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Jugendhilfeplanung
zu
Aufgaben und Leistungen der überörtlichen Jugendverbände,
Dachorganisationen und Fachstellen
insbesondere
im Bereich §§ 11 - 14 SGB VIII im Freistaat Sachsen
2021 - 2025
- vom Landesjugendhilfeausschuss beschlossen am 24.09.2020 -
Sächsisches Staatsministerium
für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt
Landesjugendamt
Geschäftsstelle des LJHA
Carolastraße 7a, 09111 Chemnitz
E-Mail:
landesjugendamt@lja.sms.sachsen.de
Web:
www.landesjugendamt.sachsen.de
redaktionelle und inhaltliche Bearbeitung: Heiko Ecke

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
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Inhalt
I VORÜBERLEGUNGEN ............................................................................................................ 4
1 Einleitung ............................................................................................................................ 6
2 Zum Planungskonzept ....................................................................................................... 6
2.1 Planungsauftrag und Grundlagen ................................................................................... 6
2.2 Planungsstruktur............................................................................................................. 7
2.3 Maßnahmeplanung ....................................................................................................... 11
II BESTAND.............................................................................................................................. 14
3 Zentrale Bestandsdaten ................................................................................................... 16
3.1 Leistungsanbieter und Personal ................................................................................... 16
3.2 Grundlegende Leistungen und Bildungsleistungen ....................................................... 20
3.3 Finanzausstattung 2010 - 2020 .................................................................................... 24
4 Ausgewählte Ergebnisse aus den Bereichen ................................................................. 25
4.1 Bereich § 11 SGB VIII .................................................................................................. 25
4.2 Bereich §§ 11/12 SGB VIII ............................................................................................ 30
4.3 Bereich § 13 SGB VIII .................................................................................................. 36
4.4 Bereich § 14 SGB VIII .................................................................................................. 41
4.5 Bereich Übergreifend .................................................................................................... 45
5 Qualitative Aspekte .......................................................................................................... 51
5.1 Tragfähigkeit der Bildungsziele ..................................................................................... 51
5.2 Thematische Arbeitsschwerpunkte ............................................................................... 53
5.3 Einschätzungen der Leistungsanbieter ......................................................................... 57
6 Zusammenfassende Bestandsbewertung und Schlussfolgerungen ............................ 59
III BEDARF ............................................................................................................................... 62
7 Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf den überörtlichen Planungsbereich ... 64
7.1 Bevölkerungs- und sozialstrukturelle Rahmenbedingungen .......................................... 64
7.2 Lebensverhältnisse und Sozialisationsbedingungen junger Menschen ......................... 67
7.3 Fachliche Entwicklung .................................................................................................. 68
8 Fachlich-inhaltliche Rahmung – Bildung, Bildungsziele und inhaltliche
Arbeitsschwerpunkte ................................................................................................... 75
8.1 Bildung als Grundgedanke in der überörtlichen Jugendhilfe ......................................... 75
8.2 Bildungsziele und inhaltliche Arbeitsschwerpunkte ....................................................... 78
9 Bedarfsaussagen ............................................................................................................. 87
9.1 Zur Struktur .................................................................................................................. 87
9.2 Bedarfsgrößen .............................................................................................................. 89
9.3 Grundlegende Bedarfsaussagen .................................................................................. 91
9.4 Bedarfsaussagen in den einzelnen Bereichen .............................................................. 92
IV MASSNAHMEPLANUNG ................................................................................................... 100
10 Einleitung .................................................................................................................... 102
11 Zur Ausgestaltung der Maßnahmeplanung .............................................................. 102
11.1 Zentrale Festlegungen für die Planungsumsetzung ............................................... 102
11.2 Verfahren zur Vernetzung von Jugendhilfeplanung und Förderung ....................... 102
11.3 Fachberatung ........................................................................................................ 104
12 Schlussfolgerungen ................................................................................................... 104
Literaturliste .......................................................................................................................... 105

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Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
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I VORÜBERLEGUNGEN

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Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
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1 Einleitung
Die Verwaltung des Landesjugendamtes legt mit der folgenden Darstellung die vierte Fortschrei-
bung zur überörtlichen Jugendhilfeplanung zu Aufgaben und Leistungen der überörtlichen Ju-
gendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen insbesondere im Bereich §§ 11 - 14 SGB
VIII im Freistaat Sachsen vor. Der Planungsbericht dient zur Information der Fachöffentlichkeit, er
bildet eine Basis für die Gestaltung zukünftiger Planungsprozesse und für die Realisierung von
entsprechenden Maßnahmen. Dazu werden bisherige Entwicklungen im Planungsbereich zur
Struktur der Leistungsanbieter, zur Nutzung und Umsetzung der Bildungsziele sowie Rahmenbe-
dingungen der Jugendhilfeplanung nachgezeichnet und bewertet. Die Ziele sind:
die Schaffung einer planerischen Grundlage für die grundlegenden Leistungen so-
wie die Bildungs- und Beratungsleistungen der überörtlichen Jugendverbände,
Dachorganisationen und Fachstellen im Bereich der §§ 11 - 14 SGB VIII für den
Zeitraum 2021 bis 2025.
Die Fortschreibung erfolgt, um die planerische Untersetzung
der Leistungsbereiche weiterhin sicherzustellen und um die Zielvorstellungen den fachli-
chen Entwicklungen und den jugendpolitischen Erfordernissen anzupassen.
die Sicherung und Weiterentwicklung von Leistungsstrukturen im Bereich des SGB
VIII.
Eines der wesentlichen Ziele der überörtlichen Jugendhilfeplanung wird auch zukünf-
tig darin liegen, für die Leistungsbereiche effiziente und effektive Leistungsstrukturen in-
haltlicher und organisatorischer Art zu entwickeln, welche die notwendige Weiterentwick-
lung der Jugendhilfe im Freistaat gewährleisten können.
die Sicherung von Qualität.
Die verwendete weibliche und männliche Schrift in Form von „/-innen“ schließt Geschlechter jen-
seits dieser Kategorien nicht aus. Personen, die sich nicht binär in weiblich und männlich einord-
nen, sind in der Planung bedacht, jedoch nicht explizit benannt worden.
2 Zum Planungskonzept
2.1 Planungsauftrag und Grundlagen
Der Freistaat Sachsen fördert im Rahmen der FRL „Überörtlicher Bedarf“ ein System von überört-
lichen Dachverbänden, Dachorganisationen sowie Fachstellen
1
, die eine Vielzahl von Aufgaben
der Jugendhilfe wahrnehmen und im Rahmen:
von struktureller Unterstützung örtlicher Träger, Verbänden und Initiativen,
von weitreichenden Kooperationsbeziehungen,
von fachlicher Reflexion und Weiterentwicklung,
von Interessenswahrnehmung von Kindern und Jugendlichen und ihrer Familien,
von Bildungs- und Beratungsangeboten,
ihre Wirkung auf die örtliche Ebene der Jugendhilfe entfalten.
Die überörtlichen Leistungsanbieter agieren landesweit und haben in der Regel rechtlich selbst-
ständige Untergliederungen. Die Unterstützung beinhaltet die trägerbezogene Bereitstellung von
Fachpersonal, Sachkosten im Rahmen grundlegender Leistungen sowie von Mitteln für Bildungs-
und Beratungsleistungen. Die planerische Grundlage für diese finanzielle Förderung ist die Ju-
gendhilfeplanung zu Aufgaben und Leistungen der überörtlichen Jugendverbände, Dachorgani-
sationen und Fachstellen im Bereich des SGB VIII mit dem Schwerpunkt der §§ 11-14 SGB VIII.
Zuständig für die überörtliche Jugendhilfeplanung ist der überörtliche Träger der öffentlichen Ju-
gendhilfe, der Freistaat Sachsen, vertreten durch das Sächsische Landesjugendamt. Die Grund-
lagen zur überörtlichen Planung lassen sich zunächst aus der Aufgabenzuweisung der §§ 80 und
85 Abs. 2 SGB VIII i.V.m. § 71 Abs. 2 SGB VIII sowie aus § 21 Landesjugendhilfegesetz (LJHG)
herleiten. Die auf Landesebene initiierte Planungstätigkeit bezieht sich vor allen Dingen auf Be-
darfslagen, die sich aus der Aufgabenübertragung des überörtlichen Trägers an landesweit tätige
Träger der freien Jugendhilfe und deren Aufgabenspektrum ergeben. In deren Folge ist der
überörtliche Träger im Rahmen einer Maßnahmeplanung verantwortlich für die Schaffung, Ent-
wicklung und den Betrieb von bedarfsgerechten Angeboten im überörtlichen Bereich.
1
Die Jugendhilfeplanung bezieht sich auf die überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen. Die Begriffe
überörtliche Leistungsanbieter und überörtliche Träger werden im Folgenden als Überbegriffe im gleichen Sinne verwendet.

 
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2.2 Planungsstruktur
2.2.1 Grundthesen der überörtlichen Bildungsarbeit
Grundsätzlich weist der Gesetzgeber
die Gesamtverantwortung für Aufgaben und Leistungen der
Kinder- und Jugendhilfe den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe zu (§ 79 SGB VIII i.V.m.
§ 1 LJHG). Im Freistaat Sachsen sind dies die Landkreise und kreisfreien Städte. Die Tätigkeit
der überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen ergibt sich daher insbe-
sondere aus der fachlichen Unterstützung der örtlichen Jugendhilfe auf struktureller, konzeptio-
neller und fachlicher Ebene in verschiedenen Arbeitsbereichen, Fachzusammenhängen und Set-
tings. Aus dem Verständnis der überörtlichen Jugendhilfeplanung ist diese Unterstützung
durch
Bildungs- und Beratungsangebote
der landesweiten Träger zu erreichen, die sich hauptsäch-
lich aus der Aufgabenübertragung des überörtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe im Zu-
sammenhang mit § 82 Abs. 2 SGB VIII ergeben.
Die Jugendhilfeplanung betont daher den
Bildungsaspekt
in der Tätigkeit der überörtlichen Trä-
ger. Grundlegend sind dabei folgende Thesen:
Der Verantwortungsbereich der landesweiten Jugendverbände, Dachorganisationen und
Fachstellen erweist sich als effektives und belastbares System der Strukturbildung sowie
des Wissens- und Bildungstransfers auf die örtliche Ebene.
Insbesondere die örtliche Ebene profitiert von der Bündelung entsprechender Angebote auf
überörtlicher Ebene. Vor diesem Hintergrund werden die überörtlichen Träger seitens der
örtlichen Jugendhilfeträger als eine wichtige Ressource wahrgenommen.
Die überörtlichen Träger kennen die Zielsetzungen der Staatsregierung (Auseinanderset-
zung und konzeptionelle Einbindung). Sie nehmen gesellschaftliche Entwicklungen wahr,
reflektieren diese und reagieren, indem sie adäquate Handlungsstrategien entwickeln und
umsetzen.
Die überörtlichen Träger leisten einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung der Ju-
gendhilfe. Sie setzen qualitativ hochwertige Bildungs- und Beratungsangebote um, wobei
der Umfang in
Abhängigkeit struktureller Rahmenbedingungen sowie
von der Leistungsfä-
higkeit zu betrachten ist.
Die Folgerichtigkeit dieser Arbeitsthesen konnten in den vergangenen Planungsprozessen weit-
gehend bestätigt werden.
2.2.2 Zielformulierungen und thematische Arbeitsschwerpunkte
Die überörtliche Jugendhilfeplanung ist im Kern eine inhaltliche Zielplanung. Sie beschreibt zu-
nächst inhaltliche Schwerpunktsetzungen in Form von Bildungszielen sowie thematischen Ar-
beitsschwerpunkten für den Planungszeitraum. Folgende Zielformulierungen waren für den Pla-
nungszeitraum 2015 – 2020 maßgeblich:
Bildungsziele
DEMOKRATIEBILDUNG
BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT
SOZIALE, PERSONALE UND INTERKULTURELLE KOMPETENZEN
INTERDISZIPLINÄRE KOMPETENZEN
GLEICHBERECHTIGTE TEILHABE
Thematische
Arbeitsschwer-
punkte
Internationale Jugendarbeit stärken
Kulturelle Bildung als immanenten Bestandteil der Jugendarbeit
profilieren
Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern
Eigenständige Jugendpolitik entwickeln
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit
weiterentwickeln und ausbauen
Medienkompetenz vermitteln
Geschlechtergerechtigkeit stärken
Kinderschutz stärken

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
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In den Rückmeldungen der Träger in den Sachberichten gab es neben einer grundsätzlichen Be-
stätigung auch kritische Anmerkungen zu den Bildungszielen. Durch die Bildungsziele wird ein
umfassendes Aufgabenspektrum beschrieben, dennoch sollten die Ziele klarer gefasst sein und
in den Untersetzungen konkretere Erwartung an die Träger formuliert werden. Zudem erscheint
eine Entflechtung der Themenbereiche
Inklusion
/
Teilhabe
sowie
Geschlechtergerechtigkeit
aus fachlicher Sicht angezeigt.
An dem Primat von Bildung und den Bildungszielen als inhaltliche Untersetzung des Pla-
nungsbereiches soll in der Jugendhilfeplanung für den Zeitraum 2021 – 2025 festgehalten
werden. In der Formulierung der Ziele sowie in der Untersetzung der Überbegriffe ergibt
sich Änderungsbedarf. Die Themenbereiche Inklusion/Teilhabe sowie Geschlechterge-
rechtigkeit werden zielbezogen getrennt ausgewiesen.
Die thematischen Arbeitsschwerpunkte bilden unter dem Dach der Bildungsziele einen konkreti-
sierten fach- und inhaltsbezogenen Rahmen für die Bildungsarbeit im Zeitraum 2021 bis 2025.
Die thematischen Arbeitsschwerpunkte als themenbezogene Schwerpunktsetzungen ha-
ben sich in der Jugendhilfeplanung 2015-2020 grundsätzlich bewährt. Mit dem neuen Pla-
nungszeitraum sollte jedoch eine Neugestaltung auf der Grundlage veränderter fachpoliti-
scher und jugendpolitischer Zielsetzungen erfolgen.
Grundlage ist eine Reflektion der bisherigen thematischen Arbeitsschwerpunkte, sowie die Nach-
zeichnung aktueller fachlicher Entwicklungen und jugendpolitischer Schwerpunktsetzungen.
2.2.3 Umsetzung der Ziele durch grundlegende Leistungen und Bildungsleistungen
Aus Sicht des Planungsträgers bezieht sich die Tätigkeit der überörtlichen Träger auf die Umset-
zung der Bildungsziele, grundlegender strukturbildender und unterstützender Aufgaben sowie
durch Bildungs- und Beratungsleistungen. In der überörtlichen Jugendhilfeplanung werden hierzu
Aufgaben beschrieben, die von den Trägern originär erbracht werden sollen. Diese sind die
grundlegenden Leistungen
und die
Bildungsleistungen
.
Grundlegende Leistungen
Die grundlegenden Leistungen sind die jugendhilfebezogenen Grundaufgaben, welche die struk-
turbildende und -unterstützende Funktion der überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen
und Fachstellen beschreiben und die insbesondere durch die Förderung von Fachpersonal er-
möglicht werden. Sie werden von allen Trägern gleichermaßen wahrgenommen.
Zu den grundlegenden Leistungen zählen die Initiierung des Erfahrungsaustauschs und die Inte-
ressenvertretung der Zielgruppen in verschiedenen Gremien, aber auch der Informationsaus-
tausch, Veröffentlichungen, die Fachgruppenarbeit sowie verschiedene Angebote der Koordina-
tion und Beratung.
Bildungsleistungen
Bildungsleistungen sind als Bedarf formulierte Aufträge und Formate an formaler, nonformaler und
informeller Bildung des in der Jugendhilfeplanung 2010 - 2014 entwickelten Bildungsverständnis-
ses, die zur Umsetzung der beschriebenen Ziele für die Bildungsarbeit dienen und in der Regel
durch das hauptamtlich beschäftigte Personal erbracht
und verantwortet werden. Bildungsleistun-
gen werden in verschiedenen Formen und Bildungsformaten
erbracht.
Die Beschreibung der Aufgaben überörtlicher Träger in Form von grundlegenden Leistun-
gen und Bildungsleistungen soll in der Jugendhilfeplanung für den Zeitraum 2021 – 2025
weiterhin Berücksichtigung finden.
2.2.4 Zur strukturellen Einordnung von Trägern
Bildungsarbeit wird durch eine Vielzahl von überörtlichen Jugendverbänden, Dachorganisationen
und Fachstellen geleistet. Dafür braucht es eine hinreichende personelle und sächliche Ausstat-
tung und verlässliche Rahmenbedingungen. Die überörtliche Jugendhilfeplanung ist folglich auch
Strukturplanung. Geplant werden dementsprechend grundlegende Leistungen im Form von stel-
lenbezogenen Rahmenbedarfen als strukturelle Basis für die überörtliche Bildungs- und Bera-
tungstätigkeit. In den bisherigen Planungsberichten wurde zur systematischen Darstellung der
Struktur der überörtlichen Leistungsanbieter eine Kategorisierung in Bereiche vorgenommen, die

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sich schwerpunktmäßig an dem Hauptarbeitsfeld der Leistungsanbieter in Abhängigkeit zu den
Leistungsparagraphen des SGB VIII orientiert. Diese sind:
§ 11 SGB VIII Jugendarbeit,
§§ 11/12 SGB VIII Jugendverbandsarbeit,
§ 13 SGB VIII Jugendsozialarbeit,
§ 14 SGB VIII erzieherischer Kinder- und Jugendschutz sowie der
Bereich Übergreifend, wo Leistungsanbieter verortet sind, die ihren Schwerpunkt in
Querschnitts- und Sonderthemen sowie interdisziplinäreren Kompetenzen sehen.
An der bereichsbezogenen Systematik als strukturelle Grundlage bei der Darstellung des
Bestandes und der Formulierung von Bedarfen soll in der Jugendhilfeplanung für den Zeit-
raum 2021 – 2025 festgehalten werden.
Zudem werden die überörtlichen Träger auf Grund methodischer Fragestellungen und der unter-
schiedlichen Verfasstheit verschiedenen Arten von Leistungsanbietern zugeordnet.
Die Kategorisierung bezieht sich auf arbeitslogische und arbeitsbezogene Schwerpunktsetzungen
und dient der besseren Vergleichbarkeit von Leistungsanbietern, auch in dem Wissen, dass sich
Aufgabenfelder überschneiden.
Die überörtlichen Träger lassen sich in Bezug zu Aufgabenzuschnitt, Tätigkeit und Wirkungs-
schwerpunkt in verschiedene
Arten von Leistungsanbietern
unterscheiden:
Fortbildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio
Hier handelt es sich um Träger, die ein umfangreiches Bildungsprogramm im Kontext
des Planungsbereiches und der konzeptionellen Grundlagen im Selbstverständnis
konzipieren und anbieten. Das Bildungsportfolio sowie die Wahrnehmung der grund-
legenden Leistungen bewegen sich über den Focus der eigenen Mitgliederstruktur
hinaus und erreichen eine breite Fachöffentlichkeit.
Dachverbände mit Bildungsaufgaben
Hier handelt es sich um Träger, die ein umfangreiches Bildungsprogramm im Kontext
des Planungsbereiches und der konzeptionellen Grundlagen im Selbstverständnis
konzipieren und anbieten. Diese Bildungsangebote werden im Schwerpunkt innerhalb
der Untergliederungen angeboten. Auch die Wahrnehmung der grundlegenden Leis-
tungen orientiert sich schwerpunktmäßig in diesem Rahmen.
Jugendverbände
Jugendverbände sind Dach- und Landesverbände, deren Leistungen sich - dem Cha-
rakter des Arbeitsfeldes entsprechend - in der Regel auf Fortbildung, Anleitung von
Multiplikatoren, Unterstützung der ehrenamtlichen Strukturen sowie Anregungen und
Angebote im Bereich der Internationalen Jugendarbeit beziehen. Die in überörtlicher
Zuständigkeit agierenden Jugendverbände sind dabei wichtige Bildungs- und Bera-
tungsakteure. Darüber hinaus
üben sie eine bedeutende strukturbildende Funktion
aus und schaffen Möglichkeiten der Interessenvertretung und der Beteiligung für
junge Menschen.
Themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen
Hier handelt es sich um Träger, bei denen die Führung des Fachdiskurses im Hinblick
auf die Weiterentwicklung der Jugendhilfe sowie angrenzender Leistungsfelder und
deren Zusammenwirkung im Vordergrund steht. Die themenspezifischen Schwer-
punkte sind dabei konzeptionell in der Bildungsarbeit der Träger verankert und ordnen
sich in die Planungsbereiche der überörtlichen Jugendhilfeplanung ein. Entsprechend
arbeiten die Untergliederungen der Träger aufgabenbezogen, als auch sach- und the-
menspezifisch.
An der Kategorisierung nach Art von Leistungsanbietern soll als vergleichendes Struktur-
merkmal auch zukünftig festgehalten werden. Sie soll insbesondere bei der Formulierung
von Bedarfen in der Jugendhilfeplanung für den Zeitraum 2021 – 2025 Berücksichtigung
finden.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
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2.2.5 Bedarfsgrößen und Bedarfsaussagen
Bedarfsgrößen
Die Bedarfsgrößen legen innerhalb der überörtlichen Jugendhilfeplanung Mindeststandards fest,
nach denen die grundlegenden Leistungen und die Bildungsleistungen erbracht werden sollen.
Insbesondere geht es darum, eine strukturelle Basis für die Qualität der Bildungsangebote zu
erreichen. Die Basisgrößen dienen aber auch dazu, die Bildungsarbeit der überörtlichen Träger
als wichtigen Arbeitsbereich quantitativ abzubilden und zu dokumentieren.
Diese sind:
Bildungsreferent/-in bzw. Fachreferent/-in
Die Bedarfsgröße bestimmt den Einsatz von qualifiziertem, hauptamtlich beschäftigtem Fachper-
sonal und deren Qualifizierung und den Vorrang für die Bereitstellung von personellen Ressour-
cen für die Erbringung von Bildungsleistungen durch Bildungsreferent/-innen und Fachreferent/-
innen.
Bildungstage
Ein Bildungstag soll als vergleichbare Berechnungsgröße dazu dienen, eine Mindestbildungs-
leistung je gefördertem Referent festzulegen.
Geschäftsstellen
Die Bedarfsgröße bestimmt Charakter und Ausstattung von Geschäftsstellen.
Personalkosten und Sachausgaben
Die Bedarfsgröße trifft Aussagen zur Eingruppierung und Vergütung von Fachpersonal als Richt-
größe sowie zu Sachausgaben.
Grundsätzlich hat sich die Entwicklung und Ausweisung der Bedarfsgrößen für die Umset-
zung der Jugendhilfeplanung und deren Nutzung bewährt.
Sie ist ein wichtiger methodischer
Bestandteil der Jugendhilfeplanung, da hier begriffliche Präzisierungen erfolgen können und Be-
darfsentwicklungen in einem übergreifenden Rahmen formuliert werden.
Allerdings sollten die Bedarfsgrößen den Ermessensspielraum im Förderverfahren nicht ein-
schränken und zudem eine höhere Flexibilität bei der Gestaltung von grundlegenden Leistungen
und Maßnahmen zulassen.
Aus Sicht der Jugendhilfeplanung ist es perspektivisch sinnvoll, ins-
besondere
förderrelevante Vorgaben
in den einschlägigen Förderrichtlinien zu verankern.
Dem-
nach soll in der Fortschreibung der Jugendhilfeplanung 2021 – 2025 auf fiskalische Kenn-
ziffern verzichtet werden.
Da die aktuelle FRL Überörtlicher Bedarf auf Kenngrößen in der
überörtlichen Jugendhilfeplanung verweist, werden im Anhang planungsbasierte Aussagen zu
Personalausgaben sowie Sachausgaben getroffen. Dies entspricht der eingangs getroffenen Ein-
schätzung und ermöglicht zudem Anpassungen der Förderrichtlinien im Planungszeitraum.
Zur Absicherung der Fachlichkeit überörtlicher Bildungsarbeit
sollten
Bildungsreferent/-innen
bzw. Fachreferent/-
innen
aber auch Geschäftsführer/-innen über entsprechende Qualifikationen
in Form von (Fach-)Hochschulabschlüssen verfügen.
Die Bedarfsgröße „
Bildungsreferent/-in-
nen bzw. Fachreferent/-
innen“ wird erhalten bleiben.
Die
Bildungstage
haben als kleinste strategische Planungsgröße der überörtlichen Bildungsar-
beit im Sinne einer personalbezogenen Grundlage der Bildungsleistungen an Einfluss verloren.
Dennoch entfalten die Bildungstage ihre Bedeutung beim Nachweis und bei der Dokumentation
trägerbezogener Bildungsleistungen und bilden einen wichtigen quantitativen Mindeststandard in
der Bildungsarbeit.
Deshalb soll die Bedarfsgröße „Bildungstage“ erhalten bleiben.
Die Beschreibung der
Geschäftsstellen
als Grundmodell der Personalstruktur bildet eine grobe
Rahmung der trägerbezogenen Organisationsform.
Die Bedarfsgröße „Geschäftsstellen“ soll
mit Hinweis auf die flexible Gestaltung erhalten bleiben.
Die Bedarfsgröße
Schutz von Kindern und Jugendlichen
beschreibt die Aufgaben im Zusam-
menhang mit den Normierungen und Vorgaben des Bundeskinderschutzgesetzes in Bezug auf
die Arbeit der landesweiten Dachorganisationen, Dachverbänden und Fachstellen. Hier ist der
Aspekt des Kinderschutzes, die Qualifizierung von Kontaktpersonen und das Informationsmana-
gements im Rahmen einer zu dokumentierenden Qualitätsentwicklung zu berücksichtigen.
Die Bedarfsgröße „Schutz von Kindern und Jugendlichen“ soll erhalten bleiben.

 
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Zusammenfassend sollen folgende Bedarfsgrößen formuliert werden:
Personal
,
grundlegende Leistungen und Bildungsleistungen
,
Geschäftsstellen
,
Bildungstage
,
Schutz von Kindern und Jugendlichen
.
Bedarfsaussagen
Innerhalb der Bedarfsaussagen werden stellenbezogene Rahmengrößen im Hinblick auf die
Struktur, erforderliches Personal sowie zu erbringende grundlegende Leistungen und Bildungs-
leistungen für einen mittelfristigen Zeitraum benannt. Grundlage dafür ist zunächst der ausgewie-
sene Bestand und dessen Bewertung sowie die ziel- und themenbezogenen Erwartungen des
Planungsträgers an die überörtlichen Leistungsanbieter. Die Aussagen orientieren zudem an den
Bedarfsgrößen und beziehen sich direkt auf die fachlich-inhaltlichen Zielformulierungen.
In den grundlegenden Bedarfsaussagen werden übergreifende Anforderungen formuliert und die
zu erbringenden Bildungsleistungen nach Art der Leistungsanbieter festgelegt.
In den Bedarfsaussagen zu den einzelnen Planungsbereichen erfolgt die Ausweisung inhaltlicher
Entwicklungsnotwendigkeiten auf der Basis fachlich-inhaltlicher Überlegungen.
Darauf Bezug nehmend werden Rahmengrößen zur Struktur nach Art der Leistungsanbieter in
Form einer Kernstruktur sowie zum Bedarf an Personalstellen festgelegt sowie strukturelle Ent-
wicklungsnotwendigkeiten aus Sicht des Planungsträgers benannt.
2.3 Maßnahmeplanung
Innerhalb der Maßnahmeplanung werden zentrale Festlegungen zur Umsetzung der formulierten
Bedarfe getroffen. Im Rahmen konzeptioneller Überlegungen sollen hier die Wirkungsentfaltung
der Bedarfsaussagen in der überörtlichen Jugendhilfeplanung, die fiskalischen und rechtlichen
Rahmenbedingungen bei der Planungsumsetzung, Aspekte der Qualitätsentwicklung sowie der
Umsetzung der Normierungen zum Kinderschutz und zum Verfahren der Abstimmung zwischen
den verschiedenen Institutionen im Förderverfahren thematisiert werden.
2.3.1 Wirkungsentfaltung der Bedarfsaussagen in der überörtlichen Jugendhilfeplanung
Die Jugendhilfeplanung als Beschlusslage des Landesjugendhilfeausschusses entfaltet unter den
gegebenen strukturellen Rahmenbedingungen ihre Wirkung nicht durch eine rechtliche Bindung
der Bewilligungsbehörde.
Vielmehr erfolgt die
Umsetzung der Planungsergebnisse durch den fachlich-inhaltlichen Rahmen
für das Zuwendungsverfahren sowie über die jugendhilfeplanerischen Stellungnahmen zu den
Förderanträgen und der Abstimmung zwischen Landesjugendamt
und Bewilligungsbehörde.
2.3.2 Fiskalische und rechtliche Rahmenbedingungen bei der Planungsumsetzung
Im laufenden Planungszeitraum 2015 – 2020 hat es in Bezug auf den Zusammenhang zwischen
Zuwendungsverfahren und Jugendhilfeplanung rechtliche Bewertungen sowie Entscheidungen
von Verwaltungsgerichten gegeben, die Einfluss auf die Umsetzung der überörtlichen Planung
haben. Auch unter diesen schwierigen Bedingungen konnte dennoch eine breite, konzeptionell
und fachlich fundierte Trägerlandschaft im überörtlichen Planungsbereich mit der Finanzierung
von grundlegenden Leistungen und Bildungsleistungen unterstützt werden.
Zu betonen sind hierbei die Anstrengungen der Träger, durch persönliches und fachliches Enga-
gement sowie der Einwerbung externer Mittel ein umfassendes und plurales überörtliches Bil-
dungsangebot im Bereich der §§ 11 – 14 SGB VIII zu etablieren.
Die
Bereitstellung ausreichender Finanzmittel
liegt in der politischen Verantwortung der Haus-
haltshoheit des Landtages und ist nicht Gegenstand der Jugendhilfeplanung selbst. Aufgabe der
Jugendhilfeplanung ist es aber, einerseits im Planungsbericht notwendige Bedarfe vor dem
Hintergrund fachlicher Einschätzungen und deren Auswirkungen auf den notwendigen Finanzrah-
men zu benennen sowie andererseits im Umsetzungsprozess durch Steuerung auf Änderungen
der finanziellen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung fachlich fundierter Einschätzungen zu
reagieren.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
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Die Beschlussfassung des Landesjugendhilfeausschusses zur Jugendhilfeplanung wird durch die
Regelungen im § 11 Abs. 2 LJHG eingeschränkt, da dieses Beschlussrecht nur im Rahmen der
zugewiesenen Mittel besteht. Eine Beschlussfassung über die Landesförderung nach § 82 SGB
VIII scheidet folglich aus.
2
Hieraus ergibt sich, dass eine zukünftige überörtliche Jugendhilfepla-
nung ihre Steuerungsfunktion nur aus fachlich-inhaltlichen und strukturellen Überlegungen entwi-
ckeln kann. Darauf aufbauend kann eine finanzielle Untersetzung prozesshaft im Verfahren der
Umsetzung der Planungsergebnisse erfolgen.
Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits 2009 in einer Verwaltungsgerichtssache
3
entschieden,
dass die bestehende Jugendhilfeplanung nicht die alleinige Entscheidungsgrundlage für eine För-
derentscheidung darstellt. Vielmehr bietet sie den fachlichen Rahmen für eine Ermessensent-
scheidung der Bewilligungsbehörde im Förderverfahren. Die Bewilligungsbehörde hat auf Grund
der nach § 74 Abs. 3 SGB VIII zu treffenden
Ermessensentscheidung
über Art und Höhe der
Förderung zu entscheiden, welche Maßnahmen des Trägers der freien Jugendhilfe – nach Art
und Umfang – zu fördern sind und mit den verfügbaren Haushaltsmitteln gefördert werden können.
Soweit im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel nicht alle Maßnahmen gefördert werden kön-
nen, ist ein hinreichendes jugendhilferechtliches
Maßnahmekonzept
durch den überörtlichen Pla-
nungsträger einschließlich einer Prioritätensetzung im Rahmen der Ausgestaltung der Förderung
zu erstellen.
4
Hier ergibt sich jedoch auf überörtlicher Ebene eine gesonderte Ausgangssituation,
insbesondere durch das im LJHG formulierte Beschlussrecht des Landesjugendhilfeausschusses
im Hinblick auf die Förderentscheidung.
Die überörtliche Jugendhilfeplanung entfaltet ihre Wirkung durch strukturell und fachlich-
inhaltlich rahmende Bedarfsaussagen sowie im Umsetzungsprozess durch Steuerung in
Reaktion auf Änderungen der finanziellen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung fach-
lich fundierter Einschätzungen.
2.3.3 Qualitätsentwicklung sowie Umsetzung der Normierung zum Kinderschutz
Mit der Novellierung des § 79 SGB VIII sowie der Schaffung des 79a SGB VIII formuliert der
Gesetzgeber einen gesetzlichen Auftrag zur umfassenden Qualitätsentwicklung und
-sicherung in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Regelung umfasst sämtliche Aufgaben und Leis-
tungen nach § 2 SGB VIII und hebt insbesondere die Qualitätsanforderungen an die Gefährdungs-
einschätzung nach § 8a SGB VIII und die Notwendigkeit der Vernetzung und Kooperation hervor.
Eine hohe Bindungswirkung wird insbesondere aus § 79a in Verbindung mit § 74 Abs. 1 SGB VIII
auf förderrelevante Bereiche der Jugendhilfe erreicht.
In der Rahmenempfehlung des Sächsischen Landesjugendamtes zum § 79a SGB VIII werden
bereits gesetzlich normierte Anforderungen formuliert (z.B. §§ 8 und 9 SGB VIII) sowie auf beste-
hende Standards in verschiedenen Leistungsfeldern verwiesen. Insbesondere die geltenden
Empfehlungen und Orientierungshilfen enthalten bereits Aussagen zu den fachlichen Qualitäts-
anforderungen an Strukturen und Prozessgestaltung in verschiedenen Leistungs- und Aufgaben-
bereichen der Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen.
Hier sind insbesondere folgende bestehende Empfehlungen und Orientierungshilfen
5
in der je-
weils gültigen Fassung zu berücksichtigen:
Orientierungshilfe zur außerschulischen Jugendbildung. Aufgaben und Qualitätskriterien
außerschulischer Jugendbildung im Freistaat Sachsen
vom LJHA verabschiedet am 27.03.2002
Orientierungshilfe zur Mobilen Jugendarbeit in Sachsen
vom LJHA verabschiedet am 01.07.2015
Fachempfehlung zur arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit im Freistaat Sachsen
vom LJHA verabschiedet am 18.03.2010
Fachempfehlung zur Schulsozialarbeit im Freistaat Sachsen
vom LJHA verabschiedet am 24.06.2016
Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
vom LJHA verabschiedet am 06.06.2001
2
vgl. SMS-LJA (2010): Rechtsgutachten des Juristischen Dienstes des Sächsischen Landtages
3
BVERWG (2009): Förderung freier Jugendhilfeträger für Maßnahmen der offenen Jugendarbeit; Urteil v. 17.07.2009, AZ: 5 C 25.08
4
a.a.O.
5
Die Empfehlungen und Orientierungshilfen sind abrufbar über die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses (LJHA) so-
wie über den Publikationsserver des Freistaates Sachsen.
http://www.publikationen.sachsen.de

 
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Orientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
vom LJHA verabschiedet am 01.09.2004
Empfehlung zur Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen
vom LJHA verabschiedet am 06.12.2000
Arbeitshilfe zur Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Familien
vom LJHA verabschiedet am 01.09.2004
Hinweise zur Umsetzung des § 72a SGB VIII – Handlungsempfehlungen
sowie Rahmenempfehlung des LJA zur Qualitätsentwicklung gemäß §§ 79 Abs. 2 Satz 1
Nr. 2, 79a Sätze 1 und 2 SGB VIII in den Empfehlungen und Orientierungshilfen
vom LJHA verabschiedet am 13.09.2012
Auch die Jugendhilfeplanung selbst formuliert in der Beschreibung des Bildungsaspektes als ar-
beitsbezogenes Grundprinzip in den Bildungszielen und insbesondere in den Bedarfsgrößen Qua-
litätsanforderungen an die überörtliche Bildungsarbeit. Die Aspekte der Qualitätsentwicklung wur-
den in das Qualitative Sachberichtswesen in den verschiedenen Qualitätsdimensionen eingear-
beitet und sind bereits erprobte Arbeitsgrundlage.
Die Abstimmung zur Umsetzung des § 74 Abs. 1 iVm. § 79a SGB VIII wird im Verfahren des
Abgleiches zwischen Jugendhilfeplanung und Förderung in den Fördergesprächen als Di-
alog zur Qualitätsentwicklung realisiert.
2.3.4 Verfahren des Abgleiches zwischen Jugendhilfeplanung und Förderung
Innerhalb der Maßnahmeplanung soll das Verfahren zur Abstimmung zwischen Jugendhilfepla-
nung und Förderung beschrieben werden. Im Rahmen der Jugendhilfeplanung 2014 wurde bereits
ein Verfahrenskonzept mit Blick auf das derzeit etablierte Verwaltungshandeln zwischen der
Obersten Landesjugendbehörde (dem SMS), der Bewilligungsbehörde (dem Kommunalen Sozi-
alverband Sachsen), dem überörtlichen Planungsträger (dem Landesjugendamt) sowie den Leis-
tungsanbietern dargestellt.
6
Dieses Verfahren beinhaltet:
die
Auswertung der Sachberichte
durch die Verwaltung des Landesjugendamtes,
die
konzeptionelle Abstimmung
in Form eines Gespräches zwischen Oberster Landesju-
gendbehörde, der Bewilligungsbehörde und dem Landesjugendamt,
die von der Bewilligungsbehörde initiierten
antragsbezogenen Fördergespräche
zwischen
Kommunalem Sozialverband, Landesjugendamt und Trägern vor der Antragstellung,
die jugendhilfeplanerischen Stellungnahmen des Landesjugendamtes
zu den Förderanträ-
gen,
das
Berichtswesen überörtlicher Bedarf.
Aus den skizzierten fiskalischen und rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Planungsumset-
zung sowie den Anmerkungen zur Qualitätsentwicklung gemäß § 79a SGB VIII ergeben sich für
den Abstimmungsprozess Änderungsnotwendigkeiten, die in die Beschreibung des Verfahrens
einzuarbeiten sind.
Dies betrifft:
die Einarbeitung von Aspekten der Qualitätsentwicklung gem. § 79a SGB VIII und deren
Auswirkungen auf die Umsetzung des § 74 Abs.1 SGB VIII in
die antragsbezogenen
Fördergespräche
,
die Berücksichtigung der Vorgaben des § 72 iVm. § 74 Abs.1 SGB VIII sowie insbeson-
dere der Regelungen des § 72a SGB VIII im gesamten Verfahren,
die Erarbeitung und Nutzung eines Maßnahmekonzeptes
7
in Form einer Gesamtstellung-
nahme, soweit die verfügbaren Haushaltsmittel nicht ausreichen.
Das Verfahren des Abgleiches zwischen Jugendhilfeplanung und Zuwendungsverfahren
wird unter Einbeziehung der beschriebenen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Nor-
mierungen beschrieben.
6
vgl. SMS-LJA (2014): Überörtliche Jugendhilfeplanung 2015-2020
7
vgl. Pkt 2.3.2

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
14 |
II BESTAND

| 15

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
16 |
3 Zentrale Bestandsdaten
In der Übersicht der zentralen Bestandsdaten werden Leistungsanbieter und Personal in ihrer
strukturellen Verfasstheit bereichsübergreifend dargestellt:
nach Leistungsbereichen § 11 SGB VIII, §§ 11/12 SGB VIII, § 13 SGB VIII, § 14 SGB VIII
und Übergreifend sowie nach der Art der Leistungsanbieter,
nach Art und themenbezogenen Schwerpunkten und nach Nutzung der Bildungsziele,
nach Schwerpunktsetzung in den grundlegenden Leistungen.
Basis für die gesamte Bestandsdarstellung sind die Sachberichte der landesweiten Träger für das
Jahr 2018, die im Juni 2019 im Landesjugendamt eingegangen sind. Zudem werden stellenbezo-
gene Informationen für 2020 auf der Basis des aktuellen Förderverfahrens ausgewiesen, um eine
möglichst hohe Aktualität für zukünftige Bedarfsaussagen zu erreichen.
3.1 Leistungsanbieter und Personal
Mit Verabschiedung der Jugendhilfeplanung zu den §§ 11- 14 SGB VIII 2014 gab es im Planungs-
bereich insgesamt 42 benannte Leistungsanbieter. Davon erhielten 37 Unterstützung durch ge-
fördertes hauptamtliches Personal. In der Bedarfsdarstellung für den Zeitraum 2015 - 2020 wur-
den durch den LJHA insgesamt 68 Vollzeitäquivalente (VzÄ) Personalstellen als geplanter Rah-
menbedarf ausgewiesen. Davon entfielen 22,00 VzÄ auf den Bereich § 11 SGB VIII, 22,00 VzÄ
auf den Bereich §§ 11/12 SGB VIII, 5,00 VzÄ auf den Bereich § 13 SGB VIII, 5,00 VzÄ auf den
Bereich § 14 SGB VIII und 14,00 VzÄ auf den Bereich Übergreifend.
Geförderte Personalstellen bei überörtlichen Jugendverbänden, Dachorganisationen und
Fachstellen nach Planungsbereichen 2018 - 2020
2014
lt. Planung
2018
2020
Stellen
Träger
Personen
Stellen
Träger
Personen
Stellen
Bereich § 11 SGB VIII
22,00
8
24
23,40
8
26
23,68
Bereich §§ 11/12 SGB VIII
22,00
28
26
22,68
28
27
24,43
Bereich § 13 SGB VIII
5,00
2
6
4,00
2
7
5,50
Bereich § 14 SGB VIII
5,00
2
5
4,50
2
5
4,50
Bereich Übergreifend
14,00
4
12
10,33
4
12
11,60
gesamt
68,00
44
73
64,90
44
77
69,70
Bild 1: Geförderte Personalstellen bei überörtlichen Jugendverbänden, Dachorganisationen und Fachstellen
nach Planungsbereichen 2018 - 2020; SMS-LJA 2020
In der Betrachtung der in den letzten Jahren geförderten Personalstellen bei landesweiten Trägern
nach leistungsbezogen Planungsbereichen ergibt sich folgendes Bild:
Insgesamt hat es für 2018 und 2020 - bezogen auf 2014 - Änderungen in der Anzahl der geför-
derten Stellen und bei der Anzahl der überörtlichen Träger gegeben. Im Jahr 2014 lag die Anzahl
der mit Personalstellen geförderten Träger bei 41, die Gesamtzahl der geförderten Stellenanteile
bei 55,08 VzÄ.
Im Jahr 2018 wurden bei 44 landesweiten Träger insgesamt 64,90 VzÄ für 73 Personen gefördert.
2020 hat sich diese Anzahl bei gleichbleibender Zahl der Träger nochmals erhöht. Hier entfielen
69,70 VzÄ auf 77 Personen. Damit wurden die in der Jugendhilfeplanung 2015 – 2020 formulierten
Rahmenbedarfe in den Jahren 2018 und 2020 überschritten. Dies betrifft insbesondere die Stel-
lenentwicklung in den Bereichen § 11 SGB VIII und §§ 11/12 SGB VIII. Die über die Jahre vorge-
nommenen moderaten Stellenerhöhungen ergaben sich hauptsächlich aus erweiterten Aufgaben-
übertragungen sowie aus Stellenangleichungen und -entwicklungen im Bereich der überörtlichen
Jugendverbände.

| 17
Die Bestandsdaten zu Trägern und Personal werden im Folgenden nach der 2014 eingeführten
Einteilung „Art der Leistungsanbieter“ dargestellt. Die Einordnung wurde innerhalb der Auswer-
tung der Sachberichte in der Verwaltung des Landesjugendamtes vorgenommen.
In der Kategorie „Fortbildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio“ befinden sich 2 Träger aus
den Bereichen § 11 SGB VIII und Übergreifend. Als „Dachverbände mit Bildungsaufgaben“ lassen
sich 4 Träger aus dem Bereich § 11 SGB VIII und ein Träger aus dem Bereich §§ 11/12 einordnen.
Im Bereich §§ 11/12 SGB VIII wurden 27 Jugendverbände zugeordnet. Als „Themenspezifische
Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen“ lassen sich insgesamt 10 Träger bezeichnen, die in den Be-
reichen § 11 SGB VIII, § 13 SGB VIII, § 14 SGB VIII und Übergreifend tätig sind.
Träger nach Art der Leistungsanbieter 2018
Fortbildungsträger mit er-
weitertem Bildungsportfo-
lio
Dachverbände mit Bil-
dungsaufgaben
Jugendverbände
Themenspezifische Fach-
stellen bzw. Facharbeits-
stellen
Summe
Bereich §§ 11 SGB VIII
8
Bereich §§ 11/12 SGB VIII
28
Bereich § 13 SGB VIII
2
Bereich § 14 SGB VIII
2
Bereich Übergreifend
4
Summe
2
5
27
10
44
Bild 2: Träger nach Art der Leistungsanbieter 2018; SMS-Landesjugendamt 2020
Neben der Einordnung nach Trägern lassen sich auch die Stellenanteile des 2018 geförderten
Personals auf die Kategorien abbilden. Die Ergebnisse lassen sich aus Bild 3 entnehmen.
Grundsätzlich kann man von einer ausgewogenen Verteilung in den unterschiedlichen Arten der
Leistungsanbieter ausgehen.
Innerhalb der Sachberichterstattung für das Jahr 2018 wurden durch die Leistungsanbieter die
Bildungsziele benannt, auf die sie ihre Arbeit grundsätzlich im Schwerpunkt konzentrieren. Diese
Auswahl der Bildungsziele bildet eine wichtige Grundlage für die konzeptionelle Entwicklung sowie
für die Ausgestaltung der Bildungs- und Beratungsangebote auf überörtlicher Ebene.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
18 |
Träger und Personal nach Art der Leistungsanbieter 2018 und 2020
2018
(Stellenanteile in VzÄ)
2020
(Stellenanteile in VzÄ)
Fortbildungsträger
mit erweitertem
Bildungsportfolio
Dachverbände mit
Bildungsaufgaben
Jugendverbände
Themenspezifische
Fachstelle/
Facharbeitsstelle
gesamt
Fortbildungsträger
mit erweitertem
Bildungsportfolio
Dachverbände mit
Bildungsaufgaben
Jugendverbände
Themenspezifische
Fachstelle/
Facharbeitsstelle
gesamt
Bereich § 11 SGB VIII
7,00
11,80
4,60
23,4
7,00
11,88
4,80
23,7
Bereich § 11/12 SGB VIII
5,5
17,18
22,68
5,75
18,68
24,4
Bereich § 13 SGB VIII
4,00
4
5,50
5,5
Bereich § 14 SGB VIII
4,50
4,5
4,50
4,5
Bereich Übergreifend
4,83
5,50
10,33
5,60
6,00
11,6
gesamt
11,83
17,30 17,18
18,60
64,9
12,60
17,63 18,68
20,80
69,7
Träger
2
5
27
10
44
2
5
27
10
44
Bild 3: Träger und Personal nach Art der Leistungsanbieter 2018, SMS-LJA 2020
Die Zielauswahl und deren Umsetzung bildet aber auch die Basis für die Beratungsgespräche der
Träger mit dem Landesjugendamt und ist dabei Richtlinie für den antragsbezogenen Abgleich
zwischen Planungsergebnissen und den inhaltlichen Ausrichtungen der Bildungsarbeit der Trä-
ger.
2
5
27
10
2
5
27
10
11,8 VzÄ
17,3 VzÄ
17,2 VzÄ
18,6 VzÄ
12,6 VzÄ
17,6 VzÄ
18,7 VzÄ
20,8 VzÄ
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
30,0
Fortbildungsträger
mit erweitertem
Bildungsportfolio
Dachverbände mit
Bildungsaufgaben
Jugendverbände
Themenspezifische
Fachstelle/
Facharbeitsstelle
Fortbildungsträger
mit erweitertem
Bildungsportfolio
Dachverbände mit
Bildungsaufgaben
Jugendverbände
Themenspezifische
Fachstelle/
Facharbeitsstelle
2018
2020
Bereich § 11 SGB VIII
Bereich §§ 11/12 SGB VIII
Bereich § 13 SGB VIII
Bereich § 14 SGB VIII
Bereich Übergreifend
Träger

| 19
Inanspruchnahme der Bildungsziele bei überörtlichen Jugendverbänden,
Dachorganisationen und Fachstellen 2018
Demokratiebildung
Bürgerschaftliches
Engagement
Interdisziplinäre Kom-
petenzen
Soziale,
personale und inter-
kulturelle
Kompetenzen
Gleichberechtigte
Teilhabe
Bereich § 11 SGB VIII
Bereich §§ 11/12 SGB VIII
Bereich § 13 SGB VIII
Bereich § 14 SGB VIII
Bereich Übergreifend
Gesamt
32
36
23
30
17
Bild 4: Inanspruchnahme der Bildungsziele bei überörtlichen Jugendverbänden und Dachorganisationen und Fachstellen 2018;
SMS-LJA 2020
Die trägerbezogene Auswertung der Inanspruchnahme der Bildungsziele gibt einen guten Über-
blick über die Häufigkeit der Nutzung dieser Arbeitsgrundlagen. Sie sind mittelbar auch Ausdruck
dafür, inwieweit die Bildungsziele praxisnah entwickelt und formuliert sind.
Am häufigsten wurden die Bildungsziele „Bürgerschaftliches Engagement“ (36 Nennungen) sowie
„Demokratiebildung“ (32 Nennungen) und „Soziale, personale und interkulturelle Kompetenzen“
(30 Nennungen) benannt. Sie bilden insbesondere im Planungsbereich §§ 11/12 SGB VIII bei der
Arbeit der Jugendverbände wichtige Arbeitsgrundlagen.
Die Bildungsziele „Interdisziplinäre Kompetenzen“ (23 Nennungen) und „Gleichberechtigte Teil-
habe“ (17 Nennungen) wurden in vergleichsweise geringeren Häufigkeiten genutzt.
Die Inanspruchnahme von Zielen erfolgt aus der fachlichen und konzeptionellen Schwerpunktset-
zung der überörtlichen Träger und in Auswahl aus dem verfügbaren Kanon der Bildungsziele. Dies
bedeutet nicht, dass nicht benannte bzw. nicht in Anspruch genommene Zielthemen nicht bear-
beitet werden.
Mit der Jugendhilfeplanung 2014 für den Planungszeitraum 2015 -2020 wurde mit den themati-
schen Arbeitsschwerpunkten eine weitere, operational geprägte Zielebene unterhalb der Bil-
dungsziele eingeführt.
Die Inanspruchnahme dieser Arbeitsschwerpunkte lässt sich ebenfalls trägerbezogen abbilden,
um einen Überblick über die Nutzung und mittelbar auf die Praxisrelevanz der Arbeitsschwer-
punkte zu erhalten.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
20 |
Inanspruchnahme der Thematischen Arbeitsschwerpunkte bei überörtlichen
Jugendverbänden, Dachorganisationen und Fachstellen 2018
Internationale Jugendarbeit
stärken
Kulturelle Bildung als immanen-
ten Bestandteil der Jugendarbeit
profilieren
Vielfalt in der
Jugendverbandsarbeit sichern
Eigenständige Jugendpolitik ent-
wickeln
Arbeitsweltbezogene Jugendso-
zialarbeit und Schulsozialarbeit
weiterentwickeln und ausbauen
Medienkompetenz vermitteln
Geschlechtergerechtigkeit stär-
ken
Kinderschutz stärken
Bereich
§ 11 SGB VIII
Bereich
§§ 11/12 SGB VIII
Bereich
§ 13 SGB VIII
Bereich
§ 14 SGB VIII
Bereich
Übergreifend
Gesamt
22
34
29
12
2
9
15
22
Bild 5: Inanspruchnahme der Thematischen Arbeitsschwerpunkte bei überörtlichen Jugendverbänden, Dachorganisationen und
Fachstellen 2018; SMS-LJA 2020
3.2 Grundlegende Leistungen und Bildungsleistungen
3.2.1 Grundlegende Leistungen
Die grundlegenden Leistungen beschreiben jugendhilfebezogene Grundaufgaben, durch welche
die strukturbildende und unterstützende Funktion der überörtlichen Jugendverbände, Dachorga-
nisationen und Fachstellen ermöglicht werden. Sie werden von allen Trägern gleichermaßen
wahrgenommen. Die Wahrnehmung dieser Aufgaben wird insbesondere durch die Förderung von
Fachpersonal und Sachkosten realisiert.
Zu den grundlegenden Leistungen zählen die Initiierung des Erfahrungsaustauschs und die Inte-
ressenvertretung der Zielgruppen in verschiedenen Gremien, aber auch der Informationsaus-
tausch, Veröffentlichungen, die Fachgruppenarbeit sowie verschiedene Angebote der Koordina-
tion und Beratung.
In den Sachberichten für das Jahr 2018 wurden die Aufgaben und die Arbeit in den grundlegenden
Leistungen umfassend dargestellt. Aus Sicht des überörtlichen Planungsträgers kann davon aus-
gegangen werden, dass hier die formulierten Festlegungen aus dem Planungsbericht für den Zeit-
raum 2015 – 2020 erfüllt worden sind.

| 21
Für die Ausgestaltung der grundlegenden Leistungen wurden durch die Träger arbeitsbezogen
und mit Blick auf die fachlichen und konzeptionellen Ausrichtungen unterschiedliche Schwer-
punkte vorgenommen. Dies macht die Auswertung nach Häufigkeiten von Nennungen deutlich.
Insgesamt gesehen liegt der Schwerpunkt der grundlegenden Leistungen in der „Fachberatung in
Form von Konzeptions-, Projekt- und Organisationsberatung“ sowie in der jugendpolitischen Inte-
ressenvertretung in bundes- und landesweiten Gremien im jeweiligen Fachkontext. Dies betrifft
alle Planungsbereiche, wird aber für den Bereich der §§ 11/12 SGB VIII der Jugendverbandsarbeit
besonders deutlich.
Grundlegende Leistungen 2018 - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen
Veröffentlichungen, die sich
mit den Aufgaben, der aktu-
ellen Situation und Entwick-
lungen beschäftigen
Fachberatung in Form von
Konzeptions-, Projekt- und
Organisationsberatung
Initiierung, Begleitung und
Durchführung von Fachar-
beitskreisen und Projekten
Jugendpolitische Interes-
senvertretung in bundes-
und landesweiten Gremien
im jeweiligen Fachkontext
Eigenständige Leistungen
der Jugendverbände in Be-
zug auf Werbung und Be-
treuung von Mitgliedern und
Teilnehmern
Bereich § 11 SGB VIII
Bereich §§ 11/12 SGB VIII
Bereich § 13 SGB VIII
Bereich § 14 SGB VIII
Bereich Übergreifend
gesamt
20
31
18
37
27
Bild 6: Grundlegende Leistungen 2018 - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen; SMS-LJA 2020
Da die überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen - über ihre Struktur
und die Wahrnehmung grundlegender Leistungen - ihre strukturbildende und unterstützende
Funktion in der Mehrheit über ihre Mitglieder sowie ihre Untergliederungen entfalten, soll an dieser
Stelle die in den Sachberichten dokumentierten Mitgliederzahlen dargestellt werden.
Hier lassen sich Verzerrungen nicht vermeiden, da bei einer Vielzahl von benannten Mitgliedern
Doppelnennungen auftreten können. Dennoch bietet die bereichsbezogene Darstellung der Mit-
glieder und Untergliederungen eine gute Übersicht über die Vielfalt der trägerbezogenen Koope-
rations- und Arbeitsbeziehungen und die damit verbundene Wirkungsmächtigkeit auf regionale
und örtliche Jugendhilfestrukturen.
Insgesamt haben die überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen in ih-
ren Sachberichten 3.098 Mitglieder und Untergliederungen benannt. Die Nennungen beziehen
sich auf juristische Personen wie z. B. öffentliche und freie Träger und Kreisverbände sowie Ju-
gendgruppen und -initiativen.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
22 |
Mitglieder und Untergliederungen überörtlicher Jugendverbände, Dachorganisationen
und Fachstellen 2018
Träger*
Mitglieder bzw. Unter-
gliederungen
Bereich § 11 SGB VIII
8
333
Bereich §§ 11/12 SGB VIII
15
1.985
Bereich § 13 SGB VIII
2
672
Bereich § 14 SGB VIII
2
26
Bereich Übergreifend
4
82
gesamt
31
3.098
Bild 7: Mitglieder und Untergliederungen der überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen 2018; *Träger
Angaben zu Mitgliedern; SMS-LJA 2020
Bezogen auf die Planungsbereiche liegt es in der Natur der Sache, dass es im Bereich der
§§ 11 und 11/12 SGB VIII mehr Untergliederungen gibt als beispielsweise im Bereich § 13 und
§ 14 SGB VIII, wo Fachstellen auf Grund ihrer Verfasstheit und der Themenschwerpunkte eher
über die fachbezogenen Bildungsleistungen wirken.
Auf der Grundlage der genannten Zahlen lässt sich einschätzen, dass die überörtlichen Dachver-
bände mit ihrer Arbeit eine deutliche Wirksamkeit auf der örtlichen Ebene entfalten. Es ist davon
auszugehen, dass auch regional eine große Breite in der Abdeckung über Mitgliedsorganisationen
erreicht wird.
3.2.2 Bildungsleistungen
Neben den grundlegenden Leistungen sind die Bildungsleistungen ein zentrales Moment in der
Aufgabenwahrnehmung der landesweiten Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstel-
len. Hier gibt es im Planungsbericht für den Zeitraum 2015 – 2020 grundlegende Festlegungen,
wie viele Bildungstage je Bildungsreferent/-in in Abhängigkeit nach Art der Leistungsanbieter er-
bracht werden sollen.
Nach der Auswertung der Sachberichte für das Jahr 2018 wurde bei allen Trägern die Anzahl der
geforderten Bildungstage erreicht.
Im Jahr 2018 fanden nach den Angaben in den Sachberichten 884 Bildungsveranstaltungen
mit 2.372 Bildungstagen in ein- und mehrtägigen Formen sowie in den verschiedenen Set-
tings statt. Dabei konnten ca. 19.100 Teilnehmer/-innen erreicht werden.
Die Gesamtanzahl der Bildungsveranstaltungen ist gegenüber 2014 relativ stabil geblieben (2014:
991 Bildungsveranstaltungen), liegt aber leicht unter der Bestandsdarstellung des damaligen Pla-
nungsberichtes. Auch die Anzahl der Teilnehmer/-innen ist rückläufig. (2014: 21.100)
Der Rückgang der Bildungsangebote kann als weiterer Sockelungseffekt auf der Grundlage der
Fachkräfteentwicklung betrachtet werden. Veränderungen ergeben sich weiterhin aus der Finan-
zierung der Bildungsangebote sowie durch die Erhöhung der Beratungsleistungen im Sinne von
Bildungsleistungen, die sich sowohl in dokumentierbaren Settings als auch in allgemeinen Formen
generieren. Diese Einschätzung bezieht sich insbesondere auf die Ausführungen der Träger in
den Sachberichten.
Für den Bereich § 11 SGB VIII wurden im Jahr 2018 207 Veranstaltungen mit 578 Bildungsta-
gen und 4.131 Teilnehmer/-innen dokumentiert (2014: 275). Der Schwerpunkt liegt hier bei der
Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung. Mehr als 70 Prozent der Veranstaltungen fanden in
dieser Bildungsform statt.
Im Bereich der §§ 11/12 SGB VIII wurden 411 Bildungsveranstaltungen mit 957 Bildungstagen
und 10.635 Teilnehmer/-innen ausgewiesen (2014: 413). Auch hier nehmen die Angebote der

| 23
Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung den größten Teil aller Bildungsangebote ein. Nur ein
Viertel aller Maßnahmen sind Angebote der außerschulischen Jugendbildung.
Im Bereich des § 13 SGB VIII ist die Anzahl der Bildungsangebote mit 31 Mitarbeiter- und Multi-
plikatorenfortbildungen (2014: 32) nahezu gleichgeblieben. Die Anzahl der Bildungstage lag bei
120, die Anzahl der Teilnehmer/-innen bei 304.
Anzahl der Bildungsveranstaltungen nach Planungsbereich und Bildungsform 2018
Bild 8: Anzahl der Bildungsveranstaltungen nach Planungsbereich und Bildungsform 2018; SMS-LJA 2020
Im Bereich des § 14 SGB VIII lag die Anzahl der Bildungsveranstaltungen bei 131 und damit höher
als 2014 (2014: 44). Auch hier ist die Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung der Schwerpunkt
der Bildungsarbeit. Es wurden für 2018 147 Bildungstage und 827 Teilnehmer/-innen angegeben.
Für den Bereich Übergreifend wurden 125 Bildungsveranstaltungen mit 570 Bildungstagen und
3.213 Teilnehmer/-innen ausgewiesen, in der großen Mehrheit Veranstaltungen der Mitarbeiter-
und Multiplikatorenfortbildung.
Im Bereich der Internationalen Jugendarbeit fanden 2018 12 Maßnahmen mit 96 Bildungstagen
und 259 Teilnehmer/-innen statt. Diese Maßnahme lassen sich alle dem Planungsbereich § 11
SGB VIII zuordnen.
8
Auf der Basis der angegebenen Zahlen ist zu konstatieren, dass die überörtlichen Jugendver-
bände, Dachorganisationen und Fachstellen in den vergangenen Jahren ein umfassendes und
umfangreiches Bildungsangebot generieren konnten. Damit wurde eine vergleichsweise hohe An-
zahl an Teilnehmer/-innen erreicht.
Insgesamt ist die Bildungsarbeit in traditionellen Settings leicht rückläufig. Dagegen gewinnen Be-
ratungsangebote in dokumentierbaren Settings als auch in allgemeinen Formen mehr an Bedeu-
tung.
8
Die Angaben beziehen sich auf die Maßnahmen, die in den Sachberichten der landesweiten Träger benannt worden sind.
207
411
31
110
125
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
§ 11 SGB VIII
§§ 11/12 SGB VIII
§ 13 SGB VIII
§ 14 SGB VIII
Übergreifend
Internationale Jugendarbeit
Mitarbeiter- und
Multiplikatorenfortbildung
Außerschulische Jugendbildung

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
24 |
3.3 Finanzausstattung 2010 - 2020
Der Vollständigkeit halber soll an dieser Stelle auf den Verlauf der jährlichen Finanzausstattung
für die Umsetzung der Aufgaben und Leistungen überörtlicher Jugendverbände, Dachorganisati-
onen und Fachstellen bis zum Jahr 2020 eingegangen werden.
Finanzausstattung 2010 - 2020
Bewilligte Mittel in der Förderrichtline „Überörtlicher Bedarf“
Bild 9: Finanzausstattung 2010-2020, Bewilligte Mittel in der Förderrichtline „Überörtlicher Bedarf“, Förderstatistik des Kommunalen
Sozialverbandes Sachsen, eigene Berechnungen; SMS-LJA 2020
Im Jahr 2020 wurden durch den Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) im Rahmen der För-
derrichtlinie „Überörtlicher Bedarf“ 4.690.291,72 EUR (Stand Mai 2020) bewilligt. Davon flossen
88,54% der Mittel in die grundlegenden Leistungen, also in Personal- und Sachkosten. Dies ent-
spricht in Stellenanteilen 69,7 VzÄ. 11,46% der Mittel flossen in geförderte Bildungsmaßnahmen
der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung, der außerschulischen Jugendbildung und der in-
ternationalen Jugendarbeit. 2012 hatte die Gesamtsumme der Förderung noch bei 2.877.591,01
EUR gelegen.
Im zeitlichen Verlauf zwischen 2010 und 2020 ist ersichtlich, dass sich die Gesamtsumme der
Bewilligungen in den letzten Jahren insgesamt erheblich erhöht hat. Das Verhältnis zwischen Mit-
teln für grundlegende Leistungen und Bildungsmaßnahmen ist geprägt von einer hohen Bindung
von Personal- und Sachkosten im Rahmen der grundlegenden Leistungen. Es hat sich von
88,1%:11,9% im Jahr 2010 hin zu dem Verhältnis 88,54%:11,46% im Jahr 2020 entwickelt.
Damit liegt der Schwerpunkt der Förderung auf der Ausfinanzierung der grundlegenden Leistun-
gen in Form von Fachpersonal für die überörtliche Bildungsarbeit.
Diese beschriebene Entwicklung lässt sich tendenziell auch für die Anzahl der geförderten Perso-
nalstellen nachzeichnen. Hier hat es in den letzten Jahren insbesondere mit Beginn 2015 erheb-
liche Stellenerhöhungen gegeben.
88,10%
79,84%
84,21%
84,99%
88,50%
85,15%
84,03%
87,64%
10,95%
87,78%
88,54%
11,90%
20,16%
15,79%
15,01%
11,50%
14,85%
15,97%
12,36%
89,05%
12,22%
11,46%
2.847
2.832
2.878
2.963
3.059
3.573
3.833
3.913
4.045
4.458
4.690
61,94 VzÄ
52,40 VzÄ
51,32 VzÄ
53,23 VzÄ
55,08 VzÄ
60,33 VzÄ
62,90 VzÄ
64,90 VzÄ 64,90 VzÄ
67,10 VzÄ
69,70 VzÄ
30,0 VzÄ
40,0 VzÄ
50,0 VzÄ
60,0 VzÄ
70,0 VzÄ
80,0 VzÄ
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
4.500
5.000
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
Summe Maßnahmen
Summe grundlegende Leistungen (Personal und Sachskosten)
Stellen
Tsd. EUR

 
| 25
4 Ausgewählte Ergebnisse aus den Bereichen
4.1
Bereich § 11 SGB VIII
4.1.1
Zielstellungen
Grundsätzliche Zielstellungen des Bereiches § 11 SGB VIII sind:
die Stärkung und Weiterentwicklung der individuellen, sozialen und fachlichen Kompetenzen
von Mitarbeiter/-innen im Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit durch Mitarbeiter- und
Multiplikatorenfortbildung,
die Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch außerschulische Bil-
dungsprozesse, internationale Jugendbegegnungen und Kinder- und Jugenderholung zu ei-
ner eigenverantwortlichen Lebensgestaltung,
die Unterstützung der Einrichtungen der Jugendarbeit bei der Organisation und Durchfüh-
rung von Projekten,
die Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen sowie der Träger von Jugendarbeit auf
kommunaler und landesweiter Ebene,
die Weitergabe aktueller Informationen zu relevanten Aufgaben- und Fragestellungen als Im-
puls und Unterstützung von Einrichtungen und Projekten der Jugendarbeit sowie
die Anregung eines fachlichen Austausches in der Praxis über Veröffentlichungen.
4.1.2
Bereitstellung von Strukturen
Träger nach vereinbarten Bildungszielen und thematischen Arbeitsschwerpunkten
Im Aufgabenbereich des § 11 SGB VIII wurden 2018 und 2020 vom Freistaat Sachsen 8
überört-
liche Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen
gefördert. Hierbei handelt es sich um
Träger, die überörtlich im Schwerpunkt im Bereich des § 11 SGB VIII tätig sind:
AG Jugendfreizeitstätten Sachsen e. V. - AGJF
Landesverband Sächsischer Jugendbildungswerke e.V. – LJBW
Sächsische Landjugend e. V.
Landesverband Soziokultur Sachsen e. V.
Evang.-Luth. Landeskirche Sachsens - Landesjugendpfarramt
Landesverband Kinder- und Jugenderholungszentren Sachsen e. V. – KIEZ
Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit e. V.
Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen e. V. – LKJ
Diese 8 Träger haben sich in ihrer Arbeit an den im Planungsbericht 2015 – 2020 formulierten
Bildungszielen orientiert und diese in unterschiedlicher Auswahl und Schwerpunktsetzung ge-
nutzt. Die Häufigkeit der vereinbarten Bildungsziele ist in Bild 8 ersichtlich.
Nutzung von Bildungszielen im Bereich § 11 SGB VIII 2018
Bild 10: Träger nach vereinbarten Bildungszielen im Bereich § 11 SGB VIII 2018; SMS-LJA 2020
0
2
4
6
8
10
Gleichberechtigte Teilhabe
Soziale,
personale und interkulturelle
Kompetenzen
Interdisziplinäre Kompetenzen
Bürgerschaftliches Engagement
Demokratiebildung

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
26 |
Innerhalb der Sachberichte für 2018 wurden von den Trägern Angaben zur Nutzung der themati-
schen Arbeitsschwerpunkte für den Planungszeitraum gemacht. Dabei bietet sich für den Bereich
§ 11 SGB VIII folgendes Bild:
Nutzung der thematischen Arbeitsschwerpunkte im Bereich § 11 SGB VIII 2018
Bild 11: Träger nach Nutzung der thematischen Arbeitsschwerpunkte im Bereich § 11 SGB VIII 2018; SMS-LJA 2020
Träger und Personal
Als strukturelle Voraussetzung für die Umsetzung überörtlicher Aufgaben wurden bei den benann-
ten 8 Trägern 2018 insgesamt 23,4 Personalstellen (2014: 20,89 VzÄ), verteilt auf 25 Personen,
durch den Freistaat finanziert. 2020 werden 23,68 VzÄ verteilt auf 25 Personen gefördert.
Vom durch den Freistaat Sachsen geförderten Personal waren 2018 31,2% als Geschäftsführer/-
innen bzw. Verwaltungsangestellte, 60,3 % als Bildungsreferent/-innen und 8,5% im Bereich Ser-
vice/Information tätig.
Im Zeitraum 2020 gab es weitere Veränderungen bei den Personalstellen. Hier lassen sich 25
Personen mit insgesamt 23,68 VzÄ ausweisen.
9
Auch das Verhältnis zwischen den Berufsgrup-
pen hat sich dadurch leicht zugunsten der Bildungsreferent/-innen verändert.
Träger und Personal im Bereich § 11 SGB VIII 2018 und 2020
Aufgabenbereich
Personen
2018
VzÄ
2018
Personen
2020
VzÄ
2020
Geschäftsführer/-innen
4
4,00
4
4,00
Verwaltung (Buchhaltung, Sekretär/-in)
4
3,30
4
3,38
Bildungsreferent/-innen
15
14,10
15
14,30
davon geschäftsführende/r Bildungsreferent/-in
2
1,75
2
2,00
Service/Information
2
2,00
2
2,00
Gesamt
25
23,40
25
23,68
9
vgl. Bild 12
0
2
4
6
8
Kinderschutz stärken
Geschlechtergerechtigkeit stärken
Medienkompetenz vermitteln
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und
Schulsozialarbeit
Eigenständige Jugendpolitik entwickeln
Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern
Kulturelle Jugendbildung als immantenten ..
Internationale Jugendarbeit stärken

 
| 27
Bild 12: Träger und Personal im Bereich § 11 SGB VIII 2018 und 2020; SMS-LJA 2020
Träger und Personal im Bereich § 11 SGB VIII nach Art der Leistungsanbieter 2018
Bild 13: Träger und Personal
im Bereich § 11 SGB VIII
nach Art der Leistungsanbieter 2018; SMS-LJA 2020
Die Bestandsdaten zu Trägern und Personal 2018 lassen sich auch nach der Art der Leistungs-
anbieter darstellen. In der Kategorie „Fortbildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio“ befin-
det sich 1 Träger mit insgesamt 7,00 VzÄ. Als „Dachverbände mit Bildungsaufgaben“ lassen sich
4 Träger mit 11,80 VzÄ, als „Themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen“ 3 Träger
mit 4,60 VzÄ bezeichnen.
4.1.3 Aufgaben
Grundlegende Leistungen
Die grundlegenden Leistungen sind zum einen Aufgaben, die im Allgemeinen auch als Lobbyar-
beit bezeichnet und von allen Trägern gleichermaßen wahrgenommen werden. Insbesondere sind
hierfür zu nennen: die Initiierung des Erfahrungsaustauschs und die Interessensvertretung der
Zielgruppen in verschiedenen Gremien. Zu den grundlegenden Leistungen zählen aber auch der
Informationsaustausch, Veröffentlichungen, die Fachgruppenarbeit sowie verschiedene Angebote
der Koordination und Beratung.
Die Auswertung für die grundlegenden Leistungen wurde bereits im allgemeinen Teil vorgenom-
men. Innerhalb der Darstellungen für den Bereich des § 11 SGB VIII soll an dieser Stelle eine
Aufzählung der Nennungen zu den Schwerpunkten der grundlegenden Leistungen im Sachbericht
nach Häufigkeit im Überblick erfolgen.
In der Betrachtung der Übersicht wird deutlich, dass im Bereich § 11 SGB VIII der Schwerpunkt
der grundlegenden Leistungen in der jugendpolitischen Interessenvertretung sowie in der
Fach-
beratung in Form von Konzeptions-, Projekt- und Organisationsberatung
liegt. Eine Basis dafür
17,1%
16,9%
14,1%
14,3%
52,8%
53,0%
7,5%
7,4%
8,5%
8,4%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2018
2020
Geschäftsführer/-innen
Verwaltungsfachkräfte
Bildungsreferenten/-innen
geschäftsführende Bildungsreferenten/-innen
7,00
11,80
4,60
1
4
0
3
0
0,00
2,00
4,00
6,00
8,00
10,00
12,00
14,00
Fortbildungsträger
Dachverbände
Jugendverbände
Fachstellen
Sonstige
Personal
Träger

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
28 |
sind die umfangreichen in den Sachberichten dargestellten Kooperationsbeziehungen zu anderen
Dachorganisationen auf Landes- und Bundesebene.
Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen
Veröffentlichungen, die sich mit den Aufgaben, der aktuellen Situation und Ent-
wicklungen in den Leistungsbereichen der §§ 11 - 14 SGB VIII auseinander-
setzen, sofern sie sich über die eigenen Mitgliedsstrukturen hinaus an die
Fachöffentlichkeit wenden
Fachberatung in Form von Konzeptions-, Projekt- und Organisationsberatung
als offenes Angebot für alle Anbieter der Leistungsbereiche
der §§ 11 - 14 SGB VIII
Initiierung, Begleitung und Durchführung von Facharbeitskreisen und Projek-
ten, die in ihrer Zusammensetzung über die Mitgliederstrukturen hinausgehen
und repräsentativ für Sachsen sind
Jugendpolitische Interessenvertretung in bundes- und landesweiten Gremien
im jeweiligen Fachkontext
Eigenständige Leistungen der Jugendverbände in Bezug auf Werbung und Be-
treuung von Mitgliedern und Teilnehmern
Bild 14: Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen im Bereich § 11 SGB VIII 2018, SMS-LJA 2020
Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit
Im Jahr 2018 wurden im Bereich § 11 SGB VIII - laut der Meldungen in den Sachberichten -
insgesamt
207
Maßnahmen mit
578
Bildungs- bzw. Maßnahmetagen und
4.131
Teilnehmer/-in-
nen durchgeführt. 23 weitere Maßnahmen waren geplant, sind aber ausgefallen.
Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der Internationalen Jugendarbeit 2018
im Bereich § 11 SGB VIII
Bild 15:
Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit 2018 im Bereich § 11 SGB VIII;
SMS-LJA 2020
(2014: 275 Maßnahmen mit 702 Bildungs- bzw. Maßnahmetagen und 5.177 Teilnehmer/-innen)
46
151
1.663
149
331
2.209
12
96
259
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Projekte
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Außerschulische Jugendbildung
Mitarbeiter- und
Multiplikatorenfortbildung
Internationale Jugendarbeit

 
| 29
Die Aufteilung der Maßnahmen, Bildungstage und Teilnehmer/-innen nach Maßnahme- und Ver-
anstaltungsart ergibt sich wie im Bild 15 ersichtlich.
Im Bereich der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung gab es 149 Maßnahmen mit insgesamt
331 Bildungstagen und 2.209 Teilnehmer/-innen. Die Maßnahmen der außerschulischen Jugend-
bildung sind mit 46 Maßnahmen, 151 Bildungstagen und 1.663 Teilnehmer/-innen angegeben. Im
Bereich der internationalen Jugendarbeit wurden 12 Maßnahmen, 96 Bildungstage und 259 Teil-
nehmer/-innen benannt.
Im Vergleich zwischen der Anzahl der Bildungsreferent/-innen und den Bildungstagen, die sich
auf die vom Freistaat finanzierten Bildungsreferent/-innen beziehen lassen, ergibt sich ein Ver-
hältnis zwischen Referenten und Bildungstagen von 1:41.
Alle Träger liegen über der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 geforderten Anzahl der je nach Art
der Leistungsanbieter festgelegten Bildungstage.
Die Aussagen beziehen sich auf die Eigendarstellungen der Leistungsanbieter.
4.1.4 Bestandsbewertung
Struktur und Einordnung der Träger im Bereich § 11 SGB VIII
Im Bereich des § 11 SGB VIII sind im Rahmen der Planungsübersicht 8 Träger eingeordnet. Es
kann eingeschätzt werden, dass durch die betreffenden Träger die Zielstellungen in diesem Be-
reich erfüllt werden.
Die Einordnung der Träger nach Art der Leistungsanbieter mit einem „Fortbil-
dungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio“, 4 Trägern als „Dachverbände mit Bildungsaufga-
ben“ und 3 Trägern als „Themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen“ lässt sich als
ausgewogen und dem Arbeitsfeld und der Erfüllung der Bildungsaufgaben angemessen bezeich-
nen.
Bildungsziele und Arbeitsschwerpunkte
In der Betrachtung der Häufigkeit der Nutzung und Ausgestaltung der vereinbarten Bildungsziele
wird eingeschätzt, dass die entwickelten Ziele im Bereich des § 11 SGB VIII grundsätzlich tragen
und praktikabel sind. Entsprechend der Trägerspezifik wurden dabei die Bildungsziele in unter-
schiedlicher Häufigkeit als Arbeitsgrundlage benannt.
Die thematischen Arbeitsschwerpunkte wurden in einer vergleichsweisen hohen Bandbreite ge-
nutzt, wobei entsprechend nach dem Charakter des Arbeitsfeldes die Internationale Jugendarbeit,
die Eigenständige Jugendpolitik sowie die Kulturelle Jugendbildung wichtige Schwerpunkte wa-
ren.
Bereitstellung von personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen
Mit Blick auf die Art der Leistungsanbieter sowie auf die erbrachten Bildungsleistungen und die
grundlegenden Leistungen wird der Umfang der personellen Strukturen zur Umsetzung der Ziel-
stellungen als ausreichend eingeschätzt. In den Jahren 2018 und 2020 hat es im Rahmen aktuel-
ler Entwicklungen moderate Stellenerhöhungen gegeben.
Darüber hinaus gab es in den Sachberichten Bedarfsanzeigen für Bildungspersonal zur besseren
Untersetzung der Bildungsleistungen. Das Verhältnis zwischen den Geschäftsstellen, den Mitar-
beiter/-innen für Service und Information und den Bildungsreferent/-innen erscheint auf Grund der
Trägercharakteristiken und den Aufgabenspektren angemessen.
Grundlegende Leistungen im Rahmen überörtlicher Aufgaben
Die Darstellung der grundlegenden Leistungen erfolgte in den Sachberichten ausführlich und um-
fassend. Die Schwerpunkte liegen
in der jugendpolitischen Interessenvertretung sowie in der
Fachberatung in Form von Konzeptions-, Projekt- und Organisationsberatung.
Die Darstellung in den Sachberichten zeichnet dabei die unterschiedlichen Entwicklungen und
Profile der Träger auf Grund ihrer Spezifik und Ausrichtung nach.
Bildung und internationale Jugendarbeit
Mit Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit wurden im Jahr 2018 4.131
Teilnehmer/-innen erreicht. Dies bedeutet einen Rückgang an Teilnehmern gegenüber 2014, was
mit Blick auf die Entwicklungen im Arbeitsfeld zu erwarten war. Dennoch erscheinen die doku-
mentierten Bildungsleistungen entsprechend den Zielgruppen und den Rahmenbedingungen, ins-
besondere am direkten Personaleinsatz, angemessen.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
30 |
Das Verhältnis zwischen Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung und außerschulischer Jugend-
bildung ist im Hinblick auf die Anzahl der Maßnahmen, der geleisteten Bildungstage und den er-
reichten Teilnehmer/-innen als ausgewogen zu betrachten.
Der Anteil der Maßnahmen der internationalen Jugendarbeit liegt im Gesamtvergleich auf einem
niedrigen Niveau. Hier handelt es sich um Angebote, die in der Beantragung und Durchführung
vergleichsweise ressourcenkritisch und mit hohem administrativem Aufwand bei Beantragung und
Realisierung verbunden sind. Dennoch war mit der Intention, die Internationale Jugendarbeit zu
stärken, eine höhere Anzahl von Maßnahmen zu erwarten gewesen.
Das durchschnittliche rechnerische Verhältnis zwischen Bildungsreferent/-innen und Bildungsta-
gen von 1:41 über alle Leistungserbringer kann als hinreichend eingeschätzt werden. Alle Träger
liegen über der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 geforderten Anzahl von Bildungstagen. Insge-
samt wird das hohe Engagement der Träger ersichtlich, die quantitative Maßgabe zu erreichen.
4.2
Bereich §§ 11/12 SGB VIII
4.2.1 Zielstellungen
Grundsätzliche Zielstellungen des Bereiches §§ 11/12 SGB VIII sind:
zur
Entwicklung
und Umsetzung von Konzepten jugendverbandlicher Arbeit beizutragen,
die
individuellen, sozialen und fachlichen Kompetenzen sowie die Handlungskompetenzen
von Mitarbeiter/-innen im Arbeitsfeld verbandlicher Jugendarbeit und insbesondere im Be-
reich der außerschulischen Jugendbildung durch entsprechende Bildungsangebote zu erhal-
ten und zu erhöhen,
Kinder und Jugendliche mit demokratischen Grundregeln und Wertepluralität vertraut zu ma-
chen, sie dabei zu stärken, gesellschaftspolitische Fähigkeiten zu entwickeln und sie in ihrem
freiwilligen und ehrenamtlichen Engagement zu unterstützen,
die Anregung und Unterstützung von Formen der Selbstorganisation von Kindern und Ju-
gendlichen sowie
die Mitgliedsorganisationen in ihrer Tätigkeit zu unterstützen, jugendpolitische Interessen
und jugendspezifische Belange
auf Landesebene zu vertreten.
4.2.2 Bereitstellung von Strukturen
Träger nach vereinbarten Bildungszielen und konzeptionellen Grundlagen
Im Aufgabenbereich der §§ 11/12 SGB VIII wurden vom Freistaat Sachsen 28 überörtliche Träger
gefördert. Hierbei handelt es sich um Jugendverbände gem. § 12 SGB VIII, die weitere Unterglie-
derungen besitzen und im überörtlichen Bereich im Rahmen des § 11 SGB VIII tätig sind.
Kinder- und Jugendring Sachsen
e. V.
Alpenjugend Sachsen
e. V.
Bläserjugend Sachsen
e. V.
BUNDjugend Sachsen
CVJM-Landesverband Sachsen
e. V.
DGB Jugend - Bezirk Sachsen
DLRG Jugend Sachsen
e. V.
Sächsischer Jugendverband EC
Evang.-meth. Kirche - KJW Ost
Evangelische Jugend Sachsen
Gemeindejugendwerk Sachsen
Johanniter Jugend Sachsen
Jugendfeuerwehr Sachsen
Jugendrotkreuz DRK LV Sachsen
Kindervereinigung Sachsen e.V.
LAG Katholischer Jugend
- LAGS
Landesjugendwerk in Sachsen
Naturfreundejugend Sachsen
e. V.
Naturschutzjugend Sachsen
e. V.
Ring deutscher Pfadfinderinnen- und
Pfadfinderverbände
-
RdP
Sozialistische Jugend Deutschland –
SJD- Die Falken
THW Jugend Sachsen
e. V.
djo -
Deutsche Jugend in Europa e. V.
Sächsischer Verband für Jugendarbeit
und Jugendweihe e.V.
Verband
Sächsischer
Carneval e. V.
VSC Jugend
ASB Jugend
- ASB LV Sachsen e. V.
Sportjugend Sachsen
Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V.

| 31
Diese 28 Träger haben sich in ihrer Arbeit an den im Planungsbericht 2015 – 2020 formulierten
Bildungszielen orientiert und diese in unterschiedlicher Auswahl und Schwerpunktsetzung ge-
nutzt. Die Häufigkeit der vereinbarten Bildungsziele gestaltet sich wie folgt:
Nutzung von Bildungszielen im Bereich §§ 11/12 SGB VIII 2018
Bild 16:
Träger nach Nutzung von Bildungszielen im Bereich §§ 11/12 SGB VIII 2018; SMS-LJA 2020
Innerhalb der Sachberichte für 2018 wurden von den Trägern Angaben zur Nutzung der themati-
schen Arbeitsschwerpunkte für den Planungszeitraum gemacht. Dabei bietet sich für den Bereich
§§ 11/12 SGB VIII folgendes Bild:
Nutzung der thematischen Arbeitsschwerpunkte im Bereich §§ 11/12 SGB VIII 2018
Bild 17:
Träger nach Nutzung der thematischen Arbeitsschwerpunkte im Bereich §§ 11/12 SGB VIII 2018; SMS-LJA 2020
Träger der außerschulischen Jugendbildung nach Schwerpunkten:
Die strukturbildende Funktion sowie die Bildungsarbeit erfolgt im Bereich der Jugendverbände
innerhalb vieler verschiedener Werteorientierungen. In diesem Zusammenhang soll an dieser
Stelle eine Zuordnung der Träger von außerschulischen Jugendbildungsangeboten im Hinblick
auf die verschiedenen Wertekontexte der Verbände und Dachorganisationen dargestellt werden.
0
5
10
15
20
25
30
Gleichberechtigte Teilhabe
Soziale,
personale und interkulturelle
Kompetenzen
Interdisziplinäre Kompetenzen
Bürgerschaftliches Engagement
Demokratiebildung
0
10
20
30
Kinderschutz stärken
Geschlechtergerechtigkeit stärken
Medienkompetenz vermitteln
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und
Schulsozialarbeit
Eigenständige Jugendpolitik entwickeln
Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern
Kulturelle Jugendbildung als immantenten ..
Internationale Jugendarbeit stärken

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
32 |
Die Klassifikation erfolgte in Anlehnung an die in der Fachdiskussion beschriebenen Zuordnungen
von Jugendverbänden sowie mit Blick auf die Orientierungshilfe zur außerschulischen Jugendbil-
dung.
10
Die Einordnung wurde nach Schwerpunkt der satzungsgemäßen Ziele der Verbände so-
wie im Abgleich mit der Selbstdarstellung der beteiligten freien Träger in den Sachberichten vor-
genommen. Dieses Vorgehen ermöglicht die Darstellung der pluralistischen Wertevielfalt der Ju-
gendverbände auf Landesebene und verweist mittelbar auf die inhaltlichen Schwerpunktsetzun-
gen in der außerschulischen Bildungsarbeit.
Folgende Kategorien wurden verwendet:
weltanschaulich/ konfessionell
politisch
Natur/ Ökologie
Freizeit/ Sport/ Bewegung
kulturell/ musisch
helfende Verbände/ Lebensrettung
Beim Vergleich aller Verbände – unabhängig von einer Personalkostenförderung – lässt sich fol-
gende Aufteilung nach Wertekontext feststellen (siehe Bild 18): Die größten Anteile der Dachor-
ganisationen, die 2018 innerhalb der außerschulischen Jugendbildung vom Freistaat finanziell
unterstützt wurden, nehmen „weltanschaulich/ konfessionell“ ausgerichtete Verbände mit 29,6%
sowie helfende Verbände im Kontext „
helfende Verbände/ Lebensrettung“
(22,2%) ein. Auf Ver-
bände im Bereich „Freizeit/ Sport/ Bewegung“ fallen 18,5%, die Bereiche „politisch“ und „kulturell/
musisch“ liegen bei jeweils 11,1%, gefolgt vom Bereich „Natur und Ökologie“ mit 7,4%.
Aufteilung der Träger nach Wertekontext im Bereich §§ 11/12 SGB VIII im Freistaat Sach-
sen 2018
Verbände gesamt (n=27)
Personalstellen
Stellenanteile (17,18 VzÄ)
Bild 18: Aufteilung der Träger nach Wertekontext im Bereich §§ 11/12 SGB VIII im Freistaat Sachsen 2018; SMS-LJA 2020
10
vgl. Böhnisch / Gängler / Rauschenbach (1991): Handbuch Jugendverbände sowie SMS – LJA (2002): Orientierungshilfe des
Sächsischen Landesjugendamtes zur außerschulischen Jugendbildung
29,6%
11,1%
7,4%
18,5%
11,1%
22,2%
weltanschaulich/ konfessionell
politisch
Natur/ Ökologie
Freizeit/ Sport/ Bewegung
kulturell/ musisch
helfende Verbände/ Lebensrettung
0
1
2
3
4
5
6
weltanschaulich/ konfessionell
politisch
Natur/ Ökologie
Freizeit/ Sport/ Bewegung
kulturell/ musisch
helfende Verbände/
Lebensrettung

 
| 33
Mit Blick auf die Verteilung von geförderten Personalstellen lässt sich zunächst feststellen, dass
inzwischen 75% aller verbandlichen Träger über eine Förderung im Personalkostenbereich verfü-
gen.
Die geförderten Personalstellen verteilen sich – bezogen auf die 2018 geförderte Gesamtzahl der
Stellen für Dachverbände (17,18 VzÄ) - wie folgt: 29,1% der Stellenanteile (5,0 VzÄ) liegen bei
„weltanschaulich/ konfessionell“ ausgerichteten Verbänden. 17,1% nehmen Verbände in der Ka-
tegorie
helfende Verbände/ Lebensrettung“
(3,0 VzÄ) ein, 17,0% Verbände im Bereich „politisch“
(2,93 VzÄ). 16,0% (2,75 VzÄ) fallen auf den Bereich „
Freizeit/Sport/Bewegung“. Die weiteren Stel-
lenanteile verteilen sich auf die Wertekontexte „Natur/ Ökologie“ (16% bzw. 2,0 VzÄ) und „kultu-
rell/musisch“ (8,8% bzw. 1,5 VzÄ). Sowohl in der Menge als auch in der Verteilung der Personal-
stellen konnte in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung in der Unterstützung der
überörtlichen Jugendverbände erreicht werden.
Träger und Personal
Als strukturelle Voraussetzung für die Umsetzung überörtlicher Aufgaben wurden bei den benann-
ten 28 Trägern 2018 insgesamt 22,675 Personalstellen (2014: 15,8 VzÄ auf 16 Personen), verteilt
auf 26 Personen, durch den Freistaat finanziert. 2020 werden 24,425 VzÄ verteilt auf 27 Personen
gefördert. Vom durch den Freistaat Sachsen geförderten Personal waren 2018 8,8% als Ge-
schäftsführer bzw. Verwaltungsangestellte, 91,2 % als Bildungsreferent/-innen tätig.
Bei der Kategorisierung nach Art der Leistungsanbieter erfolgt bei einem Träger die Zuordnung
als „Dachverband mit Bildungsaufgaben“ sowie bei 27 Trägern zur Kategorie „Jugendverbände“.
Träger und Personal 2018 und 2020 im Bereich der §§ 11/12 SGB VIII
Aufgabenbereich
Personen
2018
VzÄ
2018
Personen
2020
VzÄ
2020
Geschäftsführer/-innen
1
1,00
1
1,00
Verwaltung (Buchhaltung, Sekretär/-in)
1
1,00
1
1,00
Bildungsreferent/-innen
24
20,675
25
22,425
davon geschäftsführende/r Bildungsreferent/-in
Service/Information
Gesamt
26
22,675
27
24,425
Bild 19: Träger und Personal 2018 und 2020 im Bereich der §§ 11/12 SGB VIII, SMS-LJA 2020
4.2.3 Aufgaben
Grundlegende Leistungen
Eine allgemeine Auswertung für die grundlegenden Leistungen wurde bereits im allgemeinen Teil
vorgenommen. Innerhalb der Darstellungen für den Bereich der §§ 11/12 SGB VIII soll an dieser
Stelle eine Aufzählung der Nennungen zu den Schwerpunkten der grundlegenden Leistungen im
4,4%
4,1%
4,4%
4,1%
91,2%
91,8%
0,0%
0,0%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2018
2020
Geschäftsführer/-innen
Verwaltungsfachkräfte
Bildungsreferenten/-innen
geschäftsführende Bildungsreferenten/-innen
Sonstige

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
34 |
Sachbericht nach Häufigkeit im Überblick erfolgen. Grundlage dafür ist die Auswertung der Sach-
berichte in einem fachlichen Rahmen.
In der Betrachtung der Übersicht wird deutlich, dass im Bereich §§ 11/12 SGB VIII der Schwer-
punkt der grundlegenden Leistungen in der jugendpolitischen Interessenvertretung sowie in den
eigenständigen Leistungen der Jugendverbände
liegt.
Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen
Veröffentlichungen, die sich mit den Aufgaben, der aktuellen Situation und Ent-
wicklungen in den Leistungsbereichen der §§ 11 - 14 SGB VIII auseinander-
setzen, sofern sie sich über die eigenen Mitgliedsstrukturen hinaus an die
Fachöffentlichkeit wenden
Fachberatung in Form von Konzeptions-, Projekt- und Organisationsberatung
als offenes Angebot für alle Anbieter der Leistungsbereiche der §§ 11 -14 SGB
VIII
Initiierung, Begleitung und Durchführung von Facharbeitskreisen und Projek-
ten, die in ihrer Zusammensetzung über die Mitgliederstrukturen hinausgehen
und repräsentativ für Sachsen sind
Jugendpolitische Interessenvertretung in bundes- und landesweiten Gremien
im jeweiligen Fachkontext
Eigenständige Leistungen der Jugendverbände in Bezug auf Werbung und Be-
treuung von Mitgliedern und Teilnehmern
Bild 20: Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen im Bereich §§ 11/12 SGB VIII, SMS-LJA 2020
Bildung
Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der Internationalen Jugendarbeit 2018
im Bereich §§ 11/12 SGB VIII
Bild 21: Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit 2018 im Bereich §§ 11/12 SGB VIII;
SMS-LJA 2020
105
274
4.321
306
683
6.314
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Projekte
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Außerschulische Jugendbildung
Mitarbeiter- und
Multiplikatorenfortbildung
Internationale Jugendarbeit

 
| 35
Im Jahr 2018 wurden im Bereich §§ 11/12 SGB VIII - laut der Meldungen in den Sachberichten -
insgesamt
411
Maßnahmen mit
957
Bildungs- bzw. Maßnahmetagen und
10.635
Teilnehmer/-
innen durchgeführt. Dies liegt in etwa auf dem Niveau von 2014. Die Aufteilung der Maßnahmen,
Bildungstage und Teilnehmer/-innen nach Maßnahme- und Veranstaltungsart ergibt sich wie folgt:
Im Bereich der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung gab es 306 Maßnahmen mit insgesamt
683 Bildungstagen und 6.314 Teilnehmer/-innen. Die Maßnahmen der außerschulischen Jugend-
bildung sind mit 105 Maßnahmen, 274 Bildungstagen und 4.321 Teilnehmer/-innen angegeben.
Im Bereich der internationalen Jugendarbeit wurden für den überregionalen Kontext keine Maß-
nahmen benannt.
Die Angaben beziehen sich auf die Maßnahmen der Landesverbände im Finanzierungszusam-
menhang mit der FRL „Überörtlicher Bedarf“, jedoch nicht auf die Angebote der Internationalen
Jugendarbeit in den Untergliederungen und Orts- bzw. Kreisverbänden.
Im Vergleich zwischen der Anzahl der Bildungsreferent/-innen und den Bildungsmaßnahmen, die
sich auf die vom Freistaat finanzierten Bildungsreferent/-innen beziehen lassen, ergibt sich ein
durchschnittliches Verhältnis zwischen Referenten und Bildungstagen von 1:46. Damit liegen alle
Träger über der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 geforderten Anzahl von 30 Bildungstagen für
überörtliche Jugendverbände.
4.2.4 Bestandsbewertung
Struktur und Einordnung der Träger im Bereich §§ 11/12 SGB VIII
Im Bereich der §§ 11/12 SGB VIII sind im Rahmen der Planungsübersicht 28 Träger eingeordnet,
wobei nach Art der Leistungsanbieter ein Träger als „Dachverband mit Bildungsaufgaben“ und 27
Träger in der Kategorie „Jugendverbände“ verortet sind. Die Zuordnung erfolgte vor dem Hinter-
grund der besonderen Charakteristik verbandlicher Strukturen. Es kann eingeschätzt werden,
dass durch die betreffenden Träger die Zielstellungen in diesem Bereich erfüllt werden.
In der Darstellung der Träger von außerschulischen Jugendbildungsangeboten im Hinblick auf die
verschiedenen Wertekontexte der Verbände und Dachorganisationen zeigt sich ein ausgewoge-
nes Bild. Hier wird die pluralistische Wertevielfalt der Jugendverbände auf Landesebene deutlich
und verweist mittelbar auf die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen in der außerschulischen Bil-
dungsarbeit.
Bildungsziele und thematische Arbeitsschwerpunkte
Die vereinbarten Bildungsziele können grundsätzlich als tragfähig eingeschätzt werden. Auch im
Bereich §§ 11/12 SGB VIII kam es zu einer unterschiedlich häufigen Nennung und Nutzung von
Zielen.
Die thematischen Arbeitsschwerpunkte wurden in einer vergleichsweisen hohen Bandbreite sowie
in einem erwarteten Rahmen genutzt. Dem Charakter des Arbeitsfeldes entsprechend waren die
„Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern“, „Internationale Jugendarbeit stärken“ und die „Kul-
turelle Jugendbildung“ wichtige Arbeitsschwerpunkte.
Bereitstellung von personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen
Im Bereich §§ 11/12 SGB VIII wurden 2018 bei 19 Trägern insgesamt 22,675 Personalstellen
gefördert. Diese Erweiterung der Personalstruktur war so beabsichtigt, um eine breite Unterstüt-
zung der Verbandsstruktur in Sachsen zu gewährleisten und eine breite Wertevielfalt in der ver-
bandlichen überörtlichen Bildungsarbeit zu etablieren und zu sichern.
Mit Blick auf die erbrachten Bildungsleistungen und die grundlegenden Leistungen wird der Um-
fang der personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen - unabhängig von der Vertei-
lung auf die bezuschussten Träger - als insgesamt ausreichend eingeschätzt.
In den Sachberichten gab es darüber hinaus Bedarfsanzeigen für Personal zur besseren Unter-
setzung der Bildungsleistungen, insbesondere bei Trägern, die über keine Bildungsreferent/-innen
verfügen. Das Verhältnis zwischen den Geschäftsstellen, den Mitarbeiter/-innen für Service und
Information zu den Bildungsreferent/-innen erscheint auf Grund der Trägercharakteristiken und
den Aufgabenspektren angemessen.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
36 |
Grundlegende Leistungen im Rahmen überörtlicher Aufgaben
Die Darstellung der grundlegenden Leistungen erfolgte in den Sachberichten ausführlich und um-
fassend. Die Schwerpunkte liegen im Bereich §§ 11/12 SB VIII
in der jugendpolitischen Interes-
senvertretung sowie in den
eigenständigen Leistungen der Jugendverbände in Bezug auf Wer-
bung und Betreuung von Mitgliedern und Teilnehmern. Die Darstellung in den Sachberichten
zeichnet dabei die unterschiedlichen Entwicklungen und Profile der Träger auf Grund ihrer Spezi-
fik und Ausrichtung nach.
Bildung und internationale Jugendarbeit
Mit Maßnahmen der Bildung wurden im Jahr 2018 10.635 Teilnehmer/-innen erreicht. Das liegt
unter den Angaben von 2014, erscheint jedoch entsprechend der Zielgruppen und der Rahmen-
bedingungen insbesondere am direkten Personaleinsatz angemessen. Das Verhältnis zwischen
Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung und außerschulischer Jugendbildung ist im Hinblick auf
die Anzahl der Maßnahmen, der geleisteten Bildungstage und den erreichten Teilnehmer/-innen
als ausgewogen zu betrachten.
Im Bereich der internationalen Jugendarbeit wurden im Rahmen der überörtlichen verbandlichen
Arbeit keine Maßnahmen benannt. Hier handelt es sich um Angebote, die in der Beantragung und
Durchführung vergleichsweise ressourcenkritisch und mit hohem administrativem Aufwand bei
Beantragung und Realisierung verbunden sind. Dennoch wird die Situation aus Sicht des Pla-
nungsträgers durchaus kritisch gesehen, da es sich bei der internationalen Jugendarbeit um ein
wichtiges Handlungsfeld innerhalb der Jugendarbeit handelt. Zudem war mit der Intention, die
Internationale Jugendarbeit zu stärken, eine höhere Anzahl von Maßnahmen zu erwarten gewe-
sen.
Das durchschnittliche Verhältnis zwischen Bildungsreferent/-innen und Bildungstagen von 1:46
über alle Leistungserbringer ist positiv zu bewerten. Alle Träger liegen im Rahmen bzw. über der
in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 geforderten Anzahl von Bildungstagen. Insgesamt wird das
hohe Engagement der Träger ersichtlich, die quantitative Maßgabe zu erreichen.
In den Sachberichten der Träger wird aber auch deutlich, dass die Erbringung der Bildungsleis-
tungen - insbesondere bei Verbänden mit eingeschränkten Personalressourcen - mit einem hohen
Aufwand verbunden ist. Insbesondere ist in Abhängigkeit von der Art von Maßnahmen und Bera-
tungsleistungen ein unterschiedlich hoher Ressourceneinsatz notwendig, der sich in den Bil-
dungstagen nur eingeschränkt widerspiegelt.
4.3 Bereich § 13 SGB VIII
4.3.1 Zielstellungen
Grundsätzliche Zielstellungen des Bereiches § 13 SGB VIII sind:
die
individuellen
, sozialen und fachlichen Kompetenzen von Mitarbeiter/-innen im Ar-
beitsfeld der Jugendsozialarbeit durch Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung sowie
durch Fachgruppenarbeit und Weiterbildungsberatung zu stärken und weiter zu entwi-
ckeln,
die Einrichtungen der Jugendsozialarbeit bei der Organisation und Durchführung von
Projekten zu unterstützen,
die Interessen von sozial benachteiligten und/oder individuell beeinträchtigten jungen
Menschen
sowie der Träger von Jugendsozialarbeit auf kommunaler und landesweiter Ebene zu
vertreten,
aktuelle Informationen zu relevanten Aufgaben und Fragestellungen als Impulse und
Unterstützung von Einrichtungen und Projekten der Jugendsozialarbeit weiterzuge-
ben und einen fachlichen Austausch in der Praxis u. a. über Veröffentlichungen an-
zuregen.

 
| 37
4.3.2 Bereitstellung von Strukturen
Träger nach vereinbarten Bildungszielen und konzeptionellen Grundlagen
Im Aufgabenbereich des § 13 SGB VIII wurden vom Freistaat Sachsen 2 überörtliche Dachorga-
nisationen gefördert. Hierbei handelt es sich um Träger, die überörtlich im Schwerpunkt im Be-
reich des § 13 SGB VIII tätig sind:
LAG "Freier Träger der Jugendsozialarbeit" Sachsen e. V.
LAG Schulsozialarbeit Sachsen e. V.
Diese 2 Träger haben sich in ihrer Arbeit an den im Planungsbericht 2015 – 2020 formulierten
Bildungszielen orientiert und diese in unterschiedlicher Auswahl und Schwerpunktsetzung ge-
nutzt. Die Häufigkeit der vereinbarten Bildungsziele gestaltet sich wie folgt:
Nutzung von Bildungszielen im Bereich § 13 SGB VIII 2018
Bild 22: Nutzung von Bildungszielen im Bereich § 13 SGB VIII 2018; SMS-LJA 2020
Innerhalb der Sachberichte für 2018 wurden von den Trägern Angaben zur Nutzung der themati-
schen Arbeitsschwerpunkte für den Planungszeitraum gemacht. Dabei bietet sich für den Bereich
§ 13 SGB VIII folgendes Bild:
Nutzung der thematischen Arbeitsschwerpunkte im Bereich § 13 SGB VIII 2018
Bild 23: Nutzung der thematischen Arbeitsschwerpunkte im Bereich § 13 SGB VIII 2018; SMS-LJA 2020
0
1
2
3
4
5
Gleichberechtigte Teilhabe
Soziale,
personale und interkulturelle
Kompetenzen
Interdisziplinäre Kompetenzen
Bürgerschaftliches Engagement
Demokratiebildung
0
1
2
3
4
5
Kinderschutz stärken
Geschlechtergerechtigkeit stärken
Medienkompetenz vermitteln
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und
Schulsozialarbeit
Eigenständige Jugendpolitik entwickeln
Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern
Kulturelle Jugendbildung als immantenten ..
Internationale Jugendarbeit stärken

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
38 |
Träger und Personal
Als strukturelle Voraussetzung für die Umsetzung überörtlicher Aufgaben wurden 2018
bei beiden
benannte
n Trägern insgesamt 4,00 Personalstellen, verteilt auf 6 Personen, durch den Freistaat
finanziert. 2020 wurde die Anzahl auf 5,50 VzÄ für 7 Personen erhöht. (2014: 3,25 Personalstel-
len, verteilt auf 4 Personen)
Die Mehrheit der Personen waren als Bildungsreferent/-innen tätig, zum Teil verbunden mit ge-
schäftsführenden Tätigkeiten.
Bei beiden geförderten Trägern handelt es sich um Fachstellen im Sinne der Kategorisierung von
Leistungsanbietern nach deren Art.
Träger und Personal im Bereich § 13 SGB VIII 2018 und 2020
Aufgabenbereich
Personen
2018
VzÄ
2018
Personen
2020
VzÄ
2020
Geschäftsführer/-innen
Verwaltung (Buchhaltung, Sekretär/-in)
1
0,50
1
0,50
Bildungsreferent/-innen
5
3,50
6
5,00
davon geschäftsführende/r Bildungsreferent/-in
2
1,75
2
2,00
Service/Information
Gesamt
6
4,00
7
5,50
Bild 24: Träger und Personal im Bereich § 13 SGB VIII 2018 und 2020; SMS-LJA 2020
4.3.3 Aufgaben
Grundlegende Leistungen
Wie in den bisherigen Bereichen ergänzt diese Auswertung die Betrachtungen, die im allgemeinen
Teil vorgenommen wurden.
Innerhalb der Darstellungen für den Bereich des § 13 SGB VIII soll an dieser Stelle eine Aufzäh-
lung der Nennungen zu den Schwerpunkten der grundlegenden Leistungen im Sachbericht nach
Häufigkeit im Überblick erfolgen. Grundlage dafür ist die Auswertung der Sachberichte in einem
fachlichen Rahmen.
In der Betrachtung der Übersicht wird deutlich, dass im Bereich § 13 SGB VIII der Schwerpunkt
der grundlegenden Leistungen in Veröffentlichungen, der Fachberatung und in der Initiierung, Be-
gleitung und Durchführung von Facharbeitskreisen und Projekten liegt. Dies ist im Wesentlichen
in dem Charakter der Träger als Facharbeits- und Koordinationsstellen im Leistungsbereich des
§ 13 SGB VIII begründet.
12,5%
9,1%
43,8%
54,5%
43,8%
36,4%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2018
2020
Geschäftsführer/-innen
Verwaltungsfachkräfte
Bildungsreferenten/-innen
geschäftsführende Bildungsreferenten/-innen
Sonstige

| 39
Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen 2018
Veröffentlichungen, die sich mit den Aufgaben, der aktuellen Situation und Ent-
wicklungen in den Leistungsbereichen der §§ 11 - 14 SGB VIII auseinanderset-
zen, sofern sie sich über die eigenen Mitgliedsstrukturen hinaus an die Fachöf-
fentlichkeit wenden
Fachberatung in Form von Konzeptions-, Projekt- und Organisationsberatung
als offenes Angebot für alle Anbieter der Leistungsbereiche der §§ 11 -14 SGB
VIII
Initiierung, Begleitung und Durchführung von Facharbeitskreisen und Projekten,
die in ihrer Zusammensetzung über die Mitgliederstrukturen hinausgehen und
repräsentativ für Sachsen sind
Jugendpolitische Interessenvertretung in bundes- und landesweiten Gremien im
jeweiligen Fachkontext
Eigenständige Leistungen der Jugendverbände in Bezug auf Werbung und Be-
treuung von Mitgliedern und Teilnehmern
Bild 25: Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen im Bereich § 13 SGB VIII 2018, SMS-LJA 2020
Bildung
Im Jahr 2018 wurden im Bereich § 13 SGB VIII - laut der Meldungen in den Sachberichten der
zwei benannten Träger - insgesamt
31
Maßnahmen mit 120 Bildungs- bzw. Maßnahmetagen und
304 Teilnehmer/-innen durchgeführt.
(2014: 32
Maßnahmen an 105 Bildungstagen und 273 Teil-
nehmer/-innen)
Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit 2018
im Bereich § 13 SGB VIII
Bild 26: Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit 2018
im Bereich § 13 SGB VIII; SMS-LJA 2020
Alle Maßnahmen haben im Bereich der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung stattgefunden.
Der größte Teil der Maßnahmen hat in Form mehrtägiger bzw. mehrfach angebotener Seminare
sowie in Form dokumentierter Beratungstätigkeit stattgefunden.
31
120
304
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Außerschulische Jugendbildung
Mitarbeiter- und
Multiplikatorenfortbildung
Internationale
Jugendarbeit

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
40 |
Im Vergleich zwischen der Anzahl der Bildungsreferent/-innen und den Bildungsmaßnahmen, die
sich auf die vom Freistaat finanzierten Bildungsreferent/-innen beziehen lassen, ergibt sich ein
rechnerisches Verhältnis zwischen Referenten und Bildungstagen von 1:34.
Damit liegen beide Träger im Rahmen der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 geforderten Anzahl
von 30 Bildungstagen für themenspezifische Fachstellen.
4.3.4 Bestandsbewertung
Struktur und Einordnung der Träger im Bereich § 13 SGB VIII
Im Bereich des § 13 SGB VIII sind im Rahmen der Planungsübersicht 2 Träger eingeordnet. Bei
beiden geförderten Trägern handelt es sich um themenspezifische Fachstellen im Sinne der Ka-
tegorisierung von Leistungsanbietern nach deren Art. Es kann eingeschätzt werden, dass durch
die betreffenden Träger die Zielstellungen in diesem Bereich erfüllt werden.
Bildungsziele und Arbeitsschwerpunkte
In der Betrachtung der Häufigkeit der Nutzung und Ausgestaltung der angegebenen Bildungsziele
kann eingeschätzt werden, dass die Ziele im Bereich des § 13 SGB VIII grundsätzlich tragen.
Die thematischen Arbeitsschwerpunkte wurden in dem erwarteten Rahmen genutzt. Dem Charak-
ter des Arbeitsfeldes entsprechend waren die Stärkung und Weiterentwicklung der arbeitsweltbe-
zogenen Jugendsozialarbeit und der Schulsozialarbeit ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt. Benannt
wurden weiterhin die Stärkung der Geschlechtergerechtigkeit, der Medienkompetenz und des Kin-
derschutzes.
Bereitstellung von personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen
Mit Blick auf die erbrachten Bildungsleistungen und die grundlegenden Leistungen 2018 lässt sich
der Umfang der personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen zunächst als ausrei-
chend eingeschätzt. Im Jahr 2020 hat es eine Stellenerweiterung gegeben. Damit wurde plane-
risch auf die erweiterten Beratungs- und Fortbildungsbedarfe im Feld der Schulsozialarbeit rea-
giert. Das Verhältnis zwischen den Geschäftsstellen, den Mitarbeiter/-innen für Service und Infor-
mation zu den Bildungsreferent/-innen erscheint auf Grund der Trägercharakteristiken und den
Aufgabenspektren angemessen.
Grundlegende Leistungen im Rahmen überörtlicher Aufgaben
Die Darstellung der grundlegenden Leistungen erfolgte in den Sachberichten ausführlich und um-
fassend. Die Schwerpunkte liegen
in der
Initiierung, Begleitung und Durchführung von Fachar-
beitskreisen und Projekten
, in der
Fachberatung in Form von Konzeptions-, Projekt- und Organi-
sationsberatung sowie in Veröffentlichungen im Rahmen von Fachthemen.
Bildung
Im Bereich § 13 SGB VIII haben im Jahr 2018 nur Maßnahmen der Mitarbeiter- und Multiplikato-
renfortbildung stattgefunden. Damit wurden 304 Teilnehmer/-innen erreicht. Das erscheint ent-
sprechend der Zielgruppen und der Rahmenbedingungen insbesondere am direkten Personalein-
satz angemessen. In der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung gab es eine zunehmende Ten-
denz von dokumentierten Angeboten der Beratungen, die sich offenkundig auf dem Charakter der
Leistungsanbieter als themenspezifische Facharbeitsstelle begründet.
Das durchschnittliche rechnerische Verhältnis zwischen Bildungsreferent/-innen und Bildungsta-
gen beträgt 1:34. Dabei wurde der Anteil der geschäftsführenden Tätigkeiten einer Bildungsrefe-
rent/-in berücksichtigt. Der Wert kann als positiv eingeschätzt werden.
Insgesamt wird das hohe Engagement der Träger ersichtlich, die quantitative Maßgabe zu errei-
chen. In den Sachberichten der Träger wird aber auch deutlich, dass dies mit einem hohen Auf-
wand verbunden ist.

 
| 41
4.4 Bereich § 14 SGB VIII
4.4.1 Zielstellungen
Grundsätzliche Zielstellungen des Bereiches § 14 SGB VIII sind:
die individuellen, sozialen und fachlichen Kompetenzen von Mitarbeiter/-innen im Ar-
beitsfeld des Kinder- und Jugendschutzes durch Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbil-
dung zu stärken und weiter zu entwickeln,
andere an der Erziehung von Kindern und Jugendlichen Beteiligte zu unterstützen, mög-
liche Gefährdungen besser zu erkennen und einzuordnen,
die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch außerschulische Bildungsprozesse,
im Hinblick auf mögliche gefährdende Einflüsse zu einer eigenverantwortlichen Lebens-
gestaltung zu fördern,
in der Gesellschaft sowie in der Fachöffentlichkeit der Jugendhilfe unter Einbeziehung
internationaler Standards eine breite Lobby für die Belange und Themen des Kinder- und
Jugendschutzes zu entwickeln,
aktuelle Informationen zu relevanten Aufgaben und Fragestellungen als Impulse und Un-
terstützung von Einrichtungen und Projekten der Jugendhilfe weiterzugeben sowie einen
kontinuierlichen fachlichen Austausch zwischen Trägern von Angeboten des Kinder- und
Jugendschutzes zu fördern.
4.4.2 Bereitstellung von Strukturen
Träger nach vereinbarten Bildungszielen und konzeptionellen Grundlagen
Im Aufgabenbereich des § 14 SGB VIII wurden vom Freistaat Sachsen 2 überörtliche Träger ge-
fördert. Hierbei handelt es sich um Träger, die überörtlich im Schwerpunkt im Bereich des § 14
SGB VIII tätig sind:
Aktion Jugendschutz Sachsen e. V. - AJS
Landesfilmdienst Sachsen e. V.
Diese 2 Träger haben sich in ihrer Arbeit an den im Planungsbericht 2015 – 2020 formulierten
Bildungszielen orientiert und diese in unterschiedlicher Auswahl und Schwerpunktsetzung ge-
nutzt. Die Häufigkeit der vereinbarten Bildungsziele gestaltet sich wie folgt:
Nutzung von Bildungszielen im Bereich § 14 SGB VIII 2018
Bild 27:
Nutzung von Bildungszielen im Bereich § 14 SGB VIII 2018
; SMS-LJA 2020
Innerhalb der Sachberichte für 2018 wurden von den Trägern Angaben zur Nutzung der themati-
schen Arbeitsschwerpunkte für den Planungszeitraum gemacht. Dabei bietet sich für den Bereich
§ 14 SGB VIII folgendes Bild:
0
1
2
3
4
5
Gleichberechtigte Teilhabe
Soziale,
personale und interkulturelle
Kompetenzen
Interdisziplinäre Kompetenzen
Bürgerschaftliches Engagement
Demokratiebildung

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
42 |
Nutzung der thematischen Arbeitsschwerpunkte im Bereich § 14 SGB VIII 2018
Bild 28: Nutzung der thematischen Arbeitsschwerpunkte im Bereich § 14 SGB VIII 2018; SMS-LJA 2020
Träger und Personal
Als strukturelle Voraussetzung im Bereich § 14 SGB VIII für die Umsetzung überörtlicher Aufga-
ben wurden bei 2 Trägern insgesamt 4,50 Personalstellen, verteilt auf 5 Personen, finanziert.
(2014: 3,00 Personalstellen für 4 Personen)
Träger und Personal 2018 und 2020 im Bereich § 14 SGB VIII
Aufgabenbereich
Personen
2018
VzÄ
2018
Personen
2020
VzÄ
2020
Geschäftsführer/-innen
1
1,00
1
1,00
Verwaltung (Buchhaltung, Sekretär/-in)
Bildungsreferent/-innen
4
3,50
4
3,50
davon geschäftsführende/r Bildungsreferent/-in
Service/Information
Gesamt
5
4,50
5
4,50
Bild 29: Träger und Personal 2018 und 2020 im Bereich § 14 SGB VIII; SMS-LJA 2014
Vom durch den Freistaat Sachsen geförderten Personal waren 2018 und auch 2020 22,2% als
Geschäftsführer/-in bzw. Verwaltungsangestellte und 77,8% als Bildungsreferent/-innen tätig. Es
haben sich keine Veränderungen ergeben.
0
1
2
3
4
5
Kinderschutz stärken
Geschlechtergerechtigkeit stärken
Medienkompetenz vermitteln
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit…
Eigenständige Jugendpolitik entwickeln
Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern
Kulturelle Jugendbildung als immantenten ..
Internationale Jugendarbeit stärken
22,2%
22,2%
77,8%
77,8%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2018
2020
Geschäftsführer/-innen
Verwaltungsfachkräfte
Bildungsreferenten/-innen
geschäftsführende Bildungsreferenten/-innen

 
| 43
Im Sinne der Trägerkategorien handelt es sich bei beiden Trägern um themenspezifische Fach-
stellen bzw. Facharbeitsstellen.
4.4.3 Aufgaben
Grundlegende Leistungen
Die Auswertung für die grundlegenden Leistungen wurde bereits im allgemeinen Teil vorgenom-
men. Innerhalb der Darstellungen für den Bereich des § 14 SGB VIII soll an dieser Stelle eine
Aufzählung der Nennungen zu den Schwerpunkten der grundlegenden Leistungen im Sachbericht
nach Häufigkeit im Überblick erfolgen.
Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen
Veröffentlichungen, die sich mit den Aufgaben, der aktuellen Situation und
Entwicklungen in den Leistungsbereichen der §§ 11 - 14 SGB VIII auseinan-
dersetzen, sofern sie sich über die eigenen Mitgliedsstrukturen hinaus an
die Fachöffentlichkeit wenden
Fachberatung in Form von Konzeptions-, Projekt- und Organisationsbera-
tung als offenes Angebot für alle Anbieter der Leistungsbereiche der §§ 11
-14 SGB VIII
Initiierung, Begleitung und Durchführung von Facharbeitskreisen und Pro-
jekten, die in ihrer Zusammensetzung über die Mitgliederstrukturen hinaus-
gehen und repräsentativ für Sachsen sind
Jugendpolitische Interessenvertretung in bundes- und landesweiten Gre-
mien im jeweiligen Fachkontext
Eigenständige Leistungen der Jugendverbände in Bezug auf Werbung und
Betreuung von Mitgliedern und Teilnehmern
Bild 30: Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen im Bereich § 14 SGB VIII, SMS-LJA 2014
In der Betrachtung der Übersicht wird deutlich, dass im Bereich § 14 SGB VIII „die
Veröffentli-
chungen“, die „Fachberatung“, die Initiierung, Begleitung und Durchführung von Facharbeitskrei-
sen und Projekten
und die Interessenvertretung einen gleich großen Stellenwert haben. Dies ist
in dem Charakter der Träger als themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeits- und Koordina-
tionsstellen im Leistungsbereich des §
14 SGB VIII begründet.
Bildung
Im Jahr 2018 wurden im Bereich § 14 SGB VIII - laut der Meldungen in den Sachberichten -
insgesamt
110
Maßnahmen mit
147
Bildungs- bzw. Maßnahmetagen und 827 Teilnehmer/-innen
durchgeführt. Dabei konnte eine vergleichsweise hohe Anzahl von Teilnehmer/-innen erreicht wer-
den. Die Aufteilung der Maßnahmen, Bildungstage und Teilnehmer/-innen nach Maßnahme- und
Veranstaltungsart ergibt sich wie folgt:
Alle Maßnahmen haben im Bereich der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung stattgefunden.
Der Großteil (60,0%) der Maßnahmen hat in Form mehrtägiger bzw. mehrfach angebotener Se-
minare sowie in dokumentierten Beratungen stattgefunden.
Im Vergleich zwischen der Anzahl der Bildungsreferent/-innen und den Bildungsmaßnahmen, die
sich auf die vom Freistaat finanzierten Bildungsreferent/-innen beziehen lassen, ergibt sich ein
rechnerisches Verhältnis zwischen Referenten und Bildungstagen von insgesamt 1:42.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
44 |
Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit 2018
im Bereich § 14 SGB VIII
Bild 31: Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit 2018
im Bereich § 14 SGB VIII; SMS-LJA 2020
Damit liegen beide Träger im Rahmen der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 geforderten Anzahl
von 30 Bildungstagen für themenspezifische Fachstellen.
4.4.4 Bestandsbewertung
Struktur und Einordnung der Träger im Bereich § 14 SGB VIII
Im Bereich des § 14 SGB VIII sind im Rahmen der Planungsübersicht 2 Träger eingeordnet. Es
kann aus einem fachlich zielbezogenen Kontext eingeschätzt werden, dass durch die betreffenden
Träger die Zielstellungen in diesem Bereich erfüllt werden.
Bildungsziele und Arbeitsschwerpunkte
In der Betrachtung der Häufigkeit der Nutzung und Ausgestaltung der vereinbarten Bildungsziele
kann eingeschätzt werden, dass die entwickelten Ziele im Bereich des § 14 SGB VIII grundsätzlich
tragen.
Die thematischen Arbeitsschwerpunkte wurden in dem erwarteten Rahmen genutzt. Dem Charak-
ter des Arbeitsfeldes entsprechend waren die Vermittlung von Medienkompetenz sowie die kultu-
relle Jugendbildung wichtige Arbeitsschwerpunkte. Benannt wurden weiterhin die Stärkung der
Geschlechtergerechtigkeit und des Kinderschutzes.
Bereitstellung von personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen
Im Planungszeitraum 2015 - 2020 gab es eine Stellenerweiterung. Mit Blick auf die erbrachten
Bildungsleistungen und die grundlegenden Leistungen auf der Grundlage der vorliegenden Daten
wird der Umfang der personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen für 2020 und auch
110
147
827
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Projekte
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Außerschulische Jugendbildung
Mitarbeiter- und
Multiplikatorenfortbildung
Internationale Jugendarbeit

 
| 45
zukünftig als ausreichend eingeschätzt. Das Verhältnis zwischen den Geschäftsstellen, den Mit-
arbeiter/-innen für Service und Information und den Bildungsreferent/-innen erscheint auf Grund
der Trägercharakteristiken und den Aufgabenspektren angemessen.
Grundlegende Leistungen im Rahmen überörtlicher Aufgaben
Die Darstellung der grundlegenden Leistungen erfolgte in den Sachberichten ausführlich und um-
fassend. Die Schwerpunkte liegen gleichermaßen
in der
Initiierung, Begleitung und Durchführung
von Facharbeitskreisen und Projekten
, in der
Fachberatung in Form von Konzeptions-, Projekt-
und Organisationsberatung, in Veröffentlichungen im Rahmen von Fachthemen sowie in der ju-
gendpolitischen Interessenvertretung.
Bildung
Im Bereich § 14 SGB VIII haben im Jahr 2018 nur Maßnahmen der Mitarbeiter- und Multiplikato-
renfortbildung stattgefunden. Damit wurden 827 Teilnehmer/-innen erreicht. Das erscheint ent-
sprechend der Zielgruppen und der Rahmenbedingungen insbesondere am direkten - im Jahr
2018 zu betrachtenden - Personaleinsatz angemessen.
In der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung gab es eine zunehmende Tendenz von doku-
mentierten Angeboten der Beratungen, die sich offenkundig auf dem Charakter der Leistungsan-
bieter als themenspezifische Facharbeitsstelle begründet.
Das durchschnittliche Verhältnis zwischen Bildungsreferent/-innen und Bildungstagen beträgt
1:42.
Hier gab es gegenüber dem vorherigen Planungszeitraum eine Erhöhung. Alle Träger liegen über
der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 geforderten Anzahl von Bildungstagen. Insgesamt wird
das hohe Engagement der Träger ersichtlich, die quantitative Maßgabe zu erreichen.
4.5 Bereich Übergreifend
4.5.1 Zielstellungen
Grundsätzliche Zielstellung ist:
Jugendpolitisch notwendige Projekte und Aufgaben, die sich insbesondere aus den §§ 1 Abs. 3
und 9 Abs. 2 und 3 SGB VIII ergeben und somit als Querschnittsaufgabe der Jugendhilfe in alle
Leistungsbereiche einfließen, sind zur Ausgestaltung einer gelingenden Kinder- und Jugendhilfe
im Freistaat Sachsen vorzuhalten, um die Grundsätze der Geschlechtergerechtigkeit zu etablie-
ren.
4.5.2 Bereitstellung von Strukturen
Träger nach vereinbarten Bildungszielen und konzeptioneller Ausrichtung
Im Aufgabenbereich Übergreifend wurden vom Freistaat Sachsen
4
überörtliche Dachorganisati-
onen gefördert. Hierbei handelt es sich um Träger, die überörtlich im Schwerpunkt Querschnitts-
aufgaben sowie Aufgaben von besonderer politischer Bedeutung auf Projekt- und Beratungs-
ebene wahrnehmen:
LAG
Mädchen und junge Frauen in Sachsen e. V.
Deutscher Kinderschutzbund LV Sachsen e. V.
HATIKVA e.V. - Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte
LAG Jungen- und Männerarbeit Sachsen e. V.
Diese 4 Träger haben sich in ihrer Arbeit an den im Planungsbericht 2015 – 2020 formulierten
Bildungszielen orientiert und diese in unterschiedlicher Auswahl und Schwerpunktsetzung ge-
nutzt.
Zudem wurden von den Trägern innerhalb der Sachberichte für 2018 Angaben zur Nutzung der
thematischen Arbeitsschwerpunkte für die eigene Bildungs- und Beratungstätigkeit im Planungs-
zeitraum gemacht.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
46 |
Die Häufigkeit der vereinbarten Bildungsziele gestaltet sich wie folgt:
Nutzung von Bildungszielen im Bereich Übergreifend 2018
Bild 32: Nutzung von Bildungszielen im Bereich Übergreifend 2018; SMS-LJA 2020
Bei der Nutzung der Arbeitsschwerpunkte bietet sich folgendes Bild:
Nutzung von thematischen Arbeitsschwerpunkten im Bereich Übergreifend 2018
Bild 33: Nutzung von thematischen Arbeitsschwerpunkten im Bereich Übergreifend 2018; SMS-LJA 2020
Träger und Personal
Träger und Personal 2018 und 2020 im Bereich Übergreifend
Aufgabenbereich
Personen
2018
VzÄ
2018
Personen
2020
VzÄ
2020
Geschäftsführer/-innen
1
0,925
1
1,00
Verwaltung (Buchhaltung, Sekretär/-in)
1
0,925
1
1,00
Bildungsreferent/-innen
10
8,475
10
9,60
davon geschäftsführende/r Bildungsreferent/-in
2
1,80
2
1,80
Service/Information
Gesamt
12
10,325
12
11,60
0
1
2
3
4
5
Gleichberechtigte Teilhabe
Soziale,
personale und interkulturelle
Kompetenzen
Interdisziplinäre Kompetenzen
Bürgerschaftliches Engagement
Demokratiebildung
0
1
2
3
4
5
Kinderschutz stärken
Geschlechtergerechtigkeit stärken
Medienkompetenz vermitteln
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und
Schulsozialarbeit
Eigenständige Jugendpolitik entwickeln
Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern
Kulturelle Jugendbildung als immantenten ..
Internationale Jugendarbeit stärken

| 47
Bild 34: Träger und Personal 2018 im Bereich Übergreifend; SMS-LJA 2020
Als strukturelle Voraussetzung für die Umsetzung überörtlicher Aufgaben wurden 2018 bei 4 Trä-
gern insgesamt 10,325
Personalstellen, verteilt auf 12 Personen, durch den Freistaat finanziert.
Dabei nahmen zwei Bildungsreferent/-innen geschäftsführende Tätigkeiten wahr. (2014:
8,38
Per-
sonalstellen, verteilt auf 10 Personen) 2020 gab es eine moderate Erhöhung auf 11,60 VzÄ.
Vom 2018 geförderten Personal waren 18,0% als Geschäftsführer/-in bzw. Verwaltungsange-
stellte und 82,0% als Bildungsreferent/-innen tätig. 2020 gab es hier auch Veränderungen erge-
ben, der Anteil der Bildungsreferent/-innen beträgt nun insgesamt 82,8%.
Träger und Personal nach Art der Leistungserbringer 2018
Bild 35: Träger und Personal nach Art der Leistungserbringer 2018, SMS-LJA 2020
Im Sinne der Trägerkategorien handelt es sich bei den Trägern um einen Fortbildungsträger mit
erweitertem Bildungsportfolio, 2 themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen sowie ei-
nen sonstigen Träger. 2020 hat es hier keine Veränderungen gegeben.
9,0%
8,6%
9,0%
8,6%
64,6%
67,3%
17,4%
15,5%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2018
2020
Geschäftsführer/-innen
Verwaltungsfachkräfte
Bildungsreferenten/-innen
geschäftsführende Bildungsreferenten/-innen
Sonstige
4,825
4,50
1,00
1
2
1
0,000
1,000
2,000
3,000
4,000
5,000
6,000
7,000
Fortbildungsträger
Dachverbände
Jugendverbände
Fachstellen
Sonstige
Personal
Träger

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
48 |
4.5.3 Aufgaben
Grundlegende Leistungen
Die grundlegenden Leistungen sind zum einen Aufgaben, die im Allgemeinen auch als Lobbyar-
beit bezeichnet und von allen Trägern gleichermaßen wahrgenommen werden. Insbesondere sind
hierfür zu nennen: die Initiierung des Erfahrungsaustauschs und die Interessensvertretung der
Zielgruppen in verschiedenen Gremien. Zu den grundlegenden Leistungen zählen aber auch der
Informationsaustausch über Veröffentlichungen, die Fachgruppenarbeit sowie verschiedene An-
gebote der Koordination und Beratung.
Die Auswertung für die grundlegenden Leistungen wurde bereits im allgemeinen Teil vorgenom-
men. Innerhalb der Darstellungen für den Bereich Übergreifend soll an dieser Stelle eine Aufzäh-
lung der Nennungen zu den Schwerpunkten der grundlegenden Leistungen im Sachbericht nach
Häufigkeit im Überblick erfolgen. Grundlage dafür ist die Auswertung der Sachberichte in einem
fachlichen Rahmen.
Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen
Veröffentlichungen, die sich mit den Aufgaben, der aktuellen Situation und
Entwicklungen in den Leistungsbereichen der §§ 11 - 14 SGB VIII auseinan-
dersetzen, sofern sie sich über die eigenen Mitgliedsstrukturen hinaus an
die Fachöffentlichkeit wenden
Fachberatung in Form von Konzeptions-, Projekt- und Organisationsbera-
tung als offenes Angebot für alle Anbieter der Leistungsbereiche der §§ 11
-14 SGB VIII
Initiierung, Begleitung und Durchführung von Facharbeitskreisen und Pro-
jekten, die in ihrer Zusammensetzung über die Mitgliederstrukturen hinaus-
gehen und repräsentativ für Sachsen sind
Jugendpolitische Interessenvertretung in bundes- und landesweiten Gre-
mien im jeweiligem Fachkontext
Eigenständige Leistungen der Jugendverbände in Bezug auf Werbung und
Betreuung von Mitgliedern und Teilnehmern
Bild 36: Grundlegende Leistungen - Schwerpunkte nach Häufigkeit der Nennungen im Bereich Übergreifend, SMS-LJA 2020
In der Betrachtung der Übersicht wird deutlich, dass im Bereich Übergreifend der Schwerpunkt
der grundlegenden Leistungen in der jugendpolitischen Interessenvertretung in bundes- und lan-
desweiten Gremien im jeweiligem Fachkontext liegt. Dies ist in dem Charakter der Träger als
Facharbeits- und Koordinationsstellen im Querschnittsbereich begründet.
Bildung
Im Jahr 2018 wurden im Bereich Übergreifend - laut der Meldungen in den Sachberichten - ins-
gesamt
125
Maßnahmen mit
570
Bildungs- bzw. Maßnahmetagen und 3.213 Teilnehmer/-innen
durchgeführt. (2014:
131
Maßnahmen mit
618
Bildungs- bzw. Maßnahmetagen und 2.916 Teil-
nehmer/-innen)
Die Aufteilung der Maßnahmen, Bildungstage und Teilnehmer/-innen nach Maßnahme- und Ver-
anstaltungsart ergibt sich wie folgt:
Im Bereich der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung gab es 103 Maßnahmen mit insgesamt
522 Bildungstagen und 2.377 Teilnehmer/-innen.
Die Maßnahmen der außerschulischen Jugendbildung sind mit 22 Maßnahmen, 48 Bildungstagen
und 836 Teilnehmer/-innen angegeben.

 
| 49
Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit 2018
im Bereich Übergreifend
Bild 37: Durchgeführte Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit 2018
im Bereich Übergreifend; SMS-LJA 2020
Im Vergleich zwischen der Anzahl der Bildungsreferent/-innen und den Bildungsmaßnahmen, die
sich auf die vom Freistaat finanzierten Bildungsreferent/-innen beziehen lassen, ergibt sich ein
rechnerisches Verhältnis zwischen Referenten und Bildungstagen von 1:67.
In der Übersicht wird deutlich, dass alle Träger über der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 ge-
forderten Anzahl an Bildungstagen liegen.
4.5.4 Bestandsbewertung
Struktur und Einordnung der Träger im Bereich Übergreifend
Im Bereich Übergreifend sind im Rahmen der Planungsübersicht 4 Träger eingeordnet. Im Sinne
der Trägerkategorien handelt es sich bei den Trägern um einen Fortbildungsträger mit erweitertem
Bildungsportfolio, 2 themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen sowie einen sonstiger
Träger. Es kann eingeschätzt werden, dass durch die betreffenden Träger die Zielstellungen in
diesem Bereich erfüllt werden.
Bildungsziele
In der Betrachtung der Häufigkeit der Nutzung und Ausgestaltung der angegebenen Bildungsziele
kann eingeschätzt werden, dass die entwickelten Ziele im Bereich Übergreifend grundsätzlich tra-
gen.
Die thematischen Arbeitsschwerpunkte wurden in dem erwarteten Rahmen genutzt. Dem Charak-
ter des Arbeitsfeldes entsprechend standen hauptsächlich die Stärkung des Kinderschutzes und
22
48
836
103
522
2.377
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Veranstal-
tungen
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Projekte
Dauer
in Tagen
Teilnehmer/
innen
Außerschulische Jugendbildung
Mitarbeiter- und
Multiplikatorenfortbildung
Internationale Jugendarbeit

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
50 |
die Kulturelle Bildung aber auch die Geschlechtergerechtigkeit im Fokus. Benannt wurden weiter-
hin „Internationale Jugendarbeit stärken“ und „Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern“. Die
hohe Heterogenität des Planungsbereiches wird auch in der vergleichsweise breiten Inanspruch-
nahme der Arbeitsschwerpunkte abgebildet.
Bereitstellung von personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen
Hier hat es im Planungszeitraum 2015-2020 Stellenerhöhungen gegeben, die sich aus den fach-
lichen Beratungs- und Bildungsbedarfen in den Feldern Kinderschutz und Geschlechtergerechtig-
keit ergeben haben. Mit Blick auf die erbrachten Bildungsleistungen und die grundlegenden Leis-
tungen auf der Grundlage der vorliegenden Daten wird der Umfang der personellen Strukturen
zur Umsetzung der Zielstellungen derzeit als ausreichend eingeschätzt.
Das Verhältnis zwischen den Geschäftsstellen, den Mitarbeiter/-innen für Service und Information
und den Bildungsreferent/-innen erscheint auf Grund der Trägercharakteristiken und den Aufga-
benspektren angemessen.
Grundlegende Leistungen im Rahmen überörtlicher Aufgaben
Die Darstellung der grundlegenden Leistungen erfolgte in den Sachberichten ausführlich und um-
fassend. Die Schwerpunkte liegen insbesondere in der Fachberatung in Form von Konzeptions-,
Projekt- und Organisationsberatung sowie
in der
Initiierung, Begleitung und Durchführung von
Facharbeitskreisen und Projekten
sowie in Veröffentlichungen im Rahmen von Fachthemen.
Bildung
Mit Maßnahmen der Bildung und der internationalen Jugendarbeit wurden im Jahr 2018 ca. 3.213
Teilnehmer/-innen erreicht. Dies ist eine vergleichsweise hohe Anzahl und erscheint entsprechend
der Zielgruppen und der Rahmenbedingungen insbesondere am direkten Personaleinsatz ange-
messen.
Auch im Bereich Übergreifend gab es in der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung eine zu-
nehmende Tendenz von dokumentierten Angeboten der Beratungen, die sich einerseits auf dem
Charakter der Leistungsanbieter als themenspezifische Facharbeitsstelle, andererseits auf verän-
derte Aufgabenzuschnitte begründet.
Das durchschnittliche Verhältnis zwischen Bildungsreferent/-innen und Bildungstagen von 1:67
über alle Leistungserbringer liegt weit über der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 geforderten
Anzahl an Bildungstagen.
Insgesamt wird das hohe Engagement der Träger ersichtlich, die quantitative Maßgabe zu errei-
chen. In den Sachberichten der Träger wird aber auch deutlich, dass dies mit einem hohen Auf-
wand verbunden ist. Insbesondere ist in Abhängigkeit von der Art von Maßnahmen ein unter-
schiedlich hoher Ressourceneinsatz notwendig, der sich in den Bildungstagen nur eingeschränkt
widerspiegelt.

 
| 51
5 Qualitative Aspekte
Die bisherige Darstellung des Bestandes bezog sich hauptsächlich auf strukturelle und maßnah-
mebezogene Sachverhalte. Im Folgenden wird versucht, qualitative Aspekte in der Bestandsdar-
stellung zu berücksichtigen.
Diese Betrachtung basiert auf der Auswertung der Sachberichte der Träger aus dem Jahr 2018 in
einem fachlich-inhaltlichen Kontext.
Dazu wurde ein von der Verwaltung des Landesjugendamtes entwickeltes Bewertungsinstrument
in Form eines teilstrukturierten Rasterbogens verwendet. Dies bedeutet, dass sowohl die schrift-
lichen Rückmeldungen der Träger als auch die fachlichen Einschätzungen und Bewertungen der
auswertenden Fachberater einbezogen werden.
Ziel ist es, in der Bestandsbewertung Anhaltspunkte zur grundsätzlichen Ausrichtung der Planung,
zur Weiterentwicklung und Anpassung der Bildungsziele sowie zur Anpassung und Präzisierung
der Bedarfsgrößen aus einer qualitativen Sichtweise zu benennen.
Die folgende Darstellung widmet sich zunächst der Tragfähigkeit der vereinbarten Bildungsziele.
In einem weiteren Teil werden die thematischen Arbeitsschwerpunkte mit Blick auf deren Umset-
zung und weiterbestehende Aktualität thematisiert. Abschließend sollen die inhaltlichen Einschät-
zungen der Leistungsanbieter zur Jugendhilfeplanung dargestellt werden.
5.1 Tragfähigkeit der Bildungsziele
Die Ziele der Bildungsarbeit wurden im Rahmen der Bedarfsbestimmung im ersten Planungspro-
zess 2006 – 2009 formuliert und in den folgenden Planungsprozessen weiterentwickelt und ange-
passt. Sie bilden die Grundlage für die überörtliche Bildungsarbeit der landesweiten Jugendver-
bände, Dachorganisationen und Fachstellen im Sinne eines übergreifenden Zielrahmens.
Ziele der Bildungsarbeit nach Häufigkeit und Bereichen 2018 insgesamt
Bild 38:
Ziele der Bildungsarbeit nach Häufigkeit und Bereichen 2018 insgesamt;
SMS-LJA 2020
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Demokratiebildung
Bürgerschaftliches
Engagement
Interdisziplinäre
Kompetenzen
Soziale,
personale und
interkulturelle
Kompetenzen
Gleichberechtigte
Teilhabe
Übergreifend
§ 14 SGB VIII
§ 13 SGB VIII
§§ 11/12 SGB VIII
§ 11 SGB VIII

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
52 |
In der Überprüfung der Tragfähigkeit der Bildungsziele stellt sich zunächst die Frage, wie häufig
die einzelnen Ziele innerhalb der Projektumsetzung relevant
waren. In dieser Betrachtung wird
ersichtlich, dass die Nutzung der Bildungsziele recht unterschiedlich ausfällt.
Am häufigsten wurde das Bildungsziel
Bürgerschaftliches Engagement
angestrebt und dies
überwiegend in den Bereichen § 11 sowie §§ 11/12 SGB VIII sowie im Bereich Übergreifend.
Demokratiebildung
sowie
Soziale, personale und interkulturelle Kompetenzen
sind die am
zweithäufigsten genutzten Bildungsziele. Zudem erstreckt sich deren Anwendung als Arbeits-
grundlage nahezu auf alle Planungsbereiche.
Das Bildungsziel mit der drittgrößten Häufigkeitsrate ist die Entwicklung
Interdisziplinärer Kom-
petenzen
mit der Angabe in den Bereichen § 11 SGB VIII, §§ 11/12 SGB VIII, § 14 SGB VIII und
Übergreifend.
Das Bildungsziel
Gleichberechtigte Teilhabe
war 18-mal und somit zahlenmäßig am wenigsten
Grundlage für die überörtliche Bildungsarbeit, bildet jedoch alle Planungsbereiche ab.
Die Verteilung der zahlenmäßigen Häufigkeit der Verwendung der Bildungsziele erscheint im
Überblick sehr ausgewogen. Offenbar bieten die Ziele der überörtlichen Bildungsarbeit einen prak-
tikablen Zielrahmen mit Blick auf die unterschiedlichen Arbeitsfelder, konzeptionelle Grundaus-
richtungen und Werteorientierungen der landesweiten Träger.
Um weitere Aussagen zur Tragfähigkeit der Bildungsziele zu erhalten, wurden im Rahmen der
fachlich-inhaltlichen Auswertung der Sachberichte durch das eingangs benannte Verfahren die
Abbildung der Bildungsziele durch die Maßnahmen der Träger bewertet. Die Bewertung erfolgte
vor der Fragestellung, inwieweit sich die Themeninhalte der Bildungsmaßnahmen auf die Bil-
dungsziele beziehen lassen bzw. inwieweit der Träger dies im Rahmen seiner Äußerungen im
Sachbericht tut. Im Nachgang wurden die Antworten auf die folgenden 4 Thesen im Hinblick auf
die 5 Bildungsziele bezogen und in Einschätzungen von maximal 5 Punkten bewertet:
1. Die Zielaussagen sind passgerecht mit Blick auf die Grundthese der überörtlichen
Bildungsarbeit.
2. Das Ziel ist konkret gefasst und bildet einen abgrenzbaren Handlungsrahmen bzw.
eine abgrenzbare Zielthematik ab.
3. Der Zielbegriff ist griffig und wird im Sinne der Zielbeschreibung wahrgenommen
und genutzt.
4. Das Ziel wird insgesamt als tragfähige zielbezogene Arbeitsrundlage eingeschätzt.
Die Bewertung erfolgte auf einer einpolaren Skala von 0 bis 5. Höhere Werte beschreiben eine
höhere Zustimmung zur formulierten These. Aus den einzelnen Einschätzungen wurde ein Wert
der durchschnittlichen Zustimmungsrate ermittelt. Höhere Werte stellen eine erhöhte Zustimmung
und damit eine tendenziell höhere Tragfähigkeit des Bildungszieles aus fachlicher Sicht dar. In
dieser Betrachtung bietet sich folgendes Bild:
Die erhaltenen Zustimmungsraten liegen im Wert bei 3,5 und besser. Daher ist grundsätzlich von
einer hohen Tragfähigkeit in Auswahl und Formulierung der Ziele der überörtlichen Bildungsarbeit
auszugehen.
Vergleichsweise hohe Zustimmungsraten erhalten die Bildungsziele
Demokratiebildung (4,75)
und
Bürgerschaftliches Engagement (4,75).
Leicht niedrigere Zustimmungsraten erhalten die
Bildungsziele
Gleichberechtigte Teilhabe (3,75), Soziale, personale und interkulturelle Kom-
petenzen (3,5)
sowie
Interdisziplinäre Kompetenzen (3,5).
Aus den Ergebnissen lässt sich kein grundsätzlicher Bedarf für eine umfassende Neustrukturie-
rung der Zielebene der Bildungsziele ableiten. Dennoch erscheint es notwendig, insbesondere bei
den niedriger bewerteten Zielen, die Zielformulierung auf Zielbezug, Verständlichkeit und The-
menabgrenzung zu überprüfen.

 
| 53
Tendenzielle Tragfähigkeit der einzelnen Bildungsziele aus fachlicher Sicht
Die Zielaussagen sind pass-
gerecht mit Blick auf die
Grundthese der überörtlichen
Bildungsarbeit.
Das Ziel ist konkret gefasst
und bildet einen abgrenzbaren
Handlungsrahmen bzw. eine
abgrenzbare Zielthematik ab.
Die Zielbegriff ist griffig und
wird im Sinne der Zielbe-
schreibung wahrgenommen
und genutzt.
Das Ziel wird ins gesamt als
tragfähige zielbezogene Ar-
beitsrundlage eingeschätzt.
Durchschnittliche
Zustimmungsrate
Demokratiebildung
4,75
Bürgerschaftliches
Engagement
4,75
Interdisziplinäre
Kompetenzen
3,50
Soziale, personale
und interkulturelle
Kompetenzen
3,50
Gleichberechtigte
Teilhabe
3,75
Bild 39: Tendenzielle Tragfähigkeit der einzelnen Bildungsziele aus fachlicher Sicht, SMS-LJA 2020, eigene Berechnungen
5.2 Thematische Arbeitsschwerpunkte
Mit dem Beschluss zur Jugendhilfeplanung 2015-2020 wurden die Thematischen Arbeitsschwer-
punkte aus weitere operativ ausgerichtete Zielebene aufgenommen. An dieser Stelle soll eine
kurze qualitative Einschätzung der einzelnen Arbeitsschwerpunkte hinsichtlich der Wahrnehmung
und Umsetzung der Zielbezüge erfolgen.
Internationale Jugendarbeit stärken
Die Internationale Jugendarbeit gemäß § 11 Abs. 3 Nr. 4 SGB VIII ist ein wichtiges Segment der
Jugendarbeit, welches ein enormes Potential besitzt. Dennoch war und ist festzustellen, dass die
Zahlen der Angebote und Projekte im Bereich der Internationalen Jugendarbeit rückläufig sind.
Der Bereich der Internationalen Jugendarbeit konnte im Planungsfeld der überörtlichen Träger auf
struktureller, konzeptioneller und beratender Ebene gestärkt werden. So hat die Thematik inner-
halb der überörtlichen Jugendhilfeplanung im Planungszeitraum 2015-2020 eine personelle Un-
tersetzung erfahren, was die Beratungs- und Fortbildungskapazitäten in konzeptionellen sowie in
praktischen Fragen der Beantragung, Finanzierung und Umsetzung internationaler Jugendbegeg-
nungen insbesondere bei den örtlichen Trägern der Jugendhilfe nachweislich erhöht hat.
Dennoch ist zu konstatieren, dass sich die Projekte der Internationalen Jugendarbeit bei überört-
lichen Trägern gleichbleibend auf einem niedrigen Niveau bewegen. Hier handelt es sich um An-
gebote, die in der Beantragung und Durchführung vergleichsweise ressourcenkritisch und mit ho-
hem administrativem Aufwand bei Beantragung und Realisierung verbunden sind. Dennoch war
mit der Intention, die Internationale Jugendarbeit zu stärken, eine höhere Anzahl von Maßnahmen
zu erwarten gewesen.
Es kann eingeschätzt werden, dass das Feld der Internationalen Jugendarbeit auch weiterhin als
Angebotsform in der überörtlichen Jugendhilfeplanung betrachtet werden sollte.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
54 |
Inanspruchnahme der thematischen Arbeitsschwerpunkte bei überörtlichen
Jugendverbänden, Dachorganisationen und Fachstellen 2018
Internationale Jugendarbeit
stärken
Kulturelle Bildung als immanen-
ten Bestandteil der Jugendarbeit
profilieren
Vielfalt in der
Jugendverbandsarbeit sichern
Eigenständige Jugendpolitik ent-
wickeln
Arbeitsweltbezogene Jugendso-
zialarbeit und Schulsozialarbeit
weiterentwickeln und ausbauen
Medienkompetenz vermitteln
Geschlechtergerechtigkeit stär-
ken
Kinderschutz stärken
Bereich
§ 11 SGB VIII
Bereich
§§ 11/12 SGB VIII
Bereich
§ 13 SGB VIII
Bereich
§ 14 SGB VIII
Bereich
übergreifend
Gesamt
22
34
29
12
2
9
15
22
Bild 40: Inanspruchnahme der thematischen Arbeitsschwerpunkte bei überörtlichen Jugendverbänden, und Dachorganisationen und
Fachstellen 2018; SMS-LJA 2020
Kulturelle Bildung als immanenten Bestandteil der Jugendarbeit profilieren
Kulturelle Bildung gehört nach § 11 Abs. 3 SGB VIII zu einem Schwerpunkt der außerschulischen
Jugendarbeit und ist damit gesetzlich als immanenter Bestandteil im SGB VIII verortet. Dabei
wurde die Kulturelle Bildung wurde mit Planungsbeschluss 2015-2020 als Arbeitsfeld mit beson-
derem Entwicklungsbedarf und damit als Arbeitsschwerpunkt charakterisiert. Der Bereich der
Kul-
turellen Bildung
konnte im Planungsfeld der überörtlichen Träger konzeptioneller und beratender
Ebene gestärkt werden. Im Planungszeitraum 2015-2020 war die Kulturelle Bildung der Arbeits-
schwerpunkt, der abgesehen vom Bereich § 13 SGB VIII die höchste Inanspruchnahme in allen
Planungsbereichen erfahren hat. Zudem konnte die Thematik durch die Interministerielle Arbeits-
gruppe (IMAG) „Kulturelle Kinder- und Jugendbildung“ begleitet und konzeptionell untersetzt wer-
den. Mithin ist zu konstatieren, dass durch die Etablierung dieses Arbeitsschwerpunktes ein maß-
geblicher Impuls für die Entwicklung eines landesweiten Konzeptes „Kulturelle Kinder- und Ju-
gendbildung für den Freistaat Sachsen“ gesetzt werden konnte. Die Zielstellung, Kulturelle Bil-
dung als immanenten Bestandteil der Jugendarbeit zu profilieren, wird in der Fachpraxis weiterhin
ein wichtiges Themenfeld sein. Das o.g. Konzept bietet für das Themenfeld Kulturelle Bildung in
der Jugendarbeit einen fachlichen Rahmen, der insbesondere mit Blick auf die Zielebene „Gesell-
schaftliche Kompetenz“ Impulse für eine Weiterentwicklung liefern kann. Kulturelle Bildung kann
als eigenständiges Bildungsthema in der Jugendarbeit und darüber hinaus als Methode in der
sozialen Arbeit verstanden werden. In dieser Doppelfunktion wirken weiterhin vor allem die
überörtlichen Träger, die auch im Kulturbereich vertreten sind.

| 55
Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit sichern
Die Jugendverbandsarbeit nimmt im System der Kinder- und Jugendhilfe eine besondere Stellung
ein. In Jugendverbänden wird Jugendarbeit von jungen Menschen freiwillig selbst organisiert, ge-
meinschaftlich gestaltet und mitverantwortet. Jugendverbände bieten unterschiedliche Orientie-
rungs- und Verwirklichungsmöglichkeiten für junge Menschen und damit die notwendige Wahlfrei-
heit. Damit tragen Jugendverbände als Werkstätten der Demokratie wesentlich zum Erhalt und
der Weiterentwicklung einer demokratischen und solidarischen Zivilgesellschaft bei.
Der Erhalt und die Förderung dieses Systems sind damit gesetzlich festgeschrieben und mehr als
immanente jugendpolitische Aufgabe anstatt thematischer Arbeitsschwerpunkt zu betrachten.
Im Planungszeitraum 2015-2020 konnte die Jugendverbandsarbeit und deren Vielfalt in den Wer-
teorientierungen weiter gestärkt werden. So wurde eine Reihe von Dachverbänden in die Perso-
nalkostenförderung aufgenommen und neue Verbände im Kanon der überörtlichen Dachverbände
etabliert. In der Übersicht der Dachverbände nach verschiedenen Wertekontexten zeigt sich in-
zwischen ein weitgehend ausgewogenes Bild. Hier wird die pluralistische Wertevielfalt der Ju-
gendverbände auf Landesebene deutlich und verweist mittelbar auf die inhaltlichen Schwerpunkt-
setzungen in der außerschulischen Bildungsarbeit.
Zudem wurde die Thematik der Unterstützung der Jugendverbandsarbeit in den Koalitionsvertrag
der Staatsregierung 2019 als politische Agenda aufgenommen.
Eigenständige Jugendpolitik entwickeln
Mit dem durch die Bundesregierung initiierten Konzept einer Eigenständigen Jugendpolitik ist die
Forderung verbunden, dass Jugendpolitik mit Kindern und Jugendlichen von den Ländern und
Kommunen vor Ort gestaltet werden soll. Diese Forderung galt es auch in der Jugendhilfeplanung
2015-2020 aufzugreifen und umzusetzen.
Die Thematik konnte insbesondere auf konzeptioneller und jugendpolitischer Ebene in den Blick
genommen werden und in Beratungs- und Bildungsprozessen integriert werden. Auf Landes-
ebene wurde ein Eckpunktepapier zur Eigenständigen Jugendpolitik
11
unter Beteiligung von Ver-
tretern landesweiter Dachverbände und Dachorganisationen entwickelt und durch den Landesju-
gendhilfeausschuss beschlossen. Die Thematik wurde innerhalb der interministeriellen Arbeits-
gruppe (IMAG) „Eigenständige Jugendpolitik“ bearbeitet. Außerdem war das Konzept zur Eigen-
ständigen Jugendpolitik Kernthema im 5. Sächsischen Kinder- und Jugendbericht. So hat das
Konzept auf überörtlicher
Ebene fachlich und jugendpolitisch eine breite Unterstützung und Re-
zeption erfahren. Dennoch ist die Eigenständige Jugendpolitik ein Thema der örtlichen Ebene im
direkten Lebensumfeld junger Menschen. Ein Ausdruck dessen sind die ab 01.01.2018 veranker-
ten Beteiligungsrechte junger Menschen in der Sächsischen Landkreisordnung und der Sächsi-
schen Gemeindeordnung. Hier wird es darum gehen, auch weiterhin den Diskurs zu führen und
zu beobachten, wie eine Etablierung in lokale politische Prozesse gelingen kann.
Darüber hinaus bezeichnet „Eigenständige Jugendpolitik“ einen Politikansatz, der die Interessen
und Bedürfnisse von jungen Menschen zwischen 12 und 27 Jahren in den Mittelpunkt ressort-
übergreifenden politischen Handelns stellt“
12
. Im Sinne der vom Bund benannten Zielebene geht
es darum, die Lebensphase Jugend und deren Chancen und Potenziale in der Gesellschaft sicht-
bar und erfahrbar zu machen und ihr positives Bild in der Öffentlichkeit zu kommunizieren.
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit weiterentwickeln und aus-
bauen
Der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit sowie der Schulsozialarbeit kommt bei der Gestal-
tung von Übergängen von Jugendlichen in Bezug auf ihre Berufsbiographien eine besondere Be-
deutung zu. Mit Blick auf die auch systemübergreifende
Kooperation und die zu gestaltende Zu-
sammenarbeit mit anderen Leistungsträgern
in diesen beiden Kernbereichen im Leistungsbereich
des § 13 SGB VIII wurde die Thematik in die Arbeitsschwerpunkte aufgenommen.
Der Arbeitsschwerpunkt unterscheidet sich systemlogisch von den anderen Arbeitsschwerpunk-
ten, da hier direkt auf einen Leistungsparagraph des SGB VIII Bezug genommen wird. Die The-
menfelder der Arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit und der Schulsozialarbeit konnten im
11
SMS-LJA (2016): Eckpunktepapier des Landesjugendhilfeausschusses zur Eigenständigen Jugendpolitik in Sachsen
12
jugendgerecht.de (2020): Arbeitsstelle Eigenständige Jugendpolitik

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
56 |
Planungszeitraum 2015-2020 auf struktureller, konzeptioneller und beratender Ebene gestärkt
werden. So hat die Thematik innerhalb der überörtlichen Jugendhilfeplanung im Planungszeitraum
2015-2020 eine personelle Untersetzung erfahren, was die Beratungs- und Fortbildungskapazitä-
ten in konzeptionellen sowie in praktischen Fragen der Beantragung, Finanzierung und Umset-
zung von entsprechenden Projekten bei den örtlichen Trägern der Jugendhilfe nachweislich er-
höht hat.
Medienkompetenz vermitteln
Junge Menschen wachsen in einer medial geprägten Gesellschaft auf und gestalten dabei selbst-
bewusst ihren Lebensalltag. In diesem Zusammenhang erhöhen sich aber auch die Anforderun-
gen an die jungen Menschen selbst, aber auch an Eltern und pädagogische Fachkräfte.
Deshalb ist die Vermittlung entsprechender Medienkompetenz ein wichtiges und in seiner Bedeu-
tung zunehmendes Arbeitsfeld. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Bereich der digitalen
Medien sowie auf der zielgruppenbezogenen Gestaltung entsprechender Bildungsangebote.
In diesem Rahmen wurde die Thematik 2014 als thematischer Arbeitsschwerpunkt in die überört-
liche Jugendhilfeplanung aufgenommen.
Das Themenfeld der Vermittlung von Medienkompetenz konnte im Planungszeitraum 2015-2020
auf struktureller, konzeptioneller und beratender Ebene gestärkt werden. Dabei wurde dieser the-
matische Arbeitsschwerpunkt nicht nur im Planungsbereich des § 14 SGB VIII, sondern bis auf
den Bereich Übergreifend in allen Bereichen als Arbeitsgrundlage für Beratungs- und Bildungsan-
gebote angegeben.
Aus Sicht des Planungsträgers hat die Thematik der Medienkompetenz innerhalb der überörtli-
chen Jugendhilfeplanung im Planungszeitraum 2015-2020 eine personelle Untersetzung erfah-
ren, was die Beratungs- und Fortbildungskapazitäten in konzeptionellen sowie in praktischen Fra-
genstellungen bei den örtlichen Trägern der Jugendhilfe nachweislich erhöht hat.
Dennoch erscheint es notwendig, die Bemühungen auch mit Blick die Etablierung der Mediener-
ziehung als eine ganzheitliche Grundaufgabe für alle Leistungsanbieter fortzusetzen und weiter-
zuentwickeln.
Geschlechtergerechtigkeit stärken
In den letzten Jahren ist die Aufmerksamkeit für geschlechtsreflektierende Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen sowie die geschlechterdifferenzierte Aufgabenwahrnehmung zunehmend in den Fo-
kus der Kinder- und Jugendhilfe gerückt. Diese Entwicklung wurde unter anderem auch durch die
vorangehende Debatte um die Einführung der Gender-Mainstreaming-Strategie bei freien Trägern
in der Jugendhilfe vorbereitet und befördert.
Vor diesem Hintergrund wurde die Thematik 2014 als thematischer Arbeitsschwerpunkt in die
überörtliche Jugendhilfeplanung aufgenommen.
Das Themenfelder der Geschlechtergerechtigkeit konnte im Planungszeitraum 2015-2020 auf
struktureller, konzeptioneller und beratender Ebene gestärkt werden. Hier wurde in dem gut aus-
gebauten Fachstellensystem ein personeller Aufwuchs realisiert, was die Beratungs- und Fortbil-
dungskapazitäten in konzeptionellen sowie in praktischen Fragenstellungen bei den örtlichen Trä-
gern der Jugendhilfe ermöglichte. Zudem konnte mit der Fachexpertise zur geschlechterreflektie-
renden Arbeit mit jungen Menschen ein wichtiges fachpolitisches Papier zur geschlechterreflek-
tierenden Arbeit mit jungen Menschen in allen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe im Rah-
men des SGB VIII geschaffen werden.
Die anhaltende Nachfrage nach geeigneten Fortbildungen und Beratungen zur Geschlechterge-
rechtigkeit wird aus Sicht des überörtlichen Planungsträgers weitere Anstrengungen in diesem
Arbeitsfeld erfordern. Dies beinhaltet wichtige fachlich-inhaltliche Impulse für eine in dieser Hin-
sicht notwendige Weiterentwicklung der Jugendhilfe in Sachsen und eine weitere enge Koopera-
tion der bestehenden Arbeitsstrukturen.
Kinderschutz stärken
Mit dem Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes wurden die Rahmenbedingungen für ein
entwicklungsförderndes und schützendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen weiter ver-
bessert. Die damit einhergehende Sensibilisierung der Fachkräfte aber auch der Öffentlichkeit

 
| 57
führte zum einen zu einer erhöhten Aufmerksamkeit für Problemlagen, erfordert aber zum anderen
eine kontinuierliche Fachberatung und Fortbildung von Fachkräften in der Kinder- und Jugend-
hilfe. In diesem Zusammenhang wurde die Thematik 2014 als thematischer Arbeitsschwerpunkt
in die überörtliche Jugendhilfeplanung aufgenommen.
Das Themenfeld des Kinderschutzes konnte im Planungszeitraum 2015-2020 auf struktureller,
konzeptioneller und beratender Ebene gestärkt werden.
In den Sachberichten wurde dieser thematische Arbeitsschwerpunkt von Trägern in allen Pla-
nungsbereichen als Arbeitsgrundlage für Beratungs- und Bildungsangebote angegeben. Zudem
hat der Schutz von Kindern und Jugendlichen innerhalb der überörtlichen Jugendhilfeplanung im
Planungszeitraum 2015-2020 insbesondere mit dem Modellprojekt „Qualität beteiligt“ eine perso-
nelle Untersetzung erfahren, was Beratungs- und Fortbildungskapazitäten in konzeptionellen,
fachlichen sowie praxisbezogenen Fragen ermöglichte.
Das Thema erfordert aus Sicht des Planungsträgers auch weiterhin eine kontinuierliche Fachbe-
ratung und Fortbildung der Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe. Hier sind entsprechende
Fortbildungsformate, aber insbesondere spezielle Beratungsangebote sowohl für Leistungsemp-
fänger der Kinder- und Jugendhilfe als auch für deren Fachkräfte zu entwickeln und vorzuhalten.
5.3 Einschätzungen der Leistungsanbieter
Zur Beschreibung der Verfasstheit der Leistungsanbieter gehört auch die Darstellung von Rück-
meldungen der überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen zur Jugend-
hilfeplanung und zur Wahrnehmung der Struktur.
Zur strukturellen Ausrichtung der Jugendhilfeplanung
Die strukturelle Ausgestaltung der Jugendhilfeplanung wurde in der großen Mehrheit positiv be-
wertet. Die Gestaltung und die Einordnung in die Planungsbereiche sind überwiegend als nach-
vollziehbar und logisch beschrieben. Die Ausweisung der Bildungsziele erscheint aus Sicht der
Träger größtenteils praktikabel und zweckmäßig.
Allerdings gab es in den Rückmeldungen auch kritische Anmerkungen. Folgende Themenberei-
che lassen sich in Bezug auf strukturelle Aspekte der Jugendhilfeplanung benennen:
Typisierung von Trägern
Die vorgenommene Einordnung von Trägern nach Art von Leis-
tungsanbietern wird strukturell positiv bewertet und mehrheitlich
nachvollziehbar eingeschätzt. Dennoch erscheint die Zuordnung in
Einzelfällen für Irritationen zu sorgen. Hier wird mehr Transparenz
hinsichtlich der getroffenen Entscheidung und den zugrundelie-
genden Kriterien erwartet. Auch eine Darstellung mit Nennung der
Träger würde in der Bedarfsfeststellung für mehr Klarheit sorgen.
Bildungsziele
Einzelne Bildungsziele werden als zu umfassend und breit gefasst
wahrgenommen. Sie beschreiben zwar das Aufgabenspektrum
der freien Träger in einem weiten Kontext, ein Ausschluss bzw.
eine Nichtberücksichtigung eines einzelnen Zieles, wie z. B. De-
mokratiebildung, ist jedoch schwer möglich. Entweder sollten die
Ziele enger gefasst oder fachlich konkretisiert werden. Zudem sol-
len erwartete Aufgaben an die freien Träger konkreter als Zieler-
wartungen beschrieben werden.
Bedarfsgrößen
Die Ausweisung der Bedarfsgrößen wird unterschiedlich bewertet.
Obwohl die Unterstützung von
Geschäftsstellen
als Bedarfsgröße
beschrieben wird, hat deren Definition aber für die Weiterentwick-
lung und Steuerung auf struktureller Ebene kaum Auswirkung. Zu-
dem ist die mögliche Unterstützung durch notwendiges Verwal-
tungspersonal unklar. Die
Bildungstage
als Nachweiskriterium
werden in ihrer Funktion kritisch gesehen. Besonders Träger, die
eine hohes Maß an Bildungstagen erbringen,
erwarten dadurch
eine höhere personelle Untersetzung.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
58 |
Zudem sollten die Bedarfsgrößen stärker mit den Fördermöglich-
keiten abgeglichen werden. Hier sollten insbesondere bei den ge-
forderten
Qualifikationen
von Fachkräften aber auch bei der Höhe
der möglichen Vergütungen Anpassungen erfolgen.
Bildungsangebote
Die Planung und die Realisierung veranstaltungsbezogener Bil-
dungsangebote gestaltet sich zunehmend schwieriger, da die ver-
fügbaren Zeit- und Personalressourcen enger geworden sind und
sich das Anmeldeverhalten der Teilnehmer/-innen teilweise geän-
dert hat.
angezeigte Bedarfe an
Personalstellen
Bedarfsanzeigen für zusätzliches Fachpersonal aber auch Verwal-
tungspersonal gab es aus allen Planungsbereichen. Insbesondere
für die Bereiche § 11 SGB VIII, § 11/12 SGB VIII und Übergreifend
erfolgten Bedarfsanzeigen zu Fachpersonal mit Hinweis auf den
Aufgabenzuschnitt, auf die Verteilung von Fachpersonal innerhalb
der Bereiche sowie auf überdurchschnittlich erbrachte Bildungs-
leistungen.
Zur Umsetzung der Jugendhilfeplanung
Die Rückmeldungen zur Umsetzung der Jugendhilfeplanung sind insgesamt von einer kritischen
Wahrnehmung geprägt. Diese lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Diskrepanz zwischen Pla-
nungsergebnissen und
der Ausfinanzierung
Dies betrifft insbesondere die aus Sicht der Träger eingeschätzte
mangelnde Umsetzung der in der Jugendhilfeplanung beschriebe-
nen quantitativen Festlegungen und die Festlegung und Ausge-
staltung der Rahmenbedarfe. Jugendhilfeplanung sollte so gestal-
tet werden, dass sie auch eine verlässliche und nachhaltige Fi-
nanzgrundlage für die überörtliche Bildungsarbeit bereitstellt.
Schwierigkeiten in der Fi-
nanzierung von Personal-
und Sachkosten
Hier werden hauptsächlich Schwierigkeiten der Träger beschrie-
ben, die bei der Erbringung von Eigenmitteln auftreten und mithin
zu eingeschränkten Ressourcen bei der Umsetzung ihrer (Bil-
dungs-)aufgaben führen.
Schwierigkeiten in der Fi-
nanzierung der Bildungs-
maßnahmen
Die Finanzierung der über den Freistaat Sachsen finanzierten Bil-
dungsmaßnahmen über die Förderrichtlinie wird insgesamt und im
Verhältnis zur Finanzierung der Personal- und Sachkosten als zu
gering und zu unflexibel empfunden. Eine ganze Reihe von Bil-
dungsmaßnahmen konnte nicht oder nicht in der bisherigen Quali-
tät umgesetzt werden.
Dokumentation von Bil-
dungsmaßnahmen im
Sachbericht
Die Vorgabe, dass jeder Maßnahme ein Arbeitsschwerpunkt zuge-
ordnet werden muss, wird als unflexibel und nicht zielführend emp-
funden.
Zukünftige
Arbeitsschwerpunkte
Folgende erforderliche Themenzuschnitte und Arbeitsschwer-
punkte, die über die in den Bildungszielen benannten Themen hin-
ausgehen, wurden für die zukünftige Planung 2021-2025 angege-
ben:
die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Rechte von Kindern und Jugendlichen
Jugendarbeit im ländlichen Raum
BNE-Strategie thematisieren
Gesundheitsförderung in der Kinder- und Jugendhilfe
die Kinder- und Jugenderholung als Arbeitsfeld und
in überörtlichen Finanzierungszusammenhängen,
die Stärkung der Internationalen Jugendarbeit,
die Medienerziehung/Medienpädagogik.

 
| 59
6
Zusammenfassende Bestandsbewertung und Schlussfolgerungen
In der Betrachtung aller hier dargestellten Leistungsbereiche lässt sich konstatieren, dass ein leis-
tungsfähiges, pluralistisches und von Wertevielfalt geprägtes Leistungs- und Unterstützungssys-
tem im überörtlichen Bereich der §§ 11-14 SGB VIII existiert.
Die im Planungsprozess für 2015 - 2020 entwickelte Ausrichtung auf Bildung und die These des
Bildungs- und Professionalisierungstransfers hat sich grundsätzlich bewährt und bietet eine wich-
tige Grundlage für die Arbeit der landesweiten Jugendverbände, Dachorganisationen und Fach-
stellen.
Struktur und Einordnung der Träger
Aus Sicht der Jugendhilfeplanung hat sich auch die systematische Einordnung der Träger in Be-
reiche bewährt.
Sie entspricht den verschiedenen Aufgabenspektren und den Themenschwer-
punkten nach dem SGB VIII. Mit der Kategorisierung nach Art der Leistungsanbieter kann eine
erweiterte systematische Beschreibung der Struktur im überörtlichen Planungsbereich nach der
unterschiedlichen Verfasstheit und Art der Träger vorgenommen werden.
Insgesamt gibt es zwei überörtliche Bildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio, die in unter-
schiedlichen Leistungskontexten ein umfangreiches Bildungsangebot über ihre Mitgliederstruktu-
ren hinaus generieren. Zudem agieren in den Bereichen § 11 SGB und §§ 11/12 SGB VIII 5 Träger
als Dachverbände mit Bildungsaufgaben, die alle in unterschiedlichen thematischen Zusammen-
hängen Bildungs- und Beratungsleistungen für ihre Mitgliederstrukturen anbieten.
Im Bereich §§ 11/12 SGB VIII lassen sich inzwischen 27 geförderte überörtliche Jugendverbände
verorten, die als Dachverbände Bildung und Beratung sowie Struktur und Unterstützung für die
Jugendverbandsarbeit im Freistaat Sachsen in verschiedenen Wertekontexten anbieten.
In allen Planungsbereichen – außer im Bereich §§ 11/12 SGB VIII - gibt es ein weites Portfolio an
themenspezifischen Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen in jeweils verschiedenen Fachkontexten.
Sie bieten Bildungs- und Beratungsleistungen sowie fachliche Unterstützung für ihre Mitglieder
an. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Führung des Fachdiskurses im Hinblick auf die
Weiterentwicklung der Jugendhilfe sowie angrenzender Leistungsfelder und deren Zusammen-
wirkung.
Auf dieser Grundlage ergibt sich ein Bild eines
leistungsfähigen, breit gefächerten sowie pluralis-
tischen Leistungs- und Unterstützungssystems im überörtlichen Bereich der §§ 11-14 SGB VIII
sowie angrenzender Leistungen. Veränderungen in diesen Strukturen können sich aus inhaltli-
chen Schwerpunktsetzungen ergeben, müssen aber aus Sicht des Planungsträgers nuanciert er-
folgen und das beschriebene Gesamtsystem im Blick behalten.
Bildungsziele
Die Ziele der überörtlichen Bildungsarbeit wurden im Planungsprozess 2015 - 2020 vor dem Hin-
tergrund der aktuellen Situation und den fachlichen Gegebenheiten im Planungsbereich entwickelt
und formuliert.
Hier kann eingeschätzt werden, dass diese Ziele die Arbeitsbereiche der Träger im überörtlichen
Bereich hinreichend abbilden. Die Nutzung der Bildungsziele als wichtige Arbeitsgrundlage erfolgt
über alle Planungsbereiche ausgewogen.
Auch in einer qualitativen Betrachtung haben sich die Bildungsziele längerfristig als belastbare
und tragfähige Zielformulierungen erwiesen.
Aus den Rückmeldungen der Träger wurde jedoch auch deutlich, dass die Bildungsziele tenden-
ziell thematisch sehr breit und umfassend beschrieben sind. Sie beschreiben einen abschließen-
den zielbezogenen Rahmen für das Aufgabenspektrum der freien Träger für die überörtliche Bil-
dungsarbeit.
Die Ausweisung von thematischen Arbeitsschwerpunkten als konkreten Rahmen, der die aktuel-
len fachlichen bzw. fachpolitischen Anforderungen und Erwartungen des überörtlichen Planungs-
trägers formuliert, hat sich grundsätzlich bewährt.
Die Zielformulierungen in den 2014 formulierten Schwerpunkten konnten zum großen Teil in der
Planungsstruktur berücksichtigt und etabliert werden.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
60 |
Die Entwicklung und Festlegung von thematischen Arbeitsschwerpunkten ergeben sich aus den
aktuellen fachlichen Entwicklungen und Erfordernissen in den Leistungsfeldern der Jugendhilfe.
Dies bedeutet jedoch auch, dass mit der Fortschreibung der Jugendhilfeplanung für den Zeitraum
2021-2025 neue thematische Arbeitsschwerpunkte zu fassen bzw. bestehende Themenschwer-
punkte weiterzuentwickeln sind.
Bereitstellung von personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen
Mit der Nachzeichnung und Bewertung des Bestandes wird deutlich, dass das Erbringen von Bil-
dungsleistungen in hohem Maße abhängig von der Bereitstellung verlässlicher Strukturen ist.
Demnach wird auch weiterhin ein wichtiger Kernpunkt der zukünftigen Jugendhilfeplanung sein,
die Struktur und die damit verbundenen Personalressourcen zu erhalten und weiter zu entwickeln.
Im Zusammenhang mit dem grundsätzlich formulierten Bildungsanspruch in der Arbeit der
überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen wird es dabei hauptsächlich
um die Förderung von hauptamtlichen Bildungsreferent/-innen sowie um die Gestaltung einer
nachhaltigen Personalstruktur gehen.
Mit Blick auf die erbrachten Bildungsleistungen und die grundlegenden Leistungen wird der Um-
fang der personellen Strukturen zur Umsetzung der Zielstellungen als ausreichend und hinrei-
chend leistungsfähig eingeschätzt. Aktuelle Entwicklungen auf Grund fachlicher Bedarfslagen
müssen allerdings bei den Bedarfsaussagen berücksichtigt werden.
Das Verhältnis zwischen den Geschäftsstellen, den Mitarbeiter/-innen für Service und Information
zu den Bildungsreferent/-innen erscheint auf Grund der Trägercharakteristiken und den Aufga-
benspektren jedoch angemessen.
Grundlegende Leistungen im Rahmen überörtlicher Aufgaben
Die grundlegenden Leistungen im Rahmen überörtlicher Aufgaben nehmen einen wichtigen Be-
reich in der Arbeit der Bildungsreferent/-innen ein.
Die Darstellung der grundlegenden Leistungen erfolgte in den Sachberichten ausführlich und um-
fassend. Die Schwerpunktsetzung erfolgte vor dem Hintergrund der im Bedarf 2015 - 2020 entwi-
ckelten Systematik. Die Darstellung in den Sachberichten zeichnet dabei die unterschiedlichen
Entwicklungen und Profile der Träger auf Grund ihrer Spezifik und Ausrichtung nach. Diese fanden
ihrerseits bei der Charakterisierung von Trägern nach Art der Leistungsanbieter Berücksichtigung.
Bildung und internationale Jugendarbeit
Mit Maßnahmen der Bildung und der Internationalen Jugendarbeit wurden im Jahr 2018 insge-
samt 19.110 Teilnehmer/-innen erreicht. (2014: 21.188 Teilnehmer/-innen) Obwohl die Zahl ge-
genüber 2014 rückläufig ist, erscheint entsprechend der Zielgruppen und der Rahmenbedingun-
gen, insbesondere am direkten Personaleinsatz, angemessen.
Das Verhältnis zwischen Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung und außerschulischer Jugend-
bildung ist im Hinblick auf die Anzahl der Maßnahmen, der geleisteten Bildungstage und den er-
reichten Teilnehmer/-innen als ausgewogen zu betrachten. In der Übersicht gibt es bezogen auf
die einzelnen Bereiche konzeptionell- und methodenbedingt Abweichungen.
Der Anteil der Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit liegt im Gesamtvergleich auf einem
niedrigen Niveau. Hier handelt es sich um Angebote, die in der Beantragung und Durchführung
vergleichsweise ressourcenkritisch und mit hohem administrativem Aufwand bei Beantragung und
Realisierung verbunden sind. Dennoch wird die Situation aus Sicht des Planungsträgers durchaus
kritisch gesehen, da es sich bei der Internationalen Jugendarbeit um ein wichtiges Handlungsfeld
innerhalb der Jugendarbeit handelt. Zudem war mit der Intention, die Internationale Jugendarbeit
zu stärken, eine höhere Anzahl von Maßnahmen zu erwarten gewesen.
Bildungstage
Das durchschnittliche Verhältnis zwischen Bildungsreferent/-innen und Bildungstagen von insge-
samt 1:47 über alle Leistungserbringer kann als positiv eingeschätzt werden. Die Träger liegen

| 61
auf bzw. über der in der Bedarfsplanung 2015 - 2020 jeweils geforderten Anzahl von Bildungsta-
gen je Bildungsreferent/-in.
Insgesamt wird in der Bestandsdarstellung das hohe Engagement der Träger ersichtlich, die quan-
titative Maßgabe zu erreichen. In den Sachberichten der Träger wird aber auch deutlich, dass die
Erbringung und die Ausweisung der Bildungstage unter den gegebenen Voraussetzungen mit ei-
nem hohen Aufwand und erheblichen Problemen verbunden sind.
Finanzrahmen
Die finanzielle Untersetzung zur Umsetzung der Aufgaben und Leistungen der überörtlichen Ju-
gendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen in Form der Förderung unterlag im Planungs-
zeitraum einigen Veränderungen. Insgesamt gesehen aber hat sich die Gesamtsumme der be-
reitgestellten Mittel in den letzten Jahren erheblich erhöht.
So konnten planerisch vorgesehene Stellenerhöhungen vorgenommen und auf aktuelle Bedarfs-
lagen reagiert werden. Auch die Einbeziehung von Tariferhöhungen in die jährlichen Förderver-
fahren war so möglich.
Über die Erhöhung des Förderanteils für die grundlegenden Leistungen (also Personal- und Sach-
kosten) gegenüber den vom Freistaat finanzierten Bildungsmaßnahmen konnten eine Stabilisie-
rung und ein leichter Ausbau der geförderten Personalanteile erreicht werden. Im gleichen Zuge
hat sich der Anteil der Förderung von Bildungsmaßnahmen verringert.
Diese Entwicklung ist als Ausdruck der Umsetzung der Grundintention der Sicherung von Struk-
turen und von Fachpersonal in der überörtlichen Bildungsarbeit zu sehen. Die hohe Mittelbindung
der grundlegenden Leistungen ist jedoch auch mit Einschränkungen in der Finanzierung von Bil-
dungsmaßnahmen verbunden, die in den Rückmeldungen der überörtlichen Träger kritisch be-
wertet wird.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
62 |
III BEDARF

| 63

image
 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
64 |
7 Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf den überörtlichen
Planungsbereich
Zur Entwicklung und der Bestimmung von Bedarfen sollen nachfolgend bevölkerungs- und sozi-
alstrukturelle Rahmenbedingungen sowie fachliche themenbezogene Entwicklungen in den Ar-
beitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe dargestellt werden.
Die bevölkerungs- und sozialstrukturellen Rahmenbedingungen beziehen sich auf bedarfsbeein-
flussende Faktoren aus der Sozialberichterstattung. Die fachlichen Entwicklungen basieren auf
dem aktuellen Fachdiskurs, den Ergebnissen des Fünften Sächsischen Kinder- und Jugendbe-
richtes 2018
13
sowie der politischen Programmatik des Koalitionsvertrages 2019-2024
14
.
7.1 Bevölkerungs- und sozialstrukturelle Rahmenbedingungen
Ein zentraler Bestandteil der Jugendhilfeplanung ist die Beschreibung bevölkerungsbezogener
und sozialer Infrastruktur als Basis und Reflektionsfläche für Planungsentscheidungen. Hier wer-
den zunächst möglichst kleinräumige raumbezogene Informationen zur Bevölkerungs- und Sozi-
alstruktur mit Blick auf die Lebenslagen junger Menschen und ihrer Familien gesammelt und sys-
tematisiert. Diese werden dann zu den bestehenden und zu planenden Angeboten der Jugendhilfe
in Beziehung gesetzt. Dies ist jedoch in den Zusammenhängen überörtlicher Planungstätigkeit
nur begrenzt möglich.
Dennoch scheint es geboten, zentrale Bezüge und Entwicklungen darzustellen und zu bewerten.
Ein bewährtes Instrument dafür ist der Sozialstrukturatlas des Landesjugendamtes für den Frei-
staat Sachsen. Hier werden zentrale Informationen zu soziodemografischen Entwicklungen ge-
sammelt und systematisiert dargestellt.
Mit Blick auf den 2018 erschienenen Sozialstrukturatlas des Landesjugendamtes soll an dieser
Stelle nochmals auf zwei zentrale Themenfelder der Bevölkerungs- und Sozialstruktur eingegan-
gen werden, die mittelbare Bezüge für zu erwartende Bedarfe haben können.
Ein erstes Themenfeld ist die Bevölkerungsentwicklung und ihre Auswirkungen auf die Zielgrup-
pen der Jugendhilfe im Bereich der §§ 11 - 14 SGB VIII und hier insbesondere auf die Arbeitsfelder
der Jugendarbeit und der Jugendverbandsarbeit.
Entwicklung der Gesamtbevölkerung und der Altersgruppen der 0- bis 27jährigen
im Freistaat Sachsen 2016 bis 2030
Bild 41: Entwicklung der Gesamtbevölkerung und der Altersgruppen der 0- bis 27jährigen im Freistaat Sachsen 2016 bis 2030;
Quelle: Sächsisches Landesamt für Statistik 2018, Bevölkerungsprognose 2015
13
SMS (2019): 5. Sächsischer Kinder- und Jugendbericht
14
Koalitionsvertrag 2019 – 2024 Gemeinsam für Sachsen

| 65
Die Altersgruppe der 0- bis 27jährigen stellt einen vergleichsweise schwach vertretenen Anteil an
der Bevölkerung im Freistaat Sachsen dar. Er betrug zum 31.12.2018 insgesamt 22,6%. Dies liegt
insgesamt leicht unter dem Niveau von 2012 (22,9%). Im Bundesvergleich der 0- bis 27jährigen
liegt der Freistaat Sachsen unter dem Bundesdurchschnitt von 26,7%
Voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen 2018 bis 2030
nach Altersgruppen und Kreisen (Zunahme bzw. Abnahme gegenüber 2018 in Prozent)
Bild 42: Voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen 2018 bis 2030 nach Altersgruppen und Kreisen (Zunahme
bzw. Abnahme gegenüber 2018 in Prozent); Quelle: Sächsisches Landesamt für Statistik 2018, Bevölkerungsprognose 2018
-40,0
-30,0
-20,0
-10,0
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
Chemnitz-Stadt
Erzgebirgskreis
Mittelsachsen
Vogtlandkreis
Zwickau
Dresden Stadt
Bautzen
Görlitz
Meißen
Sächs. Schweiz-Osterzgeb.
Leipzig-Stadt
Leipzig
Nordsachsen
Sachsen
unter 6
6 bis unter 10
10 bis unter 17
17 bis unter 19
19 bis unter 25

image
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
66 |
Die demografische Entwicklung in den Altersgruppen der jungen Menschen war in den vergange-
nen Jahren von einem dramatischen Rückgang mit hoher Dynamik geprägt, der sich auf die Be-
darfslagen aller Leistungsbereiche der Kinder- und Jugendhilfe ausgewirkt hat.
Hier lassen sich inzwischen - für den Freistaat insgesamt - leicht positive Verläufe nachzeichnen
und auch prognostizieren. Die Gesamtheit der Anzahl der jungen Menschen wird bis 2025 leicht
ansteigen und sich damit gegenläufig zur Gesamtbevölkerung entwickeln. Grund dafür sind Zu-
wanderungen und eine anhaltend stabile Geburtenentwicklung.
Ab 2025 beschreibt die 7. Regionalisierte Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen je-
doch einen Bevölkerungsrückgang in der Altersgruppe der jungen Menschen, der durch einen
zunehmenden Rückgang der Geburten und damit folgend durch abnehmende jüngere Altersko-
horten geprägt ist. Grund dafür sind die perspektivisch fehlenden Elterngenerationen in Folge des
Geburteneinbruches in den 90er Jahren. Bis 2030 lassen sich in den Altersgruppen bis 10 Jahren
erhebliche Rückgänge, in den Altersgruppen darüber Zuwächse beobachten.
Diese beschriebene Entwicklung ist für Sachsen insgesamt nachzuzeichnen, gestaltet sich regio-
nal aber unterschiedlich. Insbesondere in den Landkreisen mit vergleichsweise geringer Bevölke-
rungsdichte ergeben sich hier höhere Rückgange in den jüngeren Altersbereichen bzw. geringere
Steigerungen in den älteren Altersgruppen.
Insgesamt lässt sich einschätzen, dass sich die potenziellen Zielgruppen der Kinder- und Jugend-
arbeit im Planungszeitraum 2021 - 2025 vergrößern wird. Die höchsten Steigerungen sind für
urbane Verdichtungsgebiete zu erwarten.
Die Auswirkungen für den überörtlichen Planungsbereich ergeben sich mittelbar aus der Entwick-
lung der örtlichen Angebotsstruktur und deren Beratungsbedarf sowie der im Feld beschäftigten
Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe und deren Ressourcen für die Nutzung von Bildungsan-
geboten.
Ein zweites Themenfeld bezieht sich auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen unter
dem Aspekt ihrer sozialen Lebensbedingungen. Hier konstatierte bereits der Planungsbericht
2014, dass das Aufwachsen eines substantiellen Anteils von Kindern und Jugendlichen in ihren
Familien von eingeschränkten Ressourcen geprägt ist.
Über bevölkerungs- und sozialstrukturelle Merkmale lassen sich aus Sicht der Jugendhilfe Ten-
denzen beschreiben, die zu Belastungen bei der Lebensgestaltung von jungen Menschen und
ihren Familien führen können. Dies geschieht einerseits, da die verfügbare Datenlage aktueller ist
und andererseits, da sich die folgende Betrachtung fachlicher Entwicklung tendenziell auf diese
dargestellten Themenfelder beziehen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Aufwachsen von
Kindern und Jugendlichen in überwiegender Zahl positiv verläuft und von einer Vielzahl von ver-
schiedenen Faktoren abhängig ist.
Entwicklung der Anzahl der Bedarfsgemeinschaften im Freistaat Sachsen 2012 bis 2016
Bild 43: Entwicklung der Anzahl der Bedarfsgemeinschaften im Freistaat Sachsen 2012 bis 2016, Quelle: Statistik Bundesagentur für
Arbeit 2018
Auch im Sozialstrukturatlas des Landesjugendamtes 2018
15
werden diesbezügliche Aussagen
getroffen. Die Ausprägung und Entwicklung zentraler Aspekte zur Sozialstruktur lassen auf die
Gefahr einer erhöhten sozialstrukturellen Belastung für Haushalte und Familien im Freistaat Sach-
sen schließen. Familien mit Kindern sind von dieser Entwicklung überdurchschnittlich betroffen.
15
SMS-Landesjugendamt (2018): Sozialstrukturatlas des Landesjugendamtes für den Freistaat Sachsen 2018

 
| 67
Die Entwicklung der Gefahr einer erhöhten sozialstrukturellen Belastung lässt sich schlaglichtartig
über die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften im Sinne des SGB II sowie dem Anteil der Bedarfs-
gemeinschaften mit Kindern beschreiben. So wird das tendenzielle Risiko für Familien dargestellt,
ihre Lebensgestaltung unter hohen ökonomischen Zwängen wahrnehmen zu müssen.
Im Freistaat Sachsen gab es 2016 etwa 2,1 Mill. Haushalte. Davon waren 200.690 Haushalte
Bedarfsgemeinschaften nach SGB II. In 57.991 Bedarfsgemeinschaften lebten Kinder unter 18
Jahren. 2012 hatten die Werte noch bei 247.276 Bedarfsgemeinschaften sowie 69.053 Bedarfs-
gemeinschaften mit Kindern gelegen. Es ist also eine rückläufige Entwicklung zu beobachten.
Dennoch lässt sich konstatieren, dass 2016 im Freistaat Sachsen ca. 9% aller Familien mit min-
derjährigen Kindern Bedarfsgemeinschaften im Sinne des SGB II waren.
Die Gefahr des Aufwachsens unter einer erhöhten sozialstrukturellen Belastung ist in unmittelba-
rem Zusammenhang mit Bildungs- und Teilhabechancen zu sehen. Mit Blick auf den Planungs-
bereich der §§ 11-14 SGB VIII ergibt sich für die Bildungsakteure bei überörtlichen Jugendver-
bänden, Dachorganisationen und Fachstellen, diese Entwicklung wahrzunehmen, fachlich zu re-
flektieren und die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen durch ihr Wirken
zu beeinflussen und zu erhöhen.
7.2 Lebensverhältnisse und Sozialisationsbedingungen junger Menschen
Junge Menschen und deren Familienangehörige in Deutschland wachsen in einem gesellschaft-
lichen Gefüge auf, das gesellschaftlichen und medial geprägten Wandlungsprozessen unterwor-
fen ist. Dabei ist für die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen die Familie nach wie vor der zentrale
Ort des Aufwachsens und ihre primäre soziale Umwelt.
Familienstrukturen und Lebensformen haben sich allerdings in den letzten Jahren geändert. Den-
noch verliert die klassische Kleinfamilie, in der biologische und soziale Elternschaft zusammenfal-
len, an Bedeutung. Zunehmend treten andere Familienformen an ihre Stelle, wie auf Dauer ange-
legte nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern, Einelternfamilien oder Stieffamilien. Zu-
dem verlagern sich Erziehungs- und Sozialisationsleistungen zunehmend aus dem Bereich der
Kernfamilie heraus. Durch öffentliche Sozialisations- und Bildungsinstanzen übernehmen auch
außerfamiliäre Bezugspersonen wichtige Bildungs- und Erziehungsaufgaben. Auch die Nutzung
der Medien hat deutlich an Einfluss gewonnen.
Die 18. Shell Jugendstudie
16
attestiert Jugendlichen eine pragmatische Grundorientierung bei der
Bewältigung ihres Alltages. Es gibt eine breit ausgeprägte Bereitschaft, sich an Leistungsnormen
zu orientieren sowie den Wunsch nach stabilen sozialen Beziehungen im persönlichen Nahbe-
reich.
Dabei werden eigene Situation, aktuelle Lebensbedingungen sowie Entwicklungschancen wie in
den vergangenen Jahren mehrheitlich positiv eingeschätzt. Zudem legen viele Jugendliche den
Fokus auf eine deutlich bewusstere Lebensführung und artikulieren ihre Vorstellungen und Erwar-
tungen an eine nachhaltige Gestaltung von Umwelt und Gesellschaft.
Auch bei der Angabe von individuellen Problemlagen stehen die wirtschaftliche Lage, steigende
Armut sowie individuelle Angst vor sozialen Beeinträchtigungen nicht mehr im Vordergrund. Hier
werden in hohem Maße Umweltverschmutzung, Angst vor Terroranschlägen sowie der Klimawan-
del benannt.
Zudem lassen sich folgende Schwerpunkte aus der Shell-Jugendstudie 2019 benennen, die sich
auf die Lebensverhältnisse und Sozialisationsbedingungen in Sachsen übertragen lassen:
Das politische Interesse von Jugendlichen hat sich im Jahr 2019 auf niedrigem Niveau weiter
stabilisiert. Diese Haltung ist von einem starken Bildungsgefälle hin zu hohen (beabsichtigten)
Bildungsabschlüssen geprägt.
Die Mehrheit der Jugendlichen informiert sich zu politischen und gesellschaftlichen Themen in-
zwischen online, wobei den klassischen Medien(vertretern) das größte Vertrauen entgegenge-
bracht wird.
16
Mathias Albert u.a. (2019): Jugend 2019 – 18. Shell Jugendstudie

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
68 |
Als gesellschaftspolitische Themen rücken Umweltverschmutzung und der Klimawandel in den
Fokus verbunden mit erhöhtem Engagement sowie Erwartungen an die politische Zukunftsgestal-
tung.
Zudem äußern Jugendliche vermehrt Angst vor einer wachsenden Feindlichkeit zwischen Men-
schen, die unterschiedlicher Meinung sind. Dieser Aspekt, der auf eine mögliche Polarisierung der
Gesellschaft hindeutet, macht jungen Menschen mehr Sorge als etwa wirtschaftliche und soziale
Probleme.
Deutlich wird jedoch auch die Neigung einiger Jugendlicher zu populistischen Positionen. Dabei
wird grundsätzliche Kritik am sogenannten Establishment in Politik und Gesellschaft geübt, was
darauf hindeutet, dass sich viele dieser Heranwachsenden generell nicht hinreichend gefragt und
einbezogen fühlen.
Dennoch konstatiert die 18. Shell Jugendstudie keine Entwicklung von unüberbrückbaren Polari-
sierungen oder Spaltungen in den Einstellungen von Jugendlichen. Dies ist insoweit bemerkens-
wert, da in den Altersgruppen der jungen Menschen weiterhin herkunftsbedingte sowie bildungs-
biographische soziale Unterschiede klar erkennbar sind und die durch den auch anhaltenden un-
gleichen Bildungserfolg bestehen bleiben.
In diesem Zusammenhang erscheint es aus Sicht der Sächsischen Staatsregierung auch weiter-
hin als eine bedeutende Aufgabe, ein höchstmögliches Maß an Chancengleichheit im Zugang und
der Nutzung von Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten sicherzustellen. Hierbei müssen gesell-
schaftliche und staatliche Institutionen in Erfüllung ihres Bildungsauftrages zusammenarbeiten.
Daraus lässt sich folglich ein besonderer Arbeitsauftrag für die Jugendhilfe ableiten, da Bildung
als wichtiges Instrument bei der Entwicklung des Individuums zu einer eigenverantwortlichen Per-
sönlichkeit im
Sinne des § 1 SGB VIII angesehen werden muss. Auf die zu beplanenden Leis-
tungsbereiche bezogen bedeutet dies, den in § 11 SGB VIII (außerschulische Jugendarbeit), § 72
SGB VIII (Fachkräftegebot) und § 74 SGB VIII (Mitarbeiter/-innenfortbildung) verorteten Bildungs-
auftrag verstärkt in die Öffentlichkeit zu tragen und sich zwischen formeller und nichtformeller bzw.
informeller Bildung weiter zu etablieren, um stärker in den gesellschaftlichen Kontext eingebunden
zu werden.
Hierbei kommt den landesweiten Trägern der Jugendarbeit in ihrer Multiplikatorenfunktion eine
besondere Bedeutung zu. Zentrales Anliegen muss es sein, die vorhandene Qualität der Bildungs-
arbeit über eine kontinuierliche Qualifizierung der Fachkräfte weiterzuentwickeln.
7.3 Fachliche Entwicklung
7.3.1 Fachliche Entwicklungen in den Arbeitsfeldern
Kinder- und Jugendarbeit
Entsprechend § 11 Abs. 1 SGB VIII sind jungen Menschen die zur Förderung ihrer Entwicklung
erforderlichen Angebote der Jugendarbeit bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Diese Ange-
bote orientieren sich an den Interessen der Jugendlichen und sollen diese zur Selbstbestimmung,
zur gesellschaftlichen Mitverantwortung und sozialem Engagement befähigen. Ferner zielen sie
auf ein chancengerechtes Aufwachsen und die Stärkung der Identität von Kindern und Jugendli-
chen. Dabei konzentriert sich Jugendarbeit vorrangig auf den Freizeitbereich und richtet ihre An-
gebote an alle jungen Menschen gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 4 in Verbindung mit § 11 Abs. 4 SGB VIII.
Flächendeckende und breit geförderte Jugendarbeit trägt zu einer Verbesserung der Lebenssitu-
ation von Kindern und Jugendlichen bei. Sie stellt einen Bezug zu jugendlichen Lebenswelten her
und bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich in vielfältigen Formen mit Rollenbildern, Werten,
Normen, Strukturen, Lebensstilen, Ereignissen etc. auseinanderzusetzen. Ein wesentlicher Fokus
liegt zudem auf Mitgestaltungsmöglichkeiten und ernstgemeinter Beteiligung. Kinder- und Jugend-
arbeit leistet damit einen spezifischen und zugleich unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen.
Einem weiten Kulturbegriff und den Bedürfnissen Jugendlicher folgend, leistet Jugendarbeit einen
wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Bildung. Jugendarbeit muss als basiskulturelles Grund-
angebot im Sinne einer gesellschaftlich grundlegend notwendigen Infrastruktur verstanden und
gefestigt werden, um ihr sozialintegratives Potential entfalten zu können.

image
| 69
Gleichwohl die Jugendarbeit als ein Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe seit jeher als not-
wendiges infrastrukturelles Element verstanden werden muss, ist sie nach wie vor von strukturel-
len Veränderungen und von einem erhöhten Finanzierungs- und Legitimationsdruck geprägt. In
einer Beschreibung der „Situation der Jugendarbeit gemäß § 11 SGB VIII im Freistaat Sachsen“
17
hat das Sächsische Landesjugendamt 2018 zentrale Entwicklungen zur Kinder- und Jugendarbeit
nachgezeichnet.
Das Arbeitsfeld ist zunächst von einem Rückgang der Angebote und der im Arbeitsfeld tätigen
Personen betroffen. Die Anzahl der Jugendzentren, Jugendfreizeitheime und Häuser der offenen
Tür mit hauptamtlichem Personal ist seit 2006 rückläufig (von 620 auf 430). Auch die Jugend-
räume/Jugendheime ohne hauptamtliches Personal sind in ihrer Anzahl zwischen 2006 und 2016
rückläufig (von 614 auf 550). Die Anzahl der tätigen Personen in den ausgewählten Feldern hat
sich zwischen 2002 und 2016 nahezu halbiert (von 2.158 auf 1.188). Der größte Anteil entfällt
dabei auf Jugendzentren, Jugendfreizeitheime und Häuser der offenen Tür (von 1.848 auf 961).
Die demografische Entwicklung hat auf das Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit unmit-
telbare Auswirkungen in Bezug auf die Größe und die Verteilung der Zielgruppen. Die Entwicklung
verläuft regional unterschiedlich und weist eine hohe Stadt-Land-Disparität auf.
Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit sowie tätige Personen in ausgewählten
Feldern im Freistaat Sachsen 2002 – 2016
Bild 44: Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit sowie tätige Personen in ausgewählten Feldern im Freistaat Sachsen 2002 -
2016, Kinder- und Jugendhilfestatistik Teil III.2 – Einrichtungen und tätige Personen, Sächsisches Landesamt für Statistik 2018
In der benannten Situationsbeschreibung wird seitens der Jugendämter auf die strukturelle Ebene
blickend mehrheitlich konstatiert, dass „[...] beständige, verlässliche und verbindliche Rahmenbe-
dingungen (z.B. Finanzen, Personal, Räume) förderlich für eine erfolgreiche Jugendarbeit sind.
Gerade in ländlichen Räumen werden Mobilität sowie entsprechende zeitliche Ressourcen bei
den Adressaten als auch bei den Fachkräften als Grundvoraussetzungen definiert.“
18
Der zu beobachtende strukturelle Wandel der Kinder- und Jugendarbeit wir jedoch nicht nur durch
die Ressourcen und die allgemeine Legitimationsdebatte geprägt. Auch ein verändertes Nut-
zungsverhalten der Zielgruppen, die Herausforderung der Nutzung digitaler Räume und Angebote
sowie ein zunehmend spürbarer Fachkräftemangel prägen die Situation und die Entwicklungen
im Arbeitsfeld.
17
SMS-LJA (2018): Situation der Jugendarbeit gemäß § 11 SGB VIII im Freistaat Sachsen
18
vgl. a.a.O. S.21

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
70 |
Aus diesen nachgezeichneten Entwicklungen ergeben sich mittelbare Auswirkungen auf den
überörtlichen Planungsbereich. Diese sind:
eine Verringerung der Zielgruppe von Fortbildungs- und Beratungsangeboten,
verringerte Zeitbudgets der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch zunehmend
veränderte fachliche-inhaltliche und strukturelle Anforderungen an die Beschäftigten.
Hier hat die überörtliche Jugendhilfeplanung die sich abzeichnenden Entwicklungen dahingehend
berücksichtigt, dass eine Flexibilisierung von Bildungsangeboten im Zusammenhang mit Bera-
tungs- und Unterstützungsleistungen in die Planung aufgenommen wurde. Durch die überörtlichen
Bildungs- und Beratungsangebote ergeben sich nachhaltige Effekte für die Arbeit auf der örtlichen
Ebene. Dabei nehmen die überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen
die veränderten Rahmenbedingungen und fachlichen Entwicklungen wahr und gestalten auf die-
ser Basis ihre Bildungs- und Beratungsangebote.
Die Themen der formellen Bildungsformate „Außerschulische Jugendbildung“ sowie „Mitarbeiter-
und Multiplikatorenfortbildung“ orientieren sich thematisch an den Bildungszielen der Jugendhil-
feplanung. Gleichwohl ist erkennbar, dass insbesondere Beratungsleistungen gegenüber Mit-
gliedsorganisationen zunehmen. Diese orientieren sich an den Bedarfen der Mitgliedsorganisati-
onen und stehen häufig im Kontext mit den strukturellen Veränderungen des Arbeitsbereiches.
Mit der Aufnahme der Kinder- und Jugenderholung in den Koalitionsvertrag 2019 - 2024
19
ist auch
die überörtliche Jugendhilfeplanung gefordert, Angebote im Sinne des Bedarfs 2021 - 2025 zu
thematisieren. Hier sollen die Kinder- und Jugenderholung sowie der internationale Jugendaus-
tausch gestärkt und deren kommunale und überörtliche Förderung erleichtert werden.
Die Angebote und Möglichkeiten für die Gestaltung der Freizeit für Kinder und Jugendliche sind
in den letzten Jahren zumindest im urbanen Bereich deutlich gewachsen. Neben dem kommerzi-
ellen, privaten Freizeitmarkt konzentriert sich die Kinder- und Jugendarbeit (§ 11 SGB VIII) im
Kern auf den Freizeitbereich junger Menschen außerhalb von Schule, Beruf und Familie. In die-
sem Bereich wird der sozialpädagogische Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe unter anderem
auch mit der Freizeitbetreuung verbunden. Die Kinder- und Jugenderholung bildet dabei einen
Ansatzpunkt im Kanon der Handlungsfelder der Kinder- und Jugendarbeit und ist geeignet, Kinder
und Jugendliche aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten anzusprechen und damit
eine soziale Durchmischung der Zielgruppe zu erreichen.
Dies gilt unter anderem auch im Kontext folgender Herausforderungen:
der inklusiven Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe,
der Ermöglichung interkultureller Erfahrungen,
der Gestaltung niederschwelliger Zugänge unter Berücksichtigung entsprechender Erfahrun-
gen.
Nicht zuletzt bieten Angebote des in Rede stehenden Bereiches einen altersgemäßen Erfahrungs-
raum zum Erlernen sozialer Verantwortung. Vor diesem Hintergrund soll aus Sicht des überörtli-
chen Planungsträgers die Kinder- und Jugenderholung innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit,
als thematisches Angebot im überörtlichen Kontext, mehr Gewicht erhalten.
Jugendverbandsarbeit
Die Jugendverbandsarbeit basiert auf Freiwilligkeit, Selbstorganisation und ehrenamtlichem En-
gagement. Sie leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zur gesellschaftlichen Gestaltung und
Weiterentwicklung. Durch aktives Agieren von Jugendlichen in Thematik und Verantwortung hebt
sich die Jugendverbandsarbeit von der reinen Freizeitbeschäftigung ab. Sie ist Orientierungshilfe
im Alltagskontext von Kindern und Jugendlichen und setzt in ihrer Bildungsarbeit den Schwerpunkt
auf die Förderung des reflexiven Denkens, auf Wertebildung, auf die Einübung von diskursiven
und konkreten Handlungsfähigkeiten sowie auf konstruktive demokratische Auseinandersetzung.
Jugendverbandsarbeit trägt somit zur gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen
bei.
Im Freistaat Sachsen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Dachverbände mit verschiedenen
Wertekontexten, die auf überörtlicher Ebene agieren. Deren Bedeutung wurde unter anderem im
19
Koalitionsvertrag Sachsen 2019-2024, S. 98

| 71
Zuge der Koalitionsbildung 2019 in die politische Programmatik des Koalitionsvertrages aufge-
nommen.
20
Hier wird der hohe Stellenwert des Arbeitsfeldes betont und eine weitere Stärkung
beabsichtigt.
Die Jugendverbandsarbeit ist als besonderes Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit ebenso
von den beschriebenen sozialstrukturellen Rahmenbedingungen betroffen. Die demografischen,
fachlichen und strukturellen Entwicklungen haben Auswirkungen auf die Ressourcen der Ver-
bände sowie deren Mitgliederanzahl bzw. den Grad der Neugewinnung von Mitgliedern, was mit-
telbar auch Einfluss auf die Verfasstheit der Verbände haben wird.
Aus überörtlicher Sicht ist einzuschätzen, dass in der Ausgestaltung der Planung eine umfangrei-
che Landschaft an Dachverbänden in einer möglichst breiten Wertevielfalt aufgenommen wurde.
Auch i
m
Bereich der Jugendverbandsarbeit lässt sich ein Wissenstransfer auf die örtliche Ebene
und eine effektive Unterstützung der örtlichen Jugendverbände und Initiativen durch Bildungs-
und Beratungsleistungen nachzeichnen. Für das Arbeitsfeld ist festzustellen, dass sich die The-
men der formellen Bildungsformate „Außerschulische Jugendbildung“ sowie „Mitarbeiter- und Mul-
tiplikatorenfortbildung“ inhaltlich an den Bildungszielen der Jugendhilfeplanung orientieren.
Gleichwohl ist auch hier erkennbar, dass insbesondere Beratungsleistungen gegenüber Mitglieds-
organisationen zunehmen. Diese orientieren sich an den Bedarfen der Mitgliedsorganisationen
und stehen häufig im Kontext mit den strukturellen Veränderungen des Arbeitsbereiches.
Jugendsozialarbeit
Das Arbeitsfeld der Jugendsozialarbeit wendet sich nicht an alle Kinder und Jugendlichen gleich-
ermaßen. Sie konzentriert sich ganz bewusst auf sozial benachteiligte und individuell beeinträch-
tigte junge Menschen. Als einschlägige Handlungsfelder lassen sich schwerpunktmäßig die Ar-
beitsweltbezogene Jugendsozialarbeit gem. § 13 Abs. 1 und 2 SGB VIII sowie die Schulsozialar-
beit bezeichnen. Die Zielgruppen für diese Handlungsfelder sind trotz der beschriebenen demo-
grafischen Effekte und der erhöhten Schülerzahlen in den letzten Jahren relativ stabil geblieben.
Im Handlungsfeld der Arbeitsweltbezogenen Jugendarbeit hat es bezogen auf die Angebote und
die personelle Ausstattung in den letzten Jahren eine stabile Entwicklung gegeben. Eine umfas-
sende ESF-Förderung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten in Orientierung an § 13
Abs. 2 SGB VIII sicherte und sichert landesweit bedarfsdeckende Strukturen ab.
Fachlich ergeben sich für die Träger und Mitarbeiter/-innen entsprechender Angebote zunehmend
höhere Herausforderungen durch:
schwierigere Zielgruppen mit vergleichsweise hohen sozialen Belastungen von Familien und
jungen Menschen in so genannten Multiproblemlagen,
erschwerte berufliche Eingliederung durch Schulvermeidungsverhalten, Schulabgang ohne
Abschluss oder fehlende Ausbildungseignung,
fehlende geeignete Förderangebote der Arbeitsverwaltungen.
Im Handlungsfeld der Schulsozialarbeit kam es durch das Landesprogramm des Freistaates
Sachsen und der damit verbundenen Förderung zu einem erheblichen Ausbau des Personals und
der Projekte. Dieses war auch mit der Aufnahme von Schulsozialarbeit als vorzuhaltendem Ange-
bot der Jugendhilfe im Sächsischen Schulgesetz
21
verbunden und ist für staatliche Oberschulen
verpflichtend. Insofern stehen auch weiterhin die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule,
und hier insbesondere die Schulsozialarbeit - als eine der intensivsten Kooperationsformen beider
Systeme - im Zentrum der Aufmerksamkeit.
Auch in den vergangenen Jahren haben die überörtlichen Träger die Jugendämter und die Träger
von Projekten der Jugendsozialarbeit konzeptionell und fachlich unterstützt und
qualitativ sowie
quantitativ gute Programme an Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung umgesetzt.
Mit Bezug auf die aktuellen Entwicklungen:
eine
zunehmende Anzahl von Projekten und Fachkräften,
einem weiterhin hohen Bedarf an Angeboten der Jugendsozialarbeit,
sowie die fachlichen
Herausforderungen ausgehend von den schwierigeren Zielgruppen
20
Koalitionsvertrag Sachsen 2019-2024, S. 99
21
vgl. Sächsisches Schulgesetz (SächsSchulG) § 1 Abs. 4

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
72 |
ist auch in den folgenden Jahren ein höherer Bedarf an Fachberatung, Prozessbegleitung sowie
Fortbildung zu erwarten.
Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
Das Arbeitsfeld des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes lässt sich mit Blick auf die unter-
schiedlichen Risiko- und Gefährdungslagen, mit denen junge Menschen in ihrem Entwicklungs-
prozess konfrontiert sind, auch weiterhin als Handlungsfeld mit besonderem Entwicklungsbedarf
in struktureller, konzeptioneller und fachlicher Hinsicht bezeichnen. Dabei gilt es, den Erzieheri-
schen Kinder- und Jugendschutz als zunehmende Querschnittsaufgabe für alle Leistungserbrin-
ger im überörtlichen Bereich wahrzunehmen.
In den vergangenen Planungszeiträumen konnte eine Stärkung des dezidierten Arbeitsfeldes
durch den Ausbau der strukturell-personellen Basis des Kinder- und Jugendschutzes in der Tä-
tigkeit überörtlicher freier Träger erreicht werden. Schwerpunkt war die angezeigte
Weiterent-
wicklung medienpädagogischer bzw. medienerzieherischer Bildungsangebote
verbunden
mit einer Erweiterung des entsprechenden Rahmenbedarfs.
Der Beratungs- und Bildungsbedarfs öffentlicher und freier Träger der Jugendhilfe wird aufgrund
der gleichbleibenden Situation im Arbeitsfeld auf der örtlichen Ebene als gleichbleibend hoch ein-
geschätzt. In den örtlicheren Strukturen des Kinder- und Jugendschutzes stehen trotz einer Breite
an inhaltlichen Themenschwerpunkten sehr begrenzte Personalressourcen zur Verfügung.
Gleichzeitig wachsen die Herausforderungen an das sozialpädagogische Handeln auch vor dem
Hintergrund einer stetig steigenden Medienkonvergenz der Mitarbeiter/-innen in der Kinder- und
Jugendhilfe.
Vor dem Hintergrund oben dargestellter inhaltlicher Themenstellungen und verbunden mit der
notwendigen Stärkung sozialpädagogischer Angebote des Kinder- und Jugendschutzes sowie
struktureller Probleme ist an dem in der aktuellen überörtlichen Jugendhilfeplanung festgestellten
Rahmenbedarf festzuhalten. Dies erscheint geboten, vor allem um in den Themenfeldern der
Suchtprävention und der Medienerziehung insbesondere mit dem Fokus auf den Bereich digitale
Kompetenzen von Fachkräften als auch Kindern und Jugendlichen kontinuierliche und differen-
zierte Angebote der Fortbildung, der Information und Beratung sowie fachlichen Begleitung der
örtlichen Ebene vorhalten zu können.
7.3.2 Übergreifende fachliche Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe
Kinder- und Jugendbeteiligung
Das Thema Beteiligung hat in den vergangenen Jahren in der Fachdebatte aber auch in der prak-
tischen Umsetzung eine stark positive Entwicklung erfahren. So konnten Beteiligungsrechte von
Kindern und Jugendlichen in der Sächsischen Gemeindeordnung (SächsGemO) sowie in der
Sächsischen Landkreisordnung (SächsLKrO) verankert werden. Die Thematik war Schwerpunkt
des Fünften Sächsischen Kinder- und Jugendberichtes 2018, wo unter dem Fokus der Entwick-
lung einer Eigenständigen Jugendpolitik Handlungserfordernisse an eine besser gelingende Kin-
der- und Jugendbeteiligung formuliert wurden. Zudem konnte eine Servicestelle zur Kinder- und
Jugendbeteiligung Sachsen etabliert werden.
Das Thema Kinder- und Jugendbeteiligung hat vor dem Hintergrund des Engagements von Kin-
dern und Jugendlichen im Rahmen der „Friday for future“-Bewegung und des Einforderns polit-
scher Resonanz nochmals an Aktualität gewonnen. In einer gesamtgesellschaftlichen Dimension
steht die Aufgabe, Beteiligung als Grundansinnen und Grundkategorie gesellschaftlichen Han-
delns zu begreifen und zu etablieren, um so eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts
zu erreichen. In der Kinder- und Jugendhilfe geht es darum, vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten
zu schaffen und zu erhalten. Zudem sollen (fach-)politische Entscheidungsprozesse sichtbar,
nachvollziehbar und transparent gemacht werden.
Es kann eingeschätzt werden, dass in den zukünftigen Planungsphasen weiterhin ein hoher Be-
ratungs- und Fortbildungsbedarf in diesem Bereich besteht.
Fachkräftebedarf
Im bundesweiten fachlichen Diskurs zur Fachkräftesituation wurde bereits seit 2011 ein Fachkräf-
teengpass in der Kinder- und Jugendhilfe beschrieben. Dieser hat sich in den letzten Jahren durch

| 73
die Fallzahlenentwicklung und die Überalterung des Personals noch verschärft. Diese Feststel-
lung gilt inzwischen gleichermaßen für die öffentlichen wie die freien Träger der Jugendhilfe.
22
Auch in der Reflexion zu Rückmeldungen aus der Praxis der örtlichen und überörtlichen Kinder-
und Jugendhilfe in Sachsen wird häufig ausgeführt, dass große Schwierigkeiten bestehen, geeig-
netes Fachpersonal für Angebote, Einrichtungen und Dienste der Kinder- und Jugendhilfe zu ge-
winnen und zu halten.
Es kann eingeschätzt werden, dass auch zukünftig in allen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugend-
hilfe ein Fachkräftemangel bestehen wird.
Für die überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen, aber auch ihre örtli-
chen Partner, wird es darum gehen müssen, attraktive Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) geht der Anspruch einher, die Menschen zu
zukunftsfähigem Denken und Handeln zu befähigen und es jedem Einzelnen zu ermöglichen, die
Auswirkungen des eigenen Tuns auf sich, das Umfeld und die Welt zu verstehen und verantwor-
tungsvoll Entscheidungen zu treffen. Im Jahr 2018 wurde die Sächsische Landesstrategie Bildung
für nachhaltige Entwicklung verabschiedet, mit dem Ansinnen, dass sich BNE in Sachsen zukünf-
tig stärker als konzeptioneller roter Faden durch die verschiedenen Bildungsbereiche ziehen soll.
Der Freistaat Sachsen greift damit das Weltaktionsprogramm 2015-2019 sowie den Nationalen
Aktionsplan der Bundesregierung 2017 auf und verankert diese auf Landesebene.
Die Bildung für nachhaltige Entwicklung verfolgt mit Blick auf einen ganzheitlichen Bildungsbegriff:
das Konzept des lebenslangen Lernens,
die Ausrichtung an nachhaltiger Entwicklung und der Mitgestaltung gesellschaftlicher Pro-
zesse
sowie die Bereitstellung von Ressourcen, Strukturen und Rahmenbedingungen, die BNE er-
möglichen und unterstützen.
Zudem soll die Strategie dazu beitragen, der Zusammenarbeit zwischen Akteurinnen und Akteu-
ren der BNE-LS und Handelnden aus den Bereichen Jugendarbeit, Kunst, Kultur, Politik und Me-
dien Rechnung zu tragen.
23
Die Bildungsprozesse der überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen
greifen als außerschulisches Bildungsangebot viele Facetten der BNE auf, insbesondere in Form
von formalen, nonformalen und informellen Settings von Bildung gem. § 11 Abs. 3 Nr. 1 SGB VIII.
Die eingehende Beschäftigung mit der Thematik beschreibt jedoch auch Handlungserfordernisse
für die Gestaltung von Bildungsprozessen, deren strukturelle Einbindung in zu entwickelnde Ge-
samtstrategien sowie der inhaltlichen Schwerpunktsetzungen.
Jugend und Jugendarbeit im ländlichen Raum
Ein Fünftel aller jungen Menschen wächst im ländlichen Raum auf. Der 15. Kinder- und Jugend-
bericht der Bundesregierung beschreibt ein differenziertes Bild der Alltagswelten und Herausfor-
derungen von Kindern und Jugendlichen und stellt fest: „Bedingungen des Aufwachsens und der
sozialen Teilhabe für junge Menschen unterscheiden sich z. T. deutlich zwischen Ost- und West-
deutschland, städtischen und ländlichen Räumen sowie ökonomisch starken und schwachen Re-
gionen. Dies betrifft zunächst die allgemeine Bedeutung von Jugend sowie den Anteil junger Men-
schen aus gesellschaftlichen Minoritäten“
24
.
Auch der 4. Sächsische Jugendbericht 2014
25
befasste sich mit der unterschiedlichen regionalen
Verteilung von jungen Menschen und ihrer Familien im Freistaat Sachsen mit besonderem Blick
auf den ländlichen Raum und deren Auswirkung auf die Gestaltung der sozialen Infrastruktur.
Dies betrifft insbesondere die Aufrechterhaltung und nachhaltige Ausgestaltung der Angebote der
Kinder- und Jugendarbeit in ländlichen Räumen als Grundvoraussetzung einer gelingenden So-
zialisation sowie als basiskulturelles Angebot in unmittelbaren Lebensbezügen. Hier wird es auch
22
SMS-LJA (2018): Situation zum Personalbedarf in den Hilfen zur Erziehung im Freistaat Sachsen
23
SMS (2019): 5. Sächsischer Kinder- und Jugendbericht – Stellungnahme der Staatsregierung, S.17
24
Deutscher Bundestag (2017): 15. Kinder- und Jugendbericht.
25
SMS (2014): 4. Sächsischer Jugendbericht 2014

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
74 |
zukünftig darum gehen, beispielhafte Ansätze, Konzepte und Ideen zu entwickeln und zu verfol-
gen, verbunden mit der Frage: Wie organisiert sich Jugendhilfe (insbesondere Jugendarbeit) in
ländlichen Strukturen der Daseinsvorsorge und wie werden zentrale Qualitätsmerkmale von An-
geboten (Erreichbarkeit, Öffnungszeiten, personelle Besetzung) sichergestellt.
Betont wird im Bericht dabei das Erfordernis einer notwendigen und gelingenden Vernetzung zwi-
schen der Jugendhilfe und anderer Sozialisationsinstanzen als tragfähige Struktur einer regional
geprägten Zusammenarbeit. Hierbei geht es auch um Vernetzungsstrategien, die besonders da-
rauf ausgerichtet sind, Auswirkungen der demografisch bedingten Veränderung der Bevölke-
rungsstruktur für Jugendliche und junge Erwachsene zu thematisieren und zu bearbeiten. Die
Ermöglichung von Teilhabe und das anwaltliche Einsetzen für die Bedürfnisse junger Menschen
kann besonders in ländlichen Räumen durch den Ansatz einer arbeitsfeldübergreifenden Ausrich-
tung geprägt sein (bspw. in Mehrgenerationenhäusern, Soziokulturellen Zentren, Jugendarbeit als
integraler Bestandteil von Gemeinwesenarbeit, etc.).
Es kann eingeschätzt werden, dass hier in allen einschlägigen Handlungsfeldern Beratungs-, Fort-
bildungs- und Entwicklungsbedarf existiert.
Schutz und Rechte von Kindern und Jugendlichen
Mit dem Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes zum 1. Januar 2012 wurden die Rahmen-
bedingungen für ein entwicklungsförderndes und schützendes Aufwachsen von Kindern und Ju-
gendlichen verbessert. Im Zuge einer umfassenden landesweit geführten Diskussion gab es zum
Schutz von Kindern und Jugendlichen
im Sinne der Zuständigkeiten und der Verfahrenssicher-
heit einen stark ansteigenden Beratungsbedarf.
Für zukünftige Beratungsbedarfe soll die Thematik des Schutzes von Kindern und Jugendlichen
als Bestandteil der Rechte von Kindern und Jugendlichen einen besonderen Fokus erhalten.
Die Orientierung an den Kinderrechten und die Umsetzung des Kinderrechtsansatzes sind zent-
rale Bausteine guter Qualität aller mit Kindern und für Kinder tätigen Fachkräfte und Organisatio-
nen.
Für das breite Feld der Handlungserfordernisse, die sich aus den Aufgabennormierungen des
BKiSchG ableiten lassen, gilt es auf überörtlicher Ebene adäquate Beratungsformate und -inhalte
weiterzuentwickeln, um die Durchsetzung von Rechten junger Menschen nachhaltig zu sichern.
Gleichberechtigte Teilhabe und Inklusion
Eine weitere Herausforderung für die nächsten Planungszeiträume ergibt sich aus den Anforde-
rungen in Bezug auf eine inklusive Ausgestaltung der Jugendhilfe. Versteht man Inklusion als
Querschnittsaufgabe sowie als Orientierung an den individuellen Bedürfnissen aller Kinder und
Jugendlichen, unabhängig von körperlichen und geistigen Einschränkungen, so gilt es auch hier
entsprechende Beratungssettings in überörtlicher Zuständigkeit vorzuhalten.
Teilhabe und Inklusion
hängt ab von strukturell-organisatorischen Bedingungen, gelebter Kultur
und geteilten Wertorientierungen sowie einer reflektierten Praxis. Dabei geht es um Bildungsge-
rechtigkeit, sozialstaatlicher Zuwendung und Partizipation als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Der Steigerung von Teilhabe und dem Abbau von Ausschlüssen aller Kinder und Jugendlichen an
Angeboten und in Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit ist in verstärktem Maße gerecht zu
werden.
Geschlechtergerechtigkeit
Gleichwohl das Thema
„Geschlechtergerechtigkeit“
und die damit einhergehende notwendige
Diskussion und Umsetzung hinsichtlich einer geschlechterreflektierenden sozialpädagogischen
Arbeit durch die entsprechenden Fachstellen in der sächsischen Jugendhilfelandschaft Fuß fas-
sen konnte, wird sie auch weiterhin ein Schwerpunktthema bleiben.
Migrationssensible Pädagogik
Im Jahr 2018 hatten im Freistaat Sachsen rund 15% der jungen Menschen einen familiären Mig-
rationshintergrund. Rund 7% der Kinder und Jugendlichen haben eigene Migrationserfahrung ge-
macht. Diese Werte liegen erheblich unter dem Bundesdurchschnitt (36,8% bzw. 9,9%). Sie be-

 
| 75
schreiben jedoch eine substantielle Zielgruppe der Kinder- und Jugendhilfe mit eigenen spezifi-
schen Bedarfen, die sich aus Flucht und Migrationskontexten ergeben. Entsprechende konzepti-
onelle und methodische Ansätze migrationssensibler Pädagogik sind mit der Aufnahme und Be-
treuung minderjähriger Asylsuchender verstärkt in den Fokus der sozialpädagogischen Arbeit
aber auch der Fachdiskussion getreten.
Aus fachlicher Sicht kann eingeschätzt werden, dass sich auch zukünftig Bedarfe für Fortbildung
und Beratung von Fachkräften ergeben werden. Deshalb sollte das Thema „Migrationssensible
Pädagogik“ zu einem neuen Schwerpunkt der überörtlichen Jugendhilfeplanung werden.
Interkulturelle Kompetenz
Innerhalb der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen gewinnt die Fähigkeit zum konstrukti-
ven Umgang mit kultureller Vielfalt und unterschiedlichen Wertehaltungen zunehmend an Bedeu-
tung. Das Thema
„Interkulturelle Kompetenz“
stellt dabei eine wesentliche Schlüsselkompe-
tenz dar. In den genannten Zusammenhängen gilt es weiterhin, auf der überörtlichen Ebene ent-
sprechende Fortbildungs- und Beratungsangebote für Träger der Jugendhilfe vorzuhalten.
Gesundes Aufwachsen
Gesundheit und Wohlergehen sind maßgeblich für das optimale Aufwachsen von jungen Men-
schen. Diese in ihrer Entwicklung zu unterstützen, ist eine zentrale Aufgabe der Kinder- und Ju-
gendhilfe. Vor diesem Hintergrund gewinnen in deren verschiedenen Arbeitsfeldern derzeit Ge-
sundheitsförderung und gesundheitsbezogene Prävention zunehmend an Bedeutung.
Obwohl der überwiegende Teil der Kinder und Jugendlichen gut ins Leben findet, darf nicht über-
sehen werden, dass die Anpassungsprozesse an veränderte Lebensumstände neue Belastungen
in Familie, Schule, Freizeit und öffentlichem Leben erzeugen und so körperliche und psychische
Kräfte von Kindern und Jugendlichen erheblich beanspruchen. Dabei sind die Aussichten auf ein
gesundes Aufwachsen umso besser, je höher der soziale Status eines jungen Menschen ist.
In der Kinder- und Jugendhilfe sind insbesondere Unterstützung- und Beteiligungsstrategien ge-
eignet, junge Menschen zu stärken und in ihrer Entwicklung zu fördern. Entsprechende Angebote
zur Aufklärung, Prävention und Gesundheitsförderung setzen im Alltag an, entfalten ihre Wirkung
in niedrigschwelligen, bedarfsorientierten sowie nachhaltig gestalteten Settings und setzen auf
eine Kooperation mit dem Gesundheitssektor.
Für den überörtlichen Planungsbereich gilt es, das Themenfeld Gesundheitsförderung und ge-
sundheitsbezogene Prävention verstärkt in den Blick zu nehmen. Im Hinblick auf den allgemeinen
präventiven Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe sind insbesondere die überörtlichen Leistungs-
anbieter gefordert, diesen Aspekt bei der Ausgestaltung ihrer Angebote einzubeziehen.
8 Fachlich-inhaltliche Rahmung – Bildung, Bildungsziele und inhaltliche
Arbeitsschwerpunkte
8.1 Bildung als Grundgedanke in der überörtlichen Jugendhilfe
In den bisherigen Planungsberichten der überörtlichen Jugendhilfeplanung im Freistaat Sachsen
wurde die Bildung als grundlegendes Ziel- und Arbeitsprinzip der Tätigkeit der landesweiten Dach-
organisationen, Jugendverbände und Fachstellen formuliert.
Der allgemeine Bildungsauftrag in der Kinder- und Jugendhilfe lässt sich ableiten:
aus dem § 1 Abs. 1 und 3 SGB VIII, dem allgemeinen Recht auf Erziehung und
den Aufgaben der Jugendhilfe zur Verwirklichung dieses Rechtes,
aus
dem § 72 SGB VIII in Form der Mitarbeiterfortbildung, die sich an die Fach-
kräfte wendet,
aus dem § 74 Abs. 6 SGB VIII in Bezug auf die Förderung der Fortbildung von
ehren-, neben- und hauptamtlichen
Mitarbeiter/-innen für freie Träger sowie
aus dem § 11 SGB VIII in Form der außerschulischen Jugendbildung, die sich
direkt an die Kinder und Jugendlichen wendet.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
76 |
Hier sind zudem ausdrücklich die Zielgruppen benannt, für die von öffentlichen und freien Trägern
gleichermaßen Bildungsangebote zu entwickeln sind. Insbesondere die Fortbildung bei freien Trä-
gern wurde im Rahmen der Fördergrundsätze gesetzlich festgelegt.
Zudem liegt der Entwicklung des grundsätzlichen überörtlichen Planungsverständnisses die
These zugrunde, dass durch überörtliche Bildungsangebote ein
Wissens- und Bildungstransfer
auf die örtliche Ebene zur Professionalisierung der Jugendhilfe erfolgt.
8.1.1 Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung und Beratung
Mit Blick auf den Bildungsansatz lassen sich Angebote zur Qualifizierung von Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern in der Kinder- und Jugendhilfe in grundsätzlich zwei unterschiedliche Formen
fassen. Das ist zum einen die
Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung
als weit gefasster
Überbegriff für institutionalisierte Bildungsangebote wie Seminare, Kurse oder Tagungen. Zum
anderen lassen sich weniger institutionalisierte Bildungs- und Informationsangebote unter dem
Oberbegriff
Beratung
als Organisationsberatung, Konzeptberatung, Supervision, Coaching und
anderen Beratungsformen zusammenfassen.
Die Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung zielt zunächst auf die Vermittlung von Fachkompe-
tenzen und Handlungswissen in verschiedenen Handlungsfeldern der sozialen Arbeit ab.
Zum Bildungsprozess gehört aber auch die Befähigung der Fachkräfte, ihr berufliches Handeln
bestimmende Entwicklungen zu reflektieren und auf diese entsprechend Einfluss zu nehmen. Die
Fortbildung in der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt damit die Vermittlung zentraler fachlicher
und sozialer Kompetenzen von Fachkräften. So wird einerseits eine Weiterentwicklung von Bil-
dungsprozessen selbst und andererseits der Bildungstransfer in die Handlungsfelder der sozialen
Arbeit ermöglicht. Die Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung entfaltet ihre Wirkung aber nicht
nur unmittelbar auf die Fachkräfte in der Jugendhilfe und mittelbar auf die Arbeit mit den betroffe-
nen Zielgruppen, sondern auch auf Entscheidungs- und Planungsprozesse im fachpolitischen
Kontext. Während bei Maßnahmen der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung i.S.v. formaler
Wissensvermittlung für Bildungsreferenten/-innen Aspekte wie:
die organisatorischen und konzeptionellen Vorplanungen sowie Nachbereitungen,
die komplette eigenverantwortliche Durchführung ggf. ergänzt durch Honorarkräfte bzw. die
komplette Fremdbeauftragung zur Durchführung eines bestimmten Konzeptes,
der Einfluss des Veranstaltungskonzepts sowie der Veranstaltungsart einschließlich stark va-
riierender Teilnehmerzahlen auf die quantitativen und qualitativen Aufwendungen
eine Rolle spielen, wirken bei der Beratung andere Mechanismen in der Ausführung.
Beratungen
sind prozesshaft und offen gestaltete Angebote:
die den fachlichen-organisatorischen objektiven Kontext betreffen,
die subjektive Erfahrungen und individuelle Ressourcen einbeziehen,
die eine konkrete Situation, bezogen auf einen speziellen Aspekt (sozialräumlich und projekt-
bezogen) und mit einer eingegrenzten Zielgruppe individuell bearbeiten.
Da Beratung in der Regel anlassbezogen stattfindet und auf den Einzelfall abstellt, kann eine
zeitliche Relevanz nur in Form von Bildungseinheiten, die dafür zur Verfügung stehen (sollen),
ausgedrückt und entsprechend geplant werden.
Im Sinne dieses Bildungsansatzes lassen sich Beratungsprozesse, soweit sie inhaltlich wie fach-
lich abgrenzbar bleiben, als initiierte Bildungsangebote sehen, die den wachsenden Ansprüchen
an die soziale Arbeit und den damit verbundenen steigenden individuellen Herausforderungen
Rechnung tragen.
Die in diesen Formen bisher auf überörtlicher Ebene erbrachten Bildungsmaßnahmen sind in die-
sem Zusammenhang ein Ausdruck dafür, welche jugendpolitische Bedeutung Bildungsprozessen
in der Kinder- und Jugendhilfe beigemessen wurde und auch zukünftig beigemessen werden
muss. Die örtliche Kinder- und Jugendhilfe profitiert dabei von der Bündelung entsprechender
Angebote auf überörtlicher Ebene. Hierdurch wird durch eine entsprechende Kontinuität eine hohe
Qualität im Rahmen der fachlich-inhaltlichen Unterstützung sichergestellt und der für eine Weiter-
entwicklung der Jugendhilfe notwendige Fachaustausch gefördert.

 
| 77
8.1.2 Außerschulische Jugendbildung
Im § 11 SGB VIII wird der Kinder- und Jugendarbeit ein eigenständiger Bildungsauftrag zugewie-
sen. Dieser wird in nichtformellen Bildungsprozessen auf der Basis freiwilliger Teilnahme sowie in
informellen Bildungsbezügen in alltäglichen Lebenszusammenhängen umgesetzt.
Die Außerschulische Jugendbildung spricht damit Kinder und Jugendliche direkt an und will un-
abhängig von der sozialen Stellung Kinder und Jugendliche in verschiedenen Lebenssituationen
erreichen.
Obwohl meist in einem Zug genannt, gilt es zwischen Angeboten im Rahmen von Jugendarbeit
und von Jugendverbandsarbeit zu unterscheiden. Insbesondere hinsichtlich ihrer Zielstellung und
in Abgrenzung zwischen örtlichen und überörtlichen Angeboten sollte die strukturelle Anbindung
differenzierter betrachtet werden.
Die Wirkung außerschulischer Jugendbildung in der Jugendverbandsarbeit entfaltet sich über Mit-
gliederstrukturen. Ihre Angebote werden in erster Linie aus dem Selbstverständnis der Verbände
heraus entwickelt, stehen jedoch auch anderen Jugendlichen offen. Dem gegenüber wenden sich
Angebote außerschulischer Jugendbildung in der Jugendarbeit, unabhängig von verbindlichen
Strukturen, als grundsätzlich offenes Angebot an alle jungen Menschen.
Maßgeblich für die Ansiedlung von Angeboten der außerschulischen Jugendbildung sind die Le-
bensbezüge junger Menschen. Diese liegen insbesondere in den unmittelbaren sozialen und da-
mit örtlichen Strukturen. Hier werden in erster Linie und zuvörderst Prozesse außerschulischer
Jugendbildung initiiert und hier liegt gleichfalls die Planungsverantwortung für entsprechende
Maßnahmen. Auf Grund dieser Tatsache ergibt sich für die Angebote außerschulischer Jugend-
bildung in überörtlichen Strukturen die Konsequenz, ihre Maßnahmen insbesondere auf die Bil-
dung von jungen Menschen zu konzentrieren, die eine Multiplikatorenrolle auf örtlicher Ebene
einnehmen. Der Qualitätssicherung der Arbeit der Bildungsreferent/-innen auf überörtlicher Ebene
kommt angesichts der beschriebenen Wirkung im Rahmen der Bildung ehrenamtlich wirkender
Multiplikatoren deshalb eine besondere Bedeutung zu. Außerschulische Jugendbildung muss ent-
sprechend dieser beschriebenen Zusammenhänge im Rahmen des überörtlichen Bedarfs ein Un-
terstützungs- und Ergänzungssystem vorhalten.
Entsprechend der getroffenen Aussagen wird deutlich, dass die Beschreibung von Bildungsthe-
men und -inhalten sowie von Bildungsansätzen und -formen eine Schlüsselfunktion des überörtli-
chen Planungsprozesses einnehmen muss, verbunden mit der Frage nach der Qualität und Quan-
tität der Tätigkeit der Bildungsreferenten/-innen. Neben einer gesamten Aufgabenbeschreibung
muss in Abhängigkeit zu den Leistungsfeldern im Rahmen von inhaltlichen Prioritäten auch eine
Aussage zu erforderlichen Stellenpotentialen erfolgen.
8.1.3 Bildungsangebote auf örtlicher und überörtlicher Ebene
Entsprechend den Normierungen des § 85 Abs. 2 SGB VIII macht sich bei den Angebotsstrukturen
im Rahmen der überörtlichen Planung folgende Abgrenzung zwischen überörtlichen und örtlichen
Bedarfslagen erforderlich, welche auch für die förderrelevante Umsetzung im Sinne des § 82 SGB
VIII zuwendungsrechtlich von Bedeutung ist: „Ein Leistungsangebot entspricht insbesondere dann
dem überörtlichen Bedarf, wenn das Konzept zur Umsetzung der Ziele für die Bildungsarbeit in
der überörtlichen Jugendhilfeplanung §§ 11 – 14 SGB VIII dient. Dabei kann die Realisierung des
Leistungsangebotes durch einen Dach- bzw. Landesverband grundsätzlich einmalig für mehrere
Jugendamtsbereiche bzw. mehrmalig in einzelnen Jugendamtsbereichen erfolgen.“
26
Im Einzelfall können direkte Angebote durch Dach- und Landesverbände im Rahmen der örtlichen
Zuständigkeit erbracht werden, dazu bedarf es jedoch klarer Abstimmungsprozesse mit den je-
weiligen Gebietskörperschaften. Diese Angebote fallen jedoch nicht in die Planungsverantwortung
des überörtlichen Trägers.
Über die dargestellten Wirkungsebenen hinaus muss der Zusammenhang des Wirkens der
überörtlich agierenden Dach- und Landesverbände zu den örtlichen Mitgliedsstrukturen in den
Blick genommen werden. Dach- und Landesverbände leisten für ihre Mitgliedsstrukturen, aber
auch darüber hinaus, Lobbyarbeit im umfassenden Sinne und unterstützen somit die fachlich-
inhaltliche Arbeit in örtlichen Strukturen.
26
SMS-LJA (2005): Neuausrichtung der überörtlichen Förderung der Jugendhilfe im Freistaat Sachsen

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
78 |
8.1.4 Grundlegende Leistungen und Aufgaben zur Unterstützung der fachlich-inhaltli-
chen Arbeit in der Jugendhilfe
Grundlegende Leistungen und Aufgaben zur Unterstützung der fachlich-inhaltlichen Arbeit in der
Jugendhilfe sind im Kern regelmäßige und vor allem strukturelle Unterstützungsangebote der
überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen. Sie dienen in erster Linie
der organisatorischen Absicherung und Umsetzung der Bildungstätigkeit. Hierzu zählen auch not-
wendige Fortbildungen und andere zur Qualitätssicherung erforderlichen Maßnahmen, für die in
den Geschäftsstellen tätigen Fachkräfte.
Zu den grundlegenden Leistungen zur Unterstützung der
fachlich-inhaltlichen Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe gehören aus Sicht der überörtlichen
Planung insbesondere:
dem Selbstverständnis des Trägers entsprechende allgemeine Informationen zu bildungsre-
levanten und jugendpolitischen Themen sowie zu Projekten, die der regelmäßigen Anspra-
che der jeweiligen Zielgruppen dienen,
jugendpolitische Interessenvertretung in bundes- und landesweiten Gremien im jeweiligem
Fachkontext,
Initiierung, Begleitung und Durchführung von Facharbeitskreisen und Projekten,
strukturelle, organisatorische und koordinierende Unterstützung der jeweiligen Landesstruk-
turen sowie die Förderung institutioneller Kooperationen mit Partnern außerhalb der Ju-
gendhilfe,
Publikationen, die sich mit den Aufgaben, der aktuellen Situation und den Entwicklungen in
den Leistungsbereichen der §§ 11 - 14 SGB VIII auseinandersetzen, sofern sie sich über
die eigenen Mitgliedsstrukturen hinaus an die Fachöffentlichkeit wenden, insbesondere im
Fachmagazin Corax als grundlegendes Instrument zur Sicherstellung des träger- und be-
reichsübergreifenden Fachdiskurses.
8.2 Bildungsziele und inhaltliche Arbeitsschwerpunkte
8.2.1 Systematisierung der Zielebenen
Die Ausrichtung auf Bildung als Grundprinzip der überörtlichen Jugendhilfeplanung im Bereich der
§§ 11 -14 SGB VIII hat sich in den vergangenen Planungsphasen bewährt. Hier konnte in der
Vergangenheit eine gleichbleibend hohe Qualität bei der Beschreibung der Tätigkeit der überört-
lichen Leistungsanbieter erreicht werden.
Fachlich-inhaltlicher Rahmen für die überörtliche Jugendhilfeplanung (Übersicht)
BILDUNG
als Grundprinzip der überörtlichen Bildungsarbeit
Bildungsziele
als übergreifende rahmende und langfristige Zielebene
Thematische Arbeitsschwerpunkte
auf der Handlungsebene formulierte Zielvorgaben, die sich aus jugendpoliti-
schen Erwägungen und aus fachlichen-inhaltlichen Entwicklungen für den
Planungszeitraum ergeben
Bild 45: Fachlich-inhaltlicher Rahmen für die überörtliche Jugendhilfeplanung (Übersicht); SMS-LJA 2020
Der Zielüberbau in der überörtlichen Jugendhilfeplanung ist seit der letzten Planungsphase
2015 - 2020 dreistufig gestaltet. Unter dem Dach der
BILDUNG
als Grundprinzip der überörtlichen
Bildungsarbeit sind die
Bildungsziele
als längerfristig gestaltete grundsätzliche rahmende Ziel-
ebene angesiedelt. Die
thematischen Arbeitsschwerpunkte
bilden eine weitere untergeordnete
Zielebene. Dabei handelt es sich um auf der Handlungsebene formulierte Zielvorgaben.

 
| 79
Die Ziele der überörtlichen Bildungsarbeit bilden als übergreifende rahmende und langfristige Ziel-
ebene einen Zielüberbau, der sich auf kompetenzbezogene Zielerwartungen und die Umsetzung
zentralgesetzlicher Vorgaben bezieht.
Die Arbeitsschwerpunkte sind dagegen auf der Handlungsebene formulierte Zielvorgaben, die
sich aus jugendpolitischen Erwägungen und aus fachlichen-inhaltlichen Entwicklungen in den Ar-
beitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe aus Sicht des überörtlichen Planungsträgers für den ak-
tuellen Planungszeitraum ergeben.
Die Inhalte der überörtlichen Bildungsangebote liegen in Auswahl, Schwerpunktsetzung und fach-
licher Zuordnung in der Verantwortung der überörtlichen Leistungsanbieter. Dennoch erscheint es
aus Sicht des Planungsträgers geboten, darüber zu informieren, welche Arbeitsschwerpunkte aus
seiner Sicht für einen mittelfristigen Zeitraum einen erhöhten Stellenwert einnehmen sollen und
dies aus fachlichen und jugendpolitischen Zusammenhängen zu begründen.
Im Folgenden sollen die Bildungsziele und die Ebene der Arbeitsschwerpunkte beschrieben und
unter Bezug auf die neu gefasste Systematisierung der Zielebenen geordnet werden.
8.2.2 Bildungsziele
Die im Planungsprozess 2015 - 2020 entwickelten Bildungsziele wurden zunächst innerhalb der
Bestandsdarstellung und -bewertung auf ihre Tragfähigkeit und Praktikabilität in Bezug auf die
erbrachten Bildungsleistungen hin geprüft. Hier ergab sich eine hohe Verlässlichkeit der Zielaus-
sagen im Abgleich mit den in den Sachberichten dokumentierten Bildungsleistungen. Die Nutzung
der Ziele erfolgte in unterschiedlichem Maße aber insgesamt ausgeglichen. Auch die Auswertung
in einem fachlichen Kontext ergab eine grundsätzliche ausgewogene Tragfähigkeit der Ziele. Den-
noch scheint insbesondere vor dem Hintergrund der fachlichen Bewertung eine nuancierte Neu-
fassung der Bildungsziele geboten, um eine klarere themenbezogene Zielbeschreibung zur erhal-
ten.
Die Bildungsziele
DEMOKRATIEBILDUNG
und
BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT
sol-
len in bisheriger Form und Intention erhalten bleiben.
Das Ziel
INTERDISZIPLINÄRE KOMPETENZEN
wird unter
INTERDISZIPLINÄRE KOOPERA-
TIONEN – QUALIFIZIERTE ZUSAMMENARBEIT
neu gefasst, um das Moment der Zusammen-
arbeit zwischen verschiedenen Systemen der Daseinsvorsorge hervorzuheben.
Das Bildungsziel
SOZIALE, PERSONALE UND INTERKULTURELLE KOMPETENZEN
wird in
SOZIALE, PERSONALE UND INTERKULTURELLE KOMPETENZVERMITTLUNG
umgewan-
delt, um den Prozess der Wissens- und Kompetenzvermittlung der landesweiten Träger stärker
zu betonen.
Das Ziel
GLEICHBERECHTIGTE TEILHABE
sollte inhaltlich in 2 Ziele getrennt werden und die
Themenbereiche
GLEICHBERECHTIGTE TEILHABE/ INKLUSION
sowie
GESCHLECHTER-
GERECHTIKEIT
im Sinne der Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen fokussierter darstell-
ten. Neu eingefügt wird das Bildungsziel
GESUNDES AUFWACHSEN
.
Bildungsziele
– Ziele der überörtlichen Bildungsarbeit
DEMOKRATIEBILDUNG
BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT
INTERDISZIPLINÄRE KOOPERATIONEN-
QUALIFIZIERTE ZUSAMMENARBEIT
SOZIALE, PERSONALE UND INTERKULTURELLE
KOMPETENZVERMITTLUNG
GLEICHBERECHTIGTE TEILHABE/ INKLUSION
GESCHLECHTERGERECHTIKEIT
GESUNDES AUFWACHSEN
Bild 46:
Bildungsziele – Ziele der überörtlichen Bildungsarbeit; SMS-LJA 2020

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
80 |
Im Folgenden werden die weiterentwickelten Ziele für die überörtliche Jugendhilfeplanung als rah-
mende Grundlage für die Bildungsarbeit der überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen
und Fachstellen dargestellt und untersetzt. Die Ausrichtung der Ziele im Rahmen der überörtlichen
Jugendhilfeplanung bildet darüber hinaus eine wesentliche Grundlage für die förderpolitischen
Zielsetzungen des Freistaates.
Die Bildungsziele stellen dabei zum einen - im Sinne einer Querschnittsaufgabe aller überörtlichen
Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen im Bereich der §§ 11 – 14 SGB VIII sowie
angrenzender Themenfelder – den grundlegenden Zielrahmen für ihre Tätigkeit entsprechend der
Vielfalt von Werteorientierungen und Konzepten in diesem Bereich dar. Zum anderen handelt es
sich um Zielsetzungen, die Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen entsprechend
ihres Aufgabenprofils im Rahmen der überörtlichen Planung grundlegend verfolgen und die damit
ihren Handlungsauftrag im überörtlich beplanten Kontext in besonderer Weise prägen.
1.
DEMOKRATIEBILDUNG
Die überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen im Bereich §§ 11-
14 SGB VIII sind befähigt, jungen Menschen die persönliche Aneignung einer klaren Ab-
grenzung gegenüber Haltungen und Verhaltensweisen gruppenbezogener Menschenfeind-
lichkeit zu vermitteln. Die Leistungsanbieter verfügen über geeignete Angebote und Me-
thoden, um demokratische Prozesse erlebbar zu machen.
Die Orte der Jugendarbeit sind prä-
destiniert, um die Regeln der Demokratie für junge Menschen erfahrbar und erlebbar zu machen.
Im Kontext zur außerschulischen Jugendbildung wird unter dem Begriff der Partizipation die Ein-
bindung von jungen Menschen bei allen das Zusammenleben betreffenden Ereignissen und Ent-
scheidungsprozessen verstanden. Ihnen sind Möglichkeiten einer verbindlichen Einflussnahme
auf Planungs- und Entscheidungsprozesse, von denen sie betroffen sind, zu eröffnen. Im Bereich
der Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung sollen Methoden aufgezeigt und vermittelt werden,
mit denen eine gelingende und für junge Menschen erlebbare Einflussnahme auf Entscheidungen
realisiert werden kann. Dabei geht es auch darum, Kompetenzen der reflektierten Informations-
verarbeitung und des Umgangs mit komplexen Phänomenen und Situationen zu erwerben, um
antisemitischen, homophoben, rassistischen und anderen antidemokratischen Erklärungsmustern
entgegen zu wirken.
2.
BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT
Junge Menschen engagieren sich in zunehmendem Maße ehrenamtlich, äußern ihre Mei-
nungen und Zukunftsvorstellungen aktiv und übernehmen bewusst innerhalb verbandli-
cher Strukturen gesellschaftliche Verantwortung.
Junge Menschen möchten sich dabei häufig
nicht dauerhaft durch Mitgliedschaft an einen Verein oder eine Organisation binden. Dennoch
organisieren sich Jugendliche zunehmend, wie beispielsweise in der „Friday for future“-Bewe-
gung, um sich politisch zu engagieren und sich in anderen Kontexten auszuprobieren. Hier sind
insbesondere die Jugendverbände gefordert, nach Möglichkeiten und Wegen zu suchen, Kinder
und Jugendliche bereits frühzeitig bei der Wahrnehmung eigener Interessen zu unterstützen, um
darüber bürgerschaftliches Engagement zu fördern und sie somit an die Übernahme gesellschaft-
licher Verantwortung heranzuführen. Eine Voraussetzung dafür ist es, die Vielfalt in der Jugend-
verbandsarbeit nachhaltig zu sichern.
Bei der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements stehen insbesondere die Stärkung der
Kompetenzen und die fachliche Qualifizierung von ehrenamtlich engagierten jungen Menschen
im Vordergrund. Neben der Wissensvermittlung sollte auch der informellen und nonformalen Bil-
dung sowie der Reflexion des individuellen Handels Raum gegeben werden.
3.
INTERDISZIPLINÄRE KOOPERATIONEN - QUALIFIZIERTE ZUSAMMENARBEIT
Eine qualifizierte Zusammenarbeit der Jugendhilfe mit den anderen Stellen und öffentli-
chen Einrichtungen ist weitgehend Standard. Die Teilnehmer/-innen der Fortbildungsver-
anstaltungen sind zunehmend in der Lage, interdisziplinär zu arbeiten.
Für junge Menschen
und ihre Familien ist besonders die Gestaltung von Übergängen und damit die gelingende Koope-
ration mit Institutionen schulischer und beruflicher Eingliederung unabdingbar. Dies gilt insbeson-
dere in Bezug auf die Verbesserung von Bildungs- und Ausbildungschancen. Darüber hinaus sind

| 81
Träger des Gesundheitsdienstes wichtige Partner der Zusammenarbeit in Bezug auf die Abstim-
mung und Koordination von Angeboten der Gesundheitsförderung und Suchtprävention sowie
weitere Stellen und öffentlicher Einrichtungen im Sinne einer ganzheitlichen und lebensweltorien-
tierten Unterstützung. Ausgehend von Lebenswelten junger Menschen und der Situation, dass
Schule einen wichtigen Lebens- und Lernort darstellt, erhält die Zusammenarbeit von Jugendhilfe
und Schule eine besondere Bedeutung.
Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule umfasst auch die Entwicklung und Förderung
von sozialen Kompetenzen junger Menschen. Hier kann Schule auf die Erfahrungen der Träger
der Jugend- und Jugendsozialarbeit im Bereich des sozialen Lernens, der Selbstorganisation und
der Förderung von Eigenverantwortung zurückgreifen. Angebote aus diesem Leistungsbereich
der Jugendhilfe sind in der Lage, andere Zugänge zu den Lebenswelten junger Menschen zu
schaffen. Nur die Verbindung formeller, non-formaler und informeller Bildung kann dem ganzheit-
lichen Ansatz in der Bildungsarbeit mit jungen Menschen und damit den Anforderungen unserer
Wissensgesellschaft gerecht werden.
4.
SOZIALE, PERSONALE UND INTERKULTURELLE KOMPETENZVERMITTLUNG
Junge Menschen sind zunehmend befähigt, individuelle Handlungsstrategien zu entwi-
ckeln, um ihre sozialen und personalen Kompetenzen zu stärken. Freie Träger fokussieren
in Fortbildungsveranstaltungen für sozialpädagogischen Fachkräfte und Multiplikatoren
im zunehmenden Maße entsprechende Ressourcen und Entwicklungen der jeweiligen Ziel-
gruppen.
Die gesellschaftliche Integration des Einzelnen hängt im wesentlich davon ab, dass er
soziale und personale Kompetenzen entwickelt. Für viele junge Menschen kann die Familie der
Vermittlung und Förderung solcher Schlüsselqualifikationen nicht mehr allein gerecht werden.
Hier ergibt sich die gesamtgesellschaftliche Aufgabe für die außerfamiliäre und außerschulische
Sozialisation, auch für den Arbeitsbereich der Kinder- und Jugendhilfe. Junge Menschen sollen
für Fragestellungen des Miteinanders sensibilisiert und zu reflektiertem und solidarischem Han-
deln motiviert und befähigt werden. Dazu gehört die Fähigkeit, sich in einer pluralistischen Gesell-
schaft einen eigenen Standpunkt zu bilden, sich mit Anderen über verschiedene Themen ausei-
nandersetzen zu können und die eigene Auffassung unter Achtung der Meinung des Anderen
gewaltfrei zu vertreten. Bezüglich der Auseinandersetzung mit vielfältigen gesellschaftlichen Ori-
entierungs- und Bewältigungsangeboten und deren Risiken sollen junge Menschen Gelegenhei-
ten erhalten, eigene Umgangsweisen zu thematisieren und Handlungskompetenzen zu erarbei-
ten. Im Besonderen besitzen die Internationale Jugendarbeit sowie auch die Kinder- und Jugen-
derholung ein enormes methodisches Potential über Jugendbegegnungen soziale und interkultu-
relle Kompetenzen zu vermitteln. Wie in den anderen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe
sind die Fachkräfte der überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen ge-
fordert, sich insbesondere gegenüber rassistischem, menschenverachtendem und antisemiti-
schem Gedankengut deutlich abzugrenzen ebenso wie weltoffenes Denken und Verstehen bei
den jungen Menschen anzuregen. Gleichfalls gilt es mit Blick auf migrationsgesellschaftliche Ent-
wicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe insbesondere über die Vermittlung grundlegender Hal-
tungsfragen sozialer Arbeit diese migrationssensibel und menschenrechtsorientiert zu gestalten.
5.
GLEICHBERECHTIGTE TEILHABE/ INKLUSION
Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe wird es zunehmend wichtiger, Impulse für eine
gleichberechtigte Teilhabe Aller aufzunehmen, konzeptionell zu verarbeiten und praktisch
umzusetzen. Es gilt, Diskriminierungen zu erkennen und zu vermeiden sowie ein respekt-
volles Miteinander von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft zu ermögli-
chen.
Besondere Berücksichtigung erfahren hierbei die Themenfelder Migration und die Ermögli-
chung interkultureller Erfahrungen als kompetenzbezogenes und kompetenzbildendes Moment.
Gleichfalls gilt es, ein selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung
kontinuierlich zu unterstützen. Das Konzept der Inklusion bietet für die in Rede stehenden Ansin-
nen die adäquate Rahmung: Innerhalb bestehender Strukturen einer Gesellschaft sind die Bedin-
gungen von vornherein so zu gestalten, dass sie der Vielfalt menschlicher Lebenslagen gerecht
werden. Jeder Mensch – unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Her-
kunft, Geschlecht oder Alter – soll die Gesellschaft mitgestalten und ihre Angebote problemlos

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
82 |
wahrnehmen können. Inklusion beschreibt eine Entwicklung und zielt auf die vollständige Teilhabe
aller Menschen.
27
Handlungsleitend für den überörtlichen Planungsträger ist gleichfalls die in Artikel 6 Abs. 2 Ver-
fassung des Freistaates Sachsen formulierte Forderung.
28
6.
GESCHLECHTERGERECHTIKEIT
Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sind zunehmend befähigt, in ihrer Tätigkeit Ge-
schlechtergerechtigkeit als eine handlungsleitende Maxime zu erkennen und zu verfolgen.
Die überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen im Bereich §§ 11-14
SGB VIII richten ihrer Fortbildungs- und Beratungsangebote konzeptionell und methodisch ent-
sprechend aus und vermitteln geschlechterreflektierendes und gleichstellungsorientiertes Hand-
lungswissen. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgeschlechtliche, Transgender, Intersexuelle und
queere Menschen (LSBTTIQ) gehören zur Lebensrealität in Sachsen – diese Realität gehört es
auch innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe anzuerkennen sowie eine Akzeptanz von sexueller
und geschlechtlicher Vielfalt zu befördern.
Junge Menschen wachsen in einer pluralistischen und von normativen Rollenbildern geprägten
Gesellschaft auf. Hier gilt es aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe, Wissen über geschlechterbe-
zogene Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen sowie die Wirkung von Geschlechter-
normen in Bezug auf Rollenzuweisungen, Chancengleichheit und der Vermeidung von Ausgren-
zungen zu thematisieren um eine höhere Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen erreichen
zu können.
7.
GESUNDES AUFWACHSEN
Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe gilt es zunehmend, das Thema „Gesundes Auf-
wachsen“ in den Blick zu nehmen, konzeptionell zu verarbeiten und praktisch umzusetzen.
Gesundheit ist ein individuelles aber auch kollektives soziales Gut. Insbesondere jungen Men-
schen müssen Rahmenbedingungen für ein gesundes Aufwachsen ermöglicht werden. Gesund-
heitsförderung zielt darauf ab, alle Kinder und Jugendlichen an eine gesunde Lebensweise her-
anzuführen und die strukturellen Voraussetzungen für gesundheitsförderliches Verhalten zu ver-
bessern. So ist es insbesondere das Ziel, dafür notwendige Lebenskompetenzen zu fördern und
Risikofaktoren zu verringern, aber auch eine Auseinandersetzung mit Gefahren und Risiken sowie
eine Stärkung der Selbst- und Beziehungswirksamkeit zu erreichen. Innerhalb eines ganzheitli-
chen Präventionsansatzes zur Gesundheitsförderung sind regelmäßige Bewegung sowie sportli-
che Aktivitäten entscheidende Faktoren für Gesundheit über die gesamte Lebensspanne. Sie set-
zen damit wichtige präventive Anker für eine gesunde Lebenseinstellung im Kindes- und Jugend-
alter.
8.2.3 Thematische Arbeitsschwerpunkte
Mit den thematischen Arbeitsschwerpunkten benennt der überörtliche Planungsträger handlungs-
orientierte Zielvorgaben, die sich aus seiner Sicht aus jugendpolitischen Zusammenhängen und
fachlichen Erwägungen ergeben und die für den Planungszeitraum einen erhöhten Stellenwert in
der überörtlichen Bildungsarbeit erhalten sollen. Die Ziele der überörtlichen Bildungsarbeit bilden
als übergreifende rahmende und langfristige Zielebene einen Zielüberbau, der sich auf kompe-
tenzbezogene Zielerwartungen und die Umsetzung zentralgesetzlicher Vorgeben bezieht.
Die entwickelten thematischen Arbeitsschwerpunkte sollen bei der Bildungsarbeit in angemesse-
ner Form berücksichtigt werden. Sie werden mit der Erstellung der überörtlichen Jugendhilfepla-
nung für den 2021-2025 neu gefasst. Die Benennung und thematische Auswahl der Arbeits-
schwerpunkte für die überörtliche Bildungsarbeit orientiert sich hauptsächlich an den in Pkt. 7.3
getroffenen Aussagen zu fachlichen Entwicklungen in den Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugend-
hilfe.
Nicht benannte oder nicht mehr explizit benannte Themenfelder wie z.B. „Internatio-
nale Jugendarbeit“, „Kulturelle Bildung“ oder „Vielfalt in der Jugendverbandsarbeit si-
chern“ werden damit nicht ausgeschlossen oder verlieren ihre Relevanz. Sie sind vielmehr
27
vgl.
Aktion
Mensch (2014): Was ist Inklusion?
28
Art. 6 Abs. 2 Sächs. Verfassung: In der Landes- und Kommunalplanung sind die Lebensbedürfnisse des sorbischen Volkes zu
berücksichtigen. Der deutsch-sorbische Charakter des Siedlungsgebietes der sorbischen Volksgruppe ist zu erhalten.

| 83
wichtige Themenbereiche, die ihre Notwendigkeit und Präsenz durch Aufnahme in die Be-
schreibung der Bildungsziele gefunden haben.
In der Praxis soll mindestens ein Arbeitsschwerpunkt innerhalb der grundlegenden Leistungen –
hier insbesondere in der Führung des Fachdiskurses – und in den Bildungs- und Beratungsange-
boten thematisiert und innerhalb konzeptioneller Überlegungen sowie in den Sachberichten do-
kumentiert werden. Der handlungsorientierte Zielbezug ermöglicht im Verlauf sowie im folgenden
Planungsprozess
eine fachlich-inhaltliche Bewertung der überörtlichen Bildungsarbeit im Pla-
nungszeitraum. Folgende Themenfelder erhalten als fachlich-inhaltliche Arbeitsschwerpunkte für
den Planungszeitraum 2021–2025 einen erhöhten Stellenwert:
Eigenständige Jugendpolitik weiterentwickeln und nachhaltig gestalten,
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit systemübergrei-
fend weiterentwickeln,
Medienkompetenz stärken,
Geschlechterreflektierende Arbeit weiter etablieren,
Migrationssensible Arbeit thematisieren und stärken,
Schutz und Rechte von Kindern und Jugendlichen stärken,
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) thematisieren,
Jugend und Jugendarbeit im ländlichen Raum thematisieren und stärken,
Inklusive Ansätze thematisieren und etablieren,
Gesundheitsförderung als Teil der Primärprävention thematisieren.
Eigenständige Jugendpolitik weiterentwickeln und nachhaltig gestalten
Das Konzept einer Eigenständigen Jugendpolitik wurde in den vergangenen Jahren im Freistaat
Sachsen bereits aus den unterschiedlichsten Perspektiven thematisiert. Im Fünften Sächsischen
Kinder- und Jugendbericht fand die Aufgabenstellung eine konzeptionelle, methodische und pra-
xisorientierte Reflektion, verbunden mit entsprechenden Handlungsempfehlungen.
Diese Handlungsempfehlungen, aber auch die Ergebnisse der interministeriellen Arbeitsgruppe
(IMAG) gilt es aufzunehmen und praxisorientiert weiterzuentwickeln. Dabei sind die Themenfelder
der weiteren methodischen Erprobung und Weiterentwicklung von Beteiligungsmöglichkeiten, der
Befähigung zu Beteiligung und Mitgestaltung von jungen Menschen sowie der arbeitsbereich-
übergreifenden Vernetzung unter dem Beteiligungsfokus in den Blick zu nehmen.
Für das Themenfeld der methodischen Untersetzung können dies die Entwicklung von Qualitäts-
instrumenten für die Partizipation von Kindern und Jugendlichen sowie Erprobung von entspre-
chenden Reflexionsinstrumenten für Träger und Einrichtungen sein. Für das Themenfeld beteili-
gungsorientierter Kooperation wäre das praxisorientierte Zusammenwirken zur Beteiligung von
Kindern- und Jugendlichen wie zum Beispiel der Sozialisationsinstanzen KITA, Schule und Ju-
gendhilfe von Bedeutung.
Die landesweiten Dachorganisationen, Fachstellen und Verbände sind aufgefordert, die Themen-
stellungen aufzugreifen, entsprechende Inhalte zu entwickeln sowie Fortbildungen und Beratun-
gen durchzuführen.
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit systemübergreifend wei-
terentwickeln
Der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit sowie der Schulsozialarbeit kommt bei der Gestal-
tung von Übergängen von Jugendlichen in Bezug auf ihre Berufsbiographien eine besondere Be-
deutung zu. Speziell in diesen beiden Kernbereichen im Leistungsbereich des § 13 SGB VIII
kommt es auf systemübergreifende Kooperation und Zusammenarbeit mit anderen Leistungsträ-
gern an. Gerade im Bereich der Schulsozialarbeit konnten hier in den vergangenen Jahren viele
Erfahrungen gesammelt werden. Diese gilt es systematisiert in den Fachdiskurs einfließen zu las-
sen. Für den Bereich der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit gilt es ebenfalls, Erfahrungs-
wissen zu sammeln und zu systematisieren, insbesondere mit Blick auf die Revitalisierung der
entsprechenden Schnittstellen.
Im Hinblick auf das Bildungsziel der interdisziplinären Kompetenzen ist es Aufgabe der jeweiligen
überörtlichen Fachstellen, auf der Grundlage entsprechender landespolitischer Erfordernisse und

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
84 |
Programme den Fachdiskurs konstruktiv und kritisch zu begleiten. Hierzu sind ergänzende Fort-
bildungsformate und Fachforen zu entwickeln und vorzuhalten.
Medienkompetenz stärken
Junge Menschen wachsen in einer medial geprägten Gesellschaft auf und gestalten dabei selbst-
bewusst ihren Lebensalltag. Angesichts der gegenwärtigen Medienvielfalt und der Möglichkeiten
des Internets ist die Medienkompetenz zu einer Grundfrage selbstbestimmten Lebens und freier
Entscheidungsfähigkeit geworden. Medienkompetenz ist dabei eine zentrale Schlüsselqualifika-
tion in der modernen Informationsgesellschaft. Medienangebote werden aktiv zur Information, zur
Kommunikation und zur Unterhaltung genutzt. In vielen Bereichen sind sie mittlerweile zu einem
entscheidenden Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe geworden, können aber auch gezielt The-
men setzen und Informationen selektiv verbreiten und damit die eigene Beurteilung erheblich be-
einflussen. Die Medienkompetenz befähigt dazu, Wissen und Informationen aus einer Vielzahl
vorhandener Quellen zu entnehmen, einzuordnen und zu bewerten. In diesem Zusammenhang
erhöhen sich die Anforderungen an die jungen Menschen selbst, aber auch an Eltern und päda-
gogische Fachkräfte, sowie deren Reflexionsfähigkeit.
In diesem Sinne ist die Vermittlung und Stärkung der Medienkompetenz ein wichtiges und in sei-
ner Bedeutung zunehmendes Arbeitsfeld auch mit Blick auf Fortentwicklung und Zukunftsfähigkeit
des Landes und seiner Menschen.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Bereich der digitalen Medien sowie auf der zielgrup-
penbezogenen Gestaltung entsprechender Bildungsangebote. In Bezug auf die Angebotsausrich-
tung der vorhandenen überörtlichen Strukturen heißt dies, das gesamte Medienspektrum als auch
die beschriebenen Schwerpunktsetzungen in den Blick zu nehmen und das Beratungs- und Fort-
bildungsangebot entsprechend - insbesondere für Fachkräfte der Jugendhilfe und andere Bezugs-
personen von jungen Menschen - zu gestalten.
Geschlechterreflektierende Arbeit weiter etablieren
In den letzten Jahren ist die Aufmerksamkeit für geschlechterreflektierende Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen sowie die geschlechterdifferenzierte Aufgabenwahrnehmung zunehmend in den Fo-
kus der Kinder- und Jugendhilfe gerückt. Gesellschaftliche Entwicklungen wie die „Ehe für alle“
oder die Änderung des Personenstandsgesetzes um die Erweiterung eines dritten positiven Ge-
schlechtseintrag
29
machen Geschlechtervielfalt in der Gesellschaft sichtbarer und schaffen eine
gleichberechtigtere Anerkennung von Kindern und Jugendlichen, die nicht den tradierten Ge-
schlechternormierungen entsprechen.
Die anhaltende Nachfrage nach geeigneten Fortbildungen und Beratungen zur geschlechterre-
flektierenden Arbeit entspricht aus der Sicht des überörtlichen Planungsträgers einem wesentli-
chen thematischen Arbeitsschwerpunkt der Staatsregierung.
30
Mit diesem werden neue fachlich-
inhaltliche Impulse für die Wahrnehmung von Geschlechtervielfalt und eine in dieser Hinsicht not-
wendige Weiterentwicklung der Jugendhilfe in Sachsen gesetzt. In diesem Zusammenhang hat
sich die enge Kooperation der bestehenden Arbeitsstrukturen in Sachsen bewährt.
Migrationssensible Arbeit thematisieren und stärken
Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sollen befähigt werden, die spezifischen Bedarfe junger
Menschen aus Flucht und Migrationskontexten zu berücksichtigen und entsprechende Angebote
zu machen. Junge Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung sind in Sachsen eine wach-
sende Gruppe. Sie haben Bedarf an Räumen für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit und die Pflege
ihrer spezifischen sub- und popkulturellen Interessen. Die überörtlichen Jugendverbände, Dach-
organisationen und Fachstellen im Bereich §§ 11 – 14 SGB VIII müssen jungen Menschen aus
Flucht- und Migrationskontexten Schutzräume zur Verfügung stellen, in denen sie als Individuen
anerkannt werden und sich entfalten können, ohne diskriminierende Zuschreibungen zu erleben.
Dafür ist es nötig, Wissen über die migrationsspezifischen Lebensbedingungen junger Menschen
29
Seit 2013 war es möglich den Geschlechtseintrag im Personenstandesregister offen zu lassen. 2017 entschied das Bundesverfas-
sungsgericht, dass das Personenstandsgesetz überarbeitet werden muss, um einen dritten positiven Geschlechtseintrag für inter*Per-
sonen zu ermöglichen, die Umsetzung erfolgte Ende 2018.
30
SMS (2017): Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen

| 85
sowie über die Wirkung von Rassismus und Antisemitismus zu generieren. Dieses Wissen soll im
Rahmen von Weiterbildung und Beratung weitergegeben werden.
Schutz und Rechte von Kindern und Jugendlichen stärken
Mit dem Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes wurden die Rahmenbedingungen für ein
entwicklungsförderndes und schützendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen weiter ver-
bessert. Wurde Kinderschutz in der Vergangenheit regelmäßig darauf reduziert, Kinder und Ju-
gendliche vor Gefahren zu schützen, gilt heute der fachliche Standard, dass die staatliche Schutz-
pflicht über das im Grundgesetz (GG) in Artikel 6 formulierte staatliche Wächteramt hinausgeht.
Beratung und Unterstützung sind also lange vor eventuellen Beeinträchtigungen des Kindeswohls
anzubieten. Ein solches Verständnis von Kinderschutz erfordert die verbindliche Zusammenarbeit
aller Institutionen und Professionen, die Zugang zu Familien und Kindern haben.
Für zukünftige Beratungsbedarfe soll die Thematik der Rechte von Kindern und Jugendlichen ei-
nen besonderen Fokus erhalten. Die Orientierung an den Kinderrechten und die Umsetzung des
Kinderrechtsansatzes sind zentrale Bausteine guter Qualität aller mit und für junge Menschen
tätigen Fachkräfte und Organisationen. Die Thematik erfordert eine kontinuierliche Fachberatung
und Fortbildung der Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe und umschreibt eine Aufgabe, der
sich die landesweit agierenden Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen im Leis-
tungskontext des SGB VIII stellen müssen.
Ein besonderes Augenmerk muss weiterhin auf dem Schutz vor Kindeswohlgefährdungen in den
eigenen Reihen der Organisationen gelegt werden. Organisationen brauchen eine Gesamtstrate-
gie für Schutzmaßnahmen, die die spezifischen Strukturen und Prinzipien der eigenen Institution
einbeziehen, um auf allen Ebenen der Jugendarbeit wirksam zu werden.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) thematisieren
Im Rahmen der Thematik „Bildung für nachhaltige Entwicklung BNE“ lässt sich der Fokus überört-
licher Bildungsarbeit in der Nachhaltigkeit im Sinne von Kontinuität und des kompetenzorientierten
Wissenstransfers zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe im Freistaat Sachsen sehen.
Dabei erscheint es wichtig, die Bildungsangebote in einem erweiterten Bildungsverständnis zu
verorten, das formale, non-formale und informelle Bildungsprozesse miteinander verbindet. Sol-
che regionalen oder kommunalen Bildungslandschaften sind mehr als nur Netzwerke verschiede-
ner Akteure in einer Bildungsregion; sie sollten geplant, gesteuert und langfristig angelegt sein.
Die Bildungsprozesse der überörtlichen Jugendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen
greifen als außerschulisches Bildungsangebot viele Facetten der BNE auf. Durch die eingehende
Beschäftigung mit der Thematik wird eine nachhaltige Gestaltung von Bildungsprozessen und
eine Einbettung in erweiterte Bildungszusammenhänge erwartet. Zudem sollen inhaltliche
Schwerpunktsetzungen zur nachhaltigen Entwicklung in die Themenauswahl von Fortbildungen
und Beratungen eingebunden werden.
Mit der „Sächsischen Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE-Landesstrate-
gie) von 2018 gibt die Staatsregierung Anstoß und Orientierung, jegliche Bildung in den Kontext
nachhaltiger Entwicklung im Sinne der Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu setzen.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, braucht es Ideen und Gestaltungswillen in vielen ge-
sellschaftlichen, aber vor allem in den bildungsrelevanten Bereichen, darunter auch die außer-
schulische Jugendbildung. Die BNE-Landesstrategie soll die Lehrenden und Lernenden im Frei-
staat Sachsen in die Lage versetzen, sich mit den Zukunftsthemen der Menschheit und den eige-
nen Gestaltungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Für den Bereich der non-formalen und in-
formellen Bildung, zu dem die Kinder- und Jugendarbeit/ Jugendbildung gezählt wird, schlägt die
Strategie folgende Ziele für den Zeitraum bis 2030 vor:
„Die Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung von BNE-Angeboten im Bereich des non-
formalen und informellen Lernens sind bis 2030 bedarfsorientiert gestaltet.
Bedarfsgerechte fachliche und methodisch-didaktische Weiterbildungsangebote für haupt- und
ehrenamtlich Tätige im Bereich der non-formalen und informellen Bildung orientieren sich an
anerkannten BNE-Qualitätskriterien.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
86 |
Die Anbietenden von BNE sowie ihre Angebote sind für ihre Zielgruppen und untereinander
sichtbar. Sie sind vernetzt und nutzen dazu unterschiedliche, auf Dauer angelegte Vernet-
zungsinstrumente, die ihrerseits verknüpft sind.
Bedarfsgerechte hochwertige Angebote und Materialien zur Unterstützung des lebenslangen
Lernens im Sinne einer BNE für alle Zielgruppen der non-formalen Bildung. Sie werden fortlau-
fend weiterentwickelt und aktualisiert.
In die sächsische Angebotslandschaft für BNE werden insbesondere auch Akteurinnen und
Akteure und Angebote aus dem Bereich der kulturellen und politischen Bildung integriert.“
31
Jugend und Jugendarbeit im ländlichen Raum thematisieren und stärken
Ein Fünftel aller jungen Menschen in Sachsen wächst im ländlichen Raum auf. Dies bedeutet,
dass Kinder und Jugendliche unterschiedliche Herausforderungen beim Aufwachsen und in der
Alltagsbewältigung haben. Dies betrifft insbesondere die Aufrechterhaltung und nachhaltige Aus-
gestaltung der Angebote der Kinder- und Jugendarbeit in ländlichen Räumen als Grundvoraus-
setzung einer gelingenden Sozialisation sowie als basiskulturelles Angebot in unmittelbaren Le-
bensbezügen. Hier kann auf beispielhafte Ansätze, Konzepte und Ideen aus den Gebietskörper-
schaften verwiesen werden. Die Thematik aufzunehmen und im Rahmen von Bildungsprozessen
sowie Konzept- und Projektentwicklungen zu thematisieren, bildet einen wesentlichen themati-
schen Arbeitsschwerpunkt im Rahmen der überörtlichen Bildungsarbeit. Mit diesem werden neue
fachlich-inhaltliche Impulse für eine in dieser Hinsicht notwendige Weiterentwicklung der Jugend-
hilfe in Sachsen erwartet.
Inklusive Ansätze thematisieren und etablieren
Eine weitere Herausforderung für die nächsten Planungszeiträume ergibt sich aus den Anforde-
rungen in Bezug auf eine inklusive Ausgestaltung der Jugendhilfe. Versteht man Inklusion als
Querschnittsaufgabe sowie als Orientierung an den individuellen Bedürfnissen aller Kinder und
Jugendlichen, unabhängig von körperlichen und geistigen Einschränkungen, so gilt es auch hier
entsprechende Beratungssettings in überörtlicher Zuständigkeit vorzuhalten.
Teilhabe und Inklusion
32
hängen ab von strukturell-organisatorischen Bedingungen, gelebter
Kultur und geteilten Werteorientierungen sowie einer reflektierten Praxis. Dabei geht es um Bil-
dungsgerechtigkeit, sozialstaatlicher Zuwendung und Partizipation als gesamtgesellschaftliche
Aufgabe. Der Steigerung von Teilhabe und dem Abbau von Ausschlüssen aller Kinder und Ju-
gendlichen an Angeboten und in Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit ist in verstärktem
Maße gerecht zu werden.
Gesundheitsförderung als Teil der Primärprävention thematisieren
Gesundheit und Wohlergehen sind maßgeblich für das optimale Aufwachsen junger Menschen.
Diese in ihrer Entwicklung zu unterstützen, ist eine zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe.
Vor diesem Hintergrund gewinnen in deren verschiedenen Arbeitsfeldern derzeit Gesundheitsför-
derung und gesundheitsbezogene Prävention zunehmend an Bedeutung. In der Kinder- und Ju-
gendhilfe sind insbesondere Unterstützungs- und Beteiligungsstrategien geeignet, junge Men-
schen zu stärken und in ihrer Entwicklung zu fördern. Entsprechende Angebote zur Aufklärung,
Prävention und Gesundheitsförderung setzen im Alltag an, entfalten ihre Wirkung in nied-
rigschwelligen, bedarfsorientierten sowie nachhaltig gestalteten Settings und setzen auf eine Ko-
operation mit dem Gesundheitssektor.
Für den überörtlichen Planungsbereich gilt es, das Themenfeld Gesundheitsförderung verstärkt
in den Blick zu nehmen. Im Hinblick auf den allgemeinen präventiven Auftrag der Kinder- und
Jugendhilfe sind insbesondere die überörtlichen Leistungsanbieter gefordert, diesen Aspekt bei
der Ausgestaltung ihrer Angebote einzubeziehen.
31
vgl. SMK 2018: Sächsische Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung, S. 20 ff
32
vgl.
Aktion
Mensch (2014): Was ist Inklusion?

 
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Fachlich-inhaltlicher Rahmen für die überörtliche Jugendhilfeplanung
BILDUNG
Bildungsziele
DEMOKRATIEBILDUNG
BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT
SOZIALE, PERSONALE UND INTERKULTURELLE KOMPETENZVERMITTLUNG
INTERDISZIPLINÄRE KOOPERATION - QUALIFIZIERTE ZUSAMMENARBEIT
GLEICHBERECHTIGTE TEILHABE/ INKLUSION
GESCHLECHTERGERECHTIKEIT
GESUNDES AUFWACHSEN
Thematische
Arbeits-
schwerpunkte
Eigenständige Jugendpolitik weiterentwickeln und nachhaltig gestalten
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit systemüber-
greifend weiterentwickeln
Medienkompetenz stärken
Geschlechterreflektierende Arbeit weiter etablieren
Migrationssensible Arbeit thematisieren und stärken
Schutz und Rechte von Kindern und Jugendlichen stärken
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) thematisieren
Jugend und Jugendarbeit im ländlichen Raum thematisieren und stärken
Inklusive Ansätze thematisieren und etablieren
Gesundheitsförderung als Teil der Primärprävention thematisieren
Bild 47: Fachlich-inhaltlicher Rahmen für die überörtliche Jugendhilfeplanung; SMS-LJA 2020
9 Bedarfsaussagen
9.1 Zur Struktur
Die strukturelle Aufteilung in Planungsbereiche dient dazu, die verschiedenen überörtlichen Ju-
gendverbände, Dachorganisationen und Fachstellen gemäß ihrer Arbeitsschwerpunkte, Verfasst-
heit und Organisation systematisiert darzustellen. Grundsätzlich gibt es 5 Planungsbereiche, die
sich in der Mehrheit an den maßgeblichen Paragraphen des SGB VIII ausrichten. Der Bereich
Übergreifend umfasst Träger mit weitestgehend übergreifenden Themenstellungen bzw. Aufga-
ben. Folgende Planungsbereiche lassen sich ausweisen:
Bereich § 11 SGB VIII Jugendarbeit
Bereich 11/12 SGB VIII Jugendverbandsarbeit
Bereich § 13 SGB VIII Jugendsozialarbeit
Bereich § 14 SGB VIII Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
Bereich Übergreifend
Zudem werden die überörtlichen Träger - mit Blick auf die Bildungsleistung und der Verfasstheit -
nach Art der Leistungsanbieter unterschieden. Die strukturelle Einordnung der überörtlichen Trä-
ger erfolgt nach folgenden Angebotstypen:
Fortbildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio:
Hier handelt es sich um Träger, die ein
umfangreiches Bildungsprogramm im Kontext des Planungsbereiches und der konzeptionellen
Grundlagen im Selbstverständnis konzipieren und anbieten.
Das Bildungsportfolio sowie die Wahrnehmung der grundlegenden Leistungen bewegt sich über
den Fokus der eigenen Mitgliederstruktur hinaus und erreicht eine breite Fachöffentlichkeit.
Aktuell lassen sich hier 2 Träger aus den Bereichen § 11 SGB VIII und Übergreifend zuordnen.
Dachverbände mit Bildungsaufgaben:
Hier handelt es sich um Träger, die ein umfangreiches
Bildungsprogramm im Kontext des Planungsbereiches und der konzeptionellen Grundlagen im
Selbstverständnis konzipieren und anbieten. Diese Bildungsangebote werden im Schwerpunkt in-
nerhalb der Untergliederungen angeboten. Auch die Wahrnehmung der grundlegenden Leistun-
gen orientiert sich schwerpunktmäßig in diesem Rahmen.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
88 |
Als „Dachverbände mit Bildungsaufgaben“ lassen sich aktuell 5 Träger aus dem Bereich § 11 SGB
VIII sowie ein Träger aus dem Bereich §§ 11/12 SGB VIII einordnen.
Jugendverbände:
Jugendverbände sind Dach- und Landesverbände, die - dem Charakter des
Arbeitsfeldes entsprechend - in der Regel auf Fortbildung, Anleitung von Multiplikatoren, Unter-
stützung der ehrenamtlichen Strukturen sowie Anregungen und Angebote im Bereich der Interna-
tionalen Jugendarbeit prädestiniert sind.
Die in überörtlicher Zuständigkeit agierenden Jugendverbände sind dabei wichtige Bildungs- und
Beratungsakteure. Darüber hinaus üben sie eine bedeutende strukturbildende Funktion aus und
schaffen Möglichkeiten
der Interessenvertretung und der Beteiligung für junge Menschen.
Im Bereich §§ 11/12 SGB VIII sind derzeit 27 Jugendverbände zugeordnet.
Themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen:
Hier handelt es sich um Träger, bei
denen die Führung des Fachdiskurses im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Jugendhilfe so-
wie angrenzender Leistungsfelder und deren Zusammenwirkung im Vordergrund steht. Die the-
menspezifischen Schwerpunkte sind dabei konzeptionell in der Bildungsarbeit der Träger veran-
kert und ordnen sich in die Planungsbereiche der überörtlichen Jugendhilfeplanung ein. Entspre-
chend arbeiten die Untergliederungen der Träger aufgabenbezogen auch sach- und themenspe-
zifisch. Die direkten Bildungsangebote in institutionellen Formen sind dabei weniger umfangreich.
Als „Themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeitsstellen“ lassen sich derzeit insgesamt 10
Träger bezeichnen, die in den Bereichen § 11 SGB VIII, § 13 SGB VIII, § 14 SGB VIII und Über-
greifend tätig sind.
Die derzeitige Zuordnung stellt den aktuellen Bestand an 47 Trägern in der überörtlichen Jugend-
hilfeplanung dar, mit dem weitestgehend die beschriebenen Bildungsziele und Aufgabenschwer-
punkte umgesetzt werden können. Dieser bietet die Bezugsgröße für notwendige bedarfsbasierte
Entwicklungen im Planungszeitraum 2021 - 2025.
Träger nach Art der Leistungsanbieter 2020
Fortbildungsträger
mit erweitertem Bil-
dungsportfolio
Dachverbände mit
Bildungsaufgaben
Jugendverbände
Themenspezifische
Fachstellen bzw.
Facharbeitsstellen
Summe
Bereich § 11 SGB VIII
8
Bereich §§ 11/12 SGB VIII
31
Bereich § 13 SGB VIII
2
Bereich § 14 SGB VIII
2
Bereich Übergreifend
4
Summe
2
5
30
10
47
Bild 48: Träger nach Art der Leistungsanbieter 2020; SMS-LJA 2020

 
| 89
9.2 Bedarfsgrößen
Ausgangspunkte für die Definition der Bedarfsgrößen sind die getroffenen Festlegungen der ab-
laufenden Planungsperiode 2015 - 2020. Hier wurden grundlegende Aussagen zur strukturellen
Ausgestaltung des überörtlichen Planungsbereiches benannt und definiert.
Als globale Bedarfsgrößen formuliert bilden sie die Grundlage für die getroffenen Bedarfsaussa-
gen der einzelnen Leistungsbereiche mit dem Ziel, den Trägerföderalismus und die Wertepluralität
sowie die Kontinuität der Bildungsleistungen im überörtlichen Bereich zu sichern und eine struk-
turelle Basis für die Qualität der Bildungsangebote zu erreichen.
Die hier beschriebenen Basisgrößen dienen aber auch dazu, die Bildungsarbeit der überörtlichen
Träger als wichtigen Arbeitsbereich quantitativ abzubilden und zu dokumentieren.
Aus den Ergebnissen der Bestandsbewertung im planerischen und fachlichen Kontext sowie aus
den Erfahrungen zur Umsetzung der Planungsergebnisse ergibt sich ein nuancierter Änderungs-
bedarf, insbesondere zu Festlegungen im Zusammenhang mit der Förderung sowie zu einzelnen
qualitativen Vorgaben. Diese wurde eingangs in den konzeptionellen Grundüberlegungen bereits
thematisiert. Für die Bedarfsplanung 2021 - 2025 gelten nachfolgend genannte Grundsätze:
Bildungsleistungen
Bildungsleistungen sind als Bedarf formulierte Erwartungen und Formate an nonformaler und in-
formeller Bildung des unter Pkt. 8.1 entwickelten Bildungsverständnisses, die zur Umsetzung der
unter Pkt. 8.2.2 beschriebenen Ziele für die Bildungsarbeit dienen und in der Regel durch das
hauptamtlich beschäftigte Personal erbracht und verantwortet
werden.
Bildungsleistungen werden in verschiedenen Formen und Bildungsformaten erbracht:
Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung,
Außerschulische Jugendbildung,
Internationale Jugendarbeit,
Kinder- und Jugenderholung,
Beratung.
Die Leistungen richten sich sowohl an haupt- bzw. ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen in der Kinder-
und Jugendhilfe als auch an junge Menschen und deren Erziehungsberechtigte. Diese werden
entsprechend der Art und Umsetzung im qualitativen Sachberichtswesen abgebildet.
Mindestens ein Themenfeld aus den unter Pkt. 8.2.3 entwickelten Arbeitsschwerpunkten soll sich
inhaltlich in den Bildungsleistungen abbilden lassen.
Die Bildungs- und Beratungsleistungen sollten sich an folgenden Kriterien orientieren:
Freiwilligkeit der Teilnahme,
Offenheit, unabhängig von sozialer Herkunft, Religionszugehörigkeit, Nationalität und Ge-
schlecht sowie körperlicher und geistiger Beeinträchtigung auch dann, wenn es sich um
selbst organisierte Veranstaltungen handelt,
Mitgestaltung von Bildungsprozessen durch junge Menschen bei der bedarfsorientierten Aus-
wahl von Zielen, Inhalten und Methoden,
Nachhaltigkeit im Sinne von Kontinuität in der Bildungsarbeit und eines kompetenzorientier-
ten Wissenstransfers zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe im Freistaat Sach-
sen.
Grundlegende Leistungen zur Unterstützung der fachlich-inhaltlichen Arbeit
in der Jugendhilfe
Die grundlegenden Leistungen zur Unterstützung und Weiterentwicklung der fachlich-inhaltlichen
Arbeit sind maßgebliche Arbeitsabläufe, die in der Regel durch das hauptamtlich beschäftigte
Personal erbracht werden und im Grundsatz der Umsetzung der unter Pkt. 8 beschriebenen Bil-
dungsziele dienen. Insbesondere sind dies:
dem Selbstverständnis des Trägers entsprechende allgemeine Informationen zu bildungsrele-
vanten und jugendpolitischen Themen sowie Projekten, die der regelmäßigen Ansprache der
jeweiligen Zielgruppen dienen,
jugendpolitische Interessenvertretung insbesondere in bundes- und landesweiten Gremien im
jeweiligen Fachkontext,
Initiierung, Begleitung und Durchführung von Facharbeitskreisen und Projekten,

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
90 |
strukturelle, organisatorische und koordinierende Unterstützung der jeweiligen Trägerstruktu-
ren sowie die Förderung institutioneller Kooperationen mit Partnern außerhalb der Jugend-
hilfe,
Publikationen, die sich mit den Aufgaben, der aktuellen Situation und den Entwicklungen in
den Leistungsbereichen auseinandersetzen, sofern sie sich über die eigenen Mitgliedsstruk-
turen hinaus an die Fachöffentlichkeit wenden, insbesondere im Fachmagazin Corax als
grundlegendes Instrument zur Sicherstellung des träger- und bereichsübergreifenden Fach-
diskurses.
Mindestens ein Themenfeld aus den unter Pkt. 8.2.3 entwickelten Arbeitsschwerpunkten soll sich
inhaltlich in den grundlegenden Leistungen abbilden lassen.
Personal / Qualifikationen von Fachkräften
Der Freistaat Sachsen unterstützt die landesweiten Träger bei der Umsetzung der überörtlichen
Bildungsarbeit durch die Bereitstellung von Personalausgaben. Hier lassen sich 3 zentrale Tätig-
keitsgruppen unterscheiden, wobei der Fokus auf der Unterstützung von Fachpersonal für direkte
Bildungsaufgaben liegt:
Leitungspersonal,
- Geschäftsführer/-innen,
- geschäftsführende Bildungsreferent/-innen,
Bildungs-/ Fachreferent/-innen,
Verwaltungspersonal.
Geschäftsführer/-innen
sind mehrheitlich mit der Organisation und der Koordination der Ge-
schäftsstelle, der Personalführung und der Finanzverwaltung und -verantwortung sowie mit der
Sicherung der konzeptionellen und strategischen Grundausrichtung betraut. Voraussetzung dafür
ist ein dem Arbeitsfeld entsprechender (Fach-)Hochschulabschluss. Zudem werden Kenntnisse
in den Bereichen Finanzcontrolling, Sozialmanagement, Büroorganisation sowie Personalführung
vorausgesetzt. Neben den allgemein beschriebenen Aufgaben erbringen
geschäftsführende Bil-
dungsreferent/-innen
zum überwiegenden Teil eigenständige Bildungsleistungen.
Die Qualität von Bildungsleistungen ist in hohem Maße abhängig von qualifiziertem, hauptamtlich
beschäftigtem Fachpersonal. Daher hat im Rahmen der überörtlichen Planungsverantwortung
mittelfristig die Bereitstellung von personellen Ressourcen für die Erbringung von Bildungsleistun-
gen durch
Bildungsreferent/-innen und Fachreferent/-innen
eine erhöhte Priorität und Vorrang
vor anderen Tätigkeitsgruppen. Fachkräfte, die Tätigkeiten im Bildungsbereich erbringen, müssen
grundsätzlich über einen pädagogischen, sozialpädagogischen oder einen für das Aufgabenfeld
vergleichbaren bzw. geeigneten Hochschulabschluss verfügen.
Verwaltungspersonal
wird in den Bereichen Büroorganisation, Finanzcontrolling und Abrech-
nung sowie im Bereich Bürotechnik und -unterstützung eingesetzt. Voraussetzung dafür sind ein-
schlägige Berufsabschlüsse oder Nachweise über die Befähigung für die entsprechende Tätigkeit.
Durch Bildungsreferent/-innen und Fachreferent/-innen sowie durch das Leitungspersonal werden
Bildungsleistungen und grundlegende Leistungen zur Unterstützung der fachlich-inhaltlichen Ar-
beit in der Jugendhilfe realisiert. Die Vergütung der Fachkräfte in den verschiedenen Tätigkeits-
bereichen sollte tarifgerecht und den Aufgaben angemessen erfolgen.
Geschäftsstellen
Der Freistaat Sachsen unterstützt in Abhängigkeit nach Art der Leistungsanbieter, zur Anzahl der
Bildungsreferent/-innen bzw. Fachreferenten/-innen und zum Zuschnitt der Aufgaben Geschäfts-
stellen für Leitungs- und Koordinierungsaufgaben, soweit diese nicht aus anderen Mitteln finan-
ziert werden bzw. werden können. Geschäftsstellen mit Verwaltungspersonal sind insbesondere
für Bildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolie sowie Dachverbände mit Bildungsaufgaben
vorgesehen. Geschäftsstellen sind effektiv und flexibilisiert zu gestalten.

 
| 91
Bildungstage
Ein Bildungstag soll als vergleichbare Berechnungsgröße dazu dienen, eine Mindestbildungsleis-
tung je gefördertem Referenten festzulegen. Ein Bildungstag ist ein Arbeitstag, an dem der Refe-
rent/die Referentin selbst Bildungsinhalte vermittelt bzw. direkt in Kontakt mit den Teilnehmern
von Bildungsveranstaltungen oder dokumentierbaren Beratungskontexten steht.
In der Regel sollte der Bildungsanteil zur Erreichung je Tag nicht unter 4,5 Stunden liegen. Die
kleinste Bildungs- bzw. Beratungseinheit soll nicht unter 1,5 Stunden liegen. Diese Einheiten kön-
nen zu einem Bildungstag zusammengefasst werden.
Die Bildungstage werden auf die 208 Jahresarbeitstage eines/r vollbeschäftigten Bildungsreferen-
ten/-in bzw. Fachreferent/-in bezogen und in einem Verhältnis zwischen Bildungsleistungen und
grundlegenden Leistungen zur Unterstützung der fachlich-inhaltlichen Arbeit in der Jugendhilfe
dargestellt. Dabei wird in der Regel je Bildungstag ein Tag Vor- und Nachbereitung eingeräumt.
Die Bildungstage beziehen sich auf alle Bildungsleistungen des Leistungsanbieters (unabhängig
von der Maßnahmeförderung des Freistaates) und sollten sich am Bildungsverständnis, den Bil-
dungszielen und den Thematischen Arbeitsschwerpunkten orientieren. Die geleisteten Bil-
dungstage sind entsprechend summarisch zu dokumentieren, gegliedert nach den Bildungsfor-
maten Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung, Außerschulische Jugendbildung, Internationale
Jugendarbeit und Beratung (dokumentierbare Beratungskontexte).
Schutz von Kindern und Jugendlichen
Die Aspekte des Bundeskinderschutzgesetzes sind in die Konzeptionen der Träger einzuarbeiten
und deren Umsetzung zu dokumentieren. Dazu gehören:
die Gestaltung des Prozesses der Gefährdungseinschätzung gem. § 8a SGB VIII,
die Umsetzung der Regelungen des § 72a SGB VIII,
die Zusammenarbeit mit den jeweilig zuständigen örtlichen Trägern der Jugendhilfe
im Hinblick auf das Informationsmanagement zum Kinderschutz,
das Maßnahmemanagement im Fall einer Kindeswohlgefährdung.
Aussagen zu Finanzierungsgrößen im Rahmen der Förderung werden in Anlage
1a erläutert.
9.3 Grundlegende Bedarfsaussagen
Innerhalb der Bedarfsaussagen trifft der Planungsträger Aussagen zur grundsätzlichen strukturel-
len Verfasstheit und zu Entwicklungsnotwendigkeiten im gesamten Planungsbereich als auch in
den einzelnen Planungsbereichen. Ausgangspunkt ist dabei der Bestand an landesweit agieren-
den Leistungserbringern in der unter 9.1 beschriebenen Struktur.
Die strukturelle Grundlage bildet das in den konzeptionellen Vorüberlegungen entwickelte Pla-
nungsverständnis einschließlich der Kategorien der Planungsbereiche, der Art der Leistungsan-
bieter sowie der Festlegungen in den Bedarfsgrößen. Inhaltliche Aussagen beziehen sich auf die
konzeptionellen Überlegungen zur fachlich-inhaltlichen Rahmung.
Für die grundlegenden Leistungen und die Bildungsleistungen der Träger bilden die Bildungsziele
einen kompetenzbezogenen Zielüberbau und beschreiben grundsätzliche Erwartungen für die Or-
ganisation und die Themenstellungen für zu erbringende Bildungsleistungen. Diese sind:
DEMOKRATIEBILDUNG
BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT
SOZIALE, PERSONALE UND INTERKULTURELLE KOMPETENZVERMITTLUNG
INTERDISZIPLINÄRE KOOPERATIONEN - QUALIFIZIERTE ZUSAMMENARBEIT
GLEICHBERECHTIGTE TEILHABE/ INKLUSION
GESCHLECHTERGERECHTIKEIT
GESUNDES AUFWACHSEN

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
92 |
Die entwickelten thematischen Arbeitsschwerpunkte sollen bei der Bildungsarbeit in angemesse-
ner Form berücksichtigt werden. Nichtbenannte Themenfelder werden damit nicht ausgeschlos-
sen. Vielmehr soll mindestens ein Arbeitsschwerpunkt innerhalb der grundlegenden Leistungen –
hier insbesondere in der Führung des Fachdiskurses – und in den Bildungs- und Beratungsange-
boten thematisiert und innerhalb konzeptioneller Überlegungen sowie in den Sachberichten do-
kumentiert werden. In diesem Sinne werden inhaltliche Bedarfslagen aus fachlicher Sicht formu-
liert, die für den Planungszeitraum 2021 – 2025 aus Sicht des Planungsträgers eine erhöhte Pri-
orität besitzen.
Folgende thematischen Arbeitsschwerpunkte sind für 2021-2025 festgelegt:
Eigenständige Jugendpolitik weiterentwickeln und nachhaltig gestalten,
Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit systemübergreifend
weiterentwickeln,
Medienkompetenz stärken,
Geschlechterreflektierende Arbeit weiter etablieren,
Migrationssensible Arbeit thematisieren und stärken,
Schutz und Rechte von Kindern und Jugendlichen stärken,
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) thematisieren,
Jugend und Jugendarbeit im ländlichen Raum thematisieren und stärken,
Inklusive Ansätze thematisieren und etablieren,
Gesundheitsförderung als Teil der Primärprävention thematisieren.
Zudem wird innerhalb der Bedarfsaussagen ein quantitativer Mindestbedarf an Bildungsleistun-
gen festgelegt. Damit soll nicht die Gesamtleistung der überörtlichen Jugendverbände, Dachor-
ganisationen und Fachstellen charakterisiert werden, sondern eine vergleichbare quantitative
Größe, die sich auf die hauptamtlich beschäftigten und vom Freistaat Sachsen zu fördernden Bil-
dungsreferent/-innen bzw. Fachreferent/-innen bezieht.
Der Umfang von der geforderten und zu dokumentierenden Bildungs- und Beratungsleistungen
wird bereichsübergreifend nach Art der Leistungsanbieter wie folgt festgelegt:
Bildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio: 40 Bildungstage
Dachverbände mit Bildungsaufgaben: 35 Bildungstage
Themenspezifische Fachstellen bzw. Facharbeitsstelle: 35 Bildungstage
Jugendverbände: 30 Bildungstage
Werden von Bildungsreferent/-innen Leitungstätigkeiten wahrgenommen, so verringert sich die
Anzahl der Bildungstage entsprechend des Anteils der Leitungstätigkeit.
Bereichsübergreifend bekennt sich der Freistaat Sachsen zum bewährten, fach- und trägerüber-
greifenden Medium, der Fachzeitschrift „Corax“. Die Zeitschrift ist ein wichtiges Instrument, wel-
ches fachliche Entwicklungen im gesamten Kanon der Kinder- und Jugendhilfe sowie angrenzen-
der Bereiche beleuchtet und diskutiert. Gleichfalls werden bundesweite Tendenzen im Feld der
Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund sächsischer Gegebenheiten reflektiert und analysiert, um
einer Weiterentwicklung dienende Schlüsse für die Handlungsfelder zu ziehen. Eine aktive Mitwir-
kung sowie kooperative Verantwortungsübernahme der landesweiten freien Träger der Jugend-
hilfe (konkret durch aktive Mitwirkung von Bildungsreferent/-innen in der ehren-/nebenamtlichen
Redaktionsgruppe) ist immanent wichtig, um die Vielfalt der sächsischen Kinder- und Jugendar-
beit und der angrenzenden Arbeitsfelder adäquat darzustellen.
9.4 Bedarfsaussagen in den einzelnen Bereichen
9.4.1 Bereich § 11 SGB VIII
Im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit wurde in den vergangenen Jahren ein hohes Maß
an Bildungsarbeit geleistet. Die überörtlichen Träger sind wichtige Akteure bei der Professionali-
sierung von haupt- und nebenamtlichen Fachkräften sowie bei Bildungsprozessen mit und für
junge Menschen in verschiedenen Kontexten. Sie leisten zudem einen hohen Beitrag bei der

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Wahrnehmung von Interessen der Kinder und Jugendlichen und im Rahmen der Fachdiskussion.
Diese Arbeit gilt es in der hohen Qualität im Planungszeitraum 2021 - 2025 fortzusetzen.
Das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit ist in den letzten Jahren von einem strukturellen
Umbruch gekennzeichnet, einhergehend mit einem Rückgang von örtlichen Angeboten und im
Arbeitsfeld tätigen Personen. Die anhaltend schwierigen kommunalen Haushaltslagen und der
Legitimationsdruck wirken sich direkt auf die Ressourcen der Kinder- und Jugendarbeit aus. Den-
noch wird durch die öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe das sozial-integrative Potenzial
der Kinder und Jugendarbeit betont und hervorgehoben.
Aus Sicht des überörtlichen Planungsträgers ergibt sich aus dieser Situation ein besonderer Un-
terstützungsauftrag für dieses Arbeitsfeld. Insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklung von
Werteorientierungen und Einstellungen junger Menschen wird weiterhin ein hoher Bildungs- und
Beratungsbedarf im Arbeitsfeld gesehen, um den Bildungsauftrag der Kinder- und Jugendarbeit
zu bekräftigen und zu unterstützen.
Inhaltliche Schwerpunktsetzungen ergeben sich aus den fachlichen Entwicklungen und Erforder-
nissen im Arbeitsfeld. Hier ist zunächst die weitere Ausgestaltung des Konzeptes der Eigenstän-
digen Jugendpolitik zu nennen. Auch die Thematik Jugend und Jugendarbeit im ländlichen Raum
sollte im Fokus des Fachdiskurses verbleiben. Dies betrifft die Aufrechterhaltung und nachhaltige
Ausgestaltung der Angebote der Kinder- und Jugendarbeit in ländlichen Räumen als Grundele-
ment einer gelingenden Sozialisation sowie als basiskulturelles Grundangebot in unmittelbaren
Lebensbezügen. Die Fachdiskussion in der Kinder- und Jugendarbeit ist unter anderem unter die-
sem Aspekt zu führen.
Eine zukunftsfähige Kinder- und Jugendarbeit braucht auch weiterhin gut ausgebildetes Fachper-
sonal. Hierzu gehören eine fundierte und praxisbezogene Erstausbildung sowie eine qualitativ
hochwertige Fort- und Weiterbildung auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse
mit den dafür erforderlichen Rahmenbedingungen. Dazu wird die Staatsregierung an der Förde-
rung von landesweit agierenden Trägern im Leistungsbereich § 11 SGB VIII auf folgender Basis
festhalten:
Für die strukturelle Ausgestaltung sowie die Umsetzung der grundlegenden Leistungen und der
Bildungsleistungen gelten die Festlegungen der Bedarfsgrößen.
Struktur:
Der überörtliche Planungsträger bekennt sich zu einer Kernstruktur von 8 Leistungsan-
bietern. Dies sind:
1 Bildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio,
3 Dachverbände mit Bildungsaufgaben in den Feldern Kinder- und Jugendübernachtung, natur-
wissenschaftlich-technische Bildung sowie kulturelle Bildung,
4 Fachstellen mit den Feldern Jugend im ländlichen Raum, Mobile Jugendarbeit, Sozialdiakoni-
sche/Kirchliche Jugendarbeit, Soziokultur und Jugendarbeit als integraler Bestandteil.
Personal:
Zur Umsetzung der Aufgaben im Bereich § 11 SGB VIII ergibt sich für den Planungs-
zeitraum aus fachlicher Sicht ein
Rahmenbedarf in Höhe von bis zu 28,0 Stellen
(VzÄ). Hohe
Priorität haben dabei die Stellen der Bildungsreferent/-innen.
Die personelle Ausstattung liegt derzeit bei 23,7 VzÄ. Ein nuancierter Entwicklungsbedarf ergibt
sich aus den Bedarfsanzeigen einzelner Leistungsanbieter. Veränderungen sind möglichst inner-
halb des Rahmenbedarfes vorzunehmen.
Bildungsleistungen:
Für die Bildungsleistungen bilden die Bildungsziele einen kompetenzbezoge-
nen Zielüberbau. Die Inhalte der Bildungsleistungen liegen in der Verantwortung der Leistungs-
anbieter in ihrer fachlich-inhaltlichen Ausrichtung. Die entwickelten thematischen Arbeitsschwer-
punkte sollen bei der Bildungsarbeit in angemessener Form berücksichtigt werden. Nichtbenannte
Themenfelder werden damit nicht ausgeschlossen. Vielmehr soll mindestens ein Arbeitsschwer-
punkt innerhalb der grundlegenden Leistungen – hier insbesondere in der Führung des Fachdis-
kurses – und in den Bildungs- und Beratungsangeboten thematisiert und innerhalb konzeptioneller
Überlegungen sowie in den Sachberichten dokumentiert werden.
Die zu dokumentierenden Bildungstage ergeben sich aus den eingangs genannten Festlegungen
nach Art der Leistungsanbieter.

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
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Grundlegende Leistungen:
Die grundlegenden Leistungen zur Unterstützung der fachlich-inhaltli-
chen Arbeit werden durch die Bildungsreferent/-innen bzw. Fachreferenten/-innen erbracht. Das
dafür vorgesehene Zeitbudget richtet sich nach Höhe der zu erbringenden Bildungsleistungen
des/der Referenten/-in. Umfang, Art und Schwerpunkt dieser erbrachten Leistungen liegen in der
Verantwortung der Träger. Sie sollen sich jedoch – insbesondere in der Beratung sowie in der
Führung des Fachdiskurses – in angemessener Weise an den thematischen Arbeitsschwerpunk-
ten orientieren.
Im Rahmen dessen sind im besonderen Maße auch Fortbildungen und andere zur Qualitätssiche-
rung erforderlichen Maßnahmen für Fachkräfte zu berücksichtigen.
9.4.2 Bereich §§ 11/12 SGB VIII
Im Handlungsfeld der Jugendverbandsarbeit hat im sich überörtlichen Bereich in den vergange-
nen Jahren eine leistungsfähige und eine von der Wertevielfalt geprägte Struktur von Jugendver-
bänden etabliert. Die Angebote der Landesverbände haben dem Charakter des Arbeitsfeldes ent-
sprechend ihren Schwerpunkt in der Fortbildung und Anleitung von Fachkräften und Multiplikato-
ren, in der Unterstützung der ehrenamtlichen Strukturen auf örtlicher Ebene sowie in der Anregung
und in Realisierung von Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit. Die überörtlichen Jugend-
verbände sind dabei wichtige Bildungs- und Beratungsakteure. Sie üben darüber hinaus eine be-
deutende strukturbildende Funktion aus und schaffen Möglichkeiten der Interessenvertretung und
der Beteiligung für junge Menschen.
Durch die landesweiten Jugendverbände wurde in den vergangenen Jahren eine hohe Anzahl an
Bildungs- und Beratungsleistungen erbracht, insbesondere für die Mitgliedsverbände und dort or-
ganisierten jungen Menschen. Zudem konnte es gelingen, eine Reihe von Verbänden in die Be-
reitstellung von Fachpersonal aufzunehmen.
Im Zusammenhang mit den beschriebenen gesamtgesellschaftlichen Rahmungen und vor dem
Hintergrund der Entwicklung von Werteorientierungen und Einstellungen von jungen Menschen
ergeben sich weiterhin zentrale Bedarfslagen an Bildungsprozessen mit demokratiebildenden und
beteiligungsorientierten Anteilen. Zudem bekennt sich der Freistaat mit dem im Koalitionsvertrag
2019-2024 als jugendpolitische Agenda beschriebenen besonderen Stellenwert sowie der beab-
sichtigten Stärkung der Jugendverbandsarbeit zur weiteren Sicherung und zum perspektivischen
Ausbau des Arbeitsfeldes.
Eine wesentliche Grundvoraussetzung für die gelingende Bildungs- und Beratungsarbeit sowie
für die strukturbildende Funktion der überörtlichen Jugendverbände ist die Bereitstellung von
Fachpersonal. Deshalb wird an dieser Stelle ein Rahmenbedarf an Fachkräften und damit die
Höhe der mindestens zu erbringenden Bildungsleistungen aus fachlicher Sicht festgelegt.
Für die strukturelle Ausgestaltung sowie die Umsetzung der grundlegenden Leistungen und der
Bildungsleistungen gelten die Festlegungen der Bedarfsgrößen.
Struktur:
Der überörtliche Planungsträger bekennt sich zu einer Kernstruktur von 29 Leistungsan-
bietern. Dies sind:
1 Dachverband mit Bildungsaufgaben
im Feld der überörtlichen Jugendverbandsarbeit
28 Jugendverbände
im Feld der überörtlichen Jugendverbandsarbeit
Personal:
Zur Umsetzung der Aufgaben im Bereich § 11/12 SGB VIII ergibt sich für den Planungs-
zeitraum aus fachlicher Sicht ein
Rahmenbedarf in Höhe von insgesamt bis zu 33,0 Stellen
(VzÄ). Hohe Priorität haben dabei die Stellen der Bildungsreferent/-innen.
Davon sollen angemessene Stellenanteile auf den Dachverband entfallen. 2020 lagen die Stel-
lenanteil für den Planungsbereich bei 24,4 VzÄ.
Der beschriebene stellenbasierte Entwicklungsbedarf ergibt sich hauptsächlich aus der jugendpo-
litischen Einschätzung und der Forderung hinsichtlich einer Stärkung der Jugendverbandsarbeit,
aber auch aus den signalisierten Bedarfsanzeigen einzelner Leistungsanbieter. Derzeit erhalten
nicht alle überörtlichen Jugendverbände eine Unterstützung in Form von Personalstellen.

 
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Ziel aus Sicht des Planungsträgers ist es, in der Aufteilung der Ressourcen und der Personalstel-
len im Bereich §§ 11/12 SGB VIII eine gleichmäßige und mit Blick auf die Wertevielfalt der Ver-
bände angemessene Verteilung zu erreichen. Aus diesem Grund ist für die Unterstützung von
Personal in der Regel ein/e Bildungsreferent/-in je Verband vorgesehen.
Veränderungen sind innerhalb des Rahmenbedarfs vorzunehmen. Dabei ist die Leistungsfähigkeit
der Träger für die strukturbildende Funktion, die grundlegenden Leistungen und die Bildungsleis-
tungen zu berücksichtigen.
Der Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. als Dachverband ist für seine verbandlich strukturierten
Mitglieder bei der gleichmäßigen Verteilung der Personalstellen zu beteiligen.
Bildungsleistungen:
Für die Bildungsleistungen bilden die Bildungsziele einen kompetenzbezoge-
nen Zielüberbau. Die Inhalte der Bildungsleistungen liegen in der Verantwortung der Leistungs-
anbieter in ihrer fachlich-inhaltlichen Ausrichtung. Die entwickelten thematischen Arbeitsschwer-
punkte sollen bei der Bildungsarbeit in angemessener Form berücksichtigt werden. Nichtbenannte
Themenfelder werden damit nicht ausgeschlossen. Vielmehr soll mindestens ein Arbeitsschwer-
punkt innerhalb der grundlegenden Leistungen – hier insbesondere in der Führung des Fachdis-
kurses – und in den Bildungs- und Beratungsangeboten thematisiert und innerhalb konzeptioneller
Überlegungen sowie in den Sachberichten dokumentiert werden.
Die zu dokumentierenden Bildungstage ergeben sich aus den eingangs genannten Festlegungen
nach Art der Leistungsanbieter.
Grundlegende Leistungen:
Die grundlegenden Leistungen zur Unterstützung der fachlich-inhaltli-
chen Arbeit werden durch die Bildungsreferent/-innen bzw. Fachreferent/-innen erbracht. Das da-
für vorgesehene Zeitbudget richtet sich nach Höhe der zu erbringenden Bildungsleistungen
des/der Referenten/-in. Umfang, Art und Schwerpunkt dieser erbrachten Leistungen liegen in der
Verantwortung der Träger. Sie sollen sich jedoch – insbesondere in der strukturbildenden Funk-
tion, der Beratung sowie in der Führung des Fachdiskurses – in angemessener Weise an den
thematischen Arbeitsschwerpunkten orientieren.
Im Rahmen dessen sind im besonderen Maße auch Fortbildungen und andere zur Qualitätssiche-
rung erforderlichen Maßnahmen für Fachkräfte zu berücksichtigen.
9.4.3 Bereich § 13 SGB VIII
Im Bereich § 13 SGB VIII kann mit Blick auf die Bestandsbewertung eingeschätzt werden, dass
durch die Träger in den letzten Jahren ein qualitativ und quantitativ umfangreiches Programm an
Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung angeboten und umgesetzt wurde.
In Bezug auf aktuelle fachliche und gesellschaftliche Entwicklungen besteht für das Arbeitsfeld
der Jugendsozialarbeit in den Handlungsfeldern „Schulsozialarbeit“ und „Arbeitsweltbezogene Ju-
gendsozialarbeit“ in den nächsten Jahren ein besonderer Entwicklungsbedarf, welcher bei der
Benennung der thematischen Arbeitsschwerpunkte berücksichtigt wurde.
Mit dem quantitativen Ausbau und der Fortschreibung der Schulsozialarbeit und der arbeitswelt-
bezogenen Jugendsozialarbeit in Sachsen ist ein höherer Bedarf an Fachberatung, Prozessbe-
gleitung sowie Fortbildung verbunden. Aufgabe der jeweiligen überörtlichen Fachstellen ist es da-
bei, neben Bildungs- und Beratungsleistungen den Fachdiskurs konstruktiv und kritisch zu beglei-
ten. Hierzu gilt es, ergänzende Fortbildungsformate und Fachforen zu entwickeln und vorzuhalten
.
Eine wesentliche Grundvoraussetzung für die gelingende Bildungs- und Beratungsarbeit der
überörtlichen Leistungsanbieter ist die strukturelle Stabilisierung von Fachpersonal. Deshalb wird
an dieser Stelle ein Rahmenbedarf an Fachkräften und die Höhe der zu erbringenden Bildungs-
leistungen aus fachlicher Sicht festgelegt.
Für die strukturelle Ausgestaltung sowie die Umsetzung der grundlegenden Leistungen und der
Bildungsleistungen gelten die Festlegungen der Bedarfsgrößen.
Struktur:
Der überörtliche Planungsträger bekennt sich zu einer Kernstruktur von 2 Leistungsan-
bietern. Dies sind:
2 Themenspezifische Fachstellen
in den Feldern Arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit und
Schulsozialarbeit

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
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Personal:
Zur Umsetzung der Aufgaben im Bereich § 13 SGB VIII ergibt sich für den Planungs-
zeitraum aus fachlicher Sicht ein
Rahmenbedarf in Höhe von bis zu 7,0 Stellen
(VzÄ). Hohe
Priorität haben dabei die Stellen der Bildungsreferent/-innen.
Die derzeitige Stellenauslastung in diesem Planungsbereich liegt bei 5,5 Stellen. Ein Entwick-
lungsbedarf ergibt sich möglicherweise aus einem erhöhten Beratungsbedarf im Bereich der
Schulsozialarbeit aber auch der Arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit. Veränderungen, die
sich im Planungszeitraum aus aktuellen Bedarfslagen ergeben, sind innerhalb des Rahmenbe-
darfes vorzunehmen.
Bildungsleistungen:
Für die Bildungsleistungen bilden die Bildungsziele einen kompetenzbezoge-
nen Zielüberbau. Die Inhalte der Bildungsleistungen liegen in der Verantwortung der Leistungs-
anbieter in ihrer fachlich-inhaltlichen Ausrichtung. Die entwickelten thematischen Arbeitsschwer-
punkte sollen bei der Bildungsarbeit in angemessener Form berücksichtigt werden. Nichtbenannte
Themenfelder werden damit nicht ausgeschlossen. Vielmehr soll mindestens ein Arbeitsschwer-
punkt innerhalb der grundlegenden Leistungen – hier insbesondere in der Führung des Fachdis-
kurses – und in den Bildungs- und Beratungsangeboten thematisiert und innerhalb konzeptioneller
Überlegungen sowie
in den Sachberichten dokumentiert werden.
Die zu dokumentierenden Bildungstage ergeben sich aus den eingangs genannten Festlegungen
nach Art der Leistungsanbieter.
Grundlegende Leistungen:
Die grundlegenden Leistungen zur Unterstützung der fachlich-inhaltli-
chen Arbeit werden durch die Bildungsreferent/-innen bzw. Fachreferenten/-innen erbracht. Das
dafür vorgesehene Zeitbudget richtet sich nach Höhe der zu erbringenden Bildungsleistungen
des/der Referenten/-in. Umfang, Art und Schwerpunkt dieser erbrachten Leistungen liegen in der
Verantwortung der Träger. Sie sollen sich jedoch – insbesondere in der Beratung sowie in der
Führung des Fachdiskurses – in angemessener Weise an den thematischen Arbeitsschwerpunk-
ten orientieren.
Im Rahmen dessen sind im besonderen Maße auch Fortbildungen und andere zur Qualitätssiche-
rung erforderlichen Maßnahmen für Fachkräfte zu berücksichtigen.
9.4.4 Bereich § 14 SGB VIII
Im Hinblick auf die Bestandsbewertung lässt sich konstatieren, dass im Bereich des § 14 SGB VIII
ein hinreichendes Maß an Bildungsangeboten geleistet wurde.
In den vergangenen Planungszeiträumen konnte eine Stärkung des Arbeitsfeldes durch den Aus-
bau der strukturell-personellen Basis des Kinder- und Jugendschutzes in der Tätigkeit überörtli-
cher freier Träger erreicht werden. Schwerpunkt war die angezeigte
Weiterentwicklung medien-
pädagogischer bzw. medienerzieherischer Bildungsangebote
verbunden mit einer Erweite-
rung des entsprechenden Rahmenbedarfs.
Der Erzieherische Kinder- und Jugendschutz lässt sich vor dem Hintergrund aktueller-fachlicher
Entwicklungen trotzdem als ein Handlungsfeld der Jugendhilfe mit besonderem Entwicklungsbe-
darf einschätzen. Dies betrifft insbesondere den Bereich der Medienerziehung und der Vermittlung
von digital basierter Medienkompetenz.
Der Beratungs- und Bildungsbedarfs an öffentliche und freie Träger der Jugendhilfe wird aufgrund
der gleichbleibenden Situation im Arbeitsfeld auf der örtlichen Ebene als gleichbleibend hoch ein-
geschätzt. In Bezug auf die Angebotsausrichtung der vorhanden überörtlichen Strukturen im Leis-
tungsbereich des § 14 SGB VIII heißt dies, das gesamte Medienspektrum in den Blick zu nehmen
und das Beratungs- und Fortbildungsangebot entsprechend insbesondere für Fachkräfte der Ju-
gendhilfe und andere Bezugspersonen von jungen Menschen zu gestalten.
Als wesentliche Grundvoraussetzung für die gelingende Bildungs- und Beratungsarbeit der
überörtlichen Leistungsanbieter wird an dieser Stelle ein Rahmenbedarf an Fachkräften und die
Höhe der zu erbringenden Bildungsleistungen aus fachlicher Sicht festgelegt. Für die strukturelle
Ausgestaltung sowie die Umsetzung der grundlegenden Leistungen und der Bildungsleistungen
gelten die Festlegungen der Bedarfsgrößen.
Struktur:
Der überörtliche Planungsträger bekennt sich zu einer Kernstruktur von 2 Leistungsan-
bietern. Dies sind:

 
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2 Themenspezifische Fachstellen
in den Bereichen Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz,
Medienerziehung und Medienkompetenz.
Personal:
Zur Umsetzung der Aufgaben im Bereich § 14 SGB VIII ergibt sich für den Planungs-
zeitraum aus fachlicher Sicht ein
Rahmenbedarf in Höhe von bis zu 6,00 Stellen (VzÄ)
. Hohe
Priorität haben dabei die Stellen der Bildungsreferent/-innen.
Die Stellenauslastung lag 2020 bei 4,5 Stellen. Ein stellenbasierter Entwicklungsbedarf ergibt sich
aktuell nicht. Veränderungen, die sich im Planungszeitraum aus aktuellen Bedarfslagen ergeben,
sind innerhalb des Rahmenbedarfes vorzunehmen.
Bildungsleistungen:
Für die Bildungsleistungen bilden die Bildungsziele einen kompetenzbezoge-
nen Zielüberbau. Die Inhalte der Bildungsleistungen liegen in der Verantwortung der Leistungs-
anbieter in ihrer fachlich-inhaltlichen Ausrichtung. Die entwickelten thematischen Arbeitsschwer-
punkte sollen bei der Bildungsarbeit in angemessener Form berücksichtigt werden. Nichtbenannte
Themenfelder werden damit nicht ausgeschlossen. Vielmehr soll mindestens ein Arbeitsschwer-
punkt innerhalb der grundlegenden Leistungen – hier insbesondere in der Führung des Fachdis-
kurses – und in den Bildungs- und Beratungsangeboten thematisiert und innerhalb konzeptioneller
Überlegungen sowie in den Sachberichten dokumentiert werden.
Die zu dokumentierenden Bildungstage ergeben sich aus den eingangs genannten Festlegungen
nach Art der Leistungsanbieter.
Grundlegende Leistungen:
Die grundlegenden Leistungen zur Unterstützung der fachlich-inhaltli-
chen Arbeit werden durch die Bildungsreferent/-innen bzw. Fachreferenten/-innen erbracht. Das
dafür vorgesehene Zeitbudget richtet sich nach Höhe der zu erbringenden Bildungsleistungen
des/der Referenten/-in. Umfang, Art und Schwerpunkt dieser erbrachten Leistungen liegen in der
Verantwortung der Träger. Sie sollen sich jedoch – insbesondere in der Beratung sowie in der
Führung des Fachdiskurses – in angemessener Weise an den thematischen Arbeitsschwerpunk-
ten orientieren.
Im Rahmen dessen sind im besonderen Maße auch Fortbildungen und andere zur Qualitätssiche-
rung erforderlichen Maßnahmen für Fachkräfte zu berücksichtigen.
9.4.5 Bereich Übergreifend
Der Schwerpunkt im Bereich Übergreifend liegt einerseits in der Bearbeitung globaler und umfas-
sender Themenstellungen im Feld der §§ 11 – 14 SGB VIII sowie in Anknüpfung angrenzender
Felder innerhalb und außerhalb der Kinder- und Jugendhilfe. Andererseits geht es um die Wahr-
nehmung von Aufgaben in Themenfeldern mit besonderer fachlicher und jugendpolitischer Be-
deutung.
Hierbei stehen die Fachberatung und die Fachgruppenarbeit im Hinblick auf das beschriebene
Bildungsverständnis im Vordergrund. Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung vervollständigen
das Angebot.
Aus den dargestellten fachlichen Entwicklungen und den benannten themenspezifischen Arbeits-
schwerpunkten lassen sich wesentliche Aufgaben für diesen Planungsbereich ableiten.
Ein primäres Themenfeld ergibt sich aus dem Aspekt der geschlechtsspezifischen Arbeit und der
Geschlechtergerechtigkeit.
Ein weiteres wichtiges Themenfeld ist der im Bundeskinderschutzgesetz konkretisierte Schutzauf-
trag im Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe. Das sich daraus ergebende Grundverständnis
zum Schutz und zu Rechten von Kindern und Jugendlichen erfordert die verbindliche Zusammen-
arbeit aller Institutionen und Professionen, die Zugang zu Familien und Kindern haben.
Weitere Themenfelder ergeben sich aus dem in den Bildungszielen und thematischen Arbeits-
schwerpunkten formulierten Demokratieauftrag, der Umsetzung und Wahrung der Beteiligungs-
rechte von Kindern und Jugendlichen sowie aus den fachlichen Überlegungen, im Rahmen ver-
netzter Betrachtungen an Beratungs- und Unterstützungsbedarfe aus anderen Feldern der Ju-
gendhilfe anzuknüpfen.
Insgesamt ist das Engagement des Freistaates Sachsen in diesem Bereich als Ergebnis eines
jugendpolitischen Willensbildungsprozesses zu sehen.

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
98 |
Als wesentliche Grundvoraussetzung für die gelingende Bildungs- und Beratungsarbeit der
überörtlichen Leistungsanbieter wird an dieser Stelle ein Rahmenbedarf an Fachkräften und die
Höhe der zu erbringenden Bildungsleistungen aus fachlicher Sicht festgelegt. Für die strukturelle
Ausgestaltung sowie die Umsetzung der grundlegenden Leistungen und der Bildungsleistungen
gelten dabei die Festlegungen der Bedarfsgrößen.
Struktur:
Der überörtliche Planungsträger bekennt sich zu einer Kernstruktur von 4 Leistungsan-
bietern. Dies sind:
1 Bildungsträger mit erweitertem Bildungsportfolio
im Bereich Kinderschutz- und Beteiligungs-
rechte,
2 Themenspezifische Fachstellen
in den Themenfeldern Geschlechtergerechtigkeit/ Gender-
kompetenz,
1
Fachstelle
im Kontext der Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte und Kultur.
Personal:
Zur Umsetzung der Aufgaben im Bereich Übergreifend ergibt sich für den Planungszeit-
raum aus fachlicher Sicht ein
Rahmenbedarf in Höhe von bis zu 14,0 Stellen (VzÄ)
. Hohe Pri-
orität haben dabei die Stellen der Bildungsreferent/-innen.
Die derzeitige Stellenauslastung liegt bei 11,6 VzÄ. Ein Entwicklungsbedarf ergibt aus den fachli-
chen Überlegungen im Rahmen vernetzter Betrachtungen an Beratungs- und Unterstützungsbe-
darfe aus anderen Feldern der Jugendhilfe. Veränderungen sind innerhalb des Rahmenbedarfes
vorzunehmen.
Bildungsleistungen:
Für die Bildungsleistungen bilden die Bildungsziele einen kompetenzbezoge-
nen Zielüberbau. Die Inhalte der Bildungsleistungen liegen in der Verantwortung der Leistungs-
anbieter in ihrer fachlich-inhaltlichen Ausrichtung. Die entwickelten thematischen Arbeitsschwer-
punkte sollen bei der Bildungsarbeit in angemessener Form berücksichtigt werden. Nichtbenannte
Themenfelder werden damit nicht ausgeschlossen. Vielmehr soll mindestens ein Arbeitsschwer-
punkt innerhalb der grundlegenden Leistungen – hier insbesondere in der Führung des Fachdis-
kurses – und in den Bildungs- und Beratungsangeboten thematisiert und innerhalb konzeptioneller
Überlegungen sowie in den Sachberichten dokumentiert werden.
Die zu dokumentierenden Bildungstage ergeben sich aus den eingangs genannten Festlegungen
nach Art der Leistungsanbieter.
Grundlegende Leistungen:
Die grundlegenden Leistungen zur Unterstützung der fachlich-inhaltli-
chen Arbeit werden durch die Bildungsreferent/-innen bzw. Fachreferenten/-innen erbracht. Das
dafür vorgesehene Zeitbudget richtet sich nach Höhe der zu erbringenden Bildungsleistungen
des/der Referenten/-in. Umfang, Art und Schwerpunkt dieser erbrachten Leistungen liegen in der
Verantwortung der Träger. Sie sollen sich jedoch – insbesondere in der Beratung sowie in der
Führung des Fachdiskurses – in angemessener Weise an den thematischen Arbeitsschwerpunk-
ten orientieren.
Im Rahmen dessen sind im besonderen Maße auch Fortbildungen und andere zur Qualitätssiche-
rung erforderliche Maßnahmen für Fachkräfte zu berücksichtigen.

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Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
100 |
IV MASSNAHMEPLANUNG

| 101

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
102 |
10 Einleitung
Die Umsetzung der Planungsergebnisse erfolgt in der Finanzierung der landesweiten Jugendver-
bände, Dachorganisationen und Fachstellen über die Richtlinie des Sächsischen Staatsministeri-
ums für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt zur Förderung von Trägern der freien Ju-
gendhilfe bei der Erbringung von Angeboten des überörtlichen Bedarfs (FRL überörtlicher Bedarf)
in der jeweilig gültigen Fassung. Im Rahmen dieser Finanzierung ist die Förderung von Personal-
stellen und Maßnahmen der Außerschulischen Jugendbildung, der Mitarbeiter- und Multiplikato-
renfortbildung und der internationalen Jugendarbeit möglich.
Im Folgenden werden im Rahmen der Ausgestaltung der Maßnahmeplanung zentrale Festlegun-
gen zur Planungsumsetzung getroffen, das Verfahren des Abgleiches bzw. Vernetzung zwischen
Jugendhilfeplanung und Förderung sowie der Auftrag zur Fachberatung des Landesjugendamtes
beschrieben. Abschließend erfolgt in den Schlussfolgerungen die Thematisierung der Zusammen-
hänge zwischen Jugendhilfeplanung, Förderung und dem zur Verfügung stehenden jährlichen Fi-
nanzrahmen.
11 Zur Ausgestaltung der Maßnahmeplanung
11.1 Zentrale Festlegungen für die Planungsumsetzung
1. Die Bedarfsaussagen des überörtlichen Planungsträgers beziehen sich - neben der fachlich-
inhaltlichen Rahmung für die Bildungsarbeit - zuallererst auf die Struktur der überörtlichen Leis-
tungsanbieter sowie deren Personalausstattung, da Personal- und Sachkosten den größten Teil
der Mittel im Zuwendungsverfahren binden.
2. Die nachhaltige Sicherung der Personalstruktur insbesondere der Bildungsreferent/-innen hat
Vorrang vor der Förderung von einzelnen Bildungsmaßnahmen.
3. Die Förderung von einzelnen Bildungsmaßnahmen soll einen angemessenen Anteil im Ge-
samtbereich der Förderung einnehmen. Geförderte Maßnahmen sollen das Gebot der Überregi-
onalität erfüllen.
33
4. Bildungsmaßnahmen mit besonderer jugendpolitischer Bedeutung sind in der Maßnahmeför-
derung gesondert zu betrachten. Sie sollen sich in der Regel inhaltlich an den in der Planung
ausgewiesenen thematischen Arbeitsschwerpunkten orientieren und bedürfen einer gesonderten
Abstimmung zwischen überörtlichem Planungsträger und der Bewilligungsbehörde in Form einer
Stellungnahme.
34
5. Die Verwaltung des Landesjugendamtes ist in Aufgabenwahrnehmung des überörtlichen Trä-
gers der öffentlichen Jugendhilfe und in Bezug auf § 79 Abs. 1 SGB VIII zuständig für die fachge-
rechte Umsetzung des Fachkräftegebots gemäß § 72 i.V.m. § 74 Abs.1 SGB VIII.
Die Wahrnehmung dieser Aufgabe erfolgt im Rahmen der Fachberatung durch die Verwaltung
des Landesjugendamtes sowie durch die Beteiligung im Zuwendungsverfahren.
11.2 Verfahren zur Vernetzung von Jugendhilfeplanung und Förderung
Zum
jährlichen
Abgleich
der Jugendhilfeplanung mit der
Förderung ist ein
Verfahren zur Abstim-
mung zwischen der Obersten Landesjugendbehörde (dem SMS), der Bewilligungsbehörde (dem
Kommunalen Sozialverband Sachsen), dem überörtlichen Planungsträger (dem Landesjugend-
amt) sowie den
Leistungsanbietern vorgesehen.
Das Landesjugendamt erhält Ende Juni nachrichtlich die Sachberichte des vorangegangenen För-
derjahres. Diese Sachberichte werden durch die Fachberater/-innen des Landesjugendamtes
33
vgl. BV 4/2005 LJHA: Neuausrichtung der überörtlichen Förderung der Jugendhilfe im Freistaat Sachsen: Maßnahmen, die im
Rahmen der Richtlinie „Überörtlicher Bedarf“ gefördert werden, müssen der folgenden Normierung entsprechen: Ein Leistungsange-
bot entspricht insbesondere dann dem überörtlichen Bedarf, wenn das Konzept zur Umsetzung der Ziele für die Bildungsarbeit in der
überörtlichen Jugendhilfeplanung §§ 11 - 14 SGB VIII dient. Dabei kann die Realisierung des Leistungsangebotes durch einen Dach-
bzw. Landesverband grundsätzlich einmalig für mehrere Jugendamtsbereiche bzw. mehrmalig in einzelnen Jugendamtsbereichen
erfolgen.
34
SMS (2020): Förderrichtlinie Überörtlicher Bedarf: Pkt. 5.3.7

image
| 103
nach einem einheitlichen Raster ausgewertet und mit den Vorgaben der Antragstellung sowie der
Jugendhilfeplanung abgeglichen. Diese
Auswertung der Sachberichte
bildet die Basis für den
fachlich-inhaltlichen Teil der Fördergespräche.
Die von der Bewilligungsbehörde initiierten
antragsbezogenen Fördergespräche
zwischen
Kommunalem Sozialverband, Landesjugendamt und Trägern unmittelbar vor der Antragstellung
dienen dem Ziel, eine frühestmögliche Abstimmung zwischen den Interessen der Verfahrensbe-
teiligten zu ermöglichen sowie Verfahrenssicherheit und Transparenz zu gewährleisten. Zudem
werden neben förderrechtlichen und fördertechnischen Fragestellungen die Umsetzung der Bil-
dungsziele der Jugendhilfeplanung und Auswirkungen auf die Struktur der Planungsbereiche the-
matisiert. Innerhalb der antragsbezogenen Fördergespräche erfolgt zudem die Thematisierung
von qualitativen Aspekten im Hinblick auf die Umsetzung der Normierungen des § 79a SGB VIII
sowie der Regelungen des § 72a SGB VIII. Basis dafür sind die rechtlichen Vorgaben, die inner-
halb der Jugendhilfeplanung entwickelten Bedarfsgrößen als qualitative Basiskriterien sowie die
Reflektion der Sachberichte im Rahmen des qualitativen Sachberichtswesens.
Nach Eingang der Förderanträge werden vom Landesjugendamt die
Stellungnahmen zu den
Förderanträgen
mit Blick auf die aktuell gültige Jugendhilfeplanung erarbeitet. Diese werden an
die Bewilligungsbehörde gesendet und sind dort eine Rahmengröße für die Förderentscheidung.
Auf deren Grundlage gibt es eine
konzeptionelle Abstimmung
zwischen Oberster Landesju-
gendbehörde, der Bewilligungsbehörde und dem Landesjugendamt
. Dazu werden Fragen zum
verfügbaren Finanzrahmen, zu jugendpolitischen Schwerpunktsetzungen und der fördertechni-
schen Umsetzung erörtert.
Des Weiteren fließen die Ergebnisse des Beteiligungsverfahrens zwi-
schen dem Landesjugendamt und dem KJRS als Dachverband der Jugendverbandsarbeit (§§
11/12 SGB VIII) ein.
35
Verfahren des Abgleiches zwischen Jugendhilfeplanung und Förderung 2020
Bild 49: Verfahren des Abgleiches zwischen Jugendhilfeplanung und Förderung 2020; SMS-Landesjugendamt 2020
Das im Jahr 2011 eingeführte
Berichtswesen überörtlicher Bedarf
dient der Information des
Unterausschusses 1 im Kontext der Jugendhilfeplanung der §§ 11 – 14 SGB VIII zur strukturellen
Verfasstheit der Leistungserbringer und der Finanzierung im Rahmen der grundlegenden Leistun-
gen.
35
vgl. Pkt. 9.4.2

 
Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
104 |
Maßnahmekonzept
Soweit im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel nicht alle Maßnahmen gefördert werden kön-
nen, ist ein
Maßnahmekonzept
mit einer Prioritätensetzung (Förderkonzeption) im Rahmen der
Ausgestaltung der Förderung zu erstellen. Dieses Konzept ist durch die Verwaltung des Landes-
jugendamtes auf der Grundlage der bestehenden Jugendhilfeplanung in Form einer rahmenden
Gesamtstellungnahme zu erstellen und mit den am Verfahren Beteiligten abzustimmen.
11.3 Fachberatung
Das Landesjugendamt nimmt im Rahmen der Jugendhilfeplanung seinen Fachberatungsauftrag
gem. § 85 Abs. 2 SGB VIII wahr. Dabei gilt es, die Erfahrungen aus der Ausgestaltung der Pla-
nungsergebnisse 2015-2020 aufzugreifen und in bewährten Kontexten fortzusetzen. Das Verfah-
ren ermöglicht eine innovative Steuerung im Sinne eines prozesshaft geführten Wirksamkeitsdia-
loges mit den überörtlichen Trägern und bietet in einem ganzheitlichen Ansatz einen strukturierten
Rahmen für den Beratungsauftrag des Landesjugendamtes als überörtliche Fach-und Dienstleis-
tungsbehörde.
12 Schlussfolgerungen
Die Jugendhilfeplanung zu Aufgaben und Leistungen überörtlicher Jugendverbände, Dachorgani-
sationen und Fachstellen bietet eine gute fachliche und auch möglichst zukunftsgerichtete Grund-
lage für die Gestaltung des überörtlichen Wirkungsbereiches der landesweiten Träger im Zeitraum
2021 - 2025.
Wichtig erscheint mit Blick auf die in den vergangenen Jahren gesammelten Erfahrungen die Aus-
gestaltung des Verfahrens zum
jährlichen
Abgleich
der Jugendhilfeplanung mit der Förderung.
Die überörtliche Jugendhilfeplanung als Beschlusslage des Landesjugendhilfeausschusses ent-
faltet unter den gegebenen strukturellen Rahmenbedingungen ihre Wirkung
durch den fachlich
inhaltlichen Rahmen für das Zuwendungsverfahren sowie über die jugendhilfeplanerischen Stel-
lungnahmen zu den Förderanträgen und der Abstimmung zwischen Landesjugendamt
und Bewil-
ligungsbehörde.
Eine wichtige Rahmenbedingung für dieses Verfahren ist der zur Verfügung stehende jährliche
Finanzrahmen. Dabei ist die Bereitstellung ausreichender Finanzmittel nicht Gegenstand der Ju-
gendhilfeplanung selbst, sondern liegt in der politischen Verantwortung der Haushaltshoheit des
Landtages. Aufgabe der Jugendhilfeplanung ist es aber, einerseits im Planungsbericht notwen-
dige Bedarfe vor dem Hintergrund fachlicher Einschätzungen und deren Auswirkungen auf den
notwendigen Finanzrahmen zu benennen sowie andererseits im Umsetzungsprozess durch Steu-
erung auf Änderungen der finanziellen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung fachlich fundier-
ter Einschätzungen zu reagieren.
Die vorliegende Jugendhilfeplanung formuliert – auch mit Blick auf den verantwortungsvollen Um-
gang mit Steuermitteln - einen Kernbedarf an struktureller Ausstattung für die überörtliche Bil-
dungsarbeit, der sich tendenziell an der in der Bestandsdarstellung nachgezeichneten Finanzaus-
stattung der letzten Jahre orientiert. Erweiterungen gehen notwendigerweise mit einem erhöhten
Finanzbedarf einher.
Das Verhältnis zwischen Personalkostenfinanzierung und Maßnahmefinanzierung von 85%:15%
beschreibt eine Entwicklung, die sich aus planerischen Erwägungen zur Sicherung der Personal-
struktur ergeben hat. Sie ist aus fachlicher Sicht vor dem Hintergrund der Wirkungsentfaltung
überörtlicher Bildungsarbeit - im Sinne eines Kompetenz- und Wissenstransfers - und deren Qua-
lität aber auch kritisch zu sehen. Zudem werden in Bezug auf Bildungsinhalte auch neue Aufgaben
wie z. B. im Zusammenhang mit dem Bundeskinderschutzgesetz formuliert.
Eine Erweiterung in der Finanzierung von Bildungsmaßnahmen würde sich entweder zu Lasten
der Personal- und Sachkostenfinanzierung auswirken oder einen notwendigen Zuwachs des ge-
samten Finanzierungsrahmens erfordern.

| 105
Literaturliste
Aktion
Mensch (2014):
Was ist Inklusion? (Webbeitrag)
http://www.aktion-mensch.de/inklusion/was-ist-inklusion.php
(21.07.2020)
Böhnisch, Lothar / Münchmeier, Richard (2002):
Wozu Jugendarbeit? Orientierungen für Ausbildung,
Fortbildung und Praxis, Juventa Verlag, Weinheim und München 2002
Böhnisch, Lothar / Gängler, Hans / Rauschenbach, Thomas (Hrsg.) (1991):
Handbuch Jugendver-
bände. Eine Ortsbestimmung der Jugendverbandsarbeit in Analysen und Selbstdarstellungen. Juventa
Verlag, Weinheim und München 1991
Bundesministerium für Familie; Senioren, Frauen und Jugend - BMFSFJ (2013):
14. Kinder- und Ju-
gendbericht – Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Ju-
gendhilfe in Deutschland
http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/14-Kinder-und-Jugendbericht,pro-
perty=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf (21.07.2020)
BVERWG (2009):
Förderung freier Jugendhilfeträger für Maßnahmen der offenen Jugendarbeit; Urteil vom
17.07.2009, AZ: 5 C 25.08
https://www.bverwg.de/pm/2009/45
(21.07.2020)
Dannenbeck, Prof. Dr. Clemens (2014):
Inklusion in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Vortrag zum
Fachtag Fachtag barriere? frei! am 12.03.2014
http://soziokultur-sachsen.de/fachtag-bf/programm-fachtag-bf/104-wettbewerbe-und-preise/barriere-
frei/308-vortrag-dannenbeck-fachtag-barriere-frei (21.07.2020)
jugendgerecht.de (2020)
: Arbeitsstelle Eigenständige Jugendpolitik
Mathias Albert / Klaus Hurrelmann / Gudrun Quenzel / Ulrich Schneekloth / Ingo Leven / Hilde Utz-
mann / Sabine Wolfert 2019:
Jugend 2019 – 18. Shell Jugendstudie - Eine Generation meldet sich zu
Wort
Sächsischer Landtag (2013):
Entschließungsantrag der CDU-Fraktion und der FDP-Fraktion zum
Thema „Kulturelle Bildung im Freistaat Sachsen“, Drs 5/11356, 15.10.2013
abrufbar über
https://www.landtag.sachsen.de/de/parlamentsdokumente/index.aspx
(21.07.2020)
Sächsischer Landtag (2013):
Verfassung des Freistaates Sachsen
https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/3975-Verfassung
(21.07.2020)
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (2018):
Sächsisches Schulgesetz – SächsSchulG
https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/4192-Saechsisches-Schulgesetz
(21.07.2020)
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (2018):
Sächsische Landesstrategie Bildung für nachhaltige
Entwicklung (BNE) https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/32399 (21.07.2020)
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt (2009):
Dritter Sächsi-
scher Kinder- und Jugendbericht 2009 (3. SKJB 2009)
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt (2014):
Vierter Säch-
sischer Kinder- und Jugendbericht 2014, https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/22254 (21.07.2020)
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2002):
Orientierungshilfe zur außerschulischen Jugendbildung. Aufgaben und Qualitätskriterien außer-
schulischer Jugendbildung im Freistaat Sachsen - abrufbar über die Geschäftsstelle des Landesjugendhil-
feausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2005):
Neuausrichtung der überörtlichen Förderung der Jugendhilfe im Freistaat Sachsen; Beschluss
04/2005 LJHA vom 07.04.2005 - abrufbar über die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2009):
Jugendhilfeplanung zu Aufgaben und Leistungen der überörtlichen Jugendverbände und Dachor-
ganisationen im Bereich §§ 11 - 14 SGB VIII im Freistaat Sachsen 2010 - 2014 - abrufbar über die Ge-
schäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2010):
Positionierung des LJHA hinsichtlich der Auswirkungen der aktuellen Haushaltsentwicklung im

Überörtliche Jugendhilfeplanung 2021-2025
106 |
Kontext der vorliegenden überörtlichen Jugendhilfeplanung sowie im Hinblick auf das Förderverfahren
2011/2012, B 11/2010 LJHA - abrufbar über die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2010):
Rechtsgutachten des Juristischen Dienstes des Sächsischen Landtages zum Befassungs- und
Informationsrecht des LJHA vom 30. August 2011 sowie Rechtsgutachten des Juristischen Dienstes des
Sächsischen Landtages zu Auswirkungen der Änderung des LJHG durch Art. 40 des Gesetzes zur Neu-
ordnung der Sächsischen Verwaltung in Bezug auf das Beschlussrecht des Landesjugendhilfeausschus-
ses vom 29. Oktober 2009 - abrufbar über die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2012):
Arbeitsgrundlagen des Sächsischen Landesjugendamtes zur Jugendhilfeplanung
Handreichungen, Empfehlungen und Arbeitspapiere zur örtlichen und überörtlichen Jugendhilfeplanung im
Freistaat Sachsen - abrufbar über die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2012):
Flexibles Jugendmanagement, Abschlussbericht Juli 2012
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/16250 (21.07.2020)
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2013):
Interessenbekundungsverfahren „Berufsbegleitende Weiterbildung für sozialpädagogische Fach-
kräfte im Bereich Medienpädagogik“; Beschluss 17/2013 LJHA vom 10.10.2013 - abrufbar über die Ge-
schäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugendamt
(2014):
Jugendhilfeplanung zu Aufgaben und Leistungen der überörtlichen Jugendverbände und Dachor-
ganisationen im Bereich §§ 11 - 14 SGB VIII im Freistaat Sachsen 2015 - 2020 - abrufbar über die Ge-
schäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales gesellschaftlichen Zusammenhalt (2014):
Jugend 2013
in Sachsen - Eine vergleichende Untersuchung zu Orientierungsproblemen junger Menschen. - abrufbar
über die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugend-
amt (2018):
Sozialstrukturatlas des Landesjugendamtes für den Freistaat Sachsen 2018 - abrufbar über
die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugend-
amt (2018):
Situation der Jugendarbeit gemäß § 11 SGB VIII im Freistaat Sachsen – eine Bestandsauf-
nahme (04.12.2018) - abrufbar über die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugend-
amt (2018):
Situation zum Personalbedarf in den Hilfen zur Erziehung im Freistaat Sachsen (20.03.2018)
- abrufbar über die Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt, Landesjugend-
amt (2019):
5. Sächsischer Kinder- und Jugendbericht 2019
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/10658
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt (2020):
Richtli-
nie des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz zur Förderung von Trägern
der freien Jugendhilfe bei der Erbringung von Angeboten des überörtlichen Bedarfs (FRL überörtlicher Be-
darf) 12. März 2020 (SächsABl. 2020 Nr. 13, S. 319)
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt (2017
): Landes-
aktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/29799 (21.07.2020)
Sächsische Staatsregierung (2019)
: Koalitionsvertrag 2019-2024 Gemeinsam für Sachsen
https://www.staatsregierung.sachsen.de/regierungsprogramm-4730.html
(21.07.2020)
VG Leipzig (2011):
Urteil des Verwaltungsgerichtes Leipzig vom 06.10.2011, AZ: 5 K 547/10

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Anlage 1a – Förderrelevante Aussagen
Grundlage der Finanzierung von Personal- und Sachausgaben sowie von Bildungsmaßnah-
men ist die Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen
Zusammenhalt zur Förderung von Trägern der freien Jugendhilfe bei der Erbringung von An-
geboten des überörtlichen Bedarfs (FRL überörtlicher Bedarf) in der Fassung vom 12. März
2020.
In dieser Richtlinie wird auf die überörtliche Jugendhilfeplanung bzw. den Planungsträger in
folgenden Punkten verwiesen:
auf die vom Landesjugendamt zu erstellende
jugendhilfeplanerische Stellung-
nahme
Gemäß Punkt 4.1.6 FRL überörtlicher Bedarf sind der Bewilligungsbehörde der Bedarf und die
Nachhaltigkeit des Vorhabens sowie die fachliche Begleitung im Projektverlauf durch eine jugend-
hilfeplanerische Stellungnahme der Verwaltung des Landesjugendamtes zu bestätigen.
auf das zu berücksichtigende
Besserstellungsverbot
Gemäß Punkt 5.2.1 FRL überörtlicher Bedarf können Zuwendungen zu Personalausgaben für Pro-
jekte nach Nummer 2.1 gewährt werden. Für Personalausgaben sind die Eingruppierungs- und Be-
messungsgrundlagen des jeweils geltenden Tarifvertrages für Staatsbedienstete maßgebend. Der
Zuwendungsempfänger darf seine Beschäftigten finanziell nicht besserstellen als vergleichbare
Staatsbedienstete. Die staatliche Förderung kann bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Aus-
gaben betragen.
auf die Ausweisung von
Vergütungsgruppen
in der überörtlichen Jugendhilfepla-
nung
Gemäß Punkt 5.2.2 FRL überörtlicher Bedarf sind für Personalausgaben gemäß Nummer 2.1 die
im Bedarfsplan für die jeweiligen Tätigkeitsbereiche ausgewiesenen Vergütungsgruppen maßge-
bend.
Solange die aktuelle Förderrichtlinie Gültigkeit besitzt, macht sich jedoch insbesondere Punkt
5.2.2 (FRL Überörtlicher Bedarf) eine Festlegung der Vergütungsgruppen notwendig. Dies er-
folgt in dieser Anlage.
Personalkosten
Maßgeblich sind gem. Punkt 5.2.1 (FRL Überörtlicher Bedarf) die Eingruppierungs- und Be-
messungsgrundlagen des jeweils geltenden Tarifvertrages für Staatsbedienstete (TVL). Fol-
gende maximale Vergütungen werden für die jeweiligen Tätigkeitsbereiche unter Berücksich-
tigung der Vorgaben des § 74 SGB VIII festgelegt:
Leitungspersonal:
-
Geschäftsführer/-innen:
bis zur EG 12 TVL
-
geschäftsführende Bildungsreferent/-innen:
bis zur EG 11 TVL
Bildungsreferent/-innen und Fachreferent/-innen
:
bis zur EG 10 TVL
Verwaltungspersonal
:
bis zur EG 9 TVL
Sachausgaben für Jugendverbände
Zudem werden in der FRL überörtlicher Bedarf für Jugendverbände gem. § 12 SGB VIII pau-
schale Zuschüsse für Sachausgaben festgelegt. Bereits zu Beginn der Fortschreibung der
Planung 2015-2020 stellte sich in Auswertung der Sachberichte sowie der Rückmeldungen
aus den Fördergesprächen heraus, dass ein höherer Bedarf an Sachausgabenzuschüssen für
Jugendverbände notwendig ist; ein Betrag von bis zu 450 EUR wurde seinerzeit durch den
LJHA als angemessen erachtet.
Innerhalb der aktuellen Anhörung wurde erneut deutlich, dass angesichts steigender Kosten
eine Anhebung des pauschalen Betrags dringend erforderlich ist. Dies ergibt sich zum einen
daraus, dass der Pauschalsatz in der FRL überörtlicher Bedarf seit 2006 nicht regulär ange-
passt wurde. Zum anderen bedarf es einer Anpassung hinsichtlich der nachhaltigen Sicherung
der Jugendverbandsstrukturen, um damit insbesondere den Bildungstransfer weiterhin auf ho-
hem Niveau zu gewährleisten.
Ein pauschaler Zuschuss zu den Sachausgaben in Höhe von bis zu 800 EUR pro Monat
wird als angemessen erachtet.

Sachbericht
Förderverfahren RL II - Sachbericht - SLJA 2020
Seite 1
Sachbericht FRL Überörtlicher Bedarf
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