image
image
tierkundlichc Informationen,
Jena
7
Erster
Wildkatzenfund
(Felis
silvestris
Schreber
1777)
im Vogtland,
Freistaat
Sachsen
und
im Land
Brandenburg
CLARA STEFEN
Einleitung
Die
Wildkatze steht
seit
1992
im Anhang
IV der
Flora-Fauna-Habitat
Richtlinie
in
Europa
unter besonderem
Schutz
und
die
Bundesländer
in Deutschland
haben eine
Monitoring-
und
Berichtspflicht.
Daher
ist das
Interesse
in den
Bundesländern
an
Bestandsaufnahmen
und
Studien zu regionalen
Vorkommen
der
Art stark
angestiegen.
Die Verfolgungen
bis Anfang
des
20. Jahrhund.ìtr
hut die'Wildkatze
in Deutschland
vor
allem
in der
Eifel und
im Harz
überlebt;
über
gelegentliches Auftreten
wurde
aus
dem
Thüringer
Wald,
Hunsrück,
Taunus,
Schwarz-
wald, Westerwald
und
dem
Alpenvorland
(PETZSCH 1963)
bzw.
Hunsrück,
PfÌilzer.Wald,
sowie
Ausläufern des
Taunus,
Itaufunger
V/ald
und dem
hessischen
Meißner-Gebiet
(RÖBEN
1974) berichtet.
Bedingt
durch den
Schutz
seit
1934
hat sich die
Wildkatze
vor allem
seit
1945
wieder ausbreiten
können
und
kommt
heute
in acht
Bundesländern
(STEFEN
&
GORNER
2009) und auch
im
Freistaat
Sachsen
vor
1GÖRNER
2009,2011,
FISCHER
& SCHAAR-
SCHMIDT
201 I
).
Weitere
j
üngere
Ausbreitungen
in einzelnen
Bundesländern
sind
beschrieben
worden, so beispielsweise
für
Nordrhein-Westfalen
(HUCHT-CIORGA 201 l)'
Die Frage,
ob Wildkatzen
nicht
auch
in Sachsen
vorkommen,
stellt sich
schon
seit
Jahren.
Eine verdächtige
wildkatzenfarbige
Katze
wurde
im Jahr
2007
im Museum
für
Tierkunde
zur
Untersuchung
vorgelegt,
bei der
es sich
aber
um eine
Hauskatze,
allerdings
mit aufftillig
sei-
digem
Fell,
handelte
(STEFEN 2007).
Seitdem
sind
Anstrengungen
unternommen
worden,
die
öffentlichkeit,
vor
allem aber
Jäger
und
Forstmitarbeiter
im Vogtland
für
das mögliche
Auf-
treten von
Wildkatzen
zu sensibilisieren.
In dem
Zusammenhang
wurde
auch
darum
gebeten,
wildfarbene
Katzen
in den Senckenberg
Naturhistorischen
Sammlungen
Dresden
zur Unter-
suchung
vorzulegen.
Über
das
weitere
Vorgehen
müsste dann
im
Falle
von Vy'ildkatzen
nach
dem
Jagdrecht
mit dem Jagdberechtigten
verhandelt
werden.
Seit
2008 wird
vom
Sächsischen
Landesamt
für Umwelt,
Landwirtschaft
und
Geologie
ein
Monitoring
von
Wildkatzen
anhand
von
Lockstöcken
in ausgewählten
Bereichen
des
Vogtlandes
durchgeftihrt.
Freistaat Sachsen
Nunmehr
liegt der
erste
Totfund
einer
Europäischen
Wildkalze
aus Sachsen
vom
l0.April
2011
vor.
Das
Tier ist an
der B
169 in
Bergen, Vogtlandkreis
verunfallt.
Der
Fundort
(Rechts-
wert
4518619.98,
Hochwert
5593618.24)
liegt
im Ortsbereich,
mit einigen
Häusern
beiderseits
der
Straße
(Abb.
l), sowie
Grünland
und
Feld.
DerWald
auf beiden
Seiten
der
Siedlung
und
Straße
ist etwa
150 bzw.230
m entfernt.
An einer
anderen
Stelle
beträgt
die
Entfernung
von
Wald zu Wald
nur ca.250
m.
Bei
der verunglückten
Wildkatze
handelt
es sich um
einen
subadulten
Kuder von
ca.
4 kg
Körpermasse
und einer
Kopf-Rumpf-Länge
von 54 cm
(Abb.
2).
Der Schwanz
und
die
Fell-
ftirbung
deuten
schon
deutlich
aufeine
V/ildkatze
hin. Eindeutig
konnte
das Tier
anhand seiner
geringen
Darmlänge
von 1,30
m als'Wildkatze
bestimmt
werden.
Mit
Werten von
120-170
cm

image
image
(Kuder),
ll0
150 cm
(Weibchen)
für
Wildkatzen uncl 165-254 cm
(Kucler')
Lrnd 155
220
c¡t
(Weibchen)
ltil Hauskatzen
untelscheiden
sich beide
Arten
deutlich
(PIECHOCKI
1990),
uncl
die
hier
gemessene
Dalrnlänge
ist
deutlich unter den.l fiil
Hausl<atzen bel<anrrtelr
Bereich.
Das
auch als
sicheres Merkrnal
zut'Bestitrrnung
geltende
Gehirnvolur¡en kanlt in Folge
erheblicher
Schädclverletzungen
nicht rnehl'
elrnittelt
werden.
5¡ecllungsbere¡ch
Abl¡. I
Schematisierte Darstellung
des Fundortes
der velunl'allten
Wildkatze in Bergcn,
Vogtlandkreis.
Sachsen
Siedlungsbereich
Abb.
2 Präpalat
der Wild-
katzc
aus Belgen in
deu
Endstadien
der Präparation.
(Aufìr.
C. STtjl-EN)

image
image
Interessant
ist die Bemerkung,
dass eine
wohl
als Wildkatze anzusprechende
Katze, schon
mehrfach in
bzw. bei Bergen
gesichtet
wurde.
Laut einer
übermittelten
Beobachtung
beäugten
drei
Hauskatzen
die verunfallte
Wildkatze.
Der
Fundort
Bergen
liegt etwa
l4-15 km
von der thüringisch-sächsischen Grenze
und22-
23 km
Luftlinie
von
der bayerisch-sächsischen
Grenze entfernt
(Abb.
3). Da
junge
Kuder auf
der Suche
nach einem Streifgebiet
bis
zu
100 km wandern können, kann es sich um ein ein-
wanderndes
Tier handeln.
THÜR
NGEN
GrcZ
o
Abb. 3 Schematisierte Darstellung del
Fundorte der Nachweise von
'Wildkatzen
in
Sachsen.
Die leeren Kreise reprä-
sentieren die
genetischen
Nachweise anhand von Haaren in der Nähe von
Pirk 2009 und dem Werdauer Wald
2010,
der rote Kreis steht fijr das hier beschriebene
Exelnplar.
Auf sächsischem Gebiet
gibt
es allerdings weitere
Belege fijr
'Wildkatzen
aus
genetischen
Untersuchungen von
an Lockstöcken
gewonnenen
Haaren
(GÖRNER
2009,2011
,
FISCHER
& SCHAARSCHMIDT
2011). Neuere Belege und
Hinweise
verdichten
den Verdacht, dass
Wildkatzen
in Sachsen weiter verbreitet und wohl
häufiger
sind,
als bisher angenommen.
Weitere
genetische
Nachweise
belegen Wildkatzen
im
Elstergebiet
sowohl
auf thüringischem
als
auch sächsischem Gebiet
(HOHL
mündl.).
Die fotografisch dokumentierte.Sichtbeobachtung
einer wildfarbenen
Katze
bei
Gohlis in der
Nähe von
Zei|hain, Kreis Meißen ist leider schwer
zu
verifizieren,
da der Schwanz nicht
deutlich
genug
als
buschig
zu
erkennen
ist
(Abb.
4). Die Nackenzeichnung
-
soweit sichtbar
-
deutet
in Richtung Wildkatze. Und das
Tier soll ein für Hauskatzen untypisches
Verhalten
ge-
fTreuen
o
Eergen
o
Chemn tz
o
Auerbâah
TSCHECHISCHE
REPUBLIK

image
image
zeigt haben. Das Voll<ornr11erl voll Wildkatzen in diesenr Gebiet wurdc durch ein Bild eincl
Fotofàllc nrit
sehr
hohcl
Wahrscheinlichkeit bestätigt
(Abb.
5).
Die
deLrtlich voneinanclel
abge-
.¡\bb. 4 Vcrdüchtig r.vildkatzcnlir¡'t¡crrc
Katzc
arn Waìcìr'and
siidwcstlrch bci Gohlis
in dcr
Niihc von Zcithain, Krcis MeifJcn arr
I 1 0l 2009
(Ar¡lì.
P RIIUSSE)

image
image
setzten
Striche im Nacken
und der starke,
massige Kopf bei diesem
Individuum
deuten stark
auf
eine'Wildkatze
hin.
Abb. 5 Bild einer Katze; aufgenom-
men von
einer Wìldkamera
von
Mike RICHERT
am
9.
September
201I
bei ZeithainlK¡s. Meißen.
Land Brandenburg
Außerhalb
von Saçhsen
ist der Fund einer Wildkatze
aus der Uckermark
südlich von Prenz-
lau und
damit
nördlich vom bisher allgemein angenommenen
Verbreitungsgebiet
der Wildkatze
interessant und bedeutend
(Abb.6;
HUNDRIESER
2010). Als
Lebensraum der Katze wurde
das
FFH
Gebiet
127: Melzower
Forst im Biosphärenreservat Schorflreide
angegeben.
Abb.
6 Am 31.10.2007 an der
A I I zwischen den Anschlussstellen
Pfingtsberg
und
Wamitz verunfallte Wildkatze.
Die Darmlänge
ist mit 165 cm liegend und 170 cm håingend angegeben
(HUNDRIESER 201
0).
(Aufn.
S. HUNDRIESER)
Es deutet sich
damit an, dass sich Wildkatzen unbemerkt
in andere Bereiche ausgebreitet
haben unà
längst
größere
Gebiete besiedeln
als
angenommen.
Sie nutzten bei der
Ausbreitung
vorhandene
Landschaftsstrukturen, und sind
nicht auf neu anzulegende Wandcrkorridore
angewiesen.

image
image
Lockstöcke
Mit
den derzeit überall zunehmenden Untersuchungen der
Wildkatzenvorkommen mit
Lock-
stöcken um Haare zur
genetischen
Analyse zu
gewinnen,
ist zu et'warten,
dass auch
in
Sachsen
mit
dieser
Methode
und
Geduld Wildkatzen in
weiteren
Gebieten
nachgewiesen
werden
können.
Darüber
hinausgehende
weitere Erkenntnisse
sind
mit Lockstöcken
in
weiteren
Ge-
bieten
allerdings kaum zu erwarten. Über
genetische
Analysen, die eine
individuelle
Ansprache
ermöglichen, könnte man die
Anzahl
der
Lockstöcke
besuchenden
Katzen bestimmen
und
die
Populationsdichte besser abschätzen.
In Thüringen
sind dieses
Jahr schon fast 50 KaIzen
tot aufgefunden
und an zentralen
Sammelstellen
abgegeben worden
(GORNER
2011 mündl.).
Natürlich
sind die Unfallopfer
zu
beklagen, aber sie deuten
auch einen
starken
Populationsdruck
an,
der sich sicherlich
auch
nach
Sachsen
hinein fortsetzt. Dass aus Sachsen
bisher nur ein
Totfund bekannt ist,
liegt
vermutlich
daran,
dass bisher noch zu wenig
darauf
geachtet
wurde.
Der Totfund und die
genetischen
Belege zeigen,
dass die Art
in
der
Lage ist,
ihr
früher
wohl
mehr oder weniger
ganz
Mitteleuropa beinhaltendes
Verbreitungsgebiet
(HEMMER
1993)
von
sich
aus
und
alleine wieder zu
besiedeln. Eine möglichst natürliche
Entwicklung der Flora
und
Fauna
brauchl"
rfue Zeit;
diese sollte
ihr
auch zugebilligt werden, denn
nur
dann
können
Arten
auf natürlichem Wege
(soweit
man
das
in
unserer vom Menschen
geprägten
Kulturlandschaft
überhaupt sagen
kann) die
von
ihnen
bevorzugten
Habitate wieder
besiedeln.
Das Vogtland
mit
seiner Landschafts- und Siedlungsstruktur von teilweise kleineren verstreuten Siedlungen,
in
hügeliger Landschaft, Vy'äldern und Waldinseln, meist kleinflächigen
'Weiden
und Feldern
sowie einigen steilen,
felsigen Hängen
wie den Elsterhängen, eignet sich
gut
fìir'Wildkatzen.
Forschungsbedarf
Die bisher vorrangig auf die Feststellung von
Wildkatzenvorkommen
ausgerichtete For-
schung
vor allem mit Lockstöcken in immer mehr und neuen
Gebieten
kann nur noch
geringen
Erkenntnisgewinn bringen; es werden sich mehr Gebiete als von Wildkatzen besiedelt heraus-
stellen und die Verbreitungskarte wird kohärenter. Ein wesentlicher Aspekt
kann hier
noch sein
über
genetische
Nachweise die
Anzahl
der Tiere, die die
Lockstöcke
besucht
haben, zu
be-
stimmen, um eine
genauere
Populationsabschätzung
machen zu
können.
Der
Forschungsbedarf
bei der Wildkatzeliegr.
jetzt
mehr auf anderen Aspekten:
.
Interaktion mit anderen Carnivora, wie beispielsweise Luchs, Wolf
oder
auch Marder-
hund, Waschbär und Fuchs
Inwieweit
es
eine Konkurrenzsituation zu Fuchs, Marderhund und
Waschbär
gibt
und ob
es Beeinträchtigungen durch die
genannten
Neozoen beispielsweise
bei
der Jungenauf-
zucht
gibt,
ist vollkommen unbekannt, könnte aber für die weitere Populationsent-
wicklung
von Bedeutung sein.
o
Interaktion mit
Hauskatzen
Im selben Gebiet sollten die Streifgebiete von'Wild- und
Hauskatzen
untersucht
werden
um
festzustellen,
welche
Interaktionen möglich
sind.
¡
Landschaftsökologische
Bewertung
der
Habitate
um möglichst
zu
einer
guten
Beschrei-
bung optimaler
Habitate für
die Wildkatze, die
zur
Jungenaufzucht erfolgreich
genutzt
werden,
zu kommen.'
"
Die
Wildkatze
nutzt eine
ganze
Reihe von Habitaten und Strukturen
(STEFEN
&
GÖRNER 2009), es bleibt allerdings fraglich, ob alle Habitate
gleich gut geeignet
sind
oder ob es bestimmte Strukturen
geben
muss, die ein Habitat
zum
optimalen
Lebens-

image
image
raum
machen, was
sich an der
gelungenen
Aufzucht von Jungen
in
solchen
Gebieten
anzeigen
sollte. Vielleicht
gibt
es
demgegenüber
pessimale
Habitate, in
die
Katzen
zwar
einwandern, in denen
aber erfolgreiche
Reproduktion
(öfters)
unterbleibt.
Jungensterblichkeit
und -feinde sowie
die Ausbreitung der Jungen, wie von GOTZ &
ROTH
(2006a,
b) im Südharz begonnen.
Bei
diesen
Untersuchungen
wurde eine Uberlebensrate von Jungtieren
bis
zum
vierten
Monat von
20
%
beobachtet.
Es
spielen
Feinde,
'Witterung
sowie
unbekannte Faktoren
eine
Rolle.
Auftreten von
Krankheiten sollte weiter überwacht werden.
Schutzmaßnahmen
Zum
Schutz der Wildkatze
wird
meistens die Anlage von
'Waldkorridoren
genannt,
dass Tiere
zwischen Regionen und
Populationen wandern können um den
genetischen
Austausch zu
fördern bzw auch um
neue
potentiell
geeignete
Habitate zu erschließen.
Das
jetzt
doch
recht
ausgedehnte Verbreitungsareal
und das
-
sehr wahrscheinliche
-
Auftreten auch
in allem
Anschein
nach isolierten Gebieten wie Kreis Meißen
in
Sachsen oder
in der Uckermark
in
Brandenburg, deutet daraufhin, dass die Wildkatze
vorhandene
landschaftliche Strukturen zum
'Wandern
nutzt. Der
Fund
der Wildkatze
in Bergen
zeigt
selbst die
Durchquerung oder
gar
Nutzung der menschlichen Siedlungen
(wie
sie auch beispielsweise
aus
Schottland
beschrieben
wurde
(SCOTT
etal.
1993) und
von
früher vor allem
im
Winter
auch in Deutschland
(PIECHOCKI
1990)).
Totfunde in Thüringen im landwirtschaftlichen
Bereich
des
Thüringer
Beckens zeigen an, dass
auch Ackerflächen
gequert
werden.
Verkehrsopfer an Straßen belegen die missglückten
Versuche, diese zu überwinden, wie viele
gelungene
Querungen
allerdings
geschehen
bleibt unsichtbar.
Wildkatzen benötigen
wohl keine
großen,
ausgedehnten V/aldflächen
sondern nutzen eher
Waldränder
(VIERHAUS
1996) sowie Offenland, denn
ihre Beute sind vorwiegend
Feld-
mäuse. Auch TRINZEN
(2006:23)
bemerkt:
,,Keine
Seltenheit war die Nutzung von Offen-
land. Die Katzen entfernten sich
mit bis zu 1,5 km deutlich weiter vom Wald
als es Unter-
suchungsergebnisse
aus anderen Projekten erwarten
ließen." Die Aufenthaltsorte von tele-
metrierten V/ildkatzen
in Bayern lagen håiufig außerhalb von Wäldern
(HEINRICH
1991,
1992) und sie wurden
häufig an,,Fluß- und Standgewässern oder
in
der
kleinflächigen stark
gegliederten
Feld- und Wiesenlandschaft
mit eingestreuten
Feldgehölzen angetroffen ..."
(HEINRICH
2009). Dies
deckt sich
mit Beobachtungen in Spanien, wo
auch kleinere Wald-
inseln
oder
,,mosaikartige
Landschaften" besiedelt
werden
(LOZANO
et al.
2003).
Jüngere
Ausbreitungen der
Wildkatze in Nordrhein-Westfalen sind
mit den
großen
Stürmen der
letzlen
20
Jahre
in
Verbindung
gebracht
worden, weil Windwurfflächen
einen idealen
Lebensraum fìir
die
Art bieten
(HUCHT-CIORGA
2011). Die Beschreibung Mosaiklandschaft
trifft für den
Kyffträuser, einem Gebiet in dem die Wildkatze
seit Jahrtausenden als Standwild
zählt
(PIECHOCKI
1990: l3) zu und auch aufjetzt besiedelte
Bereiche des Vogtlandes.
Der
Erhalt
von solchen
kleinräumigen Landschaftsstrukturen
ist für die Wildkatze von
Be-
deutung.
In
dem
Zusammenhang kann die
Pflanzung
von
Hecken
oder'ùy'aldstreifen
in
aus-
geräumten
Agrarlandschaften aus verschiedenen
Aspekten
sinnvoll sein.
Ebenso auch
für
Wild-
katzen
bedeutend
können Auwälder oder
generell
ein ausgedehnter
Baumsaum an
Fließge-
wässern
sein, weil sie
sich beim Wandern
an
rWasserstraßen
orientieren
oder diese Bereiche
auch
nutzen
(HEINRICH
l99l, 1992).

image
image
image
image
image
image
'
Aktuellere Nachweise
der WildkaÞe
aus den Bundeslàndern Sachsen
und Brandenburg.
.
Wildkatzen-Nachweise
in NRW von
1990 bis 2010
(nachHUCHT-CIORGA2011),
Abb.7 Vot'l<otltlensgcbictc
dcl Wildl<atze
in
Deutschlancl
nach 28 über lagerten
KaL'tcn
(aLrs
STI-FtlN &
GORNllfì 2009) Lìru,eitert Lrrrr neuc
Bclcgc
Ï.

image
image
Etn
ganz
anderes vielfach
diskutiertes Problem
liegt in der Ausbreitung
verwilderter
Haus-
katzen,
die als
potentielle Paarungspartner
für die Wildkatzen in Frage kommen und
so
die
genetische
Integr¡tät
der Wildkatzenpopulation
gelÌihrden (HILLE
et al. 2000, PIERPAOLI
et
a1..2003,
LECIS et a|.2006,
HERTV/IG et al. 2009).
Verkehrsopfer gilt
es
natürlich
zu
vermeiden, wobei
dies sichellich die schwierigste
Aufgabe
ist, da
nicht alle Straßen
mit V/ildzäunen abgeschinnt
werden können.
Es kann daher wohl nur
an besonders unfallträchtigen
Orten
gehandelt
werden und beim
Neubau von ohnehin
geplan-
ten
Straßen sind Grünbrücken
viel mehr als
bisher
vorzusehen.
Im
Wald
gilt
es
mehr Totholz und
umgefallene
Wurzelteller
zu belassen, um
als Verstecke
und mögliche
Geheckorte
zu
dienen.
Für
die
weitere
zukünftige
Dokumentation von Wildkatzen in Sachsen
rnöchte ich dazu
aufrufen,
verdächtige
wildfarbene
Katzen zur
Untersuchung
vorzulegen; über den Verbleib von
'Wildkatzen
ist
dann
im Einzelfall
mit der¡ Jagdpächter zu
entscheiden.
Einige historische
Daten aus
Sachsen
1124-1729
-
7 Wildkatzen von der
Herrschaft zu Königsbrück
erlegt
(HANSPACH
2011)
1848
-
Wildkatze
bei Langenreinsdorf
(ZIMMERMANN
I
934) erlegt
1850
-
lel:zhe
Wildkatze
Sachsens in Rußdorf bei Crimmitschau
geschossen
(ZIMMER-
MANN 1934)
1907
-
Wildkatze
in Bösenbrunn erlegt
(HAUIENORTH
1957)
Leider
sind die
genannten
Tiere nicht mehr als Bälge oder
Präparate
erhalten, so dass eine
Uberprüfung dieser
Daten nicht mehr möglich ist. Besonders aus dieser Sicht haben wir heute
eine Verpflichtung solche wertvollen
Funde in zugänglichen wissenschaftlichen Sammlungen
für die Zukunft aufzubewahren.
Neuere Hinweise und Belege aus Sachsen
1952
-
Leipziger
Land
und Nordwestsachsen
(DATHE
1952, 1954); als Hauskatzen
identifiziert
(PIECHOCKI
I
990)
1966
-
Blendling aus dem
ZiÍtauer
Gebirge
(KNOBLOCH
1966); als Hauskatze
identifi ziert
(STEFEN
2007)
t961
1977-t984
-
1982
1
984
I 989
t992-2003
-
t991,2000
-
2008
2009
2010
Sichtung in der
Dübener Heide,
Vy'.-D.
Beer
(SCHIEMENZ
1969)
Sichtbeobachtungen
von einzelnen Wildkatzen an den
Elsterhängen
(GÖRNER
mdl.)
Sichtbeobachtung
bei Hinterhermsdorf an der Kirnitzsch, M. Wilhelm
(HETNRTCH
2009)
Sichtbeobachtung
bei Sitzenroda beiTorgau, A. Bochmann
(HEINRICH
2009)
unspezifizierter
Nachweis
beiZwota,
M. Künzel
(HEINRICH
2009)
l0 Sichtbeobachtungen aus der Gohrischheide
(KNEIS
1995, KNEIS et al. 2004)
2
Sichtbeobachtung Gemeinde
Burgstein, nahe der thüringischen Grenze
(HETNRTCH
2009)
Sichtbeobachtung aus dem sächsisch-thüringischen Vogtland
(unveröff.
Umfrage)
genetischer
Beleg.einer
Wildkatze
anhand von Haaren an einem Lockstock bei
Pirk
(GORNER
2009)
genetischer
Beleg einer V/ildkatze anhand von Haaren an einem
Lockstock im
Werdauer'Wald
(FISCHER
& SCHAARSCHMIDT 20l
l)

image
image
201
0
20t1
20t1
20t1
Zusammenfassung
Der erste Wildkatzentotiund vorn Aplil
20ll aus dern
Freistaat Sachsen,
irn Vogtlandkreis wird vorgestellt
sowie
weitere Belege
der Wildkatze
in diesern Bundesland anhand von
genetischer
Bestirnrnung
von Haaten an Lockstöcken
genannt.
Ar¡ßerdern
gibt
es Hinweise von
Fotos, dass
Wildkatzen auclt
in anderen Gebieten Sachsens wohl
vor'-
kourmen;
del endgültige
Beweis steht noch aus. Des Weitelen
wird
ein Totfund einer Wildkatze
aus
dem
Jahr
201
0 aus
der Uckerrnark, Brandenburg beleuchtet und del weitere Forschungsbedalfzur Wildkatze
ist kurz umrissen.
Summary
The
first dead wildcat
f-ound in April 201I in
Saxony, Vogtland district is described
as well as other
proofs
ofthe
existence in this district frorn
genetic
analyses of hairs are mentioned. Additionally thele
are hints from photos
that
wildcats rnight also occur in another region; a clear
proof
is still rnissing. Besides of the
findings lrorn Saxony
a dead
wildcat fonnd in Btandenbulg in 2010 is shown and the future research needs
on
wildcats are briefly sketched.
genetischer
Beleg
einel Wildkatze bei
Pirk
(GÖRNER
2011)
fotografisch dokumentielte
Sichtbeobachtung
bei Gohlis,
P. REUSSE,
(Abb.
4)
Totfund bei Bergen
(Abb.
2)
Fotofalle bei Gohlis
(Abb.
5)
Dank
Besonderer
Dank
gilt
Flau Kalin
Hohl
(Untellauterbach)
fìir
ihre Arbeit zur Sensibilisielung
der Bevölkerung
1ìir
Wildkatzen im Vogtland und den Waldarbeitern für das Sichern des hochwertigen Fundes.
Der
Jagdausi.ibungsberech-
tigte des Reviers, in dem das Tier
gefunden
wurde, hat aufsein Arreignungsrecht verzichtet.
Diejuristischen
Fragen
sind weitgehend auch
Dank
cler Unterstützung des
Landrates,
Herrn
Dr. Tassilo Lenk
geklärt
worden. Del
wissen-
schaftlich wertvolle Fund erlordert eine eindeLrtige Regelung zur¡ Verbleib des Tieres in einer wissenschaftlichen
Sanmlung, darnit es fiìr weitere Untersuchungen zur Verfìigung steht. Er ist in den Senckenberg Naturhistorischen
Sarnrrlungen
Dresden
untel del Nurrmer
MTD B 27606 gesichert. Den Bildautoren
danke
ich lìir die Überlassung
der
Fotos zur Publikation.
Literatur
DATHE,
H.
(
1952):
Eine
Wildkatze,
Felis
silvestris Schleb.,
irn Leipziger Land.
-
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Museum für Tierkunde
Königsbrücker Landstraße 1
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01109 Dresden
E-Mail:
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