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25.06.2020 12:06 Uhr,
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11.06.2020 18:06 Uhr
In nur 24 Stunden den Forststeig bezwingen
Marathonläufer Stefan Utke aus Dresden hat mit dem Fahrrad schon Australien
durchquert. Nun folgt das nächste Abenteuer - direkt vor der Haustür.
Extremsportler und Naturschützer Stefan Utke aus Dresden will den Forststeig ablaufen - an nur einem Tag.
© Stefan Utke
Von Katarina Gust
4 Min. Lesedauer
Ein bisschen verrückt muss man sein. Und ein bisschen verrückt ist Stefan Utke auch. Der 33-Jährige will den gesamten Forststeig
Elbsandstein an nur einem Tag ablaufen. Rund 110 Kilometer lang ist der Trekkingpfad im linkselbischen Teil der Sächsischen und
Böhmischen Schweiz, den der Marathonläufer bezwingen will. Erfahrene Wanderer brauchen dafür im Schnitt sechs bis sieben
Tage. Der Dresdner will den anspruchsvollen Trail, der über 13 Tafelberge und meist durch abgelegenes Gebiet führt, am Sonntag
an nur einem einzigen Tag absolvieren.
"Den Forststeig habe ich schon seit über einem Jahr im Kopf", sagt Stefan Utke. In der Sächsischen Schweiz ist er regelmäßig
unterwegs. Bergwandern und Laufen sind seine absolute Leidenschaft. Der Sport und die Liebe zur Natur führen ihn immer wieder
ins Elbtal. Auch am Forststeig ist er bereits unterwegs gewesen. Allerdings nur in kleinen Etappen. Den gesamten Trekkingpfad
kennt er noch nicht.

Das will er ändern. Und zwar innerhalb nur eines Tages. "Das ist machbar", sagt Stefan Utke selbstbewusst. Mit extremen
Situationen kennt er sich aus. Der Abenteurer hat mit dem Fahrrad bereits Australien durchquert. Auch einen Ultramarathon von
knapp 80 Kilometern Länge hat er schon absolviert. "Konditionell bin ich fit, mental auch", sagt der Dresdner, der für die
Herausforderung am Forststeig viel trainiert hat.
Mega-Lauf gegen das Waldsterben
Was ihn voran treibt, ist dabei jedoch nicht nur der sportliche Reiz. Stefan Utke will mit dem Mega-Marsch am Forststeig auf die
massiven Schäden im sächsischen Wald aufmerksam machen. "Bei jedem Ausflug in die Sächsische Schweiz sieht man das
Waldsterben", erklärt er. Vor allem extreme Trockenheit, Hitze und der Borkenkäfer haben dem Wald zugesetzt. Ihm geht es so
schlecht wie seit Jahrzehnten nicht, das zeigt nicht zuletzt der
Waldzustandsbericht
des
Sächsischen
Staatsministeriums
Energie,
Klimaschutz,
Umwelt
und
Landwirtschaft
. Demnach ist nur noch jeder vierte Baum gesund. Der Wald im Elbsandsteingebirge ist
durch Luftschadstoffe, zunehmende Witterungsextreme und Trockenheit im Dauerstress. An vielen Stellen auch entlang des
Forststeiges sind die Schäden offensichtlich. Durch Stürme, Orkane und den Borkenkäferbefall wurden zahlreiche Flächen
entwaldet.
Um auf das Waldsterben aufmerksam zu machen, hat sich Stefan Utke an den Sachsenforst, den Forstbezirk Neustadt und die
Dresdner Ortsgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz gewandt. "Ohne den Sachsenforst würde es diesen schönen Trail nicht
geben. Ohne Vereine wie den Bund würde es um unsere Natur ungleich schlechter stehen“, erklärt er. Bei beiden Organisationen
stieß er auf offene Ohren. Die Partner unterstützen seinen Forststeig-Lauf. Dafür muss der Dresdner früh aufstehen, genauer gesagt
mitten in der Nacht. Bereits gegen 4.30 Uhr - pünktlich zum Sonnenaufgang - will er in Schöna starten. Am späteren Abend,
vermutlich gegen 21 Uhr, will er nach über 100 Kilometern in Bad Schandau einlaufen.
2.800 Höhenmeter sind zu bezwingen
Wenn er diese Distanz schafft, wäre das ein neuer persönlicher Rekord für Stefan Utke. "Es wäre meine erste Hundert", sagt er. Die
100 Kilometer auf Asphalt zu absolvieren oder 100 Kilometer querfeldein, durch Felsengebiet, Wald und Wiesen zu laufen - das sei
ein riesiger Unterschied. "Der Forststeig ist extrem anspruchsvoll", weiß der Sportler. Die Route ist oft kaum erkennbar, ähnelt eher
einem Pfad. Nicht einmal drei Kilometer des Forststeiges führen über Asphalt, keine fünf Kilometer über Schotterwege. Der Rest
sind Naturwege und Pfade. Hinzu kommen rund 2.800 Höhenmeter, die es zu bezwingen gilt. "Die Strecke ist sehr technisch und
erfordert eine hohe Konzentration", beschreibt Stefan Utke. Als Läufer muss man den Weg im Blick behalten und gleichzeitig nach
den Markierungen suchen. Um sich zwischendurch zu stärken, werden etwa alle 15 bis 20 Kilometer Verpflegungspunkte aufgebaut,
die Freunde von Stefan Utke betreuen.
Ob sein Körper diese Herausforderungen meistern wird? Der 33-Jährige geht optimistisch an den Start. Die große Unbekannte für
ihn ist eher das Wetter. Unwetter und viel Regen, wie Meteorologen derzeit für Sonntag vorhersagen, könnten die Aktion gefährden.
"Wenn die Wetterprognose schlechter wird, verschieben wir den Lauf wahrscheinlich um einen Tag", kündigt Stefan Utke an. Ob
das passiert, das muss kurzfristig entschieden werden.
Sich selbst beweisen will der Dresdner mit dem Lauf nichts. "Mein innerer Antrieb, in meinem ganz eigenen Tempo, von
Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang durch die Natur zu laufen und damit eine Message in die Welt tragen zu können, das ist
meine Motivation“, sagt der erfahrene Marathonläufer. Er will andere Menschen darauf aufmerksam machen, wie sensibel, wertvoll
und schützenswert der Wald ist. Und gleichzeitig die Werbetrommel für den Forststeig Elbsandstein rühren, der erst vor zwei Jahren
eröffnet wurde. "Viele Leute reisen quer durch die Welt und verpesten die Umwelt, um die Schönheit der Natur zu entdecken. Dabei
findet man diese direkt vor der eigenen Haustür", sagt Stefan Utke.
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