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Nummer 59, seit 1999

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Banda Internationale in der JVA
(HL/Kulle/Red. gekürzt) Im Juni 2015 verlegten unsere Probe
spontan nach Freital vor das Hotel Leonardo und antworteten
mit Blasmusik und Konfetti.
An diesem Abend, der von Verzweiflung, Wut, Trauer aber
auch unbändiger Freude über die gemeinsame Begegnung
bei unserem Stegreifkonzert geprägt war, wurde uns als
Banda Comunale bewusst, dass wir als gewachsene Band
durchaus über mehr Möglichkeiten verfügen, als nur auf No
Pegida-Demonstrationen zu spielen. Wir wollten das Rad
wieder selbst drehen, die negativen und deprimierenden
Erfahrungen der kläglichen Dresdner Protestkultur in etwas
Positives wenden und zwar mit dem, was wir können, also vor
allem mit unserer Musik. Geflüchteten Musikern eine erste
Anlaufstelle, ein Projekt, ein gemeinsames Ziel eröffnen; eine
internationale Band, die nicht nur Lieder und Melodien der
ganzen Welt in ihrem Repertoire aufgreift, sondern ebenjene
Musiker aus diesen Ländern aufnimmt.
Wir haben uns Unterstützer und Partner gesucht, Förder-
anträge geschrieben, Flyer verteilt, Poster geklebt und sind
mit spontanen Konzerten durch die hastig errichteten Camps
und Notunterkünfte in Dresden und dem Umland gezogen.
Schon im Oktober haben wir uns mit den ersten Geflüchteten
im Probenraum getroffen. Gleich am Anfang lernten wir
Qutaiba kennen, einen palästinensisch-stämmigen Informatik-
studenten aus Syrien, der in Yarmuk-Camp Snare-Drum in
einer Marchingband gespielt hat. Thabet, der virtuos die Oud
spielt, ebenfalls aus Syrien stammt und hoffte, hier in
Deutschland endlich sein Medizinstudium fortsetzen zu
können. Muhammad, ein weiterer Oudist und Mediziner aus
Syrien, der bereits seit drei Jahren in Dresden lebt und
arbeitet.
Und
Ahmad,
dem
Grundschullehrer
und
wahnsinnigen Riq-Trommler, dem wir in der Erstauf-
nahmeeinrichtung auf der Nöthnitzer Straße begegnet waren.
Im Frühjahr 2016 war dann klar, die
Banda Internationale
ist
Sachsens Exportschlager in punkto gelebte Integration im
Freistaat. Wir wurden bundesweit eingeladen und angefragt.
Vom Oberammergauer „Heimatsound Festival“ zur „Noch
nicht komplett im Arsch – Zusammenhalten gegen die
Rechtsruck“-Tour der Band „Feine Sahne Fischfilet“ oder zur
Eröffnung der Initiative „Kultur öffnet Welten“ in Berlin, wo
unser Projekt mit dem von Kulturstaatsministerin Monika
Grütters ausgelobten Sonderpreis für Projekte zur kulturellen
Teilhabe geflüchteter Menschen ausgezeichnet wurde, waren
wir dabei. Insgesamt haben wir gemeinsam über 60 Konzerte
und Demonstrationen gespielt.
Da einer unserer Band in der JVA Zeithain arbeitet und dort
das Kreativzentrum leitet, ein Ort, in dem sich viele kreativt-
herapeutische Angebote konzentrieren und seit Jahren
funktionieren, lag es nahe, dass wir auch dort mal auftreten.
Es stellte sich dabei heraus, dass es hier beiderseits
Vorurteile zu überwinden galt: Die Geflüchteten befürchteten,
hier wegen ihrer Herkunft abgelehnt oder bedroht zu werden,
seitens der Inhaftierten ließen sich einige zum Konzertbeginn
in den Haftbereich zurückschließen, als offensichtlich wurde,
dass hier tatsächlich Geflüchtete mit auf der Bühne stehen
und sich dies wohl nicht mit ihren Einstellungen vereinbaren
ließ.
Was sich in der JVA Zeithain abzeichnete, wurde hier noch
bei weitem übertroffen. Die Damen waren anscheinend von
Anbeginn dazu entschlossen, den Abend zu genießen.
Es wurde getanzt, gejohlt, mitgesungen und gefeiert bis zum
Abwinken.
Die Jungs in der Band waren geplättet. Manche meinten,
neben all den großen Konzerten dieses Jahres sei dies das
Spektakulärste und Bewegendste gewesen.
Es ist gut, sich zu begegnen und es ist gut, sich zu bewegen.
Wir sind an diesen Abenden uns gegenseitig um einiges
nähergekommen.
Vielen Dank dafür!
Und schöne Grüße aus der Band!

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Haft Leben
3
„Ellis“ Kaffeekränzchen
……..…..……..…...……..
4
Gedanken zum Jahreswechsel
..……………...
5
WHL - In eigener Sache
…………………….....……
6
GefangenenMitVerantwortung
…….…......…..…
7
A - wie Angeln - für Anfängerinnen
..…..
8
Neu hier in Chemnitz -
ein gitterloser Haftraum!?
……..………..
9 und 10
Kein besseres Mittel…?
…..…………….
11 und 12
Meine Gedanken zur Resozialisierung
…....
13
„Handeln ist heilender als Reden”
…….…....
14
Danke sagen!? -
Oder Job mit J?
....…………….....…………
15 und 16
HL - Horoskop 2019, Teil 1 und 2
…..
17 und 20
HL- Kalender
………….….……………...…...
18 und 19
Post an die Redaktion
„Haft Leben“
........................................…....
22 und 23
HL-Preisrätsel
...….…...…..………………...
24 und 25
Kirche 2018
………...…………..……………………….
26
Nach(t)gedanken
.……..……………………….……..
28
Impressum
….………...………..…………………….....
29
HL-Rezepte
…….………...……..……………………….
31
HL-Rätsel
…….…………… ………...
30 und 32 bis 34
„Es gibt kein besseres
Mittel, das Gute in den
Menschen zu wecken,
als sie so zu
behandeln, als wären
sie schon gut.“
Gustav Radbruch (1878 - 1949)
Inhaltsverzeichnis
Wir wünschen Astrid, Denise
G., Dany, Denise H., Nicole
und Marie alles Gute für die
Zukunft!
Danke für Eure Mitarbeit in
der Redaktion „HaftLeben“.
Danke für das extra für die HL
gemalte Titelbild!

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
4
„Ellis“ Kaffeekränzchen
Miauuu… Mädels, ich bin ja nun schon ein paar Tage
hier und habe schon vieles gesehen, dennoch gibt’s
noch immer Dinge, die selbst mich als „alten Hasen“
aus der Fassung bringen.
Kürzlich hörte ich, wie sich jemand darüber
beschwerte, dass fast auf allen Stationen im Haus 1
die Hausarbeiter fehlen würden, während die paar
vorhandenen
Hausarbeiter
bis
zum
Umfallen
durchrackern. Sogar solange, dass deren Urlaub
irgendwann verfallen ist. Ich kann mich entsinnen,
dass es früher einmal Springer gab unter den
Hausarbeitern, die Urlaub oder freie Tage hatten.
Manch einer weiß noch nicht einmal, dass jeder
arbeitende Gefangene 10 Tage Anspruch auf Frei-
stellung pro halbes Jahr Arbeit hat (also pro Jahr 20
Freistellungstage)
Gibt es denn nicht für jeden Gefangenen, der arbeitet,
einen Arbeitsvertrag und ist da nicht sowas geregelt?
Wer Sinn für ein schönes Leben hat, setzt sich lieber
nicht mit Paragraphen und den miesen Tricks der
Paragraphenreiter*innen auseinander … hm … ach
dieses Behördendeutsch hört sich furchtbar an und
mir geht es oft so, dass ich am Ende des Satzes gar
nicht mehr weiß, womit er anfing und worum es
eigentlich geht.
Es soll auch mal wieder gebrannt haben … oh weh!
Das ist meine größte Katzenangst hier … ein Brand
im Gefängnis! Alle sind eingesperrt und somit hilflos
ausgeliefert. Bitte macht das nicht mehr!!! Miau! Das
ist wirklich so richtig gefährlich - für mich, für alle!
Mit solch einer unüberlegten und impulsiven Aktion
erreicht man zu 100 % nichts - gefährdet werden ich,
meine
Katzenkinder,
alle
Mitgefangenen,
das
anwesende Personal und sogar die hässlichen feigen
Ratten! Für alle ein Schock und eine unnötige Gefahr.
Falls es einem also mal wieder zu langweilig werden
sollte oder irgendwer Frust abbauen mag - wir haben
euch
in
dieser Ausgabe
die
Freizeitangebote
abgedruckt
und
für
Gespräche
stehen
der
psychologische Dienst sowie viele andere – meist -
ehrenamtliche Leute zur Verfügung und natürlich
auch ich - Miau!
Ohhh … und ich bin doch tatsächlich letztens hier
einem waschechten Waschbären begegnet. Hier in
meinem Territorium!!!! Was ist denn hier los? Gibt’s
doch gar nicht! Ich also los … Recherche hier und da
… und nun hab ich es herausbekommen. Ab
Dezember diesen Jahres sollen die inzwischen
installierten Waschmaschinen und Trockner auf den
Stationen für die Gefangenen zur Verfügung stehen!
TOLL! Das gefällt mir sehr - MIAU! Ich sage nur,
kostenlose
Wärme
für
mich
und
meinen
geschundenen Körper. Keine Ahnung, wie das
konkret ablaufen soll - ich kann nur hoffen, dass ihr
euch miteinander vertragt und es nun nicht noch
zusätzliches Streitpotential gibt - nämlich darum, wer
wann wie lange wie oft seine Wäsche wäscht!!!! Oh
weh! Ich ahne Schlimmes!
Und bitte … immer vorher nachschauen, ob ich es mir
nicht gerade mal gemütlich gemacht habe im
Trockner oder in der Waschmaschine … schönes
warmes und duftendes Plätzchen! Hmmm - apropos
duftend … wie ist das eigentlich mit der Wäsche von
solchen „Schmutz-
finken“,
die
an
Maschinen
arbeiten
und deren Arbeits-
klamotten eben auch
dementsprechend
aussehen?
Werden
diese ölverschmutz-
ten Klamotten dann auch in der Waschmaschine
gewaschen oder gehen diese Arbeitsklamotten
besser weiterhin in die Wäscherei?
Und … was ich fast vergessen hätte … kürzlich lief
ich so meine Runden unten im Hof … tralitrala ...
schön gemütlich über die Wiese bei den letzten
Sonnenstrahlen und was finde ich da? Ganz viele
vierblättrige Kleeblätter! FREU! Sooo viel Glück auf
einmal … und das MIR!? Ich hab mich so darüber
gefreut - also hab ich die alle komplett gepflückt und
mit
hoch
genommen
in
mein
geheimes
Kuschelversteck! Irgendwer - wehe dem! - hat mir die
doch tatsächlich geklaut! Ist DAS zu fassen? Und nun
wurde mir auch noch das Pflücken dieser Kleeblätter
untersagt, erst recht der Verzehr! Ich darf nun - ab
SOFORT - nur noch das Katzengras fressen! Klee
war besser, das wissen sogar die großen Kühe!
Überhaupt … mir wird das hier wirklich gerade etwas
zu viel mit den tierischen Mitbewohnern! Der Platz
reicht kaum für mich … nun schon der neue
waschende Waschbär … und ich habe sogar von der
großen Blonden gehört, dass es hier jetzt Milben,
Läusen und weiteres Ungetier geben soll - schmeckt
das? Was ist denn hier los? Das werde ich mir noch
etwas genauer unter die Lupe nehmen! Schließlich
bin ich hier die Mietze und Abwechslung im
Speiseplan ist nicht zu verachten - ihr wisst sicherlich
von was ich rede.
Und - was ich noch hörte kürzlich … der
„Langzeitbesuchsraum“ wird nun sogar schon von
zwei Gefangenen für diskrete Treffen mit dem
Liebsten genutzt. Nicht nur ich sehe das als
Fortschritt! Offenbar ist es doch gar nicht so schwer,
wie ihr immer sagt. In der Hausordnung stehen sogar
die
„Zulassungsbedingungen“, doch die gelten
scheinbar nicht für alle Gefangenen, sagt die dürre
Schwarze von der 3 oder 5, na egal ihr wisst schon,
die Dürre eben. Aber: es ist nicht unmöglich! Wie man
da leichter oder schneller in den Genuss der Nutzung
mit dem Liebsten kommt… das müsst ihr halt selbst
erfragen. Ich hab hier meine Kater! Ätsch und wann
ich will - ich! Was ich allerdings sagen kann … ich
weiß und hab's auch extra heimlich beäugt, dass
dieser „Langzeitbesuchsraum“ nach der Nutzung mit
dem Liebsten gründlich gereinigt wird - sogar mit
Desinfektionsmittel. Meine Katzenkinder und ich stößt
der Geruch aber ab! Hygienisch also einwandfrei!
So ihr Lieben! Ich hoffe, es sind alle wichtigen und die
paar unwichtigen Kleinigkeiten ausgeplaudert…
Ich wünsche euch das Beste! Wir sehen und hören
uns, auch im neuen Jahr!
Alles Liebe…
eure Elli

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Haft Leben
5
Gedanken zum Jahreswechsel
Foto: free, Pixabay
Tage der Weihnachtszeit und der anstehende Jahreswechsel stehen Ihnen bevor.
Zu dieser Zeit ist es für Sie und uns besonders wichtig,
dass die Türen und Tore bewusst geöffnet und geschlossen werden.
Die Problematik der kommenden Tage, für Sie und natürlich auch für die im Dienst
befindlichen Mitarbeiter, ist uns dabei bewusst.
Die Anstaltsleitung dankt allen, ob als Bedienstete oder Ehrenamtliche,
die mit ihrer Arbeit in der JVA Chemnitz
zum erfolgreichen Abschluss des Jahres 2018 mit beigetragen haben.
Auch die ehrenamtlichen Mitglieder der Chemnitzer Gefangenenzeitung
"HaftLeben" haben mit ihrem Wirken erreicht,
dass wir im übertragenen Sinn einander Türen und Tore geöffnet haben.
Die Anstaltsleitung wünscht Ihnen und
Ihren Angehörigen ein friedliches Weihnachtsfest und
erfolgreiches Jahr 2019.
König-Bender
Leiterin der JVA Chemnitz
Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm' ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus allem Braus
Doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.
Theodor Fontane
(1819 - 1898),

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
6
In eigener Sache
(HL/EMI) Schon wieder ist ein Jahr vorüber …
hurra!
Was kann ich rückblickend auf das Jahr 2018 als
Gefangene, die an eurer „Haft
Leben
“ (Frau und
Mann beachte das große und wichtige
L
für und
von das Leben) mitwirkt, berichten?
Ich kann euch sagen, dass wir immer bemüht sind,
up to date zu sein … also euch über News, die uns
Gefangene bzw. den Vollzug überhaupt betreffen,
zu informieren.
Auch über „JVA - Interna“ und eventuelle
Änderungen oder Neuregelungen wollen wir stets
(aktuell, geht bei 4 Heften im Jahr leider nicht
immer) berichten.
Dieses Jahr waren das solche Schlagthemen wie
beispielsweise das neue Besucherzentrum mit
dem Langzeitbesucherraum, der Neubau des OV,
das leidige „Übel“ namens Telio bzw. die
Gebühren, neues aus GMV und Gewerkschaft,
interne Veranstaltungen …
Wir alle von der Redaktion eurer Gefangenen-
zeitung(!!!) würden uns sehr über eure Wünsche für
eure Zeitung freuen! Falls ihr Anregungen habt,
lasst es uns bitte wissen! Über Kritik freuen wir uns
ebenso wie über Vorschläge von euch! Leider
werden die HL-Briefkästen nur sporadisch genutzt,
Ideen sind hier gefragt.
Außer ein paar (auffallend weniger) Rätsellösungen
haben wir im letzten Jahr nur noch eine Zigarette
(Danke! ) und diverse Abfälle darin finden können!
Schade!
Wir möchten den wenigen Ehrenamtlichen hier in
der JVA Chemnitz danken, die ihre freie Zeit für ein
„Dankeschön“ freiwillig mit uns hier hinter hohen
Mauern, hinter verschlossenen Türen und in
vergitterten Fenstern verbringen, um mit uns kreativ
zu gestalten, mit uns bei Konzerten zu tanzen, um
Gefangene, die keine Angehörigen haben, bei den
Ausgängen begleiten (sonst hätten sie die gar
nicht), um die vielen unterschiedlichen religiösen
Veranstaltungen durchführen zu können, mal
wieder einen neuen kostenlosen Jahreskalender
und vielleicht sogar einen kleinen Nikolaus an die
Gefangenen zu verteilen, für all die lieben kleinen,
aber
sehr
wichtigen
Aufmerksamkeiten
und
Gespräche … und das ohne Justiz im Hintergrund.
Vielen Dank dafür, dass Sie alle Ihre Freizeit für
uns Gefangene „opfern“! Auch wenn es
manchen hier unter Umständen nicht so leicht
fällt, seine Dankbarkeit zu äußern oder zu
zeigen … Sie können sicher sein … wir sind
Ihnen alle sehr dankbar und uns ist es sehr
wohl bewusst, wie trist und wie um einiges
mehr der Haftalltag noch grauer wäre, als er so
schon ist … wenn es die ganzen Angebote der
Ehrenämtler nicht gäbe!
Auch ein großes Dankeschön an die, die aus dem
Dienst ausgeschieden sind oder die in andere
Bereiche oder gar JVA‘s versetzt wurden. Ein
„stellvertretendes Danke“ für alle „Wechsler“ soll
Frau Höhne vom Besuch erhalten.
Wir wünschen Ihnen allen alles Gute für Ihre
Zukunft!
Auch euch allen ein gutes neues Jahr wünscht
euch die Redaktion der HL!
P.S.: Noch ein Geheimnis, ihr dürft euch,
das
ganze Jahr
, für die Freizeitmaßnahme „Redaktion
HaftLeben“, per Antrag, nur an Frau Böttcher, für
die
Mitarbeit
in
eurer
Gefangenenzeitung
bewerben
. Die Anträge werden bei „Eignung“
„aufgehoben“, da es nur ab und an freie Plätze am
Redaktionstisch gibt.

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Haft Leben
7
Fragen der Gefangenenzeitung HaftLeben an die
GEFANGENENMITVERANTWORTUNG
- ein Interview mit Frau Kleinert
HaftLeben: Uns interessiert, was sind eure
Aussichten
in
der
GMV,
was
habt
ihr
rückblickend erreicht und was habt ihr euch
fürs Jahr 2019 vorgenommen?
Was viele Gefangene interessiert, wie ist der
Stand bei den Verhandlungen mit Telio?
GMV, Kleinert:
Die Verhandlungen gestalten sich
schwieriger als anfangs angenommen, da es einen
Vertrag mit Telio gibt, welcher für 8 Jahre
abgeschlossen wurde. Nach 4 Jahren kann eine
Überprüfung seitens der JVA „beantragt“ werden
und Frau König-Bender hat uns versichert, dass sie
bemüht sei, „hart“ zu verhandeln. Wir bleiben am
Ball
HaftLeben: Wird es Veränderungen im Einkauf
geben?
GMV, Kleinert:
Einkauf war in den letzten zwei
Sitzungen das Hauptthema.
In der letzten GMV-Sitzung war sogar Herr Heinze
(Sicherheitsbediensteter) der JVA Chemnitz dabei,
da viele Lebensmittel und andere Artikel nur mit
Genehmigung der Sicherheitsbediensteten auf der
Einkaufsliste erscheinen dürfen.
Nehmen wir das Beispiel
Nutella
(ja, es gibt auch
andere Sorten!) - war ein „großes“ Thema und alle
anderen Lebensmittel im Glas auch - welche aus
Gründen der Sicherheit und Ordnung abgelehnt
wurden.
(Richtet bitte euren Dank an die
„Damen“ die ihren Müll aus dem Fenster
werfen, denn ich glaub, niemand möchte ein
Glas aus der 7. Etage draußen auf dem Kopf
geworfen bekommen, oder?
Vielleicht achtet ihr in Zukunft darauf und
erinnert Gefangene, bei denen es schon zur
Gewohnheit geworden ist daran, den Mülleimer
nicht zu benutzen und vielleicht können wir
dann, hinsichtlich der Lebensmittel in Gläsern,
was bewegen.)
Dennoch sind wir bemüht, Alternativen zu finden
z. B. bei Lebensmitteln, die auch in anderen
Verpackungen angeboten werden können oder
vielleicht auch vor Ort umgepackt werden könnten.
Dies sind unsere Vorstellungen, welche mit der
Fa. Massak und der JVA genau besprochen
werden müssen. Wir bleiben für euch dran!!! Jetzt
warten wir ab was realisierbar ist.
HaftLeben: Wird es in naher Zukunft Frisch-
fleisch im Einkauf geben?
GMV, Kleinert: Frischfleisch
- Natürlich haben wir
keine 100 % Zusicherung, aber wir sind zuver-
sichtlich, dass sich diesbezüglich etwas auf der
Einkaufsliste
verändern
wird,
da
es
keine
Bedenken gab.
HaftLeben:
Stimmt es, dass es hier bald
Pommes zu kaufen gibt. SDa soll es paar
Probleme geben, weiß die Trommlerin vom
Buschfunk.
GMV, Kleinert: Pommes
- Das ist ein etwas
schwierigeres Problem, an dem wir arbeiten. Es
muss eine (technische?) Lösung gefunden werden,
damit die Temperatur der Kühlschränke nicht mehr
verstellt werden kann.
Bitte, Finger weg von den Reglern, denn der
Großteil isst, glauben wir, gerne Pommes.
HaftLeben: der Sommer ist leider vorbei und
das lästige Viehzeug fliegt nicht mehr durch die
Fenster in den HR, was macht eigentlich das
Problem Insektenschutzgitter?
GMV, Kleinert: Insektenschutzgitter
- Noch in
Bearbeitung, aber wenn -Ja- dann ist die
Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass diese nicht
lang halten, da die Bediensteten bei Kontrollen
auch das Fenster, Gitter kontrollieren müssen und
die JVA dafür keine Haftung übernimmt, was auch
verständlich ist.
HaftLeben: Da gibt es doch professionelle
Lösungen bei den Fensterbauern, ein Rahmen
mit stabilem Insektengitter, der ohne Probleme
bei Sicherheitskontrollen entnommen werden
kann.
Noch ein Vorteil - Müll, der rausgeworfen
werden soll, fliegt automatisch ins Zimmer
zurück - Ätsch.
HaftLeben: Was steht noch auf dem Plan der
GMV Chemnitz?
GMV, Kleinert:
Also in erster Linie die GMV-
Besetzung
selbst,
rummeckern
können
alle
mitmachen wenige und die werden gesucht!
Auch der Toilettengang beim Besuch über 1 bis 2
Std. steht auf unserer Liste, genauso wie die
Problematik
Waschmaschinen.
HaftLeben: Danke und viel Erfolg bei den
ausstehenden Lösungen für uns alle.
GefangenenMitVerantwortung

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
8
A - wie Angeln - für Anfängerinnen
Gruppenausgang Angeln
(HL/AL) Am 25.09.2018 war es endlich soweit,
unser Gruppenausgang zum Angeln war an der
Reihe.
Anfangs waren wir besorgt, da es regnen sollte und
so hatte Herr Böttcher vorsorglich Regenkleidung
aus der Kammer und warmen Tee mitgenommen.
Zum Glück war uns das Wetter doch noch
wohlgesonnen und dem Forellen angeln stand
nichts im Wege. Anfangs wollten die "Fischis" nicht
so recht anbeißen. Wir haben daher erst einmal
gelernt, die Angel gefahrlos (v.a. für den Nachbarn)
auszuwerfen. In der Zwischenzeit wurden dann
auch die ersten Forellen aus dem Teich geholt und
dabei machte Herr Richter den Anfang. Einer nach
dem anderen hatte dann immer wieder einen Fisch
an der Angel und somit verging die Zeit wie im
Fluge.
Zum Abschluss hielten wir noch am „24-h-Stunden-
Drive-in“, denn dort schmecken der Chicken-
Dürum,
Burger
und
Pizza
am
allerbesten?
Außerdem kann man direkt davor parken und das
macht sich besonders gut, wenn man so
vollgefuttert ist, wie wir es waren.

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Haft Leben
9
(HL/EMI) Laut Pressemitteilung vom 19.10.2018
plant der derzeitige Justizminister; Herr Gemkow;
nun in allen sächsischen mindestens einen
„gitterlosen“ Haftraum einzubauen, da sich dieser
bereits in der JVA Dresden als „in der Praxis
bewährt“ erwiesen hat.
Jeder der Gefangenen weiß, was ein BGH ist; von
uns liebevoll „Bunker“ genannt. Gerade hier in der
JVA Chemnitz ist dieser Raum leider relativ
ungünstig gelegen,
nämlich ganz unten im
Sockelgeschoss hinter dem Sportbereich der
Gefangenen. Wird also der BGH belegt, ist i.d.R.
für uns die Nutzung des Sportbereiches nicht
möglich. Aber auch für die Beamten ist ein Tag mit
belegtem BGH sicherlich einer dieser Tage im
Kalender, auf die man gut und gerne verzichten
könnt.
Der BGH ist für Gefangene, die sich nicht
beruhigen lassen (meist Zugänge), für Gefangene,
die für sich und/oder andere eine Gefahr darstellen.
(suizidgefährdete Gefangene, Brandleger,
„Abgedrehte“ etc.) Damit wird es sich jedem
erschließen, dass Gefangene im BGH eine
intensive Überwachung und Betreuung benötigen!
(halbstündliche Sichtkontrollen/Lebendkontrollen
beispielsweise), damit die Gefahr eines Suizids auf
möglichst Null reduziert wird. Chemnitz leidet wie
alle JVA‘s deutschlandweit auch an chronischem
Personalmangel - selbst mit dem besten Personals-
chlüssel sachsenweit - durch die jahrelange
Reduzierung und die Einsparung im Vollzug bzw. in
der Exekutive im allgemeinen. Wenn dann der BGH
auch noch ungünstig und strukturell ungünstig im
Keller ist und es dadurch nochmal zu Mehraufwand
an Zeit und Wegen kommt, dann freut man sich
doch fast auf Herrn Gemkows innovative Idee des
„gitterlosen Haftraumes“.
Natürlich wissen wir alle, welche unglücklichen
Ereignisse der letzten Jahre im Vollzug Herrn
Gemkow zu solch einer Idee bringt bzw. fast zwingt
… ich denke da an JVA Leipzig mit dem
verstorbenen
Häftling
oder
an
Dessauer
Gewahrsam, als ein anderer Gefangener sich
angeblich selber in Brand setzte.
Laut Ministerium diene der neue „Präventions- und
Sicherheitsraum“ der Minimierung der
Möglichkeiten
der
Gefangenen,
Bedienstete
anzugreifen oder sich selbst zu verletzen. Und im
Gegensatz zum BGH, in dem nur eine kurzfristige
Unterbringung von Gefangenen möglich ist, kann
der neue Haftraumtyp für „mittel- bis langfristige
Unterbringung“ genutzt werden (was immer das
auch heißen mag).
Nach
Angaben
Gemkows
sei
der
neue
„Präventionsraum“ vandalismussicher ausgeführt
und nach der normalen Haftraumtür ist eine
zusätzliche Sicherheitstür aus Stahl und Glas mit
Öffnungen zur Fuß- und Handfesselung des
Insassen eingebaut. Der angrenzende Aufsichts-
raum mache mittels großem Sichtfenster eine
durchgehende Beaufsichtigung des Gefangenen
möglich. Auch eine unmittelbare Kommunikation
zwischen Gefangenem und Bediensteten sei über
ein verschließbares Fenster möglich.
Ein Haftraum dieser Art wird seit Juni 2018 in der
JVA Dresden genutzt und hat sich - laut Gemkow-
in der Praxis bewährt. Nach diesem Muster soll nun
in allen sächsischen JVA‘s wenigstens ein
entsprechender Sonderhaftraum errichtet werden
(zum Beispiel in Leipzig ab Frühjahr 2019 und in
Chemnitz ab ???).
Wir haben keine konkreten Informationen darüber,
ob und wann hier in Chemnitz ein Haftraum dieser
Art zur Verfügung stehen wird (bleiben jedoch am
Thema dran).
Und wenn ich als Betroffene etwas dazu anmerken
darf … auch wenn ich die „Denke“ dahinter
nachvollziehen kann und ein Raum dieser Art
sicher auch ab und an sinnvoll sein kann und dem
Vollzugspersonal viel Zusatzarbeit erspart und so
manchem Gefangenen u.U. geholfen wird … so
habe ich auch immer etwas „Bauchweh“ bei der
Einführung von Neuerungen dieser Sorte. Ich kann
mir nicht vorstellen, dass ich als unruhige
Gefangene damit leichter zu beruhigen wäre, wenn
ich 24 Stunden, 7 Tage lang dauerüberwacht
werde mittels Sichtfenster und/oder Sitzwachen
etc. ... Ich kann und mag mir das gar nicht soo
genau vorstellen - vielleicht auch noch ans Bett
„fixiert“ und total ausgeliefert und dauerüberwacht
von sich 8-stündlich wechselndem Personal, die
auch nur dann mit mir kommunizieren, wenn sie es
wollen. Das ruft ein Gefühl der Ohnmacht und der
Hilflosigkeit in mir hervor und ich hoffe sehr, dass
mir und vielen Gefangenen auch Erfahrungen in
dieser Richtung erspart bleiben. Ich würde sehr
wahrscheinlich gerade deshalb, weil ich so
ohnmächtig gemacht werde, noch etwas mehr
austicken und mir eher die Seele aus dem Leib
schreien bis zum geht-nicht-mehr. Auf jeden Fall
macht es in meinen Augen nur relativ kurzfristig
(wenn überhaupt) Sinn, Gewalt mit Gewalt zu
begegnen.
Weiter nächste Seite:
Neu hier in Chemnitz - ein gitterloser Haftraum!?

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
10
Neu hier in Chemnitz - ein gitterloser Haftraum!?
(Dazu könnte man beispielsweise den Strafvollzug
in amerikanischen Haftanstalten heranziehen.) Es
dürfte sich schon seit mehreren Jahren gezeigt
haben, es sei angeraten dem Straftäter mittels
Härte während Inhaftierung zu begegnen - je mehr
desto besser -, um damit abschreckend auf den
Straftäter einzuwirken etc. … diese Argumente sind
bereits länger widerlegt. Wenn es so einfach wäre,
das wäre doch herrlich! Ist es aber nicht, denn kein
einziger der Inhaftierten dort lässt sich von der Haft
so dermaßen beeindrucken, dass er vom Straftäter
zum Heiligen mutiert (dabei wird eben leider oft
vergessen, dass jede Straftat auch ihre Ursache
hat).
Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Gewalt erzeugt
einzig und allein neue Gewalt! (ganz egal, ob
physische, psychische, sexuelle usw.... Gewalt,
jede Form von Gewalt ist gänzlich ungeeignet, um
Menschen „zu erziehen“, „zu lenken“ oder gar „zu
resozialisieren“.
Ich bin viel eher davon überzeugt, dass es hilfreich
sein kann, einem überdrehten und „entgleisten“
Menschen mit zugewandter Aufmerksamkeit und
sicherem Auftreten zu begegnen, mit ihm so gut es
geht zu kommunizieren, ihm das Gefühl von
Sicherheit und Kompetenz zu vermitteln … auf
jeden Fall zu kommunizieren. Es ist für mich auch
nachvollziehbar, dass man „austickt“ oder „suizidale
Gedanken“ hat, denn es ist für JEDEN ein massiver
Eingriff in das Leben, wenn man hier eingewiesen
wird oder man bei der Verhandlung erfährt, dass der
Aufenthalt hier etwas länger sein wird als vielleicht
gedacht. Wichtig sind dann professionelle Hilfe und
Unterstützung und das Erkennen dieses Zustandes
überhaupt. Ich jedenfalls wäre viel leichter durch ein
ernsthaftes Gespräch zu bändigen als durch einen
besonderen Haftraum, in dem ich dann auch noch
„langfristig“ untergebracht werden soll. Ein Raum
dieser Art sollte meines Erachtens wirklich nur nach
reiflicher Überlegung, nach dem Versagen aller
anderen nutzbaren Möglichkeiten und unter der
Aufsicht eines Arztes und eines Psychiaters belegt
werden - erst recht, wenn die Unterbringung „mittel-
bis langfristig“ angedacht ist.
Da stellt sich mir direkt die nächste Frage! WER
entscheidet darüber, wer wie lange in diesem
„Präventionsraum“ untergebracht wird und was gibt
es für Kontrollinstanzen?
Ein Haftraum dieser Art könnte sonst auch dazu
verleiten, „unbequeme“ Gefangene damit langfristig
„ruhigzustellen“ oder einfach nur aus Personal-
mangel (der ja chronisch ist seit Jahren) sich
lästiges Überwachen mit langen Wegen zum BGH
zu sparen.
Wollen wir also hoffen, dass die Bedingungen zur
Nutzung dieser Spezialräume möglichst hoch
angesetzt sind und diese präzise und klar definiert
und formuliert sind.
Um sich die Nutzung dieses Raumes ersparen zu
können, bedarf es sicher eines besonders hohen
Maßes an Erfahrung, Empathie und Professionalität
- ich weiß. Dennoch wünsche ich uns allen sehr,
dass einem dieses Los erspart bleibt. Und auch den
Bediensteten wünsche ich dies, denn auch dieser
Raum dürfte mindestens so arbeitsintensiv und
aufwendig sein, wie es der BGH ist, schon allein
durch die Dokumentations- und Schreibarbeit (die
oft mehr Zeit in Anspruch nimmt als manche
Maßnahme überhaupt).
Politik ist Politik … es sind leider in der
Vergangenheit zu viele Häftlinge, dazu auch noch
„prominente“ Häftlinge medienwirksam in JVA‘s
bzw. im Polizeigewahrsam ums Leben gekommen,
bleibt zu wünschen, dass dies uns hier erspart
bleiben wird … ob nun MIT oder OHNE dem neuen
„Sicherheits- und Präventionshaftraum.“
Beide Fotos, JVA Dresden: MDR/Cindy Baumgart

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Haft Leben
11
„Es gibt kein besseres Mittel, das
Gute in den Menschen zu wecken, als
sie so zu behandeln als wären sie
schon gut“
Gustav Radbruch (1878 - 1949)
(HL/LM) Zuchthaus, Gefängnis, Knast: egal wie
man es beschreiben mag, hier leben Menschen,
die von der Gesellschaft weggesperrt wurden, weil
sie
Fehler begangen haben. Jeder macht doch
Fehler, keiner ist perfekt, natürlich darf man das
nicht gut heißen, nur ist es der richtige Weg, uns für
lange
Zeit
von
der
sozialen
Außenwelt
abzugrenzen? Tja, der Vater Staat hat es so
beschlossen. Wir ,die hinter großen Mauern in
einer ca. 8 qm großen Zelle wohnen, naja wohnen
kann man es nicht nennen, wir hausen eher. Auch
wir haben ein Recht auf Privatsphäre, aber wo ist
es? Was ist mit „Die Würde des Menschen ist
unantastbar“? Das „un“ in unantastbar sollte wohl
eher in Klammern stehen. Jeder sollte doch die
Chance haben sich zu zeigen, wie er eben ist oder
sein möchte. Man könnte ja meiner Meinung nach
zum Beispiel mit einer Erstdiagnose eines jedem
beginnen. Damit könnte und sollte die JVA sich ein
unvoreingenommenes Bild von jedem von uns
machen. Könnte, aber nein man schaut nur auf ein
Gutachten oder auf ein Urteil, was ja „Im Namen
des Volkes“ getroffen wurde.
Versucht es, schaut in das Innere von uns, jeder ist
anders und alles hat einen Grund. Arbeitet noch
mehr mit uns!!! Gebt uns mehr Möglichkeiten, um
an unserer Strafaufarbeitung zu arbeiten.
Nur Einschließen nutzt nichts -
oder nur sehr wenig!
Auch wir sind etwas wert, wir sind und wollen
normale Bürger sein, wenn auch mit einem Makel,
für den wir, glaube ich, unser ganzes Leben bis ins
hoffentlich hohe Alter büsen müssen, leider.
Eingesperrt ja, wenn es sein muss, aber allein
gelassen, das darf nicht sein! Wir müssen lernen,
an uns zu arbeiten und nicht, noch krimineller zu
werden, denn leider lernt man das hier auch.
Ein ordentliches Konzepte auch für Randgruppen
gibt es, dass wäre doch ein Anfang, wo liegen die
Probleme - in der Kommunikation! Ja, wir haben
auch Ideen für eine bessere Behandlung.
Wo fängt es an und wo hört es auf, wann ist man
resozialisiert oder sozialisiert?
Aufarbeitung der jeweiligen Tat ist so ein wichtiger
Punkt, ein Punkt nicht nur für Gewaltstraftäter! Wir
müssen lernen zu reflektieren, die Tat, das
Handeln, unser Leben. Nicht nur ich will doch
wissen, woher etwas kommt, warum man auf die
schiefe Bahn geraten ist.
Viele hier wollen die Wahrheit nicht sehen, weil es
weh tut, doch ich meine, dass man einem Jedem
helfen kann.
Warum werden denn so viele Drogenkonsumenten
wieder rückfällig, warum machen Betrüger draußen
weiter, warum lernen Gewaltstraftäter es einfach
nicht, ihre Fäuste in den Taschen zu lassen und
warum gibt es immer mehr Kinderdelikte?
Stellt sich denn niemand diesen Fragen? Nein, weil
alle hier nur mit dem Finger auf andere zeigen.
Wir und die Gesellschaft sollten unsere Augen
offen halten und helfen, wo es nur geht.
Vater Staat gibt viel Geld, nicht nur für Neubürger
und deren Unterkünfte aus, die Medien haben ja oft
und lange darüber berichtet. Warum schauen wir
nicht auf uns, warum schauen sie nicht auf uns?
Der Tag der offenen Tür (leider nicht für uns) ist
eine gute Idee, denen von „draußen“ zu zeigen,
was hier abgeht. Nur die „Sonnenseite der Haft“ zu
zeigen, ist sicher nicht der richtige Weg, aber eine
Möglichkeit, uns den ANDEREN, der Öffentlichkeit,
bedingt zu präsentieren. Fangt vorher an den
Leuten zu helfen, dass es gar nicht erst dazu
kommt, dass die straffällig werden.
Wo sind die Möglichkeiten der Teilnahme an den
ganzen Therapien, die ausgeschrieben werden?
Es gibt Anlaufstellen, ja klar, nur trauen sich die
meisten nicht, man bekommt eben einen Stempel.
Wenn einem draußen schon nicht geholfen wird ...
(Red.-HL/LR: ist das wirklich so? Nein, denn wer
Hilfe sucht, dem wird geholfen, drinnen wie
draußen! Euer und das Problem liegt im Suchen,
selbst gehen! Denkt darüber bitte mal nach.)
… so kann man doch hier im Knast damit
anfangen. Selbst ist die Frau, kümmert euch um
euch selbst, um alles.
Hallo ihr Bediensteten, redet und schaut doch
einfach auf und mit jeden einzelnen und nicht
pauschal auf alle, merkt euch doch bitte unsere
Namen und nicht unsere Buchnummern. Wir finden
es schöner, wenn sie für uns da sind, auch für uns
ist die Umstellung nicht einfach.
Vielleicht ist nicht jeder therapiefähig, aber ein jeder
kann
dazulernen.
Manchmal
habe
ich
den
Eindruck, dass man in irgendwelche Therapien
gesteckt wird, nur damit sie voll werden. Bitte helft
uns mit Therapien, die uns helfen.
Noch besser wäre es, die ewiglangen Wartezeiten,
ob Arzt, Gespräche usw. endlich zu verkürzen.
Danke!
Foto: frei, Pixelio.de
Kein besseres Mittel…?

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
12
Kein besseres Mittel…?
… weiter von Seite 11
Auch sollte jeder resozialisiert werden, bloß mit
zwei Stunden Aufschluss, wie soll das gehen.
Meiner Meinung nach sollte es doch reichen, dass
wir von der Gesellschaft weggesperrt werden, oder
doch nicht? Uns noch von den Mitgefangenen zu
trennen ist, sagen wir mal, unschön, oder verstehe
ich da was falsch mit der Resozialisierung und dem
fortschrittlichen
Gefängnis
in
Chemnitz?
Wir
tauschen uns aus, reden auch über die Zukunft, wir
möchten einfacher zusammenleben. Einige haben
nur noch uns, unsere eigene kleine Familie, und wir
helfen uns untereinander. Miteinander - können wir
eigentlich eine eigene Selbsthilfegruppe erschaffen,
wo wir unter uns sind und wo man frei reden kann?
Wir haben zwar Psychologen, ja, aber das reicht
nicht aus, sie sind auch keine Düsenjets und
können sich um alle und alles kümmern, entlasten
wir sie doch mit unserer Selbsthilfegruppe etwas.
Was meint die Anstaltsleitung dazu? Übrigens
wären Psychologen von draußen auch sehr
willkommen. Viele von uns müssen das Vertrauen
in die Justiz erst wieder erlernen, da die Mehrheit
nicht nur positive Erfahrungen erleben durfte.
Reden ist wichtig, deshalb wäre das eine super
Ergänzung zu unserer geplanten Selbsthilfegruppe.
Anleitung zum gründen der Gruppe ist ausdrücklich
erwünscht!
Auch der Umgang mit den Angehörigen, der
Familie, Kindern, Freunden ist verdammt wichtig
und leider nicht für jeden hier möglich. Den meisten
gibt das einem Halt, stärkt und gibt Hoffnung, leider
sind
die
Besucherstunden
zu
kurz.
Warum
eigentlich? Unsere Lieben sind doch für viele die
wichtigsten Menschen ...
Wenn man schon nicht die Stunden hochschrauben
kann, warum dann nicht Familientage einführen,
nicht nur für Mütter, sondern auch für die, die noch
keine oder große Kinder haben.
Das ist doch ein Projekt!
Vielleicht kann man auch ein Programm mit den
Angehörigen starten, wo man sich näher kommt
oder wo man gemeinsam zu klären versucht, wie zu
dieser leidlichen Angelegenheit gekommen ist.
Versuch mach klug!
Es gibt so viele Punkte, die man ändern oder
verbessern könnte, nicht nur bei mir steht die
gewünschte Resozialisierung ganz oben. Viele von
uns wollen lernen, ein Leben ohne Straftaten zu
führen, gebt uns doch bitte die Chance und die
Fähigkeiten dazu.
Abschotten kostet auch Geld, wenn auch weniger,
dass verstehe ich natürlich auch.
Nur ist die Abschottung auch mal vorbei und was
dann? Sind wir später mit der Welt und dem Leben
draußen vor der Mauer nicht einfach überfordert in
dieser schnelllebigen Zeit? Gemeinsam müssen wir
lernen, dass es auch anders gehen kann. An die
Hand nehmen, vorbereiten und mundgerecht
reichen genügt nicht. Ich will und ich mach das
selbst - mit eurer Hilfe. Dankeschön!!!
Blick in die Zukunft!
Die alte Hexe kann noch jahrelang in
ihre Wahrsagerkugel gucken, nutzen
wird es ihr nichts!
Auch der Zaubertrank bringt keine
Lösung!
Man kann in die Köpfe all dieser
Männer und Frauen, hinter der
Mauer und den Gittern einfach nicht
rein sehen.
Pasta! Merke dir das Alte!
Hokus
pokus
Fidibus...

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Haft Leben
13
Meine Gedanken zur Resozialisierung
Vollzugsziel
Das Strafvollzugsgesetz formuliert als Ziel des Straf-
vollzuges die Resozialisierung des Gefangenen. Dieser
soll befähigt werden, nach der Entlassung ein Leben in
sozialer Verantwortung und ohne Straftaten zu führen.
Dies gilt sinngemäß auch für den Vollzug
Hierzu bieten die Justizvollzugsanstalten eine breite
Palette an Behandlungs- und Hilfsmaßnahmen an. Der
Strafvollzug hat darüber hinaus die Aufgabe, die
Allgemeinheit vor weiteren Straftaten der Gefangenen
während der Verbüßung der Freiheitsstrafe zu schützen.
Neben dem Vollzug von Freiheitsstrafen an Erwachsenen
und Jugendlichen sind die Justizvollzugsanstalten u.a. für
den Vollzug von Sicherungsverwahrung, Untersuchungs-
und Abschiebehaft zuständig.
Resozialisierung und Sicherheit
Der sächsische Justizvollzug sieht Resozialisierung und
Sicherheit der Bevölkerung nicht als Gegensätze,
sondern als zwei sich ergänzende Komponenten eines
erfolgreichen Vollzuges.
Ein Hauptaugenmerk der Vollzugspolitik im Freistaat
Sachsen liegt auf der Sicherheit der Bevölkerung vor
inhaftierten Straftätern, wobei eine erfolgreiche
Resozialisierungsarbeit den besten Schutz vor weiteren
Straftaten bietet. Die auch im Justizvollzug in immer
kürzeren Zeitabständen auftretenden Veränderungen
(z. B. der Anteil ausländischer und jugendlicher
Gefangener, Zunahme des Drogenkonsums und die Art
der verwendeten Drogen) verlangen flexibles und
vorausschauendes Handeln.
Quelle:
https://www.justiz.sachsen.de/content/597.htm
(HL/Mani)
Ist die Resozialisierung nur ein Wort
oder findet sie wirklich statt? Ich habe mir dazu
einige Fragen gestellt und Gedanken gemacht,
die ich gerne mit euch teile. Was heißt
Resozialisierung überhaupt?
Die Resozialisierung soll gestrauchelten Bürgern,
die mit dem Strafgesetz in Konflikt geraten sind, den
Weg aus der Straffälligkeit weisen und helfen.
Warum findet Resozialisierung bei manchen
Gefangenen in einer JVA nicht den richtigen
Weg zum Erfolg?
Um dieses Thema komplex zu erörtern, benötigt
man erst einmal die genauen Informationen über
den Inhaftierten. Sowas wie Hintergründe der
Straffälligkeit und ob eigener Wille besteht zu einer
Resozialisierung.
Wie
ist
der
Weg
zu
einer
erfolgreichen
Resozialisierung? Oder was solltest du schon
am Anfang deiner Inhaftierung tun?
Am Tag deiner Inhaftierung solltest du dir genau
überlegen, wie du mit deinem Leben weitermachen
willst. Wenn du dich dann entschieden hast, ist es
ratsam,
Kontakt
zum
Sozialdienst
oder
psychologischen Dienst aufzunehmen. Dort bringst
du dein Anliegen vor, dass du dich mit festem Willen
dazu entschieden hast, dich zu resozialisieren und
dabei auch die Hilfe der Dienste in Anspruch
nimmst bzw. nehmen möchtest. Dies ist, was BtMG
betrifft, bei uns etwas schwieriger, da man einen
Suchtberatungstermin nicht zeitnah erhält. Daran
kann nur die Anstalt etwas ändern, durch zum
Bespiel personelle Aufstockung.
Du solltest deine Vorstellung einer erfolgreichen
Resozialisierung genau darlegen.
Was kann dir dabei hilfreich sein?
Mit dem Sozialdienst erarbeitest du einen genauen
Plan, wie du am besten mit deiner Initiative
anfangen kannst. Du solltest deine Wünsche
dahingehend äußern, wie du dein Leben nach der
Haftentlassung gestalten möchtest: ... benötigst du
einen Wohnraum oder möchtest du auch in eine
neue Stadt umziehen, um aus deinem alten Umfeld
auszubrechen, um ein neues Leben anzufangen?
Auch Angaben zu deinen Absichten auf eine neue
Arbeitsstelle sind von Vorteil, damit sich der
Sozialdienst eine genaue Vorstellung machen kann
und mit dir sowie der Zusammenarbeit durch das
Jobcenter, eine Arbeitsstelle in dem jeweiligen Ort
suchen kann.
Noch ein Rat!
Du solltest nicht erst vier Wochen vor der
Entlassung mit diesen Anliegen zum Sozialdienst
gehen, sondern gleich von Beginn deiner Haft an
loslegen. Die Suche nach Wohnraum und Job
machen da möglicherweise (bei länger Inhaftierten)
noch keinen Sinn, aber die Vorgespräche können
für dich persönlich schon sehr hilfreich sein.
Macht was draus!
Offener Vollzug, Mutter und Kind, Freizeitgarten
Foto: HL/LR, 2018

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
14
Dieser Satz des Begründers des Psychodramas
Jakob Levy Moreno deutet auf den Kernpunkt der
handlungsorientierten Methode hin. Es geht darum,
mit szenischen Darstellungen auf einer gedachten
Bühne bereits erfahrene Situationen neu zu erleben
und im Spiel probeweise zu verändern oder erst
zukünftig
mögliche
Situationen
probeweise
auszutesten, um etwa Hemmungen abzubauen.
Psychodrama wurde aus der Erkenntnis heraus
entwickelt, dass Menschen vor allem durch
Handeln und nicht durch Sprechen lernen, wie
eben auch Kinder die Welt im kreativen und
spontanen Spiel erfassen.
Es muss angemerkt werden, dass Psychodrama in
seiner wahren Auswirkung nur live erlebt werden
kann. Berichte wie dieser sind nur Konserven, die
die
Methode
nur
ansatzweise
nachzeichnen
können. Dennoch soll hier ein kurzer Einblick
gegeben werden.
Im Frühjahr 2018 wurde erstmals ein soziales
Kompetenztraining unter dem Titel „Bringen Sie Ihr
Leben auf Kurs“ von Frau Bonitz und mir quasi als
„Kapitäne“ angeboten, in dem psychodramatische
Methoden schwerpunktmäßig zum Tragen kamen.
Es
ging
bei
unserer
gemeinsamen
fiktiven
Schiffsreise darum, dass teilnehmende Frauen eine
Lebensperspektive für sich für die Zeit nach der
Haft entwickeln sollten, die wirklich zu ihnen passt.
10 Frauen ließen sich auf uns und die Methode ein
- sieben Frauen waren bis zum Ende dabei. In 10
Sitzungen beschäftigten sie sich zunächst mit den
fünf Säulen ihrer Identität, zogen dazu eine
persönliche Bilanz, warfen einen ehrlichen Blick auf
eigene Chancen und Stärken, aber auch auf
persönliche Risiken und Schwächen, um dann
einen individuellen Lebensplan zu entwerfen. Zum
Abschluss wurde symbolisch Ballast aus der Haft
abgeworfen
und
Stärkendes
ins
persönliche
Gepäck eingepackt, bevor im Zielhafen Abschied
von der, mit der Zeit sehr zusammengewachsenen,
Schiffsbesatzung genommen wurde. „Ich weiß, was
ich will!“ – diesen Satz erhielt jede Teilnehmerin
nicht nur als Karte, sondern sollte ihn auch als
persönliches Statement nach Beendigung der
gemeinsamen Reise ehrlich zu sich selbst sagen
können.
Die Sitzungen gliederten sich immer in eine
Erwärmungs-, Aktions- sowie eine Auswertungs-
phase.
Stets
kamen
dabei
auch
unsere
Requisitenkoffer zum Einsatz. Da wir lösungs- und
ressourcenorientiert zusammengearbeitet haben,
haben wir eher positiv besetzte Situationen
gemeinsam erlebt. Die Frauen begegneten fiktiv
Menschen aus ihrem sozialen Umfeld, die sie
stützen, konnten Personen, die sie positiv geprägt
hatten, ihre Wertschätzung ausdrücken, erfuhren
Dinge, die sich positiv auf ihr Körperempfinden
auswirken und wurden auf persönliche Stress-
faktoren sensibilisiert, konnten im Probehandeln
sich
bestärken
oder
Hemmungen
abbauen,
erlebten eine Versammlung mit eigenen inneren
Anteilen und erfuhren, wie sie dabei Balance
herstellen können, beschäftigten sich mit ihrem
inneren und äußeren Reichtum und ihren eigenen
Fähigkeiten
und
stellten
ihre
Ressourcen-
mannschaft auf.
In den Sitzungen erfuhren die Frauen sehr viel
Einfühlung untereinander. Es dominierte das
Gefühl, nicht allein mit den Sorgen und Problemen
dazustehen und sie erlebten so persönliche
Bestärkung. Sie konnten eigene, bislang eher
verdrängte Gefühle bewusst erleben, ausdrücken
und dadurch emotionale Entlastung erreichen. Sie
erlebten Freude durch die spielerische Bewältigung
und eine gewisse Leichtigkeit im Gefängnisalltag
oder auch Glücksmomente. Sätze wie „Du kannst
stolz auf dich sein, du hast doch schon so viel
erreicht …!“ wirkten als Bestärkung des Selbst -
konzepts. Und es wurde auch viel miteinander
gelacht!
Wir möchten an dieser Stelle den Frauen, die im
Frühjahr die gemeinsame Segeltour mit uns
bewältigt
haben,
danken.
Sie
ließen
sich
bedingungslos auf uns und die ihnen unbekannten
Methoden ein, vertrauten uns in unserem Handeln
und drückten später auch ihre Wertschätzung uns
gegenüber
aus.
Gerade
der
Artikel
einer
Teilnehmerin in der Haftleben im Sommer erfüllte
uns mit Stolz und Freude. Und so sind wir ebenfalls
in der gemeinsamen Zeit bestärkt worden, nämlich
dahingehend, den Kurs 2019 erneut anzubieten.
Wer Psychodrama nun auch ausprobieren möchte,
sollte über Fantasie und Einfühlungsvermögen
verfügen. Schauspielerisches Können ist nicht
notwendig. Allerdings sollten Sie bereit sein, sich in
und mit der Gruppe aktiv zu zeigen.
Frau Blinne, JVA Chemnitz
„Handeln ist heilender als Reden”

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Haft Leben
15
Danke sagen!? - Oder Job mit J?
(HL/EMI)
Vorweihnachtszeit … es duftet nach
Plätzchen, selbst hier! Die Zeit der Besinnlichkeit …
und deshalb wollte auch ich einmal „DANKE“
sagen!
Vielen Dank für Speis und Trank, eine warme
Heizung und Kleidung! Alles kostenlos! Ich weiß
nicht, ob ich mich dafür bedanken sollte, dass mir
hier auch das Denken abgenommen wird? Das hat
so sein Für und Wider! Schließlich „muss“ ich ja
auch irgendwann mal wieder raus hier, in die freie
Welt mit Hektik und Eile in allen Lebensbereichen,
mit Ellenbogengesellschaft und all dem! Und dann
ist plötzlich kein allzeit bereiter Sozialarbeiter oder
Beamter mehr da, der mir alles abnimmt - ja sogar
Entscheidungen für mich trifft (schließlich weiß so
ein/e studierter Sozialpädagoge*in oder auch die/
der studierte Psychologe*in doch viel besser, was
gut für mich ist!). Und nicht nur die - im Grunde
eigentlich jeder Beamte hier … ich bin ja nun mal
nicht ohne Grund hier gestrandet! Offensichtlich
habe ich vor meiner Inhaftierung mehrere falsche
Entscheidungen getroffen - da stimme ich auch zu.
Nur … wenn mir jede Eigeninitiative gebremst wird
und mir (fast) jede Form von selbstbestimmten
Handeln durch Restriktionen/Ablehnungen direkt im
Keim erstickt wird - wie soll ich das dann bitte nach
meiner Haftentlassung tun, ohne in alte Ver-
haltensmuster bzw. Handlungsmuster zu geraten?
Ich wüsste da jetzt spontan auch keinen in meinem
Umfeld, den ich um so intensive Hilfe bitten könnte,
wie ich nach mehreren Jahren der „Fremd-
bestimmung“ und des „monotonen Stumpfsinnes“,
dann benötigen würde. Naja … ich hatte es
eingangs schon erwähnt … Demut und Dankbarkeit
gehören leider nur temporär bzw. partiell zu meinen
Tugenden! ;)
Kürzlich hielt ich einen Flyer der JVA Chemnitz in
der Hand (und mir stellt sich augenblicklich die
Frage: „Wofür braucht eine JVA Flyer?
WERBUNG????“ ;)
Also das klingt schon echt toll! Ich bin begeistert.
Laut Flyer sollten wir wirklich etwas dankbarer sein!
Und was Dinge wie bspw. Telefon im Haftraum
angeht … können wir uns echt nicht beschweren!
Auch was den Personalschlüssel angeht - da
haben viele andere sächsischen JVA‘s deutlich
weniger Personal pro Gefangenen.
Da steht auch zu lesen, dass wir (Gefangene) von
einem (Achtung! schwieriges Wort!!!) „inter-
disziplinärem Team“ betreut werden, welches
versucht „den Gründen der Inhaftierung mittels
frauenspezifischer
Angebote
individuell
zu
begegnen und möglichst allen Gefangenen die
Stärke und den Raum zu geben, zu einem
straffreien Leben zu finden.“
Das wird sicher wieder an meinem Mangel an
Demut und Dankbarkeit liegen, vielleicht auch an
den meinigen Gründen der Inhaftierung, denen
vielleicht nicht individuell zu begegnen ist … auf
jeden Fall ist das offenbar an mir vorbeimarschiert!
Weder individuell, noch allgemein wurde während
meiner mehrjährigen Inhaftierung aktiv entgegen-
gewirkt … gleich gar nicht seitens der Beamten der
JVA. Wie auch?
Bei dem tristen Tagesablauf … 6:30 Uhr arbeiten
gehen … 15:30 Uhr Hofgang und dann täglich zwei
Stunden Aufschluss - den ich dann auch noch für
die spärlichen „Freizeitangebote“ nutzen soll!
WHAT? Wo bitte ist DAS individuell? Was wirkt da
den Gründen meiner Inhaftierung entgegen und
was bitte ist daran interdisziplinär?
Was ich toll finde - ja, auch ich finde etwas
lobenswertes - das sind die Ausbildungsbetriebe.
Und eine Ausbildung mit gutem Abschluss wirkt
ganz sicher einer erneuten Inhaftierung entgegen.
Das kapiere sogar icke! ;)
Aber sonst so … kommen leider nur wenige
Gefangene in den (zweifelhaften) Genuss einer
individuellen
Betreuung
des
interdisziplinäres
Teams. Ich - als normalsterbliche drogenkonsumie-
rende Kleinkriminielle kann da lediglich die externe
Suchtberatung und bestenfalls die Mota im Haus 3
in Anspruch nehmen - und die Mota auch nur dann,
wenn ausreichend Kapazitäten verfügbar sind.
Auf jeden Fall bedarf es einem Gewaltdelikt, um in
die individuelle Betreuung unseres kompetenten
Teams - zum Beispiel in die Behandlungsgruppe
für Gewalttäter, zu kommen.
Toll finde ich übrigens auch das „Offene
Atelier“ (auch damit wird im Flyer geworben)
Das ist wirklich mal etwas, woran ich Spaß hätte.
Leider wartete ich nach meiner Antragstellung um
Teilnahme dort ganze 14! Monate. Wohl auch der
kleinen Teilnehmerzahl sind lange Wartezeiten
geschuldet - aber 14 Monate?

image
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
16
Ich hatte schon wieder vergessen, dass ich mich
irgendwann da angemeldet hatte. Bei solchen
Wartelisten und – Zeiten … hm … da sind viele der
Insassen schon zweimal wieder heraus- und
hineinspaziert! ;)
Ich glaube auch, dass das Angebot „Offenes
Atelier“ vorzugsweise an Straftäterinnen aus Haus
3
vergeben
wird.
Also
Sotha,
Mota
usw.
Und
schlussendlich
ist
die
Haftentlassung
betreffend von einem „professionellem
Entlassungsmanagement“ die Rede! (Geschwafel?
Da muss ich immer direkt an den „Facility-
Manager“ denken, was nichts anderes als
„Hausmeister“ heißt!
Aber ok - das ist nun einmal heute so … alles wird
reguliert und gemanagt.)
Laut Flyer wird da „eng mit den staatlichen
Sozialeistungsträgen
und
anderen
Hilfsein-
richtungen zusammengearbeitet!“ - was immer das
auch heißen mag!
(
Red. HL/LR: unter anderem die „Freie Straffälligen
Hilfe“ in Sachsen und Thüringen)
Mir wurde entlassungsvorbereitend lediglich der
TÜV- Rheinland angeboten - ganz individuell -
versteht sich! War sicher ein Missverständnis oder
ein Versehen … denn ich hatte bereits zuvor
mehrfach
mündlich
und
schriftlich
deutlich
gemacht, dass ich nach meiner Haftentlassung
entweder eine Therapie antreten werde oder in ein
anderes Bundesland umziehen werde (Wohnung
bereits vorhanden). Wofür also TÜV-Rheinland?
Was soll ich mit der TÜV-Tante machen? Shoppen
in Chemnitz? Auch für Behörden und Ämter würde
ich die Dame nicht benötigen - das kann ich! ;)
War sicher ein ganz individuelles Missverständnis.
;)
Mir ging es vielmehr so, dass ich meist das Gefühl
hatte, die betreffende Dame oder den betreffenden
Herrn mit meinem Anliegen dezent zu nerven. Stets
schwang das Gefühl mit, dass man aufgrund der
chronischen Personalnot in Eile sei und es wirklich
wichtigeres zu klären gebe als mein bisschen
Pillepalle. Ich habe mir folglich sehr gut überlegt, ob
ich die chronisch gestresste Sozialtante oder
Beamten nun wirklich um Rat oder Hilfe bitten soll
oder ob es nicht irgendeinen anderen Weg gibt, um
mein aktuelles Anliegen zu lösen (zumal ich auch
schon von einer Beamtin als „Sacktreter“ tituliert
wurde).
Wurde
dann
mal
einer
meiner
Anträge
entgegengenommen
und
zur
Prüfung
und
Bearbeitung – was i.d.R. mehrere Tage bis
Wochen dauern kann - dann wurden 9 von 10
Anträgen gewöhnlich abgelehnt. Natürlich gänzlich
ohne eine Begründung oder gar der Notwendigkeit
eines Gespräches). Die diensthabende Beamtin las
mir bei der Postausgabe den verfassten Text unter
dem VG-51-Antrag vor und konnte mir bei
Rückfragen natürlich auch nicht helfen, da sie ja
nichts damit zu tun hat. In einem 5-minütigen
Gespräch hätte man sicher schnell und einfach
Dinge klären und lösen können, statt ständig VG51
auszufüllen, um etwas zu erreichen. (1 Gespräch
von 5 -10 Minuten statt 5 -10 VG 51 - logisch!?)
Nun sei es drum! Mich tröstet zu wissen, dass es
einige wenige privilegierte Mitgefangene gibt, die
das
breite
Spektrum
an
interdiszuiplinärer
Kompetenz in ganzer Breite genießen dürfen …
und somit gibt es wenigstens für diese kleine Elite
eine hoffnungsvolle und optimistische Aussicht auf
„ein straffreies Leben nach der Haft“ , da bei ihnen
zu 100 % mit allen vorhandenen Mitteln der
erneuten Inhaftierung entgegengewirkt wird. Toll!
Dafür ein dickes Dankeschön!
Auch den wenigen Ehrenamtlichen und einigen
Beamten möchte ich besonders danken—ohne sie
wären so manche Tage noch trister als sie es eh
schon sind. Danke, dass es Sie gibt!
Danke sagen!? - oder Job mit J?
„Strafvollzug war und ist der
Versuch an Menschen, die man
kaum kennt, unter Verhältnissen,
die man wenig beherrscht, Strafen
zu vollstrecken, um deren Wirkung
man nicht viel weiß“.
Heribert Prantl
SZ vom 22.07.2018
Die Kampagne
„Job mit J?“
soll helfen, geeignete
Anwärter für den
Justizvollzugsdienst zu
finden. Geworben wird
auf einer Internetseite,
mit Plakaten und auf
Fahrzeugen.
Hier in der JVA
Chemnitz (Flyer) wartet
man schon länger auf
genau sie
.

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Haft Leben
17
Steinbock: 22.12.-20.01.
Sie haben eine gewisse Skepsis,
Uranus hilft Ihnen diese abzulegen
und neues mit offenen Armen zu
empfangen. Sie nutzen jede
Herausforderung, um sich
weiterzuentwickeln - eine wirklich tolle Leistung.
Liebe:
2019 wird für Paare etwas schwierig starten,
doch schon im Februar greift Venus Ihnen unter die
Arme und sorgt für Aufwind in Ihrem Liebesleben.
Singles können sich auf eine aufregende Zeit
freuen. Ende des Jahres lernen Sie eine tolle
Person kennen, mit der Sie die Zeit verbringen
werden.
Wassermann: 21.01 bis 19.02.
Ausdauer und Disziplin zahlen sich
dieses Jahr für Sie aus.
2019 wird für Sie das spannende
Jahr, auf das Sie gewartet haben. Im
Job können Sie richtig glänzen und bekommen
viele neue Aufgaben, in der Liebe erwartet Sie die
eine oder andere Überraschung. Ein tolles Plus:
Jupiter stärkt das ganze Jahr Ihre Gesundheit.
Liebe:
Im Sommer beginnt für Paare die aller-
schönste Zeit. Sie sind für Ihren Partner
unwiderstehlich und so verliebt wie am Anfang.
Auch für Singles ist der Sommer die beste Zeit, um
Ihnen Mitmenschen den Kopf zu verdrehen.
Fische: 20.02. bis 20.03
Auch wenn es stellenweise
anstrengend wird, lohnt es sich 2019
für Sie im Job. Nutzen sie ab März
mit der Unterstützung von Uranus
Ihre Chancen. Wenn Sie Ihre Arbeit im Frühjahr
überfordert, dann suchen Sie sich Hilfe. Machen
Sie nicht alles alleine. Nutzen Sie in den letzten
sechs Monaten des Jahres Ihre für den Fisch
typischen Qualitäten. Mithilfe Ihrer Fantasie können
Aufgaben bewältigt werden, die für Ihren
Arbeitgeber sehr wichtig sind. Das bringt viel Lob
ein.
Liebe:
Für Paare könnten 2019 die
Hochzeitsglocken läuten. Sie kommen nach vielen
Nachdenken zu dem Entschluss, dass Ihr Partner
genau der Richtige für Sie ist. Für Singles könnte
das Liebesjahr mit einer unerwarteten Entdeckung
beginnen. Einer Person im Freundeskreis entpuppt
sich jetzt vielleicht als Ihr Seelenverwandter.
Widder: 21.03 bis 20.04
Ihre Disziplin verhilft Ihnen 2019 zu
großem Erfolg.
Jupiter wird Sie im Jahr 2019 mit viel
Kraft versorgen und Ihnen
ausgesprochen gute Chancen bieten. Doch stellen
Sie sich auch darauf ein, dass Ihnen nicht jedes
Vorhaben gelingen wird. Kleine Rückschritte
gehören dazu. Die beste Vorgehensweise ist, sich
immer auf die eigenen Qualitäten zu konzentrieren.
So werden Sie Ihre Träume im Jahr 2019
verwirklichen können.
Liebe:
Paare sollten sich von der nervigen Routine
verabschieden und etwas Neues ausprobieren. Ihre
Beziehung ist sehr stark und liebevoll, das Jahr
2019 geht mit viel Gefühl zu Ende.
Stier: 21.04 bis 20.05
Öffnen Sie sich 2019 für viele neue
Möglichkeiten.
Als Stier ist 2019 das Jahr, das alles verändern
kann. Lassen Sie sich davon nur nicht zu sehr
verunsichern. Uranus wird Ihnen zeigen, dass neue
Chancen etwas Magisches sind. Sie werden
lernen, dass es sich lohnt, sich von Routinen zu
verabschieden und eine neue Richtung
einzuschlagen.
Liebe:
Liierte Stiere sollten nicht an Ihrer Sturheit
festhalten. Geben Sie nach und seien Sie offen für
Kompromisse, dies wird Ihre Beziehung stärken.
Ende November könnten die Hochzeitsglocken
läuten oder Nachwuchs unterwegs sein. Singles
können 2019 die große Liebe finden.
Zwilling: 21.05 bis 21.06
Dass 2019 das Jahr des Merkurs ist,
schenkt Zwillingen besonders viele
Vorteile. Denn der Planet des
Geldes und Kommunikation ist Ihr
Herrscherplanet. Ihre besonderen Stärken stechen
darum besonders hervor. Sie sind kreativ, clever
und flexibel wie sonst kaum. Das sorgt für Erfolge.
Liebe:
Ab Juni steht Venus in Ihrem Zeichen, du
sorgst für viel Romantik und Harmonie. Der
Sommer wird ein wahres Liebesspektakel. Lassen
Sie sich von den vielen kleinen Streitereien jetzt
nicht verunsichern. Ihre Beziehung wird dieses Tief
überstehen. Ab November haben Sie keinerlei
Sorgen mehr, genießen sie die Zeit. Ihr
Liebeshoroskop 2019 verspricht einen
wundervollen Jahresausklang. Ledige Zwillinge
erleben viel Romantik.
HL - Horoskop 2019

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
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Haft Leben - 2018

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Haft Leben
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Haft Leben - 2018
Gefangenenzeitung der JVA Chemnitz
Thalheimer Straße 29
09125 Chemnitz
E-Mails für die Redaktion, bitte an: HaftLeben@T-Online.de

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
20
Krebs : 22.06. - 22.07.
Im Jahr 2019 werden sie als Krebs,
von Saturn und Pluto vor neue
Herausforderungen gestellt. Doch
genau das brauchen sie, um Ihr
Potential auszuschöpfen und
Verantwortungsbewusster zu werden.
Liebe:
Das
Liebesjahr
startet
2019
etwas
schwierig.
Vergebene
Krebse
heben
ihre
Beziehung auf das nächste Level. Auch wenn das
Jahr jetzt schwierig starten wird so überstehen sie
diese Phase und erleben ein Liebeshoch. Sie
finden nun die Person die zu Ihnen Passt.
Löwe: 23.07. - 23.08.
Das ist das große Chancenjahr, in
den ersten Monaten des Jahres,
sollten sie aber auf sich aufpassen.
Gesundheitlich sowie in der Karriere
sind sie nicht ganz auf der Höhe. Doch das wird
sich ändern und alles dreht sich um 180°.
Liebe:
In Ihrer Beziehung sollten sie mit ihrem
Schatz gemeinsam nach Lösungen für ihre
Probleme suchen.
Halten sie zusammen, danach kuschelt es sich
einfacher. Eine Hochzeit könnte ins Haus stehen.
Für Singles stehen alle Türen offen, sie machen
viele neue Bekanntschaften und können sich vor
Flirtchancen kaum retten.
Jungfrau: 24.08. - 23.09.
Merkur schenkt Ihnen viele Chancen
und verspricht gute Zeiten. Ihre
Arbeitsmoral und ihr
Organisationstalent kann sie sehr
weit bringen. Lassen sie den Dingen freien Lauf, ihr
Erfolg wird kommen.
Liebe:
2019 wird es für Paare einen
leidenschaftlichen Sommer geben. Doch kleine
Schwierigkeiten sind kein Grund, das Handtuch zu
werfen.
Auch der Herbst wird für sie und ihren Liebling eine
Zeit der Intimität und Leidenschaft. Singles ziehen
jeden mit ihrer besonderen Anziehungskraft in ihren
Bann.
Waage: 24.09. - 23.10
.
Ihr Erfolg wird kommen, bleiben Sie
dran.
Wenn Sie 2019 die Früchte Ihrer
Arbeit ernten wollen, müssen Sie
sich anstrengen. Aber es steht in den Sternen,
dass sich Ihr Durchhaltevermögen lohnen wird. Sie
dürfen sich nur nicht von kleinen Hindernissen auf
Ihrem Weg aufhalten lassen.
Auf eine turbulente Zeit folgt für Paare eine tolle
Zukunft.
Liebe:
Paare sollten sich von der nervigen Routine
verabschieden und etwas Neues ausprobieren. Ihre
Beziehung ist sehr stark und liebevoll, dass Jahr
2019 geht mit viel Gefühl zu Ende.
Skorpion: 24.10. - 22.11.
Auf viel Anstrengung folgt 2019 das
große Glück.
Das neue Jahr kommt mit vielen
Neuheiten auf Sie zu. Keine Frage,
Sie werden alles geben müssen. Doch die
Belohnung ist umso schöner. Versuchen Sie sich
nicht zu sehr von Ihrer Skorpion-Natur
vereinnahmen zu lassen und stehen Sie
Veränderungen offen gegenüber.
Liebe:
Singles werden einer Person begegnen, die
Ihrer Ausstrahlung nicht wiederstehen kann. Paare
entfernen sich etwas voneinander, finden aber
wieder zueinander zurück. Ihre Beziehung ist nach
dieser Zeit so intensiv wie noch nie.
Schütze: 23.11. - 21.12.
Ihr Erfolgsrezept: Raus mit dem
Alten und rein mit dem Neuen.
Jupiter greift Ihnen bis Dezember
unter die Arme und verwöhnt Sie
2019 mit seinen Energien des Glücks. Sie wollen
viel erreichen? Dann denken Sie um und stellen
Sie sich den Herausforderungen des Neuen. In der
Liebe warten von Mai bis Oktober einige besonders
schöne Überraschungen auf Sie.
Liebe
: Die Liebe umhüllt vergebene Schützen.
Mars im Stier und Venus im eigenen Sternzeichen
sind für Sie als Schütze eine hervorragende
Kombination. Diese beiden Planeten versüßen
Ihnen den Jahresanfang. Ihre Beziehung könnte
gar nicht besser laufen. Sie können sich zu 100
Prozent auf Ihren Partner verlassen.
Horoskop 2019

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Haft Leben
21
HL - Songtext - „Gutes Herz“
Capital Bra
Featuring KC Rebell
Produced by The Cratez
Album: Berlin lebt
[Intro: Capital Bra]
Ja, ah
[Part 1: Capital Bra]
Ich kam her mit drei
Monate Aufenthalt.
Ich kochte innerlich,
doch mir war trotzdem
kalt.
Du willst der Stärkste sein? Bra, du kommst nicht
weit.
Was bringt dir der Respekt, wenn deine Mutter dann
zuhause weint?
Und eure Nazis sind schon lustig, gucken Anime.
Holen bei Kanaken Schnee, doch wählen dann die
AfD.
Ich bin auch ein Mensch, weil ich auch Fehler
mache.
Doch das, was diese Leute machen, nennt man
Selbstverarsche.
Du gehst klau'n mit deinen Jungs und ihr springt
über Zäune.
Aber sag mir, wer von den'n sind deine wahren
Freunde?
Ich mein', vielleicht macht ihr Business und verkauft
paar Kisten.
Aber wer von den'n würde für dich drei Jahre
sitzen?
Auf einmal sind das alles Brüder und tun ein'n auf
Fam.
Doch läuft's nicht mehr tun sie so, als ob sie dich
nicht kenn'n.
Ich erzähl' dir nur vom Leben, bra, damit du lernst
Denn um weiter hier zu komm'n, brauchst du ein
gutes Herz.
Und dann kommst du weit, glaub mir, bra, dann
kommst du weit.
Was für Knarre? Mit Erfolg killst du jeden Feind
Zu viel Hass und Neid, scheiß auf die ganzen Hater
Wer schweigt, hört viel, doch wer schreit, hört nur
sich selber.
Die Menschen werden kälter, die Augen immer
leerer.
Und spricht man über ihre Fehler, wechseln sie das
Thema.
Ich erzähl' dir nur vom Leben, bra, damit du lernst
Denn um weiter hier zu komm'n, brauchst du ein
gutes Herz.
[Hook: Capital Bra]
Du brauchst ein gutes Herz, weil es nicht anders
geht.
Denn egal, was du auch machst, nur deine Absicht
zählt.
Mama meinte mal zu mir: „Diese Welt ist hässlich
Doch weißt du nicht, wie du handeln musst, dann
handel menschlich!“
Egal, ob arm und reich, schwarz und weiß.
Denn am Ende des Tages bluten alle gleich.
Ich erzähl' dir nur vom Leben, bra, damit du lernst
Denn um weiter hier zu komm'n, brauchst du ein
gutes Herz.
[Part 2: KC Rebell]
Eins weiß ich: Gefälligkeiten bekomm'n ihre Preis-
Leistung.
Loyalitäten laufen einseitig.
Menschen benehmen sich so, als ob hier Steinzeit
ist.
Lachen ins Gesicht, aber ficken sich dann
gleichzeitig.
Ich bin verwirrt, denn als ich nix war, hat sich keiner
für mich interessiert.
Heute steh'n sie hinter mir.
Freunde hab'n mir mein'n Erfolg sicherlich gegönnt
Doch was bringt das, wenn sie Niederlagen nicht
teilen könn'n?
Ich bin in guten Zeiten da, auch wenn es unsinnig
klingt.
Doch wusste nicht, dass ich in schlechten Zeiten
Luft für sie bin.
Enttäuschungen können Gift in dein'n Venen sein
Die Motivation der Sinn deines Lebens sein
Wir beide zum Beispiel könn'n mit dem Stift von der
Seele schreiben.
Auf das dieses Gefühl uns wie der Wind durch die
Segel treibt.
Wir kamen mit nix aus 'ner schweren Zeit
Und setzten ein'n Schritt in die Ewigkeit.
[Hook: Capital Bra]
Du brauchst ein gutes Herz, weil es nicht anders
geht.
Denn egal, was du auch machst, nur deine Absicht
zählt.
Mama meinte mal zu mir: „Diese Welt ist hässlich
Doch weißt du nicht, wie du handeln musst, dann
handel menschlich!“
Egal, ob arm und reich, schwarz und weiß.
Denn am Ende des Tages bluten alle gleich.
Ich erzähl' dir nur vom Leben, bra, damit du lernst.
Denn um weiter hier zu komm'n, brauchst du ein
gutes Herz.
Bilder: frei, instagram.com/capital_bra

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
22
Post an die Redaktion „Haft Leben“
Problem Telio
Wie bei den meisten meiner Mitgefangenen habe ich Familie draußen. Die einzige Art, den Kontakt zu
Ihnen zu halten, abgesehen von Briefe schreiben, ist nun mal telefonieren. Denn Telefonate mit meinen
Töchtern mehrmals die Woche sind schon ein großer Unterschied zum Briefe schreiben, da sie mir über
alle Erlebnisse und Probleme z. B. in der Schule erzählen können. Auch ein guter Rat ist oft vonnöten.
Dazu gibt es gerade den Kindern etwas das Gefühl, dass sie nicht ganz alleine sind bzw. ganz weg sind.
Was mich dabei am meisten ärgert, dass ich für ein Telefonat soviel bezahle wie vor 10 Jahren, das heißt
für mich
pro Woche 40-50 €.
Dazu kommt, wenn man direkt über Telio auflädt, zahlt man noch extra
1,50 € Gebühren für die Online Aufladung. Das in der heutigen Zeit, wo Flatrates den Markt beherrschen
und die Preise mit vielen Extras enorm sinken, soziale Bindungen gerade zu Kindern unheimlich wichtig
sind, dies auf Grund der unverschämten Preis fast nicht bezahlbar ist, mein Mann zuhause für Flatrate in
alle Netze, ob Mobil- oder Festnetz + Internet-Flat dazu Fernsehen, 30,-€ im Monat bezahlt. Mir stellt sich
nun die Frage, auf Grund unserer Telio-Preise, ob es vielleicht nicht gewollt ist, stetigen Kontakt zur
Familie zu haben bzw. zur Außenwelt oder geht es einfach nur ums Geld, da wahrscheinlich die Anstalt
und Telio auf unsere Kosten was daran verdienen wollen? Liebe Redaktion, könnt ihr uns das eventuell
erklären???
Name bekannt
Red. HL: Nein, das können wir nicht, hiermit reichen wir Deine Frage an die Anstaltsleitung weiter.
Ab wann darf ich als Rentner hier arbeiten?
Seit dem 01.07.2018 habe ich Rentenstatus und beziehe seit dem 01.10.2018 meine Altersrente. Ich
möchte gern arbeiten. Habe auch in der 1. und 2. Woche im September in der Feder gearbeitet. Leider
musste ich dieses Arbeitsverhältnis aufgrund meiner Erkrankung (Tinnitus) beenden. Danach habe ich in
der Küche gearbeitet. Auch hier musste ich leider das Arbeitsverhältnis aufgrund meiner Erkrankung
beenden.
Es folgte eine Einarbeitung als Hausmädchen, sogar der Gesundheitspass ist da – doch arbeiten darf ich
als Rentner angeblich nicht mehr. Das verstehe ich nicht!
Überall außerhalb der JVA ist mir ein Zuverdienst als Rentner möglich. Schließlich trage ich ja auch die
Haftkosten selbst von meiner Altersrente.
Warum wird mir das Arbeiten als Hausmädchen weiter verwehrt?
Name bekannt
Red. HL: Nein, das können wir nicht, hiermit reichen wir deine Frage an die Anstaltsleitung weiter.
Blick auf den offenen
Vollzug der JVA
Chemnitz
Foto: HL/LR, 2018

Haft Leben
23
Post an die Redaktion „Haft Leben“
Leserbrief zur Arbeit in der Haft
(HL/Mani) Ich bin seit 5 Monaten inhaftiert in
Chemnitz und habe nach 2 Wochen eine Arbeit in
der JVA aufgenommen. Vor dem Antritt dieser
Arbeitsstelle unterschrieb ich eine Eingruppierung,
in der die Lohnstufe, die Arbeitsstelle und die
Arbeitszeit
festgelegt
sind.
Ich
hörte
von
Mitgefangen, dass man nach einem halben
Beschäftigungsjahr Anspruch auf Urlaub hat, diesen
aber erst nach Antragstellung erfährt, wobei
Ausfalltage abgezogen werden. Da stellt sich doch
die Frage, wo ist dies für den inhaftierten Arbeiter
verankert und ersichtlich, außer nur sporadisch im
StVollzG? Denn sobald Urlaubsanspruch besteht,
muss dieser auch automatisch ersichtlich sein, z. B.
auf dem Lohnzettel! Ebenso, um wie viele Tage es
sich handelt, wie diese errechnet werden und ob
diese Urlaubstage auch auf den Entlassungstermin
angerechnet werden können? Es gibt zwar Bücher
(Wege durch den Knast), in der Bücherei der JVA
auszuleihen, die jedem Häftling etwas Aufschluss
geben, aber dennoch einen Arbeitsvertrag nicht
ersetzen. Ebenso wie außerhalb der Haft in einem
normalen Berufsleben, wo in Arbeitsverträgen alles
gesetzlich geregelt ist, sollte dies auch bei einer
Inhaftierung sein.
Name bekannt
Ohne Moos nix los!
Als ich vor einigen Monaten inhaftiert (an einem
Freitag) wurde, brachte man mich nach Goldlauter.
Ich erfuhr dort, dass es zweimal wöchentlich einen
Transport nach Chemnitz gibt. Zum Glück hatte ich
ja Geld einstecken, als ich verhaftet wurde. Da hätte
ich mir ja alles kaufen können, was ich so benötigt
hätte, wie z. B. Tabak, Kaffee und Hygieneartikel
etc. Das Geld wurde mir abgenommen und ich
erhielt einen Einzahlschein und man sagte mir, dass
es nach Chemnitz überwiesen wird und ich, nach
meiner Ankunft dort, darüber verfügen kann. Hier
angekommen, musste ich leider feststellen, dass
mein Geld ganze 2 1/2 Wochen gebraucht hat um,
von
einer
Landesjustizkasse
zur
anderen
überwiesen zu werden.
Ich bin der Meinung, dass, seit dem das SEPA-
Überweisungsverfahren (IBAN) eingeführt wurde,
eine Banküberweisung nicht mehr länger als 24 Std.
dauern darf.
Ich glaube, mein Geld wäre schneller dagewesen,
wenn man es zu Fuß hierher getragen hätte.
Warum dauert dies so verdammt lange?
Name bekannt
Nein, ok ist das hier nicht!
Von außen strahlt unser schöner Neubau des
Besucherzentrums,
der
Schleuse
und
des
Gebäudes für den offenen Vollzug. Was sich so
dahinter abspielt, bleibt leider vielen verborgen.
Der Frust der Gefangenen und der Bediensteten
nimmt zu, so hört man auf der Piste.
Aus Mangel an Hausarbeitern bzw. aus Mangel
daran diese einzustellen, „verdreckt“ die JVA seit
mehreren Wochen jetzt auch noch innen. Ob nun
der Müll aus den Fenstern fliegt oder sich
wochenlang auf den Gängen der Stationen
ansammelt … ist dann doch auch völlig rille -
sagen auch welche.
Auch der Befall Gefangener mit Parasiten u. ä.
Kleingetier häuft sich wieder - woran liegt das nur?
Es ist ja kein Geheimnis, dass die Anforderungen,
die an den Job des Hausarbeiters gestellt sind,
nicht so leicht für den Großteil der Gefangenen zu
erfüllen sind.
Ich habe gehört, dass angeblich sogar Hepatitis-
Leute und dazu noch ohne Gesundheitspass, in
der Küche arbeiten dürfen. Stimmt das?
Man sagt, dass es absolut nicht abzusehen
gewesen wäre, dass so viele Hausarbeiter auf
einen Ruck das Haus verlassen werden. Viele der
Hausarbeiter hatten mehrfach angemahnt, dass
der „Nachwuchs“ noch angelernt werden müsse.
Was wird nun hier passieren?
Name bekannt
Das muss man nicht haben!
Vor einiger Zeit gab es hier im Haus einen Vorfall,
der mich sehr beschäftigt! Auf Station 1 hat eine
Gefangene versucht, ihren Haftraum in Brand zu
setzen. Es gab schon eine enorme Rauch-
entwicklung, so das Mitgefangene auf dem Gang
dies bemerkten. Aus aktuellem Anlass (Brände in
versch. Haftanstalten), mache ich mir schon
Sorgen. Was ist, wenn es hier wirklich einmal
brennt? Keine hat hier mal etwas von einer
Brandschutzübung oder ähnliches gehört. Es
wurde auch noch nie ein Wort darüber verloren,
wie man sich in einem solchen Fall verhalten soll.
Wie lange dauert es, bis hier alle aus ihren
Hafträumen rausgeholt werden? Ist das überhaupt
schnell möglich?
Name bekannt

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
24
Haft Leben-Preisrätsel
Nachfragen und -lesen sind
ausdrücklich erlaubt!
1. Wie lautet der Titel einer Rateshow mit Robert
Lembke, die jahrzehntelang erfolgreich lief?
A: Was bin ich?
B: Wer bin ich?
C: Warum bin ich?
D: Wo bin ich
2. Einige Krebstiere verfügen über ...?
A: Stielaugen
B: Schlitzohren
C: Langfinger
D: Breitmäuler
3. Berufskollegen in der literarischen Welt sind
Philipp Marlowe und ...?
A: Forest Gump
B: Hercule Poirot
C: Jurij Schiwago
D: Phileas Fogg
4. Jennifer Aniston, Jennifer Lopez, Cate
Blanchett, Renée Zellweger und Catherine Zeta-
Jones sind alle ...?
A: US-Amerikanerinnen
B: kinderlos
C: Oscar-Preisträgerinnen
D: gleichalt
5. Welches Getränk verdankt seinen Namen dem
Gefäß, aus dem es traditionell genossen wird?
A: Wodka
B: Lumumba
C: Latte Macchiato
D: Mate-Tee
6. Was macht sich gut im Vorgarten, erfordert
aber viel Pflege?
A: Spanischer Busch
B: Englischer Rasen
C: Schwedische Hecke
D: Holländisches Gras
7. "Tut mir leid, dass ich Ihnen nicht helfen kann,
aber mir sind die ..."?
A: Arme verschnürt
B: Hände gebunden
C: Füße eingegipst
D: Waden gewickelt
8. Was empfiehlt eine Kosmetikerin für ein gutes
Aussehen?
A: Bananenröckchen
B: Kokosnuss-BH
C: Gurkenmaske
D: Spaghetti-Perücke
9. Was wird unter anderem mit den
Bezeichnungen "mittelscharf" und "extrascharf"
im Handel angeboten?
A: Lesebrillen
B: Nagelscheren
C: Senf
D: Unterwäsche
10. Wovor wird im Wetterbericht normalerweise
nicht gewarnt?
A: Meteoritenschauer
B: Hagelschlag
C: Eisregen
D: Schneelawinen
11. Wann treten in der Regel an Meeresküsten
Springfluten auf?
A: Morgen- und Abendrot
B: Sommer- und Winteranfang
C: Voll- und Neumond
D: Tag- und Nachtgleiche
12. Wie schreibt man Anna Netrebkos Vornamen
in ihrer russischen Heimat?
A: ABBA
B: AKKA
C: AYYA
D: AHHA
13. Was wird manchmal mit dem Merkmal
"adstringierend" verkauft?
A: Arzneimittel
B: Textilien
C: Teflon-Pfannen
D: Mineralwasser

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Haft Leben
25
14. Was hatte Sigmund Jähn, der erste
Deutsche im Weltall, 1978 bei seinem
Weltraumflug im Gepäck?
A: Sandmännchenpuppe im Kosmonautenlook
B: seinen Hamster namens Juri Gagarin
C: ein Foto des Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph
D: Postsack mit Kinderbriefen an den Mann im
Mond
15. Wobei handelt es sich um ein Gemüse, das
gegart und als Salat schmeckt?
A: Japanrettich
B: Chinakohl
C: Balibohne
D: Thailandtomate
Verschiedene
Preise u. a.
(Produktbeispiele)
Aus allen Einsendungen mit mindestens
acht richtigen Antworten werden die
Gewinnerinnen gezogen. Meistens eine
Gewinnerin pro Station.
Es gilt dabei der Zeitpunkt der Abgabe!
Leider nur für die JVA Chemnitz!
Wie mache ich mit?
Die Lösungen bitte auf dem Lösungsbogen
ankreuzen und mit Name, Haftraumnummer,
Alter sowie ob Raucher oder Nichtraucher
angeben.
Lösungsblatt
ausschneiden
und
in
den
Briefkasten der Redaktion (z. B. Ausgang zum
Hof) bis zum
14.02.2019
einwerfen.
Name, Vorname:
________________________________________
Haftraum: __________
Haus:__________
Alter:
__________
Nichtraucher
Raucher
Dez
2018
A
B
C
D
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Die Redaktion dankt dem Sponsor Rudolf H.
für die zur Verfügung gestellten Preise!
HaftLeben-Preisrätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
26
Kirche 2018
Foto: R_K_by_angelina.s...k...._pixelio.de
Verwandtenbesuche – nicht erlaubt, Gänsebraten –
nicht erlaubt, besondere Geschenke erhalten -
nicht erlaubt, Weihnachtsspaziergang – nicht
erlaubt, Gottesdienstteilnahme - nicht erlaubt …
Vieles, was in den Tagen um Weihnachten
außerhalb der Mauern der JVA selbstverständlich
ist, gibt es für Gefangene nicht. Es herrscht
deshalb auch immer eine besondere Stimmung
innerhalb der Mauern. Von einer totalen Ablehnung
von Weihnachten - auch durch die Emotionen
bestimmt, bis hin zu den Gedanken der schönen
Erlebnisse aus vergangener Zeit, die tiefer in einer
Person
stecken.
Vergangenes
und
bisher
Gewohntes kann nicht stattfinden. Es ist unmöglich
und doch kann Positives, Unerwartetes geschehen.
Ist es ein schönes Wort einer Mitgefangenen, einer
bediensteten Person, aus dem Mund von den
beiden
Seelsorgern?
Ist
es
ein
kleines
unerwartetes Geschenk, über das man sich nun
besonders freuen kann?
Unerwartet
und
auch
nach
menschlichem
Ermessen und Wissen unmöglich scheint die
Geschichte der Geburt von Jesus. Gott selbst wird
Mensch.
Für
Sie,
liebe
Leserin,
ist
die
Weihnachtsgeschichte
entweder
uninteressant,
weil der Glaube keine oder kaum eine Rolle spielt
oder
die
folgende
Erzählung
nach
dem
Evangelisten Lukas ist für Sie interessant. Er hat
die Geburt im Stall sehr bildhaft geschildert hatte.
Die Aussage „Gott wird Mensch“ ist mit Ihrem
Glauben verinnerlicht worden.
Das Weihnachtsevangelium:
In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl,
alle
Bewohner
des Reiches
in
Steuerlisten
einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals
war Quirinus Statthalter von Syrien. Da ging jeder
in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
Die Geburt Jesu:
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa
hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die
Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und
Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen
mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer
Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den
Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und
legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein
Platz für sie war.
Die Hirten auf dem Feld:
In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und
hielten Nachtwache bei ihrer Herde.
Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz
des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,
der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht,
denn ich verkünde euch eine große Freude, die
dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch
in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der
Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen
dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln
gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war
bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das
Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der
Höhe und auf Erden.
Heute ist das Fest von Weihnachten in der Gefahr
nur als „Fest der freien Tage“, als „Familienfest“
oder als „Fest der Liebe“ vermarktet zu werden.
Wochen zuvor sind die Geschäfte voll mit
möglichen Geschenkartikeln. Der christliche Inhalt
geht scheinbar verloren…
Dennoch:
Gott wird Mensch, unerwartet und unmöglich. Es ist
tatsächlich das Fest der Liebe. Durch die Geburt
Jesu zeigt uns Gott, dass er uns liebt. Er gibt uns
ein
Beispiel,
welche
Einstellung
wir
zum
Mitmenschen haben sollen. Auch Jesus wurde in
seinem Leben nicht von allen Leuten akzeptiert,
weil er von Liebe gesprochen hatte und gegen
gewohnte Vorurteile, Hass, Neid und Habgier
eingetreten war. Die damaligen Jünger aber und
auch Menschen bis in unsere Zeit, die versucht
hatten, sein Leben nachzuahmen, haben durch
ihren
Glauben
an
Gott
vieles
geschenkt
bekommen.
Für Viele ein unbegreifliches und deshalb oftmals
abgelehntes Geheimnis.
Mögen Sie, trotz der Situation im Gefängnis, oder
gerade deswegen, ein schönes Erlebnis um
Weihnachten herum haben.
P. Bernhard Kuhn SDB
Vieles ist unmöglich –
Eines ist Fakt, oder: Weihnachten ja oder nein

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Haft Leben
27
HL - Traurig
„Nicht ihr habt mich erwählt,
sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt,
dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt
und dass eure Frucht bleibt.“
Joh 15,16
Gott, der Herr über Leben und Tod, hat die Gemeindereferentin
Frau Heidemarie Köhler
am 20. November 2018 in sein himmlisches Reich gerufen.
… Ihr besonderes Engagement galt in den letzten Jahren, in denen sie bereits den wohlverdienten
Ruhestand hätte genießen können, den Frauen in der JVA in Chemnitz. Mehrmals wöchentlich widmete
sie ihnen ihre Zeit, Energie und Aufmerksamkeit. Sie suchte das Gespräch mit den inhaftierten Frauen
und organisierte ein monatlich stattfindendes Mutter-Kind-Treffen im Gefängnis. Als Heidemarie Köhler im
September 2018 plötzlich schwer erkrankte, galt ihre Hauptsorge dem Krippenspiel, dessen Vorbereitung
immer ein prägendes Element auf dem Weg zum Weihnachtsfest war. Es war ihr ein Anliegen, dass die
Gefangenen etwas vom Geheimnis der Menschwerdung erfahren, in dem sie selbst zu Akteuren der
Weihnachtsgeschichte werden. Andere werden dies nun für Heidemarie Köhler weitertragen, weil ihr Platz
von nun an im Himmel ist ...
Heinrich Timmerevers ,Bischof von Dresden - Meißen
(Text, HL gekürzt)
Foto: Familie
Man lebt zweimal:
Das erste Mal in der Wirklichkeit, das zweite Mal in der Erinnerung.
Honoré de Balzac 1799 - 1850
Im Namen aller inhaftierten Frauen in der JVA Chemnitz, die das Glück hatten, mit Frau Köhler,
einen gemeinsamen Wegabschnitt zu gehen, möchte die Redaktion „HaftLeben“ ihr aufrichtiges
Beileid den Angehörigen übermitteln.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
28
Nach(t)-gedanken
Schon wieder ist ein Jahr vergangen -
unglaublich
Diese Zeilen schreibe ich nun als Rentner, auch für
mich etwas ganz Neues. Geändert hat sich
dadurch nicht viel in meinem Leben.
Meine ehrenamtliche Arbeit macht mir noch immer
viel Spaß, umso mehr, als ich die folgenden Zeilen
gelesen habe:
„… Zunächst Danke, dass ich diese Zeitungen
bekam. Beide finde ich sehr interessant, gut
geschrieben, abwechslungsreich dargestellt und
sehr themenreich, wenngleich ein roter Faden da
ist (z. B. die Miezengeschichten zu Beginn, die
Kreuzworträtsel und die rechtlichen Teile). Ich war
beim Lesen zum einen berührt, wie sich die
Verfasserinnen
mit
ihrem
Leben
und
den
Gedanken
zu
Zukunft
und
Bezüge
zur
Vergangenheit
befassen
und
zum
anderen
beeindruckt, wie spannend auch manche Artikel
geschrieben wurden - z. B. zu Alltags-, Glaubens-
und Frauenthemen (im Mittelteil). Ich musste auch
bei den Backrezepten schmunzeln … toll, diese
Anregungen für eine gemeinsame Arbeit, wie
backen und kochen und dann natürlich zusammen
essen…
… Also ich bin total begeistert von dieser Arbeit der
Gefangenen… “ I. Jäschke
Danke für die netten Zeilen!
Das Redaktionsteam wurde seitdem letzten Haft zu
100 % ausgewechselt, wenigstens sind die
Übergaben im Team gut gelaufen und so ist dieses
letzte Heft des Jahres 2018 eigentlich schon ein
Neuanfang.
Vielen Dank an alle, die die Entstehung der
Chemnitzer Gefangenenzeitung „HaftLeben“
von der Finanzierung bis zum Druck überhaupt
ermöglichen und dazu direkt oder indirekt
beitragen,
dass
jede
Gefangene
eine
Gefangenenzeitung, meist viermal im Jahr,
erhält.
Danke auch an die Bediensteten, die mich,
meist pünktlich, zur Red.-Sitzung bringen und
mich danach
wieder zur Torwache (in die
Freiheit) begleiten.
Ein großes Dankeschön besonders an alle
Frauen der früheren und aktuellen Redaktion
der „HaftLeben“, die in ihrer Freizeit die
veröffentlichten und die nicht veröffentlichten
Artikel mühsam mit der Hand auf hunderte
Zettel geschrieben haben. Tolle Leistung!
Danke für eure jahrelange gute Arbeit!
Tag der offenen Tür in der JVA Chemnitz
Naja, nicht ganz und nur für die, die von „Draußen“
kamen. Es gab ihn wiedermal und das war wichtig!
Erstmalig kam sogar eine „Reisegruppe“ per Bus
aus Thüringen nach Chemnitz, tolle Idee und dazu
noch umweltfreundlich!
Der Ruf der JVA‘en ist vermutlich schlechter als
gedacht, so hörte ich es als Ehrenamtlicher an
diesem Tag des Öfteren. Alles nur auf die Medien
schieben sollten wir dabei nicht. Die berichten
meist nur von „Action“-geladenen Vorfällen
bundesweit auf allen Kanälen. Brand hier und dort,
Mord und Totschlag „überall“ hinter den Mauern –
nein so ist es nicht und diese Berichte sind meist
sogar noch aufgebauscht.
Meiner Meinung nach wäre es besser, wenn wir der
Öffentlichkeit auch mehr erklären würden, was
denn wirklich hinter den Mauern abläuft. Gearbeitet
mit den Gefangenen wird unheimlich viel, leider
nicht
für
alle
Insassinnen.
Meist
sind
die
Gruppenstärken so klein, das nur verhältnismäßig
wenige Frauen teilnehmen können.
Im Heft lesen Sie dazu mehr.
Resozialisierung ist bei uns in der Gefangenzeitung
„HaftLeben“ oft ein Thema, hier natürlich aus der
Sicht der Gefangenen und die ist naturgemäß eine
andere.
Auch ich von meiner Seite versuche, so oft wie
möglich zu erklären, dass der Strafvollzug im Jahr
2018 ein modernerer ist – die Zeiten von Wasser
und Brot sowie nassen Kerkern sind endgültig
vorbei!
Perfekt ist der Strafvollzug aber noch lange nicht
und das spüre, sehe und höre ich meist jede
Woche.
Wie sagt die Dame vom Fernsehen:
„Alles wird gut“ –
glauben wir gemeinsam daran!
Werte Leser*innen, werte Helfer*innen und
werte Unterstützer*innen,
Ihnen und Ihren Familien wünscht die gesamte
Redaktion der Chemnitzer Gefangenenzeitung
„HaftLeben“ ein schönes und friedliches
Weihnachtsfest
sowie
ein
gesundes
und
erfolgreiches neues Jahr 2019!
Mit lieben Grüßen, Ihr manchmal schlafloser,
Lutz Richter

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Haft Leben
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HL - Impressum
Auflösung des Rätsels aus „HaftLeben“ 03-2018
1 - D, 2 - A, 3 - A
4 - D, 5 - B, 6 - C,
7 - C, 8 - B, 9 - D,
10 - A, 11 - B, 12 - C,
13 - C, 14 - A, 15 - A
Gewonnen haben diesmal:
EG: keine Beteiligung
Stat. 1: Isabell B.
Stat. 2: Michaela W.
Stat. 3: Laura F.
Stat. 4: Lisa L.
Stat. 5: Sylvia M.
Stat. 6: keine Beteiligung
Stat. 7: Stephanie R.
Haus III: Sydney H.
Haus IV: Keine Beteiligung
(Alle Stationsangaben gültig zum Zeitpunkt der
Abgabe)
Herzlichen Glückwunsch!
Reproduktionen von Artikeln, auch nur auszugs-
weise, nur mit schriftlicher Genehmigung der
Redaktion „HaftLeben“ und gegen kostenfreie
Zusendung eines Belegexemplars.
Für namentlich gekennzeichnete Beiträge (alle
angegebenen Kürzel sind mit Klarnamen hinter-
legt), übernimmt die Redaktion lediglich die
presserechtliche Verantwortung, diese müssen
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wiedergeben.
Bei eingesandten Manuskripten und
Leserbriefen setzen wir das Einverständnis zum
honorarfreien Abdruck und zur sinnwahrenden
Kürzung voraus.
Für eingesandte Manuskripte, Briefe und Unter-
lagen jeglicher Art wird keine Haftung über-
nommen.
Herausgeberin:
Frau König-Bender,
Anstaltsleiterin der JVA Chemnitz (V. i. S. d. P.)
HL-Redaktionsteam: AL, BoFo, Mani, Kulle,
L.M. DA, GR, KG,
Betreuer:
Herr Richter
ehrenamtlicher Betreuer
Frau Gläser
ehrenamtliche Betreuerin
Frau Böttcher
Bedienstete, JVA-Chemnitz
E-Mail:
HaftLeben@T-Online.de oder
HaftLeben@Live.de
Redaktionsschluss für die Ausgabe 01/2019:
14.02.2019
Bild: Lizenzfrei Pixelio.de
Anschrift der JVA und der Redaktion:
Justizvollzugsanstalt Chemnitz
Redaktion der Gefangenenzeitung „HaftLeben“
Thalheimer Straße 29
09125 Chemnitz

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
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HL - Rätsel
HL -
Rätsel
Was ist taub,
stumm und blind
aber sagt immer
die Wahrheit?
Lösung: Der Spiegel

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Haft Leben
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HL - Rezepte
Bilder ähnlich, Quelle:
www.Chefkoch.de
Honigkuchen für Naschkatzen
Zutaten:
200 g Butter, 180 g Honig, 5 Eier,100 g
Speisestärke, 200 g Mehl, 2 TL Zimtpulver, 200 g gehackte
Nüsse, Abrieb einer Zitrone und einer Orange 200 g
geriebene Blockschokolade.
Los geht’s
Butter, Honig, Eier schaumig rühren. Speisestärke und Mehl
vermischen, jetzt die schaumige Masse in das Mehl unter
heben und die restlichen Zutaten dazu geben. 30 min. im
Kühlschrank ruhen lassen.
Backofen auf 200 °C Vorheizen oder Umluft auf 180 °C. Ein Blech gut einfetten und den Teig darauf
gleichmäßig etwa 2 cm dick verstreichen, auf der mittleren Schiene 20 min. backen.
Den Honigkuchen noch warm in gleichmäßige Rauten schneiden, glasieren und verzieren.
Kleiner Tipp
von mir, hast du keine Nüsse zu Hand, dann kauft Euch bitte Nussmüsli und Früchtemüsli,
da könnt Ihr die ganzen Zutaten rauslesen.
Glasur 300 g Puderzucker, 2 Eiweiße, und 2 Tropfen Sonnenblumenöl, Eiweiß schaumig schlagen und
dann den Puderzucker dazu geben.
Das Öl unterrühren und dann damit die Rauten bestreichen.
Verzierung, gehackte Nüsse und was dein Herz begehrt
FERTIG
Spaghetti mit Thunfisch - Sahne Soße
Zutaten:
250 g Spaghetti
1 Zwiebel
1 Dose Thunfisch etwas Öl
(kann auch aus der Dose Tunfisch sein)
250 ml Sahne
1 Tube Tomatenmark
Salz
Kräuter der Provence
Spaghetti al dente kochen, Zwiebel klein würfeln mit etwas Öl im Topf anbraten, Thunfisch hinzufügen und
dann Sahne dazu geben.
Tomatenmark nach und nach dazu geben bis die Sahne eine schöne rosa Farbe angenommen hat.
Reichlich bzw. nach Belieben Kräuter der Provence dazu geben, mit Salz abschmecken. Eventuell etwas
andicken.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 59, Weihnachten 2018
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Haft Leben
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HL - Rätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
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HL - Rätsel
HL -
Rätsel

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© HaftLeben 04-2018, handgemalt nur für uns!
© HaftLeben 04-2018 (Foto: Domino_pixelio.de, powerd by HaftLeben)
© HaftLeben 04-2018 , powerd by HaftLeben
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Die „HaftLeben“ –
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HL -
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