Konstanz im Sortiment mittelfeiner,
mittelfrüher Markerbsen
Mittelfeine Markerbsen
Sorte, frühe/mittelfrühe
Reifegruppe
Zusammenfassung
Im Versuch „Markerbsen für die Tiefkühlindustrie“ wurden am Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz in der frühen bzw. mittelfrühen Reifegruppe 7 Sor-
ten der mittelfeinen Sortierung geprüft. Im frühen Bereich gibt es derzeit zu ’Cresendo’ keine
Alternative. Bei den mittelfrühen Sorten behaupteten sich die bereits mehrfach bewährten
Sorten ’Heidi’ und ’Cabaret’ auch in diesem Versuchsjahr.
Versuchsfrage und -hintergrund
Der Anbau von Markerbsen für die Tiefkühlindustrie hat in Sachsen große Bedeutung. Neben
groben Markerbsen haben derzeit mittelfeine Sortimente die größte Bedeutung im Anbauge-
biet. Das aktuelle Sortiment sowie Neuzüchtungen galt es auf seine Anbaueignung für die
hiesigen Bedingungen zu prüfen. Die frühe und mittelfrühe Reifegruppe werden in der Regi-
on entsprechend den Anbaustaffelungen der mitteldeutschen Verarbeiter Ende März/ Anfang
April ausgesät.
Kulturdaten:
Saattermin:
22.03.2011
Erntetermin:
07.06. bis 13.06.2011
Reihenabstand:
11,5 cm, 10 Reihen/Beet (1,50 m)
Versuchsfläche:
sandiger Lehm, Bodenwertzahl 69
Fruchtfolge:
Spinat (2009), Getreide (2010)
Pflanzenschutz:
praxisüblich
Düngung:
80 kg N/ha
Bewässerung.
keine
Aussaatdichte:
frühe Sorten:
1,1 Mio. keimfähige Körner/ha
mittelfrühe Sorten: 1,0 Mio. keimfähige Körner/ha
Ernteparzelle:
5,75 m²
Ernte:
täglich außer Sonntags
Tenderometerwert:
Ernte bei TW: 115 bis 125; Bestimmung des TW erfolgte täglich
an einer Stichprobe vor der Ernte der Sorte
Drusch:
Mini Sampling Viner; Fa. Haith; 2 Druschdurchläufe
Tenderometer:
FTC; Modell TM2 Texturpress
Blanchieren:
Erbsen für 2 Minuten in kochendes Wasser und anschließend mit
kaltem Wasser abgeschreckt
Grünkornfarbe:
Grünkornfarbe mittels Farbskala bestimmt
Versuchsanlage:
Blockanlage mit 4 Wiederholungen
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Abteilung Gartenbau
Bearbeiter: Gerald Lattauschke
2 0 1 1

Ergebnisse:
-
Das Frühjahr 2011 war durch ausgezeichnete Aussaatbedingungen Ende März ge-
prägt, wodurch sich sehr gute Bestände etablieren ließen. Der April und Mai waren
insgesamt deutlich zu warm und zu trocken, sodass bereits in der ersten Junidekade
mit der Ernte begonnen wurde. Während der Ernteperiode im Juni hielt das über-
durchschnittlich warme und trockene Wetter an. Zusatzwassergaben waren jedoch
nicht erforderlich, da die Bestände durch gelegentliche, ergiebige Gewitterregen aus-
reichend mit Wasser versorgt waren.
-
Die frühen und mittelfrühen Erbsen verzeichneten keine Ertragsausfälle durch Krank-
heiten oder Schädlinge. Bei dem oben skizzierten Witterungsverlauf traten keine Blatt-
krankheiten im Bestand auf. Das vermehrte Blattlausauftreten im Mai ließ sich durch
zwei Blattlausbehandlungen gut kontrollieren, sodass auch das Auftreten von Virosen
zu vernachlässigen war.
-
Das Ziel, alle Sorten im Bereich von 115 bis 125 TW zu ernten, wurde in diesem Jahr
überwiegend gut erreicht. Lediglich bei der Nummernsorte ’WAV 4616’ wurde der op-
timale Erntetermin erheblich verfehlt. Eine Ursache für die Abweichungen im TW vom
Zielwert sind u.a. die teils erheblichen Differenzen im TW zwischen den einzelnen
Wiederholungen bzw. zur Kontrollparzelle am Rand des Versuches. Zur besseren Ver-
gleichbarkeit der Sorten untereinander wurden die Erträge der Sorten nach EVERAARTS
& SUKKEL (2000) und LABER (2007) wieder auf einen Vergleichsertrag bei einem TW
von 120 berechnet (Tab. 2).
Mittelfeine frühe Sorten
-
Im frühen Bereich stand mit ’Crescendo’ nur noch eine mittelfeine Erbse zur Prüfung
an. Die Sorte verfügt über gutes Resistenzpaket: Fusarium (F
1
), Falscher Mehltau
(DM
IR
) und BYMV.
-
Bei sommerlichen Witterungsbedingungen reifte die Sorte zeitgleich mit ’Spring’ (A+0).
-
Obwohl die Bestände nur eine durchschnittliche Pflanzenlänge aufwiesen, war die
Standfestigkeit eher mäßig. Neben heftigen Gewitterregen spielte hier der anhaltend
starke Wind eine entscheidende Rolle.
-
Die Anzahl fertiler Nodien lag mit 3,7/ Pflanze unter den Werten der letzten Jahre. Der
geringere Wert steht ursächlich mit dem schnellen Abreifen der Erbsen infolge der an-
haltenden Wärme ab Anfang Juni in Zusammenhang.
-
Der Ertrag von 0,7 kg/m² ist als gut einzustufen. Damit manifestierte die Sorte ihre
stabilen und im Wesentlichen witterungsunabhängigen Ertragsleistungen der letzten
Jahre.
-
In der Grünkornsortierung erfüllte ’Cresendo’ mit einem Mittel von 2,7 die Anforderun-
gen an eine mittelfeine Sorte.
-
Die Qualitätsmerkmale Grünkornfarbe und Einheitlichkeit der Grünkornsortierung vor
und nach dem Blanchieren waren sehr gut.
Fazit
-
’Cresendo’ hat sich als qualitativ hochwertige und ertragsstabile Sorte im frühen mittel-
feinen Segment etabliert. Der verhältnismäßig geringe Bedarf an Erbsen in dieser Sor-
tierung und Reifegruppe kann durch die Sorte in vollem Umfang abgedeckt werden.

Mittelfeine mittelfrühe Sorten
-
Das Sortiment mittelfeiner, mittelfrüher Sorten setzte sich aus den bekannten Sorten
’Heidi’, ’Rumble’ und ’Cabaret’ sowie 3 Neuzüchtungen zusammen. Alle Sorten sind
normalblättrig. Bis auf die Erstgenannte verfügen alle Sorten neben der Fusarium-
Resistenz entweder über Resistenz gegen Echten Mehltau (PM) oder intermediäre
Resistenz gegen Falschen Mehltau (DM
IR
).
-
In der Entwicklungszeit lagen die Sorten ca. 2 Tage vor den Angaben der Züchter, er-
füllten insgesamt aber noch die Anforderungen an mittelfrühe Sorten. Da ’ASL 1383’
mit einem TW von 103 einen Tag zu früh und ’WAV 4616’ 2 Tage zu spät geerntet
wurden (Gründe: s. Präambel), wurden die Reifetage in Tab.1 nachträglich korrigiert.
-
Die Standfestigkeit war sehr unterschiedlich zu bewerten. Während die meisten Sor-
ten infolge der Witterungsabläufe zum Lager neigten, präsentierten ’Amalfi’ und
’WAV 4616’ eine sehr gute Standfestigkeit.
-
Die Anzahl fertiler Nodien pro Pflanze bewege sich mit durchschnittlich 3,8/ Pflanze
auf einem, für die Reifegruppe normalem Niveau. Während ’ASL 1383’ und ’Cabaret’
mit weniger als 3 fertile Nodien/Pflanze den Mittelwert deutlich verfehlten, verzeichne-
te ’WAV 4616’ mit 5,7 fertilen Nodien/Pflanze den Spitzenwert. Die Sorte lag auch mit
durchschnittlich 2,1 Hülse/Nodium vor den Mitbewerbern.
-
Das Ertragniveau mit rund 1 kg/m² war sehr hoch und relativ ausgeglichen. Lediglich
’Rumble’ verfehlte den Durchschnittsertrag recht deutlich.
-
Hinsichtlich der Grünkornsortierung ist festzustellen, dass ’Amalfi’ mit einem Mittelwert
von 2,0 nicht zu den mittelfeinen Erbsen zu rechnen ist. Die Sorte zählte mit einem
Anteil von 69 % kleiner 8,2 mm eindeutig zu den feinen Erbsen. Der überhöhte Wert
(3,7) bei ’WAV 4616’ ist dagegen der verspäteten Ernte zuzuschreiben, die letztlich zu
einer größeren Sortierung führte (67 % größer 9,3 mm). Die übrigen Sorten, mit einem
Mittelwert von 2,9 bis 3,1, sind als typische mittelfeine Erbsen anzusprechen.
-
Hinsichtlich der Grünkornfarbe und der Einheitlichkeit der Grünkornfarbe fielen vor al-
lem ’ASL 1383’ und ’Rumble’ negativ auf. Während ’ASL 1383’ sowohl vor als auch
nach dem Blanchieren Defizite in der Einheitlichkeit der Grünkornfarbe erkennen ließ,
waren die Körner von ’Rumble’ zu hell und zu unausgeglichen. Alle übrigen Sorten
konnten dagegen mit sehr guten Boniturnoten aufwarten.
Fazit
-
Mit ’Heidi’ und ’Cabaret’ konnten zwei bewährte Sorten in der mittelfeinen, mittelfrühen
Reifegruppe ihre führende Position erneut verteidigen. Das Ertragsniveau bei ’Rumble’
lag zum wiederholten Mal hinter dem der Spitzensorten. Bei ’ASL 1383’ führten Quali-
tätsprobleme am Grünkorn zur teilweisen Abwertung der Sorte. Während bei
’WAV 4616’ wegen der verspäteten Ernte eine abschließende Bewertung nicht mög-
lich ist und die Sorte schon wegen der guten Ertragsleistungen weiter verfolgt werden
sollte, muss ’Amalfi’ den feinen Erbsen zugeordnet werden. Die Sorte konnte aller-
dings durch eine gute Qualität und ein sehr hohes Ertragsniveau überzeugen.
-

Tab. 1:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2-9,3 mm); frühe und mittelfrühe Sorten
Ernte-
termin
Entwick-
lungs-
zeit
Temp.-
summe
Basis
Temp.-
summe
Basis
Bestandes-
dichte
Stand-
festigkeit
Bestandes-
höhe
Pflanzen-
länge
Anzahl
fertiler
Nodien
Anzahl
Hülsen/
Pflanze
Hülsen-
form
[d]
4,4°C
1,8°C
[Pfl./m²]
[1-9]
[cm]
[cm]
[1-9]
Cresendo
SVS
F1, DM
IR,
BYMV
+2
0
07.06.
76
685
882
N
90
14.05.
4
27
59
9,1
3,7
1,8
7,3
8
7,7
Amalfi
S&G
DM
IR
+6
+6
13.06.
82
770
983
N
99
19.05.
8
53
55
12,5
3,9
1,7
7,3
8
7,7
ASL 1383
ASL
F1, PM
+7
+4*
11.06.
79
742
949
N
102
17.05.
5
33
64
12,0
2,6
1,8
4,8
8
7,1
Cabaret
Agis
F1, F2, DM
IR
+8
+6
13.06.
82
770
983
N
85
22.05.
5
37
64
12,8
2,8
1,4
4,8
9
8,8
Heidi
WAV
F1
+6
+4
11.06.
80
742
949
N
115
21.05.
4
31
65
12,4
3,8
1,7
7,0
7
8,0
Rumble
S&G
F1, DM
IR
+6
+4
11.06.
80
742
949
N
102
17.05.
5
35
66
9,5
3,0
1,6
4,6
7
6,3
WAV 4616
WAV
F1, DM
IR
+7
+6*
15.06.*
84
770
983
N
85
20.05.
7
60
72
12,6
5,7
2,1
12,8
9
7,5
Mittelwert
41
67
11,8
3,8
1,7
7,3
7,7
Legende:
1
5
9
Standfestigkeit
fehlend
mittel
sehr gut
Hülsenform
krumm
gerade
Anzahl
Körner/
Hülse
Reifetage
Züchter-
angabe
[Spring +]
Reifetage
Pillnitz
2011
[Spring +]
* Reifetage / Erntetermin korrigiert wegen zu hohem bzw. zu niedrigem TW bei der Ernte
mittelfrühe Reifegruppe
Blatt-
form
Blüh-
beginn
Sorte
Züchter
Resis-
tenzen
(Züchter-
angaben)
frühe Reifegruppe
Nodium
mit
1. Blüte
Hülsen/
Nodium
Tab. 2:
Markerbsen, mittelfeine Sortierung (8,2-9,3 mm); frühe und mittelfrühe Sorten
Sorte
Tendero-
Ertrag
Ertrag bei
Grünkornfarbe
Einheitl.d.
Grünkornfarbe
Einheitl.d.
meter-
TW 120
vor dem
Grünkorn-
nach dem
Grünkorn-
wert
(berechnet)
Blanchieren
farbe vor
Blanchieren
farbe nach
(TW)
[kg/m²]
[kg/m²]
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
<7,5
7,5-8,2
8,2-9,3
9,3-10,2
>10,2
Mittel
Blanchieren
Blanchieren
Cresendo
116
0,72
0,74
25
20
28
27
0
2,6
9
20
61
10
0
2,7
7
7
8
8
Amalfi
134
1,02
0,95
5
47
30
15
3
2,6
31
38
29
3
0
2,0
8
8
9
8
ASL 1383
103
0,97
1,13
0
49
49
10
2
3,0
5
20
57
18
1
2,9
7
3
8
6
Cabaret*
120
1,11
1,11
7
35
5
5
14
52
26
3
3,1
7
8
9
9
Heidi
107
0,93
1,04
6
20
36
30
8
3,1
7
14
58
22
0
2,9
9
8
9
8
Rumble
122
0,83
0,83
5
25
15
5
13
54
24
3
3,1
5
5
9
6
WAV 4616
161
1,13
1,03
10
20
34
36
0
3,0
1
2
30
56
11
3,7
7
5
9
9
GD 5%
0,08
0,09
* Klassifikation Grünkornsortierung nach englischer Nomenklatur
Legende:
1
5
9
Merkmal
fehlend
mittel
stark/hoch
frühe Reifegruppe
mittelfrühe Reifegruppe
Zeichenerklärung:
53
55
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Züchterangaben [%]
Züchter
Grünkornsortierung von ca. 500 g/Sorte
Dresden-Pillnitz 2011 [%]
Züchter