Naturschutzkonzept Sachsenforst - Lokale Umsetzung im Forstbezirk Bärenfels (2018 – 2023)
45
II. Naturschutz-Vorhaben im Forstbezirk Bärenfels
Revier 08 Tharandt
1. Biotope und LRT
2. Biotopverbund
3. Artenschutz und Habitate
Name des Vorhabens:
2.15. Etablierung und Monitoring des Edelkrebses in den Gewässern des Tharandter
Waldes
Ziel der Maßnahme:
Etablierung, Erhalt, Pflege und Monitoring des Edelkrebses im Th. Wald
Vorhabensbeginn: 2018
Geplante Laufzeit: 2018 – 2019 - fortwährend
Vorhabenspartner: Teichwirtschaft Voss
Ausgangssituation
In einem gemeinsamen Projekt soll eine gesicherte Population des Europäischen Flusskrebses in den
Gewässern des Tharandter Waldes weiter ausgebaut und betreut werden. Dieses Vorhaben wird vom
Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Bärenfels im Rahmen einer Maßnahme zum Schutz der Natur
durchgeführt. Die Besatzmaßnahmen und die Betreuung der Krebsbestände erfolgt durch die Fisch- und
Krebszucht Voss aus Tharandt. Die gesamte Maßnahme wird mit der Fischereibehörde abgestimmt. Erste
Versuche und die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben gezeigt, dass die Gewässer im Tharandter Wald
hervorragend für die Haltung und Vermehrung des Europäischen Flusskrebses geeignet sind.
Historische Aufzeichnungen belegen ebenfalls frühere Vorkommen der Krebsart in den Gewässern. Mit
geringfügigen Veränderungen in der Bewirtschaftung der Gewässer wäre aus der heutigen Sicht ein sicherer
Schutz vor Seuchen und eine Verbesserung der Wasserführung möglich. Durch die gute touristische
Nutzung des Tharandter Waldes besteht die Möglichkeit an verschiedenen Stellen diese
Naturschutzmaßnahme vor Ort zu „vermarkten“ ohne die Tiere in ihrem Lebensraum zu stören.
Bereits 1895 beschreibt Dr. Bruno Steglich im Fachbuch „Die Fischgewässer im Königreiche Sachsen“
herausgegeben vom Sächsischen Fischerei-Verein die Triebisch im Tharandter Wald die gute
Wasserqualität und lobt die königliche Forstverwaltung und die Firma Rudolf Linke in Tharandt für ihr
Arrangement. Beide sind die Vorfahren der jetzigen Projektbeteiligten.
Im gleichen Fachbuch wird neben der Triebisch auch der Seerenbach bei Dorfhain, der Rodelandbach bei
Niederschöna und der Colmnitzbach als Forellengewässer eingestuft. Jetzige Erkenntnisse zeigen, dass die
Triebisch und der Seerenteich hervorragend für den Edelkrebs geeignet sind und dass es möglich sein sollte
Edelkrebse in allen Gewässern des Tharandter Waldes zu halten.

image
Naturschutzkonzept Sachsenforst - Lokale Umsetzung im Forstbezirk Bärenfels (2018 – 2023)
46
Arbeitsschritte
Das Naturschutzprojekt soll die Ansiedlung des Edelkrebses in allen Fließgewässern des Tharandter Waldes
bewirken. Die Bestände sollen langfristig (mind. 10 Jahre) kontrolliert werden und die Gewässer punktuell an
die Bedürfnisse der Krebse angepasst werden. Damit verbunden wird die Bewirtschaftung der Teiche und
stehenden Gewässern als eine Einheit koordiniert und optimiert. Die Erhaltung und Verbesserung der
Gewässerbeschaffenheit als Lebensgrundlage für den Edelkrebs soll das oberste Ziel des Projektes sein.
Wichtig ist es, dass die fischereifachliche Bewirtschaftung einheitlich zu koordinieren ist, um der Verbreitung
von Seuchen, die dem Krebsbestand schaden könnten, vorzubeugen. Weiterhin ist es notwendig das
Gewässersystem im gesamten Tharandter Wald als eine Einheit zu betrachten und aus gewonnenen
Erfahrungen heraus so zu verbessern, dass in Niedrig- und Hochwassersituationen ein sicherer Lebensraum
für den Krebsbestand gewährleistet ist.
Abbildung 34:
Europäischer Edelkrebs (Fa. Voss, 2018)
Mit diesem Projekt besteht die einmalige Möglichkeit in einem zusammenhängenden Gebiet, dem
Tharandter Wald, eine Population von Edelkrebsen aufzubauen die sich auf natürlichem Wege
untereinander keine Krankheiten übertragen können. Die Quellgebiete der einzelnen Bäche sind nicht
miteinander verbunden und münden in unterschiedliche Flüsse. Für einen gesunden Bestand ist es ebenfalls
sehr vorteilhaft, dass es keine landwirtschaftlichen Nutzflächen in den Quellgebieten gibt, welche durch
Düngung oder andere Maßnahmen schädlichen Einfluss auf den Krebsbestand nehmen können. Das
Naturschutzprojekt und die gute touristische Erschließung des gesamten Waldgebietes ermöglicht es den
Edelkrebs in seinem natürlichen Lebensraum, Interessierten näher zu bringen. Mit Schautafeln im
Walderlebnis Grillenburg direkt an der Triebisch besteht die Möglichkeit das Zusammenspiel der
Waldbewirtschaftung mit den Tieren im Wasser zu zeigen. Die bisherigen Bestandskontrollen haben gezeigt,
dass die Wasserqualität in Ordnung ist und dass die vorhandenen Bestände an Edelkrebsen sich wohl
fühlen. Bei einem langfristig angelegten Projektzeitraum von mindestens 10 Jahren kann durch die
Aufzeichnungen der Wasserqualität und die Dokumentation der Probefänge ein Rückschluss auf die
Veränderungen der Waldbewirtschaftung gezogen werden. Mit der Gewässerbewirtschaftung unter
fischerwirtschaftlichen Gesichtspunkten, besteht die Möglichkeit den Naturschutz und auch den
Hochwasserschutz zu verbessern. Mit gemeinsamen Ideen zur Optimierung der Gewässer werden bestimmt
Möglichkeiten gefunden den Wald an die klimatischen Veränderungen anzupassen.
Vielen Dank an Familie Voss für diese Ausführung.