur Charakterisierung der räumlichen Unterschiede der Hoch-
wasserverhältnisse dar. In Abbildung 3-60 sind die Direktab-
flusshöhen über die Summenwerte der Gebietsniederschläge,
differenziert nach Flussgebieten, dargestellt. Bei genereller Ab-
hängigkeit des Direktabflusses von der Niederschlagsmenge gibt
es eine Reihe von Pegeln, an denen die Direktabflüsse bei glei-
cher Niederschlagssumme deutlich geringer sind als an der
Mehrzahl aller Pegel (Bereich unten rechts). Ebenso ist ein Be-
reich ersichtlich, in dem die Direktabflüsse vergleichsweise deut-
lich höher sind (links oben).
Tabelle 3-8: Mittelwerte, Minima und Maxima der Scheitelabflussspenden in m³/(s × km²) für verschiedene Einzugsgebietsklassen
Tabelle 3-9: Pegel mit Scheitelabflussspenden größer 0,65 m³/(s × km²)
A
E
in km²
Mittelwert
Minimum Pegel mit Minimum
Maximum Pegel mit Maximum
≤100
0,565
0,185
Schmalzgrube 2 / Preßnitz
1,346
Sachsengrund / Große Pyra
>100 bis
300
0,563
0,426
Zöblitz / Schwarze Pockau
0,705
Krummenhennersdorf 1 / Bobritzsch
>300 bis
1.000
0,472
0,377
Niederschlema / Zwickauer Mulde
0,579
Aue 1 / Schwarzwasser
>1.000
0,430
0,287
Bad Düben1 / Vereinigte Mulde
0,505
Wechselburg 1 / Zwickauer Mulde
Pegel
Gewässer
A
E
[km²]
Hq
[m³/(s × km²)]
Harthau
Würschnitz
136,1
0,655
Altchemnitz 2
Zwönitz
143,5
0,663
Jahnsdorf 1
Würschnitz
103,3
0,691
Krummenhennersdorf 1
Bobritzsch
130,9
0,705
Burkhardtsdorf 2
Zwönitz
93,0
0,713
Johanngeorgenstadt 4
Schwarzwasser
74,3
0,761
Rautenkranz
Zwickauer Mulde
88,3
0,792
Sachsengrund
Große Pyra
6,5
1,346

76 | 3 Hydrologie
Pegel
Gewässer
A
E
Scheiteleintrittszeit
Scheitel Beginn Zeitraum Q
90% HQ
Ende
Zeitraum
Q
90% HQ
Dauer
hoher
Abfluss
[km²] [MESZ]
[m³/s] [MESZ]
[MESZ]
[h]
Eibenstock 2
Rähmerbach
14,2 02.06.2013, 08:00
6,93 02.06.2013, 03:00
02.06.2013, 20:00
18
Aue 3
Zwickauer Mulde
681,7 02.06.2013, 04:30
267 02.06.2013, 02:00
03.06.2013, 09:00
32
Wildenau 1
Große Mittweida
166,2 02.06.2013, 14:45
80 02.06.2013, 07:00
02.06.2013, 20:00
14
Aue 1
Schwarzwasser
362,9 02.06.2013, 04:45
201 02.06.2013, 02:00
02.06.2013, 22:00
21
Niederschlema
Zwickauer Mulde
754,1 02.06.2013, 23:45
302 02.06.2013, 03:00
03.06.2013, 09:00
31
Zwickau-Pölbitz
Zwickauer Mulde
1.021,1 02.06.2013, 21:30
487 02.06.2013, 07:00
03.06.2013, 04:00
22
Niedermülsen 1
Mülsenbach
49,6 02.06.2013, 20:30
26,8 02.06.2013, 14:00
02.06.2013, 23:00
10
Wechselburg1
Zwickauer Mulde
2.098,8 02.06.2013, 22:30
1.010 02.06.2013, 17:00
03.06.2013, 08:00
16
Colditz
Zwickauer Mulde
2.326,0 03.06.2013, 02:00
1.050 02.06.2013, 20:00
03.06.2013, 12:00
17
Burkhardtsdorf 2
Zwönitz
93,0 02.06.2013, 14:45
66,3 02.06.2013, 08:00
02.06.2013, 21:00
14
Altchemnitz 2
Zwönitz
143,5 02.06.2013, 20:15
95,7 02.06.2013, 12:00
03.06.2013, 02:00
15
Göritzhain
Chemnitz
532,4 02.06.2013, 22:00
257 02.06.2013, 15:00
03.06.2013, 00:00
10
Kriebstein UP
Zschopau
1.754,3 03.06.2013, 01:30
746 02.06.2013, 20:00
03.06.2013, 09:00
14
Berthelsdorf
Freiberger Mulde
244,5 03.06.2013, 02:45
140 03.06.2013, 00:00
03.06.2013, 11:00
12
Oberschöna
Große Striegis
52,7 03.06.2013, 03:15
25,7 03.06.2013, 01:00
03.06.2013, 12:00
12
Böhrigen
Striegis
253,0 03.06.2013, 10:30
125 02.06.2013, 19:00
03.06.2013, 16:00
22
Leisnig
Freiberger Mulde
2.877,6 03.06.2013, 06:00
1.210 03.06.2013, 00:00
03.06.2013, 16:00
17
Golzern1
Vereinigte Mulde
5.432,5 03.06.2013, 09:45
2.060 03.06.2013, 03:00
03.06.2013, 19:00
17
Bad Düben1
Vereinigte Mulde
6.169,9 04.06.2013, 04:30
1.770 04.06.2013, 02:00
04.06.2013, 12:00
11
Tabelle 3-10: Pegel mit Beharrungszeitraum hoher Abflüsse
10 Stunden
Abbildung 3-58: Zusammenhang zwischen den Scheitelabflussspenden und der Einzugsgebietsfläche

3 Hydrologie | 77
3
Sachsengrund
Eibenstock 2
Johanngeorgenstadt 2
Johanngeorgenstadt 4
Markersbach 1
Wildenau 1
Aue 1
Rautenkranz
Schönheide 3
Aue 3
Niederschlema
Zwickau-Pölbitz
Wolkenburg
Wechselburg 1
Colditz
Niedermülsen 1
St. Egidien
Niederzwönitz
Burkhardtsdorf 2
Altchemnitz 2
Jahnsdorf 1
Harthau
Chemnitz 1
Göritzhain
Tannenberg
Hopfgarten
Kunnersdorf
Lichtenwalde 1
Kriebstein UP
Annaberg 1
Wiesa
Jöhstadt 4
Streckewalde
Deutschgeorgenthal 2
Neuwernsdorf
Rauschenbach 2
Rothenthal
Olbernhau 3
Zöblitz
Borstendorf
Flöha 1
Mulda 1
Berthelsdorf
Nossen 1
Mahlitzsch
Leisnig
Wolfsgrund
Krummenhennersdorf 1
Oberschöna
Böhrigen
60
70
80
90
100
110
120
130
140
150
160
120
130
140
150
160
170
180
190
Direktabfluss in mm
Niederschlag in mm
Zuflüsse ob. Zw. Mulde
Zwickauer Mulde
Chemnitz und Zuflüsse untere Zw. Mulde
Zschopau
Zuflüsse Zschopau
Freiberger Mulde
Zuflüsse Fr. Mulde
Abbildung 3-60: Verhältnis zwischen den Niederschlagssummen und Direktabflüssen differenziert nach Flussgebieten
Abbildung 3-59: Zusammenhang zwischen der Abflussspende und den Abflussbeiwerten

78 | 3 Hydrologie
3.1.5 Weiße Elster
Wie im Einzugsgebiet der Mulde war die Abflussbereitschaft auch
im Gebiet der Weißen Elster infolge der für Ende Mai historisch
hohen Bodenfeuchte sehr hoch. Der Starkregen wurde sehr
schnell in Direktabfluss transformiert. Die Wasserstände lagen
im unteren Oberlauf und im Mittel- und Unterlauf deutlich über
denen des letzten Hochwassers im Januar 2011, aber teilweise
auch über den bisher höchsten beobachteten Wasserständen
(HHW). In Tabelle 3-11 sind die Hochwasserscheitel vom Juni 2013
im Vergleich zum Januarhochwasser 2011 zusammengefasst. Es
wurde an 7 von 13 Hochwassermeldepegeln im Einzugsgebiet
der Richtwert der Alarmstufe 4 überschritten. An fünf Hochwas-
sermeldepegel lagen die Scheitelwasserstände im Bereich der
Alarmstufe 3 und an einem Pegel im Bereich von Alarmstufe 1.
Die Abbildung 3-61 gibt einen Überblick zu den Pegeln und Stau-
anlagen im Einzugsgebiet der Weißen Elster auf die sich die
weiteren Auswertungen beziehen.
In der Weißen Elster wurden durch die Niederschläge Ende Mai
bereits am 31. Mai und 01. Juni deutliche Wasserstandsanstiege
beobachtet. Nach Niederschlagspausen am 01. Juni regnete es
ab der Nacht vom 01. zum 02. Juni bis zum Vormittag des
03. Juni ununterbrochen weiter. Im Oberlauf der Weißen Elster
bildeten sich die Hochwasserscheitel an den Pegeln Adorf 1,
Magwitz, Straßberg und Elsterberg in der Nacht vom 02. zum
03. Juni aus (Abbildung 3-62). Am Pegel Adorf 1 wurde der
Scheitel am 03. Juni 09:00 Uhr mit 150 cm registriert (6 cm über
HHW vom 15. Januar 2011).
Am Pegel Magwitz betrug der Höchststand am 02. Juni um
16:15 Uhr 261 cm (17 cm über HHW vom 11. Juli 1954) und am
Pegel Straßberg am 03. Juni 00:15 Uhr 432 cm (97 cm über HHW
vom 22. August 1970). An beiden Pegeln wurden die Richtwerte
der Alarmstufe 4 um rund 30 cm überschritten. Am Pegel Elster-
berg blieb der Scheitel am 03. Juni 00:45 Uhr mit 342 cm rund
40 cm unter der Alarmstufe 4, aber übertraf das HHW vom
14. Januar 2011 um 112 cm.
Unterhalb des Pegels Elsterberg mündet in Sachsen-Anhalt die
Göltzsch in die Weiße Elster. An den sächsischen Pegeln Rode-
wisch 1 und Mylau (Abbildung 3-63) bildeten sich die Hochwas-
serscheitel am 02. Juni aus. Am Pegel Rodewisch 1 wurde um
06:45 Uhr ein Scheitelwasserstand von 149 cm (33 cm über
HHW vom 13. August 2002) im Bereich der Alarmstufe 3 beob-
achtet. Dagegen wurde am Pegel Mylau der Richtwert der
Alarmstufe 4 bei einem Scheitelwasserstand von 250 cm (10 cm
über HHW vom 01. Juli 1969) um 16:15 Uhr mit bis zu 40 cm
überschritten.
Unterhalb des Pegels Elsterberg verlässt die Weiße Elster erst
einmal Sachsen und durchfließt die Bundesländer Thüringen und
Sachsen-Anhalt. Am Thüringer Pegel Gera-Langenberg (Abbil-
dung 3-64) bildete sich am Morgen des 03. Juni der Hochwas-
serscheitel mit einem Wasserstand von 464 cm aus, wobei es zu
erheblichen Erosionen des Flussbettes am Pegel kam. Der Schei-
telwasserstand lag 198 cm über dem Scheitel vom Hochwasser
im Januar 2011 und nur 5 cm unter dem höchsten an diesem
Pegel beobachteten Hochwasserstand vom 11. Juli 1954.
Tabelle 3-11: Scheitelwasserstände vom Juni 2013 von ausgewählten Pegeln im Flussgebiet der Weißen Elster im Vergleich zum bisher
höchsten beobachteten Hochwasserstand HHW (Jahr in Klammern) und zum Winter-Hochwasser 2011
Pegel
Gewässer
Bisheriges HHW
Hochwasser Januar 2011
Hochwasser Juni 2013
W
Q
W
Q Datum
[cm]
[cm]
[m³/s]
[cm]
[m³/s] [MESZ]
Adorf 1
Weiße Elster
144 (2011)
144
23,5
150
25,4
03.06.2013, 09:00 –12:00
Magwitz
Weiße Elster
244 (1954)
179
51,3
261
145
02.06.2013, 16:15
Straßberg
Weiße Elster
335 (1970)
311
74,3
432
174
03.06.2013, 00:15 – 03:15
Elsterberg
Weiße Elster
230 (2011)
230
111
342
266
03.06.2013, 00:45 – 01:00
Kleindalzig
Weiße Elster
344 (2011)
344
244
511
575*)
04.06.2013, 05:00
Rodewisch 1
Göltzsch
116 (2002)
72
12,6
149
54,8
02.06.2013, 06:45
Mylau
Göltzsch
240 (1969)
131
25,3
250
125
02.06.2013, 16:15 –16:30
Neukirchen 1
Pleiße
270 (2002)
222
36,4
374
120
02.06.2013, 17:30 –18:00
Regis-Serbitz
Pleiße
243 (2002)
222
54,1
217
51,6
03.06.2013, 10:00 –10:15
Böhlen 1
Pleiße
322 (2002)
319
58,3
342
72,6
03.06.2013, 17:00 –17:15
Streitwald 1
Wyhra
309 (2002)
227
14
341
43,1
03.06.2013, 01:30
Albrechtshain 1
Parthe
173 (2002)
127