Die Einführung neuer Sorten mit Resistenz
gegen Falschen Mehltau dringend erforderlich
Spinat, Industrie,
Herbstanbau,
frühe - mittelspäte Sorten
Zusammenfassung
Im Versuch "Spinat im Herbstanbau" wurden 2011
25
Sorten am Sächsischen Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz geprüft. In den Reifegruppen von früh
bis mittelspät stehen im späten Herbstanbau geeignete Sorten mit ausreichender Resistenz
gegen den Falschen Mehltau zur Verfügung.
Versuchsfrage und -hintergrund
Für die letzten Herbsternten von Spinat im Oktober für die Verarbeitungsindustrie kommen für
den Aussaattermin Mitte August frühe bis mittelspäte Sorten zum Einsatz. Das aktuelle Sorti-
ment galt es auf seine Anbaueignung, insbesondere im Hinblick auf Resistenz gegen die 12.
und 13. Rasse des Erregers des Falschen Mehltaus, zu prüfen.
Ergebnisse
Sorte/Herkunft
Resistenzen
(Züchteranga-
ben)
Entwick-
lungszeit
[d]
Ertrag
[kg/m²]
Trocken-
substanz
[%]
Ertrag bei
TS von 9%
kg/m²]
Frühe Reifegruppe
Hudson F
1
(PV/Vol)
Pfs 1-11,13
47
2,11
9,9
2,32
Novico F
1
(Nun)
Pfs 1-12
47
2,53
10,3
2,89
Rafael F
1
(S&G)
Pfs 1-9, 11-13
44
1,63
9,7
1,75
Rathlin F
1
(SVS)
Pfs 1-11,13
43
2,36
9,1
2,38
RX 3523 F
1
(SVS)
Pfs 1-11,13
42
2,13
9,6
2,28
Solomon F
1
(SVS)
Pfs 1-9,11-13
45
2,24
9,6
2,38
Tonga F
1
(SVS)
Pfs 1-11,13
47
2,26
9,5
2,38
Grenzdifferenz (5%)
0,26
Mittelfrühe Reifegruppe
Cook F
1
(SVS)
Pfs 1-11,13
49
2,93
8,8
2,86
Corvair F
1
(Enza)
Pfs 1-11,13
50
2,24
9,6
2,39
El Cajon F
1
(S&G)
Pfs 1-12
50
2,25
nicht erfasst
Revere F
1
(Bejo)
Pfs 1-11,13
48
2,87
9,0
2,87
RX 1505 F
1
(SVS)
Pfs 1-13
49
2,69
9,3
2,78
RX 1651 F
1
(SVS)
Pfs 1-13
50
2,41
9,2
2,47
RZ 51-326 F
1
(RZ)
Pfs 1-13
49
2,52
nicht erfasst
Sparrow F
1
(RZ)
Pfs 1-11,13
49
2,64
11,5
3,37
Wallis F
1
(SVS)
Pfs 1-11,13
51
2,20
nicht erfasst
Grenzdifferenz (5%)
0,38
Mittelspäte Reifegruppe
Bizet F
1
(S&G)
Pfs 1-9,11-13
53
3,37
8,0
3,00
El Duro F
1
(S&G)
Pfs 1-12
54
2,98
8,6
2,84
Goldenwhale F
1
(RZ)
Pfs 1-12, IR 13
53
3,00
8,1
2,70
Pigeon F
1
(RZ)
Pfs 1-13
56
2,42
8,4
2,26
Reflect F
1
(Bejo)
Pfs 1-12
53
3,32
9,6
3,06
RZ 51-324 F
1
(RZ)
Pfs 1-12, IR 13
54
3,02
8,4
2,82
RZ 51-330 F
1
(RZ)
Pfs 1-13
53
3,32
7,7
2,84
Seychelles F
1
(SVS)
Pfs 1-11,13
53
3,07
8,9
3,04
Silverwhale F
1
(RZ)
Pfs 1-19, IR 10, 11-13
53
3,15
8,2
2,87
Zebu F
1
(RZ)
Pfs 1-10, 12, I R 11,13
56
2,62
8,8
2,56
Grenzdifferenz (5%)
0,37
Versuche im deutschen Gartenbau
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Abteilung Gartenbau
Bearbeiter: Gerald Lattauschke
2 0 1 1

Kulturdaten:
Aussaattermin:
18.08.2011
Erntetermin:
30.09. bis 13.10.2011
Reihenabstand:
11,5 cm (2,2 Mio. Korn/ha)
Erntezeitpunkt:
Beginn Vergilbung der untersten Blätter,
Ernte:
Schnitthöhe ca. 5 cm über Boden, max. Stiellänge 10 cm; mit Baby Leaf-
Ernter
Fazit
-
Im letzten Herbstsatz, mit Aussaat Mitte August, war es in diesem Jahr schwierig Bestände
mit ausreichender Bestandesdichte zu etablieren. Nach heftigen Regenfällen Mitte des Mo-
nats musste der Aussaattermin um einige Tage verschoben werden. Nach der Saat führte
eine Hitzeperiode mit Temperaturen über 30°C zu teils erheblichen Problemen beim Auflauf
(Keimruhe) einzelner Sorten. Hinzu kam, dass entgegen der Wetterprognose, einige Stunden
nach der Applikation von Goltix Gold ein heftiger Gewitterschauer niederging, wodurch herbi-
zidbeeinflusste Pflanzenausfälle nicht zu vermeiden waren. Der September erwies sich dann
als trockener Monat mit anhaltend (2. Septemberhälfte) sommerlichen Temperaturen.
- Im Spinat spitzt sich das Problem mit dem Auftreten immer neuer Rassen beim Falschen
Mehltau ständig zu. Nachdem im Frühjahr die Rasse 12 offiziell benannt wurde (Erstauftreten
2009), wurde am 2. August 2011 (
www.plantum.nl
) die 13. Rasse von
Peronospora farinosa
beschrieben. Nachdem die 12. Rasse im Frühjahr noch vornehmlich in Westeuropa auftrat,
breitete sie sich mittlerweile über ganz Deutschland aus (mdl. Mitteilungen Saatgutfirmen)
und hat in diesem Herbst auch das Anbaugebiet in Sachsen erreicht. Alle bisherigen Stan-
dardsorten ohne Resistenz gegen die 12. Rasse sind damit hochgradig befallsgefährdet. Da
gegen die 13. Rasse die meisten Sorten, insbesondere die mit Pfs 1-11, eine Resistenz auf-
weisen (Tab.1), fällt ihr Nachweis in der Praxis deutlich schwieriger.
- Die Mehltaubekämpfungsstrategie sollte in Anbetracht der aktuellen Situation so aussehen,
dass zunächst möglichst Sorten mit Pfs 1-13 oder Pfs 1-12 angebaut werden, wobei hier das
Problem besteht, dass die Sorten hinsichtlich ihrer Entwicklungszeit, Anbaueignung sowie ih-
ren Ertragsleistungen bislang unzureichend bekannt sind und darüber hinaus nicht in jedem
Fall bereits ausreichend Saatgut zur Verfügung steht. Neben der Sortenstrategie sollte unbe-
dingt die chemische Behandlung mit Forum und Ridomil Gold Combi unter Beachtung von
Rückstandshöchstmengen und Mehrfachrückständen (Anforderungen des LEH) in die Be-
kämpfungsstrategie einbezogen werden.
- Im Versuch trat Befall durch Falschen Mehltau nicht auf. Auch Blattfleckenerkrankungen wa-
ren nicht präsent, sodass eine Bewertung der Sorten auf ihre Widerstandskraft gegen diese
Erkrankungen nicht möglich ist.
-
Unter den 7 frühen Sorten erwiesen sich erwartungsgemäß ’Rathlin’ und ’RX 3523’ als die
schnellsten Spinatsorten. Sie lagen ca. 4 Tage vor der Mehrzahl der übrigen frühen Spinate.
Beiden fehlt jedoch die Resistenz gegen die 12. Rasse. Von den übrigen Sorten erfüllen ’No-
vico’, ’Solomon’ und ’Rafael’ mindestens die oben gestellte Anforderung. Während ’Rafael’
wegen unzureichender Bestandesdichte (Auflaufprobleme) keine zufriedenstellenden Er-
tragsleistungen verbuchte, zeigte sich ’Novico’ mit dem höchsten Ertrag von mit 2,5 kg/m²
den Vergleichssorten signifikant überlegen. ’Solomon’ lag mit 2,2 kg/m² knapp dahinter,
zeichnete sich aber durch die schnellere Entwicklung aus.
-
Im mittelfrühen Bereich bieten die bisherigen Standardsorten ’Sparrow’ und ’Cook’, die im
Versuch neben ’Revere’ wiederum die Höchsterträge erzielten, keinen ausreichenden Mehl-
tauschutz mehr und sollten deshalb durch möglichst adäquate Sorten ersetzt werden. Vom
Resistenzniveau her betrachtet bieten sich in erster Linie ’RX 1505’, ’RX 1651’, ’RZ 51-326’
sowie ’El Cajon’ an. Alle Sorten haben mindestens Pfs 1-12. In Bezug auf die erzielten Erträ-
ge konnte nur ’RX 1505’ mit einem Ertrag von 2,7 kg/m² mit den alten Standardsorten mithal-
ten. ’RX 1651’ und ’RZ 51-326’ lagen im Bereich um 2,5 kg/m² knapp dahinter. In der Ent-
wicklungszeit lagen die genannten Sorten im Bereich mittelfrüher Spinate.

-
Der Anbau mittelspäter Spinatsorten beinhaltet bei Saatterminen um die 34. Kalenderwoche
immer ein gewisses Risiko. In diesem Jahr, bei dem günstigen Septemberwetter, erreichten
jedoch noch fast alle Sorten die Erntereife. Nur für ’Pigeon’ und ’Zebu’ (semisavoy-Typ) war
der Aussaattermin bereits zu spät. Als typische Sommersorten blieben sie im Wuchs und
demzufolge auch im Ertrag deutlich zurück. Des Weiteren ist der semisavoy-Spinat ’Reflect’
ebenfalls nur sehr bedingt für die industrielle Verarbeitung geeignet. Der bisherigen Stan-
dardsorte ’Seychellis’ fehlt die Resistenz gegen Pfs 12 und ist damit stark befallsgefährdet.
Die übrigen 6 Sorten sollten dagegen nach heutigem Ermessen noch einen ausreichenden
Mehltauschutz bieten. In der Entwicklungszeit lagen sie alle im Bereich von ’Seychelles’. Das
Ertragsniveau lag recht einheitlich bei ca. 3 kg/m² und war damit zufriedenstellend.
-
Der Versuchsbestand wird zur Aberntung im Frühjahr 2012 überwintert.
Fazit
Aufgrund der derzeitigen Ausbreitung der 12. Rasse des Erregers des Falschen Mehltaus in
allen Spinatanbaugebieten ist der Anbau von Sorten ohne Pfs 12 nur bei Fungizideinsatz si-
cher möglich. Neben zusätzlichen Kosten ist hier vor allem die Rückstandsproblematik (Zu-
satzforderungen des LEH) von Bedeutung. Deshalb sollte möglichst auf Sorten mit Pfs 1-12
oder Pfs 1-13 zurückgegriffen werden. Aus dem aktuellen Sortiment bieten sich mehrere Sor-
ten für den Einsatz an, wobei hier zusätzlich die ausreichende Saatgutverfügbarkeit als Folge
des schnellen Sortimentswechsels zum Problem werden kann.
Auf der Basis der Ergebnisse des vorliegenden Versuchs sind derzeit folgende Sorten zur
Ablösung der bisherigen Standardsorten geeignet:
Frühe Reifegruppe:
’Rafael’; ’Solomon’, ’Novico’
Mittelfrühe Reifegruppe:
’RX 1505’, ’RX 1651’, ’RZ 51-326’, ’El Cajon’
Mittelspäte Reifegruppe: ’Bizet’, ’El Duro’, ’Goldenwhale’, ’RZ 51-324’,
’RZ 51-330’, ’Silverwhale’

Tab. 2: Qualitätsparameter
Sorte
Bestan-
deshöhe
[cm]
Einheit-
lichkeit
[1-9]
Blatthal-
tung
[1-9]
Blattfarbe
[1-9]
Blattdicke
[1-9]
Blattform
[1-9]
Blasigkeit
[1-9]
frühe Reifegruppe
Hudson F
1
34
6
5
6
5
3
5
Novico F
1
37
8
9
6
6
4
5
Rafael F
1
28
4
5
4
5
3
3
Rathlin F
1
33
8
7
5
5
4
5
RX 3523 F
1
38
7
8
5
5
4
5
Solomon F
1
36
7
7
4
4
3
4
Tonga F
1
37
8
9
6
5
5
4
mittelfrühe Reifegruppe
Cook F
1
34
8
8
7
8
8
6
Corvair F
1
30
8
8
9
8
8
5
El Cajon F
1
30
7
7
7
7
7
5
Revere F
1
35
8
8
7
6
6
5
RX 1505 F
1
33
8
8
7
8
8
6
RX 1651 F
1
33
7
7
9
8
7
6
RZ 51-326 F
1
33
9
9
9
9
7
4
Sparrow F
1
31
7
7
7
8
7
5
Wallis F
1
28
8
8
8
7
7
5
mittelspäte Reifegruppe
Bizet F
1
29
7
7
7
7
8
5
El Duro F
1
26
6
6
7
7
8
5
Goldenwhale F
1
24
7
6
8
8
7
6
Pigeon F
1
22
6
6
9
7
8
6
Reflect F
1
25
8
5
9
7
7
9
RZ 51-324 F
1
26
7
8
8
8
8
6
RZ 51-330 F
1
28
7
7
8
8
8
6
Seychelles F
1
26
7
6
8
8
6
7
Silverwhale F
1
27
7
7
7
8
7
5
Zebu F
1
18
8
4
9
8
7
9
Legende:
1
5
9
Einheitlichkeit
fehlend
mittel
sehr hoch
Blatthaltung
halbaufrecht
aufrecht
sehr aufrecht
Blattfarbe
hellgrün
grün
dunkelgrün
Blattdicke
sehr dünn
mittel
sehr dick
Blattform
spitz
oval
rund
Blasigkeit
fehlend
mittel
sehr stark