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Nummer 65, seit 1999
Familienleben hinter den Mauern -
ist es noch möglich?

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2
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
(HL/HB) Wie jedes Jahr gab es auch dieses Jahr
wieder das JVA - Krippenspiel zur Weihnachtszeit. Alle
die daran teilnehmen wollten, wurden am 21.12.2019
in die Komplettierung gebracht, welche extra dafür in
dankbarer Weise freigeräumt wurde. Mit viel Mühe und
Idealismus wurde das Krippenspiel wieder von und mit
Frau Claus eingeübt.
Pater Bernhard brachte uns das „Licht von Bethlehem“
wieder mit. Pastorin Straßberger hatte wieder die
Organisation übernommen und Kantorin Sanden übte
fleißig mit dem Chor, der übrigens auch noch Mit-
glieder sucht. Wir und die ehrenamtlichen Helfer
wurden feierlich empfangen. Schön, dass die JVA
diese besondere Möglichkeit einer Weihnachtsfeier
„hinter Gittern“ erlaubt - Dankeschön!
Gemeinsam mit dem Chor haben wir viele schöne
Weihnachtslieder singen dürfen, die Texte dafür
fanden wir auf unseren Plätzen - Dankeschön!
Danke auch an alle, die im Krippenspiel mitgemacht
oder im Chor mitgesungen haben.
Nach vielen schönen Liedern, Gebeten und einer
kurzen christlichen Geschichte wünschte man uns,
trotz der Umstände, ein schönes und ruhiges
Weihnachtsfest.
Die gleichen guten Wünsche gaben wir natürlich gerne
an alle zurück.
Am Ende gab es noch bei Tee, Kaffee und anderen
vielen Leckereien etwas Zeit für Gespräche mit den
Ehrenamtlichen, vor allem vom „Schwarzen Kreuz“.
Ein Dankeschön an all die lieben Menschen, die auch
kurz vor Weihnachten an uns denken und über das
Jahr viel Freizeit für uns opfern - Dankeschön!
Am Ausgang gab es für alle noch einen Kalender für
2020 und eine kleine Box mit Tannenzweigen und
etwas Süßem drin.
Im Namen der gesamten Redaktion bedanken wir uns
bei allen, die es auch dieses Mal wieder möglich
gemacht haben, uns eine sooo schöne Zeit zu
schenken und uns dadurch vielleicht mal für einen
kurzen Moment unsere Probleme vergessen lassen.
Impressionen vom JVA-Krippenspiel zu Weihnachten 2019
Alle Fotos: Archiv HL/LR_2019_12

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
3
„Ellis“ Kaffeekränzchen
……..…..……..……...…..
4
Besuch bei der HL-Redaktion
…...………
5 bis 7
GefangenenMitVerantwortung
…….…………….
8
Naikan
….....……………………..…….………….......……
9
Besuchserlebnisse
….………......………..
10 bis 13
Mein Tagebuch
.…………..….……….…......
14
und
15
Europäische Fachtagung
………...…....
16
und
17
Einfach ist anders
.………………….…......
16
und
17
HL - Checkliste
.…………...………….…......
18
und
19
Märchenstunde
.…………..………….…......
20
und
21
Das HL - Preisrätsel
………….....………..
22
und
23
HL - Buchtipps
………………….………….........……
24
Leserbriefe
.……….………...……..…………....……..
25
..
HL - Songtext
…..…………….……………...….……..
26
Kirche 2020
…………….…………………...….…...…..
27
Europa - Gedanken
…….………………...….……..
28
Impressum
….………...………..….…...…………….....
29
HL-Rezepte
…….………...……..……………………….
31
HL-Rätsel
…….………………………...
30 und 32 bis 34
HL - Buchtipps
……….………………………......……
13
Der „HaftLeben“-Spruch des Quartals
stammt diesmal aus dem Internet.
Familie, ein Herz,
doch viele Füße.
Schön, wenn man das auf sich und seine
Familie beziehen kann.
Inhaltsverzeichnis
Wir wünschen
Euch allen
Frohe
Ostern!
Titelbild: HL/LR_2020_02_20

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4
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
An einem Samstag war ich mit meiner getigerten
Freundin
Augusta
durch
die
Flure
der
verschiedenen Etagen unterwegs. Als wir so durch
den Sportbereich, ganz unten, schlenderten, sahen
wir ein ganz schönes Getümmel. Jeder wollte Sport
machen. Leider waren viel zu wenige Geräte
vorhanden. So mussten sich einige ganz schön
gedulden. Da aber die Zeit dort beim Sport nicht
unbegrenzt ist, kamen nicht alle an die Reihe.
Andere Stationen haben dagegen das Problem,
dass dort vielleicht nur eine Einzige für die
Sportzeit gemeldet ist und sie dann gar nicht gehen
darf.
Bloß gut, dass es das Treppenhaus gibt. Wer dann
weit oben wohnt, kann wenigstens Treppen steigen
oder rennen. Aus Erfahrung sage ich euch, seid
vorsichtig, es könnte durchaus passieren, dass
euch die Luft knapp wird. Ich habe da einen kleinen
Vorteil mit meinen vier Beinchen. Aber wie heißt es
so schön, neuer Tag, neues Glück oder so ähnlich.
Miau.
Elli auf Streifzug durch die Bücherei
Hallo Ihr Lieben, ich hab euch was zu erzählen.
Neulich,
als
ich
so
durchs
Treppenhaus
schlenderte, sah ich, wie viele Frauen durch ein
und dieselbe Tür gehen. Kurz rein und wieder raus.
Was hatten die denn da im Arm? Meine Katzen-
neugier war geweckt. Als sich die Tür wieder
öffnete, schlüpfte ich auf meinen Samtpfötchen
geduckt durch die Tür. Da standen die Mädels vor
einem Tisch und bekamen Bücher, CDs, DVDs
oder auch Hörbücher. Viele waren zufrieden,
manche schimpften, weil sie wohl das, was sie
bestellten, nicht bekamen. Ich beschloss, der
Sache auf den Grund zu gehen.
Ich schmiedete einen Plan, nämlich die Nacht bei
den vielen Büchern zu verbringen, damit ich am
nächsten Tag gleich früh da war, um nichts zu
verpassen. Ich suchte mir ein geeignetes Plätz-
chen, von wo aus ich alles im Blick hatte. Aber erst
mal einrollen und schlafen …
Am nächsten Morgen wachte ich vom Schlüssel-
geräusch geweckt auf und musste mich erst einmal
orientieren. Wo war ich denn? Ach ja, ich wollte
schauen, wie es so abläuft in der Bücherei. Wie
bekommen die Mädels ihre Bücher und den ganzen
Kram? Da habe ich doch tatsächlich verschlafen,
sowas ist mir auch noch nicht passiert. Pünktlich
um 7 Uhr ging die Tür auf und ein Wagen mit vollen
Kisten wurde hereingebracht. Kurz darauf kamen
drei Frauen, zweie blieben da und eine ging wieder
weg und schloss die Türe zu. Nun war ich
gespannt, was passieren würde. Eine der Frauen
nahm eine Kiste und öffnete sie, nahm die Bücher
und CDs und alles raus, schaute nach, ob alles drin
war, wo es hingehörte.
Die
CD-Hüllen
hatten
alle eine Nummer und auch die Scheiben
hatten
jeweils
Nummern,
damit
sie
nicht
verwechselt werden - wie gut, dass ich so
exzellente Katzenäuglein habe. Auf dem Schreib-
tisch lagen viele Zettel und mehrere Ordner, die die
eine Frau sortierte, während die andere schon in
der nächsten Kiste Ordnung machte. Nun wurden
die Zettel mit den zurückgegangen Sachen
verglichen, alles in der Karteiablage und zusätzlich
im Computer kontrolliert. Wenn alles stimmt,
werden die Zettel gestempelt und die Sachen
beiseite geräumt. Aber Mädels, der Computer
merkt auch, wenn etwas nicht rechtzeitig abge-
geben wird. Das erscheint dann auf einer
Säumnisliste, die ich auch schon mal auf meinen
Streifzügen auf Station habe hängen sehen.
Mädels, wenn euch das mal passiert, bitte
schnellstens abgeben, denn solange ihr nicht
abgegebene Sachen habt, bekommt ihr nix Neues.
Bücher und Hörbücher dürft ihr vier Wochen
behalten, CDs und DVDs nur eine Woche, das
zeigt euch auch der Stempel vorne drin.
Da stapelten sich nun die ganze Bücher und CDs
immer höher auf dem einen Tisch. Warum werden
die nicht in die meterlangen Regale eingeräumt,
fragte ich mich. Das machte mir Kopfzerbrechen.
Es half nichts, ich musste meine Tarnung
aufgeben, so schnurrte ich langsam um die Beine
der einen Frau. Sie zuckte kurz zusammen und
freute sich dann, mich, die Elli, zu sehen. Als Dank
bekam ich ganz viele Streicheleinheiten, fast hätte
sie über meinem streichelzarten Fell die Arbeit
vergessen. Als ich danach fragte, warum die Stapel
noch da waren, erklärten mir die Frauen den
Grund.
Alles, was zurückkommt, bleibt liegen, bis die
Bestellungen abgearbeitet sind. Damit auch die
anderen, z. B. Haus 3, die gleiche Chance haben,
begehrte Bücher und CDs mal zu bekommen.
Dann gibt es da einen Kalender, in jeder Woche
steht eine Zahl und es wird bei dieser Station mit
dem Verleih begonnen. So ist gewährleistet, dass
nicht immer die gleichen zuerst dran sind. Ich kann
euch sagen, ich hätte nie gedacht, was da für eine
Arbeit drin steckt, bis so ein Buch oder eine
Silberscheibe bei euch ist.
Frohe Ostern!
Ciao und Miau eure Elli
„Ellis“ - Kaffeekränzchen“

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
5
20 Jahre HaftLeben
Kinderbesuch bei der HL-Redaktion
(HL/Red.)
Im Jahr 2020 möchte die Redaktion der Chemnitzer Gefangenenzeitung
„HaftLeben“ besonders auf die Probleme mit und in den Familien von Gefangenen
aufmerksam machen.
Wir sind der Meinung, dass die Kinder von Inhaftierten oft darunter leiten, dass ihre Muttis
nicht am Familienleben teilnehmen können. Somit sind diese Kinder eigentlich, und nicht
nur aus unserer Sicht, ohne Tat und Urteil mit bestraft. Glaubt man den vielfältigen
Veröffentlichungen zu diesem Thema, ist das eine sehr große Belastung für diese Kinder.
Auf den Seiten 14 und 15 dieses Heftes zeigen wir einige europäische Ideen auf.
Ein erster Anfang von unserer Redaktion ist mit dem ersten Projekttag „HL - Kinder-Seite“
in der Gefangenenzeitung „HaftLeben“ gemacht. Mit dieser Seite möchten wir Kindern die
Möglichkeit geben, ihre Gedanken, Sichtweisen oder Alltagserlebnisse ihren Muttis oder
Omis mitzuteilen.
Wir freuen uns schon auf die nächsten Ideen der Kinder zum Projekt der nächsten „HL -
Kinder-Seite“
Der Start ist unserer Meinung nach gelungen. Was meinen Sie?
„Fräulein P.“ gibt Antworten
(HL/PAF/HB)
Da
meine Tochter zum
Redaktionsinterview ziemlich nervös war, hatte ich
ihr ein paar Tage später nochmals dieselben
Fragen zu unserer Haftleben gestellt.
1) Was würde dich freuen oder was würdest du
schön finden, wenn du unsere Zeitung auf-
schlägst?
Tochter (6)
- man kann da ja eine Kinderseite rein -
machen. Und Ausmalbilder. Ich würde mich auch
über ein Ausmalbild mit Lutz (
Redakteur der HL)
freuen.
2) Wäre es gut, wenn man euch Kindern erklärt,
wie es hier so ist?
Tochter (6)
- Ja, dann wissen auch die anderen
Kinder Bescheid. So ein Heft für Kinder.
3) Was würdest du noch toll finden?
Tochter (6)
- Wenn ich bei dir Geburtstag feiern
kann, mit Torte und so ner Girlande.
4) Wie fandest du denn die Sitzung, also das
Treffen, mit uns?
Tochter (6)
- Das war echt schön gewesen und voll
lustig. Bekomm ich dann auch die Bilder?
-
Antwort: Natürlich
5) Magst du denn nochmal zu so einem Treffen
kommen wollen?
Tochter (6)
- Jap, kenn ja alle.
Die Redaktion „HaftLeben“ bedankt sich bei
PAF für das Interview mit Fräulein P. und freut
sich auch schon auf ein Wiedersehen, vielleicht
sogar mit mehr Kindern.
Foto: HL/
Red_2020_02_20

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6
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Kinderbesuch in der HL-Redaktion
Kinderbesuch in der JVA mit der
Redaktion und der DPA
(HL/HB)
Mit Freude erwarteten wir den gestrigen
Tag und konnten es kaum erwarten und waren
sehr gespannt auf das, was da auf uns zu kommt.
Zwei Mitglieder, stellvertretend für unsere gesamte
Redaktion, unser „ehrenamtlicher Frauenver-
steher“, die Deutsche Presseagentur (DPA) und
ein kleiner Zwerg fanden sich am 20.02.2020,
13:30 Uhr im Besucherzentrum ein und wir gingen
in einen der Behördenräume, machten es uns da
so gut es geht gemütlich und warteten auf das
kleine Mädchen (6 Jahre). Natürlich war es jetzt
nicht irgendein Mädchen, die Mama ist Team-
leiterin der Redaktion und war natürlich mit dabei
und hatte alles im Blick. Wir von der Redaktion und
der Journalist von der DPA stellten ihr viele Fragen
zu unserer Zeitung und was sie selbst gern wissen
möchte über unseren Alltag, Essgewohnheiten und
Freizeitbeschäftigungen. Die zwei „jungen Männer“
von der DPA machten einen wirklich sehr
erfahrenen Eindruck, weswegen wir bestimmt
aufgeregter waren, als es vielleicht rüberkam.
Zwischendurch wurden sehr viele Fotos gemacht
und der Journalist befragte uns zu unserem
leidenschaftlichem Hobby, äußerte sich in dank-
barer Weise kritisch zu dem ein oder anderen und
gab uns Verbesserungsvorschläge für unsere
Redaktionsarbeit. Während langsam die Süßig-
keiten ihre Wirkung zeigten, wurde der Fotograf
dann, ob gewollt oder nicht, zum „Bespaßer“ und
auch der Boden war nachher wahrscheinlich
sauberer als vorher. Es war ein wirklich sehr
angenehmer Tag, nur wie immer ging auch diese
Zeit des Besuchs viel zu schnell vorbei. Ich
spreche da für alle, wenn ich sage, dass wir diesen
Tag definitiv nicht vergessen werden.
In diesem Sinne bedanken wir uns bei den zwei
Herrn der DPA, dass sie sich die Zeit genommen
haben, einmal hinter die Mauern zu blicken, wir
bedanken uns ebenfalls bei Lutz, der das alles erst
in die Wege geleitet hat und zu guter Letzt bei dem
kleinen Wirbelwind. Sie hat wirklich Schwung in die
Bude gebracht.
Vielen, vielen Dank für diese schöne Zeit!
(HL/PAF) Zu unserem Treffen hatte die kleine Maus (Fräulein P.) natürlich auch eine sehr wichtige
Aufgabe, um uns bei der Fertigstellung der Zeitung zu helfen. Sie sollte ein Bild malen von uns allen und
das dann erklären.
Relativ schnell wurde mir das Bild zugeschickt und wir alle mussten erst mal herzlich lachen. Die kleinen
Details zeigten uns, wie aufmerksam sie in dieser Zeit war und man beachte, dass abgesehen von ihrer
Mama, alles nur fremde Personen in diesem Raum waren und dennoch ist sie so schnell mit allen warm
geworden. Nachdem ich nun das Bild in meinen Händen hielt, rief ich sie an und bat sie darum, es mir mit
ihren Worten zu erklären.
Lampe
Der
kleine
rote
Trolli
vom
Lutz
Die Katze ist
unsere
verstorbene
Katze
Struppi.
Wellensittich
Hansi, ist
leider auch
schon tot.
Am
Tisch
sitzen
der
lustige
Kameramann, dann war da noch
Lutz, der immer viel mit dem anderen
Mann geredet hat, Anne, das ist eine
Freundin von meiner Mama und
Mama eben.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
7
(HL)
Der Besuch war lange vorbereitet - und
dann wie im Fluge vorbei. Wir, also der Fotograf
und ich, wollten erfahren: Wie entsteht die Zeitung
„HaftLeben“? Woher kommen die Themen? Wie
viele Frauen gehören dem Redaktionsteam an?
Welche Tücken hält die Arbeit an einem Heft
bereit? Kurz gesagt: Wir wollten Einblicke in eine
Medienarbeit bekommen, die uns wie den meisten
Menschen für gewöhnlich verwehrt bleibt, um
darüber zu berichten.
Ruckzuck habe ich zehn Seiten in meinem
Notizbuch vollgeschrieben. Während der Fotograf
sowohl für uns als auch für die Nummer 65 von
„HaftLeben“ zahlreiche Fotos schießt, erfahre ich
im
Gespräch mit
Adriana
und Anne viele
interessante Details über die Entstehung einer
Ausgabe. Und ich ertappe mich bei der Frage, ob
ich denn auch so arbeiten könnte, ohne den heute
in der Medienbranche nahezu unbeschränkten
Zugang zum Internet. Bei der Antwort schwanke ich
zwischen ja, nein und vielleicht. Es bedarf auf jeden
Fall viel Fleiß und Köpfchen, denn ein „Weiß ich
nicht. Ich google das mal schnell.“ gibt es nicht.
Ich
verlasse
den
Besuchsraum
mit
vielen
Eindrücken, ein paar Ideen und einer nicht
geringen Portion Respekt für die Arbeit der
„HaftLeben“-Redakteurinnen und ihres „Frauen-
verstehers“.
MK
Anmerkung der Redaktion:
Beide Herren von der
Nachrichtenagentur hatten die Gelegenheit, am
ersten HL-Projekttag im Besuch der JVA Chemnitz
teilzunehmen. Herzlichen Dank dafür, Danke auch
an die Anstaltsleitung, die dies ermöglichte.
Die Redaktion der Gefangenenzeitung „HaftLeben“
möchte mit diesem Projekt die Sichtweise von
Kindern von inhaftierten Frauen aus Sachsen und
Thüringen kennenlernen. Uns interessiert, wie
diese Kinder, mit ihren Familien im Hintergrund,
ihre Mutti in das Familienleben einbeziehen und
welche Alltagsauswirkungen so ein Besuch „hinter
Gittern“ mit sich bringt.
Wir von der Redaktion „HaftLeben“ interes-
sieren
uns
für
Ihre
Erfahrungen
und
Geschichten.
Wie immer gerne über die Briefkästen der
Gefangenenzeitung.
Besuch in der HL-Redaktion

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8
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Hört, hört, die GMV
hat etwas zu sagen
Hallo ihr Lieben,
wie ihr sicher mitbekommen habt, gab es nach
langer Zeit die ersehnte GMV-Wahl.
Wir möchten euch gern die neuen Mitglieder der
aktuellen GMV vorstellen:
*
Susanne, Z.
Station 5
*
Jsabell, K.
Station 5
Adriana, M.
Station 5,
Schreiberling
Melanie, B.
Station 1,
Ansprechpartnerin
*
Astrid, L.
Gefangenen-
Gewerkschaft
Susanna, S.
Haus 3
Was gibt es Neues:
-
Es ist geplant, in naher Zukunft die Küche
komplett neu zu sanieren. Dazu werden dann
entsprechende Container aufgestellt und ja, auch
eine Kühlung ist vorhanden.
-
Viele von euch kennen ja den alten Speise-
raum, der zurzeit gesperrt ist. Es ist geplant, dass
dieser endlich für diverse Veranstaltungen wie z. B.
Konzerte, Theater, etc. wieder leer geräumt wird.
-
Es finden ja in diesem Jahr wieder vier
Termine des „Mutter-Kind-Tages“ statt, viele haben
mitbekommen, dass Frau Parthum nicht mehr da
ist, die es ja auch alles gemanagt hatte. Keine
Panik, es ist schon eine neue Sozialarbeiterin
vorhanden, die ihre Aufgabe übernimmt. Es geht
hoffentlich alles seinen Gang weiter.
-
Thema Einkaufsscheine: schon mitbekom-
men, dass von unseren Namen nur noch drei
Buchstaben abgedruckt werden. Man will nicht an
Druckerfarbe sparen, sondern den Datenschutz
gegenüber Massak wahren.
-
Es gibt seit neuestem einen neuen Para-
graphen für U-Häftlinge und deren Urlaubs-
anspruch. Dazu müsste sich auch schon etwas im
Terminal befinden. Lest einfach mal nach.
Es ist zu einer Unsitte geworden…
eine kleine Anmerkung noch am Rande.
Viele von euch melden sich bei verschiedenen
Veranstaltungen an und gehen jedoch nur ein– bis
zweimal auch dorthin, danach ist einfach Schluss.
Meist
hört
man
folgende
Gründe
für
die
Abmeldung, wenn die überhaupt passiert:
Entweder hat man keine Lust mehr oder es findet
im Aufschluss statt.
Das können wir als GMV ja nachvollziehen, jedoch
müsst ihr auch mal das folgende in eure Ideen mit
einbeziehen.
Ihr wollt, dass viel mehr Veranstaltungen statt-
finden, die Anstalt kümmert sich und sucht nach
Leuten, die es hier in der JVA auch umsetzen
möchten und können, die extra hierher kommen
und sich die Zeit für uns nehmen.
Dies kostet natürlich auch alles Geld und wenn
man dann nur paar mal teilnimmt und am Ende nur
noch zwei Teilnehmer vorhanden sind, lohnt es
sich nicht und der Kurs wird aufgelöst. Schade!!!
Da ist es doch auch verständlich wenn die Anstalt
dann weniger oder gar nichts mehr anbietet oder?
Das gleiche gilt für die Gottesdienste etc., ihr
meldet euch an und dann habt ihr keine Lust mehr
und geht nicht.
Das
ist
natürlich
gegenüber
den
anderen
Gefangenen echt Schei*e, denn die wollen ja gerne
an diesen Veranstaltungen teilnehmen.
Bitte überlegt es euch in Zukunft ob ihr euch
anmelden wollt oder nicht. Andere wollen und
dürfen durch eure voreilige Anmeldung nicht mehr.
Und ja, auch wenn deine Freundin keine Lust mehr
hat, du darfst auch alleine hingehen!
G
efangenen
M
it
v
erantwortung und ...
Foto Archiv HL/09/F29 Architekten

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
9
Naikan
NAIKAN - Das Gute im eigenen Leben
entdecken
(HL-PAF)
NAIKAN heißt "Innenschau" und
wurde von Ishin Yoshimoto vor etwa 75 Jahren in
Japan entwickelt. Es ist ein sanfter und doch
äußerst wirkungsvoller Weg der Selbsterkenntnis,
der meditative und psychologische Aspekte vereint.
Diese Methode ist frei von religiösen Formen und
Inhalten. NAIKAN setzt keine besonderen Kennt-
nisse oder Meditations-Erfahrungen voraus.
NAIKAN ist sehr einfach, um mit den Worten des
Begründers zu sprechen, kinderleicht.
Jedes Kind kann drei Fragen beantworten.
Jeder kann NAIKAN üben, gleich welchen Alters,
nur einzig die Bereitschaft, sich auf den Weg zu
machen, genügt.
NAIKAN ist geeignet für Menschen, die den Sinn
ihres Lebens suchen, die die Bedeutung ihrer
zwischenmenschlichen Beziehungen erkennen und
sich auf ihre eigene Verantwortung einlassen
wollen.
Um NAIKAN zu praktizieren, sind keine
besonderen Fähigkeiten oder geistigen
Vorbereitungen erforderlich.
Die drei Fragen, die vieles klar machen:
1) Was hat eine Person (Mutter, Vater, Partner, ...)
in dieser Zeit für mich getan?
2) Was habe ich für diese Person in dieser Zeit
getan?
3) Welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person
in dieser Zeit gemacht?
Der einwöchige NAIKAN-Kurs wurde vom
22.11.2019 bis 29.11.2019 hier in der JVA
angeboten. Die Teilnehmer waren im Haus 4
(ehem. Mutter-Kind) untergebracht. Jede von ihnen
hatte ein eigenes Zimmer und war somit ganz auf
sich fokussiert. Die einzige Kommunikation fand mit
den jeweiligen Therapeuten statt. Alle Teil-
nehmerinnen haben durchgehalten und die
NAIKAN-Woche erfolgreich abgeschlossen. Es
mag sich schwer anhören, aber das ist es von den
Erzählungen her nicht. Sicher scheint die Aufgabe,
eine Woche lang zu schweigen und nur mit den
Therapeuten über die gestellten Fragen zu
sprechen, schwer - ohne Fernseher, ohne Radio,
selbst ohne Bücher oder Notizen. Doch die
Erfahrungen waren rundweg positiv und die
Teilnehmerinnen berichten von wirklich
interessanten Einsichten, nicht von den Ent-
behrungen.
Die Einteilung in verschiedene Lebenszeiten - Was
habe ich für meine Mutter im Alter von 4 bis 8
Jahren getan oder von 8 bis 12 Jahren - klingt
schwierig. Die Erinnerungsgeister kehren aber
schneller zurück als man denkt. Jede berichtete
von interessanten Ansichten, von Erinnerungen, die
unerwartet und doch so leicht zurückkamen. Die
(Selbst)Erkenntnisse waren unbezahlbar.
Jeder kann es schaffen, Briefe schreiben,
telefonieren, Besuch, Kommunikation für eine
Woche mal einzustellen und mal ganz bei sich zu
sein.
Sollte es nochmals angeboten werden, dann gebt
euch einen Ruck und nutzt die Chance.
Bilder: Flyer der JVA Chemnitz und free, pixabay.com

10
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Besuchserlebnisse
(HL/PFL)
Ich stehe am Fenster und schaue
hinaus. Sehe über die Mauern, die mich umgeben,
drüber weg. Ich sehe die Stadt, die Natur, in weiter
Ferne den Wald. Ich stelle mir das Leben da
draußen vor, gerade jetzt und ohne mich. Wie gerne
würde ich da auch sein, bei meiner Familie. Den
„normalen“ Alltag erleben. Aber ich bin hier in der
Zelle und schaue zum Fenster raus. Mit Blick auf
das Eingangstor kommen Gedanken, Gefühle, an
die ich nicht gerne zurückdenke. Es tut einfach zu
weh.
Der Tag, an dem ich hier rein kam, war der
Schlimmste, nicht mit Worten zu beschreibende,
Tag. Ich dachte, dass war‘s jetzt, alles vorbei, mein
Leben, die Freiheit, die Familie, Arbeit, einfach alles.
Wie sollte ich weiterleben. Der erste Satz, den ich
zu hören bekam, war im Grunde genommen eine
Frage. Waren sie schon mal hier? Ich konnte mir
nicht vorstellen, dass hier irgendjemand mehr als
einmal rein kommt und sagte natürlich, dass ich
noch nicht hier war. Lange Zeit später erfuhr ich,
dass man doch mehr als einmal hierher kommen
kann. Ich musste alle meine persönlichen Sachen
abgeben und bekam wie alle am Anfang Anstalts-
kleidung, Bettwäsche und das Nötigste zur Hygiene.
Danach ging es in die Zelle. Das Hausmädchen war
sehr freundlich. Sie sah mir meinen Schockzustand
wohl an und sagte: „Hier ist es nicht so wie im
Fernsehen dargestellt.“ Dann wurde die Türe
zugemacht und mit lautem
Geräusch abge-
schlossen. Dieses Geräusch hat mich sehr lange
verfolgt. Ich hörte es, auch wenn niemand an der
Türe war. Ich denke, selbst wenn ich irgendwann
entlassen sein werde, werde ich diese Geräusche
weiter hören. So, da war ich nun, eingesperrt. Die
Hilflosigkeit, nichts dagegen tun zu können, raubte
mir fasst meinen Verstand.
Die ersten sechs Monate waren schlimm. Nicht nur,
dass ich mich an das Leben in Haft gewöhnen bzw.
anpassen musste, nein noch viel schlimmer war,
dass ich so wenig Kontakt nach draußen hatte.
Jeder von euch, der Postkontrolle hatte, weiß wovon
ich hier schreibe. Was auch ganz wichtig ist und
bleibt, es geht hier nichts oder fast nichts ohne
Antrag. Ein Brief vom Abschicken bis zur Antwort
dauerte nicht selten sechs Wochen. Telefonieren,
trotz Erlaubnis von der Staatsanwaltschaft, fast
unmöglich. Meine Tochter wurde zu Hause fast
verrückt, da sie einfach nichts von mir hörte. Wollte
ich telefonieren, natürlich mit Antrag und Warten, bis
ich dran war oder auch nicht, da ja kein Notfall,
brachte mich an die Grenze meiner Kräfte. Was ist
ein Notfall? Das alles hier ist ein einziger Notfall. So
kam es, dass ich in sechs Monaten gerade acht
Anrufe mit meiner Familie hatte. Schlimm. Ich
merkte, dass ich mich immer mehr von daheim
entferne. Vom Leben draußen bekam ich nichts
mehr mit. Viel mehr Briefe waren es auch nicht
durch die Postkontrolle.
Dann, als endlich die Kontrollen aufgehoben
wurden, war es erträglicher, hier zu sein. Nun
telefonieren wir wirklich täglich.
Besuch hatte ich den ersten nach einem Jahr Haft.
Ich wusste nicht, wie ich meinen Lieben gegen-
übertreten soll. Anfangs gab es kurze Start-
schwierigkeiten, aber dann ließ mich mein Enkel
nicht mehr los. Sie fragte immer wieder, wann ich
wieder nach Hause komme. Leider dauert es noch
eine lange Zeit. Während der Besuchszeit spielen
mein Enkel, meine Tochter und ich, lese eine
Geschichte vor, was ich auch fast täglich am
Telefon mache oder wir halten uns ganz fest und
kuscheln miteinander. Diese Augenblicke genieße
ich. Ich bin sehr stolz auf meine Tochter, dass sie
sich auf die neue Situation so gut eingestellt hat. Mit
allem ist sie draußen alleine. Ich bin der Über-
zeugung, dass die Angehörigen draußen es
schwerer haben. Sie müssen die Blicke und das
Gerede ertragen. Einmal fragte ich meine Tochter,
ob sie sauer auf mich sei bzw. ob sie mich hasse,
dafür was ich gemacht habe. Meine Tochter war
anfangs sehr wütend auf mich. Durch meine Aktion
habe ich die ganze Familie gefährdet. Wir haben
doch nur uns, sind bzw. waren ein eingeschweißtes
Team. Sie sagte auch, daas es nun nicht mehr zu
ändern ist, rückgängig geht nicht, nun müssen wir
da gemeinsam durch.
Ich bin nun schon einige Monate hier. Wie gehe ich
mit der Situation um? Das ständige Grübeln wieso,
weshalb, warum, hätte, wäre, wenn, habe ich mir
abgewöhnt, weil es nichts bringt und es alles nur
umso schwerer macht. Zu ändern ist es nicht mehr.
Entweder ich akzeptiere das „neue“ Leben hier oder
ich gehe daran kaputt. Ich habe mich entschieden,
das Beste daraus zu machen und versuche, jeden
Tag so sinnvoll als möglich zu verbringen. Setze mir
kleine Ziele und freue mich, wenn ich diese erreicht
habe. Der größte Teil des Tages vergeht mit
Arbeiten. Dann gibt es verschiedene Angebote im
Haus, von denen ich einige wahrnehme, Hand-
arbeiten, lesen, zeichnen und basteln sowie
Freizeitangebote wie Dart, Billard und Tischtennis.
Aber trotz allem kommen Tage, an denen ich denke,
ich schaffe das doch nicht. Ich werde sehr traurig,
emotional und wütend auf mich selbst. Die
Sehnsucht, gerade jetzt einen Spaziergang mit
meiner Familie zu machen, einen Einkaufsbummel
oder einfach in vertrauter Umgebung zu sein.
Meiner Arbeit draußen nachgehen zu können. Auf
all das muss ich noch lange Zeit verzichten. Wie oft
habe ich mir, als ich noch in Freiheit war,
gewünscht, mal ein bisschen Zeit für mich zu haben.
Jetzt habe ich die Zeit und möchte sie nicht alleine
verbringen, ohne meine Familie. Der Tag wird
kommen und ich werde aus der Haft entlassen. Ich
kann dann sagen, ich hab es geschafft. Dieser
Abschnitt
meines
Lebens
gehört
zu
mir,
unwiderruflich aber ich weiß auch, dass ich NICHT
wieder hierher zurückkommen werde.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
11
Besuchserlebnisse
Vier Füße sind zwei zu viel oder
hier an der falschen Stelle
(HL/NML)
Alles beginnt mit der Nachricht,
dass jemand verstorben ist. Zwischen meinem ersten
Unglauben und der Bestürzung kann ich irgendwie
keinen klaren Gedanken fassen. Die Welt da draußen
ist in meinem Kopf eigenartig konserviert - so als ob
sich seit dem Tag meiner Inhaftierung dort nichts
verändert hätte und auch nichts verändern kann.
Wenn ich rauskomme, wird alles so sein, wie ich es
verlassen habe - dachte ich.
Doch nun ist ein Mensch weg. Ich habe ihn nicht
nochmal gesehen, auch mit Anstrengung fällt es mir
schwer, mich an ein klares Bild von dem Gesicht zu
erinnern. Jetzt werde ich dieses Gesicht nie wieder-
sehen. Die Welt draußen dreht sich weiter und
verändert sich, ohne dass ich es miterleben kann.
Nach dem ersten Schock, nachdem die Erkenntnis
dann wirklich eingesunken ist, kommen die quälenden
Fragen. Schaffe ich es zur Beerdigung, falls sie nicht
sogar schon stattgefunden hat. Will ich zu der
Beerdigung gehen, wenn ich es in Handschellen tun
muss. Möchte
ich in Fesseln
sein, an der
Führungskette einer Zufallsbediensteten, die ich
vielleicht noch nie zuvor gesehen habe.
Ist bis zur Beerdigung noch genug Zeit, um die
nötigen Unterlagen für die Ausfahrt vom Bestatter zur
JVA zu bekommen?
Nur mit Sterbeurkunde und Terminbestätigung ist die
private Ausfahrt auf meine Kosten überhaupt möglich.
Kann ich mir die Fahrtkosten zwischen Pfändung und
Arbeitereinkauf noch leisten? Für meine Trauer bleibt
im Prinzip keine Zeit - da ist viel Rechnen, viel
Bürokratie und viel Bangen. Der Kampf mit den
bürokratischen
Mühlen
-
wenngleich
irgendwo
notwendig - macht mir den Zugang zur eigenen
Trauer, das Zulassen des Verlusts, unglaublich
schwer. Die Sterbeurkunde macht es letztlich real und
bringt die gesamte Absonderlichkeit des Abschieds in
Fesseln - die Fahrt in Handschellen und Fußfesseln
und den Gang in Handschellen und an die
Bedienstete gekettet - in den Fokus. Ich versuche, mir
gedanklich die passenden Klamotten aus meiner
Habe vorzustellen, mir den Gang in kalten Fesseln
vorzustellen, mir die Blicke und das Getuschel von
näheren und entfernteren Verwandten vorzustellen.
Doch jede Vorstellung bleibt absolut unwirklich. Ich
kenne zwar den Friedhof, aber meine Erinnerung ist
schwammig und unklar.
Jedes Bild, das ich mir mache, wird vor Ort ganz
anders aussehen.
Dann ist der Tag da und mir ist auf viele Arten elend.
Meine Begleitung kann ich nicht beeinflussen, weder
die Abfahrt noch Reiseroute festlegen - ob ich
pünktlich bin oder zu einer Beerdigung zu spät
komme, liegt nicht in meiner Macht.
Das Wetter passt zum Anlass - grau, kalt, windig,
einfach ungastlich. Die ganze Situation lässt mich bis
auf die Knochen frösteln.
So krampfhaft ich versuche, die Fesseln auszu-
blenden, so auffällig die anderen Gäste meine
Begleiter übersehen, so zuverlässig schirmt mich
beides vom Geschehen ab - lässt weder meine
Gefühle wirklich fließen noch die Anteilnahme oder
eine enge Verbindung zu den anderen zu. Ich kann in
Handschellen niemanden umarmen, selbst das
Händeschütteln verliert durch die Bedienstete an der
Führungskette, die man zwangsläufig mitschüttelt, an
Nachdrücklichkeit.
Mit einem ordentlichen Händedruck fordert man sonst
Respekt ein. In dieser Situation ist man froh, wenn
der Händedruck überhaupt angenommen wird. Man
hofft auf die Nachsicht der anderen. Man lässt sich
umarmen, drückt sich verstohlen an einen warmen
Körper - wenngleich man die Nähe und jedes Wort
mit der Justiz teilen muss.
Auch der eigene, private Moment des Abschieds ist
schwierig, denn er ist nicht privat. Ich habe keinen
einzigen Moment allein mit der Urne, allein vor der
letzten Ruhestätte im Erdboden.
Es schweben drei Hände über dem Grab, es stehen
vier Füße vor der Kante. Ich versuche, in mich hinein-
zufühlen und die Szene und meine Erinnerungen -
was ich mit der Verstorbenen verbinde - auf mich
wirken zu lassen. Doch die Fesseln und die Fremden
neben mir wirken wie Kryptonit, wie ein hemmendes
Gift. Ich bin wie gelähmt, wie eingefroren, völlig starr.
Auch ein letztes Wort - nur zwischen mir und der
Verstorbenen - ist nicht möglich.
Selbst in Flüsterlautstärke hört es nicht nur sie allein.
Knie ich, so knie ich nicht allein. Streichle ich über ein
Blütenblatt, streifen nicht nur meine Hände den
niedergelegten Kranz. So unauffällig sich meine
Begleiter auch zu geben versuchen, mein Ärger
darüber, dass sie kein Schwarz tragen, lähmt meine
eigene Präsenz in dem Moment.
Es ist ein Abschied so ganz anders als ich ihn mir
vorgestellt oder gewünscht hätte.
Ich kann für niemanden anderen eine Empfehlung
aussprechen, ob sie an einer Beerdigung unter
solchen Bedingungen teilnehmen sollte. Ob eine
vielleicht stundenlange Fahrt und die pausenlose
Fesselung die kurzen, absonderlichen Abschieds-
momente am Grab wert sind. Das muss jede in
Anbetracht der Verstorbenen, der eigenen Gefühle
und der eigenen Familie für sich selbst entscheiden.
Ich persönlich hätte mir die Beerdigung ganz anders
gewünscht, aber ich hätte sie auch nicht verpassen
wollen.

12
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Besuchserlebnisse
Das erste Mal Besuch unter vier
Augen mit Mama
(HL/HB)
Seit etwa drei Jahren bin ich nun hier
und dass wir uns regelmäßig, wenn auch nur
einmal im Monat sehen, brauchen wir so sehr.
Umso gespannter und aufgeregter war ich, als ich
relativ Anfang 2019 einen Antrag abgegeben hatte
für die Nutzung des "ehe- und familienfreundlichen
Besuchs". Nach ewigem Warten bekam ich dann
endlich Mitte Dezember die Genehmigung und
freute mich so sehr, weil ich mir da schon gut
vorstellen konnte, dass es nochmal was komplett
anderes sein wird und so war es natürlich auch.
Nachdem ich die Genehmigung erhalten hatte,
machte ich sofort einen Termin. Nach dessen
Bestätigung schaute ich im Kalender nach, an
welchem Freitag vor dessen Termin ich denn
einkaufen könne, aber dazu gleich mehr.
An einem Tag an dem meine Mama „normal“ zu
Besuch kam, haben wir uns diesen Raum zeigen
lassen. Ich war so gespannt und ich denke, Mama
auch. Dort angekommen, war alles zwar über-
schaubar, aber im positiven Sinne. Klein und fein
und dennoch was besonderes. Eine Spielecke (die
wir zwar hätten nutzen können, aber nee...aus dem
Alter sind wir ja raus :P ), ein großer Tisch, Stühle,
ein Sofa, eine Küchenzeile (mit Töpfen, Besteck,
Teller,
Wasserkocher,
Kaffeemaschine),
ein
Badezimmer mit allem, was da so im Normalfall
auch draußen drin stehen sollte ;) und eine
Terrasse mit Sitzgelegenheiten (für die Nutzung der
Terrasse hätte ich jedoch vorher einen Antrag
schreiben müssen).
Sooo, das alles "erforscht" und dann ging es los
und ich überlegte rauf und runter, was ich denn an
diesem Tag, in diesem Raum, mit Mama machen
möchte. Nun ja, viele Optionen hatten wir nicht,
also beschloss ich, mit ihr was „kochen" zu wollen.
Das stellte ich mir jedoch leichter vor, als es am
Ende war. Denn ich musste versuchen, alles unter
einen Hut zu bekommen. Die mehr oder weniger
vorhandenen Kochutensilien mit den Sachen, die
wir hier zu bestellen bekommen, mit den Sachen
die Mama gerne isst. Na ja, lange Rede, kurzer
Sinn, nach Rücksprache mit ihr entschieden wir
uns doch für etwas eher simples, Würstchen mit
Salat und Joghurt. Ich bestellte noch etwas zu
Trinken und als kleines Geschenk kaufte ich ihr
noch ihre Lieblingstafel Schokolade. Alles bestellt
und erhalten, wartete ich auf den Besuchstag.
Endlich war es soweit. Ich wurde rüber gebracht,
musste mich vorher (und nachher) einmal komplett
ausziehen, das Übergabeprotokoll unterschreiben
und dann warten. Dann kam Mama und hinter ihr
wurde die Tür geschlossen. Wir umarmten uns
lange und freuten uns so sehr und spürten da
schon, dass es ein himmelweiter Unterschied war,
zwischen dem und einem normalen Besuch. Nach-
dem wir alles erkundet haben, Späße gemacht und
geredet hatten, beschlossen wir, die Würstchen
warm zu machen und alles für unser „großes" -
kleines Essen vorzubereiten. Auch das ist einfach
nochmal etwas komplett anders, als ich es mir
vorgestellt hatte. Es ist wahrscheinlich für andere
Menschen nichts besonderes, aber für uns war und
ist es das. Als wir dann mal auf die Uhr sahen,
konnten wir es kaum fassen, dass wir nicht mehr
ganz eine Stunde noch hatten. Wir sahen uns an
und es kam eine komische Hektik von innen heraus
in uns auf, welche wir beide wohl versuchten, uns
nicht anmerken zu lassen. Mehr oder weniger mit
Erfolg. Dann war es soweit und wir mussten uns
verabschieden. Nicht für immer aber wieder für
knapp zwei Wochen, aber so ist es nun mal.
Schlussendlich kann ich trotz der langen Wartezeit
von Antragstellung bis Genehmigung nur sagen,
dass es sich mehr als lohnt und ich würde dies
jedem empfehlen, der dafür in Frage kommt, zum
Beispiel aufgrund seiner Haftlänge und/ oder
anderer Anstaltseigener Gründe.
Verkehrsfunk
(HL/NML) Ich bin schon eine ganze Weile wach.
An Tagen, an denen ich vormittags Besuch
bekomme, kann ich eigentlich nie schlafen. Die
Vorfreude hält mich wach und die Brüche in der
Tagesroutine, die solche Termine zum Glück
bedeuten.
Ich sitze vorm Aufschluss schon lange am
Schreibtisch und kritzle gedankenlos auf einem
Antragsformular herum. Jedes Mal, wenn ich die
Striche wieder bewusst sehe, weiß ich nicht mehr,
was ich eigentlich zeichnen wollte.
Im Radio kommt gerade wieder der Verkehrsfunk
und meine Ohren bleiben an einer Meldung ganz
in der Nähe von zu Hause hängen. Die
Autobahnnummer und der Abfahrtsname zerren
meine ganze Aufmerksamkeit an sich. Haben
meine Lieben das noch gehört, bevor sie
losgefahren sind? Konnten sie rechtzeitig eine
andere Route nehmen? Oder stehen sie jetzt da
im Stau? Der Gedanke wird mich die ganze Zeit in
der Wartezelle begleiten, wenn ich ohne Uhr
versuche, die Zeit richtig abzuschätzen und mich
frage, ob sie wegen des Staus nun zu spät sind
oder nicht.
Und der Verkehrsfunk reißt mich von meiner
formlosen Kritzelei los. Ich erinnere mich genau
daran, wie die Abfahrt aussieht, schließlich bin ich
unzählige Male dran vorbei oder dort abgefahren.
Ich weiß, wie viele Bäume dort stehen, wie sie im
Sommer und im Winter aussehen.
Weiter auf Seite 12

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
13
Besuchserlebnisse
Es kribbelt im Bauch
(HL/PAF)
Vielen von euch wird es sicher
genau so gehen wie mir, wenn das eigene Kind
kommt oder vielleicht auch das Enkelkind, die
Nichte, der Neffe… Es kribbelt im Bauch, man ist
aufgeregt, fragt sich, wie groß sie/er geworden ist,
wie es in der Kita läuft, in der Schule oder Zuhause,
wie es ihr/ihm geht etc.
Dieses Gefühl, wenn ich auf sie warte und ihre
Gegenwart schon spüre, obwohl uns noch Türen
voneinander trennen, wenn ich dann ihre Schritte
höre, wir uns erblicken und sie in meine aus-
gestreckten Arme rennt mit einem so fröhlich
klingenden „Mama“, ich ihren schnellen Herzschlag
an meiner Brust wahrnehme und ihre warme, zarte
Haut auf meiner spüre. Ja dieses Gefühl, von
bedingungsloser und ehrlicher Liebe hält mich am
Leben und lässt mich nicht aufgeben.
Die Besuche mit ihr sind so schön und immer wieder
auf‘s neue kraftbringend. Wir sind seid Anfang an in
dem familienfreundlichen Zimmer und somit für uns
und genießen zwei Stunden unsere persönliche
Privatsphäre.
Wir malen bunte Bilder, spielen Rollenspiele mit
Lego, spielen Karten oder Schach, lernen für die
Schule, lesen in einem Buch, spielen Tierarzt oder
Pferd, wo sie das Pferd ist und mir Kunststücke
zeigt und ich sie nach Punkten bewerte, kuscheln
miteinander und ärgern/necken uns, wir reden über
alles, denn wir sind nicht nur Mutter und Tochter,
sondern auch beste Freundin. Nun folgt neben dem
Schönem aber auch der nicht so berauschende Teil,
den wir aber ganz gut hinbekommen - der Abschied.
Bei uns beiden ist nicht der Abschied an sich das
Schlimmste, denn diesen machen wir spielerisch -
sie versteckt sich oder sie will ihre Schuhe nicht
anziehen. Klar, Sse will nicht gehen und versucht
Zeit zu schinden, dass sagt sie mir auch, dass sie
nicht gehen will und mit zu mir kommen mag. Auch
sagt sie, dass das doch alles scheiße ist, dass ich
nicht mitkommen kann.
Das tut weh und ich versuche, meine innere Wut auf
mich selbst und meine Verletzlichkeit um Zaum zu
halten, da ich nicht noch möchte, dass sie denkt,
dass es mir nicht gut geht. Ich lenk sie dann ab und
kitzel sie an den Füßen, um ihr die Schuhe
anzuziehen oder trag sie wie ein Baby. Zum Schluss
folgen noch Küsschen und ein cooler Handschlag.
Sobald der Handschlag vollzogen ist, geht sie mit
dem Opa mit und ich zurück.
Ich sagte ja, dass nicht der Abschied an sich das
Schlimmste ist, sondern Minuten davor. Unser
Zimmer ist ja zu und man hört trotzdem, wenn
draußen etwas passiert und jedesmal, wenn sie
einen Schlüssel hört, schaut sie ganz aufgeregt zu
mir und fragt mich, ob sie schon nach Hause muss.
Ich glaub, dass mir diese Reaktion von ihr mit ihrem
traurigen Blick am meisten weh tut, denn sie ist zwar
in den zwei Stunden bei mir, aber auch immer mit
einem Ohr an der Tür und somit empfinde nicht nur
ich Schmerz sondern auch sie und das hat sie nicht
verdient.
Auch wenn es eine Trennung auf Zeit ist und wir
irgendwann wieder vereint sind, so ist dies
unerträglicher als eine endgültige Trennung. Doch
ich bin selber daran Schuld und hab es nicht anders
verdient, denn ich hab es mir so ausgesucht. Ich
wollte sie von der ersten Sekunde an beschützen
und jetzt kann ich es nicht mehr.
Mein Schatz, jeder Besuch mit dir ist wie Balsam für
meine Seele und ich genieße jede einzelne
Sekunde mit dir. Du bist alles und noch mehr.
© Marcel Forker
Weiter von Seite 11
Ich weiß, wie scharf die Biegung der Abfahrtsspur
ist, wie viel km/h man sich bei welchem Wetter
erlauben kann, ohne in den Graben zu rutschen.
Ich erinnere mich genau an die Nacht, als ein
Fuchs nur Zentimeter vor meiner Stoßstange
vorbeihuschte und in den eben jenen Graben
sprang - was für ein blödes Vieh! Naja, wir
konnten wohl beide froh sein, nicht ausgerechnet
in dem Moment gerade schneller oder langsamer
gewesen zu sein. Was würde ich jetzt für einen
Beinahe-Unfall an der Abfahrt geben, anstelle hier
eingesperrt zu sein. Was würde ich drum geben,
von einem erschrockenen Fuchs angestarrt zu
werden, als gleich bei der Lebendkontrolle meine
Augenringe herzuzeigen. Was würde ich drum
geben, beim Telefonieren die Abfahrt verpasst zu
haben und mich über den Umweg schwarz zu
ärgern, anstelle Löcher in die weiße Wand zu
starren.
Der Verkehrsfunk lässt mich immer etwas
wehmütig
werden.
Er
bringt
schmerzhafte
Erinnerungen an zu Hause, an die alten Ecken, an
vertraute Wege. Wann werde ich wieder dort
sein?
Es wird ja gleich jemand kommen, den ich fragen
kann, wie es dort jetzt aussieht. Wenn sie nicht zu
lange im Stau stehen.

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14
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Mein Tagebuch ...
Liebes Tagebuch…
(HL/UNDINE)
Not tut weh. Einsamkeit
ebenso.
Diese und andere Begleiterscheinungen einer Haft
äußern sich bei Gefangenen nicht selten. Darüber
hinaus besteht vielleicht auch das Bedürfnis,
Befindlichkeiten und Ereignisse während eines
Gefängnisaufenthaltes, als Beleg für die Zeit
danach, gedanklich festzuhalten.
Verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung
werden von Seiten der JVA vorgeschlagen. Doch
die Angebote sind sehr begrenzt und erreichen in
ihrem Wesen nicht jeden.
Hast du es einmal mit dem Anlegen und Schreiben
eines Tagebuchs versucht?
Diese Form der aktiven Auseinandersetzung mit
den eigenen Erlebnissen ist alt. Viele Literaten und
Vertreter geistiger Zünfte, Entdecker, Erfinder bis
zur Hausfrau heutiger Tage bedienten und
bedienen sich dieser Form der schriftlichen
Konservierung.
Das wohl allen, zumindest aus dem Schul-
unterricht,
bekannteste
Tagebuch
ist
das
„Tagebuch der Anne Frank“.
Auch die Form eines Tagebuchs kann sehr
verschieden ausfallen.
Ein Therapietagebuch, in welchem täglich fest-
gehalten wird, wie sich der Patient in sich und
seinem Umfeld entwickelt, ist manchem von euch
nicht fremd.
Eine weitere Form findet sich als literarisches
Tagebuch.
Besuche in Haft
(HL-LEA)
Bevor ich diesen Artikel schrieb,
dachte ich anders über Besuche in Haft, vor allem,
wenn man dann schon längere Zeit in Haft sitzt und
ein Horizont in Sicht ist, in meinem Fall war es eine
Therapie nach §35 BtMG…
Bei meinem letzten Haftaufenthalt habe ich nach
einer Weile keine Besuche mehr haben wollen, da
ich diesen Schmerz nicht mehr spüren wollte. Als
ich also nach ca. zweieinhalb Jahren so in
Richtung Therapie zusteuerte, machte ich bewusst
keine Besuchstermine mehr aus. Meine Eltern
leben nicht mehr und meine Brüder haben (da alle
selbständig) soviel zu tun, dass ich ihnen die lange
Fahrt von …. PIEEEP… in Thüringen nicht
zumuten wollte. Außerdem taten mir die Besuche
von zu Hause immer mehr weh, weil das Heimweh
immer größer wurde mit zunehmender Zeit. Ich
habe
es
also
vermieden,
Besuchstermine
auszumachen, aber wenn dann doch mal wie zum
Beispiel mein großer Bruder mit seiner Tochter und
einer Freundin zu Besuch kam, da fühlte ich mich
hinterher doch gleich viel besser - irgendwie
dazugehörig - zu einer Familie - zu meiner Familie!
Und das hat das Gefühl, was man hier manchmal
hat, nämlich ständig zweite Klasse zu sein oder
auch irgendwie „vergessen“ zu sein (weil in Haft),
dann doch sehr geheilt. Und richtig gesehen hatte
ich durch diese Besuche danach eigentlich mehr so
eine Hochstimmung… Und daher bin ich froh, dass
ich diesen Artikel geschrieben habe, sonst hätte ich
das nicht erkannt. Aber so ist das mit den eigenen
Gefühlen, die man lieber nicht haben möchte, weil
sie unangenehm sind - es hat mit Sehnsucht zu
tun, mit Heimweh und auch mit der eigenen
Einsamkeit, aber das kennt ihr sicherlich alle…
Und wenn ihr wollt, gibt es an dieser Stelle eine
Fortsetzung in der nächsten Haftleben, ich freue
mich auf
Leserbriefe zu euren Gefühlen
.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
15
Mein Tagebuch ...
Hier überarbeitet der Schreibende seine Wahr-
nehmungen zu einem späteren Zeitpunkt und bringt
seine Texte in eine literarische Sprache für alle
lesbar zu Papier.
Willst du dies einmal versuchen, so besorge dir ein
fest gebundenes Schreibbuch beim Kaufmann und
beginne „wie dir der Schnabel gewachsen ist“ zu
schreiben. Bringst du die nötige Disziplin auf, so
wird dir das Tagebuchschreiben zu einem festen
Ritual. Und genau darum geht es; das Tagebuch
wird mit der Zeit zu einem stabilen Begleiter, vor
allem dann, wenn menschliches Vertrauen verloren
geht. Gib deinem Tagebuch einen Namen und bald
kann dieses imaginäre Büchlein dein Freund und
Gesprächspartner werden, der bleibt und jeder Zeit
zuhört.
Ich schreibe seit vielen Jahren in unregelmäßigen
Zeitabständen ein Tagebuch.
Mittlerweile sind einige Hardcover zusammen-
gekommen und stehen neben all den vielen
Büchern selbstverständlich in meinen Regalen.
Und tatsächlich lese ich hin und wieder in ihnen. Es
sind kleine Reisen in meine sehr ereignisreiche
Vergangenheit. Gerade wenn ich im Alltag über-
fordert bin oder mich schleichend eine neue
depressive Episode zu überrollen droht, lese ich
darin und überzeuge mich davon, welche Hürden
ich
in
meinem
Leben
unter
schwierigsten
Bedingungen schon gemeistert habe. Mein Tage-
buch ist zur Person geworden, die ich nicht mehr
missen möchte.
Ich habe viele Grenzerfahrungen in meinem Leben
gemacht. Und immer dann, wenn mein Alltag durch
besondere Erlebnisse eben diesen „Anstrich des
Außergewöhnlichen“ bekam, hatte ich auch das
Bedürfnis, ein Tagebuch anzulegen. So habe ich
mehrere Wochen gefastet und ich bin auch heute
noch davon überzeugt, dass mich das detaillierte
Aufschreiben meiner emotionalen Stimmungslagen
über die Wochen der Askese mein Ziel hat
erreichen lassen.
Einen von großem Nutzen erlebtes Schreiben,
stellten die therapeutischen Tagebücher dar. Jeden
Tag
habe
ich
während
meiner
psycho-
therapeutischen Behandlungen rückwärts Revue
passieren lassen, d. h. ich habe am Ende des
Tages die Erinnerungen bis zum Morgen desselben
im 2-Stunden-Takt aufgeschrieben.
Der jeweilige Tag gewinnt so an Intensität und
erfährt Aufwertung.
Banalitäten rücken in den Fokus, das Leben wird
bewusster und intensiver wahrgenommen. Die
Lebenstage bekommen durch das ins Bewusstsein
rücken einen wahrhaften Sinn. Das „Wegschreiben
von Belastungen trägt einen hohen therapeutischen
Wert, ganz gleich unter welchen Voraussetzungen,
ich fühle mich danach freier und aufgeräumter. Ich
starte wohlwollender in den neuen Tag. Sogar der
Schlaf wird ruhiger. Denn was ich zuvor mit
meinem Tagebuch „abgearbeitet habe“, muss ich
nicht mehr belastet träumen.
Ich hoffe, ich habe euch ein paar Anreize gegeben,
statt
täglich
vor
dem
immer
gleichen
Fernsehprogramm passiv dahinzutreiben, die Zeit
in der Haft auch einmal, vielleicht für wenig Zeit
täglich, konstruktiv zu nutzen.
Denn die Haft ist keine Aus-Zeit, du solltest sie
nicht vergeuden oder zurückgelehnt überstehen.
Die Haft ist Lebenszeit, die nicht zurückkommt und
nicht verschlafen werden sollte. Nutze sie!
Für die Zukunft habe ich Pläne. Unter anderem
möchte ich noch mit dem Fahrrad ohne Geld und
mit Hund durch Deutschland reisen. Ein großes
Vorhaben, auf das ich hin fiebere und das Haftende
herbeisehne. Dann werde ich wieder ein kleines
Büchlein in meinem Gepäck mitführen und am
Ende der Reise ein selbstgeschriebenes, noch
wichtiger, ein Reisetagebuch vollgepackt mit
Erinnerungen in Händen halten. Davon träume ich.
Und dieser Traum treibt mich täglich an und hält
mich wach.
(Buchtipp für Tagebuchleser: Brigitte Reimann, Ich
bedauere nicht; Alles schmeckt nach Abschied)
Alle Bilder der Doppelseite: free, pixabay.com

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16
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Europäische Fachtagung - Düsseldorf
Und ja, es gibt sie!
(HL/LR)
Es
sind
die
meist
weniger
bekannten Frauen und Männer aus einigen euro-
päischen Ländern, die sich ehrenamtlich, wie ich,
oder hauptamtlich Gedanken zu Problemen von
Inhaftierten und ihren Familien machen.
Anfang Januar 2020 hatte ich die Gelegenheit,
privat und auf eigene Kosten, an einer sehr
interessanten Fachtagung
„Papa, Mama hinter
Gittern, wie komme ich damit zurecht?“
in
Düsseldorf teilzunehmen. Kurz, es war sehr, sehr
interessant, wirklich.
Mein besonderer Dank für die Möglichkeit der
Teilnahme an dieser Tagung gilt Frau Klopp, der
Ehrenvorsitzenden und Projektleiterin und an Herrn
Krell, dem Vorsitzenden des Europäischen Forums
für angewandte Kriminalpolitik e.V..
„Gleichgesinnte“ aus Frankreich, Belgien,
Luxemburg, Niederlanden, Deutschland (und zwei
aus Sachsen) trafen sich zu dieser Tagung.
Darunter
eine
Bedienstete
vom
Verein
„MitGefangen e.V.“ der JVA Dresden und ich aus
Chemnitz. In Summe, schätze ich, waren wir ca. 40
besondere Europäer.
Die weiteste Anreise nach Düsseldorf hatte eine
Dame aus Frankreich, fast 1500 km. Chapeau!!!
Wir,
die
Redaktion
der
Gefangenenzeitung
„HaftLeben“ aus der JVA Chemnitz, wollen uns in
Zukunft noch mehr mit dem Thema „Familie und
Haft“ beschäftigen.
Eine ganze Zeit berichten wir schon darüber,
Kinder malen Bilder oder lassen uns und sie als
Leser*innen an ihren Vorstellungen zu einem
„moderneren“ Gefängnis teilhaben.
Da bleiben wir natürlich dran.
Die Frauen der Redaktion „HaftLeben“ sehen ihre
Kinder oder Enkel natürlich in einem ganz anderen
Licht. Ihren Kindern geht es besser, sie sind und
werden nicht vergessen. Doch ist das bei jedem
der inhaftierten Müttern und Vätern auch so?
Aus meiner Sicht gibt sich die Sächsische Justiz
viel Mühe, bessere Bedingungen zu schaffen.
Dazu fällt mir im Besonderen der neuerbaute
Besuchskomplex oder der „Mutter- und Kind-Tag“
ein, der seit Jahren in der JVA Chemnitz angeboten
und durchgeführt wird. Eine aus meiner Sicht sehr
gute Sache für die Familie.
Die Gefangenenzeitung „HaftLeben“ wird auch in
Zukunft versuchen, darüber zu berichten. Infor-
mationen zu solchen und anderen tollen und
lobenswerten Projekten kommen leider nur von
teilnehmenden Müttern.
Auf die Idee, solche Projekte über die Gefangenen-
zeitung „HaftLeben“ zu veröffentlichen, ist die
Anstaltsleitung noch nicht oft gekommen, ver-
mutlich scheitert diese Idee, wie vieles andere
auch, an der angespannten Personalsituation, wie
man in der Presse des Öfteren verfolgen konnte.
Aus meiner Sicht eine vertane Chance zu einer
notwendigen positiven Öffentlichkeitsarbeit!
Wir als Redaktion bitten jedenfalls, auch weiterhin,
um solche Informationen.
Der Besuch ist in Justizvollzugsanstalten anderer
europäischer Staaten und selbst in anderen
Bundesländern verschieden geregelt, das ist
eigentlich schon ein Grund zum Wundern, denn in
einem vereinten Europa wird sich ja sonst sogar
um eine gerade Gurke mehr gekümmert als um …
Naja, die Bedingungen, von denen die Teilnehmer
an der europäischen Fachtagung in DÜSSELDORF
vom 9. -11. Januar 2020 berichteten, waren
teilweise
schon
auffallend
anders
als
in
Deutschland und in der JVA Chemnitz im
Besonderen. Viele reine Frauen-Haftanstalten gibt
es in Europa übrigens nicht. Auch ein Thema, mit
dem wir uns in der Redaktion „HaftLeben“ einmal
beschäftigen könnten.
Und nein, wir bleiben mit unseren Gedanken und
Ideen in Chemnitz, hierüber wollen wir berichten
und über die kleinen und großen Fortschritte hinter
den Mauern „unserer“ JVA berichten.
Sie wissen ja, wie anderen auch ist uns das Hemd
näher als der Rock, auch in einem vereinigten
Europa.
Zur Tagung wurde oft angesprochen, dass auch
und
im
Besonderen
die
Kinder
sich
mit-
verantwortlich fühlen. Es ist schon einleuchtend,
dass eine Inhaftierung der Mutter bei Kindern ein
Durcheinander der Gefühle auslösen kann. Bei
einem Besuch gibt es sicher immer wieder Fragen,
die mehr oder minder wahrheitsgemäß von den
Müttern beantwortet werden, so wurde zumindest
berichtet. In der Recherche für diesen Artikel las ich
von die folgenden Fragen eines Mädchens:
„Hat Mama denn nicht an mich gedacht, als sie
diesen Mist gebaut hat? Bin ich schuld, dass
sie was falsch gemacht hat? Liebt sie mich
überhaupt, und darf ich sie noch lieben? Sie hat
doch was Schlimmes getan.“

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
17
Europäische Fachtagung - Düsseldorf
In Düsseldorf hörte ich immer wieder von Kindern
mit ähnlichen Fragen. Wahrheit oder nicht war eine
oft gehörte Frage, auf die es einige Antworten des
Für und Wider gab. Meistens wurde für die Wahr-
heit plädiert. Ich möchte vor dieser Entscheidung
nicht stehen, obwohl ich zu meiner, nicht immer an
der richtigen Stelle angebrachten, klaren Meinung
stehe.
Bei einer in der Tagung integrierten Führung in der
JVA Willich II, Nähe Düsseldorf in NRW wurden
uns interessante Erfahrungen mitgeteilt. Frau
Plaßmann berichtete von monatlichen Sonnabend-
Besuchen, von einem Familienbesuchsraum, den
wir auch besichtigen durften, nicht groß, dafür
schön eingerichtet. Besuch bis spät abends (
letzter
Einlass 19:30 Uhr!!!
). Der Familien-Sensible-
Besuch mit einer Gestaltung aus Sicht des Kindes
(!) erstaunte mich besonders. Alle zwei Monate
findet sogar ein Familiengottesdienst mit zehn
inhaftierten Frauen, deren Kindern und Begleit-
personen statt. Es wurde aber auch über ein
Training zur Übernahme der Mutterrolle oder einem
Training für drogenabhängige Frauen gesprochen.
Das Projekt Mütter lesen für ihre Kinder war auch
interessant. Vor wenigen Wochen erfuhr ich durch
Zufall, dass Herr Groß schon 2008 CDs, also
Hörbücher, für die Kinder inhaftierter Mütter in der
JVA Chemnitz mit ausgewählten inhaftierten Muttis
erstellt hat. Das war mir bis dahin unbekannt. Eine
tolle Sache, obwohl ich als „Vielleser“ das
persönliche Vorlesen für diese Kinder besser
fände.
Das ist allerdings meine private Meinung - Lesen
bildet und bindet, auch Familien!
Als „Freund“ der „echten Thüringer Roster“ fand ich
besonders das gemeinsame Grillen mit den
Kindern ganz toll. Es geht und es funktioniert sogar
hinter den Gittern von Willich I und II und vielleicht
irgendwann in der JVA Chemnitz. Ich würde es den
Frauen und ihren Kindern wünschen.
In Frankreich, so wurde berichtet, können Frauen
und ihre Kinder sogar alle drei Monate ein
Wochenende gemeinsam verbringen.
Kinderbesuch ist zusätzlich 2x möglich und ein
Langzeitbesuch, nach sechs Monaten, sogar 4x im
Quartal. Europa ist doch vielseitiger als gedacht.
Ein Einkauf ist dort pro Besuch für 26 Euro möglich.
Bei Kinderbesuchen gibt es keinen Tabak!!!
Eine lobenswerte Festlegung!
Sicherlich gibt es nicht nur Sonnenschein, doch die
Schattenseiten kamen, wenn auch viel weniger, in
Willingen I und II oder aber auch zur Europäischen
Fachtagung „Papa, Mama hinter Gittern,
wie komme ich damit zurecht?“ in Düsseldorf zur
Sprache.
Die Tagung wurde zweisprachig abgehalten, in
Französisch und in Deutsch.
Hier überraschte mich die Disziplin der Teilnehmer,
denn
für
mich
war
das
manchmal
sehr
anstrengend.
Einen äußerst interessanten Vortrag hielt Frau
Hirschelmann von der Universität Caen, Normandie
und der Universität Rennes, in Frankreich. Ihr
Thema war
„Wie Kinder die Inhaftierung eines
Elternteils erleben“.
Übrigens hielt sie diesen
Vortrag in akzentfreiem Deutsch. Von diesem
Vortrag bin ich noch heute begeistert, da steckten
Unmengen
an
Fachwissen,
Erfahrung
und
Verständnis für diese Situation drin. Sicherlich
werde ich in der nächsten HaftLeben-Ausgabe
mehr darüber berichten, falls sie das auch
interessiert.
Sehr interessant waren auch die später noch
folgenden Vorträge wie von Frau Kugler vom
Verein Treffpunkt in Nürnberg, über ihre Angebote
für Kinder von Inhaftierten in einem Überblick der
Arbeit ihres Vereins.
Einige von Ihnen, werte Leserinnen und Leser,
werden die Publikationen des Vereins mit dem
Zebra sicher kennen.
Auch darüber berichte ich gerne in einer der
nächsten Ausgaben der „HaftLeben“.
Genauso wie über „Kinder im Schatten“ - Ein
Programm der Stiftung REPR, vorgetragen von
einer Schweizerin oder über die Arbeitsgruppen
zum Thema
Ausstattung der Besuchsräume
Rolle der Fachkräfte oder der
Rolle der Ehrenamtlichen.
Viele große und kleine Seiten habe ich gefüllt mit
meiner, heute leider nicht immer lesbaren, eigenen
Schrift. Schade.
Nochmals Danke für dieses Erlebnis!
Ihr
Lutz Richter
Fotos, alle free: pixabay.com

18
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Einfach ist anders...
… Kaffee bei Oma im
Garten
Checkliste
für …
… Familie in der JVA Chemnitz
(HL/NML)
kommt von Omi auf einer
ihrer typischen, schon längst vergilbten
Karten mit irgendwelchen
Blumenmotiven, diesmal eine Wiese mit
Mohn und Kornblumen, passend zum
Sommerum Antwort bittet sie nicht, sie
kommt gar nicht auf die Idee, dass ich
mir schon was anderes vorgenommen
haben könnte
die Einladung
einzureichen in Form eines Antrags von mir oder
meinen Familienangehörigen, jeweils unter der
Angabe von Alternativterminen; Antwort kommt dann
irgendwann vom Besuchsbereich mit einem simplen
Ja oder Nein
hmm, Omi ist ja etwas konservativer, da
sollte der Rock ein wenig breiter als ein
Gürtel sein und vielleicht auch das
Dekolleté nicht zu tief, sonst fängt der
greisene, lüsterne Gartennachbar aus
der übernächsten Parzelle bloß wieder
an, in seinen Kaffee zu sabbern
die Klamotten
Privatkleidung oder nicht, das ist die Frage!
Wer sie hat, würde wohl lieber sterben, als in
Hafttakelage zum Besuch zu gehen.
Und auf die unauffällige Passform achten, damit
nicht jede Gewichtsschwankung gleich in
vorwurfsvollen "Jetzt iss doch mal was!" oder "Bist
du sicher, dass es noch ein Schokoriegel sein
muss?" endet
Oma hat ja immer was an meiner Frisur
auszusetzen - die Farbe sei zu grell, der
Schnitt zu kurz oder zu neumodisch oder
ich hätte mich mit dem Pony verhunzt -
egal, lass die Alte reden, sie mit ihrer
altrosa Rentnerinnen-Dauerwelle
Haare waschen und
frisieren
für Arbeit ist mir die Haarpracht ja egal, in manchen
Haftbetrieben hält eh keine Frisur! aber für heute,
den Besuch mach ich mich ganz hübsch zurecht -
frische Farbe, Spülung, Pflegepackung, Föhn, die
Haarspangen hab ich extra gependelt
das entscheide ich ganz spontan! Oma
mag es nicht zu punkig, nicht zu sehr
Gothic, die Lippen bloß nicht zu rot ... ich
mach das davon abhängig, wie trotzig ich
drauf bin und ob ich vielleicht jemanden
ärgern will
dekorative Kosmetik
vor allem will ich gut aussehen! Wer hatte nochmal
den roten Glitzer-Nagellack?! Mascara bekomm ich
von der Budenfee und das Puder, das am besten zu
meinem Teint-Ton passt, hat sich auf der Piste auch
noch gefunden, zum Glück. Noch mal kurz bei DM
reinspringen konnte ich ja nicht
vielleicht hat Oma ja auch wieder den
heißen Typen eingeladen, der ihr immer
die Hecke schneidet. Wenn da was geht,
dann will ich natürlich vorbereitet sein! Ist
mein extra-geiles Knatterhöschen
eigentlich noch in der Wäsche? ah,
gefunden ...
saubere Bikinizone
man weiß ja nie, ob man vor dem Besuch oder
danach einen Striptease für die Diensthabenden
hinlegen darf - wenn die also was zu sehen haben
wollen und ich sie mit meiner Husten-Lautstärke
beeindrucken soll, dann halt richtig!
Ganz oder gar nicht - die sollen bloß nicht denken,
dass ich mich hier gehen lasse oder mich das
irgendwie einschüchtert!
naja, wenn ich den Tag so gar keinen
Bock drauf hab, dann mach ich mich
vorher vielleicht schon mal ein bisschen
lustiger
Vorglühen
bloß nicht! vor allem nicht zu viel trinken, das muss
ich ja dann alles drin behalten.
Je nach Besuchslänge ist gutes
Beckenbodentraining zur Blasenkontrolle sehr
hilfreich - und anspannen!
besonders freu ich mich auf Omas
selbstgemachten Apfelstreuselkuchen,
der schmeckt sonst nirgendwo SO! Und
Tante Katis versunkener Kirschkuchen,
leckerst! Und Mamas Schokotorte und
Jennys beschwipste Muffins und und und
- boah, krieg ich grad Hunger
Appetit kultivieren
hmm, viele Snacks und Schokoladen bekommt man
im Einkauf für nen besseren Preis, aber die 30€ sind
eben zusätzlich. Klar will ich was mitnehmen,
Nervennahrung für abends in der Zelle! Und klar
möchte man auch da was essen, schon um die
ganze Situation noch ein bisschen normaler zu
machen.
Oma sieht es ja gar nicht gern, wenn
man nicht punkt 3 Uhr an der Gartentür
steht.
Mama wird mich schon vorwarnen, wie
viel Verspätung bzw. "Stau" ich mir
leisten kann ...
Pünktlichkeit
dafür (oder nicht) sorgen die Bediensteten. Wenn ich
zu spät komme, kann ich wenigstens nichts dafür.
Und kommt der Besuch zu spät, dann bin ich in dem
Warteraum, wo sich die Heizung nicht abdrehen
lässt, zumindest gut untergebracht - ohne Wanduhr,
ohne Zeitschriften, ohne Radio ...

Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
19
kenn ich ja alle. Ein paar auf die ich
mich wirklich freue und sonst weiß
ich, wem ich am besten aus dem
Weg gehe. Nur weil Cousin Kevin
und ich im Sandkasten zusammen
gespielt haben, heißt das nicht, dass
wir uns noch was zu sagen haben.
andere Gäste
wer da noch sein könnte, kann man sowieso nicht
ändern. Aus dem Weg gehen oder Privatsphäre
schaffen geht eben nur im Rahmen der
Tischanordnung - nicht immer ideal, manchmal
schräg, aber so ist das eben!
mal so, mal so
Manchmal scheinen die endlosen,
immer gleichen Storys total
langweilig und ich schaue Mama
schon mit wehleidig verdrehten
Augen an, ob ich denn nun endlich
verschwinden kann.
Und andere Jahre kann ich vom
Essen und den Leuten gar nicht
genug bekommen.
Zeitgefühl
irgendwie ist es immer zu kurz!
und selbst wenn man sich vorher auch mal fragt,
wie man denn die 2 Stunden oder so füllen soll,
dann sind sie plötzlich doch viel zu schnell vorbei
und man hat das Gefühl, noch so viel sagen zu
wollen und noch so viel fester umarmen zu wollen
das mit der Porzellankanne ist
ziemlich old-school, aber der Koffein-
Kick ist echt klasse. Da lässt sich
Omi nicht lumpen und legt voll Wert
auf das Tablett mit Kaffeesahne im
Kännchen, Schlagsahne in der
Schale und Motiv-Würfelzucker
der Kaffee
hmm, Fertigprodukte aus dem Automaten halt -
muss man dazu mehr sagen?!
Kuchen, Torten, Gebäck - alles
selbst gemacht! Ich bring auch
immer was mit und es wird sich
herrlich nach Herzenslust und
Magengröße vollgestopft
die Naschereien
Schokolade ist nie verkehrt. Die neuen Cookies
erinnern zumindest ein wenig an Kuchen, aber
selbstgemacht oder nach Familienrezept ist es
eben lange nicht
irgendwie alles und nichts - ist ja
auch nur ein zwangloser Nachmittag
unter Familie und Freunden.
Und selbst wenn ich mit
irgendjemand noch was vergesse
oder es grad nicht reinpasst, kann
ich ja jederzeit anrufen oder noch ne
What'sApp nachschicken, alles kein
Ding ...
die Gesprächs-
themen
kommt drauf an: vor, während oder nach der
Verhandlung? Oder wer sonst noch so in Sicht-
oder auch Hörweite ist.
Manches will man auch gar nicht erzählen und
anderes genauso wenig wissen.
Und dann gibt's natürlich auch Dinge, die man
irgendwie nicht schreiben kann oder will oder darf
oder ...
ganz wie ich will - je nachdem ob
mich Kevin nun super nervt oder es
mit'm heißen Heckenfeger noch zum
Bagger geht.
Zeit zum Gehen
Anweisung der Bediensteten! Kein Verhandeln,
keine Widerrede möglich!
vielleicht bringt mich der heiße Typ
dann vom Bagger heim, oder ich fahr
mit Jenny noch feiern, oder Mama
hat zuhause noch was für mich, oder
wenn es zu viel Sekt gab, hat Oma
auch ein Sofa in der Laube, oder,
oder, oder, oder ...
Rückkehr
da gibt's ja nur zwei Möglichkeiten: sofortiger
Ablauf zurück zum Haus oder Zwischenstopp im
Wartezimmer, bis auch alle anderen mit dem
Besuch durch sind.
Höchstens die Zuwendung transportiert man noch
mehr oder weniger sichtbar.
ein bisschen mehr Hüftgold und die
Vorfreude aufs nächste Mal
Was bleibt?
die bittersüße Dankbarkeit, ein paar kurze Stunden
im Monat nicht allein zu sein, und die Vorfreude
aufs nächste Mal
… Kaffee bei Oma im
Garten
Checkliste
für …
… Familie in der JVA Chemnitz
Einfach ist anders...

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20
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Märchenstunde
(HL/PAF)
Es trafen sich zwei Paar blaue
Augen, es gab nur noch sie und ihn - Liebe auf den
ersten Blick - und somit begann für beide ein
Wintermärchen. Sie trafen sich zu unzähligen
Dates, gingen in der Heide spazieren, Eis essen,
gemeinsam schwimmen, auf verschiedene Bälle, er
holte sie von der Damenschule ab und sie trafen
sich an der gemeinsamen Bank am Ufer. Es
vergingen einige Monate des Verliebt Seins und mit
dem Schönen kehrte der warme farblebige Frühling
ein. Beide ließen sich die nötige Zeit, man lernte
nicht nur seinen Schwarm kennen, sondern auch
das jeweilige Umfeld. Die beidseitige Liebe wurde
immer
inniger
und
beide
verschmolzen
miteinander.
Alsbald
begann
jedoch
der
unfreiwillige Abstieg in ein Leben, das sie von
einem Märchen, so, nicht kannte. Ihre Welt begann
sich ganz langsam zu verdunkeln. Die bunten,
großen und kleinen Blumen gingen nach und nach
ein. Mit ihm an ihrer Seite verblassten all die
wunderschönen
Farben
immer
mehr.
Der
Regenbogen verschwand.
In ihrem knospenhaften Alter verstand sie nicht,
was da mit ihr passierte. Sie wurde in eine Welt des
Rausches gezogen und sie erfuhr das erste Mal,
was es heißt, Gewalt zu spüren. Ihre Sippe
bemerkte die Wesensveränderung ihrer Prinzessin
und lehnten den vermeintlichen Märchenprinzen
nun ab, sie wollten ihr Königshaus nicht verdorben
sehen.
Doch
die
Prinzessin
ignorierte
alle
guten
Ratschläge, für sie zählte immer noch nur ihr Prinz.
Jedoch war die Prinzessin nun zu seinem
persönlicher Besitz geworden. Für sie durfte es
nunmehr nur Ihn geben. Alsbald sperrte er sie in
einen Turm, zu dem nur er den Schlüssel besaß.
Keinen gewöhnlichen Schlüssel, denn diesen hatte
der Prinz mit seinen bloßen Händen geschmiedet,
an ihm floss nicht nur sein Blut sondern auch das
der Prinzessin. Sie war gefangen, in einem Verließ.
Der
Prinz
hatte
es
geschafft,
sie
so
zu
manipulieren, dass sie ihm hörig sowie blind vor
Liebe war. Die Prinzessin vergaß mit der Zeit ihr
altes, freies Leben. Ein grauer Schleier versperrte
ihr die Sicht zu allem Schönen.
Die strahlende Prinzessin fand sich in einer Welt
aus
bewusstseinsverändernden
Substanzen,
Gewalt gegen ihren eigenen Leib, Anfeindungen,
Stalkerei und der Zerstörung ihres Gutes und
Goldes wieder. Auch wenn die Prinzessin es
schaffte, sich aus dem Verließ zu befreien, war ihr
Prinz nie lange fern.
Bald schaffte sie es zurück in ihr Königshaus, das
mit all ihren Kameraden und später sogar einer
neuen Liebe aufwartete. Endlich hatte sie wieder
Spaß am Leben. Doch dann, sie hatte wieder
gelacht und gelebt, warf die Prinzessin erneut alles
weg und traf wieder ihren schwarzen Prinzen.
Er hatte es tatsächlich geschafft, seine Prinzessin
gefügig zu machen. Niemand verstand, warum die
Prinzessin seinen Weg mitgehen wollte, der ihr
persönlicher
Untergang
werden
sollte.
Sie wusste das bereits .
All das Ungemach begann erneut, wenngleich die
Prinzessin mit den Jahren ihre Blauäugigkeit
verloren
hatte.
Sie
warf
ihr
bezauberndes
Märchenkleid
auf
den
selbst
erbauten
Scheiterhaufen
und
entwarf
sich
ein
pechschwarzes Korsett, das sie mit jeder weiteren
Schnürung kälter werden ließ. Sie war nun wie ihr
Prinz geworden, kalt und hart, und ließ sich
überhaupt nichts mehr gefallen. Sie wehrte sich
gegen
die
abermalige
Gewalt,
gegen
die
Anfeindungen und bekam ein loses Mundwerk. Sie
lebte mit ihrem Prinzen und somit auch sein Leben,
das
von
starken
bewusstseinsverändernden
Substanzen und körperlicher Gewalt beherrscht
wurde. Ihr Prinz hatte es geschafft, ihr Wesen nach
seinem Bilde zu formen, was ihn noch mächtiger
werden ließ und ihm auch über seine Prinzessin
noch mehr Gewalt gab, die er sie spüren ließ.

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
21
Märchenstunde
Bilder, free, pixabay.com
Ihre Haut nahm täglich andere Farben an und die
Narben wurden immer tiefer. Selbst die freudige
Kunde, dass eine Thronfolgerin in der Prinzessin
heranwuchs, mochte das Schwarz nicht erhellen.
Der Prinz bezichtige sie der Unzucht und war
besessener als je zuvor.
Erst die Ankunft der kleinen Thronfolgerin bewirkte
etwas. Sie ließ die Prinzessin unglaublich stark
werden. Vom ersten Moment an existierte zwischen
beiden ein unverwundbares Band. Beim Prinzen
passierte jedoch nichts, sein einziger Beitrag zum
Nachwuchs war, dass die Kleine die schönsten
Kleider trug und er sie präsentieren konnte.
Mit dem Winter brach die endgültige Trennung
zwischen Prinz und Prinzessin herein. An jenem
Tag eskalierte es. Die Schlacht nahm kein gutes
Ende, der Prinz wurde in eine Psychiatrie gebracht
und die Prinzessin musste in ein medizinisches
Haus flüchten.
Mit
fortschreitender
Genesung
beschloss
die
Prinzessin, mit ihrer Thronfolgerin das Land zu
verlassen. Ihr Herr Papa holte die beiden ab und
brachte sie zurück in das vertraute Königshaus, wo
beide fortan ihr eigenes Reich haben sollten. Der
Herr Papa war so überrascht von seiner neuen, nun
unglaublich willensstarken Prinzessin. Sie war nicht
nur Kriegerin sondern auch eine Löwin geworden,
die nach außen strahlte und bedingungslose Liebe
gab. Nur in ihrem innersten war sie kaputt und
gezeichnet von Geschehnissen, die man keinem
wünscht. Dennoch ging es für sie endlich Berg auf
und mit der Zeit wurde sie auch nahbarer.
Die Prinzessin war wieder selbstständig, ihr fehlte
nur die Liebe. Sie war noch nicht bereit dafür, zu
kalt war ihr Herz und jeder wäre daran erfroren.
Es brauchte Zeit und die Unterstützung ihrer
Sippschaft, das Leben wieder zu genießen.
Schließlich lernte sie ihren Herzensmensch kennen,
der das vergangenen Leben der Prinzessin
genauso akzeptierte wie die Thronfolgerin.
Es schien alles so perfekt, die Farben so lebendig,
doch das Glück hielt nicht lange an.
Als die Kunde ihres neuen Lebens den Prinzen
erreichte, entfachte er die Hölle. Der Prinz wollte
seine Braut um jeden Preis zurück und fing an, ihr
nachzustellen. Er tauchte das Leben ihrer Sippe,
ihres Herzensmenschen und ihrer Tronfolgerin in
Dunkelheit und Furcht. Der Prinz erwischte eines
Tages seine Prinzessin und hatte sie wieder in der
Hand, sie hatte keine andere Wahl als den
Forderungen des Prinzen nachzukommen, die
Bedrohungen wogen zu schwer. Schutz war auch
beim Kerkermeister nicht zu finden. Die Prinzessin
zerbrach nun innerlich. Sie wollte den Pakt schon
eingehen
und
zum
gehassten
Prinzen
zurückkehren, doch sie musste ihre Liebsten
schützen, denn er wollte nur sie. Die Prinzessin
hatte aber nicht vergessen, wer sie war und was sie
sich inzwischen alles wieder aufgebaut hatte. Auch
wenn der Prinz wieder überall Schatten einkehren
ließ, wo es in ihr früher einmal hell gewesen war, so
gab sie nicht auf. Der Prinz weckte den Instinkt der
Löwin und ging schließlich zu weit. Er hätte nicht
versuchen dürfen, ihr Fleisch und Blut zu töten.
Vergiftet und blind vor Besessenheit ging der Prinz
zu weit und holte sich die Prinzessin, ohne
Rücksicht und gegen ihren Wille. Er nutzte ihre
Starre aus.
Nun wusste die Prinzessin einfach keinen Ausweg
mehr aus diesem Höllenkreis, für sie musste etwas
passieren. Der Herzensmensch und die Prinzessin
verabredeten sich mit dem Prinzen … sodann lebte
der Prinz in einer anderen Welt ...
Für die Prinzessin und ihren Herzensmensch
begann von nun an ein neues Kapitel. Man lebte
und versuchten sich
erneut am Beginn eines
schönes Lebens. Beide genossen die gemeinsame
Zeit in Harmonie mit der Thronfolgerin und der
Sippe. Jeder Tag war ein so kostbarer Tag.
Doch auch diese drei sollten bald für eine lange Zeit
getrennt werden.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie
noch heute.

22
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Nachfragen und -lesen sind ausdrücklich
erlaubt! Nur eine Antwort ist richtig.
1. Was muss man in regelmäßigen Abständen
zur Kleiderpflege tun?
A: Trockner trocknen
B: Bügel bügeln
C: Aufhänger aufhängen
D: Wäsche waschen
2. Wie kann man eine Situation beschreiben, in
der man eine schwierige Lebensentscheidung
treffen muss?
A: Straßenzüchtung
B: Promenadenmischung
C: Gassenbiegung
D: Wegkreuzung
3. Wo geht es nicht um eine Richtung, sondern
um den sprichwörtlich besten Freund des
Menschen?
A: Promenadenmischung
B: Alleeveredelung
C: Wegkreuzung
D: Straßenzüchtung
4. Welche Frisur-Highlights findet man auch auf
manchem Teller?
A: Hessesträhnchen
B: Schillerlocken
C: Mannstollen
D: Goetheponys
5. Was für ein Floramitglied spielt in der
Adventszeit eine Rolle?
A: Knopfhecke
B: Nadelbaum
C: Zwirnbusch
D: Garnpflanze
6. Welcher Wuchsbestandteil interessiert uns in
der Kosmetik?
A: Haarwurzel
B: Nagelblatt
C: Zahnast
D: Knorpelzweig
7. Eins davon ist wirklich im menschlichen und
anderen Ohren zu finden.
A: Rasselhaare
B: Tonmuscheln
C: Trommelfelle
D: Schlagleder
8. Welche Hochprozentigen findet ihr nur beim
Bäcker und nicht im Spirituosen-Regal?
A: Likörkullern
B: Schnapswindbeutel
C: Wodkadonuts
D: Rumkugeln
9. Welches dieser Vögelchen hat keine Federn
und kann nicht mehr fliegen?
A: Schnapsdrossel
B: Buchfink
C: Zaunkönig
D: Rohrspatz
10. Was ist kein Nadelbaum?
A: Kiefer
B: Fichte
C: Erle
D: Lärche
11. Welchen Pilz kann man essen?
A: Baumpilz
B: Fußpilz
C: Perlpilz
D: Nagelpilz
12. Wer ist kein Fisch?
A: Knochenfisch
B: Regenbogenfisch
C: Kugelfisch
D: Silberfisch
13. Womit macht man Feuer an?
A: Streichholz
B: Kantholz
C: Süßholz
D: Nudelholz
Das HL - Preisrätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
23
14. Was sucht man im Heuhaufen?
A: Messer
B: Nadel
C: Löffel
D: Gabel
15. Was kann bedenkenlos in der schwarzen
Tonne entsorgt werden?
A: leere Druckerpatronen
B: aufgebrauchte Batterien
C: ausgehärtete Farbreste
D: durchgebrannte Energiesparlampen
Verschiedene Preise u. a.
(Produktbeispiele)
Aus allen Einsendungen mit mindestens
acht richtigen Antworten werden die
Gewinnerinnen gezogen. Meistens eine
Gewinnerin pro Station.
Es gilt dabei der Zeitpunkt der Abgabe!
Leider nur für die JVA Chemnitz!
Wie mache ich mit?
Die Lösungen bitte auf dem Lösungsbogen
ankreuzen und mit Name, Haftraumnummer,
Alter sowie ob Raucher oder Nichtraucher
angeben.
Lösungsblatt
ausschneiden
und
in
den
Briefkasten der Redaktion (z. B. Ausgang zum
Hof) bis zum
06.05.2020
einwerfen.
Name, Vorname:
________________________________________
Haftraum: __________
Haus:__________
Alter:
__________
Nichtraucher
Raucher
MRZ
2020
A
B
C
D
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Die Redaktion dankt dem Sponsor Rudolf H.
für die zur Verfügung gestellten Preise!
Das HL - Preisrätsel

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24
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Rudern ohne Ruder
-
Ulla-Carin Lindquist
(HL_HB)
Mein Leben und Sterben mit ALS
Der Bestseller über das erschütternde Krank-
heitsschicksal der beliebten schwedischen Nach-
richtenmoderatorin Ulla-Carin Lindquist.
An
ihrem
50.
Geburtstag
erfuhr
Ulla-Carin
Lindquist, dass sie an ALS erkrankt ist, einer
Krankheit, die zu totalem Muskelschwund und
unweigerlich zum Tod führt. Unsentimental und
dafür umso eindrucksvoller berichtet sie von ihrem
körperlichen Verfall, den Gesprächen mit ihren
Kindern, ihrer Verwundbarkeit, der zunehmenden
Hilflosigkeit
von
Trauer,
Verzweiflung
und
Akzeptanz. Ein Buch voller dramatischer Intensität
und bittersüßer Liebe zum Leben.
Dieses Buch ist mehr als nur eine Art ALS-
Schicksal. Es ist eine großartige Darstellung
dessen, was es heißt, ein Mensch zu sein. Zu
existieren und anzuerkennen, dass wir nicht ewig
leben.
Nur noch ein Mal
-
Maren B.
(HL_HB)
Als
Drogenkurierin
im
härtesten
Frauengefängnis Brasiliens
Eine dramatische Lebensgeschichte!
Maren B. wächst wohlbehütet auf. Doch als ihre
Mutter plötzlich und unerwartet stirbt, gerät Maren
auf die schiefe Bahn und fängt an, Rauschgift zu
schmuggeln.
Bei einem Auftrag in Venezuela lernt sie schließlich
Pedro kennen und verliebt sich in ihn.
Die
beiden
werden
ein
Paar,
schmieden
Zukunftspläne, wollen sich ein bürgerliches Leben
aufbauen und ein eigenes Restaurant eröffnen. Ein
letzter Flug würde ihnen die Erfüllung dieses
Traums ermöglichen, nur dieses eine Mal noch will
Maren fliegen. Doch irgendwas geht schief, sie wird
verhaftet und zu vier Jahren verurteilt, die sie in
verschiedenen Gefängnissen in Sao Paolo ver-
bringen muss. Überfüllte Zellen, brutale Mit-
gefangene und das sadistische
Verhalten der
Wärter gehören fortan zur Tagesordnung. Alles
wird noch schlimmer, als Maren eines Tages eine
verhängnisvolle Entdeckung macht.
Ein deutsches Mädchen
-
Heidi Benneckenstein
(HL_HB)
„Bis ich zwanzig war, kannte ich fast
nur Nazis“
Heidi Benneckenstein wächst in München und der
alles umfassenden Ideologie einer Nazi-Familie
heran, in militanten Jugendgruppen und Kamerad-
schaften. Sie stammt aus einer Familie aus
überzeugten Nazis und wurde, wie tausende
andere Kinder aus diesem Milieu, völkisch, mit Drill,
Schlägen und Belohnung erzogen und auf ein
Leben im rechten Hass-Milieu vorbereitet. Mit 19
findet sie den Mut auszusteigen. Hier blickt sie
noch einmal in die Abgründe dieser Parallelwelt.
Ihre früheren Kameradinnen und Kameraden
zündeln heute bei der NPD, Pegida oder im
Verborgenen.
Ich habe alle gelesen und hoffe, ihr habt
auch Spaß dabei.
Abbildung ähnlich, free, Piqsels.com
HL - Buchtipps

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
25
Wohin willst du – eine Neuinterpretation
Es ist mir egal, ob du mich flüstern hörst
Ob du mich überhaupt hörst
Es ist mir egal, ob du den Tau auf meiner Haut spürst,
denn in diesem Moment fühl ich mich frei
Ja so frei, wie nie zuvor
Ich werd nie wieder so frei sein
Ich schau dich nie mehr an
Das kann ich nicht nur stundenlang
und nein, ich frag mich nicht mehr
Wo du hin willst
Wenn du nicht mehr bei mir sein kannst
Wie weit du gehst, 7 Tage und 7 Nächte lang
Ich will auch nicht mehr mit
Versteh das
Ich spür die Zeit in meiner Hand
Die für mich niemals still steht
Nein, sie rinnt nicht durch meine Finger
Selbst wenn, dann macht es mir lang keine Angst
Denn du bist schon lang nicht mehr da
Und meine Sorgen teilst du auch nicht mehr
Mit dir flieg ich nirgendwo mehr hin
Schon gar nicht in dieser Nacht
Auch nicht bis ans Ende dieser Welt
Ich hab vielleicht 3 Millionen mal zu oft nachgedacht
Doch den Entschluss, hab ich endlich gefasst
Ich bin endlich, von dir weg
Verschwendet jemand anderen
Post an die „HaftLeben“-Redaktion
Foto: : Archiv HW/HL 02/2018
Zur Bücherei
Ich bezeichne mich als Leseratte. Meine
Favoriten sind Klassiker des 19. Jahr-
hunderts
aus
dem
französischen,
russischen
und
deutschsprachigen
Raum.
Schöngeistige
Literatur
mit
hohem Leseanspruch. Allerdings bin ich
hier auch schon am Ende. Am Ende des
Lesens und am Ende von Wunsch und
Wirklichkeit.
Die respektable Bestandsanzahl von
Büchern in der hiesigen Anstaltsbücherei
täuscht allerdings über deren Qualität.
„Uraltschinken“, die weder zeit- noch
lesenswert
in
den
Regalen
Staub
ansetzen.
Dagegen
zu
wenige
lesenswerte
Romane,
Erzählungen,
Fachbücher.
Wer sich hier weiterbilden möchte, bleibt
auf der Strecke.
Prosaische Literatur von unbekannten
Literaten
im
Bücherkatalog
auszu-
suchen,
gleicht
einem
Lotteriespiel.
Denn über Autoren und Bücher erfahre
ich lediglich Name und Buchtitel. Wer
und was sich dahinter verbergen weiß
ich erst, wenn ich das „Geschenkpaket“
in
Händen
halte,
also
nach
der
Bestellung.
Ich würde mich freuen, wenn in der
Bücherei und im Katalog mal so richtig
aufgeräumt würde.
Undine
Foto: free, pixabay.com

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26
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
HL - Songtext
Kinder an die Macht
Herbert Grönemeyer
Die Armeen aus Gummibärchen
Die Panzer aus Marzipan
Kriege werden aufgegessen
Einfacher Plan
Kindlich genial
Es gibt kein Gut, es gibt kein Böse
Es gibt kein Schwarz, es gibt kein Weiß
Es gibt Zahnlücken, statt zu unterdrücken
Gibt's Erdbeereis auf Lebenszeit
Immer für 'ne Überraschung gut
Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
Dem Trübsinn ein Ende
Wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht
Sie sind die wahren Anarchisten
Lieben das Chaos, räumen ab
Kennen keine Rechte, keine Pflichten
Noch ungebeugte Kraft
Massenhaft
Ungestümer Stolz
Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
Dem Trübsinn ein Ende
Wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die…
Oh woa woa oh oh
Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
Dem Trübsinn ein Ende
Wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht
Uh!
Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
Dem Trübsinn ein Ende
Wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht
Oh
Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
Dem Trübsinn ein Ende
Quelle: LyricFind
Songwriter: Herbert Grönemeyer

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
27
Kirche 2020
Ostern 2020
Wussten Sie schon: Jeder Zehnte Deutsche weiß
nicht, warum Ostern gefeiert wird. Eine Umfrage
ergab, dass 15 % der 20 bis 29-Jährigen meinten,
dass zu Ostern die Geburt Jesu gefeiert wird. Für
die meisten Deutschen ist Ostern vor allem ein
harmonisches Familienfest, verbunden mit Eier-
suche
für
die
Kinder
und
einem
langen
Wochenende. Aus dem Fest der Auferstehung
Jesu von den Toten ist ein Fest des späten
Aufstehens vieler Feiernder geworden. Dabei gäbe
es ohne das Fest der Auferstehung Jesu von den
Toten heute keine Christinnen und Christen,
würden wir keine Gottesdienste feiern. Die Bibel
erzählt darüber, wie Menschen die Auferstehung
Jesu
erlebt
und
erfahren
haben.
Folgende
Geschichte erzählt
zum Beispiel der Evangelist
Lukas (Kap. 24):
An dem Tag, als Maria Magdalena Jesus begegnet
war, waren auch zwei Jünger auf dem Weg von
Jerusalem in das etwa 11 km entfernte Dorf
Emmaus. Die beiden waren traurig und ohne
Hoffnung, denn sie trauerten um Jesus. Erst nach
einer Weile merkten sie, dass sie nicht allein
unterwegs waren, sondern ein ihnen fremder Mann
neben ihnen ging. Nach einiger Zeit fragte er:
„Worüber redet ihr denn?“ Erstaunt blieben die
beiden Freunde stehen und wunderten sich: „Du
bist scheinbar der Einzige in Jerusalem, der nicht
weiß, was in den letzten Tagen dort geschehen ist.“
„Was denn?“, fragte dieser. „Na, das mit Jesus aus
Nazareth. Er wurde zum Tode verurteilt und vor
unseren Augen gekreuzigt. Mutig hat er sich für
Menschen eingesetzt und er war unsere Hoffnung,
dass mit seiner Hilfe unser Volk Israel von den
Unterdrückern befreit wird. Und heute früh bei
Sonnenaufgang sind einige Frauen aus unserem
Kreis zu seinem Felsengrab gegangen. Sie haben
uns erzählt, ein Engel wäre ihnen dort begegnet,
der gesagt habe:
„Jesus ist auferstanden; er ist nicht tot.“ Einige von
uns liefen sofort los und fanden alles so, wie die
Frauen gesagt hatten.
Das ist alles so verwirrend und seltsam.“
Gegen Abend, es wurde schon dunkel, erreichten
sie das Dorf und der Fremde wollte weitergehen.
Doch die beiden Freunde baten ihn: „Bitte, bleib bei
uns!“, und er ging mit in ihr Haus. Während des
Abendessens sprach er ein Gebet, er nahm das
Brot, teilte es und gab jedem von ihnen ein Stück.
In diesem Moment erkannten sie den Fremden: Es
war Jesus. Und auf einmal sahen sie ihn nicht
mehr. Einer der beiden sagte: „Ich hatte schon die
ganze Zeit so ein merkwürdiges Gefühl, aber ich
wusste nicht warum.“ „Mir ging es ähnlich“, meinte
der andere. „Wir müssen es den anderen erzählen,
dass Jesus lebt.“ Und noch am selben Abend
gingen sie zurück nach Jerusalem, um den
Freunden die freudige Nachricht zu überbringen:
„Er lebt. Jesus ist wirklich auferstanden. Wir haben
ihn gesehen und er hat mit uns geredet. Es ist
wahr!“. Und sie erzählten, was sie erlebt hatten und
wie sie Jesus erkannt hatten, als er das Brot teilte.
Die anderen staunten und konnten es kaum
begreifen und fassen, was geschehen war.
Ich wünsche
Ihnen ein frohes, gesegnetes
Osterfest,
Anne Straßberger,
evangelische Seelsorgerin
in der JVA Chemnitz
Foto: Burkard Vogt_pixelio.de
Foto: Dieter Schütz_pixelio.de

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28
Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
Europa - Gedanken
„Amtsblatt der Europäischen Union“
- Ein Gedankenstrich
(HL/Undine)
Da ist es, das Amtsblatt der
Europäischen Union zu alternativen Maßnahmen
zum Freiheitsentzug vom 16.12.2019.
„Schlussfolgerungen des Rates zu alternativen
Maßnahmen zum Freiheitsentzug Verwendung
von Sanktionen und Maßnahmen ohne Frei-
heitsentzug im Bereich des Strafrechts“
(2019/C
422/06)
Ich sitze an irgendeinem Tag meines Haftlebens an
diesem übergroßen Schreibtisch und brüte über
einem Informationsblatt (siehe oben), heraus-
gegeben von der EU- Kommission. Trockenes Brot.
Dabei
will
ich
die
Quintessenz
aus
den
seitenlangen Worten herauskitzeln, um euch die
Neuigkeiten häppchenweise schmackhaft darzu-
bieten.
Doch der Text ermüdet mich schnell. Ich versuche
es trotzdem, so kurz wie möglich.
Der Europäische Rat hat eine strategische Agenda
für
die
Jahre
2019-2024
formuliert.
Dabei
beschäftigt er sich mit zentraler Priorität auf den
Schutz der Bürgerinnen und Bürger gerichtet, der
Freiheiten, um den Kampf gegen Terrorismus und
die grenzüberschreitende Kriminalität. Also, es geht
um uns und um den juristischen Umgang mit uns
Straffälligen. Als letztes Mittel (ultima ratio) auf
jeden Fall einsperren. Wer ein Rechtsgut verletzt,
dem droht Strafe. Soweit stehe ich mit den
Kommissionären im Konsens.
Doch im Text geht es um mehr. Nämlich um
Maßnahmen, die neben und außerhalb von
Haftstrafe
vermehrt
getroffen
werden
sollen.
Weniger Haft, wirksamere alternative Maßnahmen.
Das hört sich gut an, finde ich. Zumal weil
ich hoffe, dass sich auch eine Gesellschaft
eher
mit
Regelüberschreitungen
ver-
schiedenster Arten innerhalb ihrer mit den
Deliquenten auseinandersetzen muss, an-
statt sie lediglich aus dem Blickfeld zu
selektieren.
Selbstredend und übereinstimmend betref-
fen alternative Maßnahmen Vergehen und
Ordnungswidrigkeiten.
Doch dass an dieser Stelle Bewährungs-
strafen, Geldbußen, soziale Arbeit und
territorial
auch
Hausarrest
mit
elek-
tronischer Fußfessel in Betracht kommen,
ist
nicht
neu.
An
Überbelegung
in
den
Gefängnissen leiden Gefangene wie Personal in
allen Staaten Europas.
Man einigt sich also, was schon längst Usus ist:
Der Überbelegung und dem Bau neuer Gefäng-
nisse entgegenzuwirken, miteinander zu reden,
Erfahrungen auszutauschen und neue Maßstäbe
auf den Weg zu bringen. Na gut.
Nur was heißt das denn nun für uns, für jeden
einzelnen Gefangenen? Leider nichts revolutionär
Neues.
Ja, wichtigste Prämisse ist der Schutz der
Gesellschaft. Und Prävention ist immer besser als
erst einzugreifen, wenn das Kind schon in den
Brunnen gefallen ist.
Eine Frage drängt sich mir immer wieder auf: Was
nützen all die alternativen Maßnahmen, wenn es
einen Teil von Straftätern gibt, die ihre Geldstrafe
gar nicht bezahlen wollen, ihre Sozialstunden
schwänzen? Es folgt dann zwangsläufig wieder
Androhung von Haft. So wird es also eng bleiben
für die Strafgefangenen und die Rehabilitation läuft
neben der Gesellschaft oder scheitert.
Wie weit erreichen Expertenkommissionen die
Politiker in der EU?
Ich lese also viel über Austausch und den guten
Willen der einzelnen Staaten und fühle gleichzeitig
eine endlose Weite zu ihnen hin.
Straftäter haben keine Lobby. Im Zweifel sind es
die Anwälte und Bewährungshelfer, die sich für uns
einsetzen. Ein Recht, ob moralisch oder juristisch,
auf
eine
zweite
oder
dritte
Chance
steht
niemandem zu. Als erste und letzte Option bleibt
jedem von uns, nicht wieder straffällig zu werden.
Denn jeder wünscht schließlich für sich ganz
persönlich, ohne Bedrohung seiner Persönlichkeit
und seiner Güter friedlich leben zu können.
Ist es nicht so?

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
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Auflösung des Rätsels aus „HaftLeben“ 04-2019
1 - B, 2 - A, 3 - D
4 - C, 5 - C, 6 - A,
7 - B, 8 - D, 9 - A,
10 - B, 11 - A, 12 - D,
13 - D, 14 - B, 15 - C
Gewonnen haben diesmal:
EG: Astrid, L.
Stat. 1: Antje K.
Stat. 2: Sandra E.
Stat. 3: Beate Z.
Stat. 4: Dolvine A.
Stat. 5: Sandra M.
Stat. 6: Michaela M.
Stat. 7: Cindy B.
Haus III: Astrid K.
Haus IV: Keine Beteiligung
Mutter und Kind: Keine Beteiligung
(Alle Stationsangaben gültig zum Zeitpunkt der
Abgabe)
Herzlichen Glückwunsch!
Reproduktionen von Artikeln, auch nur auszugs-
weise, nur mit schriftlicher Genehmigung der
Redaktion „HaftLeben“ und gegen kostenfreie
Zusendung eines Belegexemplars.
Für namentlich gekennzeichnete Beiträge (alle
angegebenen Kürzel sind mit Klarnamen hinter-
legt), übernimmt die Redaktion lediglich die
presserechtliche Verantwortung, diese müssen
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wiedergeben.
Bei eingesandten Manuskripten und
Leserbriefen setzen wir das Einverständnis zum
honorarfreien Abdruck und zur sinnwahrenden
Kürzung voraus.
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lagen jeglicher Art wird keine Haftung über-
nommen.
Herausgeberin:
Frau König-Bender,
Anstaltsleiterin der JVA Chemnitz (V. i. S. d. P.)
HL-Redaktionsteam: PAF, HB, BF, NML, LEA
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Betreuer:
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Bedienstete, JVA-Chemnitz
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HaftLeben@T-Online.de oder
HaftLeben@Live.de
Seit 2017 online unter:
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Redaktionsschluss für die Ausgabe 02/2020:
14.05.2020
Bild: Lizenzfrei Pixelio.de
Anschrift der Redaktion “HaftLeben“:
Justizvollzugsanstalt Chemnitz
Redaktion der Gefangenenzeitung „HaftLeben“
Thalheimer Straße 29
09125 Chemnitz
Impressum

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Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
HL - Rätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
65. Heft - seit 1999
31
HL - Rezepte
Dieser
Nudelsalat
klingt etwas seltsam und
auch die Zubereitung scheint merkwürdig zu sein -
erstaunlicherweise schmeckt der Salat aber ganz
hervorragend, lässt sich super gut und einfach
vorbereiten und ist auf jeder Party der absolute
Renner (zumindest nach meinen Erfahrungen). Das
Rezept stammt aus irgendeiner dieser
Frauenzeitschriften, allerdings ist das schon
ziemlich lange her und ich weiß auch nicht mehr,
welche.
Man benötigt:
einen Kopf Chinakohl (Eisbergsalat geht wohl
auch, habe ich aber noch nicht probiert) ein
Bund - - - - Frühlingszwiebeln oder eine
große, fein geschnittene Zwiebel
- zwei Packungen Asia Nudelsnack (Instant
Nudeln) mit Huhn-Geschmack
- vier EL Sonnenblumenkerne
Salatsoße:
- eine gut dreiviertel gefüllte Tasse Öl
(Sonnenblumen)
- ein TL Salz
- zwei EL Zucker
- vier EL Essig
- Soßenmischung aus dem Nudelsnack
So wird es gemacht:
Kerne leicht anrösten (die kommen zum Schluss
drüber). Chinakohl in Streifen schneiden, waschen,
trocknen.
Frühlingszwiebeln fein schneiden und dazu geben.
Die Nudeln aus den Nudelsnackpackungen trocken
über den Salat zerdrücken.
Aus den Zutaten für die Soße selbige zubereiten,
einschließlich sämtlicher Gewürz- und Öl-
mischungen, die dem Nudelsnack beigemischt sind
und über den Salat geben.
Alles mischen. Zum Schluss kommen die
angerösteten Kerne darüber.
Jetzt sollte der Salat mindestens vier Stunden
stehen (länger ist kein Problem, kürzer schon, weil
sonst die Nudeln nicht weich werden). Und fertig.
Die Nudeln sind dann weich.
Aus Berichten anderer Salatzubereiter weiß ich,
dass man die Soße mit den Flüssigkeitsmengen
unbedingt einhalten sollte, sonst funktioniert das
nicht. Und die Würze ist normalerweise so auch
perfekt.
Der Salat sieht nicht halb so gut aus, wie er
schmeckt ;)
Schoko-Schlammkuchen
Zutaten:
350 g Mehl
300 g Zucker
4 Eier
60 g Backkakao
250 g Margarine
250 g-300 g Nuspli
2 EL Öl
130 ml Milch
185 ml Wasser
1 Pck. Backpulver ( oder Hirschhornsalz)
Mehl, Backpulver und Backkakao mischen und in
eine Schüssel sieben; Zucker untermischen in die
Mitte eine Mulde drücken
In einem kleinen Topf 185 ml Wasser, Magarine
und Nuspli verflüssigen.
4 Eier, Öl und Milch in einem Gefäß vermischen
und in die Mulde gießen und vorsichtig unterheben.
Die flüssige Schoki ebenfalls unterheben.
Im vorgeheizten Backofen bei 160° C ca. 45-60 min.
backen, bis sich eine Kruste gebildet hat. Auf dem
noch warmen Kuchen die Glasur verteilen.
Abildung
ähnlich,
www.chefk
och.de

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Haft Leben - Nr. 65, Ostern 2020
HL - Rätsel
HL -
Rätsel

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65. Heft - seit 1999
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HL - Rätsel

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HaftLeben, 01-2020
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© Marcel Forker , HaftLeben, 01-2020

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