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VDA Workshop „Notfall Wasser“ im Archivzentrum Hubertusburg am 25. 04. 2018
Übung 5: ATP/AMP-Messung und Feuchtemessung
(hier: Frage- und Informationsbogen)
Sächsisches Staatsarchiv, Archivzentrum Hubertusburg, Barbara Kunze
1
1. Was wird mit Hilfe des Biolumineszenzverfahrens (Lumitester PD 30) nachgewiesen?
(Informationen zum Lumitester PD 30 s. Internet, z.B.
http://www.medco.eu/lumitester.php)
A
denosin
t
ri
p
hosphat /
A
denosin
m
ono
p
hoshat (Gehalt in Oberflächenverschmutzung)
(ATP ist in allen Zellen präsent und dient als Energiespeicher und –lieferant. Bei
Energiefreisetzung wird ATP zu AMP abgebaut.)
2. Wofür wird dieses Messverfahren im
archivischen Bereich eingesetzt?
Nachweis einer (mikro)biologischen
Kontamination
Achtung! Erfahrungen im archivischen
Umfeld haben gezeigt, dass Altschäden mit
ihrer gesundheitsgefährdenden Relevanz
nicht zuverlässig mit dem ATP/AMP-
Verfahren nachgewiesen werden können.
Kontrolle von Reinigungsmaßnahmen (Vergleich Vorher / Nachher)
3. Was ist die Hauptursache für eine mikrobielle Kontamination von Archivgut?
dauerhaft hohe oberflächennahe relative Feuchte
(s. auch „Wasseraktivität des Substrates“, Meier, Petersen: S. 22 ff.) (-> Raumklima!)
Oberflächenverschmutzung
4. Wie kann die oberflächennahe relative Feuchte von Archivgut gemessen
werden?
Schwertmessfühler ermöglichen die Einführung der Messsonde in einen
geschlossenen Stapel Papier.
Feuchteindikatorstäbchen (s. Abb. rechts) werden vorrangig zur Überprüfung
von Feuchtewerten innerhalb von Verpackungen angeboten. Sie können folglich,
z. B. in Archivgutbehälter eingelegt, ebenfalls eine Orientierung darüber
ermöglichen, ob „eine kritische Feuchte erreicht ist oder nicht“ (vgl. Technische
Information 10/11 von C. Waller). Im Vergleich zum Schwertmessfühler ist jedoch
mit einer relativ hohen Messungenauigkeit und einer hohen Trägheit der Anzeige zu rechnen. Bei
hohem Feuchtigkeitsgehalt und längeren Verweilzeiten wird auch auf die Gefahr des Ausblutens
hingewiesen.
5. Was ist bei der Beurteilung eines Raumklimas zur Lagerung von Archivgut zu beachten und
welche Messgeräte stehen hierfür zur Verfügung?
Die relative Luftfeuchte ist temperaturabhängig. Sie wird in Prozent [%] angegeben und
entspricht dem Verhältnis des absoluten Wasserdampfgehalts der Luft [g/kg trockene Luft²]
zum maximal möglichen Wasserdampfgehalt (Sättigungsfeuchtegehalt) bei jeweils gleicher
Temperatur. Das Wasseraufnahmevermögen der Luft steigt bei Erwärmung und sinkt bei
Abkühlung. Folglich sinkt die relative Feuchte bei gleichem absolutem Feuchtegehalt, wenn
die Luft erwärmt wird und steigt bei Abkühlung.
Nutzen Sie Thermohygrometer, die sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit
anzeigen. Eine Darstellung der Abhängigkeit von absolutem und relativem Feuchtegehalt und
der Temperatur bietet das Mollier-h,x-Diagramm (Hilbert: S. 131).
Fotos: Barbara Kunze

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VDA Workshop „Notfall Wasser“ im Archivzentrum Hubertusburg am 25. 04. 2018
Übung 5: ATP/AMP-Messung und Feuchtemessung
(hier: Frage- und Informationsbogen)
Sächsisches Staatsarchiv, Archivzentrum Hubertusburg, Barbara Kunze
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Angestrebt wird ein möglichst schwankungsarmes Raumklima. Um dies beurteilen zu können
ist ein kontinuierliches Monitoring erforderlich. Schwankungen können bedingt sein durch
o
Tag / Nacht Wechsel
o
Wetterlage
o
Jahreszeit
o
Steuerung der Klimaanlage (Nachabschaltung)
o
Zeiten der Begehung oder sonstigen Nutzung
Ein kontinuierliches Monitoring wird durch Thermohygrographen unterstützt, die die Daten
niederschreiben bzw. abspeichern (Datenlogger). Ergänzend kann es bei derartigen
Messgeräten oder -systemen sinnvoll sein, Grenzwertfunktionen zu nutzen, die bei
Überschreiten Alarmsignale auslösen.
Innerhalb eines Raumes können sich z. B. in schlecht belüfteten Bereichen und im Bereich von
kalten Außenwänden Mikroklima ausbilden. Daher ist die Installation mehrere Messgeräte (-
fühler) in einem Raum zu empfehlen und bei der Interpretation der Werte der jeweilige
Messort mit zu berücksichtigen. Die einfache Messung freiliegender ggf. auch senkrechter
Oberflächen (-> Wände) ermöglichen Infrarotmessgeräte.
6. Sie bekommen archivwürdige Akten zur Übernahme angeboten. Ihnen wird mitgeteilt, dass diese
in einem Kellerraum aufbewahrt wurden, in den innerhalb des vergangenen Jahres bei einem
Unwetter Wasser eingedrungen ist. Die teilweise durchnässten Akten wurden mit Hilfe von
Küchentüchern und Heißluftfön getrocknet. In dem Lagerraum wurden zwischenzeitlich
Bautrockner aufgestellt. Man ist sich allerdings nicht sicher, ob die ergriffenen Maßnahmen
ausreichend waren, um eine mikrobielle Kontamination zu unterbinden.
Was tun Sie bzw. veranlassen Sie, um die Unbedenklichkeit der Übernahme zu überprüfen?
Visuelle Begutachtung der Akten
o
Lose Partikelauflagen
o
Fleckenbildung (Struktur / Farbigkeit)
o
Verwellung / Verformung
o
Ausgelaufene Farben, Lesbarkeit der
Schrift
o
Wasserränder / -flecken
o
Verklebungen / Verblockungen
Messung der oberflächennahen rF
Ggf. vergleichende Messung der Raumfeuchte
Messung ATP / AMP
7. Kann bei niedrigen ATP / AMP-Messergebnissen trotz nachweisbarer (sichtbarer), loser
Schmutzauflagen auf eine Reinigung verzichtet werden?
Nein! Lose Schmutzauflagen sind potentiell immer einer gesundheitliches Risiko für den
jeweiligen Nutzer. Eine Reinigung ist vorab durchzuführen.
Literaturhinweise
G. S. Hilbert, Sammlungsgut in Sicherheit, 3. Aufl., 2002.
Ch. Meier, K. Petersen, Schimmelpilze auf Papier – Ein Handbuch für Restauratoren, 2006.
Foto: Barbara Kunze