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© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 31. März 2006
Wieder Betrug bei Kohlenlieferung
Fall für den Staatsanwalt: Eichamt erwischt Händler auf frischer Tat
Bei Kohle hört der Spaß auf. Zumindest, wenn zu wenig geliefert wird. Und weil das Eichamt wie berichtet bereits am 5.
Januar 2006 einen solchen Fall aufgedeckt hatte, legten sich die Mitarbeiter jetzt erneut auf die Lauer. Und siehe da: Am
Mittwoch erwischten sie einen Kohlenhändler aus der Ruststraße.
„In der Gustav-Mahler-Straße hatte ein Kunde 1500 kg Kohlen bestellt. Der Händler fuhr pünktlich 10.30 Uhr vor. Über
eine Rutsche beförderte er den Inhalt vorgefüllter Säcke durchs Kellerfenster. Hinzu kamen einige Körbe, die er vor Ort
abwog“, sagt Eichamtsleiter Karsten Riedel.
Insgesamt hätten es 30 mal 50 Kilogramm sein sollen. Um sich nicht zu verzählen, legte der Händler bei jedem Gang eine
Kohle neben das Kellerfenster. 30 Kohlen lagen dort, als er fertig war und seine Kohlenrutsche abtransportierte. Das war
die große Stunde des Eichamtsmitarbeiters. Als der Händler aber das von früheren Kontrollen bekannte Gesicht sah,
wollte er sofort noch 5 Säcke nachliefern – die hätte er jetzt nicht auf dem Laster.
Derlei Ausreden lässt das Eichamt nicht gelten: „Das ist Betrug und ein Fall für die Staatsanwaltschaft“, so Riedel. Das
Nachwiegen im Keller zeigte: Nur 1464 Kilo Kohle gingen über die amtliche Waage, darunter auch die gut 100 Kilo
Kohlendreck, die schon vor der Lieferung im Keller lagen.
Unterm Strich fehlten rund zehn Prozent der in Rechnung gestellten Menge. Da der Kunde die Kohlen als „Leistung zur
Sicherung des Lebensunterhaltes“ erhielt und nach deren Verbrauch bei der Stadt erneut um Unterstützung bitten muss,
wurde hier der Steuerzahler betrogen.
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Mit diesem Transporter wurde der betrogene Kunde mit Kohle beliefert. Foto: Eichamt Leipzig
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