Influenza-Sentinel 2019/2020
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN
im Freistaat Sachsen
0
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100
150
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45.000
50.000
Influenza-Todesfälle
Influenzavirus-Nachweise
Saison
Gemeldete Todesfälle
Gemeldete Fälle

 
│1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum Influenza-Sentinel 2019/2020 im Freistaat Sachsen
.......................................................................................................................
2
1
Auswertung des epidemiologischen Influenza–Sentinels 2019/2020 im Freistaat Sachsen und Vergleich
mit anderen Surveillance-Instrumenten
.............................................................................................................................................................4
1.1
Sächsisches Influenza-Sentinel sowie Saisonverlauf in Sachsen und Deutschland
............................................................................... 4
1.2
Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG)
............................................................................................................... 7
1.3
Influenza-Saison 2018/2019 innerhalb Europas
..............................................................................................................................................
9
1.4
Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften (Sächsisches Influenza-Sentinel)
............................................................................................
9
2
Auswertung des Influenza-Sentinels 2019/2020 im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil
......................................................11
2.1
Virologische Diagnostik im Rahmen des Influenza-Sentinels
.....................................................................................................................
11
2.2
Ergebnisse des Sentinels von Oktober 2019 bis April
2020.........................................................................................................................11
3
Sächsische Impfdatenbank: Auswertungen zu Influenza-Impfungen
......................................................................................................15
4
Influenza-Impfstoff für die Saison 2020/2021
...............................................................................................................................................16

2 │
Sehr geehrte Leserinnen und Leser des Influenza-Sentinel-Be-
richts,
wie kann ich mich vor einer Influenza-Infektion schützen? Jahr
für Jahr wird diese Frage in den Medien aufgegriffen. Die Antwort
lautet: Die wichtigste und wirksamste Präventionsmaßnahme
ist die jährliche Schutzimpfung, die je nach Übereinstimmung
der Impfstämme mit den während der Saison zirkulierenden
Stämmen zu etwa 90 % vor der Erkrankung zu schützen ver-
mag. Vor allem Personengruppen, deren Immunsystem generell
weniger gut auf Impfungen anspricht, das sind zuvorderst ältere
oder chronisch kranke Menschen, entwickeln jedoch zum Teil
leider nicht die gewünschte Immunantwort.
Während der „Grippesaison“ sollte man besonders auf einige
Hygieneregeln achten, mit denen sich das Infektions- und Über-
tragungsrisiko reduzieren lässt. Hierzu gehören vor allem re-
gelmäßiges Händewaschen, das Bedecken von Mund und Nase
beim Husten und Niesen mit dem Ellenbogen (und nicht mit der
Hand), der Verzicht auf das Handreichen bei Begrüßungen und
ein gutes Lüftungsregime.
Die anlässlich der SARS-CoV-2-Pandemie getroffenen Maß-
nahmen, die auch zu einem beschleunigten Ende der saisonalen
Grippewelle 2019/2020 geführt haben, verdeutlichen die Wich-
tigkeit dieser einfachen, aufgeführten Hygienemaßnahmen und
der wichtigsten, wenn auch am schwersten einzuhaltenden Re-
gel von allen: Abstand halten.
Während der Influenza-Saison 2019/2020, über die in dieser
Veröffentlichung berichtet wird, wurden im Freistaat Sachsen
20.641 Influenza-Erkrankungen meldetechnisch erfasst. Dies
sind 2.000 weniger Influenza-Fälle als in der Vorsaison, die Be-
richtssaison 2019/2020 rangiert bezüglich der übermittelten
Fallzahl nach der Rekordsaison 2017/2018 mit damals 47.765
gemeldeten Erkrankungen jedoch auf dem dritten Platz seit Ein-
führung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001. Sicherlich
haben eine gesteigerte Surveillance und eine Zunahme labor-
diagnostischer Nachweise mit zum Anstieg der Meldezahlen
in den vergangenen Jahren beigetragen, nichtsdestotrotz liegt
jedoch eine weitere Saison mit hoher Krankheitslast hinter uns.
Die Influenzawelle 2019/2020 begann in Sachsen in der 3. Ka-
lenderwoche (KW) 2020 und endete abrupt nach der 12. KW
2020. Mit jeweils über 2.000 gemeldeten Influenza-Fällen er-
reichte die diesjährige Influenzawelle von der 5. bis zur 11. KW
2020 ihren plateauartigen Gipfel. Die Grippewelle 2019/2020
hielt in Sachsen zehn Wochen an, war damit einige Wochen
kürzer als in den Vorjahren, in denen sie zwischen 13 und 15
Wochen angedauert hatte. Das abrupte, frühe Ende der Influ-
enzawelle war sicherlich vor allem durch die Maßnahmen zur
Eindämmung und Verlangsamung der COVID-19-Pandemie be-
gründet. Kontaktverbote, Ausgangssperren und insbesondere
die Schließungen von Schulen und Kindereinrichtungen ab der
13. KW 2020 führten maßgeblich zu einem schnellen und star-
ken Rückgang der Infektionszahlen. Vielleicht wurden aber auch
deutlich weniger Untersuchungen auf Influenza veranlasst,
nachdem das SARS-CoV-2-Virus nun im Fokus lag.
In der Saison 2019/2020 dominierten in Sachsen unter den ge-
meldeten Nachweisen Influenza A mit 94 % (Deutschland ge-
samt: 86 %). Im Gegensatz zur Vorsaison 2018/2019 wurden
auch 5 % (Deutschland gesamt: 14 %) Influenza B-Viren nach-
gewiesen. Die Influenza A-Viren gehörten laut Untersuchungs-
ergebnissen des Nationalen Referenzzentrums für Influenza na-
hezu paritätisch dem Subtyp A(H1N1)pdm09 mit 47,5 % und
dem Subtyp A(H3N2) mit 52,5 % an. Die weiter untersuchten
Influenza B-Viren konnten fast ausschließlich der Victoria-Linie
zugeordnet werden
Während der Saison 2019/2020 traten 45 % aller gemeldeten
Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen (≤ 19 Jahre) auf. In
der Vorsaison wurde nur ein Drittel der Erkrankungen in dieser
Altersgruppe verzeichnet. 16 % der Erkrankungen, und damit ein
ähnlicher Anteil wie in der Vorsaison, wurden bei Kleinkindern
(1-4 Jahre) registriert. Die Altersgruppe der 5- bis 9-jährigen
Grundschüler trug 2019/2020 mit insgesamt 15 % der Fälle je-
doch eine deutlich höhere Erkrankungslast als in den Vorjahren.
8 % der gemeldeten Erkrankungen wurden bei 10- bis 14-Jäh-
rigen sowie 5 % bei 15- bis 19-Jährigen diagnostiziert. Die
Hochrisikogruppe der Säuglinge (< 1 Jahr) stellte 1 % der Fälle.
Ähnlich wie in den beiden Vorsaisons erkrankten auch viele Er-
wachsene im berufstätigen Alter. 48 %, also knapp die Hälfte,
aller während der Saison 2019/2020 gemeldeten Erkrankungen
betrafen Patienten im Alter zwischen 20 und 64 Jahren. In nur
7 % der Fälle waren Senioren (≥ 65 Jahre) erkrankt.
In Sachsen verstarben in der Saison 2019/2020 insgesamt
59 Patienten nachweislich an Influenza. Betroffen waren aus-
schließlich Erwachsene im Alter zwischen 20 und 96 Jahren, der
Altersmedian der Verstorbenen lag bei 81 Jahren. Damit waren
zwar deutlich weniger Todesfälle zu beklagen als in den Vor-
jahren mit 176 (2017/2018) bzw. 74 (2018/2019) Meldungen,
dennoch belegt diese Zahl die Bedrohlichkeit dieser Erkrankung
vor allem für ältere, mit Vorerkrankungen belastete Patienten.
Kein Impfstoff bietet einen hundertprozentigen Schutz. Trotz-
dem ist und bleibt die Impfung gegen Influenza die wirksamste
und wichtigste Schutzmaßnahme gegen diese oftmals schwe-
re Erkrankung. Bis zum 31.12.2019 haben 28,2 % der Bürger
eine Influenza-Impfung erhalten (siehe Teil 3 dieses Berichts).
Im Jahr zuvor hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt 28,5 % der
sächsischen Bevölkerung gegen Influenza impfen lassen. Der
seit 2009/2010 beobachtete Abwärtstrend der Impfquoten in
Sachsen war gestoppt und in der Saison 2018/2019 eine, wenn
auch geringe Zunahme der Impfbereitschaft registriert worden.
Ob die SARS-CoV-2-Pandemie Anfang 2020 noch zu einem An-
stieg der Impfquoten in Sachsen geführt hat, bleibt abzuwarten.
Mit langer Tradition stellt das sächsische Influenza-Sentinel
wissenschaftlich fundierte und für die Praxis wichtige Informa-
tionen für prophylaktische und therapeutische Bekämpfungs-
Vorwort zum Influenza-Sentinel 2019/2020
im Freistaat Sachsen

image
│3
maßnahmen zur Verfügung. In diesem Sinne möchten wir allen
Beteiligten in Arztpraxen, Krankenhäusern, Gesundheitsämtern
und sonstigen Einrichtungen unseren herzlichen Dank für die
engagierte Mitarbeit aussprechen.
Die Lektüre des vorliegenden Berichtes soll Ihnen einen Einblick
in die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Landes-
einrichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hinsichtlich
präventiver Maßnahmen für die Gesundheit aller Bürgerinnen
und Bürger geben.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin

4 │
Die
Ergebnisse
der
Influenza-Überwachung
der
Saison
2019/2020 basieren wie bereits in den vergangenen Jahren
(siehe LUA-Mitteilungen sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf
diversen erhobenen Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
]
das Influenza-Sentinelsystem des Öffentlichen Gesundheits-
dienstes (ÖGD) in Sachsen bzw. der Arbeitsgemeinschaft In-
fluenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
]
der Erregernachweis (PCR und Virusanzüchtung) unter ande-
rem zur Bestätigung epidemiologischer Daten (Beginn/Ende
einer Epidemie)
]
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den
anderen Bundes- und den europäischen Nachbarländern zu
Häufungen, Informationen über Krankheitsverläufe, Kompli-
kationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Die Auswertung dieser Faktoren erlaubt die folgende Einschät-
zung der Influenza-Aktivität für die Saison 2019/2020 (40. Ka-
lenderwoche (KW) 2019 – 17. KW 2020).
1.1 Sächsisches Influenza-Sentinel sowie Saisonverlauf
in Sachsen und Deutschland
Zu Beginn der Saison entsprach die Häufigkeit akuter respira-
torischer Erkrankungen (ARE-Morbidität) im Freistaat Sachsen
dem erwarteten Niveau. Auch in den anderen Bundesländern
gestaltete sich die ARE-Influenza-Situation unauffällig. Die
Werte der Konsultationsinzidenzen für Gesamtdeutschland
zeigten die übliche Altersgruppenverteilung und bewegten sich
in dem für die Jahreszeit normalen Bereich. Die ARE-Aktivität
war gemäß den virologischen Ergebnissen des Nationalen Refe-
renzzentrums für Influenza (NRZ Influenza) in diesem Zeitraum
hauptsächlich auf Rhinoviren zurückzuführen.
Bereits in den ersten beiden Wochen der Saison 2019/2020 wur-
den am NRZ Influenza im Rahmen des Sentinels der AG Influ-
enza (AGI) in jeweils einer der eingegangenen Proben Influenza
A(H3N2)-Viren nachgewiesen. Im Vergleich mit den Vorsaisons
deutete dies auf eine sporadische Zirkulation von Influenza
A(H3N2)-Viren in der Bevölkerung hin.
In der 45. KW 2019 gelang der erste Nachweis einer Influen-
za-Infektion (Subtyp A(H1N1)pdm09) der Saison innerhalb des
sächsischen Sentinels. Betroffen war ein 5-jähriger ungeimpfter
Junge aus dem LK Leipzig, der im Krankenhaus behandelt wer-
den musste.
Ein bundesweiter, leichter Anstieg der ARE-Aktivität wurde erst
ab dem Jahresende 2019 beobachtet. Jedoch bestanden weder
für Sachsen noch für das übrige Bundesgebiet Hinweise auf eine
erhöhte Influenza-Aktivität, alle Werte bewegten sich auf einem
für die Jahreszeit üblichen Niveau.
Im Rahmen des sächsischen Sentinels wurden bis zum Jahresen-
de nur drei weitere Influenza A(H3N2)-Infektionen bestätigt. Die
Meldung des ersten Influenza-Todesfalles der Saison in Sachsen
erfolgte in der 51. KW 2019 aus dem Stadtkreis Dresden. Ein
70-jähriger an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung
leidender Mann verstarb an den Folgen einer Influenza A.
Unter den ab der 40. bis einschließlich der 52. KW 2019 am
NRZ nachgewiesenen respiratorischen Erregern dominierten
Rhinoviren (55 %), gefolgt von Parainfluenzaviren (27 %) vor
Influenzaviren (7 %), humanen Metapneumoviren (6 %) und Re-
spiratory Syncytial-Viren (RSV, 5 %).
Zu Beginn des Jahres 2020 stieg der Anteil von Nachweisen von
Influenzaviren am NRZ merklich an. Ab der 2. KW 2020 rangier-
ten Influenzaviren unter den am NRZ identifizierten respiratori-
schen Erregern an erster Stelle. Die ARE-Aktivität war, obgleich
noch auf einem niedrigen Niveau, ab der 2. KW 2020 gemäß den
virologischen Ergebnissen inzwischen hauptsächlich auf die Zir-
kulation von Influenzaviren in der Bevölkerung zurückzuführen.
In den Wochen vor dem Jahreswechsel war die ARE-Aktivität
hauptsächlich durch Rhinoviren verursacht worden.
Nach Definition der AGI begann die Grippewelle der Saison
2019/2020 in Deutschland in der 2. KW 2020. Der Beginn der
Grippewelle auf Bevölkerungsebene orientiert sich an der In-
fluenza-Positivenrate der virologischen Sentinel-Surveillance.
Sobald der Wert für die untere Grenze des 95-Prozent-Vertrau-
ensbereichs zwei Wochen in Folge über 10 % liegt, beginnt die
Grippewelle mit der ersten dieser beiden Wochen.
Insgesamt zirkulierten laut Ergebnissen des bundesweiten Sen-
tinels der AGI seit der 40. KW 2019 hauptsächlich Influenza
A(H1N1)pdm09-Viren (58 %), gefolgt von Influenza A(H3N2)-
Viren (35 %). Influenza B-Viren wurden bis zu diesem Zeitpunkt
nur sporadisch nachgewiesen (7 %).
Ab der 3. KW 2020 markierte die deutliche Zunahme von Influ-
enzavirus-Nachweisen und Meldungen den Beginn der diesjäh-
rigen saisonalen Grippewelle auch in Sachsen.
Nach einem weiteren Anstieg der Aktivität der akuten respi-
ratorischen Erkrankungen und einer Zunahme von Probenein-
gängen, Influenzavirus-Nachweisen und -Meldungen erreichte
die Grippewelle in Sachsen wie auch Gesamtdeutschland ihren
saisonalen Gipfel ab der 5. bis einschließlich der 11. KW 2020.
Die höchsten Zahlen an Probeneingängen und Influenza-Nach-
weisen innerhalb des sächsischen Sentinels wurden in der 5.
und 6. KW 2020 verzeichnet. Die Positivenraten lagen in diesem
Zeitraum bei knapp 50 %. Ab der 10. KW 2020 wurde dann bun-
desweit eine starke Abnahme der ARE-Raten registriert. Diese
Entwicklung war sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch
bei Erwachsenen zu beobachten.
1 Auswertung des epidemiologischen
Influenza–Sentinels 2019/2020 im
Freistaat Sachsen und Vergleich mit anderen
Surveillance-Instrumenten

│5
Im Rahmen der Strategie zur Bewältigung der COVID-19-Pan-
demie ergriffen die Bundesländer und die Bundesregierung im
März 2020 weitreichende Maßnahmen. Ab der 11. KW 2020
wurden zunächst Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern
abgesagt. In der 12. KW 2020 wurde eine Bund-Länder-Verein-
barung zu Leitlinien gegen die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Vi-
rus vereinbart und es erfolgte unter anderem die Schließung von
Schulen und Kindertagesstätten in Sachsen ab dem 24.03.2020.
Ein umfangreiches Kontaktverbot sowie Ausgangssperren wur-
den bundesweit ab der 13. KW 2020 verhängt. Diese Maßnahmen
zur Eindämmung und Verlangsamung der COVID-19-Pandemie,
die sich auf die Kontakthäufigkeiten in der Allgemeinbevöl-
kerung auswirkten, führten zu einem schnellen Rückgang der
ARE-Raten und einem abrupten Ende der Influenzawelle. Da
Kinder bekanntermaßen für die Verbreitung der jährlichen Grip-
pe eine wesentliche Rolle spielen, trugen sicherlich insbeson-
dere die Schul- und Kindertagesstätten-Schließungen zu einem
beschleunigten Ende der Influenzawelle 2019/2020 bei. Unter
Umständen wurden auch weniger Untersuchungen auf Influen-
za veranlasst, da nun das SARS-CoV-2-Virus im Fokus lag.
Die Zahl der gemeldeten Influenza-Erkrankungen sowie die
Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen waren ab
der 12. KW 2020 stark rückläufig. Nach Definition der AGI en-
dete die Influenzawelle in Deutschland bei nur noch geringer
Influenza-Aktivität mit der 12. KW 2020. Ab der 15. KW 2020
waren in Sachsen nur noch sporadische Influenzafälle und keine
Viruszirkulation mehr zu verzeichnen. Nach der 17. KW 2020
wurde die Influenza-Saison 2019/2020 im Freistaat Sachsen
abgeschlossen.
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der Influenza-
Überwachung durch das epidemiologische und mikrobiologi-
sche Influenza-Sentinel in der vergangenen Influenza-Saison
von einer ausgeprägten, aber noch moderaten Influenzawelle
gesprochen werden.
Die Grippewelle der Saison 2019/2020 begann nach Definition
der Arbeitsgemeinschaft Influenza in der 2. KW 2020, in Sachsen
war ein deutlicher Anstieg ab der 3. KW 2020 zu verzeichnen.
Sie erreichte zwischen ab der 5. bis einschließlich der 11. KW
2020 einen plateauartigen Gipfel, wobei die höchsten Erkran-
kungszahlen in der 6. KW 2020 gemeldet wurden, und endete
abrupt mit der 12. KW 2020. Die saisonale Influenzawelle hielt
bundesweit elf, in Sachsen zehn Wochen an und war damit ei-
nige Wochen kürzer als in den Vorjahren, in denen sie zwischen
13 und 15 Wochen angedauert hatte. In der Saison 2019/2020
dominierten bundesweit Influenza A-Viren mit 86 %. Im Ge-
gensatz zur Vorsaison 2018/2019 wurden auch 14 % Influenza
B-Viren der Victoria-Linie nachgewiesen. Die Influenza A-Viren
gehörten laut Untersuchungsergebnissen des Nationalen Re-
ferenzzentrums für Influenza nahezu paritätisch dem Subtyp
A(H1N1)pdm09 (47,5 %) und dem Subtyp A(H3N2) (52,5 %) an.
Die weiter untersuchten Influenza B-Viren konnten fast aus-
schließlich der Victoria-Linie zugeordnet werden (Abbildungen
1 und 3 sowie Tabellen 1 und 3).
Altersverteilung
(Sächsisches Influenza-Sentinel)
Die identifizierten Influenza-Erkrankungen innerhalb des Senti-
nels betrafen zu mehr als einem Drittel Klein- und Vorschulkin-
der (1 - < 7 Jahre, 33,0 %) und zu 29,0 % Schulkinder und Ju-
gendliche (7 - < 17 Jahre). In der Altersgruppe Erwachsene (17
Abbildung 1:
Probeneinsendungen und Influenzavirus-Nachweise
(mittels PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probenahme)
0
50
100
150
200
250
40-52 1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12 13-17
Anzahl
2019
Kalenderwoche
2020
Probeneinsendungen
darunter Nachweise
Tabelle 1: Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise
(mittels PCR) und Positivenraten
KW
Probenein-
sendungen
Anzahl positiver
Proben
Positivenrate
(in %)
40-52
121
4
3,3
1
19
0
0
2
20
8
40,0
3
52
19
36,5
4
102
51
50,0
5
220
106
48,2
6
169
84
49,7
7
113
46
40,7
8
74
34
45,9
9
106
39
36,8
10
110
42
38,2
11
92
33
35,9
12
29
2
6,9
13-17
25
2
8,0
Summe
1.252
470
37,5
Tabelle 2: Altersaufgliederung der Patienten mit Influenza-
virus-Nachweis (mittels PCR)
Altersgruppen
Sachsen
0 - < 1
10
=
2,1 %
1 - < 7
155
=
33,0 %
7 - < 17
136
=
29,0 %
17 - < 60
151
=
32,1 %
60
18
=
3,8 %
Gesamt
470
Abbildung 2:
Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen
0
5
10
15
20
25
30
35
0 < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
Influenzavirus-Nachweise (%)
Altersgruppe

6 │
- < 60 Jahre) wurden 32,1 % aller Fälle registriert. Nur 3,8 % der
Erkrankungen traten bei Senioren (≥ 60 Jahre) auf. Der Hoch-
risikogruppe der unter 1-Jährigen ließen sich 2,1 % der Fälle
zuordnen (Tabelle 2 und Abbildung 2).
Somit wurden mit 64,1 % annähernd zwei Drittel aller Nach-
weise innerhalb des Sentinels 2019/2020 bei Kindern und Ju-
gendlichen (< 17 Jahren) geführt, in der Vorsaison stellte diese
Altersgruppe nur die Hälfte aller Fälle. Im Vergleich zur Vor-
saison erfolgten vor allem deutlich mehr Nachweise in der Al-
tersgruppe der Klein- und Vorschulkinder (+ 4,2 %) sowie der
Schulkinder und Jugendlichen (+ 8,8 %) und sehr viel weniger
Nachweise bei Senioren (≥ 60 Jahre, -14,3 %).
Die diesjährige Influenzawelle begann in Sachsen in der 3. KW
2020, erreichte ihren plateauartigen Gipfel ab der 5. bis ein-
schließlich der 11. KW 2020 und endete nach der 12. Woche
2020. Die durchschnittliche Positivenrate betrug 37,5 % und
befand sich damit im erwarteten Bereich (Tabellen 1 und 3 so-
wie Abbildung 1).
In Sachsen wurden in der Saison 2019/2020 innerhalb des ÖGD-
Sentinels 450 Influenza A- sowie 20 Influenza B-Infektionen
nachgewiesen. 184 der 435 mittels PCR typisierbaren Influenza
A-Viren ließen sich dem Subtyp A(H1N1)pdm09 und 251 dem
Subtyp A(H3N2) zuordnen, bei 15 Influenza A-Viren (3,6 %) ge-
lang keine Subtypisierung.
In der aktuellen Berichtssaison waren demzufolge innerhalb des
sächsischen Sentinels 95,7 % der Influenza-Infektionen durch
Influenza A und 4,3 % durch Influenza B bedingt. Unter den
subtypisierten Influenza A-Viren rangierte Influenza A(H3N2)
mit 55,8 % vor Influenza A(H1N1)pdm09 mit 40,9 %.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Ergebnissen sind im
Teil 2 – Influenza-Sentinel/mikrobiologischer Teil aufgeführt.
Mit insgesamt 1.252 Einsendungen während des Sentinelzeit-
raumes (40. KW 2019 – 17. KW 2020) wurde in den LUA-Labo-
ratorien eine niedrigere Anzahl von Proben untersucht als in den
Vorjahren. Mit 470 positiven Proben wurden in der Berichts-
saison 2019/2020 auch etwa ein Drittel weniger Influenza-
Nachweise als 2018/2019 geführt. Die Abnahme von Proben-
einsendungen und Nachweisen war sicherlich vor allem durch
die Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung der
COVID-19-Pandemie begründet. Insbesondere die Schließungen
von Schulen und Kindereinrichtungen ab der 13. KW 2020 führ-
ten maßgeblich zu einem schnellen und starken Rückgang der
Infektionszahlen. Die Positivenrate, das heißt der Prozentsatz,
der den Anteil der Sentinelproben darstellt, in denen Influenza-
viren nachgewiesen wurden, lag mit 37,5 % verglichen mit den
Vorjahren im durchschnittlichen Bereich.
Tabelle 3 liefert einen Überblick über die Sentinel-Erhebungen
seit 1999 hinsichtlich Anzahl der Probeneinsendungen und
Nachweise, der Positivenraten sowie der Influenzavirus-Typen
und -Subtypen.
Tabelle 3: In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirus-Nachweise, Saison 1999/2000 bis 2019/2020
Saison
Anzahl
Probeneinsen-
dungen
Anzahl
positive Proben
Positivenrate
(%)
Anzahl
Proben mit
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben mit
Nachweis
Infl. B
2019/2020
1.252
470
37,5
450
184
1)
-
251
20
2018/2019
1.568
618
39,4
618
373
1)
-
216
-
2017/2018
2.377
1.242
52,3
338
1)
308
1)
-
22
908
2016/2017
1.529
653
42,7
639
1)
-
594
14
2015/2016
1.332
488
36,6
187
176
1)
-
10
302
2014/2015
1.358
468
34,5
441
66
1)
-
363
27
2013/2014
323
29
9,0
28
4
1)
-
24
1
2012/2013
1.785
895
50,1
692
399
1)
-
287
202
2011/2012
436
101
23,2
76
5
1)
-
69
25
2010/2011
1.267
524
41,4
310
309
1)
-
1
214
2009/2010
2.364
920
38,9
920
917
1)
-
-
-
2008/2009
2.296
826
36,0
679
8
-
369
149
2007/2008
1.629
449
27,6
190
188
-
2
259
2006/2007
2.088
733
35,1
732
16
-
290
1
2005/2006
1.183
181
15,3
48
11
-
36
133
2004/2005
4.310
1.922
44,6
1.192
110
-
194
748
2003/2004
1.628
482
29,6
482
-
-
482
-
2002/2003
3.588
1.195
33,3
1.088
1
1
1.086
110
2001/2002
1.239
411
33,2
174
-
3
171
241
2000/2001
1.379
401
29,1
397
396
-
1
4
1999/2000
1.854
411
22,2
411
-
-
411
-
1)
Subtyp A(H1N1)pdm09

│7
1.2 Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutz-
gesetz (IfSG)
Zusätzlich zu den in den Laboratorien der LUA Sachsen und im
Rahmen des Influenza-Sentinels identifizierten Influenzaviren
wurden im Verlauf der Saison natürlich auch in anderen ent-
sprechenden Einrichtungen Influenza-Erkrankungen labordiag-
nostisch bestätigt, gemäß IfSG an die zuständigen Gesundheits-
ämter gemeldet und von diesen an die LUA Sachsen übermittelt.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2019 bis einschließlich der
17. KW 2020 im Freistaat Sachsen 20.641 Influenza-Erkrankun-
gen meldetechnisch erfasst.
Damit wurden in der Saison 2019/2020 insgesamt 2.000 Fäl-
le weniger als in der Saison zuvor registriert. Die Berichtssai-
son 2019/2020 rangiert bezüglich der übermittelten Fallzahl
nach der Rekordsaison 2017/2018 mit 47.765 Erkrankungen
und der Vorsaison 2018/2019 mit 22.642 gemeldeten Fällen
auf dem dritten Platz.
In den Saisons zuvor waren jeweils nur
maximal 10.000 bis 16.000 Influenza-Fälle übermittelt worden.
Die Dunkelziffer liegt sicherlich noch um einiges höher, da nicht
jeder Erkrankte den Arzt aufsucht und dieser dann auch nicht
bei allen Patienten eine Laboruntersuchung veranlasst. Aller-
dings kann davon ausgegangen werden, dass der Anteil der La-
boruntersuchungen und damit auch der Meldungen in den letz-
ten Jahren zugenommen hat und dies zu den hohen Fallzahlen
der vergangenen Jahre beigetragen hat, während die Dunkel-
ziffer abgenommen haben dürfte. Demzufolge kann 2019/2020
von einer im Vergleich noch moderaten Influenza-Saison ge-
sprochen werden.
Die in der Saison 2019/2020 von den sächsischen Gesundheits-
ämtern übermittelten Influenza-Nachweise gliedern sich auf in
19.426 Influenza A- (darunter 1.582 x als Influenza A(H1N1)
pdm09 und 407 x als Influenza A(H3N2) diagnostiziert), 1.059
Influenza B- sowie 156 nicht typisierte Influenzavirus-Nach-
weise. Ab der 4. KW bis einschließlich der 12. KW 2020 kamen
in Sachsen wöchentlich über 1.000 Influenza-Erkrankungen zur
Meldung. Während des Gipfels der diesjährigen Grippewelle, der
aufgrund seiner mehrwöchigen Dauer von der 5. bis zur 11. KW
2020 eher als Plateau zu beschreiben ist, wurden pro Woche
sogar fast 2.000 bis an die 3.000 Fälle registriert (Abbildung 3).
Während der Saison 2019/2020 traten 45 % aller gemeldeten
Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen (≤ 19 Jahre) auf. In
der Vorsaison wurde nur ein Drittel der Erkrankungen in dieser
Altersgruppe verzeichnet. 16 % der Erkrankungen, und damit
ein ähnlicher Anteil wie in der Vorsaison, wurden bei Kleinkin-
dern (1-4 Jahre) registriert. Die Altersgruppe der 5- bis 9-jähri-
gen Grundschüler trug 2019/2020 mit insgesamt 15 % der Fälle
jedoch eine deutlich höhere Erkrankungslast als in den Vor-
jahren. 8 % der gemeldeten Erkrankungen wurden bei 10- bis
14-Jährigen sowie 5 % bei 15- bis 19-Jährigen diagnostiziert.
Die Hochrisikogruppe der Säuglinge (< 1 Jahr) stellte 1 % der
Fälle. Ähnlich wie in den beiden Vorsaisons erkrankten auch vie-
le Erwachsene im berufstätigen Alter. 48 %, also annähernd die
Hälfte, aller während der Saison 2019/2020 gemeldeten Erkran-
kungen, betrafen Patienten im Alter zwischen 20 und 64 Jah-
ren. In nur 7 % der Fälle waren Senioren (≥ 65 Jahre) erkrankt
(Abbildung 4).
Laut Datenübermittlung der sächsischen Gesundheitsämter
mussten in der Saison 2019/2020 insgesamt 11 % der an In-
fluenza Erkrankten im Krankenhaus behandelt werden (Abbil-
dung 5). Besonders hoch waren die Hospitalisierungsraten wie
zu erwarten in den Altersgruppen der Säuglinge mit 33 % und
vor allem der Senioren (≥ 70 Jahre) mit 44 %. Allerdings erfolgte
nur in 68 % der Fälle hierzu eine Dateneingabe, das heißt bei
32 % aller Erkrankten wurde nicht übermittelt, ob eine Hospita-
lisierung erfolgte oder nicht. Der Anteil der hospitalisierten Pa-
tienten hatte in den Vorsaisons zwischen 9 und 14 % betragen.
Hier ist jedoch eher von einer Untererfassung und Dunkelziffer
an Hospitalisierten auszugehen. Gerade während ausgepräg-
ten Influenza-Epidemien führen stark zunehmende und extrem
hohe Zahlen von Erkrankungsmeldungen dazu, dass die Gesund-
Abbildung 3:
Influenza 2019/2020 in Sachsen, gemeldete Influenza-Nachweise nach IfSG, 40. KW 2019 – 17. KW 2020
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
40 42 44 46 48 50 52
2
4
6
8
10 12 14 16
Anzahl
2019
Meldewoche
2020
Infl. A
Infl. A (H1N1)pdm09
Infl. A (H3N2)
Infl. B
Infl. A/B nicht diff.

8 │
heitsämter weniger Einzelfallermittlungen durchführen können.
Infolgedessen sind auch die Hospitalisierungsraten auf Grund
lückenhafter Dateneingaben nicht abschließend zu bewerten.
Auch eine Aussage zu Impfdurchbrüchen ist nur eingeschränkt
möglich. Bei jeweils über 2.000 neuen Influenza-Meldungen in
der Woche im Zeitraum ab der 5. bis einschließlich der 11. KW
2020 waren die sächsischen Gesundheitsämter außer Stande,
entsprechende Einzelfallermittlungen zum Impfstatus durch-
zuführen. Laut Dateneingabe - und die erfolgte nur in 39 %
aller Fälle - waren im Mindestabstand von 14 Tagen vor Erkran-
kungsbeginn gegen Influenza geimpft insgesamt 2,7 % der in
Sachsen während der Saison 2019/2020 an Influenza Erkrank-
ten. Allerdings könnte diesbezüglich eine Untererfassung auf
Grund der erwähnten lückenhaften Ermittlung und Datenein-
gabe vorliegen.
Todesfälle:
Im Freistaat Sachsen verstarben in der Saison
2019/2020 insgesamt 59 Patienten nachweislich an Influenza.
Die bisher meisten Todesfälle (seit IfSG-Einführung) wurden in
der Saison 2017/2018 registriert. Damals erlagen 176 Men-
schen einer Virusgrippe (Abbildung 6). Die in der Berichtssaison
2019/2020 betroffenen Erwachsenen (26 Frauen und 33 Män-
ner) waren zwischen 20 und 96 Jahre alt. Der Altersmedian der
Verstorbenen lag bei 81 Jahren und war damit etwas höher als
in der Vorsaison 2018/2019, in der er 78,5 Jahre betragen hatte.
Einer Influenza A erlagen 56, einer Influenza B zwei Patienten.
Ein Patient verstarb an nicht typisierter Influenza. Bei sieben
der Verstorbenen war eine zeitgerechte saisonale Influenza-
Impfung dokumentiert.
Die regionale Verteilung der in der Saison 2019/2020 in Sach-
sen gemeldeten Todesfälle an Influenza stellt sich wie folgt dar:
Der Landkreis (LK) Zwickau übermittelte zwölf, der Stadtkreis
(SK) Dresden elf und der LK Erzgebirgskreis zehn Fälle. Aus dem
LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erfolgte die Meldung von
sechs, aus dem SK Chemnitz sowie dem LK Mittelsachsen von
jeweils fünf und aus dem LK Görlitz von vier Fällen. Jeweils zwei
Fälle wurden im SK Leipzig sowie in den Landkreisen Bautzen
und Vogtlandkreis registriert.
Erkrankungshäufungen:
In der Berichtssaison 2019/2020 wur-
den in Sachsen insgesamt 84 Influenza-Ausbruchsgeschehen
und damit deutlich weniger Erkrankungshäufungen wie in der
Vorsaison (n = 112) gemeldet, wobei gerade auch hier jeweils
von einer erheblichen Untererfassung und somit hohen Dun-
kelziffer auszugehen ist. Zwei Drittel der Ausbrüche wurde aus
Kindertagesstätten und Schulen (n = 56, 67 %) übermittelt. 20,
also ein knappes Viertel, der Erkrankungshäufungen wurde in
stationären Einrichtungen registriert. Aus Altenheimen bzw.
sonstigen Betreuungs- oder Wohnstätten erfolgten jeweils 4 (5
%) der Meldungen von Erkrankungsgeschehen (Abbildung 7).
Territoriale Verteilung:
Anhand Abbildung 8 wird ersichtlich,
dass die Influenza-Nachweisraten in den sächsischen Stadt-
und Landkreisen ähnlich hoch waren, also die Regionen Sach-
sens gleichermaßen betroffen waren. Die meisten Erkrankungs-
meldungen bezogen auf die Einwohnerzahl erfolgten aus dem
Erzgebirgskreis, einem Landkreis, in dem die Surveillance res-
piratorischer Erkrankungen einen hohen Stellenwert einnimmt.
So stellt der Erzgebirgskreis zum Beispiel auch ein Viertel aller
im Rahmen des Sächsischen Influenza-Sentinels einsendenden
Arztpraxen.
0
250
500
750
1.000
1.250
1.500
1.750
2.000
2.250
40 42 44 46 48 50 52
2
4
6
8
10 12 14 16
Anzahl
Meldewochen
Fälle mit Angaben zur Hospitalisation
Hospitalisierte
Abbildung 5:
Influenza 2019/2020 in Sachsen, Gemeldete Fälle und Hospita-
lisierungen, Meldedaten nach IFSG, 40. KW 2019 -17. KW 2020
67%
24%
5%
5%
Kita / Schule
Stationäre Einrichtungen
Altenheime
Betreuungs-/Wohnstätten
Abbildung 7:
Influenza-Ausbrüche in verschiedenen Einrichtungen in Sach-
sen, Meldedaten nach IFSG, 40. KW 2019-17. KW 2020
Abbildung 4:
Influenza 2019/2020 in Sachsen, Altersverteilung,
Meldedaten nach IFSG, 40. KW 2019 -17. KW 2020
1%
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
0 < 1
1 - 4
5 - 9
10 - 14
15 - 19
20 - 24
25 - 44
45 - 64 65 u. älter
Fallzahl
Alter
39%
8%
45%
7%
Abbildung 6:
Influenza in Sachsen, Saison 2009/2010 bis 2019/2020
Meldedaten nach IfSG, 40. KW 2019 – 17. KW 2020
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
40.000
45.000
50.000
Influenza-Todesfälle
Influenzavirus-Nachweise
Saison
Gemeldete Todesfälle
Gemeldete Fälle

│9
1.3 Influenza-Saison 2018/2019 innerhalb Europas
Während der Influenza-Saison berichten das European Centre
for Disease Prevention and Control (ECDC) mit seinem Influen-
za-Netzwerk EISN und die WHO Region Europa wöchentlich in
einem gemeinsamen Bericht über die Influenza-Situation in Eu-
ropa. Alle Länder melden ihre Daten über die ECDC-Datenplatt-
form TESSy (The European Surveillance System). Die Ergebnisse
werden im Internet veröffentlicht.
In den ersten Wochen der Influenza-Saison 2019/2020 befand
sich die Influenza-Aktivität generell auf einem für die Jahreszeit
üblichen niedrigen Niveau. Alle europäischen Länder berichteten
über eine geringe klinische Influenza-Aktivität (niedrigster Wert
der Aktivitätseinstufung). Innerhalb der europäischen Sentinel-
systeme wurden nur vereinzelt Influenza-Nachweise geführt.
Ab der 47. KW 2019 meldeten erste Länder im Norden und Wes-
ten Europas lokal bzw. regional gehäuft auftretende Influenza-
Erkrankungen. So wurde aus Spanien, Schweden, Norwegen,
Lettland und Estland über lokale, aus Portugal, England und
Schottland bereits über verbreitete Influenza-Aktivität berich-
tet.
In der 48. KW 2019 berichtete das ECDC, dass die Influenzavi-
rus-Nachweise in den Sentinelproben in der zweiten Woche in
Folge 10 % überstiegen, was den Beginn der Influenzawelle auf
europäischer Ebene ab der 47. KW 2019 markierte.
Die ersten beiden Länder Europas, in denen mittlere Influenza-
Aktivität verzeichnete wurde, waren Nordirland (KW 48/2019)
und Georgien (KW 49/2019). Bis zum Jahresende übermittelten
Schottland, Frankreich und Israel ebenfalls mittlere Influenza-
Aktivität, während in den übrigen europäischen Ländern noch
niedrige Werte registriert wurden.
Israel war das erste Land, in dem ab der 1. KW 2020 hohe In-
fluenza-Aktivität beobachtet wurde, in der 2. KW 2020 schloss
sich die Türkei an. Neben Georgien meldeten auch Irland, Wales,
Lettland, Griechenland und Nordmazedonien nun mittlere Ak-
tivität.
Die Influenza-Positivenrate der europäischen Sentinelsysteme
stieg bis zur 52. KW 2019 auf 45 %.
Ab der 3. KW 2020 wurde zudem aus der Schweiz, Österreich,
Slowenien und Albanien, ab der 4. KW 2020 auch aus anderen,
vor allem im Süden Europas liegenden Ländern mittlere Aktivität
berichtet. Außerdem übermittelten Bulgarien und Luxemburg
neben der Türkei nun hohe und Slowenien bereits sehr hohe
Influenza-Aktivität.
Deutschland verzeichnete erst ab der 5. KW 2020 moderate
Influenza-Aktivität. Im Gegensatz zu Israel, Kosovo, der Türkei,
Bulgarien, Rumänien, Österreich, Serbien und Nord-Mazedo-
nien, Armenien und Bosnien-Herzegowina, die zeitweise über
hohe, sowie Albanien, Griechenland, Luxemburg und Slowenien,
die sogar über zum Teil sehr hohe Influenza-Aktivität berichte-
ten. Ab der 9. KW 2020 war ein Rückgang der Grippeaktivität
festzustellen. Irland (bis zur 13. KW 2020) und Luxemburg (bis
zu 15. KW 2020) waren die letzten Länder, in denen hohe Wer-
te verzeichnet wurden. In der folgenden Woche berichtete nur
noch Aserbaidschan über mittlere Influenza-Aktivität, die ab der
17. KW 2020 dann auch dort nicht mehr zu beobachten war.
Die Influenzawelle der Saison 2019/2020 begann innerhalb Eu-
ropas in der 47. KW 2019 und damit früher als in den Vorjahren.
Der Gipfel der europäischen Influenzawelle, währenddessen Po-
sitivenraten von über 50 % erreicht wurden, lag in der 5. und
6. KW 2020 und war damit kürzer als in den Vorjahren, in denen
jeweils über sechs Wochen hinweg Positivenraten über 50 %
erzielt wurden. Zu berücksichtigen sind hierbei allerdings die
Effekte, die die COVID-19-Pandemie durch getroffene Maßnah-
men und veränderte Berichterstattung der beteiligten Länder
nach sich gezogen hat.
Die Grippewelle 2019/2020 breitete sich tendenziell vom Wes-
ten und Norden in den Süden und Osten Europas aus, wobei wie
schon in der Vorsaison vor allem Länder im Süden und Südosten
von einer ausgeprägten Erkrankungswelle betroffen waren.
65 % der Influenza-Fälle innerhalb Europas waren durch In-
fluenza A und 35 % durch Influenza B bedingt. Der Subtyp
A(H1N1)pdm09 dominierte europaweit mit 59 % vor dem Sub-
typ A(H3N2) mit 41 %. 99 % der weiter untersuchten Influenza
B-Viren konnten der Victoria-Linie zugeordnet werden.
1.4 Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften (Sächsi-
sches Influenza-Sentinel)
Zu 1.080 der insgesamt untersuchten 1.252 Einsendungen
(86,3 %) liegen Angaben zum Impfstatus vor. Somit wurde bei
172 (13,7 %) der Untersuchten anlässlich der Probenahme leider
kein Impfstatus erhoben. Auch in den vorangehenden Saisons
erfolgte bei zwischen 12,5 % bis maximal 28,5 % der Proben-
einsendungen keine Influenza-Impfanamnese oder zumindest
keine Eintragung derselben auf dem Probenbegleitschein. Das
Ziel einer lückenlosen Erfassung der Impfanamnese war bislang
bedauerlicherweise nicht erreichbar. Laut Impfanamnese aktuell
gegen Influenza geimpft waren insgesamt 168 (13,4 %) der Pa-
tienten, von denen Proben eingegangen waren, 912 Probanden
(72,8 %) waren anamnestisch gegen Influenza ungeimpft.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkrankung und Impfung
wird die Anzahl von 1.080 Probanden bzw. von 431 Positiv-
Nachweisen mit erhobenem aktuellen Impfstatus Influenza be-
treffend (geimpft oder ungeimpft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Grippe-Impfung erkrankten 41 Probanden un-
seres Sentinels an Influenza.
Der Anteil geimpfter Personen an
allen mit Influenzavirus-Nachweis (= Influenza-Positive) be-
trug insgesamt 9,5 %
(Anteil Ungeimpfter: 90,5 %). Damit war
er deutlich niedriger als in den drei Saisons zuvor (Abbildung 9).
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften in der Gesamtgrup-
pe der Influenza-Positiven lag insgesamt bei 1:9,5; das heißt
unter den Erkrankten waren an die 10-mal so viele Unge-
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
550
600
650
700
LK Meißen
LK Nordsachsen
SK Dresden
LK Görlitz
LK Sächs. Schw.-O.
LK Bautzen
LK Vogtlandkreis
LK Leipzig
LK Zwickau
SK Leipzig
LK Mittelsachsen
SK Chemnitz
LK Erzgebirgskreis
Nachweise pro 100.000 Einwohner
Abbildung 8:
Influenza 2019/2020 in Sachsen, Verteilung nach Stadt- und
Landkreisen, Meldedaten nach IFSG, 40. KW 2019 - 17. KW 2020

10 │
aufgebaut wird als gegen Influenza A(H3N2), ist regelmäßig
zu beobachten, wobei in der Regel deutlichere Unterschiede
auffallen. In der Vorsaison 2018/2019 waren im sächsischen
Sentinel 7-mal so viele Ungeimpfte wie Geimpfte an Influenza
A(H1N1)pdm09 und 3-mal so viele Ungeimpfte wie Geimpfte an
Influenza A(H3N2) erkrankt.
Die „Ungeimpftenrate“ gibt die Verringerung der Erkrankungs-
rate an Influenza bei Geimpften gegenüber den Ungeimpften
an. Sie errechnet sich aus der Erkrankungsrate der Ungeimpf-
ten mit Influenzavirus-Nachweis abzüglich der Erkrankungsrate
der Geimpften mit Influenzavirus-Nachweis dividiert durch die
Erkrankungsrate der Ungeimpften mit Influenzavirus-Nachweis.
In der Saison 2019/2020 betrug die Ungeimpftenrate für den
dominierenden Virustyp Influenza A 89 %. Auch bezüglich der
Ungeimpftenrate divergierten die beiden A-Subtypen in der
Saison 2019/2020 im Vergleich zu Vorjahren nur unerheblich.
Für Influenza A(H1N1)pdm09 konnte eine Ungeimpftenrate
von 90 % erhoben werden, bei Influenza A(H3N2) gelang durch
die Schutzimpfung eine Verringerung der Erkrankungsrate um
88 %. Dies stellt verglichen mit der Vorsaison 2018/2019, in
der durch die Impfung eine Reduzierung der Erkrankungsrate an
Influenza A(H3N2) um „nur“ 68 % erzielt werden konnte, eine
deutliche Verbesserung dar.
Dir durchschnittliche
Ungeimpftenrate
für
Influenza
A
von 89 %
demonstriert auch in dieser Saison deutlich die
Schutzwirkung der saisonalen Grippeimpfung. Zum Vergleich: in
anderen Berichtsjahren lag diese zwischen 78 und sogar 99 %
(2009/2010). Vergleicht man die Ungeimpftenrate der Saison
2019/2020 nach Virustypen so rangiert die Schutzwirkung
der Influenza A(H1N1)pdm09-Impfstoffkomponente mit 90 %
knapp vor Influenza A(H3N2) mit 88 %.
Betrachtet man die Altersgruppenverteilung der in der Saison
2019/2020 trotz Impfung erkrankten 41 Probanden innerhalb
des sächsischen Sentinels, so handelte es sich in zwei Dritteln
der Fälle um Erwachsene zwischen 17 und 59 Jahren (n = 27,
66 %). Außerdem erkrankten sieben (17 %) Patienten, die 60
Jahre und älter waren, drei Klein- und Vorschulkinder (7 %, 1-6
Jahre) sowie vier Kinder und Jugendliche (10 %, 7-16 Jahre)
trotz saisonalem Impfschutz.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Annett Friedrich
Siglinde Liedig
impfte wie Geimpfte
. Während für Geimpfte eine auf die Anzahl
der Probeneinsendungen (mit Impfstatus-Angabe) bezogene Er-
krankungsrate von 3,8 % (Relation 41 positive Geimpfte / 1.080
Proben mit bekanntem Impfstatus) ermittelt werden konnte,
betrug diese bei Ungeimpften insgesamt 36,1 % (Relation 390
positive Ungeimpfte / 1.080 Proben mit bekanntem Impfstatus).
Die Erkrankungsraten bei Geimpften waren niedriger, bei Unge-
impften etwas höher als in der Vorsaison.
Auf Grund der Probenanzahl und der Kozirkulation dreier In-
fluenzaviren bietet sich in der Saison 2019/2020 zudem eine
Betrachtung der Impfdurchbrüche nach den verschiedenen In-
fluenzavirus-Typen bzw. -Subtypen an.
Bei 415 von 450 nachweislich an Influenza A erkrankten Pro-
banden war der Impfstatus bekannt. Sie gliedern sich auf in 41
Geimpfte und 374 Ungeimpfte. Demzufolge waren unter allen
Influenza A-Positiven, von denen der Impfstatus bekannt war,
9,9 % geimpft und 90,1 % ungeimpft. Eine weitere Aufgliede-
rung nach den Subtypen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) ergibt
folgendes Bild: Bei 171 der 184 Patienten mit A(H1N1)pdm09-
Nachweis wurde ein Impfstatus erhoben, 16 (9,4 %) von diesen
waren geimpft und 155 (90,6 %) nicht. Bei 230 der 251 an In-
fluenza A(H3N2) Erkrankten lagen Angaben zum Impfstatus vor.
25 (10,9 %) der Personen waren geimpft, 205 (89,1 %) hingegen
nicht.
Definitive Angaben zum Impfstatus erfolgten bei 16 der 20 In-
fluenza B-Positiven. In dieser Gruppe befanden sich allerdings
nur ungeimpfte Probanden, das heißt alle Influenza B-Positiven
des Sentinels in der Saison 2019/2020 waren ungeimpft. Dem-
zufolge erübrigen sich weitergehende Auswertungen bezüglich
Influenza B.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften ergab bei den In-
fluenza A-Positiven 1:9,1. Das heißt unter den an Influenza A-
Erkrankten waren 9-mal so viele Ungeimpfte wie Geimpfte. Die
beiden Influenza A-Subtypen unterscheiden sich im Vergleich
zu Vorjahren nur wenig: Das Verhältnis von Geimpften zu Un-
geimpften zeigte bei Influenza A(H1N1)pdm09 die Relation
von 1:9,7, das heißt unter den an Influenza AH(1N1)pdm09-
Erkrankten waren ungefähr 10-mal so viele Ungeimpfte wie
Geimpfte. Bezüglich Influenza A(H3N2) errechnete sich eine
Relation von 1:8,2. Dementsprechend befanden sich in dieser
Gruppe gut 8-mal so viele Ungeimpfte wie Geimpfte. Dass nach
Impfung ein besserer Schutz gegen Influenza A(H1N1)pdm09
Abbildung 9:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenzavi-
rus-Nachweis, Saison 2006/2007 bis 2019/2020, Sächsisches
Influenza-Sentinel
13
7
11
1
6
18
9
8
18
10
19
15
16
10
87
93
89
99
94
82
91
92
82
90
81
85
84
90
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Ungeimpfte
Geimpfte

│11
2.1 Virologische Diagnostik im Rahmen des Influenza-
Sentinels
Während des Sentinels wurden Rachen- und/oder Nasenabstri-
che zur Diagnostik eingesendet. Zuerst wurde eine Real time-
PCR zum Nachweis von Influenza A- und Influenza B-Viren
durchgeführt. Bei einem Positivnachweis erfolgte anschließend
die Subtypisierung der Influenza A-Viren, ebenfalls mittels Real
time-PCR. Durch die Amplifikation spezifischer Abschnitte des
Hämagglutinin- (HA-) und Neuraminidase- (NA-)Gens konnte
zwischen den in der vergangenen Saison in der menschlichen
Population zirkulierenden Subtypen A(H3N2) und A(H1N1)
pdm09 unterschieden werden. Eine Differenzierung zwischen
den beiden Influenza B-Linien Victoria und Yamagata wurde an
der LUA Sachsen nicht durchgeführt. Mit ausgewählten, PCR-
positiv getesteten Proben erfolgten Anzuchtversuche mittels
Zellkultur unter Verwendung von Hundenierenzellen (
Madin
Darby Canine Kidney
-(MDCK-)Zellen). Eine erfolgreiche Virus-
vermehrung wurde entweder durch einen positiven Hämagglu-
tinationstest (HAT) oder durch einen sichtbaren cytopathischen
Effekt (CPE) nachgewiesen. Nach erfolgreicher Anzucht wurde
eine definierte Auswahl der Isolate zur Feintypisierung an das
Nationale Referenzzentrum (NRZ) für Influenza in Berlin wei-
tergeleitet.
2.2 Ergebnisse des Sentinels von Oktober 2019 bis April
2020
Während des Sentinels wurden von der 40. KW 2019 bis zur
17. KW 2020 insgesamt 1.252 Patientenproben untersucht. Die
meisten Proben (67 %) wurden von Sentinelpraxen eingesendet,
ca. ein Viertel (29 %) von Krankenhäusern und ca. 5 % direkt
von Gesundheitsämtern (Tabelle 1). Territoriale Unterschiede
wurden bei der Zahl der Einsender sowie der Anzahl der Einsen-
dungen festgestellt. In der Region Chemnitz war ca. die Hälfte
der 75 Sentinel-Einsender ansässig. Von diesen wurden 59 %
der Proben eingesendet (Tabelle 2). Aus den Regionen Dresden
und Leipzig stammen jeweils ca. 20 % der Proben.
Tabelle 1: Einsenderbezogene Darstellung der Anzahl der
Sentinelproben, der positiven Influenzavirus-Ge-
nomnachweise sowie der ermittelten Positiven-
raten
(= Anzahl positiver Proben/Anzahl eingesandter Proben)
Einsender
Anzahl der
Proben
Anzahl der posi-
tiven Proben mit
Influenzavirus-
Genomnachweisen
Positivenrate
[%]
Sentinel-Arztpraxen
838
387
46,2
Krankenhäuser
357
68
19,0
Gesundheitsämter
57
15
26,3
Gesamt
1.252
470
37,5
Der Anteil Influenzavirus-positiver Genomnachweise im Be-
richtszeitraum 2019/2020 entspricht mit 37,5 % dem des vor-
hergehenden Sentinels und ist vergleichbar mit denen modera-
ter Influenza-Saisons (Positivenraten 35 – 43 %) in den letzten
10 Jahren. Lediglich in den Berichtszeiträumen 2012/2013 und
2017/2018, die sich durch eine hohe Influenza-Aktivität aus-
2 Auswertung des Influenza-Sentinels 2019/2020
im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil
zeichneten, lag der Anteil positiver Genomnachweise deutlich
höher bei 50,1 % bzw. 52,3 % (1).
In den von den Sentinelpraxen eingesandten Proben wurden am
häufigsten Influenzaviren nachgewiesen, die Positivenrate be-
trug hier 46 % (Tabelle 1). Nur in ca. einem Viertel der Proben
von Gesundheitsämtern und ca. einem Fünftel der Proben von
Krankenhäusern fanden sich Influenzaviren.
In der Region Chemnitz wurden die meisten Influenzavirus-
positiven Genomnachweise registriert, die Positivenrate lag bei
43 %. Auch auf Kreisebene wurden im Vergleich zur Region
Dresden (20,7 – 58,6 %) und Leipzig (14,8 – 49,2 %) in der
Region Chemnitz die höchsten Positivenraten (39,1 – 66,7 %;
Ausnahme Vogtlandkreis mit 0 % in der Saison 2019/2020) ver-
zeichnet (Tabelle 2).
Tabelle 2: Regionaler Vergleich der Anzahl der Einsender
und Sentinelproben, der positiven Influenzavirus-
Genomnachweise und ermittelten Positivenraten
Kreis
Anzahl der
Einsender
Anzahl der
Sentinel-
proben
Anzahl positiver
Influenzavirus-
Genomnach-
weise
Positiven-
rate [%]
Region Chemnitz (5 Kreise)
Chemnitz/Stadt
7
109
65
59,6
Erzgebirgskreis
18
593
241
40,6
Mittelsachsen
3
3
2
66,7
Vogtlandkreis
1
5
0
0,0
Zwickau
11
23
9
39,1
Gesamt
40
733
317
43,2
Region Dresden (5 Kreise)
Bautzen
7
150
31
20,7
Dresden/Stadt
-
-
-
-
Görlitz
3
43
9
20,9
Meißen
5
29
17
58,6
Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
4
39
13
33,3
Gesamt
19
261
70
26,8
Region Leipzig (3 Kreise)
Leipzig/Stadt
9
120
59
49,2
Leipzig
6
84
16
19,0
Nordsachsen
1
54
8
14,8
Gesamt
16
258
83
32,2
Gesamtsumme
75
1.252
470
37,5
Im Rahmen des Sentinels 2019/2020 wurden von der 41. KW
2019 bis zur 14. KW 2020 durchgängig Proben zur Influenza-Di-
agnostik eingesendet. Anfang November 2019 (45. KW) wurden
erstmalig Influenzaviren in einer Patientenprobe nachgewie-
sen. Die Zahl der wöchentlichen Einsendungen stieg ab Januar
2020, ausgehend von 19 Proben, stetig an und gipfelte in der
5. KW 2020 mit 220 untersuchten Proben. In der 4. KW bis zur
6. KW 2020 wurden die höchsten Positivenraten des Sentinels
2019/2020 von ca. 50 % ermittelt. Die Zahl der Einsendungen
nahm danach ab und lag in der 7. KW bis zur 11. KW 2020 bei

12 │
Abbildung 1:
Anzahl der eingesandten Proben, Anzahl positiver Genomnachweise von Influenza A-Viren (A(H1N1)pdm09, A(H3N2), nicht typisierbar) und Influ-
enza B-Viren pro Kalenderwoche sowie die Positivenraten, Sächsisches Influenza-Sentinel, 40. KW 2019 – 17. KW 2020
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
60,0
70,0
80,0
90,0
100,0
0
50
100
150
200
250
40/19
41/19
42/19
43/19
44/19
45/19
46/19
47/19
48/19
49/19
50/19
51/19
52/19
01/20
02/20
03/20
04/20
05/20
06/20
07/20
08/20
09/20
10/20
11/20
12/20
13/20
14/20
15/20
16/20
17/20
Positivenrate [%]
Anzahl
Monat/Jahr
Proben-Gesamtzahl
A(H1N1)pdm09
A(H3N2)
A nicht typisierbar
B
Positivenrate
ab KW 5 Durchführung der
SARS-CoV-2-Diagnostik
Abbildung 2:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an den Influenzavirus-Genomnachweisen für die Saisons 2010/2011 bis 2019/2020
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
30
60
90
120
150
180
210
40/10
47/10
02/11
09/11
16/11
45/11
52/11
07/12
14/12
43/12
50/12
05/13
12/13
42/13
49/13
04/14
11/14
40/14
47/14
02/15
09/15
16/15
45/15
52/15
06/16
13/16
42/16
49/16
04/17
11/17
40/17
47/17
02/18
09/18
16/18
45/18
52/18
07/19
14/19
43/19
50/19
05/20
12/20
Positivenrate [%]
Anzahl Influenzavirus-Nachweise
A(H1N1)pdm09
A(H3N2)
A nicht typisierbar
B
Positivenrate

│13
74 bis 110 pro Woche mit Positivenraten von 36 % bis 46 %. Ab
der 13. KW 2020 wurden nur noch vereinzelt Proben im Rahmen
des Influenza-Sentinels eingesendet (Abbildung 1).
Diese Entwicklung geht mit steigenden SARS-CoV-2-Untersu-
chungszahlen an der LUA Sachsen einher. Seit der 5. KW 2020
wurde diese Diagnostik an der LUA Sachsen durchgeführt (Ab-
bildung 1). Während im Februar nur vereinzelt Testungen auf
SARS-CoV-2 erfolgten, stiegen die wöchentlichen Testzahlen
von 100 in der 9. KW auf 670 in 11. KW 2020 und in den Fol-
gewochen auf 1.400 – 4.300. In der 17. KW 2020 gingen 4.067
Probenmaterialien zur Untersuchung auf SARS-CoV-2 ein. Eine
Differenzierung zwischen Influenza-Sentinel-Proben und Pro-
ben, die zur SARS-CoV-2-Diagnostik eingesendet wurden, war
zum Ende des Sentinels nur eingeschränkt möglich. Die Influen-
za-RT-PCR wurde hauptsächlich zur differentialdiagnostischen
Abklärung durchgeführt. Das Robert Koch-Institut vermutet in
den bundesweiten Maßnahmen zur Verringerung der Verbrei-
tung von SARS-CoV-2 einen möglichen Grund für das schnel-
le Abklingen der Influenza-Aktivität und die kürzere Dauer der
Grippewelle (2).
Im Berichtszeitraum dominierten Influenza A-Viren (96 %), wo-
bei der Influenza-A-Subtyp A(H3N2) (53 %) häufiger nachge-
wiesen wurde als A(H1N1)pdm09 (39 %). Im Gegensatz zur Vor-
saison zirkulierten in 2019/2020 zusätzlich Influenza B-Viren
(4 %) (Abbildung 1, 2, 3, 4, Tabelle 3).
In Deutschland war der Unterschied in der prozentualen Vertei-
lung zwischen den beiden Influenza A-Subtypen A(H3N2) und
A(H1N1)pdm09 weniger stark ausgeprägt (45 % gegenüber 41
%), in der WHO-Region Europa dominierte der Subtyp A(H1N1)
pdm09 gegenüber A(H3N2) (56 % gegnüber 44 %). Der Anteil
der Influenza B-Viren an den Gesamtpositiven war sowohl in
den AGI-Regionen in Deutschland mit 14 % als auch in der
WHO-Region Europa mit 27 % höher (3) (4).
In allen Saisons der letzten zehn Jahre zirkulierten Influenza
A-Viren beider Subtypen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) parallel,
allerdings zu unterschiedlichen Anteilen. Alle ein bis zwei Jahre
ändert sich der vorherrschende Subtyp. Während im Sentinel-
zeitraum 2019/2020 56 % der nachgewiesenen Influenza A-Vi-
ren zum Subtyp A(H3N2) und 41 % zum Subtyp A(H1N1)pdm09
zählten, wurden in der Saison 2018/2019 knapp zwei Drittel aller
nachgewiesenen Influenza A-Viren als A(H1N1)pdm09 subtypi-
siert und ein Drittel als A(H3N2). Der Anteil der A(H1N1)pdm09-
Viren an den Influenza A-Virusnachweisen lag in den letzten
zehn Jahren bei 0,2 – 99,7 % und der der A(H3N2)-Viren bei
0,2 – 91 %. Im Gegensatz zum vorhergehenden Sentinel wur-
den im Sentinel 2019/2020 Influenza B-Viren nachgewiesen.
In fünf von zehn Berichtszeiträumen (2013/2014, 2014/2015,
2016/2017, 2018/2019 und 2019/2020) war der Anteil der In-
fluenza B-Viren an den Gesamtpositiv-Nachweisen kleiner als
6 % (Abbildungen 2, 3, 4).
Der Zeitraum erhöhter Probenzahlen und erhöhter Positivenra-
ten ist im Vergleich zu den Vorjahren auffallend verkürzt, was,
wie bereits erwähnt, vermutlich mit den Maßnahmen im Rah-
men der COVID-19-Pandemie zusammenhängt (2).
Für die Virusanzucht wurden 281 der 470 in der PCR positiv ge-
testeten Proben ausgewählt. Mittels HAT und/oder CPE wurde in
218 Zellkulturen eine erfolgreiche Vermehrung von Influenzavi-
ren nachgewiesen. Das entspricht einer Erfolgsrate von 77,6 %.
Zur weiteren Charakterisierung wurden verschiedene Virusisolate
an das NRZ für Influenza gesandt. Von 100 Influenza A-Virusiso-
laten ließen sich mittels Hämagglutionationshemmtest (HHT) 56
dem Subtyp A(H1N1)pdm09 mit der Variante A/Brisbane/2/2018-
like (Impfstamm) zuordnen, 38 der 39 Influenza A(H3N2)-Vi-
rusisolate reagierten mit dem Impfstamm-Referenzserum (A/
Kansas/14/2017-like). Die Typisierung eines A(H3N2)-Virusisola-
tes erfolgte mittels Sequenzierung. Es wurden 3C.2a1b+T131K-
Viren mit dem Referenzstamm South Australia/34/2019 identi-
fiziert (Tabelle 3). Viren dieses Clusters dominierten laut ECDC
in den EU-/EWR-Ländern zusammen mit Viren der Clade 3C.3a,
in die auch das Impfstoffvirus A/Kansas/14/2017 fällt. In den
USA dagegen waren 3C.2a1b+T135K-A- sowie B-Viren vorherr-
schend, die in Deutschland und der WHO-Region Europa zu ei-
nem geringeren Teil nachgewiesen wurden (4).
Tabelle 3: Zusammenfassung der Ergebnisse
Anzahl
Anteil an allen
Nachweisen
Anzahl eingesandter Proben innerhalb des Sentinel-Zeitraumes:
1.252
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der PCR:
470
37,5 %
Anzahl der positiven PCR-Ergebnisse je Typ/Subtyp:
davon:
Influenza A:
450
95,7 %
Influenza A(H1N1)pdm09
184
39,1 %
Influenza A(H3N2)
251
53,4 %
nicht typisierbar
15
3,3 %
davon:
Influenza B
20
4,3 %
Anzahl der Virus-Anzuchtversuche im Sentinel-Zeitraum:
281
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der Virusanzucht:
218
77,6 %
Anzahl der zur
Typisierung ans NRZ
versendeten Proben
110
50,5 %
davon:
Influenza A-Virus:
100
90,9 %
Subtyp A(H1N1)pdm09 mit Variante A/Brisbane/2/2018-like
56
1)
50,9 %
Subtyp A(H3N2)
39
35,5 %
Variante A/Kansas/14/2017-like
38
1)
Variante A/South Australia/34/2019 (Sub-Clade 3C.2a1b+T131K)
1
2)
nicht typisiert
5
4,5 %
davon:
Influenza B-Virus:
10
9,1 %
Victoria-Linie mit Variante B/Colorado/6/2017 v-l-like
10
1)
1) Typisierung mittels Hämagglutinationshemmtest (HHT)
2) Typisierung mittels Sequenzierung

14 │
Alle 10 Influenza B-Virusisolate, die an das NRZ versendet wurden, ließen sich der Victoria-Linie zuordnen. Sie wurden durch ein
Immunserum gegen den Impfstamm B/Colorado/6/2017-like detektiert (Tabelle 3). Unter den Influenza B-Virusisolaten, die von RKI
und ECDC charakterisiert wurden, dominierten ebenfalls Vertreter der Victoria-Linie (jeweils 98 %), Vertreter der Yamagata-Linie
(jeweils 2%) waren nur selten zu finden (3) (4). Fünf Virusisolate konnten am NRZ nicht typisiert werden.
Danksagung
Wir danken dem NRZ für Influenza (Herrm Dr. Ralf Dürrwald und Kollegen) für die Charakterisierung der Influenzavirus-Isolate.
Literatur
1.
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen. ARE-/Influenza-Sentinel im Freistaat Sachsen
(von 2009/2010 bis 2018/2019). 2010-2019
2.
Goerlitz, L., Dürrwald, R., an der Heiden, M., Buchholz, U., Preuß, U., Prahm, K. und Buda, S. Erste Ergebnisse zum Verlauf der
Grippewelle in der Saison 2019/20: Mit 11 Wochen vergleichsweise kürzeste Dauer und eine moderate Anzahl an Influenza-
bedingten Arztbesuchen. Epidem. Bull. 2020, 16: 3–6
3.
Buda, S., Dürrwald, R., Biere, B. et al. Influenza-Wochenberichte der Arbeitsgemeinschaft Influenza. Abrufbar unter
https://influenza.rki.de/Wochenberichte. aspx, 2020
4.
ECDC. Influenza virus characterisation - Summary Europe, April 2020. 2020
Bearbeiter: Dr. med. Ingrid Ehrhard
Dr. rer. nat. Beate Köpke
DB Ursula Reif
Siglinde Liedig
Abbildung 3:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Genomnachweise für die Saisons 2010/2011 bis 2019/2020
59,0
4,9
44,6
13,8
14,0
36,0
0,2
24,7
60,4
39,1
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
2,0
91,0
1,8
34,9
53,4
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
61,8
2,1
72,9
0
4,2
0
20
40
60
80
100
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
2019/20
Prozent
Jahre
A (H1N1)pdm09
A (H3N2)
B
Abbildung 4:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Genomnachweise, beginnend mit der Saison 2009/2010 pro Virustyp
59,0
4,9
44,6
13,8
14,0
36,0
0,2
24,7
60,4
39,1
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
2,0
91,0
1,8
34,9
53,4
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
61,8
2,1
72,9
0
4,2
0
20
40
60
80
100
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
2019/20
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
2019/20
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
2019/20
Prozent
Jahre
A (H1N1v)
B
A (H3N2)

│15
3 Sächsische Impfdatenbank:
Auswertungen zu Influenza-Impfungen
Da keine gesetzliche Meldepflicht über die Durchführung von
Schutzimpfungen besteht, waren bisher Aussagen zu Durch-
impfungsraten nur bei Kindern anhand der vorgeschriebenen
Erhebungen (3-Jährige in Kindertagesstätten, Einschulungsun-
tersuchungen 2. und 6. Klassen) zu treffen. Um Impfraten für
die Gesamtbevölkerung Sachsens angeben und infolgedessen
Impfstrategien entwickeln und verbessern zu können, wurde
seit 2015 eine sächsische Impfdatenbank eingerichtet. Diese
beinhaltet Datenmaterial der seit 2009 über die Kassenärztliche
Vereinigung im Freistaat Sachsen (KVS) abgerechneten Impfun-
gen. Grundlage bildet eine zwischen dem Sächsischen Staats-
ministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
(SMS) und der KVS 2013 geschlossene und 2018 verlängerte
Vereinbarung.
Die Abrechnung der Impfungen von kassenversicherten Patien-
ten erfolgt nach zwei Vereinbarungen zwischen den Kranken-
kassen und der KVS. Die eine behandelt Impfungen, die von der
Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut
empfohlen werden (Pflichtleistungen), die zweite zusätzliche
Impfungen auf Empfehlung der Sächsischen Impfkommission
(SIKO, Satzungsleistungen). Die Datensätze, die von der KVS
an die Impfdatenbank übermittelt werden, enthalten neben
der Abrechnungsziffer das Impfdatum, das Geburtsdatum, ein
Pseudonym der Person und deren Geschlecht. Seit dem Jahr
2016 lässt sich anhand des gelieferten Datenmaterials auch
die Kreiszugehörigkeit der einzelnen Personen nachverfolgen.
Limitierend ist beim Datenbestand, dass erst Impfungen ab
2009 bis einschließlich Ende 2019 vorliegen. In der sächsischen
Impfdatenbank sind nur gesetzlich versicherte Personen erfasst.
Um Impfraten für die Gesamtbevölkerung Sachsens angeben zu
können, erfolgt jeweils eine Hochrechnung unter der Schätzung
von 90 % gesetzlich und 10 % privat Versicherten.
Die jeweils absolute Zahl von durchgeführten Influenza-Imp-
fungen pro Saison (1. September bis 28. Februar des Folgejahres)
seit 2009/2010 sowie die anhand der Bevölkerungszahlen er-
rechneten Impfquoten für den Freistaat Sachsen sind in der Ta-
belle 1 aufgelistet. Insgesamt ergibt sich für die letzte vollstän-
dig auswertbare Saison 2018/2019 eine Impfquote für Sachsen
von 29,3 %, die somit 2 % höher als in der Saison 2017/2018
liegt.
Im Rückblick auf die letzte Influenza-Saison 2018/2019 zeigt
sich für die beiden Monate Januar und Februar 2019 ein ver-
gleichbares Bild zu den Vorjahren. 2,7 % der gesamten Impf-
stoffdosen der Saison sind in diesen beiden Monaten abgerech-
net worden (Vorsaison: 2,9 %).
Für die aktuelle Saison errechnet sich mit Datenstand vom
31.12.2019 eine bisherige Impfquote von 28,2 %. Wie die wei-
tere Entwicklung des Impfgeschehens in den ersten Monaten
des Jahres 2020 vonstatten gegangen ist, kann mit der nächs-
ten Auswertung näher betrachtet werden. Die Einschränkungen
und Maßnahmen im Rahmen der COVID-19-Pandemie und da-
mit einhergehende widersprüchliche Empfehlungen zu Pro und
Contra der Influenza-Impfung können hier einen ausschlagge-
benden Effekt gehabt haben.
Tabelle 1: Influenza-Impfungen und Impfquoten im Frei-
staat Sachsen, Saison 2009/2010 – 2018/2019
Saison
saisonale Impfung
Impfquote in %
2009/2010
1.568.279
41,8
2010/2011
1.221.597
32,7
2011/2012
1.158.009
31,7
2012/2013
1.107.036
30,4
2013/2014
1.103.448
30,3
2014/2015
1.053.828
28,9
2015/2016
1.035.384
28,2
2016/2017
1.015.821
27,7
2017/2018
1.002.535
27,3
2018/2019
1.076.911
29,3
2019/2020*
1.036.756
28,2
*
Stand 31.12.2019
Bei der Betrachtung der Impfungen in den Altersgruppen macht
sich ein grundlegender Unterschied bemerkbar. In allen Alters-
gruppen der unter 80-Jährigen sinkt die Zahl der verabreichten
Impfdosen im Vergleich zur Vorsaison ab. In den höchsten Al-
tersgruppen 80- bis 89-Jähriger und über 90-Jähriger wurden
entgegen dem Trend mehr Influenza-Impfdosen abgerechnet als
in der Vorsaison. Die Impfquote stieg in diesen Altersgruppen
somit bereits mit Datenstand 31.12.2019 von 72,7 % bei den 80
bis 89-Jährigen (76,9 % bei den über 90-Jährigen) auf 75,5 %
(79,5 %). Abbildung 1 stellt diesen Trend anhand ausgewählter
Altersgruppen der über 60-Jährigen im Vergleich zur Influenza-
Impfquote der Gesamtbevölkerung Sachsens dar.
25,5
26
26,5
27
27,5
28
28,5
29
29,5
30
30,5
31
40
45
50
55
60
65
70
75
80
85
Impfquote in %
Influenza-Saison
Impfquote allgemein
ab 60. Lebensjahr bis zum
vollendeten 69. Lebensjahr
ab 70. Lebensjahr bis zum
vollendeten 79. Lebensjahr
ab 80. Lebensjahr bis zum
vollendeten 89. Lebensjahr
ab 90. Lebensjahr
Abbildung 1:
Impfquoten der Altersgruppen der über 60-Jährigen der
Influenza-Saisons 2013/2014 bis 2019/2020 (linke Achse) und
der Gesamtbevölkerung Sachsens (rechte Achse); *Datenstand:
31.12.2019

16 │
Betrachtet man die Impfquoten in den Landkreisen, so zeigen
sich über die Saisons vergleichbare Ergebnisse. Die niedrigsten
Impfquoten finden sich stets in den drei Stadtkreisen Dresden,
Chemnitz und Leipzig sowie im Landkreis Sächsische Schweiz/
Osterzgebirge und dem Erzgebirgskreis. Die größten Schwan-
kungen bei den Impfquoten sind in den Landkreisen Leipzig so-
wie Nordsachsen zu verzeichnen. Hier unterschieden sich mini-
Abbildung 2:
Impfquoten (in %) in den sächsischen Landkreisen in den Saisons 2016/2017 bis
2019/2020; *Datenstand: 31.12.2019
20
22
24
26
28
30
32
34
36
Chemnitz, Stadt
Erzgebirgskreis
Mittelsachsen
Vogtlandkreis
Zwickau
Dresden, Stadt
Görlitz
Bautzen
Meißen
Sächs. Schweiz-
Osterzgebirge
Leipzig, Stadt
Leipzig
Nordsachsen
2016/2017
2017/2018
2018/2019
2019/2020*
Nach Auswertung aller molekularbiologischen, virologischen und
serologischen Befunde im Rahmen der weltweiten Surveillance
in der Influenza-Saison 2019/2020 wurde von der WHO für die
Nordhalbkugel im kommenden Winter (Saison 2020/2021) die
folgende Impfstoffzusammensetzung empfohlen:
]
A/Hawaii/70/2019 (H1N1)pdm09-like virus
]
A/Hong Kong/45/2019(H3N2)-like virus
]
B/Washington/02/2019 -like virus (Victoria-Linie)
Die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffes für die nächs-
te Saison unterscheidet sich somit von der des bei uns in der
Saison 2019/2020 verwendeten Impfstoffes in allen drei Kom-
ponenten. Seit 2001/2002 ist eine Kozirkulation der beiden In-
fluenza B-Linien Victoria und Yamagata zu beobachten. In Kon-
sequenz dieser Situation hat die WHO neben den trivalenten
erstmals (seit Sommer 2013 auf der Südhalbkugel und Winter
2013/2014 auf der Nordhalbkugel) auch tetravalente Influenza-
Impfstoffe empfohlen, die neben Antigenen der beiden Influen-
za A-Virus-Subtypen (H3N2 und (H1N1)pdm09) auch Antige-
ne von Influenza B-Virusstämmen beider Linien (Victoria und
Yamagata) enthalten. Als Vertreter der B-Yamagata-Linie wurde
durch die WHO wie bereits in der Vorsaison
]
B/Phuket/3073/2013-like virus (Yamagata-Linie)
ausgewählt. Hierdurch kann eine bessere Wirksamkeit der Imp-
fung bezüglich Influenza B erzielt werden. Es ist davon auszu-
gehen, dass in Sachsen in der Saison 2020/2021 überwiegend,
wenn nicht sogar ausschließlich tetravalente Impfstoffe ver-
wendet werden.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
4 Influenza-Impfstoff für die Saison 2020/2021
Schlussendlich sei auch in diesem Jahr allen an den verschie-
denen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen, Gesundheits-
ämtern, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen für die
engagierte Mitarbeit, ohne die eine aussagefähige epidemiolo-
gische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt. Im Sinne
der Qualität unseres Sentinels möchten wir Sie für die nächste
Saison wiederum um eine lückenlose Datenerhebung, also das
unbedingt notwendige komplette Ausfüllen der Probenbegleit-
scheine, bitten. Bitte bedenken Sie, dass es sich beim Sentinel
nicht um Routinediagnostik, sondern um ein Surveillance-Pro-
gramm des Öffentlichen Gesundheitsdienstes des Freistaates
Sachsen handelt. Äußerst wichtig für die Bewertung der Wirk-
samkeit der Influenza-Impfung ist insbesondere die lückenlose
Erfassung der Impfanamnese! Sie können damit wesentlich zur
wissenschaftlichen Aussagekraft unseres Sentinels beitragen.
Wir freuen uns auf eine weiterhin effektive Zusammenarbeit in
der kommenden Saison 2020/2021.
Bearbeiter: Alle am Influenza-Sentinel
beteiligten LUA-Mitarbeiter
malste (Saison 2017/2018) und maximalste (Saison 2018/2019)
Impfquote im verfügbaren Datenbestand um 4,1 bzw. 3 Pro-
zentpunkte zwischen den Saisons (Abbildung 2).
Bearbeiter: Dr. Ing. Ekkehard Hennebach
Lydia Sommer

Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden
Redaktion:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Redaktionskollegium:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Dr. rer. nat. Beate Köpke, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1250
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0351/8144-3200
Gestaltung und Satz:
SG IT, LUA Sachsen, Standort Dresden,
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden,
Tel.: 0351/8144-1712
Druck:
alinea Digitaldruck, Chemnitz |
www.alinea24.de
Redaktionsschluss:
30. Juli 2020
Bezug:
Dieses offizielles Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veteri-
närwesen des Freistaates Sachsen wird über Verteilerliste versandt und kann kostenfrei im Internet
abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
und unter
www.publikationen.sachsen.de
Titelbild:
Influenza in Sachsen, Saison 2009/2010 bis 2019/2020 Meldedaten nach IfSG, 40. KW 2019 – 17. KW 2020
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Saison
Gemeldete Fälle