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Forstjournal 3I10
Waldpost 2013 / 2014
Zeitung für Waldbesitzer in Sachsen

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02 |
Editorial
gegangenen Starkniederschläge entstanden
große Schäden an der forstlichen Infrastruk-
tur. Die Schneebruchschäden des Winters
2012/2013 brachten etwa 200.000 Festmeter
Schadholz. Dies zeigt mit aller Deutlichkeit:
Mit Witterungsextremen und Schadereig-
nissen muss immer gerechnet werden. Auch
Besitzer kleiner Flächen sollten sich deshalb
Gedanken über Prävention und Bewältigung
etwaiger Schadereignisse machen.
Auf die Lärche folgt der Wildapfel – zumindest
als Baum des Jahres. Vielleicht ist das Anlass
für Sie, etwas Wildobst zu pflanzen, zum Bei-
spiel an Waldrändern oder entlang von We-
gen.
Liebe Waldbesitzerinnen und liebe Waldbe-
sitzer, bei der Lektüre unserer Waldpost erge-
ben sich bestimmt auch Fragen Ihren eigenen
Wald betreffend. Dafür stehen Ihnen unsere
Revierförster von Sachsenforst zur Verfügung
– nutzen Sie die Beratungsangebote!
Wir freuen uns über Ihre Meinungen oder An-
regungen zur Waldpost, gern auch per E-Mail.
Die Kontaktdaten dafür finden Sie im Infokas-
ten auf Seite 29.
Editorial
Hubert Braun
Liebe Waldbesitzerinnen, liebe Waldbesitzer,
die positiven Reaktionen auf die bisherigen
Ausgaben unserer Waldpost haben uns darin
bestärkt, die nunmehr dritte Ausgabe zu er-
arbeiten.
Dass dabei das Thema „Nachhaltigkeit“ eine
Rolle spielt, versteht sich im Jubiläumsjahr
von selbst. Wir nehmen das zum Anlass, ei-
nen in seiner Geschichte in Sachsen beson-
deren forstwirtschaftlichen Zusammenschluss
vorzustellen.
Fichte ist nicht gleich Fichte. Was ich damit
sagen will: Neben der Baumart entscheidet
auch die Herkunft maßgeblich über Anwuchs-
erfolg, Wuchsleistung und Betriebssicherheit –
das gilt für andere Baumarten natürlich auch.
Apropos Anwuchserfolg: Auch die richtige
Herkunft nutzt wenig, wenn der Baum nicht
fachkundig gepflanzt wurde. Wir stellen mit
der Containerpflanzung ein Verfahren vor, das
in den letzten Jahren gewissermaßen eine Re-
naissance erlebte.
Glücklich kann sich ein Waldbesitzer schät-
zen, der aus einem üppigen Angebot an ge-
eigneter Naturverjüngung schöpfen kann.
Ganz ohne Zutun geht es häufig auch dort
nicht. Vor allem dann, wenn die Naturverjün-
gung im Überfluss vorhanden ist. Eng mit dem
Verjüngungserfolg ist der Einfluss des Wildes
verknüpft. Wir erläutern Ihnen die für Wald-
besitzer wesentlichen Änderungen im neuen
Sächsischen Jagdgesetz.
In diesem Jahr startet Sachsenforst die zwei-
te Biotopkartierung im sächsischen Privat-
und Kirchenwald. Die Waldbiotopkartierung
ist eine wichtige Informationsbasis für Sie als
Waldbesitzer. Ich halte das für wichtig, denn
nur das, was man kennt, kann man auch ent-
sprechend pflegen und bewahren.
Zwei Beiträge beschäftigen sich mit dem
Veräußern von Waldgrundstücken im wei-
teren Sinne. Dies geschieht vor dem Hinter-
grund, dass häufig Waldbesitzer ihren Wald
nicht mehr bewirtschaften können, anderer-
seits der Grundstücksmarkt auch für Wald-
flächen merklich an Fahrt aufgenommen hat.
Ein stets aktuelles Thema ist die Verkehrssi-
cherung. In einem Beitrag erläutern wir Hin-
tergründe und Schlussfolgerungen eines aktu-
ellen Urteils des Bundesgerichtshofes.
Die Bilder der Flutkatastrophe sind noch all-
gegenwärtig. Insbesondere durch die voran-
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und viel Erfolg bei der Bewirtschaftung Ihrer Wälder!
Ihr Prof. Dr. Hubert Braun
Geschäftsführer des
Staatsbetriebes Sachsenforst

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| 03
Gelebte Nachhaltigkeit
Die Waldgemeinschaft Fürstenwalde im Osterzgebirge
Im Jahr 2013 begehen wir das 300-jährige Ju-
biläum der Nachhaltigkeit. Vor allem in jünge-
rer Zeit wurde der Gedanke der Nachhaltigkeit
weit über den forstlichen Ansatz hinaus ver-
wendet und ist mittlerweile zu einem gesamt-
gesellschaftlichen Thema geworden. Das er-
freut uns Förster und Waldbesitzer einerseits
– andererseits konstatieren wir, dass der forst-
liche Grundgedanke im allgemeinen, überwie-
gend urban geprägten Bewusstsein nur un-
scharf präsent ist. Grund genug also, dem
Begriff „Nachhaltigkeit“ wieder etwas stärkere
und forstliche Kontur zu geben. Wir nehmen
dies zum Anlass, mit der Waldgemeinschaft
Fürstenwalde einen forstwirtschaftlichen Zu-
sammenschluss vorzustellen, der nicht nur auf
eine beeindruckende Geschichte zurückblicken
kann, sondern wichtige Aspekte sächsischer
Forstwirtschaft wie in einem Brennglas sicht-
bar werden lässt: Privatwaldbewirtschaftung,
Waldschäden und Waldumbau, die Sicherung
einer stetigen Waldbewirtschaftung und nicht
zuletzt die Schalenwildproblematik.
Forstliches Kleinod im Osterzgebirge
Die Ortschaft Fürstenwalde wurde im Jah-
re 1324 zum ersten Mal urkundlich erwähnt
und gehörte zur Herrschaft Lauenstein. Die
Flächen der Waldgemeinschaft Fürstenwalde
waren ursprünglich im Besitz des Grafen von
Bühnau, der diese im Jahre 1642 gegen einen
symbolischen Betrag an die heute noch exis-
tierende und somit älteste Waldgemeinschaft
Sachsens veräußerte. Heute ist die Waldge-
meinschaft entsprechend Bundeswaldgesetz
als forstwirtschaftlicher Zusammenschluss
anerkannt. Die Mitglieder verfügen über Los-
anteile, welche nicht weiterverkauft werden
dürfen. Die Losanteile können von Erben über-
nommen werden oder gehen bei Verkauf der
Hofstelle an den Käufer über. Die Waldge-
meinschaft ist mit der Gesamtheit ihrer Flä-
che im Grundbuch als Eigentümer eingetra-
gen. Wird die Mitgliedschaft gekündigt, geht
der Losanteil ohne Entschädigung an diese zu-
rück. Derzeit bewirtschaften die 27 Mitglieder
insgesamt 44 Hektar, davon 42 Hektar Wald.
Der Fürstenwalder Karl-Heinz Kühnel ist seit
2012 Vorsitzender der Waldgemeinschaft. Ihm
obliegt unter anderem die gerichtliche und
außergerichtliche Vertretung des Vereins und
aller Geschäfte, die nicht der Mitgliederver-
sammlung vorbehalten sind. Auf der zweimal
jährlich stattfindenden Vorstandssitzung er-
folgt die Planung zu den notwendigen forst-
lichen Maßnahmen, die ausschließlich durch
die Mitglieder ausgeführt werden. Auf der an-
schließenden Hauptversammlung wird von al-
len Mitgliedern über die vorgebrachten Punkte
abgestimmt.
Das Schneebruchereignis des Winters 2012/13
hat die Bestände der Waldgemeinschaft Fürs-
tenwalde stark betroffen. Revierförster Ste-
phan Göbel vom Forstbezirk Bärenfels schätzt
die Schadholzmenge auf 350 Festmeter, wel-
che verstreut auf der gesamten Waldfläche
angefallen sind. Priorität hat derzeit die Auf-
arbeitung der 50 Festmeter Bruchholz in den
Fichtenbeständen, um der Vermehrung von
Borkenkäfern vorzubeugen. Die Aufarbeitung
der 300 Festmeter in den Blaufichten- und
Birkenbeständen erfolgt sukzessive.
Waldschäden und Interimsbestockungen
Auf 20 Hektar der Waldfläche stocken Blau-
fichtenbestände, z. T. in Mischung mit Birken
und Ebereschen. Die Birken- und Ebereschen-
Karl-Heinz Kühnel (Vorsitzender der Waldgemein-
schaft) und Stephan Göbel auf einer ehemaligen
Blaufichtenfläche

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04 |
bestände machen knapp zehn Hektar der Ge-
samtfläche aus. Dies bedeutet, dass mehr als
70 % der Waldfläche mit unproduktiven Inte-
rimsbaumarten bestockt sind. Durch Immis-
sionen von Schwefel- und Stickstoffverbin-
dungen war das Gebiet erheblich vom großen
Waldsterben in den 1980er Jahren betroffen.
Rauchschadresistente Baumarten wie Blau-
fichte oder Serbische Fichte wurden als Über-
gangsbestockungen während dieser Zeit dort
großflächig angepflanzt. Dazu wurde die Na-
turverjüngung der Pionierbaumarten Birke
und Eberesche gefördert. Mit zunehmendem
Alter zeigt sich, dass besonders die Blaufich-
ten mit den Standortsbedingungen schwer
zurechtkommen. Abiotische Umweltfakto-
ren wie Schneebruch, Eisanhang, Rauhreif
und Windbruch machen den Übergangsbe-
stockungen zu schaffen, zudem kommt es zu
Absterbeerscheinungen durch Pilzinfektionen.
Die laufende Überführung in standortsange-
passte Bestände hat dadurch an Dringlichkeit
gewonnen, erklärt Kühnel. Die Waldgemein-
schaft verfolgt zudem seit diesem Jahr das
ehrgeizige Ziel, jährlich fünf Hektar der Blau-
fichtenbestände umzuwandeln.
Aktiver Waldumbau
Die Holzernte in diesen Beständen erfolgt
motormanuell, die Meterabschnitte werden
mit einer Sackkarre von der Fläche trans-
portiert oder getragen und dann gepoltert.
Die Flächenberäumung erfolgt im Anschluss
von Hand, das verbleibende Reisig wird da-
bei auf Wälle geschichtet. Diese Arbeitswei-
se ist durch die mangelhafte Erschließung
und die fehlende Technik begründet und be-
deutet Schwerstarbeit für die Mitglieder und
Helfer der Waldgemeinschaft. Die Flächen
werden mit Rotbuche, Bergahorn, Gemeiner
Fichte oder Europäischer Lärche unter Einbe-
ziehung verbliebener Birken und Ebereschen
aufgeforstet. Ein klimagerechter Waldumbau
bedeutet für die Waldgemeinschaft eine Risi-
kostreuung und Baumartenvielfalt mit einem
Wechsel hin zu weniger anfälligen, stand-
ortgerechten Baum arten. In den Kammlagen
des Erzgebirges ist neben der Etablierung von
Laubholz auch der Fichtenbergwald das wald-
bauliche Ziel.
Die Gewinnung von Sägeholz ist aufgrund der
Qualität und Dimensionen der Übergangsbe-
stockungen nicht möglich. Aus diesem Grund
findet dieses Holz ausschließlich als Brenn-
holz Verwendung. Zukünftig sollen in Bestän-
den mit vorhandener Erschließung die Rest-
hölzer vor Ort zu Hackschnitzeln zerkleinert
und dann einer industriellen Verwertung zu-
geführt werden.
In den älteren Fichten- und Lärchenbeständen
wurden in den letzten Jahren fast zehn Hek-
tar Buchenvoranbau eingebracht. Die säge-
holzfähigen Sortimente aus den Fichten- und
Lärchenbeständen werden bei Bedarf durch
ein mobiles Sägewerk aus der Region für den
Privatgebrauch der Mitglieder vor Ort einge-
schnitten. Neben den rauen klimatischen Be-
dingungen ist die Wilddichte ein großes Pro-
blem für die Voranbauten und Anbauten auf
den Flächen der Waldgemeinschaft. Das Ge-
biet um Fürstenwalde ist ein Haupteinstands-
gebiet für Rotwild.
Problematik Schalenwildbestände
Den zu hohen Wildbestand auf ein verträgli-
ches Maß zu reduzieren, erweist sich als äu-
ßerst schwierig. Im Sommer verteilt sich das
Rotwild auf die weiten Flächen des Offenlan-
des, besonders auf tschechischer Seite. Die
langen, meist schneereichen Winter führen
zu Äsungsknappheit und damit zur Migrati-
on und Konzentration auf den Rapsfeldern
auf deutscher Seite, welche die Hauptwinter-
äsung darstellen. Die angrenzenden Wälder
der Waldgemeinschaft sind dann zwangsläufig
Wintereinstände für große Rotwildrudel. Die
dort verursachten Verbiss- und Schälschäden
gefährden den Waldumbau drastisch und füh-
ren zu erheblichen Mehrkosten für Zaunbau
und Wildvergrämung. Die Bejagung in dieser
Zeit ist aufgrund der Schneehöhen ein Mo-
bilitätsproblem für die Jäger. Andererseits ist
diese Zeit aber auch Not- und Ruhezeit für
das Wild. Kühnel, der selbst Jäger ist, sagt aber
auch, dass für eine angepasste Schalenwild-
dichte von allen ansässigen Jägern mehr ge-
tan werden muss.
Über 350 Jahre Engagement der Mitglie-
der
Trotz dieser schwierigen Bedingungen ver-
sucht die Waldgemeinschaft durch den Ein-
satz ihrer Mitglieder die gesteckten Ziele zu
erreichen. Die nachhaltige Holznutzung hat
in der Fürstenwalder Waldgemeinschaft eine
mehr als 350-jährige Geschichte und soll auch
für die künftigen Generationen gesichert wer-
den. Der fortschreitende Waldumbau und die
Anpassung an den Klimawandel sind somit
Bestandteil ihrer nachhaltigen Waldbewirt-
schaftung.
Rotwildschäden behindern den Waldumbau (abgestorbene 15-jährige Weißtanne aus Voranbau unter Eber-
eschenschirm)
Konrad Hennersdorf ist Sachbearbeiter
für Förderung, Öffentlichkeitsarbeit und
Waldpädagogik im Forstbezirk Bärenfels

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| 05
Welche Forstpflanze ist die beste für mei-
nen Wald?
Mit dieser Frage kommt ein Waldbesitzer im-
mer dann in Berührung, wenn er seinen Wald
künstlich verjüngen will oder infolge eines
Schadereignisses – wie Sturm oder Insekten-
fraß – wieder aufforsten muss. Hat sich der
Waldbesitzer für eine Baumart entschieden,
die für den Standort seines Waldes geeignet
ist, hat er oft die Qual der Wahl aus einem
großen Angebot an Forstpflanzen der jewei-
ligen Art. In diesem Beitrag sollen daher Hin-
weise gegeben werden, die eine Entscheidung
für die „richtige“, das heißt „herkunftsgerech-
te“ Forstpflanze erleichtern sollen.
Warum spielt die Herkunft von Forst-
pflanzen eine Rolle?
Wachstum, Gesundheit, Widerstandskraft und
die Fähigkeit zur Anpassung an neue Umwelt-
bedingungen werden bei Waldbäumen wie bei
allen anderen Lebewesen durch Erbinformati-
onen gesteuert. So unterliegen Eigenschaften,
die für den Wert und die Menge des produ-
zierten Holzes bedeutend sind, ebenso einer
genetischen Kontrolle und werden vererbt wie
Merkmale, die für das Überleben und den Fort-
bestand wichtig sind. Zu diesen Eigenschaften
gehören unter anderen die Widerstandsfähig-
keit gegenüber Pilz- und Bakterienkrankheiten,
gegenüber Trockenheit und Frost, Qualitätsei-
genschaften wie Stammform, Wipfelschäftig-
keit, Drehwuchs oder das Höhenwachstum.
Aufgrund der großen natürlichen Verbrei-
tungsgebiete der Waldbaumarten mit sehr
unterschiedlichen Standortsbedingungen und
durch die Rückwanderungsprozesse nach der
letzten Eiszeit haben sich genetisch zum Teil
sehr unterschiedliche Populationen innerhalb
der Baumarten entwickelt. So unterscheiden
sich Fichten der Hoch- und Kammlagen der
Mittelgebirge sowohl in ihrem Kronenbild als
auch in ihrer Benadelung sehr deutlich von
Fichten des Tieflandes. Die Unterschiede be-
treffen auch die Anpassungsfähigkeit, Ge-
sundheit, Qualität und Leistungsfähigkeit und
können so erheblich sein, dass sie über das
Gelingen oder das Misslingen einer Anpflan-
zung entscheiden können.
Herkunftsgerechte Forstpflanzen
Mehrwert für den Forstbetrieb?
Wie werden diese Erkenntnisse in den
rechtlichen Bestimmungen für die Erzeu-
gung und den Vertrieb von Forstsamen
und Forstpflanzen umgesetzt?
Die Herkunft ist ebenso wie die Erbanlagen
dem Saatgut und den Pflanzen von Wald-
bäumen nicht anzusehen. Die Kenntnis der
Herkunft ist aber bedeutend, um die Eignung
des Vermehrungsgutes für einen bestimm-
ten Standort beurteilen zu können. Die Erb-
anlagen entscheiden wiederum über Wider-
standsfähigkeit, Wachstum und Qualität von
Waldbäumen. Deshalb regelt das Forstvermeh-
rungsgutgesetz (FoVG) Erzeugung, Inverkehr-
bringen sowie Ein- und Ausfuhr von forstli-
chem Vermehrungsgut von 26 Baumarten, der
Hybridlärche und der Gattung Pappel.
Die Erzeugung von forstlichem Vermehrungs-
gut ist nur aus zugelassenem Ausgangsmate-
rial, z. B. aus Erntebeständen, Samenplantagen
und Klonen, erlaubt. Die Zulassung erfolgt in
Abhängigkeit vom Ausgangsmaterial und von
der Art und Weise der Auslese in einer der fol-
genden Kategorien:
1) Ausgewählt: Für Vermehrungsgut von Ernte-
beständen, die nach äußerlich erkennbaren
Kriterien ausgelesen wurden.
2) Qualifiziert: Für Vermehrungsgut von Sa-
menplantagen, die sich aus Einzelbäumen
zusammensetzen, die nach äußerlich er-
kennbaren Kriterien ausgelesen wurden.
3) Geprüft: Für Vermehrungsgut von Erntebe-
ständen, Samenplantagen, Klonen, die auf-
grund einer aufwendigen und erfolgreich
durchgeführten Feldversuchsprüfung aus-
gelesen wurden.
Für alle dem FoVG unterliegenden Baumar-
ten wurden Herkunftsgebiete ausgewiesen,
die der Ausbildung örtlich angepasster Po-
pulationen Rechnung tragen. Beim Inver-
kehrbringen von forstlichem Vermehrungsgut
der Kategorie „Ausgewählt“ sind daher immer
die Bezeichnung und die Kennziffer desjeni-
gen Herkunftsgebietes anzugeben, in dem das
Saatgut geerntet wurde.
Welchen Mehrwert hat der Waldbesitzer
von der Verwendung herkunftsgerechter
Forstpflanzen?
Die Verwendung von herkunftsgerechten
Forstpflanzen der Forstvermehrungsgut-Ka-
tegorie „Ausgewählt“ bringt im Vergleich zu
nicht geeigneten Herkünften einen höheren
Ertrag zum Beispiel durch schnelleres Wachs-
Junge Ahornpflanzen im Gewächshaus

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06 |
In den Vorschriften für die Zulassung sind
diejenigen Bestandesmerkmale aufgeführt,
die nach dem Stand des Wissens für die Qua-
lität der Erbanlagen entscheidend sind. Hierzu
gehören unter anderem Gesundheit und Wi-
derstandsfähigkeit; Wachstum und Qualität;
die Baumzahl und Größe des Bestandes, die
Hinweise auf die genetische Vielfalt zulassen;
das Alter, das die Blühfähigkeit sicherstellt
oder die Isolierung des Bestandes von ande-
ren, schlecht veranlagten Beständen der glei-
chen oder nah verwandter Arten. Erfüllt ein
Bestand die genannten Merkmale, kann er als
Erntebestand für die Erzeugung von Forstver-
mehrungsgut der Kategorie „Ausgewählt“ zu-
gelassen und in das Erntezulassungsregister
aufgenommen werden.
Ist ein Bestand zugelassen, dürfen in diesem
Saatgut oder Wildlinge gewonnen werden,
sei es durch ein spezialisiertes Unternehmen
oder durch den Waldbesitzer. Um eine lü-
ckenlose Kontrolle sicherzustellen, muss das
Unternehmen aber auch der Waldbesitzer als
Forst samen- und Forstpflanzenbetrieb ange-
meldet sein. Die Ernte muss rechtzeitig bei
der zuständigen unteren Forstbehörde ange-
tum, bessere Schaftformen sowie geringere
Kosten, etwa durch geringere Ausfallraten
und Schadensanfälligkeit, mit sich. Entschei-
det sich der Waldbesitzer für Herkünfte der
höherwertigen Kategorien „Qualifiziert“ oder
„Geprüft“, sind sowohl bei Leistungs- als auch
bei Qualitätsmerkmalen erhebliche Steigerun-
gen bei hoher Produktionssicherheit möglich.
Allerdings kann auch die beste Herkunft Feh-
ler bei der Standortswahl, bei der Pflanzung
oder bei der waldbaulichen Behandlung nicht
ausgleichen.
Welche Möglichkeiten gibt es, mit Forst-
vermehrungsgut ein zusätzliches Einkom-
men zu erzielen?
Eine wichtige Grundlage für die Versorgung
mit herkunftsgerechten Forstpflanzen ist die
Zulassung von Erntebeständen für die Erzeu-
gung von Forstsamen und Wildlingen. Be-
stände, die für die Ernte von Saatgut oder
Wildlingen vorgesehen sind, müssen für die
Nachzucht geeignet erscheinen und dürfen
keine für den Wald und die Forstwirtschaft
nachteiligen Eigenschaften erwarten lassen.
zeigt und vom Waldbesitzer oder dessen Be-
auftragten beaufsichtigt werden. Dies ist er-
forderlich, damit die untere Forstbehörde ein
Stamm zertifikat über die im Bestand geerntete
Menge an Vermehrungsgut ausstellen kann.
Wo erhält der Waldbesitzer die notwen-
digen Informationen für die Beschaffung
von herkunftsgerechten Pflanzen, die Zu-
lassung von Erntebeständen oder die Er-
zeugung und den Vertrieb von Forstver-
mehrungsgut?
Informationen über die Eignung von Her-
künften einer Baumart der Kategorien „Aus-
gewählt“, „Qualifiziert“ und „Geprüft“ für ein
bestimmtes Wuchsgebiet oder einen bestimm-
ten Wuchsbezirk erhält der Waldbesitzer ent-
weder aus den Herkunftsempfehlungen, durch
den zuständigen Beratungsförster von Sach-
senforst oder den Saatgutberatungsdienst des
Kompetenzzentrums für Wald und Forstwirt-
schaft bei Sachsenforst. Über Fragen der Zu-
lassung informiert die zuständige Landesstelle
der Oberen Forst- und Jagdbehörde. Die unte-
ren Forstbehörden der Landkreise und Kreis-
freien Städte bearbeiten die Anmeldung als
Forstsamen-/ Forstpflanzenbetrieb und die
Ernteanmeldung, führen Kontrollen durch und
stellen Stammzertifikate aus.
Zusammenfassend kann festgestellt wer-
den:
Die Verwendung von herkunftsgerechten
Forstpflanzen führt zu Kulturen mit einer hö-
heren Vitalität, Leistungsfähigkeit und Qualität
und damit zu einer höheren Betriebssicherheit
und Wertleistung. Durch die Zulassung ge-
eigneter Waldbestände als Erntebestand kann
sich der Waldbesitzer die Voraussetzungen für
ein zusätzliches Einkommen schaffen.
Dr. Heino Wolf ist Leiter des Referates
Forstgenetik, Forstpflanzenzüchtung im
Kompetenzzentrum Wald und
Forstwirtschaft bei Sachsenforst
Douglasien in der Forstbaumschule Graupa

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| 07
Die Idee der Containerpflanze aus gesicherter
Herkunft ist nicht neu, hat sich aber in den
vergangenen Jahren mit der Entwicklung von
Produktions- und Pflanzverfahren zu einem
breit einsetzbaren Produkt für den Waldbe-
sitzer entwickelt. Ursprünglich eher für hoch-
mechanisierte Pflanzungen entwickelt, ergän-
zen Containerpflanzen für eine Vielzahl von
Standorten die bisher in Deutschland fast aus-
schließlich eingesetzten wurzelnackten Pflan-
zensortimente auch in manuellen Pflanzver-
fahren.
Bei der Containerpflanzung werden die Bäu-
me in einem speziellen „Blumentopf“ gesät
und/oder verschult. Wegen des etwas höhe-
ren Aufwandes beschränkt sich der Einsatz
der Topfpflanzen in der Regel allerdings auf
Standorte, auf denen mit Anwuchsproblemen
gerechnet wird. Schwierige Standorte mit
sehr geringem Mutterbodenanteil waren der
Ausgangspunkt für den Einsatz von Contai-
nerpflanzen. So hat sich z. B. in den höheren
Lagen der Schweizer Alpen gezeigt, dass der
Anwuchserfolg mit Topfpflanzen erheblich ge-
steigert werden konnte.
Häufig verwendet werden Pflanzen in soge-
nannten Weichwandcontainern oder Pflanzen
aus Containernachzuchtplatten (siehe Fotos).
Diese werden laufend verbessert. So hat die
neuere Containergeneration beispielsweise
Wurzelführungsrippen, welche die Wurzeln
am Rand nach unten gegen einen offenen
Topfboden führen. Auf dem Markt sind ver-
schiedene Containergrößen erhältlich. Wäh-
rend bestimmte Sortimente pikiert werden
müssen, sät man schnellwüchsige Baumar-
ten direkt in die Container ein. Sie bleiben nur
eine halbe bis eine ganze Vegetationsperiode
in den Hartwandcontainern. In verschiedenen
Testpflanzungen haben sich schnell wachsen-
de Baumarten wie Kiefer, Lärche, Bergahorn,
Birke und Vogelbeere gut bewährt. Kleine Bäu-
me aus Containernachzucht eignen sich dabei
hervorragend auf Standorten mit geringer Ve-
getationskonkurrenz. Auf Böden mit hoher Be-
gleitvegetation müssen entsprechend größere
Pflanzen verwendet werden.
Die Pflanzen werden heute fast ausschließlich
in sehr modernen, hochproduktiven Anlagen
produziert. Je nach Art, Größe und Anzucht-
aufwand kosten die Pflanzen zwischen 0,55 €
und 5 Euro je Stück.
Containerpflanzen
Alternative zu wurzelnackten Pflanzen
Containerpflanzen überzeugen bei fachge-
rechter Ausführung der Pflanzung durch gute
Anwuchserfolge. Unter vergleichbaren Wuchs-
bedingungen ist das Ausfallrisiko deutlich ge-
ringer als bei wurzelnackten Pflanzen. Das gilt
auch unter erschwerten Bodenverhältnissen
und Witterungsbedingungen (z. B. bei Früh-
jahrstrockenheit).
Die Bestandesbegründung mit Containersorti-
menten ist in einem weitaus längeren Pflanz-
zeitraum im Jahresverlauf möglich. Im Prin-
zip kann vom Spätsommer bis in den späten
Frühling gepflanzt werden (Ausnahme stärkere
Bodenfrostlagen). Wenn die Triebe durch das
laufende Wachstum sehr weich sind, sollte
man auf eine Pflanzung verzichten, um eine
Verletzung der Pflanzen zu vermeiden. Pausen
im Sprosswachstum, in denen sich der Trieb
festigt, sollten bevorzugt genutzt werden. In
dieser Zeit ist das Wurzelwachstum besonders
intensiv, was den Anwuchs verbessert.
Das Anwachsen und Weiterwachsen von
Containerpflanzen wird aufgrund des reichen
Besatzes mit Feinwurzeln im Substrat gene-
rell erleichtert, sodass der bei wurzelnackten
Pflanzen vielfach auftretende Pflanzschock
selten zu beobachten ist. Die Vitalität und das
Wachstum der Pflanzen in der Kultur werden
gefördert und Nachbesserungen von Ausfällen
minimiert. Besonders interessant ist dies bei
Pflanzsortimenten, die auch in wurzelnackter
Anzucht relativ teuer und empfindlich sind
(z.B. Douglasie).
Die Einbringung von Containerpflanzen ist
durch einfache, schnell erlernbare Pflanzver-
fahren möglich, die wenig Raum für klassi-
sche Pflanzfehler lassen. Aktuell existiert eine
Reihe von Studien dazu. Im Folgenden sollen
kurz drei der üblichsten Verfahren vorgestellt
werden:
Douglasie als Containerpflanze
Anzuchtanlage für Containerpflanzen
Werkzeuge zur Bestandesbegründung mit Container-
pflanzen (links LIECO-Hohlspaten, Mitte Pottiputki-
Pflanzrohr, rechts Neheimer Pflanzspaten)

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08 |
1. Pflanzung mit POTTIPUTKI -
PFLANZROHR
Das Pottiputki-Pflanzrohr ist ein in Finnland
entwickeltes Pflanzwerkzeug, das bei der
Pflanzung von Ballenpflanzen weltweit füh-
rend eingesetzt wird. Es ist in sechs unter-
schiedlichen Durchmesservarianten erhältlich
und für eine Wurzellänge von maximal elf
Zentimetern einsetzbar. Optimal sind lockere
Böden mit einer geringen Humusschicht. Bei
Böden mit höherem Tonanteil kann es zu ei-
ner Verdichtung des Mineralbodens durch das
mechanische Öffnen der Rohrspitze kommen,
was eventuell zu Wuchshemmungen führen
kann. Bei sehr steinigen Böden sind durch er-
schwertes Eindringen des Gerätes in den Bo-
den Grenzen des Einsatzes gegeben. Ergono-
misch bietet das Verfahren den Vorteil, dass
der Anteil von Arbeit in gebückter Haltung
minimiert ist. Die Pflanzen werden in einem
speziellen Tragesystem am Körper mitgeführt.
Pflanzschritte:
1. Bei höherer Humusauflage muss diese ggf.
entfernt werden
2. Senkrechtes Eindrücken des Pflanzrohres
(Spitze geschlossen) mit dem Fuß entspre-
chend der Ballenlänge
3. Öffnen das Pflanzschnabels mit dem Fußpedal
4. Füllen des Pflanzrohres mit einer Pflanze und
senkrechtes Herausziehen des Rohres über
die Pflanze hinweg (Einschränkungen bei
größeren Sortimenten) unter leichten seit-
lichen Drehungen
5. Pflanze leicht antreten
6. Schließen des Pflanzschnabels durch den
Mechanismus am Griff.
2. Pflanzung mit LIECO-
HOHLSPATEN
Als einer der größten Produzenten von Con-
tainerpflanzen hat die österreichische Firma
LIECO einen im Blatt gebogenen Hohlspaten
entwickelt, der in zwei Größen für Wurzellän-
gen von bis zu 10 cm und von bis zu 19 cm
erhältlich ist. Die verbreiterte Trittraste ist
gleichzeitig Tiefenbegrenzer und kann zum
Freilegen des Mineralbodens genutzt werden.
Das Pflanzverfahren eignet sich optimal für
Pflanzen mit runden Wurzelballen und mit ei-
nem Durchmesser bis ca. 6,5 cm. Es kann auf
nahezu allen Standorten angewendet werden.
Lediglich zu steiniger Boden erschwert die Ar-
beit mit diesem Verfahren. Die Pflanzen wer-
den in einem speziellen Tragesystem am Kör-
per oder einer Handtrage mitgeführt.
Pflanzschritte:
1. Abziehen der Humusschicht mit der verbrei-
terten Trittauflage
2. Senkrechtes Hineindrücken des Spatens mit
dem Fuß
3. Links- und Rechtsdrehung am Griff um je-
weils 45°
4. Senkrechtes Herausziehen mit dem ausge-
schnittenen Ballen unter leichter Drehung
5. Einsetzen der Pflanze
6. Füllen eventueller Spalten mit ausgehobe-
nem Substrat
7. leichtes Antreten der Pflanze
3. Pflanzung mit NEHEIMER
PFLANZSPATEN
Das Verfahren mit dem Neheimer Pflanzspaten
wurde ursprünglich für wurzelnackte Pflanzen
konzipiert, gibt aber gegenüber den speziell
entwickelten Verfahren in der Praxis auch bei
der Verwendung von Containerpflanzen ein
sehr gutes Bild ab. Es eignet sich für Pflanzen
mit bis zu 30 cm Wurzellänge und kann auf
allen Standorten eingesetzt werden. Auch mit
diesem Verfahren stößt man bei sehr steinigen
Böden an Grenzen. Die Pflanzen werden in ei-
nem speziellen Tragesystem am Körper oder
einer Handtrage mitgeführt.
Pflanzschritte:
1. Senkrechtes Einstechen bis zur Hälfte des
Spatenblattes mit dem Fuß
2. Vordrücken des Stiels um ca. eine Armlänge
zur Vorlockerung des Bodens
3. In Abhängigkeit von der Ballengröße ca.
10 cm vor dem ersten Einstich senkrecht
volle Spatenblattlänge in den Boden stechen
4. Stiel mit leichter Oberkörperbewegung deut-
lich nach vorn drücken
5. Spatenspitze in der Schrägstellung kurz nach
hinten ziehen, senkrecht stellen und somit
das Pflanzloch öffnen
6. Einsetzen der Pflanze vor dem Spatenblatt,
Pflanze festhalten und Spaten herausziehen
7. Einfüllen von Erdkrume in evtl. verbleibende
Spalten mit dem Spatenblatt
8. Leichtes Antreten der Pflanze
Unter folgenden Links können Sie sich die Ver-
fahren als Video anschauen:
http://vimeo.com/53073156
www.lieco.at
www.youtube.com/watch?v=CucdDPGXLVo
Quelle Zeichnungen:
Jacke, H., Spiegelhalter, J.; Hittenbeck (2013):
Manuelle Containerpflanzung. Forst & Technik
5/2013: 18ff.
Thomas Brezina ist Referent im Referat
Waldarbeit, Forsttechnik, Arbeitsschutz
bei Sachsenforst

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| 09
Waldbesitzer Hubertus Fichtner nennt ein
Waldstück von zwei Hektar Größe sein Eigen.
Nach seiner Einschätzung sind die Fichten
dort 45 Jahre alt und stehen sehr dicht. Bis-
her hat er im Bestand lediglich für seinen Gar-
tenzaun Stangen entnommen, die er mühevoll
umgesägt, entastet und per Hand herausge-
schleppt hat. Jetzt möchte er Nägel mit Köp-
fen machen und seinen Wald mit einem Har-
vester durchforsten lassen. Deshalb geht er zu
seinem zuständigen Revierförster von Sach-
senforst, um einige Fragen vorab zu klären.
Die Vorbereitung
Revierförster Waldemar Buchholz erklärt Herrn
Fichtner zuerst, dass es sich beim Einsatz ei-
nes Harvesters mit anschließender Rückung
durch einen Forwarder um eine mechanisierte
Holzernte handelt. Die Vorteile dieser Techno-
logie liegen nach Revierförster Buchholz auf
der Hand: Die Maschinen arbeiten sehr effek-
tiv, d. h., die Kosten sind im Vergleich zur ma-
nuellen Holzernte mit der Motorsäge vor allem
in schwächeren Beständen deutlich niedriger.
Auch hinsichtlich der Arbeitssicherheit schnei-
det die mechanisierte Holzernte besser ab.
Waldbesitzer Fichtner äußert nun Bedenken,
dass die Forstmaschinen Bäume beschädigen
und seinen Weg zerstören. Förster Buchholz
beruhigt: Der Harvester kann die Bäume her-
ausheben und so fällen, dass der Baum beim
Mechanisierte Holzernte – was gilt es zu beachten
Fällen keinen Schaden anrichtet. Entscheidend
sei das Wetter. Bei trockenem oder frostigem
Wetter, am besten mit Schneedecke, sind kei-
ne großen Schäden zu erwarten. Wenn es al-
lerdings nass wird, dann kann es zu Schäden
an Rückegassen und Wegen kommen. Dann
müssen wir entscheiden – setzen wir den Ein-
satz fort und reparieren danach die Wege oder
brechen wir im schlimmsten Falle den Einsatz
ab. Übrigens werden die meisten Befahrungs-
schäden nicht durch den Harvester verursacht,
sondern es sind die nachfolgenden Rückefahr-
zeuge, die aufgrund des höheren Gewichtes
und wegen der mehrfachen Befahrung Schä-
den herbeiführen können.
Schutzgebiete beachten
Als nächstes schauen sich die beiden gemein-
sam das Waldstück auf der Karte am Com-
puter an. Revierförster Buchholz prüft, ob es
Einschränkungen bei der Bewirtschaftung des
Waldes gibt. Parallel erläutert er dem Waldbe-
sitzer Fichtner, dass zum Beispiel der Status
eines Wasserschutzgebietes besondere An-
forderungen an die Bewirtschaftung stellen
kann. Herr Fichtner beruhigt ihn, sein Wald-
stück liegt auf einer flachen Kuppe, nur am
Rand schlängelt sich ein Bach. Da wird der
Revierförster hellhörig und sucht auf seiner
Karte nach Biotopen. Er wird fündig, der Bach
ist als §-26-Biotop nach Sächsischem Na-
turschutzgesetz geschützt und darf deshalb
nicht, zum Beispiel durch Befahrung, beein-
trächtigt werden.
Damit kommt der Revierförster Buchholz zu
einer entscheidenden Frage: Wie soll die Er-
schließung des Bestandes mit Rückegassen
gestaltet werden? Der Förster erklärt, dass die
Forstmaschinen nur auf diesen gekennzeich-
neten Gassen fahren dürfen, damit die restli-
che Waldfläche nicht durch Bodenverdichtung
langfristig geschädigt wird. Außerdem sollen
diese Gassen am Hang in Falllinie angelegt
werden und etwa vier Meter breit sein. Eine
schwierige, weil unumkehrbare Entscheidung
des Waldbesitzers ist, so der Revierförster, die
Frage des Abstandes der Rückegassen. Grund-
sätzlich sollte der Mindestabstand 20 Meter
betragen, aber auch 30 oder 40 Meter Ab-
stand sind möglich. Für die vollmechanisierte
Holzernte sind 20 Meter Abstand notwendig,
da der Arm des Harvesters zehn Meter in den
Bestand greifen kann. Bei größeren Abstän-
den müssen die Bäume von einem Waldarbei-
ter zugefällt und ggf. mit einem Seilschlepper
herangezogen werden. Waldbesitzer Fichtner
entscheidet sich nach einigem Überlegen für
einen Abstand der Gassen von 30 Meter, da
dies nach seiner Meinung ein guter Kompro-
miss zwischen Wirtschaftlichkeit einerseits
und Bestandespfleglichkeit und Bodenschutz
andererseits ist.
Wichtig: schriftliche Vereinbarung
Nachdem einige wichtige Punkte besprochen
wurden, verabreden sich der Förster und der
Harvester beim Aufarbeiten einer Fichte
Tragschlepper (Forwarder) nimmt das Holz an der Rückegasse auf und transportiert es zum Abfuhrweg
Einsatz moderner Forsttechnik für einen gepflegten Wald

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10 |
Waldbesitzer zu einem Ortstermin im Wald.
Bei diesem Treffen geht es Waldbesitzer Ficht-
ner vor allem darum, zu besprechen, welche
Bäume entnommen werden sollen. Revierförs-
ter Buchholz legt ihm die Vor- und Nachtei-
le der unterschiedlichen Durchforstungsarten
(Nieder- und Hochdurchforstung) dar. Schnell
wird Herrn Fichtner hierbei klar, dass er mit
der Auswahl der Bäume überfordert ist und
sich hier helfen lassen möchte. Sie verein-
baren, dass der Revierförster das Auszeich-
nen des Bestandes übernehmen wird und ein
Vertrag über eine fallweise Betreuung abge-
schlossen werden soll.
Nunmehr steht noch die Frage an, wer die me-
chanisierte Holzernte durchführt. Auch dabei
ist der Förster behilflich. Er stellt dem Wald-
besitzer eine Liste mit Unternehmeradressen
zur Verfügung, die der Waldbesitzer anspre-
chen kann. Außerdem gibt Förster Buchholz
noch den Rat, auf jeden Fall einen schriftli-
chen Vertrag abzuschließen, der mindestens
die Aufarbeitungsmenge, den Preis je Festme-
ter getrennt nach Holzsortimenten sowie ei-
nen Ausführungszeitraum enthalten soll.
Den Holzverkauf überlässt Waldbesitzer Ficht-
ner der Forstbetriebsgemeinschaft, welcher er
beitreten möchte.
Zusammenfassung in Stichpunkten:
1. Vorbereitung
Bearbeitungsfläche festlegen, Mindestmenge an Holz beachten
mögliche Bewirtschaftungseinschränkungen ermitteln (z. B. Wasser-, Natur-, Denkmalschutz)
Erschließung, d. h. Rückegassen, Rückewege, Holzlagerplätze festlegen, Abfuhrwege klären
Auszeichnen des Bestandes durch fachlich versierte Person
Auswahl geeigneter Unternehmen, Angebotsabfrage, Auftragserteilung – schriftlicher Vertrag
Organisation des Holzverkaufes – Forstbetriebsgemeinschaft, Dienstleister, Sachsenforst, u. a.
2. Durchführung
nach Möglichkeit im Winterhalbjahr
genaue Einweisung des Unternehmers notwendig – Eigentumsgrenzen!
Überwachung der Einschlagsarbeiten, bei nasser Witterung auf beginnende Bodenschäden achten
Aufnahme des Holzes: aufgemessene Holzmenge = Abrechnungsgrundlage
3. Nachbereitung
gemeinsame Abnahme mit Unternehmer nach Beendigung der Arbeit
Holzverkauf (siehe zur Vertragsgestaltung auch den Beitrag in der Waldpost 2012/2013)
ggf. Wegereparatur
Leicht oder schwer
Ganz grob vergeht ein Drittel ihrer Lebens-
spanne, bevor Bäume beginnen regelmäßig
zu blühen und Früchte auszubilden. Diese so-
genannte „Mannbarkeit“ tritt bei Birken oder
Aspen bereits nach 20 Jahren, bei den deutlich
langlebigeren Eichen und Buchen erst nach 60
oder 80 Jahren ein. Neben den unterschied-
lichen Zeitpunkten der Mannbarkeit spiegeln
die genannten Baumarten auch noch diverse
Strategien wider, sich zu vermehren und Le-
bensräume erfolgreich zu besetzen.
Auf der einen Seite stehen Baumarten mit
kleinen und leichten Samen, die frühzeitig
und häufig fruktifizieren. Neben Birken und
Aspen weisen auch Erlen, Lärchen, Fichten und
Kiefern derartige Eigenschaften auf. Die Größe
des Samens limitiert seinen Gehalt an Reser-
vestoffen und damit auch die Größe und Wi-
Wettlauf im Überfluss
Zur waldbaulichen Behandlung von Naturverjüngungen
derstandskraft des Keimlings. Demzufolge sind
leichtsamige Baumarten auf günstige Keim-
betten angewiesen, denn bereits Moo spolster
oder eine dickere Streu- und Humusdecke
verhindern, dass die Wurzeln des Keimlings
in den humosen Oberboden gelangen. Schafft
der Keimling dies nicht, vergeht er in der Regel
aufgrund von Wasser- und/oder Nährstoff-
mangel. Der Vorteil leichtsamiger Baumarten
besteht darin, mit einem geringen Einsatz an
Biomasse, eine enorme Anzahl an Samen zu
produzieren, die zudem vom Wind über meh-
rere 100 m Distanz verbreitet werden. Samen
dieser Baumarten sind praktisch zu jeder Zeit
allgegenwärtig. Wenige Altbäume in der Nähe
reichen aus, um auch größere vegetationsfreie
Flächen rasch zu besiedeln.
Die Früchte von Buchen, Eichen, Ross- und
Esskastanien sowie Nussbäumen sind dem-
gegenüber um ein Vielfaches schwerer. Sie
enthalten viel mehr Reservestoffe und er-
möglichen so ein intensiveres Sproß- und
Wurzelwachstum des Keimlings. Ohne zusätz-
lichen Energiegewinn durch Photosynthese
können Eichen so bis zu 30 oder 40 cm groß
werden. Diese Bäume investieren wesentlich
höhere Anteile der jährlich produzierten Bio-
masse in die gesteigerte Konkurrenzkraft ihrer
Nachkommen. In günstigen Samenjahren, im
Fachjargon „Vollmasten“ genannt, übertrifft die
Masse der Früchte die des Laubes. Die in die
Früchte fließenden Mehrleistungen entspre-
chen mehr als zwei Drittel des durchschnitt-
lichen jährlichen Holzzuwachses. Aus diesem
Grund lassen sich Vollmasten auch dendro-
chronologisch an einer Reduktion der Jahr-
ringbreite nachweisen. Nach guten und sehr
guten Samenjahren füllen die Bäume zunächst
ihre Nährstoffreserven wieder auf. Halb- und
Vollmasten treten deshalb bei schwersami-
gen Baumarten zyklisch auf. Im Zusammen-
Thomas Irmscher ist Referent für Privat-
und Körperschaftswald
Harvester bei der Holzaufarbeitung
im Forstbezirk Marienberg

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hang mit dem hohen Verbrauch an Nährstof-
fen fruktifizieren die Baumarten auf kräftigen
Böden regelmäßiger und intensiver.
Bisher nicht genannte Baumarten, wie Hain-
buche, Esche, Ahorn- und Lindenarten sowie
die Weißtanne, nehmen eine Zwischenstel-
lung ein. Mit dem zunehmenden Energiege-
halt der Samen oder speziellen Anpassungen,
wie der Fruchtfleischbildung bei Kirsche und
Eberesche, werden die Früchte zur wichtigen
Nahrungsgrundlage vieler Tierarten. Wenn-
gleich der Preis über die daraus resultieren-
den Verluste hoch ist, zahlt sich die Investiti-
on in nährstoffhaltige Früchte hinsichtlich der
Verbreitung der Samen aus. Kleinsäuger, vor
allem aber Vögel, verbringen die Samen über
deutlich größere Distanzen (im Extremfall 10 -
15 km), als dies allein durch Schwerkraft und
Wind der Fall ist. Allerdings sind die dabei au-
ßerhalb des Mutterbestandes erreichten Be-
siedlungsdichten eher gering. In den Kiefern-
beständen Sachsens ergaben Untersuchungen
zur Verbreitung von Eichen durch den Eichel-
häher Stammzahlen von 1.750 Stück/ha bis zu
4.200 Stück/ha. (Mosandl und Kleinert, 1998).
Viel aber selten
Konzentriert man sich jedoch auf den Mutter-
bestand, so ergaben Zählungen, dass in Bu-
chenbeständen in guten Samenjahren etwa
150 Bucheckern pro m² auf den Boden fal-
len. Bei sehr günstigen Masten wurden so-
gar bis zu 700 Eckern gezählt (Dohrenbusch,
1990). Auf einen Hektar bezogen, würde dies
das Aufkommen von 1,5 bis 7 Millionen Bu-
chenkeimlingen bedeuten! Doch die Fülle aus-
geschütteter Samen dient einer Vielzahl von
Tieren (Schwarzwild, Eichhörnchen, Mäuse,
Vögel, Insekten) als Nahrung. Hinzu kommen
die Risiken eines Pilzbefalles der überliegen-
den Samen und keimenden Buchen. Winter-
temperaturen unter -6 °C beschädigen die sehr
wasserhaltigen Früchte und Spätfröste (unter
-2 °C) die Keimlinge. Am Ende verbleiben nach
einem Jahr oftmals weniger als ein Prozent
des Samenangebotes. Aufgrund des hohen
Samenangebotes sind dies immer noch etwa
20.000 bis 40.000 junge Buchen pro Hektar!
Dieses üppige Angebot an jungen Buchen setzt
neben einer hohen Zahl mannbarer Altbäume
und geeigneter Keimbetten am Boden auch
mehrfach günstige Witterungsverläufe voraus.
Warme Vegetationsperioden im Vorjahr sind
Voraussetzung für die vermehrte Anlage von
Blütenknospen. Trocken-warmes Wetter wäh-
rend der Blüte sichert eine gute Verbreitung
des Pollens und die Befruchtung. Abschließend
darf die in den Sommer fallende Ausbildung
und Reifung der Früchte nicht durch Trocken-
perioden gestört werden.
Derartige günstige Witterungsverläufe traten
in der Vergangenheit eher selten auf. Oftmals
verhinderten nasskalte Frühjahrswitterung
oder Spätfröste üppige Baummasten. Etwa
alle zehn Jahre rechnet man mit einer stär-
keren Baummast. Mit zunehmender Ungunst
der klimatischen Verhältnisse, vornehmlich in
den höheren Lagen der Gebirge, steigt diese
Zeitspanne außerdem auf mehr als zwei Jahr-
zehnte an.
Die in den letzten drei Jahrzehnten deutlich
längeren Vegetationsperioden und einzelne
sehr warme Jahre wirken sich daher positiv
auf das Samenangebot aus. Vor allem nach
den massiven Fichtenblüten 1992 und 2006
hingen praktisch alle mannbaren Fichten vol-
ler Zapfen. Und auch die im Waldzustands-
bericht aufgezeigte Zeitreihe zur Fruktifikati-
on der Buche zeigt in den letzten zehn Jahren
vier intensivere Samenjahre an. Vor allem in
den Jahren 2003 und 2006, mit sehr trocken-
warmen Sommern, hingen die Kronen voller
Bucheckern.
Hinzu kommen noch Verbesserungen im Nähr-
stoffhaushalt, die sich aus den anhaltenden
Stickstoffeinträgen aus der Luft und den in-
tensivierten Stoffumsätzen in den Humusauf-
lagen ergeben. Und auch das auf großkronige
Bäume ausgerichtete Pflegekonzept und die
relative Zunahme alter Bäume durch überwie-
gend kahlschlagsfreie Verjüngung förderte in
den letzten Jahren die Fruchtbildung.
Monoton bis vielfältig
Für Sachsen lassen sich aus den aktuellen
Waldstrukturen, insbesondere der Baumar-
tenverteilung, im Groben folgende Potenziale
an Naturverjüngung beobachten bzw. für die
Zukunft erwarten:
In den Kammlagen der Gebirge ermöglichte
die immissionsbedingte Verlichtung der Fich-
tenbestände in Verbindung mit intensiver Ver-
Pollenwolke

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bissbelastung in den 1970-1990er Jahren die
Ausbildung intensiver Reitgrasdecken. Diese
hemmen bis heute das Auflaufen der vorwie-
gend leichtsamigen Baumarten. Die Fichte fin-
det vor allem im Bereich verrottender Stöcke
und stärkerer Hiebsreste günstige Situatio-
nen zum Keimen. Dies führt zu sehr ungleich-
mäßig verteilten Naturverjüngungsgruppen.
Einzig die Eberesche, die aufgrund intensiven
Wurzelwachstums auch den Graswurzelfilz zu
durchdringen vermag, hat sich auf größerer
Fläche wieder eingefunden. Weitere standorts-
gerechte Mischbaumarten (Bergahorn, Buche)
kommen als Altbaum nur selten vor, fruktifi-
zieren weniger intensiv und weisen als Keim-
ling und junger Baum eine sehr hohe Sterb-
lichkeit auf.
Gänzlich anders sieht die Situation in den hö-
heren und mittleren Berglagen aus. Sobald in
den vorherrschenden Fichtenbeständen in der
Folge von Durchforstung oder Erntenutzung
das Kronendach unterbrochen wurde, hat sich
intensiv Naturverjüngung eingestellt. Die Fich-
te wird überwiegend von der Eberesche be-
gleitet. Nur beim Vorkommen entsprechen-
der Altbäume – einzelne Ahornbäume am
Wegesrand, Buchenüberhälter, kleine Hors-
te mit Mischbaumarten – sind diese im nä-
heren Umfeld zahlreicher an der Verjüngung
beteiligt. Auch in den Buchenaltholzkomple-
xen führten die jüngsten Durchforstungen zu
nahezu flächendeckenden Unterständen. Die
stärkere zeitliche Koppelung der Verjüngung
an die genannten Samenjahre und an flächig
durchgeführte Holzerntemaßnahmen führt zu
größeren, stammzahlreichen und annähernd
gleichalten Verjüngungseinheiten.
Auch in den unteren Berglagen und im Hügel-
land ist standörtlich bedingt die Verjüngungs-
freudigkeit hoch. Die in dieser Standortsregion
gegebenen vielfältigeren Bestockungen sorgen
für die landesweit höchste Baumartenvielfalt
natürlicher Verjüngung. In den von Laubbäu-
men dominierten Beständen sind neben den
Hauptbaumarten (Eiche, Buche, Roteiche)
meist Ahorn und Birke vertreten. Unerwünsch-
te Fichtenverjüngungen können in Trockenpe-
rioden auch wieder vertrocknen. Vornehmlich
die in Verbindung mit hohen Stickstoffeinträ-
gen verbundenen Him- und Brombeerdecken
oder intensiver Wildverbiss verhindern lokal
das Aufkommen von Naturverjüngung.
Im Tiefland grenzt die Dominanz der Kiefern-
bestände das Samenpotenzial wiederum stär-
ker ein. Hier prägen neben Birke und Kiefer vor
allem die von Vögeln sehr effektiv verbreiteten
Eichenarten und die Eberesche das natürliche
Verjüngungspotenzial. Die Verjüngungen sind
eher stammzahlarm und präsentieren sich als
„grüner Schleier“ in den Beständen. Grund
sind die für Kiefernreinbestände charakteris-
tischen Rohhumusdecken oder geschlossenen
Bodenvegetationsdecken, vor allem mit Draht-
schmiele, Reitgräsern, Him- und Brombeere.
Diese profitierten von Stickstoffeinträgen
und intensiven Durchforstungen. Erst wenn
der Boden, gezielt zur Einleitung von Natur-
verjüngung oder als Pflanzplatzvorbereitung,
verwundet wurde, laufen Kiefer und Birke
stammzahlreich auf.
Übernehmen oder beseitigen?
Auch wenn es für konkrete Bestände sicher-
lich Abweichungen gibt, entspricht das aktuel-
le Potenzial an vorhandener bzw. zu erwarten-
der Naturverjüngung in Sachsen überwiegend
nicht den jeweiligen Verjüngungszielen. In den
höheren und mittleren Berglagen widerspricht
das außerordentlich hohe Potenzial an Natur-
verjüngung nicht den langfristig empfohlenen
Zielbestockungen. Im Tiefland und den Kamm-
lagen der Gebirge dagegen sind die Verjün-
gungspotenziale gering, obwohl die Baum-
artenzusammensetzung überwiegend den
Zielen entspricht. Einzig im Hügelland dürfte
die Ausgangssituation häufiger mit dem kon-
kreten Ziel übereinstimmen.
Unabhängig von eventuell anstehenden Ver-
jüngungsentscheidungen sollte geprüft wer-
den, inwiefern die zu erwartende Naturver-
jüngung den langfristigen waldbaulichen
Zielen entspricht. Denn nicht erst mit ge-
zielten Erntenutzungen wird Einfluss auf die
Verjüngungspotenziale genommen. So sind
beispielweise stärkere Unterbrechungen des
Kronenschlusses im Rahmen von Durchfors-
tungen strikt zu vermeiden, wenn verjün-
gungshemmende Bodenvegetation oder un-
erwünschte Naturverjüngung aufkommen
kann. Auch die gezielte Förderung langfris-
tiger Zielbaumarten kann sich dahingehend
lohnen, auch wenn ihre Erscheinungsform
nur mindere Holzerträge verspricht.
Stammzahlreiche homogene Buchenverjüngung
Verjüngungspotenzial
zielführend
Verjüngungspotenzial
anteilig zielführend
Verjüngungspotenzial
nicht zielführend
Bodenvegetation verhindert
Aufkommen von Naturverjüngung
(NV) (stark aufgelichtete Bestände)
Beseitigung der Kulturhemmnisse
(Bodenbearbeitung) zur Einleitung
von NV
Bodenvorarbeiten und Kunstverjüngung von
Zielbaumarten mit geringeren Pflanzen-
zahlen
Kunstverjüngung mit Zielbaumar-
ten, möglichst hohe Pflanzenzah-
len für raschen Dichtschluss
Für die Einleitung von NV günstige
Ausgangssituation (geschlossene
vitale Altbestände, Streuauflage
oder Moose/Kräuter am Boden)
Baumartenangepasste Erntenut-
zung unter Berücksichtigung der
Wertentwicklung des Bestandes
nach der Mast von Zielbaumarten
(Keimlinge in großer Zahl vorhanden
und Bestand hiebsreif)
Bei Hiebsreife erfolgt Begründung von Ziel-
baumarten mit optimalem Ernteverfahren
(geringe Pflanzenzahlen möglich), im Zuge
der Erweiterung der Verjüngungseinheiten
werden aufkommende NV übernommen
(Wuchsvorsprung?)
Vermeidung des Auflaufens von
NV durch dichten Kronenschluss;
Kunstverjüngung mit optimalem
Verjüngungsverfahren (hohe
Pflanzenzahlen oder Integration
der unerwünschten NV als tempo-
räres Füllholz)
NV bereits angekommen
Entsprechend der aktuellen Wert-
leistung des Altbestandes anteilige
oder vollständige Übernahme der
Verjüngung
Entsprechend der aktuellen Wertleistung
des Altbestandes anteilige oder vollständige
Übernahme der Verjüngung; Anreicherung
von Zielbaumarten nur bei ausreichenden
Konkurrenznischen (schattenertragende
Baumarten, ausreichend freie Räume)
Behandlung als Zwischengene-
ration mit geringer Umtriebszeit
oder vollständige Beseitigung und
Pflanzung von Zielbaumarten
Handlungsempfehlungen in Abhängigkeit der Übereinstimmung zwischen Ausgangssituation und langfristigen waldbaulichen Zielen

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Viel häufiger dürfte diese Einschätzung aber
bereits vorhandene Naturverjüngungen be-
treffen. Der Handlungsrahmen reicht dann
von der vollständigen Übernahme, über die
gezielte Beeinflussung und/oder Ergänzung
bis zu ihrer vollständigen Beseitigung (siehe
Tabelle auf Seite 12). Aus betriebswirtschaft-
licher Sicht dürfte die flächendeckende Besei-
tigung der Verjüngung, z. B. mittels Mulchge-
räten, und anschließende Kulturbegründung
jedoch kaum sinnvoll sein. Vielmehr sollte den
erst im späteren Bestandesleben auftretenden
hohen Risiken mit einer entsprechenden Be-
standesbehandlung und frühzeitiger Verjün-
gung Rechnung getragen werden.
Kunstverjüngungen bleiben nur dann das Mit-
tel der Wahl, wenn standortsgerechte, nicht
vorhandene Baumarten einzuführen sind, der
Ausgangsbestand negative vererbbare Eigen-
schaften (Drehwuchs, Neigung zum Zwieseln)
aufweist oder extreme Verjüngungsschwierig-
keiten bestehen.
Ausgewählt oder erprobt
Über Jahrhunderte dominierten Stockaus-
schlagswirtschaft und Naturverjüngung die
Verjüngung der Wälder. Ausgang des Mittel-
alters kamen die ersten künstlichen Saaten
hinzu. Die Pflanzung dürfte erst in der aktu-
ellen Waldgeneration zur bestimmenden Art
der Bestandesbegründung herangereift sein.
Die Baumschule und die vorausgehende Lo-
gistik der Saatgutbeschaffung sind somit rela-
tiv junge „Erfindungen“. Ihr Erfolg beruht nicht
zuletzt auf der weitreichenden Steuerung und
Planbarkeit des Verjüngungsgeschehens. Das
Aufkommen von Naturverjüngungen hängt
dagegen maßgeblich von den Unwägbarkeiten
des witterungsbestimmten Samenfalls und des
Auftretens von Schädlingen ab. Wie bei Saaten
auch, ist deshalb das Risiko eines Misserfolges
und ausbleibender Masten beim Verjüngungs-
fortschritt zu berücksichtigen.
Dafür entfallen die in jüngerer Zeit vermehrt
zu Tage tretenden Risiken irreversibler Wur-
zeldeformationen, die fehlerhaft durchgeführ-
te Pflanzungen bergen. Zu bedenken ist auch,
dass die gezielte Auswahl des Pflanzgutes
spürbar das Wuchs- und Ertragsniveau beein-
flusst. Und selbst bei passender Herkunftswahl
verbleiben folgende negative Effekte:
Die Samenernte erfolgt aus einem begrenz-
ten Pool von Saatgutbeständen. Zudem fruk-
tifiziert nur bei Vollmasten ein großer Teil der
Bäume. Bei regelmäßiger Samenernte ent-
spricht das gewonnene Saatgut somit nicht
dem gesamten Genpool des Bestandes.
Um aus dem knappen Saatgut eine Höchst-
menge an Pflanzen zu erzeugen, werden in
der Baumschule die Voraussetzungen für die
Entwicklung der Keim- und Sämlinge sehr
günstig gestaltet. Erst das anschließende
Verbringen der Pflanzen in den Wald stellt
eine erste Bewährungsprobe dar, die vor
allem Bäume mit kleinen Wurzelsystemen
bevorteilt. Bei größeren Pflanzen fällt der
„Pflanzschock“ intensiver aus, nicht zuletzt,
wenn die Balance zwischen Spross und Wur-
zel gestört wurde.
Die Folge ist eine genetische Verarmung bzw.
Verzerrung, während in Naturverjüngungen
mit der außerordentlichen Reduzierung der
Individuenzahl eine intensive natürliche Aus-
lese erfolgt. Neben der bestmöglichen Anpas-
sung an das Lokalklima, ermöglicht dies die
beständige „Erprobung“ der genetisch veran-
kerten Wuchseigenschaften auf dem konkre-
ten Mikrostandort.
Weniger ist mehr
In den sehr stammzahlreichen und baumar-
tenarmen Naturverjüngungen stellt die inner-
artliche Konkurrenz um Wurzel- und Wuchs-
raum den wesentlichen Auslesemechanismus
dar. Vitalere Individuen, die zunächst nur ge-
ringfügig bessere Ausgangsbedingungen ha-
ben, bauen sukzessive ihren Wuchsvorsprung
aus. Dieser Wettlauf im Überfluss folgt jedoch
nicht gänzlich forstlichen und waldbaulichen
Zielstellungen.
In der Regel dürften sich Individuen als kon-
kurrenzstark erweisen, die möglichst frühzei-
tig starkastige und breite Kronen ausbilden.
Ihr oftmals gedrungener Habitus (ausgedrückt
im Verhältnis von Baumhöhe zu Durchmes-
ser) verleiht ihnen zudem gegenüber Schnee-
druck mehr Stabilität. In Bezug auf die spätere
Wertschöpfung des Bestandes sind derartige
Stamm- und Kronenformen jedoch ungünstig.
Weiterhin erfolgt die natürliche Auslese nicht
als stetiger Prozess der Stammzahlreduktion.
Ohne vornehmlich witterungsbedingte Stö-
rungen – Schneedruck, Trockenheit, Umfallen
oberständiger Bäume infolge Sturms – ver-
bleibt die Stammzahl lange Zeit auf hohem
Niveau. Konkurrenzbedingt kleinkronige Bäu-
me mit hohen H/D-Werten prägen die Struktur
einer insgesamt sehr instabilen Verjüngung.
Auf besseren Standorten halten die ungüns-
tigen Bestandesstrukturen länger an, da die
auslösenden Störungen seltener stattfinden.
Andererseits stellen stammzahlreiche Kol-
lektive eine vorteilhafte Basis für die späte-
re Auslese geradschaftiger und werthaltiger
Schaftformen und die Schaffung günsti-
ger erzieherischer Wirkungen (Astreinigung,
Wipfelschäftigkeit) dar. Bei den totastverlie-
renden Laubbäumen, insbesondere den zur
Mehrgipfeligkeit neigenden Baumarten Eiche
und Buche, führt das Unterschreiten minima-
ler Verjüngungsdichten zum Wegfall hoher
Wertschöpfung.
In Abhängigkeit von der Qualität der Nach-
kommen und der Zeit vom Oberstand aus-
gehender erzieherischer Wirkungen ergeben
sich artspezifische Korridore einer erwünsch-
ten Stammzahlhaltung in der Phase der Be-
standeserziehung.
Unter dem Aspekt der geklumpten und unre-
gelmäßigen Verteilung der Naturverjüngungs-
bäume sind in der Tabelle auf Seite 14 oben
genannten Pflanzenzahlen nur grobe Anhalts-
punkte. Entscheidender sind der Standraum
und die Verteilung einer ausreichenden An-
zahl an Auslesebäumen.
Durch Schirmwirkung des Kiefernaltbestandes trupp- und gruppenweise auflaufende, gut differenzierte Naturverjüngung aus Kiefer und Eiche

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Ausgehend von etwa 100 (Buche, Eiche) bis
300 (Fichte, Kiefer) hiebsreifen Bäumen pro
Hektar, würde ein Auslesebaum alle sechs bis
zehn Meter ausreichen. In diesem Abstand
müssten für eine ausreichende erzieherische
Wirkung Verjüngungsgruppen mit mehreren
Bäumen vorhanden sein. Allerdings bestim-
men die zwischen diesen Gruppen vorhande-
nen Bäume die Möglichkeiten, regelmäßig im
Rahmen von Durchforstungen Holz zu ernten.
Für Waldbesitzer, die auf periodisch gleichmä-
ßige Erträge hoffen, ist dieses Vornutzungspo-
tenzial wichtig.
Vornehmlich sehr individuenreiche reine
Fichten-, Kiefern-, Buchen-, Eichen-, Rotei-
chen- und Ahornverjüngungen erwachsen
überwiegend gleichförmig. Hier bedeutet we-
niger Stammzahl mehr Stabilität und mehr
verwertbaren Zuwachs. So fördert insbeson-
dere die frühzeitige Stammzahlreduktion den
Durchmesserzuwachs und führt zu günstigen
H/D-Werten. Im Vergleich zur künstlichen Ver-
jüngung fallen die investiven Kosten bei der
Naturverjüngung vornehmlich im Rahmen der
Jungwuchspflege an. Neben der Mischungs-
regulierung steht dabei die rationelle Stamm-
zahlreduktion im Vordergrund.
Frühzeitig und effektiv
Aus ökonomischer Sicht sind die Eingriffe auf
das notwendige Ausmaß (Intensität und Häu-
figkeit) zu beschränken und mit möglichst mi-
nimalem Aufwand (optimales Arbeitsverfah-
ren) zu führen.
In Naturverjüngungen wirkt nicht nur die
Konkurrenz der Bäumchen untereinander,
sondern auch die Beschattung und Wurzel-
konkurrenz durch die Altbäume (Oberstand).
In den ersten Jahren nach dem Auflaufen sind
ca. 25 bis 50 % Belichtung für das Wachstum
optimal. Das Kronendach der Altbäume sorgt
für ausgeglichenes, kühl-feuchtes Bestandes-
innenklima, das günstig auf den Wasserhaus-
halt der Bäumchen wirkt. Mit zunehmender
Durchwurzelung können die Pflanzen aber
auch extremere Bedingungen ertragen und
die volle Sonnenstrahlung ausnutzen. Bereits
nach etwa fünf Jahren sind die Höhenzuwäch-
se deshalb ohne den Schirm des Altbestandes
am größten.
Immer dort, wo deutliche Gradienten des Kro-
nenschlusses gegeben sind, verstärken diese
die baumindividuellen Wuchsunterschiede. So
bewirken beispielsweise Lücken in einem weit-
gehend geschlossenen Bestand die Bildung
von Verjüngungskegeln. Bei gleichmäßigeren
und stärkeren Auflichtungen auf großer Flä-
che, wie sie bei Schirmhieben gegeben sind,
schafft weniger das Licht, als vielmehr das
Wurzelwerk der freier stehenden Altbäume
entsprechende Gradienten im Höhenwachs-
tum der Verjüngung. Außerhalb der Wurzel-
werke erwächst jedoch eine flächendeckend
vorhandene Verjüngung mehr oder weniger in
einem Guss auf. Gleiches trifft auch auf weit-
gehend geschlossene bis lockere Altbestände
oder auf Freiflächen zu.
Fehlt diese differenzierende Wirkung des Ober-
standes und handelt es sich um flächendeckend
gleichförmige Verjüngungen, so empfehlen sich
frühzeitige schematische Eingriffe. Diese kön-
nen bei Baumhöhen zwischen 0,5 und 1,5 Meter
mit dem Freischneider erfolgen. Für Laubbäume
und verbiss- und schälgefährdete Nadelbäume
ist eine streifenweise Pflege zu empfehlen. In-
nerhalb eines etwa einen Meter breiten Strei-
fens bleibt die Stammzahl erhalten und sorgt
für Astreinigung bzw. Wildschutz. Das Freistel-
len von 400 bis 500 Bäumen ist bei Nadelbäu-
men oder sehr raschwüchsigen Laubbäumen
(Aspe, Birke, Ahorn) sinnvoll. Bei annähernd
gleichem Arbeitsaufwand kann der nächste
selektive Pflegeeingriff (ab sechs Meter Höhe)
eventuell günstiger durchgeführt werden.
Stammzahlkorridore zwischen dem Erreichen des Dichtschlusses bei zwei Meter Höhe (in
Klammern der durchschnittliche Abstand, in dem ein Baum zu finden sein sollte) und dem
bei sechs Meter Höhe ansteigenden Schneebruchrisiko (in Klammern der Standraum, den
vorwüchsige Bäume mindestens haben sollten).
Baumarten
Mindestzahl bei 2 m Höhe
Maximalzahl bei 6 m Höhe
Lärche, Douglasie
1.000 bis 2.000 (3 - 4 m)
2.000 bis 3.000 (2 - 5 m²)
Fichte, Tanne
1.500 bis 3.000 (2 - 3 m)
3.000 bis 4.000 (2 - 4 m²)
Kiefer
3.000 bis 5.000 (1 - 2 m)
5.000 bis 7.000 (1,5 - 2 m²)
Ahorn, Esche, sonst. Laubbäume
3.000 bis 5.000 (1 - 2 m)
5.000 bis 7.000 (1,5 - 2 m²)
Buche, Eiche
5.000 bis 7.000 (< 1 m)
7.000 bis 10.000 (> 1 m²)
Variante
Parameter
Vorteile
Nachteile
Pflegepfad
9 – 12,5 h/ha
(235 – 325 Euro/ha)
Reduktion N: 20 %
- einfach durchführbar
- gliedert Fläche
- sichert Begehbarkeit
- kostengünstig
- nur bis ca. 1,5 m durchführbar
- geringer Pflegeeffekt
unregelmäßige Freistellung
11 – 17,5 h/ha
(285 – 455 Euro/ha)
Reduktion N: ~ 25 %
- wie Pflegepfad
- höherer Pflegeeffekt
- nur bis ca. 1,5 m durchführbar
Freistellen von 400 vorwüchsigen
GFI in einem Radius von 1 m
11 – 30 h/ha
(285 – 780 Euro/ha)
Reduktion N: 13 %
- einfach durchführbar
- kostengünstig
- selektiver Pflegeeffekt
- keine Gliederung
- ab 2 m Höhe fehlende Übersicht
- Ergonomie (gebückte Haltung)
- erhöhte Disposition geförderter
Fichten (Schneedruck, Schäle)
selektive Förderung
15 – 30 h/ha
(390 – 780 Euro/ha)
Reduktion N: max. 10.000 Stk./ha
- selektiver Pflegeeffekt
- keine Destabilisierung
- keine Gliederung
- hoher Aufwand
- kostenintensiv
- mehrfaches Arbeiten notwendig
Jungbestandespflege
(Höhe 6 bis 10 m)
Vergleichswert Planungsprogramm
von Sachsenforst:
300 – 400 Euro/ha
- kostengünstig
- selektiver Pflegeeffekt
- setzt Begehbarkeit voraus
- steigender Aufwand in dichter
Verjüngung
- Gefahr einer schlechten Stabilitäts-
entwicklung
Bisherige Ergebnisse zu den Pflegevarianten (die Kosten wurden mit einem Stundensatz von 26 Euro errechnet)

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Die aufwendigere frühzeitige Reduktion auf
eine Zielstammzahl (z. B. 1.500 Stück/ha bei
nicht standortsgerechter Fichtenbestockung)
sollte immer dann das Mittel der Wahl sein,
wenn die Baumart nur als Zwischenbesto-
ckung in kurzer Produktionszeit genutzt wer-
den soll.
Wenn sich die Individuen flächig in kleinen
Baumgruppen und unterschiedlichen Baum-
höhen präsentieren, die Struktur also we-
sentlich heterogener ist, sollte konventionell
selektiv eingegriffen werden. Dies trifft auch
auf Situationen mit langfristig stabilen Über-
schirmungen oder Baumartenmischungen zu.
Zeitlich sollte die Jungwuchspflege immer
nach den Eingriffen (bspw. Nachlichtungen/
Räumung) im Altbestand erfolgen. Auf die-
se Weise können die durch auftreffende Kro-
nen entstehenden Schäden als willkommene
Stammzahlreduktion integriert werden.
Die Quellenangaben der zitierten Literatur er-
halten Sie beim Autor.
Unterschiedliche Ausgangssituationen erfordern ein differenziertes waldbauliches Vorgehen
links: ein etwa 100-jähriger Fichtenbestand im Forstbezirk Adorf, eine hohe individuelle Stabilität des Oberstan-
des in Verbindung mit einer fortgeschrittenen Verjüngungssituation ermöglichen eine langfristige Erntenut-
zung und damit die direkte Überführung in eine vertikal strukturierte, stabile Bestandesstruktur
rechts: ein gleichaltriger Fichtenbestand im Forstbezirk Neudorf mit homogener horizontaler und vertikaler
Struktur, geringer Kronenanteil im Oberstand, kniehohe Naturverjüngung mit stagnierendem Wachstum im
Unterstand. Eine ausreichende Stabilisierung des Einzelbaumes im Oberstand ist nicht mehr möglich. Ein langer
Erntenutzungs- und Verjüngungszeitraum in Verbindung mit einer Auflösung der kollektiven Stabilität führt
(im Vergleich mit dem Bestand auf dem linken Bild) zu einem deutlich höheren Risiko des Eintretens starker
Sturm- inkl. Folgeschäden
Das neue Jagdrecht in Sachsen
Hinweise zu den wichtigsten Regelungen und Änderungen
Am 1. September 2012 trat das neue Säch-
sische Jagdgesetz (SächsJagdG vom 8. Juni
2012) in Kraft. Damit wurde das Sächsische
Landesjagdgesetz vom 8. Mai 1991 nach
grundlegender Novellierung abgelöst. Da-
rauf aufbauend wurde die neue Sächsische
Jagdverordnung (SächsJagdVO vom 27. Au-
gust 2012) erlassen. Abgelöst wurde auch die
Richtlinie über die Hege und Bejagung des
Schalenwildes vom 27. März 2003 durch die
Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staats-
ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
über Schalenwild (VwV Schalenwild vom
1. April 2013).
Mit dem neuen sächsischen Jagdrecht werden
die Rechte und damit die Eigentümerverant-
wortung der Grundeigentümer aber auch die
der Jagdausübungsberechtigten vor Ort ge-
stärkt. Bewährtes, wie die Bindung des Jagd-
rechts an Grund und Boden, das Reviersystem
und die Hegeverpflichtung wurden beibehal-
ten.
Befriedete Bezirke und Eigenjagdbezirke
Eigentümer von Grundstücken in befriede-
ten Bezirken dürfen nunmehr neben Dach-
sen, Füchsen und Mardern auch Wasch-
bären und Nutrias fangen. Töten dürfen
sie diese Tiere aber nur, wenn sie im Be-
sitz eines Jagdscheines sind oder die er-
forderliche Sachkunde nachweisen können.
Neu im Jagdrecht ist die Möglichkeit der Bil-
dung von Eigenjagdbezirken anerkannter
Forstbetriebsgemeinschaften für Waldflächen
ihrer Mitglieder unter bestimmten Vorausset-
zungen (§ 10 Abs. 2 SächsJagdG). Eine Voraus-
Rehwild
Sven Martens ist Referent im Referat
Waldbau, Waldschutz im Kompetenz-
zentrum Wald und Forstwirtschaft von
Sachsenforst

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16 |
setzung ist, dass mindestens 250 Hektar zu-
sammenhängende Waldfläche vorhanden sein
muss, um einen solchen Eigenjagdbezirk zu
bilden. Bestehende gemeinschaftliche Jagd-
bezirke, die von einer solchen Bildung eines
Eigenjagdbezirkes betroffen wären, müssen
erhalten bleiben. In diesem Zusammenhang
bestehende Pachtverträge können nur ein-
vernehmlich vor Ende der Pachtzeit beendet
werden. Die Genehmigung ist von der unteren
Jagdbehörde zu erteilen.
Jagdpacht
Neuerungen sind hier die sofortige Jagd-
pachtfähigkeit von volljährigen Jagdschein-
inhabern und spezielle Kündigungsrechte von
Jagdpachtverträgen für Grundeigentümer und
Jagdpächter z. B. bei zu hohen Wildschäden
oder bei wesentlichen Änderungen der Land-
bewirtschaftung. Der Verpächter ist zur Kün-
digung berechtigt, wenn die für die örtlichen
Verhältnisse tragbare Höhe der Wildschäden
überschritten ist und es dem Jagdpächter
nicht gelingt, innerhalb einer angemessenen
Frist, die Wildschäden auf eine tragbare Höhe
zu minimieren. Die Pachtdauer beträgt künftig
einheitlich neun Jahre.
Abschusspläne
In Sachsen gibt es keinen behördlich bestä-
tigten Abschussplan für Rehwild mehr. In ge-
meinschaftlichen Jagdbezirken können und
sollten Vereinbarungen über die Mindesthö-
he des Rehwildabschusses getroffen werden.
Für die Wildarten Rot-, Dam- und Muffelwild
ist ein Abschussplan zu erstellen, wenn mehr
als jeweils sechs Stück weibliches Wild bzw.
männliches Wild der Altersklasse 0 dieser
Wildarten innerhalb von drei Jagdjahren er-
legt werden sollen. Für Hegegemeinschaften
besteht die Möglichkeit, Gruppenabschuss-
pläne aufzustellen. Gegenüber der Behörde
erfolgt dann die Planung nur nach Stückzahl
und Wildart. Forstliche Gutachten der Forst-
behörden werden nur noch in den gemein-
schaftlichen Jagdbezirken erstellt, in denen
der Abschuss von Rot-, Dam- und Muffelwild
geplant wurde.
Wildschäden
In Sachsen gibt es kein (Vor-)Verfahren zum
Ersatz von Wildschäden. Die bisher gelten-
den Anmeldepflichten von Wildschäden bei
der zuständigen Behörde sind weggefallen.
Der Geschädigte, also z. B. der Waldbesitzer,
hat jedoch die Ersatzpflichtigen und Jagdaus-
übungsberechtigten unverzüglich zu unter-
richten, sobald er unter Beachtung der ge-
botenen Sorgfalt Kenntnis von den Schäden
erlangt hat.
Vor Beschreiten des ordentlichen Rechtsweges
ist der Nachweis des Versuchs einer gütlichen
Einigung (Dokumentation!) zu erbringen.
Sächsische Jagdverordnung vom
27. August 2012
Mit Inkrafttreten der neuen jagdgesetzlichen
Regelungen sind über das Bundesjagdgesetz
hinausgehend zusätzliche Tierarten zu Wild
erklärt worden (§ 3, SächsJagdVO). Somit un-
terliegen nun z. B. auch der Wolf und die Nil-
gans dem Jagdrecht in Sachsen.
Kirrmittel zum Anlocken für Schalenwild sind
Getreide, Baumfrüchte, Obsttrester oder Mais.
Die Menge ist auf drei Kilogramm begrenzt,
soweit die zuvor ausgebrachten Mittel vom
Wild aufgenommen wurden.
Änderungen gibt es auch bei der Jägerprü-
fung. So bleiben dem Prüfling nicht bestan-
dene Prüfungsteile 18 Monate erhalten und
können in diesem Zeitraum, ohne die gesam-
te Prüfung absolvieren zu müssen, wiederholt
werden.
Für Bewerber zur Jägerprüfung mit land- oder
forstwirtschaftlicher Berufsausbildung redu-
ziert sich der geforderte Ausbildungsstunden-
umfang von 120 Stunden auf 90 Stunden.
Die Sächsische Jagdverordnung enthält auch
Regelungen zum Mindestinhalt der Jagdge-
nossenschaftssatzungen. In Verbindung mit
§ 11 Abs. 6 SächsJagdG gibt es eine wesent-
liche Änderung bei der Vertretungsregelung.
So kann sich ein Jagdgenosse bei einer Ver-
sammlung durch einen anderen Jagdgenos-
sen vertreten lassen. Diese Person darf meh-
rere, jedoch nicht mehr als drei Jagdgenossen
vertreten. Bestehende Jagdgenossenschafts-
satzungen sind bis zum 31. März 2014 anzu-
passen.
Verbissschaden an Weißtanne
Die selektive Waldbiotopkartierung ist eine
landesweite Bestandesaufnahme von natur-
schutzfachlich wertvollen Lebensräumen im
Wald. Darunter versteht man die Abgrenzung,
Erfassung und Darstellung von naturnahen,
seltenen oder besonders vielfältigen Aus-
schnitten von Natur und Landschaft. Biotope
stellen aufeinander angepasste Pflanzen- und
Tiergesellschaften in ihrem charakteristischen
Lebensraum dar.
Waldbiotopkartierung im Privatwald
Die Ergebnisse der Waldbiotopkartierung fin-
den Berücksichtigung bei Planungsverfahren
und bei der Beurteilung von Eingriffen in Na-
tur und Landschaft. Durch Folgekartierungen
können Entwicklungstrends einzelner Biotop-
typen abgeleitet werden.
Die erste landesweite Waldbiotopkartierung
in Sachsen wurde in den Jahren 1994 – 2000
durch die Forstverwaltung erarbeitet. Sie lie-
ferte einen Überblick über Vorkommen und
Verbreitung ausgewählter Biotoptypen in allen
Waldeigentumsarten. Die Aktualisierung wur-
de notwendig, da nach rund einem Jahrzehnt
zahlreiche Veränderungen eingetreten sind. Es
können sich zum Beispiel Baumartenanteile,
Strukturmerkmale oder die räumliche Ausdeh-
nung des Biotops verändert haben.
Im Jahr 2006 wurde in Zusammenarbeit von
Sachsenforst und dem Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie die Aktualisie-
Frank Marschner ist Referent in der
Oberen Forst- und Jagdbehörde
bei Sachsenforst

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| 17
rung der selektiven Biotopkartierung mit einer
Testkartierung gestartet.
Nach dem Abschluss der Aktualisierungsarbei-
ten im öffentlichen Wald wurde Sachsenforst
nun vom Sächsischen Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) beauf-
tragt, die Waldbiotopkartierung im Privat-
wald zu aktualisieren. Die Aktualisierungsar-
beiten werden in den Jahren 2013 – 2016 von
Forstsachverständigen im Auftrag von Sach-
senforst jeweils in den Monaten Mai bis Sep-
tember durchgeführt.
Der Schwerpunkt 2013 liegt im Forstbezirk
Oberlausitz in den Landkreisen Bautzen und
Görlitz. In den Folgejahren werden dann wei-
tere Bereiche in Sachsen bearbeitet.
Ziel der Aktualisierung ist es, die für den Na-
turschutz wertvollen Bereiche detailliert zu
dokumentieren und Veränderungen gegen-
über den bisherigen Erfassungen festzuhal-
ten. Grundlage ist dabei das Sächsische Na-
turschutzgesetz (§ 26 SächsNatSchG).
Grundsätze der Kartierung
Die Waldbesitzer werden vor Beginn der Kar-
tierungsarbeiten entsprechend des Waldgeset-
zes für den Freistaat Sachsen (SächsWaldG) in
geeigneter Weise (Mitteilungsblätter, Bekannt-
machungen, Tagespresse) über die Kartierar-
beiten informiert.
Die Aktualisierung der selektiven Waldbiotop-
kartierung erfolgt nach folgenden Grundsät-
zen:
Erfasst werden nach § 30 Bundesnatur-
schutzgesetz (BNatSchG) / § 26 Sächs-
NatSchG besonders geschützte Biotoptypen,
wie z. B. Moor- und Bruchwälder, Quellbe-
reiche, naturnahe Fließgewässer u. a. sowie
seltene naturnahe Waldgesellschaften. Be-
achtung finden aber auch wertvolle Biotop-
typen, die nicht gesetzlich geschützt sind
(z. B. Waldränder, Hecken).
Die Angaben zu Altbiotopen werden aktuali-
siert und vorgegebene Biotoperwartungsflä-
chen auf ihren naturschutzfachlichen Wert
hin überprüft. Weiterhin werden zufällige
Neufunde erfasst. Es erfolgt kein vollflächi-
ger Begang des Kartiergebietes.
Die Genauigkeit der kartographischen Dar-
stellung wird erhöht, indem die Digitali-
sierung nicht mehr auf der Grundlage der
topographischen Karten sondern auf dem
aktuellen Luftbild erfolgt.
Die Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Richtlinie
fordert, dass der Erhaltungszustand von Le-
bensräumen auch außerhalb der FFH-Ge-
biete zu dokumentieren ist. Die meisten der
zu kartierenden Biotoptypen sind identisch
mit bestimmten FFH-Lebensraumtypen (z. B.
Biotoptypen „WCN Bodensaurer Buchenwald
des Tief- und Hügellandes“ und „WCB Bo-
densaurer Tannen-Fichten-Buchenwald des
Berglandes“ entsprechen dem LRT „9110 Bo-
densaurer Buchenwald“). Das bedeutet, dass
mit der aktualisierten Waldbiotopkartierung
gleichzeitig die Anforderungen der FFH-
Richtlinie erfüllt werden. Eine eigenständi-
ge Erfassung der Lebensraumtypen entfällt.
Die bereits erfassten Lebensraumtypen in-
nerhalb der FFH-Gebiete werden im Rahmen
der Waldbiotopkartierung nicht aktualisiert.
€ Im Vergleich zur ersten Waldbiotopkartie-
rung werden auch junge Bestände kartiert,
wenn sie einem Biotoptyp entsprechen, der
gleichzeitig Lebensraumtyp ist (z. B. junge
Buchenbestände).
Die aktuelle Kartieranleitung ist auf der In-
ternetseite von Sachsenforst veröffentlicht.
Informationen für Waldbesitzer
Die Ergebnisse der Waldbiotopkartierung un-
terstützen die Waldbesitzer bei der Erfüllung
ihrer Aufgaben nach dem Waldgesetz für den
Freistaat Sachsen.
Aktuelle Angaben zu naturschutzfachlich sen-
siblen Bereichen im Wald (z. B. Feuchtbiotope)
geben Sicherheit bei der Planung und Durch-
führung forstlicher Bewirtschaftungsmaßnah-
men. So liefert die Waldbiotopkartierung unter
anderem Antworten auf folgende Fragen:
Kommen in meinem Wald besonders wert-
volle Biotope vor?
Liegt mein Wald in einem Schutzgebiet?
Was muss bei Bewirtschaftungsmaßnahmen
innerhalb wertvoller Biotope beachtet wer-
den?
Die Ergebnisse der Biotopkartierung sind auch
bei der Erarbeitung von Förderanträgen hilf-
reich.
Die Revierförster von Sachsenforst informie-
ren Sie als Waldbesitzer im Rahmen der Bera-
tung zu möglichen Schutzkategorien in ihrem
Wald, so auch über die Waldbiotope.
Daneben sollen künftig nutzerfreundliche Re-
cherchemöglichkeiten auf den Internetseiten
von Sachsenforst zur Verfügung stehen, so-
dass Sie sich eigenständig Einblick in die Er-
gebnisse der Waldbiotopkartierung verschaf-
fen können.
Bereits jetzt wird im Themenportal Wald
(www.forsten.sachsen.de/wald)
des SMUL auf
eine interaktive Biotopkarte verwiesen, die im
Sachsenatlas eingebunden ist. Derzeit arbeitet
Sachsenforst an einer Integration der Wald-
biotopdaten in ein nutzerfreundliches Inter-
netportal des Staatsbetriebes Geobasisinfor-
mation und Vermessung Sachsen (GeoSN).
Waldbesitzer sollen sich damit noch besser als
bisher über ihren Wald und die zu beachten-
den naturschutzrechtlichen und -fachlichen
Fakten informieren können.
Für die Organisation der Waldbiotopkartie-
rung ist innerhalb der Geschäftsleitung von
Sachsenforst das Referat Naturschutz im Wald
zuständig.
Ulrich Wendt ist Referent im Referat
Naturschutz im Wald bei Sachsenforst
Mittlerer Sonnentau im Wackelsteinmoor

18 |
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit seinem
Urteil vom 2. Oktober 2012 (Az.: VI ZR 311/11)
eine grundlegende Entscheidung zur Verkehrs-
sicherungspflicht des Waldbesitzers im Wald
und an Waldwegen getroffen.
Sachverhalt
Eine Waldbesucherin ging im Sommer 2006
mit ihrem Hund in einem etwa 300 ha großen,
planmäßig bewirtschafteten Wald spazieren.
Dieser Wald liegt in Stadtrandnähe und wird
von der Bevölkerung als Naherholungsgebiet
stark frequentiert. Sie befand sich auf einem
etwa 3,5 Meter breiten Forstwirtschaftsweg,
als von einer fünf bis sechs Meter vom Weg
entfernt stehenden Eiche ein ca. 17 m lan-
ger Starkast abbrach und sie am Hinterkopf
traf. Die Spaziergängerin erlitt hierdurch eine
schwere Hirnschädigung und ist nach mehre-
ren stationären Krankenhaus- und Klinikauf-
enthalten pflegebedürftig.
Wegen Verletzung seiner Verkehrssicherungs-
pflicht nahm die Geschädigte daraufhin den
Waldbesitzer und den bei ihm angestellten Re-
vierförster gerichtlich in Anspruch. Während
in der ersten Instanz die Klage abgewiesen
wurde, gab ihr das Oberlandesgericht Recht
und verurteilte sowohl den Waldbesitzer als
auch den Revierförster zur Zahlung von Scha-
densersatz. Ein zuvor beigezogener Sachver-
ständiger kam zu der Erkenntnis, der Baum sei
für den Fachkundigen sichtbar vorgeschädigt
gewesen, insbesondere das erhebliche Gewicht
und der Schrägstand des Astes (sog. Löwen-
schwanzast) hätten die Stabilität des Baumes
erheblich beeinträchtigt. Dieses Urteil hat der
BGH mit der Begründung, dass das vorin-
stanzliche Gericht Ausmaß und Umfang der
für einen Waldbesitzer geltenden Verkehrssi-
cherungspflichten überspanne, aufgehoben.
Rechtliche Bewertung
In seinem dem Urteil vorangestellten Leitsatz
betont der BGH, dass eine Haftung des Wald-
besitzers wegen der Verletzung der Verkehrssi-
cherungspflicht grundsätzlich nicht für wald-
typische Gefahren besteht.
Ausgangspunkt sind die von der Rechtspre-
chung entwickelten Grundsätze der Verkehrs-
sicherungspflicht. Hiernach ist derjenige, der
eine Gefahrenquelle schafft, unterhält oder
in seinem Verantwortungsbereich andauern
Verkehrssicherungspflicht im Wald
lässt, verpflichtet, die möglichen und zumut-
baren Vorkehrungen zu treffen, um eine
Schädigung anderer zu verhin-
dern. Klar ist allerdings, dass
eine jedwede Schädigung
ausschließende Verkehrssi-
cherung im praktischen Leben
nicht erreicht werden kann.
Daher sind nur diejenigen
Sicherheitsvorkehrungen
zu treffen, die ein verstän-
diger, umsichtiger, vorsich-
tiger und gewissenhafter
Angehöriger der betroffenen
Verkehrskreise für ausreichend
halten darf, um andere Personen vor
Schäden zu bewahren, und die
den Umständen nach zuzumu-
ten sind.
Die Sicherheitserwartungen
im Wald konkretisiert § 11 Abs. 2
Satz 1 des Waldgesetzes für den Freistaat
Sachsen (SächsWaldG). Diese Vorschrift re-
gelt, dass das Betreten des Waldes auf eigene
Gefahr erfolgt. Der Waldbesucher setzt sich
mit dem Betreten des Waldes bewusst der
dort bestehenden Gefahrenlage aus. Nach der
Wertung des Gesetzgebers fallen diese Gefah-
ren grundsätzlich in seinen Verantwortungs-
bereich. Eine Haftung des Waldbesitzers für
waldtypische Gefahren wird hierdurch aus-
geschlossen. Dieser Haftungsausschluss gilt
auch für Waldwege. Da Waldwege nach § 2
Abs. 2 SächsWaldG als Wald gelten, kann der
Waldbesucher, der auf eigene Gefahr Waldwe-
ge betritt, grundsätzlich nicht erwarten, dass
der Waldbesitzer Sicherheitsmaßnahmen ge-
gen waldtypische Gefahren ergreift.
Mit solchen Gefahren muss der Waldbesucher
stets, also auch auf Wegen rechnen. Risiken,
die ein freies Bewegen in der Natur mit sich
bringen, gehören nach Ansicht des BGH regel-
mäßig zum entschädigungslos hinzunehmen-
den allgemeinen Lebensrisiko. Der Haftungs-
ausschluss für waldtypische Gefahren stellt
den Ausgleich dafür her, dass der Waldbesitzer
das Betreten des Waldes durch den Waldbesu-
cher dulden muss, ohne dass ihm die – jedem
anderen Grundstückseigentümer zustehende
– Möglichkeit eröffnet ist, den Besucherver-
kehr aus Gründen der Verkehrssicherheit aus-
zuschließen. Da Waldwege mangels entspre-
chender Widmung keine öffentlichen Straßen
nach dem Straßen- und Wegerecht darstel-
len, sind dem Waldbesitzer selbst an stark fre-
quentierten Waldwegen Baumkontrollen wie
bei Straßenbäumen nicht zuzumuten. Hier
tritt der BGH insbesondere der Rechtspre-
chung mancher Oberlandesgerich-
te entgegen, die eine Verkehrssi-
cherungspflicht des Waldbesitzers
bei stark frequentierten Waldwegen
bislang bejaht haben.
Zu den waldtypischen Gefahren, ge-
gen die der Waldbesitzer Wald-
wege grundsätzlich nicht si-
chern muss, zählen solche, die
sich aus der Natur oder der ord-
nungsgemäßen Bewirtschaftung
des Waldes unter Beachtung der
jeweiligen Zweckbestimmung er-
geben. Sie umfassen diejenigen
Gefahren, die von lebenden und
toten Bäumen ausgehen, insbe-
sondere herabhängende Äste sowie
die mangelnde Stand- und Bruchsi-
cherheit von Bäumen. Auch wenn ein ge-
schulter Baumkontrolleur diese Gefahr erken-
nen kann, bleibt sie doch eine waldtypische
Gefahr, für die der Waldbesitzer nicht einzu-
stehen hat.
Für atypische Gefahren, auch auf Waldwegen,
muss der Waldbesitzer demgegenüber einste-
hen. Hierunter fallen alle nicht durch die Na-
tur oder durch die Art der Bewirtschaftung
mehr oder weniger zwangsläufig vorgegebe-
nen Zustände, insbesondere vom Waldbesit-
zer geschaffene oder geduldete Gefahren, die
ein Waldbesucher nicht oder nicht rechtzei-
tig erkennen kann und auf die er sich nicht
einzurichten vermag, weil er nicht mit ihnen
rechnen muss. Beispielhaft werden in dem Ur-
teil nicht waldtypische Hindernisse, die einen
Weg versperren oder ungesicherte Holzstapel
angeführt.
Schlussfolgerungen für den Waldbesitzer:
Mit seinem Urteil vom 2. Oktober 2012 stellt
der BGH klar, dass sowohl der Waldbesitzer als
auch der in seinem Auftrag tätige Revierförs-
ter für waldtypische Gefahren im Wald und
auf Waldwegen grundsätzlich nicht einzuste-
hen haben.
Diese Entscheidung bringt daher den Akteu-
ren im Wald mehr Rechtssicherheit. Wer aller-
dings die Urteilsgründe aufmerksam studiert,
dem fällt die häufige Verwendung des Wortes
„grundsätzlich“ auf. Durch eine solche Formu-
lierung behalten sich Juristen die Möglichkeit
von „Ausnahmen“ vor, um auch gegebenen-
Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes

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| 19
falls abweichende Einzelfälle sachgerecht ent-
scheiden zu können.
Wenn also ohne jeden Zweifel eine Gefahr
besteht, die sich in allernächster Zeit in ei-
nen Schaden realisieren und dabei eine Viel-
zahl von Waldbesuchern erheblich verletzen
oder gar töten könnte, und der Waldbesitzer
hiervon Kenntnis erlangt, sollten auch weiter-
hin Verkehrssicherungsmaßnahmen an Bäu-
men neben Waldwegen durchgeführt wer-
den. Soweit insbesondere hängende Bäume,
angebrochene Starkäste oder Baumkronen,
absterbende Bäume in bedrohlicher Schiefla-
ge über ausgewiesenen oder viel begangenen
Wanderwegen dem Waldbesitzer bekannt sind,
sollten zeitnah Sicherheitsvorkehrungen ge-
troffen werden.
Nach der Rechtsprechung des BGH und der
Oberlandesgerichte bestehen Verkehrssiche-
rungsverpflichtungen an Waldbäumen wei-
terhin dann, wenn auf dem betreffenden
Grundstück oder dem Nachbargrundstück ein
gesteigerter Besucherverkehr eröffnet wurde,
z. B. in der Nähe zu öffentlichen Wegen und
Straßen, an Parkplätzen, Kinderspielplätzen,
Erholungseinrichtungen oder entlang von Be-
bauung. Von diesen Bäumen gehen für die Be-
nutzer der Straßen und Anlagen dann Gefahren
aus, wenn die Bäume nicht mehr hinreichend
stand- bzw. bruchsicher sind und die nahelie-
gende Möglichkeit besteht, dass Äste oder gan-
ze Bäume unvermutet auf die Straße stürzen.
Dem Verkehrssicherungsverpflichteten obliegt
es, in diesen Fällen dafür zu sorgen, dass bei
kranken oder alten Bäumen rechtzeitig Maß-
nahmen ergriffen werden, die einerseits zum
Schutz gegen Astabbruch bzw. Windwurf er-
forderlich, andererseits unter Berücksichti-
gung des umfangreichen Baumbestandes auch
zumutbar sind.
Zu der allgemeinen Gefahrenvorsorge gehört
es danach, Bäume in regelmäßigen Abständen
auf Fehler in der Rinde, in der Belaubung und
auf Totholz zu kontrollieren. Im Normalfall
reicht eine an den örtlichen Gegebenheiten
orientierte regelmäßige äußere Sichtprüfung
bezogen auf die Gesundheit und Standsicher-
heit des Baumes aus. Bei der Sichtkontrolle
erkannte Mängel müssen unverzüglich besei-
tigt werden.
Eine eingehendere Untersuchung ist dann
vorzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die
der Erfahrung nach auf eine besondere Ge-
fährdung hindeuten, wie etwa eine spärliche
oder trockene Belaubung, trockene Äste, äu-
ßere Verletzungen, Wachstumsauffälligkeiten
oder Pilzbefall.
Eine ausführlichere Darstellung enthält der
Beitrag „Verkehrssicherungspflicht im und
am Wald“ in der Waldpost 2011. Informa-
tionen liefert auch das Internetportal
www.
waldwissen.net. Der aid infodienst Ernährung,
Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V. hat
die Broschüre „Verkehrssicherungspflicht der
Waldbesitzer“ herausgegeben.
Änderung des Sächsischen Gesetzes über
den Brandschutz, Rettungsdienst und Ka-
tastrophenschutz (SächsBRKG)
Zum 15. September 2012 wurde die Vorschrift
des § 69 Absatz 3 des Sächsischen Gesetzes
über den Brandschutz, Rettungsdienst und
Katastrophenschutz (SächsBRKG) geändert.
Nunmehr kann jede Gemeinde durch Satzung
bestimmen, dass zum Ersatz der Kosten, die
durch den Einsatz der Feuerwehr außerhalb
der Brandbekämpfung entstehen, auch der Ei-
gentümer der Sache, deren Zustand den Ein-
satz erforderlich gemacht hat, oder derjeni-
ge, der die tatsächliche Gewalt über die Sache
ausübt, verpflichtet ist.
Somit steht es den Städten und Gemeinden
ab diesem Zeitpunkt offen, auf der Grundlage
einer entsprechenden Kostensatzung die Kos-
ten für technische Hilfeleistungen – wozu die
Gerichte auch die Beseitigung umgestürzter
Bäume oder abgebrochener Baumteile von
öffentlichen Straßen und Wegen zählt – dem
Waldbesitzer in Rechnung zu stellen.
Was ist, wenn sich der Eigentümer nicht mehr
um seinen Wald kümmern kann?
Nachfolgeregelungen im (Klein-)Privatwald
Eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft im Sin-
ne des Waldgesetzes für den Freistaat Sachsen
erfordert grundsätzlich eine stetige und kon-
tinuierliche Waldbewirtschaftung. Auch klei-
ne Waldparzellen benötigen deshalb zumin-
dest gelegentliche Aufmerksamkeit und Pflege.
Deutlich wird das immer dann, wenn nach
Schadereignissen Handlungsbedarf besteht,
wenn Schneebruch aufgearbeitet, Käferbäu-
me gefällt oder Wege freigeschnitten werden
müssen. Im ungünstigsten Fall ist kein Wald-
besitzer feststellbar oder es besteht eine Er-
bengemeinschaft mit sehr heterogenen Zielen.
Doch was ist, wenn sich der Eigentümer nicht
mehr um seinen Wald kümmern kann? Gründe
dafür gibt es einige: aus Zeitmangel, wegen
der großen Entfernung zwischen Wald und
Wohnort oder aus gesundheitlichen Gründen.
Die Fälle könnten Anlass zu der Überlegung
sein, den Wald in andere Hände zu geben. Das
können z. B. die Nachkommen oder auch be-
nachbarte Waldbesitzer sein.
Im Folgenden möchten wir dazu einige As-
pekte aufzeigen. Vorweggenommen sei, dass
Sachsenforst keine Rechtsberatung durch-
führt. Für die im konkreten Einzelfall erforder-
lichen Regelungen und die damit verbundenen
Kosten sollte man sich an einen Rechtsanwalt
oder Notar wenden.
Sofern ein Waldeigentümer nur vorüberge-
hend verhindert ist, z. B. wegen eines beruf-
lichen Einsatzes im Ausland, könnte, neben
der Mitgliedschaft in einer Forstbetriebsge-
Anne-Kristin Sense ist Leiterin der Zentra-
len Vergabestelle, Verkehrssicherung
Innerer Dienst bei Sachsenforst

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20 |
meinschaft, unter anderem eine Verpachtung
des Grundstücks in Betracht gezogen werden.
Zwar wird der Eigentümer durch einen sol-
chen Vertrag nicht von allen ihm nach Sächs-
WaldG obliegenden Verpflichtungen frei, da
sowohl der Pächter als auch der „Waldbesit-
zer“ i. S. v. § 5 SächsWaldG sind. Aber bei ent-
sprechender Vereinbarung wird die tatsächli-
che Bewirtschaftung des Grundstücks durch
den Pächter übernommen und der verhinderte
Eigentümer erhält den vereinbarten Pachtzins.
Falls ein Waldeigentümer dauerhaft zur Be-
wirtschaftung außerstande ist, sollte er eine
grundsätzliche Lösung anstreben. Diese kann
im Verkauf des Grundstücks liegen (vgl. Bei-
trag „Waldkauf und –verkauf – was ist zu be-
achten?“). Selbstverständlich kann das Grund-
stück auch verschenkt werden. Abzuraten ist
dagegen, die Aufgabe des Eigentums durch Er-
klärung gegenüber dem Grundbuchamt gem.
§ 928 I Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), denn
zum einen wird der Eigentümer dadurch nicht
aller öffentlich-rechtlichen Pflichten ledig,
zum anderen kann diese Entscheidung nicht
ohne Weiteres rückgängig gemacht werden.
Das Aneignungsrecht an herrenlosen sächsi-
schen Grundstücken steht gem. § 928 II BGB
nur dem Freistaat Sachsen zu, von dem es der
ehemalige Eigentümer (voraussichtlich ent-
geltlich) wieder erwerben müsste.
Sofern eine Regelung für den Todesfall an-
gestrebt wird, kann diese durch Testament
oder Erbvertrag erfolgen. Bei mehreren ge-
setzlichen oder testamentarischen Erben, die
eine Erbengemeinschaft bilden, erfolgt die
Verfügung und die Verwaltung des Privat-
waldgrundstücks bis zur Erbauseinanderset-
zung gemeinschaftlich. Wenn absehbar ist,
dass eine rasche Einigung unter den Erben
unwahrscheinlich ist, kann der Eigentümer
durch Testament einen Testamentsvollstre-
cker einsetzen. Dessen Bestimmung kann so-
gar einem Dritten oder dem Nachlassgericht
überlassen werden (§§ 2198, 2200 BGB). Die-
ser Testamentsvollstrecker ist bis zur Erbausei-
nandersetzung zur Verwaltung des Nachlasses
verpflichtet (§ 2205 BGB). Wer im Übrigen die
Vernichtung oder Verfälschung seines privat-
schriftlichen Testamentes fürchtet, kann es
beim zuständigen Amtsgericht in besonde-
re amtliche Verwahrung geben, § 2248 BGB.
Schließlich kann auch mit demjenigen, der
den Wald übernehmen soll, ein notariell be-
urkundeter Erbvertrag geschlossen werden.
Darin kann zum Beispiel bindend vereinbart
werden, dass die Person, die zu Lebzeiten des
Waldbesitzers den Wald bewirtschaftet, später
den Grund und Boden erbt.
Besondere erbrechtliche Regelungen bestehen
für landwirtschaftliche Betriebe, die dann zu
beachten sind, wenn der Privatwald Bestand-
teil eines solchen ist.
Juristen können den Ehepartner nach der
Hochzeitsnacht mit dem Wunsch überraschen,
nunmehr ein gemeinschaftliches Testament zu
verfassen. Laien sind oftmals gehemmter, Vor-
sorge für ihr Ableben zu treffen. Aber wir wis-
sen weder dessen Tag noch Stunde, sodass wir
wegen der Verantwortung für unsere Erben
und für die Gegenstände, die wir hinterlassen,
diese verständliche Scheu überwinden sollten.
Miriam Birgit Reinhart ist
Referentin Referat Recht bei Sachsenforst
Waldkauf und -verkauf
Was ist zu beachten?
Die Motivation oder der Anlass zum Ankauf
oder Verkauf von Waldflächen kann vielfältig
sein. Sei es zum Beispiel das Bedürfnis, sein
Geld in die Erweiterung seiner Betriebsfläche
anzulegen, sich eine Waldfläche unter anderem
für die Brennholzwerbung zuzulegen, oder sei
es der Verkaufsdruck, dass die eigene Kraft zur
Bewirtschaftung nicht mehr ausreicht und sich
Unterstützung durch Familie und Freunde nur
noch schwer organisieren lässt.
Nachfolgende Hinweise sollen helfen, bei
anstehenden Entscheidungen wesentliche
Rahmenbedingungen und Möglichkeiten ei-
nes Grundstückverkehrs mit Waldflächen zu
berücksichtigen. Schließlich geht es um Ver-
mögenswerte und eine möglichst sichere und
überschaubare Abwicklung solcher Geschäfte.
Marktlage
Zurzeit besteht ein „verkäuferfreundlicher
Markt“ für Waldflächen, welcher durch eine
hohe Kaufnachfrage und ein im Vergleich ge-
ringeres Flächenangebot gekennzeichnet ist.
Dies führt aktuell zu hohen Verkehrswerten
(= Kaufpreisen) für Waldflächen. Als Ursa-
chen für die hohe Nachfrage nach Waldflä-
chen können unter anderem das Bedürfnis

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| 21
der Bevölkerung und der Investoren angeführt
werden, Geld eher in „Ländereien“, anstatt in
einen wankenden Finanzmarkt anzulegen, als
auch der aktuell günstige Teilmarkt für das
nachwachsende Waldprodukt Holz. Und spielt
nicht auch oftmals der Gedanke mit, sich in
gewissem Umfang von der Abhängigkeit fos-
siler Energieträger zu lösen, sich ein eigenes
Stück Natur zu Nutze zu machen?
Formale Voraussetzungen
Zum Verhandlungsbeginn sollte gesichert
sein, dass der Verkäufer auch tatsächlich und
in vollem Umfang über das Waldvermögen
verfügen kann. Als Beleg der Verfügungsge-
walt dienen das Grundbuch und gegebenen-
falls davon abweichend ein vom Nachlassge-
richt ausgestellter Erbschein. Wertmindernde
oder absolute Verfügungseinschränkungen
können dennoch bestehen, so zum Beispiel
durch Grundstücksbelastungen (Grundschul-
den) oder bereits die Verhandlungsfläche
betreffende Auflassungsvormerkungen zu-
gunsten Dritter. Diese sind in der Zweiten Ab-
teilung der Grundbücher eingetragen. Hinter-
fragen Sie ruhig ihren Verhandlungspartner
gezielt nach der Ausgangslage. Es wäre doch
ärgerlich, sich in Verhandlungen einzulassen
und am Ende feststellen zu müssen, dass das
Geschäft gar nicht zustande kommen kann.
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sieht als
Grundform des Eigentumswechsels an Grund-
stücken die Abgabe einer Auflassungserklä-
rung (Beurkundung Kaufvertrag) vor einem
Notar vor (vgl. §§ 925 ff. BGB). Der frei wähl-
bare Notar berät in den Möglichkeiten einer
sicheren Vertragsabwicklung, prüft die for-
malen Voraussetzungen und sorgt nach Be-
urkundung für den vereinbarungsgemäßen
und Vorschriften entsprechenden Vollzug des
Eigentumswechsels bis hin zur Umschreibung
des Eigentümers im Grundbuch.
Kaufpreis
Unabhängig von der Form eines Eigentums-
wechsels obliegt es hauptsächlich den Ver-
handlungspartnern, sich über den Kaufpreis
beziehungsweise den Wertausgleich zu eini-
gen. Nichts ist spannender als die Frage: „Wie
viel wert ist der Wald?“
Die Kaufpreisfindung ist bei Waldgrundstü-
cken eine vielschichtige Angelegenheit, da
hier neben dem im Grundstücksverkehr üb-
lichen (Wald-)Bodenwert auch noch der Wert
des aufstockenden Baumbestandes (Bestan-
deswert) hinzukommt. Der Bodenwert spiegelt
die Ertragskraft (Nährkraft, Wasserversorgung)
und Wirtschaftlichkeit (Wegeanbindung,
Hangneigung) der Grundfläche wider und
wird oftmals über Wertrelationen angrenzen-
der Landwirtschaftsböden hergleitet. Demge-
genüber stellt sich die Berechnung des Be-
standeswertanteils schon komplexer dar, da
hierbei zahlreiche Bestandesdaten wie Baum-
artenanteil, Alter, Zuwachsniveau, Bestandes-
dichte, Zielalter, Holzgüte und Baumschäden
Berücksichtigung finden.
Wie will man das alles als Laie überschauen?
Es gibt Hilfe. Zum einen besteht die Mög-
lichkeit, sich unentgeltlich in den Gutachter-
ausschüssen der Landkreise und Kreisfreien
Städte telefonisch nach sogenannten Boden-
richtwerten zu erkundigen. Diese Bodenricht-
werte werden in den Ausschüssen für viele
Bodennutzungsarten, so auch für Waldflä-
chen, aus den Ergebnissen zurückliegender
Grundstücksverkehrsgeschäfte abgeleitet. Sie
spiegeln somit in begrenztem Umfang die ak-
tuelle Marktlage wider. Bodenrichtwerte sind
keine bindenden Verkehrswerte, sondern für
eine Region zur Orientierung dienende Ver-
gleichswerte. Zu beachten gilt hierbei jedoch,
dass die Gutachterausschüsse oftmals nicht
die in der Waldbewertung übliche Trennung
zwischen Waldbodenwert und Bestandeswert
abbilden, sondern nur mit den Durchschnitts-
werten für ‚Wald mit Bestand‘ dienen kön-
nen. Leider ist dieser „Mischwert“ nicht sehr
hilfreich, wenn man die Vielfalt der Kriterien
bedenkt, welche den die Kaufpreishöhe be-
stimmenden Bestandeswert ausmachen. Wer
möchte zum Beispiel schon seinen gut ge-
pflegten, alten Fichtenbestand zu dem Wert
eines durchschnittlich jüngeren Fichtenbe-
standes verkaufen?
Die beste – weil fachlich fundiert und den je-
weiligen Bedingungen angepasste – Hilfe kön-
nen Ihnen jedoch die zahlreichen Forstsach-
verständigen geben. Deren Dienstleistung gibt
es zwar nicht umsonst, bringt aber die Ge-
wissheit, dass man bei den Preisverhandlun-
gen nicht auf dem ‚Holzweg‘ ist. Das Geld, das
man in eine Waldwertschätzung oder ein Ver-
kehrswertgutachten investiert, hat man auch
schnell durch fundiertes Verhandeln wieder
herausgeholt.
Sachsenforst hilft Ihnen gern, forstlichen
Sachverstand für eine Waldbewertung zu fin-
den. Bewertungsleistungen für Dritte darf
Sachsenforst aber nicht erbringen. Vor einem
Waldverkauf wird empfohlen, auch die Wald-
nachbarn anzusprechen. So können größere
und damit besser zu bewirtschaftende Betrie-
be entstehen. Falls der Nachbar nicht bekannt
ist, kann auch hier der Revierförster helfen,
natürlich immer unter Beachtung des Daten-
schutzes.
Nebenkosten
Kaufinteressenten sollten bedenken, dass ne-
ben dem Kaufpreis auch noch weitere Kosten
aus einem Waldflächenerwerb zu bestreiten
sind.
So entstehen für die Leistungen der Nota-
re Kosten, welche in der Regel der Erwerber
trägt. Notarkosten betragen ca. 1,5 Prozent
des Kaufpreises.
Ein weiterer, in der Regel vom Käufer zu tra-
gender Nebenkostenbestandteil sind die Ge-
bühren für den Grundbuchvollzug, welche
von den jeweils Grundbuch führenden Amts-
gerichten erhoben werden (ca. 0,5 Prozent des
Kaufpreises).
Ein wesentlicher Nebenkostenbestandteil ist
die Grunderwerbssteuer, welche durch die Fi-
nanzämter grundsätzlich vom Erwerber per
Bescheid erhoben werden. Die Grunderwerbs-
steuer ist eine Ländersteuer. Sie kann folglich
zwischen den Bundesländern variieren. Im Frei-
staat Sachsen beträgt die Grunderwerbssteuer
gegenwärtig 3,5 Prozent des Kaufpreises.
Weitere Gebühren können für die Attestierung
(der Nichtinanspruchnahme) von gesetzlichen
Vorkaufsrechten entstehen. Diese erforderli-
chen Atteste holen die Notare ein. Die At-
testkosten erheben die vorkaufsberechtigten
Körperschaften (u. a. Gemeinde) gemäß ihren
jeweiligen Gebührenordnungen gegenüber
den Erwerbern, können aber vom Umfang in
den oben genannten Notarkostenanteil schon
als mit enthalten angesehen werden.
Sollte man sich für einen Grundstückskauf
Geld leihen müssen, sind neben den öffent-
lichen Kosten und Gebühren auf alle Fälle Fi-
nanzierungskosten zu berücksichtigten.
Forstgrenzstein

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22 |
Erhebliche Kosten können entstehen, wenn
es um den Erwerb einer Teilfläche eines Flur-
stückes geht. Wer die Kosten einer für den
Grundbuchvollzug unumgänglichen Trenn-
vermessung trägt, ist grundsätzlich verhan-
delbar. In der Regel trägt die Vermessungskos-
ten jedoch der Erwerber. Kostenangebote für
katasterwirksame Vermessungen können bei
den im Freistaat Sachsen hierfür ermächtigten
Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren
(ÖbV) eingeholt werden.
Rechte und Pflichten
Denkt man über einen Grunderwerb nach,
sind auch aus dem Grundbesitz resultierende
Rechte und Pflichten zu bedenken.
Neben den speziellen Waldbesitzerpflichten
gemäß den Regelungen des Waldgesetzes für
den Freistaat Sachsen und anderer Fachgeset-
ze sei hier vielmehr auf die allgemeinen Ver-
pflichtungen als Grundeigentümer zur Ent-
richtung der Grundsteuer, zur Abwehr von
Gefahrenquellen und zu Versicherungspflich-
ten verwiesen.
Diese Verpflichtungen stellen wiederkehren-
de Lasten dar. Während sich die Grundsteuer
leicht anhand der Grundsteuerbescheide der
erhebenden Gemeinde kalkulieren lässt, stellen
die erforderlichen Aufwendungen zur Herstel-
lung verkehrssicherer Zustände am Grundver-
mögen eine schwer kalkulierbare Größe dar.
Zu unterschiedlich sind die Naturausstattun-
gen der Waldflächen, die Sicherheitsansprüche
des zu schützenden Gutes, die nachbarschaft-
lichen Nutzungsverhältnisse, um pauschale
Einheiten für Aufwandsabschätzungen nen-
nen zu können.
Zu beachten ist ferner, dass die Beiträge für
die Sozialversicherung für Landwirtschaft,
Forsten und Gartenbau (SVLFG) als Pflicht-
versicherung zu entrichten sind.
Vor und nach dem Schaden klug sein
Hinweise zur Bewältigung von Schadereignissen im Wald
Die Stürme Lothar 1999 und Kyrill 2007, der
Tornado 2010 sowie Hochwasser-, Dürre- und
Schneebruchschäden haben in den vergange-
nen Jahren gezeigt: mit Schadereignissen im
Wald werden sich Waldbesitzer immer wieder
auseinandersetzen müssen.
Ob es sich beispielsweise um großräumige
Stürme, regionale Schneebruchschäden oder
lokale Borkenkäferkalamitäten handelt, für die
betroffenen Waldbesitzer besteht die Heraus-
forderung der Bewältigung der Schäden und
später die Frage, wie die Schadflächen wieder
bestockt werden können.
Selbstverständlich wird die Herangehenswei-
se in einem fünf Hektar großen Betrieb an-
ders aussehen als in einem größeren Betrieb
mit mehreren hundert Hektar. Die Erfahrung
zeigt jedoch, dass sich auch Eigentümer klei-
ner Flächen Gedanken um mögliche Risiken
machen sollten.
Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit die-
ser Thematik zu beschäftigen. Häufig fällt in
diesem Zusammenhang der Begriff „Risikoma-
nagement“. Dazu gehören:
die Vorsorge und Prävention
die unmittelbare Gefahrenabwehr durch die
zuständigen Behörden des Brandschutzes,
Rettungsdienstes und Katastrophenschut-
zes, wie z. B. die Waldbrandbekämpfung
durch die Feuerwehr
die Bewältigung der Schadereignisse und
schließlich
die Wiederherstellung der Bestände und der
forstlichen Infrastruktur.
Im Folgenden werden einige Aspekte der Be-
wältigung von Schadereignissen aufgezeigt.
Diese Aspekte gelten auch für die Eigentü-
mer kleiner Flächen, denn auch kleinflächi-
ge Schneebrüche oder Sturmwürfe bedürfen
eines organisierten Vorgehens bei der Aufar-
beitung.
Die Strategie bei der Bewältigung von Schad-
ereignissen hängt maßgeblich von folgenden
Faktoren ab:
der Art des Schadereignisses
der Ausdehnung und Schwere des Schader-
eignisses
der Relevanz für den eigenen Betrieb
Unabhängig davon haben sich aus der Er-
fahrung bisheriger Schadgeschehen einige
Schwerpunkte herauskristallisiert:
Sturmschäden im Erzgebirge
Andreas Knüpfer ist Leiter des Referates
Staatswaldvermögen bei Sachsenforst

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Ermittlung des Schadausmaßes
Das Schadausmaß lässt sich in der Regel nur
durch eine Kontrolle der Bestände feststellen.
Das ist Aufgabe der Waldbesitzer. Dabei kann
bereits Kontakt mit Nachbarwaldbesitzern
aufgenommen werden, um die Schäden ge-
meinsam abzuarbeiten. Die Revierförster von
Sachsenforst unterstützen dabei im Rahmen
der Beratung.
Vor allem entlang öffentlicher Verkehrswege,
in der Nähe von Gebäuden und Erholungsein-
richtungen am und im Wald ist der Waldbe-
sitzer gefordert. Dabei ist zu kontrollieren, ob
vom Eigentum Gefahren für die öffentliche
Ordnung und Sicherheit ausgehen.
Werden dabei Gefahren erkannt, müssen diese
unverzüglich beseitigt werden.
Sofern keine Waldsperrung von Amts wegen
zum Schutz der Waldbesucher durch die un-
teren Forstbehörden der Landkreise und Kreis-
freien Städte erfolgt, können auch Waldbesit-
zer diese vornehmen (§ 13 SächsWaldG). Die
Sperrung durch Waldbesitzer bedarf der Ge-
nehmigung der unteren Forstbehörde. Wenn
sie weniger als zwei Monate dauert, ist sie bei
der unteren Forstbehörde unverzüglich anzu-
zeigen. Die Waldsperrungsverordnung (Wald-
SpVO) regelt u. a. die Art und Kennzeichnung
der Sperrung.
Arbeitsschutz
Insbesondere die Beseitigung von Sturm- und
Schneebruchschäden ist aufgrund der schwer
einzuschätzenden Spannungsverhältnisse im
Holz sehr gefährlich und sollte nur von fachlich
geeigneten Spezialisten ausgeführt werden!
Die u. a. von Sachsenforst in Kooperation mit
der Sozialversicherung für Landwirtschaft,
Forsten und Gartenbau (SVLFG) angebotenen
Schulungen können eine fundierte Berufs-
ausbildung und mehrjährige Erfahrung in der
Waldarbeit nicht ersetzen.
Sofern das Schadholz dennoch selbst auf-
gearbeitet wird, ist neben der persönlichen
Schutz ausrüstung, technisch einwandfreien
und mit den vorgeschriebenen Schutzeinrich-
tungen versehenen Werkzeugen und Geräten
das richtige Verhalten Voraussetzung für eine
unfallfreie Waldarbeit. Maßgeblich sind dafür
die Regeln der Berufsgenossenschaft Waldar-
beit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversi-
cherung, BGR/GUV-R 2114 vom Juni 2009.
Dazu gehört: auch im Wald niemals allein zu
arbeiten und vor Beginn der Arbeiten eine
Rettungskette zu organisieren!
Schadholzaufbereitung
Die Reihenfolge der Aufarbeitung hängt von
verschiedenen Faktoren ab wie Baumarten,
Höhenlage, Standort, Sortimente, Hiebsanfall,
forstsanitäre Situation.
Auch bei der Aufarbeitung von Schadholz
sind selbstverständlich die gesetzlichen Be-
stimmungen einzuhalten. Die Revierförster
von Sachsenforst geben Auskunft über mög-
liche Schutzkategorien im Wald wie z.B. Na-
turschutzgebiete, FFH-Gebiete, Horstschutz-
zonen oder Wasserschutzgebiete.
Bewährt hat sich auch die Bildung von wald-
besitzübergreifenden Bearbeitungsblöcken.
Neben dem Arbeitsschutz kommt der Gewähr-
leistung der Verkehrssicherheit eine wesentli-
che Bedeutung zu. Bei Großschadereignissen
sollten reguläre Hiebsmaßnahmen zuguns-
ten einer Entlastung des Holzmarktes und der
Freilenkung dringend benötigter Aufarbei-
tungskapazitäten gestoppt werden.
Hinsichtlich der Reihenfolge bei der Aufarbei-
tung kann von folgenden allgemeinen Grund-
sätzen ausgegangen werden:
Fläche vor Masse, das heißt: Einzel- und Nes-
terschäden vor flächigem Schadholzanfall
stark dimensioniertes Holz vor schwächeren
Beständen
Bestände auf sonnenexponierten und/oder
trockenen Standorten sind bevorzugt aufzu-
arbeiten
angeschobene oder geworfene Bäume mit
ausreichendem Wurzel-/Bodenkontakt, der
eine Grün-/Lebendlagerung zulässt, werden
zum Schluss aufbereitet.
Holzlagerung und -konservierung
Ziel der Holzlagerung ist die Erhaltung der
Holzqualität. Bei der Wahl der Konservie-
rungsmethode sind mehrere Aspekte zu be-
achten:
Art des Schadereignisses
Baumarten und Sortimente
Marktsituation
vermutliche Lagerdauer
Vorhandensein geeigneter Lagerplätze
genehmigungsrechtliche Aspekte (betrifft
v. a. Nasslager)
personeller und finanzieller Aufwand
Am verbreitetsten ist die Trockenlagerung –
aus Gründen des Waldschutzes besser au-
ßerhalb des Waldes. Wirkungsvoll ist die
Nasslagerung des Holzes. Die Anlage von
Nasslagerplätzen stellt jedoch hohe Anfor-
derungen an Planung, Organisation und Un-
terhaltung. Sie kommt deshalb überwiegend
bei Großschadereignissen mit tiefgreifenden
Marktstörungen zur Anwendung. Seit einiger
Zeit wird auch Folienlagerung getestet. Ge-
nerell eine Alternative ist die Lebendkonser-
vierung, wenn die Wurzeln noch teilweise mit
dem Boden verbunden sind. Geringen Kosten
steht hierbei jedoch ein höheres Waldschutz-
risiko gegenüber.
Holzvermarktung
Aufgrund der leistungsfähigen Holzindustrie
ist die Vermarktung der Schadhölzer bei regi-
onalen Schadereignissen meist gut möglich.
Erlösmindernd kann sich jedoch die Entwer-
tung des Holzes durch Folgeschäden auswir-
ken. Dies hat Güteklassenabstufungen oder
Schneebruchschäden im Privatwald

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Umsortierungen (von Stammholz zu Indus-
trieholz) zur Folge. Diese negativen Effekte
können einerseits durch die Organisation der
Aufarbeitung abgemildert werden, anderer-
seits ist insbesondere für größere Betriebe und
Forstbetriebsgemeinschaften bei Langfristver-
trägen die Vereinbarung entsprechender Kala-
mitätsklauseln sinnvoll. Die Vermarktung kann
durch die Waldbesitzer selbst, durch forstliche
Dienstleister, über Forstbetriebsgemeinschaf-
ten oder über Sachsenforst erfolgen.
Informationsaustausch und
Zusammenarbeit
Auf die Zusammenarbeit mit benachbarten
Waldbesitzern wurde schon hingewiesen. Die
Revierförster von Sachsenforst unterstüt-
zen die Waldbesitzer dabei, den Kontakt zu
benachbarten Waldbesitzern oder Forstbe-
triebsgemeinschaften in der Region herzustel-
len und nennen auch forstliche Dienstleister
für die Aufarbeitung. Die Revierförster von
Sachsenforst beraten auch zu Fragen der Prä-
vention und Bewältigung forstlicher Schad-
ereignisse.
Im Internet finden Sie unter
www.sachsenforst.de/waldbesitzer
Ihren Revierförster von Sachsenforst.
Darüber hinaus wird in einem länderübergrei-
fenden Projekt namens „Prävention und Ma-
nagement forstlicher Krisen – PuMa“ umfang-
reiches Informationsmaterial zur Bewältigung
forstlicher Schadereignisse erarbeitet, aktua-
lisiert und im Internet zur Verfügung gestellt.
Sachsenforst ist seit 2012 Mitglied im Projekt.
Unter
www.waldwissen.net,
Stichwort „Hand-
buch Sturm“ stehen dort umfangreiche Mate-
rialien bereit.
Baum des Jahres 2013:
Der europäische Wildapfel
Der europäische Wildapfel (Malus sylvestris
(L.) Mill.) ist Baum des Jahres 2013. Er ist der
einzige in Europa heimische wilde Verwand-
te unseres Kulturapfels. Viele Menschen ken-
nen ihn nicht, weil er in den meisten Gebieten
Deutschlands nur noch selten zu finden ist.
Verbreitung und Gefährdung
Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über
viele Teile Europas bis hin zum Ural im Osten
und zur Iberischen Halbinsel im Westen. Im
Norden ist der Wildapfel bis Südskandinavi-
en verbreitet und im Süden kann man ihn
mit etwas Glück bis zum Mittelmeer finden.
Trotz des sehr groß erscheinenden Verbrei-
tungsgebietes gibt es nur noch sehr wenige
zusammenhängende Populationen in Eu-
ropa. Stattdessen finden wir den Wildapfel
häufig als zerstreute Vorkommen mit ei-
ner Populationsgröße unter 50 Individuen
oder als Einzelexemplar.
Für Deutschland konnten in einer aktu-
ell durchgeführten Erhebung nur noch etwa
5.500 Wildapfelexemplare gezählt werden.
Größere Vorkommen finden wir nur noch in
den Hartholzauen der mittleren Elbe und des
Oberrheins. Lokale Verbreitungsschwerpunkte
gibt es in der Schwäbischen Alb und im Nord-
sauerland. In Sachsen sind größere Wildap-
felvorkommen vor allem im Osterzgebirge be-
kannt.
Aufgrund seiner ungleichmäßigen Verbrei-
tung innerhalb Deutschlands wird seine Ge-
fährdungssituation je nach Bundesland un-
terschiedlich bewertet: In Schleswig-Holstein,
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-
Württemberg und Sachsen wird der Wildapfel
als gefährdet bzw. stark gefährdet eingestuft.
In Hessen steht der Wildapfel auf der Vor-
warnliste der gefährdeten Arten.
Merkmale und Artabgrenzung
Der Wildapfel ist ein bis zu 15 Meter hoher
Baum, der 80 - 100 Jahre alt werden kann.
Durch seine abstehenden Äste, die häufig
leicht überhängen, kann er ein straucharti-
ges Aussehen annehmen. Im Gegensatz zum
Kulturapfel sind die Früchte des Wildapfels
sauer und rau im Geschmack und daher nicht
wohlschmeckend. Wegen des harten Frucht-
fleisches wird der Wildapfel häufig auch als
Holzapfel bezeichnet.
Wie bei nur wenigen Kulturpflanzen in unserer
Heimat existieren beim Apfel Kultur- und Wild-
art nebeneinander. Zwischen beiden Formen
gibt es keine Kreuzungsbarrieren, sodass die-
se miteinander hybridisieren und Mischformen
entstehen. Häufig sind solche Hybride aus Kul-
tur- und Wildapfel schwer voneinander zu un-
terscheiden. Folgende morphologische Merk-
male deuten auf einen ‚echten‘ Wildapfel hin:
Kleine grüne Früchte unter 35 mm, ohne
Deckfarbe. Rote Bäckchen, Streifen oder
eine Marmorierung der Früchte resultieren
aus einer Einkreuzung des Kulturapfels.
Keine oder kaum Behaarung der Blattunter-
seite und des Blattstängels. Die Blätter des
Kulturapfels sind dagegen stark bis filzig be-
haart
Keine oder kaum Behaarung an den Blüten-
teilen (Blütenstängel, Fruchtknoten, Kelch-
blätter)
Wildapfel am Geisingberg
Bert Schmieder ist Leiter des Referates
Privat- und Körperschaftswald,
Forstpolitik bei Sachsenforst

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Der Wildapfel weist jedoch eine hohe intra-
spezifische Variabilität auf. Daher ist eine
eindeutige Identifizierung von ‚echten‘ Exem-
plaren, neben der Berücksichtigung weiterer
zahlreicher morphologischer Merkmale, nur
mithilfe einer genetischen Analyse möglich.
Maßnahmen zur Erhaltung des Wildapfels
Aufgrund der jetzigen Gefährdungssituati-
on des Wildapfels sind Maßnahmen für seine
Erhaltung notwendig. Dabei sollte die Siche-
rung vorhandener Bäume an ihrem natürli-
chen Standort (in situ) immer das erste Mittel
der Wahl sein. In diesem Zusammenhang ist
ein besonders wichtiger Schritt die Verbes-
serung der Konkurrenzsituation des Wildap-
fels. Dies erfolgt durch Rückschnitt der den
Wildapfel bedrängenden Nachbarbäume und
Sträucher. Auch ist die Nachpflanzung von
Jungbäumen zur Verdichtung der Population
eine entscheidende Maßnahme, um langfristig
eine selbstständige Verjüngung der Populati-
on zu gewährleisten. Ist die Anzahl der Indi-
viduen innerhalb des Vorkommens zu gering,
die Bäume zu alt oder geschädigt, sind andere
Maßnahmen notwendig. In solchen Fällen ist
die Anlage einer Erhaltungssamenplantage (ex
situ) sinnvoll. Zum einen wird damit das vor-
handene genetische Potenzial gesichert und
zum anderen Saatgut für eine Wiedereinbrin-
gung bereitgestellt.
Sachsenforst bereitet gegenwärtig in Graupa
die Anlage einer Generhaltungs- und Saat-
gutplantage vor. Die Vorbereitung dazu läuft,
2015 soll dann die Plantage bepflanzt werden.
Darüber hinaus dient ein gemeinsames und
mit Bundesmitteln gefördertes Projekt mit der
Grünen Liga Osterzgebirge e. V. der langfris-
tigen Erhaltung seltener, gebietsheimischer
Wildobstgehölze in Sachsen, darunter auch
des Wildapfels.
Nutzen und Verwendung
Der Wildapfel ist besonders geeignet für Ext-
remstandorte, als Mischwaldelement in lichten
Wäldern oder für eine Waldrandgestaltung.
Dort dient er zahlreichen Tieren als Brutstätte
oder Unterschlupf. Im Frühjahr bietet die wei-
ße bis blassrosa Blütenpracht Bienen Nahrung,
während im Herbst die Früchte von vielen Le-
bewesen als Nahrungsquelle genutzt werden.
Auch wir Menschen können den Wildapfel
durchaus nutzen. Der Wildapfel hat eine ge-
ringe holzwirtschaftliche Bedeutung, es kön-
nen aber daraus schöner Schmuck, Spielzeug
oder Kunstgegenstände gefertigt werden. Ver-
arbeitet zu Tee, sind die Früchte wegen ihres
hohen Vitamin-C-Gehaltes ein altbewährtes
und wohlschmeckendes Mittel gegen Fieber
und Erkältungen. Auch sind Wildäpfel weiter-
verarbeitet zu Gelee oder Eis zu genießen. Für
alle, die es etwas kräftiger mögen, kann aus
den Wildäpfeln auch ein aromatischer Wild-
apfelbrand destilliert werden.
Was kann der Waldbesitzer für den Erhalt
des Wildapfels tun?
Findet ein Waldbesitzer ein oder sogar mehre-
re Exemplare des Wildapfels in seinem Wald,
kann er sich rühmen, Eigentümer einer beson-
ders seltenen Baumart zu sein. Zu seiner Er-
haltung kann er ebenfalls beitragen. So helfen
beispielsweise Schnittmaßnahmen an den be-
nachbarten Bäumen die Konkurrenzsituation
des lichtbedürftigen Wildapfels zu verbessern
und ihm optimale Wachstumsbedingungen zu
bieten.
Hat ein Waldbesitzer noch keinen Wildapfel in
seinem Wald stehen, wird er möglicherweise
durch diesen Beitrag angeregt, bei der nächs-
ten Waldrandgestaltung Wildapfelbäume zu
pflanzen. Wildapfel-Jungpflanzen, bei denen
die ‚Echtheit’ mittels genetischer Analysen
nachgewiesen ist, sind bei der Grünen Liga
Osterzgebirge e. V. erhältlich
(www.wildapfel.
info). Diese Jungpflanzen wurden in Koopera-
tion mit Sachsenforst produziert.
Weitere Quellen:
www.wildapfel.info/
www.wildapfel.info/downloads/2011-
abschlussbericht.pdf
www.waldwissen.net/wald/naturschutz/arten/
sbs_wildapfel/index_DE
www.wildobstsachsen.de
Die wichtigsten morphologischen Merkmale zur Un-
terscheidung des Wildapfels vom Kulturapfel
A: von links nach rechts: unbehaarte Blattunterseite
eines Wildapfels, leichte Behaarung der Blattunter-
seite deutet auf einen Hybrid hin, filzige Blattunter-
seite eines Kulturapfels
B: links: kahler Blattstängel eines Wildapfels, rechts:
behaarter Blattstängel des Kulturapfels
C: links: kahler Blütenstängel eines Wildapfels,
rechts: behaarter Blütenstängel des Kulturapfels
D: links: Wildapfel-Frucht ohne Deckfarbe, Mitte und
rechts: Frucht mit leichter Deckfarbe bzw. Marmo-
rierung deutet auf Einfluss des Kulturapfels bzw. auf
verwilderten Kulturapfel hin
E: mögliche Grundfarben des Wildapfels
F: links: Fruchtgröße Wildapfel; rechts: Fruchtgröße
Kulturapfel
A
B
C
D
E
F
Dr. Stefanie Reim ist Referentin im
Referat Forstgenetik, Forstpflanzenzüch-
tung im Kompetenzzentrum Wald und
Forstwirtschaft bei Sachsenforst

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26 |
Im Januar 2014 findet die nunmehr 15. Säge-
und Wertholzsubmission von Sachsenforst
statt. Damit hat sich die Submission als eine
hervorragende Möglichkeit zur Vermarktung
wertvoller Stämme und Raritäten etabliert
– sowohl für den Landeswald als auch den
Privat- und Körperschaftswald. Von anderen
bundesweiten Submissionen unterscheidet
sich unser Meistgebotstermin durch das An-
gebot (neben Furnierhölzern auch gute Säge-
holzqualitäten verschiedener Baumarten) so-
wie die sehr breit gefächerte Kundenstruktur.
Sie reicht von ausländischen Furnierkäufern
bis zu regional ansässigen Handwerkern und
Orgelbauern.
Die Vorbereitungen dazu beginnen bereits im
Spätsommer / Herbst mit der Identifizierung
vermarktungsfähiger Bäume. Auskünfte zu
den Qualitätsanforderungen und Vermark-
tungsmöglichkeiten der einzelnen Baumarten
sowie zum genauen Ablauf der Submission
geben die Forstbezirke von Sachsenforst.
Unsere 1. Ausgabe der Waldpost 2011 enthält
übrigens einen umfangreichen Beitrag zu den
Anforderungen an die Wertholzstämme, der
unter
www.sachsenforst.de/waldbesitzer
he-
runtergeladen werden kann.
Bei der zurückliegenden Submission 2013
wurden 1.170 fm auf dem Platz in der Dresd-
ner Heide zum Verkauf angeboten. Bemer-
kenswert: Der größte Anteil kam aus dem Pri-
vat- und Körperschaftswald. 102 Waldbesitzer
lieferten insgesamt 76 % der Menge.
Der erzielte Durchschnittspreis kann sich mit
290 Euro je Festmeter sehen lassen!
Diese Zahlen zeigen einmal mehr: Auch auf
kleinen Waldflächen können Wertholzbäume
stehen. Waldbesitzer sollten ihren Wald unter
diesem Gesichtspunkt anschauen – die Revier-
förster von Sachsenforst beraten dazu gern.
Das Marktgeschehen lässt sich zum jetzigen
Zeitpunkt schwer vorhersagen. Nach Erfah-
rungen aus der Vergangenheit und Gesprä-
chen mit Kunden zeichnen sich jedoch fol-
gende Tendenzen ab:
Die Baumarten Stiel- und Traubeneiche, Berg-
ahorn und Lärche lassen bei der nächsten
Submission wieder Höchstpreise erwarten.
15. Säge- und Wertholzsubmission
in Sachsen 2013/2014
Ebenso werden Obstgehölze wie Schwarz-
oder Bitternuss von sehr guter Qualität wie-
der zu guten Preisen absetzbar sein. Lediglich
die Vogelkirsche bildet derzeit eine Ausnahme.
Ebenfalls sind Erdstammstücke von Fichten
der Güterklasse A nachgefragt. Durchschnitt-
lich nachgefragt werden voraussichtlich
Esche, Weymouthkiefer, Roterle und Roteiche.
Leider wird bei der Buche in diesem Jahr kei-
ne Preiserholung stattfinden. Bestenfalls ge-
ringe Mengen sollten von Birke, Vogelkirsche
und Kiefer angeboten werden. Zu beachten ist
außerdem, dass die Stämme bereits im No-
vember eingeschlagen, vermessen und gerückt
werden, damit das Holz Anfang Dezember auf
den Submissionsplatz in die Dresdener Heide
transportiert werden kann. Weitere Informa-
tionen zur Submission sind in der Waldpost
2011 enthalten sowie im Internet unter
www.sachsenforst.de/waldbesitzer.
Auswertung der Submission mit Waldbesitzern in der Dresdener Heide
Herr Michael Blaß ist Sachbearbeiter im
Referat Holzmarkt bei Sachsenforst

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| 27
Novellierung des Holzhandels-Sicherungsgesetzes
Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist nicht nur in
diesem Jahr und nicht nur in Deutschland
sondern weltweit aktuell. Der Holzhandel ist
dabei eine wesentliche Einflussgröße zur Re-
duzierung illegaler Holzeinschläge. Von der
Europäischen Union wurde 2003 der Ak-
tionsplan FLEGT zur Bekämpfung des illega-
len Holzeinschlages beschlossen und in einem
ersten Schritt die Einrichtung eines FLEGT-
Genehmigungssystems für Holzeinfuhren in
die EU (Verordnung (EG) Nr. 2173/2005 vom
20. Dezember 2005) geregelt. Dieser sieht vor,
dass die Holzerzeugerländer ein freiwilliges
Abkommen mit der EU schließen, was auch
einige Länder bisher getan haben.
In einem zweiten Schritt wurde im Jahr 2010
die EU-Handelsverordnung (Verordnung (EG)
Nr. 995/2010, auch als EU-Timber Regulation
– kurz EUTR - bezeichnet), welche Regelungen
über die Verpflichtung von Marktteilnehmern
trifft, die Holz und Holzprodukte in Verkehr
bringen, verabschiedet. Diese wird seit März
2013 angewendet. Mit dem Inkrafttreten des
novellierten Gesetzes gegen den Handel mit
illegal eingeschlagenem Holz (Holzhandels-
Sicherungs-Gesetz - HolzSiG) zum 9. Mai
2013 ist nunmehr neben der Verordnung (EG)
Nr. 2173/2005 auch die Verordnung (EG) Nr.
995/2010 in nationales Recht umgesetzt wor-
den. Damit wird nun Holz aus allen Herkunfts-
ländern erfasst, einschließlich der EU selbst.
Das Inverkehrbringen von Holz aus illegalem
Einschlag ist unabhängig vom Herkunftsland
grundsätzlich verboten. Damit sind auch die
Waldbesitzer, die Holz in Verkehr bringen,
von den Regelungen der beiden EU-Verord-
nungen bzw. des HolzSiG betroffen. Neben
dem Verbot des Inverkehrbringens von illegal
geschlagenem Holz (z. B. entgegen wald- oder
naturschutzrechtlicher Vorschriften) sind die
Waldbesitzer darüber hinaus verpflichtet, be-
stimmte Informationen zu dem vermarkteten
Holz bereitzustellen (Holz- bzw. Produktart,
Land des Holzeinschlags, Menge, Name und
Anschrift des Abnehmers und Nachweise da-
für, dass das Holz den geltenden Rechtsvor-
schriften entspricht) und fünf Jahre aufzube-
wahren.
Das HolzSiG regelt die Befugnisse der zu-
ständigen Behörden sowie Sanktionen bei
Verstößen. Zuständige Kontrollbehörde für
importiertes Holz ist die Bundesanstalt für
Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Für die
Waldbesitzer in Deutschland sind die Länder-
behörden zuständig. Im Freistaat Sachsen sind
das die unteren Forstbehörden. Diese überwa-
chen bereits die Einhaltung der waldgesetzli-
chen Vorschriften im Rahmen der Forstauf-
sicht. Verstöße gegen das HolzSiG können
grundsätzlich als Ordnungswidrigkeit oder
bei entsprechender Schwere als Straftat be-
handelt werden, zudem kann das illegal einge-
schlagene Holz durch die Behörde eingezogen
und veräußert werden.
Näheres soll eine Verwaltungsvorschrift des
BMELV regeln, die noch in dieser Legislatur-
periode der Bundesregierung verabschiedet
werden soll. Sie soll insbesondere Aussagen
zur Bestimmung der Marktteilnehmer und zu
Kontrollen des Verbots des Inverkehrbringens
sowie zur Anwendung der Sorgfaltspflichten
durch die Marktteilnehmer enthalten, um ei-
nen bundesweit einheitlichen Vollzug des
HolzSiG durch die Landesbehörden zu ge-
währleisten.
Bert Schmieder ist Leiter des Referates
Privat- und Körperschaftswald,
Forstpolitik bei Sachsenforst

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28 |
Kurz notiert
Freiberg PEFC-Waldhauptstadt 2013
Am 12. März 2013 wurde die Universitäts-
und Bergstadt Freiberg in Sachsen für die
nachhaltige und vorbildliche Bewirtschaftung
ihres über 900 ha großen Stadtwaldes als
Waldhauptstadt 2013 durch die Waldschutz-
und Forstzertifizierungsorganisation PEFC
Deutschland ausgezeichnet. Freiberg setzte
sich damit gegen sechs weitere Kommunen
aus dem ganzen Bundesgebiet durch, die
sich ebenfalls um die Auszeichnung bewor-
ben hatten. Als Hauptpreis erhielt die Stadt
1.000 Forstpflanzen für ihren Stadtwald.
„2013 ist es 300 Jahre her, dass der Begriff
‚Nachhaltigkeit‘ durch den Freiberger Ober-
berghauptmann Hans Carl von Carlowitz ge-
prägt wurde. Diesem Erbe fühlen wir uns in
besonderer Weise verpflichtet und ich freue
mich, dass uns die Auszeichnung zur Wald-
hauptstadt gerade in diesem Jahr zuteil
wird“, betonte Oberbürgermeister Bernd-
Erwin Schramm bei der Preisverleihung.
Als Waldhauptstadt 2013 war Freiberg zu-
gleich Austragungsort der diesjährigen Akti-
onstage rund um die Mitgliederversammlung
von PEFC Deutschland am 3. Juli und spielt
während des ganzen Jahres eine wichtige Rol-
le für die Kommunikationsarbeit von PEFC.
Bereits 2001 wurde der Freiberger Stadt-
wald als einer der ersten Kommunalwälder in
Deutschland nach PEFC zertifiziert.
Weitere Informationen zur Waldhauptstadt
2013 und zur Zertifizierung nach PEFC finden
Sie unter
www.pefc.de
Bodenschutzkalkung in Sachsen
Am 5. Juli 2013 wurde bei einem Pressetermin
mit dem Geschäftsführer von Sachsenforst,
Prof. Hubert Braun, die diesjährige Boden-
schutzkalkung in den Wäldern der sächsischen
Mittelgebirge eröffnet. Bis Oktober 2013 wer-
den rund 4.400 Hektar Privat- und Körper-
schaftswald und 4.600 Hektar Landeswald mit
etwa 30.000 Tonnen natürlichem Magnesium-
kalk aus der Luft gekalkt. Über 2 Mio. Euro aus
Fördermitteln der EU werden dafür investiert.
Für die privaten und körperschaftlichen Wald-
besitzer entstehen dadurch keine Kosten.
Die Auswirkungen der jährlichen Waldkal-
kung – in Sachsen seit 1986 immerhin rund
360.000 ha gekalkte Fläche – werden mithilfe
forstlicher Umweltbeobachtungsgprogram-
me genau verfolgt. „Die positiven Wirkungen
der Kalkung auf den Bodenzustand und das
Baumwachstum lassen sich bei mehrfach ge-
kalkten Flächen bereits eindeutig nachweisen“
erläutert Dr. Henning Andreae, als Referatslei-
ter im Kompetenzzentrum für Wald und Forst-
wirtschaft von Sachsenforst für Bodenmoni-
toring und forstliche Standortserkundung
zuständig. „Wir können inzwischen ziemlich
genau einschätzen, welche Kalkmengen wir
für eine nachhaltige Bodenverbesserung brau-
chen und die Kalkungsmaßnahmen für die Zu-
kunft entsprechend planen“, so Andreae.
Weitere Informationen zur Bodenschutzkal-
kung und zur räumlichen Verteilung in Sach-
sen gibt es im Internet unter
www.sachsen-
forst.de sowie unter
www.wald.sachsen.de.
Überreichung der Auszeichnung

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Forstpolitisches
Forum 2013
Das diesjährige Forstpolitische Forum des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt
und Landwirtschaft findet am 29. November
2013 statt. Thema des Forums wird die Wald-
strategie 2050 des Freistaates Sachsen sein.
Nach einem Einführungsvortrag von Herrn
Staatsminister Frank Kupfer widmen sich
mehrere Fachvorträge der zukünftigen stra-
tegischen Ausrichtung von Wald und Forst-
wirtschaft in Sachsen aus der Sicht verschie-
dener Institutionen.
Tagungsort wird voraussichtlich Annaberg-
Buchholz sein. Aktuelle Informationen sind
unter
www.forsten.sachsen.de
sowie unter
www.sachsenforst.de
zu finden.
Preis für vorbildliche Waldbewirtschaftung
Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft vergibt 2013 zum dritten
Mal den Waldpreis an private und körper-
schaftliche Waldbesitzer. Damit werden Wald-
besitzer anerkannt, die ihren Wald vorbildlich
im Sinne der ökonomischen, ökologischen und
sozialen Nachhaltigkeit bewirtschaften.
Im Jubiläumsjahr von „300 Jahren Forstli-
cher Nachhaltigkeit“ ist das Schwerpunkt-
thema „Nachhaltigkeit: Zukunft für Wald und
Mensch“. Es sollen forstliche Aktivitäten ge-
würdigt werden, die das Prinzip der Nachhal-
tigkeit über die gesetzlichen Verpflichtungen
hinaus berücksichtigen.
Die Vorschläge können bis zum 20. Septem-
ber 2013 beim Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft (SMUL), Ref. 36, Postfach
10 05 10, 01076 Dresden eingereicht werden.
Sachsenforst mit den Forstbezirken nimmt
ebenfalls Vorschläge entgegen. Die Preisverlei-
hung durch Herrn Staatsminister Frank Kupfer
findet Mitte Oktober 2013 im SMUL statt.
Weitere Informationen und das Vorschlagsfor-
mular sind zu finden unter:
www.forsten.sachsen.de
sowie
www.sachsenforst.de.
Förstersuche online
Auf der Internetseite
www.sachsenforst.de/
waldbesitzer findet der Waldbesitzer Infor-
mationen und Hilfreiches rund um den Pri-
vat- und Körperschaftswald in Sachsen.
Das Angebot wurde durch eine benutzer-
freundliche Möglichkeit erweitert: In der Ru-
brik „Ansprechpartner“ befindet sich der But-
ton „Förstersuche“. Diese Funktion ermöglicht
die komfortable Suche des zuständigen Re-
vierförsters von Sachsenforst einschließlich
der relevanten Kontaktdaten. Dazu ist ledig-
lich die Eingabe der Postleitzahl notwendig.
Änderungen im
Vorstand der ALFB
Sachsen/Thüringen
Nach dem tragischen Tod des Vorsitzenden
der Arbeitsgemeinschaft land- und forstwirt-
schaftlicher Betriebe Sachsen/Thüringen, Wolf
Freiherr Marschall von Altengottern, wurde in
einer außerordentlichen Mitgliederversamm-
lung Herr Konrad von Posern zum Vorsitzen-
den gewählt.
Der langjährige Geschäftsführer, Herr Uwe
Buchholz, übergab das Zepter an seine Nach-
folgerin, Frau Bettina Reese aus Chemnitz. Wir
danken Herrn Buchholz für die stets konst-
ruktive Zusammenarbeit und wünschen ihm
einen angenehmen (Un-)Ruhestand und Weid-
mannsheil. Der neuen Führungsmannschaft
wünschen wir viel Erfolg und eine weiterhin
gute Zusammenarbeit.
Messe
„Jagd und Angeln“
Vom 11. bis 13. Oktober findet in Leipzig-
Markkleeberg auf dem agra-Gelände die tra-
ditonelle Messe „Jagd und Angeln“ statt. Auf
dieser kann man sich umfassend über die ver-
schiedenen Themen rund um den Wald und
die Natur informieren. Auf dem Informations-
stand von Sachsenforst können sich interes-
sierte Messebesucher von den Revierförstern
von Sachsenforst über die vielfältigen Ange-
bote rund um die Themen Waldbewirtschaf-
tung, Naturschutz sowie Aus- und Fortbil-
dungsmöglichkeiten beraten lassen.
Sehr geehrte Waldbesitzerinnen
und Waldbesitzer,
wenn Sie Fragen, Anregungen, Hinweise, Themenwünsche oder generelle Fragen zum
Thema „Waldbesitz“ haben, wenden Sie sich ab jetzt auch per E-Mail an uns:
waldbesitzer.sbs@smul.sachsen.de
Weitere Information für private Waldbesitzerinnen
und Waldbesitzer erhalten Sie unter
www.sachsenforst.de/waldbesitzer

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Frühlingsspaziergänge im Tharandter Wald
Am 5. Mai 2013 fand im Tharandter Wald die
Auftaktveranstaltung der diesjährigen Früh-
lingsspaziergänge statt.
Die über 40 Teilnehmer konnten sich an sechs
verschiedenen Exkursionspunkten über die
nachhaltige Waldbewirtschaftung im Tha-
randter Wald informieren.
Die Frühlingsspaziergänge leben ganz bewusst
von der Vielfalt der Veranstalter. So können
sich Vereine, Gruppen, Verbände oder auch
Einzelpersonen melden, die einen Spaziergang
vorschlagen oder selbst führen wollen.
Eine gute Gelegenheit auch für Waldbesitzer,
ihren Wald und die Waldbewirtschaftung einer
breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.
Informationen gibt es beim Sächsischen
Staatsministerium für Umwelt und Landwirt-
schaft, Öffentlichkeitsarbeit, Frau Obst, Ar-
chivstraße 1, in 01097 Dresden
(Telefon:03 51 / 56 4-20 62) sowie natürlich
im Internet unter
www.smul.sachsen.de
3. Sächsischer Waldbesitzertag in Neustadt
Am Sonntag, den 30. Juni 2013, luden das
Sächsische Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft sowie Sachsenforst zum
3. Sächsischen Waldbesitzertag ins Schloss
Langburkersdorf ein. Die Veranstaltung wur-
de zusammen mit dem Wald- und Jagdtag
des Forstbezirks Neustadt und seiner Veran-
staltungspartner durchgeführt.
Etwa 4.000 Besucher folgten bei schönem
Wetter der Einladung und erlebten ein be-
eindruckend vielfältiges Programm. Auf dem
Schlossgelände führten Fachleute Pflanzver-
fahren, den richtigen Umgang mit der Mo-
torsäge, Baumklettertechnik, moderne Forst-
maschinen und traditionelle Pferderückung
sowie weitere forstliche Tätigkeiten vor. Die
Beratungsförster von Sachsenforst und andere
forstliche Institutionen und Dienstleister stell-
ten ihre Angebote für Waldbesitzer vor und
beantworteten alle Fragen rund um die Wald-
bewirtschaftung.
Ein Vortragsteil widmete sich vertiefend ak-
tuellen Fragestellungen wie z.B. den Auswir-
kungen des Klimawandels, der Waldbewertung
oder forstwirtschaftlichen Zusammenschlüs-
sen. Die Vorträge sind abrufbar unter:
www.sachsenforst.de.
Dazu gab es ein informatives und unterhaltsa-
mes Bühnenprogramm, Jagdhunde- und Falk-
nervorführungen, eine Ausstellung der Hob-
bykünstler und Aktivitäten für Kinder. Imker,
Tierpräparatoren, Holzschnitzer, Pilzberater
und viele andere Aussteller präsentierten ihre
Angebote und rundeten das vielfältige Ange-
bot ab.
Eröffnung der Frühlingsspaziergänge durch Staatsminister Frank Kupfer im Tharandter Wald

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Förderrichtlinie zu Hochwasserschäden 2013
Das Kabinett hat die Förderrichtlinie „Hoch-
wasserschäden 2013“ verabschiedet, die unter
anderem die finanziellen Hilfen für die vom
Juni-Hochwasser betroffenen Unternehmen
der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft so-
wie des Gartenbaus regelt.
Die Förderung ist bei der Sächsischen Aufbau-
bank (SAB) schriftlich zu beantragen:
SAB, Pirnaische Straße 9, 01069 Dresden.
Die Antragsformulare können im Internet un-
ter
www.sab.sachsen.de/de/hochwasser_2013/
hochwasser_2013.jsp heruntergeladen wer-
den. Unter der gleichen Adresse sind auch
weitere Informationen und Merkblätter zu
den Hochwasserhilfen zu finden. Die SAB hat
außerdem eine Infohotline zum Hochwasser
geschaltet: Telefon: 03 51 / 49 10 49 66
Waldwochen
2014 finden bereits zum sechsten Mal die
Sächsischen Waldwochen statt. Im Rahmen
dieser Wochen – rund um den Tag des Bau-
mes am 25. April – finden zahlreiche Veran-
staltungen statt. Diese sind verschiedenster
Natur, von Waldführungen, Fachvorträgen bis
hin zu Pflanz- und Müllsammelaktionen.
Um eine möglichst breite Flächenwirkung und
somit auch eine große Öffentlichkeitswirkung
zu erzielen, möchten wir eine Vielzahl von
Partnern für die Sächsischen Waldwochen be-
geistern und gewinnen. Wir würden uns des-
halb freuen, wenn sich auch im nächsten Jahr
private und körperschaftliche Waldbesitzer an
den Waldwochen beteiligen würden. Wenn Sie
Ideen und Vorschläge haben, so melden Sie
sich bei Sachsenforst:
E-Mail: Klaus.Kuehling@smul.sachsen.de oder
Telefon: 035 01/ 542-268.

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32 |
Herausgeber:
Staatsbetrieb Sachsenforst
Verantwortlicher Redakteur:
Bert Schmieder
Redaktionskollegium:
Anke Findeisen, Forstbezirk Neustadt; Jörg Moggert, Forstbezirk Oberlausitz; Thomas Irmscher, Forst-
bezirk Marienberg; Sven Martens, Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft; Thomas Brezina, Se-
bastian Förster, Christiane Reinel, Anne-Kristin Sense, Daniel Thomann, Geschäftsleitung des Staats-
betriebes Sachsenforst
Redaktionsanschrift:
Redaktion Waldpost
Staatsbetrieb Sachsenforst
Bonnewitzer Str. 34
01796 Pirna OT Graupa
Tel. 03501 542-0
Fax 03501 542-213
E-Mail: presse.sbs@smul.sachsen.de
Internet:
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Gestaltung und Satz:
Initial Werbung und Verlag
Druck:
Möller Druck & Verlag GmbH
Papier:
Das Papier dieser Zeitschrift ist PEFC-zertifiziert
Redaktionsschluss:
Juni 2013
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mäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von Par-
teien noch von deren Kandidaten oder Helfern im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum
Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen.
Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen
der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder
Werbemittel. Untersagt ist auch die Weitergabe an Dritte zur Verwendung bei der Wahlwerbung.
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so verwendet werden, dass dies als Parteinahme des Herausgebers zu Gunsten einzelner politischer
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