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Technische Universität Chemnitz
Projekthaus Mensch Technik Organisation

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Inspirationsraum, Obergeschoss
Projekthaus Mensch Technik Organisation “MeTeOr”
Kompetenzzentrum Arbeitswissenschaften
Lageplan
Anforderungen der Arbeitswissenschaft
Die Arbeitswissenschaft untersucht und
beschreibt die Gesetzmäßigkeiten der mensch-
lichen Arbeit, um mit diesen Erkenntnissen in
der Praxis hohe Produktivität zu befördern und
humane Bedingungen zu schaffen. Typische
Aufgaben sind die Einrichtung von Arbeitsab-
läufen und Arbeitsplätzen nach den mensch-
lichen Körpermaßen und Bewegungsmöglich-
keiten, die Gestaltung von Anzeige- und
Bedienteilen, die Entwicklung geeigneter
Arbeitsorganisationsformen u.v.m. Bei all die-
sen Aufgaben müssen Mensch, Technik und
Organisation gemeinsam, als sich wechselseitig
beeinflussende Elemente verstanden werden.
Daher der Name des neuen Projekthauses
MeTeOr für Mensch, Technik und Organisation.
Bei der Konzeption des Projekthauses waren
für die Professur Arbeitswissenschaft vor allem
folgende Leitgedanken ausschlaggebend:
• Vielfältige Möglichkeiten des bilateralen
Austauschs, denn 80 Prozent aller Ideen ent-
stehen durch Face to Face Kommunikation
• Veränderliche Räume mit adaptiver Gebäu-
detechnik, denn Größe, Zusammensetzung und
Versorgungsbedarf der Teams sind verschieden
• Eine Testumgebung mit industrienahen
Bedingungen, denn Forschung und Entwick-
lung bedürfen der Bestätigung im Versuch
• Eine Arbeitsstätte die zugleich Forschungs-
objekt ist, denn die Wirkungen neuer Raum-
konzepte, Licht- und Akustikelemente sind bis-
lang unbekannt. Generell steht das Projekthaus
offen für Kooperationen mit der regionalen
Wirtschaft, der Industrieforschung, anderen
Wissenschaftsdisziplinen an der TU Chemnitz
sowie Verbänden und Fachgesellschaften.

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Pilotraum Erd- und Obergeschoss, Blick Richtung Südwesten
Erdgeschoss
Raumbildungsvarianten
Einbindungen
Eine wichtige Rolle im wissenschaftlichen Pro-
fil der TU Chemnitz nimmt die Professur
Arbeitswissenschaft des IBF (Institut für
Betriebswissenschaften und Fabriksysteme) an
der Fakultät für Maschinenbau ein. Von dieser
werden Aufgaben in der Lehre und Forschung
unter dem Blickwinkel der Verbesserung von
Schnittstellen zwischen Mensch, Technik und
Organisation wahrgenommen. Den Auswirkun-
gen auf die Arbeitswelt aus diesem Zusam-
menspiel begegnet die Professur mit innovati-
ven Forschungsansätzen und konstruktiven
Lösungen. Im Rahmen des Konjunkturpakets II
der Bundesregierung wurde das Projekthaus
Innovative Arbeitswelt MeTeOr vom Freistaat
Sachsen errichtet. Das Gebäude dient als
Forschungs- und Lehrstätte, Werkstatt, sowie
Präsentations- und Kommunikationsort für
interdisziplinäre Teams aus Universität, Vertre-
tern der regionalen klein- und mittelständi-
schen Unternehmen sowie überregionaler Ein-
richtungen. Besondere Schwerpunkte bilden
dabei der Automobilbau und die Medizintech-
nik. Im Vordergrund steht die größtmögliche
Variabilität der Raumbildung bei weitgehend
uneingeschränktem Außenbezug. Ferner be-
stimmen hohe Anforderungen an die bauphy-
sikalische Innenraumqualität hinsichtlich
Akustik, Tageslichtechtheit, farbveränderlicher
Beleuchtung, Präsentations- und Medientech-
nik aber auch werkstatttypischer Medienver-
sorgung den Entwurf.

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Blick von Südosten
Arbeitsmodell (ArGe MTO)
Freianlagen
Ziel war die Einbettung des Gebäudes in eine
möglichst unveränderte Umgebung. Diese
besteht aus einer leicht geneigten Wiese und
einem anschließenden Wäldchen. Durch
gezielte Nachpflanzungen als Ersatzpflanzun-
gen für notwendige Baumfällungen wurde der
ungeordnete Wildwuchs zu einem erlebbaren,
klimatisierenden und pflegearmen Außenbe-
reich des Gebäudes für die Sommermonate
entwickelt. Die Zufahrt für LKW und Gabel-
stapler liegt funktional auf der Nordseite und
ist damit für den Besucher kaum wahrnehm-
bar. Der fußläufige Zugang im Süden ist dem
Hauptgebäude der Professur exakt gegenüber-
liegend und in den flachen Hang eingebettet.
Als Befestigungsmaterial kamen wasserdurch-
lässige Pflasterbauweisen und Großformat-
platten aus Beton zum Einsatz.
Variabilität
Die geforderte, nahezu vollständige Variabilität
der Innenraumbildung von einzelnen Projekt-
räumen mit 36 Quadratmetern bis zur gesam-
ten Projekthalle von über 250 Quadratmeter
Nutzfläche wurde mit einem hochvariablen
System verschiebbarer Wände realisiert. Im
Zentrum des Gebäudes ermöglicht eine büh-
nentechnische Konstruktion das Drehen einer
doppelgeschosshohen, circa 50 Quadratmeter
großen Wand um 360 Grad. Diese Wand ist
zugleich Raumteiler, Projektionsfläche und
Bühnenhintergrund mit rückseitiger Schallab-
sorptionsfläche in einem. Die Raumbildungen
in den beiden Geschossen basieren auf dem
Grundraster von 1,10 Meter. Damit lassen sich
Teamräume von circa 36 Quadratmetern
nahezu stufenlos bis auf 125 Quadratmeter
vergrößern. Auch die Bildung der Pilothalle
ergibt sich durch eine Abtrennung des varia-
blen Raumbereichs von den fest unterteilten
Konferenz-, Kommunikations-, Steuer- und
Projektleiterräumen.
Rendering Entwurfsphase (ArGe MTO)

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Pilothalle, Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Haustechnik
Um den sommerlichen Wärmeschutz und die
notwendigen Behaglichkeitsbedingungen des
raumhoch festverglasten und zusätzlich mit
Oberlichtern ausgestatteten Gebäudes zu
gewährleisten, wurden umfangreiche Untersu-
chungen durchgeführt und Gutachten erstellt.
Als Ergebnis dessen kamen farbneutrale Gläser
mit sehr geringem Energiedurchlassgrad zum
Einsatz. Ferner dienen die unverkleideten
Betondecken über Erd- und Obergeschoss als
thermische Speichermassen. Die vollflächig
verlegte Fußbodenheizung kann im Sommer
als Kühlung zum Abbau von Wärmelasten ein-
gesetzt werden. Das Lüftungs-/ Klimagerät mit
integrierter Verdunstungskühlung und Kom-
pressionskälte, die Nachtlüftung sowie eine
automatisch gesteuerte Außenverschattung
dienen ebenfalls der thermischen Behaglich-
keit. Für die Beheizung wird der am Standort
vorhandene Fernwärmeanschluss genutzt. Das
Gebäude ist brandschutztechnisch als ein
Raum konzipiert, Brandabschnitte sind bei der
hohen Raumvariabilität nicht möglich. Daher
werden alle Geschosse vollflächig mit Rauch-
meldern überwacht, die auf die Brandmelde-
anlage der TU Chemnitz aufgeschaltet sind.
Darüber hinaus verfügt das Gebäude im Brand-
fall über eine effektive Entrauchung und Wär-
meableitung. Das Gebäude wurde in allen
Ebenen behindertengerecht ausgeführt.

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Inspirationsbereich
Mediensteuerung
Die Schaltung aller haustechnischen Anlagen
wie Licht, Lüftung, Heizung, Verschattung, aber
auch Projektionsmedien, Daten und Beameran-
steuerung erfolgt digital über zentrale, fest
installierte sowie über mehrere dezentrale,
tragbare Touchpanels. Nach erfolgter Raumbil-
dung werden darüber die entsprechenden
Schaltkreise initialisiert. Im Bereich der Projekt-
und Teamräume gibt es keine festen Schalter
oder Taster an den Wänden. Alle erforderlichen
Medien werden über Bodenkanäle und Tanks
im Rauminneren zur Verfügung gestellt und
drahtlos über die Touchpanels angesteuert.
Inspirationsbereich
Eine wichtige Rolle kommt dem Inspirationsbe-
reich zu. Er ist in zwei Ebenen hinter der großen
Rundung der Südfassade angeordnet. Eine
kleine Bibliothek, Verweilmöbel, eine Sitztreppe
mit Pausenkissen, eine große ausfahrbare Pro-
jektionswand, eine Kaffeeküche und die
unkonventionelle Möblierung bilden den Rah-
men für wissenschaftliche Untersuchungen
zum Regenerationsverhalten. Die akustische
Atmosphäre dieses Bereichs kann von intim bis
hallig verändert werden. Dazu sind auf der
Innenfläche der Rundung über die gesamte
Gebäudehöhe Akustiklamellen angeordnet.
Über diese kann die Raumakustik stufenlos von
voll absorbierend bis voll reflektierend verän-
dert werden. Durch die Justierbarkeit der
reflektierenden Lamellen lassen sich Schall-
emissionen aus entfernten Bereichen des
Gebäudes auf einen kleinen Bereich fokussie-
ren oder umgekehrt von diesem Bereich ausge-
hend über die Lamellen in das Gebäude streuen.
Schnitt
Verweilraum

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Blick von Westen
Materialität
Zusammen mit der Professur Strukturleichtbau
und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz
sowie weiterer Chemnitzer Firmen konnte ein
erstmals eingesetztes, ausbaufertiges, tragen-
des Großformat-Bauteil aus GFK (glasfaserver-
stärkter Kunststoff) entwickelt werden. Bei der
Rundung wurden kostengleich statt einer
Stahlbeton-Lösung großformatige und außen-
oberflächenfertige, dreischichtige Sandwich-
elemente montiert und eine Gewichtseinspa-
rung von 65 Prozent erreicht. Diese
Konstruktion kann neben ihrer Aufgabe als
thermische Hülle bis in die gerade noch begeh-
bare Höhe der Rundung die Nutzlasten im
Erdgeschoss aufnehmen und ist somit „tra-
gend“ eingesetzt. Mit glasfaserverstärktem
Kunststoff wurden auch die Dachrandverklei-
dungen und die Überdachung über der Rampe
ausgeführt, dort allerdings einschalig vor der
thermischen Hülle des Gebäudes. Der Boden
aller Projekt- und Teamräume wurde als
geschliffener Estrich-/ Industrieboden ausge-
führt, die Sonderbereiche verfügen über Böden
aus Textil, Kautschuk oder Laminat. Das sons-
tige Innenraumkonzept basiert hinsichtlich
Farben, Oberflächen, Möblierung und der
Sichtbarkeit der Konstruktion auf einem wohl-
dosierten Kontrast von roh belassen und fein.
Konferenzraum, Erdgeschoss
Blick von Südwesten

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Bauherr
Freistaat Sachsen
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Staatsminister der Finanzen Prof. Dr. Georg Unland
Abteilungsleiter Landesvermögen und
Staatshochbau Johann Gierl
Staatsbetrieb
Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Geschäftsführer Prof. Dieter Janosch
Unternehmensbereich
Planungs- und Baumanagement
Unternehmensbereichsleiter Volker Kylau
Niederlassung Chemnitz
Niederlassungsleiter Peter Voit
Projektleitung
Franz Schmidt, Andrea Schmidt
Fachbauleitung
Sybille Höhn, Timo Manke, Heidi Gallinat, Ulrich John,
Roland Ziegler, Jörg Freitag, Karin Keller
Die Baumaßnahme wurde im Rahmen des Konjunktur-
pakets II mit Mitteln des Bundes gefördert.
Planungsbeteiligte
Architektur
ArGe MTO
ABK Architekten GmbH, Chemnitz
iproplan Planungsgesellschaft mbH, Chemnitz
Tragwerk
Erfurth + Mathes, Chemnitz
Tragwerk GFK
Professur Strukturleichtbau und Kunststoff-
verarbeitung der TU Chemnitz
Haustechnik
, Elektrotechnik, Ingenieurbau und
Freianlagen, Bauphysik, Brandschutz:
iproplan Planungsgesellschaft mbH, Chemnitz
Fördertechnik
Hundt & Partner Ingenieurgesellschaft mbH, Leipzig
Prüfingenieur
Tragwerk
Dr. Jentzsch, Dresden
Prüfingenieur
Brandschutz
Böhme Brandschutz Ingenieur-GmbH, Chemnitz
Sicherheits- und Gesundheitskoordination
Roitzsch, Chemnitz
Gebäudekenndaten
Bruttogeschossfläche
1.652m
2
Nutzfläche
703m
2
Bruttorauminhalt
6.911 m
3
Gesamtbaukosten
3.912T
.
EUR
Entscheidungsfindung
05/2009
Planungsauftrag
07/2009
Baubeginn
03/2010
Fertigstellung
06/2011
Herausgeber
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien-
und Baumanagement
Wilhelm-Buck-Straße 4, 01097 Dresden
www.sib.sachsen.de
im Auftrag des Freistaates Sachsen,
Staatsministerium der Finanzen
Redaktion
SIB Niederlassung Chemnitz
Fotographie
Ulf Dahl, Chemnitz (1, Titel)
Werner Huthmacher, Berlin (2-10)
Gestaltung
GK, Mailand
Produktion
Laserline, Berlin
Auflage / Redaktionsschluss
2.000 Exemplare / 13.12.11
Bezug
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei
SIB Niederlassung Chemnitz
Brückenstraße 12, 09111 Chemnitz
Telefon: +49 371 4570
Telefax: +49 371 457 4611
E-Mail: poststelle@sib-c.smf.sachsen.de
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