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Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen
01099 Dresden, Jägerstraße 8/10 - Tel. (0351) 8144-0 - Fax (0351) 8144-1020 - Web:
www.lua.sachsen.de
Empfehlungen zur Verhütung und Bekämpfung von
Hepatitis E-Infektionen im Freistaat Sachsen
- Sächsisches Herdbekämpfungsprogramm Hepatitis E -
Stand: Dezember 2020
1
Epidemiologie
1.1
Erreger
Das Hepatitis E-Virus (HEV) ist ein unbehülltes Einzel-Positivstrang-RNA-Virus mit einer
Größe von 27 bis 34 nm aus der Familie Hepeviridae, Gattung Orthohepevirus. Das beim
Menschen vorkommende HEV der Spezies Orthohepevirus A kann in die Genotypen 1 bis
4, die unterschiedliche geografische Verteilung zeigen, eingeteilt werden. Genotyp 1 und
2 kommen nur beim Menschen vor und sind in Asien und Afrika endemisch, in Deutschland
werden sie bei reise-assoziierten HEV-Infektionen nachgewiesen. Die Genotypen 3 und 4
infizieren den Menschen und haben weltweit ein Reservoir in Schweinen, Wildschweinen
und anderen Säugetieren. Bei autochthonen Infektionen in Nord- und Mitteleuropa handelt
es sich in erster Linie um zoonotische Infektionen mit dem Genotyp 3.
Das Virus weist eine hohe Umweltstabilität auf.
1.2
Inkubationszeit
15 bis 64 Tage (im Durchschnitt 40 Tage)
1.3
Übertragung
Die Übertragung erfolgt in Deutschland meist zoonotisch und ist oftmals auf mangelnde
Hygiene bei der Zubereitung oder auf den Genuss von ungenügend gegartem Fleisch bzw.
Innereien infizierter Tiere (z.B. Schweine, Wildschweine) zurückzuführen. Weitere Über-
tragungswege sind fäkal-oral hauptsächlich durch die Aufnahme von kontaminiertem
Trinkwasser besonders in Regionen mit nicht ausreichendem Hygienestandard bedingt.
Bei reiseassoziierten HEV-Infektionen mit Genotyp 1 oder 2 kann auch eine Kontaktüber-
tragung (Schmierinfektion) stattfinden, z. B. unter Haushaltsangehörigen. Eine intrauterine
Übertragung kann beim HEV-Genotyp 1 vor allem im dritten Trimenon vorkommen und ist
mit einer erhöhten Sterblichkeit des Neugeborenen und der Schwangeren verbunden. Die
parenterale Übertragung durch Blutprodukte oder gemeinsam genutztes Spritzenbesteck
bei i. v.-Drogenabhängigen ist möglich. Seit dem 01.01.2020 werden Erythrozyten- sowie
Thrombozyten-Konzentrate und auch Stammzellpräparate aus Nabelschnurblut und ge-
staffelt ab dem 01.01.2021 auch Frischplasmen auf das Vorhandensein von HEV-RNA
getestet.
1.4
Dauer der
Ansteckungsfähigkeit
Ab ein bis zwei Wochen vor Erkrankungsbeginn wird das Virus über die Galle ausgeschie-
den. In Stuhl und Blut treten die höchsten Viruskonzentrationen in der späten Inkubations-
phase bis in die frühe akute Phase auf. Die Virus-Exkretion im Stuhl kann bis zu 4 Wochen
nach Auftreten des Ikterus erfolgen. Im Fall einer chronischen Hepatitis E-Erkrankung wer-
den Erreger vermutlich über den gesamten Zeitraum der Infektion ausgeschieden.
1.5
Immunität
Vermutlich besteht eine Immunität nach durchgemachter Erkrankung über mehrere Jahre
durch das Persistieren von Antikörpern. Ob eine lebenslange Immunität vorliegt, ist nicht
bekannt.
1.6
Vorkommen
In Südost- und Zentralasien, im Mittleren Osten, Afrika und Südamerika kommt die Hepa-
titis E endemisch vor und ist dort eine der häufigsten Virushepatitiden beim Menschen.
Größere Ausbrüche z. B. durch kontaminiertes Trinkwasser werden in diesen Regionen in
der Regel durch die Genotypen 1 und 2 verursacht.

 
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1.6
Vorkommen
(Fortsetzung)
In Deutschland tritt die Hepatitis E hauptsächlich als autochthone Infektion (dann meist als
Zoonose, überwiegend Genotyp 3) auf sowie weniger häufig als reise-assoziierte Erkran-
kung (überwiegend Genotyp 1, seltener 2). Seit einigen Jahren steigt in Deutschland die
Anzahl der gemeldeten HEV-Infektionen an, von 53 Fällen 2004 über 670 Fälle 2014 bis
zu 3.724 Fällen im Jahr 2019. Möglicher Infektionsort war im Jahr 2018 in 83 % der Mel-
dungen Deutschland. In Sachsen kamen 2019 insgesamt 309 Fälle zur Meldung (davon 2
Todesfälle). Die Prävalenz lag mit 7,6 Erkrankungen/100.000 Einwohnern weiter über dem
bundesweiten Mittelwert (4,5 Erkrankungen/100.000 Einwohner). Die Seroprävalenz von
Anti-HEV lag in Deutschland in einer großen Studie von 2012 bei 16,8 %. In einem 2019
veröffentlichten Übersichtsartikel lag der mittlere Prävalenzwert aus unterschiedlichen Un-
tersuchungen bei 8,1 %. Regionale Unterschiede in der Höhe der Prävalenz sind möglich.
Angesichts der im Vergleich niedrigen Meldezahlen und aufgrund des häufig subklinischen
oder unspezifischen Verlaufes ist weiterhin von einer Untererfassung auszugehen.
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung liegt die Durchseuchung mit HEV unter deutschen
Hausschweinen bei 40 bis 50 %, bei Wildschweinen beträgt sie 2 bis 68 %. In einer aktu-
ellen Untersuchung zum Vorkommen von HEV-Virenmaterial in Schweinefleischprodukten
der Universität Tübingen konnte dieses in 10 % der untersuchten Produktproben nachge-
wiesen werden.
1.7
Falldefinition des RKI
Über die zuständige Landesbehörde (Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen Sachsen) werden folgende Fälle an das RKI übermittelt:
-
klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankungen (siehe 3.2)
-
klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankungen (epidemiologischer Zusammenhang
mit einer labordiagnostisch nachgewiesenen Erkrankung bei einem Menschen oder Ver-
zehr eines Lebensmittels, in dem HEV nachgewiesen wurde)
-
labordiagnostisch nachgewiesene Erkrankungen bei nicht erfülltem oder unbekanntem
klinischen Bild
2
Klinik
Die Mehrzahl der Infektionen verläuft asymptomatisch, insbesondere bei Kindern.
Symptomatische Verläufe sind in der Regel gutartig und selbstlimitierend. Dauer: 2 bis 5
Wochen, selten bis 3 Monate.
Typische Symptome bei Erkrankung:
-
allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Fieber
-
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe
-
Ikterus
-
Oberbauchbeschwerden
-
Hepatomegalie, Transaminasen-Erhöhung
-
Juckreiz
-
selten extrahepatische Manifestation (Arthralgien, Vaskulitiden)
Die Letalität liegt mit 0,5 bis 4 % allerdings höher als bei der Hepatitis A (0,2 %). Der
Schweregrad der Erkrankung korreliert wahrscheinlich mit der Infektionsdosis.
Fulminantes Leberversagen kommt in bis zu 3 % der Fälle vor, bei Schwangeren mit Ge-
notyp 1-Infektionen (vor allem im dritten Trimenon) deutlich häufiger, darüber hinaus be-
steht die Gefahr einer Früh- oder Fehlgeburt. Eine HEV-Infektion im dritten Trimenon ver-
läuft in bis zu 20 % der Fälle letal.
Chronische Verläufe wurden sehr selten und bislang nur bei Transplantierten oder stark
immunsupprimierten Personen beobachtet. Aktuelle Forschungsvorhaben zum Thema in
Deutschland laufen derzeit. Das Risiko einer Leberzirrhose oder eines Leberzellkarzinoms
scheint in dieser Gruppe geringer als bei chronischen Virushepatitiden anderer Genese zu
sein.
Bei Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C sowie bei Patienten mit einer Leberzir-
rhose kann eine HEV-Infektion zu einer lebensbedrohlichen Exazerbation führen.
3
Labordiagnostik
Eine sichere Diagnose allein aufgrund des klinischen Bildes ist nicht möglich. Ein labordi-
agnostischer Nachweis oder die epidemiologische Bestätigung sind zwingend.
3.1
Untersuchungsmaterial
-
Serum/Plasma
-
Stuhl
Blutproben für die PCR (Vollblut oder am besten EDTA-Blut) sollten innerhalb von 6 Stun-
den das Labor erreichen.
Stuhlproben sollten innerhalb von 24 Stunden im Labor ankommen. Bei längerer Trans-
portdauer ist Kühlung bei 4-8 °C notwendig. Für die Antikörper-Bestimmung und die PCR-
Diagnostik aus Blut möglichst getrennte Probenröhrchen einsenden.
3.2
Diagnostische
Verfahren
-
direkter Erregernachweis mittels RT-PCR (Reverse Transkriptase-Polymerase-Ketten-
Reaktion) in Serum, Plasma oder Stuhl

 
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3.2
Diagnostische
Verfahren
(Fortsetzung)
-
indirekter serologischer Nachweis im Serum:
1. IgM-Antikörper-Nachweis (z. B. ELISA, Immunoblot) oder
2. deutlicher Anstieg zwischen zwei Proben beim IgG-Antikörper-Nachweis (z. B.
ELISA, Immunoblot)
-
Enzymdiagnostik der Lebertransaminasen (ALAT, ASAT)
Die RT-PCR ist der Goldstandard hinsichtlich Spezifität bei der Diagnose einer akuten
HEV-Infektion. Allerdings sind die vorhandenen HEV-RNA-Mengen im Allgemeinen nied-
rig. Die Sensitivität der HEV-RT-PCR ist daher sehr abhängig vom Zeitpunkt der Materia-
lentnahme im Krankheitsverlauf und von der Einhaltung der Entnahme- und Transportvor-
schriften.
Der Nachweis von HEV-RNA in Blut und im Stuhl durch die PCR ist in der Regel ab ein bis
zwei Wochen vor Krankheitsbeginn bis meist etwa zwei bis zu vier Wochen danach mög-
lich.
Das Auftreten der IgM-Antikörper, die Erhöhung der Transaminasen sowie der Symptom-
beginn fallen zeitlich meist zusammen, auch der IgG-Antikörper-Nachweis ist mit Auftreten
der Symptomatik meist positiv. IgM-Antikörper sind bei 90 % der akut infizierten Patienten
zwischen 1 und 8 Wochen nach Krankheitsbeginn vorhanden. Sie fallen in der Rekonva-
leszenz rasch ab. 2 bis 4 Wochen nach Symptombeginn wird der maximale IgG-Antikörper-
Titer nachgewiesen. IgG-Antikörper scheinen für Jahre zu persistieren.
Für die HEV-Serologie existiert bislang noch kein Goldstandard, die Sensitivitäten und Spe-
zifitäten verschiedener Testkits sind unterschiedlich. Bei der Diagnostik einer akuten HEV-
Infektion sollte daher am besten sowohl die HEV-Antikörper-Bestimmung als auch immer
die HEV-PCR durchgeführt werden. Dies gilt insbesondere, wenn die Betroffenen keine
typischen klinischen Symptome zeigen. Da die Anti-HEV-Serologie bei Immunsupprimier-
ten als unzuverlässig gilt, muss bei dieser Patientengruppe immer eine PCR durchgeführt
werden. Sollte zudem eine antivirale Therapie im Einzelfall durchgeführt werden, ist ein
Monitoring der Viruslast zu empfehlen, um einem zu zeitigen Therapieende und somit der
Gefahr des Wiederaufflammens der Erkrankung vorzubeugen.
4
Therapie
Es erfolgt eine symptomatische Therapie (Bettruhe, fettarme Kost und Alkoholabstinenz).
Die Einnahme von Medikamenten ist immer in Rücksprache mit einem Arzt durchzuführen.
Einige - auch freiverkäufliche - Medikamente besitzen eine potentiell leberzellschädigende
Wirkung (z. B. auch Paracetamol), die den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen
könnte. Im Einzelfall kann bei Immunsupprimierten eine antivirale Medikation (z. B.
Ribavirin) eingesetzt werden. Bei fulminantem Leberversagen ist ggf. eine Lebertransplan-
tation indiziert.
5
Prophylaxe
Seit 2012 gibt es in China einen zugelassenen Hepatitis E-Impfstoff. Aktuell existiert in
Deutschland kein zugelassener Impfstoff und es besteht auch keine allgemeine Impfemp-
fehlung.
Bei Reisen in Endemiegebiete gelten die allgemeinen hygienischen Vorsorgemaßnahmen
zur Prophylaxe der Hepatitis A und E sowie zahlreicher Darmpathogene: Vermeiden unge-
kochter Lebensmittel und Abkochen von potentiell kontaminiertem Trinkwasser.
Zur Vermeidung autochthoner Infektionen sollte beim Zerlegen und Zubereiten von
Schweine- und Wildfleisch auf eine gute Küchenhygiene geachtet und Kreuzkontaminatio-
nen vermieden werden. Fleisch und Innereien der Tiere sollten vor dem Verzehr gut durch-
erhitzt werden (mindestens 71 °C über 20 min).
Kontaktpersonen von Infizierten sollten über Frühsymptome einer Erkrankung aufgeklärt
werden, bei denen sofort ein Arzt aufzusuchen ist.
6
Antiepidemische
Maßnahmen
6.1
Meldepflicht
Namentliche Meldung an das zuständige Gesundheitsamt bei Krankheitsverdacht, Erkran-
kung und Tod nach § 6 Abs. 1 IfSG sowie bei direktem oder indirektem Erregernachweis
nach § 7 Abs. 1 IfSG durch das untersuchende Labor. Erlangt der Leiter einer Gemein-
schaftseinrichtung Kenntnis über die Erkrankung eines Betreuten oder Angestellten, ist er
ebenfalls zur Meldung gegenüber dem Gesundheitsamt verpflichtet.
6.2
Maßnahmen in
Gemeinschaftseinrich-
tungen
Erkrankte und Krankheitsverdächtige:
Tätigkeits- und Besuchsverbot für Beschäftigte und Betreute bis zum Abklingen der Symp-
tome. Wiederzulassung, wenn keine Weiterverbreitung der Erkrankung mehr zu befürchten
ist und die Hygieneregeln (siehe 6.4) eingehalten werden. Bewährt hat sich dafür ein Zeit-
raum von etwa 14 Tagen nach Auftreten der Symptomatik.

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6.2
Maßnahmen in
Gemeinschaftseinrich-
tungen (Fortsetzung)
Kontaktpersonen:
Besuchs- und Tätigkeitsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen gelten auch für Personen,
in deren Wohngemeinschaft nach ärztlichem Urteil eine Erkrankung oder ein Verdacht auf
Virushepatitis E aufgetreten ist (§ 34 Abs. 3 IfSG). Die Verhältnismäßigkeit eines Besuchs-
verbots in Gemeinschaftseinrichtungen sollte aber genau geprüft werden.
Da eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung unter engen Kontaktpersonen zwar prinzipiell
nicht ausgeschlossen werden kann, in der Praxis aber offensichtlich bei dem in Deutsch-
land endemisch vorkommenden Genotyp 3 nicht vorkommt, sollten Haushaltskontaktper-
sonen nicht automatisch als ansteckungsverdächtig gelten. Eine Wiederzulassung ist dem-
nach für diese Personengruppe bei Einhaltung der Hygienegrundregeln möglich.
Die Maßnahmen des Gesundheitsamtes sollten vor allem auch auf eine umfassende Infor-
mation sowie die strikte Einhaltung der Hände- und Toilettenhygiene für die Dauer der In-
kubationszeit in den Einrichtungen abzielen.
6.3
Maßnahmen im Kran-
kenhaus/medizinischen
Bereich
Patienten:
-
Räumliche Isolierung für mindestens 2 Wochen nach Erkrankungsbeginn
Behandelndes Personal:
-
Pflege mit patientenbezogenem Schutzkittel
-
Handschuhe bei möglichem Kontakt mit erregerhaltigem Material bzw. kontaminierten
Flächen
-
Hygienische Händedesinfektion vor und nach Patientenkontakt, nach Kontakt zu erre-
gerhaltigem Material/kontaminierten Flächen und nach Ablegen der Handschuhe
Desinfektion und Entsorgung:
-
Mit viruziden Desinfektionsmitteln und -verfahren (Wirkungsbereich AB).
-
Es sind Mittel der VAH-Liste, die auch in der Liste des RKI verzeichnet sind, einzusetzen.
-
Mindestens tägliche bzw. bei Kontamination sofortige Flächen-Wischdesinfektion aller
patientennahen Flächen.
-
Instrumentendesinfektion möglichst im Reinigungs-Desinfektionsgerät (RDG), Transport
kontaminierter Instrumente in geschlossenen Behältern.
-
Geschirr sollte in geschlossenen Behältern der Desinfektion im Geschirrspülautomaten
zugeführt werden.
-
Die Wäsche muss mit einem desinfizierenden Waschverfahren aufbereitet werden.
-
Schlussdesinfektion der Matratzen, Kissen und Decken mit Mitteln und Verfahren der
RKI-Liste.
-
Entsorgung der Abfälle: AS 18 01 04 bzw. 18 01 01 gemäß LAGA-Vollzugshilfe vom
Januar 2015.
-
Fäzes und Urin können undesinfiziert der Kanalisation zugeführt werden.
Erkranktes und krankheitsverdächtiges medizinisches Personal:
-
Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot bis 14 Tage nach Erkrankungsbeginn.
6.4
Maßnahmen im häusli-
chen Bereich
-
Distanzierungsmaßnahmen: keine gemeinsame Nutzung von Handtüchern, Wäsche
und Hygieneartikeln, wenn möglich Nutzung eines separaten WCs.
-
Direkten Kontakt zum Patienten und zu erregerhaltigem Material meiden, Handschuhe
tragen.
-
Hygienische Händedesinfektion des Erkrankten und der Kontaktpersonen für die Dauer
der Inkubationszeit sowie Flächendesinfektion wie unter 6.3.
-
Patientenwäsche kann in der Haushaltswaschmaschine, möglichst bei 90 °C, gewa-
schen werden.
-
Geschirr wird in der Spülmaschine oder per Hand mit heißem Wasser und einem Reini-
gungsmittel gereinigt.
-
Erregerhaltige Materialien können mit Papier umhüllt mit dem Hausmüll entsorgt wer-
den.
-
Erkrankter sollte während der ersten 14 Tage der Erkrankungsphase kein Essen zube-
reiten und den Kontakt zu Schwangeren und Immunsupprimierten meiden.
6.5
Maßnahmen im
Lebensmittelbereich
Erkrankte und Krankheitsverdächtige:
Tätigkeits- und Beschäftigungsverbot nach § 42 Abs. 1 IfSG
-
beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen der in § 42 Abs. 2 IfSG genannten
Lebensmittel
-
in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsver-
pflegung bis 14 Tage nach Erkrankungsbeginn
Kontaktpersonen:
In Anbetracht der deutlich geringeren Kontagiosität von HEV im Vergleich zu HAV kann bei
den Kontaktpersonen nicht automatisch von einem Krankheits- bzw. Ansteckungsverdacht
ausgegangen werden. Deshalb sollten auch hier die Aufklärung und Hinweise auf die nö-
tige strikte Einhaltung der Hände- und Toilettenhygiene im Vordergrund stehen.

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6.6
Aufgaben des erstbe-
handelnden Arztes
-
Unverzügliche namentliche Meldung an das zuständige Gesundheitsamt (Wohnort des
Patienten) bei Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an Hepatitis E (§ 6 Abs. 1
IfSG)
6.7
Aufgaben des Gesund-
heitsamtes
-
Erfassung von Kontaktpersonen
-
Erfassung des wahrscheinlichen Infektionsortes zur Unterscheidung autochthoner vs.
reise-assoziierter Erkrankungen
-
Festlegen notwendiger Absonderungsmaßnahmen für Erkrankte und Krankheitsver-
dächtige (s. Punkt 6.2 bis 6.5)
-
Ausführliche Aufklärung aller Beteiligten über Übertragung, Krankheitssymptome und
Präventionsmaßnahmen
-
Epidemiologische Analyse bei Ausbrüchen, Ermittlung der Infektionsquelle
-
Sicherstellen der erforderlichen Labordiagnostik an der Landesuntersuchungsanstalt für
das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen, u. U. in Zusammenarbeit mit den LÜVÄ
-
Übermittlung aller gemeldeten Fälle an die Landesuntersuchungsanstalt (§ 11 IfSG)
Quellen:
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Bearbeiter:
Dr. med. Ingrid Ehrhard
LUA Dresden
Dr. med. Katrin Flohrs
LUA Dresden
Dr. med. Tilo Hackel
LUA Dresden
Dr. med. Axel Hofmann
LUA Chemnitz
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks LUA Chemnitz
Lydia Sommer
LUA Chemnitz
AG Hygiene des Landesverbandes Sachsen der Ärzte und Zahnärzte des ÖGD
(Lt. Dipl.-Med. Simone Bertuleit)