Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung
von Lichtimmissionen
der
Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI)
Beschluss der LAI vom 13.09.2012
Berichterstatter:
Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
als Vorsitzland der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissions-
schutz (LAI)
Stand:
08.10.2012 – (Anlage 2 Stand 3.11.2015)

LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
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Vorbemerkung
Licht gehört zu den Emissionen und Immissionen im Sinne des Bundes-Immissionsschutz-
gesetzes (BImSchG) [1].
Durch die Verabschiedung einer "Richtlinie zur Messung und Beurteilung von Lichtimmissio-
nen" (Licht-Richtlinie) im Mai 1993 hat der Länderausschuss für Immissionsschutz (LAI)
erstmals den zuständigen Immissionsschutzbehörden ein System zur Beurteilung der Wir-
kungen von Lichtimmissionen auf den Menschen zur Konkretisierung des Begriffs "schädli-
che Umwelteinwirkung" im Sinne des BImSchG zur Verfügung gestellt.
Auf der Grundlage anschließend durchgeführter umfangreicher Messungen und Beurteilun-
gen von Beleuchtungsanlagen, insbesondere von Beleuchtungsanlagen für Sportstätten im
Freien, wurde im Mai 2000 die o. g. Licht-Richtlinie in Form von Hinweisen eingehend über-
arbeitet und durch einen Anhang mit Hinweisen über die schädlichen Einwirkungen von Be-
leuchtungsanlagen auf Tiere - insbesondere auf Vögel und Insekten - und mit Vorschlägen
zu deren Minderung ergänzt.
Die jetzt vorliegende Überarbeitung mit ergänzenden Erläuterungen zur Ermittlung und Be-
wertung der Raumaufhellung und Blendung baut in ihren wesentlichen Inhalten auf der aktu-
ellen Veröffentlichung des Arbeitskreises "Lichtimmissionen" der Deutschen Lichttechnischen
Gesellschaft (LiTG) e.V., Berlin, "Empfehlungen für die Messung, Beurteilung und Minderung
von Lichtimmissionen künstlicher Lichtquellen 12.3" vom Juni 2011, auf [4]. Im Anhang 2
dieser Hinweise werden Empfehlungen zur Ermittlung, Beurteilung und Minderung der
Blendwirkung von Photovoltaikanlagen gegeben.
1.
Allgemeines
Licht gehört gemäß § 3 Abs. 2 BImSchG zu den Immissionen und gem. § 3 Abs. 3 BImSchG
zu den Emissionen i. S. des Gesetzes. Lichtimmissionen gehören nach dem BImSchG zu
den schädlichen Umwelteinwirkungen, wenn sie nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet
sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit
oder für die Nachbarschaft herbeizuführen.
Der Gesetzgeber hat bisher keine Regelungen zur Bestimmung der immissionsschutzrechtli-
chen Erheblichkeitsgrenzen für Lichtimmissionen erlassen und auch nicht in Aussicht ge-
stellt. Diese Hinweise beinhalten Vorgaben zur einheitlichen Messung und Beurteilung von
Lichtimmissionen für den Vollzug des BImSchG.
Die im Immissionsschutz zu beurteilenden Lichteinwirkungen bewegen sich im Bereich der
Belästigung. Gesundheitliche Schäden am Auge können ausgeschlossen werden.
Die unter Nr. 6 vorgeschlagenen Maßnahmen tragen zum Schutz vor Lichtimmissionen und
zusätzlich zur Energieeffizienz bei.
2.
Anwendungsbereich
Die Hinweise finden Anwendung zur Beurteilung der Wirkung von Lichtimmissionen auf
Menschen durch Licht emittierende Anlagen aller Art, soweit es sich dabei um Anlagen oder
Bestandteile von Anlagen i. S. des § 3 Abs. 5 BImSchG handelt. Zu den lichtemittierenden
Anlagen zählen künstliche Lichtquellen aller Art wie z. B. Scheinwerfer zur Beleuchtung von
Sportstätten, von Verladeplätzen und für Anstrahlungen sowie Lichtreklamen, aber auch hell
beleuchtete Flächen wie z. B. angestrahlte Fassaden.

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Anlagen zur Beleuchtung des öffentlichen Straßenraumes, Beleuchtungsanlagen von Kraft-
fahrzeugen und dem Verkehr zuzuordnende Signalleuchten gehören nicht zu den Anlagen
i. S. des § 3 Abs. 5 BlmSchG.
Die Hinweise gelten nicht für Laser, da hierfür eine gesonderte Beurteilung nach den Krite-
rien des Gesundheitsschutzes erforderlich ist.
Durch diese Hinweise werden weit reichende Lichtabstrahlungen (z. B. durch Skybeamer),
die zu einer Aufhellung des Nachthimmels führen, nicht erfasst, soweit die Immissionsricht-
werte für die Raumaufhellung und Blendung, gegebenenfalls unter Berücksichtigung der
Empfehlungen zum Schutz der Tierwelt im Anhang 1, eingehalten werden. In diesem Zu-
sammenhang wird auf die Ausführungen von [4] verwiesen.
Einen Sonderfall stellen die Licht-/Schatteneffekte von Windenergieanlagen dar, für die eine
eigenständige Regelung besteht. [7]
3.
Beurteilungsgrundsätze
Schädliche Umwelteinwirkungen liegen dann vor, wenn die Nachbarschaft oder die Allge-
meinheit erheblich belästigt wird. Diese Hinweise geben Maßstäbe zur Beurteilung der Läs-
tigkeitswirkung an. Eine erhebliche Belästigung i. S. des § 5 Abs. 1 Nr. 1 oder des
§ 22 Abs. 1 BImSchG tritt in der Regel auf, wenn die unter Nr. 4.1 bzw. Nr. 5.2 dieser Hin-
weise angegebenen Immissionsrichtwerte überschritten werden.
Die Erheblichkeit der Belästigung durch Lichtimmissionen hängt aber auch wesentlich von
der Nutzung des Gebietes, auf das sie einwirken, sowie dem Zeitpunkt (Tageszeit) oder der
Zeitdauer der Einwirkungen ab. Die Beurteilung orientiert sich nicht an einer mehr oder we-
niger empfindlichen individuellen Person, sondern an der Einstellung eines durchschnittlich
empfindlichen Menschen.
Von Bedeutung für die Beurteilung der Lichtimmissionen von Anlagen ist die Schutzbedürf-
tigkeit der Nutzungen in den diesen Anlagen benachbarten Gebieten. Bei der Zuordnung der
für die Beurteilung maßgebenden Immissionsrichtwerte zu den Gebieten im Einwirkungsbe-
reich der Anlage ist grundsätzlich vom Bebauungsplan auszugehen. Ist ein Bebauungsplan
nicht aufgestellt, so ist die tatsächliche Nutzung zugrunde zu legen; eine voraussehbare Än-
derung der baulichen Nutzung ist zu berücksichtigen.
Liegen aufgrund baulicher Entwicklungen in der Vergangenheit Wohngebiete und lichtemit-
tierende Anlagen eng zusammen, kann eine besondere Pflicht zur gegenseitigen Rücksicht-
nahme bestehen. Sofern an Anlagen, die wesentlich zu einer Überschreitung der Immissi-
onsrichtwerte beitragen, alle verhältnismäßigen Emissionsminderungsmaßnahmen durchge-
führt sind, kann die Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme dazu führen, dass die Bewoh-
ner mehr an Lichtimmissionen hinnehmen müssen als die Bewohner von gleichartig genutz-
ten Gebieten, die fernab derartiger Anlagen liegen. Das Maß der im Einzelfall noch hinzu-
nehmenden Lichtimmissionen hängt von der Schutzbedürftigkeit des Gebietes und den tat-
sächlich nicht weiter zu vermindernden Lichtemissionen ab. Die zu duldenden Lichteinwir-
kungen sollen aber die Immissionsrichtwerte unterschreiten, die für die Gebietsart mit dem
nächst niedrigeren Schutzanspruch gelten.
1
Bei der Ermessensausübung im Rahmen der Anwendung des § 24 BImSchG gegenüber
Sportanlagen sind die lichtfunktionalen Anforderungen des Sports (z.B. eine regelmäßige
Beleuchtung) zu berücksichtigen.
1
Eine Untersagung des Betriebs kommt nur unter den in § 25 BImSchG genannten Voraussetzungen in Betracht.

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Bei Beleuchtungsanlagen, die vor dem [Datum einfügen
2]
baurechtlich genehmigt oder - so-
weit eine Genehmigung nicht erforderlich war - errichtet wurden, soll die zuständige Behörde
von einer Festsetzung von Betriebszeiten absehen, wenn die Immissionsrichtwerte für die
Gebietsart mit dem nächst niedrigeren Schutzanspruch nicht überschritten werden.
Die Beurteilung umfasst zwei Bereiche:
a) Raumaufhellung:
Aufhellung des Wohnbereiches, insbesondere des Schlafzimmers, aber auch des Wohn-
zimmers, der Terrasse oder des Balkons durch die in der Nachbarschaft vorhandene Be-
leuchtungsanlage, die zu einer eingeschränkten Nutzung dieser Wohnbereiche führt. Die
Aufhellung wird durch die mittlere Beleuchtungsstärke
E
F
in der Fensterebene beschrie-
ben.
b) Blendung:
Bei der Blendung durch Lichtquellen wird zwischen der physiologischen und psychologi-
schen Blendung unterschieden. Während die physiologische Blendung, die die Minde-
rung des Sehvermögens durch Streulicht im Glaskörper des Auges beschreibt, bei den
üblichen Immissionssituationen nicht auftritt, werden die Anwohner häufig durch die psy-
chologische Blendung belästigt. Das ist selbst dann so, wenn sich die Lichtquelle in grö-
ßerer Entfernung befindet, so dass sie im Wohnbereich keine nennenswerte Aufhellung
erzeugt. Die Belästigung entsteht durch die ständige und ungewollte Ablenkung der
Blickrichtung zur Lichtquelle hin, die bei einem großen Unterschied der Leuchtdichte der
Lichtquelle zur Umgebungsleuchtdichte die ständige Adaptation des Auges auslöst. Für
die Störwirkung sind daher die Leuchtdichte L
S
der Blendlichtquelle, die Umgebungs-
leuchtdichte L
U
und der Raumwinkel Ω
S
, vom Betroffenen (Immissionsort) aus gesehen,
maßgebend.
Aufgabe des Immissionsschutzes ist es vornehmlich, erhebliche Belästigungen durch
psychologische Blendung von starken industriellen, gewerblichen und im Bereich von
Sport- und Freizeitanlagen angeordneten Lichtquellen in der schützenswerten Nachbar-
schaft zu vermeiden. Durch diese Immissionen kann die Nutzung eines inneren oder
äußeren Wohnbereichs erheblich gestört werden.
Schutzwürdige Räume im Sinne dieser Hinweise sind:
Wohnräume, einschließlich Wohndielen
Schlafräume, einschließlich Übernachtungsräume in Beherbergungsstätten und Bet-
tenräume in Krankenhäusern und Sanatorien
Unterrichtsräume in Schulen, Hochschulen und ähnlichen Einrichtungen
Büroräume, Praxisräume, Schulungsräume und ähnliche Arbeitsräume
Direkt an Gebäuden beginnende Außenflächen (z. B. Terrassen und Balkone) sind in die
Beurteilung mit einzubeziehen. Dazu ist auf die Nutzungszeit tagsüber (06:00 - 22:00 Uhr)
abzustellen.
2
Datum ist landesspezifisch festzulegen.

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4.
Beurteilung und Messung der Raumaufhellung
4.1
Beurteilung
Mess- und Beurteilungsgröße für die Raumaufhellung ist die nach diesen Hinweisen gemes-
sene mittlere Beleuchtungsstärke
E
F
am Immissionsort. Immissionsrichtwerte der mittleren
Beleuchtungsstärke
E
F
,
die von einer Beleuchtungsanlage in ihrer Nachbarschaft nicht über-
schritten werden sollen, sind in Tabelle 1 enthalten, soweit die nachfolgenden Ausführungen
dem nicht entgegenstehen.
Tabelle 1:
Immissionsrichtwerte der mittleren Beleuchtungsstärke
E
F
in der Fensterebene von Woh-
nungen bzw. bei Balkonen oder Terrassen, auf den Begrenzungsflächen für die Wohnnut-
zung, hervorgerufen von Beleuchtungsanlagen während der Dunkelstunden, ausgenommen
öffentliche Straßenbeleuchtungsanlagen.
Immissionsort (Einwirkungsort)
mittlere Beleuchtungsstärke
E
F
in lx
Gebietsart nach § BauNVO [2]
06 Uhr bis
22 Uhr
22 Uhr bis
06 Uhr
1
Kurgebiete, Krankenhäuser,
Pflegeanstalten
1)
1
1
2
reine Wohngebiete (§ 3)
allgemeine Wohngebiete (§ 4)
besondere Wohngebiete (§ 4 a)
Kleinsiedlungsgebiete (§ 2)
Erholungsgebiete (§ 10)
3
1
3
Dorfgebiete (§ 5)
Mischgebiete (§ 7)
5
1
4
Kerngebiete (§ 7)
2)
Gewerbegebiete (§ 8)
Industriegebiete (§ 9)
15
5
Wird die mittlere Beleuchtungsstärke am Immissionsort maßgeblich durch andere Lichtquel-
len bestimmt, sollen Maßnahmen an der zu beurteilenden Beleuchtungsanlage solange aus-
gesetzt werden, wie die Anlage nicht wesentlich zur Gesamt-Beleuchtungsstärke beiträgt.
Tabelle 1 bezieht sich auf zeitlich konstantes und weißes oder annähernd weißes Licht (das
Licht von Natriumdampf-Hochdrucklampen gilt noch als annähernd weiß), das mehrmals in
der Woche jeweils länger als eine Stunde eingeschaltet ist. Wird die Anlage seltener oder
kürzer betrieben bzw. über Bewegungsmelder geschaltet, sind Einzelfallbetrachtungen an-
zustellen. Dabei soll der Zeitpunkt und die Häufigkeit des Auftretens, die allgemeine Umge-
1)
Wird die Beleuchtungsanlage regelmäßig weniger als eine Stunde pro Tag eingeschaltet, gelten auch für die
in Zeile 1 genannten Gebiete die Werte der Zeile 2.
2)
Kerngebiete können in Einzelfällen bei geringer Umgebungsbeleuchtung auch Zeile 3 zugeordnet werden
(vor 22 Uhr
E
F
≤ 5 lx; nach 22 Uhr
E
F
≤1 lx).

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bungshelligkeit, die Ortsüblichkeit sowie insbesondere die Möglichkeit für Minderungsmaß-
nahmen der Störwirkung berücksichtigt werden. Hieraus können gegebenenfalls auch höhe-
re oder niedrigere Immissionsrichtwerte der Beleuchtungsstärke
E
F
als in Tabelle 1 vertreten
werden.
Bei Beleuchtungsanlagen mit veränderbaren Betriebszuständen ist der Beleuchtungszustand
mit der maximalen Beleuchtungsstärke zu bewerten.
Beleuchtungsanlagen, deren Betriebszustände sich nicht schneller als in einem 5-minütigen
Rhythmus ändern, gelten als zeitlich konstant abstrahlend. Ändern sich die Betriebszustände
in weniger als fünf Minuten wesentlich, dann liegt ein Wechsellicht vor. In besonders auffälli-
gen Wechsellichtsituationen (z. B. große Schwankungen der Beleuchtungsstärke, schnelle
Hell-Dunkel-Übergänge, blitzlichtartige Vorgänge, schnelle Folgefrequenzen des Wechsel-
lichtes), die lästiger als zeitlich konstantes Licht empfunden werden, ist bei der Beurteilung
der Raumaufhellung die maximale Beleuchtungsstärke E
F
je nach Auffälligkeit mit einem
Faktor zu multiplizieren und mit den Immissionsrichtwerten der Tabelle 1 zu vergleichen. Der
Faktor bei Wechsellicht kann nach Tabelle 1 a gemäß [4] bestimmt werden.
Tabelle 1 a:
Faktor bei Wechsellicht
Periodendauer
Faktor bei Wech-
sellicht
Frequenz
Faktor bei Wech-
sellicht
≥ 5 min
1
> 0,67 bis 18 Hz
5
5 min bis 4 s
1,5
19 bis 24 Hz
3
4 s bis 2 s
2
25 bis 30 Hz
2
2 s bis 1,5 s
3
> 30 Hz
1
Fortsetzung rechts
Handelt es sich bei den Lichtschwankungen um sinusförmige Schwankungen, die weniger
als ± 15% der mittleren Beleuchtungsstärke ausmachen, ist vom jeweils nächsten niedrige-
ren Tabellenwert auszugehen.
Ein Verfahren zur Ermittlung eines Faktors bei nichtperiodischen Anlagen (z. B. LED-
Videoinstallationen) existiert derzeit nicht. Hier ist die Störwirkung für den konkreten Einzel-
fall abzuschätzen.
Intensiv farbiges Licht besitzt eine besondere Störwirkung, die bei der Beurteilung der
Raumaufhellung durch den immissionsseitig subjektiv zu vergebenden Faktor 2 berücksich-
tigt werden kann. Der Faktor ist mit der mittleren Beleuchtungsstärke
E
F
zu multiplizieren und
mit den Immissionsrichtwerten der Tabelle 1 zu vergleichen.
Der Faktor für das Wechsellicht und der für intensiv farbiges Licht sind nicht zu kumulieren.
Es gilt der höhere Wert.
Eine Überschreitung der Immissionsrichtwerte als Anlass für behördliche Anordnungen kann
wegen der Fehlergrenzen der Messgeräte (siehe Abschnitt 4.3) erst dann angenommen
werden, wenn das Messergebnis mindestens 20 % oberhalb der Immissionsrichtwerte der
Tabelle 1 liegt.

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4.2
Zeit und Ort der Messung
Es soll zu einer Zeit gemessen werden, die für die Lichtimmissionen am Immissionsort ty-
pisch ist. Werden die Messwerte z. B. durch Regen, Schnee oder Nebel beeinflusst, so ist
nicht zu messen.
Messort bei der Beurteilung ist für schutzwürdige Räume bei geöffneten Fenstern die jeweili-
ge Fensterebene, bei Balkonen oder Terrassen sind es sinngemäß die Begrenzungsflächen
für die Wohnnutzung.
Die mittlere Beleuchtungsstärke
E
F
ist vor dem geöffneten Fenster oder außen unmittelbar
vor der Scheibe zu ermitteln. Wird bei einem nicht zu öffnenden Fenster innen hinter der
Fensterscheibe gemessen, so muss der Licht absorbierende Einfluss der Scheibe durch ei-
nen Korrekturfaktor berücksichtigt werden. Bei sauberen Scheiben können folgende Fakto-
ren näherungsweise eingesetzt werden:
Einfachverglasung :
1,1
Doppelverglasung:
1,25
Dreifachverglasung:
1,4
beschichtete Wärmeschutzverglasung: 1,7
Die Messzellennormale ist bei der Messung der mittleren Beleuchtungsstärke
E
F
parallel zur
Normalen der Bezugsfläche auszurichten. Bei örtlich unterschiedlichen Beleuchtungsstärken
in der Bezugsfläche ist der arithmetische Mittelwert der Beleuchtungsstärke zu ermitteln. Ist
die Bezugsfläche größer als 1,5 m², ist der Mittelwert der am stärksten beleuchteten Fläche
von 1,5 m² maßgebend.
Bei der Messung ist die Zimmerbeleuchtung auszuschalten.
Beleuchtungsanteile durch nicht zu beurteilende Lichtquellen aus der Umgebung sind z. B.
durch Ausblendung oder Differenzbildung zu beseitigen.
Für die Differenzbildung sind die Beleuchtungsstärkewerte E
F, i
(mit) und E
F, i
(ohne) an den
Messpunkten i zu messen, die sich bei eingeschalteter (d. h. mit) und bei ausgeschalteter
(d. h. ohne) Beleuchtungsanlage ergeben. Der durch die zu beurteilende Anlage verursachte
mittlere Beleuchtungsstärkewert errechnet sich aus:
n
i1
F,i
F,i
F
E mit
E ohne
n
1
E
(1)
4.3
Anforderungen an das Beleuchtungsstärkemessgerät
Das Beleuchtungsstärkemessgerät ("Luxmeter") muss gestatten, 0,1 lx zu messen, d. h. sei-
ne Auflösung muss 0,01 lx betragen. Die Geräte müssen mindestens den Anforderungen der
Klasse B nach DIN 5032, Teil 7 [3], mit einem Gesamtfehler < 10 % genügen.

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5.
Beurteilung und Messung der Blendung
5.1
Beurteilung
Als Konvention zur Berechnung von Werten für die maximal tolerable mittlere Leuchtdichte
L
max
einer technischen Blendlichtquelle wird für den Bereich des Immissionsschutzes folgende
Beziehung festgelegt:
S
U
max
L
L
k
(2)
Es bedeuten:
L
max
Maximal tolerable Leuchtdichte einer Blendlichtquelle in cd/m
2
, gemittelt über
den zugehörigen Raumwinkel Ω
S
L
U
Maßgebende Leuchtdichte der Umgebung der Blendlichtquelle in cd/m
2,
, falls die
aus Messungen ermittelte Umgebungsleuchtdichte kleiner als 0,1 cd/m
2
ist, wird
mit L
U
= 0,1 cd/m
2
gerechnet
Ω
S
Raumwinkel der vom Immissionsort aus gesehenen Blendlichtquelle in sr
k
Normierter Proportionalitätsfaktor
Die Anwendung des Beurteilungsverfahrens gilt nur unter der Voraussetzung, dass vom Im-
missionsort aus - bei üblicher Position - der Blick zur Blendquelle hin möglich ist. Als Blick-
richtung wird dann dieser Blick zur Blendquelle hin angenommen, weil sich das Auge im All-
gemeinen unwillkürlich zur Blendlichtquelle hinwendet, da sie häufig das auffälligste Sehob-
jekt im Gesichtsfeld ist.
Der Anwendungsbereich von Gleichung (2) wird auf 0,1 cd/m
2
< L
U
< 10 cd/m
2
und
10
-6
sr < Ω
S
< 10
-2
sr beschränkt. Unterhalb Ω
S
= 10
-6
sr liegt eine „Punktquelle" vor, bei der
die Blendbeleuchtungsstärke maßgebend wird. Diese darf E
S
= 10
-3
k
.
U
L
in Lux am Im-
missionsort nicht überschreiten.
Oberhalb von Ω
S
= 10
-2
sr liegt eine „große Flächenquelle" vor. Der Grenzwert ist dort eine
vom Raumwinkel der Quelle unabhängige Konstante. Die mittlere Leuchtdichte darf den
Wert von 10 ∙ k ∙
L
U
nicht überschreiten. Dies gilt für zeitlich konstantes Licht.
Die Blendung von zeitlich veränderlichem Licht wird im Allgemeinen als lästiger empfunden
als zeitlich konstantes Licht. Die stärkere Störempfindung von Wechsellicht kann bei der Be-
urteilung der Blendung näherungsweise durch Faktoren bis zu 5 berücksichtigt werden, um
die die Messwerte oder Berechnungsergebnisse vor dem Vergleich mit den Immissionsricht-
werten erhöht werden.
5.2
Vorgehensweise
Die psychologische Blendwirkung einer Lichtquelle lässt sich durch das Blendmaß k
S
be-
schreiben:
U
S
S
S
L
k
L
(3)
Das Blendmaß soll die Immissionsrichtwerte für Blendung k gemäß Tabelle 2 nicht über-
schreiten.

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Tabelle 2:
Immissionsrichtwert k zur Festlegung der maximal zulässigen Blendung durch technische Lichtquellen während
der Dunkelstunden
Immissionsort (Einwirkungsort)
Immissionsrichtwert k für Blendung
(Gebietsart nach § BauNVO) [2]
6 h bis 20 h
20 h bis 22 h
22 h bis 6 h
1
Kurgebiete, Krankenhäuser, Pflegeanstalten
(§ 3)
1)
32
32
32
reine Wohngebiete
2
allgemeine Wohngebiete(§ 4)
besondere Wohngebiete (§ 4a)
Kleinsiedlungsgebiete (§2)
Erholungsgebiete (§ 10)
96
64
32
3
Dorfgebiete
5)
Mischgebiete (§ 6)
160
160
32
4
Kerngebiete (§ 7)
2)
Ge-
werbegebiete (§ 8) In-
dustriegebiete (§ 9)
-
-
160
________
1)
Wird die Beleuchtungsanlage regelmäßig weniger als eine Stunde pro Tag eingeschaltet, gel-
ten auch für die in Zeile 1 genannten Gebiete die Werte der Zeile 2.
2)
Kerngebiete können in Einzelfällen bei geringer Umgebungsbeleuchtung (L
u, mess
< 0,1 cd/m
2
)
auch Zeile 3 zugeordnet werden.
Diese Gleichung kann im Falle der Messung der Leuchtdichte
L
M
mit einer Messblende vom
Raumwinkel Ω
M
wie folgt angewendet werden:
U
S
M
M
S
L
L
k
(4)
Die Wahl der Messblende (Raumwinkel Ω
M
) ist in weiten Grenzen beliebig. Bedingung ist
nur, dass die Blendquelle repräsentativ ist und kein Fremdlicht erfasst wird. Ist die Blende
kleiner als die Lichtquelle, dann besteht die Gefahr, dass die Messwerte nicht repräsentativ
für die gesamte leuchtende Fläche sind, was durch mehrere Messwerte an verschiedenen
Stellen zu prüfen ist.
Für den Fall, dass der Raumwinkel Ω
S
der Lichtquelle den Wert 10
-6
sr unterschreitet, verein-
facht sich Gleichung (4) zu:
1000
L
L
k
U
M
M
S
(4a)
und für den Fall, dass der Raumwinkel Ω
S
der Lichtquelle den Wert 10
-2
sr überschreitet,
vereinfacht sich Gleichung (4) zu:
U
M
S
L
L
k
0,1
(4 b)
Eine Überschreitung der Immissionsrichtwerte k gemäß Tabelle 2 als Anlass für behördliche
Anordnungen kann wegen der Fehlergrenzen der zugrunde gelegten Messtechnik und bei
sorgfältiger Messdurchführung messtechnisch erst dann festgestellt werden, wenn das
Blendmaß der zu beurteilenden Lichtquelle k
S
mindestens 40 % oberhalb des entsprechen-

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den Immissionsrichtwertes liegt. Dabei ist für die Messgrößen
L
S
, Ω
S
,
mess
L
U,
ein relativer
Fehler von jeweils 20 % zugrunde gelegt.
5.3
Beurteilung mehrerer Blendlichtquellen im Blickfeld
Bei mehreren räumlich getrennten Beleuchtungsanlagen im Sichtbereich ist grundsätzlich je-
de für sich zu beurteilen.
Besteht eine Beleuchtungsanlage aus mehreren, dicht beieinander stehenden einzelnen
Leuchten (Array), so darf jede einzelne Leuchte die Immissionsrichtwerte für Blendung nach
Tabelle 2 nicht überschreiten.
Bei gleichmäßiger Leuchtdichteverteilung über die Einzelleuchten kann das ganze Array
nach Abschnitt 5.2 vermessen werden. Im Nenner muss der Raumwinkel der Einzelleuchte
angesetzt werden. Der Messwert
L
M
Ω
M
ist durch die Anzahl der durch das Messfeld er-
fassten Leuchten zu teilen. Ist die Leuchtdichte ungleichmäßig verteilt, ist eine Flächentei-
lung erforderlich und der Maximalwert zu beurteilen.
Bei Arrays wird die Störwirkung u. U. zu gering eingestuft, da die Belästigung durch die Ge-
samtanlage stärker als durch eine einzelne Leuchte ist. Gesicherte Ergebnisse über die
Summenwirkung mehrerer Leuchten liegen jedoch bisher nicht vor.
5.4
Anforderungen an die Blendmessungen
Die Messung von blendungsrelevanten Kenngrößen stellt hohe Anforderungen an die licht-
technischen Kenntnisse und praktischen Messerfahrungen des Prüfers sowie dessen Aus-
stattung mit geeigneten Messgeräten. Daher empfiehlt es sich erforderlichenfalls, einen ent-
sprechend ausgewiesenen Fachmann heranzuziehen.
Das Leuchtdichtemessgerät muss es gestatten, von 0,01 cd/m
2
bis zu 10
6
cd/m
2
zu messen
(in mehreren Stufen). Seine Auflösung muss 1 % des Skalenendwertes des jeweiligen
Messbereiches betragen. Eine beleuchtete Digitalanzeige ist empfehlenswert. Die Geräte
müssen mindestens den Anforderungen der Klasse B nach DIN 5032, Teil 7 [3] entsprechen
und einem Gesamtfehler < 15 % genügen. Entsprechendes gilt auch für Leuchtdichtemess-
kameras.
5.5
Messungen/Berechnungen
5.5.1 Beurteilung einer Blenddichtquelle
Für die Bestimmung des Blendmaßes k
S
nach Abschnitt 5.2 ist die Leuchtdichte
L
S
der zu
beurteilenden Blendlichtquelle, der zugehörige Raumwinkel Ω
S
(siehe Abschnitt 5.5.3) und
die Umgebungsleuchtdichte zu ermitteln und mit den Immissionsrichtwerten k für Blendung
nach Tabelle 2 zu vergleichen.

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5.5.1.1 Berechnung der Leuchtdichte der Blendlichtquelle
Sind die Daten der Blendlichtquelle (Lichtaustrittsfläche F
P
der Leuchte, Lichtstärkeverteilung
l) sowie der Winkel zwischen der Normalen der Lichtaustrittsfläche und dem Immissionsort
bekannt, so kann die Leuchtdichte der Blendlichtquelle
L
S
berechnet werden:
P
S
F
I
L
(5)
Dieser Wert wird zur Berechnung von k
S
nach Gleichung (3) verwendet (Abschnitt 5.2). Sind
diese Daten nicht vorhanden, so ist wie folgt zu verfahren.
5.5.1.2 Messung der Leuchtdichte der Blendlichtquelle
Die Messung erfolgt bei Dunkelheit und klarem Wetter vom Immissionsort aus, z. B. vom
Aufenthaltsraum bei geöffnetem Fenster, vom Balkon oder von der Terrasse. Es sollten mög-
lichst mehrere Messfeldblenden mit Winkeldurchmessern im Bereich von ca. 10° bis ca. 10'
(Winkelminuten = 3 mrad)
3
zur Verfügung stehen. Wegen der mit sehr kleinen Blenden ver-
bundenen Richtungsunsicherheiten sollte nicht nach Gleichung (3), sondern mit möglichst
großen Blenden nach den Gleichungen (4), (4a) und (4b) verfahren werden. Wesentlich ist
nur, dass nicht Fremdquellen erfasst werden.
Die Raumwinkel, für Kreiskegel mit dem vollen Öffnungswinkel α, zu den Messblenden wer-
den wie folgt berechnet:
2 1 cos /2
M
(6)
Der Anzeigeumfang liegt zweckmäßigerweise etwa im Bereich von 10
-2
cd/m
2
bis 10
6
cd/m
2
.
Bei der Messung ist auf genaue Fokussierung und Ausrichtung des Messgerätes zu achten.
Es wird das Blendmaß k
S
nach Abschnitt 5.2 (Gleichung (3)) gebildet. Dort sind weitere Hin-
weise zur Auswertung angegeben.
Ist der Raumwinkel Ω
S
der Lichtquelle größer als der Raumwinkel Ω
M
des Messgerätes und
überdeckt er Ω
M
vollständig, so wird flächenrepräsentativ an mehreren Punkten der Licht-
quelle gemessen und aus den Messwerten der arithmetische Mittelwert
k
S
gebildet. Bei sehr
großen Leuchtdichteunterschieden auf einer Fläche gilt Abschnitt 5.2 sinngemäß.
5.5.2 Umgebungsleuchtdichte
Die Leuchtdichte
mess
L
U,
der Umgebung ist die durch Messung ermittelte mittlere Leuchtdich-
te in einem Winkelbereich von α
U
= ± 10° um die zu beurteilende Lichtquelle.
Messungen in schutzwürdigen Räumen sind bei geöffnetem Fenster durchzuführen. Bei der
Messung ist die Raum- bzw. Terrassen- oder Balkonbeleuchtung auszuschalten. Die zu be-
urteilende Lichtquelle bleibt jedoch eingeschaltet, da diese die Umgebungsleuchtdichte be-
einflussen kann.
Die Umgebungsleuchtdichte kann mit einem Leuchtdichtemessgerät mit möglichst großer
Messfeldblende (Winkeldurchmesser etwa > 1°) ermittelt werden, indem räumlich repräsen-
tativ an mehreren Punkten im Winkelbereich von ± 10° um die zu beurteilende Lichtquelle
gemessen wird. Die zu beurteilende Lichtquelle selber und ggf. weitere Blendquellen im
± 10°-Feld bleiben dabei ausgespart.
3
Die Feld-Untersuchungen kleinerer Quellen erfordern wegen der Justier-Probleme andere Verfahren
z. B. mit einer CCD-Kamera und geeigneter Hard- und Software zur Auswertung.

LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
Seite 12 von 28
Sehr helle Lichtquellen wie z. B. Flutlichtstrahler müssen dabei nicht nur außerhalb des
Messfeldes, sondern sogar außerhalb des Gesichtsfeldes des Leuchtdichtemessers bleiben,
da andernfalls das Streulicht im Objektiv das Messergebnis zu sehr verfälscht. Die Umge-
bungsleuchtdichte
mess
L
U,
ergibt sich dann als Mittelwert der einzelnen Leuchtdichtemesswer-
te L
i
.
Für sehr hoch angebrachte Leuchten, z. B. Flutlichtanlagen an Sportstätten, weist die von
unten betrachtete Umgebung (Nachthimmel, Bäume) selten mehr als L
U
= 0,1 cd/m
2
auf.
5.5.3 Raumwinkel der Blendlichtquelle
Der Raumwinkel Ω
S
wird bei direkt abstrahlenden Lampen durch die vom Immissionsort aus
sichtbaren Lampenabmessungen aufgespannt. Wenn das Licht durch Reflexion, Refraktion
oder Streuung an der Leuchte zum Immissionsort gelenkt wird, sind die vom Immissionsort
aus sichtbaren, Licht abstrahlenden Leuchtenabmessungen („scheinbare" Leuchtengröße
bedeutet die Flächenprojektion auf eine Ebene senkrecht zur Verbindungsgraden Immissi-
onsort-Leuchte) zugrunde zu legen.
Zur wirksamen Blendquellengröße sollten noch die Zonen mit einbezogen werden, die sich
bis zu einem Faktor 0,01 hinsichtlich der Leuchtdichte von den hellsten Zonen unterschei-
den.
Geht die Blendwirkung einer zu beurteilenden Lichtquelle maßgeblich von einer bestimmten,
leuchtenden Teilfläche aus (z. B. der Lampe innerhalb eines Leuchtenkörpers), so ist auch
diese ggf. separat zu beurteilen.
Die Ermittlung des Raumwinkels kann rechnerisch aus den Abmessungen der Blendlicht-
quelle, den Neigungswinkeln relativ zum Beobachter und dem Abstand zwischen der Blend-
lichtquelle und dem Immissionsort durchgeführt werden.
Der Raumwinkel Ω
S
der Lichtquelle wird rechnerisch nach folgender Beziehung ermittelt:
2
P
S
R
F
(7)
mit F
P
= F
i
cos(ε).
Es bedeuten:
F
i
Licht abstrahlende Lampen- bzw. Leuchtenfläche in m
2
F
P
Projektion der Licht abstrahlenden Lampen- bzw. Leuchtenfläche auf eine Ebene
senkrecht zur Verbindungsgraden Immissionsort-Leuchte („scheinbare" Leuchten-
größe) in m
2
R
Direkter Abstand zwischen Lichtquelle und Immissionsort in m
ε
Winkel zwischen Lot auf die Leuchtenfläche und Verbindungsgerade Immissionsort-
Leuchte
Da oft nicht alle Größen (R, F
i
und ε) bekannt oder einfach zu ermitteln sind, können andere
Methoden zur Bestimmung des Raumwinkels vorzuziehen sein.
Einfach zu ermitteln ist der Raumwinkel rechteckiger Flächen durch reine Winkelmessungen
mittels Theodolit vom Immissionsort. Der Raumwinkel ergibt sich dann aus der Winkeldiffe-
renz der Eckpunkte der Lichtaustrittsfläche zu:
2
H
sin
2
V
4 sin
z
S
(7 a)

image
LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
Seite 13 von 28
oder
S
sin V sin H
z
(7 b)
∆H
z
, ∆V siehe Abbildung 1
Gleichung (7 b) gilt für nicht zu große Winkel.
Der Fehler ist > 0,2 % für Winkel > 5° und > 1,7 % für Winkel > 15°.
Liegt das Strahlerfeld verdreht im Messfeld des Theodoliten, dann ergibt sich für kleine Win-
kel (bzw. Abstand zur Lichtquelle sehr groß im Vergleich zu den Abmessungen):
(8)
h
1
, ∆
h
2
, ∆V
1
, ∆V
2
siehe Abbildung 1
Abbildung 1:
Raumwinkelbestimmung durch Winkelmessung mit Theodolit
links: bei „horizontalem“ Strahler
rechts: bei „verdrehtem“ Strahler
Der mögliche Fehler bei der Raumwinkelbestimmung mit dem Theodoliten bewegt sich je
nach Größe des zu ermittelnden Raumwinkels im Bereich von etwa 5 % bis 10 %. Als Theo-
dolit eignen sich alle im Vermessungswesen eingesetzten Geräte. Moderne Geräte mit be-
leuchteter Messwertanzeige sind vorzuziehen. Zur Messung von Flutlichtstrahlern (sehr hohe
Leuchtdichte) kann ein Graufilter nützlich sein.
Ist eine störende Leuchte, z. B. wegen Bewuchs vom Messort nur teilweise sichtbar, führt
dies tendenziell zu einem geringeren Blendmaß k
S
(siehe Gleichung (3)) für diese Leuchte.
Die Erfassung der blendrelevanten Parameter hängt in diesem Fall verstärkt von den mess-
technischen Möglichkeiten ab. Grundsätzlich ist das Blendmaß von der ungestörten Licht-
quelle k
S,0
zu bestimmen, das sich um den Minderungsfaktor (Mf)
S
Störfläche
Mf
1
(9)
verringert. Das Maß der Verdeckung kann von der genauen Betrachterposition abhängig
sein, so dass die Reproduzierbarkeit und Dokumentation bei der Beurteilung im Besonderen
zu berücksichtigen ist. Ferner kommen nur Störflächen in Betracht, die permanent vorhan-
den sind, also z. B. auch im Winter.
0,5
2
2
1
2
2
2
1
2
S
sin
h
sin
h
sin
V
sin
V

LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
Seite 14 von 28
Hinweis: Sehr kleine Quellen können durch Äste bei Windstille verdeckt sein, bei Wind aber
periodisch sichtbar werden. In diesen Fällen ist kein Minderungsfaktor anzuwenden.
5.5.4
Kamera als Messeinrichtung
Für die Messung des Raumwinkels Ω
S
aus der fotografischen Aufnahme einer analogen Ka-
mera, die vom Immissionsort aus aufgenommen wird, gilt für große Abstände R » f:
= F
Neg
/f
2
(10)
Es bedeuten:
F
Neg
Fläche des Bildes der Lichtquelle auf dem Negativ oder Dia in mm
2
f
Brennweite des Photoobjektivs in mm
Bei der Aufnahme ist auf genaue Fokussierung und Verwacklungsfreiheit zu achten.
Die Objektivbrennweite hängt von der Größe der Lichtquelle und ihrer Entfernung zum Im-
missionsort ab; sie liegt für das Kleinbild-Format in einem Bereich von ca. 135 mm bis 1000
mm, um eine möglichst formatfüllende Aufnahme zu erhalten.
Ein Fotoapparat zur fotografischen Ermittlung des Raumwinkels Ω
S
benötigt verschiedene
Objektive geeigneter Brennweite. Die Objektivbrennweite muss einmal an einem Objekt be-
kannter Größe in bekannter Entfernung überprüft werden.
Es müssen stets mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtung gemacht werden, um
eine optimal belichtete Aufnahme für die Auswertung zu erhalten.
Der Raumwinkel einer Blendlichtquelle kann inzwischen auch durch Fotografie mit einer digi-
talen Kamera bestimmt werden. Voraussetzung ist die Möglichkeit zur manuellen Schär-
feeinstellung und zur manuellen Belichtungssteuerung. Die Kamera sollte für eine gute Auf-
lösung im Abbild der zu beurteilenden Lichtquelle über eine genügend hohe Pixelauflösung
in Verbindung mit mindestens einem geeignetem Objektiv, i. d. R. einem Teleobjektiv mit ei-
ner der Messaufgabe angepassten höheren Brennweite, verfügen. Als Zubehör sind i. d. R.
ein Graufilter zur Intensitätsminderung sowie ein Stativ zur Fixierung der Kamera am Messort
angezeigt.
Das Messobjekt wird vollständig, aber möglichst großformatig abfotografiert. Aus dem Digi-
talfoto lässt sich mit geeigneten Standardprogrammen an einem Standard-Computer die Pi-
xelanzahl der zu beurteilenden Lichtquelle direkt angeben. Die Digitaltechnik ermöglicht prin-
zipiell eine direkte Beurteilung der Aufnahme; Fehlbelichtungen sind eher auszuschließen.
Ggf. empfehlen sich Wiederholungsaufnahmen mit variabler Belichtung. Die Zahl der Pixel
im Abbild des Messobjekts bestimmt die Messunsicherheit.
Um aus der Pixelanzahl des Beurteilungsobjekts den zugehörigen Raumwinkel anzugeben,
muss entweder der mittlere Raumwinkel eines Pixelelements, z. B. durch vorherige Kalibrie-
rung, bekannt sein oder eine Skalierung des Fotos, z. B. durch Vergleichsaufnahme mit ei-
nem Objekt bekannter Größe bei gleichen Kameraeinstellungen, erfolgen. In letzterem Fall
muss zusätzlich der genaue Abstand zur Lichtquelle bekannt sein, z. B. durch Messung mit
einem Standardentfernungsmesser für mittlere Entfernungen.
s

LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
Seite 15 von 28
5.5.5 Leuchtdichtemesskamera als Messeinrichtung
Eine komfortable Möglichkeit zur messtechnischen Bestimmung der blendrelevanten Para-
meter bieten spezielle digitale Leuchtdichtekameras, ggf. in Verbindung mit systemeigenen
Objektiven sowie einem portablen Notebook zur Messdatenanalyse. Solche Systeme ermög-
lichen die Erstellung eines ortsaufgelösten Leuchtdichtebildes von den zu beurteilenden
Lichtquellen und deren Umgebung.
Mit Hilfe zugehöriger Software lässt sich die mittlere Leuchtdichte der jeweiligen Lichtquelle
direkt ablesen. Je nach Ausführung lassen sich mit einem solchen Kamerasystem aus der
digitalen Aufnahme auch noch direkt der Raumwinkel der Lichtquelle sowie die Umgebungs-
leuchtdichte bestimmen.
Voraussetzung für Messergebnisse mit geringer Messunsicherheit ist die Verfügbarkeit von
Objektiven mit geeigneter Brennweite, die die Blendlichtquelle mit möglichst großer Pixelauf-
lösung scharf und wegen der hohen Lichtintensität mit Hilfe eines Graufilters abbilden. Für
die Messung der Umgebungsleuchtdichte ist i. d. R. ein weiteres Objektiv zur Abbildung des
± 10°-Messumfeldes um die Lichtquelle sinnvoll bzw. erforderlich. Der Bereich der Blend-
quelle selbst lässt sich im Leuchtdichtebild softwareseitig ausblenden. Der Raumwinkel
ergibt sich aus der Pixelanzahl des Messobjekts, wenn die mittlere Größe eines Pixels durch
vorherige Kalibrierung bekannt ist.
Messungen sind auch mit digitalen Fotoapparaten, die hinsichtlich der Leuchtdichte kalibriert
wurden, möglich. Die bei diesen Systemen durch die schlechtere V(Lambda)-Anpassung
entstehenden Messabweichungen können bei Kenntnis der Art der in den Blendquellen ver-
wendeten Leuchtmittel durch entsprechende Korrekturfaktoren verringert werden.
6.
Maßnahmen zur Vermeidung und Minderung der Störwirkung
Ggf. zu erwartende störende oder belästigende Einflüsse durch Lichtimmissionen auf die
schutzwürdige Nachbarschaft sollen möglichst bereits bei der lichttechnischen Planung von
gewerblichen Anlagen, Sportplätzen, Parkhäusern, Tiefgaragen usw. berücksichtigt werden.
Dies wird wesentlich dadurch gewährleistet, dass Lichtquellen möglichst so abgeschirmt
werden, dass diese nicht von relevanten Immissionsorten einsehbar sind.
Die eventuelle Beeinträchtigung der Nachbarschaft ist abhängig von Ort, Neigung, Höhe und
Abschattung der Leuchte. Unter bestimmten Umständen sind mehrere räumlich verteilte
Leuchten aus der Sicht des Nachbarschutzes günstiger als wenige zentrale Leuchten.
Zur Vermeidung von störenden Lichtimmissionen/Blendeffekten sollten die Leuchtflächen
von Lichtquellen selbst nach Möglichkeit nicht sichtbar bzw. einsehbar sein, sondern nur der
aus- oder anzuleuchtende Bereich. Vorteilhaft kann eine Beleuchtung von oben sein, wenn
sich die Lichtquellen nicht im natürlichen Sichtfeld befinden.
Hinweis: Für Flutlichtanlagen von Großstadien ist aufgrund der besonderen lichttechnischen
Anforderungen (TV-Tauglichkeit) eine Einhaltung der Immissionsrichtwerte nach dem Stand
der Technik in der Regel nicht möglich. Dies soll insbesondere bei (Neu-)Planungen in der
Nähe von schutzwürdiger Nachbarschaft berücksichtigt werden.
Insbesondere folgende Maßnahmen zur Minderung von Lichtimmissionen haben sich be-
währt:
1. Notwendigkeit der Beleuchtung abklären
2. Klärung des Lichtbedarfs/Beleuchtungsniveaus nach Intensität, Gleichmäßigkeit auf den
gewünschten Flächen
3. Geeignete Auswahl, Anzahl, Platzierung und Ausrichtung der Leuchten, z. B. Planflä-
chenstrahler

LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
Seite 16 von 28
4. Lichtlenkung ausschließlich in die Bereiche, die künstlich beleuchtet werden müssen
5. Zusätzliche technische Maßnahmen (Abschirmblenden, optische Einrichtungen wie
Spiegel und Reflektoren, Leuchten mit begrenztem Abstrahlwinkel)
6. Ausrichtung der Beleuchtung grundsätzlich von oben nach unten. Direkte Blickverbin-
dung zur Leuchte sollte vermieden werden. Ist dies nicht möglich, sind zum Schutz der
Nachbarschaft Blenden vorzusehen (s. Abbildung 2 a und b)
7. Beleuchtungen sollten nur nach unten und max. 80° schräg zur Seite strahlen. Sie sollten
möglichst niedrig angebracht sein, so dass z. B. nur der zu beleuchtende Fußweg hell
wird
Für größere Plätze, die gleichmäßig ausgeleuchtet werden sollen (z. B. Lager- und
Sportplätze) sind Scheinwerfer mit asymmetrischer Lichtverteilung zu verwenden, die
oberhalb von 80° Ausstrahlungswinkel (zur Vertikalen) kein Licht abgeben, z. B. Strahler
mit horizontaler Lichtaustrittsfläche (s. Abbildung 2)
8. Optimierte Lichtpunkthöhen
9. Es sollten möglichst niedrige Flutlichtmasten für Sportstätten und Lagerplätze installiert
werden. Bei der Planung und Ausführung ist darauf zu achten, dass nur die notwendige
Fläche beleuchtet wird. Streubereiche sind zu vermeiden. Bei Flutlichtanlagen im Freien
sind jedoch gerade höhere Masten in Verbindung mit asymmetrischen Planflächenstrah-
lern zur Immissionsminimierung vorteilhaft
10. Begrenzung der Betriebsdauer auf die nötige Zeit. Insbesondere während des Beurtei-
lungszeitraumes „nachts“ kann eine Abschaltung oder Reduzierung des Beleuchtungsni-
veaus sinnvoll sein
11. Wenn der Beleuchtungsbedarf in den Nachtstunden nur selten besteht, kann die Nutzung
eines Bewegungsmelders vorteilhaft sein. Bei häufigem Ein-/Ausschalten kann dagegen
die Störwirkung in der Nachbarschaft überwiegen. Die Ansprechempfindlichkeit, Ein-
schaltdauer und der Ausleuchtungsbereich der Beleuchtungsanlage sind hierbei zu be-
achten
12. Indirekte Beleuchtungssysteme wie Wandfluter oder Metallspiegel sind zu vermeiden
13. Lampentypen (Bauart der Lichtquelle)
14. Umrüstung von Altanlagen
15. Ersetzen von beweglichen bzw. zeitlich schwankenden Lichtquellen durch stationäre
bzw. konstante Lichtquellen, soweit dies mit dem Zweck der Anlage zu vereinbaren ist
16. Abdunkeln großer, von innen beleuchteter Fensterflächen (z. B. beleuchtete Arbeitsräu-
me, Gewächshäuser etc.) durch Jalousien oder Rollos
Hinweis:
Geeignete Maßnahmen zum Schutz von Vögeln und Insekten finden sich im Anhang 1.

image
image
LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
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Abbildung 2:
Nicht empfehlenswerte und empfehlenswerte Varianten von Leuchten

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Anhang 1
Hinweise über die schädliche Einwirkung von Beleuchtungsanlagen auf Tiere - insbe-
sondere auf Vögel und Insekten - und Vorschläge zu deren Minderung
Lichtimmissionen gehören nach dem BImSchG zu den schädlichen Umwelteinwirkungen,
wenn sie nach Art, Ausmaß und Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder
erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder für die Nachbarschaft herbeizuführen.
Neben dem Schutz des Menschen ist es ebenfalls Ziel des Gesetzes, Tiere und Pflanzen vor
schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen und dem Entstehen schädlicher Umwelteinwir-
kungen vorzubeugen. Der Anhang 1 berücksichtigt nur Auswirkungen von Lichtimmissionen
auf bestimmte Tiergruppen und ist nicht abschließend. Demzufolge bedürfen Bewertungen
bei absehbarer Betroffenheit von Belangen des Naturschutzes durch künstliche Beleuchtung
einer naturschutzfachlichen Ergänzung.
Viele Tiere haben sich im Laufe der Evolution an den Tag-Nacht-Wechsel angepasst. So gibt
es tagaktive und nachtaktive Tiere, die ihr Verhalten der jeweiligen Umgebungsleuchtdichte
anpassen. Durch die ständig ansteigende Zahl von künstlichen Lichtquellen ist in den letzten
Jahrzehnten für viele Tierarten eine gravierende Änderung ihrer jeweiligen Umwelt eingetre-
ten.
1. Eine Vielzahl von nachtaktiven Insekten wird von künstlichen Lichtquellen aller Art ange-
lockt, verlassen ihren eigentlichen Lebensraum und sind an der Erfüllung ihrer ökologi-
schen "Aufgaben" wie Nahrungs- oder Partnersuche gehindert. Für viele der Insekten
sind die Lichtquellen direkt (Verbrennen) oder indirekt (Verhungern, Erschöpfung, leichte
Beute) Todesfallen. Die große Zahl der Individuenverluste kann zu einer Dezimierung
der Populationen von nachtaktiven Insekten in der Umgebung der Lichtquelle führen.
Dies wiederum hat dann weitgehende Auswirkungen auf die Artenvielfalt (z. B. Nah-
rungsketten, Blütenbestäubung).
Optische Strahlung wird von Insekten spektral anders bewertet als vom Menschen. Hin-
sichtlich der Wirkung künstlichen Lichts auf nachtaktive Insekten ist nachgewiesen, dass
die Anlockwirkung von Lichtquellen mit hohen Anteilen im kurzwelligen blauen und ultra-
violetten Spektralbereich (z. B. von Quecksilberdampflampen) sehr viel größer ist als
von Lampen, deren Strahlung weit überwiegend im langwelligen Bereich liegt (Natrium-
dampflampen). So lockt eine Quecksilberdampf-Hochdrucklampe ca. 13-mal so viele
Falter an wie eine für den Menschen gleich helle Natriumdampf-Hochdrucklampe. Als
bisher unschädlichstes Licht hat sich das monochrome gelbliche Licht der Natrium-
dampf-Niederdrucklampen erwiesen. Sehr erfolgversprechend verlief auch ein Test, bei
dem neue LED-Lampen beteiligt waren, warm- und neutralweißes LED-Licht lockte da-
nach vergleichsweise wenige Insekten an [5]. Erst wenn die Lichtquelle einen bestimm-
ten Helligkeitswert übersteigt, wird das Verhalten maßgebend gestört. Für die Anlockwir-
kung einer Lichtquelle sind neben der spektralen Lichtverteilung vor allem die Leucht-
dichte, der Kontrast zur Umgebung, der Abstrahlwinkel und die Leuchtpunkthöhe wich-
tig. So lockt eine schräg nach oben abstrahlende Leuchte ca. 1,5-mal so viele Insekten
an wie eine nur nach unten abstrahlende Leuchte. Bei doppelter Leuchtenhöhe wird ca.
die 1,5 - 2-fache Insektenmenge angezogen.
2. Auch Vögel sind in unterschiedlicher Weise von Beleuchtungsanlagen betroffen. Sowohl
für den Lebensrhythmus als auch für die Orientierung spielen Lichtquellen für Vögel eine
große Rolle. Starke künstliche Lichtquellen (Leuchttürme, Fabrikanlagen, Hochhäuser
und Skybeamer) können zum Orientierungsverlust und sogar zum massenhaften Tod
nachts ziehender Vögel führen. Insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit ziehen nächtli-
che Lichtquellen Vögel an. Dabei kommt es häufig zu Kollisionen mit der Lichtquelle o-
der dem sie tragenden Bauwerk. Die Irritationen ziehender Vögel zeigen sich auch an

LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
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Reaktionen wie Umherirren im Lichtkegel, Änderung der Flugrichtung und Verlangsa-
mung der Fluggeschwindigkeit [6].
Maßnahmen zum Schutz von Insekten
Um unerwünschte Wirkungen auf Insekten zu vermeiden oder zu minimieren, sind - mit un-
terschiedlicher Wirksamkeit - die folgenden Maßnahmen geeignet:
1. Vermeidung heller, weitreichender künstlicher Lichtquellen in der freien Landschaft
Ortsfeste Lichtquellen in der freien Natur sind, wo immer möglich, zu vermeiden. Ihre Wir-
kung reicht umso weiter, je größer die Lichtpunkthöhe und je größer die Leuchtdichte bzw.
die Lichtstärke in Richtung oberer Halbraum und etwa horizontal sind. Sind sie unvermeid-
lich, dann müssen die Lichtquellen so niedrig wie möglich angebracht werden. Eine größere
Lichtpunktzahl geringer Höhe und Leistung ist gegenüber wenigen Lichtpunkten großer Höhe
und Leistung vorzuziehen. Dies gilt auch für alle Übergangsbereiche von dichter Bebauung
in die offene Landschaft oder naturnahe Nutzung wie Garten- und Parkanlagen. Helle Ge-
bäudewände sollten in solchen Bereichen nicht erheblich angestrahlt werden. Zusätzlich sind
Maßnahmen nach 2. und 3. in größtmöglichem Umfange anzuwenden.
2. Lichtlenkung ausschließlich in die Bereiche, die künstlich beleuchtet werden müs-
sen
In empfindlichen Bereichen sind grundsätzlich nur solche Lichtquellen zu verwenden, deren
Abstrahlung nach oben und in etwa horizontaler Richtung durch Abschirmung weitgehend
verhindert wird. Die Abstrahlung ist möglichst auf einen Winkel kleiner als 70° zur Vertikalen
zu beschränken. Müssen größere Abstrahlwinkel verwendet werden, ist eine Begrenzung der
Lichtstärke zu empfehlen (Ausnahme: Anlagen zur Anstrahlung von Gebäuden u. Ä.). Bei
der Planung von Anlagen zur Anstrahlung von Gebäuden sind die Aspekte des Tierschutzes
zu berücksichtigen. Zur Umsetzung dieses Schutzziels gibt es Leuchten sowohl für die Be-
leuchtung von Straßen, Wegen oder für ähnliche Zwecke als auch für große Flächen. Für die
Beleuchtung häufig benutzter großer Flächen wie z. B. Lager- oder Trainingsplätze sollten
nur Scheinwerfer mit asymmetrischer Lichtverteilung verwendet werden, die oberhalb von
80° Ausstrahlungswinkel (zur Vertikalen) kein Licht abgeben, z. B. Strahler mit horizontaler
Lichtaustrittsfläche. Leuchten, die nur in den für die Beleuchtungszwecke benötigten Rich-
tungen abstrahlen, haben auch einen wesentlich höheren Wirkungsgrad und sind daher auf
Dauer ökonomischer. Frei nach (fast) allen Richtungen abstrahlende Leuchten - wie viele
sogenannte "dekorative" Leuchten - sollten in empfindlichen Bereichen nicht eingesetzt wer-
den.
3. Wahl von Lichtquellen mit für Insekten wirkungsarmem Spektrum
Am wenigsten beeinflusst wird das Verhalten von Nachtinsekten durch das monochromati-
sche Licht der Natriumdampf-Niederdrucklampe. Bei für den Menschen gleichem Helligkeits-
niveau liegt die Wirkung auf Insekten für diese Lampen nur bei 1 % bis 2,5 % derjenigen von
Quecksilberdampflampen. Im rein gelben Licht dieser Lampe ist jedoch keine Farberkennung
möglich. Daher wird sie nur dort eingesetzt, wo es nicht besonders auf Farbwahrnehmung
ankommt. Derzeit wird die Natriumdampf-Niederdrucklampe vor allem im Industrie- und Ge-
werbebereich eingesetzt, da sie momentan die wirtschaftlichste Lösung darstellt und bei
feuchter Luft und Nebel das beste Kontrastsehen ermöglicht.
Die Natriumdampf-Hochdrucklampen dagegen haben für den Menschen eine für die meisten
Fälle befriedigende Farbwiedergabe, während die Wirkung auf Insekten erst im Bereich von
10 % bis 25 % der von Quecksilberdampflampen liegt.

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Natriumdampflampen haben darüber hinaus eine höhere Lichtausbeute und Lebensdauer
als Quecksilberdampflampen und sind größtenteils auch gegen diese austauschbar. In na-
turnahen Bereichen sollten daher künftig nur noch Natriumdampflampen eingesetzt werden,
in freier Natur wenn irgend vertretbar Natriumdampf-Niederdrucklampen.
Quecksilber- und Halogen-Dampflampen locken im Vergleich zu anderen Leuchtmitteln we-
sentlich mehr Insekten an und können daher nur für dicht bebaute Innenstädte, abseits von
Wäldern, Parks, Friedhöfen und Gewässern, empfohlen werden. Sollte weißes Licht erfor-
derlich sein, sind, nach Möglichkeit LED-Leuchten mit warm- und neutralweißer Lichtfarbe zu
verwenden, um den Insektenanflug zu vermindern.
4. Verwendung von vollständig geschlossenen staubdichten Leuchten
Dadurch lässt sich vermeiden, dass die Insekten in die Leuchte gelangen und dort an der
heißen Lampe verbrennen oder eingesperrt verhungern.
5. Begrenzung der Betriebsdauer auf die notwendige Zeit
Anlagen für künstliche Beleuchtung sollten nur solange wie notwendig betrieben werden.
Dies gilt insbesondere auch für die Anstrahlung von Gebäuden, wo eine Begrenzung der
Lichtabstrahlung in den unteren Halbraum nicht möglich und daher eine erhebliche Fern-
wirkung der Lichtquellen unvermeidlich ist. Diese sollten in den späteren Nachtstunden, wäh-
rend deren die gewünschte Wirksamkeit wegen des fehlenden Publikums ohnedies gering
ist, abgeschaltet werden. Dies gilt auch für Beleuchtungsanlagen für Werbezwecke.
Für Beleuchtungsanlagen, die während der ganzen Nacht in Betrieb sein müssen, ist zu prü-
fen, ob für die späteren Nachtstunden eine Reduzierung des Niveaus möglich ist.
Maßnahmen zum Schutz von Vögeln
Die im vorhergehenden Abschnitt zum Schutz von Insekten in 1., 2. und 5. genannten Maß-
nahmen sind auch geeignet, um mögliche ungünstige Einflüsse künstlicher Beleuchtung auf
Vögel zu vermeiden oder zu minimieren. Außerdem:
1. Vermeidung der Beleuchtung von Schlaf- und Brutplätzen
2. Schwache Beleuchtung von Strukturen (z. B. an Leucht- oder Funktürmen), damit diese
zur Vermeidung von Kollisionen für Vögel sichtbar werden.
3. Vermeidung der Beleuchtung von Hochhäusern sowie von Gebäuden mit Glasfronten
4. Abschaltung von Skybeamern zu Zeiten des Vogelzuges (15. Februar bis 31. Mai und
1. August bis 30. November)

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Anhang 2 – Stand 3.11.2015
Empfehlungen zur Ermittlung, Beurteilung und Minderung der Blendwirkung von groß-
flächigen Freiflächen-Photovoltaikanlagen im Rahmen von Baugenehmigungsverfah-
ren
1. Einleitung
Baugenehmigungspflichtige Freiflächen-Photovoltaikanlagen werden meist auf z. T. mehre-
ren Hektar großen Flächen errichtet. Sie bestehen im Regelfall aus einzelnen Photovoltaik-
modulen. Sonnenlicht wird von der glatten Oberfläche der Module nicht nur absorbiert, son-
dern auch zu einem Teil reflektiert. Dadurch treten in der Nachbarschaft zum Teil Einwirkun-
gen mit hoher Leuchtdichte auf, die mit >10
5
cd/m² eine Absolutblendung bei den Betroffe-
nen auslösen können. Diese Form der physiologischen Blendung kann im Extremfall zur
vollständigen Reduzierung des Sehvermögens im gesamten Blickfeld führen. Reflexionen
von
Photovoltaikanlagen
stellen
Immissionen
im
Sinne
des
Bundes-
Immissionsschutzgesetzes (§ 3 Abs. 2 BImSchG) dar.
Wenn diese Immissionen über einen längeren Zeitraum an der schützenswerten Nachbar-
schaft auftreten, werden Abhilfemaßnahmen für erforderlich gehalten.
Wirkungsuntersuchungen oder Beurteilungsvorschriften zu diesen Immissionen sind bisher
nicht vorhanden. Die Absolutblendung in ihrer Auswirkung auf die Nachbarschaft kann wie
der periodische Schattenwurf von Windenergieanlagen betrachtet werden. Schwellenwerte
für eine zulässige Einwirkdauer werden entsprechend [7] festgesetzt. Die Empfehlungen gel-
ten zunächst für großflächige genehmigungspflichtige Photovoltaikanlagen im Rahmen von
Baugenehmigungsverfahren. Die Baugenehmigungspflichtigkeit von Photovoltaikanlagen
richtet sich nach dem jeweiligen Landesbauordnungsrecht. Von kleineren Photovoltaikanla-
gen wie sie häufig auf Ein- und Mehrfamilienhäusern, kleinen oder mittleren Gewerbeimmo-
bilien oder landwirtschaftlichen Gebäuden installiert sind, werden diese Schwellenwerte in al-
ler Regel nicht erreicht. Soweit von Photovoltaikanlagen, die keiner baurechtlichen Geneh-
migungspflicht unterliegen, im Ausnahmefall ebenfalls Lichtimmissionen ausgehen, die als
schädliche Umwelteinwirkungen nach § 3 Abs. 1 BImSchG zu qualifizieren sind, gelten in
diesem Fall die Bestimmungen dieser Hinweise entsprechend.
Der genannte Wertungsmaßstab kann allenfalls ein erster Anhaltspunkt für die Beurteilung
von Blendungen sein. Im Einzelfall muss dann aber begründet werden, warum eine Über-
tragbarkeit gegeben, bzw. aufgrund welcher Überlegungen eine ggf. abweichende Bewer-
tung erfolgt ist.
2. Blendwirkung
2.1 Allgemeines
Die Sonne erreicht Leuchtdichten von bis zu 1,5.10
9
cd/m
2
. Selbst bei niedrigen Sonnen-
ständen über dem Horizont treten noch Leuchtdichten um 0,3.10
9
cd/m
2
auf. Bei etwa
10
5
cd/m
2
tritt Absolutblendung ein. Das bedeutet, dass ein Photovoltaikmodul dann zu einer
Absolutblendung führt, wenn auch nur ein Bruchteil des einfallenden Sonnenlichts (weniger
als 1 %) zu einem Immissionsort (Wohngebäude) hin reflektiert wird.
2.2 Einflussgrößen
Wesentliche Parameter, die die Blendwirkung auf einen Immissionsort beeinflussen:
Physikalische Größen:
Leuchtdichte L
S
der Lichtquelle [cd/m²]
Sonne am Horizont
6 ∙ 10
6
cd/m²
Mittagssonne
1,5 10
9
cd/m²
(Leuchtdichte der Sonne ist abhängig vom Sonnenstand)

image
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Umgebungsleuchtdichte L
U
[cd/m²]
Umgebungsleuchtdichte
10
2
bis 10
3
cd/m²
Raumwinkel Ω
S
der Licht- oder der Reflexionsquelle [sr]
Raumwinkel der Sonne
6,8 ∙ 10
-5
sr
Raumwinkel eines Moduls
3,4 10
-4
sr
(bei 100 m Abstand und 30 ° Neigung)
Geometrische Parameter:
direkte Sichtverbindung zur Photovoltaikanlage
Ausrichtung und Größe der Photovoltaikanlage
relative Lage des Immissionsortes zur Photovoltaikanlage
geographische Lage des Immissionsortes
Zeitliche Größen:
Zeitpunkt (Jahres- und Tageszeit)
Dauer
Häufigkeit der Blendsituation
Sonstige:
Reflexionseigenschaften der Moduloberflächen (Material)
2.3 Sonnenstand im Jahresverlauf
Im folgenden Diagramm wird der Verlauf des Sonnenstands über ein ganzes Jahr für einen
Standort in Augsburg gezeigt.
Abb. 1
Sonnenstandsdiagramm
für Augsburg, jeweils für
den 21. Tag eines Mo-
nats gezeigt.
Höhenwinkel in Grad °
(0° = Horizont)

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LAI - Hinweise zur Messung, Beurteilung und Minderung von Lichtimmissionen
Stand 08.10.2012
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Der höchste Sonnenstand variiert nach Jahreszeit und Breitengrad des Standorts. Für Augs-
burg liegt er zwischen 18° zur Wintersonnenwende und 65° zur Sommersonnenwende. Ab-
bildung 1 zeigt den Lauf der Sonne am jeweils 21. Tag eines Monats (Kurven) in Augsburg.
Verbindet man die Punkte gleicher Uhrzeit an jedem Tag des Jahres miteinander, so erge-
ben sich die eingezeichneten „Schleifen“, Analemmata genannt (Uhrzeit: Central European
Time (CET)).
3. Maßgebliche Immissionsorte und –situationen
Maßgebliche Immissionsorte sind
a) schutzwürdige Räume, die als
Wohnräume,
Schlafräume, einschließlich Übernachtungsräume in Beherbergungsstätten
und Bettenräume in Krankenhäusern und Sanatorien
Unterrichtsräume in Schulen, Hochschulen und ähnlichen Einrichtungen
Büroräume, Praxisräume, Arbeitsräume, Schulungsräume und ähnliche Ar-
beitsräume genutzt werden
An Gebäuden anschließende Außenflächen (z. B. Terrassen und Balkone) sind schutzwürdi-
gen Räumen tagsüber zwischen 6:00 – 22:00 Uhr gleichgestellt.
b) unbebaute Flächen in einer Bezugshöhe von 2 m über Grund an dem am stärksten be-
troffenen Rand der Flächen, auf denen nach Bau- oder Planungsrecht Gebäude mit schutz-
würdigen Räumen zugelassen sind
Ob es an einem Immissionsort im Jahresverlauf überhaupt zur Blendung kommt, hängt von
der Lage des Immissionsorts relativ zur Photovoltaikanlage ab. Dadurch lassen sich viele
Immissionsorte ohne genauere Prüfung (wie in den Abbildungen 2 bis 4 dargestellt) schon im
Vorfeld ausklammern:
Abb. 2: Der Immissionsort liegt wei-
ter als ca. 100 m von der
Photovoltaikanlage
ent-
fernt.
Abb. 3: Der Immissionsort befindet
sich nördlich der Photovol-
taikanlage.
Abb. 4: Der Immissionsort befindet
sich südlich der Photovolta-
ikanlage.
Immissionsorte, die sich weiter als ca. 100 m von einer Photovoltaikanlage entfernt be-
finden (Abbildung 2), erfahren erfahrungsgemäß nur kurzzeitige Blendwirkungen. Le-
diglich bei ausgedehnten Photovoltaikparks könnten auch weiter entfernte Immission-
sorte noch relevant sein.
Immissionsorte, die vornehmlich nördlich von einer Photovoltaikanlage gelegen sind
(Abbildung 3), sind meist ebenfalls unproblematisch. Eine genauere Betrachtung ist im
Wesentlichen nur dann erforderlich, wenn der Immissionsort vergleichsweise hoch liegt

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(z. B. bei Hochhäusern) und/oder die Photovoltaikmodule besonders flach angeordnet
sind.
Immissionsorte, die vorwiegend südlich von einer Photovoltaikanlage gelegen sind
(Abbildung 4), brauchen nur bei Photovoltaik-Fassaden (senkrecht angeordnete Pho-
tovoltaikmodule) berücksichtigt zu werden.
Hinsichtlich einer möglichen Blendung kritisch sind Immissionsorte, die vorwiegend westlich
oder östlich einer Photovoltaikanlage liegen und nicht weiter als ca. 100 m von dieser ent-
fernt sind (Abbildung 5). Hier kann es im Jahresverlauf zu ausgedehnten Immissionszeiträu-
men kommen, die als erhebliche Belästigung der Nachbarschaft aufgefasst werden können.
Abb. 5:
Kritische Immissionsor-
te liegen meist westlich
oder östlich einer Pho-
tovoltaikanlage
und
weniger als ca. 100 m
von dieser entfernt.
4. Beurteilung der Blendung vorzugsweise im Rahmen der Planung von Photovoltaik-
anlagen
Zur Ermittlung der Immissionen (Blendzeiträume) wird von idealisierten Annahmen ausge-
gangen:
Die Sonne ist punktförmig.
Das Modul ist ideal verspiegelt, d. h. es kann das Reflexionsgesetz „Einfallswinkel
gleich Ausfallswinkel“ angewendet werden.
Die Sonne scheint von Aufgang bis Untergang, d. h. die Berechnung liefert die astro-
nomisch maximal möglichen Immissionszeiträume.
Die relevanten Photovoltaikmodule und Immissionsorte werden in einem gemeinsamen Ko-
ordinatensystem modelliert. Davon ausgehend wird mit dem zuvor beschriebenen Verfahren
ermittelt, zu welchen Zeiten eine Blendung (astronomisch) möglich ist.
Bei streifendem Einfall der Sonne auf ein Photovoltaikmodul dominiert der direkte Blick in die
Sonne die Blendwirkung. Erst ab einem Differenzwinkel von ca. 10° kommt es zu einer zu-
sätzlichen Blendung durch das Modul. In den Immissionszeiten sollten deshalb nur solche
Konstellationen berücksichtigt werden, in denen sich die Blickrichtungen zur Sonne und auf
das Modul um mindestens 10° unterscheiden.
In Anlehnung an [7] kann eine erhebliche Belästigung im Sinne des BImSchG durch die ma-
ximal mögliche astronomische Blenddauer unter Berücksichtigung aller umliegenden Photo-
voltaikanlagen vorliegen, wenn diese mindestens 30 Minuten am Tag oder 30 Stunden pro
Kalenderjahr beträgt. Wird danach im Einzelfall eine erhebliche Belästigung durch die Blen-
dung festgestellt, werden nachfolgende Minderungsmaßnahmen vorgeschlagen.

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5. Mögliche Maßnahmen zur Verminderung und Vermeidung von Blendwirkungen
Unterbindung der Sicht auf das Photovoltaikmodul in Form von Wällen oder blickdich-
tem Bewuchs in Höhe der Moduloberkante
Optimierung von Modulaufstellung bzw. –ausrichtung oder –neigung
Einsatz von Modulen mit geringem Reflexionsgrad
Bei der Maßnahmenplanung gibt es kein allgemein gültiges Vorgehen. Art und Umfang ge-
eigneter Maßnahmen hängen immer von der konkreten Standortsituation vor Ort ab. In je-
dem Fall ist eine sorgsame Planung im Vorfeld sinnvoll, da Maßnahmen im Nachhinein - bei-
spielweise die Veränderung des Neigungswinkels oder die Installation einer Abschirmung -
kostenaufwändig sind.

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Literaturübersicht
[1]
BImSchG
Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen
durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen
und ähnliche Vorgänge
(Bundes-Immissionsschutzgesetz - BImSchG) vom
15. März 1974 (BGBl. I, S. 721, 1193) in der Fassung der
Bekanntmachung vom 26. September 2002 (BGBl. I S.
3830), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom
21. Juli 2011 (BGBl. I S. 1475)
[2]
BauNVO
Baunutzungsverordnung in der Fassung der Bekanntma-
chung vom 23. Januar 1990 (BGBl. I S. 133), zuletzt geän-
dert durch Artikel 3 des Gesetzes vom 22. April 1993
(BGBl. I S. 466)
[3]
DIN 5032, Teil 7
Lichtmessung; Klasseneinteilung von Beleuchtungsstärke-
und Leuchtdichtemessgeräten, Dezember 1985, Beuth Ver-
lag GmbH, Berlin
[4]
Herausgeber: Deutsche
Lichttechnische Gesell-
schaft e. V. Berlin
Messung und Beurteilung von Lichtimmissionen künstlicher
Lichtquellen, LiTG-Publ. Nr. 12, 3. überarbeitete Auflage
(2011), ISBN 978-3-927787-35-3
[5]
Studie zur Anziehung nachtaktiver Insekten an die Stra-
ßenbeleuchtung unter Einbeziehung von LEDs, Gerhard
Eisenbeis und Klaus Eick, Natur und Landschaft, Heft 7,
2011
[6]
[7]
Länderausschuss für
Immissionsschutz
Flackernde Lichtspiele am nächtlichen Himmel, Christof
Herrmann, Hermann Baier und Thomas Bosecke, Natur-
schutz und Landschaftsplanung 38, (4), 2006
Hinweise zur Ermittlung und Beurteilung der optischen Im-
missionen von Windenergieanlagen (WEA-Schattenwurf-
Hinweise), verabschiedet auf der 103. Sitzung, Mai 2002

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Verwendete Abkürzungen
E
Beleuchtungsstärke, gemessen in lx
E
F
mittlere Beleuchtungsstärke am Immissionsort, normalerweise in der Fenster-
ebene, bei Terrassen und Balkonen in der Ebene vertikaler Bezugsflächen
F
Brennweite eines Fotoobjektivs in mm
F
Neg
Fläche des Bildes einer Lichtquelle auf einem fotografischen Negativ oder Dia
in mm²
F
P
Projektion der Lichtaustrittsfläche der Leuchte auf eine Ebene senkrecht zur
Verbindungsgeraden Immissionsort-Leuchte in m²
R
Direkter Abstand zwischen Lichtquelle und Immissionsort in m
F
i
Lichtaustrittsfläche der Leuchte in m²
K
Immissonsrichtwert für die physiologische Blendung, abhängig von der Ge-
bietseinstufung und Beurteilungszeit
k
S
Blendmaß zur Festlegung der Immissionsrichtwerte für die maximal tolerable
Blendung einer Blendlichtquelle bzw. zur unmittelbaren Beschreibung der Güte
der Blendungsbegrenzung
L
Leuchtdichte, gemessen in cd/m²
L
s
Mittlere Leuchtdichte der zu beurteilenden Blendlichtquelle
L
U, mess
Mittlere Leuchtdichte des (± 10°)-Umfeldes der zu beurteilenden Blendlicht-
quelle
L
U
Messgebende Leuchtdichte der Umgebung der Blendlichtquelle
L
max
Maximal tolerable mittlere Leuchtdichte einer Blendlichtquelle
L
M
Mittlere Leuchtdichte im Messfeld eines Leuchtdichtemessers
I
Lichtstärke in cd
Mf
Minderungsfaktor des Blendmaßes
Raumwinkel, unter dem eine (leuchtende) Fläche erscheint, gemessen in sr
= F
P
/R
2
(F
P
= Flächenprojektion; R = Abstand zur Fläche)
= 2
(1-cos /2) für Kreiskegel mit Öffnungswinkel
S
Raumwinkel, unter dem die zu beurteilende Blendlichtquelle erscheint
U
Raumwinkel des Umfeldes;
u
= 0,095 sr für u = 20°
M
Raumwinkel zum Messfeld eines Leuchtdichtemessers,
z. B.
M
= 0,000239 sr für
= 1°

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Störfläche
Gesamter Raumwinkelanteil von Sichthindernissen auf einer zu beurteilenden
Beleuchtungsanlage, wie z. B. Bewuchs, aus Sicht vom Immissionsort; es gilt:
Störfläche
<
S
Voller Öffnungswinkel eines Kreiskegels, gemessen in Grad
U
Voller Öffnungswinkel des kreisförmigen Umfeldes um die zu
beurteilende Blendlichtquelle,
Festlegung
U
= 20°
Winkel zwischen der Senkrechten auf der Lichtaustrittsfläche der Leuchte
und der Verbindungsgeraden Immissionsort-Leuchte
V,
H
z
, h
1
, h
2
, V
1
, V
2
Winkeldifferenzen bei Messung mit Theodolit, siehe Abb. 1