Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und Luftschadstoffe (FLK)
für den Flughafen Leipzig/Halle
Bericht der 52. Sitzung am 26.04.2017
Die FLK wählte den langjährigen Vorsitzenden, Herrn Manfred Heumos, für zwei Jahre er-
neut zu ihrem Vorsitzenden und Herrn André Haufe, Bürgermeister der Gemeinde Schko-
pau, zu dessen Stellvertreter.
Der Flughafen berichtete über die Verkehrsentwicklung, die aktuelle Beschwerdesituation,
die Fluglärmmessungen, die Bahnverteilung, die Nutzung der Triebwerksprobelaufhalle und
den Stand der Umsetzung der Schallschutzmaßnahmen.
Die Flugbewegungen und die Fluggastzahlen waren 2016 gegenüber dem Vorjahr rückläufig.
Zuwachs ist bei der Fracht zu verzeichnen. Resultierend aus dem Streik des Bodenperso-
nals an Berliner Flughäfen, wurden im ersten Quartal 2017 Flüge nach Leipzig/Halle umge-
leitet. Dies führte zu einem Anstieg der Gesamtflugbewegungen sowie der Passagierzahlen.
Seit der letzten FLK-Sitzung gingen beim Flughafen 10.941 über den DFLD generierte digita-
le Beschwerden von 50 Beschwerdeführern ein. 47 schriftliche und telefonische Beschwer-
den von 14 Beschwerdeführern waren zu bearbeiten.
An den 10 stationären Fluglärmmessstellen waren keine signifikanten Pegelveränderungen
zu verzeichnen. Die FLK bestätigte die nächsten Einsatzorte der mobilen Messstellen in
Schkopau OT Luppenau und Böhlitz‐Ehrenberg. Der Zeitraum für die mobilen Messungen in
Rackwitz OT Podelwitz wird um zwei Monate bis Ende Juli verlängert.
Im Berichtszeitraum wurde die Nordbahn am Tage stärker belegt; in der Nacht war es die
Südbahn. Über den gesamten Zeitraum wurde die Südbahn stärker genutzt.
In 2016 fanden von 279 Triebwerksprobeläufen 53 außerhalb der Halle statt. Im 1. Quartal
2017 waren es 10 von 56. Es wurde kein nächtlicher Probelauf außerhalb der Halle durchge-
führt.
Dank der Maßnahmen zur beschleunigten Realisierung des baulichen Schallschutzes sind
die Maßnahmen bei 99 % der Wohneinheiten abgeschlossen oder befinden sich in der Um-
setzung. Die schallschutztechnische Dimensionierung des verbleibenden 1 % wird im zwei-
ten Quartal 2017 erfolgen. Der Großteil der noch notwendigen baulichen Maßnahmen kann
somit voraussichtlich im Jahr 2017 realisiert werden.
Zum Änderungsgenehmigungsverfahren bezüglich der Triebwerksprobeläufe gibt es keinen
neuen Sachstand. Die Genehmigungsbehörde wird in der nächsten Sitzung berichten.
Zum empfohlenen Bahnnutzungskonzept (Verteilung der Starts nach geographischem Ziel)
berichteten die Systempartner Flughafen und DFS Deutsche Flugsicherung (DFS) über den
Sachstand des Umsetzungskonzeptes für die Durchführung notwendiger operationeller und
baulicher Maßnahmen zur Verringerung der Risiken bei Bahnkreuzungen.
Die DFS berichtete zum Probebetrieb des Point-Merge-Verfahrens. Der Probebetrieb wird
fortgesetzt. Die DFS verspricht sich davon weitere Erkenntnisse. Das Verfahren erfüllte bis-
her nicht alle Erwartungen. Um die Leistungsfähigkeit des Systems zu verbessern, sind Mo-
difizierungen erforderlich. Für die Städte Leipzig und Halle bringt das Verfahren die erwarte-
ten Entlastungen.

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Die DFS gab einen Bericht über die Nutzung der sogenannten kurzen Südabkurvung seit der
letzten FLK-Sitzung im November 2016. Die Route wurde im Berichtszeitraum bei durch-
schnittlich 2-5% aller Abflüge angewandt. Ihre Nutzung im Nachtzeitraum ist untersagt. Ver-
stöße werden durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung geahndet.
Die Stadt Leipzig informierte über die Aufgaben und Zusammensetzung des Dialogforums
Flughafen Leipzig/Halle.
Die intensiven Diskussionen zu den Anträgen der Städte Leipzig und Schkeuditz sowie der
Bundesvereinigung gegen Fluglärm führten zu folgenden Ergebnissen:
Die Untersagung von Starts über die kurze westliche und östliche Nordabkurvung in der
Nachtkernzeit lehnte die FLK unter Berücksichtigung der Sach‐ und Rechtslage mehrheitlich
ab. Die FLK hatte sich bereits in der Vergangenheit mehrfach mit der Optimierung dieser
Flugverfahren auseinandergesetzt und keine Ansätze für weitere Veränderungen ohne
gleichzeitige Mehrbelastungen anderer Wohngebiete identifiziert.
Die konkreten Variantenvorschläge zur Genehmigungsänderung bezüglich der Einführung
von Lärmpausen wurden kontrovers diskutiert und im Ergebnis mehrheitlich abgelehnt. Die
mit den Varianten verbundenen Kapazitätseinschränkungen wurden im Hinblick auf die
Funktionsfähigkeit des Luftfrachtdrehkreuzes als nicht vertretbar eingeschätzt. Die vorge-
schlagenen Varianten konnten im Hinblick auf wirksame Verbesserungspotentiale bezüglich
der Fluglärmbelästigung nicht hinreichend bewertet werden. Eine unabhängige Studie zum
Probetrieb der Lärmpausen in Frankfurt zeigte, dass diese Pausen von der Bevölkerung im
Nahbereich des Flughafens nur marginal wahrgenommen wurden. Eine tatsächliche Wirk-
samkeit ist somit nicht hinreichend erwiesen.
Den Antrag zum Austausch von Lüftern lehnte die FLK aufgrund der Sach- und Rechtslage
ebenfalls mehrheitlich ab. Die Anforderungen an den Schallschutz sind im Planfeststellungs-
beschluss zum Ausbauvorhaben Start‐ und Landebahn Süd mit Vorfeld als Auflagen verbind-
lich definiert. Deren Vollzug wird durch die Planfeststellungsbehörde (Landesdirektion Sach-
sen) überwacht. Die im Antrag angesprochene Genehmigungsbehörde SMWA hat hier keine
Zuständigkeit. Zudem konnte die FLK einen Auftrag, die Planfeststellungsbehörde in bau-
technischen Belangen zu beraten, nicht herleiten.
Im Zusammenhang mit Starts der Flugzeugtypen AN‐22 und AN‐124 hat sich die FLK ent-
schlossen, Kontakt mit den Betreibern dieser Luftfahrzeuge aufzunehmen und auf einen Ein-
satz ausschließlich im Tagzeitraum hinzuwirken.
Den Antrag, die lautesten Luftfahrzeuge mit einem Lärmentgelt zu belegen, das dem am
Flughafen Frankfurt entspricht, lehnte die FLK unter Verweis auf die Rechtslage ab. Die der-
zeitigen Flughafenentgelte berücksichtigen bereits eine nach ICAO vorgegebene Lärmdiffe-
renzierung. Des Weiteren obliegt die Entgeltgestaltung allein dem jeweiligen Flughafen und
nicht der Genehmigungsbehörde.
Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft erstattete einen Kurzbe-
richt zum Stand der Evaluierung des Fluglärmgesetzes.
Die nächste reguläre Sitzung findet am 01.11.2017 statt.
Manfred Heumos
Vorsitzender der Fluglärmkommission am Flughafen Leipzig/Halle