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Anforderungen an die stoffliche
Verwertung von mineralischen Abfällen:
Teil II: Technische Regeln für die Verwertung
1.2 Bodenmaterial (TR Boden)
Stand: 05.11.2004
Hinweis:
Diese Technische Regel wurde von der 63. Umweltministerkonferenz
am 04./05.11.2004 in Frankfurt/Main zur Kenntnis genommen (TOP 24).
Gleichzeitig hat die Mehrheit der Länder per Protokollnotiz erklärt, sie
werde die „Anforderungen an die stoffliche Verwertung von minerali-
schen Abfällen – Technische Regeln“ in den Ländern veröffentlichen
und in den Vollzug übernehmen. Diese Technische Regel wird gemäß
§ 8 der Geschäftsordnung nicht als Mitteilung der Länderarbeitsge-
meinschaft Abfall veröffentlicht.

 
Technische Regel Boden
Stand: 05.11.2004
- 2 -
II. Technische Regeln für die Verwertung
1
Bodenmaterial und sonstige mineralische Bau- und Abbruchabfälle
1.1 Geltungsbereich
Diese Technischen Regeln gelten insbesondere für die Verwertung folgender Abfall-
arten:
Abfallschlüssel
(AS)
Abfallbezeichnung
geregelt in Kapitel
17 01 01
Beton
1.4 Bauschutt
17 01 02
Ziegel
1.4 Bauschutt
17 01 03
Fliesen, Ziegel und Keramik
1.4 Bauschutt
17 01 07
Gemische aus Beton, Ziegeln, Fliesen und Kera-
mik mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 01 06
fallen
1.4 Bauschutt
17 03 02
Bitumengemische mit Ausnahme derjenigen, die
unter 17 03 01 fallen
1.3 Straßenaufbruch
17 05 04
Boden und Steine mit Ausnahme derjenigen, die
unter 17 05 03 fallen
1.2 Bodenmaterial
17 05 06
Baggergut mit Ausnahme desjenigen, das unter
17 05 05 fällt
1.2 Bodenmaterial
17 05 08
Gleisschotter mit Ausnahme desjenigen, der unter
17 05 07 fällt
1.5 Gleisschotter
Die o. g. Aufzählung schließt nicht aus, dass weitere Abfallarten entsprechend ihrer
spezifischen Eigenschaften auf der Grundlage der im folgenden beschriebenen Tech-
nischen Regeln bewertet werden.
1.2 Bodenmaterial
1.2.1 Definition
Bodenmaterial im Sinne dieser Technischen Regel ist Material aus Böden im Sinne
von § 2 Abs. 1 BBodSchG und deren Ausgangssubstraten, jedoch ohne Mutterboden
1
(AS 17 05 04).
Darüber hinaus wird als Bodenmaterial im Sinne dieser Technischen Regel betrachtet:
-
Bodenaushub aus der Gewinnung und Aufbereitung nichtmetallhaltiger Boden-
schätze, der als Abfall entsorgt wird (AS 01 04 08: Abfälle von Kies- und Gesteins-
bruch; AS 01 04 09: Abfälle von Sand und Ton);
1
Aufgrund seines Humusgehaltes eignet sich „Mutterboden“ (humoses Oberbodenmaterial) nicht für
die von dieser Technischen Regel erfassten Verwertungsbereiche. Mögliche Verwertungswege für
„Mutterboden“ sind das Auf- oder Einbringen auf oder in eine durchwurzelbare Bodenschicht oder
die Herstellung einer durchwurzelbaren Bodenschicht, wobei hier die Anforderungen des § 12
BBodSchV zu beachten sind (siehe Vollzugshilfe der LABO zu § 12 BBodSchV).

 
Technische Regel Boden
Stand: 05.11.2004
- 3 -
-
Bodenmaterial mit mineralischen Fremdbestandteilen (z. B. Bauschutt, Schlacke,
Ziegelbruch) bis zu 10 Vol.-%
2
; (Hinweis: Bodenmaterial mit mineralischen Fremd-
bestandteilen > 10 Vol.-% wird in der Technischen Regel „Gemische“ behandelt);
-
Bodenmaterial, das in Bodenbehandlungsanlagen (z. B. Bodenwaschanlagen, Bio-
beeten) behandelt worden ist (AS 17 05 04);
-
Baggergut (AS 17 05 06), das aus Gewässern entnommen wird und das aus San-
den bzw. Kiesen mit einem maximalen Feinkornanteil (< 63 μm) von < 10 Gew.-%
besteht.
1.2.2 Untersuchungskonzept
1.2.2.1 Untersuchungserfordernis
Bodenmaterial kann, bedingt durch seine Herkunft oder Vorgeschichte, mit sehr unter-
schiedlichen Stoffen belastet sein. Seine Verwertungsmöglichkeit hängt vom Schad-
stoffgehalt, der Mobilisierbarkeit der Schadstoffe, den Nutzungen und den Einbaube-
dingungen ab.
Bevor im Rahmen einer Baumaßnahme Bodenmaterial ausgehoben wird, ist zunächst
durch Inaugenscheinnahme des Materials und Auswertung vorhandener Unterlagen
(z. B. Bodenbelastungskarte, Kataster altlastverdächtiger Flächen und Altlasten, vor-
liegende Untersuchungsergebnisse) zu prüfen, ob mit einer Schadstoffbelastung ge-
rechnet werden muss. Auf der Grundlage der sich aus dieser Vorermittlung ergeben-
den Erkenntnisse ist zu entscheiden, ob zusätzlich analytische Untersuchungen
durchzuführen sind. Diese sind in der Regel nicht erforderlich, wenn
-
keine Hinweise auf anthropogene Veränderungen und geogene Stoffanreicherun-
gen vorliegen, z. B. bei Bodenmaterial von Flächen, die bisher weder gewerblich,
industriell noch militärisch genutzt wurden;
-
geringe Mengen (bis 500 m
3
, sofern nicht landesrechtliche Regelungen dem ent-
gegenstehen) an nicht spezifisch belastetem Bodenmaterial mit mineralischen
Fremdbestandteilen bis zu 10 Vol.-% in vergleichbarer Tiefenlage eingebaut wer-
den und die Verwertung am Ausbauort oder an vergleichbaren Standorten in der
Region erfolgt;
-
Bodenmaterial aus Gebieten mit natur- oder großflächig siedlungsbedingt erhöhten
Schadstoffgehalten in vergleichbarer Tiefenlage eingebaut wird und die Verwer-
2
Von einem Volumenanteil der mineralischen Fremdbestandteile von > 10 % ist dann auszugehen,
wenn diese deutlich sichtbar sind.

Technische Regel Boden
Stand: 05.11.2004
- 4 -
tung am Ausbauort oder an vergleichbaren Standorten eines Gebietes im Sinne
des § 12 Abs. 10 BBodSchV erfolgt.
Untersuchungsbedarf besteht dagegen grundsätzlich bei
-
Flächen in Industrie- sowie Misch- und Gewerbegebieten;
-
Flächen, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist (Alt-
standorte und Altablagerungen sowie altlastverdächtige Flächen);
-
Flächen, auf denen mit punktförmigen Bodenbelastungen gerechnet werden muss;
hierzu gehören insbesondere
-
Leckagen in Bauwerken und Rohrleitungen,
-
Schadensfälle beim Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen (umfasst auch
Misch- und Gewerbegebiete);
-
Flächen, auf denen mit flächenhaften Bodenbelastungen gerechnet werden muss
und deren Bodenmaterial außerhalb dieser Bereiche verwertet werden soll; hierzu
gehören
-
Flächen mit naturbedingt (geogen) oder großflächig siedlungsbedingt erhöhten
Schadstoffgehalten;
-
Flächen im Einwirkungsbereich des (historischen) Bergbaus, z.B. Schwemm-
flächen, Abraum- und Verfüllungsbereiche;
-
Überschwemmungsgebiete, in denen mit belasteten Flusssedimenten gerech-
net werden muss;
-
Flächen, auf denen Abwasser verrieselt wurde;
-
Flächen, auf denen belastete Schlämme ausgebracht wurden;
-
Flächen mit erhöhter Immissionsbelastung;
-
Bodenmaterial mit mineralischen Fremdbestandteilen;
-
behandeltem Bodenmaterial aus Bodenbehandlungsanlagen;
-
Bodenmaterial, bei dem nicht zweifelsfrei eine Zuordnung zu Bereichen, bei denen
kein Untersuchungserfordernis besteht, erfolgen kann oder das nicht zweifelsfrei
vorhandenen Untersuchungsberichten zugeordnet werden kann;
-
Bodenmaterial, das zum Zeitpunkt des Transports zur Verwertung schon längere
Zeit zwischengelagert worden ist und bei dem aufgrund seines Erscheinungsbildes
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sich die ursprüngliche Einstufung in eine be-

 
Technische Regel Boden
Stand: 05.11.2004
- 5 -
stimmte Einbauklasse geändert haben könnte (z. B. Grünbewuchs, Fremdmateria-
lien, Mengenzuwachs);
-
Baggergut, bei dem mit Belastungen gerechnet werden muss;
-
Bodenmaterial mit sonstigen konkreten Anhaltspunkten auf Schadstoffbelastung.
1.2.2.2 Untersuchungsumfang
Ergibt sich aufgrund der Vorermittlung ein Verdacht auf Schadstoffbelastungen, sind
analytische Untersuchungen erforderlich. Der Umfang dieser Untersuchungen richtet
sich nach den Vorkenntnissen:
-
Handelt es sich um einen allgemeinen, unspezifischen Verdacht, wie z. B. im Fall
langandauernder, wechselnder gewerblicher Nutzung, und lässt sich das Stoff-
spektrum nicht eindeutig abgrenzen, ist zunächst das Mindestuntersuchungspro-
gramm nach Tabelle II.1.2-1 durchzuführen und ggf. entsprechend der Ergebnisse
zu erweitern.
-
Bei Verdacht auf spezifische Belastungen ist die Analytik auf die Schadstoffbelas-
tungen auszurichten, die mit der Nutzung/Immission verbunden gewesen sein kön-
nen bzw. den Schaden verursacht haben. Eine Erweiterung des Untersuchungs-
umfangs um die in der Tabelle II.1.2-1 genannten Parameter ist nur dann erforder-
lich, wenn ein zusätzlicher, unspezifischer Verdacht besteht.
Bodenmaterial aus Bodenbehandlungsanlagen ist mindestens auf die Restgehalte der
Stoffe zu untersuchen, die die Notwendigkeit der Behandlung begründet haben
3
. Bei
der Aufbereitung kann sich die Verfügbarkeit der Schadstoffe ändern bzw. es können
sich durch Abbau Metabolite bilden. Dies ist beim Untersuchungsumfang zu berück-
sichtigen. Darüber hinaus sind die Vorgaben zu beachten, die sich aus der Zulassung
der jeweiligen Behandlungsanlage ergeben.
Hinweis:
Für die Verwertung von Bodenmaterial in bodenähnlichen Anwendungen (siehe Nr.
II.1.2.3.2) sind die in der DIN 19731, Kap. 6, aufgeführten weiteren Untersuchungen
zur umfassenderen Beurteilung, ob und in wie weit das Bodenmaterial zur Herstel-
lung, Verbesserung oder Sicherung von Bodenfunktionen geeignet ist, durchzuführen.
Soweit vorhanden, können vorliegende Ergebnisse aus aussagefähigen Unterlagen
verwendet werden.
3
Die Untersuchungsergebnisse, die im Zusammenhang mit der Bodenbehandlung gewonnen wer-
den, können bei der Beurteilung für die Verwertung berücksichtigt werden.

 
Technische Regel Boden
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- 6 -
Tabelle II. 1.2-1: Mindestuntersuchungsprogramm für Bodenmaterial bei un-
spezifischem Verdacht
Parameter
Feststoff
Eluat
Kohlenwasserstoffe
X
EOX
X
PAK
16
X
TOC
X
Korngrößenverteilung
3)
X
Arsen
X
X
1)
Blei
X
X
1)
Cadmium
X
X
1)
Chrom (gesamt)
X
X
1)
Kupfer
X
X
1)
Nickel
X
X
1)
Quecksilber
X
X
1)
Zink
X
X
1)
Chlorid
4)
X
2)
Sulfat
4)
X
2)
pH-Wert
4)
X
elektrische Leitfähigkeit
4)
X
sensorische Prüfung
(Aussehen und Geruch)
X
1)
nicht erforderlich, wenn die Feststoffgehalte bei eindeutig zuzuordnenden Bodenarten ≤ Z 0 sind
2)
nur bei Bodenmaterial mit mineralischen Fremdbestandteilen sowie Baggergut aus Gewässern mit
erhöhten Salzgehalten erforderlich
3)
„Fingerprobe“ im Gelände nach „Bodenkundlicher Kartieranleitung“, 4. Auflage, 1994; DIN 19682-2:
04.97; bei Baggergut durch Siebung
4)
sofern lediglich diese Parameter im Eluat zu bestimmen sind, kann in Abstimmung mit der zuständi-
gen Behörde auch ein Schnelleluat durchgeführt werden
1.2.3
Bewertung und Folgerungen für die Verwertung
1.2.3.1 Allgemeines
Abbildung II.1.2-1 gibt einen Überblick über die Regelungen zur Verwertung von Bo-
denmaterial. In Abhängigkeit von den festgestellten Schadstoffgehalten wird das zu
verwertende Bodenmaterial Einbauklassen zugeordnet. Die Zuordnungswerte Z 0 bis
Z 2 stellen die Obergrenze
4
der jeweiligen Einbauklasse bei der Verwertung von Bo-
denmaterial dar (siehe Anlage).
4
Bei naturbedingt oder großflächig siedlungsbedingt erhöhten Gehalten können im Ausnahmefall für
einzelne Parameter höhere Werte zugelassen werden

 
Technische Regel Boden
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- 7 -
Regelungen zur Verwertung von Bodenmaterial
Auf- und Einbringen in oder
auf eine durchwurzelbare
Bodenschicht oder
Herstellen einer durch-
wurzelbaren Bodenschicht
Verwertung außerhalb der
durchwurzelbaren
Bodenschicht
zur Herstellung
einer natürlichen
Bodenfunktion:
Z 0, Z 0*
zur Herstellung
einer technischen
Funktion:
Z 1.1, Z 1.2, Z 2
Vollzugshilfe zu § 12 BBodSchV
LAGA-Mitteilung 20
Abb. II.1.2-1: Überblick über die Regelungen zur Verwertung von Bodenmaterial
1.2.3.2 Uneingeschränkter Einbau - Verwertung von Bodenmaterial in boden-
ähnlichen Anwendungen (Einbauklasse 0)
Ein uneingeschränkter Einbau von Bodenmaterial in bodenähnlichen Anwendungen
ist nur dann möglich, wenn die Anforderungen des vorsorgenden Boden- und Grund-
wasserschutzes erfüllt werden. Dies ist gewährleistet, wenn aufgrund der Vorermitt-
lungen eine Schadstoffbelastung ausgeschlossen werden konnte oder sich aus analy-
tischen Untersuchungen die Einstufung in die Einbauklasse 0 ergibt.
Für die Bewertung von Bodenmaterial, das einer der Bodenarten Ton, Lehm/Schluff
oder Sand zugeordnet werden kann, gelten die bodenartspezifischen Zuordnungswer-
te Z 0 der Tabelle II.1.2-2 (Feststoffgehalte). Werden diese Zuordnungswerte ein-
gehalten, ist eine Eluatuntersuchung nicht erforderlich.

Technische Regel Boden
Stand: 05.11.2004
- 8 -
Für Bodenmaterial, das nicht bodenartspezifisch zugeordnet werden kann bzw. das
als Gemisch verschiedener Bodenarten bei Baumaßnahmen (z. B. bei kleinräumig
wechselnden Bodenarten) oder bei der Bodenbehandlung anfällt, gelten die Zuord-
nungswerte Z 0 der Tabelle II.1.2-2 (Feststoffgehalte) für die Bodenart Lehm/Schluff
sowie die Zuordnungswerte Z 0 der Tabelle II.1.2-3 (Eluatkonzentrationen).
Für Bodenmaterial mit mineralischen Fremdbestandteilen und Bodenmaterial aus der
Bodenbehandlung, das einer der Bodenarten Ton, Lehm/Schluff oder Sand zugeord-
net werden kann, gelten die bodenartspezifischen Zuordnungswerte der Tabelle II.1.2-
2 (Feststoffgehalte)
sowie die Zuordnungswerte Z 0 der Tabelle II.1.2-3 (Eluatkonzen-
trationen).
Für die
Verfüllung von Abgrabungen
5
unterhalb der durchwurzelbaren Bodenschicht
darf darüber hinaus auch Bodenmaterial verwertet werden, das die Zuordnungswerte
Z 0 im Feststoff überschreitet, jedoch die Zuordnungswerte Z 0* im Feststoff einhält,
wenn folgende Bedingungen („Ausnahmen von der Regel“) eingehalten werden:
-
die Zuordnungswerte Z 0 im Eluat der Tabelle II.1.2-3 werden eingehalten;
-
oberhalb des verfüllten Bodenmaterials wird eine Schicht aus Bodenmaterial, das
die Vorsorgewerte der BBodSchV einhält und somit alle natürlichen Bodenfunktio-
nen übernehmen kann, aufgebracht. Diese Bodenschicht oberhalb der Verfüllung
muss eine Mindestmächtigkeit von 2 m aufweisen. Nutzungs- und standortspezi-
fisch kann eine größere Mächtigkeit festgelegt werden;
-
die Verfüllungen liegen außerhalb folgender (Schutz-)Gebiete:
-
festgesetzte, vorläufig sichergestellte oder fachbehördlich geplante Trinkwas-
serschutzgebiete, Zone I bis III A
6
,
-
festgesetzte, vorläufig sichergestellte oder fachbehördlich geplante Heilquel-
lenschutzgebiete, Zone I bis III,
5
Abgrabungen sind Gewinnungsgebiete für feste mineralische Rohstoffe in offener Grube zur Gewin-
nung von Steinen und Erden. Unter Abgrabungen im Sinne dieser Begriffsbestimmung fallen auch
solche Abbausstätten, die als Tagebaue nach BBergG zugelassen worden sind, jedoch keine berg-
baulichen Besonderheiten aufweisen, und die mit dem Ziel der Herstellung natürlicher Bodenfunkti-
onen verfüllt werden sollen. Nicht dazu gehören Tagebaue der Braunkohle.
6
Hinweis: Die Wasserschutzzonen sollen den Schutz vor weitreichender Beeinträchtigung, insbeson-
dere von nicht oder schwer abbaubaren chemischen Verunreinigungen gewährleisten. Sind die Be-
einträchtigungen auszuschließen, können abweichende Regelungen insbesondere in der Zone III B
in den jeweiligen Schutzgebietsverordnungen oder im Einzelfall festgelegt werden (Richtlinien für
Trinkwasserschutzgebiete; I. Teil: Schutzgebiete für Grundwasser (DVGW-Regelwerk, Arbeitsblatt
W 101)).

Technische Regel Boden
Stand: 05.11.2004
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-
Wasservorranggebiete, die im Interesse der künftigen Wasserversorgung
raumordnerisch ausgewiesen worden sind,
-
Karstgebiete und Gebiete mit stark klüftigem, besonders wasserwegsamem
Untergrund.
Eine Verwertung von Bodenmaterial, das die Zuordnungswerte Z 0* im Feststoff oder
Z 0* im Eluat überschreitet, ist aus Gründen des vorsorgenden Boden- und Grund-
wasserschutzes auch bei günstigen hydrogeologischen Bedingungen nicht zulässig.
Hinweise:
1. Die Verwertung anderer Abfälle als Bodenmaterial zur Verfüllung von Abgrabun-
gen ist aufgrund der materiellen Anforderungen des Bodenschutzrechts unzuläs-
sig. Eine mögliche Ausnahme stellt die Verwertung von aufbereitetem Bauschutt,
der die Anforderungen zum Boden- und Grundwasserschutz erfüllt, für betriebs-
technische Zwecke (z. B. Fahrstraßen, Böschungssicherung) dar.
2. Diese Anforderungen gelten nicht für die Verfüllung von Gipssteinbrüchen, da die-
se sowohl hinsichtlich der Grundwasserbeschaffenheit als auch hinsichtlich des
Gesteins spezifische Besonderheiten aufweisen.

Technische Regel Boden
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- 10 -
Tabelle II.1.2-2: Zuordnungswerte für die Verwendung in bodenähnlichen An-
wendungen - Feststoffgehalte im Bodenmaterial
Parameter
Dimension
Z 0
(Sand)
Z 0
(Lehm/Schluff)
Z 0
(Ton)
Z 0*
1)
Arsen mg/kg TS 10 15 20 15
2)
Blei
mg/kg TS
40
70
100
140
Cadmium mg/kg TS 0,4 1 1,5 1
3)
Chrom (gesamt)
mg/kg TS
30
60
100
120
Kupfer mg/kg TS 20 40 60 80
Nickel mg/kg TS 15 50 70 100
Thallium mg/kg TS 0,4 0,7 1 0,7
4)
Quecksilber mg/kg TS 0,1 0,5 1 1,0
Zink mg/kg TS 60 150 200 300
TOC (Masse-%) 0,5 (1,0)
5)
0,5 (1,0)
5)
0,5 (1,0)
5)
0,5 (1,0)
5)
EOX mg/kg TS 1 1 1 1
6)
Kohlenwasser-
stoffe
mg/kg TS 100 100 100 200 (400)
7)
BTX mg/kg TS 1 1 1 1
LHKW mg/kg TS 1 1 1 1
PCB
6
mg/kg TS
0,05
0,05
0,05
0,1
PAK
16
mg/kg TS 3 3 3 3
Benzo(a)pyren mg/kg TS 0,3 0,3 0,3 0,6
1)
maximale Feststoffgehalte für die Verfüllung von Abgrabungen unter Einhaltung bestimmter Rand-
bedingungen (siehe "Ausnahmen von der Regel" für die Verfüllung von Abgrabungen in
Nr. II.1.2.3.2)
2)
Der Wert 15 mg/kg gilt für Bodenmaterial der Bodenarten Sand und Lehm/Schluff. Für Bodenmate-
rial der Bodenart Ton gilt der Wert 20 mg/kg
3)
Der Wert 1 mg/kg gilt für Bodenmaterial der Bodenarten Sand und Lehm/Schluff. Für Bodenmaterial
der Bodenart Ton gilt der Wert 1,5 mg/kg
4)
Der Wert 0,7 mg/kg gilt für Bodenmaterial der Bodenarten Sand und Lehm/Schluff. Für Bodenmate-
rial der Bodenart Ton gilt der Wert 1,0 mg/kg
5)
Bei einem C:N-Verhältnis > 25 beträgt der Zuordnungswert 1 Masse-%.
6)
Bei Überschreitung ist die Ursache zu prüfen.
7)
Die angegebenen Zuordnungswerte gelten für Kohlenwasserstoffverbindungen mit einer Kettenlän-
ge von C
10
bis C
22
. Der Gesamtgehalt, bestimmt nach E DIN EN 14039 (C
10
bis C
40
), darf insgesamt
den in Klammern genannten Wert nicht überschreiten.

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Tabelle II.1.2-3
Zuordnungswerte für die Verwendung in bodenähnlichen An-
wendungen - Eluatkonzentrationen im Bodenmaterial
Parameter
Dimension
Z 0/Z 0*
pH-Wert - 6,5-9,5
Leitfähigkeit μS/cm 250
Chlorid mg/L 30
Sulfat mg/L 20
Cyanid μg/L 5
Arsen μg/L 14
Blei μg/L 40
Cadmium μg/L 1,5
Chrom (gesamt)
μg/L
12,5
Kupfer μg/L 20
Nickel μg/L 15
Quecksilber μg/L < 0,5
Zink μg/L 150
Phenolindex μg/L 20
In Gebieten mit naturbedingt oder großflächig siedlungsbedingt erhöhten Gehalten
können unter Berücksichtigung der Sonderregelung des § 9 Abs. 2 und Abs. 3
BBodSchV für entsprechende Parameter höhere Zuordnungswerte (als Ausnahmen
von den Vorsorgewerten nach Anhang 2 Nr. 4 BBodSchV) festgelegt werden, soweit
die dort genannten weiteren Tatbestandsvoraussetzungen erfüllt sind und das Boden-
material aus diesen Gebieten stammt
.
Dies gilt in diesen Gebieten analog auch für
Parameter, für die keine Vorsorgewerte nach Anhang 2 Nr. 4 BBodSchV festgelegt
worden sind.
Analog können auch im Eluat für einzelne Parameter höhere Zuordnungswerte festge-
legt werden, wenn die regionalen geogenen Hintergrundwerte im Grundwasser die
Geringfügigkeitsschwelle für den entsprechenden Parameter überschreiten
7
und das
Bodenmaterial aus diesen Gebieten stammt. Vereinfachend kann angenommen wer-
den, dass ein uneingeschränkter Einbau des Bodenmaterials zulässig ist, wenn des-
sen Eluatkonzentrationen mit den Eluatkonzentrationen der regional vorkommenden
Böden/Gesteine vergleichbar sind.
7
Siehe Seite 11, 3. Absatz der „Grundsätze des vorsorgenden Grundwasserschutzes bei Abfallver-
wertung und Produkteinsatz“ (GAP-Papier) der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), 2002

 
Technische Regel Boden
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- 12 -
1.2.3.3 Eingeschränkter Einbau in technischen Bauwerken
Eingeschränkter offener Einbau (Einbauklasse 1)
Die Zuordnungswerte Z 1 im Feststoff (Tabelle II.1.2-4) und Z 1.1 bzw. Z 1.2 im Eluat
(Tabelle II.1.2-5) stellen die Obergrenze für den offenen Einbau in technischen Bau-
werken dar.
Im Eluat gelten grundsätzlich die Z 1.1-Werte. Darüber hinaus kann - sofern dieses
landesspezifisch festgelegt oder im Einzelfall nachgewiesen ist - in hydrogeologisch
günstigen Gebieten (siehe Nr. I.4.3.3.1) Bodenmaterial mit Eluatkonzentrationen bis
zu den Zuordnungswerten Z 1.2 eingebaut werden.
Einsatzbereiche für Bodenmaterial, das die Zuordnungswerte Z 1 einhält, sind der
Nr. I.4.3.3.1 zu entnehmen.
Eingeschränkter Einbau mit definierten technischen Sicherungsmaßnahmen
(Einbauklasse 2)
Die Zuordnungswerte Z 2 (Tabellen II.1.2-4 und II.1.2-5) stellen die Obergrenze für
den Einbau von Bodenmaterial in technischen Bauwerken mit definierten technischen
Sicherungsmaßnahmen dar. Dadurch soll der Transport von Inhaltsstoffen in den Un-
tergrund und das Grundwasser verhindert werden.
Bei Unterschreitung der Zuordnungswerte Z 2 ist ein Einbau von unter Nr. II.1.2.1 ge-
nanntem Bodenmaterial unter definierten technischen Sicherungsmaßnahmen bei den
in der Nr. I.4.3.3.2 genannten Baumaßnahmen möglich.
Beim
Einbau von Bodenmaterial der Einbauklasse 2 in Lärm- und Sichtschutz-
wälle sowie Straßendämme
(Unterbau) sind zusätzlich folgende Anforderungen zu
erfüllen:
Bodenmaterial der Einbauklasse 2, das in Lärm- und Sichtschutzwälle sowie Straßen-
dämme (Unterbau) eingebaut wird, muss mit einer Dichtung vor dem Eindringen von
Oberflächen- und Niederschlagswasser geschützt werden, um zu verhindern, dass
Sickerwasser entsteht. Dabei ist Folgendes zu beachten:
-
Dichtungsmaterial: Die Dichtung muss aus geeignetem bindigen Bodenmaterial
oder Dichtungsbahnen (Kunststoffdichtungsbahnen, Bentonitmatten) hergestellt
werden. Bei Straßendämmen kann die wasserundurchlässige Fahrbahndecke
(Asphalt, Beton) Bestandteil der Dichtung werden.

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- 13 -
-
Herstellung: Dichtungen sind nach den bautechnischen Grundsätzen der ZTVE-
StB 94
8
herzustellen. Das Dichtungssystem muss in Abhängigkeit von den gege-
benen Lastfällen standsicher und tragfähig sein.
-
Durchdringungen: Durchdringungen, z. B. Schächte, Abläufe, Fundamente sind
dicht an die Dichtung anzuschließen.
Bei den Dichtungssystemen für Lärm- und Sichtschutzwälle ist zusätzlich Folgendes
zu berücksichtigen:
-
Dicke und Durchlässigkeitsbeiwert: Die mineralische Dichtung ist in einer Dicke
von mindestens 0,50 m mit einem Durchlässigkeitswert von k
f
≤ 5 . 10
-9
m/s her-
zustellen.
-
Einbau: Die mineralische Dichtung ist treppenartig mit dem Schüttkern in Anleh-
nung an DIN 18300 zu verzahnen. Der Einbau und die Verdichtung des Schütt-
und Dichtungsmaterials muss lagenweise (maximal 0,50 m) erfolgen. Material-
zusammensetzung und Einbautechnik sind so zu wählen, dass die Gefahr einer
Trockenrissbildung minimiert wird.
-
Qualitätssicherung und Überprüfung des Dichtungsmaterials: Die Eignung des für
die Dichtung verwendeten mineralischen Bodenmaterials ist im Rahmen einer
(einmaligen) Eignungsprüfung nachzuweisen. Die Anforderungen ergeben sich
aus dem Anhang E der TA Abfall. (Diese Anforderungen werden zukünftig in der
ZTVE berücksichtigt). Die Qualität im eingebauten Zustand ist durch die Eigen-
überwachung zu überprüfen. Einzelheiten zur Durchführung der Eignungsprüfung,
der Eigenüberwachung und der Kontrollprüfung enthält die ZTVE-StB.
-
Rekultivierungsschicht: Die mineralische Dichtung ist mit einer Rekultivierungs-
schicht abzudecken. Für diese sind die Anforderungen an die Herstellung einer
durchwurzelbaren Bodenschicht gemäß § 12 BBodSchV zu beachten (siehe auch
Vollzugshilfe der LABO zu § 12 BBodSchV). Darüber hinaus ist diese bezüglich
ihrer Schichtdicke so zu bemessen, dass die mineralische Dichtung unter Berück-
sichtigung der vegetationsspezifischen Durchwurzelungstiefe der Folgevegetation
und der Materialeigenschaften vor Wurzel- und Frosteinwirkung sowie vor Aus-
trocknung geschützt wird. Die Schichtdicke soll daher mindestens 1,00 m betra-
gen.
8
Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Erdarbeiten im Straßenbau (ZTVE-
StB 94), Ausgabe 1994/Fassung 1997, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen
(FGSV), Arbeitsgruppe Erd- und Grundbau, FGSV-Verlag GmbH, Köln, Nr. 599, September 1998

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-
Vegetation: Lärmschutzwälle sind mit flach wurzelnder Gras- und Kräutervegetati-
on zu begrünen. Der Bewuchs ist regelmäßig zu mähen und zu kontrollieren.
-
Alternative: Sofern dieses landesspezifisch festgelegt wird, können auch Dich-
tungssysteme unter Verwendung von Bitumenemulsion (Anspritzung des Schütt-
kerns mit Bitumenemulsion (0,8 kg/m²)) eingesetzt werden.
Bei den Dichtungssystemen für Straßendämme ist zusätzlich Folgendes zu berück-
sichtigen:
-
Bei Straßendämmen wird zwischen dem mehr oder weniger horizontal liegenden
Bankettbereich und der Böschung unterschieden. Im Böschungsbereich gelten die
Anforderungen für Lärmschutzwälle. Im Bankettbereich werden zwei gleichwertige
Varianten definiert. Für beide gilt, dass eine ausreichende Überlappung von Fahr-
bahndecke und Abdichtung erforderlich ist (≥ 1,00 m) und Schutzeinrichtungen die
Abdichtung nicht verletzen dürfen.
-
Variante 1 mit mineralischer Dichtung: Dicke und k
f
-Wert entsprechen den Anfor-
derungen für Dichtungen von Lärm- und Sichtschutzwällen. Der darüber lagernde
Füllboden, die Frostschutzschicht, die als Dränschicht wirkt, und das Bankettma-
terial weisen nach den Regelbauweisen des Straßenbaus eine Gesamtdicke von
1,00 m auf. Diese Schichtdicke ist zum Schutz der mineralischen Dichtung ausrei-
chend.
-
Variante 2 mit Kunststoffdichtungsbahn: Die Kunststoffdichtungsbahn reicht bis in
den Böschungsbereich hinein und überlappt hier die mineralische Dichtung. Die
Anforderungen an die Kunststoffdichtungsbahn und die Anforderungen an den
Einbau der Dichtungsbahn ergeben sich aus dem Anhang E der TA Abfall. (Diese
Anforderungen werden zukünftig in der ZTVE berücksichtigt.)
-
Alternative: Das zu verwertende Bodenmaterial kann im Kern in der Breite der
befestigten Fahrbahn eingebaut werden, so dass dieser nach oben durch die
Fahrbahn abgedichtet wird. Der verbleibende Zwickel im Böschungsbereich, der
nicht durch die Fahrbahndecke abgedichtet wird, ist aus natürlichem Bodenmate-
rial oder anderen mineralischen Abfällen der Einbauklasse 1 herzustellen. Bei die-
ser Bauweise besteht die Gefahr, dass im Querprofil unterschiedliche Tragfähig-
keiten auftreten, die zu Setzungen führen können. Die Herstellung diese Bauwei-
se setzt daher eine sorgfältige Materialabstimmung und einen hohen Aufwand
beim Einbau voraus, um eine einheitliche Tragfähigkeit zu erreichen.

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Andere Dichtungen,
-
für die im Regelwerk des Straßenbaus mit Zustimmung der Umweltverwaltung An-
forderungen festgelegt worden sind oder
-
für die gegenüber der zuständigen Behörde nachgewiesen wird, dass diese die
beschriebenen Anforderungen erfüllen,
können ebenfalls ausgeführt werden.
Tabelle II.1.2-4: Zuordnungswerte für den eingeschränkten Einbau in techni-
schen Bauwerken - Feststoffgehalte im Bodenmaterial
Parameter
Dimension
Z 1
Z 2
Arsen mg/kg TS 45 150
Blei
mg/kg TS
210
700
Cadmium mg/kg TS 3 10
Chrom (gesamt)
mg/kg TS
180
600
Kupfer
mg/kg TS
120
400
Nickel mg/kg TS 150 500
Thallium mg/kg TS 2,1 7
Quecksilber mg/kg TS 1,5 5
Zink mg/kg TS 450 1500
Cyanide, gesamt
mg/kg TS
3
10
TOC (Masse-%) 1,5 5
EOX mg/kg TS 3
1)
10
Kohlenwasserstoffe
mg/kg TS
300 (600)
2)
1000 (2000)
2)
BTX mg/kg TS 1 1
LHKW mg/kg TS 1 1
PCB
6
mg/kg TS
0,15
0,5
PAK
16
mg/kg TS
3 (9)
3)
30
Benzo(a)pyren mg/kg TS 0,9 3
1) Bei Überschreitung ist die Ursache zu prüfen
2) Die angegebenen Zuordnungswerte gelten für Kohlenwasserstoffverbindungen mit einer Kettenlän-
ge von C
10
bis C
22
. Der Gesamtgehalt, bestimmt nach E DIN EN 14039 (C
10
-C
40
), darf insgesamt
den in Klammern genannten Wert nicht überschreiten.
3) Bodenmaterial mit Zuordnungswerten > 3 mg/kg und ≤ 9 mg/kg darf nur in Gebieten mit hydrogeolo-
gisch günstigen Deckschichten eingebaut werden.

 
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Tabelle II.1.2-5: Zuordnungswerte für den eingeschränkten Einbau in techni-
schen Bauwerken - Eluatkonzentrationen im Bodenmaterial
Parameter
Dimension
Z 1.1
Z 1.2
Z 2
pH-Wert - 6,5-9,5 6-12 5,5-12
Leitfähigkeit μS/cm 250 1500 2000
Chlorid mg/L 30 50 100
2)
Sulfat mg/L 20 50 200
Cyanid μg/L 5 10 20
Arsen μg/L 14 20 60
3)
Blei μg/L 40 80 200
Cadmium μg/L 1,5 3 6
Chrom (gesamt)
μg/L
12,5
25
60
Kupfer μg/L 20 60 100
Nickel μg/L 15 20 70
Quecksilber μg/L < 0,5 1 2
Zink μg/L 150 200 600
Phenolindex μg/L 20 40 100
2)
bei natürlichen Böden in Ausnahmefällen bis 300 mg/l
3)
bei natürlichen Böden in Ausnahmefällen bis 120 μg/l
1.2.4 Qualitätssicherung
Die Qualitätssicherung setzt voraus, dass das Bodenmaterial entsprechend den Vor-
gaben dieser Technischen Regel einer Einbauklasse zugeordnet worden ist. Sie soll
gewährleisten, dass das am Verwertungsort angelieferte Material mit dem zuvor de-
klarierten und eingestuften Material identisch ist und damit am Einbauort keine erneu-
te Einstufung bzw. Untersuchung des Materials erfolgen muss. Dazu ist der Weg des
Abfalls vom Anfallort bis zum Einbau u. a. mit geeigneten Unterlagen lückenlos zu
dokumentieren
9
. Liegt eine solche Dokumentation nicht vor, kann die Behörde die Un-
tersuchung des Materials vor dem Einbau verlangen.
Die grundsätzlichen Anforderungen an die Qualitätssicherung ergeben sich aus der
Nummer I.6. Bei der Verwertung von Bodenmaterial ist es darüber hinaus erforderlich,
durch zusätzliche Maßnahmen abzusichern, dass die zur Bewertung des Materials
und seiner Zuordnung zu einer Einbauklasse ermittelte Qualität bis zum Einbau unver-
ändert bleibt. Dieses Ziel soll im Wesentlichen durch organisatorische Maßnahmen
und nur in bestimmten Fällen durch zusätzliche analytische Kontrollen erreicht wer-
9
Hinweis: Bei dieser Dokumentation handelt es sich nicht um eine abfallrechtlich begründete Nach-
weispflicht, sondern um eine organisatorische Sicherungsmaßnahme.

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den. Unabhängig davon ist in jeder Phase vom Beginn der Anlieferung bis zum Ab-
schluss des Einbaus eine sensorische Prüfung durchzuführen. Geruchswahrnehmun-
gen oder sonstige Auffälligkeiten sind zu dokumentieren. Gesundheitsschutzvorschrif-
ten sind zu beachten.
Grundsätzlich wird zwischen der Qualitätssicherung bei technischen Bauwerken und
der bei bodenähnlichen Anwendungen unterschieden.
Technische Bauwerke
Für die Qualitätssicherung bei technischen Bauwerken gelten grundsätzlich die dies-
bezüglichen Anforderungen der ZTVE-StB 94. Diese werden hinsichtlich der chemi-
schen Beschaffenheit durch die Tabelle II.1.2-6 für den Einbau von Bodenmaterial
konkretisiert. Für die Qualität der technischen Sicherungsmaßnahmen in der Einbau-
klasse 2 gelten die Anforderungen der ZTVE-StB 94 unmittelbar bzw. sinngemäß.
Der Lieferschein muss die folgenden Angaben enthalten:
-
Abfallbezeichnung und Abfallschlüssel,
-
Liefermenge (t bzw. m³),
-
Einstufung in die jeweilige Einbauklasse,
-
Abfallerzeuger und Herkunft,
-
Beförderer,
-
Datum der Anlieferung.
Die Abgabe am Entstehungsort und Abnahme am Einbauort müssen durch Unter-
schrift der jeweils Verantwortlichen bestätigt werden.
Die Angaben aus dem Lieferschein sind zusammen mit dem Einbauort der jeweiligen
Lieferung (nach Lage und Höhe bezogen auf das Planum) in die baustellenbezogenen
Unterlagen für die Qualitätssicherung aufzunehmen.

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Tabelle II.1.2-6: Qualitätssicherung bei der Errichtung technischer Bauwerke
Träger der Maßnahme oder dessen Beauftragter
(T/B)
Prüfstelle (PS)
Art der
Maßnahme
Prüfung auf Auffällig-
keiten und Liefer-
scheinkontrolle
Probenahme
Probenahme
Prüfung
Tragschicht
im Oberbau
bei jeder Anlieferung
1 Mischprobe je 2000 m²,
jedoch mind. 1 Mischpro-
be
1)
je 100 m
alle entnomme-
nen Proben
2)
Erdbau
bei jeder Anlieferung
1 Mischprobe
1)
pro m
Schichtdicke je 2000 m²,
bei Linienbauwerken je-
doch mind. 1 Mischprobe
1)
je 100 m und 1 m Schicht-
dicke
täglich 1 Misch-
probe
1)
Eine von zwei
Proben des T/B
nach Maßgabe
der PS, jede Pro-
be der PS
2)
1) Die Mischprobe soll aus jeweils mindestens 10 gleichmäßig über die zu beprobende Teilfläche verteilt ent-
nom
menen Einzelproben gewonnen werden. Die Einzelproben stammen aus Einstichen mit Schaufel
oder Spaten. Augenscheinlich schadstoffverdächtiges Material ist getrennt zu beproben; die Lage
und Fläche dieses Bereichs ist zu dokumentieren.
2) Der Untersuchungsumfang ist mit der zuständigen Behörde zu vereinbaren. Ggf. können Schnellver-
fahren eingesetzt werden.
Verfüllung von Abgrabungen
Abgrabungen dürfen nur mit Bodenmaterial verfüllt werden, das die Anforderungen
der Nummer II.1.2.3.2 (Einbauklasse 0) einhält. Die Einhaltung dieser Anforderungen
ist durch den Betreiber der Verfüllungsmaßnahme unabhängig von gesetzlich festge-
legten Nachweispflichten nachzuweisen.
Nachzuweisen ist die Qualität des eingebauten Materials. Dazu ist es je nach Fallge-
staltung erforderlich, den Weg vom Anfall des Abfalls zum Einbau lückenlos zu doku-
mentieren. Angesichts dieser geschlossenen Kette ist es zulässig, vorhandene Er-
kenntnisse zur Qualität des Abfalls zu nutzen, die am Entstehungsort gewonnen wur-
den. Ohne eine solche lückenlose Dokumentation müsste jedes Mal und ungeachtet
vorhandener Erkenntnisse unmittelbar vor dem Einbau ein analytische Untersuchung
erfolgen.
Bei der Qualitätssicherung werden folgende Fallgestaltungen unterschieden:
1. Das Bodenmaterial wird durch den Betreiber der Verfüllungsmaßnahme oder
durch einen gemäß § 52 KrW-/AbfG anerkannten Entsorgungsfachbetrieb von ei-
ner bekannten Baustelle ohne weitere Zwischenlagerung zur Verfüllungsmaß-
nahme transportiert.

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In diesem Fall kann der Einbau im Rahmen der Regelungen der Nummer
II.1.2.3.2 unmittelbar erfolgen. Weitere Untersuchungen oder qualitätssichernde
Maßnahmen sind nicht erforderlich.
2. Das Bodenmaterial wird durch ein anderes als das in der Nummer 1 genannte
Unternehmen angeliefert.
In diesem Fall ist ein unmittelbarer Einbau unter Verzicht auf weitere qualitätssi-
chernden Maßnahmen nur dann zulässig, wenn der Betreiber der Verfüllungs-
maßnahme durch geeignete Maßnahmen sicherstellt, dass das bekannte, hin-
sichtlich der Einbauklassen eingestufte Material identisch ist mit dem Material, das
transportiert und am Verwertungsort angeliefert wird (z. B. Anwesenheit eines
Vertreters des Verwertungsunternehmens vom Beginn des Aushubs an, Notieren
von Kennzeichnen der Transportfahrzeuge, Abfahrtzeiten, Kontakt zur Annahme-
stelle am Verwertungsort zur Erfassung der Ankunft).
3. In allen anderen Fällen ist das Material nach der Anlieferung zu untersuchen.
In allen Fällen ist in der Genehmigung der Verfüllungsmaßnahme festzulegen, dass
die Überwachungsbehörde berechtigt ist, stichprobenartig und auf Kosten des Ge-
nehmigungsinhabers jährlich bis zu 20 Proben ziehen und untersuchen zu lassen.
In den Fällen der Nummern 1 und 2 ist ein Verzicht auf weitere Untersuchungen bzw.
qualitätssichernde Maßnahmen nur möglich, wenn die Dokumentation alle relevanten
Daten zum Anfall des Abfalls, seines Transports und seines Einbaus enthält. Hieraus
folgt, dass im Rahmen der Qualitätssicherung die folgenden Angaben zu dokumentie-
ren sind:
I.
Lage der Baustelle bzw. des Abholortes
II. Träger der Baumaßnahme/Abfallerzeuger
III. Abfallart (Abfallschlüssel)
IV. Abfallmenge
V.
Datum des Transportes
VI.
Falls das Bodenmaterial nach dem Aushub zwischengelagert wird:
1. Zeitdauer (ca.)
2.
Besondere Auffälligkeiten bei der sensorischen Prüfung
falls ja: veranlasste Maßnahme

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VII.
Einstufung des Materials in Einbauklassen (Feststoff- und ggf. auch Eluatwerte)
1. Feststoffgehalte
a) Einbauklasse
b) Grundlage der Einstufung
aa) Kein Untersuchungserfordernis gemäß Nummer II.1.2.2.1
bb) Untersuchungsbericht des Instituts ... vom ... (als Anlage beizufügen)
2. Eluatkonzentrationen
a) Einbauklasse
b) Grundlage der Einstufung
aa) Kein Untersuchungserfordernis gemäß Nummer II.1.2.2.1
bb) Untersuchungsbericht des Instituts ... vom ... (als Anlage beizufügen)
VIII. Transport durch
1. Verwertungsunternehmen
2. Entsorgungsfachbetrieb (Name)
3.
Sonstige Unternehmen/Personen (Name)
Im Fall der Nummer 3 sind Angaben zur Begleitung und Beobachtung des
Transports durch das Verwertungsunternehmen beim Abholen und Anlie-
fern des Materials zu ergänzen:
- ja: Art der begleitenden Maßnahmen
- nein
IX.
Anlieferung des Materials
1.
Datum und Uhrzeit
2.
Kennzeichen des Fahrzeugs
3.
Name des Unternehmens (falls nicht schon oben unter VIII. erfasst)
4.
Gewicht bzw. Volumen der Ladung
5.
Prüfung auf Auffälligkeiten durch ... (Name der entsprechenden Person
des Verwertungsunternehmens):
Gab es Auffälligkeiten?

 
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X.
Untersuchung des Materials nach Anlieferung:
1.
Nein: gesicherte Erkenntnisse liegen vor (siehe VII.)
2.
Ja: Untersuchungsbericht des Instituts .. vom ... (als Anlage beizufügen)
XI.
Zwischenlagerung des Materials vor Untersuchung in Miete Nr. ... (Größe der
Miete nicht mehr als 1.000 m³ bzw. 2.000 t und nicht höher als 3 bis 4 m).
XII.
Einbau des Materials am ...(ggf. Angabe des Feldes und der Ebene).
Die Abgabe am Entstehungsort und Abnahme am Einbauort müssen durch Unter-
schriften der jeweils Verantwortlichen bestätigt sein.
1.2.5 Dokumentation
Die Verwertung von Bodenmaterial in der Einbauklasse 2 ist gemäß Nummer I.7 zu
dokumentieren. Weitere Anforderungen an die Dokumentation werden nicht gestellt.

Hydro-
geologisch günstiges
Gebiet ?
Einbauklasse 0
Uneingeschränkter Einbau
(Verfüllung von Abgrabungen
Abfallverwert. im Landschaftsbau)
Einbauklasse 1
Eingeschränkter offener
Einbau
(wasserdurchlässige
Bauweise)
Einbauklasse 2
Eingeschränkter Einbau mit definierten
technischen Sicherungsmaßnahmen
(nicht oder nur gering
wasserdurchlässige Bauweise)
Keine
Verwertung
im Rahmen
der TR Boden
möglich
Bestimmung der Eluatkonzentrationen
Verdacht
auf Schadstoffbe-
lastungen ?
Verdacht
auf spezifische Schadstoff-
belastungen ?
Bodenmaterial zur Verwertung
keine
bodenartspez.
Zuordnung möglich
oder wechselnde Bodenarten
oder aus Boden-
behandlung ?
Bestimmung der Feststoffgehalte
Mindestuntersuchungsprogramm
nach Tabelle II 1.2-1
Verdachtsspezifische
Untersuchung
Zu-
sätzlicher
unspezifischer
Verdacht ?
nein
ja
ja
nein
ja
ja
ja
ja
ja
ja
ja
ja
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein
F≤Z1
E≤Z1.1
F≤Z0
2)
E≤Z0
F≤ Z 0
1)
F : Feststoffgehalt
E : Eluatkonzentration
F≤Z1
E≤Z1.2
F≤Z2
E≤Z2
F≤Z0*
E≤Z0*
Verfüllung
außerh. wasserwirtschaftl.
Schutzgebiete ?
nein
ja
ja
1) Bodenartspezifischer Zuordnungswert,
2) Bei Gemischen oder Boden aus Behandlungsanlagen Zuordnungswerte für Lehm/Schluff
nein
Flussbild: Verwertung von Bodenmaterial