Bericht zur 59. Sitzung der Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und Luftschadstoffe
(FLK) für den Flughafen Leipzig/Halle am 09.06.2021 und Sondersitzung am 21.09.2021 –
Stand: 05.10.2021
Mit der Berufung der Condor Flugdienst GmbH als Nachfolgerin der Eurowings GmbH ist die
Kommission mit 20 Mitgliedern wieder vollständig.
Herr Schwalbe (BM Gemeinde Rackwitz) wurde als
Vorsitzender
wiedergewählt. Sein neuer
Stellvertreter ist Herr Salomon (Gemeinde Kabelsketal).
Die Stelle des
Fluglärmschutzbeauftragten (FLSB)
ist wie angekündigt seit 01.09.2021 besetzt.
Der FLSB soll durch regelmäßige Sprechzeiten Ansprechpartner und koordinierende Stelle
zwischen den betroffenen Bürgern sowie der Luftverkehrswirtschaft und Anrainerkommunen sein.
Die Position ist als Stabsstelle der Abteilung 5 - Mobilität des Sächsischen Staatsministeriums für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) zugeordnet. Sachmittel sind im Haushalt budgetiert.
Der
Flughafen
informierte im Zuge der regelmäßigen Berichterstattung über die
Verkehrsentwicklung, Beschwerdesituation, Fluglärmmessungen, Bahnverteilung, Biomonitoring,
Nutzung der Triebwerksprobelaufhalle und die Umsetzung der Schallschutzmaßnahmen.
Pandemiebedingt sank die Anzahl der Gesamtflugbewegungen im Jahresvergleich 2019/2020 um
18,4%. In den ersten vier Monaten des Jahres 2021 ist ggü. dem Vorjahreszeitraum ein Anstieg der
Frachtflugbewegungen von 25% sowie ein Rückgang der Passagierflüge von 82,2% zu verzeichnen.
In Bezug auf die Beschwerdesituation gibt es keine signifikanten Änderungen.
Es kam jedoch zum Ausdruck, dass betroffene Bürger aus der Gemeinde Radefeld trotz der
häufigsten hohen Maximalpegel keine Beschwerden mehr einreichen, da sie seit über 10 Jahren
diesem nächtlichen Fluglärm ausgesetzt sind und ihre Beschwerden keine Verbesserungen bewirkt
haben. Die Anzahl der Fluglärmbeschwerden an die Städte Halle/Saale und Markleeberg ist
gestiegen.
Im Zeitraum 01.09.2020 – 30.04.2021 gingen
- 4.983 über den DFLD generierte digitale Beschwerden von 98 Beschwerdeführern und
- 92 schriftliche oder telefonische Beschwerden von 35 Beschwerdeführern
bei dem Flughafen Leipzig/Halle ein.
Während der im Zeitraum von Oktober 2020 bis März 2021 erfolgten Fluglärmmessungen in Leipzig-
Rückmarsdorf wurden 5 Überflüge aufgrund von Fehlanflugverfahren registriert.
Die Messungen am Kanupark Markkleeberg ergaben eine sehr geringe AWR von 0,12. Eine
Auswertung der seit März 2021 in Queis stattfindenden Messungen erfolgt in der nächsten Sitzung.
Weitere Messungen sind geplant in Salzatal/Teutschenthal, Rackwitz Lemsel und Leipzig-Gundorf
sowie beantragt für die Leipziger Ortsteile Liebertwolkwitz, Knauthain und Burghausen.
Auf Grund der pandemiebedingten Verkehrsrückgänge wurde der Betrieb der Nordbahn tagsüber
weitestgehend eingestellt. Die Einführung neuer Anflugverfahren zum 31.01.2020 führte im Zeitraum
vom 28.02.20 bis 28.02.21 zu einer höheren Nutzung der Nordbahn im Nachtzeitraum. Für
Sanierungsarbeiten erfolgte die Vollsperrung der Nordbahn vom 15.04.2021 bis zum 31.08.2021.
Der Bericht über die Ergebnisse des im Jahr 2020 durchgeführten Biomonitorings ist auf der
Homepage des Flughafens veröffentlicht. In diesem Jahr wird der Flughafenbetreiber neben dem
Honig auch Wachs und Pollen labortechnisch untersuchen lassen.

Bei der Nutzung der Triebwerksprobelaufhalle sind keine signifikanten Änderungen zu verzeichnen.
Im Zeitraum Jan. bis April 2021 fanden 86 Triebwerksprobeläufe statt, davon 65 (75,6 %) in der
Triebwerksprobelaufhalle und in der Zeit zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr keine außerhalb des
Triebwerkprobelaufstandes.
Auf Antrag des Flughafens hat das SMWA als zuständige Luftfahrtbehörde seine Betriebsgeneh-
migung mit Datum vom 01.06.2021 geändert. Demnach dürfen Triebwerksprobeläufe, die aus
witterungsbedingten oder aus sonstigen zwingenden technischen Gründen der Nichtnutzbarkeit der
Triebwerksprobelaufhalle nicht darin stattfinden können, am Tage auf Außenflächen durchgeführt
werden. Triebwerksprobeläufe im Außenbereich in der Nacht bleiben versagt. Der Antrag war hier
nicht entscheidungsreif. Die öffentliche Bekanntmachung nach § 41 VwVfG ist erfolgt.
Bei der Umsetzung der von der Planfeststellungsbehörde verfügten passiven Schallschutz-
maßnahmen sind keine signifikanten Änderungen zu verzeichnen. 98,1% der Anträge sind
abschließend bearbeitet.
Der Flughafen berichtete erneut über die Flugbewegungen der AN 26, AN 12, AN 22 und AN 124
von 2015 bis Mai 2021. Im Rahmen der Beendigung des NATO-Einsatzes in Afghanistan erfolgten
seit Mai 2021 Rückverlegungstransporte mittels der AN124 über den Flughafen Leipzig/Halle. Er
bemühte sich, die Flüge aus dem Nachtzeitraum heraus auf die früheren Abendstunden zu verlegen.
Die Flughafen Leipzig/Halle GmbH arbeitet mit Hochdruck an einer Anpassung der Entgeltstruktur.
Diese sieht die Absenkung des gewichtsabhängigen Landeentgeltes und die Einführung eines Lärm-
und Emissionsentgelts vor. Eine Aussage über den geplanten Zeitpunkt der Finalisierung ist
aufgrund der Komplexität des Themas und des Beteiligungsumfanges von Nutzern nicht möglich.
Die Realisierung des Umsetzungskonzeptes Sicherheitsrisiko-Minimierung von Kreuzungs-
vorgängen verläuft planmäßig und lässt sich nicht beschleunigen. Sie erfolgt bis 2024.
Die Umsetzung der zum 30.01.2020 eingeführten Anflugverfahren RNAV-1 STAR, welche eine
Kapazitätserweiterung im Anflugbereich ermöglichen, verlief problemlos. Der Vergleich der
Flugspuren bestätigt die deutliche Entlastung der Städte Leipzig und Halle.
Die
DFS
präsentierte die gewünschten FANAMOS-Auswertungen für die Bereiche Landsberg,
Eilenburg und Markkleeberg und wird im Nachgang eine analoge Auswertung für den Bereich
Halle/Saale erstellen.
Bezüglich der Flugspurenanalyse für den Bereich Eilenburg appellierten mehrere Mitglieder an die
DFS, zu prüfen, ob Eilenburg zur Entlastung der Einwohner durch Verschiebung der Flugroute nach
Osten umflogen werden kann. Ferner wurde die DFS um Optimierungsmöglichkeiten im Hinblick auf
die Überflüge des Großraums Markkleeberg gebeten.
Die Verschiebung eines Anflugverfahrens nach Osten müsste analog für beide Start- und
Landebahnen erfolgen. Zur Einführung der neuen Abflugverfahren für das Jahr 2023 hat die DFS
angeboten, die Thematik „Möglichkeiten des Umfliegens von Eilenburg" näher zu betrachten.
Für die Einführung neuer Abflugverfahren ist eine Beratung durch die FLK bis 31.12.2021
vorgesehen. Zieltermin für die
Einführung der IFR-Abflugverfahren für einen parallel
unabhängigen Bahnbetrieb
mittels Rechtsverordnung durch das BAF ist der 26.01.2023.
Die Vorstellung der neuen IFR-Abflugverfahren für den unabhängigen parallelen Bahnbetrieb
erfolgte auf der Sondersitzung am 21.09.2021 durch die DFS. Ein bestehender Bedarf und die
Zielstellung einer gleichmäßigeren Bahnverteilung sowie die Bestimmung der DurchführungsVO
(EU) 2018/1048 DER KOMMISSION sind Gründe für dieses Vorhaben. Spätestens bis Ende 2030
sind für alle Flughäfen in Deutschland die PBN-Flugverfahren einzuführen (PBN: leistungsbasierte
Navigation). Die Planvarianten der IFR-Abflugverfahren einzelner Betriebsrichtungen (BR) wurden
präsentiert und erläutert. Für alle 4 BR hat die DFS jeweils eine Präferenz-Planvariante.

Nach erfolgter Beratung bat die Kommission um Nachtrag von bestimmten NIROS-Berechnungen
sowie Lärmbetrachtung als Grundlage für ihre Bewertung. Die DFS sagte dies zu.
Ende 2020 wurde das Projekt
„Untersuchung zur Wirksamkeit lärmärmerer An- und Abflugverfahren
am Flughafen Leipzig/Halle unter Einbeziehung der CO2- Bilanz"
vom Sächsischen Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) an die Fa. airsight Berlin vergeben. Ziel ist die
Ermittlung von Steig- und Sinkraten, die am Flughafen die größten Entlastungspotentiale haben. Am
14.01.2021 fand die Online-Auftaktberatung statt. Ende April wurden mit den maßgeblichen
Akteuren (Flughafen, DFS und EAT) die möglichen Flugverfahren, Flugzeugtypen und Flugstrecken
für die weiteren Berechnungen abgestimmt. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden auf der
Sondersitzung der FLK am 21.09.2021 durch den Auftragnehmer vorgestellt. Die Untersuchung
ergab Optimierungspotenzial. Über das weitere Vorgehen will sich die Kommission in der
Herbstsitzung verständigen.
Auf Antrag der Flughafen Leipzig/Halle GmbH führt die Landesdirektion Sachsen (LDS) ein
luftrechtliches Genehmigungsverfahren für die Erweiterung des Flughafens durch. Es handelt sich
um das 15. Planänderungsverfahren mit der Vorhabenbezeichnung „Ausbau des
Verkehrsflughafens Leipzig/Halle, Start- und Landebahn Süd mit Vorfeld“.
Die LDS eröffnete das Planfeststellungsverfahren mit Bekanntmachung im November 2020.
Die erste öffentliche Auslegung der Antragsunterlagen erfolgte Ende 2020. Pandemiebedingt
entschied die LDS, in der Zeit vom 28.06.2021 bis 27.07.2021 eine zweite öffentliche Auslegung mit
Ende der Einwendungsfrist am 27.08.2021 vorzunehmen. Alle Äußerungen, die innerhalb der
Einwendungsfrist eingingen, sind nunmehr zu sichten und auszuwerten.
Als Träger öffentlicher Belange hatte die FLK Ihre Stellungnahme abgegeben, welche von einer
Arbeitsgruppe der Kommission erstellt und per Beschlussfassung freigegeben sowie auf der
Webseite des SMWA veröffentlich wurde.
Nach erfolgter Beratung zur Veröffentlichung der Sitzungsteilnehmer beschloss die Kommission
einstimmig, zukünftigen Pressemitteilungen eine Übersicht aller teilgenommenen
Institutionen/Dienststellen beizufügen. Eine namentliche Nennung des anwesenden Vertreters oder
Stellvertreters erfolgt nicht.
Der Termin für die kommende reguläre Sitzung ist 23.11.2021.
Steffen Schwalbe
Vorsitzender der Fluglärmkommission für den Flughafen Leipzig/Halle