image
1 Einleitung
Das Schutzsystem NATURA 2000 gehört zu den
wichtigsten europäischen Naturschutzinstrumen-
ten und soll zur Sicherung der Artenvielfalt bei-
tragen. Es besteht aus der Fauna-Flora-Habitat
(FFH)-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie.
Schutzgegenstände der 1992 verabschiedeten
FFH-Richtlinie sind Pflanzen- und Tierarten sowie
deren Lebensräume. Für diese ist der günstige
Erhaltungszustand zu bewahren bzw. wiederher-
zustellen. In den Anhängen der Richtlinie sind
zahlreiche europa- bzw. weltweit gefährdete
Lebensräume und Arten aufgeführt, darunter
viele, für deren Erhalt Europa eine besondere
Bedeutung hat. Für die in Sachsen vorkommen-
den Lebensräume und Arten trägt das Land die
Verantwortung. Diese begründet sich zum einen
aus den eingegangenen Verpflichtungen mit der
Ratifizierung der Richtlinie, vor allem aber aus
dem Bewusstsein, dass die FFH-Lebensräume und
-Arten stellvertretend für die gesamte biologische
Vielfalt stehen. Mit ihrer günstigen Entwicklung
soll die ganze Vielfalt gesichert werden, um die
Grundlage für das menschliche Leben und für
stabile Ökosysteme zu bewahren.
Die FFH-Richtlinie vereint verschiedene Ansätze
zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Ein Instru-
ment ist die Einrichtung bzw. Ausweisung von
speziellen Schutzgebieten für Lebensräume, die
im Anhang I der Richtlinie und für Arten, die im
Anhang II der Richtlinie aufgeführt sind. Ein wei-
terer Ansatz ist die Erstellung von Management-
plänen für die Gebiete mit Hinweisen zu Maßnah-
men. Für Arten des Anhangs IV ist ein strenges
Schutzsystem aufzubauen. Die Arten des An-
hangs V unterliegen speziellen Entnahme- und
Handelsbeschränkungen. Zur Überwachung des
Zustands und zur Kontrolle der Effizienz von
Maßnahmen fordert die Richtlinie ein allgemeines
Monitoring und Berichtspflichten gegenüber der
EU (Artikel 11 und 17 der FFH-Richtlinie). Alle
sechs Jahre erstellen die Mitgliedsstaaten einen
Bericht über durchgeführte Maßnahmen sowie
die wichtigsten Ergebnisse der Überwachung. Für
die Bewertung wurde Europa in mehrere biogeo-
grafische Regionen aufgeteilt. Deutschland hat
Anteil an drei Regionen, Sachsen liegt vollständig
in der kontinentalen Region.
Die FFH-Richtlinie trat im Jahr 1994 in Kraft, der
erste Bericht umfasste den Zeitraum bis 2000. Be-
richtsinhalt waren allgemeine Aussagen zur Um-
setzung der FFH-Richtlinie, schwerpunktmäßig
zum Stand der Gebietsmeldung (EU-K
OMMISSION
2003). Auf Grundlage der FFH-Richtlinie wurden
für den zweiten Bericht von den Mitgliedsstaaten
ausführliche Vorgaben verabschiedet. Inhalt und
Form sind in einem eigenen Berichtsformat be-
schrieben (EU-K
OMMISSION 2005, 2006). Für den
Berichtszeitraum 2001 – 2006 hat das Landesamt
für Umwelt und Geologie (seit 2008 Landesamt
36 |
„Naturschutzarbeit in Sachsen“, 51. Jahrgang 2009 Seite 36 – 59
Berichtspflichten zur europäischen
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Sachsen
Christoph Hettwer, Steffen Malt, Dietmar Schulz, Raimund Warnke-Grüttner, Ulrich Zöphel

für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) im
Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für
Umwelt und Landwirtschaft die Daten zusam-
mengestellt und für den Freistaat den Zustand
von FFH-Lebensräumen und -Arten beschrieben
und bewertet. Aus den Angaben aller Bundeslän-
der wurde vom Bundesamt für Naturschutz ein
nationaler Bericht verfasst, intensiv mit den Län-
dern abgestimmt und Ende 2007 von der Bundes-
regierung an die Europäische Kommission über-
geben (vgl. B
ALZER et al. 2008). Anschließend
wurden die Dokumente der Staaten zu einem
europäischen Bericht zusammengefasst und ver-
öffentlicht (EU-K
OMMISSION 2009). Damit liegt erst-
mals eine EU-weit einheitliche Zustandsbeschrei-
bung für die FFH-Lebensräume und -Arten in den
biogeografischen Regionen vor.
2 Berichtsanforderungen und -umsetzung
Der FFH-Bericht besteht aus drei Teilen. Der erste
enthält Informationen zur allgemeinen Umset-
zung der Richtlinie (u. a. Gebietskulisse, Maßnah-
men). Im zweiten Teil
sind Angaben zum Erhal-
tungszustand der Arten (Anhang II, IV und V der
FFH-Richtlinie) zu liefern und der dritte umfasst
entsprechende Angaben zu den Lebensraumtypen
des Anhangs I.
Hauptziel der Richtlinie ist die dauerhafte Sicher-
stellung des „günstigen Erhaltungszustands“. Ver-
einfacht ausgedrückt ist dies eine Situation, in der
ein Lebensraumtyp oder eine Art gedeihen kann
– sowohl qualitativ gesehen als auch in Bezug auf
die Ausdehnung/Population – und gute Zukunfts-
aussichten zu erwarten sind. Das Ziel der Richtli-
nie wird positiv definiert, d. h. es ist an einer gün-
stigen Situation ausgerichtet, die zu definieren ist
und erhalten bleiben bzw. wiederhergestellt
werden muss. Es geht somit um mehr als ein blo-
ßes Vermeiden des Aussterbens (EU-K
OMMISSION
2005).
Für die Berichtspflicht sind landesweite Bewer-
tungen (über die FFH-Gebietskulisse hinaus) er-
forderlich, da der Erhaltungszustand auf Grund-
lage aller Vorkommen zu ermitteln ist. Für Arten
des Anhangs IV (z. B. Feldhamster) waren keine
Schutzgebiete zu benennen, sodass eine allein
auf den Vorkommen in den FFH-Gebieten basie-
rende Bewertung nicht möglich ist. Im Bericht
werden die Daten im Landesüberblick zusammen-
gefasst. Aussagen zu einzelnen FFH-Gebieten sind
daraus nicht zu entnehmen.
Die erforderlichen Daten zu Arten und Lebens-
raumtypen umfassen u. a. Angaben zu Verbrei-
tung, Flächen- und Populationsgröße, Datenqua-
lität, Trend und Trendursachen, Beeinträch-
tigungen sowie Zukunftsaussichten. Außerdem
sind Referenzwerte für einen günstigen Erhal-
tungszustand festzulegen, an denen die aktuellen
Größen gemessen werden. Auf Grundlage dieser
Daten ist der Erhaltungszustand als Summe der
Einzelparameter nach dem EU-Schema zu ermit-
teln (Tab. 1). Die Bewertung von Zustand und Ent-
wicklung bei Arten und Lebensräumen erfolgt in
Form des so genannten „Ampelschemas“ in den
Kategorien günstig (grün), unzureichend (gelb)
und schlecht (rot). Die Bewertungsparameter
werden nach festgelegten Regeln aggregiert,
dabei bestimmt die ungünstigste Einschätzung
das Gesamtergebnis.
Das
aktuelle natürliche Verbreitungsgebiet
beschreibt die räumliche Verteilung von Arten
und Lebensräumen. Es wird in Verbreitungskarten
in kleinem Maßstab dargestellt (vgl. Abb. 1).
Betrachtet werden bei diesem Parameter vor
allem Verbreitungsgrenzen am äußeren Arealrand.
Zur Bewertung werden Flächentrends ermittelt
sowie die zum Erhalt der Art/des Lebensraums
notwendige Verbreitungsfläche bestimmt (Refe-
renzwert). Nur wenn Trends stabil oder positiv
sind und das aktuelle Gebiet dem Referenzwert
entspricht, wird der Erhaltungszustand als
günstig bewertet. Ein starker Rückgang von mehr
als 1 % der Fläche pro Jahr oder ein aktuelles Ver-
breitungsgebiet, dessen Größe mehr als 10 %
|37

Tab. 1: Zusammenfassung des Bewertungsschemas (nach EUROPÄISCHE KOMMISSION (2005), verändert)
Parameter
Bewertung Erhaltungszustand
1
Günstig Ungünstig-
unzureichend
Ungünstig-schlecht
Aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet –
range (LRT und Arten)
stabil oder zunehmend UND nicht
kleiner als „günstiges natürliches
Verbreitungsgebiet“
andere
Kombination
starke Abnahme (> 1 % pro Jahr) ODER
> 10 % unter „günstigem natürlichen
Verbreitungsgebiet«
Aktuelle Fläche –
area (nur LRT)
stabil oder zunehmend UND nicht
kleiner als „günstige Gesamtflä-
che“ UND ohne signifikante Ände-
rungen des Verteilungsmusters
andere
Kombination
starke Abnahme (> 1 % pro Jahr) ODER
größere Flächenverluste innerhalb des
natürlichen Verbreitungsgebietes ODER
> 10 % unter „günstiger Gesamtfläche“
Spezielle Strukturen
und Funktionen (nur LRT)
gut erhalten
andere
Kombination
> 25 % der Fläche „ungünstig“
Population (nur Arten)
nicht kleiner als die günstige Ge-
samtpopulation UND Fortpflan-
zung, Mortalität, Altersstruktur
normal (soweit Daten verfügbar)
andere
Kombination
starker Rückgang (> 1 % pro Jahr) UND
kleiner als „günstige Gesamtpopula-
tion“ ODER > 25 % unterhalb „günsti-
ger Gesamtpopulation“ ODER Fort-
pflanzung, Mortalität, Altersstruktur
stark abweichend (soweit Daten ver-
fügbar)
Habitat (nur Arten)
Fläche groß genug (und stabil oder
zunehmend) UND Qualität eignet
sich für den langfristigen Fortbe-
stand
andere
Kombination
Fläche klar erkennbar nicht groß genug
ODER Qualität ist schlecht und sichert
klar erkennbar nicht den langfristigen
Fortbestand
Zukunftsaussichten
(LRT und Arten)
langfristiger Fortbestand
gesichert, keine signifikanten
Auswirkungen von Gefährdungs-
faktoren zu erwarten
andere
Kombination
langfristiger Fortbestand nicht
gesichert, starke Auswirkung von
Gefährdungsfaktoren zu erwarten
Gesamtbewertung
2
alle grün ODER drei grün und ein
unbekannt
ein oder meh-
rere gelb, aber
kein rot
ein oder mehrere rot
unter der des günstigen liegt, führt zur
Bewertung ungünstig-schlecht.
Zum Parameter
Population
liegen nur bei weni-
gen Arten konkrete Individuenzahlen vor. Bei ein-
zelnen Arten ist zumindest die Zahl der Vorkom-
men bekannt. In vielen Fällen musste stattdessen
als Maß die Zahl der besetzten Rasterfelder
(TK25-Messtischblätter/-quadranten) genutzt
werden. Ihre Verteilung ist als Rasterkarte auf
Grundlage der Messtischblätter zu liefern. Wie
beim Verbreitungsgebiet ist eine Mindestgröße
zur Population anzugeben, die zumindest nicht
unter dem Wert von 1994 liegen darf. Dazu wur-
den die aktuellen und früheren Populations -
größen verglichen und die zum Erhalt der Art
notwendige Populationsgröße gutachterlich er-
mittelt.
Das
Habitat
wird möglichst als Gesamtfläche der
Lebensräume einer Art innerhalb des Landes be-
stimmt. Da diese Angabe nur selten ausreichend
genau bekannt bzw. aktuell ermittelbar ist, wurde
für den vorliegenden Bericht als grobe Abschät-
38 |
1
bei fehlenden oder nicht gesicherten Erkenntnissen zu den Parametern ist auch die Bewertung „unbekannt“ möglich.
2
jeweils für einen LRT oder eine Art

image
zung, wie beim Parameter Population, die Zahl der
besetzten Rasterfelder angegeben. Auch hier ist ein
Referenzwert, die geeignete Habitatfläche zum
langfristigen Erhalt der Art, anzugeben. Anhand
derer wird die aktuelle Habitatfläche bewertet.
Bei Lebensräumen ist die
aktuelle Fläche
zu be-
werten. Dazu muss die Gesamtfläche in Quadrat-
kilometern bestimmt und ihre Verteilung als
Rasterkarte auf Basis der Messtischblätter darge-
stellt werden (vgl. Abb. 1). Zusätzlich sind die
spe-
ziellen Strukturen und Funktionen
als Quali-
tätsparameter zu bewerten. Grundlage dafür
bilden die vorliegenden Bewertungen der Lebens-
raumtyp-Einzelflächen in die Klassen A (hervor-
ragend), B (gut) oder C (mittel bis schlecht).
Wurden bei der Ersterfassung mehr als 25 Flä-
chenprozent eines Lebensraums mit C bewertet,
so ist der Zustand des Lebensraums bezogen auf
Sachsen als ungünstig-schlecht zu bewerten.
Die
Zukunftsaussichten
von Arten und Lebens-
raumtypen werden gutachterlich bewertet. Dazu
ist die dauerhafte Überlebensfähigkeit auf Grund-
lage des aktuellen Zustandes und der prognosti-
zierbaren Beeinträchtigungen als Expertenvotum
einzuschätzen. Als Prognosezeitraum gelten die
nächsten 18 bis 24 Jahre.
Dem sächsischen Bericht 2001 – 2006 zu Lebens-
raumtypen (LRT) und Arten des Anhangs II liegen
die Erfassungsergebnisse von 148 Management-
plänen der insgesamt 270 FFH-Gebiete zugrunde.
|39
Abb. 1: Verbreitung der Feuchten Heiden (LRT 4010) in Deutschland (D) und angrenzenden Staaten
Messtischblatt-Rasterpunkte zu den Vorkommen in D sowie Fläche des aktuellen natürlichen Verbreitungsgebietes
in D und angrenzenden Staaten
Quelle: Nationale Berichte Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Polen und Dänemark, Stand: 07/2008
(vgl.
http://rod.eionet.europa.eu/obligations/269/legislation)

Die ausgewerteten Pläne decken ungefähr die
Hälfte der FFH-Gebietsfläche ab. Zu den 90,8 %
der Landesfläche außerhalb der FFH-Gebiete wur-
den bei den Lebensraumtypen Daten der landes-
weiten selektiven Biotopkartierung mit Stand
2006 ausgewertet und durch Expertenwissen er-
gänzt. Aufgrund der Verteilung der FFH-Gebiete
ließ sich mittels Ersterfassungsdaten das aktuelle
Verbreitungsgebiet oftmals relativ gut abbilden.
Die Flächen- und Qualitätseinschätzungen sind
allerdings wegen des niedrigen Erfassungsgrades
bei den meisten LRT noch unbefriedigend (nur der
LRT Kalkreiche Sümpfe ist vollständig erfasst). Da
Vergleichswerte fehlen, sind Trendaussagen noch
kaum verlässlich zu ermitteln.
Bei den Arten wurden entsprechend einer bun-
desweiten Vereinbarung in der Regel Nachweise
nach 1990 ausgewertet. Dazu wurden Daten aus
verschiedenen sächsischen Arterfassungspro-
grammen, dem Artenmonitoring sowie der FFH-
Ersterfassung herangezogen, zusammengefasst
und bei Bedarf gutachterlich ergänzt. Insgesamt
basiert der Bericht speziell bei den Arten auf An-
gaben zu mehr als 70.000 Einzelnachweisen von
über 1.000 Bearbeitern aus Freizeitforschung, Pla-
nungsbüros und Behörden. Infolge unterschied-
licher Bearbeitungsintensität (z. B. verfügbare
Zahl ehrenamtlicher Kartierer, Artspezialisten)
sowie wegen unterschiedlich guter Nachweisbar-
keit der Arten ist die Datenlage heterogen. Wäh-
rend beispielsweise der Kenntnisstand bei Amphi-
bien, Libellen und Gefäßpflanzen nach neueren
landesweiten Erfassungen derzeit befriedigend ist,
bestehen u. a. bei Käferarten, Flechten und einer
Reihe von Moosarten erhebliche Datenlücken. In
den Grenzregionen zu Brandenburg, Sachsen-An-
halt, Thüringen und insbesondere Tschechien
wurden die sächsischen Verbreitungsangaben mit
den dort vorliegenden Daten abgeglichen.
Die Erstellung des Landesberichtes erfolgte in
enger Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für
Landwirtschaft (Fischerei) (seit 2008 im Landes-
amt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie)
bezüglich der Fische und Rundmäuler und dem
Staatsbetrieb Sachsenforst bezüglich der Wald-
Lebensraumtypen. Zu den Großschutzgebieten
(Nationalpark, Biosphärenreservat) und ausge-
wählten Artengruppen (Moose, Flechten, Wirbel-
lose) wurden Experten in die Bewertung einge-
bunden.
40 |
Abb. 2: Prozentuale Verteilung der sächsischen FFH-Lebensraumtypen (LRT) und -Arten auf die EU-Bewertungsstufen
(günstig: grün; unzureichend: gelb; schlecht: rot; unbekannt: grau)
27 LRT
58%
11 LRT
23%
6 LRT
13%
3 LRT
6%
36 Arten
27%
65 Arten
50%
9 Arten
7%
21 Arten
16%

3 Bewertungsergebnisse bei Lebensräumen
und Arten und ihre naturschutzfachliche
Beurteilung
Von den 47 in Sachsen nachgewiesenen LRT
wurde bei 27 der Erhaltungszustand als günstig
eingeschätzt, das entspricht 58 % der LRT (vgl.
Abb.
2). In einem unzureichenden Zustand befin-
den sich 11 LRT (23 %), und bei 6 LRT (13 %)
wurde der Erhaltungszustand als schlecht bewer-
tet. Zu 3 LRT ließ sich der Erhaltungszustand nicht
ermitteln, da keine ausreichenden Informationen
vorliegen.
Von den im Jahr 2006 in Sachsen bewerteten 131
FFH-Arten wurde bei 36 (27 %) der Erhaltungs-
zustand als günstig bewertet. 65 Arten und somit
50 % befinden sich in einem unzureichenden und
9 Arten (7 %) in einem schlechten Erhaltungszu-
stand. Bei 21 Arten (16 %) fehlen wichtige Infor-
mationen, sodass deren Erhaltungszustand nicht
eingeschätzt werden konnte (vgl. Abb. 2).
Übersichten zur jeweiligen Bewertung des Erhal-
tungszustandes sowie Schätzungen zu Flächen-
größen bei LRT und Vorkommensgrößen bei Arten
finden sich in Tab. 2 und 3. Dort sind neben der
Gesamtbewertung auch die Bewertungen zu den
Parametern aufgeführt.
Bei den LRT wurde das aktuelle natürliche Verbrei-
tungsgebiet fast immer als günstig eingeschätzt.
Dagegen war die Fläche bei 4 LRT unzureichend
oder schlecht, da entweder zurückgegangen (De-
tails s. u.) oder zu gering für den langfristigen Er-
halt des LRT in Sachsen (z. B. Steppen-Trockenra-
sen, LRT 6240, landesweit nur 3 Vorkommen mit
insgesamt 1,5 ha). Die Struktur wurde bei 7 LRT
als ungünstig bewertet. Bei ihnen übersteigt der
Anteil der Flächen in schlechtem Zustand die
Grenzwerte. Bei vielen LRT wurden die Zukunfts-
aussichten ungünstig eingeschätzt (13 LRT) oder
waren nicht bewertbar (12 LRT). Dies gilt insbeson-
dere für großflächig von Sukzession betroffene
Lebensräume (z. B. Heiden) sowie LRT, bei denen
prognostizierte Klimaveränderungen (z. B. bei Nie-
| 41
8
3
3
2
3
6
11
2
1
3
22
10
1
1
5
8
10
1
1
2
1
1
2
2
1
4
2
2
3
2
1
4
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Sonstige (2)
Mollusken (4)
Flechten (4)
Moose (35)
Gefäßpflanzen (15)
Libellen (6)
Käfer (5)
Schmetterlinge (7)
Fische (11)
Amphibien/Reptilien (15)
Säugetiere (27)
günstig
unzureichend
schlecht
unbekannt
2
1
Abb. 3: Gesamtbewertung der sächsischen FFH-Arten nach Artengruppen mit Angabe der Artenzahl

derschlagsmengen und -verteilung, Temperatur)
zu einer Verschlechterung führen werden. Von den
landesweit schätzungsweise rund 57.000
1
ha LRT-
Flächen nehmen die 6 Lebensräume mit schlech-
tem Erhaltungszustand allerdings nur 1 % der
Fläche ein, was ca. 720 ha entspricht.
Von den 131 Arten war bei 28 das aktuelle Ver-
breitungsgebiet unzureichend oder schlecht. In
den meisten Fällen wurden auch die drei weiteren
Parameter (Population, Habitat, Zukunftsaussich-
ten) ungünstig bewertet. Bei 24 Arten ist das Ver-
breitungsgebiet unbekannt, zu 15 davon liegen
aufgrund ihrer schwierigen Erfassbarkeit zu we-
nige Daten für eine Gesamtbewertung vor. Be-
trachtet man die Ergebnisse bei den Artengruppen
getrennt (Abb. 3), so befindet sich unter den Kä-
fern, Flechten, Mollusken und sonstigen Arten
keine in einem günstigen Erhaltungszustand. In
der großen Gruppe der Moose wurden 77 % als
unzureichend oder unbekannt eingestuft. Anteilig
am besten ist der Zustand bei den Libellen mit
50 % günstigem Erhaltungszustand bei allerdings
nur insgesamt sechs betrachteten Arten.
Die Ergebnisse zu Lebensräumen und Arten sind
nicht mit denen der Roten Listen identisch, da
sich die Bewertungskriterien unterscheiden. So
hat der FFH-Parameter Zukunftsaussichten keine
Entsprechung in Rote-Liste-Kriterien. Ein deutli-
cher Unterschied besteht auch im Bezugszeit-
raum. Im FFH-Bericht wurde dieser auf die Zeit-
spanne seit Inkrafttreten der Richtlinie 1994
festgelegt, während die Roten Listen längere Zeit-
räume betrachten. Damit werden nur in den
Roten Listen die gravierenden Veränderungen
vorhergehender Jahrzehnte berücksichtigt.
Analysiert man neben der Bewertung der LRT auch
ihre landesweite Verteilung, so zeigen sich in der
Summe regionale Unterschiede (Abb. 4). Besonders
reiche Räume mit 20 und mehr LRT je Messtisch-
blatt liegen z. B. vom Osterzgebirge bis zur Sächsi-
schen Schweiz sowie in der Teichlausitz nördlich
Niesky, während Teile des Leipziger Lands, das
Erzgebirgsbecken und das Oberlausitzer Gefilde
geringer ausgestattet sind. Da die landesweite
Kartierung der LRT außerhalb der FFH-Gebiete erst
begonnen hat, handelt es sich bei den Zahlen um
einen Zwischenstand.
Vergleich der sächsischen Ergebnisse mit
denen der kontinentalen biogeografischen
Region Deutschlands
Das Bewertungsergebnis für Sachsen ist in einer
Reihe von Fällen nicht mit dem Wert für die kon-
tinentale Region in Deutschland identisch (vgl.
Tab. 2 und 3). Die Situationen der Schutzgüter und
ihre jeweilige Bewertung in den 14 betroffenen
Bundesländern unterscheiden sich und werden
für den nationalen Bericht entsprechend ihres
Anteils am Gesamtbestand einer Art bzw. eines
LRT in der biogeografischen Region gewichtet. Bei
bestimmten Lebensräumen und Arten ist die Si-
tuation der sächsischen Vorkommen schlechter
als die Bundesbewertung (z. B. Kalk-Trockenrasen,
Moorwälder und Hirschkäfer). In einigen Fällen ist
die sächsische Bewertung deutlich besser als die
Ergebnisse für die gesamte kontinentale Region
(z. B. bei den Arten Östliche Moosjungfer, Frosch-
kraut). Bei diesen Arten ist die Situation in Sach-
sen stabil, während die Bestände in anderen Bun-
desländern (z. B. Brandenburg) abnehmen oder
die Zukunftsaussichten als schlecht eingeschätzt
werden. Auffällige Bewertungsunterschiede gibt
es auch bei zwei LRT mit höherem sächsischem
Flächenanteil. Bei den Flüssen mit Schlammbän-
ken (LRT 3270) sind im Vorkommensschwerpunkt
in Sachsen-Anhalt die Zukunftsaussichten
schlecht aufgrund geplanter Buhnenrekonstruk-
tion an der Elbe. Ähnliche Maßnahmeplanungen
sind für Mulde und Elbe in Sachsen nicht bekannt.
Die Qualität (Parameter Strukturen und Funktio-
nen) montaner Fichtenwälder (LRT 9410) wird in
anderen Bundesländern gutachterlich als schlecht
eingeschätzt. Für Sachsen erbrachte die Erfassung
eine bessere Bewertung. Außerdem fehlen in
42|
1
In der Druckfassung
von Naturschutzarbeit in Sachsen
(2009)
waren irrtümlich 48.000 ha genannt. Die
Prozentwerte und die
Werte in Tabelle 2 sind korrekt.

image
Sachsen bei vielen LRT Vergleichswerte um – wie
in anderen Bundesländern – einen negativen
Trend zu belegen.
Verantwortung Sachsens
aus deutschlandweiter Sicht
Sachsens Anteil an der kontinentalen Region in
Deutschland beträgt rund 6 %. Aufgrund seiner
Naturausstattung kommt Sachsen bei bestimmten
Lebensräumen und Arten eine besondere Verant-
wortung bezüglich deren Erhalt und Schutz zu, da
der überwiegende Teil oder zumindest ein großer
Anteil der deutschen Bestände im Freistaat liegt.
Bei den Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation (LRT
8220) liegen 41 % der Fläche in Sachsen (vgl.
Tab. 2). Schwerpunkte der Vorkommen befinden
sich in der Sächsischen Schweiz und im Zittauer
Gebirge sowie in vielen Tälern von Erzgebirge (z. B.
Tal der Schwarzen Pockau) und Vogtland. Nach
Nordrhein-Westfalen hat Sachsen mit 20 % den
größten Anteil an den Feuchtheiden mit
Erica te-
tralix
(LRT 4010) (siehe Abb. 1). Ebenfalls 20 % der
montanen Fichtenwälder (LRT 9410) der kontinen-
talen Region liegen in Sachsen (nach Bayern und
Niedersachsen). Pannonische (subkontinentale) Ei-
chen-Hainbuchenwälder (LRT 91G0) kommen in
Deutschland außer in Sachsen nur noch in Bran-
denburg und Mecklenburg-Vorpommern vor.
Auch bei bestimmten FFH-Arten trägt Sachsen in-
nerhalb Deutschlands eine besondere Verantwor-
tung. Mehr als 20 % der Vorkommen bzw. Nach-
weise liegen in Sachsen bei den Arten
Braungrüner Streifenfarn (23 %), Breitrand
(25 %), Schmalbindiger Breitflügel-Tauchkäfer
|43
Abb. 4: Anzahl der Lebensraumtypen (LRT) je Messtischblatt (MTB) in Sachsen
43..
58..
57..
56..
55..
54..
53..
52.
51..
50..
49..
48..
47..
46..
45..
44..
..37 ..38 ..39
..40
..41
..42
..43
..44
..45
..46
..47
..48
..49
..50
..51
..52
..53
..54
..55
..56
9
2
4
2
4
7
7
9
6
7
4
5
7
9
8
9
8
8
3
9
5
7
6
6
5
6
5
9
8
4
9
7
9
8
7
5
8
1
7
1
7
2
8
9
9
8
7
8
7
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
11
10
14
17
16
15
15
15
14
15
17
16
16
10
19
14
17
15
16
14
14
10
12
19
15
19
18
20
14
12
2
10
12
18
14
16
21
14
10
14
10
13
13
17
12
13
21
15
14
13
12
13
15
14
16
21
19
16
13
14
13
17
16
12
13
14
12
14
13
15
14
10
17
12
10
14
15
14
14
17
10
13
17
17
18
17
10
10
14
12
15
20
15
13
14
16
13
14
15
14
10
10
13
17
10
16
12
14
12
13
17
14
16
Berichtspflichten nach Artikel 17 FFH-Richtlinie
Zeitraum 2001-2006
Anzahl der LRT pro Messtischblatt im Freistaat Sachsen
Herausgeber: Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie
Bearbeiter:
Stand:
Jede Vervielfältigung bedarf der Erlaubnis des Herausgebers.
0 LRT
1-5 LRT
6-10 LRT
11-15LRT
16-19 LRT
20; 21 LRT
April 2008
Abteilung Natur, Landschaft, Boden
0 5 10 20 30 40 50
Kilometer

image
(28 %), Rogers Kapuzenmoos (29 %), Froschkraut
(55 %), Scheidenblütgras (88 %) und Wolf (100 %)
(vgl. Tab. 3). Bei 46 weiteren Arten mit einem Vor-
kommensanteil zwischen 10 und 20 % ist dieser
deutlich größer als der Flächenanteil Sachsens,
eine besondere Verantwortlichkeit Sachsens sollte
noch geprüft werden. Im Berichtszeitraum bis
2006 befand sich die deutsche Population des
Wolfs vollständig im Freistaat und hat sich seit-
dem in andere Bundesländer ausgebreitet. In
Sachsen befinden sich 21 der 24 deutschen Vor-
kommen vom Scheidenblütgras (
Coleanthus sub-
tilis
). Abgesehen von Vorkommen in der Bretagne
wurden von dieser Art nur noch in Polen (1 Vor-
kommen) und Tschechien (120 Vorkommen) Be-
stände gemeldet. Damit trägt Sachsen nicht nur
auf nationaler, sondern auch auf europäischer
Ebene eine besondere Verantwortung zum Erhalt
dieser Art.
Soweit sich die genannten Arten und LRT in einem
ungünstigen Erhaltungszustand befinden, ist
Sachsen besonders gefordert, Zustand und Größe
der Vorkommen zu verbessern.
Einzelbewertungen bei Arten und Lebensräumen
Arten und Lebensräume in einem ungünstigen
(unzureichenden oder schlechten) Erhaltungs -
zustand benötigen besondere Aufmerksamkeit
und Betreuung. Bei diesen ist i. d. R. Handlungs-
bedarf angezeigt, und einzelne werden im Folgen-
den beispielhaft dargestellt. Dabei werden die
für die Bewertung entscheidenden Parameter her-
ausgestellt.
Der
Feldhamster
(Cricetus cricetus)
hat in
Sachsen (und auch bundesweit) einen schlechten
Erhaltungszustand. Die Rückgänge im Verbrei-
tungsgebiet und in der Populationsgröße haben
sich seit 1994 fortgesetzt. Die Zahl belegter Mess-
tischblatt-Quadranten hat sich nahezu halbiert
(-48 %). Damit liegen die Werte zu Population
und Habitat deutlich unter den für den Erhalt
der Art in Sachsen notwendigen. Bisher war
die Umsetzung von hamsterschonenden Bewirt-
schaftungsmaßnahmen auf Ackerflächen in
Nordwestsachsen unzureichend. Mit dem Projekt
„Kooperativer Hamsterschutz“ versuchen der dor-
tige Landschaftspflegeverband, der NABU Landes-
44 |
Abb. 5: Feldhamster am Bau
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, K.-H. Trippmacher

|45
verband und die Sächsische Landesstiftung Natur
und Umwelt in Zusammenarbeit mit den örtlichen
Landwirten u. a. mittels der Anlage von hamster-
gerecht bewirtschafteten Ackerstreifen den Ab-
wärtstrend aufzuhalten und umzukehren.
Der Bestand des
Luchses
(Lynx lynx)
in Sachsen
ist derzeit sehr klein (Schätzung 1 – 5 Tiere) und
von Zuwanderung aus Tschechien und Bayern ab-
hängig. Zum Erhalt einer Population sind deutlich
mehr Tiere erforderlich. Seit einigen Jahren gelan-
gen in Sachsen keine Reproduktionsnachweise
mehr. Aufgrund der genannten Faktoren wird der
Erhaltungszustand als schlecht bewertet. Sachsen
besitzt für den Luchs zumindest ein deutlich grö-
ßeres Lebensraumpotenzial und gute Vorausset-
zungen für die Vernetzung von aktuellen und po-
tenziellen Habitaten, z. B. im Grenzgebiet nach
Tschechien und über die Westlausitz nach Bran-
denburg. Im Zuge des FFH-Artenmonitorings wird
mit Unterstützung der Jagdbehörde und der TU
Dresden (Institut für Forstbotanik und Forstzoo-
logie) ein Netz an Beobachtern aufgebaut, mit
dem potentielle Luchsrisse und andere Nachweise
erfasst und geprüft werden sollen.
Die in Sachsen im 20. Jahrhundert ausgestorbene
Würfelnatter
(Natrix tessellata)
wurde ab 1999
an der Elbe bei Meißen mit insgesamt ca. 300 aus-
gesetzten Jungtieren wieder angesiedelt. Im Jahr
2001 wurde die Vermehrung im Gebiet nachge-
wiesen. Der Zustand wird derzeit aber dennoch als
unzureichend bewertet. Das Hochwasser 2002
führte zu Bestandsverlusten. Die Populations-
größe liegt noch deutlich unterhalb des zum lang-
fristigen Erhalt notwendigen Werts. Das Landha-
bitat der Art ist in seiner Größe begrenzt und wird
von Verkehrswegen angeschnitten. Im Lebens-
raum sind regelmäßige Pflegemaßnahmen erfor-
derlich. Mit Auflösung des Vereins „Freunde der
Meißener Würfelnatter e. V.“ fehlen derzeit ehren-
amtliche Ansprechpartner. Für die erfolgreiche Zu-
kunft des Wiederansiedlungsprojektes ist eine
Fortführung der Bemühungen des Sächsischen
Staatsministeriums für Umwelt und Landwirt-
schaft als projektbetreuende Behörde wichtig.
Zum
Lachs
(Salmo salar)
existiert ebenfalls ein
Wiederansiedlungsprogramm, das 1994 begann
und durch das Referat Fischerei des LfULG koor-
diniert wird. Inzwischen erfolgt eine natür liche
Reproduktion in einer Reihe von Elb-Nebenflüs-
sen (z. B. im Lachsbachsystem Polenz und Seb-
nitz). Jedoch befindet sich der Bestand im Aufbau
und liegt weiterhin unterhalb der für den langfri-
stigen Erhalt notwendigen Größe. Wesentlich für
ein stabiles Vorkommen ist die Besiedlung des
Mulde-Systems, das einst das Hauptvorkommen
des Lachses in Sachsen bildete. Deshalb ist der Er-
haltungszustand derzeit noch schlecht. Eine Ver-
besserung der Situation steht aus. Die Wander-
strecke entlang der Elbe ist auch unabdingbar für
die gleichfalls durch Wiederansiedlung begrün-
deten Vorkommen in Tschechien.
Der
Hirschkäfer
(Lucanus cervus)
befindet sich
in Sachsen in einem schlechten Erhaltungszu-
stand. Etwa seit der Wende vom 19. zum 20. Jahr-
hundert ist beim Hirschkäfer ein ständiger Rück-
gang zu beobachten, der vielerorts zum Erlöschen
der Vorkommen geführt hat. Auch seit 1990
haben die Bestände abgenommen und die bishe-
rigen Nachweise im Rahmen der Management-
planung vermitteln den Eindruck von wenigen
kleinen, zumeist isolierten Restpopulationen. Zur
Verbesserung der Bestandssituation ist die Förde-
rung von Trittsteinbiotopen zur Vernetzung und
Vergrößerung der Teilpopulationen erforderlich.
Nach K
LAUSNITZER
&
WURST (2003) sind hierfür die
Pflanzung einheimischer Eichenarten, das Belas-
sen geeigneter Brutsubstrate und -strukturen
sowie das Zäunen optimaler Brutbäume zum
Schutz vor wühlenden Wildschweinen zielfüh-
rend. Hilfreiche Maßnahmen sind v. a. die Bewah-

image
image
rung und Schaffung besonnter Brutplätze durch
gezielte Pflege und hinhaltende Nutzung unter
Erhalt der Biotoptradition (d. h. 150 – 250-jähriger
Altholzbestände mit einem möglichst hohen An-
teil an alten, absterbenden Bäumen, v. a. alten Ei-
chenstümpfen). Zusätzlich können auch künstli-
che Hirschkäfermeiler aus geschichtetem Tot-
und Wurzelholz angelegt werden, vorausgesetzt,
es existieren im Umkreis von 2 – 3 km noch Vor-
kommen der Art (K
LAUSNITZER
&
WURST 2003).
Auch der
Abbiss-Scheckenfalter
(Euphydryas au-
rinia)
befindet sich in einem schlechten Erhaltungs-
zustand. Von den 1990 ehemals zwölf Messtisch-
blattquadranten (MTBQ) mit Artnachweisen sind
derzeit nur noch in acht MTBQ Vorkommen vorhan-
den (Abnahme um 33 %). Die aktuellen Populatio-
nen beschränken sich auf den Südwesten des Vogt-
landes. Die letzten, noch in den 1980er Jahren be-
legten Vorkommen außerhalb dieser Region (Schei-
benberger Teiche, Scheibenberger Wiesen, Her-
mannsdorfer Wiesen, Fluren bei Seifersdorf) konn-
ten bei Untersuchungen in den zurückliegenden
acht Jahren sowie im Artenmonitoring nicht mehr
bestätigt werden. Sie sind vermutlich bereits im Ver-
laufe der 1990er Jahre erloschen. Der starke Rück-
gang beim Abbiss-Scheckenfalter seit etwa Mitte
des 20. Jahrhunderts ist vor allem auf die veränderte
Landnutzung in seinem Lebensraum zurückzufüh-
ren. Probleme bestehen häufig in der Umsetzbarkeit
bzw. Finanzierbarkeit der dringend erforderlichen
Pflegemaßnahmen in den verbliebenen Vorkom-
mensbereichen. Die Art kann in Sachsen nur dann
mittelfristig erhalten werden, wenn durch intensive
Betreuung begleitete, artangepasste Mahdregime
umgesetzt werden können. Nur so lassen sich be-
stehende Habitate in ihrer Qualität und flächen-
mäßigen Ausdehnung verbessern sowie weitere po-
tenziell besiedelbare Habitate entwickeln. Hierbei
kommt es insbesondere darauf an, standörtlich und
jahresbezogen angepasste Zeitfenster für die Mahd
(Pflege) zu finden, die sowohl der Phänologie des
Abbiss-Scheckenfalters als auch den Ansprüchen
und der räumlich-zeitlichen Verfügbarkeit des Teu-
felsabbisses (
Succisa pratensis
) als Eiablage- und
Raupennahrungspflanze sowie Struktur für die
Überwinterung der Gespinste gerecht werden.
46 |
Abb. 6: Raupe und Imago des Abbiss-Scheckenfalters
Fotos: Archiv Naturschutz LfULG, T. Findeis

Die drei sächsischen Restvorkommen der
Fluss -
perlmuschel
(Margaritifera margaritifera)
im
Oberen Vogtland gehören zu den Flusssystemen
der Saale und der Weißen Elster. Die Art reagiert
empfindlich auf Schlammablagerungen und dif-
fusen Stoffeintrag. Die Bestände sind stark über-
altert, zum langfristigen Erhalt der Art zu klein
und deshalb mit schlecht bewertet. Der Fortbe-
stand der Populationen ist von der weiteren
Umsetzung des Artenschutzprogramms und der
Fortsetzung von Hilfsmaßnahmen (z. B. Erhal-
tungszucht) abhängig. Bei diesem Projekt wurden
bisher ermutigende Teilerfolge erzielt.
Der
Gewöhnliche Flachbärlapp
(Diphasiastrum
complanatum)
hat einen schlechten Erhaltungs-
zustand in Sachsen. Bei den Habitatflächen be-
tragen die Verluste in den letzten 15 Jahren
ca. 32 %. Der Rückgang in den Bestandszahlen ist
noch größer. Vor allem flächige Vergrasung und
das Fehlen von offenen Rohböden in Verbindung
mit dichteren Zwergstrauchdecken verhindern
eine notwendige Entwicklung der Bestände und
führen zu reduzierter Sporenbildung der Indivi-
duen. Ursachen dafür sind mikroklimatische Ver-
änderungen der Habitate infolge veränderter
Waldwirtschaft und erhebliche Stoffeinträge (u. a.
intensivierte flächendeckende Düngung mit Ab-
drift). Im Rahmen eines sachsenweiten Projektes
werden derzeit Maßnahmevorschläge zur Stabili-
sierung der Populationen erarbeitet.
Vergleichbar ist die Bewertungssituation beim
Sprossenden Bärlapp
(Lycopodium annoti-
num)
.
Die Art benötigt luftfeuchte und moosrei-
che bodensaure Buchenwälder. Zum Erhalt sind
alt- und totholzreiche Bestände erforderlich.
Innerhalb der großen Gruppe der Torfmoose als
Arten des Anhangs V der FFH-Richtlinie hat
besonders
Warnstorfs Torfmoos
(Sphagnum
warnstorfii)
in den letzten 15 Jahren Flächenver-
luste von etwa 30 % verzeichnet. Bisher haben die
durchgeführten Erhaltungsmaßnahmen nicht ge-
griffen. Trotz verbesserter Pflege in Form von Ent-
buschung und selektiver Mahd in den Zwischen-
mooren und Quellbereichen hält der Rückgang
von Standorten und in den Populationen an.
Hauptursachen scheinen bei dieser Art ihre hohe
Empfindlichkeit gegenüber extremen Temperatur-
schwankungen und einem damit verbundenen
häufig stark schwankenden Wasserhaushalt
sowie fehlende Pflege außerhalb der Schutzge-
biete zu sein. Inwieweit sich auch bestimmte Stoff-
einträge auswirken, bedarf eingehender Untersu-
chungen. Detaillierte Analysen stehen noch aus.
Die FFH-Lebensräume lassen sich verschiedenen
Gruppen zuordnen. Neben Gewässern, Heiden und
Grünland-Lebensräumen handelt es sich auch um
Wälder. Die Fels-Lebensräume sind die einzige
Gruppe, deren Zustand in Sachsen und der konti-
nentalen Region Deutschlands fast durchweg als
günstig bezeichnet werden kann. Dagegen sind in
den anderen Gruppen viele Lebensraumtypen in
einem ungünstigen Erhaltungszustand. Dazu
zählen insbesondere Lebensräume nährstoffarmer
Offenlandstandorte, Lebensräume an Fließgewäs-
sern und der Komplex der (Hoch-)Moore.
Zu den nährstoffarmen Offenland-LRT gehören
die
Binnendünen mit Sandheiden
(LRT 2310). Sie
erreichen in Sachsen die Südostgrenze ihrer eu-
ropäischen Verbreitung und nehmen landesweit
rund 220 ha ein. Verbreitungsschwerpunkt inner-
halb des Freistaats bildet die nördliche Oberlausitz
(Hauptvorkommen auf dem Truppenübungsplatz
Oberlausitz mit 80 % der sächsischen Vorkom-
men, aber auch im Biosphärenreservat Oberlau-
sitzer Heide- und Teichlandschaft). Die Bestände
liegen vor allem auf (ehemals) militärisch genutz-
ten Flächen und unterliegen bereits dem Sukzes-
sionsdruck in Richtung Vorwälder aus Birken und
Kiefern. 20 % der kartierten Flächen befinden sich
in einem schlechten Zustand, sodass der LRT ins-
|47

image
gesamt einen unzureichenden Erhaltungszustand
aufweist. Zur Verbesserung der Qualität sollte die
Heideverjüngung (durch Brennen, Plaggen, Mahd
oder ähnliches) unterstützt und der Gehölzauf-
wuchs entfernt werden.
Ähnlich ist die Situation bei den
Trockenen Hei-
den
(4030), deren Erhaltungszustand ebenfalls
unzureichend ist. Der LRT umfasst Sandheiden des
Tieflandes, Felsheiden der Kreidesandsteinfelsen
und Bergheiden. Die Bestände sind sachsenweit
verbreitet und werden auf 3.100 ha geschätzt. Das
Hauptvorkommen mit mehr als 60 % der Gesamt-
fläche befindet sich ebenfalls im FFH-Gebiet Trup-
penübungsplatz Oberlausitz. Viele Flächen, beson-
ders Sandheiden auf ehemaligen militärischen
Übungsplätzen, sind bereits durch Sukzession be-
einträchtigt. Als Erhaltungsmaßnahmen kommen
Entfernung der Gehölze und Förderung der Hei-
deverjüngung in Betracht. Aufgrund der Nut-
zungsaufgabe und der Gesamtflächengröße des
LRT erscheinen derzeitige Ausdehnung und Qua-
lität kaum haltbar.
Der Lebensraumtyp
Feuchte Heiden
mit Glocken-
heide (4010) kommt landesweit nur auf rund
50 ha vor. Trotzdem hat Sachsen für diesen Le-
bensraum eine besondere Verantwortung mit
ca. 20 % der Bestände in der kontinentalen
Region Deutschlands. Im europäischen Verbrei-
tungsgebiet bilden die sächsischen und branden-
burgischen Flächen zusammen mit den nieder-
schlesischen Vorkommen in Polen die südöstliche
Arealgrenze der Feuchten Heiden (vgl. Abb. 1). Die
sächsischen Bestände beschränken sich auf die
nördliche Oberlausitz mit dem Biosphärenreservat
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und
dem Dubringer Moor. Der Erhaltungszustand die-
ser Feuchtheiden wird als unzureichend bewertet.
Gründe dafür sind die Aufgabe der Beweidung,
Grundwasserabsenkungen im Zuge des regiona-
len Braunkohlentagebaus und die geringeren Nie-
48 |
Abb. 7: Trockene Heide (LRT 4030) mit aufkommendem Kiefernbewuchs in der Neustädter Heide
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, C. Hettwer

derschläge infolge von Klimaveränderungen. Zur
Sicherung der Bestände sollten aufkommende
Gehölze in gewissen Zeitabständen entfernt und
der Wasserstand (z. B. durch lokalen Grabenstau
und Zuführung von geeignetem Oberflächen -
wasser) erhöht werden. Bundesweit hat die Fläche
der Feuchtheiden in den letzten 12 Jahren ab -
genommen.
Fließgewässer mit Unterwasservegetation
(3260) kommen sachsenweit vor, ihr Zustand wird
als unzureichend bewertet. Die Gründe sind Flä-
chenverluste sowie ein Rückgang bei Vegetations-
dichte und Artenvielfalt. Ursache dafür war be-
sonders das Hochwasser im August 2002. Die
Umsetzung von geplanten Hochwasserschutz-
maßnahmen beeinflusst die Bedingungen für den
LRT zusätzlich ungünstig. Auch wenn sich die Be-
stände derzeit erholen, weisen Vorkommen in
Fließgewässern insbesondere des Tieflands (wie
Parthe, Jahna), aber auch des Erzgebirges (z. B.
Schwarze Pockau, Mulde bei Aue) einen schlech-
ten Zustand auf.
Die
Erlen-, Eschen- und Weichholzauenwälder
(91E0) sind wie die Fließgewässer mit Unterwas-
servegetation landesweit verbreitet. Ihre Zu-
kunftsaussichten sind ungünstig aufgrund der
geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen. Insbe-
sondere die Ausbildung als Weichholzauenwald
an Ufern großer Flüsse ist von diesen Maßnah-
men betroffen.
Bei den
Hartholzauenwäldern
(91F0) beruht der
insgesamt unzureichende Erhaltungszustand vor
allem auf der Qualität der Bestände im Leipziger
Auensystem. Hartholzauenwälder kommen groß-
flächig an Elster und Luppe sowie an der Mulde
unterhalb Grimma vor, daneben punktuell an Elbe,
Spree und Neiße. Eindeichungen und Wasser-
standsregulierungen beeinträchtigen die Zu-
kunftsaussichten.
Lebende Hochmoore
(7110, Bewertung unzurei-
chend) und
regenerierbare Hochmoore
(7120,
Bewertung schlecht) kommen kleinflächig (rund
5 bzw. 60 ha) in den höheren Lagen des Erzgebir-
ges vor. Während die Reste der lebenden Hoch-
moore einen (noch) guten Erhaltungszustand
aufweisen, ist die Qualität regenerierbarer Hoch-
moore aufgrund früherer Entwässerungs- und
Abtorfungsmaßnahmen meist schlecht. Die Maß-
nahmen zur Wiedervernässung sollten fortgesetzt
werden. Die Zukunftsaussichten lebender Hoch-
moore werden wegen fortwirkender Entwässe-
rung und des prognostizierten Klimawandels als
unzureichend eingeschätzt.
Die
Übergangs- und Schwingrasenmoore
(7140)
gibt es vor allem in Oberlausitz, Erzgebirge und
Vogtland. Ihr Zustand wird als unzureichend be-
wertet. Entfernen der Gehölze, Mahd und das
Schließen von Entwässerungsgräben sind geeig-
nete Verbesserungsmaßnahmen. Die Zukunfts-
aussichten hängen wesentlich von den Verände-
rungen des Wasserhaushalts sowie in Ostsachsen
von den Auswirkungen des Braunkohlentagebaus
ab. So gehen derzeit bzw. in naher Zukunft im
Lausitzer Braunkohlengebiet Flächen verloren.
Die
Moorwälder
(91D0) sind ebenso wie die re-
generierbaren Hochmoore infolge früherer Ent-
wässerung und Abtorfung in einem schlechten
Erhaltungszustand (>25 % der kartierten Flächen
in schlechtem Zustand). Dies betrifft insbesondere
die Fichten-Moorwälder mit Schwerpunkt im Erz-
gebirge, aber auch die dort und im Lausitzer Tief-
land vorkommenden Birken-Moorwälder. Die Flä-
chenverluste der jüngeren Vergangenheit lassen
sich durch bereits abgestimmte (Wieder-)Herstel-
lungsmaßnahmen auf Entwicklungsflächen im
Staatswald ausgleichen.
Als Lebensraum auf Hinterlassenschaften des
Bergbaus im Erzgebirge kommen
Schwermetall-
| 49

rasen
(6130) im Raum Freiberg und Ehrenfrie-
dersdorf vor. Im Bundesvergleich handelt es sich
nur um kleine punktuelle Vorkommen (Sachsens
Anteil beträgt 2 % an der LRT-Fläche, aber 13 %
am Verbreitungsgebiet). Der Erhaltungszustand
wird als unzureichend bewertet. Zur Verbesserung
sollten auf lichten Haldenbereichen Entbu-
schungsmaßnahmen durchgeführt werden. Bei
Haldensanierungen ist besonders auf den Erhalt
der Bereiche mit empfindlichen schwermetallspe-
zifischen Flechten zu achten.
Pannonische (subkontinentale) Eichen-Hain -
buchenwälder
(91G0) kommen nur kleinflächig
und sehr selten (rund 10 – 20 Waldbestände) in
der östlichen Oberlausitz vor. Sachsen hat eine
besondere Verantwortung zum Erhalt des LRT in
Deutschland (s. o.). Der Erhaltungszustand dieser
Wälder ist aufgrund der Zukunftsaussichten un-
zureichend. Ursachen sind die Aufgabe der Nie-
der- und Mittelwaldwirtschaft sowie ihre Lage als
Waldinseln in der Agrarlandschaft und der daraus
resultierende Nährstoffeintrag. Eine Förderung
der Eiche in den Beständen und eine Vergröße-
rung der Bestände zur besseren Pufferwirkung
sind für ihren langfristigen Erhalt wichtig.
4 Ausblick
Mit dem FFH-Bericht liegt erstmals ein Zustands-
bericht zu Arten und Lebensräumen in Sachsen
sowie deutschlandweit vor.
Die Bewertungsergeb-
nisse bei Arten und Lebensräumen können als Teil
eines „Barometers für die biologische Vielfalt“ in
Form von Indikatoren genutzt werden. Ausgehend
von diesem ersten Bericht lassen sich mit den
Folgeberichten Veränderungen feststellen und
Schutzbemühungen auf ihren Erfolg hin be
-
urteilen. Die allgemeinen Informationen und
Ergebnisse des sächsischen FFH-Berichtes
werden als Tabellen und Karten im Internet unter
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/
20036.htm bereitgestellt.
Die Bewertungsergebnisse zeichnen ein differen-
ziertes Bild zum Zustand der Arten und Lebens-
räume und zeigen deutlich auf, wie wichtig
Schutzbemühungen gerade bei den in der Richt-
linie aufgeführten Arten und Lebensräumen sind.
Sie haben grundlegende Bedeutung für die Ak-
zeptanz dieses Instrumentes und sind Maßstab
für die Priorisierung, Ausgestaltung und Umset-
zung zukünftiger Schutzmaßnahmen.
Die Zunahme der Vorkommen bei bestimmten
wassergebundenen Arten in den vergangenen
10 Jahren und die auch aktuell unvermindert an-
haltende Ausbreitung im sächsischen Fließgewäs-
sersystem sind ein Zeichen für die verbesserte
Wasserqualität (z. B. Grüne Keiljungfer). Damit
deutet sich ein erster Erfolg bei der Sicherung der
biologischen Vielfalt an. Dagegen benötigen die
Arten und Lebensräume in einem unzureichen-
den, schlechten oder unbekannten Erhaltungszu-
stand in Zukunft besondere Aufmerksamkeit. Ziel
ist es, diese in einen günstigen Zustand zu brin-
gen und so deren langfristige Überlebensfähigkeit
zu sichern. Ein wichtiger Ansatz dabei ist die Um-
setzung vorgesehener Maßnahmen in den FFH-
Gebieten. Dazu stehen insbesondere Förderpro-
gramme zur Verfügung. Für Arten mit einem
Verbreitungsschwerpunkt außerhalb der FFH-
Gebiete, wie beispielsweise den Feldhamster und
auch eine Reihe von Fledermausarten, sind Arten-
schutzmaßnahmen finanziell abzusichern und
durchzuführen. Hier ist darauf hinzuwirken, dass
die jeweiligen Landnutzer ihre Verantwortlichkeit
erkennen und wahrnehmen. Die Bestände sehr
seltener Arten und Lebensräume sind zu stabili-
sieren und intensiver zu beobachten, um einen
Verlust zu verhindern. Mit ihrem Erhalt wird ein
wichtiger Beitrag zur Sicherung der biologischen
Vielfalt in Sachsen geleistet. Bei Arten und Le-
bensräumen mit unbekanntem Erhaltungszustand
ist der Kenntnisstand zu verbessern. Dies gilt im
Hinblick auf deren Verbreitung (z. B. Mollusken-
arten, Breitrand, Flechten-Kiefernwald) sowie
50 |

deren Biologie (z. B. Mückenfledermaus) bzw.
deren Rückgangs ur sachen (Arnika u. a.).
Aus den Berichtsergebnissen können die Prioritä-
tensetzung beim Gebietsmanagement und Bei-
träge zur Umsetzung der Naturschutzziele durch
kooperatives Handeln von Landnutzern abgeleitet
werden. Der Bericht hilft bei der Planung notwen-
diger Finanzmittel für weitere Naturschutzmaß-
nahmen und gibt damit wichtige Hinweise für
Schwerpunkte zukünftigen Handelns.
Der aktuelle FFH-Bericht ist aufgrund der Daten-
lage noch unvollständig. Verlässlichere Bestands-
angaben als z. B. die bisher hilfsweise herangezo-
gene MTB-Anzahl bei den Arten sowie bestimmte
Trendangaben werden erst in den kommenden
Berichten möglich sein. Eine wichtige Aufgabe
hierbei obliegt der landesweiten Erfassung von
Verbreitung und Flächengröße bei den Lebens-
raumtypen und dem Präsenzmonitoring der Arten,
die teilweise erst begonnen wurden und für die
Bewertung eine unverzichtbare Grundlage dar-
stellen. Zudem muss zumindest auf repräsentativ
ausgewählten Flächen im Rahmen eines Fein -
monitorings dauerhaft und detailliert der Zustand
der Lebensräume und Populationen erfasst wer-
den. Die europäische Kommission hat bereits dar-
auf hingewiesen, dass zukünftig eine vollständige
Berichterstattung erwartet wird.
Um die wiederkehrende EU-Berichtspflicht effi-
zient bedienen und den Zustand von Arten und
Lebensräumen langfristig überwachen zu können,
wird im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie für Sachsen ein auf die Landesver-
hältnisse zugeschnittenes Monitoringprogramm
aufgebaut (vgl. H
ETTWER et al. 2007). Damit ist die
Umsetzung der bundeseinheitlichen Vorgaben zur
Berichtspflicht zu gewährleisten und die dauer-
hafte Beobachtung und Dokumentation landes-
spezifischer Entwicklungen bei Arten und Lebens-
räumen sicher zu stellen.
Literatur
BALZER, S.; ELLWANGER, G.; RATHS, U.; SCHRÖDER, E.
&
SSYMANK,
A. (2008): Verfahren und erste Ergebnisse des nationalen
Berichts nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie. Natur und
Landschaft 83 (3), S. 111 – 117.
EU-KOMMISSION (2003): Bericht der Kommission über die
Umsetzung der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der
natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere
und Pflanzen. Zusammenfassender Sachstandsbericht und
Zusammenfassung der Berichte der EU-Mitgliedstaaten.
EU-KOMMISSION (2005): Bewertung, Monitoring und Be-
richterstattung des Erhaltungszustands – Vorbereitung
des Berichts nach Art. 17 der FFH-Richtlinie für den Zeit-
raum von 2001 – 2007 (DocHab-04-03/03-rev.3). März
2005 (Deutsche Übersetzung). 28 S.
EU-K
OMMISSION (2006): Assessment, monitoring and report-
ing under Article 17 of the Habitats Directive: Explanatory
Notes
&
Guidelines. Final Draft. October 2006. 64 S.
EU-KOMMISSION (2009): Bericht der Kommission an den Rat
und das europäische Parlament. Zusammenfassender Be-
richt über den Erhaltungszustand von Arten und Lebens-
raumtypen gemäß Artikel 17 der Habitatrichtlinie (Inter-
net unter:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/
LexUriServ.do?uri= COM:2009:0358:FIN:DE:PDF letzter
Zugriff: 30.12.2009)
HETTWER, CHR.; KRÜGER, D.
&
JOHN, I. (2007): Monitoring zur
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Sachsen. Naturschutz-
arbeit in Sachsen 2006 48, S. 13–20.
KLAUSNITZER, B.
&
WURST, C. (2003): 4.8
Lucanus cervus
(Linna-
eus, 1758). In: PETERSEN, B.; ELLWANGER, G; BIEWALD, G.; HAUKE,
U.; LUDWIG, G.; PRETSCHER, P.; SCHRÖDER, E.
&
SSYMANK, A.: Das
europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie
und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutsch-
land. Band 1: Pflanzen und Wirbellose. Schriftenreihe für
Landschaftspflege und Naturschutz 69/1, S. 403 – 414.
Autoren
Christoph Hettwer, Dr. Steffen Malt,
Dietmar Schulz, Dr. Raimund Warnke-Grüttner,
Dr. Ulrich Zöphel
Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie
Postfach 54 01 37
01311
Dresden
E-Mail: christoph.hettwer@smul.sachsen.de
| 51

52 |
FFH-Lebensraumtyp
Sachsen
kontinentale
Region Deutsch-
lands
(1)
Einzelparameter
Bewertung Sachsen
Sachsen kontinen-
tale
Region
Deutsch-
lands
(1)
Code
Kurzbezeichnung
Vorkommen [ha]
Vorkommen [ha]
Anteil der sächs. Vorkom-
men an der kont. Region
aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet
aktuelle Fläche
Strukturen und
Funktionen
Zukunftsaussichten
Gesamtbewertung
Gesamtbewertung
2310 Binnendünen mit Sandheiden
220
3.240
7%
2330 Binnendünen mit offenen Grasflächen
320
7.751
4%
3130 Oligo- bis mesotrophe Stillgewässer
500
4.237
12%
3140 Oligo- bis mesotrophe kalkhaltige
Stillgewässer
1.050 106.758
1%
3150 Eutrophe Stillgewässer
7.000 114.198
6%
3160 Dystrophe Stillgewässer
40
1.270
3%
3260 Fließgewässer mit Unterwasser-
vegetation
1.000
24.714
4%
3270 Flüsse mit Schlammbänken
1.500
12.779
12%
4010 Feuchte Heiden
50
253
20%
4030 Trockene Heiden
3.100
33.538
9%
5130 Wacholder-Heiden
0,6
5.518
<1%
6110 Basophile Pionierrasen
3
607
<1%
6130 Schwermetallrasen
7
340
2%
6210 Kalk-Trockenrasen
50
35.962
<1%
6230 Artenreiche Borstgrasrasen
130
9.731
1%
6240 Steppen-Trockenrasen
1,5
800
<1%
6410 Pfeifengraswiesen
95
10.016
1%
6430 Feuchte Hochstaudenfluren
330
23.387
1%
6440 Brenndolden-Auenwiesen
30
4.442
1%
6510 Flachland-Mähwiesen
5.000 146.004
3%
6520 Berg-Mähwiesen
1.600
20.835
8%
7110
Lebende Hochmoore
5,46
4.795
<1%
7120 Regenerierbare Hochmoore
60
12.190
<1%
7140 Übergangs- und Schwingrasenmoore
320
9.096
4%
7150 Torfmoor-Schlenken
18,5
450
4%
7210 Kalkreiche Sümpfe
5,55
1.569
<1%
7220 Kalktuff-Quellen
0,02
558
<1%
7230 Kalkreiche Niedermoore
3
7.521
<1%
8150 Silikatschutthalden
50
981
5%
Tab. 2: Übersicht der FFH-Lebensraumtypen in Sachsen mit Flächenschätzungen und Bewertung

|53
FFH-Lebensraumtyp
Sachsen
kontinentale
Region Deutsch-
lands
(1)
Einzelparameter
Bewertung Sachsen
Sachsen kontinen-
tale
Region
Deutsch-
lands
(1)
Code
Kurzbezeichnung
Vorkommen [ha]
Vorkommen [ha]
Anteil der sächs. Vorkom-
men an der kont. Region
aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet
aktuelle Fläche
Strukturen und
Funktionen
Zukunftsaussichten
Gesamtbewertung
Gesamtbewertung
8160 Kalkhaltige Schutthalden
0,46
743
<1%
8210 Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
6
1.706
<1%
8220 Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
1.400
3.446
41%
8230 Silikatfelskuppen mit Pioniervegetation
58
845
7%
8310
Höhlen
22
(2)
8.000
(3)
<1%
9110 Hainsimsen-Buchenwälder
11.000 590.216
2%
9130 Waldmeister-Buchenwälder
565 660.832
<1%
9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder
1.400
29.340
5%
9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
6.000
66.487
9%
9180 Schlucht- und Hangmischwälder
1.080
21.096
5%
9190 Eichenwälder auf Sandebenen
600
14.555
4%
91D0 Moorwälder
600
19.814
3%
91E0 Erlen- Eschen- und Weichholzauen-
wälder
2.000
60.282
3%
91F0 Hartholzauenwälder
1.300
13.426
10%
91G0 Pannonische (subkontinentale) Eichen-
Hainbuchenwälder
8
74
11%
91T0 Mitteleuropäische Flechten-Kiefern-
wälder
2
426
<1%
91U0 Kiefernwälder der sarmatischen Steppe
5
277
2%
9410 Montane Fichtenwälder
8.900
44.600
20%
Erhaltungszustand
Anzahl der LRT
günstig
27
10
ungünstig – unzureichend
11
27
ungünstig – schlecht
6
9
unbekannt
3
1
Summe
47
47
(1)
Quelle: nationaler Bericht Deutschlands 2007
(2)
Anzahl der Höhlen
(3)
Anzahl der Höheneingänge

54 |
Name deutsch (wiss.)
Sachsen
kontinentale
Region
Deutschlands
(1)
Einzelparameter
Bewertung Sachsen
Sachsen
kontinen-
tale Region
Deutsch-
lands
(1)
Anzahl und Einheit
der Vorkommen
Anzahl
der Vorkommen
Anteil der sächsischen Vor-
kommen an der kont. Region
aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet
Population
Habitat
Zukunftsaussichten
Gesamtbewertung
Gesamtbewertung
Amphibien
Rotbauchunke (
Bombina bombina
)
126 MTBQ
805
16%
Kreuzkröte (
Bufo calamita
)
113 MTBQ
1.417
8%
Wechselkröte (
Bufo viridis
)
223 MTBQ
1.248
18%
Laubfrosch (
Hyla arborea
)
195 MTBQ
2.555
8%
Knoblauchkröte (
Pelobates fuscus
)
295 MTBQ
1.592
19%
Moorfrosch (
Rana arvalis
)
196 MTBQ
1.771
11%
Springfrosch (
Rana dalmatina
)
100 MTBQ
678
15%
Wasser-, Teichfrosch (
Rana
kl.
esculenta
)
148 MTB
1.700
9%
Kleiner Wasserfrosch (
Rana lessonae
)
89 MTB
506
18%
Seefrosch (
Rana ridibunda
)
85 MTB
670
13%
Grasfrosch (
Rana temporaria
)
171 MTB
2.629
7%
Kammmolch (
Triturus cristatus
)
134 MTB
1.360
10%
Fische, Rundmäuler
Rapfen (
Aspius aspius
)
25 MTBQ
280
9%
Barbe (
Barbus barbus
)
59 MTBQ
750
8%
Steinbeißer (
Cobitis taenia
)
23 MTBQ
403
6%
Groppe (
Cottus gobio
)
115 MTBQ
2.022
6%
Weißflossengründling
(
Gobio albipinnatus
)
(2)
7 MTBQ
22
32%
Flussneunauge (
Lampetra fluviatilis
)
0 MTBQ
(3)
141
0%
Bachneunauge (
Lampetra planeri
)
117 MTBQ
1201
10%
Schlammpeitzger (
Misgurnus fossilis
)
40 MTBQ
320
13%
Bitterling (
Rhodeus amarus
)
24 MTB
354
7%
Lachs (
Salmo salar
)
43 MTBQ
213
20%
Äsche (
Thymallus thymallus
)
76 MTBQ
911
8%
Käfer
Heldbock (
Cerambyx cerdo
)
10 MTB
97
10%
Breitrand (
Dytiscus latissimus
)
1 Nachweis
4
25%
Schmalbindiger Breitflügel-Tauchkäfer
(
Graphoderus bilineatus
)
5 Nach-
weise
18
28%
Tab. 3: Übersicht der FFH-Arten in Sachsen mit Schätzung der Vorkommen und Bewertungen

|55
Name deutsch (wiss.)
Sachsen
kontinentale
Region
Deutschlands
(1)
Einzelparameter
Bewertung Sachsen
Sachsen
kontinen-
tale Region
Deutsch-
lands
(1)
Anzahl und Einheit
der Vorkommen
Anzahl
der Vorkommen
Anteil der sächsischen Vor-
kommen an der kont. Region
aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet
Population
Habitat
Zukunftsaussichten
Gesamtbewertung
Gesamtbewertung
Hirschkäfer (
Lucanus cervus
)
16 MTB
515
3%
Eremit, Juchtenkäfer (
Osmoderma eremita
)
39 Vor -
kommen
687
6%
Libellen
Vogel-Azurjungfer (
Coenagrion ornatum
)
1 MTBQ
63
2%
Asiatische Keiljungfer (
Gomphus flavipes
)
17 MTBQ
159
11%
Östliche Moosjungfer
(
Leucorrhinia albifrons
)
9 Vor -
kommen
79
11%
Zierliche Moosjungfer
(
Leucorrhinia caudalis
)
1 Vor -
kommen
112
1%
Große Moosjungfer
(
Leucorrhinia pectoralis
)
59 MTBQ
301
20%
Grüne Keiljungfer (
Ophiogomphus cecilia
)
71 MTB
407
17%
Mollusken
Weinbergschnecke (
Helix pomatia
)
21 MTB
1.878
1%
Flussperlmuschel
(
Margaritifera margaritifera
)
ca. 1.800
Individuen
141.857
1%
Schmale Windelschnecke
(
Vertigo angustior
)
2 MTB
326
1%
Bauchige Windelschnecke
(
Vertigo moulinsiana
)
1 MTB
258 <1%
Reptilien
Schlingnatter (
Coronella austriaca
)
40 MTB
798
5%
Zauneidechse (
Lacerta agilis
)
89 MTB
1.823
5%
Würfelnatter (
Natrix tessellata
)
1 MTBQ
16
6%
Säugetiere
Mopsfledermaus (
Barbastella barbastellus
)
80 MTB
561
14%
Wolf (
Canis lupus)
6 – 10 Indi-
viduen
(Alttiere)
6 – 10 100%
Biber (
Castor fiber
)
107 MTBQ
1.160
9%
Feldhamster (
Cricetus cricetus
)
12 MTBQ
314
4%
Nordfledermaus (
Eptesicus nilssonii
)
54 MTB
311
17%
Breitflügelfledermaus (
Eptesicus serotinus
)
116 MTB
1.059
11%
Fischotter (
Lutra lutra
)
128 MTB
790
16%

56 |
Name deutsch (wiss.)
Sachsen
kontinentale
Region
Deutschlands
(1)
Einzelparameter
Bewertung Sachsen
Sachsen
kontinen-
tale Region
Deutsch-
lands
(1)
Anzahl und Einheit
der Vorkommen
Anzahl
der Vorkommen
Anteil der sächsischen Vor-
kommen an der kont. Region
aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet
Population
Habitat
Zukunftsaussichten
Gesamtbewertung
Gesamtbewertung
Luchs (
Lynx lynx
)
1 – 5 Indi-
viduen
95 <5%
Baummarder (
Martes martes
)
119 MTB
1.165
10%
Haselmaus (
Muscardinus avellanarius
)
66 MTB
936
7%
Iltis (
Mustela putorius
)
118 MTB
1.097
11%
Bechsteinfledermaus (
Myotis bechsteinii
)
22 MTB
713
3%
Große Bartfledermaus (
Myotis brandtii
)
81 MTB
543
15%
Teichfledermaus (
Myotis dasycneme
)
7 MTB
131
5%
Wasserfledermaus (
Myotis daubentonii
)
140 MTB
1.593
9%
Großes Mausohr (
Myotis myotis
)
114 MTB
1.676
7%
Kleine Bartfledermaus (
Myotis mystacinus
)
80 MTB
952
8%
Fransenfledermaus (
Myotis nattereri
)
112 MTB
1.398
8%
Kleiner Abendsegler (
Nyctalus leisleri
)
33 MTB
529
6%
Abendsegler (
Nyctalus noctula
)
124 MTB
1.263
10%
Rauhautfledermaus (
Pipistrellus nathusii
)
69 MTB
802
9%
Zwergfledermaus (
Pipistrellus pipistrellus
)
83 MTB
1.532
5%
Mückenfledermaus (
Pipistrellus pygmaeus
)
16 MTB
221
7%
Braunes Langohr (
Plecotus auritus
)
146 MTB
1.657
9%
Graues Langohr
(Plecotus austriacus)
70 MTB
774
9%
Kleine Hufeisennase
(
Rhinolophus hipposideros
)
15 MTB
79
19%
Zweifarbfledermaus (
Vespertilio murinus
)
67 MTB
466
14%
Schmetterlinge
Abbiss-Scheckenfalter (
Euphydryas aurinia
)
8 MTBQ
287
3%
Kleiner Maivogel (
Euphydryas maturna
)
2 Vor-
kommen
15
13%
Spanische Flagge
(
Euplagia quadripunctaria
)
21 MTB
382
5%
Großer Feuerfalter (
Lycaena dispar
)
23 MTBQ
375
6%
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(
Maculinea nausithous
)
69 MTB
800
9%
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(
Maculinea teleius
)
18 MTB
299
6%

|57
Name deutsch (wiss.)
Sachsen
kontinentale
Region
Deutschlands
(1)
Einzelparameter
Bewertung Sachsen
Sachsen
kontinen-
tale Region
Deutsch-
lands
(1)
Anzahl und Einheit
der Vorkommen
Anzahl
der Vorkommen
Anteil der sächsischen Vor-
kommen an der kont. Region
aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet
Population
Habitat
Zukunftsaussichten
Gesamtbewertung
Gesamtbewertung
Nachtkerzenschwärmer
(
Proserpinus proserpina
)
30 MTB
187
16%
Sonstige
Edelkrebs (
Astacus astacus
)
66 MTB
411
16%
Medizinischer Egel (
Hirudo medicinalis
)
2 MTB
unbek.
-
Flechten
Rentierflechte (
Cladonia arbuscula
)
33 MTB
351
9%
Rentierflechte (
Cladonia ciliata
)
1 MTB
192
1%
Rentierflechte (
Cladonia portentosa
)
8 MTB
269
3%
Rentierflechte (
Cladonia rangiferina
)
9 MTB
218
4%
Moose
Grünes Besenmoos (
Dicranum viride
)
1 MTB
316
<1%
Firnisglänzendes Sichelmoos
(
Hamatocaulis vernicosus
)
5 Vor -
kommen
40
13%
Weißmoos (
Leucobryum glaucum
)
77 MTB
1.104
7%
Rogers Kapuzenmoos
(
Orthotrichum rogeri
)
4 Vor -
kommen
14
29%
Benachbartes Torfmoos (
Sphagnum affine
)
37 MTB
unbek.
-
Schmalblättriges Torfmoos
(
Sphagnum angustifolium
)
29 MTB
432
7%
Baltisches Torfmoos (
Sphagnum balticum
)
3 MTB
38
8%
Hain-Torfmoos (
Sphagnum capillifolium
)
77 MTB
1.008
8%
Zentriertes Torfmoos (
Sphagnum centrale
)
11 MTB
142
8%
Dichtes Torfmoos (
Sphagnum compactum
)
17 MTB
258
7%
Gedrehtes Torfmoos
(
Sphagnum contortum
)
18 MTB
167
11%
Spieß-Torfmoos (
Sphagnum cuspidatum
)
35 MTB
421
8%
Gezähntes Torfmoos
(
Sphagnum denticulatum
)
127 MTB
795
16%
Trügerisches Torfmoos (
Sphagnum fallax
)
144 MTB
1.169
12%
Gefranstes Torfmoos
(
Sphagnum fimbriatum
)
138 MTB
1.034
13%
Verbogenes Torfmoos
(
Sphagnum flexuosum
)
69 MTB
493
14%

58 |
Name deutsch (wiss.)
Sachsen
kontinentale
Region
Deutschlands
(1)
Einzelparameter
Bewertung Sachsen
Sachsen
kontinen-
tale Region
Deutsch-
lands
(1)
Anzahl und Einheit
der Vorkommen
Anzahl
der Vorkommen
Anteil der sächsischen Vor-
kommen an der kont. Region
aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet
Population
Habitat
Zukunftsaussichten
Gesamtbewertung
Gesamtbewertung
Braunes Torfmoos (
Sphagnum fuscum
)
4 MTB
90
4%
Girgensohns Torfmoos
(
Sphagnum girgensohnii
)
97 MTB
739
13%
Magellans Torfmoos
(
Sphagnum magellanicum
)
23 MTB
450
5%
Großes Torfmoos (
Sphagnum majus
)
2 MTB
51
4%
Weiches Torfmoos (
Sphagnum molle
)
2 MTB
34
6%
Stumpfblättriges Torfmoos
(
Sphagnum obtusum
)
2 MTB
48
4%
Sumpftorfmoos (
Sphagnum palustre
)
124 MTB
1.386
9%
Warziges Torfmoos (
Sphagnum papillosum
)
54 MTB
331
16%
Löffelblatt-Torfmoos
(
Sphagnum platyphyllum
)
1 MTB
41
2%
Fünfzeiliges Torfmoos
(
Sphagnum quinquefarium
)
15 MTB
314
5%
Ufertorfmoos (
Sphagnum riparium
)
40 MTB
153
26%
Rötliches Torfmoos (
Sphagnum rubellum
)
14 MTB
272
5%
Russows Torfmoos (
Sphagnum russowii
)
85 MTB
516
16%
Sparriges Torfmoos
(
Sphagnum squarrosum
)
128 MTB
1.136
11%
Glanz-Torfmoos (
Sphagnum subnitens
)
47 MTB
311
15%
Einseitwendiges Torfmoos
(
Sphagnum subsecundum
)
40 MTB
338
12%
Zartes Torfmoos (
Sphagnum tenellum
)
8 MTB
90
9%
Rundliches Torfmoos (
Sphagnum teres
)
57 MTB
428
13%
Warnstorfs Torfmoos
(
Sphagnum warnstorfii
)
16 MTB
129
12%
Höhere Pflanzen
Arnika, Berg-Wohlverleih (
Arnica montana
)
52 MTB
510
10%
Braungrüner Streifenfarn
(
Asplenium adulterinum
)
5 Vor -
kommen
22
23%
Scheidenblütgras (
Coleanthus subtilis
)
21 Vor -
kommen
24
88%
Alpen-Flachbärlapp
(
Diphasiastrum alpinum
)
2 MTBQ
71
3%

|59
Name deutsch (wiss.)
Sachsen
kontinentale
Region
Deutschlands
(1)
Einzelparameter
Bewertung Sachsen
Sachsen
kontinen-
tale Region
Deutsch-
lands
(1)
Anzahl und Einheit
der Vorkommen
Anzahl
der Vorkommen
Anteil der sächsischen Vor-
kommen an der kont. Region
aktuelles natürliches
Verbreitungsgebiet
Population
Habitat
Zukunftsaussichten
Gesamtbewertung
Gesamtbewertung
Gewöhnlicher Flachbärlapp
(
Diphasiastrum complanatum
)
17 MTBQ
139
12%
Isslers-Flachbärlapp (
Diphasiastrum issleri
)
9 MTBQ
36
25%
Zypressen-Flachbärlapp
(
Diphasiastrum tristachyum
)
7 MTBQ
78
9%
Zeillers Flachbärlapp
(
Diphasiastrum zeilleri
)
8 MTBQ
67
12%
Tannen-Bärlapp (
Huperzia selago
)
28 MTB
353
8%
Liegendes Büchsenkraut
(
Lindernia procumbens
)
4 Vor -
kommen
21
19%
Froschkraut (
Luronium natans
)
16 Vor -
kommen
29
55%
Moorbärlapp (
Lycopodiella inundata
)
14 MTBQ
146
10%
Sprossender Bärlapp
(
Lycopodium annotinum
)
30 MTB
703
4%
Keulen-Bärlapp (
Lycopodium clavatum
)
98 MTB
990
10%
Prächtiger Dünnfarn
(
Trichomanes speciosum
)
10 MTBQ
128
8%
(1)
Quelle: nationaler Bericht Deutschlands 2007,
für die Spalte „Anzahl der Vorkommen“ gilt die
gleiche Einheit der Vorkommen (z. B. MTB) wie in
Spalte „Sachsen“
(2)
in Sachsen kommt aus dieser nach aktueller Taxo-
nomie 3 Arten umfassenden Artengruppe der
"Weißflossengründlinge" nur der Stromgründling
Romanogobio belingi
vor
(3)
Lampetra fluviatilis
bisher nur wenige Einzeltiere
und einige Querdernachweise (Artbestimmung
nicht sicher möglich), Vorkommen in Elbe bisher
nur bis Saalemündung (unterhalb) bei Dessau
(Sachsen-Anhalt) bestätigt.
Erhaltungszustand
Anzahl Arten
günstig
36
23
ungünstig – unzureichend
65
45
ungünstig – schlecht
9
25
unbekannt
21
36
Summe
131
131