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Abteilung Gartenbau
Söbrigener Str. 3a, 01326 Dresden
Internet:
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Bearbeiter:
Dr. Gerald Lattauschke, Dr. Hermann Laber, Christine Kruschwitz,
Sonja Brenner
E-Mail:
gerald.lattauschke@smul.sachsen.de
Tel.:
0351 2612-8100; Fax: 0351 2612-8299
Redaktionsschluss:
21.11.2011
Versuchsergebnisse 2011
Industriegemüse
Inhaltsverzeichnis
Markerbsen
Sortiment mittelfeiner Markerbsen der frühen/mittelfrühen Reifegruppe
Sortiment mittelfeiner Markerbsen der mittelspäten/späten Reifegruppe
Sortiment grober Markerbsen der frühen/mittelfrühen Reifegruppe
Sortiment grober Markerbsen der mittelspäten/späten Reifegruppe
Saatgutbehandlung mit Cruiser bei Markerbsen
Abreife- und Ertragsverlauf bei Markerbsen; Zusammenhang zwischen Tenderometerwert und AIS-
Wert
Bewässerung bei Markerbsen
Buschbohnen
Sortiment feiner Buschbohnen
Sortiment mittelfeiner Buschbohnen
Spinat
Sortiment früher und mittelfrüher Spinatsorten im Frühanbau
Sortiment mittelspäter und später Spinatsorten im Frühanbau
Sortiment früher und mittelfrüher Spinatsorten im Herbstanbau
Sortiment mittelspäter und später Spinatsorten im Herbstanbau
Sortiment von Spinat im Winteranbau
Schwefeldüngung bei Winterspinat

Konstanz im Sortiment mittelfeiner,
mittelfrüher Markerbsen
Mittelfeine Markerbsen
Sorte, frühe/mittelfrühe
Reifegruppe
Zusammenfassung
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden am Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz in der frühen bzw. mittelfrühen Reifegruppe 7
Sorten der mittelfeinen Sortierung geprüft. Im frühen Bereich gibt es derzeit zu ’Cresendo’
keine Alternative. Bei den mittelfrühen Sorten behaupteten sich die bereits mehrfach be-
währten Sorten ’Heidi’ und ’Cabaret’ auch in diesem Versuchsjahr.
Versuchsfrage und -hintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Ne-
ben groben Markerbsen haben derzeit mittelfeine Sortimente die größte Bedeutung im An-
baugebiet. Das aktuelle Sortiment sowie Neuzüchtungen galt es auf seine Anbaueignung für
die hiesigen Bedingungen zu prüfen. Die frühe und mittelfrühe Reifegruppe werden in der
Region entsprechend den Anbaustaffelungen der mitteldeutschen Verarbeiter Ende März/
Anfang April ausgesät.
Kulturdaten:
Saattermin:
22.03.2011
Erntetermin:
07.06. bis 13.06.2011
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Fruchtfolge:
Spinat (2009), Getreide (2010)
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
80 kg N/ha
Bewässerung.
keine
Aussaatdichte:
frühe Sorten:
1,1 Mio. keimfähige Körner/ha
mittelfrühe Sorten: 1,0 Mio. keimfähige Körner/ha
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer Sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich
an einer Stichprobe vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 2 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit
kaltem Wasser abgeschreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Abteilung Gartenbau
Bearbeiter: Gerald Lattauschke
2 0 1 1

Ergebnisse:
-
Das Frühjahr 2011 war durch ausgezeichnete Aussaatbedingungen Ende März ge-
prägt, wodurch sich sehr gute Bestände etablieren ließen. Der April und Mai waren
insgesamt deutlich zu warm und zu trocken, sodass bereits in der ersten Junidekade
mit der Ernte begonnen wurde. Während der Ernteperiode im Juni hielt das über-
durchschnittlich warme und trockene Wetter an. Zusatzwassergaben waren jedoch
nicht erforderlich, da die Bestände durch gelegentliche, ergiebige Gewitterregen aus-
reichend mit Wasser versorgt waren.
-
Die frühen und mittelfrühen Erbsen verzeichneten keine Ertragsausfälle durch Krank-
heiten oder Schädlinge. Bei dem oben skizzierten Witterungsverlauf traten keine Blatt-
krankheiten im Bestand auf. Das vermehrte Blattlausauftreten im Mai ließ sich durch
zwei Blattlausbehandlungen gut kontrollieren, sodass auch das Auftreten von Virosen
zu vernachlässigen war.
-
Das Ziel, alle Sorten im Bereich von 115 bis 125 TW zu ernten, wurde in diesem Jahr
überwiegend gut erreicht. Lediglich bei der Nummernsorte ’WAV 4616’ wurde der op-
timale Erntetermin erheblich verfehlt. Eine Ursache für die Abweichungen im TW vom
Zielwert sind u.a. die teils erheblichen Differenzen im TW zwischen den einzelnen
Wiederholungen bzw. zur Kontrollparzelle am Rand des Versuches. Zur besseren
Vergleichbarkeit der Sorten untereinander wurden die Erträge der Sorten nach
EVERAARTS & SUKKEL (2000) und LABER (2007) wieder auf einen Vergleichsertrag bei
einem TW von 120 berechnet (Tab. 2).
Mittelfeine frühe Sorten
-
Im frühen Bereich stand mit ’Crescendo’ nur noch eine mittelfeine Erbse zur Prüfung
an. Die Sorte verfügt über gutes Resistenzpaket: Fusarium (F
1
), Falscher Mehltau
(DM
IR
) und BYMV.
-
Bei sommerlichen Witterungsbedingungen reifte die Sorte zeitgleich mit ’Spring’
(A+0).
-
Obwohl die Bestände nur eine durchschnittliche Pflanzenlänge aufwiesen, war die
Standfestigkeit eher mäßig. Neben heftigen Gewitterregen spielte hier der anhaltend
starke Wind eine entscheidende Rolle.
-
Die Anzahl fertiler Nodien lag mit 3,7/ Pflanze unter den Werten der letzten Jahre. Der
geringere Wert steht ursächlich mit dem schnellen Abreifen der Erbsen infolge der
anhaltenden Wärme ab Anfang Juni in Zusammenhang.
-
Der Ertrag von 0,7 kg/m² ist als gut einzustufen. Damit manifestierte die Sorte ihre
stabilen und im Wesentlichen witterungsunabhängigen Ertragsleistungen der letzten
Jahre.
-
In der Grünkornsortierung erfüllte ’Cresendo’ mit einem Mittel von 2,7 die Anforderun-
gen an eine mittelfeine Sorte.
-
Die Qualitätsmerkmale Grünkornfarbe und Einheitlichkeit der Grünkornsortierung vor
und nach dem Blanchieren waren sehr gut.
Fazit
-
’Cresendo’ hat sich als qualitativ hochwertige und ertragsstabile Sorte im frühen mit-
telfeinen Segment etabliert. Der verhältnismäßig geringe Bedarf an Erbsen in dieser
Sortierung und Reifegruppe kann durch die Sorte in vollem Umfang abgedeckt wer-
den.

Mittelfeine mittelfrühe Sorten
-
Das Sortiment mittelfeiner, mittelfrüher Sorten setzte sich aus den bekannten Sorten
’Heidi’, ’Rumble’ und ’Cabaret’ sowie 3 Neuzüchtungen zusammen. Alle Sorten sind
normalblättrig. Bis auf die Erstgenannte verfügen alle Sorten neben der Fusarium-
Resistenz entweder über Resistenz gegen Echten Mehltau (PM) oder intermediäre
Resistenz gegen Falschen Mehltau (DM
IR
).
-
In der Entwicklungszeit lagen die Sorten ca. 2 Tage vor den Angaben der Züchter, er-
füllten insgesamt aber noch die Anforderungen an mittelfrühe Sorten. Da ’ASL 1383’
mit einem TW von 103 einen Tag zu früh und ’WAV 4616’ 2 Tage zu spät geerntet
wurden (Gründe: s. Präambel), wurden die Reifetage in Tab.1 nachträglich korrigiert.
-
Die Standfestigkeit war sehr unterschiedlich zu bewerten. Während die meisten Sor-
ten infolge der Witterungsabläufe zum Lager neigten, präsentierten ’Amalfi’ und
’WAV 4616’ eine sehr gute Standfestigkeit.
-
Die Anzahl fertiler Nodien pro Pflanze bewege sich mit durchschnittlich 3,8/ Pflanze
auf einem, für die Reifegruppe normalem Niveau. Während ’ASL 1383’ und ’Cabaret’
mit weniger als 3 fertile Nodien/Pflanze den Mittelwert deutlich verfehlten, verzeichne-
te ’WAV 4616’ mit 5,7 fertilen Nodien/Pflanze den Spitzenwert. Die Sorte lag auch mit
durchschnittlich 2,1 Hülse/Nodium vor den Mitbewerbern.
-
Das Ertragniveau mit rund 1 kg/m² war sehr hoch und relativ ausgeglichen. Lediglich
’Rumble’ verfehlte den Durchschnittsertrag recht deutlich.
-
Hinsichtlich der Grünkornsortierung ist festzustellen, dass ’Amalfi’ mit einem Mittelwert
von 2,0 nicht zu den mittelfeinen Erbsen zu rechnen ist. Die Sorte zählte mit einem
Anteil von 69 % kleiner 8,2 mm eindeutig zu den feinen Erbsen. Der überhöhte Wert
(3,7) bei ’WAV 4616’ ist dagegen der verspäteten Ernte zuzuschreiben, die letztlich zu
einer größeren Sortierung führte (67 % größer 9,3 mm). Die übrigen Sorten, mit einem
Mittelwert von 2,9 bis 3,1, sind als typische mittelfeine Erbsen anzusprechen.
-
Hinsichtlich der Grünkornfarbe und der Einheitlichkeit der Grünkornfarbe fielen vor al-
lem ’ASL 1383’ und ’Rumble’ negativ auf. Während ’ASL 1383’ sowohl vor als auch
nach dem Blanchieren Defizite in der Einheitlichkeit der Grünkornfarbe erkennen ließ,
waren die Körner von ’Rumble’ zu hell und zu unausgeglichen. Alle übrigen Sorten
konnten dagegen mit sehr guten Boniturnoten aufwarten.
Fazit
-
Mit ’Heidi’ und ’Cabaret’ konnten zwei bewährte Sorten in der mittelfeinen, mittelfrü-
hen Reifegruppe ihre führende Position erneut verteidigen. Das Ertragsniveau bei
’Rumble’ lag zum wiederholten Mal hinter dem der Spitzensorten. Bei ’ASL 1383’ führ-
ten Qualitätsprobleme am Grünkorn zur teilweisen Abwertung der Sorte. Während bei
’WAV 4616’ wegen der verspäteten Ernte eine abschließende Bewertung nicht mög-
lich ist und die Sorte schon wegen der guten Ertragsleistungen weiter verfolgt werden
sollte, muss ’Amalfi’ den feinen Erbsen zugeordnet werden. Die Sorte konnte aller-
dings durch eine gute Qualität und ein sehr hohes Ertragsniveau überzeugen.
-

Tab. 1:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2-9,3 mm); frühe und mittelfrühe Sorten
Ernte-
termin
Entwick-
lungs-
zeit
Temp.-
summe
Basis
Temp.-
summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigkeit
Bestandes-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Nodien
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[cm]
[cm]
[1-9]
Cresendo
SVS
F1, DM
IR,
BYMV
+2
0
07.06.
76
685
882
N
90
14.05.
4
27
59
9,1
3,7
1,8
7,3
8
7,7
Amalfi
S&G
DM
IR
+6
+6
13.06.
82
770
983
N
99
19.05.
8
53
55
12,5
3,9
1,7
7,3
8
7,7
ASL 1383
ASL
F1, PM
+7
+4*
11.06.
79
742
949
N
102
17.05.
5
33
64
12,0
2,6
1,8
4,8
8
7,1
Cabaret
Agis
F1, F2, DM
IR
+8
+6
13.06.
82
770
983
N
85
22.05.
5
37
64
12,8
2,8
1,4
4,8
9
8,8
Heidi
WAV
F1
+6
+4
11.06.
80
742
949
N
115
21.05.
4
31
65
12,4
3,8
1,7
7,0
7
8,0
Rumble
S&G
F1, DM
IR
+6
+4
11.06.
80
742
949
N
102
17.05.
5
35
66
9,5
3,0
1,6
4,6
7
6,3
WAV 4616
WAV
F1, DM
IR
+7
+6*
15.06.*
84
770
983
N
85
20.05.
7
60
72
12,6
5,7
2,1
12,8
9
7,5
Mittelwert
41
67
11,8
3,8
1,7
7,3
7,7
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform
krumm
gerade
Anzahl
Körner/
Hülse
Reifetage
Züchter-
angabe
[Spring +]
Reifetage
Pillnitz
2011
[Spring +]
* Reifetage / Erntetermin korrigiert wegen zu hohem bzw. zu niedrigem TW bei der Ernte
mittelfrühe Reifegruppe
Blatt-
form
Blüh-
beginn
Sorte
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
frühe Reifegruppe
Nodium
mit
1. Blüte
Hülsen/
Nodium
Tab. 2:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2-9,3 mm); frühe und mittelfrühe Sorten
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag bei
Grünkornfarbe
Einheitl.d.
Grünkornfarbe
Einheitl.d.
meter-
TW 120
vor dem
Grünkorn-
nach dem
Grünkorn-
wert
(berechnet)
Blanchieren
farbe vor
Blanchieren
farbe nach
(TW)
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
Blanchieren
Blanchieren
Cresendo
116
0,72
0,74
25
20
28
27
0
2,6
9
20
61
10
0
2,7
7
7
8
8
Amalfi
134
1,02
0,95
5
47
30
15
3
2,6
31
38
29
3
0
2,0
8
8
9
8
ASL 1383
103
0,97
1,13
0
49
49
10
2
3,0
5
20
57
18
1
2,9
7
3
8
6
Cabaret*
120
1,11
1,11
7
35
5
5
14
52
26
3
3,1
7
8
9
9
Heidi
107
0,93
1,04
6
20
36
30
8
3,1
7
14
58
22
0
2,9
9
8
9
8
Rumble
122
0,83
0,83
5
25
15
5
13
54
24
3
3,1
5
5
9
6
WAV 4616
161
1,13
1,03
10
20
34
36
0
3,0
1
2
30
56
11
3,7
7
5
9
9
GD 5%
0,08
0,09
* Klassifikation Grünkornsortierung nach englischer Nomenklatur
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
frühe Reifegruppe
mittelfrühe Reifegruppe
Zeichenerklärung:
53
55
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Züchterangaben [%]
Züchter
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2011 [%]
Züchter

Kontinuität auf hohem Niveau bei mittelfeinen mit-
telspäten und späten Markerbsen
Mittelfeine Markerbsen
Sorte, mittelspäte/späte
Reifegruppe
Zusammenfassung
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden im Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz in der mittelfeinen Sortierung 6 Sorten in der mit-
telspäten und späten Reifegruppe geprüft. In beiden Reifgruppen steht bei den mittelfeinen
Erbsen nur ein kleines, aber hochwertiges Sortiment zur Verfügung. Die meisten der geprüf-
ten Sorten konnten zum wiederholten Mal ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.
Versuchsfrage und -hintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Mittel-
feine Markerbsen werden auch im mittelspäten bis späten Segment zur Sortimentskomplet-
tierung benötigt. Das aktuelle Sortiment sowie Neuzüchtungen galt es auf ihre Anbaueignung
unter den hiesigen Bedingungen zu prüfen. Die mittelspäte und späte Reifegruppe wird in
der Region entsprechend der Anbaustaffelung der mitteldeutschen Verarbeiter vorwiegend
Mitte April bis Anfang Mai gedrillt.
Kulturdaten:
Saattermin:
11.04.2011
Erntetermin:
21. bis 29.06. 2011
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Fruchtfolge:
Hafer (2008), Spinat (2009), Zwiebeln (2010)
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
100 kg N/ha (N
min
(0-60 cm): 10 kg N/ha)
Bewässerung:
15 mm (14.06.2011)
Aussaatdichte:
0,9 Mio. Korn/ha
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer Sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich
an einer Stichprobe vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 2 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit
kaltem Wasser abgeschreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Abteilung Gartenbau
Bearbeiter: Gerald Lattauschke
2 0 1 1

Ergebnisse:
-
Die Aussaat konnte im April bei sehr guten Wetterbedingungen durchgeführt werden.
Der weitere Witterungsverlauf im April und Mai war 2011 zu trocken und zu warm.
Auch in der Reifephase herrschte überwiegend warmes Sommerwetter mit gelegentli-
chen Niederschlägen vor.
-
Die mittelspäten und späten Erbsen verzeichneten keine Ertragsausfälle durch Krank-
heiten oder Schädlinge. Bei dem beschriebenen Witterungsverlauf konnte auf Fungi-
zidbehandlungen vollständig verzichtet werden. Falscher und Echter Mehltau traten
praktisch nicht auf. Der Befallsdruck durch Blattläuse war gering und konnte gut kon-
trolliert werden. Das Auftreten von Virosen war in den späten Erbsen nicht ertrags-
wirksam und zu vernachlässigen.
-
Das Ziel, alle Sorten im Bereich von 115 bis 125 TW zu ernten, wurde überwiegend
erreicht. Zur besseren Vergleichbarkeit untereinander wurden die Erträge der Sorten
nach EVERAARTS & SUKKEL (2000) und LABER (2007) wieder auf einen Vergleichser-
trag bei einem TW von 120 berechnet (Tab. 2).
Mittelfeine mittelspäte Sorten
-
Im mittelspäten Bereich wurden 2011 nur 3 mittelfeine Erbsen geprüft. Im Vergleich
zum letzten Jahr war nur ’Minotaur’ neu in der Prüfung. Die Sorte ’Agamemnon’ wurde
2010 unter der Nummer ’XP 08520689’ getestet
-
Bemerkenswert ist das hohe Resistenzniveau der untersuchten Sorten. Neben Fusa-
rium-Resistenz verfügen sie über Resistenz gegen Echten (PM) und Falschen (DM)
Mehltau. ’Minotaur ist darüber hinaus noch gegen PEMV resistent.
-
Die Abreife erfolgte in etwa in Übereinstimmung mit den Züchterangaben. Während
’Minotaur’ bereits 2 Tage früher (A+6) erntereif war, verzögerte sich die Ernte bei
’Agamemnon’ um 2 Tage (A+11), wobei der Erntetermin um 2 Tage nach vorn korri-
giert werden musste, da die Sorte im Gegensatz zu den beiden Vergleichssorten erst
mit einem TW von 146 geerntet wurde.
-
Die Sorten verzeichneten sehr gute Auflaufergebnisse und formierten ansprechende
Bestände mit sehr guten Bestandesdichten im Bereich von ca. 100 Pflanzen/m².
-
Infolge des Witterungsverlauf blieben die Pflanzen relativ kurz (mittlere Pflanzenlänge:
51 cm). Entsprechend war die Standfestigkeit nicht nur bei den beiden Afila-Sorten als
gut einzuschätzen.
-
Die Anzahl fertiler Nodien war mit durchschnittlich 2,8 Nodien/Pflanze unterdurch-
schnittlich. Die Zahl der Hülsen/fertilen Nodium lag im Bereich der Ergebnisse aus
den letzten Jahren. Die sich daraus ergebende Gesamtzahl von Hülsen/Pflanze ent-
sprach nicht den Erwartungen und ließ Ertragseinbußen erwarten.
-
Das allgemeine Ertragsniveau mit rund 0,75 kg/m² blieb hinter den Ergebnissen aus
den letzten Jahren zurück. Besonders die Nummernsorte ’EX 08540772’, die 2009
und 2010 jeweils über 1 kg/m² erzielte blieb in diesem Jahr deutlich zurück.
-
Die Grünkornsortierung lag überwiegend im angestrebten Bereich für mittelfeine Erb-
sen (Mittelwert: 2,5-3,0). ’Agamemnon’ bestätigte das Resultat aus 2010 und präsen-
tierte sich als die feinste der 3 Sorten. Bei ’EX 08540772’ führte die vergleichsweise
feinere (Mittelwert nur 2,7) Sortierung in diesem Jahr (2009: 3,1; 2010: 3,2) neben der
geringeren Hülsenzahl/Pflanze zu den oben beschriebenen Ertragsverlusten.
-
Die Grünkornfarbe und -einheitlichkeit war überwiegend ausgeglichen und im Rahmen
der Anforderungen. Lediglich bei ’Agamemnon’ war die Einheitlichkeit des Grünkorns
nach dem Blanchieren wiederum nicht vollständig zufriedenstellend.

Fazit
-
Das Sortiment bei den mittelfeinen, mittelspäten Erbsen ist sehr klein. Die 3 Sorten
zeichneten sich durch ein sehr hohes Resistenzniveau aus. Die Erträge blieben in die-
sem Jahr hinter den Resultaten der Vorjahre in erster Linie wegen eines zu geringen
Hülsenbesatzes zurück. Die geprüften Sorten sollten auf alle Fälle weiter verfolgt wer-
den.
Mittelfeine späte Sorten
-
Im späten mittelfeinen Bereich standen ähnlich wie in den letzten Jahren kaum Sorten
zur Auswahl. Das zur Prüfung anstehende Sortiment war mit dem aus 2010 identisch.
’Elektra’, die schon 2010 aufgrund der Sortierung (Mittelwert: 3,3) an der Grenze zu
den groben Erbsen war, wurde in diesem Jahr mit einer durchschnittlichen Grünkorn-
sortierung von 3,6 den groben Erbsen zugeordnet und dort ausgewertet. Bis auf ’Ino-
via’, die nur gegen Fusarium eine Resistenz aufweist, verfügen die anderen Sorten
dieser Gruppe über ein teilweise deutlich höheres Resistenzniveau (PM, DM, BYMV,
PEMV).
-
Die Reifetage (A+12 bis A+14) deckten sich in diesem Jahr im Wesentlichen mit den
Angaben der Züchter. ’Extasia’ wurde mit einem TW von 111 wahrscheinlich einen
Tag zu früh geerntet.
-
Die 3 Afila-Sorten verzeichneten beim diesjährigen Witterungsverlauf bei einer durch-
schnittlichen Pflanzenlänge von 60 cm eine gute Standfestigkeit.
-
Wie schon bei den mittelspäten Sorten war die Anzahl fertiler Nodien (3,2) sowie die
Anzahl Hülsen/Nodium (2,0) nicht zufriedenstellend und mit Sicherheit ertragsbeein-
flussend.
-
Die Erträge aller Sorten bewegten sich bei einem vergleichbaren TW von 111 bis 120
mit 0,9 bis 1,1 kg/m² auf einem hohen Niveau und übertrafen die Ertragsleistungen
der mittelspäten Sorten deutlich. Die Nummernsorte ’XP 08250838’ überragte in die-
sem Jahr mit 1,1 kg/m² die Vergleichssorten signifikant.
-
Die Grünkornsortierung lag mit 2,4 bis 2,7 im unteren Bereich für mittelfeine Erbsen
und war im Vergleich zu 2010 (rund 3,1) viel feiner.
-
Die Grünkornfarbe und -einheitlichkeit nach dem Blanchieren war als sehr gut zu be-
zeichnen. Sortenunterschiede traten praktisch nicht auf.
Fazit
-
Im späten mittelfeinen Segment bewegten sich die 3 untersuchten Sorten wie schon
2010 auf einem recht ausgeglichenen Ertrags- und Qualitätsniveau. Bei Ertrags-
gleichheit sollten Vorteile im Resistenzniveau den Ausschlag für die bessere Beurtei-
lung bilden. In dieser Beziehung fiel ’Inovia’ gegenüber den Vergleichssorten leicht ab.
-

Tab. 1:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2 bis 9,3 mm); mittelspäte und späte Sorten
Ernte-
termin
Entwick-
lungszeit
Temp.-
summe
Basis
Temp.-
summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigkeit
Bestandes-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Nodien
Triebe/
Pflanze
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[cm]
[cm]
[1-9]
Agamemnon
SVS
F1, PM, DM,
PEMV
+9
+11**
27.06.
76**
851
1051
N
100
02.06.
5
42
51,8
14,1
3,6
2,0
1,1
8,1
8
9,3
EX 08540772
SVS
F2, DM, PM
+11
+10
25.06.
75
828
1023
S
99
04.06.
8
45
45,2
15,0
2,6
2,5
1,0
6,3
8
8,6
Minotaur
SVS
F1,DM,PM,
PEMV
+8
+6
21.06.
71
773
957
S
95
31.05.
8
34
57,0
14,1
2,3
2,3
1,0
5,8
9
7,3
Mittelwert
40,3
51,3
14,4
2,8
2,3
1,0
6,7
8,4
Extasia
Niz
F1, DM, BYMV
+13
+12
27.06.
77
851
1051
S
97
05.06.
7
48
53,7
13,3
3,4
2,2
1,2
7,9
9
8,1
Inovia
Niz
F1
+14
+14
29.06.
79
883
1088
S
83
06.06.
8
54
58,8
16,1
3,0
1,6
1,3
5,5
6
9,3
XP 08250838
SVS
PEMV, DM,PM
+15
+14
29.06.
79
883
1088
S
85
07.06.
8
61
66,9
16,4
3,1
2,3
1,1
7,5
9
7,3
Mittelwert
54,3
59,8
15,3
3,2
2,0
1,2
7,0
8,2
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform
krumm
gerade
**Reifetage / Erntetermin korrigiert wegen zu hohem bzw. zu niedrigem TW bei der Ernte
Zeichenerklärung: * 'Spring' wurde parallel mit dem späten Sortiment ausgesät. Blühbeginn war der 22.05.2011; Erntetermin war der 15.06.2011; Entwicklungszeit: 65 Tage; Temperatursumme: 686, TW 117
Nodium
mit
1. Blüte
Hülsen/
Nodium
Anzahl
Körner/
Hülse
Reifetage
Züchter-
angabe
[Spring +]
Reifetage
Pillnitz
2011*
[Spring +]
Blatt-
form
Blüh-
beginn
Sorte
späte Reifegruppe
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
mittelspäte Reifegruppe
Tab. 2:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2 bis 9,3 mm); mittelspäte und späte Sorten
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag
Grünkornfarbe
Einheitl.d.
Grünkornfarbe
Einheitl.d.
meter-
bei TW 120
vor dem
Grünkorn-
nach dem
Grünkorn-
wert
berechnet
Blanchieren
farbe vor
Blanchieren
farbe nach
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
Blanchieren
Blanchieren
Agamemnon
146
0,69
0,63
16
21
50
10
3
2,6
18
22
51
9
0
2,5
9
5
9
7
EX 08240772
124
0,75
0,74
8
15
50
20
6
3,0
12
20
53
14
0
2,7
7
7
8
9
Minotaur
117
0,86
0,88
9
15
41
24
11
3,1
9
13
49
27
2
3,0
9
7
7
9
GD 5%
0,07
0,06
Extasia
111
0,89
0,95
0
30
60
10
0
2,8
23
23
46
8
0
2,4
7
7
9
9
Inovia
120
0,94
0,94
0
20
70
10
0
2,8
11
26
52
11
0
2,6
9
8
9
9
XP 08250838
119
1,09
1,10
10
16
41
22
11
3,1
12
26
45
16
1
2,7
6
6
9
8
GD 5%
0,11
0,11
Zeichenerklärung: * Klassifikation Grünkornsortierung nach englischer Nomenklatur
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
mittelspäte Reifegruppe
späte Reifegruppe
Grünkornsortierung
Züchterangaben [%]
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2011 [%]

Sehr hohe Erträge bei frühen und mittelfrü-
hen groben Markerbsen
Grobe Markerbsen
Sorte, frühe/mittelfrühe
Reifegruppe
Zusammenfassung
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden am Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz in der frühen bzw. mittelfrühen Reifegruppe
17 Sorten in der groben Sortierung geprüft. Im frühen Bereich brachten die bekannten Stan-
dardsorten zuverlässig ihre Leistungen. ’Sienna’ erwies sich dabei wiederholt als ertrags-
stärkste Sorte. Zwei neue Sorten machten nachdrücklich auf sich aufmerksam. Im mittelfrü-
hen Segment präsentierten sich viele Sorten auf einem hohen Qualitätsniveau vor dem Hin-
tergrund ausgezeichneter Ertragsleistungen.
Versuchsfrage und -hintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Grobe
Markerbsen nehmen derzeit im Anbaugebiet flächenmäßig die führende Stelle ein. Das ak-
tuelle Sortiment sowie Neuzüchtungen galt es auf seine Anbaueignung unter den hiesigen
Bedingungen zu prüfen. Erbsen der frühen und mittelfrühen Reifegruppe werden in der Re-
gion entsprechend den Anbaustaffelungen der mitteldeutschen Verarbeiter Ende März/ An-
fang April ausgesät.
Kulturdaten:
Saattermin:
22.03.2011
Erntetermin:
07.06. bis 17.06.2011
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Fruchtfolge:
Spinat (2009), Getreide (2010)
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
80 kg N/ha
Bewässerung.
keine
Aussaatdichte:
frühe Sorten:
1,1 Mio. keimfähige Körner/ha
mittelfrühe Sorten: 1,0 Mio. keimfähige Körner/ha
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer Sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich
an einer Stichprobe vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 2 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit
kaltem Wasser abgeschreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Abteilung Gartenbau
Bearbeiter: Gerald Lattauschke
2 0 1 1

Ergebnisse
-
Das Frühjahr 2011 war durch ausgezeichnete Aussaatbedingungen Ende März ge-
prägt, wodurch sich sehr gute Bestände etablieren ließen. Der April und Mai waren
insgesamt deutlich zu warm und zu trocken, sodass bereits in der ersten Junidekade
mit der Ernte begonnen wurde. Während der Ernteperiode im Juni hielt das über-
durchschnittlich warme und trockene Wetter an. Zusatzwassergaben waren jedoch
nicht erforderlich, da die Bestände durch gelegentliche, ergiebige Gewitterregen aus-
reichend mit Wasser versorgt waren.
-
Die frühen und mittelfrühen Erbsen verzeichneten keine Ertragsausfälle durch Krank-
heiten oder Schädlinge. Bei dem oben skizzierten Witterungsverlauf traten keine Blatt-
krankheiten im Bestand auf. Das vermehrte Blattlausauftreten im Mai ließ sich durch
zwei Blattlausbehandlungen gut kontrollieren, sodass auch das Auftreten von Virosen
zu vernachlässigen war.
-
Das Ziel, alle Sorten im Bereich von 115 bis 125 TW zu ernten, wurde in diesem Jahr
überwiegend gut erreicht. Lediglich bei ’Reliance’ wurde der optimale Erntetermin ver-
fehlt. Eine Ursache für die Abweichungen im TW vom Zielwert sind auch die teils er-
heblichen Differenzen im TW zwischen den einzelnen Wiederholungen bzw. zur Kon-
trollparzelle am Rand des Versuches. Zur besseren Vergleichbarkeit der Sorten un-
tereinander wurden die Erträge der Sorten nach EVERAARTS & SUKKEL (2000) und
LABER (2007) wieder auf einen Vergleichsertrag bei einem TW von 120 berechnet
(Tab. 2).
Grobe frühe Sorten
-
Im kleinen Sortiment früher grober Sorten gibt es vergleichsweise nur wenig Bewe-
gung. Neben den bewährten Sorten standen mit ’Da Vincy’ und ’M 8-9282’ (einziger
Afila-Typ) in diesem Jahr immerhin zwei neue Sorten mit im Vergleich. Mit Ausnahme
von ’Salinero’ und ’Sherwood’ die über Resistenz gegen BYMV verfügen, beschränkt
sich das Resistenzniveau in diesem Bereich im Wesentlichen auf Resistenz gegen die
Fusarium-Welke (F
1
).
-
Aufgrund des Witterungsverlaufs setzte die Ernte in diesem Jahr sehr früh ein
(07.06.11). Durch das anhaltend warme und trockene Wetter zur Ernte reiften die Sor-
ten sehr konzentriert ab (ca. einen Tag vor Züchterangeben).
-
Die überwiegend normblättrigen Sorten verfügten erwartungsgemäß nur über eine be-
schränkte Standfestigkeit. Wegen des anhaltend starken Windes in der Erntezeit, ver-
zeichnete auch die Afila-Erbse einen deutlichen Trend zum Lager.
-
Die Anzahl fertiler Nodien lag bei nur 2,9 Nodien/Pflanze und damit auf einem ver-
gleichsweise niedrigen Niveau. Wegen des sommerlichen Wetters setzten die obers-
ten Blüten meist keine Hülsen mehr an. Die mittlere Anzahl von Hülsen/Nodium von
1,6 entspricht den Durchschnittswerten der letzten Jahre. In der Gesamtschau Hül-
sen/Pflanze erhoben sich ’Da Vincy’ und ’M 8-9282’ mit rund 6 Hülsen/Pflanze deut-
lich über den Mittelwert.
-
’Sienna’ erwies sich mit einem Ertrag von rund 1,0 kg/m² zum wiederholten Mal als die
leistungsstärkste Sorte. Auf dem gleichen Ertragsniveau präsentierte sich der Neu-
zuchtstamm ’M 8-9282’. Beide Sorten übertrafen das übrige Sortiment im Ertrag signi-
fikant. Letzteres erzielte mit ca. 0,8 kg/m² aber immer noch ein gutes Resultat für den
frühen Bereich. ’Salinero’ mit nur 0,6 kg/m² platzierte sich am Ende des Vergleichs.
-
In der Grünkornsortierung erreichten die Sorten überwiegend die für die grobe Frakti-
on vorgegebenen Richtwerte. Einzig die beiden Neulinge bewegten sich, entgegen

den Züchterangaben, an der Grenze zum mittelfeinen Bereich. Der etwas zu frühe
Ernttermin (TW ca. 110) kann hier auch eine Rolle gespielt haben.
-
In der Grünkornfarbe und -einheitlichkeit vor dem Blanchieren gab es erhebliche Sor-
tenunterschiede. Ein einheitliches und dunkelgrünes Grünkorn wiesen nur ’Da Vincy’
und ’M 8-9282’ auf. Die übrigen Sorten waren teilweise zu hell und auch sehr unein-
heitlich. Die Probleme hatten sich allerdings nach dem Blanchieren erledigt.
Fazit
-
Das allgemeine Ertragsniveau kann für den frühen Bereich als sehr gut eingeschätzt
werden. ’Sienna’ behauptete sich nachdrücklich als ertragreichste Sorte in diesem
Segment. Die beiden Neuzüchtungen wussten auf Anhieb zu überzeugen und konn-
ten sich im Vorderfeld etablieren. Besonders der Afila-Neuzuchtstamm ’M 8-9282’ ist
in dieser Beziehung noch hervorzuheben.
Grobe mittelfrühe Sorten
-
Traditionell ist die frühe Reifegruppe grober Markerbsen mit zahlreichen Sorten be-
legt. Neben einer Reihe an Standardsorten (’Bingo’, ’Reliance’, ’Ruler’) kommen hier
auch regelmäßig einen Vielzahl an Neuzüchtungen auf den Markt, sodass in diesem
Segment insgesamt 10 Sorten zum Vergleich anstanden, die überwiegend (bis auf
’Cawood’ (ex ’HEL9732’) und ’Genesis’ (ex ’HEL 9720’)) den Afila-Typen zuzuordnen
sind.
-
Erfreulich ist das relativ hohe Resistenzniveau vieler Sorten in dieser Reifgruppe.
Während die Resistenz gegen Echten Mehltau (PM) fast obligatorisch ist, verfügen ei-
nige auch noch über Resistenz gegen Falschen Mehltau (DM) und PEMV. Besonders
’Reliance’ ist in dieser Beziehung zu nennen.
-
Der Erntebeginn der mittelfrühen Erbsen, am 14. Juni, war der früheste Termin seit-
dem in Pillnitz Erbsenversuche durchgeführt werden. Die Reife in dieser Gruppe er-
folgte 7 bis 10 Tage nach ’Avola’, wobei die meisten Sorten bei A+7 lagen. Die Anga-
ben der Züchter zum Reifetermin wurden im Wesentlichen eingehalten. Einzig ’Ca-
wood’ und ’Genesis’ bewegten sich an der Grenze zur mittelspäten Reife (A+9/A+10).
-
Während die Bestandesdichte bei den meisten Sorten zufriedenstellend war, ver-
zeichnete ’Polymephus’ erhebliche Auflaufprobleme. Die geringe Bestandesdichte
führte letztlich auch zu massiven Ertragsverlusten.
-
Aufgrund der Dominanz von Afila-Sorten im Versuch, gab es an der Standfestigkeit
der Sorten, trotz Gewitterregen und teils starken Winden, keine Abstriche zu machen.
Die Unzulänglichkeiten der normblättrigen Erbsen sind in dieser Hinsicht bekannt.
-
Die Anzahl fertiler Nodien war aufgrund der Hitze in der Reifeperiode mit durchschnitt-
lich nur 3,3/Pflanze ebenso leicht unterdurchschnittlich wie der Hülsenbesatz (im Mit-
tel nur 7,9/Pflanze).
-
In der Kornzahl/Hülse lagen die meisten Sorten im Bereich des Mittelwertes (8,4).
Bemerkenswert war die hohe Kornzahl bei ’PLS 566’ mit immerhin 10,1 Kör-
nern/Hülse.
-
Das Ertragsniveau erreichte im Mittel (ohne ’Polymephus’) ausgezeichnete 1,2 kg/m².
Signifikante Unterschiede zwischen den Sorten lagen nicht vor. Nur ’Polymephus’ mit
0,7 kg/m² konnte hier nicht mithalten. Die Sorte hatte nicht nur eine zu geringe Be-
standesdichte, sondern war auch schwachwüchsig, was sich letztlich auch in der zu
mittelfeinen (Mittel: 2,9) Sortierung widerspiegelte.
-
Von der Grünkornsortierung her entsprachen alle übrigen Sorten den Anforderungen
an grobe Markerbsen.

-
Die Grünkornfarbe vor dem Blanchieren differierte zwischen den Sorten erheblich.
Während die meisten Sorten über ein dunkelgrünes Grünkorn verfügten, war ’Com-
pana’ fast hellgrün. Auch die beiden Neuzuchtstämme von van Waveren waren recht
hell im Grünkorn. ’PLS 566’, ’Compana’ und ’Reliance’ waren in der Einheitlichkeit des
Grünkorn vor dem Blanchieren recht unausgewogen. Nach dem Blanchieren waren
die oben genannten Probleme im Wesentlichen behoben, so dass sich fast alle Sor-
ten (nur ’Compana’ blieb weiterhin zu hell) in einem sehr guten Zustand darstellten.
Fazit
-
Das mittelfrühe grobe Segment verfügt derzeit über eine Vielzahl guter bis sehr guter
Sorten, die überwiegend den Afila-Erbsen zuzuordnen sind. Sowohl die bereits etab-
lierten Varietäten als auch die Neuzuchtlinien verfügen über ein ausgezeichnetes Er-
tragsniveau bei Einhaltung eines hohen Qualitätsstandards. Dazu kommt bei vielen
Sorten noch ein umfangreiches Resistenzniveau.

Tab. 1:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3 – 10,3 mm); frühe und mittelfrühe Sorten
Ernte-
termin
Entwick-
lungs-
zeit
Temp.
Summe
Basis
Temp.
Summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigkeit
Bestandes-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Nodien
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[cm]
[cm]
[1-9]
Da Vincy
S&G
F1
+2
+1
08.06.
77
701
901
N
115
15.05.
4
26
56
9,7
3,3
1,8
6,1
8
7,1
Kaysee
PLS
F1
0
0
07.06.
76
685
882
N
95
13.05.
4
27
60
8,8
2,8
1,5
3,8
9
6,9
M 8-9282
S&G
F1
+1
+1
08.06.
77
701
901
S
105
17.05.
4
28
53
9,9
3,3
1,7
5,9
8
7,2
Salinero
SVS
F1, BYMV
-1
0
07.06.
76
685
882
N
92
12.05.
5
37
66
8,4
2,9
1,5
4,3
9
6,5
Sherwood
SVS
F1, BYMV
+1
0
07.06.
76
685
882
N
92
13.05.
2
23
64
9,4
3,2
1,8
5,5
9
7,2
Sienna
WAV
F1
+4
+3
10.06.
76
685
882
N
113
18.05.
2
21
47
9,4
2,0
1,8
4,3
7
6,6
Spring
SVS
F1
0
0
07.06.
76
685
882
N
112
12.05.
5
32
65
8,9
2,8
1,1
3,2
9
6,2
Mittelwert
28
59
9,2
2,9
1,6
4,7
6,8
Bingo
S&G
F1, PM
IR
+8
+8
15.06.
84
799
1017
S
97
23.05.
6
43
59
14,7
3,6
1,9
6,9
9
8,4
Cawood
AGIS
F1, PM
+9
+10
17.06.
86
833
1056
N
77
25.05.
3
31
53
14,1
3,0
2,5
7,9
8
8,2
Compana
Nun
PM
+6
+7
14.06.
83
784
999
S
100
23.05.
7
48
65
14,7
3,1
1,8
5,7
8
7,9
Genesis
AGIS
F1, PM
+7
+9
16.06.
85
815
1035
N
78
24.05.
4
28
58
13,6
3,2
1,7
6,2
9
9,1
PLS 566
PLS
F1, PM
+7
+7
14.06.
83
784
999
S
102
19.05.
6
40
60
12,9
3,2
1,8
6,1
9
10,1
Polymephus
SVS
DM, PM,
PEMV
+6
+7
14.06.
83
784
999
S
63
21.05.
6
41
58
11,5
3,9
2,0
9,0
8
7,4
Reliance
SVS
F1, DM, PM,
PEMV
+7
+7
14.06.
83
784
999
S
114
19.05.
8
45
53
13,2
2,7
2,1
8,3
8
8,0
Ruler
S&G
F1, DM, PM
+8
+8
15.06.
84
799
1017
S
110
23.05.
7
46
58
15,1
3,5
1,9
10,2
9
8,2
WAV 3748
WAV
F1
+5
+7
14.06.
83
784
999
S
91
18.05.
7
47
58
11,7
3,0
1,7
8,5
7
8,2
WAV 4640
WAV
F1, PM
IR
+7
+7
14.06.
83
784
999
S
80
20.05.
8
53
60
11,6
3,5
1,6
9,8
9
8,0
Mittelwert
42
58
13,3
3,3
1,9
7,9
8,4
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform
krumm
gerade
Sorte
frühe Reifegruppe
mittelfrühe Reifegruppe
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
Nodium
mit
1. Blüte
Hülsen/
Nodium
Anzahl
Körner/
Hülse
Reifetage
Züchter-
angabe
[Spring +]
Reifetage
Pillnitz 2011
[Spring +]
Blatt-
form
Blüh-
beginn

Tab. 2:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3 – 10,3 mm); frühe und mittelfrühe Sorten
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag bei
Grünkornfarbe
Einheitl.d.
Grünkornfarbe
Einheitl.d.
meter-
TW 120
vor dem
Grünkorn-
nach dem
Grünkorn-
wert
(berechnet)
Blanchieren
farbe vor
Blanchieren
farbe nach
(TW)
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
Blanchieren
Blanchieren
Da Vincy
109
0,84
0,92
2
6
39
28
25
3,7
4
13
54
28
1
3,1
9
7
8
8
Kaysee
128
0,83
0,80
0
10
25
30
35
3,9
1
2
23
58
16
3,9
5
5
8
9
M 8-9282
112
0,98
1,04
0
0
10
60
30
4,2
5
8
52
30
5
3,2
9
8
8
9
Salinero
125
0,59
0,57
5
10
40
28
17
3,4
2
5
36
44
12
3,6
6
5
9
8
Sherwood
125
0,84
0,69
0
15
34
31
20
3,6
1
6
37
50
6
3,5
6
5
7
8
Sienna
108
1,01
1,11
1
5
24
51
19
3,8
1
2
25
54
17
3,8
6
4
8
8
Spring
117
0,78
0,80
0
5
20
35
40
4,1
1
2
20
53
24
4,0
7
4
7
8
GD 5%
0,15
0,15
Bingo
126
1,14
1,10
5
20
20
1
5
27
46
21
3,8
7
6
9
9
Cawood
125
1,19
1,16
2
4
30
53
11
3,7
2
3
40
42
14
3,6
8
6
9
9
Compana
120
1,20
1,21
4
9
45
39
4
3,3
3
5
5
8
Genesis
123
1,20
1,18
5
9
44
35
8
3,4
5
12
43
35
5
3,2
7
8
7
8
PLS 566
127
1,23
1,19
2
8
32
44
14
3,6
1
3
37
42
17
3,7
7
4
9
9
Polymephus
118
0,73
0,74
0
15
34
31
20
3,6
7
16
54
22
1
2,9
9
9
9
9
Reliance
146
1,16
1,06
6
13
46
24
11
3,2
2
6
57
32
2
3,3
7
5
9
9
Ruler*
107
1,09
1,22
5
10
20
3
7
41
41
8
3,4
8
6
9
8
WAV 3748
135
1,26
1,18
2
7
30
41
20
3,7
2
3
32
48
15
3,7
5
8
9
9
WAV 4640
117
1,12
1,14
6
10
36
38
10
3,4
3
7
54
34
2
3,2
5
8
9
8
GD 5%
0,13
0,13
* Klassifikation Grünkornsortierung nach englischer Nomenklatur
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
frühe Reifegruppe
mittelfrühe Reifegruppe
Zeichenerklärung:
65
55
keine Angaben
Grünkornsortierung
Züchterangaben [%]
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2011 [%]

Trockener und warmer Frühsommer führte
bei späten Markerbsen zu Ertragseinbußen
Grobe Markerbsen
Sorte, mittelspäte/späte
Reifegruppe
Zusammenfassung
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden am Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz in der mittelspäten bzw. späten Reifegruppe
20 Sorten in der groben Sortierung geprüft. Im mittelspäten Bereich führte der Witterungsver-
lauf des Jahres zu Problemen in der Ertragsbildung, mit denen ’ASL 946’, ’Columbus’ und
’Tristar’ noch am besten zurecht kamen. Die Sorten der späten Reifegruppe präsentierten
sich weniger anfällig gegen diese äußeren Bedingungen. Mit ’Mundial’ und ’Naches’ konnten
zwei bewährte Sorten wiederum ein sehr gutes Resultat für sich verbuchen.
Versuchsfrage und -hintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Grobe
Markerbsen nehmen derzeit im Anbaugebiet flächenmäßig die führende Stelle ein. Das ak-
tuelle Sortiment sowie Neuzüchtungen galt es auf ihre Anbaueignung unter den hiesigen Be-
dingungen zu prüfen. Die mittelspäte und späte Reifegruppe werden in der Region entspre-
chend der Anbaustaffelung der mitteldeutschen Verarbeiter vorwiegend Mitte April bis An-
fang Mai gedrillt.
Kulturdaten:
Saattermin:
11.04.2011
Erntetermin:
21. bis 29.06. 2011
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Fruchtfolge:
Hafer (2008), Spinat (2009), Zwiebeln (2010)
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
100 kg N/ha (N
min
(0-60 cm): 10 kg N/ha)
Bewässerung:
15 mm (14.06.2011)
Aussaatdichte:
0,9 Mio. Korn/ha
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer Sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich
an einer Stichprobe vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 2 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit
kaltem Wasser abgeschreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Abteilung Gartenbau
Bearbeiter: Gerald Lattauschke
2 0 1 1

Ergebnisse:
-
Die Aussaat konnte im April bei sehr guten Wetterbedingungen durchgeführt werden.
Der weitere Witterungsverlauf im April und Mai war 2011 zu trocken und zu warm.
Auch in der Reifephase herrschte überwiegend warmes Sommerwetter mit gelegentli-
chen Niederschlägen vor.
-
Die mittelspäten und späten Erbsen verzeichneten keine Ertragsausfälle durch Krank-
heiten oder Schädlinge. Bei dem beschriebenen Witterungsverlauf konnte auf Fungi-
zidbehandlungen vollständig verzichtet werden. Falscher und Echter Mehltau traten
praktisch nicht auf. Der Befallsdruck durch Blattläuse war gering und konnte gut kon-
trolliert werden. Das Auftreten von Virosen war in den späten Erbsen nicht ertrags-
wirksam und zu vernachlässigen.
-
Das Ziel, alle Sorten im Bereich von 115 bis 125 TW zu ernten, wurde überwiegend
erreicht. Zur besseren Vergleichbarkeit untereinander wurden die Erträge der Sorten
nach EVERAARTS & SUKKEL (2000) und LABER (2007) wieder auf einen Vergleichser-
trag bei einem TW von 120 berechnet (Tab. 2).
Grobe mittelspäte Sorten
-
Auch in 2011 stand im Bereich der mittelspäten groben Erbsen ein umfangreiches,
teils über Jahre bewährtes Sortiment zur Auswahl. Neben ’Dalton’ wurde nur ’Tango’
erstmalig geprüft. Bei den Sorten handelte es sich überwiegend um normalblättrige
Erbsen, nur ’Boogie’, ’Dalton’ und ’Tango’ waren semileafless.
-
Resistenz gegen Echten Mehltau (PM) ist in diesem Segment außer bei ’Vada’ mitt-
lerweile bei allen Sorten vertreten. Während ’Dalton’ als einzige Sorte gegen Falschen
Mehltau Resistenz aufweist, ist ’Boogie’ gegen BYMV und ’Legacy’ gegen PEMV re-
sistent.
-
Die Abreife erfolgte bei warmen Sommerwetter meist knapp (1 bis 2 Tage) vor den
Angaben der Züchter (A+8 bis A+11). Die Tenderometerwerte zur Ernte lagen zwi-
schen 107 und 135 Einheiten und kamen damit den Zielvorgaben sehr nahe.
-
Die Bestandesdichten (85 bis 108 Pflanzen/m²) entsprachen bei allen Sorten vollstän-
dig den angestrebten Richtwerten für diese Reifegruppe.
-
Obwohl die Pflanzlänge witterungsbedingt als durchschnittlich einzustufen war, ver-
zeichneten die meisten Sorten nur eine geringe Standfestigkeit, die durch einzelne
Gewitterregen noch befördert wurde. Einzig ’Dalton’ und ’Tango’ erhielten gute Boni-
turnoten.
-
Wie schon bei den mittelfeinen Sorten dieser Reifgruppe verzeichneten auch die gro-
ben mittelspäten Erbsen einen eher unterdurchschnittlichen Besatz an Hülsen/Pflanze
(4,7). Die Hülsenansätze in den obersten Nodien gelangten in diesem Jahr nicht mehr
zur vollständigen Ausbildung.
-
Das Ertragsniveau der mittelspäten Sorten blieb dementsprechend klar hinter den Re-
sultaten der letzten Jahre zurück. Während z.B. 2010 im Mittel 1,1 kg/m² erreicht wur-
den, betrug das Ertragsmittel in diesem Jahr nur 0,8 kg/m². Die Nummersorte ’ASL
946’ erzielte dabei als einzigste Sorte einen Ertrag von über 1 kg/m² und hob sich mit
dieser Ertragsleistung signifikant vom übrigen Sortiment ab. Neben ’Columbus’ und
’Grundy’ war nur noch die altbewährte Standardsorte ’Tristar’ überdurchschnittlich.
Dagegen blieben ’Vada’ und ’Legacy’ im Ertrag weit zurück.
-
Die Grünkornsortierung entsprach bei allen Sorten den Anforderungen an grobe Erb-
sen (Mittelwert > 3,2).
-
Das Grünkorn war bei ’Grundy’ und ’Vada’ nach dem Blanchieren etwas heller (mittel-
grün) als bei den übrigen Sorten, die sich in ansprechender Qualität präsentierten.

Besonders ’Grundy’ musste wegen dem vermehrten Auftreten von gelben Erbsen
deutliche Abstufungen in der Einheitlichkeit nach dem Blanchieren hinnehmen.
Fazit
-
Die mittelspäten groben Erbsen konnten in diesem Jahr nicht an die Leistungen der
vergangenen Jahre anknüpfen. Der warme trockene Witterungsverlauf führte offen-
sichtlich zu Depressionen im Hülsenansatz und damit letztlich auch im Ertragsniveau.
Neben ’ASL 946’ kamen ’Columbus’ und ’Tristar’ noch am besten mit den Gegeben-
heiten des Jahres zurecht.
Grobe späte Sorten
-
Das Sortiment an späten groben Erbsen ist ebenfalls sehr umfangreich und in den
letzten Jahren durch eine gewisse Konstanz geprägt. Neu im diesjährigen Test war
nur ’Nelson’. ’Fantasy’ wurde bereits unter der Nummernbezeichnung ’WAV 746’ in
2010 geprüft.
-
Bemerkenswert ist das mittlerweile hohe Resistenzniveau vieler Sorten. Während Fu-
sarium-Resistenz (F) und die Resistenz gegen Echten Mehltau (PM) bei fast allen
Sorten vorliegt, verfügen einige Sorten darüber hinaus noch über Resistenz gegen
Falschen Mehltau (DM) (’XP 08250833’) oder gegen PEMV (’Akura’, ’Elektra’, ’Ser-
ge’). ’Akura weist außerdem noch Widerstandskraft gegen BYMV auf.
-
In der Abreife lagen die Sorten 4 Tage auseinander (A+10 bis A+14). Im Durchschnitt
reiften sie 1 bis 2 Tage vor den Züchterangaben. ’Fantasy’ und ’Serge’ tendierten mit
A+10 (auch unter Anrechnung der Resultate vergangener Jahre) zur mittelspäten Rei-
fegruppe.
-
Im späten Bereich zeichnete sich ein eindeutiger Trend hin zu Afila-Typen ab. Nur drei
der geprüften Erbsen war normallaubig (’Elektra’, ’Kiros’, ’Mundial’).
-
In Anbetracht der günstigen Auflaufbedingungen in diesem Jahr war die Bestandes-
dichte mit 78 bis 101 Pflanzen/m² überwiegend zufriedenstellend.
-
Die Standfestigkeit konnte ebenfalls weitestgehend überzeugen, was bei der großen
Dominanz fiederblattloser Sorten auch so zu erwarten war. Aber auch die kurzwüchsi-
ge, normalblättrige ’Mundial’ konnte in dieser Beziehung überzeugen.
-
Wie schon bei den mittelspäten Erbsen konnte der Hülsenbesatz insgesamt nicht be-
friedigen, obwohl er etwas höher ausfiel als in der mittelspäten Gruppe. Mit durch-
schnittlich nur 6,7 Hülsen/pflanze blieben die Sorten weit hinter den Werten der letz-
ten Jahre zurück. Einen normalen Besatz mit ca. 10 Hülsen/Pflanze erreichten nur
’Elektra’ und ’Mundial’.
-
Nichts desto trotz konnten die späten groben Erbsen noch überwiegend sehr gute Er-
tragsleistungen vorweisen. Wie schon im letzten Jahr dominierte ’Mundial’ mit
1,3 kg/m² das Ertragsgeschehen. Unmittelbar nach ’Mundial’ folgten mit immer noch
sehr guten 1,2 kg/m² ’Naches’ und ’Kiros’.
-
Von der Grünkornsortierung her entsprachen allen Sorten den Normativen für grobe
Erbsen, wobei ’Mundial’ und ’Serge’ mit einem Mittel von 3,1 bzw. 3,2 hin zur mittel-
feinen Sortierung tendierten.
-
Die Grünkornfarbe- und Sortierung war überwiegend sehr gut. Nur ’Kiros’ verzeichne-
te einen erhöhten Anteil an blonden Erbsen, die zu Abstufungen in der Einheitlichkeit
nach dem Blanchieren führen mussten.
Fazit
-
In der späten Reifgruppe grober Markerbsen konnten sich in diesem Jahr mit ’Mundi-
al’ und ’Naches’ wiederum zwei über mehrere Jahre bekannte Sorten durchsetzen.
Sie hoben sich aus dem allgemein hohen Ertrags- und Qualitätsniveau in dieser
Gruppe noch heraus.

Tab. 1:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3-10,2 mm); mittelspäte und späte Sorten
Ernte-
termin
Entwick-
lungszeit
Temp.-
summe
Basis
Temp.-
summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigkeit
Bestandes-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Knoten
Triebe/
Pflanze
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[cm]
[cm]
[1-9]
ASL 946
ASL
F1, PM
+11
+10
25.06.
75
828
1023
N
85
01.06.
4
33
55,7
14,1
2,3
1,6
1,0
4,0
7
8,4
Boogie
WAV
BYMV, F1,PM
+10
+8
23.06.
73
802
992
S
89
30.05.
3
30
52,4
13,4
2,1
1,9
1,0
4,9
9
8,2
Columbus
AGIS
F1, PM
+11
+9
24.06.
74
817
1010
N
99
01.06.
4
32
54,6
14,5
2,0
1,6
1,0
3,8
9
9,5
Dalton
ASS
F1, DM,PM
+9
+8
23.06.
73
802
992
S
92
30.05.
6
46
56,4
13,1
2,4
1,7
1,2
4,9
6
8,2
Grundy
S&G
F1, PM
+11
+9
24.06.
74
817
1010
N
96
02.06.
1
20
54,2
13,8
2,0
1,9
1,1
3,6
7
9,9
Legacy
PLS
F1, PEMV, PM
+10
+9
24.06.
74
817
1010
N
88
31.05.
2
26
54,6
14,2
2,3
2,1
1,1
5,9
7
9,5
Tango
Agis
PM
+11
+11*
27.06.
76*
851
1051
S
95
04.06.
8
41
40,0
15,7
2,5
1,8
1,3
5,2
9
8,6
Tristar
SVS
F1
+10
+8
23.06.
73
802
992
N
85
01.06.
3
28
37,0
12,3
2,7
1,8
1,3
5,2
9
9,5
Vada
Nun
+11
+9
24.06.
74
817
1010
N
108
01.06.
2
26
58,3
13,9
2,2
1,5
1,0
3,7
9
8,2
Mittelwert
31
50,9
13,9
2,3
1,8
1,1
4,7
9,0
Akura
SVS
F1, 2, PEMV,
BYMV, PM
+12
+12
27.06.
77
851
1051
S
78
03.06.
7
55
53,2
13,3
2,9
2,3
1,0
7,9
9
7,4
Electra
WAV
F1,F2,PM,
PEMV
+13
+12
27.06.
77
851
1051
N
87
04.06.
2
28
57,1
15,4
4,3
2,1
1,2
10,8
9
8,8
Fantasy
WAV
F1,PM, PEMV
+12
+10
25.06.
75
828
1023
S
93
01.06.
5
42
56,7
13,5
2,2
1,7
1,1
4,2
9
8,6
Kiros
WAV
F1, F2
+14
+11*
27.06.
76
851
1051
N
97
05.06.
5
46
53,6
14,1
2,5
2,1
1,2
5,5
9
7,8
Mundial
SVS
F1, PM
+15
+14
29.06.
79
883
1088
N
82
06.06.
6
43
47,0
14,0
4,1
2,2
1,1
9,9
9
7,9
Naches
SVS
F
1
, F
2
, PM
+13
+14
29.06.
79
883
1088
S
80
05.06.
7
50
49,3
15,8
2,5
1,9
1,0
5,6
9
9,3
Nelson
ASS
F1, PM
+14
+12
27.06.
77
851
1051
S
80
04.06.
8
62
57,3
20,3
2,1
1,8
1,0
5,2
8
10,0
Serge
PLS
P2, PM, PEMV
+12
+10
25.06.
75
828
1023
S
101
01.06.
6
47
57,5
15,4
2,2
2,0
1,0
4,3
7
9,6
XP 08250833
SVS
DM,PM,PEMV
+14
+11*
27.06.
76
851
1051
S
91
05.06.
8
60
56,1
14,7
2,7
2,2
1,0
7,1
9
8,6
Mittelwert
48
54,2
15,2
2,8
2,0
1,1
6,7
8,7
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform
krumm
gerade
* Reifetage / Erntetermin korrigiert wegen zu hohem bzw. zu niedrigem TW bei der Ernte
Blüh-
beginn
Sorte
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
späte Reifegruppe
Zeichenerklärung: * 'Spring' wurde parallel mit dem späten Sortiment ausgesät. Blühbeginn war der 22.05.2011; Erntetermin war der 15.06.2011; Entwicklungszeit: 65 Tage; Temperatursumme: 686, TW 117
Nodium
mit
1. Blüte
Hülsen/
Nodium
Anzahl
Körner/
Hülse
Reifetage
Züchter-
angabe
[Spring +]
Reifetage
Pillnitz
2011*
[Spring +]
Blatt-
form

Tab. 2:
Markerbsen, grobe Sortierung (9,3-10,2 mm); mittelspäte und späte Sorten
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag
Grünkornfarbe
Einheitl.d. Grünkornfarbe Einheitl.d.
meter-
bei TW 120
vor dem
Grünkorn-
nach dem
Grünkorn-
wert
berechnet
Blanchieren
farbe vor
Blanchieren
farbe nach
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
Blanchieren
Blanchieren
ASL 946
115
1,03
1,08
0
1
10
75
13
4,0
2
3
21
63
11
3,8
8
6
9
9
Boogie
127
0,77
0,74
2
8
32
44
14
3,6
0
2
20
51
26
4,0
7
6
9
8
Columbus
120
0,91
0,92
2
7
28
41
22
3,7
7
9
40
37
7
3,3
7
8
9
8
Dalton
133
0,68
0,64
0
0
20
40
40
4,2
1
3
27
59
10
3,7
6
5
9
9
Grundy*
107
0,90
1,00
5
20
15
4
0
47
42
7
3,5
8
5
7
5
Legacy
114
0,46
0,48
6
10
35
37
13
3,4
4
8
38
42
8
3,4
7
6
8
7
Tango
135
0,77
0,72
0
10
70
20
0
3,1
2
6
38
45
8
3,5
7
6
9
9
Tristar
112
0,83
0,89
0
10
33
47
10
3,6
3
8
44
39
7
3,4
8
6
8
8
Vada
112
0,57
0,61
0
10
15
50
25
3,9
3
7
35
47
8
3,5
7
5
7
8
GD 5%
0,12
0,12
Akura
131
0,88
0,83
0
20
20
35
25
3,7
5
10
35
41
9
3,4
7
7
9
9
Electra
129
0,94
0,90
4
14
38
37
7
3,3
3
6
31
49
10
3,6
6
7
9
8
Fantasy
117
0,94
0,96
2
6
39
43
10
3,5
2
6
33
47
12
3,6
7
7
9
9
Kiros
139
1,15
1,06
5
12
40
34
9
3,3
2
4
29
52
12
3,7
8
6
8
6
Mundial
123
1,33
1,31
8
12
42
25
13
3,2
5
13
45
34
3
3,1
8
6
9
9
Naches
126
1,20
1,16
1
8
25
49
15
3,6
2
9
46
40
4
3,3
7
7
9
9
Nelson
131
0,83
0,79
0
0
25
65
10
3,9
4
6
37
49
5
3,5
7
7
9
9
Serge
116
1,02
1,06
5
5
35
35
20
3,6
4
12
47
30
7
3,2
9
9
9
9
XP 08250833
136
1,01
0,94
10
15
39
23
12
3,1
5
10
41
37
7
3,3
9
6
9
9
GD 5%
0,09
0,10
Zeichenerklärung:
* Klassifikation Grünkornsortierung nach englischer Nomenklatur
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
mittelspäte Reifegruppe
späte Reifegruppe
60
Grünkornsortierung
Züchterangaben [%]
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2011 [%]

Beeindruckender Mehrertrag durch
Markerbsen
eine insektizide Saatgutbeizung
Saatgut, Beizen,
mit Cruiser
Stickstoff
Zusammenfassung
Am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden-
Pillnitz wurde im Jahr 2011 wiederum der Einfluss des insektiziden Beizmittels Cruiser
®
350 FS auf den Ertrag bzw. verschiedene Ertragskomponenten bei Markerbsen untersucht.
Bei einer Cruiser-Beizung zeigte sich praktisch kein Blattfraß durch den Blattrandkäfer. Auch
Blattläuse wurden erfolgreich bekämpft. In der unbehandelten Kontrolle waren die Wurzel-
knöllchen fast vollständig durch die Larven des Blattrandkäfers vernichtet, während bei einer
Cruiser-Beizung ein intensiver Wurzelknöllchen-Besatz gegeben war. Dies zeigte sich auch
beim N-Gehalt/N-Aufnahme des Bestandes. Eine Spritzbehandlung gegen den Blattrand-
käfer war weniger erfolgreich.
Die Cruiser-Behandlung führte bei nur geringem N
min
-Vorrat und ohne N-Startdüngung zu
einer Verdoppelung des Ertrages gegenüber der unbehandelten Kontrolle. Dabei beruhte der
Mehrertrag auf einer größeren Anzahl an Hülsen/Pflanze, während die Siebsortierung nur
geringführig vergrößert war.
Versuchshintergrund u. -frage
Bei ersten Anwendungen des insektiziden Beizmittels Cruiser
®
350 FS (Wirkstoff
Thia-
methoxam)
bei Gemüseerbsen wurden deutliche Mehrerträge gegenüber einer reinen fungi-
ziden Saatgutbehandlung beobachtet. Es stellte sich die Frage, auf welche Ertrags-
komponenten (Hülsen/Pflanze, Körner/Hülse, Kornsortierung) etwaige Mehrerträge beruhen
und ob diese Mehrerträge möglicherweise (u. a.) auf eine Bekämpfung der knöllchen-
schädigenden Larven des Blattrandkäfers (Sitona
lineatus)
herrühren.
Bei einem ersten, in einem Sortenversuch integrierten Test im Jahre 2008 führte eine
Cruiser-Beizung bei einer von zwei geprüften Gemüseerbsen-Sorten zu einem Mehrertrag
von 25 % gegenüber der rein fungiziden Saatgutbehandlung. Als entscheidende Ertrags-
komponente konnte nur eine etwas gröbere Kornsortierung statistisch abgesichert werden.
(LABER & LATTAUSCHKE 2008). In einem weiteren Versuch 2010 trat kein nennenswerter Be-
fall mit dem Blattrandkäfer auf und es konnte (dementsprechend) kein Ertragseffekt der
Cruiser-Behandlung beobachtet werden (LABER & LATTAUSCHKE 2010).
Ein Problem bei den Versuchen war allerdings, dass die Behandlungs- = Ernteparzellen mit
6 m² relativ klein waren und so die Gefahr bestand, dass Blattrandkäfer aus der unbehandel-
ten Kontrolle in die behandelte Variante ’nachwandern’ (wenngleich diese Gefahr bei der
länger andauernden Wirkung des Beizmittels geringer sein dürfte als bei eine nur kurzfristi-
gen wirksamen Spritzbehandlung). Von daher werden seitens der EPPO (2003) Parzellen
mit einer Bruttogröße von mindestens 50 m² gefordert und solche von > 500 m² empfohlen.
In dem aktuellen Versuch wurden daher größere Parzellen mit 80 m² angelegt, die über ei-
nen nicht in die Auswertung einbezogenen Rand von 2,5 m verfügten (EPPO: mindestens
1,0 m). Auf Grund der Parzellengröße konnte allerdings die Cruiser-Behandlung nur noch an
einer Sorte untersucht werden, wobei eine fein sortierende Sorte (7,5 - 8,2 mm) gewählt wur-
de, da hier eine Veränderung der Kornsortierung am wenigsten erwünscht wäre.
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie,
Abteilung Gartenbau, Dresden-Pillnitz
Bearbeiter: Hermann Laber
2 0 1 1

image
Kulturdaten:
4. April 2011: N
min
-Probe
7. April 2011: Aussaat: ’Waverex’ (WAV), 90 keimfähige Körner/m², keine N-Düngung
21. April: Auflauf (BBCH 09)
31. Mai: Blühbeginn (BBCH 60)
22. Juni: Ernte, N
min
-Probe
Versuchsanlage: Blockanlage mit 4 Wiederholungen
Parzellengröße: 80,0 m² (8 × 10 m), Ernteparzelle 6,9 m²
Niederschlag: 127 mm, 53 mm Beregnung
Material und Methoden
Bei dem Saatgut handelte es sich um die gleiche Saatgutpartie der Sorte ’Waverex’ (WAV)
die einheitlich mit dem fungiziden Beizmittel ’Wakil’ (Cymoxanil,
Metalaxyl-M, Fludioxonil)
behandelt war. In der Variante ’Cruiser’ wurde entsprechend zusätzlich mit Cruiser
®
350 FS
gebeizt. Die Beizungen wurden seitens der Firma van Waveren Saaten GmbH durchgeführt.
Die Aussaat der Erbsen erfolgte am 7. April im Beetanbau mit einer Parzellen-Drillmaschine.
Nach Auftreten von Fraßschäden durch den Blattrandkäfer wurde in der Variante ’Standard’
(nur Wakil-Beizung) eine Spitzbehandlung mit Trafo WG (λ-Cyhalothrin, 150 g/ha in 500 l
Wasser/ha) durchgeführt (Tab.). Am 23. Mai erfolgte eine erste Blattlaus-Befallsbonitur. Da-
zu wurden pro Parzelle je 20 zufällig ausgewählte Pflanzen auf ihren Befall mit Blattläusen
(Erbsenblattlaus) hin kontrolliert. Da eine erste Blattlausbehandlung mit Plenum WG (Py-
metrozine)
in der Kontrolle und ’Standard’-Variante nicht die gewünschte Wirkung zeigte,
wurde am 1. Juni nochmals mit Pirimor (Pirimicarb) behandelt. Dabei kam es zu einer Ver-
wechselung von Parzellen, so dass teilweise Kontroll- und ’Standard’-Parzellen nicht und
statt dessen ’Cruiser’-Parzellen behandelt wurden. Dieser Fehler wurde allerdings erst bei
einer erneuten Befallsbonitur am 7. Juni deutlich, worauf hin der gesamte Bestand einheitlich
mit Pirimor behandelt wurde. Alle weiteren Pflanzenschutzmaßnahmen entsprachen der pra-
xisüblichen Vorgehensweise und wurden einheitlich durchgeführt.
Ergebnisse
Bei der Aussaat wurde ein relativ geringer N
min
-Vorrat (0-60 cm) von nur 26 kg N/ha festge-
stellt. Auf eine N-(Start)Düngung wurde aber bewusst verzichtet (eine entsprechende Varian-
te mit N-Düngung konnte leider aus Platzgründen nicht mit aufgenommen werden). Bereits
5 Tage nach dem Auflaufen der Erbsen war am 26. April ein deutlicher Unterschied im Blatt-
randkäferfraß zwischen der Kontrolle und der ’Cruiser’-Variante zu erkennen (vgl. Abb. 1),
woraufhin die Trafo-Behandlung in der ’Standard’-Variante durchgeführt wurde.
Abb. 1: Buchtenfraß durch den Blattrandkäfer
(Foto: 10. Mai = 19 Tage nach Auflauf)
Cruiser
Standard
Kontrolle

image
Mitte Mai erfolgte die Auszählung der Bestandesdichte, wobei sich keine Unterschiede zwi-
schen der Kontrolle und der ’Cruiser’-Variante zeigten (Tab.).
Ende Mai traten Erbsen-Blattläuse auf, wobei ein deutlicher Unterschied im Befallsgrad zwi-
schen der Kontrolle/’Standard’- und der ’Cruiser’-Variante bonitiert wurde (Abb. 2). (Leider
konnte durch die Fehlbehandlung und der dadurch notwendigen Blattlaus-Behandlung der
gesamten Versuchsfläche nicht beobachtet werden, wie lange die Blattlauswirkung der
Cruiser-Beizung noch angehalten hätte.)
Abb. 2: Blattlausbesatz
Etwa Anfang Juni, zu Blüh-
beginn, deutete sich ein
Unterschied in der Grün-
färbung der Bestände zwischen der Kontrolle (hellgrün) und der ’Cruiser’-Variante (dunkel-
grün) an. Die ’Standard’-Variante zeigte sich ähnlich hellgrün wie die Kontrolle, vereinzelt war
eine etwas grünere Ausfärbung zu ’erahnen’. Diese unterschiedliche Grünfärbung blieb bis
zu Ernte bestehen (Abb. 3). (Die Versuchsfläche wurde nach der Ernte der Kernparzelle
noch eine Woche stehen gelassen. In dieser Zeit konnte beobachtet werden, dass einzelne
Pflanzen in der Kontrolle/’Standard’-Variante etwas aus dem Bestand ’herauswuchsen’ und
eine deutlich grünere Blattfarbe zeigten.)
Abb. 3: Versuchsfläche am 16. Juni
(6 Tage vor der Ernte)
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Kontrolle
Standard
Cruiser
befallene Pflanzen [%]
23. Mai (vor Plemum-Behandl.)
30. Mai (7 Tage nach Plenum)
nicht ausgezählt
a
a
b
B
A
Cruiser
Cruiser
Cruiser
Cruiser

image
image
image
7 Wochen nach dem Auflaufen wurden auch die Wurzeln auf ihren Besatz mit Wurzel-
knöllchen hin untersucht. Dabei zeigte sich ein beeindruckendes Bild (Abb. 4): An den Wur-
zeln der Kontrollpflanzen waren praktisch keine Wurzelknöllchen vorhanden (auch keine
Reste von an- bzw. ausgefressenen Knöllchen), während bei der ’Cruiser’-Variante ein sehr
starker Besatz zu verzeichnen war, der zum Teil schon als ’Wucherungen’ bezeichnet wer-
den konnte. An den Wurzeln der ’Standard’-Pflanzen waren nur sehr vereinzelt einige Wur-
zelknöllchen zu entdecken.
Abb. 4: Besatz mit Wur-
zelknöllchen
(Fotos: 9. Juni = 49 Tage
nach Auflauf)
Entgegen der EPPO-Richtline, die eine Untersuchung auf Blattrandkäferlarven 6-8 Wochen
nach Beginn des Käferfraßes empfiehlt, waren zu diesem Termin keine Larven mehr (in den
Wurzelknöllchen) zu finden. Allerdings fanden sich im Boden der Kontrolle und ’Standard’-
Variante größere Mengen an Puppen bzw. sich verpuppende Larven (Abb. 5).
Cruiser
Kontrolle
Standard

image
image
Abb. 5: Puppen des Blattrandkäfers
(Foto: 9. Juni = 49 Tage nach Auflauf)
Insgesamt zeigte sich der Erbsenbestand bis zur Ernte ungewöhnlich kurztriebig. Bei der
Vorerntebonitur wurde dann aber festgestellt, dass die ’Cruiser’-Variante einen etwas höhe-
ren Bestand ausgebildet hatte (Abb. 7). Auffällig war auch die ungewöhnlich starke Seiten-
triebbildung, wobei fast alle Pflanzen einen Seitentrieb ausbildeten, der häufig ähnlich kräftig
ausgebildet war wie der Haupttrieb. Auch hier zeigte sich mit starker Tendenz eine geringfü-
gig höheren Seitentriebsbildung bei der ’Cruiser’-Variante (Abb. 6).
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Kontrolle
Standard
Cruiser
Höhe [cm]; Triebe pro 10 Pfl.
Bestandeshöhe
Triebe pro 10 Pflanzen
p=0,0553
a
b
b
Abb. 6: Bestandeshöhe und Seitentriebbildung
Bei einer Vorbeprobung am 20. Juni wurde mit einem Tenderometerwert von 109 (Kontrolle)
und 107 (’Cruiser’) kein wesentlicher Unterschied in der Reifeentwicklung festgestellt, so
dass für den 22. Juni eine gemeinsame Ernte der verschiedenen Varianten anberaumt wur-
de. Hier zeigte sich dann allerdings ein auch statistisch absicherbarer Unterschied von rund
13 Tenderometer-Einheiten (entspricht etwa einem Tag Differenz) zwischen der ’Criuser’-
Variante (117) auf der einen und der Kontrolle/’Standard’-Variante (131/130) auf der anderen
Seite.

Das Ertragsergebnis war in zweierlei Hinsicht überraschend: Zum Einen die enorme Ertrags-
differenz zwischen der Kontrolle und der ’Cruiser’-Variante, zum Anderen das hohe Ertrags-
niveau der ’Cruiser’-Variante’; beides Gegebenheiten, die man dem Bestand so nicht an-
gesehen hat. Die ’Cruiser’-Variante zeigte einen Mehrertrag von 48 dt/ha bzw. 84 % gegen-
über der Kontrolle, bereinigt um den unterschiedlichen Reifegrad sogar von 54 dt/ha bzw.
200 %. Die ’Standard’-Variante wies ebenfalls einen Ertragsvorteil gegenüber der Kontrolle
aus, konnte das hohe Ertragsniveau der ’Cruiser’-Variante aber bei Weitem nicht erreichen
(Abb. 7)
0
20
40
60
80
100
120
Kontrolle
Standard
Cruiser
Rohertrag [dt/ha]
Rohertrag
Rohertrag bei TW 120
b
a
c
C
B
A
Abb. 7: Rohertrag
(Dreschgut)
und geschätzter Ertrag bei einem Tendero-
meterwert von 120
Auch der gesamte FM-Aufwuchs (Tab.) sowie die Menge an Ernterückständen, aber auch
der Harvest-Index (Anteil des Rohertrages am gesamten Aufwuchs) war bei der Cruiser-
Behandlung signifikant gegenüber der Kontrolle erhöht (Abb. 8).
Abb. 8: Ernterückstände und Harvest-Index
0
5
10
15
20
25
30
35
Kontrolle
Standard
Cruiser
Ernterückstände [t/ha]; HI
Ernterückstände
Harvest-Index
b
a
c
B
AB
A

Bei der Siebsortierung (Abb. 9) konnte die sich leicht abzeichnende etwas höhere Korn-
sortierung der ’Cruiser’-Variante in keiner Weise ’statistisch untermauert’ werden (p jeweils >
0,50).
Abb. 9: Siebsortierung
(Mittelwertsberechnung: siehe Tab.)
Die Anzahl an Erbsen pro vollentwickelte Hülse (eher genetisch fixiert) wurde ebenfalls prak-
tisch nicht durch die Cruiser-Behandlung beeinflusst (Abb. 10). Dagegen zeigte sich mit star-
ker Tendenz eine um rund 50 % erhöhte Anzahl an Hülsen pro Pflanze, womit ein Großteil
des beobachteten Mehrertrages erklärt werden kann. Hinzu kommt, dass bei einer Cruiser-
Behandlung mehr Erbsen in den nicht vollentwickelten Hülsen gewesen sein könnten, so
dass, entsprechend dem gefundenen Mehrertrag (bei nahezu gleicher Bestandes- bzw.
Triebdichte und nur wenig beeinflusster Siebsortierung), mehr Erbsen pro Pflanze ausgebil-
det wurden.
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Kontrolle
Standard
Cruiser
Hülsen/Pflanze; Körner/Hülse
Körner pro vollentwickelte Hülse
Hülsen pro Pflanze
p = 0,0543
n.s.
b
Abb. 10: Körner pro vollentwickelte Hülse und Hülsen pro Pflanze
1,9
2,0
2,1
0
20
40
60
80
100
Kontrolle
Standard
Cruiser
Anteil [%]
8,2-9,3 mm
7,5-8,2 mm
< 7,5 mm
n.s.
n.s.
n.s.
Mittel:
n.s.

Die N-Gehalte in Rohware und Ernterückständen fielen bei der ’Cruiser’-Variante (ent-
sprechend der dunkleren Grünfärbung) etwas höher aus als in der Kontrolle/’Standard’-
Variante (Tab.). Die höhere N-Mengen in Rohware und Ernterückständen und damit im Ge-
samtaufwuchs bei der ’Cruiser’-Variante waren aber vor allen der größeren Pflanzenmasse
geschuldet (Abb. 11).
Der Boden war bezüglich N
min
(für einen reinen Leguminosenbestand eher erstaunlich) kom-
plett bzw. nahezu komplett entleert. Da eine nichtlegume Refenzkultur aus Platzgründen
nicht in dem Versuch aufgenommen werden konnte, kann die N
2
-Fixierung der verschie-
denen Varianten nicht berechnet werden. Nach der erweiterten Differenzmethode ergibt sich
aber für die ’Cruiser’-Variante eine um gut 70 kg/ha höhere N
2
-Fixierung als bei der Kontrol-
le/’Standard’-Variante. Durch rund 40 kg N/ha mehr N in den Ernterückständen könnte die-
ses auch einer Nachkultur ’zu Gute kommen’.
8
0
0
60
66
104
43
51
83
77
71
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
200
Kontrolle
Standard
Cruiser
N-Menge [kg/ha]
N im Rohertrag
N in Ernterückständen
Nmin-Rest (0-60 cm)
Abb. 11: N
min
-Rest, N-Menge im Rohertrag und Ernterückständen sowie
daraus berechnete Differenz in der N
2
-Fixierung
Kritische Anmerkung
Die gefundnen Ertragsunterschiede sind vermutlich in erster Linie auf die Bekämpfung der
Blattrandkäfer(larven) durch die Cruiser-Beizung bzw. durch die (wenn auch weniger wirk-
same) Spritzbehandlung und der damit verbesserten N-Versorgung durch den intensiven
Knöllchenbesatz zurückzuführen. Nicht ausgeschlossen werden kann allerdings auch eine
gewisse Ertragsminderung durch den längeren Blattlaus-Befall, der erst mit der 3. Behand-
lung in allen Parzellen beendet wurde. Generell war aber auf der Versuchsfläche kein Virus-
befall zu erkennen, so dass zumindest dieser Effekt eines (länger andauernden) Blattlausbe-
falls ausgeschlossen werden kann.
Ergänzung
Das vorliegende Pflanzenmaterial wurde auch auf seinen Gehalt an Schwefel untersucht.
Dabei bestätigten sich mit einem S-Gehalt des Rohertrages von 0,15 % frühere Unter-
suchungen (L
ABER 2010). Der S-Gehalt der Ernterückstände der Kontrolle und ’Standard’-
Variante lag mit 0,26 % vergleichsweise hoch, die der ’Cruiser’-Variante auf bereits beobach-
teten Niveau. Die S-Aufnahme lag wiederum unter 20 kg S/ha (Tab.).

Tab.: Varianten und deren Ertrags- und Analyseergebnisse
Kontrolle
Standard
Cruiser
GD
0,0
5
Saatgutbehandlung Fungizid
Wakil (Cymoxanil,
Metalaxyl-M, Fludioxonil)
Insektizid
keine
Cruiser
Blattrandkäfer-Behandlung
keine
Trafo WG (27.
Apr.)
keine
1. Läusebehandlung
150 g/ha Plenum 50 WG (24. Mai)
keine
2. Läusebehandlung
[300 g/ha Pirimor Granulat (1.
Juni)]
1)
teilweise
1)
3. Läusebehandlung
300 g/ha Pirimor Granulat (7. Juni)
N
min
-Vorrat
0-30 cm
19
30-60 cm
7
Bestandesdichte [Pfl./m²]
2)
99
-
97
n.s.
Blattlausbesatz 23. Mai [%]
50
45
3
19
Blattlausbesatz 30. Mai [%]
80
-
6
21
Triebe pro Pflanze [St]
3)
1,8
1,7
1,9
n.s.
#
Hülsen pro Pflanze [St]
3)
6,1
7,2
9,0
n.s.
#
Körner pro Hülse [St]
4)
7,3
7,3
7,6
n.s.
FM-Ertrag [dt/ha]
57
71
104
7,7

Harvest-Index [%]
5)
22,2
24,2
24,9
2,1
Tenderometerwert
6)
131
130
117
12
Ertrag
TW 120
[dt/ha]
7)
54
67
108
7,3
Kornsortierung [%] < 7,5 mm
33
30
28
n.s.
7,5 – 8,2 mm
40
41
39
n.s.
8,2-9,3 mm
27
29
31
n.s.
9,3 – 10,3 mm
0
0
1
n.s.
Mittlere Kornsortierung
8)
1,9
2,0
2,1
n.s.
TM-Ertrag [dt/ha]
9)
12,9
16,3
22,3
N-Gehalt
Ertrag
[% i.d.TS]
9)
3,34
3,13
3,73
N im Markertrag [kg N/ha]
43
51
83
S-Gehalt
Ertrag
[% i.d.TS]
9)
0,15
0,16
0,15
S im Markertrag [kg S/ha]
1,9
2,6
3,4
Ernterückstände [dt/ha]
200
220
315
16,4
TM-Ernterückstände
[dt/ha]
9)
41,3
45,1
60,0
N-Gehalt
Ernterückst.
[%
i.d.TS]
9)
1,44
1,46
1,74
N in Ernterückst. [kg N/ha]
60
66
104
S-Gehalt
Ernterückst.
[%
i.d.TS]
9)
0,27
0,26
0,19
S in Ernterückst. [kg S/ha]
11,2
11,7
11,4
FM-Aufwuchs [dt/ha]
257
291
419
20,5
N im Aufwuchs [kg N/ha]
103
117
188
S im Aufwuchs [kg S/ha]
13,1
14,3
14,8
N
min
-Rest [kg N/ha] 0-30 cm
6
0
0
30-60 cm
2
0
0
1)
: Fehlbehandlung: Statt einiger Kontrolle- bzw. Standard-Parzellen wurden versehentlich
Cruiser-Parzellen behandelt;
2)
: Auszählung auf 3,45 m²/Wiederholung (= ½ Parzelle);
3)
: Bonitur an 10 Pflanzen je Wiederholung;
4)
: Bonitur an 10 vollentwickelten Hülsen je Wie-
derholung;
5)
: Anteil Marktertrag am gesamten FM-Aufwuchs (= FM-Ertrag ÷ FM-Aufwuchs);
6)
: 3 Messwiederholungen pro Parzelle;
7)
: Ertrag korrigiert auf TW 120 nach der umgeform-
ten Reife-Ertragsbeziehung von EVERAARTS & SUKKEL 2000 (vgl. LABER 2008);
8)
: = (% < 7,5 mm
×
1 + % 7,5-8,2 mm
×
2 + % 8,2-9,3 mm
×
3 + % 9,3-10,2 mm
×
4 + % >
10,2 mm
×
5)/100;
9)
: TS-Gehaltsbestimmung und N-/S-Analyse an einer Mischprobe über die Wiederholungen
: Irrtumswahrscheinlichkeit p ca. 0,055
Literatur:
EPPO 2003: Eppo Standard PP 1/60 (3): Efficacy evaluation of Insecticides:
Sitona lineatus.
European and Mediterranean Plant Protection Organization, Paris
LABER, H. und G. LATTAUSCHKE 2008: Saatgutbehandlung mit Cruiser führte bei einer Erbsensorte zu einem
deutlichen Mehrertrag.
www.hortigate.de
LABER, H. 2008: Ertragszunahme mit zunehmender Reife bei den verschiedenen Markerbsen-Sortentypen prak-
tisch gleich.
www.hortigate.de
LABER, H. 2010: Nur geringe Schwefel-Aufnahme von unter 20 kg S/ha bei Markerbsen.
www.hortigate.de
LABER, H. und G. LATTAUSCHKE 2010: Vermutlich auf Grund ausreichender N-Versorgung keine Ertragswirkung
einer insektiziden Saatgutbeizung mit Cruiser.
www.hortigate.de

Abreife- und Ertragsverlauf bei normal-
Markerbsen
blättrigen und fiederblattlosen Markerbsen
Sorte, Reife
praktisch gleich; TW und AIS eng korreliert
Ertrag
Zusammenfassung
Am Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz
wurde 2011 nochmals der Abreife- und Ertragsverlauf von 4 normalblättrigen und 4 fieder-
blattlosen Markerbsensorten miteinander verglichen.
Dabei zeigte sich, auch bei Einbeziehung der Ergebnisse vorheriger Versuche, bei nur gerin-
ger Streuung ein nahezu deckungsgleicher Anstieg der Tenderometerwerte (TW) bei den
normalblättrigen bzw. fiederblattlosen Erbsensorten. Auch beim 2011 erstmals untersuchten
Gehalt an alkoholunlöslichen Substanzen (AIS) waren praktisch keine Unterschiede im An-
stiegsverhalten zu erkennen.
Zwischen dem TW und dem AIS-Gehalt bestand sortenübergreifend ein sehr enger Zusam-
menhang, der nahezu exakt mit einer vergleichbar umfangreichen niederländischen Unter-
suchung übereinstimmte. Für einzelne Sorten errechneten sich aber dennoch leicht unter-
schiedliche Regressionsgeraden für den Zusammenhang zwischen TW und AIS-Gehalt, so
dass bei höheren TW Sortenunterschiede zu konstatieren sind.
Für jede der 2011 untersuchten Sorten wurde die Veränderung der Siebsortierung im Reife-
verlauf beobachtet. Eine niederländische ’Faustzahl’ für die Abnahme des Anteils extrafeiner
Erbsen mit steigendem TW konnte bestätigt werden.
Der Anstieg des Ertrages mit zunehmendem TW war im praxisrelevanten Bereich von TW 90
bis 150 bei den normalblättrigen und fiederblattlosen Markerbsensorten ebenfalls nahezu
deckungsgleich. Die Zusammenfassung der Versuchsergebnisse aller Versuchsjahre mit
z. T. auch unterschiedlich sortierenden Erbsensorten bestätigte eine niederländische Reife-
Ertragsfunktion für Markerbsen.
Versuchshintergrund u. -frage
Die Bezahlung von Erbsen für die industrielle Verarbeitung erfolgt nach deren Reifegrad, der
im Allgemeinen mit einem Tenderometer bestimmt wird. Der TW kann sehr schnell ermittelt
werden und zeigt eine enge Korrelation zu sensorisch ermittelten Qualitätsparametern.
Allerdings lässt sich der TW nur an rohen, unverarbeiteten Erbsen bestimmen, so dass Ab-
nehmer von verarbeiteten Erbsen deren Reifegrad (neben einer sensorischen Überprüfung)
nur durch eine Bestimmung des AIS-Gehaltes ermitteln können, der wiederum häufig mit
einem entsprechenden Faktor in einem TW umgerechnet wird.
Seitens der Verarbeitungsindustrie und einiger Saatgutunternehmen wird allerdings aktuell
darüber diskutiert, ob der bzw. die Umrechnungsfaktor(en) AIS-Gehalt zu TW (für die eigene
Produktion) ’korrekt’ sind und ob es ggf. sogar sortenspezifische Unterschiede gibt.
In einem Versuch mit bezüglich Siebsortierung und Wuchsverhalten möglichst unterschied-
lichen Erbsensorten sollten daher über eine weite Reifegradspanne TW und AIS-Gehalte
bestimmt werden. Dabei bot es sich an, wiederum normalblättrige und fiederblattlose Sorten
in dem Versuch aufzunehmen, um so die Arbeiten bezüglich des Abreife- und Ertragsverlauf
dieser Erbsensortentypen fortzuführen (LABER 2007 und 2008).
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie,
Abteilung Gartenbau, Dresden-Pillnitz
Bearbeiter: Hermann Laber
2 0 1 1

Kulturdaten 2011
22. März: Aussaat der frühen und mittelfrühen Sorten (110 bzw. 100 keimfähige
Körner/m²), Reihenabstand 11,5 cm
11. April: Aussaat der mittelspäten und späten Sorten (90 keimfähige Körner/m²)
6. Juni: erste Beerntung (’Sherwood’, ’M 89282’),
29. Juni: letzte Beerntung (’Arnesa’, ’Serge’)
Parzellengröße: 5,75 m²
Material und Methoden
Der Versuch wurde in die Sortenversuche des Jahres 2011 integriert (LATTAUSCHKE 2011),
wobei jeweils 6 Parzellen von einer Sorte ausgesät wurden und so 6 Ernten (ohne Wieder-
holung) zu unterschiedlichem Reifegrad möglich waren. Sofern die jeweilige Sorte auch in
dem Sortenversuch integriert war, konnte eine 7. Zeiternte (mit dann 4-facher Wiederholung)
ausgewertet werden. Aus dem frühen bis späten Sortenspektrum wurde jeweils eine normal-
blättrige und eine fiederblattlose Sorte für den Versuch ausgewählt (siehe Tab., Seite 9).
Bei der Ernte wurden die Erbsenpflanzen auf den Parzellen von Hand gezogen und an-
schließend mit einem ’Mini Sampling Viner’ (Firma Haith, GB) zeitnah mit zweimaligem
Durchgang gedroschen. Da die feinen Sorten ’Oracle’ und ’Arnesa’ auch dann noch viele
ungeöffnete Hülsen aufwiesen, wurden diese Sorten generell 3-mal gedroschen.
Nach der Ertragserfassung wurden die Erbsen in Leitungswasser gewaschen und mit Hilfe
von gewöhnlichen Küchensieben von Blatt- und Hülsenteilen befreit. Dabei wurden teilweise
beim Druschvorgang zerschlagene Erbsen mit entfernt, was bei sehr früher Ernte (TW unter
80) auch etwas größere Mengen an Erbsen betreffen konnte.
An den gewaschenen (noch nicht sortierten
“Mischprobe“) Erbsen wurde mit dreifacher
Messwiederholung an einem Tenderometer mit einer
Kramer Shear
Cell (Model TM2, Food
Technology Corp., USA) der TW bestimmt. Weiteres Mischproben-Material wurde für die
Bestimmung des AIS-Gehaltes zurückbehalten (s. u.). Soweit ertragsbedingt vorhanden,
wurden 2-3 kg der gewaschenen Erbsen mit Hilfe von Quadratsieben mit einer Maschen-
weite von 7,5, 8,2, 9,3, und 10,2 mm fraktioniert und anschließend ausgewogen und so der
jeweilige Masseanteil [%] berechnet. An den beiden “Hauptfraktionen“ (Sortierfaktionen mit
dem größten Anteil) wurde wiederum der TW bestimmt.
Jeweils ca. 300 g der Mischprobe und der beiden Hauptfraktionen wurden blanchiert und
anschließend bei -18°C in loser Schüttung eingefroren. Diese Proben wurden später in An-
lehnung an ISO 23392 (ISO 2006) im Labor auf ihren AIS-Gehalt hin untersucht. Dazu wurde
das Probenmaterial in einem Kunststoffbeutel im Wasserbad aufgetaut. Anschießend wur-
den die Erbsen in warmes Wasser gegeben und geschwenkt. Auf einem Abtropfsieb wurde
nochmals mit warmem Wasser abgespült und abtropfen gelassen.
Die so vorbereiteten Erbsen wurden mit einem Mixer homogenisiert. Ca. 20 g dieser Masse
wurden in einem Rundkolben eingewogen und dann mit 300 ml 80%igem Ethanol für 30 min
im Wasserbad mit Rückflusskühler gekocht. Danach wurde die Masse auf einem zuvor ge-
trockneten und ausgewogenen, dann mit Ethanol angefeuchteten Faltenfilter quantitativ
überführt. Dazu wurde mehrmals mit 60-75°C heißem Ethanol nachgespült.
Der Filterkuchen wurde mit heißen Ethanol gewaschen, bis der Filterkuchen farblos war.
Nach Abtropfen wurde der Filter über Nacht bei 105°C getrocknet und anschließend ausge-
wogen. Der AIS-Gehalt errechnete sich aus dem Verhältnis von getrocknetem Filterkuchen
(= nicht in Alkohol gelöste Substanz) zur Einwaage (ca. 20 g).
Für den Erntezeitraum wurde eine mittlere Temperatur von 18,7°C (2 m Höhe) ermittelt (Ta-
gesdurchschnittsminima: 14,9°C, -maxima: 22,6°C). Als ’Normaltag’ wurde ein Tag mit
18,4°C festgelegt, was in etwa der langjährigen Mitteltemperatur während der Erbsenkampa-
gne am hiesigen Standort entspricht. Auf Grund des geringen Einflusses der Basistempera-
tur auf die Variation der Temperatursumme vom Blühbeginn bis zur Ernte (vgl. L
ABER 2009)
wurden Temperatursummen mit der ’klassischen’ Basistemperatur von 4,4°C berechnet.

Ergebnisse
Ziel war es, die Ernte der ersten Parzelle einer Sorte bei einem TW von ca. 80 zu beginnen.
Bei den beiden frühen Sorten ’Sherwood’ und ’M 89282’ wurde bei der ersten Beerntung am
6. Juni aber bereits ein TW von über 100 ermittelt. Im zumeist 1- bis 2-tägigen Abstand wur-
den weitere Parzellen bis zu einem TW um ca. 160 ausgewertet. An einigen Terminen (Sor-
ten) zeigte sich aber nur eine verzögerte Abreife, so dass teilweise (bei ’Moose’ auch durch
den Ausfall von 2 Parzellen) keine Parzellen mehr für ein späteres Reifestadium zur Verfü-
gung standen.
Die
Zunahmen der TW
von Tag zu Tag fielen, wie in den Vorversuchen, sehr unter-
schiedlich aus und zeigten wiederum nur eine ’lockere’ Beziehung zum jeweiligen Ausgangs-
TW (Abb. 1). (Bei einer Umrechnung auf die TW-Zunahmen pro Normaltag mit 18,4°C fiel
die Beziehung mit einem R² von 0,36 noch etwas schlechter aus.) Wie in den Vorversuchen
zeigte sich aber wiederum, dass die täglichen TW-Zunahmen zu Beginn der Reifephase zu-
meist 5 bis 10 TW-Einheiten nicht überschreiten, später aber durchaus 10 bis 20 (oder auch
mehr) betragen können.
y = 0,0024x
2
- 0,3233x + 16,3
R
2
= 0,46
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
60
70
80
90
100
110
120 130
140
150 160 170
Ausgangs-Tenderometerwert
Zunahme TW pro Tag
normalblättrig
Oracle
fiederblattlos
Abb. 1: Zunahme der Tenderometerwert (TW) der Erbsen
(Mischprobe)
pro Tag in Abhängigkeit vom jeweiligen Ausgangs-Tenderometer-
wert
(Als Beispiel für die stark schwankenden täglichen TW-
Zunahmen wurde die Werte der Sorte ’Oracle’ hervorgehoben)
Trotz dieser großen Schwankungen bei den täglichen TW-Zunahmen zeigte sich über die
Reifeperiode hinweg für jede Sorte ein sehr gut mit einer quadratischen Funktion beschreib-
barer Anstieg der TW (Abb. 2).
Auf Basis dieser Regressionsgleichungen wurde die Temperatursumme (ab Erntebeginn) bis
zum Erreichen von TW 120 für jede Sorte separat geschätzt und diese Wärmesumme gleich
0 gesetzt. Damit konnten, für eine gemeinsame Betrachtung aller Sorten (Abb. 3), die bei
jeder Sorte etwas unterschiedlich Beobachtungszeiträume exakter ’synchronisiert’ werden.
(In den vorangegangenen Versuchsauswertungen wurde jeweils die Temperatursumme des
Erntetages gleich 0 gesetzt, an dem der TW einem Wert von 120 am nächsten kam.)

y = 0,0162x
2
- 0,4159x + 103,9
R
2
= 0,94
y = 0,0089x
2
+ 0,3692x + 110,3
R
2
= 0,95
60
80
100
120
140
160
180
200
Tenderometerwert
Sherwood
M 89282
Sherwood
M 89282
y = 0,0026x
2
+ 0,2119x + 66,2
R
2
= 0,996
y = 0,0052x
2
+ 0,084x + 84,9
R
2
= 0,98
Genesis
PLS 566
Genesis
PLS 566
y = 0,0047x
2
+ 0,4378x + 87,9
R
2
= 0,98
y = 0,0076x
2
+ 0,0188x + 81,7
R
2
= 0,98
60
80
100
120
140
160
180
200
0
20
40
60
80
100
Temperatursumme ab 1. Ernte [°Cd]
Tenderometerwert
Oracle
Arnesa
Oracle
Arnesa
y = 0,0017x
2
+ 0,4751x + 71,0
R
2
= 0,98
y = 0,0062x
2
+ 0,1975x + 76,6
R
2
= 0,998
0
14
28
42
56
70
84
98
112
126
140
Temperatursumme ab 1. Ernte [°Cd]
Moose
Serge
Moose
Serge
Abb. 2: Anstieg der Tenderometerwerte
(Mischproben)
in Abhängigkeit von der Tem-
peratursumme
(Basistemperatur 4,4°C)
nach der 1. Ernte
normalblättrig:
y = 0,0036x
2
+ 0,8713x + 120
R
2
= 0,98
fiederblattlos:
y = 0,0061x
2
+ 0,9534x + 120
R
2
= 0,96
M 89282:
y = 0,0162x
2
+ 1,1007x + 120
R
2
= 0,94
60
80
100
120
140
160
180
200
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
Temperatursumme [°Cd] bzw. Normaltage
Tenderometerwert
normalblättrig
fiederblattlos
M 89282
normalblättrig
fiederblattlos
M 89282
-8
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
3
4
5
Abb. 3: Anstieg der Tenderometerwert der Erbsen
(Mischproben)
mit der
Temperatursumme
(Basistemperatur 4,4°C
) bzw. an einem Normal-
tag mit 18,4°C Durchschnittstemperatur
(Temperatursumme bei
TW 120 berechnet anhand der jeweiligen Regressionsgleichungen
aus Abb. 2 und gleich 0 gesetzt. Die kleinkörnigen Sorten ’Oracle’ und
’Arnesa’ wurden mit kleineren Symbolen gekennzeichnet)

Dabei verlief der
TW-Anstieg
bei den normalblättrigen und fiederblattlosen Sorten insbe-
sondere im praxisrelevanten Bereich von TW 90-150 wiederum nahezu identisch. Auch die
sehr fein bzw. extra fein sortierenden Sorten ’Oracle’ und ’Arnesa’ reiten sich ’unauffällig’ ein.
Nur die Sorte ’M 89282’ fiel (bei allerdings fehlenden Daten unterhalb TW 100) durch einen
etwas abweichenden Reifeverlauf auf.
Fasst man die Ergebnisse der Versuchsjahre 2007 (LABER 2007a), 2008 (LABER 2008a) und
2011 zusammen, so zeigt sich für die untersuchten 10 normalblättrigen und 11 fiederblatt-
losen Erbsensorten, bei nur geringer Streuung, ein nahezu deckungsgleicher Reifeverlauf
(Abb. 4). Damit kann die in der Praxis häufiger vertretene Meinung, dass fiederblattlose
Markerbsensorten eine schnellere Abreife als normalblättrige Sorten zeigen, in keiner Weise
bestätigt werden.
normalblättrig:
y = 0,0032x
2
+ 0,8062x + 120
R
2
= 0,94
fiederblattlos:
y = 0,0035x
2
+ 0,793x + 120
R
2
= 0,92
60
80
100
120
140
160
180
200
-112 -98 -84 -70 -56 -42 -28 -14
0
14
28
42
56
70
84
Temperatursumme [°Cd] bzw. Normaltage
Tenderometerwert
normalblättrig
fiederblattlos
normalblättrig
fiederblattlos
-8
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
3
4
5
6
Abb. 4: Anstieg der Tenderometerwert der Erbsen
(Mischproben)
mit der
Temperatursumme
(Basistemperatur 4,4°C
) bzw. an einem Normal-
tag mit 18,4°C Durchschnittstemperatur; Versuche 2007, 2008,
2011
(Temperatursumme bei TW 120 für die Versuche 2007 und
2008 nachträglich berechnet und gleich 0 gesetzt)
Für alle bisher untersuchten 28 Markerbsensorten inkl. des 2006 durchgeführten Vergleichs
feiner/grober Erbsen (LABER 2006a) ergibt sich ein Abreifeverhalten, wie es sich ähnlich auch
aus den Daten einer neueren kanadischen Untersuchung (FALLON et al. 2006) errechnet
(Abb. 5). Auch OTTOSSON (1968) beschrieb für Erbsensorten mit 4-5 hülsentragenden No-
dien (ein Wert, der auch bei den heutigen Sorten zumeist vorgefunden wird) einen zunächst
ähnlichen TW-Anstieg, der dann allerdings oberhalb eines TW von 120 ’steiler’ verlief.
OTTOSSON ’setzte’ den Normalerntetermin aber schon bei einem TW von 100 und hatte
oberhalb TW 140 offensichtlich nur wenige oder keine Messwerte.
EVERAART & SUKKEL (2000) beschrieben dagegen im Mittel für 31 untersuchte Sorten einen
nahezu linearen Anstieg der TW mit sogar leicht abnehmenden Zuwachsraten (Abb. 6). Al-
lerdings bezogen sie den TW auf die “Tage nach der ersten Ernte“ der jeweiligen Sorte und
führten nicht eine entsprechende ’Synchronisation’ durch, in dem ein einheitlicher TW (100
bei O
TTOSSON, 120 bei der eigenen Auswertung) als ’Nullpunkt’ gesetzt wurde. Auch für die
eigenen Daten und den Ergebnissen von PUMPHREY et al. (1975) ergibt sich im Mittel ein
ähnlicher Anstieg der TW, wenn keine Synchronisation erfolgt und der TW auf die “Tage
nach der ersten Ernte“ bezogen wird.

Versuche 2006-2011
(28 Sorten, 4 Jahre):
y = 0,0036x
2
+ 0,8123x + 120
R
2
= 0,93
Daten n. FALLON et al. 2006
(6 Sorten, 2 Jahre):
y = 0,0052x
2
+ 0,9441x + 120
R
2
= 0,96
60
80
100
120
140
160
180
200
-112 -98 -84 -70 -56 -42 -28 -14
0
14
28
42
56
70
84
Temperatursumme [°Cd] bzw. Normaltage
Tenderometerwert
Versuche 2006 bis 2011
Daten n. Fallon et al. 2006
Versuche 2006 bis 2011
Ottosson 1968, 4-5 Nodi
Daten n. Fallon et al. 2006
-8
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
3
4
5
6
Abb. 5: Anstieg der Tenderometerwert der Erbsen
(Mischproben)
mit der
Temperatursumme
(Basistemperatur 4,4°C
) bzw. an einem Normal-
tag mit 18,4°C Durchschnittstemperatur; Versuche 2006, 2007,
2008, 2011
(Temperatursumme bei TW 120 für die Versuche 2006 bis
2008 nachträglich berechnet und gleich 0 gesetzt. Die Daten von
FALLON et al. wurden analog verrechnet.)
Versuche 2006-2011:
y = -0,3663x
2
+ 11,333x + 83,8
R
2
= 0,54
Daten n. P
UMPHREY
et al. 1975:
y = -0,0571x
2
+ 5,9576x + 83,9
R
2
= 0,60
E
VERAART
& S
UKKEL
2000:
y = -0,1506x
2
+ 10,07x + 94,0
R
2
= ?
Daten n. F
ALLON
et al. 2006:
y = 0,7807x
2
+ 9,9774x + 85,5
R
2
= 0,86
60
80
100
120
140
160
180
200
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Tage nach erster Ernte
Tenderometerwert
Abb. 6: Anstieg der Tenderometerwert mit zunehmender Reife (Literatur-
daten)
Ebenso wie bei den TW zeigte sich über die Reifeperiode hinweg für jede Sorte ein sehr gut
mit einer quadratischen Funktion beschreibbarer Anstieg der
AIS-Gehalte
(Abb. 7). Auch
hier verlief der AIS-Anstieg bei den normalblättrigen und fiederblattlosen Sorten wiederum
nahezu identisch (Abb. 8). Lediglich oberhalb eines AIS-Gehaltes von ca. 16 % (entspricht
etwa einem TW von 145, vgl. Abb. 9) deutet sich ein etwas schnellerer Anstieg bei den fie-

derblattlosen Sorten an, der aber auf Grund der geringen ’Datendichte’ in diesem Bereich in
keiner Weise als gesichert angesehen werden kann.
y = 0,0007x
2
+ 0,0492x + 12,32
R
2
= 0,93
y = 0,0004x
2
+ 0,0488x + 10,31
R
2
= 0,91
6
8
10
12
14
16
18
20
22
AIS [%]
Sherwood
M 89282
Sherwood
M 89282
y = 0,0005x
2
+ 0,0022x + 7,45
R
2
= 0,99
y = 0,0005x
2
+ 0,0338x + 8,68
R
2
= 0,99
Genesis
PLS 566
Genesis
PLS 566
y = 0,0006x
2
+ 0,0238x + 10,0
R
2
= 0,95
y = 0,0009x
2
- 0,0106x + 10,0
R
2
= 0,96
6
8
10
12
14
16
18
20
22
0
20
40
60
80
100
Temperatursumme ab 1. Ernte [°Cd]
AIS [%]
Oracle
Arnesa
Oracle
Arnesa
y = -0,0001x
2
+ 0,0727x + 8,91
R
2
= 0,99
y = 0,0004x
2
+ 0,0439x + 8,93
R
2
= 0,99
0
14
28
42
56
70
84
98
112
126
140
Temperatursumme ab 1. Ernte [°Cd]
Moose
Serge
Moose
Serge
Abb. 7: Anstieg der AIS-Gehalte
(Mischproben)
in Abhängigkeit von der Temperatur-
summe
(Basistemperatur 4,4°C)
nach der 1. Ernte
normalblättrig:
y = 0,0002x
2
+ 0,0814x + 13,52
R
2
= 0,93
fiederblattlos:
y = 0,0006x
2
+ 0,1023x + 13,69
R
2
= 0,98
6
8
10
12
14
16
18
20
22
-112 -98 -84 -70 -56 -42 -28 -14
0
14
28
42
56
70
Temperatursumme [°Cd] bzw. Normaltage
AIS [%]
normalblättrig
fiederblattlos
normalblättrig
fiederblattlos
-8
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
3
4
5
Abb. 8: Anstieg des AIS-Gehaltes der Erbsen
(Mischproben)
mit der Tem-
peratursumme
(Basistemperatur 4,4°C
) bzw. an einem Normaltag
mit 18,4°C Durchschnittstemperatur
(Temperatursumme analog
Abb. 3)

Entsprechend des sehr ähnlichen Verlaufs des Anstiegs der
TW und AIS-Gehalte
mit zu-
nehmender Reife bestand ein enger Zusammenhang zwischen diesen beiden Reifepara-
metern (Abb. 9). Dabei zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen den an den
Mischproben bzw. an den jeweiligen beiden Hauptfraktionen gemessenen Werten. Berech-
net man die Regressionsgleichung ohne Absolutglied, so erhält man mit 0,11 [TW
AIS]
bzw. 9,0 [AIS
TW] einen einfachen Umrechnungsfaktor für diese Parameter.
y = 0,1102x
R
2
= 0,93
y = 0,1011x + 1,16
R
2
= 0,94
6
8
10
12
14
16
18
20
22
24
60
80
100
120
140
160
180
200
220
Tenderometerwert
AIS [%]
Mischproben
Haupftfraktionen
Abb. 9: Zusammenhang zwischen den gemessenen Tenderometerwerten
(roh) und AIS-Gehalten der eingefrorenen Erbsen
Einen nahezu identischen Zusammenhang zwischen TW und AIS-Gehalt fand auch
WESTERLING (1986) vom niederländischen Sprenger-Institut im Versuchsjahr 1983, wobei die
Streuung (zum Teil auch bei sortenspezifischer Auswertung) deutlich höher ausfiel.
aktuell:
y = 0,1011x + 1,16
R
2
= 0,94 (n = 134)
W
ESTERLING
1986:
y = 0,1x + 1,4
R
2
= 0,74 (n = 144)
Tiefkühlwerk:
y = 0,1316x - 1,58
6
8
10
12
14
16
18
20
22
24
60
80
100
120
140
160
180
200
220
Tenderometerwert
AIS [%]
aktuelle Untersuchung
Westerling 1986 (alle Sorten)
Westerling 1986 (einzelne Sorten)
Deutsche Leitsätze
Umrechnungsgleichung Tiefkühlwerk
Abb. 10: Zusammenhang zwischen Tenderometer- und AIS-Gehalten (Lite-
raturdaten)

Drei Sorten wurden von WESTERLING auch über mehrere Versuchsjahre beobachtet, wobei
sich zumeist relativ konstante TW-AIS-Zusammenhänge ergaben. Eine Sorte fiel in einem
der vier Versuchsjahre aber deutlich ab und zeigte im Mittel rund 1,6 %-Punkte geringere
AIS-Gehalte als in den drei anderen Versuchsjahren.
Aus den einjährigen Ergebnissen von SCOTT (1982) ergibt sich über die 4 untersuchten Sor-
ten und 2 Bewässerungsstufen hinweg ein etwas schnellerer Anstieg der AIS-Gehalte mit
zunehmendem TW (Abb. 11). Für die einzelnen Varianten (Sorte × Bewässerung) zeigte sich
mit Bestimmtheitsmaßen von mehr als 0,92 jeweils ein sehr enger Zusammenhang zwischen
TW und AIS-Gehalt (zu sortenspezifischen Unterschieden s. u.).
n. S
COTT
1982:
y = 0,1390x - 3,43
R
2
= 0,82 (n = 302)
aktuell:
y = 0,1011x + 1,16
R
2
= 0,94 (n = 134)
6
8
10
12
14
16
18
20
22
24
60
80
100
120
140
160
180
200
220
Tenderometerwert
AIS [%]
Scott 1982 (alle Sorten, mit/ohne Beregnung)
einzelne Sorten, ohne Beregnung
einzelne Sorten, mit Beregnung
Abb. 11: Zusammenhang zwischen Tenderometer- und AIS-Gehalten (ver-
ändert nach SCOTT 1982)
In der Literatur finden sich noch weitere, zumeist aber nicht sehr umfangreiche Untersuch-
ungen zum Zusammenhang von TW und AIS-Gehalt (Abb. 12). Bei zwar unterschiedlichen
Steigungen (Regressionskoeffizienten) zeigen doch die meisten Verläufe (wie auch der nach
WESTERLING und der der aktuellen Untersuchung) bei einem TW von 100 recht einheitlich
einen AIS-Gehalt von rund 11,5 %. Nur aus zwei dänischen Arbeiten (HANSEN et al. 1999
und SØRENSEN et al. 2003) und ergibt sich bei einem TW von 100 ein AIS-Gehalt von 13,4
und 13,1 (8,75 - 10,2 mm) bzw. 12,6 (Mischproben). Nach einer älteren kanadischen Arbeit
(VOISEY & NONNECKE 1973) liegt der AIS-Gehalt bei TW 100 nur bei etwa 9,1 %, OTTOSSON
(1958) fand im “kalten und regnerischen“ Versuchsjahr 1954 nur 10,4 %. Auch bei SCOTT
(1982) lagen die AIS-Gehalte bei einem TW von 100 nur bei rund 10,5 %.
Bei den Arbeiten ist allerdings nicht immer ersichtlich, ob die AIS-Bestimmung an verarbei-
teten Erbsen erfolgte; SCHIJVENS & FRANKHUIZEN (1992) untersucht den AIS-Gehalt an rohen
Erbsen, die nach W
ESTERLING (1986) und OTTOSSON (1958) bei fortgeschrittener Reife einen
etwas höheren AIS-Gehalt zeigen als entsprechend verarbeitete.

In den ’Deutschen Leitsätzen’ (BMELV 2008) wird ein TW von 110 einem AIS-Gehalt von
13 %, ein TW von 125 einem Gehalt von 14 % ’gleichgesetzt’. Das hiesige Tiefkühlwerk
rechnet mit der “empirisch aufgestellten“ Gleichung TW = AIS × 7,6 + 12 (vgl. Abb. 10).
O
TTOSSON
1968:
y = 0,1669x - 5,30
R
2
= 0,95 (n = 16)
Daten n. S
CHIJVENS
& F
RANKHUIZEN
1992
(rohe Erbsen):
y = 0,0883x + 2,75
R
2
= 0,91 (n = 16)
aktuell:
Daten n. HANSEN et al. 1999
(8,75-10,2 mm):
y = 0,1114x + 1,95
R
2
= 0,96 (n = 10)
AGRO SEED SERVICE 2004:
y = 0,0855x + 2,87
R
2
= ? (4 Sorten)
S
ØRENSEN
et al. 2003
(Mischproben):
y = 0,151x - 2,53
R
2
= 0,96 (n = 20)
SØRENSEN et al. 2003
(8,75 - 10,2 mm):
y = 0,12x + 1,14
R
2
= 0,98 (n = 20)
n. V
OISEY
& N
ONNECKE
1973:
y = 0,0937x - 0,31
R
2
= 0,74 (n = 57)
O
TTOSSON
1958
(Versuche 1953+1956):
y = 0,1231x - 0,62
R
2
0,90 (n = 145)
(Versuch 1954):
y = 0,1115x - 0,73
R
2
= 0,89 (n = 64)
6
8
10
12
14
16
18
20
22
24
60
80
100
120
140
160
180
200
220
Tenderometerwert
AIS [%]
Abb. 12: Zusammenhang zwischen Tenderometer- und AIS-Gehalten (Lite-
raturdaten)
Für die einzelnen Sorten errechneten sich leicht unterschiedliche Regressionsgeraden für
den Zusammenhang zwischen TW und AIS-Gehalt (Tab., Abb. 13), wobei mit Ausnahme
von ’Moose’ alle Sorten bei einem TW von 100 recht einheitlich einen AIS-Gehalt von im Mit-
tel 11,3 % aufwiesen.
Tab.: Regressionskoeffizient (b) und -konstante (a) sowie Bestimmtheitsmaß (R²) für
den Zusammenhang zwischen Tenderometerwert und AIS-Gehalt
Sorte
Züchter Frühzeitigk. Sortierung
Blatt
b
a
Sherwood
SVS
früh
grob
normal
+ 0,0999
+1,34
0,90
M 89282
S&G
früh
grob
fiederblattlos + 0,1086
-0,14
0,93
Genesis
AGIS
mittelfrüh
grob
normal
+ 0,1325
-1,91
0,98
PLS 556
WAV
mittelfrüh
grob
fiederblattlos + 0,1215
-1,06
0,98
Oracle
WAV
mittelspät
sehr fein
normal
+ 0,0848
+2,36
0,98
Arnesa
NUN
mittelspät
extra fein
fiederblattlos + 0,0839
+3,09
0,98
Moose
SVS
spät
grob
normal
+ 0,1085
+1,28
0,96
Serge
SVS
spät
grob
fiederblattlos + 0,0930
+2,31
0,99
Bei höheren TW wichen ’Oracle’ und ’Genesis’ bzw. ’PLS 566’ am stärksten voneinander ab.
’Genesis’ wies oberhalb eines TW von knapp 130 statistisch abgesichert höhere AIS-Gehalte
auf als ’Oracle’ (Abb. 14). Bei ’PLS 566’ waren ab TW 150 signifikante Unterschiede zu
’Oracle’ zu verzeichnen (Abb. 15). Bei allen anderen Sorten-Kombinationen waren keine ab-
sicherbaren Unterschiede im Zusammenhang zwischen TW und AIS-Gehalt erkennbar.

6
8
10
12
14
16
18
20
22
24
60
80
100
120
140
160
180
200
220
Tenderometerwert
AIS [%]
alle Sorten
Sherwood
M 89282
Genesis
PLS 566
Oracle
Arnesa
Moose
Serge
Abb. 13: Regressionsgeraden der verschiedenen Sorten für den Zusam-
menhang zwischen den gemessenen Tenderometerwerten und
AIS-Gehalten
y = 0,1325x - 1,91
R
2
= 0,98
y = 0,0848x + 2,36
R
2
= 0,98
6
8
10
12
14
16
18
20
22
60
80
100
120
140
160
180
200
Tenderometerwert
AIS [%]
Genesis
Oracle
Abb. 14: Regressionsgeraden der Sorten ’Genesis’ und ’Oracle’ für den
Zusammenhang zwischen den gemessenen Tenderometerwerten
und AIS-Gehalten mit jeweiligem Vertrauensbereich
einseitig
< 0,05)

y = 0,1215x - 1,06
R
2
= 0,98
y = 0,0848x + 2,36
R
2
= 0,98
6
8
10
12
14
16
18
20
22
60
80
100
120
140
160
180
200
Tenderometerwert
AIS [%]
PLS 566
Oracle
Abb. 15: Regressionsgeraden der Sorten ’PLS 566’ und ’Oracle’ für den
Zusammenhang zwischen den gemessenen Tenderometerwerten
und AIS-Gehalten mit jeweiligem Vertrauensbereich
einseitig
< 0,05)
SCOTT (1982) errechnete für die einzelnen Varianten (Sorte × Bewässerung) jeweils spezifi-
sche TW-AIS-Regressionsgleichungen. Dabei wich eine Sorte mit signifikant höheren AIS-
Gehalten von den drei anderen Sorten ab (vgl. Abb. 11, rosa Linien). Bei einer weiteren Sor-
te (blaue Linien) konnte ein signifikanter Einfluss der Bewässerung festgestellt werden.
Auch WESTERLING (1986) gibt für 7 untersuchte Sorten jeweils eigene TW-AIS-Regres-
sionsgleichungen an (vgl. Abb. 10), macht aber keine Angaben darüber, ob diese Unter-
schiede statistisch abgesichert sind (die am stärksten voneinander abweichenden Sorten
weisen jeweils ein R² von ’nur’ rund 0,67 auf). Im Text geht der Autor auch nur auf die Diffe-
renz zwischen Markerbsen und den ebenfalls untersuchten Palerbsen ein.
Das Saatzuchtunternehmen AGRO SEED SERVICE (2004) berichtete, dass der Zusammen-
hang TW-AIS “stark sortenabhängig“ sei, da “einige Sorten einen schnellen Umsatz von Zu-
cker in Stärke haben“ (Regression in Abb. 12 = Mittel von 4 Sorten). Nach deren Unter-
suchungen wies ’Spring’ (syn. ’Avola’) den schnellsten AIS-Anstieg auf (bei TW 120 14,3 %),
während dieser bei ’Style’ an langsamsten erfolgte (bei TW 120 12,2 %). ’Waverex’ und
’Tristar’ nahmen eine Mittelstellung ein. Angaben zum Umfang der Untersuchung und zur
statistischen Absicherung wurden allerdings nicht gemacht.
Aus den Versuchsdaten von HANSEN et al. (1999) berechnen sich für die beiden unter-
suchten (aber nicht näher bezeichneten) Sorten nahezu identische Regressionsgeraden.

Wie zu erwarten, änderte sich im Verlauf der Abreife die
Sortierung
, dass heißt der Anteil
kleinerer Siebfraktionen nahm ab und der der größerer Fraktionen zu (Abb. 16). Die Aussage
von NEUVEL (1992), dass mit einem Anstieg der TW um 10 Punkte eine Abnahme des An-
teils an Erbsen < 7,5 mm (extra fein) um 3-6 %-Punkte verbunden ist, konnte für die beiden
sehr bzw. extra feinen Sorten ’Oracle’ und ’Arnesa’ mit einer Abnahme von 5,1 bzw. 4,3 %-
Punkten bestätigt werden (Abb. 17)
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
Anteil [%]
< 10,2 mm
< 9,3 mm
< 8,2 mm
< 7,5 mm
'Sherwood'
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
9,4-10,2 mm
8,3-9,3 mm
7,6-8,2 mm
< 7,5 mm
'M 89282'
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
Anteil [%]
< 10,2 mm
< 9,3 mm
< 8,2 mm
< 7,5 mm
'Genesis'
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
'PLS 566'
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
Anteil [%]
< 9,3 mm
< 8,2 mm
< 7,5 mm
'Oracle'
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
< 9,3 mm
< 8,2 mm
< 7,5 mm
'Arnesa'
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
Temperatursumme [°Cd] bzw. Normaltage
Anteil [%]
< 10,2 mm
< 9,3 mm
< 8,2 mm
< 7,5 mm
-8
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
3
4
5
'Moose'
-112 -98
-84
-70
-56
-42
-28
-14
0
14
28
42
56
70
Temperatursumme [°Cd] bzw. Normaltage
< 10,2 mm
< 9,3 mm
< 8,2 mm
< 7,5 mm
-8
-7
-6
-5
-4
-3
-2
-1
0
1
2
3
4
5
'Serge'
Abb. 16: Anteil der verschiedenen Größensortierung im Reifeverlauf
(fehlender Anteil zu 100 % = > 10,2 mm, bei ’Oracle’ und ’Arnesa’ > 9,3 mm)

y = 0,51x
R
2
= 0,72
y = 0,43x
R
2
= 0,76
-2
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Zunahme Tenderometerwert
Abnahme Anteil < 7,5 mm [%]
Oracle
Arnesa
Abb. 17: Abnahme des Anteils an Erbsen < 7,5 mm (extra fein) in Abhän-
gigkeit von der Zunahme des Tenderometerwertes
(Mischproben)
zum jeweils vorherigen Erntetermin
Der Anstieg des
Ertrages
mit zunehmendem TW verlief bei den verschiedenen Sorten un-
terschiedlich (Abb. 18). Er konnte zumeist gut mit einer quadratischen Funktion beschrieben
werden. Aus der jeweiligen Funktion wurde der bei einem TW von 120 zu erwartende Ertrag
der jeweiligen Sorte abgeleitet. Die an den verschiedenen Ernteterminen realisierten Erträge
wurden dann relativ zu dem Ertrag bei TW 120 berechnet.
y = -0,0091x
2
+ 2,7924x - 114,3
R
2
= 0,58
y = -0,0230x
2
+ 6,3289x - 324,7
R
2
= 0,85
0
20
40
60
80
100
120
140
160
Ertrag [dt/ha]
Sherwood
M 89282
Sherwood
M 89282
y = -0,0195x
2
+ 5,5045x - 258,8
R
2
= 0,98
y = -0,0138x
2
+ 4,7177x - 256,7
R
2
= 0,85
Genesis
PLS 566
Genesis
PLS 566
y = -0,0044x
2
+ 1,6868x - 56,3
R
2
= 0,81
y = -0,0108x
2
+ 2,972x - 128,4
R
2
= 0,95
0
20
40
60
80
100
120
140
160
60
70
80
90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200
Tenderometerwert
Ertrag [dt/ha]
Oracle
Arnesa
Oracle
Arnesa
y = -0,0037x
2
+ 2,0837x - 56,4
R
2
= 0,80
y = -0,0077x
2
+ 2,4475x - 70,7
R
2
= 0,92
60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200
Tenderometerwert
Moose
Serge
Moose
Serge
Abb. 18: Erbsenertrag in Abhängigkeit vom Tenderometerwert
(Mischproben) (die
schwarz markierten Symbole stellen das Ertragsergebnis aus 4 Wiederholungen
des parallel stattgefundenen Sortenversuches dar)

Fasst man so die Sorten zusammen zeigt sich, dass der Anstieg des Ertrages bei den nor-
malblättrigen und fiederblattlosen Sorten im praxisrelevanten Bereich von TW 90 bis 150
nahezu deckungsgleich verläuft (Abb. 19).
0
20
40
60
80
100
120
140
160
60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200
Tenderometerwert
rel. Ertrag [%]
normalblättrig
fiederblattlos
normalblättrig
fiederblattlos
fiederblattlos:
y = -0,0078x
2
+ 2,6259x - 103,4
R
2
= 0,88
normalblättrig:
y = -0,0104x
2
+ 3,2869x - 144,5
R
2
= 0,90
Abb. 19: Relativer Ertrag
(TW 120 = 100 %)
in Abhängigkeit vom Tendero-
meterwert
(Mischproben)
normalblättriger und fiederblattloser
Erbsensorten
(Ertrag bei TW 120 berechnet anhand der jeweiligen
Regressionsgleichungen aus Abb. 18)
Auch bei Einbeziehung der im Versuchsjahr 2007 (LABER 2007b) und 2008 (LABER 2008b)
gewonnenen Daten zeigten sich im relevanten TW-Bereich praktisch kein Unterschied zwi-
schen den normalblättrigen und den fiederblattlosen Sorten (Abb. 20).
0
20
40
60
80
100
120
140
160
60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200
Tenderometerwert
rel. Ertrag [%]
normalblättrig
fiederblattlos
normalblättrig
fiederblattlos
fiederblattlos:
y = -0,0106x
2
+ 3,3635x - 151,4
R
2
= 0,84
normalblättrig:
y = -0,0093x
2
+ 2,9938x - 124,8
R
2
= 0,75
Abb. 20: Relativer Ertrag
(TW 120 = 100 %)
in Abhängigkeit vom Tendero-
meterwert
(Mischproben)
normalblättriger und fiederblattloser
Erbsensorten; Versuche 2007, 2008 und 2011

Für alle 28 untersuchten Markerbsensorten inkl. des 2006 durchgeführten Vergleichs feiner/
grober Erbsen (LABER 2006b) ergibt sich eine Reife-Ertrag-Beziehung, die zwischen der auf
einen Relativertrag umgeformten Ertragsbeziehung nach EVERAARTS & SUKKEL (2000; ermit-
telt an 31 Sorten, 16 Versuche, 2 Standorte über 5 Jahre) und der sich aus den Daten von
FALLON et al. (2006, 6 Sorten, 2 Jahre) ergebenden Regressionsfunktion liegt (Abb. 21).
Auch zu anderen in der Literatur zu findenden Reife-Ertragsbeziehungen (die aber mit Aus-
nahme von OTTOSSON 1958 u. 1968 und SCOTT 1982 jeweils nur an einer Sorte ermittelt
wurden) besteht eine mehr oder weniger enge Übereinstimmung (Abb. 22).
n. E
VERARRTS
& S
UKKEL
2000:
y = -0,0097x
2
+ 2,9801x - 118,27 (R
2
= ?)
0
20
40
60
80
100
120
140
160
60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200
Tenderometerwert
rel. Ertrag [%]
Versuche 2006-2011
Versuche 2006-2011
Daten n. Fallon et al. 2006
n. Fallon et al. 2006
verändert n. Everaarts & Sukkel 2000
Versuche 2006-2011
y = -0,0094x
2
+ 2,9971x - 124,8
R
2
= 0,74
Daten n. FALLON et al. 2006:
y = -0,0094x
2
+ 3,1186x - 139,4
R
2
= 0,84
Abb. 21: Relativer Ertrag
(TW 120 = 100 %)
in Abhängigkeit vom Tendero-
meterwert
(Mischproben)
; Versuche 2006, 2007, 2008 und 2011,
verschiedene Erbsen-Sortentypen
n. O
TTOSSON
1958 (129 Versuche):
y = -0,0138x
2
+ 4,2185x - 207,7
für x > 139: y = 112,3
n. O
TTOSSON
1968:
y = -0,034x
2
+
8,1878x - 393,3
Daten n. SCOTT 1982
(beregnet und unberegnet):
y = -0,0101x
2
+ 2,9667x - 110,7
R
2
= 0,64 (n = 305)
20
40
60
80
100
120
140
60 70 80 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200
Tenderometerwert
rel. Ertrag [%]
Versuche 2006 bis 2011
verändert n. Pumphrey et al. 1975, beregnet
unberegnet
Daten n. Anderson & White 1974
verändert n. Ottosson 1958 (Versuche 1952-1957)
Daten n. Ottosson 1968 (Versuche 1965-1967):
Daten n. Scott 1982
n. P
UMPHREY
et al. 1975, beregnet:
y = 159,7904x
0,5
- 6,7013x - 846,3
R
2
= 0,84 (n
10)
unberegnet:
y = 269,4261x
0,5
- 12,0728x - 1402,8
R
2
= 0,81 (n
50)
Daten n. A
NDERSON
& W
HITE
1974 (beregnet und unberegnet):
y = -0,0125x
2
+ 4,0835x - 210,2; R
2
= 0,89 (n = 58)
Abb. 22: Relativer Ertrag
(TW 120 = 100 %)
in Abhängigkeit vom Tendero-
meterwert (Literaturdaten)

Fazit
In 3 Versuchsjahren mit insgesamt 10 normalblättrigen und 11 fiederblattlosen Mark-
erbsensorten zeigte sich ein nahezu deckungsgleicher Reifeverlauf der beiden Sorten-
typen. Damit wiesen fiederblattlose Markerbsensorten keinen schnelleren Anstieg der
Tenderometerwerte (TW) auf als normalblättrige Sorten
Der Anstieg des relativen Ertrages (TW 120 = 100 %) mit zunehmendem Tenderometer-
wert verlief bei den beiden Sortengruppen praktisch gleich. Er kann, über die Sorten-
gruppen hinweg, mit folgender Funktion beschrieben werden:
rel. Ertrag [%] = -0,009363TW
2
+ 2,9971TW - 124,82
Zwischen Tenderometerwert (roh) und dem AIS-Gehalt (verarbeitet) bestand über die un-
tersuchten 8 Sorten hinweg ein enger Zusammenhang, der vereinfachend mit dem Faktor
0,11 (TW
AIS) bzw. 9,0 (AIS
TW) beschrieben werden kann
Bei höheren Tenderometerwerten ab etwa 130 traten Sortenunterschiede auf, die bei ei-
ner ’pauschalen’ Umrechnung von AIS-Gehalten in TW zu Fehleinschätzungen des Reife-
zustandes führen könnten
Literatur:
AGRO SEED SERVICE 2004: Internet-Informationen zu “umfangreichen Untersuchungen hin-
sichtlich des Verhaltens AIS-Tenderometer“ (24.2.2004, z. Z. nicht mehr geschaltet).
www.agroseedservice.com
ANDERSON, J.A.D. und J.G.H. WHITE 1974: The relationship between green pea yield and
tenderometer reading. New Zealand Journal of experimental agriculture
2
(1), S. 31-33
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L
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warmer Frühsommer führte bei späten Markerbsen zu Ertragseinbußen. d) Kontinuität auf
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Sortenspezifische Ertragsreaktion auf eine
Markerbsen
Bewässerung; Gute Prognose des Boden-
Bewässerung
wassergehaltes auf Basis der PENMAN-Werte
Sorte
Zusammenfassung
Bei einem erneuten Bewässerungsversuch mit vier verschiedenen Markerbsensorten am
Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz wurden
2011 sortenspezifisch zum Teil deutliche Ertragseffekte einer Bewässerung nach der ’Gei-
senheimer Bewässerungssteuerung’ beobachtet. Entgegen der Einschätzung der Züchter
zeigte aber keine der vier untersuchten Sorten eine ’ausgeprägte’ Trockenstresstoleranz mit
einem speziell unter trockenen Bedingungen höherem Ertragsniveau als Vergleichssorten.
Die mit Hilfe der ’Geisenheimer Bewässerungssteuerung’ prognostizierten Bodenwasser-
gehalte stimmen mit den tatsächlichen vorgefundenen Werten sehr gut überein, wenn die
Berechnung auf Basis der PENMAN-Verdunstungswerte mit entsprechenden kc
PENMAN
-
Faktoren erfolgte.
Versuchshintergrund u. -frage
Im hiesigen Anbaugebiet mit seinen Lössböden werden Markerbsen fast ausnahmslos ohne
Beregnung angebaut. Der Klimawandel und dabei insbesondere die prognostizierte Früh-
sommertrockenheit stellen aber langfristig einen unberegneten Anbau in Frage.
Neben der Überprüfung von vorhandenen Beregungsmodellen sollen im Rahmen der Unter-
suchungen spezielle Sorten mit einer ggf. besseren Toleranz gegenüber Trockenstress ge-
testet werden. Im ersten Versuchsjahr 2010 konnte trotz massiver Austrocknung der unbe-
wässerten Kontrolle keine wesentlichen Ertragseffekte einer Bewässerung beobachtet wer-
den (LABER & BRENNER 2010).
Material und Methoden
In dem Versuch konnten 4 Sorten mit ähnlicher Reifezeit geprüft werden, wovon jeweils 2
seitens der Züchter als ’eher trockenstresstolerant’, die anderen beiden als ’eher wasser-
bzw. beregnungsbedürftig’ eingeschätzt wurden (Tab. 1).
Tab. 1: Einbezogene Sorten; erreichte Bestandesdichte
Sorte
Puget
Ambassador
Naches
Mundial
Züchter
Van Waveren
Seminis
Trockenstresstoleranz
1)
eher ja
eher nein
eher ja
eher nein
Blattform
normal
normal
semi-leafless
normal
Reifetage
1)
+12
+12
+12
+13
Bestandesdichte [Pfl./m²]
2)
88
107
100
95
1)
: Einschätzung/Angabe des Züchters (’Spring’ +);
2)
: Auszählung am 6.5., 6 lfdm pro Sorte
pro Wiederholung, (Unterschiede zwischen den Sorten nicht statistisch abgesichert)
Die Aussaat erfolgte mit dem 19. April relativ spät, um möglichst trockene Boden- und Witte-
rungsbedingungen vorzufinden. Die Erbsen liefen am 29. April auf, die erreichte Bestandes-
dichte war zum Teil relativ hoch (Tab. 1). Im weiteren Kulturverlauf wurden mehrere praxis-
übliche Fungizid- und Insektizidmaßnahmen durchgeführt, so dass der Erbsenbestand prak-
tisch befallsfrei war.
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie,
Abteilung Gartenbau, Dresden-Pillnitz
Bearbeiter: Hermann Laber und Sonja Brenner
2 0 1 1

Kultur- und Versuchsdaten:
19. April 2011: Aussaat der Sorten (90 keimfähige Körner/m²), Beetanbau (1,5 m) mit
10 Reihen, Reihenabstand 11,5 cm, keine N-Düngung
29. April: Auflauf (BBCH 09)
20. Mai: 6-Blatt-Stadium (BBCH 16)
7. Juni: Beginn der Blüte (BBCH 61)
15. Juni: Beginn Hülsenbildung (BBCH 69)
28. Juni: erste Ernte (’Puget’)
4. Juli: letzte Ernte (’Naches’ und ’Mundial’)
Bodenart: schwach sandiger Lehm (Ls2), n. Bodenschätzung: L 3 Al 73/74
Versuchsanlage: Zweifaktorielle Spaltanlage (Haupteinheit Beregnung, Untereinheit Sorte)
mit 4 Wiederholungen (Blöcken)
Parzellengröße: 5,75 Netto-m² (5 lfdm Beet)
Beregnung: Parzellen-Gießwagen mit Flachstrahldüsen (Gierhake Maschinenbau)
Drusch: Mini Sampling Viner (Tickhill Engineering Co Ltd), 2 Druschdurchläufe
Tenderometer: TM-2 Texture Press (Food Technology Corporation)
Neben einer
’Kontrolle’
in der keine Beregnung durchgeführt wurde, sollten in einer
’Pra-
xis’
-Variante nur bei extremer Trockenheit 1 bis 2 Regengaben erfolgen, so dass der Bo-
denwassergehalt 40 % nFK nicht unterschreitet. In der Variante
’Intensiv’
wurde nach der
’Geisenheimer Bewässerungssteuerung’ (PASCHOLD et al. 2010) eine Wasserbilanz erstellt
und entsprechend beregnet. Allerdings sollte abweichend vom Modell (bei dem der Boden
durch die Beregnungsgaben immer wieder auf den Ausgangswassergehalt von rund
100 % nutzbare Feldkapazität (nFK) aufgefüllt werden soll) erst bei ca. 60 % nFK eine Be-
regnung durchgeführt werden, die den Boden auf ca. 80 % nFK auffüllt. Dabei wurde zu-
nächst bis zum 6-Blatt-Stadium (BBCH 16) nur die Bodenschicht 0-30 cm einbezogen, da-
nach wurde entsprechend mit 0-60 cm Tiefe kalkuliert.
Die Berechnung der potentiellen Evapotranspiration des Erbsenbestandes (ET
c
) und damit
der Klimatischen Wasserbilanz erfolgte nach der ’Geisenheimer Bewässerungssteuerung’
(PASCHOLD et al. 2010). Dabei wurde mit den entsprechenden kc-Werten für Grünerbsen
gerechnet (vgl. Abb. 1), die entweder auf die potentielle Verdunstung nach der modifizierten
PENMAN-Gleichung (ETp
PENMAN
) ausgelegt sind (kc
PENMAN
, FA-GM 2011a), oder sich aber auf
die um 25-35 % geringere (PASCHOLD et al. 2011) FAO-Gras-Referenzverdunstung (ET
0
)
beziehen (kc
FAO
, FA-GM 2011b). Allerdings wurde (wie auch bei der ’Agrowetter’-
Beregnungsberatung [s. u.] und im Vorjahresversuch) in einer Berechnungsvariante auch bei
Verwendung von ET
0
mit den kc
PENMAN
-Werten gerechnet.
Abweichend vom ’Geisenheimer Modell’, das “nach starken Niederschlägen“ mit einer Über-
schreitung der Feldkapazität (FK) die Bilanzierung für 2 Tage aussetzt und danach wieder
mit FK ’startet’, wurde bei der eigenen Kalkulation die Nutzung der über die FK hinaus-
gehenden Wassermenge (langsam bewegliches Sickerwasser) dadurch eingerechnet, dass
sich der Boden auf bis zu 105 % nFK auffüllen konnte und nur die darüber hinausgegangene
Niederschlagsmenge als versickert angenommen wurde.
Parallel wurde die Verdunstung/Wasserbilanz mit dem vom Deutschen Wetterdienst angebo-
tenen Modul ’Agrowetter Beregnungsberatung’ berechnet, dass sich ebenfalls weitestgehend
am ’Geisenheimer Modell’ orientiert. Allerdings wird hier trotz der zugrunde gelegten FAO-
Gras-Referenzverdunstung (ET
0
) generell mit den kc
PENMAN
-Werten gerechnet.
Im Falle einer Überschreitung der FK wird bei diesem Modell die Bilanzierung nicht ausge-
setzt, sondern die Versickerung in Abhängigkeit von den Bodeneigenschaften kalkuliert
(A
GROWETTER 2009). Eine Besonderheit von ’Agrowetter’ ist die Berechnung einer aktuellen
Verdunstung (ET
c adj
), die im Falle einer nicht ausreichenden Wasserversorgung des Be-
standes unter ET
c
liegt (JANSSEN 2010).

Bei der Berechnung mit ’Agrowetter’ wurden die Voreinstellungen bezüglich der Schwellen-
werte für den Beregnungsbeginn (70 % bis BBCH 16, abfallend auf 50 % ab BBCH 69) ein-
heitlich auf 60 % geändert, die maximale Durchwurzelungstiefe wurde von 40 cm (Vorein-
stellung) auf 60 cm erhöht.
Bei der Berechnung greift ’Agrowetter’ automatisch auf die ET
0
-Werte der nächstgelegenen
Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zurück (in diesen Falle Dresden-Hoster-
witz, ca. 3 km vom Versuchsstandort entfernt, ähnliche Topographie etc.). Auch die eigene
Berechnung nach ’Geisenheim’ wurde auf Basis dieser seitens des DWD freundlicher Weise
zur Verfügung gestellten ET
0
-, aber auch ETp
PENMAN
-Verdunstungswerten durchgeführt.
Die Niederschläge wurden ’vor Ort’ mit einer Wetterstation des Versuchsbetriebes erfasst.
Die so ermittelten Niederschlagswerte wurden auch bei der ’Agrowetter’-Berechnung zugrun-
de gelegt. Generell geben die dargestellten Niederschlags- und Verdunstungswerte sowie
Bodenwassergehalte den Wert bzw. Zustand am Ende des angegebenen Tages (24:00 Uhr)
wieder.
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
28. Apr
05. Mai
12. Mai
19. Mai
26. Mai
02. Jun
09. Jun
16. Jun
23. Jun
30. Jun
ET [mm/d]
EtpPENMAN
ET0 xxxxxxxxxxxxxxxxxxx
BBCH 09-16
kc
PENMAN
= 0,4
kc
FAO
= 0,6
ET
0
(Σ 228,3 mm)
ETp
PENMAN
(Σ 275,4 mm)
BBCH 16-61
kc
PENMAN
= 0,9
kc
FAO
= 1,3
BBCH 69-76
kc
PENMAN
= 1,5
kc
FAO
= 2,1
61-69
1,3
1,8
Abb. 1: Evapotranspiration nach der modifizierten PENMAN-Gleichung
(ETp
PENMAN
)
und
FAO-Gras-Referenzverdunstung
(ET
0
)
für den Standort Dresden-Hosterwitz
Die Beregnung der entsprechenden Parzellen (Haupteinheit) erfolgte mit einem Parzellen-
Gießwagen mit Flachstrahldüsen. Um eine vollständige Infiltration sicherzustellen, wurden je
Überfahrt nur 2 bis maximal 6 mm ausgebracht, so dass bis zu 8 Überfahren pro Bereg-
nungsgabe erforderlich waren. Die ausgebrachte Beregnungsmenge wurde jeweils mit Hilfe
von bodennah aufgestellten Regenmessern überwacht.
In maximal 14-tägigen Abstand wurden, möglichst an Terminen ohne direkte vorherige Nie-
derschläge, Bodenproben im 30 cm-Raster bis 60 bzw. 90 cm Tiefe entnommen. Dazu wur-
den in jeder Haupteinheit in 2 der 4 Sorten je eine Bodenprobe mit einem ’Pürckhauer Bohr-
stock’ (0-60 cm) bzw. mehrteiligen Bohrsatz (0-30, 30-60, 60-90 cm) gezogen, so dass je
Variante und Tiefe eine Mischprobe über die 4 Wiederholungen mit insgesamt 8 Einstichen
vorlag. Bei der Endernte erfolgte die Bodenprobenahme nur in der Sorte ’Ambassador’ mit 2
Einstichen pro Parzelle. Am jeweils gesamten Probenmaterial (ca. 500 bis 1600 g, je nach
Bohrstock bzw. Tiefe) wurde durch Trocknen bei 105°C der gravimetrische Boden-
wassergehalt bestimmt. Die Umrechnung in einem volumetrischen Bodenwassergehalt er-
folgte mit einer angenommen Bodendichte von 1,5 g/cm
3
.

Ergebnisse
Nach einem niederschlagsreichen Winter (190 mm Niederschlag vom 1. Nov. bis 15. März)
wurde am 21. März die FK der Versuchsfläche durch Ziehen einer Bodenprobe bestimmt.
Bei einer angenommen Bodendichte von 1,5 g/cm³ wurde eine FK von 27,4 Vol.-% (0-30 cm)
bzw. 29,8 Vol.-% (30-60 cm) ermittelt (Tab. 3). Die Kartieranleitung (BGR 2005) weist dage-
gen für einen schwach sandiger Lehm (Ls2, Rohdichte 1,5 g/cm³) mit 34 Vol.-% eine höhere
FK aus. Dementsprechend wurde der bei der Berechnung der nFK zugrunde gelegte Tod-
wassergehalt gegenüber der KA 5 (Ls2: 18 Vol.-%) mit 12,6 Vol.-% ebenfalls reduziert.
Beim Auflaufen der Erbsen (BBCH 09) Ende April wurde ein Ausgangs-Bodenwassergehalt
in 0-60 cm Tiefe von knapp 89 % nFK ermittelt. Im weiteren Verlauf fielen dann bis Mitte Mai
mit 25,7 mm ausreichend Niederschläge, um nach ’Agrowetter’ und den eigenen Berech-
nungen (ET
0
× kc
PENMAN
) den Boden in 0-30 cm Tiefe im Bereich von 80 % nFK zu halten
(Abb. 2).
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
110
27. Apr
30. Apr
03. Mai
06. Mai
09. Mai
12. Mai
15. Mai
18. Mai
% nFK
Berechnung
Berechnung Agrowetter
Berechnung
Meßwert 'Intensiv'
Niederschlag
BBCH 09
BBCH 14
5
10
15
20
25
30
Niederschlag [mm]
BBCH 16
(kc
PENMAN
)
ET
0
× kc
FAO
ET
0
× kc
PENMAN
Abb. 2: Niederschlags- und Beregnungsmengen sowie Bodenwassergehalt
(kalkuliert
auf Basis der täglichen Wasserbilanz: Niederschlag bzw. Beregnung - (ET
0
× kc);
bzw. gravimetrisch bestimmt)
der Schicht 0-30 cm bei der Variante ’Intensiv’
Insgesamt war der Mai mit einer
FAO-Gras-Referenzverdunstung
von 111,0 mm recht tro-
cken, die Erbsen verbrauchten aber nur 72,3 mm (ET
c
nach ’Agrowetter’), so dass sich bei
55,4 mm Niederschlag über den Monat hinweg nur ein mäßiges Wasserdefizit ergibt.
Da sich Ende Mai nach ’Agrowetter’ und der eigenen Berechnung ein Absinken der Boden-
feuchte andeutete und sich nach den Ergebnissen der Bodenproben zu BBCH 16 eher eine
Überschätzung der Bodenfeuchtegehalte zeigte, wurde die Variante ’Intensiv’ am 25. Mai
zum ersten Mal mit 20 mm beregnet (Abb. 3). Allerdings fielen am folgenden Tag entgegen
der Wettervorhersage noch 13 mm Niederschlag, so dass sich der Boden rechnerisch auf
knapp 100 % nFK auffüllte.

0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
110
27. Apr 04. Mai 11. Mai 18. Mai 25. Mai 01. Jun 08. Jun 15. Jun 22. Jun 29. Jun
% nFK
Berechnung
Berechnung Agrowetter
Meßwert 'Intensiv'
Beregnung 'Intensiv'
Niederschlag
BBCH 09
BBCH 14
BBCH 61
BBCH 69
BBCH 76
5
10
15
20
25
30
Niederschlag [mm]
BBCH 16
ET
0
× kc
PENMAN
(kc
PENMAN
)
Abb. 3: Niederschlags- und Beregnungsmengen sowie Bodenwassergehalt
(kalkuliert
auf Basis der täglichen Wasserbilanz: Niederschlag bzw. Beregnung - (ET
0
× kc
PENMAN
);
bzw. gravimetrisch bestimmt)
der Schicht 0-60 cm bei der Variante ’Intensiv’
(’Agrowetter’ = Mittelwert der berechneten Werte für 0-30 cm und 30-60 cm Tiefe)
Auch im Juni lag die ET
0
bei 111,3 mm. Bei einer ET
c
von 148,4 mm (’Agrowetter’) und nur
45,8 mm Niederschlag wurde insgesamt eine Bewässerung von 95 mm in der Variante ’In-
tensiv’ notwendig. Mitte des Monats war auch der Schwellenwert der ’Praxis’-Variante von
40 % nFK unterschritten, so dass zunächst 20 mm beregnet wurden (vgl. Abb. 5). Eine wei-
tere Wassergabe in Höhe von 20 mm erfolgte etwas verspätet am 27. Juni, je nach Sorte 1
bis 5 Tage vor der Ernte.
Die auf Basis der ET
0
-Werte mit kc
PENMAN
berechneten täglichen Verdunstungswerte stimm-
ten weitgehend mit dem ’Agrowetter’-Ansatz überein (da rechnerisch nie eine Bodenfeuchte
von 60 % nFK unterschritten wurde, war hier die berechnete ET
c adj
ET
c
). Mit einer berech-
neten Verdunstung von 223,1 mm wies ’Agrowetter’ aber einen geringfügig höheren Wert für
die Kulturzeit aus als die eigene Berechnung, die auf 218,8 mm kam (Tab. 5a). Auf Grund
der eingeschränkten Wasserversorgung wurde seitens ’Agrowetter’ für die Variante ’Praxis’
nur eine ET
c adj
von 190,2 mm, für die ’Kontrolle’ von 169,1 mm berechnet.
Entsprechend den nahezu identischen Verdunstungswerten verliefen die berechneten Bo-
denfeuchtegehalte der Variante ’Intensiv’ ebenfalls sehr ähnlich (Abb. 2 und 3). ’Agrowetter’
berechnete zwar an mehreren Terminen für die obere Bodenschicht eine Bodenfeuchte von
über 100 % nFK, zu einer Versickerung kam es aber dennoch nicht, da die Schicht 30-60 cm
jeweils noch keine 100 % nFK aufwies. Bei der eigenen Berechnung ergab sich ebenfalls
keine Versickerung, da mit maximal 103,8 % nFK nicht der gesetzte Schwellenwert von
105 % nFK überschritten wurde.

Berechnet man auf Basis ET
0
die Evapotranspiration der Erbsen mit den dafür vom ’Geisen-
heimer Modell’ vorgesehenen’ kc
FAO
-Werten, so ergibt sich insgesamt eine ET
c
von
289,2 mm. In der ersten Kulturphase errechnet sich so eine um rund 13 mm höhere ET
c
(Tab. 5a), die zu einem Absinken der Bodenfeuchte in 0-30 cm auf unter 60 % nFK führte
(Abb. 2). Im weiteren Kulturverlauf sank mit der so errechneten ET
c
die Bodenfeuchte in 0-
60 cm aber bis zum permanenten Welkepunkt (0 % nFK) ab (Abb. 4). Im Vergleich mit den
in ein- bis 2-wöchigen Abstand gravimetrisch ermittelten Bodenwassergehalten ist allerdings
eine deutliche Überschätzung der ET
c
durch den Ansatz
ET
0
× kc
FAO
zu erkennen.
Im Gegensatz zum Ansatz ET
0
× kc
FAO
führte der Ansatz
ET
0
× kc
PENMAN
(auch ’Agrowetter’)
ab BBCH 14 zu einer deutlichen Unterschätzung der ET
c
, so dass der Boden bis zu 40 %-
Punkte trockener war als kalkuliert (Abb. 3). Damit fiel mit diesem Ansatz die Prognose der
Bodenfeuchte deutlich schlechter als im Vorjahresversuch aus, wo bei zwar auch zwischen-
zeitlicher Unterschätzung der Bodenfeuchte für den Erntetermin ein nahezu exakter Boden-
wassergehalt vorhergesagt werden konnte (LABER & BRENNER 2010).
Die für die
PENMAN-Verdustungswerte
vom ’Geisenheimer Modell’ vorgesehene Berech-
nung
ETp
PENMAN
× kc
PENMAN
führte bis BBCH 61 zu einer sehr guten Übereinstimmung zwi-
schen berechnetem und tatsächlichem Bodenwassergehalt (Abb. 4). Im letzten Kulturdrittel
wurde der Boden zunächst 10 %-Punkte zu feucht, dann zu Kulturende 10 bzw. 20 %-Punkte
zu trocken eingeschätzt. Ursache hierfür könnte neben eine Überschätzung der ET
c
auch die
Nutzung von Bodenwasser unterhalb 60 cm durch die Erbsen gewesen sein, so dass die
oberen Schichten weniger stark austrockneten. Tatsächlich nahm die nFK der Schicht 60-
90 cm von anfänglich 80 % auf 48 % ab (Tab. 4).
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
110
27. Apr 04. Mai 11. Mai 18. Mai 25. Mai 01. Jun 08. Jun 15. Jun 22. Jun 29. Jun
% nFK
Berechnung
Berechnung
Meßwert 'Intensiv'
Beregnung 'Intensiv'
Niederschlag
BBCH 09
BBCH 14
BBCH 61
BBCH 69
BBCH 76
5
10
15
20
25
30
Niederschlag [mm]
BBCH 16
ETp
PENMAN
× kc
PENMAN
ET
0
× kc
FAO
Abb. 4: Niederschlags- und Beregnungsmengen sowie Bodenwassergehalt
(kalkuliert
auf Basis der täglichen Wasserbilanz: Niederschlag bzw. Beregnung - (ET × kc);
bzw. gravimetrisch bestimmt)
der Schicht 0-60 cm bei der Variante ’Intensiv’

Auch eine Gesamtbilanzierung verdeutlicht, dass der Ansatz ETp
PENMAN
× kc
PENMAN
offen-
sichtlich die ET
c
der Variante ’Intensiv’ für die Gesamt-Kulturzeit sehr gut abschätzte
(Tab. 2): Während der Kulturzeit nahm der Bodenwassergehalt in 0-90 cm Tiefe um 43 mm
ab. Dieser Wert weicht nur um 14 mm vom der Klimatischen Wasserbilanz vom 29 mm ab,
so dass diese als sehr ’realitätsnah’ einzustufen ist. Im Vorjahresversuch ergab der Ansatz
ETp
PENMAN
× kc
PENMAN
allerdings eine ähnlich ’dramatische’ Überschätzung der Verdunstung
wie im aktuellen Versuch ET
0
× kc
FAO
(LABER & BRENNER 2010).
Tab. 2: Bodenwassergehaltsänderung und Klimatische Wasserbilanz während der
Kulturzeit der Erbsen
Intensiv
Praxis
Kontrolle
Wassergehalt 0-90 cm BBCH
09
242
BBCH
76
199
171
137
Wassergehaltsänderung
-43
-71
-105
ET
c
bzw.
ET
c adj
-245
1)
-190
2)
-169
2)
Niederschlag
101
Beregnung
115
40
0
Klimatische Wasserbilanz
-29
-49
-68
Differenz
3)
14
22
37
1)
: ETp
PENMAN
× kc
PENMAN
;
2)
ET
c adj
laut ’Agrowetter’;
3)
: Wassergehaltsabnahme - Bilanzsaldo
(absolut)
Die relativ gute Anpassung von berechneter zu tatsächlicher Bodenfeuchte im Versuchsjahr
2010 bei Berechnung auf Basis ET
0
× kc
PENMAN
bei gleichzeitiger Überschätzung der Ver-
dunstung durch ETp
PENMAN
× kc
PENMAN
(LABER & BRENNER 2010) und der im aktuellen Versuch
gefundenen ’Güte’ der verschiedenen Modellansätze macht deutlich, dass das Verhältnis
von ETp
PENMAN
- zu ET
0
-Verdunstung nicht statisch sondern ’dynamisch’ ist. So fließt in die
ET
0
-Berechnung neben dem konstanten Bestandes(Stomata)widerstand auch der aerodyna-
mische Widerstand ein, der wiederum von der Windgeschwindigkeit abhängig ist (ALLEN et
al. 1998). Im aktuellen Versuch schwankte das Verhältnis von ETp
PENMAN
- zu ET
0
-Tages-
werten zwischen 1,04 und 1,42 mit einem Mittelwert von 1,21 (vgl. Abb. 1), während Im Ver-
such 2010 im Mittel ein Faktor von 1,32 festgestellt wurde. PASCHOLD et al. (2011) berichten
von mittleren Werten über die 10 Versuchsjahre hinweg von 1,33 (Sommer) bzw. 1,54 (Früh-
jahr und Herbst) und setzen dementsprechend die kc
FAO
-Werte um Faktor 1,4 höher an als
die kc
PENMAN
-Werte.
Der Bodenfeuchtigkeitsgehalt der ’Praxis’-Variante wurde vom ’Agrowetter’-Modul im Gegen-
satz zur ’Intensiv’-Variante wie im Vorjahresversuch sehr gut prognostiziert (Abb. 5). Die Bo-
denwassergehaltsänderung während der Kulturzeit lag hier mit -71 mm um 22 mm über der
Klimatischen Wasserbilanz von -49 mm (Tab. 2), so dass die ET
c adj
offensichtlich etwas un-
terschätzt wurde. Bei der ’Kontrolle’, die die Beregnungsgaben in Höhe von je 20 mm am 15.
und 27. Juni nicht erhielt, betrug diese Differenz allerdings schon 37 mm; offensichtlich wur-
de hier vom Modell die ET
c adj
auf Grund der limitierten Wasserverfügbarkeit etwas stärker
eingeschränkt, als dies tatsächlich der Fall war.

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10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
110
27. Apr 04. Mai 11. Mai 18. Mai 25. Mai 01. Jun 08. Jun 15. Jun 22. Jun 29. Jun
% nFK
Berechnung 'Intensiv'
Berechnung 'Praxis'
Berechnung 'Kontrolle'
Messwert 'Intensiv'
Messwert 'Praxis'
Messwert 'Kontrolle'
Beregnung 'Praxis'
Niederschlag
BBCH 09
BBCH 14
BBCH 61
BBCH 69
BBCH 76
5
10
15
20
25
30
Niederschlag [mm]
BBCH 16
Abb. 5: Niederschlags- und Beregnungsmengen sowie Bodenwassergehalt
(kalkuliert,
gravimetrisch bestimmt)
der Schicht 0-60 cm bei der Variante ’Praxis’ und ’Kon-
trolle’ laut ’Agrowetter’
Der Erbsenbestand bzw. die unterschiedlichen Varianten zeigten während der Kulturzeit kei-
ne auffälligen Trockenstresssymptome wie (mittägliches) Welken etc.. Optisch war nur eine
größere Bestandeshöhe bei der ’Intensiv’-Variante auszumachen. Abgeschwächter als im
Vorjahresversuch war in dieser Variante wiederum eine Botrytis-Fäulnis in den unteren Blatt-
etagen festzustellen.
Im Gegensatz zum Vorjahresversuch mit einem für jede Sorte einheitlichen Erntetermin wur-
de versucht, die verschiedenen Sorten bzw. Varianten jeweils mit einem Tenderometerwert
(TW) von ca. 120 zu ernten. Dazu wurden, nach vorherigem Probedrusch, die ’Intensiv’-
Varianten bis zu 3 Tage nach der ’Kontrolle’ beerntet (Tab. 6). Bei der Sorte ’Naches’ wurde
die rechtzeitige Ernte der ’Kontrolle’ und ’Praxis’-Variante versäumt, so dass hier mit einem
TW von 152 bzw. 144 ca. zwei Tage zu spät geerntet wurde. Gleichzeitig wurde die Variante
’Intensiv’ mit einem TW von 111 etwas zu früh geerntet, so dass sich auch hier für die ’Pra-
xis’-Variante ein Reifevorsprung von ca. 3 Tagen errechnet. Bei der Sorte ’Puget’ belief sich
der Reifevorsprung der ’Kontrolle’ nur auf maximal einem Tag.
Beim dem auf einen TW von 120 korrigierten
Frischmasseertrag
konnte keine signifikante
Bewässerungswirkung ermittelt werden (Abb. 6). Allerdings errechnete sich neben einem
signifikanten Sorteneffekt (GD
(α<0,05)
: 12,4 dt/ha) eine signifikante Wechselwirkung zwischen
Sorte und Bewässerung. So zeigte die Sorte ’Puget’ (entsprechend ihrer “Trockenstress-
tolerants“) praktisch keine Ertragsreaktion auf die Bewässerung, während ’Ambassador’
(“wasserbedürftig“) und ’Naches’ (“trockenstresstolerant“) deutlich positiv auf die Bewäs-
serung reagierten. ’Mundial’ (“wasserbedürftig“) zeigte in der ’Kontrolle’ und ’Praxis’-Variante
den höchsten Ertrag. Bei intensiver Bewässerung kam es aber hier zu einem massiven Er-
tragseinbruch, der allerdings nur 2 der 4 Wiederholungen betraf, so dass bei alleiniger Be-
trachtung der Sorte ’Mundial’ keine Bewässerungseffekte abzusichern waren. Ursache für
den starken Ertragseinbruch in den beiden Wiederholungen dürfte der hier nur geringe Har-
vest-Index (s. u.) gewesen sein.

0
20
40
60
80
100
120
140
160
Puget
Ambassador
Naches
Mundial
Sortenmittel
Ertrag
TW 120
[dt/ha]
Kontrolle
Praxis
Intensiv
n.s.
Abb. 6: Korrigierter Frischmasse-Ertrag (
TW 120)
der verschiedenen Sorten
in Abhängigkeit von der Bewässerungsintensität
(GD
(α<0,05)
Wechselwirkung: 21,3 dt/ha = I)
Im Gegensatz zum diesjährigen Ergebnis reagierte ’Puget’ im Vorjahresversuch (LABER &
BRENNER 2010) tendenziell mit dem größten Ertragszuwachs durch eine moderate Bewässe-
rung, zeigte aber auch den stärksten Ertragsrückgang zwischen ’Praxis’- und ’Intensiv’-
Variante.
Entsprechend der Abnahme der Ernterückständen mit abnehmender Beregnungsintensität
(o. Abb., s. Tab. 6) nahm auch die gesamte
Aufwuchsmenge
sehr deutlich ab (Abb. 7). Al-
lerdings bestand neben einem Sorteneffekt (GD
(α<0,05)
: 21,0 dt/ha) eine signifikante Wech-
selwirkung zwischen Sorte und Bewässerung, die sich insbesondere bei der Sorte ’Puget’
zeigte, die im Gegensatz zu den drei anderen Sorten kaum auf die Wassergaben reagierte.
0
100
200
300
400
500
600
700
Puget
Ambassador
Naches
Mundial
Sortenmittel
FM-Aufwuchs [dt/ha]
Kontrolle
Praxis
Intensiv
a
b
c
Abb. 7: Frischmasse-Aufwuchs der verschiedenen Sorten in Abhängigkeit
von der Bewässerungsintensität
(GD
(α<0,05)
Bewässerungseffekt:
29,1 dt/ha; Wechselwirkung: 42,7 dt/ha = I)

Analog der nur geringfügigen Beeinflussung des Aufwuchses und des Ertrages durch die
Bewässerung bei der Sorte ’Puget’ wurde der
Harvest-Index
(HI; Anteil Markware am ge-
samten Aufwuchs) bei dieser Sorte nicht von der Bewässerungsintensität beeinflusst
(Abb. 8). Bei den Sorten ’Ambassador’ und ’Naches’ fiel er mit der intensiven Wassergabe
um rund 3,8 bzw. 2,5 %-Punkte ab. Bei ’Mundial’ wurde in den beiden ertragsschwachen
Wiederholungen nur ein HI von 11 % ermittelt, aber auch in den anderen beiden Wieder-
holungen fiel der HI von rund 25 (’Kontrolle’/’Praxis)’ auf 19 % ab. (Vermutlich beruht der
starke Abfall des HI bei dieser Sorte aber nur zum Teil auf einen tatsächlich geringeren
Kornanteil. Wahrscheinlich war auch die ’Dreschbarkeit’ beeinträchtig, so dass möglicher
Weise vermehrt Hülsen ungeöffnet blieben und/oder die Siebe durch das ’schmierigere’
Dreschgut verstopften. Eine entsprechende Bobachtung wurde allerdings seitens der Ar-
beitskräfte nicht vermerkt.)
0
5
10
15
20
25
30
Puget
Ambassador
Naches
Mundial
Sortenmittel
Harvet-Index
Kontrolle
Praxis
Intensiv
a
a
b
Abb. 8: Harvest-Index
(Anteil Marktware am gesamten Aufwuchs
) der ver-
schiedenen Sorten in Abhängigkeit von der Bewässerungsinten-
sität
(GD
(α<0,05)
Bewässerungseffekt: 1,9 %; Wechselwirkung: 3,6 % = I)
Fazit
Die über die gesamte Kulturzeit herrschenden trockenen Bedingungen führten bei 2 der 4
untersuchten Sorten in der unberegneten Variante zu Ertragseinbußen von 22 bzw. 38 dt/ha
gegenüber der mit 115 mm beregneten ’Intensiv’-Variante. Eine, vom Züchter als ’eher tro-
ckentolerant’ eingeschätzte Sorte, reagierte praktisch nicht auf die Wassergabe. Aber auch
diese ’trockentolerante’ Sorte zeigte bei der massiven Austrocknung des Bodens auf unter
10 % nFK in 0-60 cm keine Ertragsvorteile gegenüber den anderen Sorten.
Die Prognose der Verdunstung des Erbsenbestandes und damit des Bodenwassergehaltes
gelang mit dem ’klassischen’ Modellansatz auf Basis der potentiellen Verdunstung nach
PENMAN sehr gut. Da der gleiche Ansatz im Vorjahresversuch in einer Phase mit sehr hohen
Verdunstungsraten die Verdunstung des Erbsenbestandes aber massiv überschätzte, kann
eine alleinige Beregungssteuerung von Erbsen nur auf Basis der Klimatischen Wasserbilanz
ohne zwischenzeitliche Überprüfung des tatsächlichen Bodenwassergehaltes nicht uneinge-
schränkt empfohlen werden.
Tab. 3: Textur und Bodenart des Versuchsstandortes

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