45
Hydrologie
4

46
Die hohen Niederschläge im August und September 2010 so-
wie die rasche Schneeschmelze in Verbindung mit ergiebi-
gem Regen und hoher Vorfeuchte im Januar 2011 führten in
vielen sächsischen Einzugs gebieten zu starken und vielerorts
auch extremen Hoch wassern. In diesem Kapitel erfolgt die
Darstellung der hydrologischen Analysen und Berechnungen
für die jeweils am stärksten betroffenen Einzugs gebiete.
Zunächst wird dabei in
Kapitel 4.1
die Methodik zur Ermittlung
der Abflussscheitel und Ganglinien erläutert. Nach den hyd-
rologischen Auswertungen der Wasserstände und Abflüsse
sowie der Wirkung der Stauanlagen in
Kapitel 4.2
erfolgt in
Kapitel 4.3
die hoch wasserstatistische Einordnung der jewei-
ligen pegelbezogenen Scheitelabflüsse. Abschließend enthält
Kapitel 4.4
eine Darstellung der durch die Starkniederschläge,
Schneeschmelze und Hoch wasserereignisse verursachten
Probleme durch hohe Grundwasserstände.
4
Hydrologie
4.1 Methodik zur Ermittlung der Abflussscheitel und
Ganglinien
4.2 Hydrologische Auswertung der Hoch wasser in den
einzelnen Einzugs gebieten
4.2.1 Lausitzer Neiße
Basis für die Untersuchung des Hoch wasserablaufs waren
Wasserstands- und Abflussdaten der Pegel des gewässer-
kundlichen Messnetzes des Freistaates Sachsen
(vgl. bei­
liegende Karte)
sowie der grenznächsten Pegel der Tschech-
ischen Republik und der Republik Polen
(vgl. Abbildung 2­2).
Die Abflussganglinien wurden zunächst aus den Wasser-
standsaufzeichnungen der Schreib pegel mit Hilfe von ext-
rapolierten Wasserstands-Durchfluss-Beziehungen (W-Q-
Beziehung) bestimmt, wobei die Hoch wasser scheitelab flüsse
an den Pegeln in einem ersten Schritt auf der Grundlage von
Längs schnittbetrachtungen der Hoch wasser scheitel ab fluss -
spenden geschätzt wurden. Deren Prüfung erfolgte in der Regel
durch stationär ungleichförmige hydraulische Berechnungen.
Aus den sich ergebenden Abflussganglinien wurden als charak-
teristische Kennwerte der Hochwasserscheiteldurchfluss HQ,die
Scheiteleintrittszeit und die Hochwasserscheitelabflussspende
Hq sowie der Direktabfluss RD bestimmt. Zur Ermittlung des
Direktabflusses erfolgte eine Separation des Basisabflusses.
Der Anfang des Direktabflusses wurde in der Regel auf den
Beginn des Anstiegs und dessen Ende vor Beginn des nächsten
Niederschlages beim 3- bis 4-fachen des vieljährigen mittleren
Durchflusses MQ festgelegt. Innerhalb dieser Dauer wurde der
Basisabfluss linear interpoliert.
Auf Grundlage von Änderungen der W-Q-Beziehungen der
Pegel wurde schließlich, von den Oberläufen ausgehend, ite-
rativ sowohl eine plausible Direktabflussfüllenbilanz als auch –
unter Berücksichtigung des Gebietsniederschlags – ein plau-
sibles Abflussbeiwertverhalten in den einzelnen Ge wässer -
längsschnitten hergestellt. Weitergehende Erläuterungen fin-
den sich in Büttner et al. (2013).
Ereignis August 2010
Die Starkniederschläge am 7. und 8. August im Einzugsgebiet
führten vor allem in der oberen Lausitzer Neiße (unterhalb
Liberec) und ihren Zuflüssen zu einem Hoch wasser von ext-
remem Ausmaß. Insbesondere in den Neiße-Zuflüssen Jerˇica,
Mandau, Miedzianka und der Witka (Smeˇda) hatte das Hoch-
wasser katastrophale Auswirkungen.
Den Niederschlägen folgte eine sehr schnelle Reaktion im
Einzugsgebiet, die durch zahlreiche Pegelstationen auf tsche-
chischem, polnischem und deutschem Gebiet aufgezeichnet
wurde
(Abbildung 2­2).
Teilweise wurden aber auch Pegel
zerstört, überflutet oder umflutet, was die hydrologische
Auswertung des Hoch wassers erschwerte.
Auch die Auswertungen der polnischen und tschechischen
Fachleute wurden berücksichtigt
(IMGW PIB 2011, C
ˇ
HMÚ
2012).
Wasser standsganglinien von ausgewählten Pegeln der Lau-
sitzer Neiße vom Ereignis im August sind in der
Abbildung
4­1
dargestellt.

47
4
Hydrologie
Abbildung 4-1: Beobachtete und rekonstruierte (---) Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1-4 an ausge-
wählten Pegeln an der Lausitzer Neiße für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Zittau 1
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Rosenthal
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Podrosche 2
Görlitz
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

image
image
48
Abbildung 4-2: Talsperre Mlýnice (Albrechticky` potok) am 07.08.2010 (Foto: Povodi Labe)
Abbildung 4-3: Der Kristýnasee nach dem Hochwasser Anfang August 2010 (Foto: J. Strupl)

image
image
image
49
Bereits am Vormittag des 7. August entwickelte sich im
Oberlauf der Lausitzer Neiße auf tschechischem Gebiet
eine extreme Hoch wassersituation. Schwerpunkt des Hoch-
wassers war hier nicht die Lausitzer Neiße selbst sondern
das Einzugsgebiet der Jerˇica (rechter Zufluss der Lausitzer
Neiße). Im oberen Teil des Jerˇica-Einzugs gebietes wurden
die höchsten Niederschläge innerhalb von zwei Tagen ge-
messen (Olivetská hora – 310 mm). Am 7. August fielen von
00:00 Uhr bis 04:00 Uhr 80 bis 120 mm. Nochmals sehr inten-
sive Starkniederschläge traten in der Zeit zwischen 09:00 und
11:00 Uhr mit 10 mm/h bis 50 mm/h auf
(C
ˇ
HMÚ 2012).
Die
Wasserstände in den Flüssen stiegen sehr schnell an und es
kam dazu, dass an den Talsperren Fojtka und Mlýnice (beide
im Einzugsgebiet der Jerˇica) das Wasser über die Dammkrone
strömte
(Abbildung 4­2).
An diesen beiden Talsperren und
auch an der Talsperre Bedrˇichov (C
ˇ
erna Nisá) kam es zu kei-
ner Havarie.
An der Pegelstation Chrastava/Jerˇica stieg das Wasser sehr
schnell an. Gegen Mittag kam der größte Teil der Hoch-
wasserwelle an. Zwischen 10:00 und 12:00 Uhr nahm der
Wasserstand im Fluss um 250 cm zu. Um 12:30 Uhr erreichte
der Scheitel den Pegel bei einem Stand von 433 cm und einem
Durchfluss von 271 m³/s
(C
ˇ
HMÚ 2012).
Das Hoch wasser der Lausitzer Neiße bis zum Pegel Hrádek
n. N. auf tschechischem Gebiet wurde vor allem durch den
Verlauf des Hoch wassers an der Jerˇica geprägt. Am Pegel
Hrádek n. N. bildete sich der Scheitel um 17:20 Uhr mit einem
Wasserstand von 395 cm und einem Durchfluss von 410 m³/s.
Dieser ermittelte Durchfluss am Pegel Hrádek n. N. umfasst
nicht die gesamte Wassermenge der Lausitzer Neiße.
Abbildung 4-4: Lage des Kristýnasees an der Lausitzer Neiße
4
Hydrologie
Pegel
Freistaat Sachsen
Tschechische Republik
Standgewässer
Fließgewässer
Abbildung 4-5: Abflussganglinie an den Pegeln Hrádek n. N. und Hartau/Lausitzer Neiße für den Zeitraum 06.08.–12.08.2010
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
Hradek n. N.
Hartau

image
50
Ein Teil floss in Richtung des Kristýnasees, der sich unterhalb
des Pegels auf der rechten Flussseite befindet
(Abbildung
4­3 und 4­4).
Am Pegel Hartau, dem ersten Pegel an der
Lausitzer Neiße auf deutschem Gebiet, bildete sich der Hoch-
wasserscheitel gegen 18:15 Uhr mit 430 cm aus. An bei-
den Pegeln wurden die höchsten seit 1981 beobachteten
Wasserstände um mehr als einen Meter überschritten.
Am Pegel Hartau wurde ein Hoch wasserscheitel mit 360 m³/s
ermittelt, wobei hier der beidseitige Deichhinterlandabfluss
mit beachtet worden ist. Die Wassermengen, die Richtung
Kristýnasee ausgebrochen sind, flossen verzögert der
Lausitzer Neiße oberhalb des Pegels Hartau wieder zu, was
die
Abbildung 4­5
sehr gut veranschaulicht.
Das Hoch wasser in der Lausitzer Neiße unterhalb Hartau
wurde maßgeblich durch die Mandau beeinflusst. Hier er-
eignete sich ein Hoch wasser mit verheerenden Ausmaßen
vor allem auf deutschem Gebiet. Im tschechischen Teil des
Einzugs gebietes der Mandau (Mandava) traten die intensivs-
ten Niederschläge in den Morgen- und Nachmittagsstunden
des 7. August mit Niederschlagsintensitäten von 10–15 mm/h
auf. Am Pegel Rumburk wurde der Scheitel um 19:40 Uhr mit
einem Wasserstand von 308 cm (48,2 m³/s) erreicht. Der
Durchfluss entspricht einem 20 bis 50 jährlichen Hoch wasser
(C
ˇ
HMÚ 2012).
Die Hoch wasserscheitel der Mandau sind in
Tabelle 4­1
zusammengefasst.
Im deutschen Einzugsgebiet der Mandau waren die Nieder-
schläge stärker als im tschechischen Einzugsgebiet. An der
Station Bertsdorf-Hörnitz wurden in der Zeit von 07:00 Uhr
bis 16:00 Uhr Niederschlagsintensitäten von 10 mm/h bis
maximal 35 mm/h gemessen. Insgesamt fielen am 7. August
an der Station Bertsdorf-Hörnitz 102 mm mit katastrophalen
Auswirkungen
(Abbildung 4­6).
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Rumburk
Mandava
07.08., 19:40
308
48,2
Seifhennersdorf
Mandau
07.08., 17:45
248
91,9
Niederoderwitz
Landwasser
07.08., 17:30
218
45,5
Großschönau 2
Mandau
07.08., 17:15
364
187
Zittau 5
Mandau
07.08., 18:30
473
300
Tabelle 4-1: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Mandau im August 2010
Abbildung 4-6: Die Hauptstraße in Bertsdorf-Hörnitz am 07.08.2010 um ca. 09:45 Uhr (Foto: O. Menges)

51
4
Hydrologie
Am Pegel Großschönau 2/Mandau bildete sich bereits um
17:15 Uhr ein Scheitel mit einem Wasserstand von 364 cm
aus. Am Pegel Niederoderwitz/Landwasser wurde der Scheitel
mit einem Wasserstand von 218 cm um 17:30 Uhr regist-
riert. Am unterhalb der Einmündung des Landwassers gele-
genen Pegel Zittau 5/Mandau trat der höchste Wasserstand
um 18:30 Uhr mit 473 cm ein. Der Pegel ist durch das Hoch-
wasser der Lausitzer Neiße rückstaubeeinflusst gewesen.
Die Auswertungen ergaben einen Scheiteldurchfluss von
300 m³/s. Die Hoch wasserganglinien an den Pegeln im
Einzugsgebiet der Mandau sind in
Abbildung 4­7
dargestellt.
In der
Abbildung 4­8
sind der Niederschlags- und Abfluss-
verlauf für das Einzugsgebiet des im Hochwasserrückstau der
Lausitzer Neiße gelegenen Pegels Zittau 5/Mandau für das Hoch-
wasserereignis im August dargestellt. Vom 6. August, 08:00 Uhr
bis zum 9. August, 07:00 Uhr ist für das Einzugsgebiet der Man-
Abbildung 4-7: Abflussganglinien für die Mandau für den Zeitraum 06.08.-12.08.2010
Abbildung 4-8: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Zittau 5/Mandau für den Zeitraum 06.08.-12.08.2010
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
Seifhennersdorf/Mandau
Großschönau 2/Mandau
Niederoderwitz/Landwasser
Zittau 5/Mandau
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
0
5
10
15
20
25
P [mm/h]
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00

52
dau bis zum Pegel Zittau 5 ein Gebiets niederschlag von 145 mm
und ein Direktabfluss von 71 mm ermittelt worden. Fast 50 %
des im Einzugsgebiet gefallenen Niederschlages sind direkt aus
diesem abgeflossen.
Unterhalb der Mündung der Mandau in die Lausitzer Neiße be-
findet sich der Pegel Zittau 1. Wie die
Abbildung 4­9
zeigt, tra-
fen die Hoch wasserscheitel von Lausitzer Neiße und Mandau
fast unmittelbar aufeinander. Der Pegel Zittau 1 hat das Hoch-
wasserereignis vollständig aufgezeichnet. Aus der Auswertung
der Daten geht hervor, dass 20:30 Uhr der Scheitel mit einem
Wasserstand von 492 cm eintrat. Dieser Wasserstand liegt fast
einen Meter über dem Wasserstand vom Hochwasser im Juli
1981 (W = 400 cm)
(vgl. Tabelle A­1).
Während des Ereignisses wurde der linke Deich unter-
halb des Bahnviaduktes überströmt
(Abbildung 4­10).
Mit
Berücksichtigung dieser Umflut ergibt sich für den Pegel
Zittau 1 ein Hoch wasserscheiteldurchfluss von 601 m³/s und
bestätigt damit das Ergebnis der polnischen Seite für den
Pegel Sieniawka
(IMGW­PIB 2011).
Der grenznächste Pegel an der Lausitzer Neiße auf deutscher
Seite ist der Pegel Rosenthal. Dieser befindet sich ca. 10 km
flussabwärts vom Pegel Zittau 1 und unterhalb der Mündung
der Miedzianka. Der maximale Wasserstand am Pegel Turo-
szów an der Miedzianka trat am 7. August um 13:30 Uhr mit
590 cm ein und entspricht einem Durchfluss von 83 m³/s
(IMGW­PIB 2011).
Auch dieser Pegel ist durch das Hoch-
wasser der Lausitzer Neiße rückstaubeeinflusst gewesen.
Trotz des katastrophalen Hoch wassers an der Miedzianka
und der dadurch verursachten Zerstörung von vie-
len Gebäuden in der Stadt Bogatynia wurde der in einer
Gewässerverlegungsstrecke gelegene Pegel nicht zerstört.
Abbildung 4-9: Abflussganglinie der Lausitzer Neiße an den Pegeln Hartau und Zittau 1 sowie am Pegel Zittau 5 an der Mandau für den Zeit-
raum 06.08.–12.08.2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Differenz
[m³/s]
Rennersdorf 1
Petersbach
07.08., 18:00
132
15,1
Rennersdorf 6
Berthelsdorfer Wasser
07.08., 15:45
143
16,0
Rennersdorf 3
Pließnitz
07.08., 20:45
311
33,6
Tauchritz
Pließnitz
07.08., 19:45
210
43,4
Tabelle 4-2: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Pließnitz am 07.08.2010
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
650
600
550
500
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
Hartau/Lausitzer Neiße
Zittau 5/Mandau
Zittau 1/Lausitzer Neiße

image
53
4
Hydrologie
Am Pegel Rosenthal stieg der Wasserstand von 13:00 Uhr bis
20:00 Uhr um fast drei Meter an. Gegen 20:00 Uhr wurde
das Pegelhaus überströmt und die technische Ausstattung
in Mitleidenschaft gezogen, sodass bis zum 11. August kei-
ne Wasserstandsaufzeichnungen vorhanden sind. Der am
Pegel Rosenthal auf Grundlage der Geschwemmsellinie mit
839 cm eingemessene Höchststand liegt knapp drei Meter
über dem höchsten bekannten Hoch wasser von 1958 (W =
550 cm)
(vgl. Tabelle A­1).
Der Scheiteleintritt wurde ent-
sprechend den Einwohnerbeobachtungen auf 22:30 Uhr fest-
gelegt. Anhand der örtlichen, mit Uhrzeit versehenen Video-
und Fotoaufnahmen sowie mit Längsschnitt- und hydrauli-
schen Betrachtungen wurde ein Scheitelabfluss von 730 m³/s
ermittelt.
Oberhalb des Tagebaurestsees Berzdorf münden von rechts
die Witka (Smeˇda) und wenig unterhalb der Witka von links
die Pließnitz in die Lausitzer Neiße. Am Pegel Tauchritz/
Pließnitz wurde um 19:45 Uhr der Hoch wasserscheitel von
W = 210 cm und Q = 43,4 m³/s beobachtet. Weitere Angaben
zum Hoch wasser der Pließnitz sind in der
Tabelle 4­2
zusam-
mengefasst.
Am 7. August um ca. 18:30 Uhr traf die steil ansteigende
Welle aus der Witka auf die Lausitzer Neiße. Am 8. August ge-
gen 03:30 Uhr kam der Hoch wasserscheitel vom Oberlauf der
Lausitzer Neiße an der Mündung der Witka an. Es kam zu kei-
ner Überlagerung der beiden Hoch wasserscheitel.
Die Hoch wasserwelle der Lausitzer Neiße wurde im Raum
Hagenwerder unterhalb der Mündung der Witka durch das
Überströmen des Auslaufbauwerkes und des nordöstli-
chen Randstreifens des Berzdorfer Sees abgeflacht. Etwa
zwischen 21:00 Uhr und 22:00 Uhr brach das Wasser zum
Berzdorfer See hin aus und ca. 5,1 Mio. m³ flossen in die-
sen Tagebaurestsee
(siehe auch Kapitel 9.3).
Dies hatte auch
zur Folge, dass sich 00:30 Uhr der Anstieg des Wasserstandes
am Pegel Görlitz verringerte. An diesem Pegel begann ab
20:45 Uhr ein drastischer Wasserstandsanstieg, der zwischen
20:00 Uhr und Mitternacht ca. vier Meter betrug. Der ma-
ximale gemessene Anstieg betrug dabei ca. zwei Meter in
30 Minuten. Der höchste Wasserstand wurde hier am
8. August um 07:00 Uhr mit 720 cm registriert und lag 29 cm
höher als der Wasserstand des Hoch wasserereignisses vom
Juli 1981
(vgl. Tabelle A­1).
Für den Scheitelwasserstand wur-
de ein Durchfluss von 1.010 m³/s ermittelt
(Abbildung 4­11).
17 Stunden später, am 8. August um Mitternacht, wur-
de am Pegel Podrosche 2, rund 50 km unterhalb des Pegels
Görlitz, der Höchststand mit 691 cm registriert. Auf der ca.
50 km langen Strecke von Görlitz nach Podrosche kam es
durch die vorhandenen Retentionsflächen auf deutscher
und polnischer Seite zu einer Abflachung des Hoch wassers.
Der Hoch wasserscheitel am Pegel Podrosche 2 wurde un-
ter Berücksichtigung der Ergebnisse der vorgenommenen
Durchflussmessungen und einer plausiblen Abflussfüllen-
und -beiwertbilanz im Gewässerlängsschnitt mit 790 m³/s
festgelegt. Dieser Wert liegt unter dem von polnischer
Seite angegebenen Hoch wasserscheitel für den gegenüber-
liegenden Pegel Przewóz (1.040 m³/s), der allein aus den
Durchflussmessergebnissen abgeleitet wurde.
Abbildung 4-10: Von der Lausitzer Neiße überschwemmtes Gebiet in Zittau und Sieniawka am 08.08.2010 (Foto: SMI)

54
Abbildung 4-11: Abflussganglinie an den Pegeln Rosenthal (--- rekonstruierte Ganglinie) und Görlitz/Lausitzer Neiße und der simulierte Zufluss
aus der Witka mit dem Bruch des Dammes des Speichers Niedów für den Zeitraum 07.08.-10.08.2010 (entnommen aus IMGW-PIB 2011)
Abbildung 4-12: Abflussganglinien ( --- rekonstruiert) der Lausitzer Neiße von Pegel Hartau bis Pegel Guben 2 für den Zeitraum 06.08.2010-
12.08.2010
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
1.100
1.000
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
Q [m
3
/s]
Hartau
Zittau 1
Rosenthal
Görlitz
Podrosche 2
Klein Bademeusel
Guben 2
07.08.
00:00
07.08.
06:00
07.08.
12:00
07.08.
18:00
08.08.
00:00
08.08.
06:00
08.08.
12:00
08.08.
18:00
09.08.
00:00
09.08.
06:00
09.08.
12:00
09.08.
18:00
10.08.
00:00
1.300
1.200
1.100
1.000
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
Q [m
3
/s]
Rosenthal/Lausitzer Neiße
Zufluss aus der Witka (simuliert)
Görlitz/Lausitzer Neiße

55
4
Hydrologie
Eine Übersicht über die Hoch
wasserscheitel an den deutschen
Pegeln der Lausitzer Neiße zeigt
Tabelle 4­3.
Im weiteren Verlauf des Ereignisses erreichte die Hoch-
wasserwelle am 9. August nachmittags die Landesgrenze
von Sachsen zu Brandenburg. Am Brandenburger Pegel Klein
Bademeusel bildete sich am 9. August um 18:30 Uhr der
Hoch wasserscheitel mit 528 cm (Q = 569 m³/s) aus. Dieser
Wasserstand blieb nur 4 cm unter der Marke von 1981. Am
Pegel Guben 2, 13,8 km vor der Mündung der Lausitzer Neiße
in die Oder, kam es zum höchsten Wasserstand mit 632 cm
(Q = 610 m³/s) am 10. August. In
Abbildung 4­12
sind die
Abflussganglinien für den Abschnitt der Lausitzer Neiße vom
Pegel Hartau bis zum Pegel Guben 2 dargestellt.
Das Hoch wasserereignis ist neben den extremen Scheitel-
abflüssen auch durch die große Direktabflussfülle gekenn-
zeichnet. Für ausgewählte Pegelquerschnitte sind die Direkt-
abflussfüllen und Abflussbeiwerte in
Tabelle 4­4
enthalten.
Die Abflussbeiwerte bewegen sich bei den ausgewerteten
Pegeln im Bereich von 20 % bis fast 60 %. Dabei ist davon
auszugehen, dass diese im Kern des Niederschlagsgebietes im
tschechischen Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße noch größer
gewesen sind.
Um die Hoch wassercharakteristik im Einzugsgebiet weiter
zu vergleichen, wurden die Scheitelabflussspenden ermittelt.
Diese sind ebenfalls für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet
der Lausitzer Neiße in
Tabelle 4­4
zusammengestellt. Sie be-
wegen sich auf deutschem Gebiet in Abhängigkeit von der
Einzugsgebietsgröße und den Niederschlägen zwischen
250 l/(s∙km
2
) bis 1.000 l/(s∙km
2
). Im Kern des Nieder schlags-
gebietes, das sich auf tschechischem Einzugsgebiet der
Lausitzer Neiße befand, wurden maximale Abflussspenden
von 6.000 l/(s∙km
2
) bis 10.000 l/(s∙km
2
) berechnet.
In
Abbildung 4­13
werden für die wichtigsten Pegel im
Einzugsgebiet die Scheitelabflussspenden des Augusthoch-
wassers 2010 dargestellt, wobei die höchsten Abflussspen-
den, aus denen auch die Hüllkurve berechnet wurde, an den
Pegeln im tschechischen Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße
auftraten. Die Abflussspenden der Pegel Liberec/Lausitzer
Neiße und Tauchritz/Pließnitz zeigen, dass hier nicht der
Schwerpunkt des Hoch wassergeschehens war.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Hartau
Lausitzer Neiße
07.08., 18:15
427
360
Zittau 1
Lausitzer Neiße
07.08., 20:30
492
601
Rosenthal
Lausitzer Neiße
07.08., 22:30
839
730
Görlitz
Lausitzer Neiße
08.08., 07:00
720
1010
Podrosche 2
Lausitzer Neiße
09.08., 00:00
691
790
Klein Bademeusel
Lausitzer Neiße
09.08., 18:30
528
569
Guben 2
Lausitzer Neiße
10.08., 10:00
632
610
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Hartau
Lausitzer Neiße
377
139,3
82,8
31,3
59
360
953
Zittau 5
Mandau
295
145,3
71,3
21,0
49
300
1.015
Zittau 1
Lausitzer Neiße
693
144,5
78,5
54,4
54
601
866
Rosenthal
Lausitzer Neiße
879
138,9
79,3
69,7
57
730
831
Tauchritz
Pließnitz
162
75,5
17,3
2,81
23
43,4
267
Görlitz
Lausitzer Neiße
1.630
112,2
64,4
105
57
1.010
619
Podrosche 2
Lausitzer Neiße
2.070
98,4
44,9
93,0
46
790
382
Tabelle 4-3: Übersicht über die Hochwasserscheitel an den Pegeln der Lausitzer Neiße im August 2010
Tabelle 4-4: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (Ψ),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße für den Zeitraum 06.08.–09.08.2010

56
Abbildung 4-13: Scheitelabflussspenden (Hq) des Augusthochwassers 2010 für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße und aus
den Scheitelabflussspenden des Oberlaufs berechnete Hüllkurve
1
10
100
1.000
10.000
100.000
10.000
1.000
100
Hq [l/(s∙km
2
)]
A
Eo
in km
2
Hüllkurve
Scheitelabflussspenden
August 2010
Talsperre Mlynice/Jefice
Billy Potok/Smeda
Chrastava/Jerice
Frydland/Smeda
Zittau 5/Mandau
Hartau/Lausitzer Neiße
Zittau 1/Lausitzer Neiße
Görlitz/Lausitzer Neiße
Podrosche 2/Lausitzer Neiße
Liberec/Lausitzer Neiße
Tauchritz/Pließnitz
Ereignis September 2010
Nach dem schweren Hochwasser vom 7. bis zum 10. August kam
es im August noch zu geringfügigen Wasserstandsanstiegen
im Einzugsgebiet bis in den Bereich der Alarmstufe 2. Ab dem
25. September sorgte dann ein neues Frontensystem für an-
dauernden und ergiebigen Regen. Dabei wurden erneut starke
Niederschläge im polnischen und tschechischen Einzugsgebiet
der Lausitzer Neiße registriert. Die Wasserstände an den Hoch-
wassermeldepegeln stiegen teilweise wieder bis in den Bereich der
Alarmstufe 4.
Die Wasserstandsganglinien von ausgewählten Pegeln der Lausitzer
Neiße für das Ereignis von Ende September bis Anfang Oktober
sind in der
Abbildung 4­14
dargestellt.
Der Wasserstandsanstieg am Pegel Zittau 1 bis in den Bereich
der Alarmstufe 4 wurde wie beim Ereignis Anfang August im
Verlauf durch das fast zeitgleiche Zusammentreffen der Hoch-
wasserscheitel aus der Mandau und aus dem Oberlauf der Lausitzer
Neiße geprägt
(Abbildung 4­15).
In der Lausitzer Neiße am Pegel Zittau 1 trat am 28. September
um 00:30 Uhr der Hochwasserscheitel mit einem Durchfluss von
236 m³/s auf. Dabei kamen vom Oberlauf der Lausitzer Neiße über
100 m³/s und aus der Mandau über 90 m³/s
(Tabelle 4­5).
In der
Abbildung 4­16
sind der Niederschlags- und Abflussverlauf
für das Einzugsgebiet des Pegels Zittau 5/Mandau für das Hoch-
wasserereignis von Ende September bis Anfang Oktober dar-
gestellt. Vom 25. September, 11:00 Uhr bis zum 30. September,
00:00 Uhr ist für das Einzugsgebiet der Mandau bis zum Pegel
Zittau 5 ein Gebietsniederschlag von 102,7 mm berechnet worden.
Für dieses Hochwasser wurde ein Direktabfluss von fast 40 mm er-
mittelt. Etwa 40 % des Niederschlages sind im Einzugsgebiet direkt
zum Abfluss gekommen.
Fast 12 Stunden später bildete sich am Pegel Görlitz am
28. September um 12:00 Uhr mit einem Wasserstand von 607 cm
der Hochwasserscheitel aus und war damit 113 cm niedriger als
am 8. August. Der starke Wasserstandsanstieg am Pegel Görlitz
wurde neben dem hohen Zufluss aus der Witka auch durch die
Pließnitz beeinflusst. Am Pegel Ostróz˙no/Witka auf polnischer Seite
bildete sich am 28. September ab 03:00 Uhr ein sehr langgestreck-
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Seifhennersdorf
Mandau
27.09., 23:30
165
33,3
Niederoderwitz
Landwasser
27.09., 23:15
136
14,6
Großschönau 2
Mandau
27.09., 23:45
199
57,1
Zittau 5
Mandau
28.09., 00:30
269
90,9
Tabelle 4-5: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Mandau im September 2010

57
Abbildung 4-14: Beobachtete Wasserstandsganglinien an ausgewählten Pegeln an der Lausitzer Neiße für den Zeitraum 15.09.–15.10.2010
4
Hydrologie
700
600
500
400
300
200
100
0
700
600
500
400
300
200
100
0
700
600
500
400
300
200
100
0
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
W [cm]
W [cm]
W [cm]
Zittau 1
15.09.
16.09.
17.09.
18.09.
19.09.
20.09.
21.09.
22.09.
23.09.
24.09.
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
06.10.
07.10.
08.10.
09.10.
10.10.
11.10.
12.10.
13.10.
14.10.
15.10.
Görlitz
Rosenthal
Podrosche 2
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

58
Abbildung 4-16: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Zittau 5/Mandau für den Zeitraum 25.09–05.10.2010
Abbildung 4-15: Abflussganglinie der Lausitzer Neiße an den Pegeln Hartau und Zittau 1 sowie am Pegel Zittau 5 an der Mandau für den Zeitraum
25.09.–05.10.2010
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
Hartau/Lausitzer Neiße
Zittau 1/Lausitzer Neiße
Zittau 5/Mandau
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
120
100
80
60
40
20
0
P [mm/h]
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Q [m
3
/s]

59
Abbildung 4-17: Abflussganglinie an den Pegeln Rosenthal und Görlitz/Lausitzer Neiße, Tauchritz/Pließnitz und am Pegel Ostróz˙no/Witka für den
Zeitraum 25.09.–05.10.2010
4
Hydrologie
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
500
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
Rosenthal/Lausitzer Neiße
Görlitz/Lausitzer Neiße
Tauchritz/Pließnitz
Ostróz˙no/Witka
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Rennersdorf 1
Petersbach
28.09., 08:00
120
11,1
Rennersdorf 6
Berthelsdorfer Wasser
27.09., 22:15
92
5,37
Rennersdorf 3
Pließnitz
28.09., 04:45
281
24,6
Tauchritz
Pließnitz
28.09., 02:45
222
49,5
Tabelle 4-6: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Pließnitz im September 2010
ter Hochwasserscheitel aus. Fast 12 Stunden flossen über 90 m³/s
aus der Witka der Lausitzer Neiße zu. Die Pließnitz brachte maximal
50 m³/s
(Tabelle 4­6).
Die Hauptwassermenge mit einem Scheiteldurchfluss von
336 m³/s am Pegel Rosenthal kam aber aus dem Oberlauf der
Lausitzer Neiße. Der Scheiteldurchfluss am Pegel Görlitz betrug
452 m³/s
(Abbildung 4­17).
Einen Tag später, am 29. September um 07:00 Uhr, wurde am
Pegel Podrosche 2 rund 50 km unterhalb des Pegels Görlitz der
Höchststand mit 605 cm registriert. Das sind 86 cm unter dem
Höchststand vom 8. August. Eine Übersicht über die Hoch-
wasserscheitel an den Pegeln der Lausitzer Neiße zeigt
Tabelle 4­7.
Im weiteren Verlauf des Ereignisses erreichte die Hochwasserwelle
am 29. September in der zweiten Tageshälfte die Landesgrenze
von Sachsen zu Brandenburg. Am Brandenburger Pegel Klein
Bademeusel bildete sich am 30. September um 01:30 Uhr der
Hochwasserscheitel mit 470 cm aus. Am Pegel Guben 2, 13,8 km
vor der Mündung der Lausitzer Neiße in die Oder, kam es zum
höchsten Wasserstand mit 620 cm am 30. September um 14:45 Uhr.
Dieser Wasserstand lag nur 7 cm unter dem Höchststand vom
10. August. Die Abflussganglinien der Lausitzer Neiße vom Pegel
Hartau bis zum Pegel Guben 2 sind in
Abbildung 4­18
dargestellt.
Das Hochwasserereignis im September/Oktober 2010 ist nicht
so extrem abgelaufen wie das Ereignis im August. Die aufgetre-
tenen Hochwasserscheitel gehören aber zu den höchsten be-
obachteten Hochwassern seit über 50 Jahren. Im Oberlauf der
Lausitzer Neiße am Pegel Zittau 1 waren neben dem Augusthoch-
wasser nur die Hochwasser von 1958, 1981 und 1995 höher ge-
wesen, am Pegel Görlitz die Ereignisse von 1958, 1981, 1995 und
2002. Für ausgewählte Pegel sind die Spenden und Füllen des
Direktabflusses sowie die Abflussbeiwerte in
Tabelle 4­8
enthal-
ten. Die Abflussbeiwerte bewegen sich auch aufgrund der hohen
Vorfeuchte bei den betrachteten Pegeln im Bereich von gut 30 %
bis fast 60 % und sind für das sächsische Einzugsgebiet vergleich-
bar mit denen im August 2010. Die Scheitelabflussspenden sind
im Vergleich zum Ereignis im August nicht so extrem und bewe-
gen sich in Abhängigkeit von der Einzugsgebietsgröße zwischen
270 l / (s∙km
2
) bis 380 l/(s∙km
2
).

60
Abbildung 4-18: Abflussganglinien der Lausitzer Neiße von Pegel Hartau bis Pegel Guben 2 für den Zeitraum 25.09.–05.10.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Hartau
Lausitzer Neiße
377
107,3
48,0
18,1
45
103
273
Zittau 5
Mandau
295
102,7
37,5
11,1
37
90,9
307
Zittau 1
Lausitzer Neiße
693
105,3
60,8
42,2
58
238
343
Rosenthal
Lausitzer Neiße
879
105,5
58,5
51,4
55
336
382
Tauchritz
Pließnitz
162
107,2
33,9
5,5
32
49,5
304
Görlitz
Lausitzer Neiße
1.630
105,6
42,4
69,3
40
452
277
Podrosche 2
Lausitzer Neiße
2.070
105,5
38,0
78,6
36
486
235
Tabelle 4-8: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (Ψ),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße für den Zeitraum 25.09.–30.09.2010
Q [m³/s]
600
500
400
300
200
100
0
25.09.
25.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
Hartau
Zittau 1
Rosenthal
Görlitz
Podrosche 2
Klein Bademeusel
Guben 2
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Hartau
Lausitzer Neiße
28.09., 04:00
254
103
Zittau 1
Lausitzer Neiße
28.09., 00:30
353
238
Rosenthal
Lausitzer Neiße
28.09., 04:15
501
336
Görlitz
Lausitzer Neiße
28.09., 12:00
607
452
Podrosche 2
Lausitzer Neiße
29.09., 07:00
605
486
Klein Bademeusel
Lausitzer Neiße
30.09., 01:30
470
423
Guben 2
Lausitzer Neiße
30.09., 14:45
620
534
Tabelle 4-7: Übersicht über die Hochwasserscheitel an den Pegeln der Lausitzer Neiße im September 2010

61
4
Hydrologie
Von den Zuflüssen zur Oberen Elbe waren die im sächsischen
Elb sand steingebirge gelegenen Gebiete der rechtselbischen
Kirnitzsch und der linkselbischen Biela sowie das Lachsbach-
und das Wesenitzgebiet stark betroffen. Die beiden letzteren
Gebiete sind rechtselbisch und haben größere Gebietsanteile
im Lausitzer Bergland
(vgl. Kapitel 2.2).
In den vier oben genannten Gebieten zeichnete sich das Hoch-
wasser der Kirnitzsch aufgrund des Grades der Zer störungen
als besonders markant aus. Gewässerprofile und Pegel wur-
den teilweise zerstört. Mehrere Straßen mussten wegen um-
gestürzter Bäume, Überspülungen oder nach Erdrutschen ge-
sperrt werden.
Wasserstandsganglinien für ausgewählte Pegel an der Kir-
nitzsch sind in
Abbildung 4­19
dargestellt.
Der Pegel Buschmühle an der Kirnitzsch hat das Hoch-
wasser vollständig aufgezeichnet. Der Hoch wasserscheitel
stellte sich hier am 7. August von 18:15 Uhr bis 18:30 Uhr
bei einem Wasserstand von 324 cm ein und lag damit
58 cm über dem HHW vom 20.07.1981. Sechs Kilometer un-
terhalb des Pegels Buschmühle befindet sich der Hoch-
wassermeldepegel Lichtenhain. Hier liegen kontinuierliche
Messwertaufzeichnungen nur bis zum 07. August, 17:00 Uhr
vor (W = 157 cm entspricht Alarmstufe 3), danach wurde
der Pegel überschwemmt. Der Wasserstand wurde nachfol-
gend im Gelände mit 300 cm eingemessen und liegt damit
höher als der Wasserstand des Hoch wassers vom 14.07.1897
(200 cm) und des HHW vom 30.07.1927 mit 270 cm. 3,5 km
vor der Einmündung der Kirnitzsch in die Elbe befindet sich
der Pegel Kirnitzschtal. Auch hier wurde mit 318 cm ein
Wasserstand von mehr als 300 cm registriert. Mit diesem
4.2.2 Betroffene Nebenflüsse der Oberen Elbe
Abbildung 4-19: Wasserstandsganglinien der Kirnitzsch am Pegel Buschmühle und Kirnitzschtal für den Zeitraum
01.08.–31.08.2010
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
W [cm]
Buschmühle
Kirnitzschtal
400
350
300
250
200
150
100
50
0
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.

62
Abbildung 4-20: Durchflussganglinien der Pegel Buschmühle und Kirnitzschtal an der Kirnitzsch für den Zeitraum 07.08.–12.08.2010
Abbildung 4-21: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Buschmühle/Kirnitzsch für den Zeitraum 07.08.–12.08.2010
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
0
5
10
15
20
P [mm/h]
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
120
100
80
60
40
20
0
Q [m
3
/s]
Buschmühle
Kirnitzschtal

63
4
Hydrologie
Abbildung 4-22: Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1–4 an den Pegeln im Gebiet des Lachsbaches für
den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Porschdorf 1/Lachsbach
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Neustadt 1/Polenz
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Sebnitz 2/Sebnitz

64
Höchststand wurde das bisherige HHW vom 16.04.1917 um
118 cm überschritten
(vgl. Tabelle A­3).
In
Tabelle 4­9
sind die
Hoch wasserscheitel zusammengefasst.
Aber auch die bisherigen HHQ-Werte vom Juli 1981 wurden an
den Pegeln Buschmühle und Kirnitzschtal deutlich überschrit-
ten
(Tabelle A­4).
Die Durchflussganglinien beider Pegel zeigt
Abbildung 4­20.
Den Niederschlags- und Abflussverlauf für den Pegel Busch-
mühle zeigt die
Abbildung 4­21.
Niederschlags in ten sitäten mit
teilweise über 10 mm/h über vier Stunden hinweg hatten fast
unmittelbar den starken Anstieg der Wasser führung zur Folge.
Die charakteristischen Abflusskennwerte für ausgewählte Pegel
an der Kirnitzsch enthält die
Tabelle 4­10.
Die Auswertungen
haben ergeben, dass ein Drittel des Nieder schlages während des
Ereignisses direkt zum Abfluss gekommen ist. Trotz des kata-
strophalen Hoch wasserereignisses liegen die Abflussspenden
deutlich unter denen im Oberlauf des Einzugs gebietes der
Lausitzer Neiße oder Spree.
Erneute Starkniederschläge ließen in den frühen Morgen-
stunden des 16. August die Wasserstände noch einmal rasch
ansteigen. In der Kirnitzsch am Pegel Lichtenhain wurde dabei
der Richtwert der Alarmstufe 4 erreicht.
Auch am Lachsbach und seinen Quellflüssen Sebnitz und Polenz
wurden am 7. August die bisherigen HHW überschritten
(Tabelle
A­3).
Die beobachteten Wasserstandsganglinien im Gebiet des
Lachsbaches enthält
Abbildung 4­22.
In
Tabelle 4­11
sind die Hoch wasserscheitel der Pegel von
Sebnitz, Polenz und Lachsbach zusammengestellt. Noch in den
frühen Morgenstunden des 7. August 2010 lag die Wasser-
führung in den Fließgewässern im Mittelwasserbereich. Bis
in die Abendstunden wurden Wasserstandsanstiege an den
Pegeln von über zwei Meter an der Polenz und fast drei Meter
an der Sebnitz und Lachsbach beobachtet. Dabei wurden die
Richtwerte der Alarmstufe 4 am Pegel Neustadt 1 um fast ei-
nen halben Meter und am Pegel Sebnitz 2 um über einen Meter
überschritten. Der Wasserstand am Pegel Sebnitz 2 stieg inner-
halb von zwei Stunden um 135 cm an.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Buschmühle
Kirnitzsch
07.08., 18:15
324
59,9
Lichtenhain
Kirnitzsch
07.08., k. A.
300
k. A.
Kirnitzschtal
Kirnitzsch
07.08., 21:30
318
96,0
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Porschdorf 1
Lachsbach
08.08., 00:15
362
116
Sebnitz 2
Sebnitz
07.08., 21:15
326
42,0
Neustadt 1
Polenz
07.08., 20:30
238
20,3
Tabelle 4-9: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Kirnitzsch am 07.08.2010
Tabelle 4-11: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Einzugsgebiet des Lachsbaches Anfang August 2010
Tabelle 4-10: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (Ψ),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für die Pegel Buschmühle und Kirnitzschtal an der Kirnitzsch für den Zeitraum 06.08.–11.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Buschmühle
Kirnitzsch
97,3
132,1
35,3
3,43
27
59,9
616
Kirnitzschtal
Kirnitzsch
154,3
133,1
44,2
6,82
33
96,0
622

65
Abbildung 4-23: Abflussganglinien der Pegel im Einzugsgebiet des Lachsbaches für den Zeitraum 07.08.–12.08.2010
4
Hydrologie
Abbildung 4-24: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Sebnitz 2/Sebnitz für den Zeitraum
07.08.–12.08.2010
Q [m
3
/s]
P [mm/h]
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
0
5
10
15
20
50
40
30
20
10
0
120
100
80
60
40
20
0
Q [m
3
/s]
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
Porschdorf 1/Lachsbach
Sebnitz 2/Sebnitz
Neustadt 1/Polenz

66
Aber auch die bisher beobachteten HHQ wurden an den Pegeln
Sebnitz 2/Sebnitz und Porschdorf 1/Lachsbach deutlich über-
schritten
(Tabelle A­4).
Abbildung 4­23
zeigt die Abflussganglinien der Pegel im
Einzugsgebiet des Lachsbaches. Knapp drei Stunden nach-
dem an den Pegeln im Oberlauf von Sebnitz und Polenz die
Hoch wasserscheitel beobachtet worden sind, kam es unter-
halb des Zusammenflusses am Pegel Porschdorf 1/Lachsbach
zum Scheitel. Dabei müssen aus dem 126 km² großen
Zwischeneinzugsgebiet nochmals über 4 Mio. m³ Wasser di-
rekt abgeflossen sein.
Beispielhaft für das Einzugsgebiet wird in
Abbildung 4­24
der
Niederschlags- und Abflussverlauf für das Gebiet des Pegels
Sebnitz 2/Sebnitz dargestellt. Insgesamt fielen im Einzugs-
gebiet 116 mm Niederschlag. Von 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr
wurden die höchsten Niederschlagsintensitäten beobachtet,
die unmittelbar den starken Anstieg der Wasserführung zur
Folge hatten.
Die charakteristischen Abflusskennwerte für die Pegel im
Einzugsgebiet des Lachsbaches enthält die
Tabelle 4­12.
Die
Auswertungen haben ergeben, dass fast 30 % des Nieder-
schlages während des Ereignisses direkt zum Abfluss gekom-
Abbildung 4-25: Wasserstandsganglinien und entsprechende Richtwerte der Alarmstufen 1–4 an den Pegeln Cunnersdorf 1/Cunnersdorfer
Bach und Bielatal 1/Biela für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
Tabelle 4-12: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (Ψ),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet des Lachsbaches für den Zeitraum 06.08.–11.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Porschdorf 1
Lachsbach
268
110,4
31,9
8,58
29
116
432
Sebnitz 2
Sebnitz
102
115,5
29,2
2,97
25
42,0
412
Neustadt 1
Polenz
40,2
112,2
30,5
1,23
27
20,3
505
250
200
150
100
50
0
W [cm]
W [cm]
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
Cunnersdorf 1/Cunnersdorfer Bach
Bielatal 1/Biela
250
200
150
100
50
0
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

67
men sind. Die Abflussbeiwerte und Abflussspenden sind mit
denen der Kirnitzsch vergleichbar.
Ein analoges Abflussverhalten zeigen die Biela und der
Cunnersdorfer Bach als bedeutendster Zufluss der Biela.
Am Pegel Bielatal 1/Biela wurde der Hoch wasserscheitel am
7. August um 15:00 Uhr bei 172 cm mit nur einem Zentimeter
unter dem HHW vom August 2002 beobachtet. Dagegen stieg
der Wasserstand am Pegel Cunnersdorf 1/Cunnersdorfer
Wasser mit 188 cm (17:15 Uhr) um acht Zentimeter über das
HHW vom 20.07.1981
(Tabelle 4­13,Tabelle A­3). Abbildung
4­25
enthält die dazugehörigen Wasserstandsganglinien, die
auch die kleinen Wellen in der zweiten Augustdekade zeigen.
Das Hoch wasser der Biela am Pegel Bielatal im August 2010
ist vergleichbar mit dem Hoch wasser im August 2002. Der
Scheiteldurchfluss liegt mit 23,7 m³/s nur knapp unter dem
HHQ mit 24 m³/s vom August 2002. Im Cunnersdorfer Bach
wurde im August 2010 nicht nur der Scheiteldurchfluss vom
Hoch wasser im August 2002 übertroffen, sondern auch das
HHQ vom 20.07.1981
(vgl. Tabelle A­4).
Die Durchflussganglinien der Pegel im Einzugsgebiet der Biela
vom 7. bis zum 12. August sind in
Abbildung 4­26
dargestellt.
Wegen einer anderen zeitlichen Niederschlagsverteilung zeigt
sich der Hoch wasserverlauf im Längsschnitt der Wesenitz dif-
ferenzierter. Die dazugehörigen Wasserstandsganglinien für
die Pegel an der Wesenitz zeigt
Abbildung 4­27.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Cunnersdorf 1
Cunnersdorfer Bach
07.08., 17:15
188
11,9
Bielatal 1
Biela
07.08., 16:00
172
23,7
Tabelle 4-13: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Einzugsgebiet der Biela am 07.08.2010
Abbildung 4-26: Durchflussganglinien der Pegel im Einzugsgebiet der Biela für den Zeitraum 07.08.–12.08.2010
4
Hydrologie
Q [m
3
/s]
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
30
25
20
15
10
5
0
Cunnersdorf 1/Cunnersdorfer Bach
Bielatal 1/Biela

68
Abbildung 4-27: Wasserstandsganglinien und entsprechende Richtwerte der Alarmstufen 1–4 der Wesenitz vom Pegel Bischofswerda und
Elbersdorf für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
Abbildung 4-28: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Elbersdorf/Wesenitz für den Zeitraum 07.08.–12.08.2010
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
0
5
10
15
20
P [mm/h]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
Bischofswerda
Elbersdorf
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

69
4
Hydrologie
Am Pegel Bischofswerda/Wesenitz bildete sich der Hoch-
wasserscheitel mit einem Wasserstand von 205 cm am
8. August von 04:00 Uhr bis 05:15 Uhr aus. Dieser lag deutlich
unter dem HHW vom 30.07.1897 mit 260 cm
(Tabelle A­3).
In der Folge entstand durch größere seitliche Zuflüsse am
Pegel Elbersdorf/Wesenitz eine zweigipflige Hoch wasserwelle.
Tabelle 4­14
enthält die Hoch wasserscheitel für die Pegel an
der Wesenitz für das Ereignis Anfang August.
Vom 6. bis zum 8. August fielen im Einzugsgebiet teilwei-
se über 100 mm Niederschlag. Die höchsten Niederschlags-
intensitäten wurden am 7. August etwa in der Zeit von
12:00 Uhr bis 17:00 Uhr beobachtet und hatten den star-
ken Anstieg der Wasserführung unmittelbar zur Folge. In
Abbildung 4­28
ist der Niederschlags- und Abflussverlauf für
das Gebiet des Pegels Elbersdorf beispielhaft dargestellt.
Der erste Scheitel erreichte am 7. August zwischen
20:15 Uhr und 20:30 Uhr einen Wasserstand von 199 cm.
Der mit der zweiten Hoch wasserwelle aus dem Oberlauf
kommende und höchste Scheitel erreichte am 8. August
zwischen 15:15 Uhr und 15:30 Uhr 229 cm und blieb damit
unterhalb des Richtwertes der Alarmstufe 3.
Die charakteristischen Abflusskennwerte für die Pegel im
Einzugsgebiet der Wesenitz für das Ereignis Anfang August
fasst
Tabelle 4­15
zusammen. Die Auswertungen ha-
ben ergeben, dass fast 30 % des Niederschlages während
des Ereignisses direkt zum Abfluss gekommen sind. Die
Scheitelabflussspenden fallen deutlich geringer aus als die
der Pegel an Lachsbach, Sebnitz, Polenz und Kirnitzsch.
Im Vergleich zu den vorher behandelten Elbezuflüssen trat in
der zweiten Augustdekade am Wesenitzpegel Elbersdorf ein
höherer Hochwasserscheitel als in der ersten Dekade auf. In
Tabelle 4­16
sind die Hoch wasserscheitel für die Pegel in der
Wesenitz für dieses Ereignis zusammengestellt.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Bischofswerda
Wesenitz
08.08., 04:00
205
26,4
Elbersdorf
Wesenitz
08.08., 15:15
229
45,3
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Bischofswerda
Wesenitz
16.08., 12:30
144
12,8
Elbersdorf
Wesenitz
16.08., 03:45
268
57,6
Tabelle 4-14: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Einzugsgebiet der Wesenitz am 08.08.2010
Tabelle 4-16: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Einzugsgebiet der Wesenitz am 16.08.2010
Tabelle 4-15: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (
Ψ
),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für die Pegel im Einzugsgebiet der Wesenitz für den Zeitraum 06.08.–11.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Bischofswerda
Wesenitz
69,2
107,8
29,0
2,01
27
26,4
381
Elbersdorf
Wesenitz
227
90,1
23,4
5,33
26
45,3
199

70
Abbildung 4-29: Durchflussganglinien der Pegel Bischofswerda und Elbersdorf an der Wesenitz für den Zeitraum 07.08.–18.08.2010
Das Hoch
wasser hat ein Starkniederschlag vom 15. August,
23:00 Uhr bis zum 16. August, 06:00 Uhr ausgelöst. Dabei sind
im Einzugsgebiet der Wesenitz moderate 33 mm Niederschlag
gefallen, davon aber fast 20 mm in einer Stunde. Unter fast
alleiniger Beteiligung des Gebietes zwischen den Pegeln
Bischofswerda und Elbersdorf stieg der Wasserstand am
Pegel Elbersdorf am 16. August um 03:45 Uhr auf den höchs-
ten Wert im August 2010. Der Scheitelwasserstand betrug
268 cm und blieb damit aber unter dem HHW vom 02.03.1956
mit 275 cm
(vgl. Tabelle A­3).
Die Hoch wasserwelle aus dem
Oberlauf erreichte mit ihrem Scheitel von 144 cm (12:30 Uhr
bis 13:30 Uhr) erst wesentlich nach dem Scheiteldurchgang
am Pegel Elbersdorf den Pegel Bischofswerda
(Abbildung
4­29).
Dieser verzögerte dann lediglich den Rückgang des
Wasserstandes am Pegel Elbersdorf.
Die nordwestlich und westlich davon gelegenen Einzugs-
gebiete von Elbezuflüssen in Sachsen verzeichneten zwischen
August und Oktober im betrachteten Zeitraum in ihrer Größe
nur durchschnittliche Hoch wasser, die keinen Anlass für eine
genauere Betrachtung geben und somit hier nicht behandelt
werden.
Im Folgenden werden nur die Hoch wasser näher beschrie-
ben, bei denen die meisten Pegel des sächsischen Schwarze-
Elster-Gebietes die zwei höchsten Scheitel im Zeitraum vom
1. August bis 31. September 2010 aufwiesen. Dies war zum
einen das Hoch wasser vom 7. bis zum 9. August, zum an-
deren das Hoch wasser 28./29. September. Entsprechend der
Niederschlagsverteilung waren bei ersterem im Allgemeinen
die Scheitel im östlichen Schwarze-Elster-Gebiet etwas höher
als bei letzterem, während es im westlichen Schwarze-Elster-
Gebiet umgekehrt war.
Ereignis August 2010
Im sächsischen Schwarze–Elster-Gebiet kam es im August 2010
zur Ausbildung von zwei bedeutenden Hoch wasserscheiteln,
zum einen am 8. August und zum anderen am 16./17. August.
Zwischen diesen beiden Ereignissen kam es durch weitere
Niederschläge zu erneuten Wasserstandsanstiegen, so dass
die Scheitel vom 12. bis zum 17. August voneinander abhän-
gen und es sich um ein mehrgipfliges Hoch wasserereignis in
diesem Zeitraum handelt
(Abbildung 4­30).
4.2.3 Schwarze Elster und Große Röder
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
60
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
Bischofswerda
Elbersdorf

71
4
Hydrologie
Abbildung 4-30: Beobachtete Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1–4 an den Pegeln an der Schwarzen
Elster für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
Kamenz
Trado 3
Neuwiese
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

72
Die in der letzten Julidekade und Anfang August gefallenen Nieder-
schläge hatten bereits eine erhöhte Wasserführung zur Folge. Am
7. August lagen deshalb die Durchflüsse, außer an den Pegeln im
Hoyerswerdaer Schwarzwasser, zwischen 60 % und 80 % des mehr-
jährigen Jahresmittels des Durchflusses. Die Niederschläge began-
nen am 6. August und hielten fast 20 Stunden an. Dabei traten
Gebietsniederschläge in Höhe von 65 mm bis 90 mm (außer Mittel-
und Unterlauf Große Röder) auf. Wesentlich für den relativ schnel-
len Anstieg der Wasserstände war der in den Dauerregen eingela-
gerte 7- bzw. 8-stündige Starkregen, der im südlichen und östlichen
Einzugsgebietsteil nicht nur örtlich, sondern flächendeckend auftrat.
In der Schwarzen Elster, aber auch in den Zuflüssen wie Kloster-
wasser und Hoyerswerdaer Schwarzwasser, bildeten sich in den
Oberläufen am 8. August in den frühen Morgenstunden begin-
nend die Hoch wasserscheitel aus. Dabei wurden an den Hoch-
wasserpegeln meist die Richtwerte der Alarmstufe 2, nur am
Pegel Zescha am Hoyerswerdaer Schwarzwasser der Richtwert der
Alarmstufe 3 überschritten. Ausgewählte Wasserstandsganglinien
der Pegel an der Schwarzen Elster für den Monat August sind in
Abbildung 4­30
dargestellt.
Die Hoch wasserscheitel mit ihren Eintrittszeiten sind für ausge-
wählte Pegel der Schwarzen Elster und ihren Zuflüssen bis Pegel
Neuwiese in
Tabelle 4­17
zusammengestellt.
Das Hoch wasser in der Schwarzen Elster bis zum Pegel Neuwiese
wurde maßgeblich durch das Hoyerswerdaer Schwarzwasser be-
einflusst. Dabei sind im Oberlauf des Hoyerswerdaer Schwarz-
wassers mit dem Langen Wasser die höchsten Gebietsnieder-
schläge aufgetreten. In der
Abbildung 4­31
sind der Niederschlags-
und Abflussverlauf für den Pegel Pietzschwitz am Langen Wasser
für das Hoch wasserereignis im August dargestellt.
Für das Einzugsgebiet des Langen Wassers bis zum Pegel
Pietzschwitz ist für den Zeitraum vom 6. August, 08:00 Uhr
bis zum 8. August, 08:00 Uhr ein Gebietsniederschlag von
83,5 mm ermittelt worden. Der Direktabfluss wurde mit 17,2 mm
berechnet. Nur 21 % des Niederschlages sind am Pegel direkt
zum Abfluss gekommen. Trotzdem hatte der eingelagerte sie-
benstündige Starkregen in Höhe von 57 mm (Gebietsmittel) zur
Folge, dass der Hochwasserscheitel am Pegel Pietschwitz das bis-
her höchste beobachtete Hoch wasser HHQ vom Juli 1981 über-
schritten hat
(vgl. Tabelle A­6).
Am Pegel Prischwitz/Hoyerswerdaer Schwarzwasser bildete sich
der Hoch wasserscheitel am 8. August um 00:00 Uhr mit einem
Wasserstand von 202 cm und einem Durchfluss von 15,2 m³/s aus
und lag knapp unter dem Richtwert der Alarmstufe 3. Der rela-
tiv lang anhaltende Hoch wasserscheitel und die verhältnismäßig
breit gezogene Welle am 15 km unterhalb gelegenen Pegel Zescha
zeigt die Rückhaltewirkung des bei Neschwitz und Zescha gelege-
nen natürlichen Über schwemmungsgebietes.
Auch in der Pulsnitz und Großen Röder kam es in diesem Zeitraum
zu Wasserstandsanstiegen. An den Hoch wasser meldepegeln an
der Großen Röder wurden Wasser stände maximal bis in den
Bereich der Alarmstufe 3 registriert. Diese Einzugsgebiete ver-
zeichneten im betrachteten Zeitraum nur 2- bis 5-jährliche Hoch-
wasser scheitel durch flüsse, die keinen Anlass für eine genauere
Betrachtung geben und somit hier nicht behandelt werden.
Die Niederschläge am 16./17. August hatten nochmals Wasser-
stands anstiege im gesamten Einzugsgebiet zur Folge. Dabei wur-
den ähnliche Hoch wasserscheitel wie Anfang August beobach-
tet. Nur an den Pegeln Zescha/Hoyerswerdaer Schwarz wasser
(16.08., 12:30 Uhr, W = 210 cm) und Klein raschütz/Große Röder
(17.08., 06:45 Uhr, W = 215 cm) wurden geringfügig höhere
Wasser stände registriert.
Das Hoch wasserereignis von Anfang August 2010 im Ein-
zugs gebiet der Schwarzen Elster war nicht so extrem wie die
Ereignisse im Flussgebiet der Spree oder der Lausitzer Neiße. Im
Anhang sind in den
Tabellen A­5
und
A­6
für ausgewählte Pegel
zum Vergleich die Hauptwerte zusammengestellt. Die für diesen
Zeitraum ausgewerteten Scheitel ab fluss spenden bestätigen die-
se Aussage
(Tabelle 4­18).
Die Gründe dafür liegen primär in der
Verteilung der Niederschläge in Ost sachsen, die im Ein zugs gebiet
der Schwarzen Elster nicht so extrem wie in den Einzugs gebieten
der Lausitzer Neiße und Spree ausfielen.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Kamenz
Schwarze Elster
08.08., 03:00
149
-
Trado 3
Schwarze Elster
08.08., 17:00
158
9,47
Schönau
Klosterwasser
08.08., 16:30
192
15,8
Pietzschwitz
Langes Wasser
08.08., 01:15
182
6,66
Prischwitz
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
08.08., 00:00
202
15,2
Zescha
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
08.08., 13:30
206
19,9
Neuwiese
Schwarze Elster
09.08., 07:45
283
35,3
Tabelle 4-17: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster Anfang August 2010

73
Abbildung 4-31: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Pietzschwitz/Langes Wasser für den Zeitraum 06.08.–
21.08.2010
Abbildung 4-32: Abflussganglinie im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster für den Zeitraum 06.08.–21.08.2010
4
Hydrologie
06.08. 07.08. 08.08. 09.08. 10.08. 11.08. 12.08. 13.08. 14.08. 15,08
16.08
17.08.
18.08
19.08. 20.08. 21.08.
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
Q [m
3
/s]
0
5
10
15
20
P [mm/h]
Q [m
3
/s]
06.08. 07.08. 08.08. 09.08. 10.08. 11.08. 12.08. 13.08. 14.08.
15,08
16.08
17.08.
18.08
19.08. 20.08. 21.08.
40
35
30
25
20
15
10
5
0
Trado 3/Schwarze Elster
Schönau/Klosterwasser
Zescha/Hoyerswerdaer Schwarzwasser
Neuwiese/Schwarze Elster
Prischwitz/Hoyerswerdaer Schwarzwasser
Pietzschwitz/Langes Wasser

74
Tabelle 4-18: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (
Ψ
),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster für den Zeitraum
06.08.–12.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Trado 3
Schwarze Elster
166
69,2
7,32
1,21
11
9,47
57
Neuwiese
Schwarze Elster
669
76,8
8,86
5,92
12
35,3
53
Schönau
Klosterwasser
106
84,7
21,7
2,29
26
15,8
150
Pietzschwitz
Langes Wasser
42,3
83,5
17,2
0,73
21
6,66
157
Prischwitz
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
104
88,8
18,1
1,89
20
15,2
146
Zescha
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
181
78,7
15,5
2,80
20
19,9
110
Radeberg
Große Röder
114
71
18,6
2,11
26
24,7
217
Großdittmanns-
dorf
Große Röder
299
57,3
11,8
3,53
21
37
124
Kleinraschütz
Große Röder
679
35,7
3,52
2,39
10
25,3
37
Ereignis September 2010
Zu Beginn des Dauerregens Ende September 2010 la-
gen die Durchflüsse aufgrund der über den mehrjährigen
Mittelwasserstand aufgefüllten Grundwasserleiter und der
hohen Bodenfeuchte zwischen 110 % und 140 % des mehr-
jährigen mittleren Jahresdurchflusses. Am Pegel Zescha/
Hoyerswerdaer Schwarzwasser flossen dagegen nur noch
70 % und in Radeberg/Große Röder 90 % des mittleren
Jahresdurchflusses, während es am Pegel Neuwiese/Schwarze
Elster noch 160 % waren. Der ergiebige Dauerregen führ-
te am 27. September ab etwa 03:00 Uhr zu einem relativ
schnellen Anstieg der Wasserstände in der Schwarzen Elster
oft bis in den Bereich der Alarmstufen 3, am Pegel Trado 3/
Schwarze Elster bis in den Bereich der Alarmstufe 4. Die
Hoch wasserscheitel in den Oberläufen von Schwarzer Elster,
Klosterwasser, Hoyerswerdaer Schwarzwasser wurden am
28. September in den frühen Morgenstunden, in der Schwarzen
Elster am Pegel Neuwiese einen Tag später erreicht
(Abbildung
4­33).
Die Hoch wasserscheitel mit ihren Eintrittszeiten sind
für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
bis Pegel Neuwiese in
Tabelle 4­19
zusammengestellt.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Kamenz
Schwarze Elster
28.09., 04:00
192
Trado 3
Schwarze Elster
28.09., 09:30
206
16,3
Schönau
Klosterwasser
28.09., 15:15
179
14,3
Pietzschwitz
Langes Wasser
28.09., 03:30
175
6,12
Prischwitz
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
28.09., 04:30
187
14,2
Zescha
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
28.09., 13:00
196
18,4
Neuwiese
Schwarze Elster
29.09., 06:15
325
55,2
Tabelle 4-19: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster Ende September 2010

75
4
Hydrologie
Abbildung 4-33: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen 1–4 an den Pegeln an der
Schwarzen Elster für den Zeitraum 15.09.–15.10.2010
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
Kamenz
Trado 3
Neuwiese
15.09.
16.09.
17.09.
18.09.
19.09.
20.09.
21.09.
22.09.
23.09.
24.09.
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
06.10.
07.10.
08.10.
09.10.
10.10.
11.10.
12.10.
13.10.
14.10.
15.10.
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

76
Das Klosterwasser reagierte ähnlich wie Anfang August.
Die Höchstwasserstände im Gebiet des Hoyerswerdaer
Schwarzwassers lagen unter denen vom 8. August 2010, wäh-
rend sie an den Pegeln der Schwarzen Elster bis fast 50 cm
höher lagen.
Während der Scheitel am Pegel Trado 3/Schwarze Elster mit
206 cm am 28. September um 09:30 Uhr und damit 4 Stunden
nach Starkniederschlagsende auftrat
(Abbildung 4­34),
dau-
erte es knapp 20 Stunden, bis der Höchststand mit 325 cm und
einem Abfluss von 55,3 m³/s (29.09., 06:15 Uhr bis 10:45 Uhr)
in Neuwiese registriert wurde. Das HW von 325 cm am Pegel
Neuwiese lag damit 21 cm unter dem Hoch wasser vom Juli
1981
(Tabelle A­7).
Am Pegel Trado 3 kam es höchstwahr-
scheinlich ca. 2 cm unter Höchststand am 28. September
von 05:00 Uhr bis 14:00 Uhr zur rechtsseitigen Pegelumflut,
die sich oberhalb des Weges mit viel Stroh als Schwemmgut
anstaute und trotz der relativ kleinen Ursache massive
Auswirkungen hatte. Ein Teil des Umflutwassers passierte das
Gewässerprofil des Lattenpegels Trado 2/Schwarze-Elster-
Umflut (Teichabzugsgraben).
Am 29. September nachmittags wurde am Pegel Neuwiese
bei einem Wasserstand von 319 cm und bereits fallen-
der Wasserführung mit einem Ultraschall-Messboot ein
Durchfluss von 53,1 m³/s gemessen
(Abbildung 4­35).
In
Abbildung 4­36
sind die Abflussganglinien der Schwarzen
Elster bis zum Pegel Neuwiese und der wichtigsten Zuflüsse
Hoyerswerdaer Schwarzwasser und Klosterwasser darge-
stellt. Die Darstellung zeigt, wie die Hoch wasserwellen aus
den Zuflüssen mit der Welle aus dem Oberlauf der Schwarzen
Elster fast gleichzeitig stark anwuchsen und damit den steilen
Anstieg am Pegel Neuwiese verursachten.
Die Betrachtung der Füllen der Hoch wasserganglinien und
der gefallenen Niederschläge zeigt aber auch, dass von
den 100 bis 105 mm flächendeckend im östlichen säch-
sischen Schwarze-Elster-Gebiet vom 25. September bis
28. September gefallenen Niederschlag in den Teileinzugs-
gebieten etwa 20 mm abgeflossen sind. Es kann abgeschätzt
werden, dass gleichmäßig in allen Teileinzugs gebieten, abge-
sehen vom Oberlauf der Großen Röder, trotz des bedeuten-
den Hoch wassers über zwei Drittel des Niederschlages ge-
speichert worden sind. Die entsprechenden Abflussbeiwerte
und Abflussfüllen sind in
Tabelle 4­20
für ausgewählte Pegel
im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster zusammengefasst.
Während im Oberlauf der Pulsnitz am Pegel Reichenau nur der
Richtwert der Alarmstufe 2 in den frühen Morgenstunden des
28. September erreicht wurde, überschritt am Brandenburger
Pegel Ortrand am 28. September in den Abendstunden
(18:15 Uhr) der Hoch wasserscheitel mit 248 cm kurzzeitig
den Richtwert der Alarmstufe 4. Dabei überschwemmte die
Pulsnitz unterhalb Ortrand die Autobahn A13.
An allen Pegeln der Großen Röder wurde beim Sep tember-
hochwasser 2010 der Richtwert der Alarmstufe 4 überschrit-
ten
(Abbildung 4­37).
Am Pegel Großdittmannsdorf lag der
Hoch wasserscheitel vom 28. September mit 293 cm um
30 cm und am Pegel Radeberg mit 211 cm um 40 cm hö-
her als die Hoch wasserscheitel vom August 2010. Bei beiden
Pegeln wurden jedoch nicht die höchsten Hoch wasserstände
erreicht. Am Pegel Kleinraschütz wurde nicht nur der Hoch-
Abbildung 4-34: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Trado 3/Schwarze Elster für den Zeitraum 25.09.–
05.10.2010
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04:10
05.10.
20
18
16
14
12
10
8
6
4
2
0
Q [m
3
/s]
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
P [mm/h]

image
77
4
Hydrologie
Abbildung 4-36: Abflussganglinie im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster bis zum Pegel Neuwiese für den Zeitraum 25.09.–05.10.2010
Abbildung 4-35: Durchflussmessung der BfUL mittels Ultraschall (ADCP) – Messboot am Pegel Neuwiese/Schwarze Elster bei W = 319 cm (fallend)
am 29.09.2010 nachmittags (Foto: BfUL)
Q [m
3
/s]
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.01.
03.10.
04.10.
05.10.
60
50
40
30
20
10
0
Trado 3/Schwarze Elster
Schönau/Klosterwasser
Zescha/Hoyerswerdaer Schwarzwasser
Neuwiese/Schwarze Elster

78
Abbildung 4-37: Beobachtete Wasserstandsganglinien und die entsprechenden Richtwerte der Alarmstufen an den Pegeln an der Großen Röder
für den Zeitraum 15.09.–15.10.2010
15.09.
16.09.
17.09.
18.09.
19.09.
20.09.
21.09.
22.09.
23.09.
24.09.
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
06.10.
07.10.
08.10.
09.10.
10.10.
11.10.
12.10.
13.10.
14.10.
15.10.
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
Kleinraschütz
Großdittmansdorf
Radeberg
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

image
79
wasserstand vom August 2010 um 108 cm überschritten, son-
dern auch der bisherige höchste Hoch
wasserstand von 2002
um 15 cm
(vgl. Tabelle A­7).
Dabei wurde der rechtsseitige
Teilschutzdeich unmittelbar unterhalb des Pegels überströmt.
Auch am Pegel Großdittmannsdorf wurde die rechtsseitige
Verwallung zwischen Brücke Heidestraße und Pegel etwa ab
250 cm überströmt. Damit umfloss ein schwer bestimmbarer
Anteil des Hoch wasserdurchflusses den Messstegquerschnitt
und gelangte in das durch Rückstau bereits überschwemmte
150 m breite „Flügeldeichhinterland“.
Die Hoch wasserscheitel und Durchflüsse mit ihren Eintritts-
zeiten sind für ausgewählte Pegel der Großen Röder in
Tabelle
4­21
zusammengestellt.
Tabelle 4-20: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (
Ψ
),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster für den Zeitraum 25.09.–04.10.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Trado 3
Schwarze Elster
166
102
20,7
3,43
20
16,3
98
Schönau
Klosterwasser
106
101,8
23,1
2,44
23
14,3
135
Zescha
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
181
104,3
22,2
4,00
21
18,4
102
Neuwiese
Schwarze Elster
669
102,2
19,8
13,3
19
55,2
83
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Radeberg
Große Röder
28.09., 05:45
211
44,0
Großdittmannsdorf
Große Röder
28.09., 11:30
293
82,4
Kleinraschütz
Große Röder
29.09., 03:30
316
89,2
Tabelle 4-21: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Großen Röder Ende September 2010
Abbildung 4-38: Überströmung des Teilschutzdeiches unmittelbar unterhalb des Pegels Kleinraschütz/Große Röder am 29.09.2010 bei HW = 316 cm
(Foto: BfUL)
4
Hydrologie

80
Am Pegel Kleinraschütz/Große Röder wurde der Richtwert
der Alarmstufe 4 am 28. September in den frühen Morgen-
stunden überschritten. Danach stieg der Wasserstand bis zum
29. September früh noch um 36 cm an (W = 316 cm, 29.09.,
03:30 Uhr bis 11:00 Uhr) und hatte große flächenhaf-
te Überschwemmungen zur Folge. Bis zum Nachmittag des
29. September verblieb der Wasserstand am Pegel Klein-
raschütz auf diesem hohen Niveau und sank erst in den
Abend stunden deutlich. Kurz vor Erreichen des Hoch-
wasserscheitels wurde eine Durchflussmessung mit dem
Ultraschall-Messboot durchgeführt und ein Durchfluss von
88,2 m³/s gemessen. Zu diesem Zeitpunkt wurde der rech-
te Teilschutzdeich überströmt
(Abbildung 4­38).
Dabei wur-
de zum Teil die Deichkrone abgetragen. Zu einem Deichbruch
kam es aber nicht.
Im Einzugsgebiet der Großen Röder liegen mehrere Tal-
sperren und Speicher, durch die eine begrenzte Hoch-
wasserscheitelreduzierung möglich ist. Dazu gehören u.a. die
Talsperre Wallroda am Steinbach und die Talsperre Nauleis.
Am bedeutendsten sind die Speicher Radeburg I und II. Der
Speicher Radeburg I liegt im Hauptschluss der Großen Röder
und besitzt einen sehr kleinen Ausbaugrad. Diese Stauanlage
allein kann ein Hoch wasserereignis nicht nennenswert be-
einflussen. Der Speicher Radeburg I dient sowohl im Regel-
als auch im Hoch wasserbetrieb als Überleitungsspeicher zum
Speicher Radeburg II. Zur Über leitung wird ein 5,2 km lan-
ger Überleiterkanal mit einer maximalen Leistungsfähigkeit
von 20 m³/s genutzt, wobei sich diese Leistungsfähigkeit bei
Überschreitung der Stauhöhe 143,95 m ü. NN im Speicher
Radeburg II durch Rückstau vermindert. Der Speicher
Radeburg II staut den Dobrabach und nimmt zusätzlich die
Über leitungs wassermengen der Großen Röder aus dem
Speicher Radeburg I auf. Im Speicher Radeburg II ist zur
Hoch wasser auf nahme ein monatlich gestaffelter, gewöhnli-
cher Hoch wasserrückhalteraum eingerichtet. Ende September
Abbildung 4-39: Durchflussganglinien der Pegel Radeberg, Großdittmannsdorf, Kleinraschütz und der Wildbettabgabe des Speichers
Radeburg I für den Zeitraum 25.09.–05.10.2010
Tabelle 4-22: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (
Ψ
),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Großen Röder für den Zeitraum 25.09.–01.10.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
Q
S
[m
3
/s]
q
S
[l/(s∙km
2
)]
Radeberg
Große Röder
114
113,1
51,3
5,83
45
44
387
Großdittmanns-
dorf
Große Röder
299
115,7
37,8
11,3
33
82,4
275
Kleinraschütz
Große Röder
679
115,2
30,8
20,9
27
89,2
131
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.01.
03.10.
04.10.
05.10.
Radeberg
Großdittmannsdorf
Kleinraschütz
Wildebettabgabe SP Radeburg I

81
stand zur Hoch
wasseraufnahme ein Freiraum in Höhe von
3,0 Mio. m³ zur Verfügung.
Kurz nach Überschreiten des Richtwertes der Alarmstufe 2
(200 cm = 22,7 m³/s) am unmittelbar oberhalb des Speichers
Radeburg I gelegenen Pegels Großdittmannsdorf begann am
27. September 12:30 Uhr die Überleitung in den Speicher
Radeburg II mit ca. 8 m³/s. Diese steigerte sich in Abhängigkeit
vom Zufluss in den Speicher Radeburg I auf ein Maximum
von 21,4 m³/s (28.09.2010, 13:15-15:30 Uhr). Oberhalb des
Speichers wurde am Pegel Großdittmannsdorf von 11:30 Uhr
bis 12:00 Uhr der Hoch wasserscheitel mit 293 cm beobachtet.
Der Durchfluss wurde mit 82,4 m³/s ermittelt und umfasst
auch die Umflut
(Abbildung 4­39).
Die maximale Abgabe aus
dem Speicher Radeburg I in die Große Röder betrug 63 m³/s
und wurde damit unterhalb der Sperrstelle um 25 % redu-
ziert. Der Speicher Radeburg II im Dobrabach konnte die bis
zum 29. September, 18:45 Uhr übergeleiteten Wassermengen
in Höhe von 2,72 Mio. m³ vollständig zurückhalten. Etwa
67 Stunden später wurde mit der Abgabe von 1 m³/s in den
Dobrabach begonnen. Durch die Hoch wasserüberleitung war
der für September vorgesehene gewöhnliche Hoch wasser-
rückhalteraum im Speicher Radeburg II vollständig gefüllt
worden.
Das Überschreiten der schadlosen Abgabe aus dem Speicher
Radeburg I von 35,0 m³/s konnte wegen der außergewöhn-
lichen Höhe des Hoch wasserereignisses nicht durchgängig
verhindert werden. Mit der Steuerung der Hoch wasser-
überleitung wurde allerdings erst 4 Stunden später die
schadlose Abgabe aus dem Speicher Radeburg I überschrit-
ten. Außerdem ergaben die Berechnungen, dass von der
11,32 Mio. m³ Direktabflussfülle (25.09.-01.10.) am Pegel
Großdittmannsdorf
(Tabelle 4­22)
24 % (2,72 Mio. m³) zeit-
weilig im Speicher Radeburg II zurückgehalten wurden.
Hydrologie
4
Durch die markante Niederschlagsverteilung im Muldegebiet
zwischen August und Oktober 2010 konzentrierte sich das
Hoch wassergeschehen in den Einzugs gebieten der Chemnitz
(Kapitel 2.4)
– dort in besonderem Maße in ihren Quellflüssen
Zwönitz und Würschnitz – und des Lungwitzbaches auf die
erste Augustdekade. In den übrigen Fließgewässern und
Zeiträumen flossen im Muldegebiet dagegen nur unbedeu-
tende Hoch wasserwellen ab, auf deren Beschreibung verzich-
tet wird.
Ein zunächst moderater Anstieg der Wasserstände be-
gann an allen Pegeln des Chemnitzgebietes in den Vor-
mittags stunden des 6. August. In Reaktion auf die ho-
hen Niederschlagsintensitäten um den Tageswechsel auf
den 7. August verstärkten sich mit nur geringer zeitli-
cher Verzögerung die Wasserstandsanstiege, so dass am
7. August schon ab etwa 05:30 Uhr die Ausbildung von Hoch-
wasserscheiteln zu beobachten war.
Im Vergleich aller Pegel wurde zuerst am Pegel Jahnsdorf 1 an
der Würschnitz um 06:45 Uhr der höchste Wasserstand mit
257 cm im Bereich der Alarmstufe 4 erreicht. Aufgrund der
großen Ausuferungsflächen an der Würschnitz kam es am 7,3
km unterhalb gelegenen Pegel Harthau erst um 11:00 Uhr mit
364 cm zum Scheiteleintritt. An beiden Pegeln der Würschnitz
wurden die bisher höchsten beobachteten Wasserstände
(HHW) vom 13.08.2002 überschritten
(vgl. Tabelle A­9).
Die
Wasserstandsganglinien der Pegel an der Würschnitz sind für
den Monat August in
Abbildung 4­40
dargestellt.
An den Zwönitz-Pegeln lagen die Hoch wasserscheitel zeit-
lich dichter zusammen. Der Scheitelwasserstand wurde
um 07:45 Uhr am Pegel Niederzwönitz mit 132 cm regist-
riert. Am Pegel Burkhardtsdorf 2, der 12,3 km unterhalb des
Pegels Niederzwönitz liegt, erreichte der Wasserstand sei-
nen Höchstwert um 10:00 Uhr mit 274 cm und überschritt
damit den Richtwert der Alarmstufe 4
(Abbildung 4­42).
Der Höchststand lag aber deutlich unter dem HHW vom
13.08.2002 mit 331 cm. Mit dem weiteren Wellenablauf stieg
der Wasserstand am Pegel Altchemnitz 2 bis 12:15 Uhr auf
den höchsten Wasserstand von 233 cm. Am 13.08.2002 lag
dieser hier nur 22 cm höher
(vgl. Tabelle A­9).
Die beobach-
teten Wasserstandsganglinien im Gebiet der Zwönitz enthält
Abbildung 4­42.
Die Hoch wasserwelle der Würschnitz lief der Hoch wasserwelle
aus der Zwönitz etwa zwei Stunden voraus. Das hatte zur
Folge, dass sich der Scheitelwasserstand am Pegel Chemnitz
1 an der Chemnitz um 13:45 Uhr mit 360 cm (Alarmstufe 4)
einstellte. Dabei blieb der Scheitelwasserstand 41 cm unter
dem HHW vom 13.08.2002
(vgl. Tabelle A­9).
Um 15:00 Uhr
begann dann die Ausbildung des Hoch wasserscheitels am
Pegel Göritzhain/Chemnitz bei einem Wasserstand von
261 cm, der bis 17:00 Uhr (W = 262 cm) andauerte. Die be-
obachteten Wasserstandsganglinien im Gebiet der Chemnitz
enthält
Abbildung 4­41.
Die Wasserstände und Durchflüsse der Hoch wasserscheitel
mit ihren Eintrittszeiten sind für ausgewählte Pegel der
Zwönitz, Würschnitz und Chemnitz in
Tabelle 4­23
zusam-
mengestellt.
4.2.4 Betroffene Nebenflüsse der Zwickauer Mulde

82
Abbildung 4-41: Beobachtete Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1–4 an den Pegeln Chemnitz 1
und Göritzhain an der Chemnitz für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Chemnitz 1
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Göritzhain
Abbildung 4-40: Beobachtete Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1-4 an den Pegeln Jahnsdorf 1
und Harthau an der Würschnitz für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
Harthau
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
Jahnsdorf 1
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

83
Abbildung 4-42: Beobachtete Wasserstandsganglinien mit entsprechenden den Richtwerten der Alarmstufen 1–4 an den Pegeln Niederzwönitz,
Burkhardtsdorf 2 und Altchemnitz 2 an der Zwönitz für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
Altchemnitz 2
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
Niederzwönitz
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
Burkhardtsdorf 2
4
Hydrologie
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

84
Bemerkenswert ist die Reaktion des Abflusses auf den gefallenen
Niederschlag am Pegel Jahnsdorf 1/Würschnitz
(Abbildung 4­43).
Trotzdem der Gesamtniederschlag beim Augusthochwasser
2002 um 50,2 mm höher war als im August 2010, gelang-
te im Verhältnis weniger Niederschlag zum Abfluss. Dieses
Phänomen spiegelt sich im Abflussbeiwert wider, der vom
LfULG (2009) für den August 2002 mit 59,2 % angegeben
wird. Für den August 2010 wurde ein Abflussbeiwert von 65 %
bestimmt
(Tabelle 4­24).
Die Ursache dafür liegt vordergründig in den am
07.08.2010 zwischen 00:00 Uhr und 03:00 Uhr aufgetreten
Niederschlagsintensitäten von 10,0 mm/h bis 12,5 mm/h. Im
August 2002 betrugen die zwei höchsten und auch aufein-
anderfolgenden Stundenniederschlagshöhen nur 9,5 mm und
10,8 mm. Hieraus wird der große Einfluss der Verteilung und
Höhe der Niederschlagsintensitäten innerhalb des Ereignisses
auf die Größe des Abflussscheitels und die Anstiegszeit deut-
lich. Während im August 2002 innerhalb von zwei Stunden
am Pegel Jahnsdorf 1 ein Wasserstandsanstieg um „nur“
50 cm zu beobachten war, betrug dieser im August 2010 mit
90 cm fast doppelt soviel.
Neben dem Einzugsgebiet der Chemnitz war vom Hoch-
wasser Anfang August auch das benachbarte Einzugsgebiet
des Lungwitzbaches stark betroffen. In
Tabelle 4­25
sind die
Wasserstände und Durchflüsse der Hoch wasserscheitel mit
ihren Eintrittszeiten für die Pegel St. Egidien und Nieder-
lungwitz am Lungwitzbach dargestellt.
Abbildung 4-43: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Jahnsdorf 1/Würschnitz für den Zeitraum 05.08.–
16.08.2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelab-
fluss [m³/s]
Niederzwönitz
Zwönitz
07.08., 07:45
132
19,1
Burkhardtsdorf 2
Zwönitz
07.08., 10:00
274
58,0
Altchemnitz 2
Zwönitz
07.08., 12:15
233
70,0
Jahnsdorf 1
Würschnitz
07.08., 06:45
257
95,0
Harthau
Würschnitz
07.08., 11:00
364
120
Chemnitz 1
Chemnitz
07.08., 13:45
360
187
Göritzhain
Chemnitz
07.08., 17:00
262
179
Tabelle 4-23: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Zwönitz, Würschnitz und Chemnitz am 07.08.2010
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
110
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
P [mm/h]

85
Im Lungwitzbach begann schon in den Abendstunden
des 5. August ein langsamer Anstieg der Wasserführung,
der dann ab 6. August, 20:00 Uhr rasant zunahm. An den
Pegeln St. Egidien und Niederlungwitz wurde der Scheitel
am 7. August zwischen 09:00 Uhr und 10:00 Uhr mit einem
Wasserstand von 232 cm bzw. 373 cm registriert. Am Pegel
Niederlungwitz lag dabei der Wasserstand 24 cm unter dem
HHW vom 08.05.1978
(vgl. Tabelle A­9)
und 22 cm unter
dem Scheitelwasserstand des Hoch wassers vom August 2002.
Die Wasserstandsganglinien dieser beiden Pegel zeigt
Ab­
bildung 4­44.
Im Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde wurde an weiteren
Pegeln der Richtwert der Alarmstufe 2 bis Alarmstufe 3 er-
reicht. Im Gebiet der Freiberger Mulde mit Zschopau und
Flöha wurden am 7. August im Gegensatz dazu nur gerin-
ge Wasser standsanstiege beobachtet, die vereinzelt bis in
den Bereich des Richtwertes der Alarmstufe 1 reichten. In der
Vereinigten Mulde wurden die Höchstwasserstände am Pegel
Golzern 1 am Morgen des 8. August mit 461 cm (Alarm stufe 2)
und am Pegel Bad Düben 1 am Morgen des 9. August mit
579 cm (Alarmstufe 3) erreicht.
Im Gegensatz zum Hoch wasser im August fielen Ende
September die meisten Niederschläge im Gebiet der Freiberger
Mulde oberhalb der Zschopau. Infolge dessen waren auch die
Wasserstandsanstiege an den Hoch wassermeldepegeln der
Freiberger Mulde am stärksten. Hier stiegen die Wasserstände
teilweise bis maximal in den Bereich der Alarmstufe 3. In den
Gebieten von Zwickauer Mulde und Zschopau wurden an
den Hoch wassermeldpegeln die höchsten Wasserstände im
Bereich der Hoch wasseralarmstufe 2 beobachtet.
Tabelle 4-24: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (
Ψ
),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Zwönitz, Würschnitz, Chemnitz und des
Lungwitzbaches für den Zeitraum 06.08.–12.08.2010
Tabelle 4-25: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet des Lungwitzbaches am 07.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Chemnitz 1
Chemnitz
402,7
84,8
40,9
16,5
48
187
464
Göritzhain
Chemnitz
532,4
78,2
37,0
19,7
47
179
336
Niederzwönitz
Zwönitz
31,5
89,3
40,1
1,26
45
19,1
606
Burkhardtsdorf 2
Zwönitz
93,0
87,8
55,6
5,17
63
58,0
624
Altchemnitz 2
Zwönitz
143,5
80,0
44,1
6,33
55
70,0
488
Jahnsdorf 1
Würschnitz
103,3
100,9
65,6
6,78
65
95,0
920
Harthau
Würschnitz
136,1
95,8
60,6
8,24
63
120
882
St. Egidien
Lungwitzbach
122,3
85,9
24,7
3,11
29
50,0
409
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
St. Egidien
Lungwitzbach
07.08., 09:30
232
50,0
Niederlungwitz
Lungwitzbach
07.08., 09:30
373
64,8
4
Hydrologie

86
Abbildung 4-44: Wasserstandsganglinien der Pegel St. Egidien und Niederlungwitz am Lungwitzbach für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
Ereignis August 2010
Im August 2010 lag der Schwerpunkt des Hoch
wassers neben
der Lausitzer Neiße im Einzugsgebiet der Spree oberhalb der
Talsperre Bautzen und in dem des oberen Löbauer Wassers.
Die 48-stündigen Gebietsniederschläge vom 6. August,
07:00 Uhr bis 8. August, 07:00 Uhr betrugen in den Oberläufen
bis zu 115 mm. Dabei traten große Niederschlagsintensitäten
vor allem in der zweiten Tageshälfte des 7. August auf.
Innerhalb von vier Stunden fielen teilweise über 50 mm.
Die Starkniederschläge ließen die Wasserführung im obe-
ren Flussgebiet der Spree stark ansteigen. An mehreren Pe-
geln in den Oberläufen wurden die Richtwasserstände der
Alarmstufe 3 bzw. an den Pegeln Bautzen-Weite Bleiche/
Spree, Großschweidnitz/Löbauer Wasser, Krobnitz/Schwarzer
Schöps und Jänkendorf/Schwarzer Schöps der Richtwert der
Alarmstufe 4 überschritten. Wasserstandsganglinien von Pe-
geln der Spree oberhalb der Talsperre Bautzen vom Ereignis
im August sind in der
Abbildung 4­45
dargestellt.
Die registrierten Scheiteldurchflüsse
(Tabelle 4­26)
haben an
den Pegeln Schirgiswalde/Spree und Bautzen-Weite Bleiche/
Spree die bisherigen HHQ deutlich überschritten
(Tabelle
A­12).
Um das Geschehen im oberen Spreeeinzugsgebiet Anfang
August zu verdeutlichen, sind in der
Abbildung 4­46
der
Niederschlags- und Abflussverlauf beispielhaft für das Ein-
zugs ge biet des Pegels Schirgiswalde/Spree dargestellt. Vom
6. August, 08:00 Uhr bis zum 8. August, 08:00 Uhr ist für
das Einzugsgebiet der Spree bis zum Pegel Schirgiswalde ein
Gebietsniederschlag von 110 mm und ein Direktabfluss von
61 mm berechnet worden. Damit sind 56 % des Niederschla-
ges im Einzugsgebiet in dieser Zeit direkt zum Abfluss ge-
kommen.
4.2.5 Spree
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
St. Egidien
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
Niederlungwitz

87
4
Hydrologie
Abbildung 4-45: Beobachtete Wasserstandsganglinien mit den entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1-4 an den Pegeln an der Spree
oberhalb der Talsperre Bautzen für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Schirgiswalde
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Bautzen-Weite Bleiche
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Ebersbach

88
Das Zentrum des Hoch
wassergeschehens war das Einzugs-
gebiet zwischen Pegel Ebersbach und Pegel Schirgiswalde
mit dem Rosenbach, das zum größten Teil auf tschechischem
Gebiet liegt. Weiterhin haben die Zuflüsse aus Cunewalder
Wasser und Butterwasser, die zwischen den Pegeln Schirgis-
walde und Bautzen-Weite Bleiche in die Spree münden, dazu
geführt, dass sich die Hoch wasserwelle bis zur Talsperre
Bautzen nicht wesentlich abflachte
(Abbildung 4­47).
Für
die Talsperre Bautzen wurde – bezogen auf den Stand ort des
Absperrbauwerkes – über Rück- bzw. Retentionsberechnungen
ein Scheitelzufluss von 205 m³/s ermittelt. Diesem kann ein
Wiederkehrintervall von 500 Jahren zugeordnet werden. Das
Hoch wasser war insgesamt durch den außergewöhnlich ho-
hen Scheitelwert bei gleichzeitig relativ geringer Abflussfülle
gekennzeichnet.
In der Talsperre Bautzen stand der gewöhnliche Hoch wasser-
rückhalteraum mit einem Volumen von 5,43 Mio. m³ direkt
vor dem Hoch wasserereignis Anfang August vollständig zur
Verfügung. In den frühen Morgenstunden des 8. August begann
die stufenweise Erhöhung der Abgabe über die Grundablässe.
Die Wildbettabgabe über die Grundablassanlage wurde an-
fänglich von 8,00 m³/s auf ca. 15,0 m³/s und ca. zwei Stunden
später auf 18,3 m³/s erhöht. Dies entspricht der maximalen
Abgabekapazität. Über die Hoch wasser entlastung
(Abbildung
4­48)
wurden am 8. August um 09:30 Uhr maximal 70 m³/s
abgegeben.
Zu dieser Zeit erfolgte keine Wildbettabgabe aus der Grund-
ablassanlage. Die Retentionswirkung der Stauanlage erbrach-
te eine Zuflussscheitelreduzierung von 67 % und verzöger-
Tabelle 4-26: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Spree oberhalb der Talsperre Bautzen am 07.08.2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelab-
fluss [m³/s]
Ebersbach
Spree
07.08., 16:15
290
25
Hohberg
Rosenbach
07.08., 20:00
304
93
Schirgiswalde
Spree
07.08., 20:15
565
200
Bautzen–
Weite Bleiche
Spree
07.08., 23:45
442
190
Abbildung 4-46: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Schirgiswalde/Spree für den Zeitraum 06.08.–12.08.2010
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
Q [m
3
/s]
220
200
180
160
140
120
100
80
60
40
20
0
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
P [mm/h]

image
89
Abbildung 4-47: Abflussganglinie im Einzugsgebiet der Spree oberhalb der Talsperre Bautzen für den Zeitraum 06.08.–12.08.2010
4
Hydrologie
Abbildung 4-48: Abgabe über die Hoch
wasserentlastungsanlage der TS Bautzen am 08.08.2010 (Foto: LTV)
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
Q [m
3
/s]
220
200
180
160
140
120
100
80
60
40
20
0
Ebersbach/Spree
Hohberg/Rosenbach
Bautzen-Weite Bleiche/Spree
Schirgiswalde/Spree

90
te den Abflussscheitel am Querschnitt der Talsperre um etwa
zehn Stunden. In der Talsperre Bautzen wurde während des
Augusthoch wassers ein Hoch wasservolumen von 7,12 Mio. m³
zurückgehalten
(Abbildung 4­49).
Unterhalb der Talsperre Bautzen am Pegel Bautzen UP 1 wur-
de der Richtwert der Alarmstufe 3 mit 147 cm kurzzeitig
überschritten.
Den weiteren Verlauf des Hoch wassers unterhalb der Talsperre
Bautzen beeinflusst maßgeblich das Löbauer Wasser. Die
Wasserstandsganglinien an den Pegeln am Löbauer Wasser
vom Ereignis im August sind in der
Abbildung 4­50
darge-
stellt.
Die registrierten Scheiteldurchflüsse
(Tabelle 4­27)
haben
an den Pegeln Großschweidnitz und Gröditz 1 die bisherigen
HHQ deutlich überschritten. Im Anhang sind in der
Tabelle
A­12
zum Vergleich die entsprechenden Hauptwerte zusam-
mengestellt.
Um das Geschehen im Einzugsgebiet des Löbauer Wassers zu
verdeutlichen, sind in der
Abbildung 4­51
der Niederschlags-
und Abflussverlauf beispielhaft für das Einzugsgebiet des
Pegels Großschweidnitz/Löbauer Wasser für das Hoch was-
ser ereignis im August dargestellt. Vom 6. August, 08:00 Uhr
bis zum 8. August, 08:00 Uhr sind für das Einzugsgebiet
des Löbauer Wassers bis zum Pegel Groß schweidnitz ein
Gebietsniederschlag von 93 mm und ein Direktabfluss von
56 mm berechnet worden. Fast 40 % des Niederschlages sind
im Einzugsgebiet direkt zum Abfluss gekommen.
Abbildung 4-49: Zufluss- und Abgabeganglinie sowie Inhalt der Talsperre Bautzen für den Zeitraum vom 07.08.2010, 16:00 Uhr bis zum
08.08.2010, 14:30 Uhr
Tabelle 4-27: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Löbauer Wasser Anfang August 2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Großschweidnitz
Löbauer Wasser
07.08., 16:30
256
70,0
Gröditz 1
Löbauer Wasser
08.08., 02:00
308
124
07.08., 16:00
07.08., 17:00
07.08., 18:00
07.08., 19:00
07.08., 20:00
07.08., 21:00
07.08., 22:00
07.08., 23:00
08.08., 00:00
08.08., 01:00
08.08., 02:00
08.08., 03:00
08.08., 04:00
08.08., 05:00
08.08., 06:00
08.08., 07:00
08.08., 08:00
08.08., 09:00
08.08., 10:00
08.08., 11:00
08.08., 12:00
08.08., 13:00
08.08., 14:00
220
200
180
160
140
120
100
80
60
40
20
0
Q [m
3
/s]
50
45
40
35
30
25
Inhalt [Mio. m³]
Zufluss
Abgabe
Inhalt

91
4
Hydrologie
Abbildung 4-50: Beobachtete Wasserstandsganglinien an den Pegeln am Löbauer Wasser für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
Abbildung 4-51: Niederschlags- und Abflussverlauf für das Einzugsgebiet des Pegels Großschweidnitz/Löbauer Wasser für den Zeitraum
06.08.–12.08.2010
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
P [mm/h]
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
Großschweidnitz
Gröditz 1
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

92
Große Wassermengen kamen aber auch vom Kotitzer
Wasser, das unterhalb des Pegels Gröditz 1 in das Löbauer
Wasser mündet. In den Teileinzugsgebieten des Kotitzer
Wassers, wie dem Wuischker und Drehsaer Wasser, wurden
Gebietsniederschläge von größer 90 mm in der Zeit vom
6. August, 08:00 Uhr bis zum 8. August, 08:00 Uhr ermittelt.
Letztendlich ist davon auszugehen, dass die Wassermengen,
die der Spree aus dem Löbauer Wasser vom 7. August, ca.
18:00 Uhr bis zum 8. August, ca. 18:00 Uhr zuströmten, größer
waren als die, die in derselben Zeit aus der Talsperre Bautzen
abgegeben worden sind. Durch die Steuerung der Talsperre
Bautzen konnte der Abflussscheitel der Spree fast 10 Stunden
zurückgehalten und damit verhindert werden, dass das Hoch-
wasser aus dem Löbauer Wasser mit dem Hoch wasserscheitel
der Spree zusammentraf
(Abbildung 4­52).
Oberhalb der Mündung des Löbauer Wassers wurden von der
Spree maximal 5,7 m³/s am Verteilerwehr Spreewiese in die
Kleine Spree abgeleitet, so dass die Situation im Bereich der
verzweigten Spree oberhalb des Pegels Lieske nur geringfü-
gig entspannt wurde. Am Pegel Lieske/Spree bildete sich der
Hoch wasserscheitel am 9. August um 04:30 Uhr im Bereich
der Alarmstufe 3 aus. Unterhalb des Pegels Lieske befinden
sich die Zuleiter zum Bärwalder See und zum Speicher Lohsa
II. In den Speicher Lohsa II wurden von der Spree maximal
15 m³/s übergeleitet, in den Bärwalder See erfolgte keine
Überleitung.
Im Schwarzen Schöps wurden am 8. August an den Pegeln
Krobnitz und Jänkendorf die Richtwerte der Alarmstufe 4
überschritten. Im Weißen Schöps stiegen die Wasserstände
am Pegel Holtendorf bis in den Bereich der Alarmstufe 3 und
Abbildung 4-52: Abflussganglinien im Einzugsgebiet der Spree unterhalb der Talsperre Bautzen für den Zeitraum 06.08.–12.08.2010
Tabelle 4-28: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Schwarzen und Weißen Schöps Anfang August 2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Krobnitz
Schwarzer Schöps
07.08., 20:15
291
-
Jänkendorf
Schwarzer Schöps
08.08., 09:00
205
19,6
Holtendorf
Weißer Schöps
07.08., 20:15
250
16,0
Särichen
Weißer Schöps
08.08., 07:30
209
15,2
Boxberg
Schwarzer Schöps
09.08., 13:00
275
25,9
06.08.
00:00
06.08.
12:00
07.08.
00:00
07.08.
12:00
08.08.
00:00
08.08.
12:00
09.08.
00:00
09.08.
12:00
10.08.
00:00
10.08.
12:00
11.08.
00:00
11.08.
12:00
12.08.
00:00
Q [m
3
/s]
140
120
100
80
60
40
20
0
Bautzen UP/Spree
Gröditz 1/Löbauer Wasser
Lieske/Spree

93
Abbildung 4-53: Beobachtete Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1-4 an den Pegeln der Spree unterhalb
der Talsperre Bautzen für den Zeitraum 01.08.–31.08.2010
4
Hydrologie
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Lieske
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Sprey
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
Spreewitz

94
am Pegel Särichen bis in den Bereich der Alarmstufe 2. An der
Talsperre Quitzdorf kam es zwar zur Abgabenerhöhung, die
Hoch wasserentlastungsanlage ging jedoch nicht in Betrieb.
Am Pegel Boxberg am Schwarzen Schöps wurde in der Folge
nur der Richtwert der Alarmstufe 1 überschritten. In
Tabelle
4­28
sind die Hoch wasserscheitel der Pegel im Schöpsgebiet
zusammengefasst.
Der Schwarze Schöps hat das Hoch wassergeschehen in der
Spree nicht wesentlich verschärft. Nur knapp 26 m³/s flossen
der Spree vom Schwarzen Schöps zu. Der Hoch wasserscheitel
am Pegel Sprey/Spree unterhalb der Mündung des Schöps, bil-
dete sich am 09. August um 11:30 Uhr mit 103 m³/s aus. Die
Hoch wasserscheitel der Spreepegel unterhalb der Talsperre
Bautzen sind in
Tabelle 4­29
zusammengefasst, die Wasser-
stands ganglinien in
Abbildung 4­53
dargestellt.
Die Hoch wasserwelle in der Spree erreichte am 9. August die
Landesgrenze zu Brandenburg. Um 16:30 Uhr bildete sich
der Hoch wasserscheitel am Pegel Spreewitz mit einem von
Wasserstand von 401 cm im Bereich der Alarmstufe 3 aus.
Das Zentrum des Hoch wasserereignisses von Anfang August
2010 lag vor allem im Einzugsgebiet der Spree oberhalb der
Talsperre Bautzen und im Löbauer Wasser. Hier traten die
extremsten Scheitelabflüsse auf. Für ausgewählte Pegel-
querschnitte sind u. a. die Direktabflussfüllen, Abfluss bei-
werte sowie Scheitelabflussspenden in
Tabelle 4­30
ent-
halten. Die Abflussbeiwerte bewegen sich bei den ausge-
werteten Pegeln im Bereich von 10 % bis 60 %. Die hohen
Scheitelabflussspenden im Oberlauf der Spree und des Löbauer
Wassers glichen denen in der benachbarten Mandau und er-
reichten zum Teil die Größenordnung der Abflussspenden der
Osterzgebirgsflüsse beim Hoch wasser im August 2002.
Tabelle 4-29: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel in der Spree unterhalb der Talsperre Bautzen Anfang August 2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Bautzen UP 1
Spree
08.08., 10:00
147
70,0
Lieske
Spree
09.08., 04:30
527
86,7
Sprey
Spree
09.08., 11:30
338
103
Spreewitz
Spree
09.08., 16:30
401
99,5
Spremberg
Spree
09.08., 20:30
384
85,2
Tabelle 4-30: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (
Ψ
),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Spree für den Zeitraum 06.08.–09.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Schirgiswalde
Spree
179
109,5
61,3
10,9
56
200
1.119
Bautzen-
Weite Bleiche
Spree
276
107,6
50,4
13,9
47
190
689
Lieske
Spree
778
82,1
17,6
13,7
21
86,7
111
Spreewitz
Spree
2.067
59,6
7,7
15,8
13
99,5
48
Großschweidnitz
Löbauer Wasser
41
93,3
37,0
1,54
40
70
1.688
Jänkendorf
Schwarzer
Schöps
125
31,2
14,1
1,77
45
19,6
156
Holtendorf
Weißer Schöps
54
43,9
19,7
1,07
45
16,0
295
Boxberg
Schwarzer
Schöps
642
40,0
4,7
3,01
12
25,9
40

95
Ereignis September 2010
Nach dem schweren Hoch
wasser vom 7. bis zum 10. August
kam es im August noch zu geringfügigen Wasser
stands-
anstiegen an den Hoch
wassermeldepegeln bis in den Bereich
der Alarmstufe 2. Ab dem 25. September sorgte dann erneut
ein Frontensystem für andauernden und ergiebigen Regen.
Beim Hoch wasserereignis Ende September 2010 waren vor
allem der Oberlauf des Schwarzen Schöpses sowie der Ab-
schnitt unterhalb der Vereinigung mit dem Weißen Schöps
betroffen. Aufgrund der bereits hohen Wasserführung,
der hohen Bodenfeuchte und der Niederschläge ab dem
25. September, die sich in der Nacht vom 26. zum 27. September
noch verstärkten, kam es in den Oberläufen des gesamten
Spreeeinzugsgebiets zu starken Wasserstandsanstiegen.
Die Wasserstandsganglinien von ausgewählten Pegeln der
Spree vom Ereignis Ende September bis Anfang Oktober sind
in der
Abbildung 4­54
sind dargestellt.
In der Spree oberhalb der Talsperre Bautzen wurden am
28. September um 00:15 Uhr am Pegel Schirgiswalde und
um 05:15 Uhr am Pegel Bautzen-Weite Bleiche die Hoch-
wasserscheitel im Bereich der Alarmstufe 3 beobachtet. Die
Scheitelwasserstände blieben dabei am Pegel Schirgiswalde
fast zwei Meter und am Pegel Bautzen-Weite Bleiche fast ei-
nen Meter unter dem Ereignis vom 7. August
(Tabelle 4­31).
Der Zufluss zur Talsperre Bautzen betrug am 28. September ca.
110 m³/s, sodass auch aufgrund des konstanten Freifahrens
des Hoch wasserschutzraumes nach dem Augusthoch wasser
der Hochwasserscheiteldurchfluss im September unterhalb
der Talsperre um 75 % reduziert werden konnte.
Im Löbauer Wasser bildete sich der Hoch wasserscheitel am
Pegel Gröditz 1 mit 256 cm im Bereich der Alarmstufe 3 am
28. September um 09:45 Uhr aus
(Tabelle 4­32).
Tabelle 4-31: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Einzugsgebiet der Spree oberhalb der Talsperre Bautzen Ende September 2010
Tabelle 4-32: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Löbauer Wasser am 28.09.2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Ebersbach
Spree
27.09., 23:30
167
5,87
Hohberg
Rosenbach
28.09., 01:15
199
17,1
Schirgiswalde
Spree
28.09., 01:15
375
49,5
Bautzen-Weite Bleiche
Spree
28.09., 05:15
348
108
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Großschweidnitz
Löbauer Wasser
28.09., 00:30
140
17,3
Gröditz 1
Löbauer Wasser
28.09., 09:45
256
72,9
4
Hydrologie

96
Abbildung 4-54: Beobachtete Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1-4 an ausgewählten Pegeln an der
Spree für den Zeitraum 15.09.–15.10.2010
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
15.09.
16.09.
17.09.
18.09.
19.09.
20.09.
21.09.
22.09.
23.09.
24.09.
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
06.10.
07.10.
08.10.
09.10.
10.10.
11.10.
12.10.
13.10.
14.10.
15.10.
Bautzen-Weite Bautzen
Ebersbach
Schirgiswalde
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

image
image
97
Da die Talsperre Bautzen die Hoch
wasserwelle aus
dem Oberlauf der Spree zurückhalten konnte, war der
Wasserstandsanstieg in der Spree am Pegel Lieske vorwie-
gend durch das Löbauer Wasser geprägt. Am Pegel Lieske
wurde der höchste Wasserstand mit 520 cm im Bereich der
Alarmstufe 3 am 29. September um 01:00 Uhr registriert und
lag damit nur 7 cm unter dem Scheitelwert vom 9. August.
Im Schwarzen Schöps oberhalb der Talsperre Quitzdorf stieg
die Wasserführung am 28. September bis in den Bereich der
Alarmstufe 4 an
(Tabelle 4­33).
In der Talsperre Quitzdorf ist ein gewöhnlicher Hoch-
wasser rück halteraum von 2,1 Mio. m³ eingerichtet. Am
26. September stand in der Talsperre sogar ein Freiraum aus
freien Anteilen des Betriebsraumes und aus dem gewöhnli-
chen Hoch wasserrückhalteraum von insgesamt 3,4 Mio. m³
zur Verfügung. Infolge des Hoch wasserzuflusses wurde der
Vollstau am 28. September gegen 17:00 Uhr erreicht, während
sich die maximale Stauhöhe zirka 17 Stunden später einstellte.
Seit den Abendstunden des 28. September erfolgte die Abgabe
aus der Talsperre über die Hoch wasserentlastungsanlage. Die
maximale Abgabe über die Hoch wasserentlastungsanlage be-
trug zu diesem Zeitpunkt ca. 15,0 m³/s, während der maxi-
male Gesamtzufluss zur Stauanlage 20 Stunden zuvor etwa
44,0 m³/s betrug.
Zur maximalen Abgabe an das Wildbett trug ausschließ-
lich der Überfall über die Hoch wasserentlastungsanlage bei
(Abbildung 4­55).
Die Grundablassanlage wurde im Zeit-
raum der höchsten Überfallwassermengen geschlossen, um
die Seeretentionswirkung maximal ausnutzen zu können. Im
Stauraum wurden ca. 4,8 Mio. m³ der Hoch wasserwelle zu-
rück gehalten. Die schadlose Abgabe an das Wildbett in Höhe
von 5,00 m³/s konnte auf Grund der außergewöhnlichen
Höhe des Hoch wassers und dem damit im Zusammenhang
stehenden Überlauf über die Hoch wasserentlastungsanlage
nicht durchgängig eingehalten werden. Die Talsperre Quitz-
dorf konnte damit den Hochwasserscheiteldurchfluss un-
terhalb der Talsperre um 66 % reduzieren und um ca.
10 Stunden verzögern.
Abbildung 4-55: Hochwasserentlastungsanlage der Talsperre Quitzdorf bei Vollstau am 28.09.2010 (Foto: LTV)
Tabelle 4-33: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Schwarzen und Weißen Schöps Ende September 2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Krobnitz
Schwarzer Schöps
28.09., 02:15
305
-
Jänkendorf
Schwarzer Schöps
28.09., 13:00
234
24,9
Sproitz
Schwarzer Schöps
29.09., 12:30
170
15,2
Boxberg
Schwarzer Schöps
30.09., 07:45
457
57,3
4
Hydrologie

98
Abbildung 4-56: Abflussganglinie im Einzugsgebiet des Schwarzen und Weißen Schöps für den Zeitraum 25.09.–05.10.2010
Im Weißen Schöps am Pegel Holtendorf stiegen die Wasser-
stände am 28. September um 00:30 Uhr (W = 263 cm) bis
in den Bereich der Alarmstufe 4, am Pegel Särichen wurde
der höchste Wasserstand mit 226 cm am 28. September um
12:00 Uhr im Bereich der Alarmstufe 3 beobachtet
(Tabelle
4­34).
Bei letztgenanntem Pegel konnte die rechtsseitige
Umflut nicht quantifiziert werden.
Die Hoch wasserwelle aus dem Weißen Schöps bewegte sich
sehr langsam in Richtung Vereinigung mit dem Schwarzen
Schöps. Die Hoch wasserwelle wurde durch relativ gro-
ße Zuflussmengen aus dem über 230 km² großen Zwischen-
einzugsgebiet, das sich vom Pegel Särichen bis zur Vereinigung
des Weißen Schöpses mit dem Schwarzen Schöps erstreckt,
verstärkt. Das zeigen die in
Abbildung 4­56
dargestellten
Durchflussganglinien. Des Weiteren zeigen die Ganglinien,
dass das Hoch wasser im Unterlauf des Schwarzen Schöpses
maßgeblich durch die Wassermengen aus dem Weißen Schöps
geprägt wurde.
Am Pegel Boxberg/Schwarzer Schöps
(Abbildung 4­57)
stieg
der Wasserstand stetig bis zum Scheitel von 457 cm (30.09.,
06:45 Uhr) an und verblieb fast 10 Stunden lang über der
4,50 Meter-Marke. Der Wasserstand von 457 cm lag dabei
neun Zentimeter höher als beim Hoch wasserereignis vom Juli
1981 und damit über dem bisherigen HHW
(Tabelle A­13).
Dieser Wasserstand entspricht einem Durchfluss von 57,3 m³/s.
Am Pegel Sprey/Spree bildete sich am 29. September um
10:30 Uhr mit 101 m³/s der Hoch wasserscheitel aus. Am Pegel
Spreewitz/Spree kurz vor der Landesgrenze von Sachsen zu
Brandenburg wurde am 29. September um 17:15 Uhr der
Hoch wasserscheitel mit 414 cm im Bereich der Alarmstufe 2
beobachtet. Der dazugehörige Durchfluss wurde mit 109 m³/s
ermittelt
(Abbildung 4­58).
Damit hat der Hoch wasserscheitel der Spree vor dem des
Schwarzen Schöpses den Pegel Spreewitz passiert, so dass es
nicht zu einer Überlagerung kam
(Abbildung 4­58).
Erst sie-
ben Tage später wurden an diesen Hoch wassermeldepegeln
Tabelle 4-34: Übersicht über die Hochwasserscheitel der Pegel im Schwarzen und Weißen Schöps Ende September 2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Holtendorf
Weißer Schöps
28.09., 00:30
263
18,0
Särichen
Weißer Schöps
28.09., 12:00
226
20,0
Kringelsdorf
Weißer Schöps
30.09., 05:00
310
40,0
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
Q [m
3
/s]
70
60
50
40
30
20
10
0
Sproitz/Schwarzer Schöps
Boxberg/Schwarzer Schöps
Särichen/Weißer Schöps
Kringelsdorf/Weißer Schöps

image
99
Abbildung 4-57: Hoch
wasser in Boxberg am Schwarzen Schöps 30.09.2010 (Foto: Archiv Gemeinde Boxberg/O. L.)
4
Hydrologie
Abbildung 4-58: Abflussganglinie der Spreepegel Sprey und Spreewitz und des Pegels Boxberg/Schwarzer Schöps für den Zeitraum 25.09.–
05.10.2010
Q [m
3
/s]
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
120
100
80
60
40
20
0
Sprey/Spree
Spreewitz/Spree
Boxberg/Schwarzer Schöps

100
Abbildung 4-59: Beobachtete Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1-4 an ausgewählten Pegeln an der
Spree unterhalb der Talsperre Bautzen für den Zeitraum 25.09.–15.10.2010
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4
700
600
500
400
300
200
100
0
15.09.
16.09.
17.09.
18.09.
19.09.
20.09.
21.09.
22.09.
23.09.
24.09.
25.09.
26.09.
27.09.
28.09.
29.09.
30.09.
01.10.
02.10.
03.10.
04.10.
05.10.
06.10.
07.10.
08.10.
09.10.
10.10.
11.10.
12.10.
13.10.
14.10.
15.10.
W [cm]
Spreewitz
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Lieske
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Sprey

101
Tabelle 4-35: Übersicht über die Hoch
wasserscheitel der Pegel der Spree unterhalb der Talsperre Bautzen Ende September 2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Bautzen UP 1
Spree
27.09., 16:00
89
22,1
Lieske
Spree
29.09., 01:00
520
83,3
Sprey
Spree
29.09., 10:30
336
101
Spreewitz
Spree
29.09., 14:45
414
109
Spremberg
Spree
29.09., 22:45
419
-
die Hoch
wassermeldegrenzen wieder unterschritten. Die
Hoch
wasserscheitel der Spreepegel unterhalb der Talsperre
Bautzen sind in
Tabelle 4­35
zusammengefasst, die Wasser-
standsganglinien sind in
Abbildung 4­59
dargestellt.
Im Gegensatz zum Hoch
wasser im August lag der Schwerpunkt
des Hoch
wassers im September/Oktober im Schwarzen und
Weißen Schöps. Dabei waren neben den Hochwasserscheiteln
besonders die Abflussfüllen des Hoch wassers bemerkenswert.
In
Tabelle 4­36
sind neben den Abflussfüllen für ausgewählte
Pegel auch die Abflussbeiwerte und Scheitelabflussspenden
zusammengestellt. Die Abflussspenden liegen im Allgemeinen
unter denen des Ereignisses vom August 2010.
Tabelle 4-36: Einzugsgebietsfläche (A
Eo
), Gebietsniederschlag (P), Direktabflusshöhe (RD), Direktabflussfülle (V(RD)), Abflussbeiwert (
Ψ
),
Scheitelabfluss (HQ) und Scheitelabflussspende (Hq) für ausgewählte Pegel im Einzugsgebiet der Spree für den Zeitraum 27.09.–30.09.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Schirgiswalde
Spree
179
102,8
31,1
5,56
30
49,5
277
Bautzen-
Weite Bleiche
Spree
276
103,0
44,1
12,2
43
108
392
Lieske
Spree
778
105,6
20,3
15,8
19
83,3
107
Spreewitz
Spree
2.067
105,0
12,6
26,0
12
109
53
Großschweidnitz
Löbauer Wasser
41
105,4
45,6
1,89
43
17,3
417
Jänkendorf
Schwarzer
Schöps
125
111,0
33,0
4,13
30
24,9
199
Holtendorf
Weißer Schöps
54
109,9
48,6
2,63
44
18,0
332
Boxberg
Schwarzer
Schöps
642
107,9
17,4
11,2
16
57,3
89
4
Hydrologie

102
Abbildung 4-60: Wasserstandsganglinien mit entsprechenden Richtwerten der Alarmstufen 1-4 der sächsischen Hoch
wassermeldepegel Adorf
und Kleindalzig an der Weißen Elster und Böhlen 1 an der Pleiße für den Zeitraum 01.01.–31.01.2011
W [cm]
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Adorf/Weiße Elster
Kleindalzig/Weiße Elster
01.01.
02.01.
03.01.
04.01.
05.01.
06.01.
07.01.
08.01.
01.01.
10.01.
11.01.
12.01.
13.01.
14.01.
15.01.
16.01.
17.01.
18.01.
19.01.
20.01.
21.01.
22.01.
23.01.
24.01.
25.01.
26.01.
27.01.
28.01.
29.01.
30.01.
31.01.
Böhlen 1/Pleiße
Alarmstufe 1
Alarmstufe 2
Alarmstufe 3
Alarmstufe 4

103
Die hydrologischen Auswertungen des Schneeschmelz
hoch-
wassers im Einzugsgebiet der Weißen Elster im Januar 2011
beruhen auf einem vom LfULG beauftragten Gutachten
(DHI­
WASY 2012).
Die Daten der Pegel an der Weißen Elster, die
in Thüringen bzw. Sachsen-Anhalt liegen, wurden dabei
von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie
(TLUG)
bzw. vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und
Wasserwirtschaft
(LHW)
zur Verfügung gestellt.
Das Hoch wasserereignis vom Januar 2011 war nach dem
historischen Hoch wasser vom Juli 1954 das zweithöchs-
te Hochwasser im Unterlauf der Weißen Elster. Ursache wa-
ren der plötzliche Abtau prozess der akkumulierten und selbst
im Flachland geschlossenen Schneedecke infolge eines sehr
schnellen Anstiegs der Temperatur durch Warmluftzufuhr bei
gleichzeitig einsetzendem Dauer regen
(vgl. Kapitel 3.4)
sowie
die hohen Grundwasserstände. Die Hoch wasser auslösenden
Abtauprozesse und Nieder schläge (Regen) verliefen in zwei
Episoden und führten zu einem im Wesentlichen zwei gipfligen
Verlauf des Hoch wasserereignisses. Zur Beschreibung und
Analyse des zeitlichen und räumlichen Hoch wasser verlaufs
wurden das Niederschlagsdargebot, welches den zeitlichen
Verlauf des Aufbaus und des Abtauens der Schneedecke mit
berücksichtigt, und die Abflussganglinien der Pegel ausgewer-
tet. Damit konnten anschließend die Scheitelabflüsse und ein-
trittszeiten sowie die Abflussfüllen, -beiwerte und -spenden
bestimmt werden.
Zunächst sind in
Abbildung 4­60
die Wasser stands gang linien
der sächsischen Hoch wassermeldepegel Adorf und Klein dalzig
an der Weißen Elster und Böhlen 1 an der Pleiße für Januar
2011 dargestellt.
Der Verlauf der Wasserstandsganglinien zeigt, dass an den drei
Pegeln jeweils die Alarmstufe 3 überschritten wurde. Der ma-
ximale Wasserstand am Pegel Adorf wurde mit 189 cm am 15.
Januar um 10:00 Uhr erreicht und blieb damit 27 cm unter dem
HHW vom 11.07.1954
(Tabelle A­15).
Am Pegel Kleindalzig
zeigt sich deutlich die bereits erwähnte Zweigipfligkeit des
Hoch wasserereignisses. Der erste Gipfel wurde am 9. Januar
um 20:00 Uhr mit 344 cm erreicht. Damit wurde das HHW
vom 1. Dezember 2002 um 50 cm überschritten. Auch der
zweite Gipfel überstieg mit 336 cm am 15. Januar um 11:00
Uhr dieses HHW deutlich. Die entsprechenden Hauptwerte
sind im Anhang in
Tabelle A­15
zusammengefasst.
Aus den gemessenen Wasserständen aller Pegel im Einzugs-
gebiet der Weißen Elster wurden mittels der jeweils gültigen
W-Q-Beziehung die entsprechenden Durchflüsse berechnet.
Nachfolgend veranschaulichen
Abbildung 4­61 und 4­62
die
entsprechenden Ganglinien für den Ober- und den Unterlauf
der Weißen Elster. Der Pegel Oelsnitz/Weiße Elster ist dabei
nicht enthalten, da hier infolge einer Umflut schätzungswei-
se ein Drittel der gesamten Abflussmenge nicht erfasst wur-
de. Aus diesem Grund ist in
Abbildung 4­61
anstatt des Pegels
Oelsnitz die Ganglinie des berechneten Zuflusses zur Talsperre
Pirk dargestellt.
4.2.6 Weiße Elster im Januar 2011
4
Hydrologie
Abbildung 4-61: Abflussganglinien an den Pegeln des Oberlaufs der Weißen Elster (vom Pegel Bad Elster 1 bis zum Pegel Elsterberg) für den
Zeitraum 01.01.–31.01.2011
01.01.
03.01. 05.01.
07.01.
09.01.
11.01.
13.01.
15.01.
17.01.
19.01.
21.01.
23.01. 25.01.
27.01.
29.01.
31.01.
120
100
80
60
40
20
0
Q [m
3
/s]
Bad Elster 1
Adorf
Magwitz
Straßberg
Elsterberg
Zufluss TS Pirk (berechnet)

104
Abbildung 4-62: Abflussganglinien an den Pegeln des Unterlaufs der Weißen Elster (vom Pegel Greiz bis zum Pegel Oberthau) für den Zeitraum
01.01.–31.01.2011
Es ist ersichtlich, dass sich die erste Hoch wasserwelle an den
Pegeln des Oberlaufes, Bad Elster 1 und Adorf, weniger präg-
nant ausbildete als im Unterlauf.
Tabelle 4­37
gibt Aufschluss
über die Scheitelkenngrößen an diesen Pegeln hinsichtlich
der Ein tritts zeiten, Wasserstände und Abflüsse. Die höchs-
ten Scheitel wasserstände bzw. Scheitelabflüsse ergab mit
Aus nahme des Abschnittes von Gera bis Kleindalzig jeweils
die zweite Welle. Die Scheiteleintrittszeiten der ersten Welle
wurden für den 8./9. Januar registriert. An den Pegeln Adorf
bis Oelsnitz traten die Scheitel der ersten Welle etwas später,
und zwar zwischen dem 10. und 12. Januar ein und waren
dort auch weniger signifikant. Die Scheiteleintrittszeiten der
zweiten Hoch wasserwelle wurden jeweils am 14./15. Januar
beobachtet, mit Ausnahme am Pegel Magwitz. Hier trat der
Scheitel in Folge der Retention an der oberhalb gelegenen
Talsperre Pirk erst am 16. Januar auf.
Tabelle 4-37: Übersicht über die Hochwasserscheitel im Januar 2011 an den Pegeln der Weißen Elster
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MEZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
1. Welle
2. Welle
1. Welle
2. Welle
1. Welle
2. Welle
Bad Elster 1
Weiße Elster 08.01., 13:30 15.01., 15:30
43
79
1,83
6,12
Adorf
Weiße Elster 10.01., 01:15 15.01., 10:00
93
189
7,12
28,5
Oelsnitz
Weiße Elster 10.01., 03:30 14.01., 19:45
129
163
-
-
Magwitz
Weiße Elster 12.01., 06:30 16.01., 15:45
125
179
18,8
51,3
Straßberg
Weiße Elster 09.01., 23:30 14.01., 13:45
261
311
46,0
74,3
Elsterberg
Weiße Elster 08.01., 21:45 14.01., 00:30
199
230
80,2
111,0
Greiz
Weiße Elster 08.01., 19:15 14.01., 14:00
323
351
122,0
155,0
Gera­Langenberg
Weiße Elster 08.01., 21:45 14.01., 12:45
266
251
226,0
202,0
Zeitz
Weiße Elster 09.01., 06:15 14.01., 19:30
517
503
253,0
226,0
Kleindalzig
Weiße Elster 09.01., 18:00 15.01., 08:30
344
336
244,0
233,0
Oberthau
Weiße Elster 09.01., 15:30 15.01., 14:30
k.A.
k.A.
320,0
332,0
01.01.
03.01. 05.01.
07.01.
09.01.
11.01.
13.01.
15.01.
17.01.
19.01.
21.01.
23.01.
25.01.
27.01.
29.01.
31.01.
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
Greiz
Gera-Langenberg
Zeitz
Kleindalzig
Oberthau

105
4
Hydrologie
Abbildung 4-63: Abflussganglinien für Januar 2011 an den Pegeln der Pleiße für den Zeitraum 01.01.–31.01.2011
Abbildung 4-64: Abflussganglinien für Januar 2011 an den Pegeln der Pleißenebenflüsse Parthe, Wyhra mit Eula sowie dem Weiße-Elster-
Nebenfluss und Göltzsch für den Zeitraum 01.01.–31.01.2011
01.01.
03.01. 05.01.
07.01.
09.01.
11.01.
13.01.
15.01.
17.01.