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Sonderbericht
nach § 99 SäHO
Landesbank Sachsen Girozentrale
SÄCHSISCHER
RECHNUNGSHOF

Landesbank Sachsen Girozentrale
Sonderbericht nach § 99 SäHO
März 2009
Az.: 120308/64

Sächsischer Rechnungshof
Schongauerstraße 3
04328 Leipzig
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5
Inhaltsverzeichnis
Seite
0
Zusammenfassung
9
1
Prüfungsgegenstand
12
2
Prüfungsergebnisse
13
2.1
Eintritt der Krise und das schnelle Ende der Landesbank Sachsen Girozentrale
13
2.1.1
Verkauf der Landesbank Sachsen Girozentrale an die Landesbank Baden-
Württemberg
14
2.1.2
Höchstbetragsgarantie über 2,75 Mrd. €
16
2.2
Gründung der neuen Zweckgesellschaft
18
2.2.1
Vermögensverwaltungsvertrag
18
2.2.2
Beratervertrag
19
2.3
Schaden
21
2.4
Das Geschäftsmodell der Landesbank Sachsen Girozentrale
24
2.4.1
Rahmenbedingungen bei Gründung der Landesbank Sachsen Girozentrale
24
2.4.2
Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen
25
2.4.3
Der Entscheidungsprozess für das neue Geschäftsmodell
26
2.4.4
Vereinbarkeit des neuen Geschäftsmodells mit den Landesinteressen
29
2.5
Die Umsetzung des neuen Geschäftsmodells
30
2.5.1
Gründung der Sachsen LB Europe plc
30
2.5.2
Patronatserklärung der Landesbank Sachsen Girozentrale für die Sachsen LB
Europe plc
31
2.5.3
Exkurs zur Patronatserklärung
33
2.5.4
Umfang der Kapitalmarktaktivitäten
34
2.5.5
Kreditersatzgeschäft
35
2.5.6
Conduit Ormond Quay Funding plc (OQ)
36
2.6
Bewertung des neuen Geschäftsmodells durch die Ratingagenturen
37
2.7
Risikobetrachtung
39
2.8
Überwachung der Kapitalmarktgeschäfte
42
2.9
Personelle Besetzung der Organe der Landesbank Sachsen Girozentrale und
Pflichterfüllung der Organe
49
2.9.1
Verwaltungsrat
50
2.9.2
Kreditausschuss
53
2.9.3
Vorstand der Landesbank Sachsen Girozentrale
56
2.9.4
Directors- and Officers-Versicherung
58
2.10
Haftung des Abschlussprüfers
59
2.11
Durchsetzung der Haftung
63
2.12
Rechtsaufsicht
63
2.13
Beteiligungsverwaltung
64
2.13.1
Aufgaben der Beteiligungsverwaltung
64
2.13.2
Wahrnehmung der Aufgaben
65
3
Stellungnahme des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen mit
Anmerkungen des Sächsischen Rechnungshofs
69

6
Anlagenverzeichnis
Anlage 1
Brief von Suzanne C. Hutchinson, Executive Vice President der Mortgage
Insurance Companies of America (MICA) vom 23. September 2005 (ameri-
kanisches Originalschreiben)
Anlage 2
Übersetzung des Sächsischen Rechnungshofs des als Anlage 1 beigefügten
Briefes

7
Abkürzungsverzeichnis
ABCP
Asset Backed Commercial Paper
ABS
Asset Backed Securities
AG
Aktiengesellschaft
AktG
Aktiengesetz
AR
Aufsichtsrat
AV
Anteilseignerversammlung
BaFin
Bundesanstalt für Finanzdienstleis-
tungsaufsicht
BGB
Bürgerliches Gesetzbuch
BV
Beteiligungsverwaltung
CDO
Collateralized Debt Obligation
EK-Rendite
Eigenkapitalrendite
EU
Europäische Union
FAZ
Frankfurter Allgemeine Zeitung
FS
Freistaat Sachsen
GO
Geschäftsordnung
GörK
Gesetz über das öffentlich-recht-
liche Kreditwesen im Freistaat
Sachsen
GQ
Georges Quay Funding I Limited
HFA
Haushalts- und Finanzausschuss
HG
Haushaltsgesetz
HGB
Handelsgesetzbuch
HGrG
Haushaltsgrundsätzegesetz
Hj
Haushaltsjahr
i. d. F.
in der Fassung
i. H. v.
in Höhe von
i. V. m.
in Verbindung mit
IKB
Deutsche Industriebank AG
KA
Kreditausschuss
KWG
Kreditwesengesetz
LBBW
Landesbank Baden-Württemberg
M&A
Merger & Acquisition
MaH
Mindestanforderungen an das Be-
treiben von Handelsgeschäften
MaRisk
Mindestanforderungen an das Risi-
komanagement
MBS
Mortgage Backed Securities
MICA
Mortgage Insurance Companies of
America
OQ
Ormond Quay Funding plc
OSGV
Ostdeutscher Sparkassen- und Gi-
roverband
OSV
Ostdeutscher Sparkassenverband
SächsGemO
Sächsische Gemeindeordnung
SäHO
Sächsische Haushaltsordnung
SAM GmbH
Sachsen Asset Management GmbH
Sealink
Sealink Funding Limited
SFG
Sachsen-Finanzgruppe
SFV
Sachsenfinanzverband
SIV
Structured Investment Vehicles
SLB
Landesbank Sachsen Girozentrale
SLBE
Sachsen LB Europe plc, Dublin
SLT
Sächsischer Landtag
SMF
Sächsisches Staatsministerium der
Finanzen
SMI
Sächsisches Staatsministerium des
Innern
SpkG BW
Sparkassengesetz Baden-Würt-
temberg
SPV
Special Purpose Vehicle
SRH
Sächsischer Rechnungshof
StGB
Strafgesetzbuch
StMdF
Staatsminister der Finanzen
VOL/A
Verdingungsordnung für Leistun-
gen Teil A
VR
Verwaltungsrat
VV
Verwaltungsvorschrift
WP
Wirtschaftsprüfer

8

9
0 Zusammenfassung
0.1
Der Verkauf der SLB an die LBBW und die Übernahme der Garantie i. H. v.
2,75 Mrd. € hat die Insolvenz der SLB vermieden. Die Lösung war vertretbar, da sie den FS
vor größerem Schaden bewahrte. Ein Nachtragshaushalt wäre für die Garantieübernahme bes-
ser gewesen.
0.2
Der Kaufspreis betrug 328 Mio. €. Die Differenz zu den 692 Mio. €, die der FS und die
SFG in die Bank investiert haben, sieht der SRH als Schaden von mindestens 364 Mio. €.
Dieser wird sich durch eine Inanspruchnahme aus der Garantie erhöhen. 2009 wird mit einem
mittleren zweistelligem Millionenbetrag gerechnet.
0.3
Entgegen der haushaltsrechtlichen Vorgabe, dass eine unternehmerische Betätigung des
Staates grundsätzlich nur zur Verfolgung eines wichtigen staatlichen Interesses zulässig ist
und Ziel, Sinn oder Nutzen der Beteiligungen auf die Interessen und Bestrebungen der Ein-
wohner Sachsens ausgerichtet sein müssen, wurde die Bank zur Kapitalmarktbank umgebaut.
Die verantwortlichen Gremien sind dem Vorstand bei der Entwicklung der Bank in Richtung
Kapitalmarktbank vorbehaltlos gefolgt.
0.4
Zur Abwicklung der Kapitalmarktgeschäfte gründete die SLB die Tochtergesellschaft
SLBE. Sie verpflichtete sich uneingeschränkt dafür Sorge zu tragen, dass diese „in der Weise
geleitet und finanziell ausgestattet wird, dass sie stets in der Lage ist, allen ihren Verbindlich-
keiten fristgemäß nachzukommen“ (sog. harte Patronatserklärung). Dadurch erweiterte der
Vorstand der SLB die unbegrenzte Haftung des Freistaates auf eine Tochtergesellschaft. Nach
Auffassung des SRH fehlte dem Vorstand eine Ermächtigung für die Patronatserklärung.
Die Tochtergesellschaft dehnte die Staatshaftung mit einem sog. Valuation Agreement auf
Verluste der Zweckgesellschaft OQ aus. Die Zusage einer Liquiditätslinie i. H. v. 1,7 Mrd. €
durch den KA der SLB erlaubte im Grundsatz ein Volumen der Zweckgesellschaft von
43 Mrd. €. Dies führte zu einem Gefährdungspotenzial von nahezu dem Dreifachen des
Staatshaushaltes.
0.5
Das Volumen der Kapitalmarktaktivitäten der SLB-Gruppe stieg bis Mitte 2007 auf rd.
41 Mrd. € an. Deren Anteil am Betriebsergebnis betrug in den Jahren 2002 bis 2006 im
Durchschnitt 82 %. Dem Volumen der Kapitalmarktgeschäfte stand Ende 2006 nur ein Kern-
kapital der SLB von rd. 1,4 Mrd. € gegenüber.
Der Einkauf der Verbriefungsprodukte wurde vor allem kurzfristig refinanziert. Die Größen-
ordnung der sich daraus ergebenden Marktpreis- und Liquiditätsrisiken stand in keiner Rela-

10
tion zur Größe der Bank. Dies führte mit dem Eintritt von Marktstörungen zum Ende der
Bank.
0.6
Die Führungskräfte der SLB versäumten es, die Risiken aus den Valuation Agreements
des OQ ordnungsgemäß im Risikosystem zu erfassen und in die Risikoberichterstattung auf-
zunehmen.
0.7
Anzeichen für aufkommende Marktstörungen beachteten die Verantwortlichen ungenü-
gend, obwohl die BaFin darauf hingewiesen hatte, dass das Geschäftsmodell nur beim Aus-
bleiben jeglicher Marktstörungen funktioniere.
Weder die ab 2005 abnehmende Rentabilität des Kreditersatzgeschäftes noch die Erkenntnis,
dass die Geschäfte nur noch aufgrund der staatlichen Garantien rentabel waren, hat die Ver-
antwortlichen an der immer größeren Ausweitung dieser Geschäfte gehindert.
0.8
Der VR hatte bei der Überwachung der Tätigkeit des Vorstandes die ständige Pflicht zur
Selbstinformation über Lage und Entwicklung der SLB-Gruppe. Bei existenzbedrohenden
Geschäftsführungsmaßnahmen wie dem Valuation Agreement für OQ gehörte es gerade auch
zu den Aufgaben des VR, Entscheidungen des KA zu überwachen. Er hat bei dieser Aufgabe
versagt.
0.9
Die Mitglieder des KA haben das mit den Valuation Agreements verbundene Risiko
nicht erkannt. Der KA ignorierte die aus dem steigenden Volumen resultierende Gefahr für
die Bank. Unterlagen, die eine regelmäßige Überprüfung der Tragfähigkeit der Buy- and
Hold-Strategie belegen, wurden nicht vorgelegt. Eine Darlegung des Verhältnisses von Ertrag
und Risiko wurde nicht eingefordert. Diese Versäumnisse begründen nach Auffassung des
SRH einen Verstoß gegen die bestehenden Sorgfaltspflichten. Der SRH begrüßt, dass das
SMF die Haftung der Organmitglieder (KA, VR) prüfen lässt.
0.10
Die Vorstände der SLB haben durch die ständige Ausweitung des Kreditersatzgeschäf-
tes die SLB in eine die Existenz bedrohende Situation geführt. Sie haben dadurch ihre Sorg-
faltspflichten verletzt. Ihre zivilrechtliche Inanspruchnahme für eine Haftung wird derzeit
geprüft.
0.11
Der SRH hat zur Kenntnis genommen, dass die Staatsanwaltschaft Leipzig Ermittlun-
gen gegenüber Vorstandsmitgliedern eingeleitet hat.
0.12
Der Abschlussprüfer problematisierte die Haftungslage der Bank nicht, obwohl nach
Auffassung des SRH das Risiko in den Jahresabschlüssen hätte dargestellt werden müssen.

11
Zumindest der Bestätigungsvermerk für die SLB hätte Ergänzungen hinsichtlich der Risiken
des Kreditersatzgeschäftes der SLB-Gruppe beinhalten müssen.
0.13
Das SMF hat es als Rechtsaufsicht versäumt, die bestehenden Beschränkungen für die
Haftung bei der Beteiligung von Tochtergesellschaften auch für die Zweckgesellschaften an-
zumahnen. Damit wäre ein Valuation Agreement ohne Zustimmung der Rechtsaufsichtsbe-
hörde nicht möglich gewesen.
0.14
Der BV waren die verschiedenen Haftungskonstruktionen bei den Zweckgesellschaften
bekannt. Sie wusste, dass beim OQ jegliches Risiko eines Werteverfalls letztlich über die
Gewährträgerhaftung beim FS lag. Auch sie hätte die Größenordnung des außerbilanziellen
Kreditersatzgeschäftes angesichts des ihr bekannten realisierten und geplanten Volumens des
OQ problematisieren müssen. Da der Abschlussprüfer mit seinem Testat nicht das Ge-
schäftsmodell und dessen Risiken bewertet, hätte sich die BV nicht auf die Bestätigungsver-
merke verlassen dürfen.
Die Kontrolle der Aufgabenerfüllung und die Bewahrung der Vermögenswerte staatlicher
Unternehmen ist Aufgabe der BV und obliegt nach der Geschäftsordnung der Staatsregierung
dem SMF. Dieser verantwortungsvollen Aufgabe kam das SMF mit dem bekannten Ergebnis
nicht in ausreichendem Maße nach.
Der Hinweis auf die weltweite Finanzkrise entlastet die jeweiligen Akteure nicht. Sie hatten
die Verantwortung für die SLB und damit für das Vermögen des FS. Die Finanzkrise ist nicht
die Ursache der enormen Schäden, sondern die Folge des unprofessionellen und sorglosen
Handelns vieler Akteure am Finanzmarkt.
0.15
Das SMF hat um Abdruck seiner vollständigen Erwiderung im Abstimmungsverfahren
gebeten. Der SRH kommt dem im Pkt. 3 des Sonderberichtes nach.

12
1 Prüfungsgegenstand
Die Prüfung befasste sich mit der Landesbank Sachsen Girozentrale (SLB), die bis zu ihrer
Umwandlung in eine Aktiengesellschaft
2
(AG) eine Anstalt des öffentlichen Rechts war und
u. a. mit Eigenkapital arbeitete, das der FS aus Steuergeldern zur Verfügung gestellt hatte.
Der SRH hat nach dem Notverkauf der SLB versucht nachzuvollziehen, wie bei der SLB die
„finanzielle Schieflage“ entstand, die von der Bank allein nicht bewältigt werden konnte. Die
Berichterstattung zu den Vorgängen, soweit sie dem SRH zugänglich waren, ist angesichts
der Vermögensverluste, die eingetreten sind und ggf. noch eintreten werden, notwendig. Nur
wenn die Ursachen offen gelegt werden, können Fehler für die Zukunft vermieden werden.
Der SRH hat sich darum bemüht, den Umfang des Schadens für das Land und die aus seiner
Sicht Verantwortlichen zu ermitteln. Weiterhin untersuchte er, ob der FS umfassend prüfen
lässt, welche Ansprüche auf Schadenersatz er geltend machen kann.
Prüfungsmaßstab für den SRH war, ob die gesetzlichen Vorgaben wie die Verfassung des FS,
die SäHO, das Errichtungsgesetz, das GörK und die Satzung der SLB u. a. eingehalten wur-
den und ob die Verantwortlichen ihre Pflichten erfüllt haben.
Der SRH hat für diese Prüfung alle durch die SLB und das SMF zur Verfügung gestellten
Unterlagen herangezogen. Ihm lag für seine Prüfung der vollständige Ernst-&-Young-Bericht
vor. Stellungnahmen des ehemaligen VR-Vorsitzenden Dr. Metz und des Abschlussprüfers
wurden eingeholt. Informationen aus einem Gespräch mit der als Vertrauensperson agieren-
den Gesellschaft (SAM GmbH) und verschiedene Protokolle des Untersuchungsausschusses
zur SLB wurden ausgewertet.
Der für privatrechtlich organisierte Unternehmen weitgehende Geheimhaltungsschutz für Be-
triebs- und Geschäftsgeheimnisse hat bei öffentlich-rechtlichen und beim Einsatz von Steuer-
geldern hinter den parlamentarischen Informationsanspruch zurückzutreten. Soweit vertretbar
hat der SRH auf die Bekanntgabe von Interna der Bank verzichtet.
2
Mit Eintragung ins Handelsregister vom 26.10.2007.

13
2 Prüfungsergebnisse
2.1
Eintritt der Krise und das schnelle Ende der Landesbank Sachsen Girozentrale
Nach dem Anfang August 2007 die Deutsche Industriebank AG (IKB) nur durch ein milliar-
denschweres Kreditpaket vor der drohenden Insolvenz bewahrt werden konnte
3
, vermeldete
die SLB Mitte August noch, sie habe keine Liquiditätsprobleme
4
. Bereits 14 Tage später traf
die Krise auch die SLB. Ihr standen keine ausreichenden Refinanzierungsmittel zur Erfüllung
der garantierten Liquiditätslinien und des Valuation Agreements zur Verfügung. Dadurch war
ihre Zahlungsfähigkeit bedroht.
Mit der Vereinbarung eines Kreditrahmens von 17,3 Mrd. € mit den anderen Landesbanken
und der DekaBank schien die Zahlungsunfähigkeit der SLB abgewendet. Doch wenig später
forderte ein Refinanzierungspartner der SLB die Erhöhung des Sicherheitenpuffers um zu-
sätzliche 250 Mio. €.
5
Allein der damit verbundene Verkauf der Assets eines Fonds führte zu
einem Verlust von annähernd 190 Mio. €, da für die ursprünglich eingesetzten Mittel von
200 Mio. € nur noch ein Erlös von 11,5 Mio. € und damit rd. 5 % erzielt werden konnte.
Weitere derartige Verluste hätten durch den entsprechenden Eigenkapitalverzehr die Existenz
der Bank infrage gestellt. Die Anteilseigner erkannten, dass SLB und SFG
6
allein nicht mehr
in der Lage sein werden, die Bank vor der Insolvenz zu bewahren.
Mit dem Ziel, die Insolvenz der SLB abzuwenden, nahm der FS Kontakt zur Landesbank Ba-
den-Württemberg (LBBW) auf.
Mit der Grundlagenvereinbarung vom 26.08.2007 übernahm die LBBW als Treuhänder die
Führung der SLB. Sie sollte die Aktien der SLB übernehmen und die Anteilseigner der SLB
sollten Anteile an der LBBW erhalten. Als Sofortmaßnahme brachte die LBBW 250 Mio. €
als Ertragszuschuss in die SLB ein. Die abschließende Wertermittlung der SLB sollte zum
31.12.2007 erfolgen, wobei eine Untergrenze für Anteile an der LBBW im Wert von
300 Mio. € garantiert wurde. Die Gewährträgerhaftung sollte im Außenverhältnis erhalten
bleiben, doch im Innenverhältnis zur LBBW sollte der Freistaat ab dem 31.12.2010 hiervon
freigestellt werden.
3
Bericht manager-magazin.de vom 01.08.2007.
4
Bericht Focus.de vom 10.08.2007.
5
Nach den Feststellungen der Prüfungsgesellschaft Ernst & Young.
6
SFG = ist eine öffentlich-rechtliche Finanzgruppe für den FS und seine Menschen. Die SFG soll die Zusam-
menarbeit zwischen den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten des FS unter Wahrung des bankaufsichtsrecht-
lichen Prinzips der Eigenverantwortlichkeit der Vorstände der Kreditinstitute zur Stärkung ihrer Wettbe-
werbsfähigkeit und ihres öffentlichen Auftrags fördern (Holding).

14
Bei der Grundlagenvereinbarung wurde von einer nur kurz andauernden Marktstörung ausge-
gangen. Die Nachhaltigkeit der Finanzkrise mit den entsprechenden Auswirkungen auf die
SLB und die vertraglich zugunsten der LBBW festgeschriebene Rücktrittsmöglichkeit bei
einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der SLB führten zu ergänzenden Vereinba-
rungen. Im Ergebnis der Sitzung zur Solvenzsicherung der SLB AG am 12./13.12.2007 unter
Beteiligung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Bundesbank
vereinbarten die Beteiligten, eine Separierung der Portfolien des SLB-Konzerns vorzuneh-
men. Dazu wurden Produkte im Portfolio 1 und in einigen Strategic Investment Fonds mit
einem Refinanzierungsbedarf von rd. 12,9 Mrd. € zusammengefasst, die bei der SLB verblie-
ben. Die strukturierten Portfolien (OQ, Sachsen Funding und Synapse ABS) mit einem Refi-
nanzierungsbedarf von rd. 17,5 Mrd. € wurden zum Buchwert in eine Zweckgesellschaft
(Portfolio 2) überführt. Hierfür stellte die LBBW gemeinsam mit den anderen Landesbanken
die Refinanzierungsmittel und der Freistaat zur Absicherung von tatsächlichen Zahlungsaus-
fällen innerhalb der Portfolien eine Garantie von insgesamt 2,75 Mrd. € bereit.
Dieser Lösung wurde am 20.12.2007 vom SLT mehrheitlich zugestimmt.
Das Landgericht Stuttgart hat mit seiner Entscheidung vom 17.12.2008 die Jahresabschlüsse
der SLB der Jahre 2004 bis 2006 für nichtig erklärt.
7
Die Jahresabschlüsse wiesen Vermö-
genswerte (Aktiva) von rd. 135 Mio. € (2004), 168 Mio. € (2005) sowie 162 Mio. € (2006)
falsch aus. Diese waren lt. der Gerichtsentscheidung nicht „werthaltig“, hinter ihnen standen
keine entsprechenden Forderungen.
Der SRH bittet das SMF, ihn über die weitere Entwicklung zu informieren.
2.1.1
Verkauf der Landesbank Sachsen Girozentrale an die Landesbank Baden-Württemberg
Mit der Ergänzungsvereinbarung wurde der Kaufpreis auf 328 Mio. € festgelegt.
Zur Begründung führte das SMF aus, dass Ausgangspunkt der abschließenden Vereinbarung
zum Kaufpreis die Bewertung des Unternehmenswerts der SLB durch die ökonomischen Be-
rater auf der baden-württembergischen Seite und der sächsischen Seite gewesen sei. Im Rah-
men der Verhandlungen hätten sich die Parteien auf einen Unternehmenswert der SLB (ohne
die eingetreten Risiken bzw. Verluste) von rd. 1,25 Mrd. € einschließlich des von der LBBW
bereits gezahlten vorweggenommenen Barausgleichs i. H. v. 250 Mio. € verständigt. Dieser
Wert entsprach annähernd dem Unternehmenswert von 1,315 Mrd. €, den eine vom SMF be-
auftragte Prüfungsgesellschaft zuvor ermittelt hatte.
7
Pressemeldung handelsblatt.com vom 18.12.2008.

15
Der Unternehmenswert von rd. 1,25 Mrd. € sei dann um die sich aus der Gewinn- und
Verlustrechnung (GuV) der SLB bis zum Stichtag 30.11.2007 ergebenden Verluste i. H. v.
422 Mio. € auf 828 Mio. € gekürzt worden. Weiter erläuterte das SMF, man habe sich auf
eine Minderung des Unternehmenswerts um einen Betrag von 500 Mio. € zur Abdeckung der
Mark-to-Market
8
-Verluste bei der SLB geeinigt. Auf dieser Grundlage sei der Endkaufpreis
für die Anteile an der SLB auf 328 Mio. € abschließend vereinbart worden.
Für den Abschlag von 500 Mio. € liegt dem SRH lediglich eine Zusammenstellung der Teil-
beträge für die einzelnen im Portfolio 1 befindlichen Papiere vor.
Nachvollziehbare Unterlagen zur Höhe der Bewertungsverluste von 500 Mio. € wurden
nicht vorgelegt.
In diesem Zusammenhang wies die vom SMF beauftragte Prüfungsgesellschaft darauf hin,
dass die Bewertungsverluste (Markt-to-Market-Verluste) für das in der SLB verbleibende
Portfolio 1 Mitte Dezember 2007 mit insgesamt 688 Mio. € angegeben worden seien und da-
von 199 Mio. € bereits in der GuV berücksichtigt worden sein sollten. Hinsichtlich der noch
nicht GuV-wirksam erfassten Bewertungsverluste habe man sich auf deren Berücksichtigung
durch Anrechnung eines pauschalen Betrages von 500 Mio. € auf den Kaufpreis geeinigt. Bei
der Bewertung bestünden angesichts der hohen Unsicherheit bezüglich der weiteren Kapital-
marktentwicklung bei der Bewertung außergewöhnlich große Unsicherheiten und damit Er-
messensspielräume. Die Berücksichtigung eines pauschalen Betrages zur Abgeltung von Be-
wertungsverlusten schließe zwar eine weitere Haftung der ehemaligen SLB-Anteilseigner für
ggf. eintretende weitere Verluste in den strukturierten Portfolien der SLB aus, gleichzeitig
könnten diese damit aber auch nicht mehr von künftigen Wertaufholungen profitieren. Eine
zum Portfolio 2 vergleichbare Garantiezusage i. H. v. rd. dem Dreifachen der Marktwertver-
luste des Portfolios 1 hätte sich auf rd. 2 Mrd. € summiert. Aufgrund der bestehenden Haus-
haltsrestriktionen wäre diese Garantiesumme nicht mehr darstellbar gewesen.
Die Einlassung des SMF verdeutlicht nicht die Höhe der ermittelten Marktwertverluste,
sie zeigt jedoch, warum der Weg über einen Kaufpreisabschlag gewählt wurde. Durch
einen Nachtragshaushalt wäre jedoch auch eine Bürgschaft zur Abdeckung tatsächli-
cher Ausfälle möglich gewesen.
8
Mark-to-market = beschreibt den börsentäglichen Bewertungsvorgang von offenen Positionen am Termin-
markt, wo Gewinne und Verluste ermittelt werden.

16
2.1.2
Höchstbetragsgarantie über 2,75 Mrd. €
Der Freistaat übernahm, um einem Rücktritt der LBBW von der Grundlagenvereinbarung und
damit eine Insolvenz der SLB zu verhindern, zusätzlich eine Höchstbetragsgarantie von
2,75 Mrd. € für alle mittelbaren und unmittelbaren Risiken der SLB aus tatsächlichen Zah-
lungsausfällen, die sich aus oder im Zusammenhang mit den strukturierten Portfolien Sachsen
Funding I, Synapse ABS, OQ (einschließlich Eden Quay, Ellis Quay, Merchant Quay) sowie
Castle View I und II ergeben. Die Positionen hatten zum 27.12.2007 ein Gesamtvolumen von
17,3 Mrd. €.
Die Übernahme der Garantie war zur Sicherung des Verkaufs der SLB erforderlich.
Die Übernahme von Garantien ist nach § 39 SäHO ausgeschlossen, wenn mit hoher Wahr-
scheinlichkeit mit der Inanspruchnahme des Staates gerechnet werden muss. In diesem Fall
sind Ausgaben oder Verpflichtungsermächtigungen auszubringen (VV zu § 39 SäHO). Nach
der Einschätzung der vom SMF im Dezember 2007 mit der Prüfung der Ausfallwahrschein-
lichkeit beauftragten Prüfungsgesellschaft war die Möglichkeit der Nichtinanspruchnahme ein
mit anderen Szenarien zumindest vergleichbar wahrscheinliches Szenario, d. h. es konnte
auch von der Nichtinanspruchnahme ausgegangen werden. Diese Einschätzung bestätigte die
Prüfungsgesellschaft auch noch im Februar 2008.
Der SRH hält die Ausreichung einer Garantie für vertretbar.
Die dafür verfassungsrechtlich notwendige Ermächtigung ergibt sich aus den Festlegungen,
die das Parlament im HG vornimmt. Am 19.12.2007 beantragte das SMF zur Erfüllung der
Ergänzungsvereinbarung vom 12./13.12.2007 zur Solvenzsicherung die Einwilligung des
HFA des SLT nach § 12 Abs. 3 i. V. m. § 12 Abs. 4 HG zur Übernahme von Gewährleistun-
gen i. H. v. 1,65 Mrd. € für das Hj. 2007 und mit Wirksamkeit 01.01.2008 i. H. v. 1,1 Mrd. €
für das Hj. 2008. Der HFA stimmte diesem Antrag zu. In der Folge übernahm der Freistaat
am 28.12.2007 eine Höchstbetragsgarantie zugunsten der SLB AG und ggf. anderer Begüns-
tigter i. H. v. maximal 2,75 Mrd. €.
Der SRH hält die Garantie nach § 12 Abs. 3 HG 2007/2008 als Fördermaßnahme zugunsten
der Wirtschaft für möglich, da ein erhebliches volkswirtschaftliches Interesse bestand. Der
Zusammenbruch der SLB hätte nicht nur erhebliche finanzielle Belastungen für den Freistaat
mit sich gebracht, sondern darüber hinaus auch Auswirkungen auf verbundene Unternehmen
und Geschäftspartner gehabt. Den der Garantie zugrunde liegende Sachverhalt regelt keine
Bürgschaftsrichtlinie. Das HG erlaubt auch Einzelfallentscheidungen.

17
Die Verteilung der Garantie auf zwei verschiedene Haushaltsjahre könnte dem Sinngehalt der
gesetzlichen Regelung widersprechen. Es erscheint insoweit problematisch, als beide Garan-
tien jeweils sämtliche Risiken aus den auf die Zweckgesellschaft übertragenen Portfolien ab-
decken und nur beide gemeinsam den Zweck der Hingabe der Garantie sicherstellen konnten.
Der SRH hält die Lösung zur Vermeidung der Insolvenz der SLB und zur Ablösung der
erheblich größeren Garantien noch für vertretbar. Eine haushaltsrechtlich eindeutige
Alternative hätte nach Auffassung des SRH darin bestanden, einen Nachtrag zum HG
herbeizuführen. Dies ist erforderlich, wenn Sachverhalte eintreten, die bei der Haus-
haltsgesetzgebung nicht berücksichtigt wurden oder werden konnten.
Grundsätzlich kann eine Garantie nur für fremde Verbindlichkeiten abgegeben werden. Dies
könnte fraglich sein, weil der Freistaat für die Verbindlichkeiten weitgehend als Gewährträger
haftete. Da die Garantien aber für die ausgegliederten (separierten) Vermögensgegenstände
gelten und die Gewährträgerhaftung durch die Neugliederung der Vermögensgegenstände in
der neuen Zweckgesellschaft gerade vermieden werden sollte, sind die Garantien nicht für
eigene Schulden übernommen worden. Es war klar, dass nach Zusammenfassung der garan-
tierten Vermögensgegenstände in einer Zweckgesellschaft und der Durchführung der Refi-
nanzierungstransaktion die Zweckgesellschaft Begünstigter wurde.
Der SRH hält die Übernahme einer Garantie für Zahlungsausfälle gegenüber der neu
gebildeten Zweckgesellschaft für rechtmäßig.
Die in der Zweckgesellschaft gebündelten Portfolien werden zunächst für zehn Jahre durch
die LBBW und die anderen Landesbanken zu festgeschriebenen Konditionen refinanziert. Die
Garantie erlischt vor Ablauf der zehn Jahre, sobald 2,75 Mrd. € in Anspruch genommen wor-
den sind. Soweit der Garantiebetrag von 2,75 Mrd. € nach zehn Jahren noch nicht ausge-
schöpft ist, kann der Freistaat entscheiden, ob eine weitere Refinanzierung der dann noch of-
fenen Positionen zu Marktkonditionen erfolgt oder ein Verkauf ggf. unter Realisierung von
Verlusten erfolgen soll.
Das bedeutet, dass der Freistaat die Garantie grundsätzlich nach zehn Jahren beenden kann.
Die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahme wird zum gegebenen Zeitpunkt zu prüfen sein.
Die LBBW stellte den Freistaat im Innenverhältnis von allen Verbindlichkeiten aus der An-
staltslast und Gewährträgerhaftung, die nach Ablauf des 31.12.2007 und des 31.12.2010 gel-
tend gemacht werden, frei.

18
Die Übernahme der Garantie befreit den FS von den Verpflichtungen aus einer Vielzahl
von Garantien in zweistelliger Milliardenhöhe und nach 2010 von der Gewährträgerhaf-
tung für die SLB.
2.2
Gründung der neuen Zweckgesellschaft
Die vom Freistaat garantierten Portfolien wurden auf die Zweckgesellschaft Sealink Funding
Limited (Sealink), eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach irischem Recht, übertra-
gen.
Durch verschiedene Verträge soll sichergestellt werden, dass die Inanspruchnahme der Garan-
tie durch eine zweckmäßige Verwaltung unter Aufsicht des Freistaates so weit wie möglich
minimiert wird.
Im Einzelnen kam es zu folgenden Regelungen:
2.2.1
Vermögensverwaltungsvertrag
Mit der Portfolioverwaltung der garantierten Vermögensgegenstände wurde am 12.05.2008
eine Investmentbank betraut. Der Vertrag zwischen Sealink (Gesellschaft), der Investment-
bank (Verwalter) und dem Freistaat wurde im Benehmen mit der LBBW geschlossen. Der
Verwalter ist unabhängig und verwaltet die garantierten Vermögensgegenstände im Interesse
der Gesellschaft.
Das SMF führt weiter aus, dass ausweislich des dem SRH vorliegenden Verwaltervertrages
der Verwalter verpflichtet sei, die berechtigten Interessen des Garanten (FS) und der Darle-
hensgeber (refinanzierende Kreditinstitute) zu wahren. Als übergeordnete Handlungsanwei-
sung gelte für den Verwalter der Grundsatz, dass er im Hinblick auf die garantierten Vermö-
gensgegenstände Chancen nutzen und Risiken minimieren solle. Der Verwalter habe sich ver-
pflichtet, bei der Ausübung von Ermessensentscheidungen für die Gesellschaft, neben den
Interessen der Gesellschaft insbesondere die Interessen des Garanten zu wahren. Das SMF hat
dem SRH angeboten, bereits im Vorfeld etwaige Änderungswünsche in die Berichterstattung
einzubringen. Der SRH hat bereits weitere Unterlagen und Auskünfte angefordert.
Das SMF hat eine sorgfältige Berichterstattung zugesagt.
Der Vertrag legt fest, dass ein Investmentkomitee dem Garanten und den Darlehensgebern ein
Forum für konstruktive Besprechungen bietet. Diesem gehören zwei Vertreter des Freistaates

19
an. Die Themen erfordern wegen der Komplexität des Portfolios ein hohes Maß an Sach-
kenntnis.
Der Garant hat das Recht, eine natürliche oder juristische Person zu benennen, die den Garan-
ten bei der Überwachung der Tätigkeit der Gesellschaft, der Verwaltungstätigkeit sowie bei
allen Fragen im Zusammenhang mit Entscheidungen des Verwalters und des Garanten nach
diesem Vertrag unterstützt (Vertrauensperson).
Des Weiteren wird aus Rechtsgründen für Zwecke der Garantiedokumente durch den Garan-
ten im Benehmen mit den Darlehensgebern ein WP bestellt. Der WP kann durch den Garan-
ten nach seinem Ermessen abberufen werden. Die Kosten des Einsatzes des WP trägt die Ge-
sellschaft als Nebenkosten im Zusammenhang mit der Gewährung der Garantie durch den
Garanten. Mindestens einmal pro Jahr erfolgt eine Prüfung der Tätigkeit des Verwalters durch
den WP. Ebenfalls einmal pro Jahr wird die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft geprüft.
Die Höchstbetragsgarantie tritt bei tatsächlichen Zahlungsausfällen ein. Als Verfahrensweise
zur Zahlung wurde vereinbart, dass die aus den garantierten Vermögensgegenständen plan-
mäßig erwirtschafteten Erträge zunächst für die Zahlung der Verwaltungsgebühren, danach
für die Garantiegebühr verwendet werden.
Die vertragliche Gestaltung ermöglicht dem FS, die Tätigkeit des Verwalters zu prüfen
und auf eine möglichst geringe Inanspruchnahme aus der Garantie hinzuwirken.
Der Auswahl des Verwalters lag nach den vorliegenden Unterlagen ein sog. „Beauty Contest“
zugrunde. Am Auswahlverfahren hatte sich eine ausreichende Anzahl an Bewerbern beteiligt.
Der FS und die finanzierenden Landesbanken haben die Auswahl gemeinsam und einver-
nehmlich vorgenommen.
Die Auswahl des Verwalters war nachvollziehbar dokumentiert.
2.2.2
Beratervertrag
Der Freistaat schloss am 30.04./07.05.2008 einen Beratervertrag ab.
Der Berater (SAM GmbH) soll als Vertrauensperson (Pkt. 2.2.1) den Freistaat bei der Über-
wachung der Tätigkeit der Zweckgesellschaft, der Verwaltungstätigkeit sowie bei allen Fra-
gen im Zusammenhang mit Entscheidungen des Verwalters und des Freistaates nach dem
Vermögensverwaltungsvertrag unterstützen. Die Vertrauensperson wirkt bei Entscheidungen
des Verwalters im Rahmen des Vermögensverwaltungsvertrages mit und berät den Freistaat

20
inhaltlich, insbesondere bei seinen Entscheidungen hinsichtlich der Inanspruchnahme der Ga-
rantie, des Vermögensverwaltungsvertrages, des Termsheet
9
, der Finanzierungsverträge und
anderen auf Sealink bezogene Verträge. Darüber hinaus analysiert und wertet die Vertrauens-
person die Berichte sowie die laufende Bewertung des Verwalters aus, agiert als Mittlerin
zwischen Verwalter, WP, der Sealink einerseits, dem Freistaat andererseits und bereitet In-
formationen zur Weitergabe sowie zur Vorstellung in Gremien des Freistaates vor.
Der SRH hält die Vorsorge für eine fachmännische Betreuung grundsätzlich für richtig.
Der SRH sieht in der Bestellung einer Vertrauensperson die späte Erkenntnis des SMF,
dass es nicht in der Lage war und ist, diese Geschäfte selbst ausreichend beurteilen zu
können.
Nach der Präambel des Vertrages ist die Vertrauensperson eine Gesellschaft, die im Bereich
der Anlagenberatung tätig ist. Das beauftragte Unternehmen wurde jedoch erst neu gegründet.
In ihm sind Personen tätig, die bereits zuvor in den Ausbau der Kapitalmarktgeschäfte der
SLB sowie der SLBE eingebunden waren und die die Fehlentwicklung nicht verhindert ha-
ben. Insoweit stellt sich die Frage nach der besonderen Qualifikation der Personen.
Eine der Personen verwaltete beim SMF die Beteiligung an der SLB und nahm gleichzeitig
die Aufgaben der Rechtsaufsicht wahr. Sie hatte den Vermögensverwaltungsvertrag maßgeb-
lich mitgestaltet, war an der Auswahl des Vertragspartners beteiligt und noch am 07.05.2008
zu einer der aufseiten des FS unterschriftsbefugten Person bestellt worden.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass das SMF diesen Mitarbeiter freistellte, um dessen
„Spezialwissen“ anschließend über eine Beratungsfirma einzukaufen.
Das SMF hat im Nachgang die Auswahl der Firma mit den speziellen Kenntnissen der bereits
mit den Problemen befassten Personen begründet. Auch sei das Angebot entsprechender Spe-
zialisten am Markt insgesamt sehr gering.
Die Beauftragung anderer Unternehmen wurde nach den uns vorliegenden Unterlagen nicht
geprüft. Die Gesellschaft wurde durch freihändige Vergabe beauftragt.
10
Die Bemühungen des SMF, den Markt hinsichtlich spezialisierter Unternehmen zu er-
kunden und die Kriterien der Auswahl waren nach den vorgelegten Unterlagen nicht
9
Termsheet = bezeichnet die schriftliche Niederbringung aller für ein Bankgeschäft wesentlichen Bedingun-
gen.
10
Ob dies nach den Vorschriften der VOL/A erfolgte, war für den SRH nicht feststellbar. Ein Vermerk gem.
§ 30 VOL/A fehlte.

21
ausreichend dokumentiert. Damit wurde gegen den Grundsatz der Aktenmäßigkeit der
Verwaltung verstoßen.
Die Vergütung der Vertrauensperson erfolgt als Pauschale. Eine konkrete Abrechnung der
erbrachten Leistungen erfolgt nicht.
Hierzu trägt das SMF vor, Gegenstand des Vertrages sei vor allem das ständige Vorhalten von
Fachwissen und die Bereitschaft, jederzeit für den FS tätig zu sein. Im Idealfall werde dieses
Wissen nur selten benötigt. Dieses Ziel stehe einer Einzelabrechnung diametral entgegen.
Darüber hinaus soll der Wert der Leistung der Vertrauensperson nicht in Stunden, sondern am
Ende der Laufzeit der Garantie am Ergebnis für den Freistaat gemessen werden. Das SMF
befasse sich derzeit mit der Frage eines entsprechenden Überwachungssystems.
Das SMF sollte vor der Vereinbarung einer Vergütung die zu erbringenden Leistungen
konkretisieren, um die Angemessenheit der Vergütung zu gewährleisten.
2.3
Schaden
Das SMF hat die dem HFA zugesagte Kosten-/Nutzenbilanz erst auf wiederholte Nachfrage
des SRH am 12.12.2008 vorgelegt. Dabei stellte das SMF dem Verlust der Bank viele positi-
ve Effekte entgegen.
Der SRH sieht dennoch in erster Linie einen für den FS entstandenen Schaden. Er hat anhand
der vorliegenden Unterlagen versucht, den Schaden vorläufig zu ermitteln und hat sich bei der
Definition des Begriffs „Schaden“ am BGB
11
orientiert. Danach ist der Schaden die Differenz
der Unternehmenswerte der Bank vor und nach dem schädigenden Ereignis. Darüber hinaus
kann ein entgangener Gewinn Schaden sein.
12
Der Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses ist mit August 2007 zu bestimmen, auch wenn
die ursächlichen Handlungen bereits im Zeitraum 2004 bis 2007 erfolgten. Dem SRH liegt für
die Zeit vor dem Schadenseintritt kein Bewertungsgutachten für die SLB vor.
Wie oben (Pkt. 2.1.1) ausgeführt, waren die Vertragsparteien des Notverkaufs von einem Un-
ternehmenswert von 1,25 Mrd. € ausgegangen und ermittelten unter Berücksichtigung der
negativen Folgen des schädigenden Ereignisses einen Kaufpreis von nur noch 328 Mio. €.
11
§ 249 BGB.
12
§ 252 BGB.

22
Aus den Unterlagen des SMF zur Kaufpreisermittlung ergibt sich damit ein Wertverlust
von 922 Mio. €.
Die SLB hätte bei einer Geschäftstätigkeit mit dem Schwerpunkt auf den „öffentlichen Auf-
trag“ geringere Erträge erzielt und es hätte sich ein niedrigerer Unternehmenswert ergeben.
Der SRH geht jedoch davon aus, dass die Bank bei einem in erster Linie an ihrem öffentli-
chen Auftrag orientierten Geschäftsmodell in der Lage gewesen wäre, die ihr zur Verfügung
gestellte finanzielle Ausstattung zu erhalten. Der FS hat in die SLB rd. 508 Mio. € für seine
ursprünglichen Anteile, Kapitalerhöhungen und den Kaufpreis an die Südwest LB einge-
bracht. Darüber hinaus erwarb er im Zeitraum 2000 bis 2006 für insgesamt rd. 184 Mio. €
Anteile an der SLB von Sparkassen, die er dann in die SFG einbrachte. Insgesamt hat der FS
692 Mio. € für die SLB gezahlt.
Der SRH hat auf den darüber hinausgehenden Ansatz einer Mindestverzinsung verzichtet.
Zum einen waren Ausschüttungen an die Anteilseigner erfolgt und zum anderen sollte die
Hauptaufgabe der Bank die Erfüllung des öffentlichen Auftrags, der nicht im Renditestreben
bestand, sein.
Danach geht der SRH von einer Investition in die SLB von 692 Mio. € aus. Der Unterneh-
menswert nach dem schädigenden Ereignis entspricht dem Kaufpreis von 328 Mio. €.
Anteilseigner der SLB waren zum Zeitpunkt des Schadenseintritts mit rd. 37 % der FS und
mit rd. 63 % die SFG. Der Verlust der SFG wirkt sich auf den FS in Höhe seines Anteils von
22,37 % an der SFG aus. Dies entspricht einem Gesamtanteil des FS von 51 % an der SLB.
Vom Kaufpreis stehen dem FS entsprechend seiner direkten Beteiligungsquote 121 Mio. € zu.
Hinsichtlich des an die SFG geflossenen Kaufpreisanteils hätte er im Falle der Auszahlung
einen Anspruch auf weitere 57 Mio. €.
Der SRH beziffert den Schaden des FS danach auf mindestens 186 Mio. €.
Die an der SFG beteiligten Kommunen haben als weitere Anteilseigner den verbleibenden
Verlust i. H. v. rd. 178 Mio. € anteilig zu tragen. Die laufenden Gespräche hinsichtlich des
Fortbestands der SFG und der Konsequenzen einer Auflösung der SFG lassen noch kein Er-
gebnis erkennen.
Weitergehender Schaden ist für den Freistaat jeder Euro, der aus der Garantieverpflichtung
i. H. v. 2,75 Mrd. € gezahlt werden muss.

23
Die EU-Kommission geht hinsichtlich der potenziellen Verluste, die im Rahmen der Garantie
vom Freistaat getragen werden müssen, von einem negativen Kaufpreis aus und genehmigte
vor diesem Hintergrund die Garantie des Freistaates. Daraus lässt sich bei einem Kaufpreis
von 328 Mio. € ein darüber liegender Betrag als Minimum der Schätzung der EU für den Ga-
rantieeintritt entnehmen.
Die letzten Verlautbarungen des SMF melden, dass im Jahr 2008 keine Ausfälle eingetreten
waren. Für das Jahr 2009 werden jedoch Ausfälle in Höhe eines mittleren zweistelligen Milli-
onenbetrages prognostiziert.
Eine Inanspruchnahme aus der Garantie vergrößert den Schaden. Da neben dem Frei-
staat die SFG Anteilseigner der SLB war, hätte nach einem Zusammenbruch der SLB
die SFG 63 % von deren Verpflichtungen übernehmen müssen.
Nach Auskunft des SMF habe der FS unternehmensrechtlich einen Ausgleichsanspruch für
die übernommene Garantie. Der FS habe die Garantie deshalb allein ausgelegt, weil er einer-
seits das Potenzial dafür besitze und andererseits um das Verfahren in der damaligen Situation
zu vereinfachen. Der FS habe die SFG laufend in die Verhandlungen einbezogen und infor-
miert. Die SFG sei auch bei den grundlegenden Dokumenten (Grundlagen-, Eckpunkte- und
Ergänzungsvereinbarung) neben dem Freistaat Vertragspartner. Der FS sei bei der derzeitigen
Rechtslage gehalten, bestehende Ansprüche gegenüber den Kommunen zu verfolgen. Bei der
Verfolgung der Ansprüche sei der Wille des SLT einzubeziehen.
Mit dem Haushaltsbegleitgesetz 2009/2010 hat der FS am 10.12.2008 auf Ersatzansprüche
aus der Inanspruchnahme der Gewährleistung gegenüber der SFG weitgehend verzichtet. Die
SFG soll danach nur mit dem anteiligen Kaufpreis abzüglich ihrer Aufwendungen für die Til-
gung aufgenommener Kredite und des Ausgleichs der im Zusammenhang mit dem Erwerb
von Anteilen an der SLB entstandenen Kosten haften.
Vom Kaufpreis i. H. v. 328 Mio. € erhielt die SFG ihrer Beteiligung von 63 % entsprechend
rd. 206,5 Mio. €. Nach Abzug der Kosten des Ankaufs von Anteilen des Beteiligungsverban-
des ergibt sich ein Betrag von rd. 107 Mio. €. Das heißt, aus der gesetzlichen Regelung ver-
bleibt für die SFG eine Beteiligung an der Risikoabschirmung von maximal 107 Mio. €. In-
wieweit dieser Betrag tatsächlich von der SFG bereitgestellt wird, ist zwischen den Anteils-
eignern strittig. So lehnen die kommunalen Anteilseigner eine Verknüpfung der Haftungsfrei-
stellung mit dem Kaufpreis ab.
Letztlich kann die gesetzliche Regelung lediglich den weitgehenden Verzicht auf eine Inan-
spruchnahme der SFG legalisieren. Sie besitzt keine die SFG verpflichtende Wirkung.

24
Der FS hat gegenüber der SFG weitgehend auf seine Ansprüche aus der Garantieüber-
nahme verzichtet.
Das SMF möchte für die Schadensermittlung die neutrale Formulierung „Kosten-/Nutzen-
bilanz“ verwenden, da die Arbeit der SLB seit ihrer Gründung 1992 wesentlich zur erfolgrei-
chen Entwicklung des FS beigetragen habe.
Hierfür werden als Nutzen die Steuerzahlungen der SLB von 1992 bis 2007 mit 144,4 Mio. €
angeführt. Auch habe sie in diesem Zeitraum 106,2 Mio. € Gewinne ausgeschüttet. Weiter
wird die Wertschöpfung aus den Zahlungen der SLB als Arbeitgeber und Nachfrager am
Markt mit über 1 Mrd. € als Nutzen angeführt. Daneben seien auch insbesondere die positiven
Einflüsse auf die Volkswirtschaft des FS zu berücksichtigen.
Der SRH stimmt dem SMF durchaus zu, was die positiven Effekte der SLB angeht. Aller-
dings geht deren Einschätzung, dass der Schaden dadurch gemindert würde, fehl. Eine wei-
terhin funktionierende Landesbank hätte diesen Nutzen über viele weitere Jahre erbringen
können.
Umso schmerzlicher ist der Untergang der Bank.
2.4
Das Geschäftsmodell der Landesbank Sachsen Girozentrale
Bei der SLB wurden im Lauf der Jahre mehrere Geschäftsmodelle realisiert. Sie mussten mit
den Vorgaben des Landesgesetzgebers im Errichtungsgesetz und später des GörK vereinbar
sein.
2.4.1
Rahmenbedingungen bei Gründung der Landesbank Sachsen Girozentrale
Das für staatliche Unternehmen zuständige SMF erarbeitete mit dem Errichtungsgesetz die
gesetzlichen Vorgaben für die Gründung der SLB. Dieses trat mit der Verabschiedung durch
den Landtag 1991 in Kraft. Die für Sachsen gegründete Landesbank hatte den öffentlichen
Auftrag, die Aufgaben einer Staats-, Kommunal- sowie einer Zentralbank der sächsischen
Sparkassen wahrzunehmen und als Geschäftsbank insbesondere die Wirtschaft im Freistaat
mit Bankleistungen zu versorgen. Den Sparkassen sollte mit der SLB eine leistungsfähige und
starke öffentlich-rechtliche Bank an die Seite gestellt werden, um diesen im Wettbewerb mit
den Geschäfts- und Genossenschaftsbanken auch künftig die Erfüllung ihres öffentlichen Auf-
trags zu ermöglichen. Die Versorgung aller Bevölkerungsschichten, Finanzdienstleistungen
für den sächsischen Mittelstand, aber auch die Bewältigung von Aufgaben im Schuldenmana-
gement für Kommunen und das Land sollten sichergestellt werden.

25
Bereits Ende der 90iger Jahre konkretisierte sich für die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute
der Wegfall der Gewährträgerhaftung und damit der Verlust des Wettbewerbsvorteils einer
kostengünstigen Refinanzierung. Auch die Zusammenarbeit der SLB mit den Sparkassen hat-
te sich nicht in dem Maße entwickelt, dass die Eigner das Geschäftsmodell der SLB als aus-
reichend tragfähig erachteten.
Deswegen versuchte die Staatsregierung (federführend das SMF) die Zusammenarbeit der
öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute zu verbessern, um deren Marktposition zunächst durch
die Gründung des SFV und nach dem Ergebnis des Volksentscheids
13
mit der Gründung der
SFG zu stärken. Hierfür schuf sie neue gesetzliche Grundlagen.
Das SMF kam damit grundsätzlich seiner Verpflichtung nach, die Vermögensinteressen
an der Beteiligung zu wahren und die Erfüllung des öffentlichen Auftrags der SLB si-
cherzustellen.
2.4.2
Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen
In der Folge wurde das Aufgabenspektrum der Landesbank erweitert. Bereits eine Satzungs-
änderung vom 19.06.1997 erlaubte der SLB Geschäfte mit Finanzinnovationen und -derivaten
und Art. 3 des GörK vom 03.05.1999 zur Änderung des Landesbankengesetzes gestattete der
SLB das Betreiben von sonstigen Geschäften, die den Zwecken der Bank dienen. Auch das
nachfolgende GörK vom 15.11.2002 beließ die Aufgabenstellung der SLB unverändert.
Wiederum hatte das SMF die gesetzlichen Neuregelungen (1999, 2002) vorbereitet. Die enge
Bindung der Geschäftspolitik der SLB an den öffentlichen Auftrag, die Beschränkung auf
Bankgeschäfte mit der Vorgabe, als Geschäftsbank
insbesondere
die Wirtschaft im Freistaat
mit Bankleistungen zu versorgen, wurde aufgegeben. Die SLB durfte nunmehr auch alle
„sonstigen Geschäfte“ betreiben, „die den Zwecken der Bank dienen“.
Der FS brachte mit Wirkung zum 01.10.2000 seinen Anteil an der SLB in den SFV und später
in die SFG ein und wurde ein gewichtiger Anteilseigner dieses Zusammenschlusses.
Das neue Gesetz sah vor, dass die Anteilseignerversammlung (AV) der SFG (vorher SFV) die
Geschäftspolitik durch die Festlegung eigentümergeprägter Oberziele und den Erlass von
Richtlinien bestimmte.
Diese Aufgabe hat sie nicht wahrgenommen. Sie hätte ihre Möglichkeiten, auf die Ge-
schäftspolitik der SLB Einfluss zu nehmen, besser nutzen müssen.
13
Vom 21.10.2001.

26
2.4.3
Der Entscheidungsprozess für das neue Geschäftsmodell
Die gesetzlichen Änderungen - Erweiterung der möglichen Geschäftstätigkeiten z. B. auf
sonstige Geschäfte, die den Zwecken der Bank dienen - und die Zusammenarbeit der öffent-
lich-rechtlichen Banken in Sachsen sollten die Ertragsfähigkeit der Bank sicherstellen.
Die Strategiediskussion erfolgte bei der Bank immer mit der feststehenden Meinung, der öf-
fentliche Auftrag und der damit verbundene Heimatmarkt würden nicht genügend Betäti-
gungsmöglichkeiten bieten, um die Zukunft der Bank zu sichern.
In der Konsequenz hätte eine Anpassung der Größe der Bank an die veränderten Rahmenbe-
dingungen durch Verkleinerung und die Konzentration auf den öffentlichen Auftrag überlegt
werden können. Eine Verbesserung der Ertragssituation hätte dabei durch Aufwandsminde-
rung erfolgen können. Auch die Fortführung der Bank mit Vertragspartnern hätte, wie später
erfolgt, geprüft werden können. Der SRH fand hierzu keine Hinweise in den Unterlagen des
SMF.
In seiner Stellungnahme verweist das SMF auf die fehlende Ertragsbasis der SLB im Bankge-
schäft mit Bezug zu ihrem Heimatmarkt. Eine Verkleinerung der Bank hätte dazu geführt,
dass der gesetzliche Auftrag insbesondere als Zentralbank der sächsischen Sparkassen zu die-
nen, nicht mehr hätte erfüllt werden können. Darüber hinaus wäre vor dem Hintergrund des
Wegfalls der Gewährträgerhaftung und des damit erforderlichen externen Ratings ein „frucht-
bares“ Weiterarbeiten nicht möglich gewesen.
Unterlagen bspw. in Form von Modellrechnungen, Gutachten oder Ähnlichem hat das
SMF für diese Thesen nicht vorgelegt.
Der Vorstand konnte ein neues Geschäftsmodell ohne Vorgaben der Anteilseigner entwi-
ckeln. Er beauftragte im Jahr 2000 ein Beratungsunternehmen, Untersuchungen zur strategi-
schen Ausrichtung der Bank vorzunehmen. Dieses empfahl, auf Gesamtbankebene Grundla-
gen für eine tragfähige Marktposition zu schaffen, in den einzelnen Geschäftsfeldern/Markt-
bereichen die Basisgeschäfte streng ertragsorientiert zu entwickeln und die Leistungsfähigkeit
der Servicebereiche zu steigern. Die Wertschöpfung sollte dabei besonders in der Strukturie-
rung, Vermittlung und dem Management von Fremdkapital sowie in der Bereitstellung von
Eigenkapital liegen. Basisgeschäfte sollten das Firmendirekt- und das Konsortialgeschäft, die
klassischen Immobilienfinanzierungen, das Asset-Swap-Geschäft und die Leasingfinanzie-
rung sein. Damit sollte ein jährliches Wachstum des Betriebsergebnisses und eine mittelfristi-
ge Eigenkapitalverzinsung von 15 % erreicht werden.

27
Entgegen der Empfehlung des o. g. Beratungsunternehmens und eines Vorstandsmitglieds
beantragte der Vorstand in der VR-Sitzung am 07.09.2001 die Zustimmung zu einer strategi-
schen Ausrichtung, mit der die SLB zu einer Kapitalmarktbank mit der Beschränkung des
Kreditgeschäfts auf Adressen mit einem externen Rating und einer Konzentration auf das As-
set-Swap-Geschäft umgebaut werden sollte.
Das Minderheitsvotum eines Vorstands wies u. a. darauf hin, dass das vorgesehene Ge-
schäftsmodell keine Gewähr für eine ausreichende Diversifikation der Bilanzstruktur biete,
die Margen für Asset Swaps ab 2005 deutlich sinken werden und dass keine zahlenmäßige
Plausibilisierung der Auswirkungen der strategischen Ausrichtung vorgelegt worden sei.
Auch die Arbeitsebene der BV wies in Vermerken für den VR-Vorsitzenden deutlich auf die
Mängel der Vorlage hin. Sie legte dar, dass aussagekräftige Planzahlen und ein Organisati-
onskonzept fehlten, die Auswirkungen des Wegfalls der Gewährträgerhaftung aktuell nicht
eingeschätzt worden seien, eine Einschätzung der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung der
Geschäftsfelder hinsichtlich des Risikos fehle, alternative Konzepte nicht vorgelegt worden
seien und vieles andere mehr. Auch brachte sie zum Ausdruck, dass mit diesem Strategie-
wechsel zu einer Kapitalmarktbank mit der Beschränkung des Kreditgeschäfts auf Adressen
mit einem externen Rating und einer Konzentration auf das Asset-Swap-Geschäft der öffent-
liche Auftrag der SLB weiter reduziert werde und dass allein die Erwirtschaftung von Gewin-
nen keinen öffentlichen Auftrag darstelle.
Darüber hinaus thematisierte sie, dass grundsätzliche programmatische Entscheidungen nicht
in der Kompetenz des Vorstandes lägen, sondern der Vorstand auf Grundlage der programma-
tischen Festlegungen die operative Tätigkeit auszuüben habe. Ergäbe sich aus der Aufgaben-
erfüllung durch die SLB ein höheres Risiko, so habe der Träger der Anstalt auf Grundlage der
Anstaltslast und der Gewährträgerhaftung rechtlich dafür einzutreten.
Die Vorlage zur strategischen Neuausrichtung wurde im VR kontrovers diskutiert. Es wurde
angemerkt, dass die Entscheidung über die strategische Neuausrichtung bis zu einem Vorlie-
gen von detaillierten Zahlen verschoben werden sollte und auch ein klares Konzept der SLB
für die Zusammenarbeit mit den sächsischen Sparkassen fehle. Ein VR-Mitglied wies darauf
hin, dass die Ertragssituation der Gruppe positiv sei und kein übereilter Handlungsbedarf be-
stehe. Es wurde auch kritisiert, dass dem Ausbau des Asset-Swap-Geschäftes der Sachsenbe-
zug fehle und die geschilderten Rentabilitätserwartungen nicht realistisch erschienen.
Am 30.10.2001 nahm dann der VR den Strategiewechsel zustimmend zur Kenntnis, obwohl
für den Antrag weiterhin keine zahlenmäßige Darstellung der Planung vorlag. Allerdings war
die zustimmende Kenntnisnahme mit der Maßgabe verbunden, die Geschäftsfelder der SLB in

28
Bezug auf die Zusammenarbeit mit den Sparkassen, der mittelständischen Wirtschaft und dem
OSGV (jetzt OSV) zu verstärken.
Der VR nahm den Strategiewechsel trotz unzureichender Unterlagen und Erörterungen
zustimmend zur Kenntnis.
Die berechtigten Einwendungen der BV und einiger VR-Mitglieder verhinderten die zu-
stimmende Kenntnisnahme nicht.
Die in verschiedenen VR-Sitzungen (2002) für die Jahre 2002 bis 2005 vorgelegten Planun-
gen des Vorstands zeigten, dass der Anteil der Kapitalmarktgeschäfte am Betriebsergebnis
14
von 24 % in 2002 auf 41 % in 2005 ausgebaut werden sollte. Der Vorstand förderte die Ent-
wicklung der Bank ausschließlich in Richtung Kapitalmarktbank. Vorschläge zur künftigen
Rolle der SLB für Sachsen und für eine bessere Zusammenarbeit mit den Sparkassen brachte
der Vorstand nicht ein. Der VR beanstandete nicht, dass die mit der zustimmenden Kenntnis-
nahme verbundene Maßgabe - „die Zusammenarbeit mit den Sparkassen, der mittelständi-
schen Wirtschaft und dem OSGV zu verstärken“ - nicht umgesetzt wurde.
Die verantwortlichen Gremien haben die Ausrichtung der Geschäftspolitik dem Vorstand
überlassen. Der VR hat trotz des erkennbar einseitigen Ausbaus des Geschäftsfeldes SLBE
inkl. Synthetic-Asset-Portfolio Leipzig die Strategie nicht hinterfragt.
Der VR hätte die ihm gesetzlich (§ 41 Abs. 1 GörK) übertragene Aufgabe, die Richtli-
nien für die Geschäfts- und Personalpolitik der SLB zu bestimmen, wahrnehmen müs-
sen.
Das SMF meint, dass sich die Geschäftspolitik der SLB aus ihren Aufgaben ergeben habe, die
der Gesetzgeber in § 34 GörK festgelegt hatte, nämlich Staats-, Kommunal- sowie Zentral-
bank der sächsischen Sparkassen und Geschäftsbank zu sein. Daraus folge, dass der Vorstand
alles ihm Mögliche tun musste, um diesen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen.
Dementsprechend habe die Geschäftsleitung nach den auf Basis von § 25a KWG erlassenen
Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) eine Geschäftsstrategie festzule-
gen, mindestens jährlich zu überprüfen und ggf. anzupassen. Die Geschäftsstrategie sei dem
Aufsichtsorgan des Instituts zur Kenntnis zu geben und mit diesem zu erörtern. Diese Vorga-
ben seien bei der SLB erfüllt worden.
Der VR habe die Geschäftsstrategie der SLB als Gremium jederzeit eng begleitet.
14
Des Konzerns vor Steuern.

29
Der Argumentation des SMF schließt sich der SRH nicht an. Die Geschäftsstrategie
nach dem KWG bezieht sich auf die erfolgreiche Umsetzung der von den Eigentümern
üblicherweise vorgegebenen Oberziele durch den Vorstand.
2.4.4
Vereinbarkeit des neuen Geschäftsmodells mit den Landesinteressen
Eine unternehmerische Betätigung ist dem FS grundsätzlich nur erlaubt, um wichtige sächsi-
sche Interessen umzusetzen, d. h. die Betätigung muss auf die Interessen und Bestrebungen
der Einwohner Sachsens ausgerichtet sein.
Als für den SRH aus den Unterlagen nach § 69 SäHO die Entwicklung erkennbar war, fragte
er mit Schreiben vom 10.02.2004 beim SMF an, worin der öffentliche Auftrag der SLB noch
bestehe. In seiner Antwort verwies das SMF auf das von Prof. Dr. Milbradt und Dr. Thode
2001 herausgegebene Buch „Die Sächsische Verbundlösung“. Weiterhin führte das SMF aus,
die Wahrnehmung der mit z. T. besonderem Aufwand verbundenen öffentlichen Aufgaben
auf der einen Seite setze auf der anderen Seite die Generierung entsprechender Mittel zur Er-
füllung der jeweiligen Anforderungen und damit eine Tätigkeit als universelle, wirtschaftlich
ausgerichtete Geschäftsbank voraus. Der hieraus resultierende Nutzen für den Staatshaushalt
durch Dividenden- und Steuerzahlungen sei ebenfalls zu berücksichtigen.
Der SRH hat in Besprechungen mit dem SMF immer wieder betont, dass allein die Absicht,
Gewinne zu erzielen, kein anzuerkennendes Landesinteresse darstelle. Das SMF hat diese
Auffassung in internen Vermerken auch bestätigt.
Letzte Versuche, wieder eine stärkere Verankerung des öffentlichen Auftrags in der Satzung
anzuregen, hat der SRH im Zusammenhang mit der Expertenanhörung zur AG-Gründung im
April 2007 unternommen. Er hat darauf verwiesen, dass sich mit dem Unternehmensgegen-
stand der SLB AG eine weitere Schwerpunktverlagerung ergab, wobei die Aufgabenerledi-
gung für Sachsen nicht mehr im Vordergrund stehe und sich somit die Frage stelle, ob der FS
mit seinen Anteilen so unternehmerisch tätig sein wolle.
Das SMF unterstützte wiederum den Vorstand dabei, keine Beschränkungen des Unterneh-
mensgegenstandes der SLB vorzunehmen.
Es wäre Aufgabe des SMF gewesen, die Wahrung der Landesinteressen einzufordern.

30
2.5
Die Umsetzung des neuen Geschäftsmodells
2.5.1
Gründung der Sachsen LB Europe plc
Für die Kapitalmarktgeschäfte hatte die SLB mit Zustimmung der Gewährträgerversammlung
und des VR am 22.09.1999 eine 100 %ige Tochtergesellschaft nach irischem Recht in der
Rechtsform einer AG (plc -
p
ublic
l
imited
c
ompany) mit Sitz in Dublin gegründet.
Die Zustimmung des SMF als zuständiger Rechtsaufsichtsbehörde lag zum Gründungszeit-
punkt nicht vor. Das SMF erteilte erst mit Schreiben vom 14.01.2000 die Zustimmung mit
Auflagen zur Risikobegrenzung.
Das SMF meint, die Gründung der SLBE vor der Zustimmung der Rechtsaufsichtsbehörde sei
nicht zu beanstanden.
Nach § 2 Abs. 5 d) der Satzung der SLB habe das Eingehen von Beteiligungen der Zustim-
mung der Rechtsaufsichtsbehörde bedurft. Der Oberbegriff Zustimmung erfasse sowohl die
vorherige Einwilligung als auch die nachträgliche Genehmigung.
Bei der Genehmigung handele es sich zudem um eine sog. Kontrollerlaubnis. Sinn und Zweck
dieser Erlaubnis sei nicht, ein Vorhaben generell zu unterbinden, sondern eine Prüfung der
Rechtmäßigkeit zu ermöglichen. Da die SLBE ihre Geschäftstätigkeit erst nach der letztlich
erfolgten Zustimmung aufgenommen habe, sei der Sinn und Zweck des Zustimmungsvorbe-
halts nicht beeinträchtigt worden.
Der SRH weist darauf hin, dass für die SLB gem. § 112 Abs. 2 Satz 1 SäHO bei der Grün-
dung von Tochterunternehmen § 65 Abs. 2 SäHO entsprechend gilt. Das SMF hätte bei der
Abfassung der Satzung auf eine gesetzeskonforme „vorherige“ Einwilligung hinwirken müs-
sen.
Die §§ 112 Abs. 2 i. V. m. 65 Abs. 2 SäHO wurden nicht beachtet.

31
2.5.2
Patronatserklärung der Landesbank Sachsen Girozentrale für die Sachsen LB Euro-
pe plc
Bevor die Gründung der Tochtergesellschaft SLBE rechtsaufsichtlich genehmigt worden war,
gab die SLB im Oktober 1999 dieser gegenüber eine sog. harte Patronatserklärung ab. Damit
verpflichtete sie sich, uneingeschränkt dafür Sorge zu tragen, dass die SLBE „in der Weise
geleitet und finanziell ausgestattet wird, dass sie stets in der Lage ist, allen ihren Verbindlich-
keiten fristgemäß nachzukommen“. Die Patronatserklärung wurde vom damaligen Gesamt-
vorstand der SLB abgegeben.
Bei der zu diesem Zeitpunkt bestehenden Gewährträgerhaftung des Freistaates für die SLB
bedeutete dies, dass der Vorstand der SLB mit der Abgabe der Patronatserklärung die unbe-
grenzte Haftung des Freistaates für die SLB auf eine Tochtergesellschaft erweiterte.
Das SMF hält diese Verpflichtung des FS in unbegrenzter Höhe für rechtmäßig. Die Abgabe
einer Patronatserklärung zugunsten von Tochtergesellschaften für die Bonitätsbeurteilung
durch Marktpartner (Refinanzierungen, Swaplinien etc.) sei üblich und sie sei ohne Zustim-
mungserfordernisse sowohl von der Befugnis zur Geschäftsführung als auch von der Vertre-
tungsmacht des Vorstandes umfasst.
Diese Auffassung teilt der SRH aus nachfolgenden Gründen nicht
.
Die Abgabe von Patronatserklärungen für Tochtergesellschaften mag im Bankenbereich üb-
lich sein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dies auch der SLB bei dem für sie gültigen Rechts-
rahmen erlaubt war. Für Außenstehende ist nicht erkennbar, inwieweit das „bankübliche Ver-
halten der Anderen“ in rechtlich zutreffender Weise vom Rechtsrahmen dieser Institute ge-
deckt war. Es kann insoweit durchaus Unterschiede aufgrund der verschiedenen Unterneh-
mensformen wie z. B. Bank als AG und der entsprechenden Beschlüsse in einer Hauptver-
sammlung geben.
In der Privatwirtschaft, auf die Bezug genommen wird, besteht ein anderer Haftungsverbund
als bei der damals bestehenden Gewährträgerhaftung. Aufgrund der Gewährträgerhaftung
wird durch eine Patronatserklärung der Haftungsumfang des FS ohne sein Zutun erweitert.
Die Verfassung des FS fordert jedoch nach Art. 95 für die Übernahme von Bürgschaften, Ga-
rantien und Gewährleistungen eine gesetzliche Ermächtigung.
Nach Art. 82 Abs. 3 der Verfassung des FS ist die Anstalt verfassungsrechtlich eine auf Ge-
setz basierende Ausgestaltung der Organisation der Verwaltung. Sie kann die ihr gesetzlich

32
übertragenen Aufgaben und Befugnisse wahrnehmen und wird hierfür mit Haushaltsmitteln
ausgestattet. Der Bank war mit dem Errichtungsgesetz 1991 die Befugnis für Bankgeschäfte
aller Art erteilt worden, um als Geschäftsbank insbesondere die Wirtschaft im Freistaat mit
Bankleistungen zu versorgen. Die Übernahme von Patronatserklärungen für Tochterunter-
nehmen und die Ausweitung der Gewährträgerhaftung ist kein Bankgeschäft
15
im Sinne des
§ 1 Abs. 1 Satz 2 KWG und stellt keine der übertragenen Aufgaben dar. Eine Ermächtigung
durch das Errichtungsgesetz lag insoweit nicht vor.
Das SMF trägt hierzu vor, dass sich das KWG ausschließlich mit der Frage befasse, ob ein
Konzernunternehmen für die Abgabe einer Patronatserklärung den Status als Kreditinstitut
benötige. Nicht Gegenstand sei, ob ein Kreditinstitut im Rahmen seiner Bankgeschäfte eine
Patronatserklärung abgeben könne.
Dem ist entgegenzuhalten: Das für die Gewährträgerhaftung maßgebliche Errichtungsgesetz
hat die eindeutige Bedeutung des Begriffs Bankgeschäfte aus dem KWG benutzt.
Im Übrigen zeigt sich, aus der späteren Erweiterung der Befugnisse „… und sonstige der
Bank dienende Geschäfte“, dass der Gesetzgeber von der engen Begriffsbestimmung ausge-
gangen war. Ansonsten hätte es der Erweiterung nicht bedurft.
Das Errichtungsgesetz ermächtigte die SLB nicht zur Abgabe einer Patronatserklärung
für die Tochtergesellschaft.
In seiner weiteren Argumentation zur Berechtigung der SLB, eine Patronatserklärung für eine
Tochtergesellschaft abzugeben, verweist das SMF auf § 67 Abs. 3 GörK. Laut der Gesetzes-
begründung würden abgegebene Patronatserklärungen dadurch als vergleichbare Haftungszu-
sagen erfasst. Diese Regelung trat jedoch erst am 13.12.2002 in Kraft. Zudem handelt es sich
bei dieser Vorschrift um die Regelung von Haftungsfragen, die nicht als Rechtsgrundlage für
die Schaffung von Haftungstatbeständen dienen kann.
Der SRH folgt auch nicht der Auffassung des SMF, dass die Patronatserklärung durch die
SLBE „risikoneutral“ war. Angesichts des eingetretenen Schadens fällt es schwer, den Vor-
gang als „risikoneutral“ anzusehen. Dem Hinweis, dass die Bank die Geschäfte schließlich
selbst hätte machen können, ist entgegenzuhalten, dass dies auf alle Fälle mit mehr Transpa-
renz verbunden gewesen wäre. Die Chance, eine Fehlentwicklung zu entdecken, wäre größer
gewesen.
15
Vgl. Reischauer/Kleinhans, KWG-Kommentar, § 1 Abs. 1 Satz 2 KWG, Nr. 133, 138.

33
Unterlagen, die eine Überwachung potenzieller Risiken aus der Patronatserklärung seitens des
SMF belegen, liegen nicht vor. So wurde bspw. im Vermerk des SMF vom 10.07.2003 zur
Vorbereitung auf die KA-Sitzung am 15.07.2003 in Dublin lediglich auf die bestehende Pat-
ronatserklärung hingewiesen. Nähere Ausführungen hierzu wurden nicht vorgenommen.
Das SMF hätte die mit der Patronatserklärung verbundenen Risiken fortlaufend über-
wachen sowie eine Umfangbegrenzung und Genehmigungsvorbehalte vorsehen müssen.
Selbst nachdem die SLBE Garantien in Milliardenhöhe mit Wissen des SMF gegenüber
Zweckgesellschaften übernommen hatte, ist nichts geschehen.
2.5.3
Exkurs zur Patronatserklärung
In Anbetracht dessen, das der Freistaat vielfach Patronatserklärungen abgegeben hat, ist nicht
auszuschließen, dass der Haftungsgarant FS und damit der Steuerzahler für weitere Fehlent-
scheidungen ggf. wird einstehen müssen.
Dabei steht dem Freistaat häufig kein vollständiges Informationsrecht zu. Er ist auf die Er-
kenntnisse der BV angewiesen. Deren Informationsmöglichkeiten dem Parlament gegenüber
können durch die Pflicht, Geschäftsgeheimnisse zu wahren, unter Umständen eingeschränkt
sein. Die mittelbare Einflussnahme des Parlaments ist äußerst begrenzt.
Das SMI hat die Risiken einer harten Patronatserklärung erkannt. Es hat den Kommunen
durch Bekanntmachung
16
mitgeteilt, dass sog. „harte“ Patronatserklärungen die Kommune
rechtsverbindlich verpflichten und diese daher als selbstständiges Garantieversprechen grund-
sätzlich gem. § 83 Abs. 1 SächsGemO unzulässig sind und sie nur im Ausnahmefall rechts-
aufsichtlich genehmigt werden können.
Das SMF hält unter Verweisung auf § 112 Abs. 2 Satz 1 SäHO den § 39 SäHO auf Unter-
nehmen in der Rechtsform einer juristischen Person des öffentlichen Rechts für nicht an-
wendbar. Dies ist zutreffend.
Nach Auffassung des SRH sollte es nicht sein, dass die verselbstständigte Verwaltung bspw.
in Form einer Anstalt mehr Befugnisse als die Verwaltung erhält. Der SRH fordert deshalb in
den Errichtungsgesetzen Normen, die entsprechend den §§ 39 und 65 SäHO für Behörden,
16
Bekanntmachung des SMI - Hinweise zur Anwendung des kommunalen Haushaltsrechts und zur kommuna-
len Wirtschaftsführung sowie zur rechtsaufsichtlichen Beurteilung der kommunalen Haushalte zwecks dauer-
hafter Sicherung der kommunalen Aufgabenerledigung (Anwendungshinweise Kommunale Haushaltswirt-
schaft - AnwHinwKommHHR) vom 14.12.2007.

34
staatliche Stellen und staatliche Beteiligungen eine unbegrenzte Verpflichtung des FS aus-
schließen.
Der SRH empfiehlt dem Gesetzgeber, zur Sicherung seines Budgetrechts auch den Haf-
tungsumfang für landesunmittelbare Anstalten grundsätzlich mit dem jeweiligen Er-
richtungsgesetz der Höhe nach zu begrenzen.
Die derzeit bestehenden Patronatserklärungen müssen in den nach den VV Nr. 4 Satz 2 zu
§ 39 SäHO zu führenden Nachweisen aufgenommen werden.
Das SMF ist der Auffassung, dass im Falle einer Gewährleistung/Patronatserklärung einer
Beteiligung des Freistaates an deren Tochterunternehmen nach dem derzeitigen Rechtsrahmen
in die operative Steuerung des Mutterunternehmens eingreife. Bei Kreditinstituten käme die
Überwachung durch die BaFin hinzu.
Der SRH hätte für diese Argumentation Verständnis, wenn vom SMF dem Mutterunterneh-
men angesichts der Patronatserklärung entsprechende Vorgaben für die operative Steuerung
erteilt worden wären. Aber selbst dann sollte der Staat die unbegrenzte Haftung ausschließen,
um nicht für ein Fehlverhalten der handelnden Personen in Anspruch genommen werden zu
können.
Ein verantwortlicher Umgang mit Steuergeldern setzt voraus, dass eine Haftung des FS
nur zugelassen wird, wenn entsprechende Aufsichts- und Einwirkungsmöglichkeiten
gegeben sind und wahrgenommen werden.
2.5.4
Umfang der Kapitalmarktaktivitäten
Im Rahmen von Kapitalmarktaktivitäten betrieb die SLB u. a. das sog. Kreditersatzgeschäft
und investierte in Fondsprodukte (Strategic Investments). Zum sog. Kreditersatzgeschäft der
SLB-Gruppe gehörten die auf eigene Rechnung von der SLB und der SLBE gehaltenen Syn-
thetic-Asset-Portfolien Leipzig bzw. Dublin und die durch Einrichtung außerbilanzieller
Zweckgesellschaften [sog. Conduits und Structured Investment Vehicles (SIV)] gemanagten
Kreditersatzgeschäfte. Die Zweckgesellschaften stellten keine unternehmensrechtlichen Betei-
ligungen dar und mussten daher nicht in den Bilanzen von SLB und SLBE berücksichtigt
werden. Investiert wurde nahezu ausschließlich in Produkte, die ein Investment-Grade-Rating
aufwiesen.
Die SLBE diente als Kompetenzcenter für das gesamte Synthetic-Asset-Geschäft der SLB-
Gruppe. Ihr oblag dessen Steuerung, Aufbau und Überwachung.

35
Das Volumen der Kapitalmarktaktivitäten der SLB-Gruppe in Form der Synthetic-Asset-
Portfolien in Leipzig und Dublin, der außerbilanziellen Zweckgesellschaften sowie der Stra-
tegic Investments stieg von rd. 13 Mrd. € Ende 2002 auf rd. 41 Mrd. € Mitte 2007 an. Den
höchsten Zuwachs verzeichneten die Volumina der außerbilanziellen Zweckgesellschaften,
die von rd. 4 Mrd. € Ende 2003 auf rd. 26 Mrd. € Mitte 2007 stiegen (Quelle: Kurzfassung
des Ernst-&-Young-Berichts).
Der Anteil der o. g. Kapitalmarktaktivitäten am Betriebsergebnis nach Risikovorsorge der
operativen Geschäftsfelder betrug in den Jahren 2002 bis 2006 im Durchschnitt 82 %. Die
Kapitalmarktaktivitäten bestimmten somit im Wesentlichen die Ertragslage der SLB-Gruppe.
Die Segmentuntersuchung ergab, dass die SLB-Gruppe ohne diese Erträge in den Geschäfts-
jahren 2002 und 2005 sogar ein negatives Betriebsergebnis hätte ausweisen müssen. Dies
verdeutlicht den raschen Ausbau der SLB zu einer von ihren Kapitalmarktaktivitäten abhän-
gigen Bank.
In nur 3,5 Jahren waren die Kapitalmarktgeschäfte in den außerbilanziellen Zweckge-
sellschaften mehr als versechsfacht worden.
Dem Volumen der Kapitalmarktgeschäfte i. H. v. rd. 41 Mrd. € stand Ende 2006 ein
Kernkapital der SLB von rd. 1,4 Mrd. € gegenüber.
Die einseitige Abhängigkeit des Betriebsergebnisses von den Erträgen des Kapital-
marktgeschäftes war eine Gefahr. Sie wurde durch das enorme Volumen im Kapital-
marktgeschäft verstärkt.
2.5.5
Kreditersatzgeschäft
Wie unter Pkt. 2.5.4 ausgeführt, betrieb die SLB das sog. Kreditersatzgeschäft.
Wesentliche, von der SLBE strukturierte und verwaltete Conduits waren Georges Quay Fun-
ding I Limited [GQ] (ab 2003) und OQ Funding plc (inkl. Tochtergesellschaft und drei unab-
hängigen Ankaufgesellschaften, ab 2004) sowie das SIV Sachsen Funding I Ltd. (ab 2007).
Die SLB stellte den Zweckgesellschaften bspw. Liquiditätsfazilitäten i. H. v. 4 % der Portfo-
lioeinstandswerte bereit.
Die Liquiditätsfazilität diente dazu, bei Wertverlusten von Papieren entweder durch den An-
kauf neuer Papiere den Wert des Portfolios wieder aufzustocken oder die Rückzahlung der für
die Refinanzierung emittierten Papiere zu gewährleisten. Die Übernahme einer Liquiditätsfa-

36
zilität bedeutete damit, dass bei Verlusten diese bis zu 4 % des Gesamtportfolios zuerst von
der SLB zu tragen waren (Erstverlustrisiko).
Die Übernahme der von der SLB bereitgestellten Liquiditätsfazilitäten bedeutete im
Krisenfall die Übernahme von Verlusten in Milliardenhöhe.
2.5.6
Conduit Ormond Quay Funding plc (OQ)
Die SLB stellte der SLBE für den OQ eine Liquiditätsfazilität i. H. v. 4 % der Portfolio-
einstandswerte mit einer Laufzeit bis zum 15.12.2015 zur Verfügung. Die Bereitstellung der
Liquiditätsfazilität für den OQ erfolgte bewusst unter Ausnutzung der Gewährträgerhaftung,
was sich positiv auf die Refinanzierungsaufwendungen auswirken sollte.
Zusätzlich verpflichtete sich die SLBE mit dem Abschluss des Issuer Valuation Agreements
vom 06.05.2004, i. d. F. vom 07.07.2005, zwischen der SLBE und der OQ (inkl. Ankaufge-
sellschaften) zur Haftung für Veräußerungsverluste, die mit Unterschreiten der festgelegten
Trigger (Wertschwelle) ausgelöst werden und die über die von der SLB gewährte 4 %ige Li-
quiditätslinie hinausgingen, d. h. Haftung auch für die verbleibenden 96 % des Portfoliovo-
lumens. Aufgrund der bestehenden harten Patronatserklärung der SLB gegenüber der SLBE
gingen die Risiken aus dem Valuation Agreement auch auf die SLB über. Mutter- und Toch-
tergesellschaft trugen somit gemeinsam das gesamte wirtschaftliche Risiko des OQ.
Da die Gewährträgerhaftung des Freistaates auch alle Verbindlichkeiten der SLB aus der Pat-
ronatserklärung gegenüber der SLBE erfasste, die u. a. auf Vereinbarungen beruhen, die bis
zum 18.07.2005 abgeschlossen wurden und deren Laufzeit nicht über den 31.12.2015 hinaus-
gehen, haftete er in vollem Umfang als Gewährträger für die Einhaltung des Valuation
Agreements der SLBE.
Im Juni 2005 hatte der KA der vom Vorstand beschlossenen Volumenausweitung des OQ
zugestimmt. Per Vorratsbeschluss des KA wurde die Liquiditätsfazilität für den OQ auf ins-
gesamt 1,7 Mrd. € (= 4 %) erhöht. Dies bedeutete eine maximal mögliche Ausweitung des
Volumens des OQ auf 43 Mrd. €. Dafür hatte der FS aufgrund des Valuation Agreements ggf.
einzustehen.
Das tatsächliche Portfoliovolumen des OQ wurde noch im 1. Halbjahr 2007 um 3,4 Mrd. €
erhöht. Die auf das Portfoliovolumen des OQ ausgedehnte Gewährträgerhaftung belief sich
zum Zeitpunkt des Eintritts der Krise auf rd. 17 Mrd. €.

37
Das SMF weist das Bestehen eines Gefährdungspotenzials von 43 Mrd. € zurück. Bereits aus
der vom SMF bereitgestellten Garantie gehe hervor, dass - selbst nach Eintritt der nicht zu
erwartenden Finanzmarktkrise - nach Berücksichtigung des Bewertungsabschlages ein maxi-
males Risiko von 2,75 Mrd. € bestanden habe. Wäre das Gefährdungspotenzial höher gewe-
sen, hätten die LBBW bzw. die refinanzierenden Banken auf einer höheren Garantie bestan-
den.
Der SRH bleibt dabei, dass für die Geschäfte der Zweckgesellschaft OQ ein Haftungsri-
siko für Ansprüche bis zu 43 Mrd. €, nahezu dem Dreifachen des Staatshaushalts, ge-
schaffen wurde.
2.6
Bewertung des neuen Geschäftsmodells durch die Ratingagenturen
Trotz des Strategiewechsels 2001, der den Vorstellungen des Vorstands der SLB entsprach,
wurde die SLB im Juli 2004 nur mit einem BBB+ geratet. Daraufhin stellte der Vorstand der
SLB in der AV des SFG vom 16.12.2004 Strategieoptionen vor. Aufgrund des Ende 2003
bekannt gewordenen Schattenratings BBB+ sei die ursprüngliche Mittelfristplanung bis 2006
überarbeitet worden. Deshalb habe man in den Jahren 2003 und 2004 dem VR keine Mittel-
fristplanung nach Geschäftsfeldern vorlegen können. Zu der bereits 2001 angepassten Strate-
gie habe man nun weiterführende Überlegungen anstellen müssen. Als Handlungsoptionen
hätten sich der Verkauf, die Eigenoptimierung und die Fusion/Holding ergeben. Nach kriti-
schen Anmerkungen zur späten Information der Anteilseigner beauftragten diese den Vor-
stand der SFG, ausschließlich die Eigenoptimierung und die Kooperation mit anderen Part-
nern weiterzuverfolgen.
Die vom Vorstand gegen die Empfehlungen des im Juli 2000 beauftragten Beratungsun-
ternehmens (Pkt. 2.4.3) verfolgte Geschäftsstrategie führte zu einer Verschlechterung
des Ratings.
In der Folge wurde am 04.04.2005 in der AV des SFG ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der
SLB diskutiert. Die dargelegten Gründe basierten auf Wertungen der Ratingagentur. So hatte
diese nur geringe Fortschritte in der Zusammenarbeit der Mitgliedsinstitute des SFG gesehen.
Der gesetzliche Rahmen für die SFG und ihre Mitgliedsinstitute wurde zwar positiv bewertet,
jedoch sei dieser schlecht umgesetzt worden und Synergien innerhalb der SFG seien nicht
ausreichend eingetreten. Auch habe die Ratingagentur Bedenken hinsichtlich des Geschäfts-
modells der SLB geäußert. Auf die aufgeworfene Frage zur Rolle der SLB in der SFG wurde
auf die vielfältigen Möglichkeiten der Kooperation, wie z. B. die Möglichkeit eines gemein-
samen Asset Managements, Tätigkeiten in der Marktfolge und das internationale Geschäft
hingewiesen. In der deutschen Sparkassenorganisation werde bereits an Kooperationsmodel-

38
len gearbeitet. Es sei Aufgabe der SLB, mögliche Handlungsfelder aufzuzeigen. Diese Ge-
schäfte, die teilweise bereits zwischen den sächsischen Sparkassen und anderen Landesban-
ken abgeschlossen worden seien, könnten künftig mit der SLB abgeschlossen werden.
Im Ergebnis der Sitzung beauftragte die AV den Vorstand der SFG damit, ein Regelwerk zur
verbindlichen Kooperation der Mitgliedsinstitute und einen Katalog von Maßnahmen zur
Stärkung der Zusammenarbeit innerhalb der SFG vorzulegen. Darüber hinaus sollte mithilfe
einer namhaften Unternehmensberatungsgesellschaft ein tragfähiges Geschäftsmodell für die
SLB vorgelegt, ein Risikosteuerungssystem über alle Mitgliedsinstitute aufgebaut und ge-
meinsam mit den Anteilseignern die Möglichkeiten einer direkten Kapitalzuführung geprüft
werden.
Erst das verschlechterte Rating führte bei der AV verstärkt dazu, sich des gesetzlichen Auf-
trags (§ 56 Abs. 2 Nr. 1 GörK), die eigentümergeprägten Oberziele der Mitgliedsinstitute und
damit der SLB unter Beachtung des öffentlichen Auftrags zu bestimmen, anzunehmen. Zuvor
hatte sich die AV der SFG im Wesentlichen nur mit der Vorgabe der Eigenkapitalrendite vor
Steuern und der Cost-Income-Ratio beschäftigt.
Die Versäumnisse der Anteilseigner bei den Vorgaben hinsichtlich einer gemeinsamen
Strategie der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute, eigentümergeprägter Oberziele und
zum öffentlichen Auftrag der SLB wirkten sich negativ auf das Rating aus.
Zur Durchführung des Auftrags der AV an den Vorstand der SFG beauftragte dann der Vor-
stand der SLB ein weiteres Beratungsunternehmen mit dem Thema der Fortentwicklung der
Geschäftsstrategie der SLB. Das vom Berater geplante Geschäftsmodell für die SLB wurde
der AV des SFG am 20.06.2005 vorgestellt. Ziel war es, ein besseres Rating der SLB zu er-
reichen. Die Diskussionen und Ergebnisse zeigten, dass die Vorbehalte der Mitgliedssparkas-
sen bei der Zusammenarbeit mit der SLB aufgrund einer politisch vor Ort schwer zu vermit-
telnden Übertragung von Aufgaben beruhten. Die SLB war nicht überall als sächsische Bank
angekommen.
In der AV war erst jetzt der deutliche Wille spürbar, die Zusammenarbeit der Mitgliedsinstitu-
te im Interesse eines guten Ratings der SLB und letztlich auch der Gruppe zu forcieren.
Die Probleme, die mit der einseitigen Ausrichtung und den hohen Renditeerwartungen
verbunden waren, nahmen die Anteilseigner erst im Zusammenhang mit der Ver-
schlechterung des Ratings ernst.

39
2.7
Risikobetrachtung
Die Strukturen der außerbilanziellen Zweckgesellschaften waren unterschiedlich. Die Zweck-
gesellschaft OQ emittierte vor allem Asset Backed Commercial Papers (ABCP), d. h. mit Si-
cherheiten unterlegte Wertpapiere mit kurzen Laufzeiten. Daneben refinanzierte sich OQ auch
über Repogeschäfte
17
, bei denen zur befristeten Mittelbeschaffung als Pensionsgeber die Ver-
mögensgegenstände an Pensionsnehmer verkauft und gleichzeitig eine Rückkaufspflicht ver-
einbart wird.
Als Sicherheit dienten für die Emissionen angekaufte, von externen Ratingagenturen mit
AAA/Aaa eingestufte, variabel verzinsliche Asset Backed Securities, kurz ABS und Mortgage
Backed Securities, kurz MBS. Den Wertpapieren der Bezeichnung ABS liegen erworbene
Forderungen zugrunde, wobei MBS hypothekarisch gesichert sind.
Den Ertrag der Geschäfte bestimmte die Differenz der Zinssätze (Spread) zwischen den er-
worbenen und den ausgegebenen Papieren.
Die eingekauften Verbriefungsprodukte ABS und MBS sind vereinfacht dargestellt eine Viel-
zahl von Forderungen (bspw. aus Kreditkartenabrechnungen oder hypothekarisch gesicherten
Immobilienfinanzierungen) gegenüber verschiedenen Gläubigern. Wie für jede Einzelforde-
rung besteht auch bei einer Vielzahl an Forderungen das Risiko der Zahlungsunfähigkeit der
Schuldner. Das heißt, es besteht ein Adressenausfallrisiko.
Die Geschäfte sind weiter dadurch geprägt, dass zum einzelnen Kreditnehmer keine originä-
ren Kreditbeziehungen bestehen und das Adressenausfallrisiko hinsichtlich der im Wertpapier
gebündelten Forderungen anhand eines von externen Agenturen vergebenen Ratings bemes-
sen wurde. Die SLB achtete darüber hinaus auf eine ausreichende Diversifizierung hinsicht-
lich der Branchen, Länder, etc.
Das Adressenausfallrisiko hat die SLB nach dem bisherigen Kenntnisstand angemessen
gemanagt.
Aus den gebündelten Forderungen besteht der Anspruch auf Verzinsung und Rückzahlung.
Die erwarteten Geldflüsse in ihrer Summe bilden die Grundlage für den Marktpreis des Wert-
papiers. Das heißt, die Werthaltigkeit der in einem Wertpapier gebündelten Forderungen
wirkt sich auf den Marktpreis aus. Dabei sinkt der Marktpreis bspw. in aller Regel nicht erst
mit bekannt werdenden Zahlungsausfällen, sondern der Preis wird maßgeblich vom Vertrauen
17
Repo = Abk. Repurchase Agreement; Verkauf von Wertpapieren gegen Liquidität mit der gleichzeitigen Ver-
einbarung, Wertpapiere gleicher Art und Menge zu einem zukünftigen Termin mit einem festgesetzten Preis
zurückzukaufen.

40
der Marktteilnehmer in die Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer und die Werthaltigkeit der
Beleihungsobjekte bestimmt. Das heißt, dass auch Meldungen über eine sinkende Zahlungs-
moral oder über den Rückgang der Immobilienpreise sich bereits niederschlagen können.
Über das Adressenausfallrisiko hinaus besteht somit für diese Verbriefungsprodukte ein
Marktpreisrisiko.
Marktpreisschwankungen sind bei einer Buy- and Hold-Strategie, d. h. das Verbriefungspro-
dukt soll bis zum Auslaufen nicht verkauft werden, für den Wertpapierbesitzer unbeachtlich,
solange keine Zahlungsausfälle eintreten.
18
Der Anleger erhält in diesem Fall seine erwarteten
Zahlungen aus dem Wertpapier und erreicht damit die erhoffte gute Verzinsung des eingesetz-
ten Kapitals.
Eine Buy- and Hold-Strategie kann nur durchgehalten werden, wenn die Bank über
ausreichend Mittel zur Refinanzierung der eingekauften Wertpapiere verfügt.
Das Marktpreisrisiko wird jedoch relevant, wenn die Wertpapiere bei der Beschaffung der
Refinanzierung als Sicherheiten dienen. Wenn bspw. bei Repogeschäften die vertraglichen
Vereinbarungen bei nachgebenden Marktpreisen Nachschusspflichten, einen sofortigen Rück-
kauf oder den Verkauf der Papiere vorsehen. Je nach Vertragsgestaltung besteht bei Nach-
schusspflichten und Rückkauf ein entsprechender Liquiditätsbedarf und bei einem Verkauf
ein Verlustrisiko.
Seit dem Jahr 2005 war der Anteil der Refinanzierung durch Repogeschäfte stetig angestie-
gen.
Das Marktpreisrisiko wurde bereits kurz nach Beginn der Finanzkrise (vgl. Pkt. 2.1)
beim Verkauf von Papieren durch den Partner eines Repogeschäfts mit einem Verlust
von rd. 190 Mio. € realisiert.
Bei Zweifeln an der Werthaltigkeit der Sicherheiten und bei nachgebenden Marktpreisen
nahm insgesamt das Problem zu, die jeweils nur kurzfristig laufende Refinanzierung durch
neue Anleger zu sichern. Das heißt, es mussten laufend neue Käufer für die Wertpapiere
(ABCP) gefunden werden. Dabei lassen sich die Anleger ein erhöhtes Risiko hinsichtlich der
Werthaltigkeit der Sicherheiten entweder durch höhere Erträge (Zinsen) bezahlen oder die
Sicherheiten müssen adäquat ausgeweitet werden.
18
Unter Vernachlässigung etwaiger bilanzieller Auswirkungen.

41
Zunächst war eine Verbesserung der Marktchancen gegeben, indem das Risiko für Anleger
durch die Einräumung zusätzlicher Sicherheiten gemindert wurde.
So gewährten die eingeräumten Liquiditätsfazilitäten der SLB den Anlegern über die bereits
bestehenden Sicherheiten der ABS und MBS hinaus einen zusätzlichen Schutz vor finanziel-
len Ausfällen. Die SLB sicherte die Übernahme anfänglicher Verluste zu oder garantierte die
Sicherheiten wertmäßig durch Zukauf wieder aufzufüllen.
Allein für die beiden Conduits OQ und GQ hatte die SLB die Übernahme der Anfangs-
verluste von mehr als 1 Mrd. € zugesichert.
Darüber hinaus verpflichtete sich bspw. beim OQ die SLBE durch das Valuation Agreement
zur Übernahme des verbleibenden Risikos. Dieses war werthaltig, weil über die harte Patro-
natserklärung der SLB für die SLBE und die Gewährträgerhaftung des FS dieser letztendlich
einzustehen hatte.
Beim OQ wurde das gesamte Risiko der Anleger i. H. v. 17,3 Mrd. € durch den FS abge-
sichert.
Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung der Marktpreise und die Marktlage (Angebot
und Nachfrage) wirken sich auf die Höhe des Zinses bei der Refinanzierung aus. Dieses Zins-
änderungsrisiko birgt in Anbetracht der Größenordnung der Geschäfte ein erhebliches Ver-
lustpotenzial. Es erhöht sich bspw. bei Aktivitäten auf dem US-Markt durch Wechselkursrisi-
ken oder weitere Risiken.
Die permanente, weltweite Ausweitung des Kreditersatzgeschäftes und die damit verbundene
hohe Nachfrage nach Refinanzierungsmitteln erschwerten den Verkauf von Wertpapieren.
Steigende Refinanzierungszinsen konnten nur bei genügend eigenen Mitteln ausgeschlossen
werden. Die SLB-Gruppe verfügte Ende 2007 nicht über ausreichende Mittel, um einen Refi-
nanzierungsbedarf von rd. 30 Mrd. € decken zu können.
Das Steigen der Zinsen für die Refinanzierung um lediglich ein halbes Prozent (50 Ba-
sispunkte) hätte zu Mehraufwendungen von 150 Mio. € jährlich geführt.
Wenn eine Refinanzierung am Markt nicht zu erlangen ist und eigene Mittel nicht zur Verfü-
gung stehen, müssen die als Sicherheit dienenden Wertpapiere trotz des gesunkenen Markt-
preises verkauft werden. Der aufgrund fehlender Liquidität vorzunehmende Verkauf der Pa-
piere führt dann zu Verlusten.

42
Ein etwaiger Notverkauf von Papieren führt zu erheblichen Verlusten. Allein der Ver-
kauf der Papiere des OQ beim intern vorgesehenen Trigger von 97 % hätte bei
17,3 Mrd. € Bestand zu einer Verlustrealisierung von 519 Mio. € geführt.
Zusammenfassend wird klar, dass bei einer Marktstörung die vorhandenen Marktpreis- und
Liquiditätsrisiken unter Berücksichtigung der Größenordnung der Kapitalmarktaktivitäten
schnell zum Ende der SLB führen mussten. Bei fehlenden Refinanzierungsmitteln für die
kurzfristigen Verbindlichkeiten der Zweckgesellschaften mussten diese auf die gewährten
Liquiditätsfazilitäten der SLB zurückgreifen oder die langfristig laufenden Wertpapiere unter
Wert verkaufen. Auch hierfür hätte die Liquiditätsfazilität als Erstverlustübernahme gewirkt.
Zwar war theoretisch auch die Übernahme von Wertpapieren in den eigenen Bestand der
Bank möglich, um eine Verlustrealisierung zu vermeiden. Doch dabei waren die Möglichkei-
ten durch das Volumen der strukturierten Produkte und das zur Verfügung stehende Eigenka-
pital eingeschränkt.
Die Größenordnung der Kapitalmarktaktivitäten der SLB-Gruppe war der Größe der
Bank und deren Kernkapital nicht angemessen. So führten bereits erste Störungen des
Finanzmarkts zum Notverkauf.
2.8
Überwachung der Kapitalmarktgeschäfte
Die Interessen der SLB konnten durch den Vorstandsvorsitzenden und den Handelsvorstand
im Board of Directors (VR) der SLBE vertreten werden. Darüber hinaus gab es lt. eines Prü-
fungsberichtes 2005 zur SLBE ein sog. Credit Committee, welches für die Vorabgenehmi-
gung von Investitionsentscheidungen zuständig war. Hierin war die SLB durch den Handels-
vorstand vertreten und zusätzlich war der Bereichsleiter Credit Risk Management der SLB
permanenter Gast.
Der Handelsvorstand und der Bereichsleiter Credit Risk Management der SLB waren somit
vorab über Investitionsentscheidungen der Tochtergesellschaft informiert. Ihnen müsste die
Übernahme des Valuation Agreements für den OQ von Anfang an bekannt gewesen sein. Die
dem SRH vorliegenden Kopien der am 06.05.2004 vereinbarten Valuation Agreements sind
nicht unterzeichnet, die Unterschriften auf den Valuation Agreements vom 07.07.2005 sind
nicht leserlich.
Die Prüfungsgesellschaft stellte nach der Krise fest, dass wesentliche Risiken aus dem außer-
bilanziellen Engagement der SLB und SLBE trotzdem nicht in den Risikomanagementsyste-
men der SLB berücksichtigt worden waren.

43
Die Führungskräfte der SLB haben es versäumt, insbesondere die Risiken aus den Va-
luation Agreements des OQ ordnungsgemäß im Risikosystem zu erfassen und in die Ri-
sikoberichterstattung aufzunehmen. Eine personenunabhängige Information war somit
nicht gewährleistet.
Bereits von Oktober 2004 bis April 2005 hatte eine Prüfungsgesellschaft im Auftrag der
BaFin eine Prüfung nach § 44 des KWG bei der SLB und der SLBE durchgeführt. Geprüft
wurde die Steuerung und Überwachung der mit dem auf die SLBE ausgelagerten Geschäfts-
feld Synthetic Assets verbundenen Risiken.
Das Portfolio OQ hatte von der Größenordnung noch nicht die spätere Bedeutung. Vermutlich
war es deswegen nicht in die Prüfung einbezogen worden. Demzufolge gab es keine unmittel-
baren Hinweise auf das Risiko der OQ-Struktur.
Im Ergebnis der Prüfung wurden jedoch erhebliche Mängel festgestellt. Hinsichtlich der Risi-
kofrüherkennung wurde bspw. beanstandet, dass es keine transparente Dokumentation gab,
die es einem sachverständigen Dritten ermöglicht hätte, alle Geschäfte der SLBE in den von
ihr gemanagten außerbilanziellen strukturierten Finanzierungsprodukten vollständig zu erfas-
sen und hinsichtlich ihres Risikogehaltes zu beurteilen. Es gäbe keine ausreichenden organisa-
torischen Vorkehrungen, die einen transparenten Überblick über die Risiken dieses Geschäfts-
bereiches gewährleisten.
Mit Hinweis auf das schnell angestiegene Geschäftsvolumen verwies die BaFin auf die zu-
nehmende Bedeutung der außerbilanziellen Geschäfte, deren Risiken die SLB trug.
Es hatte für den Fall von Marktstörungen auch bereits auf ein erhebliches Liquiditätsrisiko bei
dem Umfang der kurzfristigen Refinanzierung langfristig benötigter Finanzmittel hingewie-
sen.
In Kenntnis des bereits erheblichen Volumens des Synthetic-Asset-Geschäfts des SLB-
Konzerns und der schwerwiegenden Mängel im internen Kontroll- und Risikofrüher-
kennungssystem hätte der VR-Vorsitzende zum Schutz des Unternehmens und der Inte-
ressen der Anteilseigner die Dimension dieses Geschäftsfeldes im Hinblick auf damit
verbundene Risiken infrage stellen müssen.
Der KA, dessen Vorsitzender der VR-Vorsitzende war, hätte einer weiteren Ausweitung
des Synthetic-Asset-Geschäfts durch die Erhöhung der Liquiditätslinien für OQ im
Juni 2005 nicht zustimmen dürfen.

44
Die Feststellungen der BaFin hinsichtlich der Verstöße gegen die KWG-Anforderungen sind
als besonders schwerwiegend zu beurteilen, da es sich bei der Prüfung um eine Nachschau-
prüfung zu einer 2002 durchgeführten Sonderprüfung der BaFin handelte.
Der Vorstand der SLB hat es über Jahre hinweg versäumt, eine den gesetzlichen Vor-
schriften entsprechende Geschäftsorganisation sicherzustellen.
Der VR-Vorsitzende war von der BaFin schriftlich auf die festgestellten, erheblichen Mängel
im internen Kontroll- und Risikofrüherkennungssystem hingewiesen worden.
In Folge der BaFin-Prüfung arbeitete die SLB an der Behebung der aufgezeigten Mängel. In
der VR-Sitzung am 09.10.2006 wurde festgestellt, dass die Bank zum 30.06.2006 alle Fest-
stellungen abgearbeitet habe. Tatsächlich wurden lt. der Prüfungsgesellschaft nach wie vor
unvollständige Ergebnisse im Rahmen der Risikoberichterstattung an den Vorstand, den VR
und KA quartalsweise weitergegeben. Das heißt, eine zutreffende Risikodarstellung im Rah-
men der Berichterstattung erfolgte weiterhin nicht.
Das SMF ist der Auffassung, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen der Abarbeitung der
von der BaFin im Jahr 2005 benannten Monita, die bis zum Juni 2006 erfolgt seien, und der
Finanzmarktkrise im Jahr 2007. Der Stichtag, zu dem alle Feststellungen der BaFin abgear-
beitet gewesen wären, sei der 30.06.2006. Die Krise am internationalen Finanzmarkt sei erst
ein Jahr später aufgetreten. Damals seien alle Monita beseitigt gewesen. Der VR-Vorsitzende
persönlich und das Kollegialorgan VR in toto hätten die Abarbeitung der Monita der BaFin
im Jahr 2005 und 2006 eng begleitet. Eine Einschränkung der Geschäftstätigkeit der Bank
wäre aus damaliger Sicht unangemessen gewesen, da die BaFin zur Abdeckung der festge-
stellten Risiken eine Pauschalwertberichtigung für angemessen gehalten habe und diese
i. H. v. 15 Mio. € bereits im Jahresabschluss 2004 gebildet worden sei.
Die Argumentation des SMF kann nicht entkräften, dass es bei der SLB keine den Ge-
schäften der Bank entsprechende und vollständige Risikoberichterstattung gab. Vor-
stand und VR hätten dies erkennen müssen.
Dem SRH liegen keine Unterlagen vor, aus denen sich Risikobetrachtungen der SLB nach-
vollziehen lassen. Allerdings zeigen die glaubhaften Aussagen ehemaliger Mitarbeiter der
SLB im Untersuchungsausschuss, dass solche mit höchst komplexen Modellberechnungen
angestellt worden sind. So seien Szenarien vorangegangener Finanzkrisen herangezogen wor-
den, um das Risiko von Wertschwankungen und eines Liquiditätsbedarfes einschätzen zu
können. Dabei verwies ein Mitarbeiter auf die sog. Russlandkrise und die Terroranschläge
von 2001. Daraus hätten sich keine Warnzeichen ergeben.

45
Die für das Geschäftsmodell einschlägigeren Finanzkrisen, wie z. B. die Konsequenzen aus
dem Platzen der sog. Japanblase, hat die SLB bei ihren Betrachtungen nicht ausgewertet.
Auch der vielfache Hinweis darauf, dass in der Vergangenheit keine Schwierigkeiten aufge-
treten wären, ist nicht sehr überzeugend für die Risikobemessung, weil die Geschichte dieses
Geschäftsmodells nur einen sehr kurzen Rückblick erlaubt.
Nach der Aussage eines Mitarbeiters im Untersuchungsausschuss werden bei Fragen der Li-
quidität und der Risikotragfähigkeit „diese Dinge über statistische Größen ermittelt“.
Diese Risikobetrachtungen der SLB vermitteln den Eindruck, dass nur noch mathema-
tische Wahrscheinlichkeiten die Entscheidungen im Bankgeschäft bestimmten und da-
rüber hinausgehende Überlegungen zu den Entwicklungen des Kreditersatzgeschäftes
vernachlässigt wurden.
Die Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters zeigen auch, dass die Gefahren aus der Größen-
ordnung der Geschäfte erst bewusst wahrgenommen wurden, als es zu spät war. Er führt auf
der einen Seite aus, nach den Richtlinien des OQ habe man „bei einer Kursannäherung zu
97 % einen Verkauf vorbereiten und letztlich durchführen müssen, um Marktschwankungen
von 1 % Nominalwert noch abfedern zu können“. Auf der anderen Seite legt er dar, dass man
auch „im August 2007 in der Lage gewesen wäre, Wertpapiere zu verkaufen, und zwar über
97 % oder bei 97 %“. Gleichzeitig verweist er dann aber bei den Liquiditätslinien auf den
Umfang von 500 Mio. €, die im Feuer standen. Und es folgt der Hinweis darauf, wie sensibel
die Geschichte ist, wenn 500 Mio. € letztendlich erodieren, also als Verlust realisiert werden
müssen.
Hier zeigt sich das Dilemma der Größenordnung der Geschäfte. Beim OQ haben die Richtli-
nien zwar zur Risikoabsicherung spätestens beim Erreichen von nur noch 97 % des ursprüng-
lichen Marktpreises einen Verkauf der Wertpapiere vorgesehen, doch beim Umfang der Ge-
schäfte mit 17,3 Mrd. € wäre dabei ein Verlust von mehr als 500 Mio. € realisiert worden.
Einen Verlust von 500 Mio. € hätte die SLB mit ihrem Kernkapital von rd. 1,4 Mrd. € nicht
verkraftet.
Die SLB-Gruppe hatte in vielen Verträgen zur Begrenzung von Marktpreisrisiken eine Ver-
kaufsorder (Stopp-Loss-Linie) bei 97 % der Anschaffungskosten vorgegeben. Aufgrund der
Dimension der Geschäfte hätte der Verkauf der Wertpapiere das Ende der Bank bedeutet.
Welche Überlegungen der Bank oder der Konstrukteure zur Festlegung von „Triggern“ oder
Stopp-Loss-Vorgaben führten, deren Einhaltung das Ende der Bank zur Folge hatte, konnte
nicht festgestellt werden.

46
Die Bank hatte für die Ausweitung des Kreditersatzgeschäftes keine maximale Belast-
barkeit ermittelt.
Sie ignorierte das Risiko, das sich aus dem Umfang der Geschäfte bei Marktstörungen
ergab, da mathematische Berechnungen den Eintritt von Marktkrisen mit hoher Wahr-
scheinlichkeit ausschlossen.
Dies kann nicht nachvollzogen werden, da es aus Sicht des SRH bereits zahlreiche und im
Laufe der Jahre zunehmende Hinweise auf mögliche Marktbeeinträchtigungen gab.
Zunächst darf hier auf die warnenden Hinweise des ausgeschiedenen Vorstandsmitglieds im
Jahr 2001 nochmals hingewiesen werden, der sinkende Margen für die Kapitalmarktgeschäfte
ab 2005 voraussagte. Diese sinkenden Margen bestätigten sich, doch in der Konsequenz wur-
de nicht das Geschäft überdacht, sondern ausgeweitet, um die Gewinne zu steigern.
Die ab 2005 abnehmende Rentabilität des Kreditersatzgeschäftes hat nicht zu grund-
sätzlichen Überlegungen hinsichtlich der Entwicklung dieser Geschäfte geführt.
Aus den Ausführungen eines Mitarbeiters ist auch bekannt, dass die SLB bewusst die Mög-
lichkeiten des sog. „Grandfathering“ nutzte. Hierbei wurde der Refinanzierungsvorteil aus der
Gewährträgerhaftung durch die Regelungen zum Bestandsschutz für Altgeschäfte (Grand-
fathering I) und eine Übergangsregelung für Neugeschäfte (Grandfathering II) festgeschrie-
ben. So glaubte man, die Erträge aus dem Kreditersatzgeschäft bis ins Jahr 2015 erhalten zu
können.
Ohne die Nutzung des Grandfatherings wäre das Geschäftsmodell nicht rentabel gewesen. Es
wäre nach 2015 auch kein Ertragsbringer mehr gewesen.
Obwohl die Geschäfte nur noch aufgrund der staatlichen Garantien rentabel waren,
baute die SLB den Umfang weiter aus.
Die Gremien der SLB waren auch mit dem von der BaFin beauftragten Bericht nach
§ 44 KWG auf erhebliche Defizite beim Risikomanagement aufmerksam gemacht worden. Es
wurde darauf hingewiesen, dass nicht alle Risiken erfasst wären. Insbesondere hinsichtlich
der Notwendigkeit bei einer fortwährenden Refinanzierung mit kurzfristig laufenden Mitteln
wies die BaFin auf die Möglichkeit von Liquiditätsproblemen hin und stellte darüber hinaus
fest, dass das Geschäftsmodell voraussetze, dass es niemals zu Marktstörungen komme.

47
Auch der Hinweis der BaFin auf die Probleme des Geschäftsmodells bei Marktstörun-
gen hinderte die Verantwortlichen nicht, weiter einseitig den Ausbau des Kreditersatz-
geschäftes zu forcieren.
Aber für die Marktteilnehmer gab es auch weitere zahlreiche andere Hinweise auf Verände-
rungen am Markt. Auch durch Aussagen verschiedener Beschäftigter der SLBE vor dem Un-
tersuchungsausschuss wird bestätigt, dass diese Warnzeichen nicht ernst genug genommen
wurden. Weder der bereits 2005 beginnende und sich 2006 verstärkende Verfall der Haus-
preise (Platzen der Immobilienblase) noch die Erkenntnis, dass der Kapitalmarkt enger wurde
und sich die Margen verringerten, veranlassten die Verantwortlichen, diese Geschäfte zu re-
duzieren. Das Sinken der Immobilienpreise in den USA wurde von der SLB nach den Aussa-
gen eines Mitarbeiters als ein Rückgang der Immobilienblase angesehen, was keine Auswir-
kungen auf den Wert der Papiere gehabt hätte.
Verschiedene Schreiben der Mortgage Insurance Companies (MICA)
19
beginnend im Sep-
tember 2005, aber auch im Jahre 2006 wiesen wiederholt umfangreich auf Versäumnisse bei
den Kreditvergaben und Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Werthaltigkeit der Kredite
hin. In der Konsequenz wurde ein viel zu sorgloser Umgang der Banken bei der Kreditverga-
be auf dem amerikanischen Immobilienmarkt beanstandet. Weiter wird ausgeführt, „dass
Banken zum Teil 75 % ihrer Produkte trotz hoher Gewinne verkaufen. Sie riechen das Risiko.
Die Frage bleibt, welche Kreditgeber das Risiko noch nicht erkannt haben. Das werden dieje-
nigen sein, die noch engagiert sind, wenn es zu spät ist.“ Diese Hinweise darauf, dass die Ra-
tings für verbriefte Kredite nicht zutreffend sein könnten, entgingen offensichtlich den Ver-
antwortlichen der SLB.
Auch die vermehrte Presseberichterstattung über eine Immobilienpreisblase in Amerika
20
, den
Rückgang der Preise und die zunehmende Beeinträchtigung des Marktes für prime mortga-
ges
21
blieben unbeachtet.
Die Krise musste jedoch spätestens mit der sich Ende Februar 2007 abzeichnenden Pleite des
amerikanischen Immobilienfinanzierers New Century wahrgenommen werden. Hierzu schrieb
das Handelsblatt vom 15.03.2007: „US-Krise trifft auch Europas Großbanken“.
Trotz aller Anzeichen einer aufkommenden Krise ließen die Verantwortlichen die mas-
sive Ausweitung der Geschäfte zu.
19
Siehe Anlage.
20
FAZ.NET vom 23.06.2005.
21
Economist.com vom 13.12.2006.

48
Ganz konkret hätten den Verantwortlichen die Folgen der Verschlechterung des Ratings nach
der Herabstufung der Bonität des US-Autokonzerns General Motors im Mai 2005 deutlich
werden müssen. Hier gab es erhebliche Wertverluste bei den festverzinslichen Anleihen des
Konzerns. In der Folge fielen dem Vertrauensverlust in diese Anleihen auch die Collaterali-
zed Debt Obligations (CDO) wertmäßig zum Opfer, die entsprechende Anleihen enthielten.
Hier wurde bereits deutlich, dass selbst mit Kreditversicherungen Risiken und Verluste nicht
ausreichend ausgeschlossen werden können.
Es ist unverständlich, warum weder der Vorstand noch der KA die Fortführung dieser Ge-
schäftsstrategie ernsthaft diskutierten. Es kann nicht nachvollzogen werden, dass wegen eines
kurzfristigen Erfolges - vielleicht zur Erhöhung eines möglichen Kaufpreises - Hinweise auf
eine sich verschärfende Risikosituation ignoriert wurden. Somit unterblieb eine Geschäftsbe-
grenzung.
In der Berichterstattung wird häufig der Eindruck erweckt, es hätte die gesamte Finanzwelt
das Geschäftsmodell für richtig gehalten. Zwar haben viele Finanzinstitute - auch viele Lan-
desbanken - sich erheblich im Kreditersatzgeschäft betätigt, aber eben nicht alle. Inwieweit
die Geschäfte anderer Banken denen der SLB in Art und Umfang gleichen, kann nicht beur-
teilt werden.
Sie hat der SRH nicht geprüft. Für die SLB bleibt er jedoch bei seiner Einschätzung,
dass es unverantwortlich war, dass angesichts der Größenordnung der Geschäfte und
der vollen Haftung des FS für alle Risiken keine intensivere Diskussion über die jeweili-
gen Entwicklungen geführt wurde.
Das SMF trägt vor, das gewählte Geschäftsmodell, AAA-geratete Papiere kurzfristig zu refi-
nanzieren, habe in der Bankenwelt allgemein als sicher gegolten. Es sei auch nicht von der
Fachaufsicht der BaFin untersagt worden. Die Risiken aus dem Kapitalmarktgeschäft seien
sowohl vom SLB-Konzern selbst als auch von den Abschlussprüfern überwacht und geprüft
worden. Ausgehend von den im Wesentlichen AAA-Ratings der ABS-Papiere hätten dabei
grundsätzlich alle Markteilnehmer bis zu Beginn der Bankenkrise Mitte 2007 kein Liquidi-
tätsrisiko gesehen, da man sich allgemein nicht habe vorstellen können, dass der Refinanzie-
rungsmarkt für kurz laufende Commercial Papers, mit denen sich u. a. OQ refinanziert habe,
aufgrund einer Vertrauenskrise der Marktteilnehmer austrocknen könnte.
Bis zu Beginn der Bankenkrise Mitte 2007 habe man ein Liquiditätsrisiko nicht erkannt bzw.
überhaupt nicht für möglich gehalten. Damit habe für das SMF keine Veranlassung bestan-
den, eine besondere Risikoüberwachung für nicht erkennbare Risiken aufzubauen.

49
Auch trägt das SMF weiter vor, dass man andere Risiken, wie Adressausfallrisiken, bewusst
begrenzt habe. Es sei in bestimmte Wertpapiere investiert worden, die aus damaliger Sicht
breit gestreut, gut strukturiert und durch Grundpfandrechte besichert gewesen seien sowie
stabile Werte aufwiesen. Darüber hinaus habe es spezielle Vorgaben bei der Verwaltung der
Papiere, wie die tägliche Überwachung der Wertentwicklung der Asset-Portfolios und der
Verkauf im Fall einer bestimmten Trigger-Unterschreitung gegeben.
Das SMF führt weiter aus: Nach Auftreten der Krise hätten alle Beteiligten feststellen müs-
sen, dass die als risikolos eingeschätzten Produkte doch Risiken aufwiesen, die auch von den
Ratingagenturen nicht erkannt worden seien. Man könne vom SMF nicht fordern, diese Risi-
ken im Vorfeld entgegen jeder fachlichen Branchenmeinung zu erkennen. Es sei eine intensi-
ve Befassung mit den möglichen Risiken durch die Gremien der Bank erfolgt, insbesondere
auf der Basis der Prüfungsberichte der WP und der Risikoberichte des Vorstandes. In diesem
Zusammenhang seien selbst geopolitische Ereignisse wie vorausgegangene (wirtschafts-)poli-
tische Krisen erörtert worden. Diese Befassung mit der Risikolage in den Gremien der Bank
sei von der BV formal und inhaltlich im Rahmen ihrer Kompetenzen verfolgt worden. Sie
seien jedoch regelmäßig Bedenken zerstreuend gewesen.
Der Darstellung des SMF, dass die „Bankenkrise“ erst Mitte 2007 begonnen habe, muss unter
Verweisung auf die obigen Ausführungen deutlich widersprochen werden.
Das SMF und die von ihm in den VR entsandten Vertreter des Landes hatten die Auf-
gabe gehabt, das Vermögen des FS zu bewahren und die Interessen der Bürger Sachsens
zu vertreten.
2.9
Personelle Besetzung der Organe der Landesbank Sachsen Girozentrale und Pflichterfül-
lung der Organe
Im Hinblick auf den eingetretenen und noch drohenden Schaden für den Steuerzahler ist die
umfassende Prüfung der Verantwortlichkeiten und der Möglichkeiten, die Verantwortlichen
in Regress zu nehmen, unumgänglich.
Für eine Inanspruchnahme kommen insbesondere die Mitglieder des VR und KA und der
Vorstand der SLB in Betracht.
Der StMdF nahm sowohl den Vorsitz in der AV des SFG und der AV der SLB wahr. Darüber
hinaus war er zugleich Vorsitzender des VR der SLB. Gleichzeitig übte er als oberster
Dienstherr des SMF die Fachaufsicht über die BV aus.

50
Die gleichzeitige Wahrnehmung dieser Funktionen barg die Gefahr von erheblichen Interes-
senkollisionen. Es kann nicht sein, dass der für die Wahrung der Vermögensinteressen zu-
ständige Minister die Kontrolle über von ihm in den AV oder im VR mitgetragenen Entschei-
dungen vornimmt. Auch wenn die Stimmführerschaft in der AV der SLB vom StMdF abge-
geben wurde, kann die Konstellation, zugleich in dem Gremium zu sitzen, das dem VR-Vor-
sitzenden Entlastung erteilt, nicht akzeptiert werden.
Der SRH hat bereits bei früheren Prüfungen darauf hingewiesen, dass die Entsendung von
Mitgliedern der Staatsregierung in Überwachungsorgane von Beteiligungsunternehmen Inte-
ressenkollisionen zur Folge haben kann.
Bei der Wahrnehmung von Funktionen in Beteiligungsunternehmen sind Interessenkon-
flikte zu vermeiden.
2.9.1
Verwaltungsrat
Nach dem GörK und der Satzung der SLB bestimmte der VR die Richtlinien für die Ge-
schäfts- und Personalpolitik der Bank und überwachte die Tätigkeit des Vorstandes. Dabei
hatte er das Recht, jederzeit die Bücher und alle die Geschäfte der Bank betreffenden Schrift-
stücke einzusehen.
Der VR bestand aus 20 Mitgliedern. Begründende Unterlagen zur Größe des VR hat der SRH
nicht vorgefunden. Die Anzahl der VR-Mitglieder war bspw. abweichend vom AktG nicht
durch drei teilbar und die für AG gesetzlich geregelte Maximalgröße (21) wurde nur knapp
unterschritten. Es muss aufgrund der Geschehnisse bezweifelt werden, dass damit ein effi-
zient agierendes Aufsichtsgremium geschaffen worden war.
Weiterhin konnte nach der Satzung für jedes Mitglied ein Stellvertreter bestellt werden. In der
Folge nahmen in vielen VR-Sitzungen stellvertretende Mitglieder das Amt wahr und fassten
Beschlüsse zu geschäftspolitischen Entscheidungen. Die Bestellung und Beteiligung stellver-
tretender VR-Mitglieder wäre bei entsprechender Anwendung des § 101 Abs. 3 AktG nicht
zulässig gewesen, da die Verantwortlichkeit bei den AG nicht auf verschiedene Mitglieder
verteilt werden soll.
Die BV hätte darauf drängen sollen, dass der für AG gültige Grundsatz der ungeteilten Ver-
antwortlichkeit der AR-Mitglieder mit der Satzung auf die SLB übertragen wird.
Der SRH hatte das in früheren Besprechungen mit dem SMF bereits angeregt.

51
Das SMF hält die Möglichkeit der Bestellung von Stellvertretern für sinnvoll. Sie diene der
Sicherstellung der Beschlussfähigkeit des jeweiligen Gremiums. Bei Krankheit des AR- bzw.
VR-Mitglieds wäre anderenfalls der Freistaat in der jeweiligen Sitzung überhaupt nicht ver-
treten. Dies erscheine nicht sinnvoll.
Anders als nach § 101 Abs. 3 Satz 1 AktG sähen die gesetzlichen Regelungen für öffentlich-
rechtliche Anstalten in der Regel explizit die Möglichkeit der Bestellung von Stellvertretern
vor. So würde auch § 11 GörK für die VR der sächsischen Sparkassen die Möglichkeit der
Bestellung von Stellvertretern regeln. Dies sei auch in anderen Bundesländern üblich (vgl.
bspw. § 15 Abs. 2 Satz 1 SpkG BW).
Der FS wäre auch dann angemessen vertreten gewesen, wenn das verantwortliche VR-Mit-
glied durch einen Stimmboten vertreten worden wäre. Dabei wäre die volle Verantwortlich-
keit des Vertretenen erhalten geblieben.
Die ungeteilte Verantwortlichkeit der VR-Mitglieder hätte der wichtigen Aufgabe besser
entsprochen.
Eine Auswertung der Teilnahme der einzelnen ordentlichen VR-Mitglieder zeigt, dass einige
die mit diesem Amt übernommenen Aufgaben nur ungenügend wahrnahmen. So war von den
ordentlichen Mitgliedern in den vier Sitzungen des Jahres 2003 ein Mitglied kein einziges
Mal und vier weitere waren jeweils nur einmal anwesend. 2004 fanden ebenfalls vier Sitzun-
gen statt. Da waren zwei Mitglieder nur einmal und drei Mitglieder nur zweimal anwesend.
Ein Jahr später nahmen an den sieben Sitzungen zwei Mitglieder überhaupt nicht und ein
Mitglied nur einmal teil. In den sechs Sitzungen des Jahres 2006 waren vier Mitglieder nur
einmal und drei Mitglieder nur zweimal vertreten.
Der SRH hält diese Praxis für keine angemessene Wahrnehmung des Amts eines VR-
Mitglieds.
Inwieweit die VR-Mitglieder die notwendige Fachkompetenz im Bankensektor aufwiesen,
war für den SRH nicht in jedem Fall erkennbar.
Die Bestellung von VR-Mitgliedern hätte nicht ohne den Nachweis der erforderlichen
wirtschaftlichen Erfahrung und Sachkunde für die Überwachung eines Kreditinstituts
vorgenommen werden sollen. Das SMF will die Anregung aufgreifen und künftig den
Nachweis der Erfahrung und Sachkunde dokumentieren.

52
In den Organen der SLB waren auch Abgeordnete vertreten, die gleichzeitig Mitglieder des
HFA waren. Da der HFA als vorbereitendes Beschlussorgan dem Landtag auch hinsichtlich
der SLB Beschlussempfehlungen gab, bestand die Gefahr einer Interessenkollision. Die Ab-
geordneten überwachten einerseits in Organen der SLB die Tätigkeit des Vorstandes und kon-
trollierten andererseits die Exekutive.
Weiterhin bestand auf Ebene des Vorstandes der SLB und der SFG teilweise Personenidenti-
tät. So war der Vorstandsvorsitzende der SLB bis 04.03.2005 gleichzeitig Vorstandsvorsit-
zender der SFG und ab 01.07.2005 stellvertretender Vorstandsvorsitzender.
Der SRH ist der Auffassung, dass die teilweise Personenidentität in den Gremien der
SFG, der SLB und des HFA eine unbefangene Kontrolle nicht erleichtert hat.
Weiterhin nahmen an VR-Sitzungen ständige Gäste teil. Das war seit 2002 der zum damali-
gen Zeitpunkt Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Dresden. Später kam noch der Vor-
standsvorsitzende der Sparkasse Freital-Pirna hinzu. Von da an nahmen diese beiden ständi-
gen Gäste an den Sitzungen teil. In der Satzung der SLB war zwar geregelt, dass ständig gela-
dene Gäste eine Aufwandsentschädigung erhalten, eine explizite Regelung für die Zulässig-
keit ständiger Gäste fehlte jedoch.
Der SRH hält es für nachteilig, dass ständige Gäste durch ihre Teilnahme in den Sitzungen
Einfluss nehmen konnten, ohne dafür eine eigene Verantwortung übernehmen zu müssen.
Nach dem GörK galten für die Organmitglieder bezüglich der Sorgfaltspflicht und Verant-
wortlichkeit die Vorschriften des AktG. Sie hatten darüber hinaus Stillschweigen über alle
ihnen zur Kenntnis gelangenden vertraulichen Angaben zu wahren. Auf die ständigen Gäste
waren diese Regelungen nicht anwendbar. Auch nach dem AktG (§ 109 Abs. 1 AktG) sollten
an Sitzungen des AR Personen, die weder dem AR noch dem Vorstand angehören, nicht oder
nur aus besonderem Anlass zur Beratung oder Auskunftserteilung teilnehmen.
Der SRH hatte darauf in früheren Besprechungen mit dem SMF hingewiesen.
Nach § 41 Abs. 5 GörK und nach der Satzung der SLB hatte der VR die Tätigkeit des Vor-
standes und seiner Ausschüsse zu überwachen. Nach § 41 Abs. 2 GörK konnte der VR zur
Erledigung seiner Aufgaben Ausschüsse bilden und ihnen Entscheidungsbefugnisse übertra-
gen. Satzungsgemäß hatte der VR aus seiner Mitte einen Bilanz- und Prüfungsausschuss, ei-
nen Präsidialausschuss sowie einen KA gebildet.

53
Über § 43 Abs. 1 GörK wird für die Sorgfaltspflichten und die Verantwortlichkeit der VR-
Mitglieder auf das Aktienrecht verwiesen. Nach § 111 Abs. 1 AktG hat der VR die Geschäfts-
führung zu überwachen und § 116 AktG verweist für die Sorgfaltspflicht und Verantwortlich-
keit der AR-Mitglieder darauf, dass § 93 AktG sinngemäß gilt.
Der VR hat bei der Überwachung der Tätigkeit des Vorstandes die ständige Pflicht zur Selbst-
information über die Lage und Entwicklung der SLB-Gruppe. Bestehen Anhaltspunkte für
eine Verletzung der Geschäftsführungspflichten durch den Vorstand muss sich der VR mit der
Sache befassen. Dies gilt insbesondere bei existenzbedrohenden Geschäftsführungsmaßnah-
men. Zwar wurden die Entscheidungsgrundlagen im Wesentlichen im KA beraten und ge-
nehmigt, doch gehört es gerade auch zu den Aufgaben des VR, die Tätigkeit des KA zu über-
wachen.
Die Mitglieder des VR trifft aufgrund ihrer Überwachungspflicht die gleiche Verant-
wortlichkeit wie die Mitglieder des KA.
2.9.2
Kreditausschuss
Nach § 41 Abs. 2 GörK konnte der VR zur Erledigung seiner Aufgaben Ausschüsse bilden
und ihnen Entscheidungsbefugnisse übertragen. Satzungsgemäß hatte der VR u. a. einen KA
gebildet.
Laut Satzung besteht der KA aus sechs Mitgliedern, wobei mindestens drei Mitglieder dem
VR angehören müssen. Darüber hinaus war für jedes Mitglied ein Stellvertreter zu bestellen,
der ebenfalls zu den Sitzungen einzuladen war.
Diese Satzungsregelung entsprach nicht den aktienrechtlichen Regelungen, die vorsehen, dass
Ausschussmitglieder nur Personen sein können, die dem VR angehören (§ 107 Abs. 3. AktG).
Auch haben Dritte, die kein Organmitglied sind, kein Teilnahmerecht (§ 109 Abs. 1 AktG).
Bis 2000 waren alle Mitglieder des KA gleichzeitig Mitglieder des VR, entweder Mitglied
oder Stellvertreter. Später änderte sich die Besetzung des KA dahingehend, dass bis 2004 ein
Mitglied des KA kein VR-Mitglied war. Auch einzelne stellvertretende Mitglieder gehörten
nicht dem VR an.
Nach der GO des KA war der Vorsitzende des VR gleichzeitig Vorsitzender des KA. Dem
KA war nach § 4 Abs. 1 der GO des KA die Zustimmung auf Vorschlag des Vorstandes zur
Gewährung von Risikovolumina für Monetäre Finanzinstitute, Versicherungen, Risikovolu-
mina für Staatsrisiken und Risikovolumina für übrige Kreditnehmer in Abhängigkeit von Ra-

54
ting- und Größenklassen übertragen. Weiterhin sollte der KA nach § 4 Abs. 2 der GO des KA
Kenntnis von Risikovolumina der SLBE nehmen.
Entsprechend § 3 Abs. 2 der GO für den KA galt § 4 Abs. 1 der GO für den VR auch für die
Mitglieder des KA (vgl. oben). Darüber hinaus waren die Mitglieder durch den Vorsitzenden
in der ersten Sitzung auf die gewissenhafte Erfüllung ihrer Pflichten zu verpflichten. Über
§ 43 Abs. 1 GörK wird auch für die Sorgfaltspflichten und die Verantwortlichkeit der VR-
Mitglieder auf das Aktienrecht verwiesen.
Nach den vorliegenden Unterlagen haben die Mitglieder des KA das mit den Valuation
Agreements verbundene Risiko zur Kenntnis genommen und keine Maßnahmen zur
Begrenzung der potenziellen Risikolage ergriffen.
Im Rahmen der Beschlussfassungen des KA zur Einrichtung des OQ im Jahre 2004 belegt die
Vorlage, dass die Risikolage vom Vorstand richtig dargestellt war. Aus der Vorlage geht her-
vor, dass die SLB i. H. v. 4 % für die Liquidität einzustehen hatte und Verluste aus einem
Verkauf bis zu 100 % von der SLBE und über die Patronatserklärung wiederum von der SLB
zu tragen waren. Trotzdem ließ der KA in den Folgejahren die ständige Ausweitung des Vo-
lumens zu. Der KA ignorierte die aus dem steigenden Volumen resultierende Gefahr für die
Bank. Unterlagen, die eine regelmäßige Überprüfung der Tragfähigkeit der eigenen Buy- and
Hold-Strategie bei dem gegebenen Umfang auf ihre Realisierbarkeit belegen, wurden nicht
vorgelegt. Das Auftreten von Marktstörungen und deren Auswirkungen bei den gegebenen
Haftungszusagen wurde nicht in Rechnung gestellt. Dies wäre jedoch nötig gewesen, da be-
reits der Bericht der BaFin Hinweise auf mögliche Probleme bei Marktstörungen enthielt.
Auch eine Darlegung des Verhältnisses von Ertrag und Risiko wurde nicht eingefordert. Hät-
ten die KA-Mitglieder sich die Folgen von Marktstörungen darstellen lassen, hätten sie das
Risiko der Volumina der Geschäfte, die in keinem vertretbaren Verhältnis zur Eigenkapitalba-
sis der Bank standen, erkannt.
Darin liegt nach Auffassung des SRH ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht
.
22, 23, 24
Der ehemalige VR-Vorsitzende wendet in seiner Stellungnahme ein, dass der VR während
seiner Amtszeit die Aktivitäten des Vorstandes und insbesondere der Tochtergesellschaften
immer wieder kritisch nachgefragt habe. Die reine ex-post-Betrachtungsweise durch den SRH
könne und dürfe nicht Maßstab für die Beurteilung der Verantwortlichkeit von Gremienmit-
22
Vgl. Säcker, Franz Jürgen, Gesellschaftsrechtliche Grenzen spekulativer Finanzgeschäfte, Neue Juristische
Wochenschrift, 2008, S. 3313 (3315); derselbe, Grenzen der Mitwirkung des Aufsichtsrats an unternehmeri-
schen Entscheidungen in der Aktiengesellschaft, Der Betrieb, 2008, S. 814 ff. mit weiteren Nachweisen.
23
Vgl. Peiner, W. (ehemaliges Aufsichtsratsmitglied der HSH), Interview, FAZ vom 24.02.2009, S. 15.
24
Vgl. Lutter, Marcus, FAZ vom 21.01.2009, S. 19, Bericht über Vortrag vor dem Deutschen Aktieninstitut.

55
gliedern sein. Um deren Verantwortlichkeit sachgerecht beurteilen zu können, müsse man auf
deren maßgeblichen Informationsstand vor und im Zeitpunkt der Krise abstellen. Es habe für
den VR und seine Gremien weder aufgrund der allgemeinen Geschäftsentwicklung der SLB
bis zum Zeitpunkt der Krise noch aufgrund sonstiger konkreter Ereignisse ein Anlass bestan-
den, über die praktizierte Überwachungspflicht hinaus, irgendwelche gesonderten Maßnah-
men in Form von weiteren Sonderprüfungen, Zustimmungsvorbehalten oder sonstigen An-
ordnungen gegenüber dem Vorstand zu veranlassen.
Der SRH teilt den Standpunkt nicht
.
Nicht nur der SRH prüft die Verantwortlichkeit in einer ex-post-Betrachtung, sondern dies
erfolgt in aller Regel auch in zivil- oder in strafrechtlichen Verfahren auf diese Weise. Der
SRH hat auch nur den jeweiligen Kenntnisstand der Gremien bzw. der Gremienmitglieder
seiner Prüfung zugrunde gelegt.
Das SMF führt aus, dass sich aus dem Ernst-&-Young-Gutachten nur Andeutungen für etwai-
ge Pflichtverletzungen ergeben.
Inwieweit die Gremienmitglieder das notwendige Fachwissen besaßen, um ihrer Informati-
onspflicht nachzukommen, entzieht sich der Beurteilung des SRH. Das Aktienrecht regelt die
fachliche Eignung von AR-Mitgliedern zwar nicht, aber nach der Rechtsprechung des BGH
25
„muss ein AR-Mitglied diejenigen Mindestkenntnisse und -fähigkeiten besitzen oder sich
aneignen, die es braucht, um normalerweise anfallende Geschäftsvorgänge ohne fremde Hilfe
verstehen und sachgerecht beurteilen zu können“. Weiterhin muss nach der Rechtsprechung
des BGH jedes AR-Mitglied bereits bei Amtsantritt die Mindestkenntnisse besitzen. Hätte das
Mitglied das Amt trotz solcher Kenntnisdefizite übernommen, läge ein Übernahmeverschul-
den vor.
Von den Mindestkenntnissen sind die Fachkenntnisse zu unterscheiden, die für die Beurtei-
lung bestimmter unternehmensspezifischer Sachverhalte notwendig sind. Aufgrund der spezi-
fischen Aufgabenstellung des KA hätte jedem KA-Mitglied bei Amtsübernahme klar sein
müssen, dass bestimmte Fachkenntnisse für die Amtsausübung notwendig sind.
Diese Fachkenntnisse hat auch eine fünftägige Reise des KA nach Irland, die mit Besichti-
gungen von touristischen Sehenswürdigkeiten verknüpft war, nicht vermittelt. Die eigentliche
KA-Sitzung hat am Abreisetag stattgefunden und rd. zwei Stunden gedauert.
25
BGH, Urteil vom 15.11.1982 - II ZR 27/82 -; vgl. auch OLG Düsseldorf, Urteil vom 23.06.2006,
Az.: I-9U22/08; BGH, Urteil vom 11.12.2008 - II ZR 102/07 - zur laufenden Verschärfung der Haftung von
Aufsichtsratsmitgliedern durch die Rechtsprechung.

56
Der SRH begrüßt, dass das SMF die mögliche Haftung ehemaliger VR- bzw. KA-Mit-
glieder gem. §§ 41 Abs. 5, 43 GörK i. V. m. §§ 111 Abs. 1, 116, 93 AktG durch eine
Rechtsanwaltskanzlei prüfen lässt.
Der SRH bittet um Information, soweit neue Erkenntnisse zu der Haftungsprüfung vor-
liegen.
Nach Ansicht des SMF sei jedoch zunächst eine detaillierte forensische Aufarbeitung und
damit die Einsichtnahme in Unterlagen der Bank erforderlich, um ggf. pflichtverletzende
Handlungen und Unterlassungen zu bestimmten Personen, Zeiträumen und konkreten Schä-
den zuordnen zu können sowie gerichtsfest zu beweisen. Aus dem Ernst-&-Young-Gutachten
ergäben sich nur Andeutungen für etwaige Pflichtverletzungen. Insbesondere bedürfe es einer
näheren Prüfung, ob der VR angesichts der Berichterstattung des Vorstandes die tatsächlichen
Risiken des Kreditersatzgeschäfts hätte erkennen können oder aber hätte stärker nachfragen
müssen.
Hinsichtlich der an die Mitglieder des VR/KA zu stellenden Sorgfaltsanforderungen sei im
Rahmen der Einschätzung der Prozessaussichten zu beachten, dass das nach § 33 Abs. 1
Satz 1 Nr. 4 und Nr. 4a, Abs. 2 und § 2d KWG bestehende Erfordernis einer besonderen fach-
lichen Eignung nur für die Geschäftsleiter im Sinne des § 1 Abs. 2 KWG gelte, nicht jedoch
für Mitglieder des Aufsichtsorgans einer Bank.
Die Rechtsprechung s. o. stellt andere Anforderungen. Im Übrigen geht es nicht um eine
besondere fachliche Eignung.
2.9.3
Vorstand der Landesbank Sachsen Girozentrale
In den dem SRH vorliegenden Dienstverträgen ehemaliger Vorstandsmitglieder wurden diese
verpflichtet, ihre Tätigkeit uneigennützig und verantwortungsbewusst auszuüben und die Inte-
ressen der SLB mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsleiters wahrzunehmen. Dies ent-
spricht auch der Regelung des Aktienrechts in § 93 Abs. 1 Satz 1 AktG, wonach die Vor-
standsmitglieder bei ihrer Geschäftsführung die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaf-
ten Geschäftsleiters anzuwenden haben.
26
Zum Schadensersatz sind Vorstandsmitglieder gem. § 93 Abs. 2 AktG verpflichtet, wenn sie
ihre Pflichten verletzen. Ist streitig, ob sie die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften
Geschäftsleiters angewandt haben, so trifft sie die Beweislast.
26
Vgl. Lutter, Marcus, Vortrag Deutsches Aktieninstitut, S. 13/14; FAZ vom 21.01.2009, S. 19.

57
Die Vorstände haben es u. a. versäumt, nach dem Setzen der Haftungsvoraussetzungen die
Möglichkeit zu begrenzen, die SLB durch ständige Ausweitung der Geschäfte sukzessive
- wie geschehen - in eine die Existenz bedrohende Situation zu führen. Deswegen bestehen
erhebliche Zweifel an der Erfüllung der Sorgfaltspflichten durch die Vorstände. Dem kann
auch nicht entgegengehalten werden, dass die weltweite Finanzkrise nicht vorhersehbar gewe-
sen sei. Es waren zwar viele Banken betroffen, doch die Mehrzahl hat die Geschäfte in einem
Rahmen betrieben, der auch ohne die Unterstützung des Steuerzahlers nicht in die Insolvenz
geführt hat. Die Haftungsfrage trifft nach Auffassung des SRH auch alle Vorstände, die den
weiteren Aufbau der Verpflichtungen zugelassen haben.
Die Vorstandsmitglieder haben ihre laufende Informationsverpflichtung für die Gre-
mien der SLB nicht ausreichend erfüllt.
Der SRH hat zur Kenntnis genommen, dass die Staatsanwaltschaft Leipzig Ermittlungen ge-
genüber ehemaligen Vorstandsmitgliedern der SLB eingeleitet hat. Im Rahmen der Prüfung
seiner Schadensersatzansprüche hat das SMF auch etwaige Ergebnisse der Strafverfolgungs-
behörden zu beachten, die ggf. weitere Anspruchsgrundlagen eröffnen können.
Das SMF teilt zum Sachstand mit, dass die Prüfung der Haftung ehemaliger Vorstände der
SLB entsprechend dem Kabinettsbeschluss vom 11.03.2008 erfolge. Danach sei das SMF
beauftragt worden, zivilrechtliche Klagen der Anteilseigner der SLB gegenüber möglichen
Anspruchsgegnern zu prüfen.
Zur Prüfung zivilrechtlicher Ansprüche sei eine Rechtsanwaltskanzlei mandatiert. Der Prü-
fungsauftrag sei umfassend und schließe daher sowohl die Prüfung einer möglichen Haftung
von Vorstandsmitgliedern gem. § 93 Abs. 2 AktG als auch gem. § 823 Abs. 2 BGB ein. Bei
der Prüfung von Strafvorschriften würden etwaige Ergebnisse der Strafverfolgungsbehörden
beachtet; derzeit lägen dort jedoch noch keine Ergebnisse vor.
Im April/Mai 2008 hätten die Rechtsanwälte ihre vorläufige Einschätzung möglicher An-
spruchsgrundlagen des FS im Zusammenhang mit der Krise der früheren SLB im SMF vorge-
stellt und dem Kabinett sei ein entsprechender Zwischenbericht erstattet worden. Das Kabi-
nett habe sich der Empfehlung der Anwaltskanzlei angeschlossen, eine Anspruchsverfolgung
in Kooperation mit der LBBW vorzunehmen.
Die LBBW hätte eine diesbezügliche Aussage von einer eigenen Prüfung des Ernst-&-Young-
Gutachtens abhängig gemacht, die derzeit noch andauere.

58
Am 12.09.2008 habe ein Gespräch unter Beteiligung von Vertretern des SMF, der LBBW und
der Sachsen Bank mit dem Ziel stattgefunden, eine Einigung über die weitere Vorgehenswei-
se zu erzielen und konkret festzulegen, ob die Anspruchsverfolgung in Kooperation erfolge
und von welcher Seite Ansprüche abgetreten bzw. geltend gemacht würden. Die LBBW sei
derzeit nicht bereit, dem FS Einsicht in die Unterlagen der früheren SLB zu geben. Die Ver-
handlungen dauerten noch an.
Der SRH meint, dass etwaige deliktische Schadensersatzansprüche dem FS zustehen.
Wir bitten auch dafür Sorge zu tragen, dass dem FS von der LBBW etwaige vertragli-
che Ansprüche abgetreten werden.
Angesichts des eingetretenen und des noch zu befürchtenden Schadens sind die Ansprü-
che durchzusetzen. Für die Klärung des Umfangs der Sorgfaltspflichten von Gremien-
mitgliedern öffentlich-rechtlicher Unternehmen besteht großes öffentliches Interesse.
Dies rechtfertigt unserer Meinung nach ein gewisses Prozessrisiko in Kauf zu nehmen.
Wir bitten, uns über die beabsichtigten Maßnahmen zeitnah zu unterrichten.
2.9.4
Directors- and Officers-Versicherung
Bezüglich etwaiger Haftungsansprüche gegenüber Mitgliedern des Vorstands oder des KA ist
auch die Inanspruchnahme der Directors- and Officers-Versicherung zu prüfen. Bei der Direc-
tors- and Officers-Versicherung handelt es sich um eine Vermögensschadenhaftpflichtversi-
cherung von Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsführern. Die Versicherung deckt zum
einen Ansprüche Dritter gegen die versicherten Personen (Außenhaftungsansprüche) und zum
anderen Ansprüche der Gesellschaft als Versicherungsnehmer gegen die versicherten Perso-
nen (Innenhaftungsansprüche) ab. Der Versicherungsschutz umfasst nur fahrlässige Handlun-
gen. Vorsätzliche Handlungen sind ausgeschlossen.
Der Kreis der versicherten Personen umfasst:
- die tätigen Vorstände,
- die Generalbevollmächtigten und Prokuristen, die ein Drittmandat an Unternehmen im Inte-
resse der SLB bzw. als Geschäftsführer von Tochterunternehmen der SLB wahrnehmen,
- Mitglieder der Aufsichtsorgane.
Voraussetzung für einen etwaigen Versicherungsschutz ist, dass gegenüber den versicherten
Personen entweder im Rahmen der Innenhaftung durch die Gesellschaft oder im Rahmen der
Außenhaftung durch Dritte, wie z. B. den Anteilseignern der SLB, ein Schadensersatzan-
spruch geltend gemacht wurde.

59
Bereits im Oktober 2007 regte der SRH in Gesprächen mit dem SMF an, Schadensersatzan-
sprüche zu prüfen und Ansprüche bei der bestehenden Directors- and Officers-Versicherung
anzumelden. Mit Schreiben vom 18.04.2008 an das SMF verwies der SRH erneut darauf.
In seiner Antwort vom 20.05.2008 teilte das SMF mit, dass mit der Prüfung etwaiger
Ersatzansprüche eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt worden sei.
Wir haben das SMF aufgefordert, uns über den weiteren Verlauf zu informieren.
2.10
Haftung des Abschlussprüfers
Grundsätzlich haftet der Abschlussprüfer nach § 323 Abs. 1 Satz 3 HGB bei einer schuldhaf-
ten Pflichtverletzung dem Auftraggeber für den dadurch verursachten Schaden. Eine Ersatz-
pflicht besteht nur dann, wenn die Pflichtverletzung vorsätzlich oder fahrlässig begangen
wurde. Nach § 276 Abs. 2 BGB handelt fahrlässig, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt
außer Acht lässt. Maßstab des Handelns des Abschlussprüfers sind die Verlautbarungen der
WP-Kammer, die Standards und Empfehlungen des Instituts der WP in Deutschland e. V.
sowie die Rechtsprechung.
Mit dem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk trifft der Prüfer die Aussage, dass ,,die Prü-
fung zu keinen Einwendungen geführt hat, der Jahresabschluss unter Beachtung der Grund-
sätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild
der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft vermittelt und dass der Lagebericht
insgesamt eine zutreffende Vorstellung von der Lage der Gesellschaft gibt sowie die Risiken
der künftigen Entwicklung darstellt“. Bei der Prüfung der Erfüllung der Sorgfaltspflicht bei
der Abschlussprüfung in Bezug auf den Prüfungsumfang und die Prüfungstiefe muss beurteilt
werden, ob die Risiken der künftigen Entwicklung des Kreditersatzgeschäftes, insbesondere
unter Berücksichtigung des mit dem Valuation Agreement verbundenen Risikos ausreichend
dargestellt worden ist.
Im Hinblick auf die von der BaFin veranlassten Prüfungsberichte und die dort enthaltenen
Feststellungen zu Verstößen gegen § 25a KWG war nach Auffassung des SRH diesen Ge-
schäftsbereichen besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Die SLB hat bis Mitte 2006 daran gearbeitet, das Risikomanagementsystem den Anforderun-
gen des Kreditersatzgeschäfts anzupassen. Doch letztlich genügte das System dem nicht. Ge-
rade die von der Bank verfolgte „Buy- and Hold-Strategie“, d. h. Papiere bis zur Endfälligkeit
zu halten, erforderte durch die nur kurz laufenden Refinanzierungen bereits bei kurz andau-

60
ernden Marktstörungen ein extrem hohes Refinanzierungsvolumen. Trotzdem wurde das Li-
quiditätsrisiko im Risikomanagementsystem der Bank nicht genügend erkennbar abgebildet.
Ein Hinweis auf die umfassende Haftung der SLB war für eine korrekte Darstellung der Lage
des Unternehmens nach Auffassung des SRH spätestens dann erforderlich, als die Geschäfte
eine Dimension erreicht hatten, bei der die Buy- and Hold-Strategie der Bank auch bei kurz-
fristigen Kapitalmarktstörungen bereits zu Liquiditätsproblemen und ohne Erweiterung der
Eigenkapitalbasis zu Solvenzproblemen geführt hätte.
Der Abschlussprüfer hat sich jedoch auf Hinweise und Darstellungen in Anhängen, Fußnoten
oder Teilberichten beschränkt, die keine Gesamterfassung der Risiken ermöglichte.
Der SRH hatte bereits bei früheren Besprechungen mit dem WP darauf gedrängt, die Mängel
bspw. bei der Umsetzung der MaH oder MaRisk klarer und deutlicher anzusprechen. Trotz-
dem waren auch die Defizite im Beteiligungsbereich der SLB hinsichtlich der Risiken in Dub-
lin nicht aufgedeckt oder hinreichend dargelegt worden. Durch die fehlenden Hinweise auf
die Risiken aus dem Volumen der Kreditersatzgeschäfte und insbesondere des Valuation
Agreements für OQ wurde nach unserer Auffassung über Jahre die Lage der SLB nicht zutref-
fend wiedergegeben.
Die Verpflichtungen aus dem Valuation Agreement bezüglich OQ als sonstige finanzielle
Verpflichtungen gem. § 285 Nr. 3 bzw. § 314 Abs. 1 Nr. 2 HGB hätten erstmals mit dem Jah-
resabschluss 2004 angegeben werden müssen. Nur damit wäre ein den tatsächlichen Verhält-
nissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln gewesen.
Mit Schreiben vom 27.02.2008 kam die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung für den Ab-
schluss 2006 zum gleichen Ergebnis.
Der Abschlussprüfer problematisierte die Haftungslage der Bank nicht, obwohl es einer
Abbildung des Risikos in den Jahresabschlüssen bedurft hätte.
Zumindest der Bestätigungsvermerk für die SLB hätte Ergänzungen hinsichtlich der
Risiken des Kreditersatzgeschäftes der SLB-Gruppe beinhalten müssen.
Der Abschlussprüfer teilte mit, als wichtigster Punkt sei bei der Beurteilung vorauszuschi-
cken, dass die Risiken aus der Geschäftstätigkeit des OQ und der anderen Verbriefungsaktivi-
täten der SLB-Gruppe bis zum Eintritt der Subprimekrise Mitte 2007 immer nur abstrakter
Art gewesen seien. Zum Vergleich sei etwa auf deutsche Hypothekenpfandbriefe hingewie-
sen, die trotz Besicherung und Einhaltung der Beleihungsgrenzen in dem Moment gravierend

61
an Wert verlieren oder wertlos werden könnten, wenn die als Sicherheit dienenden Immobi-
lien in großem Umfang an Wert verlieren würden und die emittierenden Banken dadurch ihre
Bonität einbüßten. Solche Ereignisse - wie der Zusammenbruch der Märkte für US-Immo-
bilien-Papiere vor der Krise - seien nach Einschätzung aller Marktteilnehmer nicht zu erwar-
ten gewesen. Solange aber ein Wertverlust nicht zu befürchten sei, bestehe kein konkretes
Risiko, das in der Bilanz durch Abschreibung auf die aktivierten Papiere oder durch Bildung
einer Rückstellung für abgegebene Werthaltigkeitsgarantien oder entsprechende Patronatser-
klärungen erfasst werden müsste.
Das bloße abstrakte Risiko werde in der Bilanz als solches nicht erfasst. Es beeinflusse das
ausgewiesene Ergebnis nicht. Das abstrakte Verlustrisiko werde bei Papieren im Eigenbesitz
des bilanzierenden Instituts erkennbar, indem die Papiere mit ihren fortgeschriebenen An-
schaffungskosten aktiviert seien. Theoretisch müsse der Bilanzleser damit rechnen, dass die
ausgewiesenen Vermögensgegenstände wertlos werden könnten. Das Bestehen von Haf-
tungsverhältnissen (Eventualverbindlichkeiten) sei nicht in der Bilanz, sondern durch Angabe
unter dem Bilanzstrich bzw. im Anhang mitzuteilen. Bei Patronatserklärungen für sämtliche
Verpflichtungen einer Tochtergesellschaft, wie sie die SLB zugunsten ihrer irischen Tochter-
gesellschaft SLBE abgegeben habe, genüge die verbale Darstellung. Eine Bezifferung werde
nicht verlangt, weil sich der Betrag ohnehin nicht greifen lasse, jederzeitiger Veränderung
unterworfen sei und zudem solange kein detaillierter Informationsbedarf bestehe, wie eben
die Risiken nicht konkretisiert seien.
Hiermit nicht zu verwechseln seien Informationen, die zur Beurteilung und Steuerung des
Geschäfts eines Kreditinstituts erforderlich sind. Über die geschäftlichen Beziehungen der
SLB-Gruppe zu dem OQ einschließlich Zusammensetzung des Asset-Portfolio-Ratings (da-
mals ausschließlich AAA-Ratings), Refinanzierung über kurzfristige Commercial Paper und
Liquiditätslinien der SLB müssten die Organe der Bank bereits durch entsprechende Vorlagen
des Vorstandes außerhalb des Jahres- und Konzernabschlusses informiert worden sein. Man
habe hierzu in den Prüfungsberichten für 2005 und 2006 zur SLB als auch zur SLBE ausführ-
lich informiert. Gemäß Protokoll der Sitzung des Bilanz- und Prüfungsausschusses der SLB
vom 24.04.2006 seien die Geschäfte der SLBE in Bezug auf „Georges Quay“ und „Ormond
Quay“ auf Basis einer Präsentation (Stand 24.04.2006) ausführlich erläutert worden.
Der Abschlussprüfer führt in seiner Stellungnahme weiter aus, dass es sich bei dem Valuation
Agreement nicht um eine Werthaltigkeitsgarantie, die sämtliche Verluste abdecke, sondern
um die Pflicht, bei Erreichen einer vertraglich definierten Schwelle eine Stop-Loss-Prozedur
auszuführen, gehandelt habe. Von daher hätten sich aus Sicht des Abschlussprüfers zum
31.12.2006 keine Hinweise ergeben, dass im Zusammenhang mit dem Valuation Agreement
mit einer Haftung der SLBE zu rechnen sei.

62
Im Gegensatz dazu führte die SLBE in einer Vorlage für den KA aus, dass die SLBE (96 %)
und die SLB (4 %) der Risiken aus der Finanzierungsstruktur übernehmen. Das wird in der
vom SMF erstellten Zusammenfassung des Gutachtens von Ernst & Young ebenfalls darge-
stellt.
Abschließend ist der Abschlussprüfer der Auffassung, dass die in dem auszugsweise zur Ver-
fügung gestellten Berichtsentwurf des SRH erhobenen Vorwürfe nicht berechtigt seien.
Der SRH bleibt bei seiner Kritik.
Darüber hinaus erklärte das Landgericht Stuttgart, die Jahresabschlüsse der SLB der Jahre
2004 bis 2006 für nichtig, da Vermögenswerte in der Bilanz in Millionenhöhe zu hoch bewer-
tet worden waren.
Das SMF muss die Haftung des WP auch hinsichtlich dieser Sachverhalte prüfen lassen.
Für das Geschäftsjahr 2005 wurde der Abschlussprüfer mit der Prüfung des Geschäfts der
SLBE beauftragt und erstellte erstmalig einen in der Darstellungsform an die Grundsätze
deutscher Prüfungsberichte angelehnten Bericht über die Geschäftsstruktur und stellte wesent-
liche Punkte der Bilanz und GuV sowie des Risikomanagements der SLBE dar. Das Struktu-
rierungsgeschäft umfasste 2005 die Conduits GQ und OQ. Für beide Conduits gab der Prüfer
einen Transaktionsüberblick und wies auf die von der SLB bereitgestellten Liquiditätsfazilitä-
ten i. H. v. 4 % hin. Auf das die umfassende Haftung der SLBE und der SLB begründende
Valuation Agreement im Rahmen der OQ-Struktur wurde im Rahmen dieser Prüfung nicht
hingewiesen.
Damit blieb auch diese Chance, über die Haftungszusage für den OQ bei großem Volumen zu
informieren, unverständlicherweise ungenutzt. Dabei war es bei der Prüfung ausdrücklich
darum gegangen, aufzuzeigen, ob und welche Risiken in der SLBE bestehen.
In der Folge unterblieben warnende Hinweise an den VR und KA. Sie blieben auf eigene
Erkenntnisse angewiesen.
Weiterhin hat der SRH in einem Gespräch mit dem Abschlussprüfer auf die seiner Auffas-
sung nach ungenügende Aussagekraft der Feststellungen gem. § 53 HGrG hingewiesen. Da-
bei stellte der SRH heraus, dass bei der Beantwortung der Fragen insbesondere die Punkte,
die hohe Risiken darstellen, hervorgehoben werden sollten. Außerdem kritisierte der SRH,
dass konkrete Aussagen zu einzelnen Töchtern fehlten. Unter dem Aspekt der Risikokontrolle
durch den VR regte der SRH an, dieses zu verändern, um etwaigen Handlungsbedarf zu

63
verdeutlichen. Der Abschlussprüfer hatte dafür Verständnis gezeigt, jedoch darauf verwiesen,
dass diese Forderungen des SRH nur über das SMF entsprechend beauftragt werden könnten.
Der SRH wandte sich daher im März 2004 an das SMF. Die Berichterstattung nach
§ 53 HGrG wurde nicht verbessert.
Auf unsere Anfrage hinsichtlich der Regressansprüche gegenüber dem Abschlussprüfer teilte
das SMF am 11.06.2008 mit, dass die Möglichkeiten geprüft werden.
Wir haben das SMF gebeten, uns das Ergebnis der Prüfung mitzuteilen.
2.11
Durchsetzung der Haftung
Die Inanspruchnahme kann allerdings nur in Absprache mit der LBBW geschehen, auf die
alle Ansprüche insoweit übergegangen sind. Weil Rechtsnachfolger der SLB die LBBW ist,
können Schadensersatzansprüche gegenüber der Versicherung ggf. nur von dieser geltend
gemacht werden. Da den größten Teil des eingetretenen Schadens der Freistaat trägt, sollte
versucht werden, hinsichtlich der Schadensregulierung eine Vereinbarung mit der LBBW zu
treffen, die eine Abtretung der Ansprüche oder eine andere Form des koordinierten Vorgehens
vorsieht.
2.12
Rechtsaufsicht
Das SMF übte gem. § 47 GörK die Rechtsaufsicht über die SLB aus. Die Rechtsaufsicht ist
von der Aufgabe, die Interessen des Anteilseigners für sein Vermögen wahrzunehmen. Dies
wurde im SMF auf Leitungsebene beachtet. Der Staatssekretär des SMF war für die Rechts-
aufsicht zuständig. Der Staatsminister hatte mit der Rechtsaufsicht nichts zu tun.
Auf der Arbeitsebene wurde diese Trennung nicht vorgenommen. Dort war die Rechtsaufsicht
in das Referat der Beteiligungsverwaltung integriert, das auch für die Beteiligungsaufgaben
zuständig war.
Der SRH hat bereits Vorgänge angesprochen, die seiner Ansicht nach rechtlich zu bean-
standen wären: Dies waren z. B. die Umstände im Hinblick auf die Patronatserklärung
(vgl. Pkt. 2.5.2) und die Berücksichtigung des § 65 Abs. 2 SäHO in der Satzung der SLB
(Pkt. 2.5.1). Die SäHO drückt sich diesbezüglich rechtstechnisch eindeutig aus, wenn sie von
einer erforderlichen Einwilligung spricht. Es soll für den FS verhindert werden, dass er nur
deshalb zustimmt, weil er schon vor vollendeten Tatsachen steht.

64
Weiterhin hätte die Rechtsaufsicht die Möglichkeit gehabt, auf die Notwendigkeit weiterer
Zustimmungserfordernisse im Hinblick auf das Eingehen von Zweckgesellschaften hinzuwir-
ken. Diese Zustimmungserfordernisse konnten von den Auflagen bei der Zustimmung noch
nicht erfasst sein, weil diese Zweckgesellschaften damals noch nicht üblich waren. Die Sat-
zung und die Auflagen bei der Zustimmung waren jedoch von dem Gedanken der Risikobe-
grenzung geprägt. So waren größere Beteiligungen zustimmungspflichtig gemacht worden.
Da die Zweckgesellschaften nicht als Beteiligungen verstanden wurden, entstand insoweit in
der Risikoabschirmung eine Lücke. Dies hätte durch die oben angemahnte Änderung bei den
Zustimmungserfordernissen geschlossen werden können. Dies wäre bei dem Rechtsstand-
punkt des SMF, keine Einwirkungsmöglichkeiten auf das Handeln der SLB zu haben, umso
nötiger gewesen.
Das SMF hat es als Rechtsaufsicht versäumt, die bestehenden Beschränkungen für die
Haftung bei der Beteiligung von Tochtergesellschaften auch für die Zweckgesellschaften
anzumahnen. Damit wäre ein Valuation Agreement ohne Zustimmung der Rechtsauf-
sichtsbehörde nicht möglich gewesen.
2.13
Beteiligungsverwaltung
2.13.1
Aufgaben der Beteiligungsverwaltung
Im Zusammenhang mit der Prüfung der Vorgänge um den Verlust der SLB stellte sich die
Frage, welche Aufgaben die Verwaltung im Hinblick auf die Betätigung des Freistaates bei
den staatlichen Unternehmen hat.
Entsprechend dem Beschluss der Staatsregierung über die Abgrenzung der Geschäftsbereiche
ist das SMF für die staatlichen Unternehmen und Beteiligungen zuständig. Als oberste Lan-
desbehörde ist das SMF u. a. für die allgemeine Finanzpolitik sowie die öffentliche Finanz-
wirtschaft des FS zuständig. Die Abteilung IV - Staatsvermögen - des SMF verwaltet das
Vermögen des FS in Form landeseigener Liegenschaften und Beteiligungen an Unternehmen
des öffentlichen und privaten Rechts.
Zutreffend wird auf der Internetseite des SMF unter der Rubrik „Beteiligungen des Freistaa-
tes“ beschrieben, dass das SMF federführend diese staatlichen Beteiligungen betreut. Weiter
legt das SMF dar, dass eine unternehmerische Betätigung des Staates grundsätzlich nur zur
Verfolgung eines wichtigen staatlichen Interesses zulässig sei. Deshalb müssten Ziel, Sinn
oder Nutzen der Beteiligungen auf die Öffentlichkeit, d. h. auf die Interessen und Bestrebun-
gen der Einwohner Sachsens ausgerichtet sein. Ausdrücklich wird klargestellt, dass ein Un-

65
ternehmen, dessen ausschließlicher oder vorrangiger Zweck die Gewinnerzielung wäre, nicht
mit dem Haushaltsrecht vereinbar wäre.
Auch sei eine staatliche Beteiligung an Unternehmen immer wieder daraufhin zu prüfen, ob
eine Beteiligung weiterhin zwingend geboten ist.
Das SMF hat die Aufgaben der BV zutreffend definiert. Danach hat die BV die Interes-
sen des FS als Eigentümer wahrzunehmen.
2.13.2
Wahrnehmung der Aufgaben
Das SMF wurde als BV über alle wesentlichen Sachverhalte um die SLB informiert. Soweit
die Zustimmung der Gremien erforderlich war, bekam sie die Entscheidungsvorlagen vorher
übermittelt. So wurde sie auch über den operativen Geschäftsverlauf bspw. aufgrund von
Kreditvorlagen für den KA informiert.
Für die Sitzung des KA am 10.07.2003 in Dublin gab die BV in ihrem Vermerk auszugsweise
Darstellungen aus der englischsprachigen Internetpräsentation der SLBE wieder. Danach sei
es Ziel der Bank gewesen, Geschäfte mit großem Volumen und niedrigem Risiko zu generie-
ren. Darüber hinaus habe die SLBE von einer Patronatserklärung der SLB profitiert. Weitere
Erläuterungen auch hinsichtlich eines Risikos aus der Patronatserklärung waren unterblieben.
Zur Kreditvorlage der SLBE mit dem Titel „SPV Ltd. Eins (endgültiger Name wird nachge-
reicht)“ erläuterte die BV den Geschäftsgegenstand und die wirtschaftlichen Verhältnisse. In
der Bewertung wurde das Votum des Vorstandes, der in der Transaktion ein attraktives Enga-
gement mit gut überschaubarer Struktur und gut vertretbarem Risiko sah, wiedergegeben und
dem StMdF die Empfehlung gegeben, der Auffassung des Vorstandes zuzustimmen.
Der BV waren auch die verschiedenen Haftungskonstruktionen bei den Zweckgesellschaften
bekannt. Sie wusste auch, dass beim OQ jegliches Risiko eines Werteverfalls letztlich über
die Gewährträgerhaftung beim FS lag. Die BV hatte an der Sitzung am 16.06.2005 teilge-
nommen, in der die Konstruktion des OQ und seine speziellen Haftungszusagen durch einen
Vertreter der SLBE und ein Vorstandsmitglied der SLB erklärt worden waren.
Die BV hätte die Größenordnung des außerbilanziellen Kreditersatzgeschäftes angesichts des
bekannten, realisierten und geplanten Volumens des OQ problematisieren müssen. Schon
allein das Liquiditätsrisiko aus den zugesagten Liquiditätsfazilitäten von 4 % konnte ab einer
gewissen Größenordnung den Bestand der Bank gefährden. Das Eigenkapital der SLB stand
in keinem vernünftigen Verhältnis dazu.

66
Das SMF ist nach wie vor der Auffassung, dass es weder Veranlassung noch Berechtigung
gehabt habe, tätig zu werden.
Das SMF trägt hierfür vor, die SLB wäre Trägerin der Selbstverwaltung und hätte demzufolge
ein den Kommunen vergleichbares Selbstverwaltungsrecht besessen. Die SLB sei nach ihrer
Gründung nur noch der Kontrolle der Rechtsaufsicht unterworfen gewesen. Im Übrigen sei
die BaFin für die Aufsicht zuständig gewesen.
Die Aussage überrascht, da sie zum einen der eigenen Aufgabenbeschreibung widerspricht
und zum anderen zahlreiche dem SRH vorliegende Unterlagen ein Tätigwerden des SMF in
anderen, weniger gewichtigen Anlässen belegen.
Alle Unterlagen, die dem SRH vorliegen, weisen zudem darauf hin, dass auch nach der Über-
tragung der Anteile des Freistaates auf den SFV bzw. die SFG die SLB beteiligungsseitig
vom SMF und nicht auf Ebene der SFG verwaltet wurde.
Das SMF erhielt in Vorbereitung der Gremiensitzungen von der SLB die zu den einzelnen
Tagungsordnungspunkten erarbeiteten Vorlagen. Das zuständige Referat fertigte im Vorfeld
der Sitzungen vielfach umfangreiche Vermerke, die Wertungen und Beschlussvorschläge zu
den einzelnen Tagungsordnungspunkten enthielten. Diese Vermerke wurden auf dem Dienst-
weg dem VR-Vorsitzenden zugeleitet.
Weiterhin nahm der zuständige Referatsleiter seit 2000 als Gast an den VR-Sitzungen und ab
2001 an Sitzungen des Bilanz- und Prüfungsausschuss, der vor allem die Beschlussfassung
des VR über die Vorlage des Jahresabschlusses und des Konzernabschlusses an die Anteils-
eignerversammlung vorbereitet, teil. Er nahm auch als Gast an den Sitzungen des Präsidial-
ausschusses teil, der die Aufgabe hatte, die VR-Sitzungen vorzubereiten. In dem 2006 einge-
richteten Personalausschuss, der die Kompetenz hatte, die Bedingungen der Vertragsbeendi-
gung von zwei Vorständen zu beschließen, war der Referatsleiter ebenfalls anwesend.
Darüber hinaus bestand zwischen dem Referat und dem Vorstand sowie mit der Bereichslei-
terebene der SLB ein intensiver Schriftwechsel zu den unterschiedlichsten Themen außerhalb
der Rechtsaufsicht.
Anhand eines Beispiels lässt sich die aktive beteiligungsseitige Einflussnahme des SMF dar-
stellen. Bis zum Jahr 2002 existierte kein transparentes Erfolgsvergütungssystem mit festen
Bewertungskriterien für den Vorstand. Der Präsidialausschuss beschloss deshalb im Ju-
ni 2002, dass der erfolgsabhängigen Vergütung quantitative und qualitative Kriterien zugrun-
de gelegt werden sollen. Daraufhin übersandte die SLB an den Referatsleiter Erläuterungen

67
zur erfolgsabhängigen Vergütung und versprach, entsprechende Parameter vorzuschlagen. Im
Zeitraum 2002 bis 2003 erfolgten zahlreiche Abstimmungen zwischen dem Referatsleiter und
der SLB über die Gestaltung des variablen Vergütungssystems, wobei verschiedene Zielgrö-
ßen und die Plausibilitätsprüfung durch den Abschlussprüfer kontrovers diskutiert wurden.
Letztlich beschloss der Präsidialausschuss im März 2003 das vom Referat erarbeitete System
der Berechnung. Anhand eines komplizierten Berechnungsschemas, das aus den Kennzahlen
Eigenkapitalrentabilität vor Steuern, Unternehmenserfolg, cost/income Ratio und einem Mul-
tiplikator besteht, wurde die Erfolgsvergütung berechnet. Hinzu kamen nicht ergebnisbezoge-
ne Komponenten. Für 2003 schlug der Referatsleiter als nicht ergebnisbezogene Komponen-
ten die Erstellung eines konzerneinheitlichen Risikofrüherkennungssystems und die Umset-
zung der MaK
27
vor. Als nicht ergebnisbezogene Komponenten für 2004 wurden ein kon-
zerneinheitliches Risikofrüherkennungssystem (Fortsetzung aus 2003) und die Erarbeitung
einer neuen Strategie vorgeschlagen. Auch die detaillierten Fragen des SRH zu diesem Ver-
gütungssystem wurden vom Referatsleiter beantwortet. Das vom SMF gemeinsam mit der
SLB gestaltete Vergütungssystem wurde in der Bank auch implementiert.
Das SMF hat entgegen seiner Aussage durchaus auf das operative Geschäft der SLB
Einfluss genommen.
Die Aufgabe, das Vermögen des FS zu schützen, kam auch nicht der BaFin zu. Die BaFin hat
bspw. die Angemessenheit der Eigenmittel (§ 10 KWG) laufend zu überwachen, eine ausrei-
chende Zahlungsbereitschaft (§ 11 KWG) sowie die Einrichtung von Risikomanagementsys-
temen zu prüfen. Allein schon aus der Aufgabenstellung der BaFin ist ersichtlich, dass es sich
hierbei um eine aufsichtsrechtliche Überwachung der allgemein für alle Kreditinstitute ver-
bindlichen Vorgaben handelt. Die BaFin hat durch die Aufsichtsmaßnahmen ein funktionsfä-
higes, stabiles und integres deutsches Finanzsystem zu gewährleisten. Aus diesem Grund be-
aufsichtigt die BaFin - Stand Januar 2008 - 2.079 Banken, 718 Finanzdienstleistungsinstitute,
633 Versicherungsunternehmen, 26 Pensionsfonds sowie 6.000 Fonds und 78 Kapitalanlage-
gesellschaften.
Der SRH ist zudem der Auffassung, dass Vorgaben der BaFin zum Geschäftsmodell die
Rechte des Landesgesetzgebers und der sächsischen Verwaltung sowie das Budgetrecht unzu-
lässig beschneiden würden. Nur das Land kann seinen Unternehmen die Aufgaben zuweisen
und die hierfür erforderliche Finanzausstattung zur Verfügung stellen.
27
MaK = Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute.

68
Die Kontrolle über die Einhaltung der Aufgaben und die Bewahrung der Vermögens-
werte sächsischer Unternehmen ist Aufgabe des Freistaates und obliegt nach der Ge-
schäftsordnung der Staatsregierung dem SMF bzw. der BV.
28
28
1. Untersuchungsausschuss des SLT der 4. Wahlperiode, Aussage eines Zeugen in öffentlicher Verhandlung:
„Die Rechtsaufsicht führt der Freistaat durch im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften. Das hat aber nichts
damit zu tun mit der Verantwortung, die der Eigentümer wahrnimmt. Diese Verantwortung liegt davor. Sie
können sich als Eigentümer nicht davon freimachen, und insbesondere dann, wenn es sich um fremdes Eigen-
tum handelt und sie nur Eigentümervertretung wahrnehmen, daß sie natürlich verpflichtet sind, alle Vorsorge
zu treffen, wie Sie es mit eigenem Eigentum tun würden, um es zu schützen. Diese Verantwortung lag einmal
beim Anteilseigner des Freistaates Sachsen, und sie lag beim Anteilseigner SFG-Gruppe.“

69
3 Stellungnahme des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen mit Anmerkungen
des Sächsischen Rechnungshofs
Das SMF hat den SRH gebeten, seine Stellungnahme dem Bericht vollständig beizufügen.
Dem kommt der SRH nach. Dem besseren Verständnis halber, haben wir jeweils zum ange-
sprochenen Standpunkt des SMF unsere Stellungnahme - gekennzeichnet mit SRH - einge-
fügt.
Zu 1
Prüfungsgegenstand
Der SRH begann im Jahr 2003 die Sachsen LB intensiv zu prüfen. Er hat hierzu zahlreiche
Unterlagen erbeten und erhalten, mehrere - auf seinen Wunsch hin - mehrfach. Ihm liegen
darüber hinaus regelmäßige Berichte der Beteiligungsverwaltung und anlassbezogene Mittei-
lungen der Rechtsaufsicht vor. Er hat jährlich Gespräche mit dem Vorstand der Sachsen LB
geführt.
Gleichwohl enthält der Bericht unzutreffende Sachverhaltsdarstellungen und falsche Schluss-
folgerungen. Der Bericht enthält zudem mehrere provokatorische Aussagen.
Eine Stellungnahme des SRH nach § 99 SäHO respektive Ausführungen im Jahresbericht ist
während der seit 2003 laufenden Prüfung des SRH nicht erfolgt.
SRH: Die Darstellung einer unliebsamen Realität sieht der SRH nicht als Provokation, son-
dern als seine Aufgabe an.
Der SRH erlaubt sich weiter den Hinweis, dass er dem FS gern die finanziellen
Nachteile durch den notwendigen Verkauf der SLB erspart hätte. Das hätte jedoch ei-
ne offene und vertrauensvolle Information des SRH durch das SMF und die SLB vor-
ausgesetzt. So bleibt nur die nachträgliche Prüfung des Handelns der Organe der SLB
und der Exekutive des FS.
Die vom SRH Ende 2003 begonnene Prüfung befasste sich mit den Personalaufwen-
dungen der SLB und der Einhaltung haushaltsrechtlicher Vorgaben. Im Hinblick auf
die Aufnahme der Tätigkeit durch den Untersuchungsausschuss hat der SRH auf einen
förmlichen Bericht über die Prüfung verzichtet. Doch sowohl der Vorstand als auch
die BV wurden im September und Dezember 2005 mündlich über die Prüfungsfest-
stellungen in Kenntnis gesetzt. Bei diesen Gesprächen hat der SRH auf ungewöhnliche
und so nicht tolerable Vertragsgestaltungen mit dem Führungspersonal der SLBE

70
(Komplex AC Capital Partners Ltd.) hingewiesen. Veränderungen wurden uns zuge-
sagt.
Der SRH kann auch bestätigen, dass er sich jährlich vom Vorstand hat über die Ge-
schäftsentwicklung in einem Jahresgespräch unterrichten lassen. Auf die dabei regel-
mäßig gestellte Frage nach Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit der Betäti-
gung in Irland, hat uns der Vorstand erklärt, dass man fremde Gelder verwalte und für
die Tätigkeit Provisionen erhalte. Hierbei bestünde kein Risiko für die Bank. Die glei-
che Auskunft erhielten wir in Gesprächen mit dem Abschlussprüfer. Im Gegensatz zu
den Mitgliedern des Freistaates in den Gremien war der SRH nicht auf die umfängli-
chen Garantien des Valuation Agreements hingewiesen worden.
Auf die Behauptung einer unzutreffenden Sachverhaltsdarstellung und falscher
Schlussfolgerungen kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden, da keine konkre-
ten Aussagen getroffen werden. Soweit unsere Sachverhaltsdarstellungen andere Aus-
sagen enthalten, haben wir im zweimaligen Abstimmungsverfahren unsere Feststel-
lungen angepasst. Es trifft zu, dass der SRH die Sachverhalte teilweise anders bewertet
als das SMF.
Zu 2
Prüfungsergebnisse
Zu 2.1
Eintritt der Krise und das schnelle Ende der Landesbank Sachsen Girozentrale
Zur Anfrage des SRH bezüglich Auswirkungen des Urteils des Landgerichts Stuttgart wird
wie folgt Stellung genommen (vgl. auch Pkt. 2.3 des Berichtsentwurfs):
Das Landgericht Stuttgart hat die Nichtigkeit der Jahresabschlüsse der Sachsen LB aus den
Jahren 2004 bis 2006 festgestellt. Wie dem SMF bisher bekannt ist, befasste die LBBW das
Landgericht mit der Thematik, vor dem Hintergrund der Rückforderung zuviel gezahlter Kör-
perschaftsteuer.
Die Frage der Steuerrückerstattung fällt in die Zuständigkeit des Betriebsstättenfinanzamts
der LBBW in Stuttgart. Eine Steuerrückerstattung kann den Freistaat finanziell allenfalls mit-
telbar, wie bei Steuerrückerstattung betreffend aller bundesdeutschen Unternehmen, durch
den Länderfinanzausgleich treffen.
Eine Rückforderung der Gewinnausschüttungen, die dem FS bzw. die Sachsen Finanzgruppe
zugeflossen sind, wurde durch die LBBW dem SMF gegenüber nicht thematisiert. Die Sachsen
LB wurde an die LBBW verkauft. Vertraglich wurde in dem Zusammenhang auch geregelt,

71
dass derartige Ansprüche nicht bestehen. Der entsprechende Vertrag liegt dem SRH im Übri-
gen vor. Er lässt hiesigen Erachtens keinen Raum für spekulative Äußerungen.
SRH: Das SMF setzt sich mit Fragen wie der Rückforderung der Gewinnausschüttung aus-
einander, die der SRH nicht angesprochen hat. Den Vorwurf der spekulativen Äuße-
rungen weist der SRH zurück. Der dem SRH vorliegende Vertragsinhalt war erst nach
Rückfrage beim SMF am 03.03.2009 über die Auswirkungen des technischen Ver-
rechnungskontos für den SRH geklärt. Die Berichtsfassung wurde entsprechend ange-
passt.
Im Übrigen:
-
Die Aussage, „… alleine der damit verbundene Verkauf eines Fonds führte zu einem Ver-
lust von annähernd 190 Mio. EUR …“, ist unrichtig. Es wurde nicht, wie vom SRH darge-
stellt ein Fonds verkauft.
SRH: Der SRH dankt für den Hinweis auf die sprachliche Ungenauigkeit, wir korrigierten:
„die Assets eines Fonds“ wurden verkauft.
-
Der Refinanzierungsbedarf für das sog. „Portfolio 1“ belief sich nicht, wie vom SRH ange-
geben, auf 12,9 Mrd. €, sondern lag um mehr als 1 Mrd. € niedriger.
SRH: Wir präzisierten, dass sich der Refinanzierungsbedarf von 12,9 Mrd. € nicht aus-
schließlich aus dem sog. Portfolio 1, sondern darüber hinaus i. H. v. rd. 1 Mrd. € aus
verschiedenen Strategic Investment Fonds ergab.
Zu 2.1.1
Verkauf der Landesbank Sachsen Girozentrale an die Landesbank Baden-Württem-
berg
Generell ist Folgendes anzumerken: In Anbetracht des damaligen erheblichen Zeitdrucks und
dem Ziel, Nachteile vom FS abzuwenden, wurden alle Kräfte auf die Verhandlungen gebün-
delt. Dass dies die richtige Entscheidung war, zeigt sich im Rahmen der gegenwärtigen Fi-
nanzkrise. Ein Verkauf wäre zu den im Jahr 2007 ausgehandelten Konditionen jetzt wahr-
scheinlich nicht mehr möglich. Diese Prioritätensetzung ging zu Lasten einer ausführlichen
Dokumentation, nicht aber zu Lasten der Transparenz. Es haben wiederholt Gespräche mit
dem SRH stattgefunden, um die Hintergründe zu erläutern und dem Informationsbedürfnis
des SRH nachzukommen. Sofern weiterer Gesprächsbedarf besteht, wird dem seitens des SMF
gerne nachgekommen.

72
Der im vorherigen Entwurf vom SRH geäußerten Meinung: „Den vorgelegten Unterlagen ist
letztlich zu entnehmen, dass für den Freistaat keine gangbare Alternative bestand. Die Über-
tragung der SLB auf die LBBW bedeutete eine Lösung des Problems. Die Vereinbarung ent-
sprach einer akzeptablen Interessenabwägung.“ ist nichts hinzuzufügen.
SRH: Der SRH sieht keine inhaltliche Veränderung seiner Aussage.
Zu 2.1.2
Höchstbetragsgarantie über 2,75 Mrd. €
Der SRH hat frühere Stellungnahmen des SMF hinsichtlich einer genaueren Sachverhaltsdar-
stellung des SRH zu den Höchstbetragsgarantien berücksichtigt.
Das Verfahren zur Erteilung der Höchstbetragsgarantien mittels einer aufschiebenden Be-
dingung (der Beschluss des HFA vom 19.12.2007 bezüglich des Hj. 2008 wurde mit Wirkung
zum 01.01.2008 wirksam) war zulässig. Seitens des SMF wurde dem HFA zur Herstellung
größtmöglicher Transparenz der Gesamtvorgang vorgelegt. Als Alternative wäre die Einbrin-
gung eines neuen Antrags im Folgejahr unzweifelhaft zulässig gewesen, was aus Transpa-
renzgründen jedoch nicht den Vorzug erhalten hat. Das Instrument der „aufschiebenden Be-
dingung“ ist ein übliches juristisches Vorgehen, das ein transparentes Verfahren vor dem
SLT gewährleistet hat.
Ein Nachtragshaushalt war keine Alternative zu dem, auch vom SRH als zulässig erachteten
Weg über § 12 Abs. 3 HG 2007/2008, weil die für einen Nachtragshaushalt notwendige be-
tragsmäßige Bezifferung künftiger Ausgaben auch in zeitlicher Hinsicht nicht möglich war.
SRH: Der vom SRH geforderte Nachtrag zum HG hätte vom SMF in Höhe der eingegange-
nen Garantien (insgesamt 2,75 Mrd. €) beziffert werden können. Eine Ergänzung des
HG (ohne Änderung der Einzelpläne) wäre ausreichend gewesen, insbesondere weil
§ 12 Abs. 3 HG 2007/2008 ausdrücklich nur Bürgschaften, Garantien und sonstige
Gewährleistungen zur Förderung des Wohnungsbaus, der Wirtschaft und des sozialen
Bereiches zulässt.
Zu 2.2
Gründung der neuen Zweckgesellschaft
Zu 2.2.1
Vermögensverwaltungsvertrag
Das SMF achtet auf eine sorgfältige Berichterstattung. Der SRH konnte im Vorfeld etwaige
Änderungswünsche in die Berichterstattung einbringen. Er hat zusätzliche Unterlagen und
Auskünfte erbeten und erhalten. Schließlich hat der SRH - wie in einer Vorversion des Be-
richtsentwurfes auch ausgeführt - bei der verwalteten Zweckgesellschaft ein Prüfungsrecht.

73
Zu 2.2.2
Beratervertrag
Die Aussage, „sie hatte noch am 07.05.2008 den Entwurf des Vermögensverwaltungsvertrags
mitgezeichnet“, ist falsch.
SRH: Die Aussage wurde präzisiert (Pkt. 2.2.2).
Die Auswahl der Vertrauensperson wurde dem SRH bereits mehrfach erläutert. Der SRH
moniert insofern einen Verstoß gegen den Grundsatz der Aktenmäßigkeit der Verwaltung.
Hierzu wird auf die Ausführungen zu Pkt. 2.1.1 hingewiesen.
Eine pauschalierte Vergütungsvereinbarung war sachgerecht. Gegenstand des Vertrages ist
vor allem das ständige Vorhalten von Fachwissen und die Bereitschaft, jederzeit für den FS
tätig zu sein. Dieses Ziel steht einer Einzelabrechnung entgegen. Die Aufgaben der Vertrau-
ensperson sind hinreichend konkret vertraglich geregelt.
Der Vertrag ist im Übrigen haushaltsrechtlich rechtmäßig.
SRH: Die Ausführungen des SMF sind nicht geeignet, zu einer Änderung der Feststellungen
und deren Bewertungen zu kommen.
Eine frühere Stellungnahme des SMF zur Einrichtung eines Überwachungssystems hat der
SRH missverstanden.
Die Folgerung des SRH, in der Bestellung einer Vertrauensperson sei schließlich die „späte
Erkenntnis des SMF, das es nicht in der Lage war und ist, diese Geschäfte ausreichend beur-
teilen zu können“ zu sehen, ist hiesigen Erachtens polemisch und falsch. In dem Berichtsent-
wurf wird nicht unterschieden zwischen der Verwaltung einer Beteiligung und den Tätigkeiten
im Zusammenhang mit den Höchstbetragsgarantien. Hier geht es um völlig neue und andere
Aufgaben. Anders als bisher geht es nun um die Beurteilung einzelner Assets. Dieses Wissen
kann die Verwaltung nicht dauerhaft vorhalten (und aktualisieren!). Eine neue Aufgabe er-
fordert andere organisatorische Maßnahmen.
SRH: Der SRH vermag nicht nachzuvollziehen, dass die Wahrung der Eigentümerinteressen
des Freistaates als Anteilseigner der SFG bzw. SLB mit einer Bilanzsumme der SLB
von rd. 62 Mrd. € und mehrerer Zweckgesellschaften für die Garantien in Milliarden-
höhe bestanden, weniger anspruchsvoll gewesen wäre.

74
Die Gründe für die Beurlaubung eines Mitarbeiters des SMF sind dem SRH mehrfach erläu-
tert worden.
SRH: Dem SRH wurde der Beratungsbedarf durch eine Vertrauensperson erläutert. Daraus
erschließt sich jedoch nicht, warum der Mitarbeiter nicht wie bisher die Aufgabe als
Mitarbeiter des SMF hätte wahrnehmen können.
Zu 2.3
Schaden
Es lag nicht in der Absicht des SMF, mit seiner Sachverhaltsdarstellung „Eindrücke zu erwe-
cken“. Vielmehr war Ziel, einer dem SRH übersandten gestuften Darstellungsweise, aufzuzei-
gen, dass über den begrenzten Betrachtungswinkel reiner Zahlungsströme hinaus weitere
Aspekte berücksichtigt werden können. Der SRH hat sich diese Betrachtung nicht zu eigen
gemacht. Auf der Basis des von ihm gewählten „Maßstabs“ behauptet der SRH, die Vertrags-
parteien hätten einen „Schaden mit 922 Mio. EUR beziffert“. Dies ist uns nicht bekannt.
SRH: Der SRH hat seine Ausführungen präzisiert und ergänzt, um einen Rückgriff auf
Pkt. 2.1 für das allgemeine Verständnis der Passage zu vermeiden.
Die Aussage, das SMF habe dem HFA eine „Schadensbilanz“ zugesagt, ist unzutreffend. Die-
sen Begriff und damit die einseitige Sicht auf einen „Schaden“ hat der SRH eingeführt.
SRH: Der SRH ist zwar nach wie vor der Auffassung, dass der Schaden ermittelt und darge-
legt werden sollte. Er sieht jedoch kein Problem darin, das Wort „Schadensbilanz“
durch das vom SMF bevorzugte Wort „Kosten-/Nutzenbilanz“ zu ersetzen. Allerdings
muss darauf hingewiesen werden, dass Kosten-/Nutzenbetrachtungen in der Betriebs-
wirtschaft regelmäßig für den Nachweis bzw. zur Steigerung von Überschüssen ver-
wendet werden.
Zudem greift der SRH auf § 249 BGB zurück - wendet diesen jedoch unrichtig an.
SRH: Das SMF unterlässt es, sein Verständnis des Schadensbegriffs darzulegen.
Die Arbeit der Sachsen LB hat seit ihrer Gründung 1992 wesentlich zur erfolgreichen Ent-
wicklung des FS beigetragen. Deshalb ist gegenüber dem HFA (und dem SRH) die neutrale
Formulierung „Kosten-/Nutzenbilanz“ verwandt worden. Insbesondere müssen auch die posi-
tiven Einflüsse auf die Volkswirtschaft des FS berücksichtigt werden. Denn Zweck der Sach-
sen LB war insbesondere die Stärkung der sächsischen Volkswirtschaft. Deshalb ist auch eine

75
auf Zahlungsströme Freistaat - Sachsen LB und Sachsen LB - Freistaat begrenzte Sicht unse-
res Erachtens im Ansatz verkehrt.
In eine engere Betrachtung müssen daher neben den Aufwendungen des FS für den Erwerb
der Anteile an der Sachsen LB, welche direkt oder über den SFV und später die SFG gehalten
wurden, auch die unmittelbaren und mittelbaren Beteiligungserträge sowie der Anteil des FS
an der SFG einbezogen werden. So ist der FS aufgrund seiner in den SFV/die SFG einge-
brachten Anteile an der Sachsen LB an dieser mit nunmehr 22,37 % beteiligt und damit auch
an deren Eigenkapital i. H. v. 261,4 Mio. €.
Auch die Zahlungsströme zugunsten Dritter dürfen nicht vernachlässigt werden: Die Sachsen
LB hat 1992 bis 2007 kumuliert 144,4 Mio. € Ertragsteuern gezahlt und in diesem Zeitraum
kumuliert 106,2 Mio. € Gewinne an ihre jeweiligen Anteilseigner ausgeschüttet.
Die Sachsen LB selbst war ein Arbeitgeber und ein Unternehmen mit Konsumausgaben und
Investitionen. Sie hat die Ansiedlung, Sicherung und Erweiterung anderer Arbeitgeber und
Investoren in Sachsen eng begleitet und z. T. auch erst ermöglicht. Dies hat entlastend für den
Arbeitsmarkt gewirkt und zur Erhöhung des Steueraufkommens beigetragen.
Abschließend ist zu berücksichtigen, dass die Sachsen LB zudem eine besondere Bedeutung
für die Erfüllung strukturpolitischer Aufträge im FS hatte. Beispiele für dieses Engagement
im Bereich der Infrastrukturinvestitionen sind die Begleitung und Finanzierung des Güterver-
kehrszentrums Leipzig und die Gestaltung von Betreibermodellen für Kläranlagen und Wind-
parks.
Als Staats- und Kommunalbank unterstützte die Sachsen LB insbesondere den FS und seine
kommunalen Körperschaften. Diese betreute sie in der Ausübung öffentlicher Aufgaben und
in der Durchführung ihrer Bankgeschäfte.
In ihrer Funktion als Sparkassenzentralbank verwaltete die Sachsen LB zum einen in erster
Linie Liquiditätsmittel der sächsischen Sparkassen durch eine geeignete Anlagenpolitik und
stellte ihnen angemessene Liquiditätskredite bereit. Zum anderen kamen ihr Aufgaben zu, zu
deren Erfüllung die Sparkassen aufgrund ihrer (fehlenden) Größe und des für sie geltenden
Regionalprinzips nicht in der Lage waren. Vor allem die fehlende Größe spielte in den ersten
Jahren nach der Wiedervereinigung eine besondere Rolle; mit dem Wachsen der Sparkassen
hat dieser Bereich an Bedeutung verloren.
Darüber hinaus war die Sachsen LB selbstverständlich von Anfang an - wie im Gesetz vorge-
sehen - auch als Geschäftsbank tätig. Zu ihren Kunden zählten vor allem Unternehmen und

76
große Institutionen, denen sie ihre Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen nationa-
les und internationales Kreditgeschäft, Eigenkapitalfinanzierung, Immobilien und Wertpa-
piergeschäft anbot.
Eine Ausarbeitung des SMF zur strukturpolitischen Rolle der Sachsen LB liegt dem SRH und
dem HFA vor. Soweit der SRH die bisherigen volkswirtschaftlichen Erfolge für die Zukunft
als entgangenen Gewinn werten möchte, übersieht er, dass eine erfolgreiche Industrieansied-
lung in der Vergangenheit nicht auf die Zukunft projiziert werden kann, so kann sich z. B.
Porsche nicht ein zweites Mal in Leipzig ansiedeln. Die Beurteilung des SRH geht insofern
fehl, da eine Bilanz jeweils stichtagsbezogen ist.
SRH: Der SRH bestreitet in keiner Weise positive Effekte der SLB. Er kann nur nicht erken-
nen, wie die bisherige Aufgabenerfüllung der SLB den Schaden, der durch den Verlust
der Bank entstanden ist, kompensieren soll.
Die Herleitung des „Schadens“ durch den SRH hat spekulativen Charakter.
SRH: Das SMF setzt das Wort Schaden in Anführungsstriche und vermeidet jegliche Aussa-
ge dazu, ob nach seiner Auffassung ein Schaden eingetreten ist und wenn ja, in wel-
cher Höhe.
Wegen der Befürchtung des SRH, auf den FS kämen weitere Belastungen zu, wird auf die
Stellungnahme zum Pkt. 2.1 verwiesen. Die Befürchtung ist unbegründet.
SRH: Der SRH teilt diese Auffassung nicht. Er verweist auf seine Ausführungen unter
Pkt. 2.1.
Zur aus Sicht des SRH drohenden Übernahme des der SFG „entstandenen Schadens“ durch
den Freistaat ist anzumerken, dass hierfür weder ein Schaden vorliegt noch eine Rechts-
grundlage besteht.
SRH: Vergleiche oben zum Schaden aus der Sicht des SRH.

77
Zu 2.4
Das Geschäftsmodell der Landesbank Sachsen Girozentrale
Zu 2.4.1
Rahmenbedingungen bei Gründung der Landesbank Sachsen Girozentrale
Zu 2.4.2
Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen
Der SRH geht fälschlicherweise davon aus, das Aufgabenspektrum der Sachsen LB sei erwei-
tert worden. Die Sachsen LB war seit je her befugt, Bankgeschäfte aller Art zu betreiben. Be-
reits im Errichtungsgesetz für die Landesbank Sachsen vom 19.12.1991 (vgl. dort § 2 Abs. 1
Satz 2) war explizit aufgenommen: „Sie ist Geschäftsbank und betreibt als öffentlich-recht-
liches Wettbewerbsunternehmen Bankgeschäfte aller Art.“
Durch Art. 3 des Gesetzes zur Neuordnung der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute im FS
einschließlich der Sächsischen Aufbaubank GmbH vom 3. Mai 1999 erfolgte eine Klarstel-
lung lediglich dahingehend, dass der Halbsatz „und sonstige Geschäfte, die ihren Zwecken
dienen“ angefügt wurde. In der Gesetzesbegründung wird hierzu klargestellt: „Dadurch wer-
den folglich Hilfsgeschäfte erfasst. Diese Regelung ist auch bei anderen Landesbanken üb-
lich.“ Die Aufnahme der Hilfsgeschäfte in den gesetzlichen Auftrag hat keinen Bezug zur
Gründung der Sachsen LB Europe plc. Die Gründung der Dubliner Tochtergesellschaft wäre
als Bankgeschäft bereits auf der Grundlage des Gesetzes von 1991 zulässig gewesen.
Der Eindruck des SRH, durch die Gesetzesänderung seien die rechtlichen Grundlagen für das
spätere Kapitalmarktgeschäft geschaffen worden, führt auch in seinen weiteren Ausführungen
zu falschen Schlussfolgerungen.
SRH: In Pkt. 2.4.2 berichtet der SRH, dass die bisherige besondere Ausrichtung für Bank-
leistungen für die Wirtschaft in Sachsen aufgegeben wurde. Die Ausführungen des
SMF gehen am Text und der Folgerung vorbei.
Zu 2.4.3
Der Entscheidungsprozess für das neue Geschäftsmodell
Die Geschäftspolitik der Sachsen LB war auf ihren gesetzlichen Auftrag ausgerichtet. Der
Sachsen LB oblagen Kraft Gesetzes die Aufgaben einer Staats-, Kommunal- sowie Zentral-
bank der sächsischen Sparkassen und sie war Geschäftsbank und betrieb als öffentlich-
rechtliches Wettbewerbsunternehmen Bankgeschäfte aller Art und sonstige Geschäfte, die
ihren Zwecken dienten. Die gesetzliche Klarstellung, dass Hilfsgeschäfte zugelassen sind,
diente nicht der Ermächtigung zu Kapitalmarktgeschäften.
SRH: Der SRH folgt dieser Auslegung der Gesetzestexte nicht.

78
Die erstmals im Jahr 2008 (nach dem Verkauf) erhobene Forderung des SRH zur Verkleine-
rung der Sachsen LB ist vor dem Hintergrund, dass dem SRH sowohl die Datenbasis als auch
die notwendigen Folgerungen bekannt sind (vgl. Vorversion des Berichtsentwurfs Pkt. 2.2.3:
„Der Anteil der o. g. Kapitalmarktaktivitäten am Betriebsergebnis nach Risikovorsorge der
operativen Geschäftsfelder betrug im Durchschnitt 82 %. Die genannten Kapitalmarktaktivi-
täten hatten somit einen maßgeblichen Einfluss auf die Ertragslage der SLB-Gruppe. Die
Segmentuntersuchung ergab, dass die SLB-Gruppe ohne diese Erträge in den Geschäftsjah-
ren 2002 und 2005 ein negatives Betriebsergebnis hätte ausweisen müssen. Dieses machte die
fehlende Ertragsbasis der SLB im Bankgeschäft mit Bezug zu ihrem Heimatmarkt Sachsen
deutlich.“), unverständlich.
SRH: Der SRH hat nicht die Forderung zur Verkleinerung der Bank erhoben. Er hat bemän-
gelt, dass im Hinblick auf den nach Darstellung des SMF nicht vorhandenen Heimat-
markt alternativ zum Umbau der Bank in eine Kapitalmarktbank nicht eine Verkleine-
rung der Bank geprüft wurde.
Die vom SMF angeführte Abhängigkeit von den Kapitalmarkterträgen i. H. v. 82 % ist
die Folge der geänderten Geschäftspolitik, die eine intensive Bearbeitung des Hei-
matmarktes nicht mehr vorsah. Dies kann dann nicht als Beleg dafür dienen, dass der
Heimatmarkt zu klein war.
Die Regelung der eigentümergeprägten Oberziele bezieht sich auf die SFG.
SRH: Nach § 56 Abs. 2 Nr. 1 GörK beschließt die Anteilseignerversammlung der SFG die
eigentümergeprägten Oberziele für die Verbundsparkassen und nach § 40 Abs. 2 Nr. 2
GörK werden diese für die SLB durch die Anteilseignerversammlung der SLB be-
schlossen.
Die Geschäftspolitik der Sachsen LB ergab sich aus ihren Aufgaben, die der Gesetzgeber in
§ 34 GörK festgelegt hatte, nämlich Staats-, Kommunal- sowie Zentralbank der sächsischen
Sparkassen und Geschäftsbank. Daraus folgte, dass der Vorstand alles ihm Mögliche tun
musste, um diesen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen.
Dementsprechend hatte die Geschäftsleitung nach den auf Basis von § 25a KWG erlassenen
Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) eine Geschäftsstrategie festzule-
gen, mindestens jährlich zu überprüfen und ggf. anzupassen. Die Geschäftsstrategie war dem
Aufsichtsorgan des Instituts zur Kenntnis zu geben und mit diesem zu erörtern. Diese Vorga-
ben sind bei der Sachsen LB erfüllt worden.

79
Der VR begleitete die Geschäftstrategie der Sachsen LB als Gremium eng.
Ziel der strategischen Entscheidungen war im Jahr 2000/2001 die Anpassung der Bank an
eine neue Wettbewerbssituation. Die Sachsen LB war eben auch eine Geschäftsbank und
hieraus generierte sie die Mittel, die sie zur Erfüllung des öffentlichen Auftrags benötigte.
Dem VR wurden zahlreiche Unterlagen zur Beurteilung der strategischen Entscheidungen
vorgelegt. Am 08.12.2000 wurde dem VR ein Gutachten einer Beratungsgesellschaft zur
Kenntnisnahme vorgelegt. Dieses Gutachten war Grundlage der weiteren strategischen Über-
legungen des Vorstands und des VR der Sachsen LB. Der VR hat als Kollegialorgan die zu-
künftige Rolle der Sachsen LB ausführlich diskutiert. In den VR-Sitzungen am 07.09., 30.10.
und 07.12.2001 erfolgte jeweils eine intensive Befassung mit der zukünftigen Strategie der
Sachsen LB.
Unter Berücksichtigung der zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgten Erörterungen, Anmer-
kungen und Auflagen des VR wurde ein abschließender Vorschlag auf Basis umfangreicher
vorliegender Daten erarbeitet, den der VR schließlich zustimmend zur Kenntnis genommen
hat. Berechtigte Einwendungen gab es, diese wurden aber z. T. ausgeräumt bzw. waren für
die einwendenden Personen nicht so wesentlich, sodass mit Mehrheit die neue Strategie zu-
stimmend zur Kenntnis genommen wurde.
Auch darüber hinaus begleitete der VR die strategische Ausrichtung der Sachsen LB eng. Die
Planungen des Vorstandes waren jeweils Gegenstand von VR-Sitzungen (vgl. VR-Sitzungen
am 06.12.2002; 12.12.2003; 15.12.2004; 12.12.2005). Darüber hinaus erfolgte etwa in der
VR-Sitzung am 15.12.2004 eine erneute intensive Befassung mit der strategischen Weiter-
entwicklung der Sachsen LB. Im Rahmen der Sitzung am 29.09.2005 erfolgte erstmals die Be-
fassung des VR mit dem Projekt „A“, das Maßnahmen zur Eigenoptimierung und Ausrichtung
des Geschäftsmodells der Sachsen LB beinhaltete, mit dem Ziel der Erreichung eines
A-Ratings.
Sowohl die strategischen Entscheidungen 2000/2001 als auch 2005 sind auf der Basis von
Gutachten von Beratungsunternehmen erstellt worden. Die entsprechenden Dokumente und
Aussagen sind dem SRH aus seiner Prüfungstätigkeit und Teilnahme im HFA bekannt.
SRH: Das SMF stellt den Entscheidungsprozess 2001 teilweise abweichend von dem durch
den SRH anhand der geprüften Unterlagen Festgestellten dar. Eine Festlegung der ei-
gentümergeprägten Oberziele ist nicht erfolgt. Den Vorschlägen der Vorstände folgten
die Organe der Bank vorbehaltlos, obwohl eine zahlenmäßige Unterlegung der Ent-
scheidungsvorgaben nicht vorlag.

80
Zu 2.4.4
Vereinbarkeit des neuen Geschäftsmodells mit den Landesinteressen
In dem Berichtsentwurf wird eine Stellungnahme des SMF aus dem Jahr 2004 mit 1 ½-seiti-
gen Ausführungen zum „Öffentlichen Auftrag und [zur] Staatsbankfunktion der Sachsen LB“
auf einen Absatz verkürzt. Die mangelnde Aussagekraft dieses Absatzes ist der verkürzten
Darstellung geschuldet.
Die Behauptung, das SMF habe bei den strategischen Entscheidungen zur Sachsen LB die
Landesinteressen nicht gewahrt oder deren Wahrung nicht eingefordert, ist zurückzuweisen.
Das SMF hat bei den strategischen Entscheidungen immer die Landesinteressen im Blick ge-
habt und hat sich intensiv mit der weiteren Entwicklung beschäftigt.
Auch der HFA des SLT hat sich wiederholt mit der Geschäftsstrategie der Sachsen LB be-
schäftigt. 2005 wurde ein „Unterausschuss des Haushalts- und Finanzausschusses des Säch-
sischen Landtages zur Überprüfung und Bewertung der Sachsen LB“ eingerichtet. Der Aus-
schuss hat die Themenbereiche 1. künftige sektorale schwerpunktmäßige Ausrichtung der
Sachsen LB, 2. Prüfung und Bewertung bezüglich der Tochtergesellschaften der Sachsen LB
und 3. Reform der internen Kontroll- und Steuerungsmechanismen der Sachsen LB bearbei-
tet. Die Mehrheit der Mitglieder des Unterausschusses des HFA hat dabei zur Kenntnis ge-
nommen, dass die Sachsen LB angesichts der beschränkten Expansionsmöglichkeiten in ih-
rem Heimatmarkt im Jahr 2005 zwingend auf eine Geschäftstätigkeit außerhalb Sachsens und
auch außerhalb Deutschlands angewiesen war.
SRH: Der SRH hat an der Sitzung des HFA am 06.07.2005 teilgenommen. Es wurden das
neue Geschäftsmodell und die verstärkte Nutzung des Heimatmarktes durch den engen
Verbund mit den Sparkassen dargestellt. Dabei wurden in der Tat auch als eine Kom-
ponente die Kapitalmarktaktivitäten angesprochen. Eine Risikobeurteilung war für die
Teilnehmer der Sitzung aufgrund dieser Ausführungen nicht möglich.
Zu 2.5
Die Umsetzung des neuen Geschäftsmodells
Zu 2.5.1
Gründung der Sachsen LB Europe plc
Die haushaltsrechtlichen Vorschriften wurden bei der Gründung der SLBE beachtet.
Auch die Gründung der SLBE vor der Erteilung der Zustimmung der Rechtsaufsichtsbehörde
war rechtmäßig.
Nach § 2 Abs. 5 d) der Satzung der Sachsen LB bedurfte das Eingehen von Beteiligungen der
Zustimmung der Rechtsaufsichtsbehörde. Der Oberbegriff Zustimmung erfasst sowohl die

81
vorherige Einwilligung als auch die nachträgliche Genehmigung. Bei einem Zustimmungs-
vorbehalt ist irrelevant, ob die Zustimmung vorher oder nachher erteilt wird. Das zustim-
mungspflichtige Rechtsgeschäft wird erst wirksam, wenn die Zustimmung vorliegt. Bei einer
nachträglichen Zustimmung (Genehmigung) ist das Rechtsgeschäft bis zu dessen Vorliegen
schwebend unwirksam. Demgemäß hat die Sachsen LB Europe plc ihre Geschäftstätigkeit
auch erst nach der Genehmigung aufgenommen.
SRH: Der SRH weist darauf hin, dass er den Verstoß bei der Satzungsregelung der SLB
sieht, da nicht auf eine gem. § 112 Abs. 2 i. V. m. § 65 Abs. 2 SäHO entsprechende
Einwilligung hingewirkt worden war.
Zu 2.5.2
Patronatserklärung der Landesbank Sachsen Girozentrale für die Sachsen LB Euro-
pe plc
Entgegen der Auffassung des SRH ergibt sich weder aus der sächsischen Verfassung noch aus
dem einfachgesetzlichen Haushaltsrecht (vgl. unten, Ausführungen zu Pkt. 2.5.3) eine Er-
mächtigungsbedürftigkeit von Gewährleistungsübernahmen durch Unternehmen in der
Rechtsform einer landesunmittelbaren juristischen Person des öffentlichen Rechts. Gemäß
Art. 95 Satz 1 Verfassung des FS (und der gleichlautenden Regelung in § 39 Abs. 1 SäHO)
bedarf die Übernahme von Gewährleistungszusagen der Ermächtigung durch Gesetz. Nach
dem Wortlaut umfasst die Regelung nur die juristische Person FS, nicht aber selbstständige
juristische Personen des öffentlichen Rechts. Die Sachsen LB war bis zu ihrer Umwandlung
in eine AG eine rechtsfähige Anstalt öffentlichen Rechts. Die Kette Art. 95 Satz 1 i. V. m.
Art. 82 Abs. 3 Verfassung des FS ist demzufolge nicht zutreffend.
SRH: Bei diesem Rechtsstandpunkt des SMF erscheint das Budgetrecht des SLT gefährdet.
Es muss für die Zukunft verhindert werden, dass der FS durch nicht demokratisch legi-
timierte Gremien - wie geschehen - zur Zahlung eines Vielfachen des sächsischen
Staatshaushalts verpflichtet werden kann. Um das Budgetrecht des Parlaments zu wah-
ren, sollte eine gesetzliche Beschränkung der außerparlamentarischen Verpflichtungs-
möglichkeiten durch Anstalten des öffentlichen Rechts geschaffen werden.
Eine vom SRH hier angeführte Kommentarstelle bezieht sich auf die Abgrenzung, welche Ge-
schäfte einer Bankerlaubnis der BaFin bedürfen. Hierzu gehört die Patronatserklärung tat-
sächlich nicht, ebenso wenig wie der Abschluss von Arbeitsverträgen und der Kauf von Pa-
pier. Dies obliegt der Organisationshoheit der Bank, wie jedem anderen Beteiligungsunter-
nehmen.

82
SRH: Die Möglichkeit der Ausweitung der Gewährträgerhaftung auf Dritte (FS), die nicht
parlamentarisch kontrolliert werden können, ist kein Hilfsgeschäft, wie der Kauf von
Papier. Es ist daher unverständlich, wenn angesichts des Schadens in Millionenhöhe
die Abgabe einer Patronatserklärung mit dem Kauf von Papier verglichen wird.
Eine Patronatserklärung ist hinsichtlich der Risiken als neutral einzuschätzen. Die Frage, wie
viele Risiken in einer Bank entstehen und ob diese Risiken von der Bank getragen werden
können, ist eine Frage der operativen Steuerung insbesondere des Risikomanagements, aber
keine Besonderheit einer Patronatserklärung. Die Risiken werden durch konkrete Geschäfte
eingegangen, die der operativen Steuerung unterliegen. Vor diesem Hintergrund ist auch die
Forderung der BaFin zu sehen, dass die Großkreditsteuerung für die Sachsen LB Europe plc
vom Mutterunternehmen zu erfolgen hatte. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass die Risiken
der SLBE in die Risikobetrachtung der Sachsen LB grundsätzlich einbezogen waren.
SRH: Die Aussage zur Risikoneutralität einer Patronatserklärung kann angesichts der einge-
tretenen Folgen nach wie vor nicht nachvollzogen werden.
In der Tat macht es keinen Unterschied, ob transparente Geschäfte bei der Tochter-
oder der Muttergesellschaft abgebildet oder bilanziert werden, wohl aber, wenn
intransparente Geschäfte außerhalb der Bilanz der Tochtergesellschaft abgewickelt
werden.
Zu 2.5.3
Exkurs zur Patronatserklärung
Das SMF nimmt zur Kenntnis, dass der SRH sich der Auffassung des SMF angeschlossen hat,
dass § 39 SäHO gem. § 112 Abs. 2 SäHO auf Unternehmen in der Rechtsform einer juristi-
schen Person des öffentlichen Rechts nicht anwendbar ist.
Im Februar 2008 im Sächsischen Amtsblatt veröffentlichte „Anwendungshinweise Kommuna-
le Haushaltswirtschaft“ des SMI werden vom SRH fehlinterpretiert. Sie dienten einem Zweck,
der für den Freistaat durch Art. 95 Verfassung des FS und § 39 SäHO umgesetzt ist.
Die Empfehlung, den Haftungsumfang für landesunmittelbare Anstalten grundsätzlich mit
dem jeweiligen Errichtungsgesetz der Höhe nach zu begrenzen, wird intensiv auf seine Kon-
sequenzen und Realisierbarkeit geprüft werden.
SRH: Der SRH bittet zu gegebener Zeit über das Veranlasste zu informieren.

83
Zu 2.5.4
Umfang der Kapitalmarktaktivitäten
Zu 2.5.5
Kreditersatzgeschäft
Die SLB hat Sachsen Funding keine Liquiditätsfazilitäten zur Verfügung gestellt. Die dem
SRH vorliegenden Unterlagen geben eine solche Interpretation auch nicht her.
SRH: Der Text wurde präzisiert. Nach den Verträgen für Sachsen Funding hatten sechs
sächsische Sparkassen und eine Versicherung das Erstverlustrisiko gemeinsam mit der
SLBE zu tragen.
Die Aussage, die Übernahme der von der Sachsen LB bereitgestellten Liquiditätsfazilitäten
bedeutete im Krisenfall die Übernahme von Verlusten in Milliardenhöhe, ist undifferenziert.
SRH: Unter der Liquiditätsfazilität, auch Liquiditätslinie genannt, wird die vertragliche
Verpflichtung verstanden, der Vertragsgegenseite kurzfristig zu Liquidität zu verhel-
fen, d. h. diese kurzfristig bereitzustellen. Nach Pkt. 386 des Teilprüfungsberichts I
des Jahresabschlusses 2006 belief sich das Volumen dieser Liquiditätslinien zum
31.12.2006 auf 2.003,3 Mio. €.
Zu 2.5.6
Conduit Ormond Quay Funding plc (OQ)
Die Darstellung des SRH zur Haftung aus dem Valuation Agreement, das dem SRH vorliegt,
ist insofern missverständlich, als sich die Höhe der möglichen Zahlungsverpflichtung der
SLBE auf die Differenz zwischen 96 % des Ankaufswertes und dem tatsächlichen Verkaufs-
wert beschränkte.
Die Behauptung des SRH, es habe ein Gefährdungspotenzial von 43 Mrd. € gegeben, ist zu
irreführend: Das beantragte Volumen der Liquiditätsfazilität war eine sog. „Vorratslinie“.
Ihr Aufbau konnte ebenso wie das Assetvolumen täglich gestoppt (eingefroren) werden. Letz-
teres hat den Wert von 43 Mrd. € nie erreicht, sondern ca. 17 Mrd. €.
SRH: Dem SRH erschließt sich nicht, welches Verständnis das SMF dem Begriff Gefähr-
dungspotenzial beilegt.
Zu 2.6
Bewertung des neuen Geschäftsmodells durch die Ratingagenturen
Die Ausführungen zur Bewertung des neuen Geschäftsmodells durch die Ratingagenturen ist
unvollständig. Standard & Poors hat im Mai 2007 das Rating der Sachsen LB von BBB+ auf
A- heraufgestuft. Damit wurden die strategischen Arbeiten der Beteiligten positiv gewürdigt.

84
Dieser letzte Ratingbericht zur Sachsen LB vor dem Ausbruch der Krise wird im Berichtsent-
wurf nicht erwähnt. Er zeigt jedoch, dass die eingeleiteten Maßnahmen durch die Rating-
agentur anerkannt wurden und die Sachsen LB dabei war, die wegen des Wegfalls der Ge-
währträgerhaftung verschlechterte Ratingeinstufung aus eigener Kraft zu verbessern. Dem
vom SRH angenommenen Zusammenhang zwischen der Geschäftsstrategie und der anfängli-
chen Ratingverschlechterung wird nicht zugestimmt; die Hauptursache liegt im Wegfall der
Gewährträgerhaftung.
SRH: Die Ratingagenturen haben eine verstärkte Zusammenarbeit zur Bedingung eines bes-
seren Ratings gemacht. Der SRH bleibt dabei, dass die zunächst schlechtere Ratin-
geinstufung durch die Agenturen auch auf der zu einseitigen Ausrichtung als Kapital-
marktbank beruhten. Deshalb wurde das neue Geschäftsmodell stärker auf den Ver-
bund mit den Sparkassen ausgerichtet.
Im Übrigen wird darauf verwiesen, dass die Gewährträgerhaftung für alle Landesban-
ken weggefallen ist. Trotzdem erhielten andere Landesbanken zuvor ein A-Rating.
Zu 2.7
Risikobetrachtung
Entgegen der Darstellung des SRH bestanden grundsätzlich in den bilanziellen und außerbi-
lanziellen Portfolien der Sachsen LB/SLBE keine oder nur minimale Währungs- und Zinsän-
derungsrisiken, weil diese durch entsprechend gleichartige Refinanzierungskonstrukte abge-
sichert wurden (z. B. US-Dollar-Aktiva wurden in US-Dollar refinanziert, variable verzinsli-
che Aktiva wurden variabel verzinslich refinanziert).
SRH: In der Textziffer Risikobetrachtung wurden die Risiken wie das Währungsrisiko nur
beispielhaft erwähnt.
Während der SRH eine Schwankung der Zinsen um 50 Basispunkte (0,5 %) mit der Beurtei-
lung „lediglich“ versieht, hat bis zum Ausbruch der Finanzmarktkrise die maximale Schwan-
kungsbreite bei der Zinsmarge bei fünf Basispunkten gelegen und im Durchschnitt bei
zwei Basispunkten, zumindest für die außerbilanziellen Produkte (bei Georges Quay war die
Marge sogar festgeschrieben, weshalb es dort gar keine Schwankung gab).
SRH: Die Antwort setzt sich nicht mit dem Text des SRH auseinander. Der SRH hat von
Mehraufwendungen für die Refinanzierung gesprochen, nicht von Margen. Das SMF
verweigert sich der Vorstellung, dass schon Marktstörungen die Erträge und Aufwen-
dungen drastisch ändern können.

85
Im Verlauf der Kapitalmarktaktivitäten aufgetretene Marktstörungen, so auch die später zi-
tierte Krise der Autobauer in den USA im Mai 2005 oder die New-Century-Auswirkungen im
Februar/März 2007 hatte nahezu keine Marktpreisauswirkungen auf die infrage stehenden
Portfolien und keinerlei Auswirkungen auf die Refinanzierungsfähigkeit. Während dieser
Phasen haben die Repo Partner keinerlei Sicherheitennachschüsse verlangt. Damit ist die
Aussage des SRH, „erste Störungen des Finanzmarktes [führten] zum Notverkauf“ irrefüh-
rend. Die Aussagen treffen auf den Zusammenbruch des Marktes zu. Bis dahin bekannte
Marktstörungen wurden zudem in den Risikosystemen der SLB/SLBE abgebildet.
SRH: Die IKB AG und die SLB waren ein Jahr vor den anderen Banken in Deutschland na-
he der Insolvenz. Zu dieser Zeit waren die anderen Landesbanken von den Marktstö-
rungen noch nicht so betroffen. Im Gegenteil, die LBBW hat die SLB damals noch
übernommen. Dies zeigt doch deutlich, wie schwach die Position der SLB gewesen
war. Nach der Argumentation des SMF setzte die Krise frühestens im März 2007 ein.
Im August 2007 war die SLB schon am Ende. Insoweit ist belegt, dass schon erste
Marktstörungen zum Notverkauf führten.
Zu 2.8
Überwachung der Kapitalmarktgeschäfte
Unter Bezugnahme auf einen Sonderprüfungsbericht aus dem Jahr 2005 - erstellt im Auftrag
der BaFin - stellt der SRH unzutreffend dar, die BaFin habe auf die Möglichkeit von Liquidi-
tätsproblemen hingewiesen. Tatsächlich ist dem Bericht vielmehr zu entnehmen, dass die Prü-
fer die Beschaffbarkeit von Liquidität zu günstigen Konditionen vorausgesetzt haben. Im Fo-
kus der diesbezüglichen Bemerkung stand damit der Hinweis, dass Marktstörungen zur Ver-
teuerung von Liquidität führen können und damit ein Ertragsrisiko bestand. Ein Hinweis auf
einen Liquiditätsabriss und in der Folge eine Gefahr für den Bestand der Bank, ist dem Be-
richt nicht zu entnehmen.
SRH: Die Argumentation über die Abstufungen der Liquiditätsproblematik können wir nicht
nachvollziehen. Wir betrachten den Hinweis der BaFin als ausreichend.
Ein Liquiditätsabriss in diesem Zeitraum ist dem SRH nicht bekannt. So haben viele
Banken, die diese Strategie verfolgten, ihre Portfolien weiterhin refinanzieren können.
Die Marktstörungen haben in erster Folge zu einem drastischen Anstieg der Refinan-
zierungskosten geführt, was bei dem gehaltenen Volumen und der begrenzten Vermö-
gensstruktur der Bank eine untragbare Belastung bedeutete.

86
Die bisherige Sachverhaltsdarstellung durch das SMF erfolgte nicht in der Absicht, zu „ent-
kräften, dass es bei der Sachsen LB keine den Geschäften der Bank entsprechende und voll-
ständige Risikoberichterstattung gab“.
Entgegen der Ansicht des SRH war das Platzen der Japanblase kein für die Kapitalmarktakti-
vitäten der SLB relevantes Szenario, da die dortigen Kredite nicht verbrieft am Kapitalmarkt
gehandelt wurden. Zudem waren auch die Ursachen der Krise in Japan anders gelagert, als
die aktuellen des Hypothekenmarktes in den USA. Vertrauenskrisen am Kapitalmarkt, die zu
einer Ausweitung der Risikoaufschläge sowie eines Rückzugs der Liquidität führten, waren
die betrachteten Krisen. Diese wurden u. a. auch durch die vorgenannte externe Beratungs-
gesellschaft als Relevanzszenarien herangezogen. Eine Rückschau über zehn Jahre vorzu-
nehmen, war bei damaliger Betrachtung und externer Bestätigung mehr als marktübliche
Praxis.
In den Risikomanagementsystemen waren die Liquiditätslinien von Ormond Quay abgebildet
und wurden Stressszenarien unterworfen und hielten diesen stand. Was nicht in den Systemen
dargestellt bzw. abgebildet wurde, war ein totales Marktversagen und die damit auftretenden
Liquiditätsbedarfe. Neben den Wirtschaftsprüfern hat im Jahr 2006 ein explizit hierfür beauf-
tragtes externes Beratungsunternehmen festgestellt, dass der Fall die Aufzehrung der Liquidi-
tätslinien extrem unwahrscheinlich ist und keinem bis dato eingetretenem Extremszenario
(Marktstörung) entspricht.
SRH: Die Ausführungen des SMF überzeugen den SRH nicht.
Selbst ein extrem unwahrscheinliches aber nicht völlig ausschließbares Risiko hätte
zum Verzicht auf diese Geschäfte bzw. der Begrenzung der Volumenausweitung für
ein öffentlich-rechtliches Institut führen müssen. Ein ehemaliger Vorstand der SLBE
sagte in öffentlicher Sitzung aus: „Also, die extreme Entwicklung in einem relativ kur-
zen Zeitfenster ist mir vollkommen schleierhaft, auch wie das von der Genehmigungs-
lage überhaupt möglich war, weil wir eigentlich schon der Ansicht waren bei meinem
Weggehen
29
, dass wir die absolute Kapazitätsgrenze erreicht haben.“
Die Behauptung des SRH, das Mitarbeiter des SMF im Zusammenhang mit der Sachsen LB
nicht die Interessen der Bürger des FS vertreten hätten, wird zurückgewiesen.
SRH: Diese Aussage hat der SRH nicht getroffen. Der SRH hat ausgeführt, dass es nicht
Aufgabe der BaFin war, die SLB zu führen.
29
Im Jahre 2005 (Ergänzung durch den SRH).

87
Von der Sachsen LB hat der SRH im Mai 2007 u. a. folgendes vom Abschlussprüfer der Sach-
sen LB erstellte Dokument zum Jahresabschluss 2006 erhalten:
Anlagenband Teilprüfungsbericht I
Landesbank Sachsen Girozentrale Leipzig
Prüfung des Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2006 und des Lageberichtes
für das Geschäftsjahr 2006
Unter Anlage IX, S. 4 bis 6, hat sich der Abschlussprüfer zu den Kreditengagements der Or-
mond-Quay-Struktur geäußert. Hierin wird das Volumen i. H. v. 12.458,1 Mio. € angegeben.
Schließlich wird wie folgt geurteilt: „Im Hinblick auf die breite Streuung, die gute Strukturie-
rung und Besicherung durch Grundpfandrechte (RMBS und CMBS), die stabilen Werte und
die tägliche Überwachung der Wertentwicklung der Assetportfolios aller einzelnen Kredit-
nehmerinnen sehen wir trotz der Engagementhöhe in allen vier Kreditengagements keine be-
sonderen Risiken.“
SRH: Dies ist nur eine Aussage zum Bilanzstichtag, nicht aber eine Bewertung der Tragfä-
higkeit des Geschäftsmodells und der damit verbundenen Zukunftsrisiken.
Die Aufsichtsgremien der Bank haben sich ausführlich mit der Risikolage beschäftigt. Dabei
sind in den Jahren 2004 und 2005 Pressemeldungen über mögliche Risiken zum Anlass ge-
nommen worden, den Abschlussprüfer im Rahmen der Bilanz- und Prüfungsausschusssitzun-
gen hierzu berichten zu lassen. Geopolitische Stressszenarien sind ebenfalls berücksichtigt
worden. Zusätzlich sind für die Sachsen LB Europe plc vom Abschlussprüfer der Sachsen LB
Prüfungsberichte erstellt worden, die in der Darstellungsform an die Grundsätze deutscher
Prüfungsberichte angelehnt waren, über die Geschäftsstruktur und die Darstellung der we-
sentlichen Punkte der Bilanz und der GuV einschließlich einer Darstellung des Risikomana-
gements der SLBE. Diese Berichte wurden für die Jahre 2005 und 2006 erstellt.
SRH: Die Risikoeinschätzung war nicht ausreichend. Selbst der Vorstoß eines Mitglieds im
KA wurde nicht genügend vertieft, obwohl er die Grundproblematik des Engagements
ansprach.
Des Weiteren äußerte ein Vorstandsmitglied der SFG in einem Interview
30
, dass „auch
wenn die Verantwortung für die Geschäfte beim Vorstand liege, habe die Mehrheit im
VR sie mitgetragen. Man hat auf die hohen Erträge geguckt und den Vorstand an den
Engagements nicht gehindert. Niemand kann sich aus dieser Verantwortung heraus
stehlen.“
30
FAZ vom 28.08.2007.

88
Zu 2.9
Personelle Besetzung der Organe der Landesbank Sachsen Girozentrale und
Pflichterfüllung der Organe
Zu 2.9.1
Verwaltungsrat
Zu 2.9.2
Kreditausschuss
Zu 2.9.3
Vorstand der Landesbank Sachsen Girozentrale
Zu 2.9.4
Directors- and Officers-Versicherung
Zu 2.10
Haftung des Abschlussprüfers
Zu 2.11
Durchsetzung der Haftung
Die Prüfung der Haftung ehemaliger VR- bzw. Kreditausschussmitglieder und Vorstände der
SLB erfolgt entsprechend dem Kabinettsbeschluss vom 11.03.2008, mit dem das SMF beauf-
tragt wurde, zivilrechtliche Klagen der Anteilseigner der Sachsen LB gegenüber möglichen
Anspruchsgegnern zu prüfen.
Zur Prüfung zivilrechtlicher Ansprüche aus einer möglichen Haftung ehemaliger VR- bzw.
Kreditausschussmitglieder gem. §§ 41 Abs. 5, 43 GörK i. V. m. §§ 111 Abs. 1, 116, 93 AktG
wurde eine Rechtsanwaltskanzlei mandatiert.
Zur Prüfung zivilrechtlicher Ansprüche aus einer möglichen Haftung ehemaliger Vorstände
wurde ebenfalls eine Rechtsanwaltskanzlei mandatiert. Der Prüfungsauftrag ist umfassend
und schließt daher sowohl die Prüfung einer möglichen Haftung von Vorstandsmitgliedern
gem. § 93 Abs. 2 AktG als auch gem. § 823 Abs. 2 ein.
Schließlich wurde auch zur Prüfung zivilrechtlicher Ansprüche gegenüber dem ehemaligen
Abschlussprüfer der Sachsen LB eine Rechtsanwaltskanzlei mandatiert.
Der SRH wird laufend informiert.
Das vom SRH unter Pkt. 2.9.2 zitierte Gutachten ist nicht vom SMF in Auftrag gegeben wor-
den.
SRH: Der SRH bezieht sich auf zwei Gutachten, eines davon wurde vom SMF mit Schreiben
vom 19.09.2007 beauftragt.

89
Zu 2.12
Rechtsaufsicht
Der SRH behauptetet Rechtsverstöße im Zusammenhang mit der Patronatserklärung und der
Gründung der Sachsen LB Europe plc, die die Rechtsaufsicht - nach Ansicht des SRH - hätte
beanstanden müssen. Die Auffassung des SRH wird nicht geteilt. Insofern gab es auch durch
die Rechtsaufsicht nichts zu beanstanden.
SRH: Zu der in Pkt. 2.12 angesprochenen Problematik der fehlenden Fortschreibung der
Risikoabschirmung nimmt das SMF nicht Stellung. Im Übrigen bleibt der SRH bei
seiner Bewertung.
Zu 2.13
Beteiligungsverwaltung
Der SRH vertritt zu den Aufgaben der Beteiligungsverwaltung eines Kreditinstituts eine An-
sicht, die sich aus den rechtlichen Grundlagen nicht ergibt und dementsprechend vom SMF
auch nicht geteilt werden kann.
Die Sachsen LB war als Anstalt des öffentlichen Rechts gem. Art. 82 Abs. 3 der Verfassung
des FS Trägerin der Selbstverwaltung. Ihr oblagen Kraft Gesetzes die Aufgaben einer Staats-,
Kommunal- sowie Zentralbank der sächsischen Sparkassen und sie war Geschäftsbank und
betrieb als öffentlich-rechtliches Wettbewerbsunternehmen Bankgeschäfte aller Art und sons-
tige Geschäfte, die ihren Zwecken dienten. Als Trägerin der Selbstverwaltung hatte sie das
Recht, im Rahmen der Gesetze ihre Angelegenheiten in eigener Verantwortung selbst zu re-
geln. Einwirkungsrechte Dritter einschließlich staatlicher Eingriffsrechte bestanden folglich
nur da, wo eine gesetzliche Ermächtigung vorlag.
Die Rechte und Pflichten der Anteilseignerversammlung ergaben sich aus § 40 GörK. Daraus
leitet sich der Umfang der Aufgaben der Beteiligungsverwaltung ab. In diesem Rahmen be-
wegt sich die Beteiligungsverwaltung. Davon zu unterscheiden sind die Rechte und Pflichten
des VR. Dabei handelt es sich rein rechtlich gesehen um persönliche Mandate der jeweiligen
Mitglieder. Für einzelne Mitglieder des VR, insbesondere für den VR-Vorsitzenden, hat die
Beteiligungsverwaltung eine Unterstützungsfunktion/Serviceleistung wahrgenommen.
Nach § 42 Abs. 2 GörK leitete der Vorstand die Bank in eigener Verantwortung, vertrat die
Bank und führte ihre Geschäfte. Auch nach § 1 Abs. 2 KWG, d. h. nach Bundesrecht, trug der
Vorstand der Sachsen LB als Geschäftsleiter eines Kreditinstituts die Verantwortung. Als sol-
cher musste er über eine besondere fachliche Eignung verfügen.
SRH: Das SMF geht damit nicht auf die Ausführungen in Pkt. 2.13 ein.

90
Die zwischenzeitlich erhobene Forderung des SRH, dass die fachlich-operativen Kenntnisse
der BV die des Geschäftsleiters sowie der Wirtschaftsprüfer und der BaFin (Fachaufsicht)
mindestens entsprechen oder sogar übersteigen sollen, geht fehl.
SRH: Der SRH hat die genannten Forderungen nicht erhoben.
Auch die Behauptung, die BV habe in das operative Geschäft der Sachsen LB eingewirkt, hat
ihre Ursache in einem Missverständnis des SRH.
SRH: Die vorgenommene Bewertung des SRH beruht nicht auf einem Missverständnis. Die
Ausarbeitung eines Tantiemenmodells durch einen Beamten der BV ist Einwirkung
auf das operative Geschäft.
Die Geschäftstätigkeit der Sachsen LB und Sachsen LB Europe plc wurden vom SMF im
Rahmen seiner Kompetenzen ständig überwacht.
Die maßgeblichen Wirtschaftsprüfungsberichte und die Sonderberichte der BaFin nach § 44
KWG wurden ausgewertet und soweit es zu Feststellungen kam, wurde darauf gedrungen,
dass diese abgearbeitet wurden. Die Risikoberichte der Sachsen LB wurden durchgesehen
und die Behandlung der Sachsen LB Europe plc in den verschiedenen Gremien etwa zur Ein-
bindung des Sachsen LB Europe plc in das Risikosystem der Sachsen LB verfolgt. Die inso-
fern erfolgten Feststellungen und Aussagen zeichneten ein Bild, wonach keine besonderen
Risiken bestanden. Aus den dem SRH bereits vorliegenden Unterlagen ist dies auch erkenn-
bar:
So wurde der Sachsen LB von der sie prüfenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft jeweils ein
uneingeschränktes Testat erteilt.
In der Sitzung des Bilanz- und Prüfungsausschusses der Sachsen LB am 25.04.2005 wurde
vom Abschlussprüfer der Sachsen LB auf Nachfrage die Qualität und Umfang des Risiko-
controllings für eine Bank dieser Art und Größe als sachgerecht beurteilt und bestätigt,
dass im Bericht die Geschäftstätigkeit in Dublin und die Risikosteuerung der Sachsen LB
enthalten sei.
Am 06.07.2005 äußerte ein Vorstand der SFG vor dem HFA: „Im Ergebnis der Prüfung
durch Droege & Comp. sei festgestellt worden, dass es keine Risiken in Leipzig und Dublin
gebe. Insbesondere in Dublin mache die Bank im Wesentlichen AAA-Geschäfte.“

91
SRH: Angesichts der Diskussion im KA am 16.06.2005 überrascht es, dass im HFA am
06.07.2005 seitens des SMF nicht ein Hinweis oder eine Relativierung der Aussage
getroffen wurde.
In diesem Zusammenhang verweist der SRH darauf, dass die entsprechenden Aus-
schlussklauseln der Ratingagenturen im Hinblick auf die Belastbarkeit der Ratings,
z. B. AAA, bekannt gewesen sein müssten (siehe Bitner, Richard; „Confessions of a
subprime lender“, Verlag: John Wiley & SONS, INC., 2008
31
).
In der Sitzung des VR am 15.11.2005 führte der Leiter des Risikocontrollings der Sach-
sen LB aus, dass man den Risikobericht optimiert habe und nunmehr eine klarere Darstel-
lung der Risikoarten gewährleistet sei. Von Seiten der Abschlussprüfer wurde klargestellt,
dass für alle dargestellten Geschäfte kompetenzgerechte Kreditbeschlüsse und Kreditüber-
wachungsvorlagen existierten, in denen das Gesamtvolumen der Transaktion sowie der Ri-
sikogehalt der Strukturen jeweils zutreffend dargestellt sind und dass „Schwarze Löcher“
oder unerkannte Risiken nicht bestünden.
In der VR-Sitzung am 09.10.2006 wurde vom Revisionsleiter der Sachsen LB ausgeführt,
dass pünktlich zum 30.06.2006 alle Feststellungen aus dem § 44 KWG-Bericht abgearbeitet
wurden, was seitens eines Vertreters der Deutschen Bundesbank bestätigt wurde.
SRH: Der OQ mit dem Valuation Agreement war nicht Gegenstand der Prüfung nach § 44
KWG gewesen.
Im Risikobericht der Sachsen LB zum 31.12.2006, der für die VR-Sitzung am 23.04.2007
vorgelegt wurde, wird u. a. ausgeführt, dass es in dem betreffenden Zeitraum keine nach-
haltigen Kapitalverwerfungen geben werde.
SRH: Die Ausführungen sind nicht nachvollziehbar. Der Risikobericht zum 31.12.2006 stellt
die Risikopotenziale des Jahres 2006 dar. Er enthält keine Aussagen zu deren künfti-
ger Entwicklung.
31
The agencies defend themselves by issuing hundred-page disclaimers to go with the ratings. They emphasize
that users of the information shouldn’t rely on any credit rating or opinion within the analysis for making in-
vestment decisions.“
Die Agenturen verteidigen sich, in dem sie hunderte Seiten von Freizeichnungsklauseln dem Rating beigeben.
Sie betonen, dass der Nutzer die Information sich nicht auf das Kreditrating oder eine Meinungsäußerung in-
nerhalb der Analyse verlassen sollte, wenn sie ihre Investmententscheidung treffen.

92
• Auch im Jahresabschlussprüfungsbericht der Sachsen LB zum 31.12.2006 wird zu den
Kreditengagements Ormond Quay (Eden Quay, Ellis Quay, Merchants Quay) vom Ab-
schlussprüfer ausdrücklich vermerkt, dass keine besonderen Risiken bestehen.
SRH: Diese Aussage bedeutet keine Freizeichnung von den Risiken des Geschäftsmodells
wie im gesamten Sonderbericht dargestellt.
Aus den jährlichen Berichten des Abschlussprüfers, der im Einvernehmen mit dem SRH be-
stellt wurde, waren keine Indizien für einen Handlungsbedarf ersichtlich. Im Gegenteil: Im
Prüfbericht des Abschlussprüfers für 2006 heißt es u. a.: „Unsere Prüfung hat ergeben, dass
die Bank und der Vorstand die geforderten Maßnahmen zur Erfüllung der Anforderungen
gem. § 25a Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 und Nr. 2 KWG sowie nach § 91 Abs. 2 AktG zur Risikosteue-
rung, Risikoüberwachung und Risikokontrolle einschließlich der Einrichtung eines Risiko-
früherkennungssystems in geeigneter Form getroffen haben. Das Risikofrüherkennungssystem
ist geeignet, Entwicklungen, die den Fortbestand der Bank und des Konzerns gefährden, früh-
zeitig zu erkennen.“
SRH: Zum angesprochenen Einvernehmen des SRH zur Bestellung des WP dürfen wir in
Erinnerung rufen, dass wir uns lange Zeit um einen Wechsel der Prüfungsgesellschaft
aus grundsätzlichen Erwägungen bemüht hatten. Wir hatten auf Wunsch des SMF im
Hinblick auf den zugesagten regelmäßigen Wechsel des Prüfteams darauf verzichtet.
Trotz Verbesserung des Risikomanagementsystems genügte es letztlich nicht den An-
forderungen, da wesentliche Risiken, insbesondere das Liquiditätsrisiko aus den Con-
duit- und Fondsstrukturen, unterschätzt wurden.
Die Ereignisse auf dem Weltmarkt, die letztlich zu einer Schieflage bei der Sachsen LB ge-
führt haben, haben den gesamten internationalen Finanzmarkt erschüttert und tun es noch
heute. Würde man der Ansicht des SRH folgen, hieße dies, die Beteiligungsverwaltung hätte
die internationale Finanzmarktkrise voraussehen müssen - obwohl damals Geschäftsleitung,
Mitbewerber (IKB, Citigroup, UBS, Bayern LB, WestLB, …), Wirtschaftsprüfer und Fachauf-
sicht der Ansicht waren, die Dinge seien geordnet.
SRH: Schon der in der Anlage 1 beigefügte Brief der MICA aus 2005 legte die Risiken der
verbrieften Forderungen im Immobiliensektor unmissverständlich dar. Sich uneinge-
schränkt auf die guten Ratings zu verlassen, war unverantwortlich. Denn jedes Rating
stellt eine Bewertung zu einem bestimmten Zeitpunkt dar. Die Ratingagenturen ver-
wendeten Freizeichnungsklauseln, deren Kenntnis es eher hätte ratsam erscheinen las-
sen, auf ein Rating nicht zu sehr zu vertrauen.

93
Die Schieflage der Bank entstand, weil das Marktpreis- und Liquiditätsrisiko für die
hohen Volumina falsch eingeschätzt wurden. Die Beteiligten mussten keine Finanzkri-
se voraussehen, aber sehr wohl die Tragfähigkeit der Bank im Hinblick auf etwaige
Auswirkungen von Marktstörungen ermitteln.
gez. Heigl
gez. Prof. Dr. Binus
Präsident
Vizepräsident
gez. Dr. Augstein
gez. Dr. Krebs
Rechnungshofdirektor
Rechnungshofdirektor
gez. Dr. Spriegel
Rechnungshofdirektor
-ver/SLB-Sonderbericht 2009-

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Übersetzung des Sächsischen Rechnungshofs ohne Fußnoten
Es gilt das beiliegende amerikanische Original.
Sehr verehrte Damen und Herren,
nach einer Vielzahl an Bemerkungen in letzter Zeit geht der Verband der Hypothekenversi-
cherer Amerikas (MICA) davon aus, dass Ihre Dienststellen an einer Richtlinie arbeiten, um
dem wachsendem Risiko aus erstrangigen Hypotheken zu begegnen. Diese Richtlinie würde
die Erklärung vom Mai zu den zweitrangigen Hypotheken ergänzen, die speziell die wach-
senden Risiken in diesem Segment des nationalen Hypothekenmarktes betrachtete. MICA ist
sehr besorgt über die anwachsende Anfälligkeit des Hypothekenmarktes, die zusammen mit
den anwachsenden Bankportfolios mit Hochrisikoprodukten ernsthafte Probleme bereiten
könnte. Sie könnten sehr plötzlich auftreten.
Wir wissen, dass die Auswirkungen des Hurrikans „Katrina“ zurzeit oberste Priorität in Ihren
Dienststellen hat. Der Wohnraumbedarf in den betroffenen Gebieten erzwingt dort eine neue
Herangehensweise an die Hypothekenrisiken. Die Hypothekenversicherer haben bereits etli-
ches unternommen, um diesen bisher nicht dagewesenen Erfordernissen gerecht zu werden.

2
Jedoch außerhalb dieser Unglücksregion verlangen die Marktentwicklungen eine schnelle
Überprüfung im Hinblick auf die Risiken aus den Hypotheken. Wegen der Belastungen durch
den Hurrikan ist es noch dringender, dass der Gesamtkredit und damit verbundene Risiken
vorsichtig gehandhabt werden.
Außerhalb der von „Katrina“ betroffenen Gebiete hat die „Hypothekenindustrie“ kürzlich
anerkennenswerte Schritte für den Umgang mit Hochrisikohypotheken unternommen. Zum
Beispiel, gab der Verband der Hypothekenbanken am 23. August ein ausführliches Papier he-
raus, in welchem u. a. die nicht herkömmlichen Hypotheken und ihre Risiken für die Kredit-
nehmer diskutiert wurden.
Die Vereinigung der US-Immobilien-Makler hat ähnliche Ratschläge an die Verbraucher he-
rausgeben. Jedoch wird wahrscheinlich keine dieser Äußerungen dann an die Verbraucher
gegeben werden, wenn sie sich entscheiden sollen, mit Hypothekenmaklern oder anderen, für
die ein eigenes finanzielles Interesse am Vertragsabschluss besteht, den Vertrag abzuschlie-
ßen. Deshalb ist es entscheidend, dass die für Banken zuständigen Dienststellen so schnell wie
möglich eine Richtlinie zu erststelligen Sicherungsrechten herausgeben und sicherstellen, dass
die vorausgegangenen Festlegungen zu den zweitrangigen Sicherungsrechten durchgesetzt
werden.
Unsere Besorgnis rührt daher, dass die Hochrisikoprodukte die Verlässlichkeit bewährter
Formen der Abfederung von Kreditrisiken, wie die private Hypothekenversicherung (MI)
untergraben könnten. Aber noch beunruhigender ist es für uns, dass die neue Entwicklung zu
einem plötzlichen Anstieg der Zwangsvollstreckungen führen könnten, die zu einem Wertver-
fall der Hypothekensicherheiten führen. Damit würde „die Quelle der Haushypotheken ver-
schmutzt werden“, eine Quelle von besonderem Interesse für Anlageinstitute, die Sie steuern
und für die mit der Versicherung von Hypotheken Befassten stellen.
In diesem Brief würden wir gern einige der neuen Fakten über die risikoreichen erstrangigen
Sicherungsrechte beleuchten, wie sie sich aus mehreren neuen objektiven Analysen des US-
Hypothekenmarktes ergeben. Dann wollen wir diese Erkenntnisse mit den gegenwärtigen
Strukturen des Hypothekengeschäftes vergleichen und auf die Risikokonzentration angesichts
verminderter Reserven blicken. Abschließend werden wir einige besondere Vorsichtsmaß-
nahmen für das Konzept des Risikomanagements die in die entstehende Richtlinie für erstran-
gige Sicherungsrechte aufgenommen werden sollten. Wir würden gerne mit Ihnen zusam-
menkommen, um Ihnen zusätzliche Informationen zu geben und unsere Vorschläge mit Ihnen
im Detail zu diskutieren.

3
Zusammenfassend sind unsere Erkenntnisse und Empfehlungen folgende:
Die Daten der Federal-Reserve deuten an, dass die Banken angeben, sie hätten ihre Ab-
schlussstandards nicht verändert, auch wenn der Umfang der nichtherkömmlichen Hypothe-
ken dramatisch angestiegen ist. Abschlussstandards, Eigenmittel und Reserven nicht anzupas-
sen, weist auf ein neues Risiko hin: Ein Rückgang bei der Tilgung und/oder der Bezahlung
der Zinsraten - abgesehen von Schocks - würde viel schlimmere Folgen haben als wenn die
Preisgestaltung, die Risikokontrolle, die Abfederung von Kreditrisiken und die Reserven nun
im richtigen Verhältnis zum Hypothekenrisiko stünden.
Nichtherkömmliche Hypothekenprodukte sind in der ersten Hälfte des Jahres 2005 viel häufi-
ger geworden, obwohl die Abschlussstandards der Kreditgeber unverändert geblieben sind.
Gemäß einer aktualisierten Studie über den Kauf von Hypotheken wuchs der Anteil der „pig-
gyback-Hypotheken“ am gesamten Wohnungsmarkt um fast 8 % gegenüber dem prozentua-
len Anteil am Wohnungsmarkt in 2004. Piggyback-Hypotheken stellen nun über 48 % des
Dollarwertes aller Kredite für Hauskäufe dar. Dazu passend ist die Anzahl der Hypotheken,
bei denen die Kreditkunden Zahlungen auslassen, in den letzten Monaten sprunghaft ange-
stiegen.
Die Verbriefung verbessert nicht das Risiko, dass mit nichtherkömmlichen Hypotheken ver-
bunden ist, weil viele Kreditgeber diese Produkte in ihrem Portfolio halten. Weitere Studien
haben ernsthafte Probleme bei Kreditanalysen für die neuen Verbriefungen bemerkt. Die Kre-
ditgeber, die sich auf die Verbriefung verlassen, könnten für Liquiditätsrisiken anfällig wer-
den, wenn der Markt unerwartet austrocknet, weil die Risiken plötzlich offenbar werden.
Die Umsetzung entsprechend der Richtlinie muss eindeutig und effektiv sein. Kürzlich sind
Fragen aufgekommen, inwieweit die Richtlinie für zweitrangige Sicherungsrechte die Ge-
schäftspraxis beeinflusst hat. Angesichts des Umfangs der riskanten erstrangigen Sicherungs-
rechte ist es besonders wichtig, dass die Regeln der Anleitung schnell in das effektive Risi-
komanagement übernommen werden.
Riskante erststellige Sicherungsrechte erfordern eine effektive vom Vorstand bestimmte Ge-
schäftspolitik und Vorgaben für angemessene Kredite, zur Konzentration, zur Liquidität so-
wie zum Rechts- und Reputationsrisikomanagement. Die Eigenmittel und Rücklagen müssen
ausreichend sein, um dem abweichenden Risikoprofil der „exotischen“ Hypotheken mit dem
gesamten Risikomanagement begegnen zu können. Das ganze Risikomanagement muss von
erfahrenen Risikomanagern bewertet werden, die unabhängig von den operativen Geschäfts-
einheiten sind.

4
Spezielle Vorschläge werden für jedes dieser wesentlichen Kriterien gemacht. Sie beinhalten
eine Definition von Hochrisikohypotheken, eine angemessene risikoabhängige Kapitalausstat-
tung und die Anwendung von laufenden Begrenzungslimits für Hochrisikoprodukte, wie z. B.
solche mit einem ungünstig hohen Verhältnis von Wert zum Kredit, versehenen Hypotheken
(CLTV) bis hin zu mit Hypotheken besicherten Wertpapieren und die Gesamtkredite. Passen-
de Standards für Hochrisikohypotheken werden vorgeschlagen, um sicherzustellen, dass diese
Kredite nur Kreditnehmern mit ausreichenden finanziellen Reserven und der Fähigkeit, das
Risiko vorausschauend zu verstehen, angeboten werden.
Grundlegende Erkenntnisse
A Die Analyse der Verfahrensweisen
Sie sind natürlich vertraut mit den Ergebnissen der neuesten OCC sowie dem Überblick über
die Abschlussstandards und der Einschätzung des zuständigen Beauftragten bei der Federal-
Reserve zur Kreditvergabepraxis.
Bevor wir jedoch weitergehen, neue Untersuchungen anderer Stellen auszuwerten, würden
wir gerne auf einige grundlegende Fakten aus diesem aktualisierten Regelwerk hinweisen.
Die Arbeiten der OCC- und FRB unterstreichen, wie wir meinen, die dringende Notwendig-
keit für schnelle Aktionen bei hochriskanten erstrangigen Sicherheiten.
Der Überblick des OCC ergab erstmals ein Aufweichen der Abschlussstandards im 11. Jahr
seiner Arbeit. Besonders im Hinblick auf Faktoren, die normalerweise mit nichtherkömmli-
chen Hypotheken verbunden sind, fand es heraus, dass „höhere Kreditlimite ein höheres Ver-
hältnis von Kredit zum Wert, eine geringe Kreditwürdigkeit, geringere Mindestzahlungen,
ungenügende Dokumentation und Überprüfung sowie spätere Tilgungen, zu mehr Risiken im
Kunden-Portfolio führen“. Es stellte auch fest, dass wegen der verringerten Zahlungsanforde-
rungen und Tilgungsverlängerungen das Kreditrisiko verdeckt werden kann. Die Banker be-
nötigen deshalb eine umfassendere und genauere Herangehensweise, um vorausblickend die
Risken im Kunden-Portfolio messen und überwachen zu können.
Noch beunruhigender ist, dass der Juli-Bericht des „Senior loan officer opinion loan“ der Fe-
deral Reserve Board feststellte, dass die meisten Banken berichteten, ihre Hypothekenab-
schlussstandards unverändert gelassen zu haben. Das überrascht im Hinblick auf Antworten
auf spezielle Fragen, die zum nichtherkömmlichen Hypothekengeschäft gestellt wurden:
„Mehr als die Hälfte der antwortenden Banken deuteten an, dass der Anteil an neuen nicht-
herkömmlichen Wohnungsbauhypotheken in den letzten 12 Monaten höher war, als in der

5
vorangegangenen Zwölfmonatsperiode. 12 % der antwortenden Banken bemerkten, dass die-
ser Anteil sogar wesentlich höher sei“. So der Report der FRB.
Es ist natürlich schwer, strenge Abschlussstandards und andererseits das enorme Anwachsen
an nichttraditionellen Hypotheken zu erreichen. Viele dieser Produkte stellen signifikant neue
Kredite dar. Den Zinssatz und andere Risiken werden wir weiter unten im Einzelnen diskutie-
ren. Dadurch, dass die Kreditgeber die nicht herkömmlichen Hypothekenpositionen steigern,
ohne die Abschlussanforderungen zu verschärfen, werden die Risiken erhöht. Ohne das Risi-
ko nichtherkömmlicher Hypotheken durch sorgfältigere Analyse der Kreditqualität zu be-
stimmen und die Möglichkeiten zu nutzen, dass Kreditrisiko abzufedern, werden erste Schritte
das erhöhte Risiko zu verringern nicht gemacht.
Zusammen mit der Tatsache, dass die Bankenreserven gemäß der FDIC (Federal Deposit In-
surance Coporation), auf einem 19-Jahre-Tief sind, ergibt sich, dass die Kreditgeber mit um-
fangreichen hochriskanten nichttraditionellen Hypothekenbeständen besonders schlecht für
das klar von ihnen ausgehende Risiko vorbereitet sind. Natürlich mögen die mit „Katrina“
verbundenen Hypothekenverluste die Reserven einiger Kreditgeber strapazieren. Das ver-
schlimmert die mit den Hochrisikohypothekenprodukten verbundenen Probleme.
B Aktuelle Marktanalysen
1. „Piggyback“-Hypotheken
MICA würde gerne Ihrer Aufmerksamkeit auf die aktualisierten Informationen von SMR Re-
search lenken, eine objektive und unabhängige Erhebung des Hypothekenmarktes zu „piggy-
back“ oder strukturierten Hypotheken. Wie in unserer vorangegangenen Korrespondenz dar-
gestellt, sehen wir diese als die am meisten beunruhigenden Produkte in dem aufkommenden
nichttraditionellen Produktspektrum. Mit diesen Hypotheken nehmen die Kreditnehmer ein
erstrangiges und zweitrangiges Sicherungsrecht beim Hauskauf oder beim Refinanzieren auf.
Das Kredit-Wert-Verhältnis zeigt, dass Kredite an Kreditnehmer mit wenig oder gar keinem
Eigenkapital gegeben werden.
Wie Dow Jones kürzlich bemerkt hat, „sie alle mögen „piggyback“-Kredite genannt werden,
aber einige der Analysten sorgen sich, sie könnten sich wie böse große Wölfe benehmen, die
die Kreditnehmer eines Tages bellend aus ihren Häusern treiben und in den Abgrund stoßen“.
Die Anleitung der Banken für zweitrangige Sicherungsrechte sprach das Risiko der „piggy-
back“-Hypotheken an. Dabei hat auch das erstrangige Sicherungsrecht ein beträchtliches Ri-

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siko, weil das höhere Kredit-Wert-Verhältnis des Gesamtdarlehens das Risiko des erstrangi-
gen Sicherungsrechts ansteigen lässt.
Weiterhin mögen dies Kreditgeber und Investoren, die erstrangige Sicherungsrechte halten,
nicht den schnellen Zugang zu Daten des zweitrangigen Sicherungsrechts haben. Das ist be-
sonders dann der Fall, wenn die erste Kreditlinie später in Anspruch genommen wird. Sie
haben wenig Information über das Kredit-Wert-Verhältnis (CLTV), auf dem ein angemesse-
nes Risikomanagement, die Höhe der Reserven und die Kapitalentscheidungen zu stützen
sind.
MICA glaubt, dass die neuen Daten vom SMR ein wichtiges Licht auf die Trends im Woh-
nungsmarkt im Allgemeinen und „piggyback“-Hypotheken im Besonderen werfen. Frühere
Analysen der Daten des HMDA (Home Mortgage Disclosure Act) in 2004 bestätigen die Vor-
herrschaft der mit dem Kauf verbundenen zweitrangigen Hypotheken, was zunächst von der
SMR bemerkt wurde. Der allerneueste Bericht der SMR liegt für 2004 vollständig und für
2005 bis zum Mai vor. Die aktualisierte Analyse basiert auf über 2,3 Mio. Eigenheimkäufen
in 2004 und über 800 Tsd. in der ersten Hälfte von 2005. Sie präsentiert Daten auf Basis von
334 Countis. Am wichtigsten findet SMR Folgendes:
In der ersten Hälfte von 2005 waren von 66 % alle Hausverkäufe, die über Finanzierung lie-
fen, ob nun sie „piggyback“-Finanzierungen waren oder nicht mit einem Kredit-Wert-
Verhältnis von über 80 % versehen. Während dieser Periode hatten 38 % aller betrachteten
Käufe ein CLTV von über 95 % - ein steiler Anstieg von 34 % für das gesamte Jahr 2004. Der
Prozentsatz von „piggyback-Käufen mit CLTVs über 95 % betrug 2005 60 % gegenüber
52 % in 2004.
„Piggybacks“ enthielten 48 % aller in der ersten Hälfte 2005 mittels Hypotheken erfolgten
Käufen, in 2004 waren es 42 %. Nach der Anzahl der Kredite gerechnet waren in der ersten
Hälfte von 2005 bei 39,5 % der Transaktionen „piggybacks“ gegenüber 33 % in 2004.
Während Kalifornien immer noch den Prozentsatz von „piggyback-Käufen nationalweit führt,
zeigt eine County-weise Analyse, dass in den anderen Gebieten die „piggyback-Käufe einen
riesigen Anteil aller Eigenheimkäufe ausmachen. Von 334 analysierten Counties waren mehr
als 70 Counties - 21 % - wo die „piggyback-Käufe mehr als 50 % aller Hauskäufe auf Dollar-
basis 2005 repräsentierten. Counties, wo „piggyback-Käufe ein signifikanter Faktor sind, um-
fassen nun die größten US-Counties von der Bevölkerung und vom Hypothekenmarkt her
Kalifornien, Washington, Colorado, Virginia, Arizona, Nevada, Oregon, Illinois, Georgia,
Massachusetts, North Carolina, Utah, Florida, Texas und Missouri.

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Mit der Geschwindigkeit, mit der sich die Märkte verändern, verschärfen die neuen Hypothe-
kenprodukte das Risiko mit den „piggyback-Krediten. Zum Beispiel: Ein Kreditgeber hat ge-
rade eine Hypothek herausgegeben - 80 % erstrangiges und 23 % zweitrangiges - was insge-
samt ein Kredit-Wert-Verhältnis von 103 % ergibt Das Minimum für eine Kreditwürdigkeit
bei diesem Produkt verlangt 620 Punkte. Wie einer der Analysten bemerkt hat, „ohne Vermö-
gen in diesen Häusern anzufangen und keiner wesentlichen Zahlung während der ersten Jahre
zu leisten, ergibt das möglicherweise eine sehr lange Hypothekenbindung, (die Kreditgeber,
die diese Kredite geschaffen haben) nehmen das Wagnis in Kauf, dass die Hauspreise weiter
steigen werden oder ihre Hypothekenschuldner/Kunden, auch für den Fall, dass die Preise
stagnieren oder fallen“ weiter ihren Verpflichtungen nachkommen können.
2. Negative-Amortization-Kredite
Die Andeutung, wie oben dargestellt, dass die Kreditgeber nicht ihre Abschlussstandards
überprüft haben, ist besonders beunruhigend, wenn man das im Licht jüngster Daten für Ne-
gative-Amortization-Kredite betrachtet. Sie werden auch oft als Hypotheken mit der Mög-
lichkeit zur Ratenanpassung (Option-ARMs) bezeichnet. Jüngste Daten von S&P zeigen, dass
nur 16 % der ARMs-Kreditnehmer eine volle Dokumentation vorlegen und dass über 75 %
dieser Kreditnehmer jetzt erste Tilgungs- und Zinsraten nicht bezahlen können. Bear Staerns
schätzt, dass der Prozentsatz der ausgefallenen Zahlungen bei 65 % liegt, beide Schätzungen
sind signifikant höher als die 20 %, die Bear Staerns im Frühjahr 2004 geschätzt hatte. Bear
Stearns bemerkte auch, dass in den jüngsten Monaten mehr als die Hälfte der ARMs-
Kreditnehmer mindestens zwei fällige Zahlungen an zwei aufeinanderfolgenden Monaten
nicht geleistet hat. Das Unterlassen der Anpassung der Abschlussstandards, der Eigenmittel
und der Reserven führt zu einem enormen Anstieg des Risikoprofils bei diesen ARMs-
Krediten. Das hat ernste Konsequenzen, wenn die Zinssätze steigen oder die Entwicklung bei
den Hauspreisen sich abkühlt. In der Tat hat S&P angemerkt, dass ein möglicher Zahlungs-
schock, der bei diesen Kreditnehmern eintritt, eine Hauptsorge der Rating-Agenturen darstellt.
3. Kreditrisiken
Eins der gewöhnlichen Argumente gegen das wachsende Risiko bei nichtherkömmlichen Hy-
pothekenprodukten ist, dass die Kreditnehmer diese Risiken verstehen und gut ausgestattet
sind, um sie aufzufangen. Dies mag zugetroffen haben, solange die nichtherkömmlichen Hy-
potheken reichen Käufern als ein Instrument des Cashmanagement vorbehalten waren. Jedoch
ist das schon nicht mehr der Fall, seitdem diese Hypotheken auch Ersterwerbern von Eigen-
heimen und unerfahrenen Kreditnehmern angeboten werden. Die Kreditanalysten sind zu-
nehmend besorgt über diesen Trend und haben kürzlich bemerkt, „dieser Trend hat eine Kon-
sumentenklasse geschaffen, die mit 700 und mehr FICOs ausgestattet sind, denen zunehmend

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eine Reihe von innovativen (und unerprobten) Kreditprodukten angeboten werden“. Darüber
hinaus werden, wie Standard and Poors angemerkt hat, diese variablen Hypotheken nun auch
einem neuen Bereich von Kreditnehmern zugänglich gemacht, nämlich solchen mit einem
niedrigen FICOs und mit ungenügender Dokumentation. Auf diese Weise sollen höhere
Hauspreise dadurch erschwinglich gemacht werden, dass man den Kreditnehmern erlaubt,
sich für höhere Kreditbeträge zu qualifizieren.
Das Kreditrisiko wird weiter durch das sehr hohe Kredit-Wert-Verhältnis verstärkt, das mit
diesen nichttraditionellen Hypothekenprodukten verbunden ist. Das eigene Vermögen des
Kreditnehmers für den Kauf eines Eigenheimes war lange Zeit die bewährte Schlüsselgröße
für die Bestimmung des Hypothekenrisikos. Mit Vermögen können die Kreditnehmer persön-
lichen oder makroökonomischen Schocks widerstehen. Selbst wenn sie gezwungen sind, das
Haus zu verkaufen, kann die Hypothek trotzdem voll zurückgezahlt werden. Ohne Vermögen
müssten die Kreditnehmer Geld aufbringen, das sie nicht haben, wenn es sie es benötigen. Sie
verschlechtern dann die Marktprobleme und erzeugen möglicherweise eine Abwärtsspirale
bei den Häuserpreisen. Dies führt zu weiteren Hypothekenausfällen und zu noch mehr
Zwangsvollstreckungen.
Einige meinten, dass die Banken nicht im Risiko stünden, da die nichtherkömmlichen Hypo-
theken weitestgehend verbrieft werden. Wie die Daten der Federal Reserve, die oben zitiert
worden sind, klar machen, ist das für viele Banken nicht der Fall. Jedoch selbst wenn diese
Kredite verbrieft sind, bleiben ernsthafte Risiken für die Einzelinstitute und das Finanzsystem
im Ganzen. Eine Übersicht des Ausschusses der Industrie, der Counterparty Risk Manage-
ment Policy Group gibt einen vertieften und sorgenvollen Einblick in den Hochrisikobereich
des Hypothekenverbriefungsmarktes. Sie lautet:
„Ein signifikanter Anstieg des Zinssatzes oder eine Verschlechterung der ökonomischen Be-
dingungen könnten Druck auf die Kreditnehmer und den Hypothekenmarkt im Allgemeinen
ausüben. Bei der Zunahme von nichttraditionellen Hypotheken und den Schwierigkeiten
Zinsänderungsrisiken abzusichern, kann sich dieser Druck für die Marktteilnehmer ein-
schließlich der GSE verstärken.“ Die Policy-Group weist auf den Mangel an qualifizierten
Kreditanalysten hin und dass die Kreditrisikoeinschätzung nicht unabhängig von Geschäfts-
entscheidungen getroffen wird.
Szenarien steigender Zinssätze unterwerfen viele Kreditnehmer von nichttraditionellen Hypo-
thekenprodukten einem außerordentlichen Zahlungsschock, da ihre Hypothekenzahlungen auf
einem höheren Niveau ansetzen. Da viele dieser Kreditnehmer bereits jetzt Zahlungen leisten
müssen, die sie sich kaum leisten können, werden sie aufgrund höherer Zahlungsverpflichtun-
gen nicht mehr Eigentümer ihrer Häuser bleiben können. Die Schwemme dieser Häuser, die

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dann in kurzer Zeit auf den Immobilienmarkt kommt, wird eine enorme Abwärtsspirale der
Häuserpreise in einer kurzen Zeitspanne in Gang setzen. Bei allen Kreditnehmern wird da-
durch Vermögen vernichtet und die Ausfälle werden verstärkt.
Solche zukünftigen Ereignisse erhöhen nicht nur das Kreditrisiko, sondern auch das operatio-
nelle Risiko und das Reputationsrisiko für die Kreditgeber, die solche nichttraditionellen Kre-
dite halten. Ohne die angemessene Offenlegung der Verhältnisse der Kreditnehmer und mit
der unkomplizierten Zusage komplexer Kredite bergen sie ein erhebliches Potenzial für Zah-
lungsstörungen in sich. Die unerfahrenen Kreditnehmer haben kein angemessenes Verständ-
nis für das reale Risiko. Das kann zukünftig zu teuren Rechtsstreitigkeiten führen.
Rating-Agenturen nehmen verstörende Verbriefungstrends wahr. „Leute, die sich strecken,
um Häuser zu kaufen, haben variable erstrangige ARMS. Die zweitrangige Hypothek ist „ein
HELOC“. Dies gibt Anlass zu größter Sorge“, sagt S. G., einem Direktor bei Fitch Ratings,
einer Gruppe, die sich mit der RMBS-gesicherten Hypothek befasst. „Wir sehen oft Bestände
mit variablen Hypotheken verbunden mit einem 40 %igen Anteil an piggyback-Krediten.“
Zuletzt beziehen sich Argumente gegen das hohe Kreditrisiko in nichtherkömmlichen Produk-
ten oft auf die gegenwärtige Ausfallrate von Hypotheken und die Anzahl der Zwangsvollstre-
ckungen. Jedoch, wie oben dargestellt, hat sich das (Hypotheken-)Risikobild sehr schnell ver-
ändert. Es steigt sprunghaft an, für z. B. die „piggyback“-Hypotheken mit einem sehr hohen
Kredit-Wert-Verhältnis.
4. Risikokonzentration
Ein aktueller Lehman-Brothers-Report, der sich auf der Übersicht des OCC stützt, hat auf-
grund hoher Volumina eine Konzentration von Risiken bei einigen der sehr großen Banken im
Wohnhaushypothekenbereich festgestellt. Während Hypotheken im Durchschnitt 20 % der
gesamten Kredite bei allen Banken ausmachen, haben einige Banken ein signifikant höheres
Volumen, einschließlich Wells Fargo mit 33 % und der Bank von Amerika mit 35 %. Es ist
natürlich nicht bekannt, wie viele dieser Positionen Hochrisikohypotheken sind. Die Federal
Reserve hat herausgefunden, dass einige Institutionen bemerkenswerte Aktivitäten für Ver-
briefungen vornehmen. Die Verbriefung durch einige Kreditgeber jedoch weist auf ihre eige-
ne Besorgnis hinsichtlich der hohen Risiken bei nichtherkömmlichen Hypotheken hin. In der
Tat hat einer der Analysten einer Bank, zum Volumen ausgeführt „es gibt einen Grund, wa-
rum die drei größten Banken - 40 % der Nuklearhypotheken (Option ARMs), das sind 75 %
ihrer Produkte trotz des hohen Gewinns verkaufen. Sie riechen das Risiko. Die Frage bleibt,
welche Kreditgeber das Risiko noch nicht erkannt haben. Das werden diejenigen sein, die
noch engagiert sind, wenn es zu spät ist.“

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II. Vorschläge für eine wirksame und vorsichtige Regulierung
Gemäß der Analyse, wie oben dargestellt, glaubt MICA, dass die folgenden Grundsätze für
eine wirksame und vorsichtige Verfahrensweise bei erststelligen Sicherungsrechten beachtet
werden sollten. Wir wollen, dass diese Anleitung möglichst schnell und vollständig in die
Geschäftspraxis eingeht. Ein ernstes Problem ergibt sich aus der Berichterstattung, wie die im
Mai erstellte Anleitung für das zweitrangige Sicherungsrecht gezeigt hat. Deshalb hat MICA
vorgeschlagen, Prüfungen vorzunehmen, wenn die Übernahme in die Geschäfts- oder Insti-
tutspraxis nicht erfolgt.
A Übergreifendes Risikomanagement
1. Definition
Wir schlagen vor, gemäß folgender Kriterien die erstrangigen Sicherungsrechte zu bestim-
men, die der Anleitung unterfallen:
- Strukturen, die für die Kreditnehmer zu unerwarteten Zahlungsverpflichtungen führen, die
sich aus einer Veränderung des Zinssatzes oder dem Rückgang der Hauspreise ergeben.
- erstrangige Sicherungsrechte, die Teil von Schuldverschreibungen aus Wohnungsbauhypo-
theken sind (einschließlich gezeichneter und nichtgezeichneter zweitrangiger Sicherungs-
rechte mit einem Kredit-Wert-Verhältnis von über 85 %).
- Komplexe Produkte, die Kreditnehmern angeboten werden, die über keine finanziellen
Rücklagen verfügen, um steigende Zahlungen und unerwartete finanzielle Bedürfnisse ab-
fangen zu können, oder denen das Verständnis für Hypotheken und ihre Risiken fehlt.
- Produkte, die von Dritten verkauft werden, wobei Anreize den Kreditnehmer dazu verleiten
mögen, sich auf ein riskantes oder unangemessenes erstrangiges Sicherungsrecht einzulas-
sen.
2. Politik und Verfahrensweisen des Vorstandes und der Managementebene
Genauso wie bei allen anderen Geschäftspraktiken denken wir, das es bedeutsam ist, dass die
Anleitung zum erstrangigen Sicherungsrecht sicherstellt, dass der „tone at the top“ (Ton an
der Spitze eines Unternehmens) korrekt ist. Dem Vorstand und dem Management muss be-
wusst sein, welches Risiko übernommen wird. Es muss für die Effektivität des Managements
und die Verringerung (der Risiken) gesorgt werden. Deshalb schlagen wir vor, dass die Anlei-
tung dazu genutzt wird, dass sich der Vorstand und das Management über den Unterschied
zwischen den riskanten erstrangigen Sicherungsrechts-Produkten und den institutionellen tra-
ditionellen Krediten klar werden. Der Vorstand sollte Risikogrenzen, einschließlich des Pro-

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zentsatzes des Tier1-Kapitals, der für risikobehaftete erstrangige Pfandrechte benötigt wird,
setzen. Er sollte sicherstellen, dass alle Risiken, die mit diesen Produkten verbunden sind,
einschließlich des Rechts- und des Imagerisikos erkannt und durch ein unabhängiges Risiko-
management begutachtet werden. Dessen Personal sollte getrennt von den übrigen Entschei-
dungseinheiten handeln. Es sollte so vergütet werden, dass die Höhe der Vergütung nicht vom
Volumen der erstrangigen Sicherungsrechte, deren Rentabilität oder ähnlichen Faktoren ab-
hängig ist. Unabhängiges Risikomanagementpersonal sollte Maßnahmen der Risikoverringe-
rung begutachten und sicherstellen, dass die anfänglich abgegebenen Zusagen während der
Laufzeit der Hypothek und der Dauer der Marketingperiode eingehalten werden. Das leitende
Management sollte das Risiko die ganze Zeit überwachen, um sicherzustellen, dass die an-
fänglichen Parameter ausreichen, das Risiko messen zu können und die notwendigen Eigen-
mittel vorgehalten werden. Auf diese Weise soll das Risikoprofil mit der Strategie des Vor-
standes in Einklang gebracht werden. Interne und externe Überprüfungen sollten sicherstellen,
dass die Strategie und die Maßnahmen angemessen im richtigen Verhältnis zum Risikoprofil
der Einrichtung stehen. Es sollte Kontrollen dafür geben, ob die Eigenmittel und die Reserven
den Anforderungen, falls nötig, angepasst werden.
3. Spezifische Risiken
Im Hinblick auf die Ansammlung von Risiken, die durch die „exotischen“ erstrangigen Siche-
rungsrechte bestehen, empfiehlt MICA Folgendes:
- Regulatoren legen den angemessenen Prozentsatz dieser Sicherungsrechte „im Verhältnis“
zum Tier1-Kapital fest. Einrichtungen mit einem Volumen, das über diesem Vorsichtslimit
liegt, sollten solche Kredite abbauen oder versuchen, im Zeitpunkt des Eingehens solcher
Kredite oder später eine bewährte Form der Risikoabfederung für Hypothekenkredite vor-
genommen wird.
- Erstrangige Sicherungsrechte, die Teil strukturierter Hypotheken sind, sollten zu den Hypo-
theken mit einem hohen Kredit-Wert-Verhältnis hinzugerechnet werden. Sie müssen unter
100 % des Tier1-Kapital liegen. Die Berechnung sollte nicht nur die Gesamtkredite umfas-
sen, sondern auch jegliche mit Hypotheken gesicherte Wertpapiere risikobehafteter Erst-
rangiger. Limits für mit hypothekengesicherten Wertpapieren sollten aufgrund des Zinsrisi-
kos, das mit solchen Produkten verbunden ist, unabhängig davon, ob die Bonität hoch gera-
tet oder ob das Finanzunternehmen ein vom Staat gestütztes Unternehmen ist, angewendet
werden.
- Die Liquiditätspläne, die mit einem risikovollen erstrangigen Bestand verbunden sind, müs-
sen einen Eventualplan für Störungen oder Ausfall des Sekundärverkaufmarktes enthalten.
MICA hat auch festgestellt, dass in der Vergangenheit der GSE-Unternehmen von erstran-
gigen Sicherungsrechten verbunden mit einem Kredit-Wert-Verhältnis des zweitrangigen

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Sicherungsrechts verbunden waren, einen Verstoß gegen ausdrückliche Vorgaben in den
Geschäftsbedingungen von FannieMAE und Freddy Mac darstellten, und
- die Kreditgeber sollten sicherstellen, dass das Rechtsrisiko und das Imagerisiko, das mit
diesen hochriskanten erstrangigen Sicherungsrecht verbunden ist, durch von den operativen
Einheiten unabhängige Analysen der Risikomanager erfasst werden. Die Offenlegung der
wirtschaftlichen Verhältnisse der Kreditnehmer sollte sicherstellen, dass sich die potentiel-
len Kreditnehmer des Risikos voll bewusst werden, das mit diesem nichttraditionellen erst-
rangigen Sicherungsrecht verbunden ist. Die Banken und Sparkasseninstitutionen sollten
Kontrollen einführen, um sicherzustellen, dass Dritte z. B. Hypothekenhändler alle wichti-
gen Dokumentationen bereitstellen, damit solche Hypotheken nur geeigneten Kreditneh-
mern angeboten werden.
- Im Hinblick auf den letzteren Punkt würden wir gern die Aufmerksamkeit der Agenturen
auf die Empfehlung der Counter Party Riskmanagement Policy Group lenken, angemessene
Standards für den Umgang mit den einzelnen Finanzprodukten zu schaffen. Aufgrund der
Komplexität dieser Produkte und ihrer schwerwiegenden Risiken sollten die angemessenen
Standards aus der Arbeitsanleitung sorgfältig beachtet werden.
B Eigenmittel und Reserven
Schließlich dringt MICA darauf, dass die Dienststellen dafür sorgen, dass angemessenes Ei-
genkapital und Vorsorge im Verhältnis zu den hochriskanten erstrangigen Sicherungsrechten
bereitgehalten werden.
Wir bleiben besorgt, dass mangels Basel II die Kreditgeber gefährliche Gewinne aus den Ar-
bitragemöglichkeiten des Eigenkapitals gezogen haben. Eine der Möglichkeiten ist die Fähig-
keit Hochrisikohypotheken im Portfolio zu halten und trotzdem den „current leverage“ (Ver-
schuldungsgrad) und die Standards für das Risikokapital einzuhalten. Das höchst vorzuhal-
tende Risikokapital für Hypotheken beträgt 8 %. Viele der erstrangigen Sicherungsrechte mit
Hochrisikocharakter beanspruchen 4 % des Risikokapitals, wenn ihr Beleihungswertverhältnis
unter 90 % liegt, obwohl andere hohe Risikofaktoren gegeben sind. Basel II würde diese
Probleme im beträchtlichen Umfang korrigieren. Da sich die Einführung verzögert, fühlen
sich die Institutionen ermutigt ihre Riesen-Portfolios, wie oben dargestellt, weiter auszubauen.
Die Anleitung zu den zweitrangigen Sicherungsrechten verlangte ein höheres Risikokapital
für die Hochrisikostrukturen. MICA bittet die Geschäftsstellen, eine entsprechende Ausstat-
tung auch in der Anleitung zu den erstrangigen Sicherungsrechten vorzunehmen. In Überein-
stimmung mit den Basel-II-Standards sollte das Risikokapital für Hochrisiko behaftete erst-
rangige Sicherungsrechte zumindest das Zweifache oder Dreifache des aktuellen Bedarfs an
Risikokapital betragen. Keine Minderung in der Risikokapitalvorsorge - wie es für „vorsichti-

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ge“ Hypotheken möglich ist - darf es für Hochrisikostrukturen geben. Nur für nicht risikobe-
haftete Strukturen sollte das Risikokapital in Höhe des Risikokapitals für. Aufgrund des er-
höhten Risikos, dass Zahlungsstörungen bei diesen Darlehen eintreten können, sollte die Kre-
ditrisikokomponente innerhalb des Risikokapitals erhöht werden.
Weiterhin schlägt MICA vor, dass die Dienststellen die Kreditgeber anhalten, entsprechende
Reserven für das Risikoprofil erstrangigen „exotischen“ Sicherungsrechte vorzusehen. Diese
sollten daraufhin kalkuliert werden, dass die hypothekarischen Sicherheiten in diesen Struktu-
ren viel geringer als bei traditionellen Sicherungsrechten sind, da die Kreditnehmer kein Ver-
mögen besitzen.
III. Schluss/Zusammenfassung
Wie oben diskutiert, glaubt MICA, dass die Dienststellen möglichst schnell eine gut handhab-
bare Anleitung herausbringen sollten, die einen klugen Umgang mit risikoreichen erstrangi-
gen Sicherungsrechten vorsieht. Sie sollten sicherstellen, dass diese Standards in die zukünfti-
ge Anwendung eingehen. Gern geben wir Ihnen weitere Informationen zu den zitierten Stu-
dien und zu unseren speziellen Empfehlungen.
Hochachtungsvoll S. C. Hutchinson