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Landesforstpräsidium
Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur
für den Freistaat Sachsen
Der Wald in Sachsen
BWI.qxd 17.08.2005 16:01 Uhr Seite 2

Vorwort
In Sachsen wachsen schätzungsweise rund 3,4 Milliarden Bäume auf rund 512
Tausend ha Waldfläche, zu viele und um sie einzeln gleichzeitig zu zählen und zu
messen.
Hier ist die Stichprobeninventur eine geeignete Methode, um notwendige
Informationen über den sächsischen Wald mit vertretbarem Aufwand bereitzustellen.
Die in den Jahren 2001 bis 2002 durchgeführte zweite Bundeswaldinventur (BWI²) ist
eine solche Stichprobe. Sie dient einer Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands
aller Wälder in der gesamten Bundesrepublik und ist die erste gesamtdeutsche
Waldinventur seit mehr als 70 Jahren.
Das Ziel dieser nationalen Großrauminventur war es, die großräumigen
Waldverhältnisse und forstlichen Produktionsmöglichkeiten in der Bundesrepublik
und den einzelnen Bundesländern zu erfassen und zu dokumentieren.
In Sachsen stellt diese forstliche Großrauminventur eine Erstaufnahme dar. Für die
Altbundesländer ist sie eine Wiederholungsinventur.
Die Bundeswaldinventur² ist ein riesiger Informationspool und die erhobenen Daten
stellen eine wichtige Grundlage für die Gestaltung der Forstpolitik von Bund und
Ländern, aber auch von Investitions- und Standortentscheidungen für die
Holzwirtschaft dar.
Die Bundeswaldinventur² liefert mehrere Millionen aussagekräftige und belastbare
Einzelergebnisse, beinhaltet vielfältige Grundlagendaten, zeigt Entwicklungen und
erste Erfolge der naturnahen Waldwirtschaft und des ökologischen Waldumbaus auf.
Erstmals liefert die Bundeswaldinventur² für den sächsischen Wald über alle
Eigentumsarten hinweg auch Hinweise zur ökologischen Stabilität und zur
Naturnähe.
Nur wer den Wald, seine Zusammensetzung und seine Probleme kennt kann ihn
ordnungsgemäß bewirtschaften, bewahren, mehren und schützen.
Die BWI² ist deshalb eine wichtige Informationsquelle für eine ökologisch,
wirtschaftlich und sozial nachhaltige Forstwirtschaft mit der Berücksichtigung aller
Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen wie sie das Sächsische Waldgesetz
vorsieht.
Die Auswertemöglichkeiten der Bundeswaldinventur² und die Kombination
verschiedenster Erhebungsmerkmale werden nahezu ausschließlich durch den
Stichprobenfehler als Maß für die Genauigkeit der Ergebnisse begrenzt. Die
Zuverlässigkeit der Ergebnisse steigt mit der Größe der Auswerteeinheiten an und
Vorwort

liegt für die Mehrzahl der sachsenweiten Auswertungen statistisch gesichert
zwischen +/- 5-15 %.
In der vorliegenden Broschüre sind die wichtigsten Ergebnisse der zweiten
Bundeswaldinventur für den sächsischen Wald zusammengefasst. Sie sollen einer
breiten Öffentlichkeit einen Einblick in die Vielfältigkeit des sächsischen Waldes im
Zusammenhang mit seiner zunehmenden Bedeutung als Rohstoffquelle,
Wirtschaftfaktor und wichtiges Element einer vielfältig beanspruchten
Kulturlandschaft geben.
Vorwort

Inhalt
Impressum
2
Vorwort
3
Inhalt
4
1
Ziele, Inhalte und Auftrag der zweiten Bundeswaldinventur
5
2
Waldfläche in Sachsen
8
3
Alter des Waldes
19
4 Waldaufbau und Bestandesschichtung
24
5 Holzvorrat
30
6 Zuwachs
41
7 Waldverjüngung
45
8 Ökologie und Naturnähe der Wälder
58
9 Walderschließung
82
10 Zusammenfassung
87
Anhang
Wissenswertes zur Inventurmethodik
Fachbegriffe
Inhalt
4

1
Ziele, Inhalte und Auftrag der zweiten Bundeswaldinventur (BWI²)
Sachsens Wälder bedecken zu etwas weniger als einem Drittel die Landesfläche und
stellen neben der Landwirtschaft die flächenmäßig bedeutsamste Landnutzungsform dar.
Der sächsische Wald hat neben der Produktion des nachhaltigen Rohstoffs Holz auch für
die heute entfernt vom Wald lebende urban geprägte Bevölkerung zahlreiche Erholungs-
und Schutzfunktionen, wie beispielsweise die Filterung und Sicherung unseres
Trinkwasservorkommens, die Luftreinigung, die Sicherung unseres Klimas und die
Verhinderung von Bodenerosion. Er ist zugleich Freizeitraum und beherbergt zahlreiche
Lebensgemeinschaften aus Tieren und Pflanzen.
Das sächsische Waldgesetz sichert diese vielfältigen Nutz-, Schutz- und
Erholungsfunktionen gleichrangig und nachhaltig ab.
Neben diesen ökologischen Funktionen hat der sächsische Wald auch sozial-
ökonomische Bedeutung als Arbeitsplatz- und Rohstofflieferant für die heimische
holzverarbeitende Industrie.
Die nachhaltige Nutzung des Waldes, die Sicherung seiner Waldfunktionen, dessen
Förderung durch eine zielgerichtete Forstpolitik, wie die Interessenvertretung der privaten
und kommunalen Waldbesitzer erfordern die Kenntnis über den zutreffenden, objektiven
und aktuellen Zustand, die Struktur und die Leistungsfähigkeit der sächsischen Wälder
und ist deshalb unerlässlich für deren Bewirtschaftung aber auch deren Schutz.
Die Kenntnis der zahlenmäßigen statistisch abgesicherten Kenngrößen über den
sächsischen Wald insgesamt und die einzelnen Eigentumsarten liefert die zweite
Bundeswaldinventur, deren wichtigste Ergebnisse für den Freistaat Sachsen in diesem
Ergebnisband/Broschüre vorgelegt werden.
Die Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur (BWI²) über die Struktur der Wälder
beeinflussen andere Bereiche in Umwelt-, Wirtschafts- und Verkehrspolitik sowohl auf
nationaler, internationaler, wie auf Länderebene und sind die Grundlage für zahlreiche
forstpolitische Entscheidungsprozesse.
Sie stellt ein Instrumentarium für die Optimierung, Steuerung und Kontrolle der
Waldbewirtschaftung auf Länderebene dar. Als forstliche Großrauminventur endet
allerdings ihre Aussagefähigkeit bei einzelnen Forstbetrieben und kleinen Struktur- oder
Verwaltungseinheiten, wie beispielsweise Forstämtern.
Die Rechtsgrundlage für diese zweite nationale Waldinventur liefert § 41a des
Bundeswaldgesetzes, der eine auf das Bundesgebiet bezogene forstliche
Großrauminventur auf Stichprobenbasis vorschreibt. Die Zielrichtung ist die Erfassung und
Beschreibung der großräumigen Waldverhältnisse in Deutschland und den einzelnen
Bundesländern.
Das Inventurdesign der BWI² soll nach § 41a BWaldG länderübergreifend einheitlich sowie
statistisch abgesichert sein um für die Bundesrepublik auf internationaler und die Länder
auf nationaler Ebene eine vergleichbare Datenbasis mit identischen Erhebungsparametern
und Datenqualitäten bereitstellen zu können.
1 Ziele, Inhalte und Auftrag der zweiten Bundeswaldinventur
5

Die Bundeswaldinventur wurde mit Stichtag 1.10.1987 für die Altbundesländer als erste
Bundeswaldinventur bereits einmal durchgeführt. Mit der Wiedervereinigung entstand aber
für die Bundesrepublik und die neuen Länder die Notwendigkeit vergleichbare statistisch
abgesicherte Waldzustandsdaten bereitzustellen.
Darüber hinaus veränderte sich der Informationsbedarf über die Wälder in den
vergangenen 15 Jahren auf Länder- und Bundesebene. Dies war verbunden mit dem
Wunsch nach einem breiteren Informationsspektrum und einer verstärkten Erfassung
ökologischer Merkmale der Wälder sowie der Notwendigkeit für Politik und Industrie
zukünftige Rohholznutzungspotentiale und die Waldentwicklung für einen längeren
Prognosezeitraum abschätzen zu können.
Bund und Länder beschlossen deshalb Mitte der 90er Jahre eine zweite
Bundeswaldinventur durchzuführen, für die neuen Länder war dies eine Erstinventur, für
die Altbundesländer eine Wiederholungsinventur.
Im Einzelnen wurde durch die zweite Bundeswaldinventur folgende Ziele verfolgt:
Umfassende und breite Informationsquelle über die großräumigen Waldverhältnisse
und forstlichen Produktionsmöglichkeiten mit einer Abdeckung vielfältigster
Fragestellungen im Zusammenhang mit Wald.
Bereitstellung von Grunddaten für Forschung und Umweltmonitoring
Beschreibung der für die Forstwirtschaft notwendigen klassischen
Inventurparameter (Holzvorräte, Wald- und Baumartenflächen etc.)
Inventur des vorhandenen Waldwegenetzes in den neuen Ländern
die Erfassung der Vielfältigkeit, der Naturnähe, des Aufbaus, der Schichtung und
der Stabilität der Wälder
die Aufnahme von Biotopen, Waldrändern und Totholz
Erhebung der Bodenvegetation sowie forstlich bedeutende Pflanzenartengruppen
und deren Dichte
Als abgeleitetes Ziel sollte die BWI² als
Datengrundlage für die Abschätzung des nachhaltig nutzbaren Rohstoffpotenziale
in den kommenden 40 Jahren dienen. Gleichzeitig sollten aus den Daten der
Wiederholungsinventur Prognosemodelle für die Waldentwicklung entworfen
werden.
Als weitere notwendige Rechtsgrundlagen wurden als Gemeinschaftswerk von Bund und
Ländern die Zweite Bundeswaldinventurverordnung (28.5.1998, BGBL 1998 I Nr. 31 vom
3.6.1998) und die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zu Bundeswaldinventur (17.7.2000,
BAnz. Nr. 146a vom 5.8.2000) mit den detaillierten Aufnahmeanweisungen über den
Bundesrat erlassen.
Die Daten der Bundeswaldinventur wurden in Sachsen in den Jahren 2001-2002 durch
zwei Inventurtrupps erhoben. Der Erhebungsstichtag ist der 01.10.2002. Dabei wurde das
Verdichtungsnetz im 2,83*2,83 km Raster bearbeitet.
1 Ziele, Inhalte und Auftrag der zweiten Bundeswaldinventur
6

Durch die Verdoppelung des Stichprobenumfangs im Freistaat Sachsen gegenüber dem
dem durch die Bundeswaldinventurverordnung vorgegebenen Grundnetz gelang es zum
einen den bei Großrauminventuren zu erwartenden höheren Stichprobenfehler insgesamt
merklich zu reduzieren und zum anderen für die größeren Eigentumsarten im Freistaat
und die vorkommenden Hauptbaumarten Fichte und Kiefer eine abgesicherte
Altersklassenauswertung mit Stichprobenfehlern nicht über 10-15 % zu ermöglichen.
Die Walddefinition der zweiten Bundeswaldinventur (BWI²)
Unterschiedliche Waldinventurverfahren in den einzelnen Bundesländern bedingen auch
unterschiedliche Waldbegriffe. Um für die zweite Bundeswaldinventur eine bundesweit
einheitliche Unterscheidung zwischen Wald- und Nichtwaldflächen zu ermöglichen wurde
durch die Bundeswaldinventurverordnung auch eine einheitliche Walddefinition
beschlossen.
„Wald im Sinne der Bundeswaldinventur ist, unabhängig von den Angaben im
Kataster oder ähnlichen Verzeichnissen, jede mit Forstpflanzen bestockte
Grundfläche. Als Wald gelten auch kahlgeschlagene oder verlichtete Grundflächen,
Waldwege, Waldeinteilungs- und Sicherungsstreifen, Waldblößen und Lichtungen,
Waldwiesen, Wildäsungsplätze, Holzlagerplätze, im Wald gelegene
Leitungsschneisen, weitere mit dem Wald verbundene und ihm dienende Flächen
einschließlich Flächen mit Erholungseinrichtungen, zugewachsene Heiden und
Moore, zugewachsene ehemalige Weiden, Almflächen und Hutungen sowie
Latschen- und Grünerlenflächen. Heiden, Moore, Weiden, Almflächen und
Hutungen gelten bereits als zugewachsen, wenn die natürlich aufgekommene
Bestockung ein durchschnittliches Alter von fünf Jahren erreicht hat und wenn
mindestens 50 % der Fläche bestockt sind. In der Flur oder im bebauten Gebiet
gelegene bestockte Fläche unter 1000 m², Gehölzstreifen unter 10 m Breite und
Weihnachtsbaum- und Schmuckreisigkulturen sowie zum Wohnbereich gehörende
Parkanlagen sind nicht Wald im Sinne der Bundeswaldinventur. Wasserläufe bis 5
m Breite unterbrechen nicht den Zusammenhang einer Waldfläche.“
Die Bundeswaldinventur² unterscheidet den vorgefundenen Wald aus inventur- und
aufnahmetechnischen Gründen nach unterschiedlichen Waldkategorien. Diese
Waldkategorien gliedern sich nach begehbaren und nicht begehbaren Waldflächen.
Weiterhin werden die begehbaren nach Holzboden- und Nichtholzbodenflächen, sowie
nach Blößen und bestocktem Holzboden unterschieden.
Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur² beziehen sich nur auf den sogenannten
begehbaren Wald, da insbesondere auf Truppenübungsplätzen mit Betretungsverbot,
Fels- und Gewässerflächen keine Messungen, Schätzungen und Zählung der Waldbäume
erfolgen konnte.
Die Auswertungen mit Aussagen über den aktuellen Zustand und
Baumartenzusammensetzungen der sächsischen Wälder beziehen sich auf den
bestockten Holzboden.
1 Ziele, Inhalte und Auftrag der zweiten Bundeswaldinventur
7

2 Waldfläche in Sachsen
Waldanteil
Sachsen war ursprünglich fast vollständig bewaldet. Betrug der Waldanteil Mitte des
ersten Jahrtausends noch ca. 80 %, so sank das Bewaldungsprozent bis zum Jahr 1800
auf etwa 33 %. Ursache für diesen enormen Rückgang war der steigende Bedarf an
Acker- und Siedlungsflächen sowie ab dem Mittelalter der Holzbedarf des regional
aufblühenden Erzbergbaus. Die Waldnutzung erfolgte ungeregelt, Bemühungen um eine
Wiederbestockung der Flächen gab es nicht. Eine natürliche Waldverjüngung wurde durch
intensive Streunutzung, Waldweide und überhöhte Wildbestände behindert. Im 19. und 20.
Jahrhundert führten Flächeninanspruchnahme durch die expandierende Industrie, weitere
Rodungen zugunsten der Landwirtschaft und die Erweiterung von Siedlungsbereichen zu
einem Waldverlust von nochmals mehr als 110.000 Hektar (
Quelle: Forstbericht der
Sächsischen Staatsregierung 2003
).
Noch heute konkurriert der gesetzliche Auftrag der Waldmehrung in den landwirtschaftlich
geprägten Regionen Sachsens mit den wirtschaftlich attraktiveren Landnutzungsformen,
wie Ackerbau oder Grünlandwirtschaft und verhindert eine stärkere Bewaldung in diesen
waldärmeren Gebieten.
Die Bundeswaldinventur weist für Sachsen eine Waldfläche von 511.578 Hektar aus und
wird mit einem statistischen Fehler von +/- 3,0 % geschätzt. Die Waldfläche Sachsens
gliedert sich in die Waldkategorien begehbarer und nichtbegehbarer Wald.
16155 ha oder 3.2 % der Waldfläche unterlagen jedoch einem absoluten Betretungsverbot
oder waren aus Sicherheitsgründen für die Erfassung des weiteren Waldzustandes nicht
geeignet. Hierunter fallen überwiegend die nicht munitionsberäumten ehemaligen
Truppenübungsplätze, Felsflächen, Moore und Wasserflächen.
Im Bundesvergleich gehört Sachsen mit seiner Gesamtwaldfläche, zusammen mit
Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu den eher kleineren
Waldländern
.
Mit einem Waldanteil von 27,8 % der Landesfläche ist Sachsen zu etwas
weniger als einem Drittel bewaldet und liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt von 31,0
%.
Auf einen Hektar Wald kommen im Freistaat Sachsen statistisch rd. 9 Einwohner was
etwas über dem Bundesdurchschnitt von 7 Einwohner/ha liegt und das im Verhältnis
geringere Bewaldungsprozent noch unterstreicht (Quelle: Statistisches Landesamt des
Freistaates Sachsen 2002).
Im Vergleich zur Eigentumsstatistik des forstlichen Grundbesitzerverzeichnis zeigt die
BWI² hinsichtlich absoluter Größe und Verteilung der Waldfläche eine hohe
Übereinstimmung mit den stabilen Eigentumsformen Landes-, Bundes- und Kirchenwald
und bildet die Eigentumsverhältnisse der sächsische Wälder in sehr engen Grenzen und
sicher ab.
Durch den zweijährigen Erhebungsturnus ergaben sich durch die Privatisierungstätigkeit
der BVVG Eigentumswechsel zwischen Treuhand- und Privatwald, was die direkte
Vergleichbarkeit mit anderen Statistiken erschwert.
2 Waldfläche in Sachsen
8

Der begehbare Wald gliedert sich in Holzboden und Nichtholzboden und war für die
Aufnahmen, Zählungen und Messungen der Bundeswaldinventur² für die Inventurtrupps
zugänglich.
Der Nichtholzboden umfasst eine Fläche von 14.560 Hektar oder 2,9 %. Diese Flächen
setzen sich aus Wegen, Waldwiesen, Holzlagerplätzen, Blockhalden oder andere mit dem
Wald verbundenen und ihm dienenden Flächen zusammen. 3.590 Hektar des Holzbodens
weist die Bundeswaldinventur als Blöße aus. Blößen sind als „vorübergehend unbestockte
Flächen“ definiert. Die Waldkategorie „bestockter Holzboden“ besitzt eine Fläche von
477.273 Hektar, was 93,3 % der Gesamtwaldfläche entspricht. Der bestockte Holzboden
ist Grundlage der weiteren Auswertungen über Struktur und Zusammensetzung der
sächsischen Wälder.
Einen Gesamtüberblick über die einzelnen Waldkategorien und deren Anteil an der
Gesamtwaldfläche zeigt Tabelle 1.
Blöße
(3590 ha)
0,7 %
bestockter Holzboden
(477.273 ha)
93,3 %
Wald
(511.578 ha)
100 %
begehbarer Wald
(495.423 ha]
96,8 %
Holzboden
(480.863 ha)
97,1
%
Nicht-
holzboden
(14.560 ha)
2,9 %
Nicht -
begehbare
Flächen
(16.155 ha)
3,2 %
Tab. 1
: Waldkategorien BWI² für den sächsischen Wald
2 Waldfläche in Sachsen
9

Verteilung der Waldeigentumsarten
In Sachsen dominiert zum Stichtag der Bundeswaldinventur der Landeswald mit 191.069
ha, dies entspricht 37,3 % der Waldfläche und liegt über dem Bundesdurchschnitt von
29,6 %. Er hat seinen Schwerpunkt im Erzgebirge und ist kompakt, zusammenhängend
und wenig zersplittert.
5,9%
9,6%
11,9%
2,2%
37,3%
33,1%
Staatswald (Land)
Staatswald (Bund)
Körperschaftswald (ohne KiW)
Kirchenwald (PW+KW)
Privatwald
Treuhandwald
Abb. 1:
Anteil der Eigentumsarten an der Waldfläche zum Stichtag 1.10.2002
Die zweitgrößte Eigentumsform ist mit rund einem Drittel der Waldfläche der stark
zersplitterte und kleinparzellierte Privatwald mit einem Verbreitungsschwerpunkt in
Nordostsachsen.
Die Bundeswaldinventur weist für den Privatwald eine Fläche von 169.529 ha (33,1 %)
aus. Der im Zuge der Bodenreform in der DDR enteignete in Volkseigentum überführte
und jetzt wieder privatisierte bzw. noch zu privatisierende Treuhandwald macht noch ca.
60.831 ha (11,9 %) aus. Sachsen stellt damit ca. 1/7 des vorgefundenen noch zu
privatisierenden Treuhandrestwaldes aus den fünf neuen Bundesländern.
Rechnet man den gesamten Treuhandwald, der überwiegend aus noch zu
privatisierendem Kleinprivatwald besteht zum heutigen bereits vorhandenen Privatwald
hinzu, so werden perspektivisch Sachsens Wälder einen Privatwaldanteil von rd. 45 %
erhalten, was dem durchschnittlichen Anteil in Deutschland entspricht und die
flächenmäßige Bedeutung unterstreicht.
Sachsen wird so mittelfristig ein Land des Privatwaldes werden.
2 Waldfläche in Sachsen
10

Eine eher untergeordnete Rolle spielen in Sachsen der Körperschaftswald mit 49.063 ha
(9,6 %), Wald im Besitz der Kirchen in Höhe von 10.970 ha (2,2 %) und Bundeswald mit
30.116 ha (5,9 %).
Die Verteilung der Waldeigentumsarten des sächsischen Waldes ist regional stark
unterschiedlich. Stark bewaldete Gebiete im Norden und Süden wechseln sich mit den
waldärmeren Ackerbaustandorten der Lößebenen und des Hügellandbereichs ab.
Mit 141.606 Hektar befinden sich 30 % des sächsischen Waldes in der Planungsregion
Oberlausitz-Niederschlesien. Die geringste Waldfläche weist die Planungsregion
Westsachsen mit 63.025 Hektar (13,4 %) auf. Hier ist auch der Waldanteil am geringsten,
er beträgt nur 14,4 %. Den höchsten Waldanteil findet sich in Südwestsachsen mit
37,7 %, sie schließt die waldreichen Gebiete des Westerzgebirges mit ein.
Der Landeswald nimmt über die Hälfte der Waldfläche in den Planungsregionen „Oberes
Elbtal/Osterzgebirge“ und „Südwestsachsen“ ein, dagegen ist er in der Region,
Oberlausitz-Niederschlesien“ mit 9 % eher unterrepräsentiert. Der Privatwald ist in allen
Planungsregionen mit ca. 30 % vertreten. Eine Ausnahme bildet die Region Oberlausitz-
Niederschlesien. Sie wird fast zur Hälfte vom Privatwald geprägt, dazu kommen nochmals
19,7 % Treuhandwald. In dieser Region liegen auch die größten zusammenhängenden
Bundeswaldflächen Sachsens in der Bad Muskauer Heide. Der Körperschaftswald zeigt
zwei Schwerpunkte, die Planungsregionen Oberlausitz-Niederschlesien mit 13,4 % und
Chemnitz-Erzgebirge mit 13,7 %.
0
50.000
100.000
150.000
Westsachsen
Oberes
Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz-Erzgebirge
Südwestsachsen
Waldfläche [ha]
Staatswald (Bund)
Staatswald (Land)
KW
PW
TW
Abb. 2:
Verteilung der Eigentumsarten nach Planungsregionen
2 Waldfläche in Sachsen
11

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0,8 %
30,3 %
3,6 %
7,3 %
1,9 %
5,7 %
3,5 %
4,6 %
4,6 %
4,9 %
31,3 %
1,4 %
0,2 %
0
50.000
100.000
150.000
200.000
Sachsen-Anhaltinische Löss-Ebene
Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland
Düben-Niederlausitzer Altmoränenland
Lausitzer Löss-Hügelland
Zittauer Gebirge
Oberlausitzer Bergland
Elbsandsteingebirge
Westlausitzer Platte und Elbtalzone
Sächsisch-Thüringisches Löss-Hügelland
Leipziger Sandlöss-Ebene
Vogtland
Erzgebirgsvorland
Erzgebirge
Waldfläche [ha]
Staatswald (Bund)
Staatswald (Land)
Körperschaftswald
Privatwald
Treuhandwald
Abb. 3:
Verteilung der Eigentumsarten nach forstlichen Wuchsgebieten
Nach forstlichen Wuchsgebieten gegliedert finden sich Zweidrittel des sächsischen
Waldes in den zwei großen naturräumlich getrennten Wuchsgebieten, dem Erzgebirge im
Süden und dem Düben-Niederlausitzer Altmoränenland im Norden von Sachsen. Beide
beinhalten knapp ein Drittel der Waldfläche sind aber in ihrer Zusammensetzung nach
Eigentumsarten durchaus unterschiedlich. Der restliche Wald ist auf elf weitere
Wuchsgebiete verteilt. Besonders waldarm sind die Hügellandsbereiche. Aufgrund der
guten Böden dominiert hier die landwirtschaftliche Nutzung, der Wald konzentriert sich auf
die steilen Hanglagen der Flusstäler.
Das Düben-Niederlausitzer Altmoränenland wird dominiert vom Privatwald mit einem
Anteil von 42 % an der Waldfläche des Wuchsgebiets. In diesem Wuchsgebiet finden sich
auch die flächenmäßig größten Anteile des Bundeswaldes in Sachsen. Dagegen ist das
Erzgebirge ein Wuchsgebiet des Landeswaldes, der dort einen Anteil von über 62 % an
der Waldfläche einnimmt.
2 Waldfläche in Sachsen
12

Eigentumsgrößenklassen im Privat- und Körperschaftswald
Die Zielsetzung, Organisation und Leistungsfähigkeit eines Forstbetriebes wird wesentlich
von seiner Größe bestimmt. Von einer regelmäßigen nachhaltige Bewirtschaftung kann
erst, abhängig von den standörtlichen Bedingungen, ab einer gewissen Betriebsgröße
ausgegangen werden.
Unterschiedlich große Betriebsgrößenklassen bedürfen auch einer unterschiedlichen
Intensität an forstpolitischer Unterstützung, Beratung und Betreuung. So ist die Kenntnis
der Eigentumsstruktur der Waldbesitzer für die forstliche Förderung von großer Bedeutung
und nützt dem Privatwaldbesitzern unmittelbar.
Bei der BWI² wurde als Erhebungsmerkmal neben den zahlreichen Strukturdaten auch die
Eigentumsgrößenklasse der Forstbetriebe für den Privat- und Körperschaftswald
miterfasst. Der Stichprobenpunkt wurde bei der Erhebung einer vorgegebenen
Eigentumsgrößenklasse, die durch einen Forstbetrieb im Land insgesamt bewirtschaftet
wird ohne weiteren Eigentümerbezug und unter Wahrung des Datenschutzes zugeordnet.
Aufgrund der stichprobenartig erfassten Daten stellen die Ergebnisse der BWI² keine
Vollerhebung aller Betriebsgrößen des Privatwaldes dar. Gleichzeitig zeigen die
Ergebnisse für den Freistaat Sachsen Trends in der Eigentumsstruktur und forstpolitische
Handlungsfelder in Form von unterschiedlichen Beratungsintensitäten der staatlichen
Forstverwaltung auf.
Die Voraussetzung nachhaltig bewirtschaftbarer Forstbetriebe erfüllen nur die wenigsten
privaten Forstbetriebe in Sachsen. Etwa 68 % der Privatwaldfläche liegen in Betrieben
unter 20 ha, fast die Hälfte sogar in Betrieben kleiner 5 ha. Diese Tendenz ist bundesweit
vergleichbar, wobei im Freistaat die Waldfläche in Betrieben kleiner 20 Hektar um mehr
als 10 Prozentpunkte über dem bundesweiten Durchschnitt liegt und somit strukturell
ungünstiger einzustufen ist.
Diese zersplitterten und eher kleinparzellierten Forstbetriebe werden in der
überwiegenden Zahl nicht planmäßig bzw. nur mit geringer Intensität bewirtschaftet und
werden sehr oft nur für die eigene Brennholzwerbung genutzt. Sie haben eher den
Charakter aussetzender Betriebe und werden nur fallweise durch die staatlichen
Forstämter beraten und betreut. Zusätzlich haben die Betriebe unter 5 ha ihren
Verbreitungsschwerpunkt in ländlichen und strukturschwachen Räumen Nordostsachsens.
Hieraus können sich insbesondere bei Holzverkäufen Marktungleichgewichte zwischen
großflächigen vorhandenen aber zumeist unorganisierten Kleinprivatwaldbesitzern und
den eher organisierten Großabnehmern ergeben.
Dieses wird umso mehr verstärkt, wenn Sachkenntnis, Bindung und Bezug zu
Waldeigentum durch Abwanderung und Entfremdung verloren gegangen sind, sodass
auch große gebundene Rohstoffreserven nur durch hohen logistischen Aufwand, bspw.
durch Bildung von Eigentümerzusammenschlüssen einer Verwertung zugeführt werden
können.
Dies birgt Chancen wie Risiken bei der Bewirtschaftung und stellt eine
Schwerpunktaufgabe der Forstpolitik dar.
2 Waldfläche in Sachsen
13

Ein umgekehrtes Bild ergibt die Größe der körperschaftlichen Forstbetriebe, 82,8 % der
Waldfläche werden in Betrieben mit mehr als 100 Hektar, rd. 76 % sogar über 200 ha
bewirtschaftet.
Sehr oft haben die eher stadtnahen Wälder die Funktion von Erholungsraum und dienen
weniger der reinen Holzproduktion. Hieraus erwachsen völlig anders gelagerte Beratung-
und Betreuungsaufgaben. Die überwiegende Anzahl der Körperschaften ist in Betreuung
durch staatliche Forstämter. Knapp 50 % der Körperschaftsfläche geht von Betrieben über
1000 ha aus und setzt sich aus einigen wenigen großen Kommunalwäldern zusammen.
bis 1ha
über 1
bis 5 ha
über 5
bis 20
ha
über 20
bis 50
ha
über 50
bis 100
ha
über
100 bis
200 ha
über
200 bis
500 ha
über
500 bis
1000 ha
über
1000 ha
0,0%
5,0%
10,0%
15,0%
20,0%
25,0%
30,0%
35,0%
40,0%
45,0%
50,0%
Anteil an der Fläche [%]
Eigentumsgrößenklasse
Privatwald
Körperschaftswald
Abb
.
4:
Anteil der Waldfläche der Eigentumsgrößenklassen an der Gesamtfläche des Privat- und
Körperschaftswaldes
2 Waldfläche in Sachsen
14

Waldfläche nach Baumartengruppen
Im Freistaat Sachsen wurden durch die BWI² von der Stichprobe 72 Baumarten erfasst
und in neun Baumartengruppen zusammengefasst.
Der sächsische Wald ist mit seiner aktuellen Baumartenmischung ein Spiegelbild der
vergangenen historischen Waldbewirtschaftung seit Mitte des 18. Jahrhunderts.
Die heutigen Baumartenanteile ist das Ergebnis eines aufblühenden Erzabbaus, intensive
Rodungstätigkeiten im Bereich des sächsischen Hügellandes, beginnender
Industrialisierungen, hohem Rohstoffbedarf mit darauffolgenden Übernutzungen,
beginnenden Braunkohletagebau und einem aus Holznot erwachsenen Bedarf an
robusten und geeigneten Baumarten.
Fichte und Kiefer bestimmen aus diesen Gründen auch heute noch die Waldbilder und
sind regional, bedingt durch standörtliche und naturräumliche Voraussetzungen
unterschiedlich stark vertreten.
Die Baumarten-Anteile in den sächsischen Wäldern, bezogen auf die gesamte
Holzbodenfläche (incl. Lücken und Blößen), setzen sich zu je einem Drittel aus Fichte mit
34,6 %, einem Drittel Kiefer und Lärche mit 30,0 % bzw. 3,4 % und einem Drittel
Laubbaumarten zusammen.
Fichte und Kiefer haben in den sächsischen Wäldern völlig unterschiedliche regionale
Verteilungsmuster.
Die Fichte hat mit einer Gesamtfläche von 166.000 ha (34,6 %) ihren regionalen
Schwerpunkt im Erzgebirge, Erzgebirgsvorland und dem Vogtland, wo Sie das
gleichförmige Baumartenspektrum dominiert und häufig die bekannten einförmigen
Waldbilder mit den typischen Reinbeständen des Altersklassenwaldes erzeugt. Die Fichte
ist die Baumart des Landeswaldes und hat dort einen überproportional hohen Anteil.
Die Kiefer dagegen hat mit 144.000 ha bzw. einem Anteil von 30,0 % einen standörtlich
anderen Verbreitungsschwerpunkt. Sie ist die Baumart des Tieflandes und es
Privatwaldes Nordostsachsens und stockt überwiegend auf den standörtlich
benachteiligten Sand-Standorten und Grenzertragsböden des Tieflandes auf denen eine
landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr lohnt.
Die Laubbaumarten werden von den anderen Laubbäumen niedriger Lebensdauer,
insbesondere Birke, Aspe, Pappel und Eberesche dominiert. Es handelt sich um typische
Sukzessions- und Rohbodenpionierbaumarten, die gegenüber der bisherigen
angenommenen Baumartenverteilung einen erhöhten Anteil von insgesamt 16,1 % an der
Holzbodenfläche einnehmen. Sie sind als typische temporäre Mischbaumarten in den
Hauptbeständen mit ihren Mischungsanteilen bisher deutlich unterschätzt worden.
Als beigemischte Arten finden sich diese aus überwiegend Naturverjüngung
hervorgegangenen Sukzessionsbaumarten bevorzugt in den lichteren Kiefernwäldern
Nordostsachsens und in den jüngeren und inventurtechnisch schwierig zu erfassenden
I. und II. Altersklassen (1-20 und 21-40 Jahren), Sie haben einen Schwerpunkt in den
Eigentumsarten Privat– und Treuhandwald.
2 Waldfläche in Sachsen
15

Zudem handelt es sich überwiegend um ertragsschwache und defizitäre
Nichtwirtschaftsbaumarten, denen in der Vergangenheit bei der Aufnahme von
Waldbeständen nur geringes Interesse entgegengebracht wurde.
Weitere flächenmäßig bedeutende Laubbaumarten sind die Eiche mit 7,4 % und die
Buche mit 3,4 %, die sich nach Eigentumsarten und regional differenziert verteilen.
Die Eiche findet sich bevorzugt im Privatwald, die Buche überwiegend und
schwerpunktmäßig in den mittleren und höheren Lagen des Landeswald im Wuchsgebiet
Erzgebirge.
7,4%
3,4%
3,0%
16,1%
34,6%
0,2%
30,0%
3,4%
1,2%
0,7%
Eiche
Buche
ALH
ALN
Fichte
Tanne
DGL
Kiefer
Lärche
Lücke
Blöße
Abb. 4:
Baumartenanteile im Hauptbestand über alle Eigentumsarten bezogen auf den Holzboden (incl.
Lücken und Blößen)
ALN= andere Laubbäume niedriger Lebensdauer (bspw. Birke, Aspe, Eberesche, Pappel)
ALH= andere Laubbäume hoher Lebensdauer (bspw. Ahorn, Esche, Linde)
2 Waldfläche in Sachsen
16

Baumartenverteilung nach Eigentumsarten
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Bundeswald
28.122 ha
Landeswald
183.490 ha
Körperschaftsw.
47.269 ha
Privatwald
165.739 ha
Treuhandwald
56.244 ha
alle
Eigentumsarten
Blöße
Lücke
Lärche
Kiefer
Douglasie
Tanne
Fichte
ALN
ALH
Buche
Eiche
Anteile [%]
Abb. 5:
Baumartenanteile im Hauptbestand in den Eigentumsarten bezogen auf den Holzboden (incl. Lücke
und Blöße)
Bezogen auf die Holzbodenfläche zeigt der direkte Vergleich der Eigentumsarten und
deren Baumartenzusammensetzung im Hauptbestand unterschiedliche Verteilungsmuster
und spiegelt die Verteilung der Eigentumsformen in den Naturräumen und deren
standörtlichen Ausstattung unmittelbar wider.
Neben der naturräumlichen Gliederung überlagert die immer noch vorhandene unsichere
Zuordnung der Eigentumsverhältnisse und der ständig abnehmende Anteil der zur
Rückübertragung anstehenden Treuhandrestwälder die Interpretation der Ergebnisse.
Der Bundeswald mit seinem Lageschwerpunkt im Kieferngebiet Nordostsachsens und der
im Erzgebirge überproportional vorhandene Landeswald sind stark nadelbaumgeprägt.
Während im Bundeswald die Kiefer mit einem Anteil von 67 % an der Holzbodenfläche
dominiert findet sich im Gegensatz hierzu im Landeswald die Fichte mit einem Anteil von
52 %.
Während im Erzgebirge der einsetzende Erzabbau, der einsetzende Rohstoffbedarf der
Industrialisierung, die Bodenreinertragslehre des 19. Jahrhunderts und die seit Mitte der
60`er Jahre dominierende Kahlschlagswirtschaft die Laubbaumarten verschwinden ließen,
waren im standörtlich ungünstigen Tiefland Nordostsachsens nach Degradation und
Waldweide schnellwachsende Lichtbaumarten wie die Kiefer auf den natürlichen
Eichenstandorten gefragt und somit die einzige wirtschaftlich nutzbare und sinnvolle
Baumart um degradierte Standorte geringer Wasser- und Nährstoffversorgung wieder in
Bestockung zu bringen.
2 Waldfläche in Sachsen
17

Hinzu kommt die geringe Wertschätzung der in der Regel langsam wüchsigeren
Laubbaumarten und die Überführung der ehemaligen Bodenreformflächen und
Großgrundbesitze in Ostsachsen in Volkseigentum und den damit einhergehenden Verlust
an freier Baumartenwahl.
Den höchsten Anteil der Laubbaumarten haben Treuhand- und Privatwald mit Anteilen von
34 % bzw. 40 %. Es handelt sich hierbei zu einem Fünftel aber um typische temporäre
Mischbaumarten, den Weichlaubbaumarten wie Birke, Aspe, Eberesche und Roterle die
zwar ökologisch erfreulich sind, zur Wertschöpfung in den eher strukturell benachteiligten
Privatwaldbetrieben aber wenig beitragen.
Sie finden sich auf mineralischen und organischen Nass-Standorten bzw.
Moorrandbereichen des Tieflandes, wo sie als Randbestockung um Wasser- und
Teichflächen ihren Verbreitungsschwerpunkt haben. Die Birke ist in den Kiefernwälder, die
in aller Regel nach Vollumbruchverfahren begründet wurden die einzige Mischbaumart,
die über die Begründungsphase der Bestände hinaus als Mischbaumart auf den
Standorten mit ziemlich armer und armer Nährstoffversorgung erhalten bleibt.
Aus Naturverjüngung aufgelaufene Birke, Aspe, Eberesche aber auch Faulbaum finden
sich verstärkt in der I. und II. Altersklasse als Mischungsbaumarten in den großflächigen
Kiefernbeständen.
Treuhand- und Privatwald haben auch die höchsten Anteile an Eichen, die nahezu
gleichbleibend über alle Altersklassen mit 10-15 % an der Altersklassenfläche der beiden
Eigentumsarten beteiligt sind und in den höheren Altersklassen über 100 Jahren anteilig
stark zunehmen.
Der Landeswald besitzt neben dem Bundeswald mit insgesamt nur 24 % den geringsten
Anteil an Laubbaumarten im Hauptbestand. Höhere punktuell stärker vorkommende
Buchenanteile finden sich im Landeswald, die Eiche hingegen ist als Mischbaumart in den
Kiefernwäldern eher im Treuhand- und Privatwald geringer Bewirtschaftungsintensität
vorhanden, wo sie über Hähersaat und Naturverjüngung zum Baumartenspektrum
beiträgt.
Gegenüber dem Bundesdurchschnitt besitzt der Landeswald in Sachsen nur halb soviel
an Laubbaumarten. Die Ausstattung an Nadelbaumarten des sächsischen Privatwaldes
entspricht dagegen mit 63 % nahezu exakt dem Bundesdurchschnitt dieser
Eigentumsform.
Der Körperschaftswald in Sachsen stellt eine insgesamt sehr heterogene Gruppe aus
kleinen und großen Kommunalwäldern sowie kleinparzellierten Kirchenwäldern der
Pfarrgemeinden (votiert zum öffentlichen Wald) mit unterschiedlicher Lage, Größe und
Bewirtschaftungsintensität dar.
Dementsprechend vielfältig ist die Baumartenzusammensetzung über alle Altersklassen
hinweg. Die Lage der Körperschaftswälder konzentrierte sich auf die besser
nährstoffversorgten Standorte des Hügellandes. Dies äußert sich in einer über alle
Altersklassen hinweg breiteren Baumartenpalette, die zwar auch nadelbaumgeprägt ist,
insgesamt aber eine bessere Ausstattung an höheren Altersklassen und älteren und
vorratsreicheren Beständen mit Laubbaumarten zeigt. In den jüngeren Altersklassen
2 Waldfläche in Sachsen
18

bestehen nahezu die Hälfte der Bestände aus standörtlich anspruchsvolleren
Laubbaumarten, wie Esche, Ahorn, Linde und Hainbuche.
Wie bei allen anderen Eigentumsformen kommen auch in den Körperschaftswäldern
verstärkt die sonstigen Baumarten niedriger Lebensdauer in den Altersklassen I bis III vor.
Baumartenverteilung in den Wuchsgebieten
Die Baumartenverteilung in den einzelnen Wuchsgebietsgruppen spiegelt die standörtliche
Amplitude und Ausstattung wieder.
Die größten Laubbaumanteile zeigt der besser nährstoffversorgte Hügellandsbereich mit
insgesamt 43,1 % darunter Eichen mit 13,2 % und andere Laubbäume mit niedriger
Lebensdauer mit 20,1%. Erzgebirge und Düben-Niederlausitzer Altmoränenland haben
beide unterschiedliche Charakterarten.
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90% 100%
Düben-
Niederlausitzer-
Altmoränenland
Erzgebirge
Hügelland
Sachsen
Eiche
Buche
andere Lb hoher Lebensdauer
andere Lb niedriger Lebensdauer
Fichte
Kiefer
Lärche
Lücke
Blöße
Abb. 6:
Baumartenanteile im Hauptbestand nach Wuchsgebietsgruppen bezogen auf den Holzboden (incl.
Lücke und Blöße)
2 Waldfläche in Sachsen
19

3 Das Alter des Waldes
Waldfläche nach Baumartengruppen und Altersklassen
Die Geschichte des Waldes und seiner Bewirtschaftung in Sachsen spiegelt sich auch in
den Ergebnissen der Bundeswaldinventur wider. Bedingt durch umfangreiche
Reparationshiebe nach dem 2.Weltkrieg und die in der DDR ab Mitte der 60`er Jahre
praktizierte Kahlschlagswirtschaft sind alte Bestände in Sachsen deutlich
unterrepräsentiert.
Das flächengewogene Durchschnittalter der sächsischen Wälder liegt bei 65 Jahren. Sie
sind mit einem Altersunterschied von nur 7 Jahren gegenüber dem Bundesdurchschnitt
von 72 Jahren insgesamt geringfügig jünger. Die sächsischen Buchen, Fichten, Kiefern
und Douglasien liegen nahe oder nur leicht über den Vergleichswerten.
Weniger als 15 % der Wälder sind älter als 100 Jahre (vgl. Abb. 7). Das Maximum existiert
bei den 41-60jährigen Beständen mit 109.896 Hektar (23 %). Die im Vergleich zu den 21-
40 bzw. 41-60jährigen Beständen geringere Fläche der ersten Altersklasse (1-21 Jahre)
kennzeichnet eine waldbauliche Trendwende. In den vergangenen 20 Jahren wurden
weniger Altbestände genutzt als in den Jahrzehnten davor und überwiegend
Verjüngungsverfahren unter dem Schirm des Vorbestandes angewendet.
Die einzelnen Eigentumsarten unterscheiden sich hierbei nur geringfügig. Einzig die
Buchen im Landeswald liegen mit 110 Jahren deutlicher über den Vergleichswerten.
Ursache hierfür ist die Überalterung der Buchen im Erzgebirge, die aufgrund ihrer
geringfügigen Verbreitung überwiegend als Saatgutbestände über wirtschaftlich sinnvolle
Umtriebszeiten und Zieldurchmesser hinaus unverjüngt und ungenutzt verbleiben.
Sachsens Wälder sind im Vergleich zum Bundesdurchschnitt mit deutlich weniger
Beständen im Alter von über 120 Jahren ausgestattet. Dafür sind die ersten drei
Altersklassen überrepräsentiert. In Sachsen gibt es deutlich weniger Eichen und Buchen,
welche höhere Anteile alter Bäume besitzen. Dafür liegt der Anteil von Laubbäumen mit
geringer Lebenserwartung um mehr als 6 Prozentpunkte über dem Durchschnitt.
Die Baumartenverteilung in den einzelnen Altersklassen zeigt bis zur III. Altersklasse eine
Drittelung der Baumartenanteile von je einem Drittel Fichte, Kiefer und den
Laubbaumarten.
Besonders auffällig sind die gegenüber der bisherigen Baumartenstatistik erhöhten
Anteilflächen der Nichtwirtschaftsbaumarten Birken, Aspen und Ebereschen aus
Naturverjüngung in den beiden ersten Altersklassen, die bisher offensichtlich unterschätzt
wurden oder sich seit der letzten eigentumsübergreifenden Aufnahme der Bestände
etabliert haben. Diese finden sich verstärkt im Privat- und Treuhandwald mit geringer
Pflege- bzw. Bewirtschaftungsintensität, wo die Baumartengruppe andere Laubbäume mit
geringer Lebensdauer in den ersten beiden Altersklassen (1-40 Jahre) teilweise Anteile
von über 40 % erreichen.
Mit zunehmendem Alter nehmen der relative Anteil von Eiche und Buche in den
Altersklassenflächen stark zu. Die Bestände werden mit zunehmendem Alter immer
3 Das Alter des Waldes
19

Laubbaumreicher. Allerdings bleibt dieser Trend für den Anteil der älteren Bestände
absolut unbedeutend.
0
10.000
20.000
30.000
40.000
50.000
60.000
70.000
80.000
90.000
100.000
110.000
Fläche [ha]
1-20 J.
21-40 J.
41 -60 J.
61-80 J.
81-100 J. 101-120 J. 121-140 J. 141-160 J.
>160 J.
Altersklasse [20 J.]
ALN
ALH
Buche
Eiche
Tanne
Lärche
Douglasie
Kiefer
Fichte
Abb. 7:
Baumartenflächen nach Altersklassen (nur Hauptbestand; alle Eigentumsarten)
Altersklassenverteilung in den einzelnen Eigentumsarten
Die hohen Anteile der ersten und zweiten Altersklasse im Privatwald sind zum einen durch
die vergleichsweise hohen Anteile der Laubbäume mit niedriger Lebensdauer bedingt.
Zum anderen zeigen auch die Nadelbäume, v.a. die Fichte, im Privatwald ein Maximum in
der zweiten Altersklasse. Insgesamt hat der Privatwald eine, wenn auch jüngere, aber
eher gleichmäßige Altersklassenausstattung.
Der Schwerpunkt der Reparationshiebe, die verstärkte Kahlschlagswirtschaft sowie die
starke Immissionsbelastungen in den Hoch- und Kammlagen des Erzgebirges hatte den
Schwerpunkt im Landeswald, was die gegenüber den anderen Eigentumsarten höheren
und auffälligen Anteile der dritten Altersklasse (26,7 %) zeigen.
Die einheitliche Bewirtschaftung der Wälder nach den Waldbaugrundsätzen der DDR
(Kahlschlagsbetrieb mit kurzen Umtriebszeiten) führte zu ähnlichen
Altersklassenstrukturen. Somit unterscheiden sich die Anteile der Bestände älter 100
Jahre in den einzelnen Altersklassen nur unwesentlich.
Die forstlichen Strukturprobleme wie der hohe Anteil junger Bestände und die ungünstige
Besitzstruktur betreffen den sächsischen Privatwald überproportional.
3 Das Alter des Waldes
20

1
-
20
J.
21
-
40
J.
41
-
60
J.
61
-
80
J.
81
-
100
J.
101
-
120
J.
121
-
140
J.
141
-
160
J.
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
40.000
45.000
50.000
Fläche [ha]
Altersklassen
Körperschaftswald
Treuhandwald
Staatswald (Bund)
Staatswald (Land)
Privatwald
Abb. 8:
Altersklassenflächen getrennt nach Eigentumsarten (nur Hauptbestand)
Altersklassenverteilung nach Baumartengruppen
In der absoluten Höhe und Verteilung der Altersklassen der einzelnen Baumartengruppen
spiegelt sich auch hier die Gesamtbaumartenverteilung wieder. Fichte und Kiefer
dominieren, wobei die starke III. Altersklasse bei allen Baumarten mehr oder weniger stark
ausgeprägt ist. Einzig die Fichte zeigt eine stark ausgeprägte V. Altersklasse mit Bäumen
über 100 Jahren. Diese finden sich oft an bringungstechnisch schwierigen Lagen und
entzogen sich deshalb der Nutzung.
Von der Gesamtaltersklassenverteilung weichen die Baumartengruppen Eiche und Buche
am meisten ab. Für sie sind höhere Anteile älterer Bäume kennzeichnend. So besitzen ca.
30 % der Eichen ein Alter von mehr als 100 Jahren. Bei der Buche trifft das für fast die
Hälfte der Bäume zu. In der Bilanz für alle Laubbäume wird die Verteilung durch die hohen
Anteile der Laubbaumarten mit niedriger Lebenserwartung in den ersten drei Altersklassen
wieder ausgeglichen, so dass in der Summe nur 13,8 % der Laubbäume älter als 100
Jahre sind.
3 Das Alter des Waldes
21

Für alle Baumarten, mit Ausnahme der Laubbäume mit niedriger Lebensdauer, trifft zu,
dass die Anteile der ersten Altersklasse relativ gering sind. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass aufgrund einer geänderten waldbaulichen Behandlung sich heute ein Großteil der
Verjüngung noch unter dem schützenden Schirm des Altbestandes befindet (vgl.
Abschnitt: Waldverjüngung). Die Flächen werden in dieser Bilanz nicht erfasst.
Insbesondere trifft das für die Baumart Buche zu.
1-20
J.
21-40
J.
41
-60
J.
61-80
J.
81-100
J.
101-120
J.
121-140
J.
141-160
J.
0
>160
J.
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
Fläche [ha]
Altersklassen [20 J.]
Eiche
Buche
andere Lb
hoher
Lebensdauer
andere Lb
niedriger
Lebensdauer
Lärche
Fichte
Kiefer
Abb. 9:
Altersklassenflächen getrennt nach Baumartengruppen (nur Hauptbestand)
Die Baumartengruppe Fichte ist durch einen besonders geringen Anteil an Bäumen
gekennzeichnet, die ein Alter von über 100 Jahren aufweisen (13,5 %). Dafür zeichnet sie
sich durch ein überproportionales Auftreten der 81-100jährigen Bäume mit fast 20 % aus.
Das ist ein Indiz für die Abkehr vom Kahlschlagbetrieb, durch andere
Verjüngungsverfahren (z.B. Femelhieb) bleibt der Oberstand dieser Bestände erhalten.
Die Umtriebszeiten für Kiefernbestände sind vergleichsweise höher als die für
Fichtenbestände gewesen. Das erklärt den deutlich höheren Anteil älterer Bäume in dieser
Baumartengruppe, 17,9 % aller Kiefern sind älter als 100 Jahre.
Die Baumartengruppe Lärche ist in Sachsen durch einen hohen Anteil junger Bäume
gekennzeichnet. Nicht einmal 10 Prozent aller Lärchen sind älter als 80 Jahre.
Die anderen Laubbäume geringer Lebensdauer zeigen in ihrer Altersklassenverteilung ihre
physiologisch bedingte Wachstumsgrenze und starke Abnahme höherer Altersklassen auf.
3 Das Alter des Waldes
22

Sie enden in ihrer Altersklassenverteilung bei etwa 60 Jahren, was der Altersgrenze und
angestrebten Umtriebszeiten von Birke, Pappel und Aspe entspricht.
Besonders auffällig sind bei der Eiche die hohen Anteile in der III. Altersklasse, die nur als
Beimischung in Kiefernbeständen und bodensauren Buchenwäldern der kollinen Stufe und
weniger in durch Pflanzung begründeten Reinbeständen zu suchen ist.
3 Das Alter des Waldes
23

4 Waldaufbau und Bestandesschichtung
Zur Erfassung von Waldstrukturen wurde bei der BWI² bewusst ein ökologischer Ansatz
gewählt. Bewirtschaftungsgrenzen am Stichprobenpunkt blieben bei den Aufnahmen völlig
unberücksichtigt. Die horizontale und vertikale Struktur der sächsischen Wälder wurden in
einem definierten Kreis mit Radius 10 m unabhängig von Bewirtschaftungsgrenzen über
eine Schichtansprache, Deckungsgrad und Anteilzehntel erhoben.
Ein Vergleich zwischen Flächen und Altersstruktur vorangegangener Kapitel verbietet
deshalb sich aus rein methodischen Gründen.
Auswerteeinheit dieser Strukturerhebung ist der Bestockungstyp, der durch die
anteilsmäßig führende Baumart benannt wird.
Als Bezugsfläche dieser Auswertung ist der sogenannte bestockte Holzboden, da
unbestockte Blößen und Lücken naturgemäß keine Angaben zu Baumarten, Schichtung
und Mischungen aufweisen. Beimischungen am bestockten Holzboden werden ab 10 %
ausgeschieden.
Laub-Nadelwaldtypen
Im sächsischen Wald überwiegen zu 75 % Nadelwaldtypen. Dies resultiert aus den hohen
Baumartenanteilen von Fichte, Kiefer und Lärche und erklärt sich aus der geschichtlichen
Entwicklung und der frühen und großflächigen Förderung der zuwachskräftigeren
Nadelbaumarten für Bauholz und Bergbau in Sachsen.
24%
75%
1%
Laubwald-Typ
Nadelwald-Typ
gleiche Anteile Laub-/Nadelbäume
Abb. 10:
Anteil der Laub-/Nadelwaldtypen an der Waldfläche
Gegenüber dem Gesamtergebnis der BWI² über alle Bundesländer und Eigentumsarten
hinweg haben die sächsischen Wälder rd. 15 % höhere Anteile an
Nadelbaumbestockungen. Nur ein geringer Prozentsatz geht auf Bestockungen mit gleich
hohen Anteilen von Nadel- und Laubbäumen zurück.
4 Waldaufbau und Bestandesschichtung
24

Mischungen nach Laub-/Nadelwäldern
Neben der geschichtlichen Entwicklung der Waldbewirtschaftung in Sachsen, der
einseitigen Förderung von Fichten und Kiefern gibt es auf bestimmten Standorten
natürlicherweise einen hohen Prozentsatz gleichförmiger und eher ungemischter
Bestockungen.
Auf extrem trockenen, wie vernässenden Standorten gibt es auch natürlicherweise eine
Neigung zur Bildung von Reinbestockungen. Die überwiegende Anzahl der
Reinbestockungen in Sachsen geht jedoch auf eine stark nach Wirtschaftlichkeit geprägte
Baumartenwahl, eine konsequent durchgeführten Pflege hin zu Reinbeständen und eine
Reduktion der Baumarten mit geringer wirtschaftlicher Bedeutung zurück.
Erst die waldbauliche Pflege und Bestandesbehandlung der letzten 15 Jahre und der
forcierte Waldumbau bringt für diese benachteiligten Standorte mit eingeschränkten
Niederschlägen, Nährkraft und eingeschränktem Baumartenspektrum ausgestatteten
Waldstandorte, aber auch Stabilisierung der wüchsigeren Bestände durch Förderung der
Laubbaumanteile die ökologisch wertvolleren und stabileren Mischwälder hervor.
Rund 55 %, also etwas mehr als die Hälfte der sächsischen Wälder haben eine
Laubbaumbeteiligung in der Baumartenzusammensetzung von mindestens 10 % und
mehr, auf etwa einem Viertel herrschen Laubbäume sogar vor. Im Vergleich zum
Bundesdurchschnitt, bei dem zu drei Viertel Mischbestockungen vorherrschen ist jedoch
ein klarer Unterschied zu erkennen.
Reine Laubwälder finden sich auf 12,2 %, reine Nadelwälder auf 45,1 % der Waldfläche
Sachsens.
Der Anteil an gemischten Beständen liegt nach Laub-Nadelwaldtypen bei ca. 43 %
Ursache hierfür sind neben die zunächst absolut geringeren Laubbaumanteilen bei den
großflächig vorkommenden Nadelwäldern mit einem Altersschwerpunkt zwischen 20 bis
60 Jahren, zu suchen. Diese wurden in Reinbeständen mit hohen Pflanzenzahlen
begründet und als Altersklassenwald über Kahlschläge jahrzehntelang bewirtschaftet. Eine
Anreicherung der Bestockungen mit auflaufender Naturverjüngung scheidet in dieser
Altersphase durch den vorhandenen hohen Dichtschluss aus.
Die heutige konsequente Förderung der Mischbaumarten kann deshalb den Anteil an
gemischten Bestockungen in dieser Altersphase nur unwesentlich anheben.
So zeigen sich nur in der ersten Altersklasse eine stärkere Zunahme dieser
Mischbestockungen aus Nichtwirtschaftsbaumarten, wie Eberesche, Birke, Aspe aber
auch Eiche durch Belassen und Förderung dieser Baumarten während der
Bestandespflege. Die Jungbestockung unter 4 m Höhe mit einer Fläche von rund 88 Tsd.
ist Ausdruck des vergangenen waldbaulichen Bemühungen der letzten Jahre die
Nadelreinbestockungen in stabile Mischwälder umzuwandeln. Insofern ist sie,
insbesondere im Landeswald, ein Gradmesser für den Erfolg eines
Waldumbauprogramms. Der Anteil dieser Bestockungen bis 4 m Baumhöhe hat einen
dreifach höheren Abteil an reinen Laubwaldbestockungen, einen um fast 5 %-Punkte
erhöhten Laubwaldanteil mit Nadelbeimischung und gegenüber den Altbestockungen
einen mit 81 % einen um fast 30 % deutlich erhöhten Anteil an Mischwäldern.
4 Waldaufbau und Bestandesschichtung
25

Altbestockung > 4 m
Jungbestockung < 4 m
88.853 ha
12,2%
12,0%
30,5%
45,1%
0,2%
Laub-Nadel-
Mischwald mit
gleichen Anteilen
reiner Nadelwald
Nadelwald mit
Laubbeimischung
Laubwald mit
Nadelbeimischung
reiner Laubwald
39,3%
16,9%
20,5%
18,7%
4,6%
452.542 ha
Abb. 11:
Waldflächenanteile von Rein- und Mischbestockungen nach Laub-/Nadelbaumtypen an der
Altbestockung (>4m) und Jungbestockung (<4 m)
Neben den zahlreichen Voranbauten mit Buche und Eiche finden sich vor allem im
Privatwald die aus Naturverjüngung als zweite Schicht eingeflogenen Birken, Ebereschen
und Aspen.
Rund zwei Drittel der vorgefundenen Mischbestockungen sind aus Naturverjüngung
hervorgegangen. Etwa 32 Tsd. ha stammen jedoch aus Pflanzung.
Bestockungsaufbau nach Baumschichten
Etwas weniger als die Hälfte oder 45 % der sächsischen Wälder haben eine zweite
Schicht mit mindestens 10 % Anteil an der bestockten Waldfläche. In Anbetracht der
geringen Anteile an älteren Bestockungen, die in aktiver Verjüngung stehen und den
hohen Anteilen von Bestockungen unter 60 Jahren ist damit der Anteil der zweischichtigen
Bestockungen am vertikalen Aufbau der Wälder überproportional hoch.
Laubbaumtypen zeigen mit 62 % höhere Anteile an zweischichtigen Wäldern als die nach
wie vor eher einschichtigen Nadelbaumtypen mit ca. 40 %
Die einzelnen Eigentumsarten zeigen hinsichtlich des Bestockungsaufbaus durchaus
unterschiedliche Anteile an einschichtigem bzw. zweischichtigen Bestockungen. So haben
Privat-, Körperschaftswald- und Treuhandwald ca. 10 % höhere Anteile an stabileren
zweischichtigen Beständen während der fichtenreiche Landeswald mit 61 % den höchsten
Anteil an einschichtigen Beständen aufweist.
Die Ursache hierfür liegt zum einen in der Fördertätigkeit des Freistaates begründet, der
Waldumbau und Umwandlung der Nadelbaumbestockungen durch Voranbau und
Unterbau aktiv fördert, zum anderen aber in der geringen Bewirtschaftungsintensität des
Kleinprivatwaldes, wo auflaufende Naturverjüngung in den lichteren Kiefernbeständen und
auf den besseren Standorten in Kombination mit einem bundesweit
4 Waldaufbau und Bestandesschichtung
26

unterdurchschnittlichen Verbissprozent zu einer Etablierung einer zweiten Baumschicht in
den vergangenen 15 Jahren geführt hat.
Für die Jahrzehnte durch Kahlschlag bewirtschafteten Wälder mit langer Dunkelphase in
den Altersbereichen unter 40 Jahren und entsprechendem Kronendichtschluss bleiben
deshalb nur die Altbestände zum Aufbau zweischichtiger Bestände. Lichtbaumarten wie
Eiche, Kiefer und die Pionierbaumart Birke mit eher lockerem Kronenschluss, sowie ältere
Eichenbestände finden sich verstärkt im sächsischen Privatwald und erleichtern
auflaufender Naturverjüngung die Bildung dieser zweiten Schicht. Mit dem Übergang zur
Hochdurchforstung im öffentlichen Wald nehmen stärkere Eingriffe durch die
Absatzmöglichkeiten von schwächerem Profilzerspanerholz auch in jüngeren
Fichtenbestockungen im Zuge der Bestandespflege zu, was zu einer Auflockerung des
Kronenschirms und Absenkung des Bestockungsgrades führt. Beide Effekte führen auch
bei der Fichte zunehmend zu einer zweiten Bestockungsschicht.
Lichtbaumarten sowie ältere Eichen- bzw. Buchentypen bilden aufgrund in den
sächsischen Wäldern bevorzugt zweischichtige Bestockungen aus.
Mit 66 % oder 130.000 ha hat die flächenmäßig bedeutende Fichte einen hohen Anteil
einschichtiger Bestände.
Mehrschichtige oder plenterartige Bestände sind am Aufbau der sächsischen Wälder nur
marginal beteiligt und können über eine Großrauminventur mit weiten Stichprobenrastern
nicht gesichert abgebildet werden.
32%
45%
10%
36%
67%
55%
27%
66%
51%
61%
45%
54%
68%
52%
80%
64%
33%
45%
73%
33%
48%
39%
55%
45%
3%
10%
1%
1%
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100
%
Eichen-Typ
Buchen-Typ
Eschen-Typ
Birken-Typ
Erlen-Typ
ASP-, PAP-, Ebereschen-Typ
Ahorn-, Ulmen-Typ
Fichten-Typ
Kiefern-Typ
Lärchen-Typ
Typ mit mehreren gleichw. Baumarten
alle Bestockungstypen
Anteile [%]
einschichtig
zweischichtig
mehrschichtig
oder plenterartig
Abb. 12:
Bestockungsaufbau nach Bestockungstypen der Hauptbestockung (alle Eigentumsarten)
Bezugsfläche bestockter Holzboden
4 Waldaufbau und Bestandesschichtung
27

Rein- und Mischbestockungen nach Bestockungstypen
Im sächsischen Wald überwiegen zu fast zwei Drittel Mischbestockungen (61%) vor
Reinbestockungen (39 %) ohne weitere Mischbaumarten.
Bezogen auf die Fläche des Bestockungstyps haben Fichten- und Kiefernbestockungen
mit 47 % bzw. 51 % den höchsten Anteil ungemischter Bestockungen. Beide Baumarten
sind durch Pflanzung als Reinbestockungen begründet oder über sehr lange Zeiträume als
Bestandszieltyp ohne Mischungsanteil weiterer Baumarten gepflegt worden. Die
großflächig heute vorkommenden Nadelbaumbestockungen, insbesondere die Kiefer ist
heute in der Mehrzahl der Bestockungen in Altersphasen, in denen Mischbaumarten nicht
bzw. erst in der Zukunft nach erneuter Verjüngung eingebracht werden können. Insofern
sind sie das Abbild vergangener waldbaulicher Zielsetzungen.
Bei den gemischten Bestockungen stellen die Nadelbaum-Beimischungen (29,1 %) die
anteilig größte Gruppe. Sie finden sich großflächig vor allem in den Fichtenbestockungen.
Es treten Weymouthskiefer, Höhenkiefer und Lärche als Mischbaumarten auf. Regional
finden sich diese Mischungen in der Westabdachung des Erzgebirges und in den
Tieflandsfichtenvorkommen Nordostsachsens. Sie treten dort hinzu, wo die Fichte an
Wuchsdynamik verliert.
Bei den Eichen- und Buchenbestockungstypen ist es die Kiefer, die als Mischbaumart bei
als Nadelbaumbeimischungen hinzutritt.
Laubbaumbeimischungen finden sich mit Anteilen am bestockten Holzboden von
insgesamt 19,9 % bevorzugt in den Kiefern- und fast allen Laubbaumtypen. Hierbei
handelt es sich überwiegend um die beigemischte Pionierbaumart Birke sowie Eichen und
Buchen als Relikt auf Standorten bodensaurer Buchenwälder der kollinen Stufe. Die
Kiefer stockt in vielen Fällen auf potenziellen Laubbaumstandorten insbesondere auf
Standorten bodensaurer Eichen- oder Buchenwälder des Tief- und Hügellands auf denen
sich ein Mischungsanteil der natürlichen Baumart mit entsprechender Konkurrenzkraft
gehalten hat.
Bei den gemischten Fichtenbestockungen finden sich aufgrund ihrer großflächigen und
höhenzonal weiten Verbreitung nahezu alle Laubbaumarten wieder.
Den höchsten Anteil an einschichtigen Bestockungen gemessen an deren Waldfläche hat
der Kieferntyp mit 51 % der Typenfläche. Dies ist auch Ausdruck der vorhandenen
Altersklassenstruktur mit linksschiefer Altersklassenverteilung, einem Schwerpunkt bei der
II. Altersklasse und noch vorhandenem Dichtschluss aus der Jungbestandesphase. Diese
Bestockungen haben Baumhöhen um die 15-20 m, besitzen hohe Stammzahlhaltungen
und konnten deshalb keine zweite Schicht ausbilden. In den lichteren Altbestockungen der
Kiefer wandelt sich nach erfolgter Pflege oder eingeleiteter Erntemaßnahmen das
Erscheinungsbild. Hier finden sich dann deutlich höhere Anteile an zweischichtigen
Bestockungen.
Bei den Laubbaumtypen auf den besseren Standorten treten Ahorn, Hainbuche, Linde, auf
den besseren vernässenden Standorten Birke, Weide, Aspe und Roterle als
Laubmischbaumarten hinzu.
4 Waldaufbau und Bestandesschichtung
28

Der Typ andere Baumarten mit höherer Lebensdauer treten im Gegensatz zu den anderen
Laubbaumtypen bevorzugt in Mischung mit anderen Laubbaumtypen auf. Ursache hierfür
sind die besser nährstoffversorgten Standorten der Flussauen und des
Hügellandsbereichs.
Markant und auffällig sind die breite Mischungsform der Birken-Typen, die mit Nadel- wie
Laubbaummischungen zu je gleichen Anteilen auftritt.
0
50.000
100.000
150.000
200.000
Fläche [ha]
Eichen-Typ
Buchen-Typ
Eschen-Typ
Birken-Typ
Erlen-Typ
ALN-Typ
ALH-Typ
Fichten-Typ
Kiefern-Typ
Lärchen-Typ
mehrere Baumarten
Nadel-Beimischung
Laub-Beimischung
Laub- und Nadel-Beimischung
ohne Beimischung
12,0%
19,9%
39,0%
29,1%
Abb. 13 :
Waldfläche nach Bestockungstypen und Beimischung der Hauptbestockung (alle Eigentumsarten)
Bezugsfläche bestockter Holzboden
4 Waldaufbau und Bestandesschichtung
29

5 Holzvorrat
Der Wald in Sachsen hat eine wichtige Rohstofffunktion. Er liefert den umweltfreundlichen
und nachhaltig erzeugten Rohstoff Holz.
Eine entscheidende Kenngröße und Maßeinheit zur wirtschaftlichen Bewertung der
Leistungsfähigkeit eines Forstbetriebes stellt der Holzvorrat dar. Höhe und
Durchmesserstruktur des Holzvorrats beeinflussen maßgeblich die Wertschöpfung in den
einzelnen Forstbetrieben sowie deren wirtschaftliche Rentabilität.
Darüber hinaus stellen die Holzvorräte der Wälder Sachsens hinsichtlich des
Klimaschutzes eine wichtige Kohlenstoffsenke durch Bindung des Treibhausgases CO
2
dar.
Die Höhe und Verteilung des Holzvorrats wird durch die Baumartenanteile, deren
Altersstruktur und nicht zuletzt von Standortsgüte, Klimaverhältnissen und Niederschlägen
maßgeblich bestimmt.
Die Steuerung der Durchmesser- und Vorratentwicklung ist eine wichtige waldbauliche,
betriebliche, wie forstpolitische Aufgabe.
Der Holzvorrat wird in Kubikmetern (m³) angegeben, darin ist alles oberirdische Holz
lebender Bäume mit einem Durchmesser von mehr als 7 cm einschließlich der Rinde
enthalten.
Holzvorrat nach Eigentumsarten und Baumartengruppen
Die Bundeswaldinventur² weist für die sächsischen Wälder einen Gesamtholzvorrat von
126 Mio. m³ aus. Dieser Wert kann mit einer Genauigkeit von +/- 1,8 % angegeben
werden und entspricht einem Durchschnittswert von 262 m³/ha.
Sachsens Wälder verfügen damit über 3,7 % der Holzmenge in Deutschland und nehmen
gemessen am Gesamtholzvorrat aller Bundesländer von 3,4 Mrd. m³ einen eher
bescheidenen Anteil ein.
Der größte Anteil der sächsischen Holzvorräte steht im Landeswald mit etwa 52 Mio. m³
(41,5 %). Dieser nimmt aufgrund seines hohen Fichtenanteils einen überproportionalen
Anteil am Gesamtholzvorrat ein.
Der Privatwald besitzt einen Vorrat von ca. 41 Mio. m³ (32,9 %), ihm ist mittelfristig der
Vorrat des Treuhandwaldes in Höhe von knapp 14 Mio. m³ (10,9 %) zuzurechnen. Relativ
geringe Holzmengen sind im Körperschaftswald mit rund 13 Mio. m³ (10,5 %) und im
Bundeswald mit etwa 5 Mio. m³ (4,2 %).
Die Zahlen verdeutlichen die große Bedeutung des Landeswaldes für die
Holzbereitstellung im Freistaat. Jedoch besitzt der Privatwald perspektivisch nach erfolgter
Privatisierung des Treuhandrestwaldes in etwa die gleichen Holzmengen wie der
Landeswald.
5 Holzvorrat
30

Vergleicht man die Vorräte im Privatwald, aufgeschlüsselt nach den
Eigentumsgrößenklassen, so finden sich die höchsten Hektarwerte mit 267 m³/ha im
Kleinprivatwald unter einer Betriebsgröße von 20 ha. Hier konzentrieren sich mit 31 Mio.
Vfm rd. 75 % des Holzvorrates des Privatwaldes und damit knapp ein Viertel der
Gesamtholzmenge in Sachsen.
Die Vermarktung dieser Holzmengen des Kleinprivatwaldes geringer
Bewirtschaftungsintensität und die Aktivierung dieser fixierten Rohstoffreserve sowie
dessen Beratung und Betreuung, die Förderung der Vermarktung bzw. Bildung von
Zusammenschlüssen stellt eine der kommenden wichtigen Aufgaben und Handlungsfelder
der staatlichen Beratung und gleichzeitig eine logistische Herausforderung kommender
Jahre dar.
4.2%
41.5%
10.5%
32.9%
10.9%
Staatswald (Bund)
Staatswald (Land)
Körperschaftswald
Privatwald
Treuhandwald
44.5%
27.4%
3.5%
7.5%
5.3%
3.5%
8.3%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
1
Abb. 14:
Anteil der Baumartengruppen und Eigentumsarten am Holzvorrat in %
5 Holzvorrat
31

5,3 Mio.
52,3 Mio.
13,2 Mio.
41,4 Mio.
13,7 Mio.
0
5.000.000
10.000.000
15.000.000
20.000.000
25.000.000
30.000.000
35.000.000
40.000.000
45.000.000
50.000.000
55.000.000
Holzvorrat [m³]
BW
LW
KW
PW
TW
Birke, Aspe,
Eberesche, Pappel,
Weide
Ahorn, Esche,
Hainbuche, Ulme
Buche
Eiche
Douglasie
Lärche
Kiefer
Fichte
Abb. 15:
Holzvorräte nach Baumartengruppen und Eigentumsarten in m³
Holzvorrat nach Baumartengruppen
Die Anteile der Baumartengruppen am Gesamtvorrat weichen teilweise deutlich von ihren
Flächenanteilen ab.
Einem Nadelbaumvorrat von 95 Mio. Vfm steht ein Laubbaumvorrat von 31 Mio. Vfm
gegenüber. Noch mehr als im Bezug zur Fläche dominiert die Fichte bezüglich ihres
Vorrates im sächsischen Wald. Sie besitzt einen Vorratsanteil von 44,5 %. Gefolgt wird sie
von der flächenmäßig deutlicher hervortretenden Kiefer mit 27,4 %.
Bei den Laubbäumen liegen die sonstigen Laubbäume mit geringer Lebensdauer
(8,3 %) nur knapp vor der Eiche (7,5 %) und der Buche (5,3 %), obwohl ihre Fläche
deutlich höher als die von Eichen und Buchen ist.
Der Landeswald in Sachsen ist gekennzeichnet durch hohe Fichtenvorräte. Mit fast 32
Mio. m³ macht der Anteil der Fichte hier 61 % aus. Dagegen treten die Vorräte der
anderen Baumartengruppen im Landeswald deutlich zurück.
Nennenswerte Anteile besitzen noch Kiefer (16 %) und Buche (8 %). Eine völlig andere
Verteilung weist der Privatwald auf. Mit 32 % ist der Fichtenanteil nur halb so hoch wie im
Landeswald. Dagegen dominieren die Kiefernvorräte mit 36 %. Weiterhin besitzt der
Privatwald höhere Vorräte der Laubbaumarten mit niedriger Lebensdauer und der
Baumartengruppe Eiche (beide 11 %). Diese Verteilung wird sich durch die Privatisierung
des Treuhandwaldes noch festigen.
5 Holzvorrat
32

Der Treuhandwald weist noch geringere Fichtenvorräte (24 %), dafür höhere Vorräte an
Eichen sowie der Laubbaumarten mit niedriger Lebensdauer (jeweils 13 %) auf.
Bedingt durch diese Verteilung wird auch in Zukunft das Holzaufkommen sehr stark von
der Fichte geprägt werden, da die Nutzungsintensität im Privatwald tendenziell geringer
als im Landeswald ist.
Staats-
wald
(Bund)
Staats-
Wald
(Land)
Körper-
schafts-
wald
Privat-
wald
Treuhand-
wald
alle
Eigentums-
arten
Eiche
170.290
2.221.252
756.601
4.531.317
1.781.347
9.460.807
Buche
224.676
4.092.608
623.586
1.095.322
577.557
6.613.749
ALH
78.538
809.473
747.483
1.917.876
864.697
4.418.067
ALN
336.192
2.755.554
973.437
4.694.425
1.722.854
10.482.462
alle Laubbäume
809.697
9.878.887
3.101.107 12.238.940
4.946.454
30.975.085
Fichte
681.217
31.769.422
6.963.183 13.348.094
3.216.607
55.978.522
Tanne
4.077
4.077
Douglasie
105.825
3.780
43.632
153.237
Kiefer
3.751.728
8.111.560
2.513.788 15.059.664
5.008.067
34.444.807
Lärche
55.991
2.449.246
623.451
736.289
505.132
4.370.110
alle Nadelbäume
4.488.936
42.440.131
10.104.201 29.187.680
8.729.806
94.950.754
alle Baumarten
5.298.633
52.319.018
13.205.308 41.426.620
13.676.260
125.925.839
Tab. 2:
Holzvorräte nach Baumartengruppen und Eigentumsarten in m³; alle Bestandesschichten
Der derzeit praktizierte Waldumbau wird die Baumartenpalette erst für zukünftige
Generationen erweitern und zu einer höheren Flexibilität der sächsischen Forstbetriebe
führen, bedingt durch die langen Produktionszeiträume der Bäume sich aber erst
langfristig auf den Holzmarkt auswirken.
Holzvorrat nach Wuchsgebieten
Die Holzvorräte verteilen sich, wie auch die Baumartenflächen, regional ähnlich.
Die höchsten Gesamtholzvorräte finden sich mit 44 Mio. m³ im Wuchsgebiet Erzgebirge
und mit 29 Mio. m³ im Wuchsgebiet Düben-Niederlausitzer-Altmoränenland.
Durch die dominierenden Baumarten Fichte und Kiefer mit gegenüber den
Laubbaumarten, vergleichsweise hohen Vorräten verstärken diese eine deutliche
regionale Zweiteilung, mit der Kiefer im Tieflandsbereich in dem Wuchsgebiet Düben-
Niederlausitzer-Altmoränenland und der Fichte mit ihrem Verbreitungsschwerpunkt im
Erzgebirge.
Obwohl die Gesamtwaldflächen beider großen Wuchsgebiete nahezu gleich hoch sind
finden sich die höchsten Gesamtvorräte im Erzgebirge.
5 Holzvorrat
33

Aufgrund der Altersklassenstruktur der Kiefer, deren geringeren Durchmesser und
Holzvorräte pro ha ergeben sich hier deutliche Unterschiede und entsprechen geringere
Gesamtvorräte.
Größere Anteile an Fichtenvorräten finden sich, mit Ausnahme der Wuchsgebiete des
Hügellandsbereichs, in nahezu allen anderen Wuchsgebieten, wie Vogtland, Oberlausitzer
Bergland und Elbsandsteingebirge.
Die Holzvorräte des Lausitzer Löß-Hügellandes, und des Sächsich-Thüringischen Löß-
Hügellandes sowie der Westlausitzer Platte und Elbtalzone mit dem breiteren
Standortsspektrum und den klimatisch günstigeren Bedingungen zeigen einen höhere
Vorratsanteile an Eichen, sonstigen Laubbaumarten höherer und niedriger Lebensdauer.
44 Mio m³
29 Mio. m³
0
5.000.000
10.000.000
15.000.000
20.000.000
25.000.000
30.000.000
35.000.000
40.000.000
45.000.000
50.000.000
Mittleres nordostdeutsches Altmoränenland
Düben-Niederlausitzer Altmoränenland
Sachsen-Anhaltinische Löß-Ebene
Leipziger Sandlöß-Ebene
Sächsisch-Thüringisches Löß-Hügelland
Westlausitzer Platte und Elbtalzone
Lausitzer Löß-Hügelland
Erzgebirgsvorland
Vogtland
Erzgebirge
Elbsandsteingebirge
Oberlausitzer Bergland
Zittauer Gebirge
Vorräte [m³]
Fichte
Kiefer
DGL
Buche
Eiche
AH, ES
GBI, GEB, ASP, PAP
Abb. 16:
Holzvorräte nach Wuchsgebieten getrennt nach Baumartengruppen in m³; alle Bestandesschichten
Holzvorratsstruktur nach Baumartengruppen und Durchmesserklassen
Durch die Kenntnis der Holzvorratsstruktur und die Gliederung nach Durchmesserklassen
bietet die Bundeswaldinventur die Möglichkeit Aussagen zu den zu erwartenden
Stammdimensionen, den zukünftigen Vermarktungsmöglichkeiten und Sortimenten
ableiten zu können. Darüber hinaus lassen sich durch die Kenntnis der vorhandenen
Stammdurchmesser auch für den Naturschutz- und Artenschutz Rückschlüsse für
entsprechende Fachplanungen ziehen.
Im sächsischen Wald überwiegt Holz mittlerer Dimensionen. 58 % bzw. über 73 Mio. Vfm
befinden sich zwischen 20 und 40 cm Brusthöhendurchmesser. Dabei gibt es zwischen
5 Holzvorrat
34

Laub- und Nadelholz deutliche Unterschiede. Weniger als 5 % des Nadelholzvorrates
besitzt einen Brusthöhendurchmesser von über 50 cm.
Dagegen sind bereits 25 % des Fichtenvorrats über einem Brusthöhendurchmesser von
40 cm. Dies entspricht einer Gesamtmenge von rd. 14 Mio m³ Holz das bereits heute
wirtschaftlich gut vermarktungsfähige Zieldurchmesser erreicht hat. Der Schwerpunkt des
Fichtenvorrats liegt aber in der Durchmesserklasse von 30 cm bis 39,9 cm.
Die zweite bedeutende Baumart Kiefer hat dagegen nur knapp 10 % ihres Holzvorrats
über diesen Durchmesserbereichen von 40 cm. Hier machen sich die geringere
Wüchsigkeit, das Altersklassenverhältnis und die potentiell schlechteren Standorte
bemerkbar und führen zu geringeren Stammdimensionen. Ihr Schwerpunkt liegt eine
Durchmesserklasse tiefer bei Durchmesserspreiten von 20,0 bis 29,9 cm.
Die vorhandenen Dimensionen des Nadelholzes sind derzeit vermarktungsfähig. Die
großen Profilzerspanerwerke benötigen große Mengen an qualitativ gutem Nadelholz mit
einem Durchmesser von 20 bis 40 cm.
Dagegen sind das beim Laubholz fast 25 %. Insbesondere die Buchen und Eichen weisen
aufgrund ihrer teilweisen Überalterung einen hohen Starkholzanteil auf. Nahezu 32 % der
Holzvorräte der Buche oder 2,1 Mio. m³ sind bereits heute größer 50 cm und haben den
wirtschaftlich und waldbaulich angestrebten Zieldurchmesser für eine Vermarktungsreife
erreicht, teilweise aber schon weit überschritten.
Die Verteilung des Holzvorrats einzelner Baumarten auf die Durchmesserklassen zeigt für
die verschiedenen Eigentumsarten in Sachsen aufgrund der jahrzehntelang überwiegend
einheitlichen Bewirtschaftung keine grundlegenden Unterschiede in der Verteilung. Die
beiden Hauptbaumarten Fichte und Kiefer zeigen nahezu identische relative
Verteilungsmuster des gesamten Holzvorrats auf die Durchmesserklassen. Nur bei der
Kiefer sind die Anteile stärkerer Stämme über 40 cm im Landeswald geringfügig höher als
bei den anderen Eigentumsarten.
Perspektivisch wird sich bereits mittelfristig die Durchmesserstruktur der sächsischen
Wälder stark verschieben. Schon jetzt sind 24 % des Vorrates bereits stärker als 40 cm,
10 % sogar stärker 50 cm (BHD) – Tendenz steigend.
Vor allem gilt das für die wuchsstarke Fichte mittlerer Lagen und stabiler Standorte.
Besonders Auffällig ist bei der Fichte ein bereits frühes Auftreten stärkerer vorwüchsiger
Stämme schon ab der III. Altersklasse. Hier gilt es, zukünftig neue Absatzmärkte zu
erschließen.
5 Holzvorrat
35

7,0 bis
9,9 cm
10,0 bis
19,9 cm
20,0 bis
29,9 cm
30,0 bis
39,9 cm
40,0 bis
49,9 cm
50,0 bis
59,9 cm
60,0 bis
69,9 cm
70,0 bis
79,9 cm
80,0 bis
89,9 cm
0
1,000,000
2,000,000
3,000,000
4,000,000
5,000,000
6,000,000
7,000,000
8,000,000
9,000,000
10,000,000
11,000,000
12,000,000
13,000,000
14,000,000
15,000,000
16,000,000
17,000,000
18,000,000
19,000,000
Vorrat [m³]
Durchmesser [cm]
Eiche
Buche
Fichte
Kiefer
Abb.17:
Verteilung der Holzvorräte nach Durchmesserklassen und ausgewählten Baumartengruppen
Holzvorräte je Hektar nach Eigentumsarten
Durchschnittlich stehen im Freistaat 262 m³ Holzvorrat pro Hektar, das sind etwa 50 m³
weniger als der Bundesdurchschnitt (320 m³/ha).
Die Ursache für den deutlichen Unterschied der sächsischen Wälder zum
Bundesdurchschnitt ist die veränderte Altersklassenstruktur mit weniger vorratsreichen
Altbeständen und mehr vorratsärmeren Wäldern im Alter bis 60 Jahre.
Die Hektarvorräte in den verschiedenen Eigentumsarten werden in Sachsen wesentlich
von ihrem Fichtenanteil bestimmt. Die vergleichsweise fichtenreichen Landes- und
Körperschaftswaldbetriebe besitzen überdurchschnittliche Hektarvorräte (285 bzw. 279
m³/ha). Dagegen ist der von der Kiefer geprägten Privat- und Treuhandwald (250 bzw. 243
m³/ha) und insbesondere der Bundeswald (188 m³/ha) relativ vorratsarm. Den insgesamt
höchsten Holzvorrat hat der kleinparzellierte körperschaftliche Kirchenwald, der neben
seiner gewissen Eigenständigkeit der Bewirtschaftung mit längeren Umtriebszeiten auch
5 Holzvorrat
36

eine geringere Nutzungsintensität bei etwa gleich hohen Anteilen an Fichten- und
Kiefernvorräten aufweist.
188
285
279
321
250
243
262
320
0
50
100
150
200
250
300
350
400
Holzvorrat [m³/ha]
BW
LW
KW
KW
Kirche
PW
TW
SN
gesamt
BRD
Abb. 18:
durchschnittlich Holzvorräte pro ha in m³
Hohe Hektarvorräte sind jedoch nicht nur Ausdruck der Wuchskraft einer Baumart,
sondern können auch auf mangelnde Pflege zurückzuführen sein. Deutlich hervor tritt das
beim Blick auf die Vorratswerte für die Eigentumsklassen im Privatwald. Den mit Abstand
höchsten Hektarvorrat haben die Privatwaldbetriebe mit einer Waldfläche kleiner 20
Hektar aufzuweisen, in denen nur geringe bzw. keine Nutzungen stattfinden.
Gleichzeitig kann von ihnen bei einförmiger Bestandesstruktur und mangelnder Pflege,
neben einer gewissen mechanischen Instabilität der Bestände auch ein forstsanitäres
Problem mit einer latenten Gefahr von Insektenkalamitäten ausgehen.
Holzvorräte je Hektar nach Baumartengruppen
Die höchsten Hektarvorräte besitzt in Sachsen die Buche mit 355 Vfm/ha, damit liegt sie
sogar geringfügig über dem Bundesdurchschnitt. Ebenfalls vergleichsweise vorratsreich ist
die Fichte mit 331 Vfm/ha. Alle weiteren Baumartengruppen weisen deutlich geringere
Hektarvorräte auf. Die geringsten Werte erreichen die sonstigen Laubbäume mit niedriger
Lebenserwartung (126 Vfm/ha), wie Birke, Pappel und Aspe.
Die einzelnen Baumartengruppen zeigen entsprechend ihren Standortsansprüchen und
den Niederschlags- und Wärmeansprüchen je nach Höhenlage unterschiedlich hohe
Hektarvorräte. So hat beispielsweise die Fichte mit 338-342 m³/ha ihren höchsten Vorrat in
den Höhenlagen von 200 m bis 800 m über NN. Dieser nimmt erst in den Hoch- und
Kammlagen über 800 m drastisch ab. Während die wärmebedürftige Eiche ihre höchsten
Vorräte pro ha im kollinen Klimabereich aufweist und ab einer Höhenlage über 400 m nur
noch geringe Vorräte erwarten lässt.
5 Holzvorrat
37

Die Buche hingegen zeigt bei entsprechender Exposition des Standorts aufgrund ihres
hohen Altbuchenanteils in den sächsischen Wäldern bis zu einer Höhenlage von 800 m
gleichbleibend hohe und über dem Bundesdurchschnitt liegende Holzvorräte pro Hektar
zwischen 327-342 m³/ha. Ab einem Alter über 120 Jahre steigt der Buchenvorrat für die
Altersklassen 121-140 Jahre auf 468 m³/ha, für die über 160-jährigen Bestände sogar auf
461 m³/ha an.
Ab einem Alter von 60 Jahren liegen die Vorräte der Fichte bereits deutlich über 400 m³/ha
und erreichen bei einer normalen Umtriebszeit von 120 Jahren in Sachsen einen
durchschnittlichen Gesamtvorrat/ha von 537 m³/ha. Über alle Altersklassen hinweg liegt
dieser Wert ca. 50 m³/ha niedriger als der Bundesdurchschnitt und ist Ausdruck leicht
geringer Niederschläge, der geringeren Standortsgüte, aber auch der stärkeren
Schädigung der sächsischen Fichten durch Immissionen und den damit verbundenen
Auflockerungen des Bestandesschlusses der vergangenen Jahrzehnte.
Bei der sächsischen Kiefer auf den kontinental geprägten und überwiegend gering
nährstoffversorgten Standorten ergeben sich im Bundesvergleich nur geringfügige
Unterschiede im Hektarvorrat der flächenmäßig bedeutenden I. bis III Altersklasse. Hier
führen ähnliche Standorte bei der genügsamen Kiefer in nahezu allen Bundesländern zu
gleichen Waldbildern, Bestockungsstrukturen und Hektarvorräten.
Im Vergleich zu den durchschnittlichen Hektarvorräten aus den Daten der periodischen
Betriebsplanung und des Waldinformationssystems Sachsen ergeben sich für einzelne
Baumarten deutliche Differenzen der Hektarvorräte zu den gemessenen Werten der
Bundeswaldinventur².
Insgesamt sind die Holzvorräte pro ha unterschätzt worden. Die Höhe der
Vorratsunterschätzung liegt nach Vergleichswerten aus der periodischen Betriebsplanung
(FESA) im neueingerichteten Landeswald bei durchschnittlich ca. 15 bis 25 % . Für die
Eigentumsarten Privat-, Treuhand- und Bundeswald fehlen dagegen aktuelle
Vergleichswerte aus anderen Waldinventuren.
Ursache für diese Differenz beider Inventursysteme sind neben methodischen
Unterschieden die gleitenden Inventurstichtage, die Vorratsermittlung durch Schätzung
oder vereinzelte Messungen, die Unterschätzung der Bonitäten sowie der aktuellen
laufenden Holzzuwächse. Insbesondere die fehlende Fortschreibung und Aktualisierung
der Inventurdaten der periodischen Betriebsplanung führt im Verlauf der Jahre zu einer
reduzierten Vorratserhöhung.
5 Holzvorrat
38

Stammschäden
Die ökonomische und ökologische Leistungsfähigkeit der Betriebe wird neben Vorratshöhe
und –struktur auch vom Faktor Stammschäden entscheidend beeinflusst.
Jeder vierte Baum in Sachsen (24,4) und fast jede zweite Fichte (44,3 %) in Sachsen
weisen äußerlich sichtbare Stammschäden auf. Das liegt deutlich über dem
Bundesdurchschnitt. Dort ist nur etwa jeder fünfte Baum bzw. jede vierte Fichte
geschädigt.
Die Nadelbäume sind tendenziell mehr geschädigt (zu 28 %) als die Laubbäume (zu 14
%), was allein auf die hohen Schadprozente bei der Fichte zurückzuführen ist. Bei den
Laubbäumen weist die Buche den höchsten Anteil Stammschäden auf (19 %).
Dominierende Schadarten sind Schälschäden, gefolgt von Fäll- und Rückeschäden. Die
übrigen Stammschäden spielen in Sachsen nur eine untergeordnete Rolle.
Dieses Ergebnis ist bedenklich, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Stammschäden
in der Regel erhebliche Wertminderungen des Holzes bedingen. Sie sind somit unmittelbar
erfolgswirksam für die Forstbetriebe. Weiterhin ist ausgerechnet der „Brotbaum“
Sachsens, die Fichte, überdurchschnittlich geschädigt.
Ursache hierfür sind die überhöhten Schalenwildbestände, die damit verbundenen
Schälschäden und die Akkumulation der Rotwildschäle über Jahrzehnte, die trotz
intensiver Pflege der vergangenen Jahre nicht wesentlich gesenkt werden kann und über
Jahrzehnte zu einer Anreicherung der Schäden führt. Das Rotwild kommt nicht im
gesamten Freistaat vor, so dass sich die Schäden auf seine Verbreitungsgebiete
konzentrieren und dort noch höher ausfallen. Der Anteil dieser Schäden liegt in Sachsen
bei 15 %, bei der Fichte sogar bei 32 %.
Die Rotwildschäle tritt bei der Fichte in Durchmesserklassen ab 10-15 cm und der II.
Altersklasse mit Eintritt in das schälfähige Alter sprunghaft auf und erhöht sich stark. Die
Reduktion der Rotwildbestände ist deshalb eine Grundvoraussetzung zur Erhaltung der
ökologischen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Waldes.
Weiterhin von Bedeutung sind die Fäll- und Rückeschäden, die in Sachsen bei 6 % der
untersuchten Bäume auftreten. Diese liegen in ganz Deutschland um zwei Prozentpunkte
höher. Auch bei dieser Schadart hebt sich die Fichte mit 12 % von den übrigen Baumarten
ab.
Während sich in Fichten- und Kiefernbeständen der Anteil geschädigter Bäume mit Fäll-
und Rückeschäden zeitgleich mit Beginn des Maschineneinsatzes von Harvester und
Forwarder im Wald stark erhöht, ist bei den Laubbaumarten dieser zeitliche
Zusammenhang in den jüngeren Bestandesaltern nicht zu erkennen. Stattdessen tauchen
bei Buche erst in den älteren Beständen über 60 Jahren und bei der Eiche erst mit Eintritt
in eine Phase verstärkter Bestandespflege ab einem Alter von 100 Jahren höhere Anteil
an Fäll- und Rückeschäden auf die in den höheren Altersklassen weiter ansteigen.
Bestandesschonenden Fäll- und Rückeverfahren kommen in Zukunft deshalb besondere
Bedeutung zu.
5 Holzvorrat
39

91%
81%
88%
85%
86%
56%
85%
92%
72%
76%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90% 100%
Eiche
Buche
AH, GES
GBI; GEB, ASP
alle Laubbäume
Fichte
Kiefer
Lärche
alle Nadelbäume
alle Baumarten
Schälschaden jünger 12 Mon.
Schälschaden älter 12 Mon.
Rücke- oder Fällschaden
Harzlachten
Käferlöcher
sonstige Schäden
ohne Schäden
Abb.19:
Anteil geschädigter Bäume an der Stammzahl getrennt nach Schadarten und Baumartengruppen
1 - 20
Jahre
21 - 40
Jahre
41 - 60
Jahre
61 - 80
Jahre
81 - 100
Jahre
101 - 120
Jahre
121 - 140
Jahre
141 - 160
Jahre
> 160
Jahre
alle
Baum-
alters-
klassen
Eiche
7% 10% 7% 10% 16% 13% 19% 22%
9%
Buche
22% 10% 18% 33% 22% 24% 39% 41% 30%
19%
andere Lb hoher Lebensdauer 23% 9% 12% 16% 14% 7% 20% 24%
12%
andere Lb niedriger Lebensdauer 12% 17% 15% 16% 22% 10%
15%
alle Laubbäume
12%
13%
13%
17%
14%
16%
22%
33%
27%
14%
Fichte
12% 43% 58% 64% 58% 52% 52% 28% 24%
44%
Douglasie
20%
3%
Kiefer
21% 11% 12% 16% 17% 24% 30% 38%
15%
Lärche 6% 4% 13% 17% 4% 45% 12%
8%
alle Nadelbäume
16%
24%
32%
42%
40%
38%
36%
36%
18%
28%
alle Baumarten
15%
21%
27%
37%
37%
36%
33%
34%
27%
24%
Tab. 3:
Anteil geschädigter Bäume an der Stammzahl getrennt Baumartengruppen und Altersklassen über
alle Eigentumsarten
5 Holzvorrat
40

6 Zuwachs
Neben der Zustandserfassung ist die Abschätzung der zukünftigen Waldentwicklung und
der Nutzungsmöglichkeiten für die kommenden Jahrzehnte eine weitere wichtige Aufgabe
der zweiten Bundeswaldinventur.
Die vorliegende und aus den Zustandsdaten der BWI² berechnete
W
ald
E
ntwicklungs- und
H
olz
A
ufkommens
M
odellierung (WEHAM) leitet anhand von Vergleichsmessungen
identischer Probebäume Wachstumsfunktionen ab und schätzt auf deren Grundlage für
die nächsten Jahrzehnte, mit welchen potenziellen Rohholzmengen bei derzeit üblichen
Waldbehandlungen gerechnet werden kann und wie sich der Wald entwickeln könnte.
Auf Grund der erstmaligen Inventur in Sachsen existiert bisher kein direkter
Periodenvergleich durch die Messung identischer Probebäume.
Zur Abschätzung des laufenden Zuwachses im Freistaat Sachsen für die nächsten 40
Jahre wird deshalb auf die Wachstumsfunktionen der WEHAM-Prognose zurückgegriffen,
die für die Altbundesländer mit Wiederholungsinventur abgeleitet wurden. Die Zulässigkeit
dieser regionalen Übertragung wurde statistisch nachgewiesen.
Die Waldbehandlung, d. h. die Durchforstung oder die Erntenutzung, wird im Modell durch
landesspezifische Annahmen hinsichtlich Zieldurchmesser, Umtriebszeit,
Durchforstungsturnus sowie Durchforstungsintensität und Holzsortierung gesteuert.
Das Modell bonitiert den Einzelbaum anhand von Alter und Höhe und ordnet ihm einen
baumarten- und bonitätsspezifischen Wachstumsgang zu. Die daraus abgeleiteten
Wachstumsgänge wurden auf die sächsischen Probebäume übertragen. Dichteabhängige
Einflüsse (Standraum) auf den laufenden Holzuwachs bleiben hierbei ebenso
unberücksichtigt, wie periodische Ertragsschwankungen.
Der sächsische durchschnittlich jährliche periodische Holzzuwachs liegt mit 9,4 m³ ca. 1
m³ unter dem Bundesdurchschnitt von rd. 10,3 m³/ha*Jahr.
Absolut entspricht dies einer jährlich und nachhaltig neu zuwachsenden Holzmenge von
4,4 Mio. m³ pro Jahr. Der Schwerpunkt liegt mit 2,1 Mio m³ bei der Fichte, gefolgt von1,2
Mio. m³ Kiefer und 370.000 m³ anderen Baumarten niedriger Lebensdauer.
Die sächsischen Bestände befinden sich mit der Mehrzahl der Flächen in einem Alter
zwischen 40 bis 60 Jahren und am Kulminationspunkt mit höchsten laufenden Zuwächsen.
Sie sind diese insgesamt etwas jünger, nadelbaumreicher und weisen geringere Bonitäten
und Wüchsigkeiten als der Bundesdurchschnitt auf.
Der fichtenreiche Landeswald entspricht nahezu dem durchschnittlichen Zuwachs des
Gesamtwaldes, während der jüngere kiefernreiche ertragsschwache Bundeswald auf
schlechteren Standorten mit 7,1 m³/ha*Jahr unterdurchschnittliches Zuwachsverhalten
zeigt. Hier geben neben den großklimatischen Faktoren vor allem die geringeren
Niederschläge und schlechteren Standorte mit geringer Nährstoffgüte den Ausschlag.
Die Zuwachsleistungen der Hauptbaumarten in Sachsen sind in Tabelle 4 dargestellt.
6 Zuwachs
41

Erwartungsgemäß zeigt die Douglasie mit durchschnittlichen 16,1 m³/ha und Jahr den
höchsten laufenden Holzzuwachs für die Periode 2003 bis 2012. Den höchsten
Flächenanteil findet sich bei der Douglasie in der III. Altersklasse mit dem höchsten
laufenden Zuwachs innerhalb ihres Bestandeslebens.
Es gibt jedoch unter den Eigentumsarten deutliche Unterschiede, was auf die
unterschiedliche Altersklassenverteilung mit überwiegend jüngeren Beständen unter 60
Jahren und die Herkunft des verwendeten Pflanzenmaterials zurückzuführen ist. Je nach
Herkunftswahl zeigt die Douglasie auch in den einzelnen Eigentumsarten gegenüber allen
anderen Baumarten ihre enorme Wüchsigkeit und übertrifft die ansonsten wüchsige Fichte
deutlich.
Die Fichte ist bereits in der II. und III. Altersklasse mit Zuwachswerten zwischen 16 bis 17
m³/ha und Jahr im Optimum ihres Zuwachsmöglichkeiten und erhält über die
Prognoseperioden hinweg die stabilen und konstant hohen laufenden Zuwachswerte.
Selbst in den höheren Altersklassen über 100 Jahre ist nach der
Waldentwicklungsprognose noch mit Holzzuwächsen von über 10 m³/ha*Jahr zu rechnen.
Die Altfichtenbestände wachsen nach der Prognose erkennbar besser als dies die
Ertragstafel vorgibt. Insgesamt ist im Vergleich mit den Ertragstafeln ein ca. 14 % höherer
laufender Zuwachs über alle Altersklassen hinweg festzustellen. Besonders große
Unterschiede zeigt die III. Altersklasse, wo deutliche Abweichungen und
Zuwachsunterschätzungen zwischen ertragstafelgestützter Bonitierung und den
tatsächlichen Zuwächsen zutage treten.
Dieses veränderte Zuwachsverhalten der vergangenen 15 Jahre ist Hinweis, bei der
Bestandesbehandlung eine am realen Wachstum orientierte Bestandespflege verstärkt zu
berücksichtigen.
Die Kiefer als zweite Hauptbaumart in Sachsen zeigt entsprechend ihrer kontinentalen
Eignung einen leicht höheren laufenden Zuwachs in ihrem Verbreitungsgebiet. Mit 8,6
m³/ha und Jahr zeigt Sie ein annähernd ähnliches Wachstum in allen Bundesländern,
sowie im Vergleich zu Brandenburg und Niedersachsen mit größeren Kiefernvorkommen.
Als Lichtbaumart ist ihr Wachstumsverlauf gekennzeichnet durch rasch ansteigende
Zuwächse in jüngeren Jahren mit einem Kulminationspunkt in der II. Altersklasse (21-40
Jahre). Hier erreicht die Mehrzahl der sächsischen Kiefernbestände Zuwachswerte von
15-16 m³/ha und Jahr, die dann aber rasch auf etwa die Hälfte oder rund 7 m³/ha * Jahr
über die Prognoseperioden hinweg stark absinken.
Im direkten Ertragstafelvergleich wird der aus der BWI² abgeleitete laufende Zuwachs in
den älteren Kiefernbeständen über 80 Jahre verlässlich abgebildet. Einzig die
stammzahlreichen Bestände in den Altersbereichen zwischen 21-40 Jahren liegen mit
dem prognostizierten Zuwachswerten nahezu doppelt so hoch als nach
ertragstafelgestützter Bonitierung erwartet werden kann. Insgesamt wird der laufende
Zuwachs bei der Kiefer um ca. 28 % unterschätzt.
Die Buche weist, abweichend von den bekannten Wachstumsverläufen in Sachsen, einen
gleichbleibend hohen laufenden Zuwachs zwischen ca. 9 und 10 m³/ha und Jahr auf. Sie
wächst insgesamt besser als vermutet. Auch mit zunehmenden Bestandesaltern bleiben
die Buchen in der II. und III. Altersklasse bei ihren höheren laufenden Zuwächsen. Sie
zeigen ein deutlich anhaltendes verstärktes Wachstum auf hohem Niveau.
6 Zuwachs
42

image
image
image
Die Zuwachswerte der Eiche zeigen für Sachsen ein überdurchschnittlich aber
Lichtbaumtypisches Wachstumsverhalten mit hohen prognostizierten laufenden
Zuwächsen. Mit DGZ
100
-Bonitäten von über 7-8 Vfm/ha*Jahr werden der Eiche in Sachsen
durch die Prognosemodelle Zuwächse am oberen Skalenrand der bisher bekannten
Bonitäten zugeordnet.
Die gegenüber den Ertragstafeln erhöhten Zuwachswerte bei nahezu allen Baumarten in
Sachsen resultieren neben der in den vergangenen Jahren aktiveren
Bestandesbehandlung insbesondere aus veränderten Umwelteinflüssen. So wirken
erhöhte Stickstoffeinträge, steigende Temperaturen und erhöhter CO
2
-Gehalt der Luft
gleichsinnig wachstumsfördernd.
Der Wald wächst besser als je zuvor. Rückschlüsse auf seine Stabilität lassen sich aber
daraus nicht ableiten.
6,9
7,0
9,8
9,4
15,1
12,9
8,2
8,6
23,4
16,1
11,1
10,7
10,3
9,4
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
laufender Zuwachs [m³/ha*Jahr]
Eiche
Buche
Fichte
Kiefer
DGL
Lärche
Alle Baumarten
Sachsen 2003-2012
BRD 2003-2012
Abb. 20:
laufender jährlicher Zuwachs der Waldentwicklungs- und Holzaufkommensprognose nach
Baumartengruppen [m³/ha und Jahr] 2003-2012 für Deutschland und Sachsen über alle
Eigentumsarten (gemittelt)
6 Zuwachs
43

image
Eigen-
tumsart
alle
Baum-
arten
Fichte
Kiefer
Lärche
DGL
Eiche
Buche
ALH
ALN
BW
7,2
12,0
7,2
4,9
9,7
7,4
7,1
5,9
W
10,2
12,3
8,9
10,5
23,4
7,9
9,1
7,3
4,9
9,6
12,2
9,5
8,7
16,0
5,5
9,8
8,2
5,2
8,9
14,1
8,6
12,9
12,0
7,0
9,1
9,4
4,9
W
8,8
15,5
8,7
11,9
6,7
12,2
9,5
4,9
9,4
12,9
8,6
10,7
16,1
7,0
9,4
8,7
5,0
L
KW
PW
T
SN
Tab. 4:
laufender Zuwachs nach Eigentumsarten und Baumartengruppen im Freistaat Sachsen [m³/ha/a]
für die Prognoseperiode 2003-2012 (gemittelt) nach Waldentwicklungs- und
Holzaufkommensprognose
0
500.000
1.000.000
1.500.000
2.000.000
2.500.000
Fichte
Kiefer
Lärche
Eiche
Buche
ALH
ALN
Laufender Holzzuwachs [m³/Jahr]
TW
PW
KW
LW
BW
Abb. 21:
laufender absoluter Zuwachs nach Baumartengruppen und Eigentumsarten im Freistaat Sachsen
[m³/ Jahr] für die Prognoseperiode 2003-2012 (gemittelt) nach Waldentwicklungs- und
Holzaufkommensprognose
6 Zuwachs
44

7 Waldverjüngung
Die Waldverjüngung zeigt kurz- bis mittelfristige Änderungen der Waldbewirtschaftung auf,
insbesondere Änderungen in der Baumartenwahl sowie die Belastung der Wälder mit
Wildverbiss auf. Sie ist somit Weiser für Erfolge beim Waldumbau und für die Einhaltung
der forstlichen Nachhaltigkeit.
Die Struktur der Verjüngung bestimmt maßgeblich die Zusammensetzung der Baumarten
und ihre Qualität in den folgenden Lebens- und Erntephasen.
Die Erfassung der Verjüngungsstruktur und des Verbisses erfolgte in Probekreisen mit
Radien von 1 m bzw. 1,75 m und 10 m.
Aus den Daten wurden Baumartenanteile, Deckungsgrade, Verjüngungsvorräte,
Naturnähebewertungen und Verbissbelastungen abgeleitet.
Verjüngung im Sinne der Bundeswaldinventuranweisung sind Pflanzen ab 20 cm Höhe
und bis Baumhöhen von 4 m Höhe als Jungbestockung unabhängig von der
waldbaulichen oder wirtschaftlichen Zielsetzung im Einzelfall, dem Alter des Altbestandes
oder der Verjüngungsplanung bzw. -pflege aus der Forsteinrichtung im Zuge periodischer
Betriebsplanungen.
Deckungsgrade der Verjüngung
Auf knapp der Hälfte der Waldfläche Sachsens oder auf rd. 223 Tsd. ha finden sich
Jungbestockungen (Bäume unter 4 m Höhe) mit unterschiedlichen Deckungsgraden. Sie
stellen entweder abgedeckte Bestockungen aus Pflanzung oder Naturverjüngung dar oder
gehören einer zweiten Baumschicht in den Altbestockungen als Verjüngung unter Schirm
aus Voranbautätigkeit, Vorausverjüngung oder ökologische Unterbauten an.
Über die Hälfte dieser Flächen oder 153 Tsd. ha weisen Deckungsgrade von über 30 %
auf und zeigen das vorhandene Verjüngungspotential der sächsischen Wälder.
39%
34%
27%
< 30 %
30 - 50 %
>50 %
Abb. 22:
Gesamtdeckungsgrade der Jungbestockung (Bäume unter 4 m Höhe); nicht mit DG gewichtet
Die unerwartete Höhe der mit Verjüngung ausgestatteten Waldfläche hat ihre Ursache
neben der altersabhängig zunehmenden natürlichen Verjüngung auch in der
Erhebungsmethodik der Bundeswaldinventur, die unabhängig von betrieblichen oder
7 Waldverjüngung
45

waldbaulichen Erfordernissen oder Notwendigkeiten die vorhandene Verjüngung erhebt
und erfasst.
Die um den Deckungsgrad reduzierte Gesamtfläche der Jungbestockung beträgt
88 Tsd. ha. Bei dem überwiegenden Teil handelt es sich um Wirtschaftsbaumarten.
Der überwiegende Teil dieser Jungbestockungen mit rund 72 % oder 63 Tsd. ha kommt
als Verjüngung unter Schirm vor, rund 28 % oder 25 Tsd. ha sind bereits abgedeckt und
ohne Altholzschirm oder nach Kahlschlägen auf der Freifläche neu begründet worden und
bilden heute die Bestockungsschicht mit dem wirtschaftlichen Schwerpunkt, die
sogenannte Hauptbestockung.
Anteil nach Bestockungstypen
Natürliche oder künstliche Verjüngung
Nahezu alle Bestockungstypen der Waldverjüngung setzen sich je zur Hälfte aus
naturverjüngten bzw. künstlich begründeten Bestockungen zusammen. Insofern hat der
Anteil der naturverjüngten Bestockungstypen einen gegenüber den Altbestockungen
überproportional hohen Anteil hinzugewonnen.
Der überwiegende Teil der Jungbestockung stammt mit 54 Tsd. ha aus Naturverjüngung,
33 Tsd. aus Pflanzung und 2 Tsd. ha aus Saat oder Stockausschlag.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse neben einer einsetzenden natürlichen Walddynamik
unter dem schützenden Schirm der Altbestockungen auch die eingeleiteten
Umbautätigkeiten mit den Baumarten Buche und Eiche.
Den absolut höchsten Anteil an der Fläche der Jungbestockungen ohne wie unter Schirm
mit einer Gesamtfläche von rd. 21 Tsd. ha hat der Fichtentyp. Nach wie vor ist bei der
Neubegründung durch Pflanzung die Fichte flächenmäßig die bevorzugte und
bedeutendste Baumart. Bemerkenswert bleibt bei den Fichtentypen der hohe Anteil an
Jungbestockungen aus Naturverjüngung, die bei den insgesamt geringen Anteilen
hiebsreifer Fichtenbestockungen über 100 Jahre überrascht. Hier zeigt sich die bereits
früh einsetzende natürliche Verjüngungsfreudigkeit und -dynamik der Fichte unter dem
Schirm der Altfichten sowie die verstärkten Pflegeeingriffe vergangener Jahre.
Die zweitgrößte Gruppe bildet mit 18 Tsd. ha der Typ andere Baumarten niedriger
Lebensdauer, der sich überwiegend aus Eberesche, Aspe, Faulbaum und Weide
zusammensetzt und fast ausschließlich aus Naturverjüngung entstanden ist. Nimmt man
die Birkentypen mit 6 Tsd. ha hinzu so ergeben sich knapp 24 Tsd. ha mit einem
Gesamtanteil an der Jungbestockung von 27 %.
Es handelt sich hierbei um temporäre Zeitmischungen auflaufender Pionier- oder
Sukzessionsgehölze bzw. Nichtwirtschaftsbaumarten, die sich auf lichteren Stellen oder
nach verstärkter Waldpflege unter den Altbestockungen nach Kronenauflichtung natürlich
verjüngen und bei Bestandesschluss und ungünstigeren Belichtungsverhältnisse wieder
vergehen. Sie haben eine wichtige überwiegend ökologische Funktion und dienen zur
Bodenverbesserung, als Wildäsung oder als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
7 Waldverjüngung
46

Neben der Fichtentypen sind flächenmäßig die aus Pflanzung hervorgegangenen Kiefern-,
Eichen- und Buchentypen von Bedeutung. Alle Baumarten kennzeichnen die
waldbaulichen Schwerpunktaufgaben der Waldumbautätigkeit der vergangenen 15 Jahre.
Bei den Kiefernbestockungstypen unter 4 m Höhe sind etwa die Hälfte der
Jungbestockungen - wie bei der Fichte - nach wie vor gepflanzt. Die gängige
Kiefernkulturbegründung durch Vollumbruch mit anschließender Pflanzung hatte auf den
ärmeren Sandstandorten Nordostsachsens auch in den vergangenen Jahren nach wie vor
Bestand und findet entsprechende Anwendung.
Die Buche ist die typische Baumart der Voranbauten Mitte der 90er Jahre, die Eiche die
Baumart die sich auf den für Fichte problematischen labilen und windwurfgefährdeten,
wechselfeuchten Standorten als standorttypische Baumart, wie auch als Voranbaubaumart
in lichtere Kiefernalthölzer für die Einbringung geeigneter Herkünfte am besten eignet.
Die Fläche der vorgefundenen 7900 ha Buchentypen der Jungbestockung unter 4 m setzt
sich je zur Hälfte aus Naturverjüngung und gepflanzten Voranbauten zusammen.
Die Eichentypen wurde in den vergangenen Jahren überwiegend gepflanzt und teilen sich
je zu einem Drittel auf bereits abgedeckte oder auf der Freifläche begründete gepflanzte
Jungwüchse, auf Naturverjüngungen aus Hähersaat unter Schirm mit geringer Dichte,
hohem Verbissanteilen und mäßiger Holzqualität und auf vorangebaute gepflanzte Eichen
unter Schirm mit dem Ziel eines gesteuerten Baumartenwechsels.
Die Begründung von Wäldern über Saat oder Stockausschlag spielt in Sachsen eine eher
untergeordnete Rolle.
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
Waldfläche [ha]
Eichen-Typ
Buchen-Typ
Typ-ALH
Typ-ALN
Erlen und Eschen-Typ
Birken-Typ
Fichten-Typ
Kiefern-Typ
Lärchen-Typ
Typ mit mehreren Baumarten
Naturverjüngung
Pflanzung
sonstige
Gesamtfläche 88.853 Tsd. ha
Abb. 23
:Verjüngungsarten der Jungbestockung (Bäume unter 4 m Höhe) nach Verjüngungsart und
Bestockungstyp mit DG reduziert
7 Waldverjüngung
47

Bestockungstypen
Natur-
verjüngung
Pflanzung
sonstige
Summe
Eichen-Typ
1.416 3.630 140
5.186
Buchen-Typ
3.012 4.468 398
7.878
Typ-ALH
4.248 1.396 40
5.684
Typ-ALN
17.830 399 100
18.329
Erlen und Eschen-Typ
978 240 178
1.396
Birken-Typ
4.966 359 220
5.545
Fichten-Typ
9.274 11.787 240
21.301
Kiefern-Typ
7.619 6.263 99
13.981
Lärchen-Typ
40 957 140
1.137
Typ mit mehreren
Baumarten
4.926 3.091 180
8.197
Ta-, DGL-Typ
0 220 0
220
Summe
54.309
32.809
1.735
88.853
Tab
.
5
: Verjüngungsarten der Jungbestockung (Bäume unter 4 m Höhe) nach Verjüngungsart und
Bestockungstyp mit DG reduziert
Anteil Rein-Mischbestände an der Verjüngung
Die Jungbestockungen (< 4 m Höhe) sind in den Wäldern Sachsens zu knapp dreiviertel
überwiegend gemischt und zeigen gegenüber den Altbestockungen einen um 10 %-
Punkte höheren Anteil an Mischwäldern. Die Mischungen gehen schwerpunktmäßig auf
Laubbaumbeimischungen zurück.
Knapp die Hälfte oder 47 % der Jungbestockungen sind bereits mit Laubbaumarten
gemischt und weisen gegenüber den Altbestockungen mit 29 % deutlich höhere
Laubbaumbeimischungen auf, wobei aus Pflanzung entstandene Wälder einen etwas
geringeren Anteil an Mischbestockungen, insbesondere Laubbaumbeimischungen
aufweisen als die natürlich verjüngten Wälder.
Die gemischten Fichten- und Kiefernbestockungstypen sind zu über 50 %
Mischbestockungen. Die gemischten Bestockungen sind fast ausnahmslos mit
Laubbaumarten gemischt.
Reine Nadelwälder der nachfolgenden Waldgeneration haben deutlich abgenommen. Die
gepflanzten Fichtentypen der Jungbestockung bereits heute zu 60 % gemischt und zu 48
% mit Laubbaumbeimischungen versehen und zeigen die Abkehr von der
Reinbestandswirtschaft und das Bestreben stabile Mischwälder aufzubauen.
Insgesamt macht sich neben dem Waldumbau, auch eine veränderte
Bestandesbehandlung bemerkbar. Der Trend zu höheren Mischbaumartenanteilen und
das Belassen der Laubbaumbeimischungen zur Boden- und Klimaverbesserung ist klar
erkennbar. Darüber hinaus wurde für den nichtöffentlichen Wald in der Vergangenheit eine
Begründung von Mischbeständen mit gewissen Baumartenanteilen wirksam gefördert.
7 Waldverjüngung
48

In den Kleinprivatwäldern, im Unterstand vorhandener Nadelbaumbestockungen und auf
Sukzessionsflächen brachliegender Flächen ist das Baumartenspektrum durch den Anflug
von Birke, Aspe und Eberesche auch durch unterlassene Pflegemaßnahmen höher und
erklärt den hohen Mischungsanteil in der Waldverjüngung unter 4 m Höhe.
Die verbleibenden Restflächen der sächsischen Wälder sind ohne Jungbestockungen,
was auf die vorhandene Altersklassenstruktur mit entsprechend geringen Anteilen an
Altbestockungen über 100 Jahre zurückzuführen ist. Ein Großteil der jüngeren Wälder sind
besonders stammzahlreich, die älteren Wälder teilweise noch nicht in Verjüngung stehend
und eignen sich deshalb aufgrund ihrer momentan Struktur, deren Mischungsarmut und
Baumartenzusammensetzung nicht zur Ausbildung einer zweiten Baumschicht.
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Eichen-Typ
Buchen-Typ
Eschen-Typ
Birken-Typ
Erlen-Typ
Typ ALN
Typ-ALH
Fichten-Typ
Ta-DGL-Typ
Kiefern-Typ
Lärchen-Typ
mehrere gleichrangige Baumarten
alle Bestockungstypen
Nadelbeimischung
Laubbeimischung
Laub- und Nadel-Beimischung
ohne Beimischung
Abb. 24:
Bestockungstypen und Anteile der Beimischung an der Jungbestockung mit DG reduziert
7 Waldverjüngung
49

6 %
12 %
46 %
29 %
18 %
20 %
30 %
39 %
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Jungbestockung mit
DG red.
Altbestockung
ohne Beimischung
Laub- und Nadel-
Beimischung
Laubbeimischung
Nadelbeimischung
Abb. 25:
Vergleich der Mischungsarten nach Jungbestockung mit DG red. und der Altbestockung
Im Vergleich zu den Werten aller Bundesländer stellt sich die Verjüngung in den
sächsischen Wäldern als durchschnittlich dar und entspricht in ihren Anteilen gemischter
Jungbestockungen dem Bundestrend mit einem leicht höheren Anteil an
Nadelbeimischungen, einem gleich hohen Anteil an Laubbeimischungen, insgesamt einen
um 4 % höheren Reinbestandsanteil an der Jungbestockung.
7 Waldverjüngung
50

Verjüngungsvorrat unter Schirm
Der Zusammenhang zwischen der vorhandenen Jungbestockung unter Schirm und der
darüber liegenden Altbestockung spielt für die zukünftige Entwicklung der
Baumartenanteile, der weiteren Einbringung standortsgerechter Baumarten, der gezielten
Waldumbautätigkeit, der weiteren aktiven Waldverjüngung und der Einschätzung der
weiteren Entwicklung der Jungbestockung eine entscheidende Rolle. Der Aufbau
entsprechender Verjüngungsvorräte stellt zudem einen wesentlichen Beitrag zur
forstbetrieblichen Risikovorsorge gegen unvorhersehbare Schadereignisse im
Oberbestand dar.
Auf rd. 63.700 ha oder 13 % der Holzbodenfläche der sächsischen Wälder findet sich eine
zweite Baumschicht unter Schirm, die gegenüber der darüber stehenden Altbestockung
eine stark veränderte Baumartenzusammensetzung zeigt.
Während die Hauptbestockung noch dominierende Fichtentypen mit 42 % und
Kieferntypen mit 32 % aufweist, hat sich die Baumartenzusammensetzung in der
Verjüngung unter Schirm auffällig stark verändert. Beide Typen haben zusammen nur
noch knapp ein Drittel der Verjüngungsfläche unter Schirm. Die übrigen Flächenanteile
zeigen die vorhandene mögliche Vielfalt der sächsischen Wälder auf.
An die Stelle der Nadelbaumtypen treten in der Verjüngung die Pioniergehölze Eberesche,
Birke, Aspe sowie Roterle mit insgesamt einem Drittel. Sie dienen als ökologische
Beimischung oder haben auf entsprechenden Standorten wesentliche wirtschaftliche
Bedeutung (Roterle). Hinzu kommen die Buche und Eiche aus Naturverjüngung und
Voranbautätigkeit. Einen höheren Anteil erhält der Bestockungstyp andere Baumarten mit
höherer Lebensdauer, der sich aus Ahorn und Esche zusammensetzt und überwiegend
aus Naturverjüngung entstanden ist.
Regional findet er sich auf den besseren Standorten des Hügellandes mit
nährstoffreicheren Böden unter Eiche aber auch unter Fichte auf typischen
Laubbaumstandorten. Ein etwa 10 Prozentpunkte hoher Anteil des Bestockungstyps mit
mehreren gleichrangigen Baumarten charakterisiert die vorhandenen Buntmischungen, die
sich zumindest aus drei oder mehr Baumarten mit gleich hohen Anteilen
zusammensetzen.
7 Waldverjüngung
51

7%
3%
7%
2%
2%
42%
32%
2%
1%
2%
Eichen-Typ
Buchen-Typ
Birken-Typ
ALN (EBE; ASP)
ALH (ES;AH)
Fichten-Typ
Kiefern-Typ
Lärchen-Typ
Erlen-Typ
Typ mit mehreren gleichrangigen
Baumarten
6%
11%
27%
8%
20%
11%
10%
5%
2%
Abb. 26:
Vergleich der Zusammensetzung der Altbestockung (> 4 m Höhe) mit der Verjüngung unter
Schirm (< 4 m; mit DG red.) nach einzelnen Bestockungstypen
Insgesamt bestimmt die Hauptbaumart maßgeblich die vorhandene auflaufende
Verjüngung unter Schirm. Die ist bei den Kiefern- wie Fichtenbestockungstypen deutlich
erkennbar. Fichte verjüngt sich schon sehr früh unter Fichtenalthölzern, Kiefer unter
Kiefern im lichteren Bestandesrand.
Betrachtet man die flächenmäßig bedeutenden Fichtentypen der Altbestockung, so ist der
unter den Altfichten aufgelaufene Verjüngungsvorrat mit dominierenden
Fichtenbestockungstypen besonders auffällig und hat einen Schwerpunkt in den mittleren
Lagen, der Westabdachung des Erzgebirges und den mineralischen Nassstandorten des
Tieflandes mit autochthonen Fichtenvorkommen.
Hinzu tritt die konkurrenzschwache und verbissgefährdete Eberesche die den Typ andere
Baumarten mit niedriger Lebensdauer bestimmt. Deutlich erkennbar ist auch der aus
Voranbau stammende Buchenanteil in der Verjüngung, der die forstliche Umbautätigkeit
des vergangenen Jahrzehnts dokumentiert.
7 Waldverjüngung
52

Zukünftig bedeutsam wird hierbei, in wieweit der Anteil der Laubbaumarten im
Verjüngungsvorrat bei verstärkter Erntetätigkeit gehalten werden kann und welche
Baumarten die Pioniergehölze ersetzen werden.
Unter den Altbestockungen der Kieferntypen erweitert sich aufgrund der lichtökologischen
Verhältnisse die Baumartenpalette. Hier treten die Eiche aus Hähersaat und Voranbau, die
Rotbuche auf den Laubbaumstandorten Nordwestsachsens hinzu.
Weitere bedeutsame Bestockungstypen der Verjüngung unter Schirm finden sich unter
den Altbestockungen von Eiche und Birke. Besonders auffällig sind die geringen Anteile
der Hauptbaumarten aus der Altbestockung, die sich in der Verjüngung nicht wieder
finden.
Eichentypen wurden in der Vergangenheit oft künstlich begründet und haben noch nicht
die Alter erreicht bzw. stehen noch nicht zur Verjüngung an, reine Birkentypen stehen sehr
oft auf Nasstandorten mineralischer und organischer Prägung und sind vollständig mit
einer verdämmenden Begleitvegetation aus Adlerfarn oder Schilf unterstanden, was die
Ausbildung einer Verjüngungsschicht verhindert. Als lichtbedürftiger Rohbodenpionier
siedelt Sie sich deshalb eher auf Freiflächen an.
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
Waldfläche [ha]
Eichen-Typ
Buchen-Typ
Birken-Typ
Typ ALN
Typ ALH
Fichten-Typ
Kiefern-Typ
Eichen-Typ
Buchen-Typ
Birken-Typ
Erlen-Typ
Typ ALN (GEB; ASP)
Typ ALH (ES, AH)
Fichten-Typ
Kiefern-Typ
Typ mit mehreren gleichrangigen Baumarten
Bestockungstypen
Altbestockung
Abb. 27:
ausgewählte Bestockungstypen der Altbestockung > 4m und der darunter vorkommenden
Verjüngung unter dem Schirm, mit DG reduziert
7 Waldverjüngung
53

Verbiss und Zaunfläche
Wildverbiss durch die Schalenwildarten Rot-, Dam-, Muffel- und Rehwild aber auch Hase
und Kaninchen an der aufkommenden Naturverjüngung und den gepflanzten Kulturen
führt zu Zuwachs- und Qualitätsverlusten, Entmischungen oder Totalausfall von Pflanzen
und verhindert den Aufbau der nachwachsenden Waldgeneration. Er gefährdet bei zu
hoher Wilddichte den Aufbau stabiler Mischwälder und in extremen Fällen den Kulturerfolg
neu begründeter Waldbestände bzw. den Waldumbau.
Für verbissempfindliche Baumarten, wie Tanne und Eiche sowie bei
Waldumbaumaßnahmen mit bisher seltenen Baumarten bleibt vielerorts neben der
Anpassung des Wildstandes auf eine waldbauliche tragbare Dichte nur der Zaun als letzte
Schutzmaßnahme zur Absicherung des Kulturerfolgs und Verhinderung größerer
ökologischer und monetärer Schäden für den Waldbesitzer.
Im Rahmen der Erhebungen der Bundeswaldinventur wurden Zaunfläche und Länge in
den sächsischen Wäldern erfasst und erhoben.
In den sächsischen Wäldern sind 12.366 ha Waldfläche unter Zaunschutz, dies entspricht
einem Anteil von 2,4 % an der Waldfläche. Im Bezug zum Bundesdurchschnitt von 2,6 %
ist dies ein leicht unterdurchschnittlicher Wert.
Relativ zur Waldfläche hat der Körperschaftswald in Sachsen mit einem Anteil von 3,4 %
die höchsten Anteile gezäunter Waldflächen aller Eigentumsarten. Im Landeswald, der
Eigentumsform mit den höchsten Verjüngungsanteilen beträgt der Anteil gezäunter
Waldfläche 2,7 %.
Neben der Förderung und Unterstützung von Waldumbaubestrebungen spielt die
vorhandene Altersklassenausstattung der einzelnen Waldbesitzer mit entsprechend
höheren Anteilen an Verjüngungsbeständen, die Schalenwilddichte, die Verpachtung der
Waldflächen an Jagdpächter über die Jagdgenossenschaft, sowie die vorhandene
Wilddichte den größten Einfluss auf die Notwendigkeit von Zaunflächen.
7 Waldverjüngung
54

image
image
798
1.994
3.789
598
12.366
5.186
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
10.000
11.000
12.000
13.000
2,4%
1,0%
2,2%
3,4%
2,7%
2,6%
Staatswald (Bund)
Staatswald (Land)
Privatwald
Treuhandwald
alle Eigentumsarten
0,0%
0,5%
1,0%
1,5%
2,0%
2,5%
3,0%
3,5%
4,0%
Anteil an der Waldflächge [%]
Zaunfläche nach
Eigentumsart
Anteil der Zaunfläche an
der Waldfläche
gezäunte Waldfläche [ha]
Abb. 28:
Zaunfläche und Anteil an der Waldfläche getrennt nach Eigentumsarten
31,0%
2,9%
22,6%
18,8%
18,8%
1,1%
11,4%
1,7%
11,0%
47,6%
5,3%
15,5%
16,0%
17,1%
5,7%
3,7%
4,6%
14,6%
34,1%
3,6%
20,3%
17,3%
18,1%
1,5%
7,1%
2,2%
12,1%
0%
5%
10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45% 50% 55%
Eiche
Buche
andere Lb hoher
Lebensdauer
andere Lb niedriger
Lebensdauer
alle Laubbäume
Fichte
Kiefer
alle Nadelbäume
alle Baumarten
Verbissprozente [%]
20 - 130 cm Höhe
50 -130 cm Höhe
20 - 50 cm Höhe
Abb. 29:
Verbissprozente nach Baumartengruppen und Größenklassen von 20 cm bis 1,30 m
7 Waldverjüngung
55

Bei der Bundeswaldinventur wurde der Terminaltriebverbiss der vergangenen 12 Monate
in zwei Höhenstufen (20-50 cm und 50 cm bis 1,30 m) unabhängig von
Verjüngungsschwerpunkten oder Hiebsreife des Altbestandes erhoben. Sie liefert deshalb
ein flächigen Eindruck der Verbissbelastung des gesamten sächsischen Waldes.
Die Verbisssituation aller Baumarten in Sachsen zeigt mit 12,1% verbissenen Pflanzen in
der Höhenstufe 20 cm bis 1,30 m im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 18, 3 % eine
geringere und nur moderate Verbissbelastung an.
Zieht man jedoch die absolute Pflanzenzahl pro Hektar als Maßstab hinzu so fällt auf,
dass die Nichtwirtschaftsbaumarten und die Fichte durch die hohen Pflanzenzahlen aus
Naturverjüngung ein differenziertes Bild der Verbisssituation wiedergeben.
Hinzu kommt aufgrund der Altersklassenstruktur die in Sachsen geringe Anzahl an
Verjüngungsbeständen, in denen die für das Wild unattraktiveren Nadelbäume nicht
vorhanden sind.
Nach wie vor sind die wirtschaftlich wichtigen Laubbaumarten stark verbissen.
Die Baumartengruppen andere Baumarten niedriger Lebensdauer mit Eberesche, Aspe,
Weide und Pappel aber auch die Fichte sind die Baumarten mit den mit Abstand höchsten
absoluten Pflanzenzahlen pro Hektar in der Höhenstufe 20 cm bis 1,30 m. Sie liegen mit
den Pflanzenzahlen um das dreifache bis fünffache höher als Buche, Eiche, Kiefer, Ahorn
und Esche und beeinflussen deshalb maßgeblich das gesamte Verbissprozent. Sie
täuschen über die tatsächliche Belastung der Wirtschaftsbaumarten etwas hinweg.
Die Verbissbelastung in den einzelnen Eigentumsarten liegt im Bundeswald mit 26,1 % am
höchsten gefolgt von Privatwald (20,2 %), Körperschaftswald (19,1 %), Treuhandwald (9,9
%) und Landeswald (6,2 %).
Die Ursache für das hohe Verbissprozent im Bundeswald ist in der vorhandenen
Altersklassenverteilung, der überwiegenden Lage im Rotwildgebiet, den wenigen
Verjüngungsbeständen und der Baumarten- bzw. Mischungsarmut in den vorhandenen
Kiefernbeständen zu suchen. Seltene Laubbaumarten werden deshalb dort stärker
verbissen.
Das geringe Verbissprozent im Landeswald geht auf die hohen Pflanzenzahlen der Fichte
aus Naturverjüngung im Höhenrahmen von 20-50 cm zurück.
Eiche, Ahorn, Esche und Hainbuche sind insgesamt die Baumarten mit besonders hoher
Verbissattraktivität.
Die Eiche ist die mit Abstand am stärksten verbissene Baumart. Jede dritte Eiche, jede
vierte Esche oder Ahorn ist verbissen. Ab einer Pflanzenhöhe über 50 cm nimmt die
Verbissbelastung der Eiche stark zu sobald die Pflanzen die Äserhöhe des Schalenwildes
erreichen und aus der vorhandenen Bodenvegetation herauswachsen.
Bestimmte Baumarten (welche ???) weisen ab 50 cm Pflanzenhöhe allerdings keine
höheren und frisch verbissenen Pflanzen mehr auf und fallen deshalb durch das
Erhebungsmuster der Bundeswaldinventur.
7 Waldverjüngung
56

Die typische Voranbaubaumart Buche ist verhältnismäßig gering verbissen, was aus einer
konsequenten Zäunung der vergangenen Jahre resultiert. Lokal ist ein Verlust der
Verbissattraktivität durch großflächige bereits vorhandene Umbaumaßnahmen zu
verzeichnen Zusätzlich haben viele der Voranbauten den Höhenrahmen für eine
Erfassung durch die Bundeswaldinventur bereits überschritten..
Die Ergebnisse der Verbissbelastung zeigen im Vergleich zum Verbiss- und
Schälgutachten, trotz anderer Erhebungsmethodik, eine hohe Übereinstimmung und
bestätigen die Zahlen der letzten Erhebung für die Jagdbezirke.
Nur langjährige Trends und die Verbissbelastung einzelner Baumarten verteilen sich im
direkten Vergleich etwas anders. Die Verbissbelastung der Kiefer ist aufgrund der
geringeren Pflanzenzahlen etwas höher als bei der Fichte.
Insgesamt bedürfen die verbissempfindlichen Wirtschaftsbaumarten, wie die Eiche noch
zu häufig einen Zaunschutz um Sie verjüngen zu können.
7 Waldverjüngung
57

8 Ökologie und Naturnähe der Wälder
Neben „klassischen ertragskundlichen Fragestellungen war die Information zur Naturnähe
der Wälder ein qualitativ neues Ziel der Bundeswaldinventur. Dazu wurde die aktuelle
vorgefundene Baumartenzusammensetzung mit der heutigen potenziell natürlichen
Waldgesellschaft (hPNV) des jeweiligen Standortes verglichen und einer Naturnähestufe
zugeordnet.
Unter heutiger potenziell natürlicher Waldgesellschaft ist die Waldgesellschaft zu
verstehen, die sich ohne den Einfluss des Menschen auf dem jeweiligen Standort
einstellen würde.
Die hPNV wurde den einzelnen Stichprobenpunkten anhand von vegetationskundlichen
Ökogrammen unabhängig von Bestandesgrenzen höhenzonal und regional
unterschiedlich zugeordnet. Die Zuordnung und der Vergleich zwischen aktueller
Zusammensetzung mit der natürlichen Waldgesellschaft erlaubt Rückschlüsse auf die
ökologische Stabilität und Vielfalt der Wälder.
Natürliche Waldgesellschaften sind in ihrer Artzusammensetzung im Wesentlichen stabil
und kehren auch Störungen durch Waldbrand oder Sturmereignisse mittelfristig wieder in
Ihren ursprünglichen Zustand zurück.
In die Zusammensetzung und Beschreibung der einzelnen natürlichen Waldgesellschaften
wurden sowohl die autochthonen, als auch die eingebürgerten Baumarten und die
Pioniergehölze einbezogen (vgl. Tab. 6).
Ohne den Einfluss des Menschen wären mit 53,6 % mehr als die Hälfte der bewaldeten
Landesfläche Sachsens durch Buchenwälder geprägt. Den größten Anteil nehmen die
mäßig bodensauren Buchenwälder des Luzulo-Fagetums kolliner und submontaner
Prägung ein. Regionale Schwerpunkte liegen im kollinen Bereich des sächsischen
Hügellandbereichs. Hier kommen Traubeneiche und Kiefer als natürliche Mischbaumarten
hinzu.
In submontanen Höhenstufen ist der Bergahorn, die Fichte und die Tanne die Begleit- und
Mischbaumarten dieser dominierenden natürlich vorkommenden Waldgesellschaft, die als
stete Charakterart die namensgebende Weiße Hainsimse (Luzula luzoloides) aufweist.
Mit zunehmender Höhenlage, höheren Niederschlägen und geringerer Temperatur nimmt
der Anteil der Fichte zu und die bodensauren artenarmen Buchenwälder gehen über in
den Fichten-Buchenwald submontan bis montaner Höhenstufe.
8 Ökologie und Naturnähe
58

image
image
Abb. 30:
Waldtrakte mit Zuordnung Hainsimsen-Buchenwald z.T. mit Tanne als natürliche Waldgesellschaft
Als weitere wichtige Gruppe der natürlichen Waldgesellschaften folgen mit 39,4 % die auf
unterschiedlichsten Standorten vorkommenden Eichenwälder. Trauben- und Stieleiche
besiedeln, je nach Nährstoffangebot und Bodenfeuchte unterschiedliche ökologische
Nischen.
Den höchsten Anteil unter den Eichenwäldern nehmen bodensaure Preiselbeer-
Eichenwälder ein. Auf den trockeneren niederschlagsärmeren und mit Nährstoffen
unterversorgten Standorten des sächsischen Tieflandes und den Dünengebieten
Nordostsachsens ist das natürliche Verbreitungsgebiet dieser natürlichen
Waldgesellschaft.
Je nach Nährstoffgehalt und Niederschlagsmenge treten Preiselbeer-Eichenwälder vor
allem auf degradierten Eichenstandorten eng vergesellschaftet, mit den auf ärmsten und
trockensten Standorten vorkommenden Weißmoos-Kiefernwälder auf.
Auf den nährstoffarmen aber stark vernässenden teilweise auch anmoorigen Standorten
bilden sich natürlicherweise Birken-Stieleichenwälder aus.
8 Ökologie und Naturnähe
59

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image
Abb. 31:
Waldtrakte mit Zuordnung Preiselbeer-Eichenwald als natürliche Waldgesellschaft
Auf den nährstoffreicheren aber mäßig trockenen Standorten mit geringeren
Niederschlägen finden sich die wärmeliebenden Waldlabkraut-Hainbuchen-
Traubeneichenwälder, die bei nachlassender Konkurrenzkraft der Buche vor allem im
Hügellandsbereich natürlich die Standorte besiedeln würden.
Typische Fichtenwälder kämen ohne den Einfluss des Menschen nur auf verschwindend
geringen Waldflächen der montanen raueren Lagen des Erzgebirges, Teile des
Vogtlandes, der Geyerschen Platte und des Zittauer Gebirges in den Moorrandbereichen
und mineralischen Nassstandorten der Hoch- und Kammlagen bestandesbildend vor.
Die Waldgesellschaften azonaler Standorte sind hinsichtlich ihrer Flächenausdehnung von
untergeordneter Bedeutung. Aufgrund ihrer speziellen Anforderungen an Standort und
Klima sind diese Lebensgemeinschaften natürlicherweise seltener und nehmen keine
größeren Flächen ein. Gerade Sie beherbergen aber hoch angepasste Tier- und
Pflanzenarten.
8 Ökologie und Naturnähe
60

Natürliche Waldgesellschaft (hPNV)
Fläche
[ha]
Anteil
[%]
Anteil
sehr naturnaher
und naturnaher Wälder
[%]
Hainsimsen-Buchenwald, z.T. mit Tanne
213.207
44,7%
7,8%
Waldmeister-Buchenwald, z.T. m. Tanne
9.573
2,0%
8,3%
Fichten-Buchenwald
32.909
6,9% 84,9%
Buchenwälder
255.689
53,6%
17,7%
Buchen-Traubeneichenwald
2.393
0,5% 33,3%
Birken-Stieleichenwald
24.931
5,2% 44,0%
Preiselbeer-Eichen- u. Weißmoos-
Kiefernwälder
86.559
18,1% 35,5%
Sternmieren-Hainbuchen-Stieleichenwälder
29.717
6,2%
22,1%
Waldlabkraut-Hainbuchen-
Traubeneichenwälder
44.676
9,4% 17,0%
Eichenwälder
188.277
39,4%
30,1%
Bergreitgras-Fichtenwald
17.352
3,6% 83,9%
Nadelwälder
17.352
3,6%
83,9%
Traubenkirschen-Erlen-Eschenwälder
1.396
0,3%
0,0%
Bach-Eschenwälder
3.191
0,7% 6,2%
Stieleichen-Ulmen-Hartholzauewald
2.792
0,6%
42,9%
Schwarzerlen-Bruch- u. Sumpfwälder
2.992
0,6%
33,3%
Rauschbeeren-Moorwälder
2.792
0,6% 57,1%
azonale Waldgesellschaften
wassergeprägter Standorte
13.163
2,8%
30,3%
Ahorn-Eschenwald
798
0,2% 50,0%
Edellaubbaum-Steinschutt- u. Blockhangwald
1.994
0,4%
40,0%
sonstige azonale Waldgesellschaften
2.792
0,6%
42,9%
alle natürliche Waldgesellschaften
477.273
100,0%
25,5%
Tab. 6:
Verteilung der potenziell natürlichen Waldgesellschaften auf die Waldfläche Sachsens und Anteil
sehr naturnaher und naturnaher Wälder
8 Ökologie und Naturnähe
61

Heutige Baumartenzusammensetzung der potenziell natürlichen Waldgesell-
schaften nach Bestockungstypen
Die sächsischen Wälder stellen sich gegenüber der idealen Verteilung der natürlichen
Waldgesellschaften als nahezu vollständig mit Nadelbaumarten überprägt dar.
Die natürlichen Baumarten der hPNV sind großflächig verschwunden oder kommen nur
noch in Relikten vor. Die Fichte und Kiefer sind aufgrund von Holznot vergangener
Jahrhunderte, der besseren Eignung als Bauholz, des einsetzenden Erzbergbaus, der
schnelleren Wiederbewaldungstendenz, der höheren Rentabilität der Holzerträge forciert,
bevorzugt angebaut und gefördert worden.
Während die kleinflächigeren azonalen Waldgesellschaften auf den Sonderstandorten der
Bachtälchen, Moor- und Hangstandorte ihre ursprüngliche Baumartenzusammensetzung
noch sehr nahe kommen sind auf den terrestrischen und forstwirtschaftlich nutzbaren
wüchsigeren Standorten der bodensauren Buchenwälder großflächig
Fichtenbestockungstypen vorhanden. Insgesamt sind von den 213 Tsd. ha Standorten, die
den bodensauren Buchenwäldern zugeordnet werden rd. 127 Tsd. ha mit Fichtentypen
und rd. 32 Tsd. ha mit Kieferntypen bestockt.
Regional großflächiger finden sich die Fichtenbestockungstypen auf Buchenstandorten in
den mittleren Lagen des Erzgebirges sowie den Unteren Lagen aller anderen
Wuchsgebiete.
Im kollinen Höhenstufen mit klimatisch günstigeren und wärmeren Standorten tritt bei den
bodensauren Buchenwäldern die Kiefer und die Traubeneiche als Mischbaumart hinzu.
Die Buchengesellschaften dieser natürlichen Höhenstufen sind fast ausnahmslos in
Kiefernbestockungen mit nur geringen Anteilen der beiden natürlichen Mischbaumarten
umgewandelt worden. Regionale Schwerpunkte finden sich im westlichen Teil des
Wuchsgebietes Düben-Niederlausitzer Altmoränenland und auf den laubbaumfähigen
Standorten der Düben- und Dahlener Heide.
Die natürliche Verbreitung von nährstoffliebenderen Buchenwaldgesellschaften, wie dem
Waldmeister-Buchenwald, beschränkt sich in Sachsen regional und eher kleinstandörtlich
auf Bereich des Vogtlandes, des Lausitzer Löß-Hügellandes, des Oberlausitzer
Berglandes und den Insellagen des Sächsisch-Thüringischen-Lößhügellandes.
Die typischen natürlicherweise für die Fichte des Bergreitgras-Fichtenwaldes incl.
Bergmischwald oder Fichten-Buchenwaldes vorgesehenen Standorte der Hoch- und
Kammlagen sind nahezu ausnahmslos mit Fichte und insofern überwiegend natürlich
bestockt.
8 Ökologie und Naturnähe
62

0
50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
Hainsimsen-Buchenw ald,
z.T. mit Tanne
Waldmeister-Buchenw ald,
z.T. m. Tanne
Fichten-Buchenw ald
Birken-Stieleichenw ald
Preiselbeer-Eichen- u.
Weißmoos-Kiefernw ald
Sternmieren-Hainbuchen-
Stieleichenw ald
Waldlabkraut-Hainbuchen-
Traubeneichenw ald
Bergreitgras-Fichtenw ald
Fläche [ha]
Eichen-
Typ
Buchen-
Typ
Eschen-
Typ
Birken-
Typ
Erlen-
Typ
ALN-
Typ
ALH-
Typ
Fichten-
Typ
Kiefern-
Typ
Lärchen-
Typ
T. mehr.
gleichr.
BA
Abb. 32:
aktuelle Baumartenzusammensetzung der Hauptbestockung der heutigen potenziell natürlichen
Waldgesellschaften (Auswahl der wichtigsten Waldgesellschaften)
Von den 39,4 % potenziellen Eichenwäldern nehmen die wärmeliebenden Waldlabkraut-
Hainbuchen-Traubeneichenwälder innerhalb der Gruppe den zweitgrößten Anteil ein und
kämen natürlicherweise auf rd. 45 Tsd. ha vor. Ihren regionaler Schwerpunkt sind die
trockeneren besser nährstoffversorgten Kuppen der Wuchsgebiete Sächsisch-
Thüringisches-Lößhügelland sowie der Lausitzer Platte und Elbtalzone, wo die
Konkurrenzkraft der ansonsten dominierenden Buche nachlässt. Die Übergänge zwischen
den Buchen- und Eichenwaldgesellschaften sind auf diesen Standorten fließend. Die
namensgebende Eiche hat an der heutigen Baumartenzusammensetzung nur noch einen
bescheidenen Anteil.
Auf den degradierten ärmeren Eichenstandorten Nordostsachsens, den potenziellen
bodensauren Eichenwälder oder Preiselbeer-Eichenwäldern, finden sich heute
ausnahmslos eine Bestockung aus großflächig dominierenden Kiefernreinbeständen.
Diese sind im Oberstand in der Regel arm an Mischbaumarten. Sie erfüllten in der
Vergangenheit auf diesen Standorten die Zielrichtung Holzproduktion deutlich besser,
waren nicht so verbissgefährdet und waren zudem einfacher zu begründen als die
natürlicherweise vorkommende Eiche.
Die typischen lückigen bodensauren Weißmoos-Kiefernwälder der trockenen
nährstoffarmen Binnendünenstandorte finden sich mit einem regionalen Schwerpunkt im
Nochtener-Dünengebiet in inniger Verzahnung mit den Preiselbeer-Eichenwälder der
besseren und etwas nährstoffreicheren Standorte.
8 Ökologie und Naturnähe
63

Naturnähebewertung der aktuellen Baumartenzusammensetzung
Aus der Gegenüberstellung der aktuellen Bestockung mit den natürlich vorkommenden
Waldgesellschaften und deren Zusammensetzung lassen sich Naturnähestufen ableiten.
Bei der Zuordnung zu einer Naturnähestufe werden das aktuelle Baumartenspektrum am
Stichprobenpunkt mit der Zusammensetzung der Waldgesellschaft getrennt nach Haupt
Neben- und Pionierbaumarten höhenzonal und regional miteinander verglichen.
Der jeweilige Anteil der Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten bestimmt die Zuordnung zu
den insgesamt fünf Naturnähestufen. Die Naturnähestufen unterteilen sich in sehr
naturnah, naturnah, bedingt naturnah, kulturbetont und kulturbestimmt. Die
Zuordnungskriterien der einzelnen Naturnähestufen finden sich in Tabelle 7.
Der sächsische Wald entspricht in der Hauptbestockung in seiner aktuellen
Baumartenzusammensetzung nur zu einem Viertel (25,5 %) den Naturnähestufen sehr
naturnah und naturnah und damit der für den jeweiligen Standort höhenzonal und regional
vorgesehenen Baumartenzusammensetzung der natürlichen Waldgesellschaft.
Der überwiegende Teil des sächsischen Waldes ist den naturferneren Stufen bedingt
naturnah (45,9 %) über kulturbetont (6,7 %) bis kulturbestimmt (21,9 %) zugeordnet.
Die Ursache für die geringen Anteile naturnaher Bestockungen ist neben einer naturfernen
Bestockung aus Fichte und Kiefer auch im Anteil nichtheimischer Baumarten
(Murraykiefer, Blaufichte, Roteiche, Robinie und Weymouthskiefer) zu suchen. Sie finden
sich großflächiger in den Rauchschadgebieten und Aufforstungen auf Kippenflächen des
Braunkohletagebaus.
Diese Ersatzbaumarten waren auf diesen Flächen die einzige Möglichkeit die Wälder zu
erhalten und dienten neben dem Walderhalt, der ökologischen Stabilisierung sowie dem
Bodenschutz.
Der mit 45,9 % hohe Anteil der Naturnähestufe bedingt naturnah resultiert aus den in fast
allen Wäldern vorhandenen Anteilen an Pionier- und Mischbaumarten, die bei auch bei
geringen Anteilen der Hauptbaumarten zu einer mittleren Naturnähestufe führen.
Die höchsten Anteile sehr naturnaher und naturnaher Wälder finden sich in den montanen
und submontanen Höhenlagen auf den Standorten die den natürlichen Waldgesellschaften
des Fichten-Buchenwaldes und des Bergreitgras-Fichtenwaldes zugeordnet werden. Hier
erreichen die Anteile der beiden höchsten Naturnähestufen 84,9 % (Fichten-
Buchenwaldes) bzw. 83,9 % (Bergreitgras-Fichtenwaldes). In diesen natürlichen
Waldgesellschaften finden sich entweder die Fichte oder die Buche als führende
Hauptbaumart.
Im planaren Bereichen des Tieflandes erreicht der Preiselbeer-Eichenwald und der
Weißmoos-Kiefernwald durch den aktuell hohen Kiefernanteil Werte sehr naturnaher und
naturnaher Wälder von 35,5 %.
Den höchsten Naturnäheanteil unter den Eigentumsarten hat der Bundeswald, der mit
46,4 % sehr naturnaher und naturnaher Bestockungen aufgrund seiner in den jeweiligen
Regionen natürlichen Kiefern- und Eichenanteile sich gegenüber den anderen
Eigentumsarten klar abhebt.
8 Ökologie und Naturnähe
64

Naturnähestufen der Bundeswaldinventur
Naturnähestufe
Kriterien für die Naturnähe der Baumartenzusammensetzung
(und-Verknüpfung)
sehr naturnah
Alle
Baumarten
der natürlichen Waldgesellschaft
(incl. Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten)
Alle
Hauptbaumarten
der natürlichen
Waldgesellschaft vorhanden
Vollständigkeit der Hauptbaumarten der natürlichen
Waldgesellschaft
Anteil außereuropäischer Baumarten
90 %
50 %
= 100 %
10 %
naturnah
Alle Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft
(incl. Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten)
Alle
Hauptbaumarten
der natürlichen
Waldgesellschaft vorhanden
Vollständigkeit der Hauptbaumarten der natürlichen
Waldgesellschaft
Anteil außereuropäischer Baumarten
75 % und < 90 %
10 % und < 50 %
< 100 %
> 10 % und
30 %
bedingt naturnah
Alle Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft
(incl. Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten)
Alle
Hauptbaumarten
der natürlichen
Waldgesellschaft vorhanden
50 % und < 75 %
< 10 %
kulturbetont
Alle
Baumarten
der natürlichen Waldgesellschaft
(incl. Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten)
25 % und < 50 %
Kulturbestimmt
Alle
Baumarten
der natürlichen Waldgesellschaft
(incl. Haupt-, Neben- und Pionierbaumarten)
< 25 %
Tab. 7:
Naturnähestufen und Zuordnungskriterien
Naturnähe der Hauptbestockung nach Bestockungstypen
Die sehr naturnahen und naturnahen Bestockungen setzen sich zum überwiegenden Teil
aus Fichte und Kiefer zusammen. Die höheren Lagen des Erzgebirges und die armen und
sehr trockenen Sandstandorte des Tieflandes sind aktuell mit der Baumart des
Waldreitgras-Fichtenwaldes und des Weißmoos-Kiefernwaldes bzw. Preiselbeer-
Eichenwaldes natürlich bestockt.
8 Ökologie und Naturnähe
65

Im Vergleich zu ihrem Flächenanteil sind die einzelnen Laubbaumtypen relativ zu ihrem
Flächenanteil deutlich naturnäher als die großräumig dominierenden Nadelbaumtypen.
Angesichts der geringen Flächenanteile der Rotbuche an der Waldfläche ist der Anteil der
höheren Naturnähestufen sehr naturnah und naturnah mit 68 % besonders
bemerkenswert und von allen Bestockungstypen am höchsten.
Es folgen Eschen- Eichen- und Ahorntypen, die aber aufgrund ihrer geringen
Flächenanteil nur geringe Bedeutung erlangen.
Die Naturnähestufe sehr naturnah und naturnah setzen sich aus folgenden
Bestockungstypen zusammen:
Fichtentypen (48 Tsd. ha), Kieferntypen (35 Tsd. ha), Buchentypen (12 Tsd. ha) und
Eichentypen (10 Tsd. ha/. Die höchsten absoluten Anteil haben die Bestockungstypen mit
den beiden in Sachsen vorkommenden führenden Hauptbaumarten Fichte und Kiefer.
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90% 100%
Anteil [%]
Eichen-Typ
Buchen-Typ
Eschen-Typ
Birken-Typ
Erlen-Typ
Typ ALN
Ahorn-Typ
Fichten-Typ
Douglasien-Typ
Kiefern-Typ
Lärchen-Typ
Typ mit mehreren BA
sehr naturnah
naturnah
bedingt naturnah
kulturbetont
kulturbestimmt
Abb.33:
Anteile der Naturnähestufen an der Hauptbestockung einze