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Abschlussbericht
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von
Finanzinstrumenten in der EFRE-
Förderung 2014-2020 im Freistaat
Sachsen
26. Januar 2015

Diese Studie wurde im Auftrag des
Sächsischen Staatsministeriums
für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr erstellt
durch die
PricewaterhouseCoopers AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Potsdamer Platz 11
10785 Berlin
Dieses Projekt wurde aus dem
Europäischen Fonds für regionale
Entwicklung kofinanziert.
PricewaterhouseCoopers refers to the network of member firms
of PricewaterhouseCoopers International Limited, each of which is a separate and independent legal entity.
PricewaterhouseCoopers Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
ist Mitglied der unter PricewaterhouseCoopers International Limited kooperierenden eigenständigen und
rechtlich unabhängigen Mitgliedsfirmen des internationalen PricewaterhouseCoopers-Netzwerks.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
8
1. Gegenstand und Methodik der Ex-ante-Bewertung
21
1.1. Gegenstand der Ex-ante-Bewertung
21
1.2. Methodisches Vorgehen
23
2. Analyse auf Marktschwächen oder suboptimale Investitionssituationen und die resultierenden
Investitionsanforderungen
24
2.1. Makroökonomischer Kontext
24
2.2. Analyse auf suboptimale Investitionssituationen
28
2.3. Analyse von Marktschwächen im Bereich der KMU-Finanzierung
33
2.3.1. Begriffsbestimmung
33
2.3.2. Analyse des Angebots, der Nachfrage und der Finanzierungslücke in den relevanten Bereichen
der KMU-Finanzierung
35
2.3.2.1.
Angebot, Nachfrage und Finanzierungslücke im Bereich Venture Capital und Private Equity
36
Anmerkungen zum methodischen Vorgehen
36
Schätzung des Angebots im Bereich Venture Capital und Private Equity
37
Schätzung der (potentiellen) Nachfrage
43
Schätzung der Finanzierungslücke
47
Auf Marktschwächen zurückzuführende Finanzierungslücke
47
2.3.2.2. Finanzierungsbedarf an Darlehen im Bereich der Produkt- und Prozessinnovationen von
KMU in der Marktbearbeitungsphase
49
Anmerkungen zum methodischen Vorgehen
49
Marktschwächen im Bereich der Finanzierung der Markteinführung und Marktbearbeitung
innovativer Produkte
50
2.3.2.3.
Angebot, Nachfrage und Finanzierungslücke im Bereich Investitionsfinanzierung
56
Anmerkungen zum methodischen Vorgehen
56
Markt für Investitionsfinanzierung in Deutschland
56
Schätzung des Angebots im Investitionsfinanzierungsbereich in Sachsen
58
Schätzung der (potentiellen) Nachfrage
60
Schätzung der Finanzierungslücke
65
Auf Marktschwächen zurückzuführende Finanzierungslücke
68
Angebot, Nachfrage und Finanzierungslücke an Nachrangdarlehen
70
3. Beurteilung des Mehrwerts von EFRE-kofinanzierten Fonds in den Bereichen Risikokapital,
Nachrangdarlehen für innovative Produkte sowie für investive Maßnahmen
76
3.1. Risikokapital
77
3.1.1. Effektivitätsbeurteilung
77
3.1.2. Analyse des quantitativen Mehrwerts
78
3.1.3. Beurteilung des qualitativen Mehrwerts
80
Abschlussbericht
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Inhaltsverzeichnis
3.1.4. Verhältnismäßigkeit eines Risikokapitalfonds
87
3.1.5. Beurteilung der Kohärenz mit anderen Arten öffentlicher Interventionen, die den gleichen
Markt betreffen
87
3.2. KMU-Darlehensfonds
88
3.2.1. Effektivitätsbeurteilung
88
3.2.2. Analyse des quantitativen Mehrwerts
88
3.2.3. Beurteilung des qualitativen Mehrwerts
90
3.2.4. Verhältnismäßigkeit eines KMU-Darlehensfonds
96
3.2.5. Beurteilung der Kohärenz mit anderen Arten öffentlicher Interventionen, die den gleichen
Markt betreffen
97
3.3. GRW-Nachrangdarlehen
97
3.3.1. Effektivitätsbeurteilung
98
3.3.2. Analyse des quantitativen Mehrwerts
99
3.3.3. Beurteilung des qualitativen Mehrwerts
100
3.3.4. Verhältnismäßigkeit eines GRW-Nachrangdarlehensfonds
107
3.3.5. Beurteilung der Kohärenz mit anderen Arten öffentlicher Interventionen, die den gleichen
Markt betreffen
107
3.4. Beihilferechtliche Implikationen
107
3.4.1. Risikokapitalfonds
108
3.4.2. KMU Darlehensfonds - „Markteinführung innovativer Produkte und Produktdesign (MEP)“
108
3.4.3. GRW-Nachrangdarlehen
110
4. Einwerbung weiterer öffentlicher und privater Mittel
111
5. Lessons Learnt
120
5.1. Erfahrungen aus der Umsetzung der "Vorgängerprogramme"
120
5.1.1. Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS)
120
5.1.2. Programm Markteinführung innovativer Produkte und Produktdesign
122
5.1.3. GRW-Nachrangdarlehen
123
6. Investitionsstrategie
127
6.1. Risikokapitalfonds
127
6.1.1. Zielgruppe und Förderbestimmungen
127
6.1.2. Größenordnung eines Risikokapitalfonds
129
6.1.3. Beurteilung der geeigneten Fondsstruktur
130
6.2. KMU-Darlehensfonds
130
6.2.1. Zielgruppe und Förderbestimmungen
130
6.2.2. Größenordnung eines KMU-Darlehensfonds
132
6.2.3. Beurteilung der geeigneten Fondsstruktur
133
6.3. GRW-Nachrangdarlehen
133
6.3.1. Zielgruppe und Förderbestimmungen
133
Abschlussbericht
PwC

Inhaltsverzeichnis
6.3.2. Größenordnung eines GRW-Nachrang-darlehensfonds
135
6.3.3. Beurteilung der geeigneten Fondsstruktur
136
6.4. Abwägung der Umsetzungsmöglichkeiten im Sinne von Artikel 38 AVO
137
7. Erwartete Ergebnisse
141
8. Anlässe für eine Überprüfung oder Aktualisierung der Ex-ante-Bewertung
146
9. Quellenverzeichnis
147
Aus rechentechnischen Gründen können in den Tabellen Rundungsdifferenzen in Höhe von
±
einer Einheit (€, % usw.) auftreten.
Abschlussbericht
PwC

 
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Regionalverteilung kontinuierlich FuE betreibender Unternehmen (2012) ................. 26
Abbildung 2:
Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in Euro (2013) .................................................. 31
Abbildung 3:
Marktschwäche .................................................................................................................. 33
Abbildung 4:
Beteiligungsinvestitionen im Verhältnis zum BIP (2012) ................................................ 37
Abbildung 5: Beteiligungsinvestitionen im Verhältnis zum BIP (Durchschnitt der Jahre
2009 bis 2012) ................................................................................................................... 38
Abbildung 6: Durchschnittliche jährliche Investitionen in Sachsen im Zeitraum 2008 bis
2013 nach Investitionsphasen .......................................................................................... 43
Abbildung 7: Aus welchen Gründen mussten Sie Anfragen ablehnen, die Sie grundsätzlich für
aussichtsreich befunden hätten? ...................................................................................... 48
Abbildung 8:
Investitionsfinanzierung im Mittelstand ........................................................................... 57
Abbildung 9:
Entwicklung des Kreditzugangs für KMU im Zeitverlauf ............................................... 58
Abbildung 10: Bei Banken und Sparkassen in Sachsen ausstehendes Kreditvolumen an Unternehmen
und wirtschaftlich selbständige Privatpersonen ...............................................................59
Abbildung 11:
Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung aus Sicht der Unternehmen ......................... 61
Abbildung 12: Ausgang von Kreditverhandlungen im deutschen Mittelstand 2005-2012 ................... 62
Abbildung 13: Ausgang von Kreditverhandlungen im deutschen Mittelstand nach der
Unternehmensgröße im Jahr 2012 ................................................................................... 62
Abbildung 14: Abgelehnte Investitionskreditanträge deutscher Unternehmen nach
Umsatzgrößenklassen ....................................................................................................... 63
Abbildung 15: Anteil des realisierten am geplanten Investitionsvolumen bei Scheitern von
Kreditverhandlungen im deutschen Mittelstand ............................................................. 64
Abbildung 16: Geschätzter Anteil der aufgrund eines fehlenden Kreditangebots der Bank nicht
realisierten Kreditnachfrage an der tatsächlichen Kreditnachfrage im deutschen
Mittelstand ("relative" Kreditangebotslücke) .................................................................. 66
Abbildung 17:
Gründe für die Ablehnung eines Investitionskredits ...................................................... 68
Abbildung 18: Auf Marktschwächen zurückzuführende Kreditangebotslücke - KMU (2013) ............. 69
Abbildung 19: Entwicklung des Mezzanine-Marktes in Deutschland ..................................................... 71
Abbildung 20: Ebenen zur Generierung zusätzlicher öffentlicher und privater Mittel ......................... 111
Abbildung 21: Bewilligte GRW-Nachrangdarlehen nach Betriebsart ................................................... 125
Abbildung 22: Umsetzungsoptionen nach Artikel 38 AVO .................................................................... 137
Abbildung 23: Bewertung der Umsetzungsalternativen ......................................................................... 139
Abschlussbericht
PwC

 
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: FuE-Ausgaben 2012 (Anteil am BIP Juni 2013) nach Sektor im bundesdeutschen
Vergleich, absteigende FuE-Ausgaben .................................................................................. 30
Tabelle 2:
Bruttoanlageinvestitionen (in jeweiligen Preisen) je Erwerbstätigen, 2011 ........................ 32
Tabelle 3:
Private Equity-Investitionen im Bundesländervergleich ..................................................... 42
Tabelle 4: Bei Banken und Sparkassen in Sachsen ausstehendes Kreditvolumen an Unternehmen
und wirtschaftlich selbständige Privatpersonen nach Wirtschaftszweigen ........................ 60
Tabelle 5:
Quantitativer Mehrwert von Förderinstrumenten - Eigenkapital ....................................... 78
Tabelle 6:
Risikokapital- und FuE-Förderinstrumente .......................................................................... 81
Tabelle 7: Quantitativer Mehrwert von Förderinstrumenten zur Begleitung der Phase der
Marktbearbeitung ................................................................................................................... 88
Tabelle 8: Mezzanine- und Zuschuss-Programme für KMU zur Finanzierung der
Marktbearbeitungsphase ......................................................................................................... 91
Tabelle 9:
Quantitativer Mehrwert von Förderinstrumenten - wirtschaftliches Eigenkapital ............ 99
Tabelle 10: Mezzanine-Programme für KMU in Sachsen zur Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur ................................................................................................................ 101
Tabelle 11:
Erwartete Hebel der vorgesehenen Finanzinstrumente ...................................................... 118
Tabelle 12: Branchenverteilung GRW-Nachrangdarlehen ..................................................................... 125
Tabelle 13: Outputindikatoren des Risikokapitalfonds .......................................................................... 142
Tabelle 14: Outputindikatoren des KMU-Darlehensfonds ..................................................................... 143
Tabelle 15: Outputindikatoren des GRW-Nachrangdarlehensfonds ..................................................... 144
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Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
ABl.
Amtsblatt der Europäischen Union
AEUV
Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (EU Primär-
recht, seit 1.12.2009 in Kraft)
AGVO
Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung
AVO
Allgemeine Verordnung
sowie:
Verordnung (EU) Nr. 1303/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 17. Dezember 2013 mit gemeinsamen Bestimmungen über
den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, den Europäischen
Sozialfonds, den Kohäsionsfonds, den Europäischen Landwirtschafts-
fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und den Europäischen
Meeres- und Fischereifonds sowie mit allgemeinen Bestimmungen über
den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, den Europäischen
Sozialfonds, den Kohäsionsfonds und den Europäischen Meeres- und
Fischereifonds und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr.
1083/2006 des Rates
BayBG
BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH
BIP
Bruttoinlandsprodukt
BMWi
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
BSV
Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Vogtland
BVK
Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
COSME
Competitiveness of Enterprises and Small and Medium-sized Enter-
prises
DB
Datenbank
Delegierte Verordnung
Delegierte Verordnung (EU) Nr. 480/2014
DIHK
Deutscher Industrie- und Handelskammertag
DSGV
Deutscher Sparkassen- und Giroverband
EAF
European Angels Funds
EG
Europäische Gemeinschaft
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Abkürzungsverzeichnis
EFRE
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
EIB
Europäische Investitionsbank
EIF
Europäischer Investitionsfonds
ERP
European Recovery Program
ESF
Europäischer Sozialfonds
ESI-Fonds
Europäische Struktur- und Investitionsfonds
EU
Europäische Union
EU-KOM
Europäische Kommission
Euratom
Europäische Atomgemeinschaft
EXIST
Existenzgründungen aus der Wissenschaft
EZB
Europäische Zentralbank
FI
Finanzinstrument / financial instrument
FuE
Forschung und Entwicklung
FuEuI
Forschung, Entwicklung und Innovation
GRW
Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruk-
tur" (GRW)
HWK
Handwerkskammer
HTGF
High-Tech Gründerfonds
HTW
Hochwertige Technik im Verarbeitenden Gewerbe
IBB
Investitionsbank Berlin
IfM
Institut für Mittelstandsforschung
IHK
Industrie- und Handelskammer
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Abkürzungsverzeichnis
ILB
Investitionsbank des Landes Brandenburg
InnoPrämie
Programm des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und
Kunst über die Gewährung von Innovationsprämien für kleine und
mittlere Unternehmen im Freistaat Sachsen (InnoPrämie)
JEREMIE
Joint European Resources for Micro to medium Enterprises
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau
IRR
Internal rate of return
IuK / IKT / ICT
Informations- und Kommunikationstechnologie
KMU
Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen
LBBW
Landesbank Baden-Württemberg
LfA
LfA Förderbank Bayern
MBG
Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen
MBO/MBI
Management Buy-out/ Management Buy-in
MEP
Förderprogramm „Markteinführung innovativer Produkte und Pro-
duktdesign"
NACE
Nomenclature statistique des activités économiques dans la Commun-
auté européenne, Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der
Europäischen Gemeinschaft
NBank
Investitions- und Förderbank Niedersachsen
OP
Operationelles Programm
PwC
PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
S-Beteiligungen
S-Beteiligungsmanagement Leipzig GmbH
S-Refit EFRE-Fonds
S-Refit EFRE Fonds Bayern GmbH
SAB
Sächsische Aufbaubank – Förderbank
SAFE
EZB Survey on the access to finance of SMEs in the euro area
Abschlussbericht
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Abkürzungsverzeichnis
SBG
Sächsische BeteiligungsGesellschaft mbH
SC-Kapital
SC Kapitalbeteiligungsgesellschaft mbH
SIB
SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft mbH Dresden
SIGNO
Förderung von Hochschulen und Unternehmen bei der rechtlichen
Sicherung und wirtschaftlichen Verwertung ihrer innovativen Ideen
SME
Small and Medium-sized Enterprises
SMWA
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
STW
Spitzentechnik im Verarbeitenden Gewerbe
SvB
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
TDL
Technologieintensive Dienstleister
TGFS
Technologiegründerfonds Sachsen
VC
Venture Capital
VDI
Verein Deutscher Ingenieure
VGRdL
Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder
VO
Verordnung
VZÄ
Vollzeitäquivalente
WMS
Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen
ZEW
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
ZIM
Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand
Abschlussbericht
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Zusammenfassung der Ergebnisse
und Schlussfolgerungen
Stellenwert der Ex-ante-Bewertung
1. Die Ex-ante-Bewertung ist als Planungsinstrument zur Entwicklung von EU-kofinanzierten
Finanzinstrumenten (FI) zu verstehen. Sie stellt eine Weiterentwicklung der in der För-
derperiode 2007 bis 2013 angewandten "Gap Analyse" bei revolvierenden Fonds zur Un-
terstützung von KMU im Rahmen der "JEREMIE"-Initiative dar. In der Förderperiode
2014 bis 2020 ist die Ex-ante-Bewertung gemäß Artikel 37 AVO verpflichtend für jedes
Finanzinstrument vorzunehmen.
2. Die Ex-ante-Bewertung zielt darauf
die bedarfsgerechte Finanzausstattung der geplanten FI abzuschätzen und zu begrün-
den,
das durch die Förderung ausgelöste Investitionsvolumen abzuschätzen,
zu prüfen, ob und ggf. mit welcher quantitativen Auswirkung eine erhöhte Reichweite
des FI durch die Beteiligung Dritter (öffentlicher und privater Investoren) möglich ist,
die Einordnung des FI im bestehenden Fördersystem zu beschreiben und ggf. einzu-
grenzen,
wenn sinnvoll, verschiedene Möglichkeiten der Förderung zu vergleichen und die op-
timale Förderart vorzuschlagen,
die bisher gesammelten Erfahrungen mit Vorläuferprogrammen oder vergleichbaren
FI in anderen Regionen systematisch einzubringen,
eine Abwägung durchzuführen, wie das FI nach den einschlägigen EU-Regelwerken
implementiert werden kann und die vorteilhafteste Implementierungsform vorzu-
schlagen,
den beihilferechtlichen Gestaltungsrahmen zu prüfen,
die erwarteten Ergebnisse der Intervention zu quantifizieren sowie insgesamt
den Sinn und die Notwendigkeit des FI zu erfassen.
3. Artikel 37 (2) AVO bildet den rechtlichen Rahmen der Ex-ante-Bewertung, die danach in
sieben Schritten durchzuführen ist. Als Ergebnis der durchgeführten Ex-ante-Bewertung
für einen Risikokapitalfonds (Unternehmen in der Seed- und Start-up-Phase), einen
KMU-Darlehensfonds (Nachrangfinanzierung für KMU in der Marktbearbeitungsphase)
und einen GRW-Nachrangdarlehensfonds (Nachrangdarlehen zur Finanzierung betriebli-
cher Investitionen für KMU) kann festgehalten werden, dass die vorgesehenen FI
sinnvoll an Vorgängerprogramme anknüpfen und den Weg von einer zuschussbasier-
ten Förderung zu revolvierenden Förderinstrumenten fortsetzen,
Abschlussbericht
PwC
8

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
effektive Instrumente zur Verringerung vorhandener Marktschwächen darstellen und
bestehende Optimierungspotentiale gegenüber den Vorgängerprodukten aufgreifen
sowie
aufgrund ihres revolvierenden Charakters dazu beitragen, dauerhaft die Innovations-
und Investitionskraft des Freistaates Sachsen zu erhöhen.
Analyse auf Marktschwächen, suboptimale Investitionssituationen und dar-
aus resultierende Investitionsanforderungen
Suboptimale Investitionssituation bei FuEuI
4. Die Aufwendungen für FuE sind ein wichtiger Indikator für die Wettbewerbs- und Zu-
kunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Das EU-Ziel von drei Prozent am BIP gliedert sich
idealtypisch dergestalt auf, dass der öffentliche Sektor ein Prozent bestreitet und zwei Pro-
zent der Ausgaben von der privaten Wirtschaft getätigt werden. Allerdings zeigt die Erfah-
rung, dass in der Entwicklung einer forschenden, entwickelnden und innovativen Wirt-
schaft verschiedene Phasen auftreten: Höhere FuE-Intensitäten werden zunächst vom öf-
fentlichen Sektor selbst erreicht, dann übernimmt dieser für eine bestimmte Zeit sogar zu-
sätzliche Anteile über das 1-Prozent-Ziel hinaus, und erst in einer Folgephase holt die pri-
vate Wirtschaft schrittweise auf. Die Analyse der FuE-Ausgaben nach Sektoren (Staat,
Hochschulen, Wirtschaft) macht deutlich, dass Sachsen im Vergleich zu den übrigen ost-
deutschen Flächenstaaten eine Spitzenposition einnimmt. In den Sektoren Staat und
Hochschulen weist Sachsen einen deutlich höheren Anteil als der bundesdeutsche Durch-
schnitt auf. Nachholbedarf besteht hingegen bei den FuE-Ausgaben des Unternehmens-
sektors. Hier wurden im Bundesdurchschnitt zuletzt 2,02 Prozent des BIP für FuE aufge-
wendet, in Sachsen jedoch nur 1,30 Prozent (im Durchschnitt der ostdeutschen Flächen-
länder sogar nur 0,81 Prozent). Förderprogramme wie der Risikokapitalfonds und der
KMU-Darlehensfonds zielen auf eine Verstärkung privater Ausgaben für FuEuI und tra-
gen dazu bei, dem Ziel von 2 Prozent am BIP näher zu kommen. Öffentliche Interventio-
nen sind damit gerechtfertigt und auch dem Umfang nach begründet.
Suboptimale Investitionssituation mit Blick auf den gesamtwirtschaftlichen
Kapitalstock
5. Aussagekräftig für das Investitionsniveau einer Region ist der Kapitalstock je Einwohner,
weil dies einen direkten Vergleich mit anderen Regionen ermöglicht. Je Einwohner lag der
Kapitalstock im Freistaat Sachsen im Jahr 2011 bei 138.648 Euro und damit um rund 23
Prozent unter dem Wert der westdeutschen Bundesländer
1
(180.899 Euro). Um diese
„Kapitallücke“ zu schließen, wären bei konstanter Einwohnerzahl (4.054.182 in 2011) In-
vestitionen in Höhe von rund 171 Mrd. Euro erforderlich. Dies zeigt, dass Maßnahmen zur
Stimulierung der gesamtwirtschaftlichen Investitionstätigkeit von besonderer Bedeutung
für den weiteren wirtschaftlichen Aufholprozess Sachsens sind. Unter förderpolitischen
Gesichtspunkten ist es daher erforderlich, auf betrieblicher Ebene die Fähigkeit zur Eigen-
und Fremdfinanzierung notwendiger Investitionen von KMU zu verstärken und das
Wachstum der Investitionstätigkeit gezielt zu unterstützen.
1
Ohne Berlin.
Abschlussbericht
PwC
9

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Marktschwäche – allgemeine Aussagen
6. Der Schwerpunkt der in der Ex-ante-Bewertung durchgeführten Marktanalyse zielt auf die
Marktschwäche. Marktschwächen bzw. gesamtwirtschaftlich schädliche Finanzierungsbe-
schränkungen für Unternehmen liegen vor, wenn Unternehmen - trotz eines wirtschaftlich
tragfähigen Geschäftsmodells - keine Finanzierung zu auskömmlichen Konditionen am
Markt erhalten. Konkret geht es dabei um fehlende Finanzierungen für Projekte, die prin-
zipiell eine marktfähige Rentabilität aufweisen (d. h. deren Erträge höher sind als die Fi-
nanzierungskosten). Folgen sind das Nichtzustandekommen von wirtschaftlich sinnvollen
Projekten, Wachstums-, Investitions- oder Wettbewerbsfähigkeitseinbußen. Bei der Regi-
onalentwicklung, der KMU-Finanzierung und der FuEuI-Finanzierung treten zudem noch
gesellschaftliche positive Externalitäten hinzu, die der Gesellschaft Nutzen bringen, aber
nicht einzelwirtschaftlich (vollständig) angeeignet werden können. Diese positiven Exter-
nalitäten zu fördern ist nicht allein Aufgabe des Marktes, sondern auch des Staates. Nicht
um eine Marktschwäche handelt es sich hingegen, wenn Investitions- bzw. Geschäftsvor-
haben in sich Mängel aufweisen, so dass deren wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht gegeben
ist. In diesen Fällen begründet der fehlende Finanzierungszugang der Unternehmen keine
staatlichen Markteingriffe.
7. Die Leistung der Ex-ante Bewertung besteht darin, die Marktschwäche in Form einer Fi-
nanzierungslücke zu beschreiben und grob zu quantifizieren.
Finanzierungslücke im Bereich VC und PE
8. Die Angebotsseite – und damit die realisierte Nachfrage – wird im ersten Schritt erfasst,
gefolgt von der potenziellen nicht-realisierten Nachfrage. Das Angebot wird in der Ex-ante
Bewertung durch eine Desktop-Recherche bestimmt. Die potenzielle Nachfrage wird auf
Basis einer Branchen- und Unternehmensanalyse, einer Schätzung der Zielpopulation
(Anzahl der für eine VC-Finanzierung grundsätzlich in Frage kommenden Unternehmen)
sowie einer Schätzung der durchschnittlichen Deal-Größe ermittelt. Die Ex-ante Bewer-
tung findet eine jährliche durchschnittliche Nachfrage nach Beteiligungskapital für High-
tech-Gründungen (hier verstanden als Unternehmen, die maximal drei Jahre bestehen) in
Sachsen in Höhe von 30 Mio. €. Hinzu kommt nach einer vergleichbaren Analyse die
Nachfrage nach Beteiligungen für Nicht-Hightech-Gründungen von rund 23 Mio. € p.a.
Die Nachfrage nach Beteiligungskapital für etablierte Unternehmen (ebenfalls nur die be-
friedigte) kann in Höhe von 34,5 Mio. € p.a. abgeleitet werden. Für den Sektor der jungen
und etablierten Hightech-Unternehmen und den Sektor der jungen und etablierten Nicht-
Hightech-Unternehmen wird die nicht befriedigte Nachfrage aufgrund gescheiterter Betei-
ligungsanfragen (die gleichwohl einen soliden business case aufweisen) auf rund 25 Mio. €
bzw. 11,5 Mio. € p.a. geschätzt. Die gesamte potenzielle Nachfrage liegt damit bei geschätzt
rund 124 Mio. Euro p.a.
9. Dem gegenüber steht ein ermitteltes Angebot von etwa 73 Mio. € p.a., so dass sich die
gesamte Finanzierungslücke rechnerisch auf rund 50 Mio. € p.a. beläuft. Auf Marktschwä-
chen zurückzuführen sind nach der Auswertung der Ablehnungsgründe und der struktu-
rellen Angebotslücke schätzungsweise 30 Mio. € p.a.
Abschlussbericht
PwC
10

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Finanzierungslücke im Bereich KMU- Markteinführung und Marktbearbei-
tung
10. Bei der Ex-ante Abschätzung wird die Methode leicht verändert, weil es sich um ein relativ
enges Finanzierungssegment handelt, welches durch verfügbare Kreditstatistiken nicht
trennscharf abgebildet wird. Es wird deshalb wesentlich (i) auf die Monitoringdaten des
bisherigen Zuschussinstrumentes für die Förderung der Markteinführung innovativer
Produkte und (ii) auf eine im Vorfeld der Programmkonzeption durchgeführte Bedarfsa-
nalyse abgestellt. Dabei wird im Rahmen der Ex-ante Bewertung berücksichtigt, dass das
Vorgängerprodukt zuschussbasiert war. Die in 2012 durchgeführte Bedarfsanalyse hatte
ergeben, dass die Akzeptanz für ein Darlehensprogramm zur Unterstützung der Marktein-
führungsphase innovativer KMU eher gering ist. Für die sich der Markteinführungsphase
anschließende, mit tendenziell geringeren wirtschaftlichen Risiken verbundene Marktbe-
arbeitungsphase, wurde gleichwohl eine potenzielle Nachfrage nach einem Darlehenspro-
gramm ermittelt. Mit Blick auf die hier durchzuführende Ex-ante Bewertung gehen wir
davon aus, dass die Untersuchungsergebnisse auch heute Gültigkeit haben.
11. Aus diesem Grund soll im Rahmen des künftigen Gesamtprogramms die Unterstützung
der risikoreicheren Markteinführungsphase (bis 6 Monate nach der ersten wirtschaftli-
chen Verwertung des neuen Produkts) zuschussbasiert erfolgen; in der Phase der Markt-
bearbeitung (bis zu 36 Monaten nach der ersten wirtschaftlichen Verwertung des neuen
Produkts) sollen KMU im Rahmen von Förderdarlehen unterstützt werden.
1
12. Das in der Marktbearbeitungsphase zu finanzierende Investitionsvolumen wird im Rah-
men der Ex-ante-Bewertung doppelt so hoch angesetzt (200.000 Euro je Unternehmen)
wie das der Markteinführungsphase zugrunde liegende Volumen, für das Monitoringdaten
aus dem Vorgängerprogramm vorliegen.
2
Unter Berücksichtigung, dass ein Darlehenspro-
gramm sowohl für Unternehmen, die das bereits bestehende Zuschussprogramm in An-
spruch genommen haben, als auch - in geringerem Umfang - für Unternehmen, welche
das Vorgängerprogramm bislang nicht genutzt haben, in Frage kommt, wurde das gesam-
te relevante Investitionsvolumen zur Begleitung der Markteinführungsphase auf 20,5 Mio.
Euro p.a. geschätzt.
13. Von den im Rahmen der Bedarfsanalyse aus dem Jahr 2012 befragten Unternehmen gab
ein Drittel an, dass sie entweder mit Fremdkapital finanziert hatten oder gerne finanziert
hätten (potenzielle Nachfrage). Von diesen (potenziell) fremdfinanzierenden Unterneh-
men hatte nur ein Drittel keine Probleme mit der Einwerbung der Finanzierung für diese
relativ risikoreiche Phase, bei der übliche Sicherheiten selten gestellt werden können. Im
Umkehrschluss hatten zwei Drittel der (potenziell) fremdfinanzierenden Unternehmen
Schwierigkeiten beim Kreditzugang.
14. Unter Einbeziehung dieser Ergebnisse wurde die Nachfrage nach Fremdkapital zur Fi-
nanzierung der Marktbearbeitungsphase auf 6 Mio. Euro p.a. geschätzt, von der durch
EU-Mittel (80 %-iger EU-Kofinanzierungssatz) 4,8 Mio. € p.a. abgedeckt werden können.
1
Die Förderrichtlinie schließt nicht aus, dass Darlehen bereits früher als 6 Monate nach der ersten wirtschaftli-
chen Verwertung beantragt werden. Da die zuschussbasierte Förderung die höhere Subventionsintensität auf-
weist, wird es in der Praxis zu der gewünschten klaren Trennung der beiden Phasen kommen und die Darle-
hensförderung erst nach 6 Monaten nach der ersten wirtschaftlichen Verwertung relevant sein.
2
Hierin spiegeln sich der längere Förderzeitraum und tendenziell kostenintensivere Aufwendungen wider.
Abschlussbericht
PwC
11

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Finanzierungslücke im Bereich GRW-Nachrangdarlehen
15. Die Ex-ante Bewertung folgt dem generellen Ansatz der "Gap-Analyse", muss aber zur
Ableitung der Finanzierungslücke aufgrund fehlender regionalisierter Daten wesentlich
auf bundesdeutsches Datenmaterial abstellen. Die Gültigkeit der nationalen Daten mit
Blick auf die spezifische Situation in Sachsen wurde durch Experten plausibilisiert.
16. Das ausstehende Kreditvolumen in Sachsen an Unternehmen des Verarbeitenden Gewer-
bes blieb seit 2007 praktisch konstant (2013: 2.200 Mio. Euro), im Dienstleistungsgewer-
be nahm es im Betrachtungszeitraum um rund 12 Prozent auf 14.800 Mio. Euro zu.
17. Die von den sächsischen Sparkassen publizierten Daten zum Kreditneugeschäft weisen
für das Jahr 2013 einen Betrag von 1.900 Mio. Euro aus. Auf Basis von Daten der Deut-
schen Bundesbank zum geschätzten Marktanteil der Sparkassen am Kreditgeschäft (27
Prozent) kann das gesamte Kreditneugeschäft an Unternehmen und Selbständige auf rund
7 Mrd. Euro im Jahr 2013 hochgerechnet werden. Die aus verschiedenen bundesdeut-
schen und europäischen Studien abgeleitete Kreditlücke von 4 Prozent ergibt als Schätz-
wert eine gesamte Kreditangebotslücke in Sachsen von 280 Mio. € für 2013.
18. Diese Gesamt-Angebotslücke wird in der Ex-ante Bewertung näherungsweise auf Investi-
tions- und Betriebsmittelkredite heruntergebrochen, da das beabsichtigte FI ausschließ-
lich auf Investitionsdarlehen ausgelegt ist. Die von der Deutschen Bundesbank publizierte
Bilanzstruktur der ostdeutschen Unternehmen zeigt für das Jahr 2012 einen Anteil an
kurzfristigen Verbindlichkeiten an der Bilanzsumme von 5,3 Prozent und einen Anteil von
10,4 Prozent an langfristigen Verbindlichkeiten. Unter Zugrundelegung dieses Verhältnis-
ses wird die Kreditangebotslücke an Investitionsfinanzierungen in Sachsen auf 187 Mio.
Euro p.a. geschätzt (zwei Drittel der gesamten Kreditangebotslücke).
19. Im nächsten Schritt wird vom Gesamtmarkt auf den Markt für KMU geschlossen; die Ex-
ante-Bewertung nimmt hierzu den Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
als Maßstab. Im Ergebnis ergibt sich eine Kreditangebotslücke an Investitionsfinanzierun-
gen für sächsische KMU in Höhe von 140 Mio. Euro p.a. Von dieser Lücke wird im letzten
Schritt der Anteil der im Kontext von Marktschwächen erfolgten Ablehnungen bzw. nicht
zustande gekommenen Abschlüsse abgeleitet.
20. Im Ergebnis wird der Umfang der auf Marktschwächen zurückzuführenden Lücke an
Investitionsfinanzierenden für sächsische KMU auf 84 Mio. Euro p.a. geschätzt.
21. An dieser Stelle ist allerdings darauf hinzuweisen, dass sich die Ableitung der Kreditange-
botslücke auf das gesamte Investitionskreditsegment in Sachsen bezogen hat. Nachrang-
darlehen bilden hier nur einen kleinen Ausschnitt. Die Analyse des Regionalmarkts zeigt
für das hier relevante Finanzierungssegment ("klassische Investitionsförderung") ein Ge-
samtangebot an Nachrangdarlehen in Sachsen von etwa 20 Mio. Euro p.a. Zur Ermittlung
der potenziellen Nachfrage berücksichtigt die Ex-ante-Bewertung zusätzlich den Umfang
an Kreditablehnungen und schätzt die verringerte Nachfrage aufgrund von Wissensdefizi-
ten zur Wirkungsweise dieses Finanzproduktes. Die gesamte Nachfrage wird auf 37 Mio.
Euro p.a. geschätzt, die Lücke somit auf 17 Mio. Euro p.a., die auf Marktschwächen zu-
rückzuführende Finanzierungslücke auf schätzungsweise 12,5 Mio. Euro p.a.
22. Für etwaige Anpassungen während der Laufzeit des FI kann die derzeit schwache Wachs-
tumsdynamik im relevanten Kreditbereich (Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistun-
Abschlussbericht
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
gen) von knapp 1,8 Prozent p.a. überprüft werden. Sollte die Kreditnachfrage anziehen,
dürfte sich dies vermutlich auch auf die Höhe der Finanzierungslücke auswirken.
Beurteilung des Mehrwerts von EFRE-kofinanzierten Fonds in den Bereichen
Risikokapital, Nachrangdarlehen für innovative Produkte sowie für investive
Maßnahmen
Risikokapitalfonds
23. Bei den frühen und damit sehr risikoreichen Phasen der Unternehmensentwicklung hat
das Angebot privater Risikokapitalgeber in den letzten Jahren stark abgenommen. Dem
wirkt die öffentliche Hand teilweise mit einem verstärkten Angebot entgegen.
24. In der Effektivitätsbeurteilung schneiden die Zuschussförderung und die (hier beabsichtig-
te) Risikokapitalförderung am besten ab. Beim quantitativen Mehrwert stechen die Vortei-
le des revolvierenden Instruments der Risikokapitalförderung deutlich hervor. In einer
mathematischen Vergleichsrechnung wird gezeigt, dass der quantitative Mehrwert eines
revolvierend ausgestalteten Risikokapitalfonds rund viermal so hoch ist wie im Falle eines
alternativ eingesetzten Zuschussinstruments. Aufgrund der Rückzahlbarkeit der Beteili-
gung (Exit) ist die Subventionsintensität im Vergleich zum Zuschuss geringer.
25. Den qualitativen Mehrwert bestimmt die Ex-ante-Bewertung im Wesentlichen aus der
sinnvollen und möglichst überschneidungsfreien Einordnung in das bestehende Förder-
system sowie der Begrenzung von Mitnahmeeffekten und möglichen Wettbewerbsverzer-
rungen. Es werden drei potentiell konkurrierende Instrumente (Hightech-Gründerfonds,
EXIST Forschungstransfer und ERP/EIF-Dachfonds) identifiziert und die Randbedingun-
gen beschrieben, unter denen eine komplementäre, ergänzende Wirkung erzielt werden
kann - insbesondere in der Seed-Phase durch Kombination der Förderung. Im Ergebnis ist
davon auszugehen, dass ein Risikokapitalfonds das bestehende Förderinstrumentarium
für technologieorientierte Gründer und bestehende Unternehmen in Sachsen sinnvoll er-
gänzt und insbesondere auch dazu beiträgt, dass sich die Kapitallücke nach Abschluss der
Investitionsphase des TGFS nicht vergrößert. Die Verhältnismäßigkeit des Risikokapital-
fonds wird insbesondere im Hinblick auf die geringere Subventionsintensität im Vergleich
zur Zuschussförderung bejaht.
KMU-Darlehensfonds
26. In der Effektivitätsbeurteilung schneidet aus Sicht der Unternehmen die Zuschussförde-
rung besser ab als die Förderung mit Nachrangdarlehen, weil aus der Zuschussförderung
keine Liquiditätsbelastung folgt. Das angestrebte FI begrenzt diesen Effekt durch tilgungs-
freie Jahre mit dem Ziel, dass die Vermarktung des neu entwickelten Produkts bereits re-
levante Erlöse erbringt, wenn Tilgungsleistungen erbracht werden müssen.
27. Beim quantitativen Mehrwert zeigt sich wiederum der Vorteil des revolvierenden Produkts
gegenüber dem Zuschuss, hier des Nachrangdarlehens. Obwohl der Nennwert des Darle-
hens sehr viel höher ausfällt als beim Zuschuss erreicht er – unter Einbeziehung der zu-
künftigen Entwicklung – einen größeren Hebelwert und damit auch einen höheren quanti-
tativen Mehrwert (7,25 verglichen mit 5).
28. Der qualitative Mehrwert ist geprägt durch die Übergangssituation von der Zuschuss- zur
Darlehensförderung. Bei vergleichbaren Instrumenten handelt es sich nahezu ausschließ-
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
lich um Zuschussprogramme, so dass das angestrebte FI den bestehenden Instrumenten-
mix sinnvoll ergänzen kann und eine Verdrängung existierender Programme nicht zu er-
warten ist. Die Verhältnismäßigkeit wird insbesondere im Hinblick auf die geringere Sub-
ventionsintensität im Vergleich zur Zuschussförderung bejaht.
GRW Nachrangdarlehen
29. Das GRW-Nachrangdarlehen zielt besonders auf eine Unterstützung von Unternehmen
mit (noch) zu geringer Eigenkapitalausstattung und/oder unzureichend verfügbarer Kre-
ditsicherheiten ab.
30. In der Effektivitätsbeurteilung kann man Zuschüsse, stille Beteiligungen und Nachrang-
darlehen miteinander vergleichen. Die Unternehmenspräferenz liegt meist beim Zuschuss,
die Allokationseffizienz ist gleichwohl bei rückzahlbaren Instrumenten höher. Insgesamt
ist aber festzustellen, dass alle Instrumente im Fördermix ihre Berechtigung haben und
die Abstufung hinsichtlich ihrer Effektivität eher gering ist.
31. Beim quantitativen Mehrwert zeigt sich wiederum die Wirkung des revolvierenden Pro-
dukts, hier des Nachrangdarlehens gegenüber dem Zuschuss. Die Beispielrechnung zeigt,
dass die Gewährung eines Nachrangdarlehens im Vergleich zur Zuschussgewährung einen
ähnlichen quantitativen Mehrwert erreicht, obwohl der Nennwert
viel höher
ist. Die Be-
rechnung verdeutlicht, dass der revolvierende Einsatz einen signifikanten Einfluss auf den
quantitativen Mehrwert hat.
32. Zur Beurteilung des qualitativen Mehrwerts wird ein Vergleich mit bundesweiten, europäi-
schen und sächsischen Mezzanine-Programmen durchgeführt. Die Ausrichtung auf Darle-
hen garantiert diesbezüglich den weitgehend komplementären Charakter, wie auch das
Vorgängerprodukt als Pilotprodukt der Umstellung von einer zuschuss- auf eine darle-
hensbasierte Förderung bereits gezeigt hat. Eine Überschneidung mit oder Verdrängung
von bestehenden Förderinstrumenten ist nicht zu erwarten. Die Verhältnismäßigkeit wird
insbesondere im Hinblick auf die geringere Subventionsintensität, die Mitnahmeeffekte
verringert und Überinvestitionen verhindert, im Vergleich zur Zuschussförderung bejaht.
Einwerbung weiterer öffentlicher und privater Mittel
33. Nach Artikel 223 VO (EU) Nr. 1268/2012 ist der auf die Einwerbung weiterer Mittel zu-
rückzuführende Hebel definiert als „Quotient aus dem Finanzbetrag für förderfähige End-
empfänger und dem Betrag des Unionsbeitrags“ (hier EFRE-Mittel). Die Ex-ante-
Bewertung untersucht die Möglichkeit, andere Mittel zu identifizieren, die den Endbe-
günstigten zufließen und wertet dazu Vorgängerinstrumente, Erfahrungen auf Bundes-
ebene und in anderen Bundesländern aus. Der mögliche Hebel kann wie folgt abgeschätzt
werden:
Risikokapitalfonds
KMU-
Darlehensfonds
GRW-Nachrang-
darlehensfonds
Erwarteter Hebel
3,2
1,05
3,1
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Lessons Learnt
34. Da bereits Vorgängerprodukte zu den hier zu betrachtenden drei FI bestehen, steht die
Betrachtung und ggf. Verbesserung dieser Produkte im Vordergrund. Im Falle des KMU-
Darlehensfonds, für den kein direktes Vorgängerprodukt existiert, kann auf die Erfahrun-
gen mit der Umsetzung eines vergleichbaren Zuschussprogramms zurückgegriffen wer-
den.
35. Mit Blick auf die beiden beabsichtigten Nachrangdarlehensfonds, bei denen es sich grund-
sätzlich um zinssensitive Produkte handelt, gilt es insbesondere die Auswirkungen des
extrem niedrigen Zinsniveaus über einen langen Zeitraum zu betrachten. Die niedrigen
Zinsen wirken im Trend nachfragedämpfend. Nachfragesteigernd können alle Maßnah-
men wirken, welche die Umstellung von Zuschuss- auf Darlehensförderung voranbringen
(z.B. Ausschöpfung von Höchstförderbeträgen nur in der Darlehenskomponente, kurze
Bearbeitungszeiten, umfassende Programminformationen, breite Zielgruppe).
36. Bemerkenswert sind die bislang im Rahmen des bestehenden GRW-Nachrangdarlehens-
programm festzustellenden sehr niedrigen Kreditausfallquoten.
37. Für den zukünftigen Risikokapitalfonds wurde expertenseitig angeregt, dass im Bereich der
Seedfinanzierung künftig höhere Einzelbeteiligungsvolumina erwogen werden sollten.
Investitionsstrategie
38. Die Ex-ante Untersuchung betrachtet die Zielgruppe des FI genauer, analysiert die vorge-
sehenen Förderbestimmungen und gibt eine Empfehlung zum gewählten Implementie-
rungsregime ab.
Risikokapitalfonds
Zielgruppe und Förderbestimmungen
39. Der seitens des SMWA vorgesehene Risikokapitalfonds soll technologieorientierte und
wissensbasierte kleine Unternehmen im Sinne der EU-Definition ansprechen, die noch
nicht am Markt tätig sind (Seed-Phase) oder bei denen die Aufnahme der Geschäftstätig-
keit maximal sieben Jahre zurückliegt (Start-up-Phase). Der vorgesehene Kreis der Ziel-
unternehmen entspricht in weiten Teilen den Beteiligungsgrundsätzen des TGFS, die sich
als zielführend erwiesen haben. Die Ausweitung des Begünstigtenkreises auf potentielle
Beteiligungsnehmer, die seit maximal sieben Jahren am Markt bestehen, erhöht im Ein-
zelfall die Freiheitsgrade bei der Auswahl der Beteiligungsunternehmen und ist positiv zu
beurteilen.
40. Durch die Auflage des Risikokapitalfonds soll das Angebot an Eigenkapital und eigenkapi-
talähnlichen Mitteln für Unternehmen in der Seed- und Startup-Phase vergrößert werden.
Dafür soll der Fonds Kapital in einer Kombination aus Darlehen und offenen und/oder
stillen Beteiligungen bereitstellen, wobei der Schwerpunkt der Finanzierungsform auf of-
fene Beteiligungen ausgerichtet ist.
41. Die Beteiligungshöhe in der Seed-Phase soll analog zu den Beteiligungsgrundsätzen des
TGFS einen Betrag von 500.000 Euro je Engagement nicht übersteigen. In der Start-up-
Phase sollen Unternehmen eine Finanzierung von bis zu 5.000.000 Euro in Anspruch
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
nehmen können. Mit Blick auf die Seed-Phase könnte erwogen werden, in begründeten
Fällen höhere Einzelbeteiligungen je Unternehmen von maximal 1 Mio. Euro zuzulassen.
Größenordnung eines Risikokapitalfonds
42. Im Rahmen der Marktschwächenanalyse wurde die auf Marktschwächen zurückzuführen-
de Finanzierungslücke im Bereich der Beteiligungskapitalfinanzierung im Freistaat Sach-
sen auf derzeit rund 30 Mio. Euro p.a. geschätzt. Die Finanzierungslücke betrifft dabei
insbesondere sehr frühe Finanzierungsphasen (Seed- und Startup-Phase). Das SMWA
sieht für den Risikokapitalfonds eine Beteiligung des EFRE in Höhe von 44,7 Mio. Euro
vor. Dabei sollen die EFRE-Mittel durch zusätzliche Mittel auf der Ebene des künftigen
Fondsmanagers und/oder der Ebene des Fonds (Investoren) ergänzt werden. Hinsichtlich
der gesamten Finanzausstattung des Fonds wird im Rahmen der Ex-ante-Bewertung von
einer möglichen Größenordnung von rund 65 Mio. Euro (einschließlich auf Fondsebene
eingeworbener privater Mittel in Höhe von 20 Mio. Euro) ausgegangen.
43. Bei einer angenommenen Investitionsphase von 6 Jahren (Ende 2014 bis Ende 2020,
maximale Ausweitung bis Ende 2024 möglich) wären demnach Investitionen in Höhe von
rund 11 Mio. Euro p. a. möglich. Angesichts der Beendigung der Investitionsphase des
TGFS und der identifizierten Finanzierungslücke ist es nach Einschätzung der Ex-ante-
Bewertung sehr wahrscheinlich, dass die Mittel in erfolgversprechenden Vorhaben gebun-
den werden können.
Beurteilung der geeigneten Fondsstruktur
44. Beim Risikokapitalfonds legt insbesondere die Existenz eines Vorgängerfonds nahe, ein
"tailor made"- Instrument zu wählen (anstatt "off-the-shelf"). Die vorgesehene Ausschrei-
bung des Fondsmanagements soll - bei Einhaltung der Bestimmungen der in 2014 neu
formulierten AGVO - die Anwendung des Artikels 21 über die Risikokapitalfinanzierung
ermöglichen, bei der Notifizierungsfreiheit besteht.
KMU-Darlehensfonds
Zielgruppe und Förderbestimmungen
45. Der KMU-Darlehensfonds soll KMU im Sinne der EU-Definition offenstehen. Mit dem
vorgesehenen Zuwendungsempfängerkreis wählt das SMWA wie für Darlehensprogram-
me üblich einen breiten Förderansatz. Dies ist angesichts dessen, dass die identifizierten
Marktschwächen im Bereich der Finanzierung der Marktbearbeitungsphase weitgehend
branchenübergreifend bestehen, plausibel.
46. Das Darlehen soll mindestens 30.000 Euro und maximal 500.000 Euro pro Vorhaben
betragen. Das Darlehensspektrum spiegelt den im Vorfeld der Programmkonzipierung im
Rahmen der Bedarfs- und Machbarkeitsanalyse ermittelten Bedarf der Unternehmen wi-
der.
47. Der Zinssatz soll sich an der Entwicklung des Kapitalmarktes und an der Bonität des Dar-
lehensnehmers orientieren. Die Bestimmung eines kundenindividuellen, bonitätsabhängi-
gen Zinssatzes ist positiv zu beurteilen, weil durch die Berücksichtigung der individuellen
Ausfallwahrscheinlichkeit des Darlehensnehmers die Stabilität des Portfolios erhöht und
Wettbewerbsverzerrungen begrenzt werden.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
48. Eine maximale Kreditlaufzeit von fünf Jahren bei bis zu zwei Tilgungsfreijahren wird als
angemessen erachtet. Eine Darlehenslaufzeit, welche den Förderfähigkeitszeitraum (bis
maximal 36 Monate nach erster wirtschaftlicher Verwertung des neuen Produkts) um zwei
Jahre übersteigt, sollte den Darlehensnehmern ausreichende Spielräume für eine Tilgung
aus den mit dem neuen Produkt erzielten Cashflows ermöglichen.
49. Der Verzicht auf Kreditsicherheiten ist positiv zu beurteilen, weil hierdurch eine der zent-
ralen Marktschwächen - fehlende Sicherheiten - direkt beseitigt werden kann und es dazu
führen kann, dass sich Geschäftsbanken im Rahmen weiterer - vorrangig besicherter -
Kredite an der Darstellung der Gesamtfinanzierung des Vorhabens beteiligen.
Größenordnung eines KMU-Darlehensfonds
50. Im Rahmen der Marktschwächenanalyse wurde die auf Marktschwächen zurückzuführen-
de, durch einen KMU-Darlehensfonds potenziell abzudeckende Lücke im Bereich der hier
relevanten Finanzierung der Marktbearbeitungsphase von sächsischen KMU auf rund 4,8
Mio. Euro p.a. geschätzt. Unter Berücksichtigung des zeitlichen Nachlaufs der Förderung
bis Ende 2023 korrespondiert dies mit einer potentiellen Darlehensnachfrage über den
gesamten neunjährigen Förderzeitraum von etwa 43 Mio. Euro.
51. Die seitens des SMWA vorgesehene finanzielle Ausstattung des KMU-Darlehensfonds in
Höhe von 36,0 Mio. Euro unterschreitet die identifizierte Finanzierungslücke, so dass si-
chergestellt ist, dass kein Überangebot geschaffen wird. Allerdings sollte insbesondere
aufgrund fehlender Erfahrungswerte aus vergleichbaren Darlehensinstrumenten die tat-
sächliche Darlehensnachfrage durch das SMWA intensiv beobachtet werden, um auf
Mehr- oder Minderbedarfe frühzeitig reagieren zu können.
Beurteilung der geeigneten Fondsstruktur
52. Für den KMU-Darlehensfonds kommt aufgrund des geringen Subventionswerts grundsätz-
lich die Gestaltung nach Maßgabe der De-minimis Verordnung ("tailor-made") in Frage,
die gleichzeitig notifizierungsfrei ist. Da aber Nachrangdarlehen (Sicherheiten von weni-
ger als 50 Prozent des Nennwerts des Darlehens) nicht von der De-minimis Verordnung
abgedeckt werden, kommen - sofern keine Anpassung der Förderkriterien (Mindestsi-
cherheiten in Höhe von 50 Prozent bzw. Begrenzung des maximalen Darlehensvolumens
auf 200.000 Euro vorgesehen ist - entweder die Notifizierung oder die Anwendung von
"off-the-shelf"-Kriterien in Frage. Letzteres erfordert jedoch einen pari-passu agierenden
Partner auf der Fondsebene, der sich am Risiko beteiligt. Da dies nach den uns vorliegen-
den Fondsparametern nicht vorgesehen ist, wäre nach unserer Einschätzung eine Notifi-
zierung erforderlich.
GRW-Nachrangdarlehen
Zielgruppe und Förderbestimmungen
53. Der GRW-Nachrangdarlehensfonds soll sich an KMU der gewerblichen Wirtschaft richten,
welche die zu fördernde Betriebsstätte im Freistaat Sachsen unterhalten oder zu unterhal-
ten beabsichtigen. Mit den Nachrangdarlehen sollen Investitionsanreize zur Schaffung
und Sicherung von Dauerarbeitsplätzen in Sachsen gegeben werden. Ein insgesamt breiter
Branchenfokus nach Maßgabe der Bestimmungen der GRW ist angesichts dessen, dass die
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
identifizierten Marktschwächen im Bereich der Investitionsfinanzierung weitgehend bran-
chenübergreifend bestehen, plausibel.
54. Die Unterstützung soll als Anteilsfinanzierung in Form eines zinsvergünstigten nachrangi-
gen Darlehens erfolgen. Dabei soll der zu finanzierende Anteil des Vorhabens unter Einbe-
ziehung anderer öffentlicher Mittel bis zu 75 Prozent der förderfähigen Ausgaben betra-
gen. Die Mindestdarlehenshöhe beträgt 20.000 Euro. Der maximale Darlehensbetrag be-
läuft sich auf 5 Mio. Euro. Darüber hinaus kommt das Darlehen nur für den Teil der In-
vestitionsausgaben in Betracht, der je geschaffenem Dauerarbeitsplatz 500.000 Euro oder
je gesichertem Dauerarbeitsplatz 250.000 Euro nicht übersteigt. Mit dem vorgesehenen
Mindest- und Höchstbetrag orientiert sich das SMWA an den Bestimmungen des Vorgän-
gerprogramms sowie vergleichbarer Programme anderer Bundesländer und verhindert
durch die vorgesehene Mindestdarlehenshöhe Überschneidungen mit anderen Förderpro-
grammen.
55. Der Zinssatz soll sich an der Entwicklung des Kapitalmarktes und an der Bonität des Dar-
lehensnehmers orientieren. Eine Zinsverbilligung soll im Rahmen der durch die Europäi-
sche Union vorgegebenen Beihilfeobergrenzen möglich sein. Die Bestimmung eines kun-
denindividuellen Zinssatzes ist positiv zu beurteilen. Für das Nachrangdarlehen ist eine
Laufzeit von maximal 15 Jahren bei bis zu fünf Tilgungsfreijahren vorgesehen. Die ver-
gleichsweise langen Maximalkreditlaufzeiten ermöglichen eine auf die Bedarfslage der
Darlehensnehmer individuell abgestimmte Finanzierungsstrukturierung und sind inso-
fern positiv zu werten.
Größenordnung eines GRW-Nachrangdarlehens
56. Im Rahmen der Marktschwächenanalyse wurde die auf Marktschwächen zurückzuführen-
de Finanzierungslücke im Segment der Investitionsfinanzierung auf derzeit rund 84 Mio.
€ p.a. geschätzt. Mit besonderem Blick auf das Teilsegment der Nachrangdarlehensfinan-
zierung wurde eine Finanzierungslücke in Höhe von 12,5 Mio. p.a. identifiziert. Angesichts
der vorgesehenen Branchenausschlüsse und dem Ausschluss von Existenzgründerfinan-
zierungen wird die aus Sicht des GRW-Nachrangdarlehensfonds relevante Finanzierungs-
lücke auf derzeit rund 10 Mio. Euro p.a. geschätzt. Unter Ausblendung des Vorgängerpro-
dukts fällt die Finanzierungslücke größer aus.
57. Die seitens des SMWA vorgesehene finanzielle Ausstattung des GRW-Nachrangdarlehens-
fonds in Höhe von 100 Mio. Euro (inklusive nationaler Kofinanzierung) würde unter Be-
rücksichtigung der Nachlaufzeit bis Ende 2023 eine jährliche Darlehensvergabe von rund
11 Mio. Euro ermöglichen. Dies verdeutlicht, dass durch die beabsichtigte Auflage eines
Nachfolgefonds in erster Linie eine Vergrößerung der Finanzierungslücke infolge des Aus-
laufens des Vorgängerprodukts verhindert werden kann.
Beurteilung der geeigneten Fondsstruktur
58. Das GRW-Nachrangdarlehen ist bereits als "tailor-made"-FI bei der EU-KOM zur Notifi-
zierung angemeldet worden. Im Rahmen der Ex-ante Bewertung wurde dieses Vorgehen
als plausibel beurteilt, weil die vorgesehenen - und aus Sicht der Ex-ante-Bewertung ziel-
führenden - Förderbestimmungen eine Implementierung als "off-the-shelf"-FI nicht zu-
lassen.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Erwartete Ergebnisse
59. Aufgrund der Einbindung in die Prioritätsachse B des OP-EFRE 2014-2020 finden für alle
drei FI zunächst die relevanten im Anhang der EFRE-VO spezifizierten gemeinsamen
Outputindikatoren Anwendung. Diesbezüglich sind im OP-Entwurf benannt:
- Zahl der Unternehmen, die mit FI gefördert werden sowie
- Beschäftigungszunahme in geförderten Unternehmen, in Vollzeitäquivalenten.
60. Die erwartete Zahl der geförderten Unternehmen wurde mit 35 für den Risikokapitalfonds,
90 für den KMU-Darlehensfonds und 170 für das GRW-Nachrangdarlehen angegeben. Die
erwartete Beschäftigungszunahme in den aus dem GRW-Nachrangdarlehensfonds unter-
stützten KMU wurde auf 1.000 neue Vollzeit-Arbeitsplätze festgelegt.
61. Die Ex-ante Bewertung hält diese Zielwerte für erreichbar. Mit Blick auf den KMU-
Darlehensfonds ist nach Einschätzung der Ex-ante-Bewertung gleichwohl nicht auszu-
schließen, dass im Verlauf des Förderzeitraums eine etwas höhere Anzahl an Unterneh-
men bei entsprechend geringeren durchschnittlichen Darlehensvolumina erreicht werden
kann.
62. Als Performanceindikatoren schlägt die Ex-ante Bewertung folgende Indikatoren vor:
- die 1-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit (KMU-Darlehensfonds, GRW-Nachrang-
darlehensfonds) und
- den Anteil der insolventen Beteiligungsunternehmen an allen Portfoliounter-
nehmen (Risikokapitalfonds).
63. Für den Risikokapitalfonds könnte bei Zugrundelegung der nationalen BVK-Statistik ein
Zielwert von rund 30 Prozent in Erwägung gezogen werden. Als Zielwert für den KMU-
Darlehensfonds könnte eine 1-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit von 4 Prozent, für den
GRW-Nachrangdarlehensfonds von 2,2 Prozent zugrunde gelegt werden.
Anlässe für die Überprüfung oder Aktualisierung
64. Eine Überprüfung der Ex-ante-Bewertung kann im Wesentlichen aus drei Gründen ange-
zeigt sein:
Materielle Zielverfehlungen, gemessen an den festgelegten Indikatoren;
Eine im Vergleich zum geplanten finanziellen Vollzug (zu) starke oder (zu) schwache
Nachfrage nach Finanzierungen als Ausdruck einer möglichen Über- oder Unter-
schätzung der auf Marktschwächen beruhenden Finanzierungslücke oder einer struk-
turellen Verbesserung oder Verschlechterung des Zugangs zu Finanzierungen;
Eine unplanmäßige Entwicklung der Kreditausfallraten (KMU-Darlehensfonds und
GRW-Nachrangdarlehensfonds) oder Abschreibungen bzw. Totalverluste bei einge-
gangenen Beteiligungen (Risikokapitalfonds), die den revolvierenden Charakter der
betreffenden Finanzinstrumente in Frage stellen.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
65. Ein zu empfehlendes vierteljährliches Reporting ermöglicht den für die Umsetzung der FI
zuständigen bzw. verantwortlichen Stellen des SMWA eine kontinuierliche Überprüfung
des Umsetzungsstandes der Fonds.
66. Eine Überprüfung der Umsetzung der Finanzinstrumente sollte im Rahmen der vorgese-
henen Investitionsphase der Finanzinstrumente erfolgen, um ggf. erforderliche Anpas-
sungen mit Blick auf die Investitionsstrategie und bei Bedarf ggf. angezeigte Mittelum-
schichtungen vornehmen zu können. Die Bewertung kann in der Mitte des Programmzeit-
raums durchgeführt werden. Die laufende Umsetzung der Finanzinstrumente und gege-
benenfalls notwendige Änderungen sind ebenfalls im Rahmen des Programm-Monitorings
sowie den jährlichen Durchführungsberichten zu beobachten.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
1. Gegenstand und Methodik der
Ex-ante-Bewertung
1.1.
Gegenstand der Ex-ante-Bewertung
67. Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) hat die
PricewaterhouseCoopers AG WPG (PwC) im Juli 2014 mit der Erstellung einer
"Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der
EFRE-Förderung im Freistaat Sachsen 2014-2020"
beauftragt.
68. Das vorliegende Gutachten wurde im Zeitraum von Juli bis Oktober 2014 erstellt.
69. Grundlage für die Erarbeitung der Ex-ante-Bewertung sind die Bestimmungen von Artikel
37 der Verordnung (EU) Nr. 1303/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
17. Dezember 2013 mit gemeinsamen Bestimmungen über den Europäischen Fonds für
regionale Entwicklung, den Europäischen Sozialfonds, den Kohäsionsfonds, den Europäi-
schen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und den Europäi-
schen Meeres- und Fischereifonds sowie mit allgemeinen Bestimmungen über den Euro-
päischen Fonds für regionale Entwicklung, den Europäischen Sozialfonds, den Kohäsions-
fonds und den Europäischen Meeres- und Fischereifonds und zur Aufhebung der Verord-
nung (EG) Nr. 1083/2006 (AVO).
70. Danach muss die Unterstützung von Finanzinstrumenten
1
auf einer Ex-ante-Bewertung
basieren, in der Marktschwächen oder suboptimale Investitionssituationen nachgewiesen
und die geschätzte Höhe und der geschätzte Umfang der öffentlichen Investitionsanforde-
rungen, einschließlich der zu unterstützenden Arten von Finanzinstrumenten, abgeleitet
wurden. Die Inhalte einer Ex-ante-Bewertung werden durch Artikel 37 (2) (a-g) AVO spe-
zifiziert.
71. Bei der Erarbeitung der Ex-ante-Bewertung haben wir uns an dem durch PwC Luxemburg
in Zusammenarbeit mit PwC Deutschland im Auftrag der Europäischen Investitionsbank
(EIB) erarbeiteten Leitfaden mit konkreten inhaltlichen und methodischen Anleitungen
orientiert.
2
Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass die inhaltlichen und methodischen
Inhalte des Leitfadens nicht bindend sind.
72. Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass die Durchführungsbestimmungen für Finan-
zinstrumente derzeit zumindest teilweise erst im Entwurf vorliegen und insofern unter
Änderungsvorbehalt stehen.
1
Finanzinstrumente sind diejenigen Fördermaßnahmen, die weder als Zuschüsse, noch als Zinszuschüsse oder
feste Zuschüsse zu Avalprovisionen für Garantien oder Bürgschaften ausgestaltet sind. Sie sollen einen re-
volvierenden Charakter haben.
2
Vgl. PricewaterhouseCoopers 2014: Ex-ante assessment methodology for financial instruments in the 2014-
2020 programming period. Vol I: General methodology covering all thematic objectives; Pricewaterhouse-
Coopers 2014: Ex-ante assessment methodology for financial instruments in the 2014-2020 programming pe-
riod. Vol III: Enhancing the competitiveness of SME, including agriculture, microcredit and fisheries (Themat-
ic objective 3).
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
73. Mit dem Technologiegründerfonds Sachsen, dem Stadtentwicklungsfonds Sachsen, dem
GRW-Nachrangdarlehensprogramm "Darlehensfonds zur Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur" (jeweils aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung
(EFRE) kofinanziert) und dem Mikrodarlehensfonds Sachsen (aus dem Europäischen So-
zialfonds (ESF) kofinanziert) wurden im Freistaat Sachsen in der 2013 zu Ende gegange-
nen EU-Förderperiode insgesamt vier EU-kofinanzierte Finanzinstrumente aufgelegt.
Auf Basis der gemachten Erfahrungen plant der Freistaat, die fondsbasierte Wirtschafts-
förderung in der Förderperiode 2014 bis 2020 fortzusetzen.
74. Hierzu beabsichtigt das SMWA mit Unterstützung aus dem EFRE einen Risikokapitalfonds
(Unternehmen in der Seed- und Start-up-Phase), einen KMU-Darlehensfonds (Nachrang-
finanzierungen für KMU zur Finanzierung der Markteinführungs-/ Marktbearbeitungs-
phase) und einen GRW-Nachrangdarlehensfonds (Nachrangdarlehen zur Finanzierung
betrieblicher Investitionen) aufzulegen.
75. Die vorliegende Ex-ante-Bewertung deckt unter Berücksichtigung der Ausrichtung der
vorgesehenen Finanzinstrumente die Inhalte von Artikel 37 (2) (a-g) ab. Nach dem Über-
blick über den Gegenstand der Studie und das methodische Vorgehen im vorliegenden Ka-
pitel 1 orientiert sich der Aufbau des weiteren Berichts an der Struktur von Artikel 37 (2) (a-
g).
76. Entsprechend enthält Kapitel 2 eine Analyse auf Marktschwächen und suboptimale Inves-
titionssituationen und der sich daraus ergebenden Investitionsanforderungen.
1
Schwer-
punkt der Analyse bildet die Beurteilung, ob und in welchem Umfang im Freistaat Sach-
sen Marktschwächen in den Bereichen Venture Capital und Private Equity, der Investiti-
onsfinanzierung und bei der Finanzierung der Markteinführung innovativer Produkte be-
stehen, die dazu führen, dass KMU mit wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodellen nicht
die benötigte Finanzierung erhalten.
77. In Kapitel 3 wird der Mehrwert der zu betrachtenden Finanzinstrumente im Vergleich zu
alternativ möglichen Förderinstrumenten anhand quantitativer und qualitativer Kriterien
analysiert. Dies schließt auch eine Beurteilung der Kohärenz der gegenständlichen Fonds
mit vergleichbaren Förderprogrammen und eine Bewertung der beihilferechtlichen Ge-
staltungsparameter ein.
78. In Kapitel 4 nehmen wir eine Schätzung der zusätzlichen öffentlichen und privaten Mittel
vor, die auf den verschiedenen Ebenen des jeweiligen Finanzinstruments und der Endbe-
günstigten mobilisiert werden können. Darauf aufbauend schätzen wir die mögliche He-
belwirkung der drei Finanzinstrumente. In diesem Zusammenhang erfolgt auch eine Be-
urteilung der Notwendigkeit und Ausgestaltung einer vorrangigen Vergütung, welche ggf.
die Attraktivität der Finanzinstrumente für potentielle private Investoren erhöhen kann.
79. Wesentliches Ziel der Ausführungen von Kapitel 5 ist es, die bestehenden Erfahrungen aus
der Umsetzung von bisherigen Finanzinstrumenten und Programmen des Freistaates
Sachsen zu analysieren, um sie im Sinne von "Lessons Learnt" für die Konzeption der
künftigen Fonds mit zu berücksichtigen.
1
Der Einleitungssatz zu Artikel 37 (2) AVO lautet: "Die Unterstützung von Finanzinstrumenten basiert auf
einer Ex-ante-Bewertung, in der Marktschwächen oder suboptimale Investitionssituationen nachgewiesen
wurden, sowie auf der geschätzten Höhe und dem geschätzten Umfang der öffentlichen Investitionsanforde-
rungen, einschließlich der zu unterstützenden Arten von Finanzinstrumenten."
Abschlussbericht
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22

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
80. In Kapitel 6 erfolgt in einem ersten Schritt die Bewertung der vorgesehenen Zielausrich-
tung und der bedarfsgerechten Größenordnung der Finanzinstrumente. Angesichts der
Begrenztheit der EU-Finanzmittel sowie - soweit relevant - der nationalen Haushaltsmittel
kann auch die Größenordnung der Finanzinstrumente so bestimmt werden, dass lediglich
ein Teil des identifizierten Bedarfes gedeckt wird. In einem zweiten Schritt wird beurteilt,
welche der nach der AVO grundsätzlich möglichen Implementierungsoptionen aus Sicht
der drei Fonds die geeignete Fondsstruktur darstellt.
81. In Kapitel 7 erfolgt eine Spezifizierung der erwarteten Ergebnisse der Förderung. Dies
schließt auch eine Beurteilung der quantifizierten Indikatorenwerte auf Output- und Per-
formance-Ebene und die Anforderungen an das Fondsmonitoring ein.
82. In Kapitel 8 werden Anlässe für eine Überprüfung oder Aktualisierung der Ex-ante-
Bewertung festgelegt.
1.2. Methodisches Vorgehen
83. Bei der Erstellung der Ex-ante-Bewertung findet ein Methodenmix Anwendung, der quan-
titative und qualitative Analyseverfahren sowie primär- und sekundäranalytische Auswer-
tungen beinhaltet und kombiniert. Dabei stützt sich unser Vorgehen insbesondere auf
Analysen, Studien und Statistiken zum Risikokapitalmarkt,
Bankanalysen zum Kreditvergabeverhalten,
die Ergebnisse verfügbarer Unternehmensbefragungen, insbesondere zum Umfang
gescheiterter Finanzierungsverhandlungen und der zugrunde liegenden Ursachen,
die uns durch das SMWA zur Verfügung gestellten Monitoringdaten sowie
Expertengespräche mit Vertretern
1
des Managements des Technologiegründerfonds
Sachsen und der Sächsischen Aufbaubank.
1
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden regelmäßig nur die jeweils männliche Form ver-
wandt, obwohl natürlich beide Geschlechter gemeint sind.
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23

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
2. Analyse auf Marktschwächen
oder suboptimale Investitionssi-
tuationen und die resultierenden
Investitionsanforderungen
84. Den Ausgangspunkt der Ex-ante-Bewertung gemäß Artikel 37 (2) AVO bildet eine Analyse,
inwieweit im Freistaat Sachsen Marktschwächen im Bereich der KMU-Finanzierung oder
suboptimale Investitionssituationen vorliegen. Die Analyse soll damit eine Einschätzung
liefern, ob in Sachsen die Notwendigkeit und der Bedarf für EFRE-kofinanzierte Fonds in
den Bereichen Risikokapital, Investitionsfinanzierung mit Nachrangdarlehen und Nach-
rangdarlehen zur Unterstützung der tendenziell risikoreicheren Finanzierung der Marktein-
führungsphase von innovativen Produkten bestehen. Hierzu erfolgt zunächst eine kurze Be-
schreibung der makroökonomischen Rahmenbedingungen in Sachsen sowie im Anschluss
eine Analyse auf bestehende Marktschwächen und suboptimale Investitionssituationen in
den relevanten Finanzierungsfeldern. Schwerpunkt von Kapitel 2 bildet die Analyse auf
Marktschwächen.
2.1. Makroökonomischer Kontext
Sozioökonomische Rahmendaten
85. Ende 2012 lebten insgesamt rund 4,05 Mio. Frauen und Männer im Freistaat Sachsen, der
damit das bevölkerungsreichste Bundesland Ostdeutschlands ist. Seit 1990 verzeichnete
Sachsen wie alle ostdeutschen Bundesländer erhebliche Bevölkerungsverluste (15 Prozent).
Seit 2011 hat sich der Bevölkerungsrückgang allerdings deutlich verlangsamt.
1
86. Trotz dieser zuletzt erfreulichen Entwicklung wird für die kommenden Jahre eine Fortset-
zung der negativen Bevölkerungsentwicklung prognostiziert. Die 5. Regionalisierte Bevölke-
rungsprognose für den Freistaat Sachsen geht je nach Szenario von einem Rückgang der
Bevölkerung um 7,7 bzw. 10,5 Prozent zwischen 2012 und 2025 aus. Gravierende Bevölke-
rungsrückgänge sind insbesondere in der Gruppe der Personen im erwerbsfähigen Alter
(zwischen 15 und 65 Jahren) zu erwarten, während die Zahl der Älteren (ab 65 Jahre) stark
zunehmen wird.
2
Insgesamt ist festzuhalten, dass die erwartete Bevölkerungsentwicklung
perspektivisch mit spürbaren Wachstumshemmnissen für den Freistaat einhergehen kann.
87. Sachsen zählte im Jahr 2013 durchschnittlich 200.628 Arbeitslose.3 Mit einer korrespon-
dierenden Arbeitslosenquote von 9,4 Prozent ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu West-
deutschland (6,0 Prozent) hoch, im ostdeutschen Vergleich (10,3 Prozent) hingegen um
rund einen Prozentpunkt niedriger.
4
Die Arbeitsmarktentwicklung verlief in den letzten
Jahren außerordentlich positiv. So hat sich die sächsische Arbeitslosenquote seit dem Jahr
2005 (18,3 Prozent) de facto halbiert, was gleichwohl auch auf demografische Effekte zu-
1
Vgl. Statistisches Landesamt Sachsen: Statistisches Jahrbuch 2013.
2
Vgl. Statistisches Landesamt Sachsen: Tabellen zur 5. Regionalisierten Bevölkerungsprognose.
3
Vgl. Statistisches Landesamt Sachsen: Arbeitsmarkt.
4
Vgl. Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Arbeitslosenquoten - 2013.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
rückzuführen ist.
1
Parallel zu dem Rückgang der Arbeitslosigkeit hat sich die sozialversiche-
rungspflichtige Beschäftigung, die zwischen 2009 und 2012 um 4,9 Prozent zugenommen
hat, ebenfalls positiv entwickelt.
2
88. Von 2005 bis 2012 ist die Wirtschaft Sachsens im deutschlandweiten Vergleich weniger
stark gewachsen. Die Ursachen hierfür sind insbesondere in der stärker dienstleistungsori-
entierten Wirtschaftsstruktur Sachsens zu sehen.
3
Dies hatte zwar zur Folge, dass der aus
der Wirtschafts- und Finanzkrise resultierende Einbruch des Jahres 2009 im gesamtdeut-
schen Kontext geringer ausfiel, führte aber letztlich auch dazu, dass Sachsen von dem we-
sentlich durch die Industrie getragenen Aufschwung der beiden darauffolgenden Jahre in
nur geringem Maße profitieren konnte. Nach dem Rückgang des preisbereinigten Bruttoin-
landsproduktes (BIP) von 0,6 Prozent in 2012 konnte im Jahr 2013 ein leichtes Wachstum
von 0,3 Prozent verzeichnet werden, das insbesondere auf Zuwächse im Produzierenden
Gewerbe zurückzuführen ist.
4
89. Das sächsische BIP pro Kopf (in jeweiligen Preisen) belief sich im Jahr 2013 auf 24.226
Euro und lag damit deutlich - um 27 Prozent - unter dem Bundesdurchschnitt von 33.355
Euro und auch unter dem EU-weiten Vergleichswert von 25.700 Euro. Im Vergleich der
ostdeutschen Flächenländer weist Sachsen das höchste Pro-Kopf-Einkommen auf.
5
90. Mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität rangierte Sachsen im Jahr 2013
mit einem BIP je Erwerbstätigen (in jeweiligen Preisen) von 50.246 Euro im Vergleich der
Bundesländer jedoch nur an vorletzter Stelle.
6
91. Die Bruttoanlageinvestitionen (in jeweiligen Preisen) nahmen in Sachsen im Zuge der Wie-
dervereinigung bis Mitte der 1990er Jahre zunächst stark zu: von 14,9 Mrd. Euro in 1991
auf 32,1 Mrd. Euro in 1996. Zwischen 1996 und 2006 (17,0 Mrd. Euro) war ein stark ab-
nehmender Trend festzustellen, der sich in den letzten Jahren - mit Ausnahme der Brutto-
anlageinvestitionen im Krisenjahr 2009 - wieder umgekehrt hat (2011: 21,1 Mrd. Euro), oh-
ne dabei allerdings das Niveau der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wieder zu erreichen.
7
92. Mit einer Exportquote (Anteil Auslandsumsatz am Gesamtumsatz im Verarbeitenden Ge-
werbe) von 35,4 Prozent (2013) belegt der Freistaat Sachsen gegenwärtig den elften Platz
im Vergleich der Exportquoten aller Bundesländer, jedoch den ersten Rang unter den ost-
deutschen Flächenländern.
8
93. Die Aufwendungen der sächsischen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) lagen
im Jahr 2012 bei 1.195 Mio. Euro. Dies entspricht einem Anteil von 47,4 Prozent am Ge-
samt-FuE-Aufwand der Unternehmen in den ostdeutschen Flächenländern und von 1,9
1
Vgl. Statista: Entwicklung der durchschnittlichen Arbeitslosenquote in Sachsen von 1999 bis 2013.
2
Vgl. Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr: Sächsischer Mittelstandsbericht
2011/2012, 2013.
3
Trotz der in den letzten Jahren erzielten Erfolge liegt der industrielle Wertschöpfungsanteil noch spürbar unter
dem bundesdeutschen Niveau.
4
Vgl. Arbeitskreis VGRdL: Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den Ländern der Bundesrepublik
Deutschland 1991 bis 2013.
5
Ebenda.
6
Ebenda.
7
Vgl. Arbeitskreis VGRdL: Bruttoanlageinvestitionen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 1991 bis
2011.
8
Vgl. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Exportquote im Verarbeitenden Gewerbe.
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image
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Prozent am FuE-Aufwand der bundesdeutschen Unternehmen.
1
Dieser im nationalen Ver-
gleich geringe Anteil resultiert in erster Linie aus der FuE-Stärke westdeutscher Bundes-
länder wie Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen.
94. Die regionale Konzentration der kontinuierlich FuE betreibenden Unternehmens ist der
nachfolgenden Abbildung zu entnehmen (Stand: 2012):
Abbildung 1: Regionalverteilung kontinuierlich FuE betreibender Unternehmen (2012)
Quelle: EuroNorm (2014)
95. Im Jahresdurchschnitt 2012 waren in sächsischen Unternehmen insgesamt 11.670 Beschäf-
tigte in FuE tätig. Dies entspricht einem Anteil von 45 Prozent an den FuE-Beschäftigten
der neuen Bundeländer (ohne Berlin).
2
Struktur der Unternehmenslandschaft in Sachsen
96. Für die Gestaltung von Förderprogrammen, die auf eine Unterstützung der wirtschaftlichen
Entwicklung abzielen, ist die jeweilige regionale Unternehmensstruktur von großer Bedeu-
tung. Im Folgenden werden die Verteilung der Unternehmen und Beschäftigten nach Grö-
ßenklassen sowie die Forschungsaktivitäten der sächsischen Unternehmen untersucht.
97. Im Freistaat Sachsen waren im Jahr 2011 insgesamt 174.192 Unternehmen aktiv. Differen-
ziert nach Wirtschaftsbereichen war das Gros der Unternehmen im Dienstleistungssektor
1
Vgl. EuroNorm Gesellschaft für Qualitätssicherung und Innovationsmanagement mbH: Analyse der For-
schungs- und Entwicklungspotenziale im Wirtschaftssektor des Freistaates Sachsen 2009 bis 2012, Plan 2013,
2014.
2
Vgl. EuroNorm Gesellschaft für Qualitätssicherung und Innovationsmanagement mbH: EuroNorm (2014) Ana-
lyse der Forschungs- und Entwicklungspotenziale im Wirtschaftssektor des Freistaates Sachsen 2009 bis 2012,
Plan 2013, 2014.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
tätig (74,2 Prozent). Auf das Baugewerbe entfielen 16,6 Prozent aller Unternehmen, 9,2
Prozent waren dem „Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe“ zuzuordnen.
1
98. Von den genannten aktiven sächsischen Unternehmen gehörten im Jahr 2011 insgesamt
173.709 Unternehmen dem Mittelstand (bis 249 Beschäftigte) an. Dies entspricht einem
Anteil von 99,7 Prozent (Deutschland: 99,3 Prozent).
2
Trotz des zu verzeichnenden Grö-
ßenwachstums ist der hiesige Unternehmenssektor überdurchschnittlich stark durch KMU
geprägt. Knapp 76 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren am 30. Ju-
ni 2012 in KMU tätig. In den neuen Bundesländern waren es insgesamt 73,9 Prozent, wäh-
rend der bundesdeutsche Vergleichswert bei 68,2 Prozent lag.
3
99.
In den neuen Bundesländern (einschließlich Berlin-Ost) führten im Jahr 2012 insgesamt
2.804 Unternehmen FuE-Tätigkeiten durch. 75 Prozent dieser Unternehmen führten dabei
kontinuierlich FuE-Tätigkeiten durch. Diese Unternehmen zählten insgesamt 26.315 FuE-
Beschäftigte (durchschnittlich 12,5 FuE-Beschäftigte je Unternehmen) und tätigten FuE-
Aufwendungen in Höhe von 2.634 Mio. Euro (1,25 Mio. Euro pro Unternehmen). Unterdes-
sen zählten zeitweilig FuE betreibende Unternehmen 2.109 FuE-Beschäftigte (drei FuE-
Beschäftigte je Unternehmen) bei FuE-Aufwendungen in Höhe von 121 Mio. Euro (0,17 Mi-
o. Euro pro Unternehmen).
4
100. Der Freistaat Sachsen sticht bei den unternehmerischen FuE-Aktivitäten im Vergleich der
ostdeutschen Flächenländer deutlich hervor. Die 10.865 sächsischen FuE-Beschäftigten
stellen hier den Spitzenwert dar. Zwischen 2010 und 2012 verzeichnete Sachsen ein FuE-
Beschäftigungswachstum von 12,7 Prozent (1.228 Personen). Dies spiegelt die Entwick-
lungsdynamik Sachsens in diesem Bereich wider.
5
101. Mit Blick auf die FuE-Aufwendungen der Unternehmen werden deutliche regionale Unter-
schiede zwischen den ostdeutschen Bundesländern sichtbar. So wendeten Berliner Unter-
nehmen im Jahr 2012 insgesamt 2.702 Mio. Euro für FuE auf, gefolgt von Sachsen mit 1.136
Mio. Euro und Thüringen mit 556 Mio. Euro.
6
102. Die aufwandsbezogene FuE-Intensität (Anteil FuE-Aufwendungen am Umsatz) der sächsi-
schen Unternehmen lag im Jahr 2012 bei 6,8 Prozent und entspricht damit dem Durch-
schnitt der ostdeutschen Länder (6,7 Prozent).
7
Zur Einordnung dieser Werte sei gleichwohl
folgender Vergleich angeführt: In den vom Joint Research Center der EU-KOM erstellten
Berichten wird üblicherweise die Grenze von fünf Prozent angelegt, um den "High-Tech"-
Sektor vom "Medium- and Low-Tech"-Sektor abzugrenzen. Vor diesem Hintergrund ist die
FuE-Intensität der sächsischen Unternehmen als hoch einzustufen. Gleichwohl gelten nach
der neuen AGVO stärker eingrenzend nur solche KMU als innovativ, die in einem der letz-
ten drei Jahre zehn Prozent ihres Umsatzes für FuE aufgewendet haben.
8
1
Vgl. Statistisches Landesamt Sachsen: Unternehmensregister sowie Statistisches Bundesamt: Unternehmensre-
gister - Unternehmen und Betriebe im Unternehmensregister.
2
Vgl. Statistisches Landesamt Sachsen: Unternehmensregister.
3
Vgl. Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr: Sächsischer Mittelstandsbericht
2011/2012, 2013.
4
Vgl. EuroNorm Gesellschaft für Qualitätssicherung und Innovationsmanagement mbH: Wachstumsdynamik und
strukturelle Veränderungen der FuE-Potenziale im Wirtschaftssektor Ostdeutsch-lands und der neuen Bundesländer,
2013.
5
Ebenda.
6
Ebenda.
7
Ebenda.
8
Vgl. Artikel 1, Absatz 80 der Verordnung (EU) Nr. 651/2014: „innovative Unternehmen“ sind „Unternehmen,
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
103. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Wirtschaft Sachsens trotz der in den letzten
Jahren erzielten Erfolge in Teilen noch deutliche Defizite bzw. Entwicklungsrückstände ge-
genüber Westdeutschland aufweist. Zu nennen sind hier insbesondere die gegenüber West-
deutschland bestehende Produktivitäts- und Einkommenslücke, aber auch der Rückstand
im Bereich der betrieblichen FuE: Bei einem Bevölkerungsanteil von rund fünf Prozent täti-
gen sächsische Unternehmen gerade 1,9 Prozent der FuE-Aufwendungen der bundesdeut-
schen Unternehmen. Ein spezifisches Hemmnis stellt hierbei auch die ausgesprochen klein-
teilige Unternehmenslandschaft Sachsens dar, welche sich u. a. hemmend auf die Finanzie-
rungsmöglichkeiten der betreffenden Unternehmen auswirken kann, wie die folgenden
Analysen zeigen werden.
104. Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der sächsischen Unter-
nehmen erfordert weitere Investitionen. Aufgrund von Finanzierungshemmnissen, die ins-
besondere bei kleineren, jungen und innovativen Unternehmen verbreitet sind, kann die öf-
fentliche Hand hier unterstützend wirken.
2.2. Analyse auf suboptimale Investitionssituationen
105. Eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz von EFRE-finanzierten Revolvierenden
Fonds ist nach Artikel 37 AVO das Vorhandensein von Marktschwächen oder suboptimalen
Investitionssituationen. Da sich bestehende Marktschwächen nicht immer eindeutig nach-
weisen lassen, wurde von der EU-KOM in Artikel 37 AVO zusätzlich der Begriff der subop-
timalen Investitionssituationen aufgenommen. Eine offiziell bestätigte Definition des Be-
griffs der suboptimalen Investitionssituationen sowie Investitionsanforderungen liegt sei-
tens der EU-KOM noch nicht vor. Nach derzeitigem Stand ist davon auszugehen, dass da-
runter Finanzierungs- bzw. Investitionslücken fallen, die zu definierten EU-Zielen in be-
stimmten Bereichen bestehen (z. B. FuE-Quote von drei Prozent). Die Größe der Finanzie-
rungs- bzw. Investitionslücke beschreibt den Umfang suboptimaler Investitionsbedingun-
gen, wenn man unterstellt, dass die jeweilige Zielvorgabe nicht durch Marktkräfte allein er-
reicht werden kann. Neben den EU-Zielen könnten gegebenenfalls auch nationale Zielvor-
gaben herangezogen werden, sofern diese nicht in Widerspruch zu den Zielvorgaben der
EU-KOM stehen. Im Zusammenhang der Ex-ante-Bewertung kommt hier die FuE-Quote in
Frage. Das EU-Ziel beträgt diesbezüglich 3 Prozent der FuE-Ausgaben am BIP, wovon 2
Prozent vom privaten Sektor getätigt werden sollen. Die FuE-Quote betrug in Sachsen im
Jahr 2012 2,91 Prozent des BIP, wovon der Staat und die Hochschulen 1,61 Prozent bestrit-
ten haben. Im Unternehmenssektor sind demnach nur unterdurchschnittliche FuE-
Ausgaben von 1,30 Prozent zu verzeichnen, weshalb an dieser Stelle Nachholbedarf besteht.
106. Die im vorherigen Kapitel skizzierten Defizite - geringe Arbeitsproduktivität, im Vergleich
zu Westdeutschland niedrige Intensität von Forschung, Entwicklung und Innovation
(i) die anhand eines externen Gutachtens nachweisen können, dass sie in absehbarer Zukunft Produkte, Dienst-
leistungen oder Verfahren entwickeln werden, die neu oder verglichen mit dem Stand der Technik in dem jewei-
ligen Wirtschaftszweig wesentlich verbessert sind und die das Risiko eines technischen oder industriellen Miss-
erfolgs in sich tragen, oder
(ii) deren Forschungs- und Entwicklungskosten in mindestens einem der drei Jahre vor Gewährung der Beihil-
fe mindestens 10% ihrer gesamten Betriebsausgaben ausmachen; im Falle eines neugegründeten Unternehmens
ohne abgeschlossenes Geschäftsjahr ist dies im Rahmen des Audits des laufenden Geschäftsjahres von einem
externen Rechnungsprüfer zu testieren“.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
(FuEuI), Investitionstätigkeit auf einem geringen Niveau - stellen aus Sicht der EU-KOM
wesentliche Herausforderungen für ganz Ostdeutschland dar.
1
107. Ein weiterer zentraler Anknüpfungspunkt für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
und Innovationskraft Sachsens bildet die Stärkung von Ausgründungsaktivitäten durch
Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
108. Relevant für die vorliegende Analyse sind damit die folgenden Kernaspekte der wirtschaft-
lichen Situation Sachsens:
die unterdurchschnittlichen FuE-Aufwendungen im sächsischen Unternehmenssektor,
deren Stärkung u.a. durch Maßnahmen der Prioritätsachse B des Operationellen Pro-
gramms des EFRE (OP EFRE) - insbesondere im Zusammenhang mit dem Förderziel
der Investitionspriorität 3a des OP EFRE „Förderung des Unternehmer-geists“ - unter-
stützt werden soll,
daran anschließend die Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche
Umsetzung von FuE-Ergebnissen in marktfähige Produkte, worauf die Investitionspri-
orität 3b des OP EFRE „Entwicklung und Einführung neuer Geschäftsmodelle für
KMU“ besonders abzielt. Hier steht die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfä-
higkeit von KMU durch Produkt- und Prozessinnovationen im Mittelpunkt der Be-
trachtung, sowie
die unterdurchschnittliche Produktivität, die zu einem gewissen Teil durch einen ver-
besserungsbedürftigen Kapitalstock verursacht sein kann, und damit korrespondierend
die zu geringe Investitionstätigkeit der Wirtschaft, die in erster Linie durch Maßnah-
men der Prioritätsachse B, insbesondere der Investitionspriorität 3d des OP EFRE
„Unterstützung der Fähigkeit von KMU, sich am Wachstum der regionalen, nationalen
und internationalen Märkte sowie am Innovationsprozess zu beteiligen“ stimuliert
werden soll.
109. Im Folgenden werden die Investitionssituation Sachsens hinsichtlich dieser Aspekte analy-
siert und Schlussfolgerungen bezüglich des Investitionsbedarfs abgeleitet.
FuE-Intensität
110. Die Aufwendungen für FuE sind ein wichtiger Indikator für die Wettbewerbs- und Zu-
kunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Im Kontext einer wissensbasierten Wirtschaft, wie in
der Europa-2020-Strategie herausgestellt, zielen hohe FuE- (bzw. FuEuI-) Quoten auf wirt-
schaftliche Dynamik ab. In Zukunft wird der private Sektor einen wachsenden Anteil an
diesen Ausgaben zu tragen haben.
111. Das EU-Ziel von drei Prozent am BIP gliedert sich idealtypisch dergestalt auf, dass der
öffentliche Sektor ein Prozent bestreitet und zwei Prozent der Ausgaben von der privaten
Wirtschaft getätigt werden. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass in der Entwicklung einer
forschenden, entwickelnden und innovativen Wirtschaft verschiedene Phasen auftreten:
Höhere FuE-Intensitäten werden zunächst vom öffentlichen Sektor selbst erreicht, dann
übernimmt dieser für eine bestimmte Zeit sogar zusätzliche Anteile über das 1-Prozent-Ziel
hinaus, und erst in einer Folgephase holt die private Wirtschaft schrittweise auf.
1
Europäische Kommission: Stellungnahme der Kommissionsdienststellen zur Vorbereitung der Partnerschafts-
vereinbarung und der Programme in Deutschland für den Zeitraum 2014-2020.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
112. Die Analyse der FuE-Ausgaben nach Sektoren (Staat, Hochschulen, Wirtschaft) macht
deutlich, dass Sachsen im Vergleich zu den übrigen ostdeutschen Flächenstaaten eine Spit-
zenposition einnimmt (siehe Tabelle). In den Sektoren Staat und Hochschulen weist Sach-
sen einen deutlich höheren Anteil als der bundesdeutsche Durchschnitt auf. Nachholbedarf
besteht hingegen bei den FuE-Ausgaben des Unternehmenssektors. Hier wurden im Bun-
desdurchschnitt zuletzt 2,02 Prozent des BIP für FuE aufgewendet, in Sachsen jedoch nur
1,30 Prozent (im Durchschnitt der ostdeutschen Flächenländer sogar nur 0,81 Prozent).
Tabelle 1: FuE-Ausgaben 2012 (Anteil am BIP Juni 2013) nach Sektor im bundesdeut-
schen Vergleich, absteigende FuE-Ausgaben
Land, 2012
Staat
1)
Hochschulen Wirtschaft
Insgesamt
(Anteil am
BIP)
FuE
Ausgaben
(Mio. €)
Deutschland
0,43%
0,52%
2,02%
2,96%
78.954
Baden-Württemberg
0,40%
0,56%
4,18%
5,14%
20.325
Bayern
0,34%
0,44%
2,45%
3,23%
15.289
Nordrhein-Westfalen
0,33%
0,50%
1,25%
2,08%
12.176
Hessen
0,22%
0,43%
2,46%
3,11%
7.091
Niedersachsen
0,38%
0,51%
1,99%
2,88%
6.742
Berlin
1,29%
0,90%
1,40%
3,59%
3.777
Sachsen
0,81%
0,80%
1,30%
2,91%
2.826
Rheinland-Pfalz
0,17%
0,42%
1,48%
2,07%
2.462
Hamburg
0,48%
0,53%
1,31%
2,31%
2.196
Schleswig-Holstein
0,38%
0,39%
0,71%
1,48%
1.139
Thüringen
0,55%
0,66%
1,06%
2,27%
1.128
Brandenburg
0,77%
0,37%
0,57%
1,70%
974
Mecklenburg-
Vorpommern
0,73%
0,67%
0,70%
2,10%
768
Bremen
0,94%
0,75%
1,02%
2,71%
754
Sachsen-Anhalt
0,50%
0,49%
0,44%
1,43%
751
Saarland
0,43%
0,49%
0,56%
1,47%
469
1) einschließlich private Institutionen ohne Erwerbszweck
Quelle: Statistisches Bundesamt: Forschung und Entwicklung - Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2012 am
Bruttoinlandsprodukt; Statistisches Bundesamt: Forschung und Entwicklung - Ausgaben für Forschung und Entwicklung
113. Unter Zugrundelegung des sächsischen BIP (in jeweiligen Preisen) von 99,9 Mrd. Euro
(2013)
1
würde eine Annäherung an die durchschnittlichen FuE-Aktivitäten des bundesdeut-
schen Unternehmenssektors zusätzliche FuE-Ausgaben von jährlich rund 720 Mio. Euro er-
fordern. Dieser Wert ist zwar nicht als unmittelbares Investitionsziel zu interpretieren, ge-
nauso wie FuE-Ausgaben an sich die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft allein
nicht sicherstellen können. Allerdings verdeutlicht die rechnerisch ermittelte "FuE-Lücke",
dass eine mittelfristige Angleichung der FuE-Intensität des sächsischen Unternehmenssek-
tors an die bundesdeutschen Ausgabenstrukturen mit erheblichen Investitionen verbunden
wäre, die ohne (öffentliche) Unterstützung nicht realisiert werden könnten.
1
Vgl. Arbeitskreis VGRdL: Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den Ländern der Bundesrepublik
Deutschland 1991 bis 2013.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Produktivität
114. Die Bruttowertschöpfung (in jeweiligen Preisen) Sachsens lag im Jahr 2013 bei knapp 90
Mrd. Euro. Je Erwerbstätigen lag die Bruttowertschöpfung Sachsens mit 45.040 Euro in
2013 leicht unter dem Durchschnittswert der ostdeutschen Flächenländer (2013: 46.333
Euro) und sehr deutlich - um rund 23 Prozent - unter dem bundesweiten Durchschnitt von
58.650 Euro.
1
Dies zeigt, dass es für den Freistaat Sachsen noch erheblicher Anstrengungen
bedarf, um im Hinblick auf die Produktivität den Anschluss an die westdeutschen Bundes-
länder zu erreichen.
Abbildung 2: Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in Euro (2013)
Quelle: Arbeitskreis VGRdL: Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland, 1991-
2013
115. Die EU-KOM stellt in ihrem Country Fact Sheet vom Juli 2013
2
fest, dass die Produktivität
Sachsens auch im EU-weiten Vergleich unterdurchschnittlich ist. Sie erreichte im Jahr 2010
78,6 Prozent des Durchschnitts der EU-27. Positiv hervorzuheben ist, dass die Produktivität
zwischen 2000 und 2008 mit durchschnittlich 2,2 Prozent p. a. signifikant stärker als im
Bundesdurchschnitt (1,3 Prozent) und im Durchschnitt der EU-27 (0,9 Prozent) gestiegen
ist. Bei Fortsetzung dieses Trends würde sich das Produktivitätsniveau Sachsens bis 2020
auf knapp 90 Prozent des EU-27-Durchschnitts erhöhen.
1
Ebenda.
2
Vgl. Europäische Kommission (2013): Country Fact Sheet, Deutschland
45 040
46 221
47 566
49 508
53 711
54 742
55 686
56 338
56 649
58 650
60 209
61 433
62 264
62 326
65 083
74 326
0
10000 20000 30000 40000 50000 60000 70000 80000
Sachsen
Mecklenburg-Vorpommern
Sachsen-Anhalt
Brandenburg
Schleswig-Holstein
Berlin
Niedersachsen
Saarland
Rheinland-Pfalz
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
Bremen
Baden-Württemberg
Bayern
Hessen
Hamburg
Abschlussbericht
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Investition und Kapitalstock
116. Mit Blick auf die Investitionsintensität (Investitionen je Erwerbstätigen) zeigt sich in Sach-
sen sowohl im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt ein signifikant niedrigeres Ni-
veau (siehe Tabelle), wobei der Abstand seit 2008 geringer wird.
1
Tabelle 2: Bruttoanlageinvestitionen (in jeweiligen Preisen) je Erwerbstätigen, 2011
in
E
u
r
o
Sachsen
Branden-
den-
burg
Sachsen-
An-
halt
Thüringen
Mecklenburg-
Vorpom-
mern
Berlin neue Bun-
deslän-
der ex.
Berlin
Deutsch-
land
2007
10.484
10.638
9.141
10.240
9.820
9.235
10.148
11.237
2008
9.739
11.033
9.139
11.189
10.170
9.110
10.181
11.389
2009
8.732
9.855
9.601
8.821
8.780
8.317
9.112
10.122
2010
9.899
10.159
9.475
8.528
9.793
8.815
9.616
10.719
2011
10.740
10.363
8.746
9.259
11.002
8.605
10.093
11.498
Quelle: Arbeitskreis VGRdL: Bruttoanlageinvestitionen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 1991 bis 2011 sowie
Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 1991 bis 2013; eigene Berech-
nung
117. Besonders deutlich wird der zu Deutschland bestehende Rückstand bei Betrachtung des
gesamtwirtschaftlichen Kapitalstocks
2,
der aus den in der Vergangenheit getätigten Investi-
tionen aufgebaut wird und den Grad der Ausstattung der Wirtschaft mit produktivem Sach-
kapital abbildet.
118. Der Kapitalstock Sachsens belief sich im Jahr 2011 auf etwa 574 Mrd. Euro, was einem
Anteil am bundesdeutschen Kapitalstock von vier Prozent entspricht.
3
119. Aussagekräftiger als die absoluten Werte des Kapitalstock ist die Betrachtung des Kapital-
stocks je Einwohner, da dies einen direkten Vergleich ermöglicht. Je Einwohner lag der Ka-
pitalstock im Freistaat Sachsen im Jahr 2011 bei 138.648 Euro und damit um rund 23 Pro-
zent unter dem Wert der westdeutschen Bundesländer
4
(180.899 Euro).
5
Um diese „Kapi-
tallücke“ zu schließen, wären bei konstanter Einwohnerzahl (4.054.182 in 2011) Investitio-
nen in Höhe von rund 171 Mrd. Euro erforderlich. Dies zeigt, dass Maßnahmen zur Stimu-
lierung der gesamtwirtschaftlichen Investitionstätigkeit von besonderer Bedeutung für den
weiteren wirtschaftlichen Aufholprozess Sachsens sind.
120. Unter förderpolitischen Gesichtspunkten ist es daher erforderlich, auf betrieblicher Ebene
die Fähigkeit zur Eigen- und Fremdfinanzierung notwendiger Investitionen von KMU und
deren Wachstum gezielt zu unterstützen.
1
Vgl. Arbeitskreis VGRdL: Bruttoanlageinvestitionen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 1991 bis
2011 sowie Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 1991
bis 2013; eigene Berechnung.
2
Bruttoanlagermögen zu Wiederbeschaffungspreisen.
3
Vgl. Arbeitskreis VGRdL: Anlagevermögen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 1991 bis 2011.
4
Ohne Berlin.
5
Vgl. Arbeitskreis VGRdL: Anlagevermögen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 1991 bis 2011 sowie
Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 1991 bis 2013; ei-
gene Berechnung.
Abschlussbericht
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32

image
 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
2.3. Analyse von Marktschwächen im Bereich der
KMU-Finanzierung
2.3.1. Begriffsbestimmung
121. Theoretisch wird am Kapitalmarkt durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage die
optimale Menge an Kapital bereitgestellt und durch Preismechanismen an den optimalen
nachfragenden Vorhaben zum Einsatz gebracht. Die Funktionsfähigkeit eines solchen
Marktes kann aber durch spezifische Marktschwächen eingeschränkt sein. Marktschwächen
bzw. gesamtwirtschaftlich schädliche Finanzierungsbeschränkungen für Unternehmen lie-
gen vor, wenn Unternehmen - trotz eines wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodells - kei-
ne Finanzierung zu auskömmlichen Konditionen am Markt erhalten. Konkret geht es dabei
um fehlende Finanzierungen für Projekte, die prinzipiell eine marktfähige Rentabilität auf-
weisen (d. h. deren Erträge höher sind als die Finanzierungskosten). Folgen sind das Nicht-
zustandekommen von wirtschaftlich sinnvollen Projekten, Wachstums-, Investitions- oder
Wettbewerbsfähigkeitseinbußen.
122. Nicht um eine Marktschwäche handelt es sich hingegen, wenn Investitions- bzw. Ge-
schäftsvorhaben in sich Mängel aufweisen, so dass deren wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht
gegeben ist. In diesen Fällen begründet der fehlende Finanzierungszugang der Unterneh-
men keine staatlichen Markteingriffe.
Abbildung 3: Marktschwäche
Quelle: Eigene Abbildung PwC.
123. Im Folgenden werden die wichtigsten Marktschwächen im Bereich der KMU-Finanzierung
dargestellt.
124. Ist davon auszugehen, dass ein Investitionsvorhaben grundsätzlich tragfähig ist, kann
dennoch aufgrund von geschäftspolitischen Erwägungen der Banken oder anderer potenti-
eller Finanzierer kein ausreichendes Kredit- oder Beteiligungsangebot erfolgen. Zu nennen
Abschlussbericht
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33

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
sind an dieser Stelle bspw. Branchenausschlüsse, Produkt- oder Portfolioerwägungen.
1
Durch Fördermaßnahmen kann einer Fehlallokation begegnet werden.
2
125. Eine häufig angeführte Begründung für die zu geringe Kapitalausstattung ist die
man-
gelnde Aneigenbarkeit der resultierenden Investitionsrente
.
3
Die Grundidee ist,
dass ein Investor sich nur einen Teil des entstehenden Gesamtnutzens einer Investition an-
eignen kann. Eine Investition, die bspw. zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit oder zur Aus-
bildung von Arbeitskräften führt, kann aber auch (externe) gesellschaftliche Folgen haben.
Ob eine solche Externalität zu einem Überangebot oder zu geringem Angebot an Kapital am
Markt führt, hängt davon ab, inwieweit diese eine positive oder negative externe Wirkung
hat. Im Kontext der vorliegenden Ex-ante-Bewertung sind die positive Wirkung und damit
eine unzureichende Kapitalbereitstellung relevant. Die Förderung von KMU wird tatsäch-
lich oft mit positiven externen Effekten, die KMU verwirklichen, begründet, wie der besse-
ren regionalen Verteilung von Arbeitsplätzen, der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen,
der überproportionalen Schaffung von Arbeitsplätzen etc.
126. Liegen einer Bank oder einem anderen Kapitalgeber
unvollständige Informationen
zum Investitionsrisiko vor, so kann auch dies zu einer Verzerrung der Marktlösung führen.
Basisannahme hierbei ist, dass das finanzierte Unternehmen keine Möglichkeit hat, sein
tatsächliches Investitionsrisiko verlässlich zu quantifizieren und zu kommunizieren. Auf
diese Ungewissheit reagiert eine Bank oder ein anderer Kapitalgeber, indem sie bzw. er
gesicherte Informationen zur Kredit- bzw. Unternehmenshistorie heranzieht und an-
nimmt, dass sich aus den vergangenen Werten Rückschlüsse auf das künftige Investiti-
onsrisiko ableiten lassen;
dem Kapitalnehmer eine Risikoprämie abverlangt, die als Erwartungswert des Verlust-
falles angenommen werden kann oder
sie/er seinen Schaden im Verlustfall reduziert, indem sie/er sich Aneignungsrechte an
bestehenden Werten (Sicherheiten) zuschreiben lässt.
127. Für den Bereich der Maßnahmen für Klein- und Kleinstunternehmen sowie im Gründungs-
kontext sind die oben beschriebenen Wege nur sehr eingeschränkt gangbar. Ähnliches gilt
für Finanzierungen von Innovationen.
128. Im Falle
FuE-treibender junger KMU
ist die Finanzierungsschwäche auf Risikofakto-
ren zurückzuführen.
4
Erstens kann das (ungewisse) Ergebnis von Forschungsaktivitäten
nicht zur Besicherung genutzt werden. Dadurch wird das Verlustpotential für die Banken
erhöht, solange keine anderen Sicherheiten gestellt werden. Zweitens ist die erfolgreiche
wirtschaftliche Anwendung von FuE-Ergebnissen nicht sichergestellt und ihre Eintritts-
wahrscheinlichkeit besonders schwierig einzuschätzen. Banken oder andere Kapitalgeber
stehen folglich auch hier vor einem Informationsmangel, der sich einschränkend auf ihre
Kredit- oder Kapitalvergabe auswirkt. Zusätzlich wird von der KfW festgestellt, dass der
Markt für Risikokapital trotz dessen grundsätzlicher Eignung für die FuE-Finanzierung in
1
Das Angebot ist ‚rationiert‘, durch Entscheidung von Anbietern zu knapp, deckt also nicht die Nachfrage ab.
Eine negative Vorauswahl wie Branchenausschlüsse stellt eine exogene Störung des Marktes dar.
2
Es wird davon ausgegangen, dass auf perfekten Kapitalmärkten eine Realisierung stattgefunden hätte, also die
Branchenausschlüsse nicht oder nicht vollständig begründet sind, folglich keiner marktendogenen Systematik fol-
gen.
3
Die Investitionsrente beschreibt, vereinfacht gesprochen, den Ertrag, den man aus einer Investition ziehen kann.
4
Vgl. Finanzierung junger, FuE-treibender Unternehmen, KfW Economic Research, Juni 2013.
Abschlussbericht
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34

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Deutschland u. a. aus wirtschaftshistorischen Gründen unterentwickelt ist. Da andere Fi-
nanzierungsinstrumente (Bank- oder Sparkassenkredite) nur sehr eingeschränkt für die Fi-
nanzierung von FuE ausgestaltet sind, ist eine Finanzierungsschwäche zu verzeichnen.
129. Die FuE-Finanzierung weist ebenfalls Probleme im Bereich der
Aneigenbarkeit
auf, die
das Handeln der öffentlichen Hand rechtfertigen können. Innovationen, auch wenn sie pa-
tentiert werden, stellen nicht nur für die innovativen Unternehmen einen Wert dar, son-
dern auch für die Gesamtwirtschaft und ihr Wachstumspotential (Partnerunternehmen,
Konkurrenten, Wissenschaft und Kunden).
1
Diese positiven Externalitäten zu fördern ist
nicht allein Aufgabe des Marktes, sondern auch des Staates.
130. Die Finanzierung über
Mezzanine-Kredite
(zu denen auch Nachrangdarlehen gehören)
ist ein Beispiel von umgekehrten asymmetrischen Informationsverteilungen: Hier ist das
Wissen über das Finanzierungsprodukt unter den KMU wenig verbreitet. Als Darlehen wird
die Mezzanine-Finanzierung oft mit Fremdkapitalprodukten und deren Zinssätzen vergli-
chen und wegen vergleichsweise hoher Zinssätze abgelehnt. Die spezifischen Vorteile des
Produkts, insbesondere die Eigenkapitalwirksamkeit, werden dabei häufig nicht gesehen,
mit dem Ergebnis, dass die Nachfrage geringer ausfällt, als wirtschaftlich „optimal“ wäre.
131. Bei der Fremdfinanzierung von kleinen Unternehmen und damit auch bei recht kleinen
Finanzierungsbedarfen kommen vergleichsweise hohe Transaktionskosten stärker zum
Tragen und können eine Kredit- oder Beteiligungskapitalvergabe unter einem gewissen
Schwellenwert unrentabel machen. Deshalb könnte in diesen Fällen bspw. eine direkte
Vergabe durch öffentliche Finanzierungsgeber in Betracht gezogen werden. Ein staatlicher
Finanzierungsgeber hat zwar grundsätzlich ähnliche Fixkosten wie ein privatwirtschaftli-
cher Anbieter. Allerdings kann seine weniger auf Profit und Ausschüttung ausgerichtete Ge-
schäftspolitik die Aufnahme oder den Ausbau solcher Geschäftsaktivitäten unterstützen.
2.3.2. Analyse des Angebots, der Nachfrage und der
Finanzierungslücke in den relevanten Bereichen
der KMU-Finanzierung
132. Mit Blick auf die Finanzierungssegmente, die im Fokus der seitens des SMWA beabsichtig-
ten Finanzierungsinstrumente stehen, wird im Folgenden analysiert, inwieweit von Markt-
schwächen auszugehen ist, die dazu führen, dass Unternehmen mit wirtschaftlich tragfähi-
gem Geschäftsmodell der Zugang zu Finanzierungen verschlossen ist. Neben der qualitati-
ven Beurteilung auf Marktschwächen erfolgt darüber hinaus eine quantitative Abschätzung
zum Umfang vorliegender Marktschwächen. Die Ergebnisse der Marktschwächenanalyse
bilden insofern einen zentralen Ausgangspunkt für die Entscheidung des SMWA, ob EFRE-
kofinanzierte Finanzierungsinstrumente zur Beseitigung oder zumindest zur Verringerung
von Marktschwächen geeignet sind, wie sie inhaltlich ausgerichtet und finanziell bedarfsge-
recht ausgestattet werden könnten.
1
What Are Externalities?, Thomas Elbling, IMF Research Department, Dezember 2010.
Abschlussbericht
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35

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
133. Methodisch erfolgt die Marktschwächenanalyse in Anlehnung an die durch den Europäi-
schen Investitionsfonds (EIF) entwickelte "GAP-Analyse".
1
Die "GAP-Analyse" wurde be-
reits in der Förderperiode 2007 bis 2013 angewandt und stellt mit einer Reihe von Präzisie-
rungen und Weiterentwicklungen eine bewährte Methode zur Quantifizierung von Markt-
schwächen dar.
134. Das Vorgehen im Rahmen der "GAP-Analyse" wurde für die Finanzierungssegmente Betei-
ligungskapital und Investitionsfinanzierung nach folgendem Aufbau angewendet: In einem
ersten Schritt erfolgt eine Analyse des Angebots an entsprechenden Finanzierungen. In ei-
nem zweiten Schritt wird die potentielle Nachfrage nach entsprechenden Finanzierungen
abgeschätzt. Anschließend wird durch eine Gegenüberstellung von Angebot und potentieller
Nachfrage die Finanzierungslücke ermittelt. Schließlich wird beurteilt, ob die jeweils abge-
leitete Finanzierungslücke das Resultat von Marktschwächen ist oder auf eine fehlende
Tragfähigkeit der zugrunde liegenden Geschäftsmodelle der Unternehmen zurückzuführen
ist. Für den KMU-Darlehensfonds wurde abweichend von der „GAP-Analyse“ eine Schät-
zung der Finanzierungslücke auf Grundlage der Monitoringdaten des bestehenden Zu-
schussprogrammes zur Markteinführung innovativer Produkte vorgenommen. Dieses Vor-
gehen wurde gewählt, weil es sich bei dem KMU-Darlehensfonds um ein spezielles "Ni-
schenprodukt" handelt, welches explizit auf die Unterstützung der Markteinführungsphase
ausgerichtet ist und belastbare Statistiken zum quantitativen Umfang dieses Finanzierungs-
segment nicht vorliegen.
2.3.2.1. Angebot, Nachfrage und Finanzierungslücke
im Bereich Venture Capital und Private Equity
Anmerkungen zum methodischen Vorgehen
135. Hinsichtlich der
Angebotsseite
(realisierte Nachfrage) wird zunächst mittels Desktop-
Recherchen untersucht, welche die wesentlichen regionalen, nationalen und europäischen
Akteure auf dem sächsischen Venture Capital- und Private Equity-Markt sind. Als zentrale
Quelle für die Schätzung des finanziellen Volumens des sächsischen Beteiligungsmarktes
wird insbesondere auf die Statistiken des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungs-
gesellschaften e.V. (BVK) zurückgegriffen.
136. Die Schätzung der potentiellen, d. h.
gesamten Nachfrage
stellt auf die sächsischen
Unternehmen ab, für die aufgrund ihrer Branchenzugehörigkeit davon ausgegangen werden
kann, dass Venture Capital bzw. Private Equity grundsätzlich für sie in Frage kommt. Auf
Basis von Daten des Statistischen Bundesamts, des Mannheimer Gründungspanels, des IfM
Bonn sowie Statistiken des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
e.V. (BVK) wird unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Anzahl von Unternehmens-
gründungen pro Jahr, der durchschnittlichen Dealgröße und der Häufigkeit von Beteiligun-
gen sodann die durchschnittliche (potenzielle) jährliche Nachfrage näherungsweise errech-
net.
137. Die
Finanzierungslücke
entspricht der Differenz zwischen der realisierten Nachfrage
bzw. dem Angebot einerseits und der gesamten Nachfrage andererseits.
1
Vgl. European Investment Fund: Guidelines for SME Access to Finance Market Assessment, Working Paper
2014/22.
Abschlussbericht
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36

image
 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
138. Abschließend ist zu untersuchen, welcher Anteil dieser Finanzierungslücke auf
Markt-
schwächen
im Bereich Venture Capital und Private Equity zurückzuführen ist und welcher
Anteil andere Ursachen hat. Konkret werden hier die Gründe analysiert, aus denen Beteili-
gungsanfragen abgelehnt werden oder der Bedarf nicht geäußert wird. Die Analyse stützt
sich in diesem Abschnitt auf eine Auswertung der einschlägigen Literatur und der Einschät-
zung des Managers des bestehenden Technologiegründerfonds Sachsen.
Schätzung des Angebots im Bereich Venture Capital und Private Equity
139. Vorab sei angemerkt, dass im Vergleich zu anderen Industrienationen die Finanzierungs-
form des Beteiligungskapitals in Deutschland zum Teil deutlich schwächer ausgeprägt ist.
Gemessen am BIP liegt Deutschland bei Beteiligungsfinanzierungen in 2012 deutlich hinter
Ländern wie Schweden und Großbritannien, aber auch hinter dem EU-Durchschnitt zu-
rück.
1
Abbildung 4: Beteiligungsinvestitionen im Verhältnis zum BIP (2012)
Quelle: Prognos AG
140. Im Zusammenhang mit der Ex-ante-Bewertung ist Venture Capitals Teilmenge des gesam-
ten Beteiligungskapitals von besonderem Interesse. Mit Blick auf das Jahr 2013 gibt die Al-
lianz für Venture Capital Werte - jeweils bezogen auf das BIP - von 0,026 Prozent für
Deutschland, 0,029 Prozent für Großbritannien, 0,033 Prozent für Frankreich und 0,067
Prozent für Finnland an.
2
Auch hier schneidet Deutschland somit unterdurchschnittlich ab.
141. Im innerdeutschen Vergleich ist festzustellen, dass die Relation von Beteiligungsinvestitio-
nen zum BIP in Sachsen deutlich ungünstiger als in anderen, insbesondere westdeutschen
Bundesländern, ausfällt.
1
Vgl. Prognos AG: Revolvierende Instrumente zur Finanzierung von Innovationen in der europäischen Kohäsi-
onspolitik – Fokus Beteiligungskapital, 2014 (Datenbasis: BVK, VGRdL).
2
Vgl. Allianz für Venture Capital: Zukunft gestalten. Chancen finanzieren. Wagniskapital stärken, 2014 (Datenba-
sis: BVK Statistiken, NVCA, Eurostat).
Abschlussbericht
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37

image
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Abbildung 5: Beteiligungsinvestitionen im Verhältnis zum BIP
(Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2012)
Quelle: Prognos AG
142. Venture-Capital-Finanzierungen sind jedoch vor allem für junge und innovative Unter-
nehmen mit besonderem Wachstumspotential von Bedeutung. Das Finanzierungsangebot
von Banken ist insbesondere in der Seed- und Start-up-Phase sehr gering, weil Banken die
in dieser Phase vergleichsweise hohen Risiken häufig scheuen bzw. das klassische Fremd-
kapital in diesem Unternehmensstadium eine ungeeignete Finanzierungsform darstellt. In-
sofern kommt spezialisierten Venture-Capital- und Private-Equity-Gesellschaften in diesem
Finanzierungssegment eine besondere Bedeutung zu. Insbesondere durch das Platzen der
Internetblase um die Jahrtausendwende und die Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jah-
ren 2008 und 2009 haben sich allerdings viele private Anbieter aus dem Markt zurückgezo-
gen. Angesichts der vom Europäischen Investitionsfonds (EIF) regelmäßig berichteten IRR-
Durchschnittswerte
1
von europäischen Risikokapitalfonds, die seit 2007 negativ oder nur
geringfügig positiv sind, ist auch in mittlerer Sicht nicht von einer wesentlichen Verände-
rung auszugehen.
2
Angebot auf europäischer Ebene
143. Auf der europäischen Ebene ist insbesondere der EIF hervorzuheben. Im Bereich der Ven-
ture-Capital-Finanzierungen hat sich der EIF auf die Unterstützung von KMU spezialisiert.
Als Dachfonds beteiligt er sich sowohl an privaten als auch an öffentlich finanzierten VC-
Gesellschaften. Derzeit ist der EIF in Deutschland an 32 VC-Fonds beteiligt.
3
144. Neben dem EIF zielt das Programm JEREMIE darauf ab, den Zugang von KMU zu Finan-
zierung, u. a. zu Beteiligungskapital, zu verbessern. Das Programm wurde allerdings in
1
Internal rate of return.
2
Vgl. European Investment Fund: European Small Business Finance Outlook - June 2014, Working Paper
2014/22.
3
Quelle:
http://www.eif.org/what_we_do/where/de/index.htm?lang=-de.
Abschlussbericht
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38

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Deutschland bisher nur vereinzelt regional eingesetzt.
1
Diese regionalen Fonds investieren
in ihrem jeweiligen Bundesland, verändern also nicht das Angebot in Sachsen.
145. Aus Deutschland wurden Ende 2012 an die EU-KOM insgesamt 38 Finanzinstrumente zur
Finanzierung von Unternehmen gemeldet, woraus überwiegend Beteiligungs- und Mez-
zanine-Fonds gespeist wurden, aber auch Darlehensfonds für KMU.
2
Relevant zur Beein-
flussung des Angebots an Venture Capital in Sachsen sind nationale Fonds oder internatio-
nale Fonds, die in Sachsen investieren. Dies ist insbesondere der Technologiegründerfonds
Sachsen.
Angebot auf Bundesebene
146. Auf Bundesebene sind vor allem die Beteiligungsangebote der KfW und der High-Tech-
Gründerfonds von Bedeutung, da sie in Sachsen investieren.
147. Die KfW stellt über mehrere Programme Beteiligungskapital zur Verfügung. Die für unsere
Analyse relevanten Programme sind im Folgenden aufgelistet:
Das
Beteiligungskapital für Wachstum, Innovation und Nachfolge
richtet
sich an etablierte KMU, die mindestens zehn Jahre am Markt aktiv sind. Es ist keine
Stellung von Sicherheiten erforderlich, jedoch soll sich ein privater Investor mitbetei-
ligen.
Mit den
ERP-Startfonds
werden junge Technologieunternehmen mit Beteiligungs-
kapital versorgt. Sie erhalten bis zu fünf Millionen Euro im Rahmen einer langfristigen
Eigenkapital-Beteiligung. Es ist keine Stellung von Sicherheiten notwendig. Die Betei-
ligungskonditionen werden individuell angepasst.
Das
ERP-Beteiligungsprogramm
unterstützt indirekt KMU bei der Kapitalsuche,
indem Kapitalgeber refinanziert werden. Die Konditionen sind für Kapitalgeber und
-nehmer günstig. Voraussetzung für die Refinanzierung ist die Garantie einer Bürg-
schaftsbank.
148. Aus den beiden letztgenannten Programmen wurden sächsischen Unternehmen zwischen
2010 und 2013 insgesamt 26 Mio. Euro bewilligt, wobei die Jahressummen relativ stark
schwankten: 2010 und 2011 lag das Bewilligungsvolumen bei fünf bzw. sieben Mio. Euro,
2012 stieg es auf 11 Mio. Euro an und ging 2013 auf 3 Mio. Euro zurück.
3
149. Der 2005 aufgelegte
High-Tech Gründerfonds
(HTGF), eine Public-Private-Partnership
des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), der KfW und mehrerer gro-
ßer Unternehmen, investiert in junge technologieorientierte Unternehmen mit bis zu 50
Mitarbeitern und einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens 10
Mio. Euro. Pro Vorhaben ist eine Bewilligung in Höhe von maximal 500.000 Euro möglich;
für Anschlussfinanzierungen können zusätzlich weitere 1,5 Mio. Euro gewährt werden. Der
Fonds wurde zunächst mit einem Volumen von 272 Mio. Euro ausgestattet, hiervon profi-
tierten bis Oktober 2011 insgesamt 250 Unternehmen. Ende 2011 wurde ein weiterer Fonds
1
Zum Beispiel hat die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen mit Unterstützung des Wirtschaftsministeri-
ums einen JEREMIE Fonds Hessen aufgelegt; Presseinformation des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft,
Energie, Verkehr und Landesentwicklung vom 26.10.2011.
2
Vgl. EU-KOM - DG Regio: Summary of data on the progress made in financing and implementing financial
engineering instruments co-financed by Structural Funds (September 2013).
3
Vgl. KfW Förderreport 2011, 2012, 2013.
Abschlussbericht
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39

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
mit einem Volumen von 301,5 Mio. Euro aufgelegt. Dieser ist nicht ausinvestiert und von
seinen Statuten her offen für Investitionen in Sachsen.
150. Die Zahl der Beteiligungszusagen belief sich im Zeitraum 09/2005 bis 07/2014 laut HTGF
auf insgesamt 449; hiervon entfielen 25 Zusagen auf sächsische Unternehmen (aktuell 14
aktive Investments in Sachsen). In den Jahren 2011 bis 2013 beteiligte sich der HTGF an
insgesamt sechs Unternehmen aus Sachsen. Damit liegt Sachsen im bundesweiten Ver-
gleich auf Platz sechs.
1
Angebot auf Landesebene
151. Bei den auf Landesebene tätigen Beteiligungsgesellschaften sind neben der Sächsischen
BeteiligungsGesellschaft (SBG) und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen
mbH (MBG) insbesondere die Sparkassen als wesentliche Akteure hervorzuheben.
152. Die
SBG
ist eine 100 %-ige Tochter der Sächsischen Aufbaubank, dem zentralen Förder-
institut des Freistaates Sachsen. Mit einem Fondsvolumen von 38 Mio. Euro ist es ihr vor-
rangiges Ziel, den konzernunabhängigen Mittelstand in Sachsen in den Finanzierungspha-
sen Wachstums- und Turn-Around-Finanzierung, bei besonderen Finanzierungsanlässen
wie MBO/MBI, Unternehmernachfolge, Bridge-Finanzierung, Spin-Off und Replacement zu
stärken. Den Schwerpunkt der Investments der SBG bilden somit Unternehmen in tenden-
ziell späteren Unternehmensphasen.
153. Die
MBG Sachsen
ist eine private Beteiligungsgesellschaft mit öffentlicher Förderung. Sie
richtet sich an Existenzgründer und KMU mit Sitz oder Investitionsvorhaben in Sachsen.
Unterstützt werden Existenzgründungen, Unternehmensnachfolgen, Investitionen und Fes-
tigungen, Innovationen sowie Konsolidierungen und Wachstum. Im Jahr 2013 wurden
Förderentscheidungen für 56 Unternehmen getroffen, davon 24 Existenzgründungen.
2
Bei
den Beteiligungen handelt es sich meist um typisch stille oder direkte Beteiligungen oder
eine Kombination aus beiden.
154. Der
RBB Beteiligungsfonds der Sparkassen der Oberlausitz und Niederschlesi-
en AG & Co. KG verfügt
über ein Volumen von 23 Mio. Euro. Der Fonds richtet sich an
innovative Unternehmen einer Vielzahl von Branchen, überwiegend in den Unternehmens-
phasen Start-up, Expansion, MBO/MBI und Spin-off. Kapitalbeteiligungen zu Sanierungs-
zwecken sind ausgeschlossen. Grundsätzlich handelt es sich um Minderheitsbeteiligungen
in offener und/oder stiller Form. Auch hier dominieren damit tendenziell spätere Unter-
nehmensphasen.
155.
S-Beteiligungen
, ein Unternehmen der Sparkasse Leipzig, unterstützt als regionaler
Kapitalgeber KMU mit insgesamt fünf Fonds und einem Gesamtfondsvolumen von 132 Mio.
Euro. Zwischen 2000 und Ende 2012 hat S-Beteiligungen insgesamt rund 57 Mio. Euro in
110 Unternehmen investiert, davon ca. 4,7 Mio. Euro im Jahr 2012. Derzeit werden 62 Un-
ternehmen betreut.
3
156. Die
SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft mbH Dresden
, ein Tochterun-
ternehmen der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, begleitet seit rund 14 Jahren vor allem
mittelständische Unternehmen in allen Branchen und in nahezu allen Unternehmenspha-
1
Angaben des HTGF-Managements.
2
Vgl. Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen: Förderreport nach Regionen 2013.
3
Vgl.
http://www.s-beteiligungen.de/zahlen-und-fakten.html.
Abschlussbericht
PwC
40

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
sen - von der Gründung bis zur Unternehmensnachfolge - mit Risikokapital. Der SIB stehen
derzeit vier Finanzierungsfonds mit insgesamt etwa 150 Mio. Euro zur Verfügung, aus de-
nen bislang Investitionen in mehr als 80 Unternehmen getätigt wurden.
1
157. Die
SC-Kapital
, ein Tochterunternehmen der Sparkassen Chemnitz und Mittelsachsen,
investiert in gewachsene Unternehmen sowie in interessante und innovative Existenzgrün-
dungsvorhaben mit dem Ziel, die regionale Wirtschaft zu stärken. Gleichzeitig kooperiert
sie mit den Regionalfonds Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen (WMS) sowie dem Tech-
nologiegründerfonds Sachsen.
2
Das durch die SC Kapitalbeteiligungsgesellschaft mbH ver-
waltete, zur Ausreichung an Unternehmen zur Verfügung stehende Kapital, belief sich im
Jahr 2012 auf knapp 70 Mio. Euro.
3
158. Bei der
BSV-Beteiligungsgesellschaft
der Sparkasse Vogtland handelt es sich um einen
der größten privaten Beteiligungskapitalgeber Sachsens. Im Jahr 2011 belief sich das Neu-
investitionsvolumen auf vier Mio. Euro.
4
159. Die
CFH Beteiligungsgesellschaft mbH
der zur S-Finanzgruppe zählenden Landes-
bank Baden-Württemberg verfügt über sechs Fonds mit unterschiedlichen Investitions-
schwerpunkten und investierte eigene Mittel. Vier Fonds befinden sich in der Desinvestiti-
onsphase. Die beiden in der Investitionsphase befindlichen Fonds - Wachstumsfonds Mit-
telstand Sachsen (WMS), Technologiegründerfonds (TGFS) - bestehen in Kooperation mit
den regionalen Sparkassen:
5
Der
Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen (WMS)
wurde in Zusammenarbeit
mit den großen Sparkassen Chemnitz, Dresden und Leipzig, deren Beteiligungsgesell-
schaften, der LBBW sowie dem Freistaat Sachsen aufgelegt. Zielunternehmen sind mit-
telständische Firmen mit Sitz der Betriebstätte in Sachsen aus nahezu allen Branchen.
Finanzierungsanlässe sind der Ausbau von Produktion und Vertrieb, die Erschließung
neuer Geschäftsfelder und Unternehmensnachfolgen. Damit werden Unternehmen in
tendenziell späteren Entwicklungsphasen finanziert.
Für die vorliegende Ex-ante-Bewertung ist vor allem der
Technologiegründerfonds
Sachsen (TGFS)
von Bedeutung. Mit einem Volumen von 60 Mio. Euro wurde er
2008 aufgelegt, um technologieorientierten Gründern Beteiligungskapital für die Seed-
und Startup-Phase (Frühphasenfinanzierung) zur Verfügung zu stellen. Der TGFS rich-
tet sich an Unternehmen der Branchen IKT, Halbleiter- und Mikrosystemtechnik, Me-
dizintechnik, Life Science, Umwelt- und Energietechnik und neue Medien. Die CFH Be-
teiligungsgesellschaft mbH managt den Fonds in Zusammenarbeit mit den regionalen
Ansprechpartnern SC-Kapitalbeteiligungsgesellschaft mbH (Chemnitz), SIB Innovati-
ons- und Beteiligungsgesellschaft mbH (Dresden) und S-Beteiligungsmanagement
Leipzig GmbH (Leipzig).
160. Darüber hinaus sind angebotsseitig Engagements von Business Angels zu berücksichtigen.
Bei
Business Angels
handelt es sich in der Regel um Privatinvestoren, die sich an einem
jungen (nicht börsennotierten) Unternehmen sowohl mit Kapital als auch mit Know-how
1
Vgl.
http://sib-dresden.de/index.php?site=aktuelles__presseberichte.
2
Vgl.
https://www.sparkasse.de/firmenkunden/eigenkapital-finanzierung/kapitalgeber-suchen/sc-kapital-
chemnitz.html.
3
Vgl.
http://www.sc-kapital.de/wir-fuer-sie/historie.html.
4
Vgl.
http://www.bsv-beteiligungen.de/de_DE/unser-unternehmen/Profil.html.
5
Vgl.
http://www.cfh.de/betreute-fonds.html.
Abschlussbericht
PwC
41

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
beteiligen. Verlässliche Zahlen zum Beteiligungsvolumen von Business Angels existieren für
den Freistaat Sachsen nicht. Unter Zugrundelegung von Analysen des ZEW zum deutsch-
landweiten Business Angels Markt
1
schätzen wir das jährliche Beteiligungsvolumen von Bu-
siness Angels in sächsische Hightech-Unternehmen auf derzeit etwa 3 Mio. Euro.
161. Die Daten des BVK zur Größe des Venture-Capital- und Private-Equity-Markts verdeutli-
chen, dass der sächsische Beteiligungsmarkt im Bundesländervergleich relativ schwach
ausgeprägt ist. In Sachsen leben rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung, während
der Marktanteil am Beteiligungsmarkt lediglich bei rund einem Prozent liegt. Im Durch-
schnitt der Jahre 2008 bis 2013 wurden in Sachsen 93 Investitionen im Jahr getätigt, und
zwar überwiegend im VC-Segment (von der Seed- bis zur Growth-Phase) - bei insgesamt 20
Buy-Out Deals im gesamten Betrachtungszeitraum. Die folgende Tabelle weist in der rech-
ten Spalte die Zahl der Investitionen in Unternehmen aus, die aufgrund von Folgeinvestiti-
onen höher ist als die Zahl der finanzierten Unternehmen.
Tabelle 3: Private Equity-Investitionen im Bundesländervergleich
Durchschnitt 2008-2013
Alle Investitionsarten
Mio. Euro
Anteil
Investitionen
Baden-Württemberg
710,5
13,0%
186
Bayern
1.122,6
20,6%
248
Berlin
535,4
9,8%
114
Brandenburg
33,7
0,6%
43
Bremen
5,9
0,1%
6
Hamburg
344,2
6,3%
51
Hessen
499,3
9,2%
33
Mecklenburg-Vorpommern
53,2
1,0%
13
Niedersachsen
121,7
2,2%
49
Nordrhein-Westfalen
1.325,4
24,3%
125
Rheinland-Pfalz
241,6
4,4%
30
Saarland
12,3
0,2%
6
Sachsen
55,0
1,0%
93
Sachsen-Anhalt
38,5
0,7%
27
Schleswig-Holstein
72,0
1,3%
118
Thüringen
87,7
1,6%
30
Unbekannt
193,2
3,5%
81
Deutschland
5.452,0
100,0%
1.250
Quelle: BVK, eigene Auswertung PwC
162. Nicht in den BVK-Daten der vorstehenden Tabelle enthalten sind nach unseren Informati-
onen - mit Ausnahme des TGFS - die Beteiligungsvolumina der sächsischen Sparkassen.
Detailinformationen zu den in den letzten Jahren übernommenen Beteiligungsvolumina
liegen ebenfalls nicht vor. Auf Basis der verfügbaren Informationen zur Entwicklung des
verwalteten Kapitals bzw. zur Höhe der insgesamt in den letzten Jahren getätigten Investi-
tionen schätzen wir das Beteiligungsvolumen der sächsischen Sparkassen auf überschlägig
rund 15 Mio. Euro pro Jahr.
1
Vgl. Jürgen Egeln (ZEW): Business Angel Engagement bei jungen Unternehmen in Deutschland: Identifizie-
rung, Verbreitung, Volumina, Präsentation anlässlich des Forschungssymposiums Business Angels Investment
am 5. Dezember 2013 in Berlin.
Abschlussbericht
PwC
42

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
163. Hinsichtlich der Buy-Outs ist zu berücksichtigen, dass sie durch ihre im Vergleich zum VC-
Segment sehr hohen Investitionsvolumina keine unwesentliche Rolle am Gesamtvolumen
in Sachsen spielen. Dies wird aus folgender Abbildung deutlich.
Abbildung 6: Durchschnittliche jährliche Investitionen in Sachsen im Zeitraum 2008
bis 2013 nach Investitionsphasen
Quelle: BVK, eigene Auswertung PwC
164. Ohne die Buy-Outs betragen die jahresdurchschnittlichen Investitionen in Sachsen 42,1
Mio. Euro (einschl. Buy-outs: 55 Mio. Euro).
165. Von den durch den BVK für den Zeitraum 2008 bis 2013 ausgewiesenen Beteiligungsin-
vestments wurden 63 Prozent von privaten Beteiligungsgesellschaften getätigt, 37 Prozent
der Investments entfielen auf öffentliche Beteiligungsgesellschaften. Betrachtet man hinge-
gen nur die "klassischen" VC-Finanzierungsphasen (Seed, Start-up, later stage VC), so
ergibt sich ein ausgewogenes Verhältnis: 51 Prozent der Investments tätigten private, 49
Prozent öffentliche Beteiligungsgesellschaften. Dies zeigt, dass sich private Beteiligungsge-
sellschaften bevorzugt in späteren, tendenziell weniger risikoreichen Unternehmensphasen
engagieren.
166. Zusammenfassend ist mit Blick auf das Gesamtangebot an Venture Capital und Private
Equity für sächsische Unternehmen festzuhalten, dass im Durchschnitt der Jahre 2008 bis
2013 Investments in Höhe von überschlägig 73 Mio. Euro p.a. getätigt wurden. Dieser Wert
beinhaltet neben den durch den BVK ausgewiesenen 55 Mio. Euro p.a. ein geschätztes jähr-
liches Volumen der Beteiligungsgesellschaften der sächsischen Sparkassen in Höhe von 15
Mio. Euro sowie Engagements von Business Angels in Höhe von geschätzt 3 Mio. Euro p.a.
Schätzung der (potentiellen) Nachfrage
Schätzung der realisierten Nachfrage nach Venture Capital und Private Equity
167. Die realisierte Nachfrage nach Venture Capital und Private Equity spiegelt den Umfang
erfolgreicher Beteiligungsverhandlungen wider und ist identisch mit dem Beteiligungsan-
gebot.
5,7
13,5
8,9
13,0
0,2
0,6
12,9
0
6
12
18
Seed
Start-up
Later Stage Venture
Growth
Turnaround
Replacement Capital
Buy-Outs
Mio. Euro
Abschlussbericht
PwC
43

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Schätzung der gesamten Nachfrage nach Venture Capital und Private Equity
168. Im Folgenden wird zunächst herausgearbeitet, welche Bedeutung Beteiligungskapital für
die Unternehmens- bzw. Investitionsfinanzierung deutscher KMU insgesamt hat. Im nächs-
ten Schritt wird unter Rückgriff auf Daten des Statistischen Bundesamts, des Mannheimer
Gründungspanels, des IfM Bonn sowie Statistiken des BVK die Nachfrage nach Beteili-
gungskapital in Sachsen abgeschätzt. Die Ergebnisse werden sodann in den Kontext weite-
rer Erkenntnisse zur Nachfragesituation eingeordnet und plausibilisiert.
(1) Bedeutung der Beteiligungsfinanzierung im deutschen Mittelstand
169. Bei einer Gesamtbetrachtung ist das Interesse mittelständischer deutscher Unternehmen
an Eigenkapitalprodukten als eher gering einzuschätzen. Verschiedene Unternehmensbe-
fragungen der jüngeren Vergangenheit kommen zu dem Ergebnis, dass alternative Finan-
zierungsformen gegenüber der Innenfinanzierung und Krediten bei KMU nur eine stark un-
tergeordnete Rolle spielen.
1
Gründe liegen u. a. in der Präferenzordnung der Unternehmer
bezogen auf die bestehenden Finanzierungsformen und einem verbreiteten Misstrauen ge-
genüber Beteiligungskapital. In der jüngeren Vergangenheit mindern auch der historisch
gute Kreditmarktzugang der KMU und das extrem niedrige Zinsniveau die Bedeutung ande-
rer Finanzierungsformen.
170. Wenngleich in der Literatur wie auch in der wirtschaftspolitischen Diskussion für innovati-
ve Gründungen die besondere Bedeutung von Beteiligungskapital betont wird, gilt der be-
schriebene Befund, d. h. die insgesamt geringe Bedeutung, auch für diese Gruppe, wie eine
repräsentative Befragung junger Unternehmen zeigt.
2
Generell kann festgehalten werden,
dass Beteiligungskapital für Gründungen und Unternehmen mit
besonderem
Wachstums-
potential relevant ist, diese jedoch nur einen vergleichsweise geringen Teil aller Unterneh-
men ausmachen.
171. Gleichwohl verzeichnen Beteiligungsgesellschaften eine signifikante Nachfrage, die zwar
deutlich unter dem Niveau der Jahrtausendwende liegt, aber immer noch eine starke Selek-
tion erlaubt. Lag die durchschnittliche Zahl der Anfragen bei Beteiligungsgesellschaften in
den Jahren 1999 bis 2001 bei bis zu 490, waren es 2009 noch 223.
3
Auf die Frühphasenfi-
nanzierung entfallen dabei mehr als doppelt so viele Anfragen wie auf spätere Unterneh-
mensphasen. Während private Beteiligungsgesellschaften einen starken Nachfragerückgang
zu verzeichnen hatten, erfreuen sich öffentliche Mittel verwaltenden Gesellschaften eines
stärkeren Zulaufs. Dies hängt nicht zuletzt mit dem Marktaustritt zahlreicher privater Ak-
teure und einer teilweisen Kompensierung dieses Rückzugs durch die Ausweitung des öf-
fentlichen Angebots auf deutlich niedrigerem Niveau zusammen. Dafür ist der 2005 aufge-
legte High-Tech Gründerfonds ein prominentes Beispiel; aber auch die Strategie privater
Beteiligungsgeber, das Risiko durch die Einbindung von "öffentlichen" Syndizierungspart-
nern zu teilen, spielt hier eine Rolle.
4
172. Für das Jahr 2009 ermittelte die KfW einen Anteil von sechs Prozent aller Beteiligungsan-
fragen, die zu einer Beteiligung führen. "Erfolgsquoten" im niedrigen bis mittleren einstelli-
1
Vgl. für viele: Commerzbank AG: Gute Schulden, schlechte Schulden: Unternehmertum in unsicheren Zeiten.
12. Studie der UnternehmerPerspektiven, 2012; Deloitte: Finanzierung im Mittelstand, 2012.
2
Vgl. KfW Bankengruppe: Jung, innovativ braucht … Kredit. Finanzierung junger, FuE-treibender Unternehmen,
Frankfurt am Main 2013.
3
Vgl. KfW Bankengruppe: Beteiligungsmarkt nach der Krise: Optimistischer Ausblick aber Angebotslücke beim
Wachstumskapital wird größer, Frankfurt am Main 2013.
4
Vgl. ebd.
Abschlussbericht
PwC
44

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
gen Prozentbereich werden auch durch die aktuelle BVK-Jahresstatistik bestätigt, nach der
im Jahr 2013 sogar nur drei Prozent der anfragenden Unternehmen eine Beteiligung erhiel-
ten.
1
Mehr als 90 Prozent der Nachfrager erhalten demnach kein Beteiligungsangebot. Zwar
ist hier nicht berücksichtigt, dass weitere Anfragen desselben Unternehmens bei anderen
Beteiligungsgebern schließlich zum Erfolg führen können. Deutlich wird an dieser Relation
jedoch bereits, in welchem Maße die potentielle Nachfrage die realisierte Nachfrage, d. h.
das Angebot, übersteigt.
(2) Quantifizierung der potentiellen Nachfrage nach Beteiligungskapital in
Sachsen
173. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass die Finanzierungsform der Beteiligung beson-
ders für Gründungen sowie für frühe Wachstumsphasen bei technologieorientierten und
wissensbasierten Unternehmen geeignet ist. Zwar wurde oben bereits festgestellt, dass auch
innerhalb dieser Gruppe von Unternehmen andere Finanzierungsformen dominieren. Um-
gekehrt bestätigt aber der Blick in die Portfolios von Beteiligungsgesellschaften, insbeson-
dere der Frühphasenfinanzierer, dass diejenigen, die diese Finanzierungsform nutzen, häu-
fig dem genannten Typ entsprechen.
174. Um die Nachfrage nach Beteiligungskapital zu quantifizieren, haben wir zunächst auf Basis
von Daten zu Gründungsintensitäten in der forschungsintensiven Industrie und den tech-
nologieorientierten Dienstleistungen
2
unter Berücksichtigung von Bevölkerungsstatistiken
des Statistischen Bundesamts die jährliche Anzahl an Hightech-Gründungen in Sachsen für
die Jahre 2009-2012
3
berechnet. Daraus ergibt sich für die forschungsintensive Industrie
eine durchschnittliche Anzahl von jährlich knapp 100 Gründungen und für die technologie-
orientierten Dienstleistungen ein Durchschnitt von etwa 465 Gründungen p.a. Die Zahl der
Hightech-Gründungen im Freistaat Sachsen beläuft sich demnach auf aktuell 562 pro Jahr.
175. Dem KfW/ZEW-Gründungspanel 2013 zufolge setzten von den zwischen 2009 und 2012
gegründeten deutschen Unternehmen aus den Hightech-Branchen
4
im Jahr 2012 insgesamt
rund 9 Prozent Beteiligungskapital zur Unternehmensfinanzierung ein.
5
Bei einem für den
Freistaat Sachsen zu verzeichnenden durchschnittlichen Dealvolumen von rund 590.000
Euro (2008-2013)
6
würde sich damit - bei Zugrundelegung der bundesweiten Anteile des
KfW/ZEW-Gründungspanel - eine jährliche durchschnittliche Nachfrage nach Beteili-
gungskapital für
Hightech-Gründungen
7
in Höhe von rund
30 Mio. Euro
ergeben. Wie
die Statistik des BVK zeigt, lag das Volumen der geschlossenen Beteiligungsfinanzierungen
(Seed-Phase und Start-up-Phase) im Freistaat Sachsen in den Jahren 2008 bis 2013 mit
durchschnittlich knapp 20 Mio. Euro p.a. (alle Branchen) signifikant geringer.
176. Bislang nicht berücksichtigt wurden alle Branchen des nicht-forschungsintensiven und
nicht-technologieorientierten Industrie- und Dienstleistungssektors. Basierend auf den Un-
1
Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften: BVK-Statistik 2013.
2
Vgl. Thüringer Netzwerk für innovative Gründungen: Innovative Gründungen in Thüringen – Entwicklung und
Ausblick 2013, 2013; unter Verwendung von Daten des Mannheimer Unternehmenspanels.
3
Aufgrund des - demografisch bedingt - sinkenden Trends von jährlichen Neugründungen wird für die Analyse
ein relativ aktueller Durchschnittswert für den Zeitraum 2009 bis 2012 zugrunde gelegt.
4
Im KfW/ZEW-Gründungspanel umfasst der Hightech-Sektor Unternehmen der Spitzentechnik und der Hoch-
wertigen Technik im Verarbeitenden Gewerbe (STW & HTW) sowie Technologieintensive Dienstleister und
Software-Unternehmen (TDL & Software).
5
Vgl. KfW/ZEW-Gründungspanel 2013 - Junge Hightech-Unternehmen trumpfen auf.
6
Eigene Berechnung auf Basis von Daten des BVK.
7
Unternehmen, die maximal seit 3 Jahren bestehen.
Abschlussbericht
PwC
45

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
ternehmensgründungsdaten des IfM Bonn
1
und unter Ausklammerung der bereits betrach-
teten Unternehmensgründungen der Hightech-Branchen beläuft sich die durchschnittliche
Anzahl der Nicht-Hightech-Unternehmensgründungen auf 10.250 (Durchschnitt der Jahre
2012 und 2013). Laut KfW/ZEW-Gründungspanel 2013 nutzten im Jahr 2012 insgesamt
rund drei Prozent der Unternehmen aus den Nicht-Hightech-Branchen
2
Beteiligungskapital
als externe Finanzierungsquelle. Auch die durchschnittlichen Dealgrößen sind in den Nicht-
Hightech-Branchen geringer: Für unsere Analyse schätzen wir die durchschnittliche Betei-
ligungshöhe in den Nicht-Hightech-Branchen auf 75.000 Euro. In der geringeren durch-
schnittlichen Beteiligungshöhe spiegelt sich vor allem auch der relativ hohe Anteil an Mik-
ro-Mezzanine-Finanzierungen wider.
3
Damit beläuft sich die jährliche durchschnittliche
Nachfrage nach Beteiligungen für
Nicht-Hightech-Gründungen
auf geschätzt rund
23
Mio. Euro
.
177. Beteiligungskapital bildet gleichwohl nicht nur für neu gegründete, sondern auch für etab-
lierte Unternehmen eine wichtige Finanzierungsquelle, bspw. für die Finanzierung von Er-
weiterungsinvestitionen oder zur Regelung von Unternehmensnachfolgen. Den Förderre-
ports der MBG zufolge dienten in den Jahren 2012, 2013 und 2014 (1. Halbjahr) rund 40
Prozent der durch die MBG eingegangenen Beteiligungen sowie der korrespondierenden
Beteiligungsvolumina der Finanzierung eines Gründungsvorhabens. Im Umkehrschluss
wurden in rund 60 Prozent der Fälle
etablierte Unternehmen
begleitet.
4
Vor diesem
Hintergrund lässt sich eine Nachfrage nach Beteiligungskapital durch etablierte Unterneh-
men in Sachsen in Höhe von rund
34,5 Mio. Euro
ableiten.
178. Die bisherigen Überlegungen zur Nachfrage nach Beteiligungskapital haben sich auf poten-
tiell erfolgreiche Finanzierungsanfragen bezogen. In Ergänzung hierzu ist weiterhin das Vo-
lumen an gescheiterten Finanzierungsanfragen (nicht-bediente Nachfrage) zu bestimmen.
Da verlässliche Daten zum Umfang gescheiterter Finanzierungsanfragen von Unternehmen,
für die Beteiligungskapital eine grundsätzlich in Frage kommende Finanzierungsform dar-
stellt, nicht vorliegen, kann das entsprechende Finanzierungsvolumen nur näherungsweise
geschätzt werden. Hierzu kann indirekt auf Daten hinsichtlich der Erfolgsquoten von Fi-
nanzierungsanfragen zurückgegriffen werden. Gleichwohl ist hierbei zu berücksichtigen,
dass es sich bei der überwiegenden Mehrheit der nicht-erfolgreichen Beteiligungsanfragen
um Unternehmen handelt, für die Beteiligungskapital per se als Finanzierungsform unge-
eignet ist.
179. Eine Untersuchung der KfW kam für das Jahr 2009 zu dem Ergebnis, dass etwa 20 Prozent
der Anfragen nach Beteiligungskapital einer vertieften Prüfung (Due Diligence) unterzogen
wurden, es sich folglich in 80 Prozent der Anfragen um Fälle handeln dürfte, bei denen
1
Vgl. IfM Bonn: Gewerbliche Unternehmensgründungen nach Bundesländern (Basis: Gewerbeanzeigenstatistik
des Statistischen Bundesamts).
2
Im KfW/ZEW-Gründungspanel 2013 werden dem Nicht-Hightech-Sektor nicht-technologieintensive Wirt-
schaftszweige im
Verarbeitenden Gewerbe, wissensintensive Dienstleister, übrige unternehmensnahe
Dienstleister, konsumnahe Dienstleister, das Bau- und Ausbaugewerbe sowie der Handel zugerech-
net.
3
Über 6 Mio. Euro des 30 Mio. Euro umfassenden Mikromezzaninfonds (vor seiner Aufstockung im August
2014) wurden in Sachsen zugesagt; Vgl. IHK zu Leipzig: Jede fünfte Mikromezzanine-Finanzierung erfolgt in
Sachsen, 25. September 2014.
4
Mit Blick auf die Beteiligungsvolumina zeigt sich in Ostdeutschland ein vergleichbares Verhältnis. Während
üblicherweise in Europa die Unternehmensphasen bis 5 Jahre (early stage und expansion) etwa 25 Prozent der
Beteiligungsinvestitionen ausmachen, sind es in Ostdeutschland etwa 50 Prozent, was vor allem auf das niedrige
absolute Volumen der Buy-Outs zurückzuführen ist. Vgl. Prognos: Bedeutung von Wagnis- und Beteiligungska-
pital für die Standortentwicklung in Ostdeutschland, 2009.
Abschlussbericht
PwC
46

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
stark davon auszugehen ist, dass Beteiligungskapital für die anfragenden Unternehmen eine
ungeeignete Finanzierungsform darstellt. Von den vertieft geprüften Anfragen führte jede
zweite (10 Prozent) zu einer Offerte des Beteiligungsgebers, welche in 60 Prozent der Fälle
zu einer Investition führte.
1
180. Auf Basis dieser Ergebnisse und unter Berücksichtigung, dass weitere Anfragen desselben
Unternehmens bei anderen Beteiligungsgebern schließlich zum Erfolg führen können,
schätzen wir die
Größenordnung der nicht-bedienten Nachfrage von
jungen und
etablierten
Hightech-Unternehmen
in Sachsen auf zusätzlich
rund 25 Mio. Euro p.a.
Dieses Ergebnis deckt sich weitgehend mit der Einschätzung des Fondsmanagements des
bestehenden Technologiegründerfonds Sachsen, wonach - unter Berücksichtigung des
strukturell im Bundesvergleich geringeren Venture Capital-Angebots in Sachsen - bei mehr
als 80 Prozent der sächsischen Unternehmen, die eine VC-Finanzierung nachfragen
2
, eine
solche Finanzierung nicht zustande kommt.
181. Für den Bereich der jungen und etablierten
Unternehmen aus Nicht-Hightech-
Branchen
(hier dürfte sich die Nachfrage überwiegend auf Stille Beteiligungen beziehen)
gehen wir unter Berücksichtigung des vergleichsweise breiten Angebots an Beteiligungska-
pitalgebern in Sachsen von einer deutlich geringeren nicht-bedienten Nachfrage aus. Hier
schätzen wir die nicht-bediente Nachfrage von Unternehmen, die für eine Beteiligungskapi-
talfinanzierung grundsätzlich in Frage kommt, auf etwa ein Fünftel der - unter Zugrundele-
gung der bundesdeutschen Ergebnisse zu den erfolgreichen Beteiligungsnachfragen in den
Nicht-Hightech-Branchen - realisierten Nachfrage, d.h. im Ergebnis auf rund
11,5 Mio.
Euro p.a.
Schätzung der Finanzierungslücke
182. Die Angebotslücke entspricht der Differenz zwischen tatsächlich realisierter Nachfrage
(Angebot) und potentieller Nachfrage. Die Schätzung des Angebots ergab ein durchschnitt-
liches jährliches Finanzierungsvolumen in Höhe von 73
Mio. Euro. Die potentielle Nachfra-
ge nach Beteiligungskapital wurde unter Zugrundelegung der Befunde des KfW/ZEW-
Gründungspanel und Annahmen zum Umfang gescheiterter Finanzierungsanfragen auf
insgesamt rund 124 Mio. Euro p.a. geschätzt.
183. Somit beläuft sich die
gesamte Finanzierungslücke
derzeit auf schätzungsweise rund
50
Mio. Euro p. a
. Die Finanzierungslücke betrifft dabei insbesondere originäres Venture
Capital in frühen Unternehmensphasen. Noch zu untersuchen ist gleichwohl die Frage, ob
die Finanzierungslücke das Ergebnis von Marktschwächen ist oder auf wirtschaftlich nicht
tragfähige Geschäftsmodelle zurückzuführen ist.
Auf Marktschwächen zurückzuführende Finanzierungslücke
184. Im Rahmen der bisherigen Analyse wurde auf Basis der statistischen Daten des BVK von
einem - auch im Vergleich zu anderen Bundesländern - strukturellen Angebotsdefizit an Be-
teiligungskapital im Freistaat Sachsen ausgegangen, welches vor allem die sehr frühen und
damit besonders risikoreichen Venture Capital-Finanzierungsphasen betrifft. Das struktu-
1
Vgl. KfW Bankengruppe: Beteiligungsmarkt nach der Krise: Optimistischer Ausblick aber Angebotslücke beim
Wachstumskapital wird größer, Frankfurt am Main 2010.
2
Und für die eine VC-Finanzierung grundsätzlich geeignet erscheint.
Abschlussbericht
PwC
47

image
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
relle Defizit wurde auf rund 15 Mio. Euro p.a.
1
geschätzt. In Bezug auf diese strukturelle An-
gebotslücke gehen wir davon aus, dass sie in vollem Umfang auf Marktschwächen zurückzu-
führen ist.
185. Mit Blick auf die über diese strukturelle Angebotslücke hinausgehende Finanzierungslücke
in Höhe von geschätzt 36 Mio. Euro p.a.
2
(geschätzter Umfang abgelehnter Anfragen von
Unternehmen, für die Beteiligungskapital eine grundsätzlich geeignete Finanzierungsform
darstellt) ist zu untersuchen, ob diese Finanzierungslücke auf Marktschwächen zurückzu-
führen ist. Hierzu werden im Folgenden die Ablehnungsgründe näher untersucht.
186. Im Rahmen des VC-Panels, einer Panelbefragung von aktuell 31 in Deutschland tätigen VC-
Gesellschaften, wurde im Jahr 2013 nach den Hauptablehnungsgründen von Beteiligungs-
anfragen gefragt.
3
Das Ergebnis zeigt die folgende Abbildung.
Abbildung 7:
Aus welchen Gründen mussten Sie Anfragen ablehnen, die Sie grundsätz-
lich für aussichtsreich befunden hätten?
Quelle: VC-Panel, II. Quartal 2013
187. Danach zeigt sich, dass Ablehnungsgründe überwiegen, die nicht auf das Vorliegen von
Marktschwächen schließen lassen - fehlende Skalierbarkeit, zu geringes Marktpotential,
Managementdefizite, fehlende Exit-Perspektive. Ablehnungsgründe, die im Kontext von
Marktschwächen zu sehen sind - fehlender Referenzkunde, fehlender Syndizierungspartner,
zu geringer Kapitalbedarf und damit (zu) hohe Transaktionskosten - sind demnach weniger
ausschlaggebend.
188. Die Ergebnisse eines mit dem Management des bestehenden Technologiegründerfonds
Sachsen geführten Experteninterviews bestätigen diese Einschätzung nur zum Teil. Die
Hauptablehnungsgründe aus Sicht des Beteiligungskapitalgebers betreffen danach unzu-
reichende Wachstumsaussichten des Unternehmens, Defizite des Geschäftsmodells und De-
fizite im Bereich des Managements bzw. der Unternehmerperson, die nicht im Kontext von
Marktschwächen zu sehen sind. Klassische Ablehnungsgründe, die auf das Vorliegen von
1
Differenz zwischen dem tatsächlichen Angebot (73 Mio. Euro) und der aus den Daten des KfW/ZEW-
Gründungspanel abgeleiteten potentiell bedienten Nachfrage von 87,5 Mio. Euro (Hightech-Gründungen: 30
Mio. Euro; Nicht High-Tech-Gründungen: 23 Mio. Euro; etablierte Unternehmen: 34,5 Mio. Euro).
2
Geschätzter Umfang der nicht-bedienten Finanzierungsnachfrage von High-Tech-Unternehmen (25 Mio. Euro
p.a.) zuzüglich der nicht-bedienten Beteiligungskapitalnachfrage von Nicht-High-Tech-Unternehmen (11 Mio.
Euro p.a.).
3
Vgl. FHP Private Equity Consultants: VC-Panel - "Branchenbarometer am Puls der Zeit", II. Quartal 2013.
Abschlussbericht
PwC
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Marktschwächen hinweisen (Portfolioerwägungen des Beteiligungskapitalgebers, zu gerin-
ges Beteiligungsvolumen, zu hohe Transaktionskosten, Fehlen eines Co-Investors) wurden
als weniger relevant eingeschätzt. Gleichwohl wurden allerdings weitere Ablehnungsgründe
als relevant eingestuft, die als Indiz für Marktschwächen zu werten sind: zu hoher Bedarf,
der auch durch Konsortien nicht gedeckt werden kann; Unternehmen befindet sich in zu
früher Phase und das Risiko erscheint damit zu hoch; zu lange Laufzeit bis zum Exit und
damit zu lange Kapitalbindung für den Erwartungshorizont der Investoren; finanzieller
Rahmen des Fonds erschöpft.
189. Vor diesem Hintergrund schätzen wir den Anteil der aufgrund von Marktschwächen nicht
realisierten Nachfrage nach Beteiligungskapital auf derzeit rund vierzig Prozent. Damit
werden Beteiligungskapitalnachfragen in Höhe von 15 Mio. Euro p.a.
1
aufgrund von Markt-
schwächen abgelehnt. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der strukturellen Angebotslücke
in Höhe von geschätzt 15 Mio. Euro p.a. ergibt sich damit eine gesamte,
auf Marktschwä-
chen zurückzuführende Finanzierungslücke im Beteiligungskapitalsegment
Sachsens von schätzungsweise 30 Mio. Euro p.a.
Dabei ist davon auszugehen, dass
Marktschwächen im Bereich der Frühphasenfinanzierung aufgrund überdurchschnittlich
ausgeprägter Informationsasymmetrien, mit der Folge hoher Renditeerwartungen, stärker
ausgeprägt sind als in späteren Finanzierungsphasen.
2.3.2.2. Finanzierungsbedarf an Darlehen im Bereich
der Produkt- und Prozessinnovationen von
KMU in der Marktbearbeitungsphase
190. In diesem Abschnitt erfolgt eine Einschätzung des Darlehensbedarfs von sächsischen
KMUs zur Finanzierung der Phase der Marktbearbeitung im Rahmen der Markteinführung
innovativer Produkte.
Anmerkungen zum methodischen Vorgehen
191. Bei den hier zu betrachtenden Finanzierungen handelt es sich um ein - im Vergleich zu
klassischen Investitions- oder Betriebsmittelfinanzierungen - relativ enges Finanzierungs-
segment, für das abgegrenzte Daten zum Umfang vergebener Kredite statistisch nicht vor-
gehalten werden. Aus diesem Grund kann die klassische GAP-Analyse, welche auf Daten
zum Angebot an und zur Nachfrage nach Finanzierungen aufbaut, zur quantitativen Ablei-
tung der Finanzierungslücke nicht herangezogen werden.
192. Daher erfolgt an dieser Stelle zunächst eine qualitative Analyse der Marktschwächen in
diesem Finanzierungssegment. Zur Ableitung der quantitativen Finanzierungsbedarfs - und
damit des zweckmäßigen Fördervolumens - wird wesentlich auf Monitoringdaten des im
Jahr 2007 aufgelegten Zuschussprogramms "Markteinführung innovativer Produkte und
Produktdesign" abgestellt.
1
40 Prozent von 36 Mio. Euro.
Abschlussbericht
PwC
49

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Marktschwächen im Bereich der Finanzierung der Markteinführung und
Marktbearbeitung innovativer Produkte
193. Basis für wirtschaftliches Wachstum sind Innovationen, die ihren Ausgang in intensiven
Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten nehmen und in wettbewerbsfähigen Produkten
und Dienstleistungen münden. Im Bereich der FuE-Förderung, welche die Entwicklung
neuer Produkte und Dienstleistungen, Prozesse und Verfahren zum Gegenstand hat, beste-
hen umfassende öffentliche Förderangebote, überwiegend in Form von Zuschussprogram-
men. Damit trägt die öffentliche Hand dem Umstand Rechnung, dass potentielle Fremdka-
pitalgeber angesichts der mit FuE-Vorhaben verbundenen hohen technischen und wirt-
schaftlichen Risiken ausgesprochen zurückhaltend am Markt agieren.
194. In der an die FuE-Phase anschließenden Phase der Markteinführung und -durchdringung
sind die technischen Risiken deutlich geringer, weil die technische Machbarkeit bereits
nachgewiesen wurde. Die wirtschaftlichen Risiken einer Umsetzung in marktfähigen Pro-
dukten und deren Vermarktung sind gleichwohl unverändert hoch und erfordern mitunter
umfangreiche finanzielle Aufwendungen in die Markterschließung (Vermarktung) und
kundenspezifische Produktanpassung. Aufgrund der in der Markteinführungs- und Markt-
bearbeitungsphase unverändert hohen (wirtschaftlichen) Risiken ist die Finanzierungsbe-
reitschaft privater Finanzierungsgeber vergleichsweise gering. Dies resultiert daraus, dass
der Kapitaldienst einer Fremdfinanzierung aus den nach erfolgreicher Markteinführung re-
alisierten Cashflows zu erbringen ist, der wirtschaftliche Erfolg aber ungewiss ist. Vor die-
sem Hintergrund ist hier insbesondere für den Fall unzureichend verfügbarer Kreditsicher-
heiten von ausgeprägten Marktschwächen auszugehen. Zwei aktuell durch PwC durchge-
führte Untersuchungen in anderen Bundesländern bestätigen dies.
195. Trotz der damit auch in der Markteinführungs- und Marktbearbeitungsphase bestehenden
Marktschwächen ist das Angebot an öffentlichen Förderinstrumenten in diesem Bereich
eher begrenzt. Der Freistaat Sachsen hat hierauf bereits mit dem im Jahr 2007 aufgelegten
Programm "Markteinführung innovativer Produkte" reagiert, welches in der Förderperiode
2014-2020 um eine Darlehenskomponente ergänzt werden soll. Eine vom SMWA in Auf-
trag gegebene Befragung von Vertretern der sächsischen Kreditwirtschaft und innovativen
Unternehmen (mindestens ein Innovationsprojekt in den letzten fünf Jahren) hat diesbe-
züglich ergeben, dass ein Darlehen für spätere Phasen der Markteinführung eine sinnvolle
Ergänzung darstellt und mit der Förderung in Form einer rückzahlbaren Zuwendung auch
das künftige Ertragspotenzial der Unternehmen angemessen berücksichtigt wird.
1
Die Dar-
lehenskomponente soll dabei den Finanzierungsbedarf von KMU in der Marktbearbei-
tungsphase, die den
Zeitraum bis maximal 36 Monate nach der ersten wirtschaft-
lichen Verwertung des neuen Produkts
abdeckt, (teilweise) adressieren.
196. Mit der Ergänzung des Programms um eine Darlehenskomponente berücksichtigt das
SMWA zudem die zum 31.12.2013 erfolgte Einstellung des auf die Markteinführung innova-
tiver Produkte und Dienstleistungen ausgerichteten Programmteils des ERP-
Innovationsprogramms der KfW.
197. Für die Ausgestaltung des Darlehensprogramms ist allerdings zu berücksichtigen, dass die
förderfähigen Aufwendungen in Zusammenhang mit der Markteinführung bzw. –
1
Bericht zur Bedarfs- und Machbarkeitsanalyse für einen Darlehensfonds KMU in Ergänzung der Evaluations-
studie zum Förderprogramm "Markteinführung innovativer Produkte" vom 7. Dezember 2011 erstellt durch
PwC; Dresden, 15. Januar 2013.
Abschlussbericht
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50

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
bearbeitung von neuartigen Produkten oder Leistungen von dem eigentlichen operativen
Geschäft abgegrenzt werden. Dabei gilt es zu vermeiden, dass bestehende Produkt- und
Leistungsportfolios wettbewerbsverzerrende Subventionierung erfahren. Hierbei könnten
bspw. Projektdefinitionen, die eine Maßnahmenplanung für das zu fördernde Vorhaben be-
inhalten, im Rahmen der Antragstellung gefordert werden, so dass anschließend die Um-
setzung der Maßnahmen auf Übereinstimmung mit der Planung geprüft werden kann. Inso-
fern die Systeme zur Dokumentation der Finanzbuchhaltung der einzelnen Antragsteller ei-
ne Abgrenzung vom eigentlich operativen Geschäft ermöglichen, könnte alternativ der
Nachweis auch diesem Weg geführt werden. In der Zielgruppe der Kleinst- und Kleinunter-
nehmen ist allerdings zu erwarten, dass derartig ausgeprägte Managementinformationssys-
teme selten vorhanden sind.
Schätzung des Finanzierungsbedarfs in der Marktbearbeitungsphase
198. Die Schätzung des Bedarfs sächsischer KMU zur Finanzierung der Marktbearbeitungspha-
se ist ausgesprochen schwierig, weil zum einen statistische Daten zur Größe dieses Finan-
zierungssegments nicht verfügbar sind und vergangenheitsbezogene Richtwerte aus darle-
hensbasierten Förderprogrammen nicht vorliegen. Als Grundlage für die Schätzung des Fi-
nanzierungsbedarfs des künftigen KMU-Darlehens wird daher auf vorliegende Monitoring-
daten des sächsischen Zuschussprogramms "Markteinführung innovativer Produkte und
Produktdesign" sowie auf einen durch PwC erstellten „Bericht zur Bedarfs- und Machbar-
keitsanalyse für einen Darlehensfonds KMU“ (2013)" zurückgegriffen.
199. Bei dem sächsischen Zuschussprogramm handelt es sich um eine Förderung der Marktein-
trittsphase. Antragsberechtigt sind KMU, ein spezieller Branchenfokus besteht nicht. Die
geförderte
Phase des Markteintritts erstreckt sich maximal über einen Zeitraum
von 15 Monaten
und endet spätestens sechs Monate nach der ersten wirtschaftlichen
Verwertung des neuen innovativen Produkts. Der Zuschuss kann bis zu 50 Prozent der för-
derfähigen Ausgaben betragen, maximal allerdings 100.000 Euro. Dabei sind folgende Aus-
gaben förderfähig:
Personalausgaben bei Neueinstellung eines Marketing-, Vertriebs- oder Designassis-
tenten bis maximal 50.000 Euro
Ausgaben für Fremdleistungen im Zusammenhang mit der Nullserie bzw. dem Serien-
muster
Sachausgaben (insbesondere Materialausgaben zur Herstellung eines Serienmusters
oder einer Nullserie),
Ausgaben für den Erwerb gewerblicher Schutzrechte und damit im Zusammenhang
stehender Lizenzen, Normierungen und Zertifizierungen sowie
Ausgaben für die Gestaltung und den Druck produktbezogener Prospekte, Flyer oder
Kataloge für ausländische Märkte und die Darstellung der Produkte in elektronischen
Medien bis maximal 50.000 Euro.
1
200. Die Antragstellung erfolgt bei der SAB und setzt voraus, dass das Produkt vor Antragstel-
lung noch nicht auf dem Markt angeboten wurde. Zwischen 2007 und 2013 wurden insge-
1
Vgl. Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Mittelstandsförde-
rung (Mittelstandsrichtlinie) vom 21. August 2014.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
samt 320 Anträge bewilligt. Dabei zeigte sich mit Ausnahme der Jahre 2011 und 2012 ein
steter Anstieg von 26 Bewilligungen im Jahr 2007 auf 67 Bewilligungen im Jahr 2013.
1
Auch in den Jahren 2011 und 2012 verzeichnete die SAB hohe Antragseingänge (90 bzw.
96), allerdings war die Ablehnungsquote vergleichsweise hoch. Dies war angabegemäß aber
nicht auf einen fehlenden Innovationsgehalt der Projekte, sondern vielmehr auf bestehende
Ausschlusskriterien (Maßnahmenbeginn vor Antragstellung) zurückzuführen. Die Bewilli-
gungen nach Unternehmensgröße zeigen deutlich, dass vor allem Kleinst- und kleine Un-
ternehmen das Programm nutzen: Zwischen Januar 2011 und Juni 2014 zählten 90 Prozent
der Unternehmen weniger als 50 Mitarbeiter, 52 Prozent der Unternehmen sogar weniger
als zehn Mitarbeiter.
2
201. Nach Angaben des SMWA auf Grundlage der detaillierten SAB-Förderstatistik ergibt sich
für den Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis zum 30. Juni 2014 bei 186 bewilligten Projekten
und einem Kostenvolumen von 17,9 Mio. Euro ein durchschnittliches Projektvolumen von
rund 96.000 Euro pro Projekt.
3
Bei durchschnittlich 53 bewilligten Anträgen pro Jahr re-
sultiert daraus eine jährlich durchschnittlich realisierte Nachfrage von 5,1 Mio. Euro. Zu-
sätzlich zu berücksichtigen ist die nicht-realisierte Nachfrage, d.h. die Anzahl und das zu-
grunde liegende Kostenvolumen der abgelehnten Anträge. Auf Basis der SAB-
Förderstatistik wurden im Betrachtungszeitraum Anfang 2011 bis Mitte 2014 insgesamt 140
Anträge mit einem korrespondierenden Kostenvolumen von 14,8 Mio. Euro vor Bewilligung
storniert bzw. abgelehnt. Die Ablehnungen können die Folge von Defiziten in den zugrunde
liegenden Geschäftsmodellen der antragstellenden Unternehmen oder auf das Nicht-
Vorliegen der (formalen) Zuwendungsvoraussetzungen zurückzuführen sein.
202. Auf Basis der oben angeführten Erfahrungen in den Jahren 2011 und 2012 gehen wir davon
aus, dass Ablehnungen überwiegend nicht im Kontext eines fehlenden Innovationsgehalts
der Projekte, sondern eher mit der Nicht-Erfüllung von Zuwendungsvoraussetzungen zu-
sammenhängen. Vor diesem Hintergrund schätzen wir das Projektvolumen von Antragstel-
lern mit tragfähigem Geschäftsmodell auf Basis der geltenden Programmbestimmungen
(insbesondere zur maximalen Zuschusshöhe von 100.000 Euro) auf rund 28 Mio. Euro.
4
203. Das vorgesehene KMU-Darlehen setzt an der nach der originären Markteinführungsphase
anschließenden Phase der Marktbearbeitung an, die einen Zeitraum von bis zu 36 Monaten
5
nach der ersten wirtschaftlichen Verwertung des neuen innovativen Produkts umfassen
kann. Durch das Darlehen können bis zu 80 Prozent der förderfähigen Ausgaben finanziert
werden. Die Darlehenshöhe soll sich pro Vorhaben auf mindestens 30.000 Euro und ma-
ximal 500.000 Euro belaufen. Die maximale Darlehenslaufzeit soll fünf Jahre bei bis zu
zwei tilgungsfreien Jahren betragen. Insbesondere folgende Ausgaben sollen förderfähig
sein:
1
Vgl. SMWA: Förderkonzept Markteinführung innovativer Produkte und Produktdesign (MEP).
2
Vgl. Antrags- und Bewilligungsstatistik zur Förderung der Markteinführung innovativer
Produkte (MEP).
3
Nicht enthalten in der Anzahl der Projekte sowie dem Volumen der Kosten sind Werbematerialien, die aus dem
EFRE finanziert werden.
4
Projektvolumen der bewilligten Anträge in Höhe von 17,9 Mio. zuzüglich eines geschätzten Projektvolumens in
Höhe von 10 Mio. Euro von Unternehmen, deren Anträge aufgrund der Nicht-Erfüllung der formalen Zuwen-
dungsvoraussetzungen abgelehnt wurden.
5
Der Bewilligungszeitraum für die Marktbearbeitungsphase soll bis zu 30 Monate umfassen, wobei der Zeitraum
bis zu sechs Monate nach der ersten wirtschaftlichen Verwertung des neuen Produkts noch durch die Marktein-
führungsphase (zuschussbasierte Förderung) abgedeckt sein soll.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Personalausgaben für einen Marketing-, Vertriebs- oder Designassistenten,
Anpassungs- und Entwicklungsleistungen, die nach der Markteinführungsphase erfor-
derlich werden,
Ausgaben für die Aufrechterhaltung gewerblicher Schutzrechte und die Erneuerung
von Zertifizierungen oder Normierungen,
Investitionen in projektbezogene Anlagen und Geräte bis maximal 20.000 Euro,
produktbezogene Betriebsmittel sowie
Fremdleistungen bspw. für Marketing oder Schulungen.
1
204. Für die Phase der Marktbearbeitung erscheint es uns zunächst plausibel, von einem höheren
durchschnittlichen Finanzierungsbedarf je Vorhaben auszugehen. Zum einen ist der der
Darlehensförderung zugrunde liegende Förderzeitraum gegenüber der Zuschusskomponen-
te des Förderprogramms doppelt so lang. Andererseits lassen die Förderfähigkeitsbestim-
mungen in der Marktbearbeitungsphase u.E. auf höhere Kosten schließen.
205. Weiterhin ist nach unserer Einschätzung davon auszugehen, dass KMU-Darlehen aufgrund
des im Vergleich zur Zuschussförderung deutlich höheren Maximalförder- bzw.
Maximalfinanzierungsvolumens von bis zu 500.000 Euro (gegenüber einer maximalen Zu-
schusshöhe für die Markteinführung von 100.000 Euro) auch für tendenziell größere Mit-
telständler interessant sind.
206. Im Rahmen der Bedarfs- und Machbarkeitsanalyse für einen KMU-Darlehensfonds wurden
im Jahr 2012 Unternehmen hinsichtlich ihres Finanzierungsbedarfs in der gesamten Phase
der Markteinführung innovativer Produkte (Markteinführung und Marktbearbeitung) be-
fragt. 90 Prozent der befragten Unternehmen hatten in den letzten fünf Jahren die
Markteinführung eines innovativen Produkts abgeschlossen. 37 Prozent der antwortenden
Unternehmen bezifferten ihren Bedarf auf bis zu 100.000 Euro, 40 Prozent schätzten den
Bedarf auf 100.000 bis 250.000 Euro, bei 17 Prozent der antwortenden Unternehmen wur-
de ein Bedarf zwischen 250.000 und 500.000 Euro gesehen; sieben Prozent der Unter-
nehmen schätzten den Bedarf auf mehr als 500.000 Euro. Rein rechnerisch
2
resultiert hie-
raus ein gewichteter durchschnittlicher Finanzierungsbedarf von rund 200.000 Euro je
Vorhaben. Mit Blick auf die hier durchzuführende Ex-ante Bewertung gehen wir davon aus,
dass die Untersuchungsergebnisse auch heute Gültigkeit haben mit einer gewissen Ver-
schiebung hin zu höheren benötigten Volumina einerseits und - gegenläufig hierzu - hin zu
einer höheren Eigenkapitalfinanzierungsfähigkeit der Unternehmen andererseits, was wie-
derum den Fremd-Finanzierungsbedarf etwas verringert.
207. 23 Prozent der befragten Unternehmen hatten zur Finanzierung des Projektes
Fremdmit-
tel
eingesetzt. Hierfür kamen insbesondere Hausbankdarlehen zum Einsatz. Knapp die
Hälfte der Unternehmen, die Fremdmittel eingesetzt hatten, beurteilte den Zugang zu den
1
Vgl. Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zur Mittelstandsförde-
rung (Mittelstandsrichtlinie) vom 21. August 2014.
2
Multiplikation der Anteile je Klasse mit dem Klassenmittelwert. Für Vorhaben mit einem erwarteten Finanzie-
rungsbedarf von mehr als 500.000 haben wir als Klassenmittelwert mit einem Betrag von 750.000 Euro ope-
riert.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Fremdmitteln als schwierig. Ein Verzicht auf Fremdmittel wurde von der überwiegenden
Anzahl der verbleibenden Unternehmen damit begründet, dass ausreichende Eigenmittel
vorhanden waren. Zehn Prozent der Unternehmen gaben an, dass eine von Ihnen angefrag-
te Finanzierung abgelehnt wurde.
208. Aus den Befragungsergebnissen, den Monitoringdaten zur Umsetzung des bestehenden
Zuschussprogramms und den Förderbestimmungen gemäß der neuen Förderrichtlinie
können mit Blick auf den quantitativen Umfang von Darlehensnachfragen zur Finanzierung
der Marktbearbeitungsphase u.E. folgende Rückschlüsse getroffen werden:
Das durchschnittliche Projektvolumen zur Umsetzung der Marktbearbeitungsphase
dürfte über dem der Markteinführungsphase liegen.
Das Darlehensprogramm zur Unterstützung der Marktbearbeitungsphase dürfte insbe-
sondere auch für Unternehmen interessant sein, die aufgrund der auf maximal
100.000 Euro begrenzten Zuschusshöhe des "alten" Programms von einer Antragstel-
lung abgesehen haben.
Der überwiegende Teil der Unternehmen dürfte zur Finanzierung der Marktbearbei-
tungsphase in ausreichendem Maße auf eigene finanzielle Ressourcen zurückgreifen
können. Auf Basis der Befragungsergebnisse schätzen wir diesen Anteil auf zwei Drittel.
Den Anteil der Unternehmen, für die Fremdkapital eine zentrale Quelle zur Finanzie-
rung der Markteinführung innovativer Produkte darstellt, schätzen wir auf ein Drittel
(23 Prozent der antwortenden Unternehmen mit Fremdfinanzierung sowie 10 Prozent
der antwortenden Unternehmen mit Ablehnung ihres Kreditantrages).
Fremdkapital zur Finanzierung der Marktbearbeitungsphase dürfte in deutlich stärke-
rem Maße von Unternehmen mit tendenziell höherem Gesamt-Finanzierungsbedarf
nachgefragt werden. Bei kleineren Projektvolumina dürften nach unserer Einschätzung
auch angesichts des administrativen Aufwands für die Beantragung und das laufende
Kreditmonitoring von Förderdarlehen stärker auf die Innenfinanzierung oder bereits
bestehende Kreditlinien zurückgegriffen werden.
209. Den Umfang der auf Marktschwächen zurückzuführenden potenziellen Nachfrage nach
Darlehen zur Unterstützung der Marktbearbeitungsphase schätzen wir auf Basis der ge-
troffenen Arbeitshypothesen wie folgt ab:
1. Zugrunde liegendes Projektvolumen in der Marktbearbeitungsphase von Unterneh-
men, die das bestehende Zuschussprogramm (potentiell) in Anspruch genommen ha-
ben:
Das zugrunde liegende durchschnittliche Projektvolumen (Kosten) in der Marktbear-
beitungsphase schätzen wir auf das Zweifache des Projektvolumens in der Marktein-
führungsphase (200.000 Euro je Vorhaben). Unter Berücksichtigung der im Zeitraum
2011 bis Mitte 2014 im Rahmen des Markteinführungsprogramms erfolgten 186 Bewil-
ligungen und - geschätzt - 93 Ablehnungen, die im Kontext von Marktschwächen zu se-
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
hen sind (2/3 der im Betrachtungszeitraum abgelehnten 140 Anträge), schätzen wir das
gesamte Projektvolumen für die Marktbearbeitungsphase auf rund 16 Mio. Euro p.a.
1
2. Projektvolumen in der Marktbearbeitungsphase von Unternehmen, für die eine Inan-
spruchnahme des bestehenden Zuschussprogramms aufgrund der Begrenzung der Zu-
schusshöhe eher nicht in Frage kam:
Als Richtwert orientieren wir uns hier an den Unternehmen, die im Rahmen der oben
angeführten Befragung angaben, einen Gesamtbedarf zur Finanzierung der gesamten
Markteinführungsphase von mehr als 500.000 Euro zu haben. Dies waren 7 Prozent al-
ler befragten Unternehmen. Gemessen an der im Zeitraum 2011 bis Mitte 2014 durch-
schnittlichen Zahl von 80 Antragstellern p.a. (bewilligte und aufgrund von Markt-
schwächen abgelehnte Antragsteller) gehen wir diesbezüglich von jährlich 6 Unter-
nehmen und einem durchschnittlichen Projektvolumen von 750.000 Euro aus. Daraus
resultiert ein rechnerisches Gesamt-Projektvolumen von 4,5 Mio. Euro p.a.
3. Gesamtes relevantes Projektvolumen in der Marktbearbeitungsphase
Das gesamte relevante Projektvolumen zur Finanzierung der Marktbearbeitungsphase
schätzen wir auf 20,5 Mio. p.a.
4. Anteil der Unternehmen, die zur Finanzierung des Projektvolumens auf Fremdkapital
zurückgreifen und korrespondierendes Fremdfinanzierungsvolumen
Den Anteil der Unternehmen, die zur Finanzierung der Kosten in der Marktbearbei-
tungsphase auf Fremdkapital zurückgreifen, schätzen wir auf rund ein Drittel, wobei
der Anteil an Fremdkapital mit steigendem Projektvolumen zunehmen dürfte. Dies be-
ruht auf der Annahme, dass die Darlehen in der Marktbearbeitungsphase insbesondere
durch Unternehmen mit tendenziell höherem Finanzierungsbedarf nachgefragt wer-
den. Dies mitberücksichtigt schätzen wir den Bedarf an Fremdkapital zur Finanzierung
der Kosten in der Marktbearbeitungsphase insgesamt auf überschlägig 9 Mio. Euro p.a.
Bezogen auf den 9-jährigen Förderzeitraum (bis Ende 2023) resultiert daraus ein po-
tentieller Fremdfinanzierungsbedarf in Höhe von 81 Mio.
Euro.
5. Im Rahmen von Hausbank-Finanzierungen gedecktes Finanzierungsvolumen
Von den 23 Prozent der Unternehmen, die zur Finanzierung der Markteinführungspha-
se Fremdkapital eingesetzt hatten (Befragung aus dem Jahr 2012) beurteilten knapp
die Hälfte der Unternehmen den Kreditzugang als schwierig. Weitere 10 Prozent der
antwortenden Unternehmen berichteten über eine Ablehnung ihres Kreditantrags. Be-
zogen auf die Gruppe der Unternehmen, die potentiell Kredite zur Finanzierung der
Markteinführung eingesetzt haben (23 Prozent mit Fremdfinanzierung zuzüglich 10
Prozent mit gescheiterter Finanzierungsanfrage) hatte somit lediglich ein Drittel der
Unternehmen keine Probleme mit der Einwerbung der Finanzierung.
Vor diesem Hintergrund schätzen wir den potentiell durch Hausbankkredite abgedeck-
ten Finanzierungsbedarf auf 3 Mio. Euro p.a. (ein Drittel von 9 Mio. Euro). Das auf den
1
28 Mio. Euro mal Faktor 2 geteilt durch 3,5 Jahre.
Abschlussbericht
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55

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
KMU-Fonds entfallende Gesamtfinanzierungsvolumen beläuft sich entsprechend auf 6
Mio. Euro p.a.
6. Durch KMU-Darlehen abgedecktes Finanzierungsvolumen
Entsprechend der durch den Freistaat Sachsen vorgesehenen Förderbestimmungen
können durch Darlehen aus dem KMU-Fonds bis zu 80 Prozent der förderfähigen Ge-
samtkosten durch EFRE-Mittel finanziert werden. Unter Einbeziehung dieser Maxi-
malgröße schätzen wir das durch EU-Kofinanzierungsmittel abgedeckte Finanzie-
rungsvolumen durch Darlehen aus dem KMU-Fonds auf 4,8 Mio. Euro p.a.
2.3.2.3. Angebot, Nachfrage und Finanzierungslücke
im Bereich Investitionsfinanzierung
210. In diesem Abschnitt erfolgt eine nähere Analyse des Marktes für Investitionsfinanzierungen.
Im Rahmen der Ausführungen zur Investitionsstrategie im Allgemeinen sowie zur bedarfs-
gerechten Größenordnung eines Nachrangdarlehensprogramms im Speziellen erfolgt eine
dezidiertere Analyse mit Blick auf das Teilsegment der Nachrangdarlehen.
Anmerkungen zum methodischen Vorgehen
211. Zur Ableitung und Quantifizierung von Marktschwächen im Investitionsfinanzierungsseg-
ment wenden wir wiederum die "Gap-Analyse" an.
212. Nach einem generellen Überblick über den Markt für Investitionsfinanzierung analysieren
wir zunächst die Angebotsseite. Hierzu greifen wir im Wesentlichen auf regionale Kreditsta-
tistiken der Deutschen Bundesbank zurück.
213. Für die Ableitung der (potentiellen) Nachfrage nach Investitionsfinanzierungen berücksich-
tigen wir neben der bedienten Nachfrage (die dem Angebot entspricht) zusätzlich die nicht-
bediente (Ablehnungen) sowie die latente Nachfrage (Nichtantragstellung aufgrund von Ab-
lehnungserwartung). Hierzu analysieren wir Daten der KfW-Unternehmensbefragung 2014,
des KfW-Mittelstandspanel 2013 und des "Survey on the access to finance of SMEs in the
euro area (SAFE)" der Europäischen Zentralbank aus dem Winterhalbjahr 2013/2014. Auf-
grund nicht verfügbarer regionalisierter Daten zur potentiellen Nachfrage nach Investiti-
onsfinanzierungen in Sachsen kann diese nur auf Grundlage von deutschlandweiten Daten
geschätzt und anhand von Experteneinschätzungen plausibilisiert werden.
214. Die Finanzierungslücke ermitteln wir durch Gegenüberstellung von Angebot und Nachfra-
ge.
Markt für Investitionsfinanzierung in Deutschland
215. Zur Finanzierung von Investitionsvorhaben greifen mittelständische Unternehmen in
Deutschland überwiegend auf Eigenmittel zurück. Deren Anteil am gesamten Investitions-
volumen hat sich von 44 Prozent im Jahr 2007 auf 53 Prozent (bzw. 100 Mrd. Euro) im
Jahr 2012 zuletzt deutlich erhöht.
Abschlussbericht
PwC
56

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Abbildung 8: Investitionsfinanzierung im Mittelstand
Finanzierungsquellen nach Vollzeitäquivalent-Beschäftigten (Anteile am Investitionsvolumen in Prozent)
Quelle: KfW-Mittelstandspanel 2013
216. Zweitwichtigste Finanzierungquelle bilden Bankkredite mit einem Anteil von knapp 30
Prozent. Dieser Anteil hat seit 2007 deutlich abgenommen, wobei der Rückgang sowohl bei
kleinen Mittelständlern mit weniger als fünf Beschäftigten als auch bei mittleren und größe-
ren Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten festzustellen ist. Der gesunkene Anteil
von Bankkrediten an der Investitionsfinanzierung ist nach Einschätzung der KfW aber we-
niger auf angebotsseitige Restriktionen bei der Kreditvergabe zurückzuführen. Vielmehr ist
diese Entwicklung das Resultat einer verbesserten Innenfinanzierungskraft (steigende Um-
satzrenditen; verbesserte Eigenkapitalbasis) der Unternehmen. Die Ergebnisse der jährlich
durch den Deutschen Sparkassen- und Giroverband veröffentlichten Studie "Diagnose Mit-
telstand" deuten darauf hin, dass dies auch auf die Eigenkapitalausstattung der sächsischen
Unternehmen zutrifft. Allerdings konnte der bis 2011 positive deutschlandweite Trend bei
der Umsatzrentabilität im Jahr 2012 nicht fortgesetzt werden.
1
217. Fördermittel deckten zuletzt 14 Prozent der Investitionskosten. Die Bedeutung sonstiger
Finanzierungsquellen, u. a. Beteiligungs- und Mezzanine-Kapital, hat zwischen 2007 und
2012 auf niedrigem Niveau deutlich von acht auf fünf Prozent abgenommen.
218. Insgesamt ist damit festzustellen, dass die Bedeutung von Bankkrediten für die Investiti-
onsfinanzierung zwar seit 2007 abgenommen hat, Bankkredite aber nach wie vor die wich-
tigste Außenfinanzierungsquelle für Unternehmen bei der Umsetzung von Investitionen
darstellen.
Kreditzugang deutscher KMU im europäischen Vergleich
219. Der Kreditzugang stellt sich für KMU in der Eurozone sehr unterschiedlich dar. Während
KMU insbesondere in den Staaten, die im Rahmen des Euro-Rettungsschirms unterstützt
werden, derzeit vor erheblichen Schwierigkeiten bei der Einwerbung von Kreditfinanzie-
rungen stehen, stellt sich die Situation für KMU in Deutschland weniger restriktiv dar. Dies
verdeutlichen die Ergebnisse der EZB-Befragung zum Kreditzugang (Bankdarlehen und
Kreditlinien) von KMU in den Ländern der Eurozone (Befragungszeitraum Oktober 2013
bis März 2014).
220. Danach erhielten 82 Prozent der zwischen Ende 2013 und Anfang 2014 befragten deutschen
KMU den beantragten Darlehensbetrag zu 100 Prozent (Durchschnitt der befragten Euro-
länder: 66 Prozent). Weitere sechs Prozent der deutschen KMU gaben an, den beantragten
Kredit größtenteils erhalten zu haben (Durchschnitt der befragten Euroländer: 7 Prozent).
1
Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband: Diagnose Mittelstand 2014. Die Studie enthält neben einer
deutschlandweiten Auswertung von Bilanzkennziffern auch eine Expertenbefragung, die bundesländerspezifi-
sche Aussagen zur Entwicklung des Mittelstandes ermöglicht.
42
33
32
38
30
33
44
55
57
47
59
47
8
8
5
9
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12
6
4
6
6
6
8
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Weniger als 5 Beschäftigte
Bankkredite
Eigenmittel
Fördermittel
sonstiges
31
28
26
22
24
21
47
51
52
55
56
61
13
11
16
14
13
12
9
10
6
9
7
6
2007
2008
2009
2010
2011
2012
50 und mehr Beschäftigte
Bankkredite
Eigenmittel
Fördermittel
sonstiges
36
32
30
31
29
28
44
48
50
48
54
53
12
12
13
13
11
14
8
8
7
8
6
5
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Gesamter Mittelstand
Bankkredite
Eigenmittel
Fördermittel
sonstiges
Abschlussbericht
PwC
57

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Sechs Prozent der deutschen KMU berichteten, das beantragte Darlehen nur teilweise er-
halten zu haben (Durchschnitt der befragten Euroländer: 10 Prozent). Von bankseitigen
Kreditablehnungen berichtete ein Prozent der deutschen KMU, während der Anteil im
Durchschnitt der befragten Euroländer mit elf Prozent erheblich höher lag.
Abbildung 9: Entwicklung des Kreditzugangs für KMU im Zeitverlauf
in % der Nennungen der befragten Unternehmen
Quelle: Europäische Zentralbank, Survey on the access to finance of SMEs in the euro area (SAFE)
221. Mit Blick auf die Entwicklung des Kreditzugangs in den letzten Jahren zeigt sich, dass seit
Ende 2010 die Schwierigkeiten deutscher KMU beim Kreditzugang - im Gegensatz zur
durchschnittlichen Entwicklung in den Euro-Staaten - spürbar abgenommen haben.
222. Neben dem Rückgang der tatsächlichen Kreditablehnungen seitens der Banken ist insbe-
sondere der Anteil deutscher KMU, die in Erwartung eines ablehnenden Kreditentscheids
im Vornherein von der Stellung eines Kreditantrages abgesehen haben, deutlich zurückge-
gangen.
223. Trotz des historisch günstigen Kreditklimas deuten die Kreditablehnungen sowie die Fälle,
in denen die Kreditverhandlungen nur teilweise erfolgreich waren, darauf hin, dass Markt-
schwächen - wenn auch in einem geringeren Maße - auch in Deutschland ein Entwick-
lungshemmnis für KMU darstellen. Dies gilt insbesondere für Kleinstunternehmen, die ge-
genüber kleinen und mittleren Unternehmen deutlich häufiger von negativen Kreditent-
scheidungen berichten. Dies ist für die vorliegende Ex-ante-Bewertung besonders relevant,
da Kleinstunternehmen in Sachsen deutlich überrepräsentiert sind.
Schätzung des Angebots im Investitionsfinanzierungsbereich in Sachsen
224. Im Folgenden wird auf Grundlage von Daten der Deutschen Bundesbank die quantitative
Entwicklung der Kredite an Unternehmen und wirtschaftlich selbständige Privatpersonen
1
in Sachsen analysiert. Kredite mit einer ursprünglichen Laufzeit von weniger als einem Jahr
1
In der Abgrenzung der Deutschen Bundesbank umfasst der Sektor der wirtschaftlich selbständigen Privatperso-
nen Einzelkaufleute, Gewerbetreibende, freiberuflich Tätige, Landwirte und Privatpersonen, deren Einkommen
überwiegend aus Vermögen stammt. Vgl. Deutsche Bundesbank: Statistik der Banken und sonstigen Finanzin-
stitute - Richtlinien, Statistische Sonderveröffentlichung 1, Januar 2013.
11
4
2
2
7
7
6
6
6
5
3
1
11
13
11
11
1
1
2
1
1
3
2
1
5
5
2
6
9
10
10
10
5
2
3
6
9
6
7
7
0
10
20
30
40
50
Sep 10 -
Feb 11
Okt 11 -
Mrz 12
Sep 12 -
Mrz 13
Okt 13 -
Mrz 14
Sep 10 -
Feb 11
Okt 11 -
Mrz 12
Sep 12 -
Mrz 13
Okt 13 -
Mrz 14
Verzicht auf Kreditantragstellung in Erwartung einer
Ablehnung durch die Bank
Kreditablehnung durch die Bank
Kreditantrag durch Unternehmen zurückgezogen
(Konditionen)
Darlehen nur teilweise gewährt
Darlehen größtenteils gewährt
Deutschland
Euroland
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58

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
werden dabei ausgeblendet, weil es sich hierbei typischerweise um Betriebsmittelfinanzie-
rungen handelt, die für den hier zu untersuchenden Sachverhalt nicht von Bedeutung sind.
225. Zur Interpretation der Statistiken der Deutschen Bundesbank ist einschränkend festzuhal-
ten, dass sich die Daten auf die ausstehenden Kreditvolumina von Banken und Sparkassen
mit Sitz in Sachsen (Zweigstellen) beziehen. Die Daten sind somit nicht deckungsgleich mit
den Krediten an Unternehmen und wirtschaftlich selbständige Privatpersonen in Sachsen.
1
226. Daten zum Umfang des Kreditneugeschäfts werden durch die Bundesbank-Statistik nicht
erfasst. Auch Aussagen zur Kreditentwicklung nach Unternehmensgröße sind nicht mög-
lich.
227. Abbildung 10 zeigt, dass die bei Banken und Sparkassen in Sachsen ausstehenden Kreditvo-
lumina (mittel- und langfristige Kredite) an Unternehmen und wirtschaftlich selbständige
Privatpersonen von 20,5 Mrd. Euro Ende 2007 auf 25,6 Mrd. Euro Ende 2013 deutlich zu-
genommen haben.
Abbildung 10: Bei Banken und Sparkassen in Sachsen ausstehendes Kreditvolumen an
Unternehmen und wirtschaftlich selbständige Privatpersonen
in Mio. EUR, Stand Jahresende
Quelle: Deutsche Bundesbank - Bankstatistische Regionalergebnisse, Sachsen
228. Bei einer Differenzierung nach der (ursprünglichen) Kreditlaufzeit bzw. Kündigungsfrist
zeigt sich, dass zwischen 2007 und 2013 sowohl die mittel- als auch die langfristigen Kredi-
te zugenommen haben. Letztere sind um 26,3 Prozent gestiegen.
229. Bei einer Betrachtung nach Wirtschaftszweigen wird deutlich, dass der Anstieg des Kreditvo-
lumens sehr stark auf die Entwicklung in den Bereichen "Energie- und Wasserversorgung;
Entsorgung; Bergbau", "Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur", "Finanzie-
rungsinstitutionen (ohne MFIs) und Versicherungsunternehmen" und "Dienstleistungsge-
werbe (einschl. freier Berufe)"zurückzuführen ist und damit Wirtschaftszweige betrifft, die -
1
Bei bundesweit tätigen Kreditinstituten ohne Filialnetz (z.B. Direktbanken) wird das gesamte Kundengeschäft
dem jeweiligen Firmensitz-Bundesland zugeordnet. Um derartige Verzerrungen zu minimieren, sind folgende
überregional tätigen Institute mit zentralen Aufgaben im gesamten Bundesgebiet in den regionalstatistischen
Auswertungen des jeweiligen Firmensitz-Bundeslandes nicht enthalten: Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW),
AKA Ausfuhrkredit-GmbH, Landwirtschaftliche Rentenbank, Liquiditäts-Konsortialbank GmbH, DekaBank
Deutsche Girozentrale, DZ BANK AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank und IKB Deutsche Industriebank
AG.
1.994
1.583
2.057
1.771
2.180
2.293
2.317
18.459
17.740
21.299
20.369
21.467
22.896
23.309
-
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
langfristig - Laufzeit oder Kündigungsfrist > 5 Jahre
mittelfristig - Laufzeit oder Kündigungsfrist von 1 bis 5 Jahre
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59

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
mit Ausnahme des Dienstleistungsgewerbes - von nachrangiger Bedeutung für ein GRW-
Ergänzungsdarlehensprogramms sind.
Tabelle 4: Bei Banken und Sparkassen in Sachsen ausstehendes Kreditvolumen an Un-
ternehmen und wirtschaftlich selbständige Privatpersonen nach Wirtschafts-
zweigen
in Mio. Euro, Stand Jahresende
Quelle: Deutsche Bundesbank - Bankstatistische Regionalergebnisse, Sachsen
230. Während das "Verarbeitende Gewerbe" von einer relativen Konstanz der ausstehenden
Kreditvolumina gekennzeichnet ist, verzeichnen das "Baugewerbe" und die Bereiche "Ver-
kehr und Lagerei; Nachrichtenübermittlung" sowie der Handel eine moderate Zunahme.
Schätzung der (potentiellen) Nachfrage
Entwicklung der realisierten Kreditnachfrage
231. Die realisierte Kreditnachfrage spiegelt den Umfang erfolgreicher Kreditverhandlungen
wider und ist identisch mit dem Kreditangebot.
Entwicklung der nicht-realisierten Kreditnachfrage
232. Die nicht-realisierte Kreditnachfrage umfasst den Umfang der Kreditnachfrage, die in
Ermangelung eines bankseitigen Kreditangebots nicht bedient wird, sowie der Kreditanträ-
ge, die durch Unternehmen in Erwartung einer ablehnenden Kreditentscheidung im Vorn-
herein nicht gestellt werden.
233. Für die folgende Analyse wird wesentlich auf die Ergebnisse der jährlichen Konjunkturum-
frage der IHKs in Sachsen zurückgegriffen.
234. Zu Plausibilisierungs- und Hochrechnungszwecken werden darüber hinaus die bundeswei-
ten Ergebnisse folgender Studien herangezogen:
Sonderauswertungen "Finanzierungszugang" des Deutschen Industrie- und Handels-
kammertages (DIHK), Frühsommer 2013 und Sommer 2014,
KfW-Unternehmensbefragung 2014,
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
Verarbeitendes Gewerbe
2.211
2.262
2.263
2.1 51
2.256
2.142
2.200
Energie- und Wasserversorgung; Entsorgung;
Bergbau
1.535
1.403
1 .51 8
3.374
3.547
3.963
3.912
Baugewerbe
907
863
817
919
907
919
934
Handel
1 .391
1.286
1.200
1.206
1.243
1.440
1.506
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und
Aquakultur
469
514
486
561
606
659
706
Verkehr und Lagerei; Nachrichtenübermittlung
459
409
386
472
448
461
472
Finanzierungsinstitutionen (ohne MFIs) und
Versicherungsunternehmen
284
533
744
800
1.056
1.124
1.069
Dienstleistungsgewerbe (einschl. freier Berufe)
1 3.1 97
12.053
15.942
12.657
13.584
14.481
14.827
Insgesamt
20.453
19.323
23.356
22.140
23.647
25.189
25.626
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60

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
"Survey on the access to finance of SMEs in the euro area (SAFE)" der Europäischen
Zentralbank aus dem Winterhalbjahr 2013/2014,
KfW-Mittelstandspanel 2012 und 2013.
Finanzierungsklima in Sachsen im bundesdeutschen Vergleich
235. Die Finanzierungsbedingungen haben sich für die sächsischen Unternehmen 2012 und
2013 ebenfalls positiv entwickelt.
Abbildung 11: Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung aus Sicht der Unternehmen
in %, Mehrfachnennung möglich
Quellen: Die Sächsischen Industrie- und Handelskammern: Konjunkturbericht Sachsen, Jahresbeginn 2012, 2013; Deutscher
Industrie- und Handelskammertag: Ergebnisse der DIHK-Umfrage bei den Industrie- und Handelskammern, Jahresbeginn
2014.
236. Demnach ist der Anteil der Unternehmen, die Finanzierungsprobleme als wesentliches
Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung ansehen, in Sachsen wie auch in der ge-
samten Bundesrepublik zurückgegangen. Der Anteil der Unternehmen, die über Finanzie-
rungsprobleme berichteten, lag im Jahr 2013 in Sachsen und Deutschland bei 14 Prozent.
Im längerfristigen Vergleich ist dieser Wert als niedrig einzustufen.
1
Zugute kommen den
Firmen das aktuell entspannte Finanzierungsumfeld und das niedrige Zinsniveau.
237. Die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage deuten für Sachsen darauf hin, dass sich der
Kreditzugang für Unternehmen in den letzten Jahren weiter verbessert hat. Damit folgt
Sachsen dem deutschlandweiten Trend.
Kreditablehnungen und deren Auswirkungen auf die Investitionsdurch-
führung
238. Da nach unserer Kenntnis für Sachsen keine aktuellen regionalen Statistiken oder Befra-
gungsergebnisse zu Kreditablehnungen existieren, stützen wir uns für die vorliegende Ex-
1
So berichteten im Jahr 2010 noch mehr als ein Viertel der durch den DIHK befragten bundesdeutschen Unter-
nehmen über Finanzierungsprobleme als wesentliches Risiko der wirtschaftlichen Entwicklung. Vgl. Deutscher
Industrie- und Handelskammertag: Sonderauswertung "Finanzierungszugang", Frühsommer 2013.
15
14
17
14
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
2012
2013
2012
2013
Sachsen
Deutschland
Energie-/Rohstoffpreise
Nachfrage (Inland)
Arbeitskosten
Fachkräfte
Kreditinstitute/
Finanzierungsprobleme
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61

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
ante-Bewertung auf die deutschlandweiten Ergebnisse des KfW-Mittelstandspanels sowie
der KfW-Unternehmensbefragung.
239. Die Finanzierungsbedingungen für KMU haben sich nach den Ergebnissen des KfW Mittel-
standpanel in den letzten Jahren spürbar verbessert.
Abbildung 12: Ausgang von Kreditverhandlungen im deutschen Mittelstand 2005-2012
in %, mit Anzahl der Unternehmen hochgerechnet
Quelle: KfW Economic Research, Tabellenband zum KfW-Mittelstandspanel 2013
240. Rund 14 Prozent der befragten Unternehmen berichteten für das Jahr 2012, dass sämtliche
Kreditverhandlungen mit Kreditinstituten gescheitert seien und Banken ihnen kein Kre-
ditangebot unterbreitet hätten. Zu Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008
lag dieser Anteil noch bei 27 Prozent. Gleichzeitig hat der Anteil der Unternehmen, die an-
gaben, dass sämtliche Kreditverhandlungen erfolgreich verlaufen seien, seit 2009 wieder
deutlich zugenommen. Er belief sich im Jahr 2012 mit 67 Prozent auf dem höchsten Wert
seit 2005.
Abbildung 13: Ausgang von Kreditverhandlungen im deutschen Mittelstand nach der
Unternehmensgröße im Jahr 2012
in %, mit Anzahl der Unternehmen hochgerechnet
Quelle: KfW Economic Research, Tabellenband zum KfW-Mittelstandspanel 2013
50
51
62
51
47
56
56
67
19
12
14
14
22
17
20
17
31
37
25
36
32
27
24
17
26
27
16
27
24
20
17
14
0
10
20
30
40
50
60
70
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
alle Verhandlungen erfolgreich
mindestens eine Verhandlung scheitert,
Unternehmen lehnt Kreditangebot ab
mindestens eine Verhandlung scheitert,
Bank macht kein Kreditangebot
alle Verhandlungen scheitern, Bank
macht kein Kreditangebot
62
76
76
77
67
18
11
14
14
17
19
13
10
9
17
17
9
5
4
14
weniger als 5
5 bis 9
10 bis 49
50 und mehr
Beschäftigte
Gesamter
Mittelstand
alle Verhandlungen scheitern, Bank macht
kein Kreditangebot
mindestens eine Verhandlung scheitert,
Bank macht kein Kreditangebot
mindestens eine Verhandlung scheitert,
Unternehmen lehnt Kreditangebot ab
alle Verhandlungen erfolgreich
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
241. Differenziert nach der Unternehmensgröße zeigen die Ergebnisse des KfW-Mittelstands-
panels, dass Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten in besonderem Maße
von ablehnenden Kreditentscheidungen betroffen sind. Dieser Befund deckt sich mit den
Ergebnissen des EZB Survey für Deutschland. Mögliche Ursachen hierfür sind, dass kleine
Kreditgrößen aufgrund eines ungünstigen Kosten-Ertragsverhältnisses finanzwirtschaftlich
oft nicht attraktiv sind und eine fehlende Kredithistorie und mangelnde Sicherheiten die
Kreditvergabe erschweren.
1
242. Die mit sinkender Unternehmensgröße zunehmenden Schwierigkeiten beim Kreditzugang
zeigen auch die Ergebnisse der KfW-Unternehmensbefragung. Allerdings ist auch hier
festzuhalten, dass der Anteil der befragten Unternehmen, die über Kreditablehnungen
berichten, in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen ist.
Abbildung 14: Abgelehnte Investitionskreditanträge deutscher Unternehmen nach
Umsatzgrößenklassen
in % der gestellten Investitionskreditanträge, ungewichtet
Quelle: Kreditanstalt für Wiederaufbau: Unternehmensbefragung, 2014
243. Kleinstunternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 1 Mio. Euro berichteten demnach
über eine fünfmal höhere Kreditablehnungsquote als mittlere Unternehmen mit einem Jah-
resumsatz von 10 bis 50 Mio. Euro.
244. Auch bei einer Differenzierung nach Branchenzugehörigkeit zeigen die Ergebnisse der KfW-
Unternehmensbefragung deutliche Unterschiede mit Blick auf den Erfolg von Kreditver-
handlungen. Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes berichteten am seltensten über
gescheiterte Kreditverhandlungen (12 %). Auf besonders hohe Kreditablehnungsquoten
verwiesen Einzelhandels- (29 %) und Dienstleistungsunternehmen (34 %). Mit Blick auf das
Unternehmensalter zeigt sich, dass bei jungen Unternehmen nahezu jeder zweite Kreditan-
trag negativ beschieden wird.
2
245. Die Auswirkungen einer negativen Kreditentscheidung auf die Realisierung des Investitions-
vorhabens zeigt folgende Abbildung:
1
Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Monatsbericht 12/2010, Einen Tausender für den
Geschäftserfolg - Mikrokreditfonds als neuer Kreditzugang für Kleinunternehmen.
2
Vgl. Kreditanstalt für Wiederaufbau: Unternehmensbefragung, 2014.
20,2%
7,1%
7,7%
16,10%
19%
38%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
40%
Alle Unternehmen
über 50 Mio. EUR
über 10 bis 50 Mio. EUR
über 2,5 bis 10 Mio. EUR
über 1 bis 2,5 Mio. EUR
bis 1 Mio. EUR
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Abbildung 15: Anteil des realisierten am geplanten Investitionsvolumen bei Scheitern
von Kreditverhandlungen im deutschen Mittelstand
in %, den Anteilen zugrunde liegende Volumina über die Anzahl der Beschäftigten hochgerechnet
Quelle: KfW Economic Research, KfW-Mittelstandspanel 2012
246. In den Fällen, in denen sämtliche Kreditverhandlungen erfolgreich abgeschlossen wurden,
realisierten die Unternehmen im Jahr 2011 im Durchschnitt 94 Prozent des ursprünglich
geplanten Investitionsvolumens. In den Fällen, in denen zumindest eine Kreditverhandlung
scheiterte, die Bank aber dennoch ein Angebot machte (Unternehmen lehnt Kreditangebot
ab), belief sich der Anteil auf 50 Prozent. Sofern zumindest eine Kreditverhandlung schei-
terte und die Bank kein Kreditangebot machte, konnten die deutschen Mittelständler noch
44 Prozent des geplanten Investitionsvolumens umsetzen.
247. Demnach führte das Scheitern von Kreditverhandlungen nicht in allen Fällen dazu, dass
geplante Investitionen nicht durchgeführt werden konnten.
90%
88%
94%
94%
72%
63%
69%
50%
36%
39%
44%
44%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2008
2009
2010
2011
alle Verhandlungen erfolgreich
mindestens eine Verhandlung
scheitert, Bank macht aber
Angebot
mindestens eine Verhandlung
scheitert, Bank macht kein
Angebot
Abschlussbericht
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64

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Verzicht auf Kreditantragstellung in Erwartung eines negativen
Kreditentscheids
248. Wie
249. Abbildung 9 zeigt, gaben Ende 2010 bzw. Anfang 2011 insgesamt elf Prozent der im Rahmen
des EZB-Survey befragten deutschen KMU an, von einer Kreditantragstellung bereits in
Erwartung eines ablehnenden Kreditentscheids abgesehen zu haben. Bis Anfang 2014 ver-
ringerte sich der Anteil auf zwei Prozent. Für Sachsen liegen Ergebnisse vergleichbarer Um-
fragen nicht vor. Nach Einschätzung einer im Rahmen dieses Projekts befragten Vertreterin
der SAB dürfte die Situation im Freistaat Sachsen gleichwohl weitestgehend der Situation
auf Bundesebene entsprechen.
250. Differenziert nach der Unternehmensgröße waren es gemäß EZB-Survey vor allem Klein-
stunternehmen, die keinen Kreditantrag gestellt hatten. Bezogen auf den Anteil an der ge-
samten (potentiellen) Kreditnachfrage dürfte der Anteil demzufolge sehr gering sein, weil es
sich bei den nicht gestellten Kreditanträgen vor allem um Kleinstkredite handeln dürfte.
Schätzung der Finanzierungslücke
Kreditangebotslücke in Deutschland
251. Auf Basis der Daten des Mittelstandspanels schätzt die KfW jedes Jahr den Umfang der
Kreditangebotslücke in Deutschland. Diese umfasst das Volumen der tatsächlichen Kredit-
nachfrage
1
des deutschen Mittelstandes, das aufgrund fehlender Kreditangebote nicht be-
friedigt wird. Im Jahr 2012 belief sich die Kreditangebotslücke im deutschen Mittelstand
nach Schätzung der KfW auf 2,3 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Anteil von 3,3 Prozent an
der tatsächlichen Kreditnachfrage ("relative" Kreditangebotslücke).
252. Damit ist die Kreditangebotslücke im deutschen Mittelstand im vierten Jahr infolge gesun-
ken und befindet sich nun auf einem historischen Tief. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2008
belief sich die Kreditangebotslücke auf 13 Mrd. Euro bzw. 14,3 Prozent der tatsächlichen
Kreditnachfrage.
2
1
Die tatsächliche Kreditnachfrage entspricht der ursprünglichen Kreditnachfrage der Unternehmen, die um die
sog. Planrevision vermindert wird. Die Planrevision umfasst dabei den Teil des ursprünglichen Kreditbedarfs,
der - unabhängig vom Ausgang der Kreditverhandlungen - aufgrund veränderter Investitions- oder Finanzie-
rungspläne nicht mehr benötigt wird.
2
KfW Economic Research: Tabellenband zum KfW-Mittelstandspanel 2012.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Abbildung 16: Geschätzter Anteil der aufgrund eines fehlenden Kreditangebots der Bank
nicht realisierten Kreditnachfrage an der tatsächlichen Kreditnachfrage
im deutschen Mittelstand ("relative" Kreditangebotslücke)
in %, den Anteilen zugrunde liegende Volumina über die Anzahl der Beschäftigten hochgerechnet
Quelle: KfW Economic Research, KfW-Mittelstandspanel 2011 und 2012
253. Dabei ist im Vergleich der Jahre 2011 und 2012 eine gegenläufige Entwicklung bei KMU
mit mehr als zehn Beschäftigten und Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftig-
ten zu beobachten: Bei den größeren Unternehmen nahm die relative Kreditangebotslücke
zu, während sie bei den kleineren Unternehmen spürbar zurückging.
254. In den Jahren 2013 und 2014 dürfte sich die Kreditangebotslücke im deutschen Mittel-
stand weiterhin auf niedrigem Niveau befinden. Hierauf deuten insbesondere die Ergebnis-
se des EZB Survey hin.
Kreditangebotslücke in Sachsen
255. Im Vergleich zu ganz Deutschland dürfte die relative Kreditangebotslücke in Sachsen leicht
höher liegen.
1
Diese Einschätzung beruht darauf, dass die Wirtschaft in Sachsen in einem -
im bundesdeutschen Vergleich - stärkeren Umfang durch Kleinst- und kleine Unternehmen
geprägt ist, die nach den Ergebnissen der KfW-Unternehmensbefragung häufiger von Kre-
ditablehnungen betroffen sind. Vor diesem Hintergrund schätzen wir, dass die "relative"
Kreditangebotslücke im gesamten Mittelstand Sachsens im Jahr 2012 bei 4 Prozent lag.
256. Seit dem Jahr 2012 dürfte sich die "relative" Kreditangebotslücke weiter leicht verringert
haben. Hierauf deuten die bundesweiten Ergebnisse des EZB Survey, aber auch die für
Sachsen vorliegenden Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage 2013 hin. Unter Hinzurech-
nung der aufgrund eines Verzichts auf eine Kreditantragstellung nicht realisierten Kredit-
nachfrage schätzen wir die "relative" Kreditangebotslücke in Sachsen auf aktuell 4 Prozent.
1
Angaben zur Kreditangebotslücke auf Ebene der einzelnen Bundesländer liegen nicht vor.
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Unter 10 Beschäftigte
22,5%
24,3%
8,9%
25,3%
22,0%
17,4%
23,7%
5,8%
10 und mehr Beschäftigte
5,9%
8,7%
2,7%
5,8%
6,0%
2,9%
1,4%
5,8%
Gesamter Mittelstand
12,6%
16,5%
5,4%
14,3%
11,2%
10,1%
6,2%
3,3%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
Abschlussbericht
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66

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Quantifizierung der Kreditangebotslücke in Sachsen
a)
alle Unternehmen
257. Für eine Quantifizierung der Kreditangebotslücke ist die "relative" Kreditangebotslücke mit
dem Volumen der Neukreditvergabe zu multiplizieren. Daten zum Kreditneugeschäft in
Sachsen werden von der Deutschen Bundesbank nicht veröffentlicht. Aus diesem Grund
kann das Volumen des Kreditneugeschäfts lediglich überschlägig ermittelt werden. Hierzu
wird auf die durch den Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverband veröffentlichten Daten
zum Kreditneugeschäft der Sparkassen in Sachsen im Bereich Unternehmen und wirt-
schaftlich Selbständige zurückgegriffen.
258. Das Volumen der durch die sächsischen Sparkassen neu vergebenen Kredite an Unterneh-
men und wirtschaftlich Selbständige belief sich im Jahr 2013 auf 1.902,7 Mio. Euro (2012:
1.741,3 Mio. Euro).
1
Unter Berücksichtigung des Marktanteils der Sparkassen am ausste-
henden Kreditvolumen (2013: 27 %)
2
kann das Kreditneugeschäft aller Banken und Spar-
kassen in Sachsen überschlägig hochgerechnet werden. Demnach haben die in Sachsen ver-
tretenen Banken und Sparkassen im Jahr 2013 neue Kredite an Unternehmen und wirt-
schaftlich Selbständige in einem Gesamtvolumen von überschlägig 7 Mrd. Euro ausgereicht.
Die gesamte Kreditangebotslücke belief sich damit im Jahr 2013 auf 280 Mio. Euro (4 %
von 7 Mrd. Euro).
259. Die gesamte Kreditangebotslücke bezieht sich auf Investitions- und Betriebsmittelkredite.
Da für die vorliegende Analyse nur das Segment der Investitionsfinanzierung zu betrachten
ist, muss das Volumen an Betriebsmittelfinanzierungen an dieser Stelle ausgeklammert
werden.
260. Detaillierte Statistiken zum Umfang an Kreditneuvergaben im Betriebsmittel- und Investi-
tionsbereich liegen nicht vor. Aus diesem Grund kann hier nur eine überschlägige Betrach-
tung vorgenommen werden. Hierzu orientieren wir uns an den durch die Deutsche Bundes-
bank regelmäßig veröffentlichten Auswertungen zur Bilanzstruktur ostdeutscher Unter-
nehmen.
3
Danach beliefen sich die bilanziellen kurzfristigen Verbindlichkeiten ostdeutscher
Unternehmen gegenüber Kreditinstituten im Jahr 2012 auf 5,3 Prozent der Bilanzsumme.
Der korrespondierende Anteil langfristiger Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
betrug 10,4 Prozent der Bilanzsumme. Daraus kann ein Verhältnis langfristiger Kreditver-
bindlichkeiten (typischerweise Investitionskredite) zu kurzfristigen Kreditverbindlichkeiten
(typischerweise Betriebsmittelkredite) von zwei zu eins abgeleitet werden.
261. Die mit Investitionsfinanzierungen korrespondierende Kreditangebotsangebotslücke belief
sich im Jahr 2013 somit bei überschlägiger Betrachtung auf rund 187 Mio. Euro.
1
Vgl. Ostdeutscher Sparkassenverband: Auf einen Blick - Mitgliedssparkassen in Sachsen.
2
Eigene Berechnung auf Basis von Daten der Deutsche Bundesbank (Bankstatistische Regionalergebnisse).
3
Vgl. Deutsche Bundesbank: Verhältniszahlen aus Jahresabschlüssen deutscher Unternehmen von 2011 bis 2012.
Abschlussbericht
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67

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
b)
KMU
262. Berücksichtigt man, dass ein Teil der Neukredite an Großunternehmen ausgereicht wurde,
liegt die tatsächliche Kreditangebotslücke im KMU-Sektor Sachsens bei weniger als 187 Mi-
o. Euro. Geht man vereinfachend davon aus, dass der Anteil des Kreditneugeschäfts an
KMU dem Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Betrieben mit bis zu 250
Mitarbeitern entspricht - am 30.6.2013 waren dies 75,2 Prozent
1
-, so belief sich die Kre-
ditangebotslücke im sächsischen KMU-Sektor im Jahr 2013 auf rund 140 Mio. Euro
2
.
Auf Marktschwächen zurückzuführende Finanzierungslücke
263. Die Ablehnung von Kreditanträgen kann entweder auf das Vorliegen von Marktschwächen
(fehlende Sicherheiten, hohe Transaktionskosten, Branchenausschlüsse etc.) oder eine feh-
lende Tragfähigkeit des Geschäftsmodells (mangelnde Wirtschaftlichkeit, Qualität des Ma-
nagements etc.) zurückzuführen sein. Bei Kreditablehnungen infolge einer fehlenden Trag-
fähigkeit des Geschäftsmodells handelt es sich nicht um Marktschwäche, förderpolitische
Ansatzpunkte bestehen i.d.R. nicht.
264. Für eine Abschätzung der auf Marktschwächen zurückzuführenden Kreditangebotslücke ist
es insofern erforderlich, die Ursachen von Kreditablehnungen näher zu analysieren.
265. Nach den Ergebnissen der KfW-Unternehmensbefragung 2014 bilden fehlende Sicherheiten
die Hauptursache für Kreditablehnungen. Als weitere wesentliche Ablehnungsgründe nann-
ten die befragten Unternehmen eine unzureichende Eigenkapitalbasis und Rentabilität des
Unternehmens sowie eine veränderte Geschäftspolitik der Banken.
Abbildung 17:
Gründe für die Ablehnung eines Investitionskredits
in % der Nennungen, Mehrfachnennungen möglich
Quelle: Kreditanstalt für Wiederaufbau: Unternehmensbefragung, 2014
266. Damit überwiegen aus Sicht der befragten deutschen Unternehmen Ablehnungsgründe, die
auf Marktschwächen hindeuten. Hier sind in erster Linie die fehlenden Sicherheiten zu be-
rücksichtigen, aber auch die Geschäftspolitik der Banken.
1
Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Betriebe und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Land Sachsen, Stich-
tag 30. Juni 2013.
2
Einschließlich Unternehmen aus der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei.
63,2%
37,2%
36,8%
33,5%
11,7%
5,9%
4,2%
0%
20%
40%
60%
80%
Unzureichende Sicherheiten
Zu niedrige Eigenkapitalquote des Unternehmens
Zu geringe Rentabilität des Unternehmens
Veränderte Geschäftspolitik der Bank
Investitionsvorhaben zu risikoreich
Investitionsvorhaben überzeugte inhaltlich nicht
Formale Darstellung des Vorhabens überzeugte nicht
Abschlussbericht
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68

image
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
267. Dieser Befund deckt sich weitgehend auch mit den Einschätzungen einer im Rahmen der Ex-
ante-Bewertung befragten Vertreterin der SAB. Als wesentliche Gründe für das Nichtzu-
standekommen von Investitionsfinanzierungen für sächsische KMU wurden dabei eine feh-
lende Kredit- bzw. Unternehmenshistorie, unzureichende Sicherheiten, eine zu niedrige Ei-
genkapitalquote des Unternehmens und hohe Vorhabensrisiken genannt. Defizite im Be-
reich des zugrunde liegenden Geschäftsmodells wurden ebenfalls als bedeutender Kreditab-
lehnungsgrund genannt.
268. Bei einer Gesamtbetrachtung ist damit allerdings davon auszugehen, dass die Ursachen für
Kreditablehnungen überwiegend im Kontext von Marktschwächen zu sehen und nur in ge-
ringerem Umfang auf eine fehlende Tragfähigkeit des Geschäftsmodells zurückzuführen
sind.
Quantifizierung der auf Marktschwächen basierenden Kreditangebotslü-
cke in Sachsen
269. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der KfW-Unternehmensbefragung und der Exper-
teneinschätzung mit Blick auf die Ablehnungsgründe sächsischer Kreditantragsteller schät-
zen wir, dass etwa 60 Prozent der Kreditablehnungen in Sachsen aus Gründen erfolgen, die
im Kontext von Marktschwächen (insbesondere fehlende Sicherheiten, fehlende Kredit-
bzw. Unternehmenshistorie, geschäftspolitische Gründe wie Branchenausschlüsse) zu se-
hen sind.
270. Bezogen auf die für das Jahr 2013 geschätzte Kreditangebotslücke im sächsischen KMU-
Sektor von rund 140 Mio. Euro p.a. bedeutet dies, dass Kreditanträge in einem Volumen
von rund 84 Mio. Euro aufgrund von Marktschwächen nicht zustande gekommen sind.
Abbildung 18: Auf Marktschwächen zurückzuführende Kreditangebotslücke -
KMU (2013)
271. An dieser Stelle sei allerdings darauf hingewiesen, dass sich die Ableitung der Kreditange-
botslücke auf das gesamte Investitionskreditsegment in Sachsen bezogen hat. Nachrangdar-
lehen bilden hier nur einen kleinen Ausschnitt. Insofern darf die Kreditangebotslücke nicht
mit der potentiellen Nachfrage aus einem Nachrangdarlehensfonds gleichgesetzt werden.
Abschlussbericht
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69

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Angebot, Nachfrage und Finanzierungslücke an Nachrangdarlehen
Entwicklung des Marktes für Mezzanine in Deutschland
272. Mezzanine-Kapital bildet einen Sammelbegriff für Finanzierungsformen, die an der
Schnittstelle zwischen Eigen- und Fremdkapital anzusiedeln sind. Die Zwischenfunktion re-
sultiert daraus, dass Mezzanine-Gläubiger im Falle der Insolvenz erst nach den übrigen
Gläubigern, aber vor Eigenkapitalgebern bedient werden. Damit fungiert Mezzanine, da-
runter sind auch Nachrangdarlehen zu subsumieren - unter wirtschaftlichen Gesichtspunk-
ten als Eigenkapital und trägt somit zu einer Verbesserung der Bilanzstruktur der so finan-
zierten Unternehmen bei.
273. Mezzanine-Produkte sind angesichts der gegenüber klassischem Fremdkapital höheren
Risiken des Finanzierungsgebers in aller Regel mit höheren Kosten für Unternehmen ver-
bunden. In der Praxis bilden sie daher üblicherweise einen Baustein im Rahmen der unter-
nehmerischen Gesamtfinanzierung. Sie führen aufgrund ihrer gegenüber klassischen Dar-
lehen nachrangigen Ausgestaltung zu einer Verbesserung des Unternehmensratings, erhö-
hen dadurch die Finanzierungsbereitschaft von Fremdkapitalgebern und bewirken übli-
cherweise eine Verringerung der Zinslast (im Fremdkapitalbereich), weil die bankseitig ge-
forderten Kreditzinsen mit zunehmendem Rating in der Tendenz sinken.
274. Mezzanine-Kapital mit tendenziellem Eigenkapitalcharakter sind bspw. Genussrechte,
verbriefte Genussscheine, stille Beteiligungen und spezielle Anleiheformen (Wandel- und
Optionsanleihen). Unter Mezzanine-Kapital mit tendenziellem Fremdkapitalcharakter wer-
den typischerweise Nachrang- und Gesellschafterdarlehen erfasst.
275. Im Hinblick auf den seitens des Freistaats Sachsen vorgesehenen GRW-
Nachrangdarlehens-fonds wird im Folgenden die Entwicklung des Markts für Mezzanine in
Deutschland näher analysiert. Detaillierte regionale Statistiken, welche die Entwicklung im
Freistaat Sachsen abbilden, liegen nicht vor.
276. Bei einer Betrachtung des Marktes für Mezzanine ist zwischen sogenanntem Individual-
Mezzanine und standardisiertem Mezzanine (bzw. Programm-Mezzanine) zu unterschei-
den: Bei Individual-Mezzanine ist die Finanzierung individuell auf den Finanzierungsneh-
mer zugeschnitten. Das Kapital stammt üblicherweise aus (geschlossenen) Fonds mit insti-
tutionellen Investoren. Demgegenüber handelt es sich bei Programm-Mezzanine um Finan-
zierungen, denen standardisierte Regelungen zugrunde liegen. Standard-Mezzanine wird
bzw. wurde in verbriefter Form
1
am Kapitalmarkt refinanziert und konnte zu vergleichswei-
se günstigen Konditionen angeboten werden.
277. Für die Betrachtung der Marktentwicklung im Bereich der Mezzanine-
Finanzierungsformen ist die Differenzierung zwischen Individual- und Programm-
Mezzanine sehr wichtig, weil der Markt für Programm-Mezzanine zu Beginn der Wirt-
schafts- und Finanzkrise 2008 völlig zusammenbrach. Seither ist Programm-Mezzanine in
Deutschland de facto nicht mehr existent, was auch die im Folgenden dargestellte Entwick-
lung der Marktvolumina erklärt.
1
Die Forderungen aus Mezzanine-Finanzierungen wurden in Paketen gebündelt und in Form von Wertpapieren
über den Kapitalmarkt veräußert. Dies ermöglichte eine vergleichsweise günstige Refinanzierung.
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70

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Abbildung 19: Entwicklung des Mezzanine-Marktes in Deutschland
Quelle: Fleischhauer, Unser: Stabilisierung des Mezzanine-Marktumfeldes - Ergebnisse des 6. Mezzanine-Panels
2013 – mit Zahlen und Fakten für die Jahre 2011 und 2012; in: VentureCapital Magazin 3/2013
278. Das jährliche Transaktionsvolumen an Mezzanine-Finanzierungen in Deutschland erreich-
te nach Angaben des Mezzanine-Panels 2013
1
im Jahr 2009 seinen Höhepunkt (3,9 Mrd.
Euro), brach im Jahr 2010 auf 800 Mio. Euro regelrecht ein und bewegte sich in 2011 und
2012 weitestgehend auf diesem Niveau weiter.
279. Der Volumenrückgang seit dem Jahr 2010 ist einerseits auf das Wegbrechen der Finanzie-
rungsvolumina im Bereich des Programm-Mezzanine zurückzuführen. Seitdem besteht der
Mezzanine-Markt in Deutschland (ausschließlich) aus Individual-Mezzanine-Produkten mit
- gegenüber den Programm-Mezzanine-Produkten - deutlich höheren Finanzierungskosten
von rund zwölf bis 15 Prozent.
2
Andererseits dürften die derzeit vergleichsweise geringen
Mezzanine-Volumina aber auch auf die gute wirtschaftliche Verfassung deutscher Unter-
nehmen und den intensiven Wettbewerb am Bankenmarkt zurückzuführen sein. Beide Fak-
toren führen dazu, dass Unternehmen für die Investitionsfinanzierung aktuell in stärkerem
Maße auf die Innenfinanzierung oder günstigere "klassische" Bankkredite zurückgreifen
(können). Die Förderprodukte im Mezzanine-Bereich liegen deutlich unterhalb der Finan-
zierungskosten am Markt.
280. Als wesentliche Finanzierungsgeber von Mezzanine-Kapital sind neben der KfW die Mit-
telständischen Beteiligungsgesellschaften, Förderbanken sowie Kreditinstitute und Spezial-
fonds (v.a. bei höheren Finanzierungsvolumina) zu nennen.
3
281. Neben dem absoluten Volumenrückgang nahm auch das durchschnittliche Finanzierungsvo-
lumen (je Unternehmen) deutlich von 1,8 Mio. Euro (2007) auf rund 0,5 Mio. Euro (2012)
1
Das Mezzanine-Panel bildet eine empirische Untersuchung auf Basis der Angaben von knapp 50 Anbietern von
Programm- (8) und Individual-Mezzanine-Anbietern (40). Das Mezzanine-Panel 2013 bildet dabei die Ergeb-
nisse der 6. Befragungswelle ab.
2
Der Zinssatz für Standard-Mezzanine lag in den Jahren 2004 bis 2007 teilweise bei unter 6%; Vgl. "Mezzanine-
Kapital bleibt für Familienunternehmen attraktiv", in VDI Nachrichten vom 16.08.2013.
3
Ein Überblick über die derzeit aktiven Mezzanine-Kapital-Anbieter ist bspw. der Internetseite der CLP Corpora-
te Finance GmbH
(www.mezzanine-vergleich.de)
zu entnehmen.
2.100
1.800
3.900
800
910
770
1.148
2.290
2.732
2.249
2.062
1.584
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Finanzierungsvolumen in Mio. €
Anzahl der Unternehmen
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
ab. Auch dieser Rückgang ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Markt für Programm-
Mezzanine mit typischerweise größeren Finanzierungsvolumina zum Erliegen kam und die
resultierende Lücke bislang nur in geringem Umfang durch entsprechende Individual-
Mezzanine-Produkte geschlossen wurde. Allerdings ist auch zu beachten, dass das relativ
niedrige Durchschnittsvolumen stark durch eine relativ hohe Anzahl an von der KfW verge-
benen Nachrangdarlehen mit üblicherweise geringen Kreditgrößen beeinflusst wird. Die
Unter- und Obergrenzen für die Ausreichung von individuellem Mezzanine bewegen sich
bei den meisten Anbietern in einer Bandbreite von rund einer bis acht Mio. Euro.
1
Hierbei
ist zu berücksichtigen, dass die für KMU-Förderung interessanten Finanzierungen mit stil-
len Einlagen typischerweise unter oder um die eine Mio. Euro liegen.
282. Mit Blick auf den konkreten Finanzierungsanlass wird Mezzanine-Kapital überwiegend für
Wachstumsfinanzierungen nachgefragt (2012: 61 Prozent). Als weitere Finanzierungsanläs-
se folgen die Unternehmensnachfolge (zwölf Prozent) und die Frühphasenfinanzierung
(acht Prozent).
2
283. Wie eingangs erläutert, setzt sich das Mezzanine-Finanzierungssegment aus verschiedenen
Finanzierungsinstrumenten zusammen. Am deutschen Mezzanine-Markt dominiert eindeu-
tig die Stille Beteiligung (66 Prozent), gefolgt von Nachrangdarlehen (16 Prozent) und Ge-
nussrechtskapital (zwölf Prozent). Das deutschlandweite Marktvolumen im Nachrangdarle-
henssegment beläuft sich demnach im Jahr 2012 auf rund 125 Mio. Euro. Im Jahr 2008
wurden nach Daten des Mezzanine-Panels noch Nachrangdarlehen in einem Gesamtvolu-
men von mehr als 400 Mio. Euro ausgereicht.
3
Auch dieser Rückgang dürfte u. a. auf die
Folgen der Finanzkrise und auf die derzeit günstigen Finanzierungsrahmenbedingungen für
Unternehmen (Bankenwettbewerb, insgesamt gute wirtschaftliche Verfassung der Unter-
nehmen) zurückzuführen sein.
284. Insgesamt kann festgehalten werden, dass das Marktvolumen im Mezzanine-Bereich
(Transaktionsvolumen im Jahr 2012: 770 Mio. Euro) im Vergleich zu klassischem Fremd-
kapital (ausstehende Kredite an Unternehmen und wirtschaftlich Selbständige am
31.12.2013: 1.281 Mrd. Euro
4
) gering ist und bezogen auf das jährliche Kreditneuvergabevo-
lumen bei etwa 0,3 Prozent
5
liegen dürfte.
Schätzung des Angebots im Nachrangdarlehenssegment in Sachsen
285. Eine über die Ergebnisse des Mezzanine-Panels hinausgehende statistische Erhebung zur
gesamten Marktgröße im Nachrangdarlehenssegment liegt weder für ganz Deutschland
noch für Sachsen vor. Insofern kann die Bestimmung der Marktgröße nur auf Grundlage
einer Schätzung vorgenommen werden. Hierzu stützen wir uns im Folgenden wesentlich
auf Daten der KfW und zum GRW-Nachrangdarlehen des Freistaats Sachsen (Vorgänger-
produkt).
1
Vgl. Mezzanine Panel 2013.
2
Ebenda.
3
Vgl. Fleischhauer, Olkowski: Höhenflug bei Individual-Mezzanine – keine Neuauflage bei Standard-Mezzanine,
Ergebnisse des 4. Mezzanine-Panels, 2010; eigene Berechnungen.
4
Vgl. Deutsche Bundesbank: Bankenstatistik, Februar 2014.
5
Hier wurde die Annahme getroffen, dass die Restlaufzeit der ausstehenden Kredite bei vier Jahren liegt. Das
Kreditneugeschäft kann somit auf überschlägig rund 300 Mrd. Euro p. a. geschätzt werden. Der Anteil von Mez-
zanine-Finanzierungen am geschätzten Kreditneugeschäft beträgt somit 770 Mio. Euro / 300 Mrd. Euro bzw.
knapp 0,3 Prozent.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Angebote der KfW
286. Die Förderangebote der KfW umfassen folgende Nachrangdarlehensprogramme:
ERP-Kapital für Gründung:
Hierbei handelt es sich um nachrangig ausgestaltete Darlehen, welche die KfW als
Durchleitungskredit Existenzgründer/innen und jungen KMU, die maximal seit drei
Jahren bestehen, zur Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis gewährt. Durch das Nachrang-
darlehen können maximal 40 Prozent (neue Länder und Berlin) der förderfähigen In-
vestitions- und sonstigen Kosten finanziert werden. Zusammen mit den Eigenmitteln
können bis zu 50 Prozent (neue Länder und Berlin) finanziert werden. Der Kredit-
höchstbetrag beträgt maximal 500.000 Euro pro Antragsteller, wobei je Antragsteller
mehrere Kredite gewährt werden können, sofern der kumulierte Zusagebetrag von
500.000 Euro nicht überschritten wird. Die Kreditlaufzeit beträgt maximal 15 Jahre
bei einer tilgungsfreien Anlaufzeit von sieben Jahren.
Das ERP-Innovationsprogramm:
Das ERP-Innovationsprogramm dient der langfristigen Finanzierung marktnaher For-
schung und der Entwicklung neuer Produkte, Produktionsverfahren oder Dienstleis-
tungen sowie ihrer wesentlichen Weiterentwicklung. Aus dem Programm werden Un-
ternehmen im Rahmen eines Finanzierungspakets unterstützt, das aus einer Fremd-
kapital- und einer Nachrangtranche besteht. Die Nachrangtranche beträgt maximal 60
Prozent des Finanzierungspakets. Pro Vorhaben werden Darlehen in Höhe von maxi-
mal fünf Mio. Euro vergeben.
KfW-Unternehmerkredit, Programmteil B:
Mit Einführung einer Nachrangvariante für KMU als Baustein des KfW-
Unternehmerkredits (KMU) zum 01.04.2011 wurde das Programm KfW-Kapital für
Arbeit und Investitionen zum 31.03.2011 eingestellt. Aus dem KfW-
Unternehmerkredit, Programmteil B für Nachrangdarlehen, wurde KMU eine Kombi-
nation aus Fremdkapital und Nachrangdarlehen gewährt. Der Programmteil B wurde
inzwischen wieder eingestellt.
287. Das jährliche Volumen an Neuzusagen der KfW aus dem Programm "ERP Kapital für Grün-
dung" und dem "ERP Innovationsprogramm" an sächsische Unternehmen belief sich in den
Jahren 2011 bis 2013 auf durchschnittlich rund 20 Mio. Euro p.a.
1
. Sie sind somit zuletzt
deutlich zurückgegangen. Beide Programme sind allerdings nur sehr begrenzt mit dem sei-
tens der Freistaats vorgesehenen GRW-Nachrangdarlehensprogramms vergleichbar, weil
sie sich entweder auf die ausschließliche Förderung von Existenzgründern (Unternehmens-
alter bis maximal drei Jahre) beziehen oder explizit auf die Finanzierung marktnaher FuE
ausgerichtet sind.
1
Vgl. KfW Förderreport 2011, 2012 und 2013, eigene Berechnungen (Bewilligungen aus dem ERP-
Innovationsprogramm wurden in Höhe von 60 Prozent (maximale Nachrangtranche) berücksichtigt; Angaben
zum Fördervolumen aus dem KfW-Unternehmerkredit, Programmteil B, liegen nicht vor.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
GRW-Ergänzungsdarlehen der SAB (EFRE-kofinanziert)
288. Aus dem für die Ex-ante-Bewertung besonders relevanten Vorgängerprogramm zu dem hier
zu betrachtenden GRW-Ergänzungsdarlehensfonds wurden in den Jahren 2011 bis 2013
Darlehen in einer Größenordnung von durchschnittlich 10 Mio. Euro p.a. bewilligt, wobei
die Nachfrage im Jahr 2011 (Anlaufphase) relativ gering ausfiel. Die durchschnittliche Dar-
lehenshöhe lag bei knapp 500.000 Euro.
1
Angebote von Kreditinstituten und Spezialfonds
289. Informationen zu ausgereichten Nachrangdarlehen durch Kreditinstitute und Spezialfonds
an sächsische Unternehmen liegen nicht vor. Allerdings kann davon ausgegangen werden,
dass insbesondere die Beteiligungsgesellschaften der sächsischen Sparkassen in einem ge-
wissen Umfang Nachrangdarlehen ausreichen.
Gesamtangebot an Nachrangdarlehen für sächsische Unternehmen
290. Das Gesamtangebot an Nachrangdarlehen für sächsische Unternehmen schätzen wir auf
rund 40 Mio. Euro p.a.
Gesamtangebot an Nachrangdarlehen für sächsische Unternehmen im relevan-
ten Finanzierungssegment
291. In dem für das vorgesehene GRW-Nachrangdarlehensprogramm relevanten Finanzierungs-
segment ("klassische" Investitionsförderung) dürfte das öffentliche und private Angebot bei
maximal 20 Mio. Euro p.a. liegen.
Schätzung der Nachfrage im Nachrangdarlehenssegment in Sachsen
292. Die Gesamtnachfrage nach Nachrangdarlehen setzt sich zusammen aus der realisierten
Nachfrage (entspricht dem Angebot), der nicht bedienten Nachfrage (Ablehnungen) und
der latenten Nachfrage (Verzicht auf eine Antragstellung aufgrund von Informationsdefizi-
ten (die Wirkungsweise von Mezzanine ist nicht bekannt) oder aufgrund der Erwartung ei-
ner Ablehnung).
Nicht bediente Nachfrage nach Nachrangdarlehen
293. Mit Blick auf die nicht bediente Nachfrage ist es erforderlich, den Umfang der Kreditableh-
nungen abzuschätzen. Hierzu greifen wir auf die Erfahrungen der SAB aus der Umsetzung
des Vorgängerprogramms zurück.
294. Im Rahmen der Umsetzung des GRW-Nachrangdarlehensprogramms wurden in den Jahren
2011 bis 2013 insgesamt 100 Kreditanträge gestellt, von denen rund zwei Drittel positiv be-
schieden wurden. Die Ablehnungsquote beträgt somit rund 35 Prozent. Bezogen auf das
jährliche Bewilligungsvolumen von geschätzt 20 Mio. Euro (Angebote der SAB und von wei-
teren Banken und Sparkassen) bedeutet dies, dass überschlägig Darlehensanfragen mit ei-
nem Gesamtvolumen von 7 Mio. Euro abgelehnt werden.
1
Angaben der SAB.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Latente Nachfrage nach Nachrangdarlehen
295. Die latente Nachfrage nach Nachrangdarlehen dürfte im Wesentlichen durch einen unzu-
reichenden Informationsstand der Unternehmen über die am Markt verfügbaren Produkte
und deren Wirkungsweise auf die Stabilität der Unternehmensfinanzierung bestimmt sein.
In einer Umfrage aus dem Frühjahr 2012
1
, an der sich 39 Mezzanine-Kapitalnehmer betei-
ligten, gaben knapp 70 Prozent an, Mezzanine-Kapital vorher nicht gekannt zu haben. Drei
Viertel der Befragungsteilnehmer gaben an, ihren Gesamtkapitalbedarf ohne Mezzanine-
Kapital nicht hätten decken zu können, und sämtliche der befragten Unternehmen sahen
sich durch den Einsatz von Mezzanine-Kapital finanziell besser aufgestellt. Die Studie
kommt insgesamt zu dem Ergebnis, dass der Wert von Mezzanine-Kapital seitens der KMU
hoch eingestuft werde, hinsichtlich des Bekanntheitsgrades von Mezzanine-Kapital aber
Defizite bestehen.
296. Mit Blick auf die nicht realisierte Nachfrage ist insofern davon auszugehen, dass die Nach-
frage im Falle eines höheren Bekanntheitsgrades der Nachrangdarlehensprodukte höher
ausfallen dürfte. Vor diesem Hintergrund schätzen wir die latente Nachfrage nach Nach-
rangdarlehen von Unternehmen aus Sachsen im hier relevanten Finanzierungssegment auf
rund zehn Mio. Euro p. a.
Gesamte Nachfrage nach Nachrangdarlehen im relevanten Finanzierungsseg-
ment
297. Die gesamte (potentielle) Nachfrage sächsischer Unternehmen nach Nachrangdarlehen im
hier betrachteten Finanzierungssegment setzt sich aus der realisierten Nachfrage, der nicht-
bedienten Nachfrage und der latenten Nachfrage zusammen. Wir schätzen die gesamte po-
tentielle Nachfrage nach Nachrangdarlehen auf rund 37 Mio. Euro p. a.
Schätzung der Finanzierungslücke
298. Die gesamte Finanzierungslücke ergibt sich aus der Differenz zwischen Angebot und gesam-
ter (potentieller) Nachfrage und beläuft sich derzeit auf geschätzt rund 17 Mio. Euro p. a.
Auf Marktschwächen zurückzuführende Finanzierungslücke
299. Als Hauptablehnungsgründe sind nach Einschätzung der SAB eine fehlende Kredit- bzw.
Unternehmenshistorie, hohe Transaktionskosten und Defizite des zugrunde liegenden Ge-
schäftsmodells anzuführen. Damit überwiegen Ablehnungsgründe, die auf Marktschwächen
hinweisen. Vor diesem Hintergrund schätzen wir die auf Marktschwächen zurückzuführen-
de nicht-bediente Nachfrage nach Nachrangdarlehen auf rund 60 Prozent der bedienten
Nachfrage. Die gesamte auf Marktschwächen zurückzuführende Finanzierungslücke schät-
zen wir auf etwa 12,5 Mio. Euro p. a.
2
1
Vgl. ETL Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG: Ergebnisse Kundenumfrage - Bestnoten für Mezzanine-
Kapital.
2
Hierbei haben wir unterstellt, dass (i) 60 Prozent der nicht bedienten Finanzierungsnachfrage (Ablehnungen) im
Kontext von Marktschwächen zu sehen sind (ca. 4 Mio. Euro) und (ii), dass von der latenten Nachfrage (10 Mio.
Euro) zwei Drittel tatsächlich bedient würde (ca. 6,5 Mio. Euro) und von der angenommenen nicht bedienten
Nachfrage wiederum 60 Prozent auf Marktschwächen zurückzuführen wäre (2 Mio. Euro). In Summe ergibt sich
eine auf Marktschwächen zurückzuführende Finanzierungslücke von etwa 12,5 Mio. Euro (4 + 6,5 + 2) p.a.
Abschlussbericht
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75

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
3. Beurteilung des Mehrwerts von
EFRE-kofinanzierten Fonds in
den Bereichen Risikokapital,
Nachrangdarlehen für innovati-
ve Produkte sowie für investive
Maßnahmen
300. Nachdem die Analysen im Kontext von Artikel 37 (2) (a) AVO ergeben haben, dass in den
Segmenten Risikokapital, Investitionsfinanzierungen zur Unterstützung der tendenziell ri-
sikoreicheren Finanzierung der Markteinführungsphase von innovativen Produkten und
der generellen Investitionsfinanzierung in Sachsen Marktschwächen bestehen, die durch
den Einsatz von Finanzinstrumenten zumindest verringert werden können, werden im
Rahmen der Mehrwertanalyse unter Bezug auf Artikel 37 (2) (b) folgende Aspekte beurteilt:
Mehrwert eines Finanzinstruments im Vergleich zu alternativ möglichen Förderin-
strumenten
Ziel der vergleichenden Analyse ist es, jenes Förderinstrument zu identifizieren, wel-
ches die größtmögliche Effektivität und Effizienz mit Blick auf die Verringerung der
festgestellten Marktschwächen erwarten lässt.
Kohärenz der betreffenden Finanzinstrumente zu vergleichbaren Förderprogrammen
zur Vermeidung von etwaigen Überschneidungen und Zielkonflikten
Im Ergebnis soll zunächst die Kohärenz der zu betrachtenden Finanzierungsinstrumen-
te zu bzw. deren Zusammenwirken mit anderen (u. a. den im Rahmen des OP EFRE
vorgesehenen) Förderinstrumenten analysiert werden. Hierdurch soll sichergestellt
werden, dass Synergien genutzt und Zielkonflikte vermieden werden.
Darüber hinaus soll die Frage beantwortet werden, ob es bereits ein Angebot an ver-
gleichbaren revolvierend ausgestalteten Förderinstrumenten gibt. Dieser Beurteilungs-
schritt soll insbesondere zur Vermeidung des Entstehens ineffizienter Doppelstruktu-
ren beitragen.
Beihilferechtliche Umsetzbarkeit einschließlich der Beurteilung der Verhältnismäßig-
keit der zu betrachtenden Finanzinstrumente und von Maßnahmen zur Minimierung
von Wettbewerbsverzerrungen
In diesem Abschnitt werden die grundlegenden EU-beihilferechtlichen Vorschriften
skizziert, die bei der Umsetzung der betreffenden Finanzinstrumente zu beachten sind.
Dabei werden insbesondere die Bestimmungen der Risikokapitalleitlinien, der AGVO
und der De-minimis-Verordnung analysiert.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
3.1. Risikokapital
301. In Kapitel 2 wurde herausgearbeitet, dass im Segment der Beteiligungskapitalfinanzierung in
Sachsen eine gesamte, auf Marktschwächen zurückzuführende Finanzierungslücke von
schätzungsweise 30 Mio. Euro p.a. besteht. Dabei ist davon auszugehen, dass eine Ange-
botslücke insbesondere bei der Risikokapitalversorgung in frühen Unternehmensphasen
(Seed, Start-up) besteht. In diesen frühen und damit sehr risikoreichen Phasen der Unter-
nehmensentwicklung hat das Angebot privater Risikokapitalgeber in den letzten Jahren
stark abgenommen. Dem wirkte die öffentliche Hand auf europäischer, nationaler und regi-
onaler Ebene, so auch in Sachsen, mit einem verstärkten Angebot an öffentlichem Risiko-
kapital entgegen.
302. Der Mehrwert EFRE-kofinanzierter Risikokapitalfonds kann also insbesondere darin
bestehen, zusätzliches Kapital für innovative sächsische Unternehmen in der Seed- und
Start-up-Phase bereitzustellen, um hierdurch die Entwicklung in den aus gesamtwirtschaft-
licher Perspektive besonders wichtigen technologieorientierten und wachstumsstarken Be-
reichen der Wirtschaft zu unterstützen.
3.1.1. Effektivitätsbeurteilung
303. Das Spektrum geeigneter Förderinstrumente im Risikokapitalbereich ist eher begrenzt. Bei
Risikokapital handelt es sich um ein Eigenkapitalinstrument, welches der Unternehmensfi-
nanzierung junger, innovativer Unternehmen mit hohen "Scheiternsrisiken", aber auch ho-
hen Wachstumschancen dient. Andere Eigenkapitalinstrumente, insbesondere FuE-
Zuschüsse, können - zeitlich begrenzt- ebenfalls die Funktion einer Basisfinanzierung für
die betreffenden Unternehmen übernehmen, kommen allerdings überwiegend bei der Pro-
jektfinanzierung zum Einsatz.
304. Garantieprogramme, die Beteiligungsgesellschaften teilweise von den Ausfallrisiken freistel-
len, sind geeignet, die Vergabe von Risikokapital an Unternehmen durch Beteiligungsgesell-
schaften zu erhöhen. Sie setzen allerdings auf dem bestehenden Angebot an Risikokapital
auf und tragen nur mittelbar dazu bei, dieses zu erhöhen (Anreizeffekt für Beteiligungsge-
sellschaften, zusätzliches Beteiligungskapital bereitzustellen). Daher sind Garantiepro-
gramme nicht unmittelbar geeignet, zu einer Verringerung der Kapitallücke beizutragen.
305. Weitere eigenkapitalähnliche Förderinstrumente wie "klassische" stille Beteiligungen der
Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften oder Nachrangdarlehen zur Wachstumsfinan-
zierung etablierter Unternehmen dürften erst in späteren Unternehmensphasen eine rele-
vante Alternative zu Risikokapitalfinanzierungen darstellen.
306. Andere Förderinstrumente wie "klassische" Darlehen sind aufgrund ihres Fremdkapitalcha-
rakters in aller Regel nicht geeignet, um Hochrisikofinanzierungen abzudecken.
1
Eine Aus-
nahme bilden hierbei Nachrangdarlehen, die häufig durch Beteiligungsgesellschaften in Er-
gänzung zu offenen Beteiligungen bereitgestellt werden. Nachrangdarlehen sind in diesem
Fall allerdings nicht als eigenständiges Förderinstrument, sondern als integraler Bestand-
teil der Finanzierung durch offene Beteiligungen anzusehen.
1
Insbesondere verfügt der aus Venture Capital-Perspektive relevante Kreis an Zielunternehmen i.d.R. (noch)
über keine ausreichenden positiven Cashflows, um Zins und Tilgung bedienen zu können.
Abschlussbericht
PwC
77

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
307. Als effektive Instrumente im Bereich der Risikokapitalfinanzierung junger, innovativer
Unternehmen sind insofern Risikokapital und Zuschüsse zu nennen.
3.1.2. Analyse des quantitativen Mehrwerts
308. Im Folgenden wird der aus dem Einsatz von Zuschüssen und Risikokapital resultierende
quantitative Mehrwert anhand eines Beispielfalls untersucht.
Tabelle 5: Quantitativer Mehrwert von Förderinstrumenten - Eigenkapital
Übergrei-
fende
Annahmen
Gesamtfinanzierungsbedarf des Unternehmens: 1 Mio. €
Förderintensität von 50%
Fall 1:
Zuschuss
Zuschussbetrag:
1 Mio. € • 50 % = 500.000 €
Mindest-Kofinanzierung:
500.000 € / 80% • 20% = 125.000 €
(nachrichtlich, national – Mindestkofinanzierung ist erfüllt)
Hebel
= Gesamtinvestitionsvolumen / EFRE-Mittel
= 1.000.000 €/ 500.000 €
= 2
Durch den Einsatz eines Euro an EFRE-Mitteln wird ein Euro an weiteren Mitteln
mobilisiert.
Fall 2
Beteiligung
Fall 2a) Die Beteiligung wird in Höhe des alternativ möglichen Zuschussbetrages
gewährt. Der Nettoertrag aus der Beteiligung beläuft sich auf "null".
Fallspezifische Annahmen:
Beteiligung: 500.000 € (EFRE-Anteil: 500.000 €)
Planmäßiger Exit nach 7 Jahren netto zum Nennwert (Beteiligungserträge
bzw. –gebühren decken die Ausfälle und Verwaltungskosten des Fonds)
Diskontierungssatz von 4 %
Bei der Ermittlung des Hebeleffektes in der Gegenwart ist zu berücksichtigen, dass
die Beteiligung (inkl. Nachrangdarlehen) zunächst in voller Höhe ausgezahlt wird.
Es ergibt sich ein Hebel für den EFRE-Anteil von 2.
Hebeleffekt in der Gegenwart = 1.000.000 € / 500.000 € = 2
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass Rückflüsse nach erfolgtem Exit für die
Gewährung weiterer Beteiligungen in der Zukunft eingesetzt werden können ("He-
beleffekt in der Zukunft"). Unter der Annahme, dass durch die Beteiligungserträge
die Kosten des Fondsmanagements und Ausfälle abgedeckt werden (Nettoertrag
von Null), der Exit zum Nennwert der Beteiligung erfolgt und unter Berücksichti-
gung eines Diskontierungssatzes von 4 Prozent können in der Zukunft
ceteris pari-
bus
weitere Beteiligungen in einem Gesamtvolumen von 1,58 Mio. Euro
1
ausgereicht
werden. Der Hebeleffekt beträgt entsprechend das 3,16-fache des Hebeleffektes in
der Gegenwart
2
. Da die Mittel in der Zukunft mehrmals ausgereicht werden, wird
angenommen, dass sich der „Hebel in der Zukunft“ um eins auf 4,16 erhöht.
3
Der gesamte quantitative Mehrwert beläuft sich damit auf 8,32 (4,16 mal 2).
1
Mathematisch ermittelt aus der Summe der Rückzahlungen nach jeweils sieben Jahren multipliziert mit dem
jeweiligen Diskontierungsfaktor des Jahres.
2
Zukünftiges Gesamtvolumen von 1,58 Mio. € dividiert durch ursprünglichen EFRE-Anteil der Beteiligung von
500.000 €.
3
Vgl. PricewaterhouseCoopers 2014: Ex-ante assessment methodology for financial instruments in the 2014-
2020 programming period. Volume I, S. 54.
Abschlussbericht
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78

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Fall 2b) Es gelten die Annahmen von Fall 2a. Der Fonds verzeichnet eine jährliche
Nettoausfallrate von drei Prozent. In diesem Fall reichen die Beteiligungserträge
zur Deckung der Verwaltungs- und Ausfallkosten nicht aus.
Berücksichtigt man einen EU-Diskontierungssatz von vier Prozent sowie eine 1-
Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit von drei Prozent, so ergibt sich ein quantitativer
Mehrwert von 5,18.
1
309. Den Beispielfällen liegt jeweils ein Gesamtinvestitionsvolumen von einer Mio. Euro zugrun-
de. Die maximale Förderintensität beträgt 50 Prozent der Investitionskosten. Dies bedeutet,
dass ein Betrag von 500.000 Euro entweder durch einen öffentlichen FuE-Zuschuss (Fall 1)
oder durch eine Beteiligung aus einem Beteiligungsfonds gedeckt wird. Der verbleibende
Finanzierungsbedarf wird durch andere Quellen gedeckt, bspw. durch Beteiligungskapital
von privaten Beteiligungsgesellschaften und/oder durch Engagements von Business Angels
oder durch andere Finanzierungsquellen des endbegünstigten Unternehmens.
310. Die Beispielrechnung zeigt, dass die Gewährung einer Beteiligung im Vergleich zur Gewäh-
rung eines Zuschusses mit einem höheren quantitativen Mehrwert einhergeht. Dies ist da-
rauf zurückzuführen, dass die Beteiligung grundsätzlich rückzahlbar ausgestaltet ist, so dass
nach erfolgtem Exit die rückfließenden Mittel für weitere Beteiligungsengagements einge-
setzt werden können. Unter der Annahme, dass die Beteiligungsentgelte (einschließlich er-
zielter Exitgewinne) die Kosten des Fondsmanagements und Ausfälle abdecken und unter
Berücksichtigung des aktuellen EU-Diskontierungssatzes von 4 Prozent
2
liegt der quantita-
tive Mehrwert rund viermal so hoch wie im Falle der Förderung mit "verlorenen" Zuschüs-
sen. Auch unter konservativeren Annahmen - 1-Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit von drei
Prozent, d.h. die Erträge reichen nicht zur Deckung der Verwaltungskosten aus - liegt der
quantitative Mehrwert der Beteiligung noch immer rund 2,5 mal so hoch wie im Falle der
Zuschussförderung. Durch Verhandlungen soll erreicht werden, dass weitere private Mittel
mobilisiert werden. Damit würde sich der Hebel entsprechend erhöhen.
311. Der höhere quantitative Mehrwert der Beteiligung bedeutet allerdings nicht zwangsläufig,
dass die Beteiligung in jedem Fall das zu bevorzugende Förderinstrument darstellt. Als Maß
für die Fördereffizienz kann er gleichwohl als Kriterium für die Wahl des Förderinstrumen-
tes herangezogen werden, wenn Zuschuss und Beteiligung jeweils eine positive Fördereffek-
tivität aufweisen.
1
Berechnung erfolgt wie in Fall 2a (siehe Fußnote 1). Zusätzlich werden die Rückflüsse mit einer Ausfallwahr-
scheinlichkeit von 3% für das jeweilige Jahr multipliziert. Damit ergibt sich ein Gesamtvolumen an Rückflüssen
nach Abzug der Verluste von 2,07 Mio. €, barwertig 0,80 Mio. €. Dieses Gesamtvolumen im Verhältnis zum
EFRE-Anteil von 500.000 € ergibt einen Hebel von 1,59. zzgl. des Effekts der mehrmaligen Auszahlung ergibt
sich ein zukünftiger Hebel von 2,59. Dieser wird multipliziert mit dem Hebel in der Gegenwart von 2,0, womit
sich ein Gesamthebel von 5,18 ergibt.
2
Siehe Art. 19 Delegierte Verordnung Nr. 480/2014.
Abschlussbericht
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79

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
3.1.3. Beurteilung des qualitativen Mehrwerts
312. Bei der Beurteilung des qualitativen Mehrwerts wird im Folgenden analysiert, inwieweit ein
Risikokapitalfonds die bestehenden Förderangebote sinnvoll und überschneidungsfrei er-
gänzt (keine Verdrängung bereits bestehender Angebote) und mit Blick auf mögliche Mit-
nahmeeffekte und Wettbewerbsverzerrungen verhältnismäßig ausgestaltet ist.
313. Zu diesem Zweck wird zunächst eine Bestandsaufnahme der für KMU in Sachsen verfügba-
ren Risikokapital- bzw. FuE-Förderinstrumente (Zuschüsse, Beteiligungen) auf regionaler,
nationaler und europäischer Ebene durchgeführt. Anschließend erfolgt eine zusammenfas-
sende Beurteilung der Kohärenz des Risikokapitalfonds.
Analyse der im Bereich der Risikokapitalfinanzierung für sächsische
Existenzgründer bzw. Ausgründungen von Hochschulen bzw. For-
schungseinrichtungen verfügbaren Förderinstrumente
314. Sächsische Existenzgründer (einschließlich Ausgründungen aus Hochschulen und For-
schungseinrichtungen) können derzeit auf folgende Risikokapital- bzw. FuE-
Förderinstrumente (Zuschüsse, Beteiligungen) zurückgreifen.
1
1
Vgl.
www.foerderdatenbank.de,
www.sab.de,
www.kfw.de,
www.mbg-sachsen.de; im Bereich der FuE-
Zuschussförderung bestehen über die in der folgenden Tabelle dargestellten Programme hinaus noch zahlreiche
weitere themenspezifische Instrumente.
Abschlussbericht
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80

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Tabelle 6: Risikokapital- und FuE-Förderinstrumente
Förder-
instrument
Zielunternehmen
Fördergegenstand
Form der Un-
terstützung /
Größenordnung
Wesentliche Förderbe-
stimmungen
Zusammenwirken mit einem
Risikokapitalfonds
Ergänzend
konkurrierend
ERP-Startfonds
kleine Technologieun-
ternehmen der gewerbli-
chen Wirtschaft, grund-
sätzlich in der Rechts-
form einer Kapitalgesell-
schaft
Deckung des Finanzie-
rungsbedarfs für die Ent-
wicklung und Markteinfüh-
rung neuer oder wesentlich
verbesserter Produkte, Ver-
fahren und Dienstleistungen
Beteiligung
max. 5 Mio. € (max.
50% des Gesamtbe-
teiligungsbetrages)
Lead-Investor erforder-
lich, kein Hands-on Ma-
nagement
Ja,
KfW als Co-
Investor
Nein,
KfW tritt nur
als Co-
Investor
ERP-
Beteiligungs-
programm
KMU der gewerblichen
Wirtschaft und deren
Beteiligungsgeber
Refinanzierung privater Ka-
pitalbeteiligungsgesellschaf-
ten, welche KMU Beteili-
gungskapital zur Verfügung
stellen
Refinanzierungs-
kredit
i.d.R. max. 1,25 Mio. €
je Beteiligung
Ja,
erhöhte Fi-
nanzierungs-
bereitschaft
privater Betei-
ligungsgesell-
schaften
Nein,
KfW stellt
kein originäres
Beteiligungs-
kapital zur
Verfügung
Investitionszu-
schuss Wagnis-
kapital
natürliche Personen, die
Gesellschaftsanteile an
einem innovativen, klei-
nen Unternehmen er-
werben (z.B. Business
Angels)
Beteiligungen müssen an
Unternehmen in der Rechts-
form einer Kapitalgesell-
schaft eingegangen werden,
die max. 10 Jahre am Markt
bestehen und einer innova-
tiven Branche angehören
Zuschuss in Höhe
von 20% der über-
nommenen Beteili-
gung
Je Investor werden p. a.
Anteilskäufe mit bis zu
250.000 € bezuschusst.
Je Unternehmen wer-
den Anteile im Wert von
bis zu 1 Mio. EUR p. a.
bezuschusst, max.
200.000 €
Ja,
Programm
schafft Anreize
für private
(Co-
)Investoren
Nein,
Privatinvesto-
ren decken in
aller Regel nur
einen Teil des
Gesamtbetei-
ligungsbetra-
ges ab
ERP/EIF Dach-
fonds
Venture Capital Fonds
Beteiligung an VC-Fonds,
deren Investitionsfokus auf
Technologieunternehmen in
der Früh- und Wachstums-
phase liegt
Beteiligung
Investments in Venture
Capital Fonds, bei denen
öffentliche Mittel einen
Anteil von 50% am
Fundraising grundsätz-
lich nicht übersteigen
pari-passu-
Bedingungen
Ja,
durch den EIF
geförderte VC-
Fonds als wei-
terer Investor
Potentiell,
allerdings
keine Ver-
drängung zu
erwarten, weil
per se das An-
gebot an VC
insb. für frühe
Entwicklungs-
phasen als zu
gering einzu-
schätzen ist
Abschlussbericht
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81

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Förder-
instrument
Zielunternehmen
Fördergegenstand
Form der Un-
terstützung /
Größenordnung
Wesentliche Förderbe-
stimmungen
Zusammenwirken mit einem
Risikokapitalfonds
Ergänzend
konkurrierend
Technolo-
giegründer-
fonds Sachsen
(TGFS)
kleine, junge innovative
Unternehmen, insbe-
sondere technologieori-
entierte Gründer und
wissensbasierte Dienst-
leister
Beteiligungskapital für die
Seed- und Start-up-Phase
i.d.R. offene Beteili-
gung von maximal
49% der Geschäfts-
anteile
Beteiligungshöhe:
200.000 EUR bis 4
Mio. EUR
eigenkapitalähnli-
che Beteiligungs-
formen möglich
Unternehmensgründung darf
maximal fünf Jahre zurücklie-
gen,
innovative und technologierori-
entierte Produkte, Produktions-
verfahren oder Dienstleistungen,
Businessplan
Nein,
TGFS als
Vorgän-
gerfonds
Nein,
TGFS als Vor-
gängerfonds
European An-
gels Fund
(EAF)
Business Angels und
andere nicht-
institutionelle Investo-
ren
Stärkung der Fähigkeit von
Business Angels und ande-
ren nicht-institutionellen
Investoren, in wachstums-
starke KMU in der Grün-
dungs-, Früh- oder Wachs-
tumsphase zu
investieren
Beteiligung
i.d.R. 50% Beteili-
gung des EAF, EAF-
Beteiligung von
250.000 € bis 5 Mio.
Pari passu und pro rata-
Bedingungen
Ja,
Business An-
gels als Co-
Investor
Nein,
eher geringes
Investitionsvo-
lumen von Bu-
siness Angels in
Sachsen
MBG Mikro-
mezzanin Be-
teiligung
Kleinst- und Kleinun-
ternehmen,
Existenzgründer
Investitionen und Be-
triebsmittel
stille Beteiligung bis
zu 50.000 €
Laufzeit max. 10
Jahre
Beschäftigte < 50
Umsatz max. 10 Mio. €
oder Bilanzsummer
max. 10. Mio. €
Ja,
komplementäre
Finanzierung
Nein,
Beteiligungs-
höhe bei VC-
Investments
i.d.R. deutlich
höher
High-Tech
Gründerfonds
(HTGF)
Kleine Technologieun-
ternehmen, die max. 1
Jahr am Markt bestehen
Deckung des Finanzie-
rungsbedarfs in sehr frühen
Entwicklungsphasen
Kombination aus of-
fener Beteiligung
und Nachrangdarle-
hen
max. 500.000 €, bis zu
1,5 Mio. € für weitere
Finanzierungsrunden
Ja,
komplementäre
Finanzierung
von Risikokapi-
talfonds und
HTGF
Potentiell,
HTGF enga-
giert sich aller-
dings i.d.R. in
sehr frühen
Entwicklungs-
phasen
EXIST For-
schungstrans-
fer
Hochschulen und au-
ßeruniversitäre For-
schungseinrichtungen in
der Vorgründungsphase
(Förderphase I) und
technologieorientierte
KMU in der Seed-Phase
(Förderphase II)
Deckung des Finanzierungs-
bedarfs für exzellenzorien-
tierte Maßnahmen
Zuschuss
100% der zuwendungs-
fähigen Ausgaben in
Förderphase I, max.
150.000 € in Förderpha-
se II (zusätzlich 1/3 des
Zuschussbetrages durch
Eigenkapital der Grün-
der/innen und/oder Ri-
sikokapital)
Ja,
Risikokapital-
fonds als po-
tentieller Co-
Investor in
späteren Ent-
wicklungspha-
sen
Potentiell,
Ausrichtung
von EXIST auf
exzellenzori-
entierte Maß-
nahmen, teil-
weise in der
Vorgrün-
dungsphase
Abschlussbericht
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82

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Förder-
instrument
Zielunternehmen
Fördergegenstand
Form der Un-
terstützung /
Größenordnung
Wesentliche Förderbe-
stimmungen
Zusammenwirken mit einem
Risikokapitalfonds
Ergänzend
konkurrierend
EXIST Grün-
derstipendium
Hochschulen und au-
ßeruniversitäre For-
schungseinrichtungen in
der Vorgründungsphase
Deckung von Personal- und
Sachausgaben zur Unter-
stützung von Gründungen
aus Hochschulen
Zuschuss für Perso-
nal und Sachkosten
monatl. 800 € für Stu-
dierende, 2.000 € für
Absolventen u. 2.500 €
für promovierte Grün-
der/innen; zusätzlich
Zuschüsse für Sachkos-
ten und Coaching
Ja,
Risikokapital-
fonds als po-
tentieller Co-
Investor in
späteren Ent-
wicklungspha-
sen
Nein,
Fokussierung
auf Vorgrün-
dungsphase
Zentrales Inno-
vationspro-
gramm Mittel-
stand (ZIM)
KMU sowie im Rahmen
von Kooperationsprojek-
ten Forschungseinrich-
tungen
FuE-Aktivitäten und diese
unterstützende Dienstleis-
tungen für innovative Pro-
dukte, Verfahren oder tech-
nische Dienstleistungen oh-
ne Einschränkung auf be-
stimmte Technologien und
Branchen.
Zuschuss
Bei Einzelprojekten
bis zu 45% (35%)
der zuwendungsfä-
higen Kosten bei
kleinen (mittleren)
Unternehmen
Projekte würden ohne
Förderung nicht oder
nur mit deutlichem Zeit-
verzug realisiert werden
Projekte mit erhebli-
chem technischen Risiko
behaftet
Projekte auf anspruchs-
vollem Innovationsni-
veau
Ja,
Zuschuss als
weiterer Fin-
an-
zierungsbau-
stein
Nein,
Zuschussför-
de-rung ist
projektbezo-
gen und deckt
nur einen Teil
des gesamten
Finanzie-
rungsbedarfs
ab
Horizont 2020
Hochschulen, For-
schungseinrichtungen,
Wissenschaftler, Unter-
nehmen der gewerbli-
chen Wirtschaft, öffent-
liche Einrichtungen,
Verbände und Vereini-
gungen
Förderung von Forschung
und Innovation in den Mit-
gliedstaaten der EU (exzel-
lenzorientierte Förderung)
überw. Zuschüsse,
auch Bereitst. von
Risikokapital (Betei-
ligungs- und Kredit-
fazilitäten)
Bei Zuschüssen bis zu
100% der förderfähigen
Kosten; max. 70% bei
marktnahen Vorhaben
Ja,
als weiterer
Finanzie-
rungsbaustein
Nein,
tendenziell ex-
zellenzorien-
tierte Förde-
rung
Förderung von
Unternehmer-
geist und inno-
vativen Unter-
nehmensgrün-
dungen aus der
Wissenschaft
(SAB)
staatliche sächsische
Hochschulen und au-
ßeruniversitäre For-
schungseinrichtungen,
besonders Einrichtun-
gen der Max-Planck-
und Fraunhofer-
Gesellschaft, der Leib-
niz- und der Hermann-
von Helmholtz-
Gemeinschaft
Unterstützung sächsischer
Gründerinitiativen der
Hochschulen und For-
schungseinrichtungen
Unterstützung von Grün-
dungen junger innovativer
Unternehmen aus der Wis-
senschaft
Zuschuss
Gründerinitiativen:
bis zu 90%
Technologiegrün-
derstipendium:
1.000 € (Studieren-
de), 2.500 € (Absol-
venten), 3.000 €
(Promovierende)
Gründerinitiativen:
Modularer Angebotsauf-
bau, u.a. Sensibilisie-
rung, Qualifizierung, Be-
treuung
Technologiegründersti-
pendium:
Businessplan, Hoch-
schulabschluss < 10 Jah-
re
Ja,
Zuschuss als
weiterer Fin-
an-
zierungsbau-
stein
Nein,
Zuschussför-
de-rung ist
projektbezo-
gen und deckt
nur einen Teil
des gesamten
Finanzie-
rungsbedarfs
ab
Abschlussbericht
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83

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Förder-
instrument
Zielunternehmen
Fördergegenstand
Form der Un-
terstützung /
Größenordnung
Wesentliche Förderbe-
stimmungen
Zusammenwirken mit einem
Risikokapitalfonds
Ergänzend
konkurrierend
COSME – Pro-
gramm für die
Wettbewerbs-
fähigkeit von
Unternehmen
und für kleine
und mittlere
Unternehmen
Unternehmen, insbe-
sondere KMU, sowie öf-
fentliche und private Ak-
teure, die im Bereich der
Unternehmensförderung
tätig sind; Existenz-
gründer
Unterstützung von Maß-
nahmen zur Verbesserung
des Zugangs von KMU zu
Finanzmitteln, zur Verbesse-
rung des Marktzugangs von
innerhalb und außerhalb der
EU, zur Verbesserung der
Rahmenbedingungen für die
Wettbewerbsfähigkeit und
Nachhaltigkeit von sowie zur
Förderung der unternehme-
rischen Initiative.
Zuschuss; Darlehen;
Bürgschaft; Beteili-
gung; Garantie
Die Durchführung des
Programms erfolgt auf
der Grundlage jährlicher
Arbeitsprogramme, die
von der Kommission
aufgestellt werden. Diese
legen die Prioritäten,
Maßnahmen, Teilnah-
mevoraussetzungen so-
wie Beteiligungsregeln
fest.
Ja,
als weiterer
Finanzie-
rungsbaustein
Nein,
besonderer
Schwerpunkt
liegt auf der
Unterstützung
der Wettbe-
werbsfähigkeit
von KMUs
Abschlussbericht
PwC
84

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
315. Die Analyse zeigt ein sehr breites Spektrum an verfügbaren Beteiligungs- und Zuschussin-
strumenten für Existenzgründer, Hochschulen bzw. Forschungseinrichtungen, die Aus-
gründungen unterstützen. Die Instrumente weisen ganz unterschiedliche Förderintensitä-
ten auf. Typischerweise zeigen in Deutschland die Förderinstrumente der Bundesländer
höhere Subventionsintensitäten als die Förderprogramme des Bundes, die über die KfW
ausgereicht werden. Die Landesprogramme sind normalerweise spezifischer und spezieller
ausgerichtet. Allerdings sind auch Programme, die nur geringe Subventionsintensitäten
aufweisen (oder gar keine) als Förderprogramme einzustufen, weil die auf Marktschwä-
chen reagieren, sei es fehlende Volumina, mangelnde Risikokapazität, mangende Diversifi-
zierung oder das fehlendes Angebot an langen Laufzeiten.
1
Die Instrumente sind überwie-
gend geeignet, den bestehenden Finanzierungsbedarf von innovativen Ausgründungen in
der Frühphase des Gründungsprozesses komplementär zu den Beiträgen eines Risikokapi-
talfonds zu decken. In direkter Konkurrenz zu dem Risikokapitalfonds stehen die beste-
henden Instrumente nach unserer Einschätzung grundsätzlich nicht.
Der bestehende
Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS)
bildet das "Vorgängerpro-
dukt" zu dem beabsichtigten neuen Risikokapitalfonds.
Der
ERP-Startfonds
der KfW erfordert die Beteiligung eines Lead-Investors. Insofern
tritt die KfW lediglich als Co-Investor auf.
Mit dem KfW-Programm
Innovationszuschuss Wagniskapital
sollen primär Anreize
für Business Angels und nicht-institutionelle Investoren geschaffen werden, stärker in
junge Technologieunternehmen zu investieren. Der
European Angels Funds
(EAF)
tritt als Co-Investor für Business Angels auf. Bei beiden Programmen ist nicht von ei-
ner Konkurrenz zu Risikokapitalfonds auszugehen, weil das Beteiligungsvolumen von
Business Angels in Sachsen, wie die Marktschwächenanalyse gezeigt hat, tendenziell
begrenzt ist. Das
ERP-Beteiligungsprogramm
dient in erster Linie der Refinanzierung
von Beteiligungsgesellschaften zu günstigen Konditionen.
Der
Mikromezzaninfonds Deutschland
ist grundsätzlich nicht an den Innovationsgrad
des zu fördernden Unternehmens gekoppelt, sondern deckt den generellen "Quasi-
Eigenkapitalbedarf" kleinerer Unternehmen. Auf sächsischer Ebene wird dies durch
die MBG im Rahmen der
MBG Mikromezzanin Beteiligung
umgesetzt. Während bei
dem Risikokapitalfonds stets die Innovation im Mittelpunkt steht, zielt der Mikromez-
zaninfonds auf die Stärkung der Eigenkapitalbasis. Überschneidungen sind durch üb-
liche Methoden zur Vermeidung von Doppelförderungen zu vermeiden.
Die EXIST-Förderprogramme zielen primär auf eine Erhöhung der Zahl der Ausgrün-
dungen aus Hochschulen und betreffen damit noch frühere Phasen der Unterneh-
mensentwicklung als es bei dem Risikokapitalfonds der Fall ist. Im Unterschied zum
EXIST Gründerstipendium
könnte der
EXIST Forschungstransfer
eine potenzielle
Konkurrenz darstellen, wie im weiteren Verlauf erläutert wird (siehe unten).
Horizont 2020
ist tendenziell stärker auf Exzellenz orientierte Vorhaben ausgerichtet.
1
Zur Vermeidung von Missverständnissen sei darauf hingewiesen, dass – soweit pari passu mit einer Hausbank
oder ganz im Risiko der Hausbank finanziert wird – diese Programme mit geringen oder nicht vorhandenen
Beihilfewerten keine beihilferechtliche Relevanz aufweisen.
Abschlussbericht
PwC
85

Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
COSME wird (soweit absehbar) stark mit Garantie- bzw. Bürgschaftsinstrumenten
arbeiten. Es kommt nur insoweit zum Tragen als Anträge aus Sachsen Erfolg haben
und bewilligt werden. Insoweit kann das Wirken von COSME mit relevanten Volu-
mina in Sachsen zum Zeitpunkt der Erstellung der ex-ante Bewertung
nicht
unter-
stellt werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erscheint es plausibler, dass COSME für
(i) KMU-Verbriefungen als Garantieinstrument eingesetzt wird oder (ii) für Garan-
tieprogramme, die ggf. ergänzende Darlehensfinanzierungen zur EK-Finanzierung
(wie im gegenständlichen FI) absichern. Insbesondere bei der letzten Einsatzmög-
lichkeiten sind Synergien denkbar.
Das
Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)
un
d die Förderung von Un-
ternehmergeist und innovativen Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft
sind primär als Projektförderung ausgestaltet, während bei "klassischen" VC-
Finanzierungen die Unternehmensfinanzierung im Vordergrund steht.
316. Als potentiell konkurrierende Instrumente sind der
High-Tech Gründerfonds
,
EXIST
Forschungstransfer
und der
ERP/EIF Dachfonds
, der in bestehende VC-Gesellschaften
investiert, anzuführen. Von einer Verdrängung der Engagements des HTGF, EXIST For-
schungstransfer und des ERP/EIF Dachfonds ist allerdings nicht auszugehen. Der HTGF
beteiligt sich ausschließlich in der Seed-Phase bzw. noch früher an High-Tech-
Unternehmen, während sich der Risikokapitalfonds neben der Seed- auch insbesondere in
der Start-up-Phase engagiert. Im Einzelfall könnten HTGF und Risikokapitalfonds auch
simultan als Investoren auftreten.
317. Ähnlich wie der HTGF konzentriert sich der EXIST Forschungstransfer auf die Vorgrün-
dungs- und Seed-Phase innovativer Ausgründungen. Beim EXIST-Forschungstransfer er-
folgt dies jedoch nicht über Beteiligungen, sondern über Zuschüsse. EXIST-
Forschungstransfer ist demnach eher als ergänzendes Finanzierungsinstrument zum Risi-
kokapitalfonds zu sehen. Im Fall der Überschneidung beider Instrumente in der Seed-
Phase ist eine sinnvolle Kombination beider Instrumente denkbar.
318. Der ERP/EIF Dachfonds beteiligt sich in der Regel nur an VC-Gesellschaften, deren Kapi-
talausstattung (einschließlich des EIF-Beitrages) zu mindestens 50 Prozent aus dem nicht-
öffentlichen Bereich stammt. Er zielt insofern tendenziell auf eine Beteiligung an privaten
VC-Gesellschaften, deren Beteiligungsvolumen in Sachsen - wie die Marktschwächenana-
lyse gezeigt hat - zu gering ausfällt.
319. Die bestehenden Förderinstrumente können jedoch in Ergänzung zu den Engagements
eines Risikokapitalfonds zur Gesamtfinanzierung der Ausgründungen beitragen. Dies be-
trifft sowohl die Zuschussprogramme, u.a. der SAB und EXIST, als auch die Beteiligungs-
programme der KfW, des HTGF und des ERP/EIF Dachfonds.
320. Zusammenfassend ist festzustellen, dass ein Risikokapitalfonds das bestehende Förderin-
strumentarium für technologieorientierte Gründer und bestehende Unternehmen in Sach-
sen sinnvoll ergänzen und insbesondere auch dazu beitragen kann, dass sich die Kapitallü-
cke nach Abschluss der Investitionsphase des Technologiegründerfonds nicht vergrößert.
Abschlussbericht
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86

 
Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
3.1.4. Verhältnismäßigkeit
eines Risikokapitalfonds
321. Die Analyse des quantitativen Mehrwerts hat implizit gezeigt, dass Beteiligungsfinanzierun-
gen im Vergleich zu FuE-Zuschussprogrammen mit einer geringeren Subventionsintensität
einhergehen (höherer Hebel), was auf die generelle Rückzahlbarkeit der Beteiligung (Exit)
zurückzuführen ist. Die Erlöse nach erfolgtem Beteiligungsexit können für die Unterstüt-
zung weiterer innovativer Unternehmen verwendet werden.
322. Neben der geringeren Subventionsintensität trägt vor allem die enge Begleitung des Unter-
nehmens durch die Beteiligungsgesellschaft (Hands-on-Management) dazu bei, die Er-
folgs-aussichten des Unternehmens signifikant zu verbessern. Fehlinvestitionen können
hierdurch verringert werden.
323. Mit Blick auf mögliche Marktverzerrungen ist hervorzuheben, dass sich VC-Gesellschaften
insbesondere an solchen Unternehmen beteiligen, die aufgrund von produkt- oder verfah-
rensseitigen Alleinstellungsmerkmalen über hohe Wachstumspotentiale verfügen. Im Um-
kehrschluss bedeutet dies, dass die Wettbewerbsintensität und damit die Gefahr von po-
tentiellen Wettbewerbsverzerrungen im konkreten Einzelfall eher begrenzt sind. Für ten-
denziell geringe Wettbewerbsverzerrungen spricht darüber hinaus, dass das marktseitige
Angebot an Risikokapital insbesondere in frühen Unternehmensphasen zu gering ist.
324. Insgesamt kann damit davon ausgegangen werden, dass ein Risikokapitalfonds generell,
insbesondere auch im Vergleich zu nicht-rückzahlbaren Zuschüssen, mit einer geringeren
Wettbewerbsverzerrung einhergehen. Die Verhältnismäßigkeit kann damit als gegeben an-
gesehen werden.
3.1.5. Beurteilung der Kohärenz mit anderen Arten
öffentlicher Interventionen, die den gleichen
Markt betreffen
325. Im Rahmen der Analyse des qualitativen Mehrwerts erfolgte ein Screening der wesentlichen
derzeit vorhandenen Instrumente zur Förderung innovativer Ausgründungen von Hoch-
schulen und Forschungseinrichtungen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.
326. Die Analyse ergab, dass ein Risikokapitalfonds – in Anlehnung an den Technologiegründer-
fonds der vorigen Förderperiode – das bestehende Spektrum an Zuschuss- und Beteili-
gungsinstrumenten sinnvoll ergänzen kann. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zu-
sammenhang die Vielschichtigkeit der Beteiligungsmöglichkeiten (z.B. offene Beteiligun-
gen, stille Beteiligungen, Darlehen), wodurch die sächsischen Unternehmen die für sie und
ihr Geschäftsmodell passende Beteiligungsform wählen können.
327. Die Vielzahl an weiteren Förderinstrumenten kann das Engagement des Risikokapitalfonds
komplementär ergänzen, indem sie zur Gesamtfinanzierung der Unternehmen in vor- bzw.
nachgelagerten Unternehmensphasen beitragen. Überschneidungen oder die Verdrängung
der bestehenden Instrumente durch den Risikokapitalfonds sind nicht zu erwarten. Die
Kohärenz ist damit gegeben.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
3.2. KMU-Darlehensfonds
328. In Kapitel 2 wurde auf Basis der Monitoringdaten des bestehenden Zuschussprogramms
zur Markteinführung innovativer Produkte sowie der Ergebnisse einer im Jahr 2012
durchgeführten Unternehmensbefragung eine potentielle Gesamtnachfrage nach Darlehen
aus dem KMU-Fonds von schätzungsweise 4,8 Mio. Euro p.a. abgeleitet.
329. Der Mehrwert eines EFRE-kofinanzierten KMU-Darlehensfonds kann insbesondere darin
bestehen, zusätzliches Kapital für innovative sächsische Unternehmen zur Finanzierung
der Marktbearbeitungsphase bereitzustellen. Hierdurch kann die in der Markteinfüh-
rungsphase begonnene und durch Zuschüsse geförderte Entwicklung weiter begleitet und
so die erfolgreiche Vermarktung neuer innovativer Produkte unterstützt werden.
3.2.1. Effektivitätsbeurteilung
330. Die Effektivität der relevanten Instrumente – Nachrangdarlehen und Zuschuss - wird daher
vor dem Hintergrund beurteilt, inwieweit sie zur Erreichung des Förderzwecks (nachhalti-
ge Einführung neuer innovativer Produkte) beitragen können.
Der Zuschuss bildet hier aus Sicht des Unternehmens das effektivste Förderinstru-
ment. Er ist nicht rückzahlbar und verursacht keine laufende finanzielle Belastung in
Form von Zins- oder Entgeltzahlungen.
Nachrangdarlehen führen bei den Unternehmen aufgrund ihrer Rückzahlbarkeit zu
Liquiditätsabflüssen in Form von Zins- und Tilgungsleistungen. Die Liquiditätsbelas-
tung ist allerdings i.d.R. - so auch bei dem hier zu betrachtenden KMU-Fonds - zu-
nächst geringer, weil Nachrangdarlehen üblicherweise in den ersten Laufzeitjahren
tilgungsfrei gestellt sind. Bei Einsetzen der Tilgung ist die Vermarktung des neu ent-
wickelten Produkts idealerweise bereits fortgeschritten, so dass der dann zu erbrin-
gende Kapitaldienst aus den mit dem neuen Produkt erzielten Umsatzerlösen gedeckt
werden kann.
331. Insgesamt betrachtet handelt es sich damit sowohl bei Zuschüssen als auch bei Nachrang-
darlehen um effektive Instrumente zur Finanzierung der späteren Marktbearbeitungspha-
se Die Abstufungen hinsichtlich der Effektivität dürften insofern gering sein.
3.2.2. Analyse des quantitativen Mehrwerts
332. Im Folgenden wird der aus dem Einsatz von Zuschüssen und Nachrangdarlehen resultie-
rende quantitative Mehrwert anhand eines Beispielfalls untersucht.
Tabelle 7: Quantitativer Mehrwert von Förderinstrumenten zur Begleitung der Phase
der Marktbearbeitung
Übergrei-
fende
Annah
men
Gesamtfinanzierungsbedarf des Unternehmens: 500.000 €
Förderintensität Zuschuss: von bis zu 50%, aber gedeckelt bei 100.000 €
Förderung Darlehen: bis zu 80% der förderfähigen Ausgaben, gedeckelt bei 500.000 €
Fall 1:
Zuschuss
Zuschussbetrag (EFRE-Anteil):
500.000 € • 50 % = 250.000 € (gedeckelt auf
100.000 €)
Kofinanzierung (national, Mindestanteil – in diesem Fall überschritten):
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
EFRE-Mittel / 80 % * 20 % =25.000 €
Hebel
= Gesamtinvestitionsvolumen / EFRE-Mittel
= 500.000 €/ 100.000 €
= 5,0
Durch den Einsatz eines Euro an EFRE-Mitteln werden 4 Euro an weiteren Mitteln
mobilisiert.
Fall 2:
Nachrang-
darlehen
Fall 2a) Es wird ein Nachrangdarlehen in Höhe des alternativ möglichen Zuschuss-
betrages gewährt. Der Nettoertrag aus dem Nachrangdarlehen beläuft sich auf
"null". Die Zinserträge entsprechen somit den Kosten der Kreditgewährung (ein-
schließlich Kreditausfälle, Refinanzierungs- und Verwaltungskosten).
Fallspezifische Annahmen:
Darlehenshöhe: 500.000€ * 0,8 = 400.000€
Laufzeit von 5 Jahren bei 2 tilgungsfreien Jahren
Planmäßige Rückführung des Nachrangdarlehens ab dem 3. Jahr in 3 gleichen
Raten
Die Zinseinnahmen decken die Ausfälle und Verwaltungskosten des Fonds
Diskontierungssatz von 4 %
Da das Nachrangdarlehen zunächst in voller Höhe ausgezahlt wird, beläuft sich der
"Hebel in der Gegenwart" auf 1,25.
Hebeleffekt in der Gegenwart = 500.000 € /400.000 € = 1,25
Unter der Annahme, dass die Zinseinnahmen die Kosten der Kreditgewährung
abdecken und unter Berücksichtigung eines Diskontierungssatzes von 4 Prozent
können in der Zukunft
ceteris paribus
weitere Darlehen (nur EFRE-Anteil) in
Höhe von 1.920.000 Euro
1
ausgereicht werden. Der Hebeleffekt beträgt entspre-
chend das 4,8-fache des Hebeleffektes in der Gegenwart. Da die Mittel in der Zu-
kunft mehrmals ausgereicht werden, wird angenommen, dass sich der „Hebel in
der Zukunft“ um eins auf 5,8 erhöht.
2
Der gesamte quantitative Mehrwert beläuft sich damit auf 7,25 (5,8 mal 1,25).
Fall 2b) Es gelten die Annahmen von Fall 2a. Der Fonds verzeichnet eine jährliche
Nettoausfallrate von zwei Prozent. In diesem Fall reichen die Zinseinnahmen zur
Deckung der Verwaltungs- und Ausfallkosten nicht aus.
Berücksichtigt man einen EU-Diskontierungssatz von vier Prozent sowie eine 1-
Jahres-Ausfallwahrscheinlichkeit von zwei Prozent, ergibt sich ein quantitativer
Mehrwert von 7,0.
333. Den Beispielfällen liegt jeweils ein Gesamtinvestitionsvolumen von 500.000 Euro zu-
grunde. Die maximale Förderintensität beträgt nominell 50 Prozent der Gesamtkosten, der
beim Zuschuss aber auf 100.000 Euro gedeckelt ist. Das Darlehen wiederum ist auf
500.000 Euro gedeckelt, kann aber bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten abdecken.
Dies bedeutet, dass ein Betrag von 100.000 Euro entweder durch einen öffentlichen Zu-
schuss (Fall 1) oder 400.000 Euro durch ein Nachrangdarlehen (Fall 2) mit deutlich gerin-
gerer Förderintensität als beim Zuschuss verglichen werden können. Obwohl der Nenn-
wert des Darlehens sehr viel höher ausfällt als beim Zuschuss erreicht er – unter Einbezie-
hung der zukünftigen Entwicklung – einen größeren Hebelwert und damit auch einen hö-
heren quantitativen Mehrwert (7,25 verglichen mit 5).
1
Mathematisch ermittelt.
2
Vgl. PricewaterhouseCoopers 2014: Ex-ante assessment methodology for financial instruments in the 2014-
2020 programming period, Volume I, S. 54.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
334. Der höhere quantitative Mehrwert des Nachrangdarlehens kann als ein Kriterium für die
Wahl des Förderinstrumentes herangezogen werden, wenn Zuschuss und Nachrangdarle-
hen im konkreten Einzelfall jeweils positive Fördereffektivität aufweisen.
3.2.3. Beurteilung des qualitativen Mehrwerts
335. Bei der Beurteilung des qualitativen Mehrwerts wird im Folgenden analysiert, inwieweit der
KMU-Darlehensfonds die bestehenden Mezzanine- und Zuschuss-Programme sinnvoll und
überschneidungsfrei ergänzt (keine Verdrängung bereits bestehender Angebote) und mit
Blick auf mögliche Mitnahmeeffekte und Wettbewerbsverzerrungen verhältnismäßig aus-
gestaltet ist.
336. Zu diesem Zweck erfolgt zunächst eine Bestandsaufnahme der für sächsische KMU auf
regionaler, nationaler und europäischer Ebene verfügbaren Mezzanine- und Zuschuss-
Programme, die auf die Phase der Markteinführung bzw. -bearbeitung abzielen. Anschlie-
ßend erfolgt die zusammenfassende Beurteilung der Kohärenz des KMU-Darlehensfonds.
Analyse der für sächsische KMU verfügbaren Mezzanine- und Zuschuss-
angebote
337. Sächsischen KMU stehen derzeit folgende Mezzanine- und Zuschuss-Programme für die
Markteinführungs- bzw. -bearbeitungsphase zur Verfügung.
1
1
Vgl.
www.foerderdatenbank.de,
www.sab.de,
www.kfw.de,
www.mbg-sachsen.de,
www.unternehmen-
region.de; im Bereich der FuE-Zuschussförderung bestehen über die in der folgenden Tabelle dargestellten
Programme hinaus noch zahlreiche weitere themenspezifische Instrumente.
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Tabelle 8: Mezzanine- und Zuschuss-Programme für KMU zur Finanzierung der Marktbearbeitungsphase
Förder-
instrument
Zielunternehmen
Fördergegenstand
Form der Un-
terstüt-
zung /
Größen-
ordnung
Wesentliche Förder-
bestimmungen
Zusammenwirken mit einem
Nachrangdarlehensfonds
Ergänzend
konkurrierend
ERP-
Innovations-
programm
Gewerbliche Unternehmen und
Angehörige der Freien Berufe,
mind. 2 Jahre am Markt; För-
derschwerpunkt sind Kooperati-
onen zwischen Wirtschaft und
Forschungseinrichtungen
langfristige Finanzierung
marktnaher Forschung
und der Entwicklung neu-
er Produkte, Verfahren
und Dienstleistungen
Nachrang-
darlehen
60% des Kre-
dits als Nach-
rang-
darlehen
grundsätzlich
bis zu 5 Mio.
Finanzierung von bis
zu 100% des Finanzie-
rungsbedarfs
Laufzeit der Nachrang-
tranche von 10 Jahren,
7 Jahre tilgungsfrei
Zinsvergünstigung für
kleine Unternehmen
Durchleitungspro-
gramm, erfordert die
Einbindung einer Ge-
schäftsbank
Ja,
ERP-
Innovations-
programm als
frühzeitiger Fi-
nanzierungsbe-
standteil bei
etablierten Un-
ternehmen, die
ein FuE-
Vorhaben durch-
führen
Nein,
bezieht sich
eher auf FuE,
weniger auf
spätere Phase
der Marktbe-
arbeitung
KfW - Beteili-
gungskapital
für Wachstum,
Innovation und
Nachfolge
(WIN)
KMU der gewerblichen Wirt-
schaft in der Rechtsform einer
Kapitalgesellschaft, mehr als 10
Jahre am Markt
Deckung des Finanzie-
rungsbedarfs für Wachs-
tums- und Innovations-
vorhaben und bei Nach-
folgeregelungen
Beteiligung
max. 5 Mio. €
(max. 50%
des Gesamt-
beteiligungs-
betrages)
Lead-Investor erforder-
lich, kein Hands-on
Management, nachhal-
tig ausgeglichenes Be-
triebsergebnis des Un-
ternehmens
Grundsätzlich ja,
KfW als Co-
Investor für das
Nachrangdarle-
hen erhaltende
Unternehmen
Nein,
klassisches
Beteiligungs-
programm,
nur für Kapi-
talgesellschaf-
ten
ERP-Startfonds
kleine Technologieunternehmen
der gewerblichen Wirtschaft,
grundsätzlich in der Rechtsform
einer Kapitalgesellschaft
Deckung des Finanzie-
rungsbedarfs für die Ent-
wicklung und Marktein-
führung neuer oder we-
sentlich verbesserter Pro-
dukte, Verfahren und
Dienstleistungen
Beteiligung
max. 5 Mio. €
(max. 50%
des Gesamt-
beteili-
gungsbetra-
ges)
Lead-Investor erforder-
lich, kein Hands-on
Management
Ja,
KfW als Co-
Investor in
Markteinfü-
rungsphase
Nein,
klassisches
Beteiligungs-
programm,
grundsätzlich
nur für Kapi-
talgesellschaf-
ten
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Ex-Ante-Evaluierung zum Einsatz von Finanzinstrumenten in der EFRE-Förderung 2014-2020 im Freistaat Sachsen
Förder-
instrument
Zielunternehmen
Fördergegenstand
Form der Un-
terstüt-
zung /
Größen-
ordnung
Wesentliche Förder-
bestimmungen
Zusammenwirken mit einem
Nachrangdarlehensfonds
Ergänzend
konkurrierend
Wachstums-
fonds Mittel-
stand Sachsen
Wachstumsorientierte KMU mit
Sitz/Betriebsstätte in Sachsen
Stärkung von Eigenkapi-
talbasis, Mitfinanzierung
u.a. von Technologieent-
wicklung und -einführung
in den Markt, Ausbau von
Produktion und/oder Ver-
trieb etc.
Offene Betei-
ligung, eigen-
kapitalähnli-
che Beteili-
gungsformen,
Beteiligungs-
höhe i.d.R.
von 750 T€
bis 2,5 Mio. €
Verfügbarkeit eines
tragfähigen Unterneh-
menskonzepts
Begrenzung der Aus-
zahlung von direkten
und atypisch stillen Be-
teiligungen auf maxi-
mal 1,5 Mio. EUR in-
nerhalb eines Zeit-
raums von zwölf Mona-
ten
Ja,
Beteiligung als
weiterer evtl.
vorgelagerter Fi-
nanzierungsbau-
stein
Nein,
klassisches
Beteiligungs-
programm für
tendenziell
größere Un-
ternehmen
Beteiligungen
der Mittelstän-
dischen Betei-
ligungsgesell-
schaft Sachsen
(MBG Idee)
KMU der gewerblichen Wirt-
schaft mit Sitz oder Betriebsstät-
te in Sachsen