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Landesentwicklungsbericht 2015
Bevölkerung
Raumordnung
Wirtschafts- und
Verkehrsinfrastruktur
Daseinsvorsorge
Freiräume
Raumstruktur

Titelfotos:
Stiftung Lesen – Kindergarten (Stiftung Lesen)
Dresden (SMI, Petroschka)
Leipzig (DOP © Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen 2015)
Kinderuni (TU Chemnitz, Wolfgang Thieme)
Autobahn A72 (SMI, Petroschka)
Sächsische Schweiz (SMI, Petroschka)

Landesentwicklungsbericht 2015

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Vorwort
| 3
Liebe Leserinnen und Leser,
Sie halten nun den neuen Landesentwicklungsbericht des Freistaates Sachsen in den Händen. Er fasst wesentliche
Entwicklungen der Jahre 2010 bis 2014 zusammen und schließt damit nahtlos an den letzten Landesentwick-
lungsbericht aus dem Jahr 2010 an.
In dieser Zeit hat sich unsere Heimat wieder sehr verändert. Wachsende Großstädte und Wegzug aus dem länd-
lichen Raum, demografischer Wandel und Aufnahme tausender Asylbewerber, dynamische wirtschaftliche Rah-
menbedingungen und neue Herausforderungen für Sicherheit und Demokratie - all dies sind Fakten und Um-
stände, die im Berichtszeitraum festzustellen bzw. von Bedeutung waren.
Bei alledem ist Sachsen ein Land der Vielfalt geblieben. Einzigartige Kulturlandschaften, lebendige Städte und
Dörfer prägen die Identität unseres Freistaates und das Lebensgefühl seiner Bürgerinnen und Bürger. Es ist Auf-
gabe der Landesentwicklung, diese Vielfalt zu wahren. Für mich bedeutet Landesentwicklung deshalb immer auch
Heimatpflege.
Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch den vorliegenden Bericht. Im Vordergrund steht dabei die
Betrachtung raumordnerischer Belange und die im Landesentwicklungsplan 2013 formulierten Ziele und Grund-
sätze. Letztere haben wir im August 2013 beschlossen. Für einen Zeitraum von rund zehn Jahren sind sie das
Leitbild einer ausgewogenen räumlichen Entwicklung Sachsens und seiner Regionen. Denn nur mit Wachstum
und Innovation, bei gleichzeitigem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen sowie der Sicherung der Daseins-
vorsorge kann Sachsen fit für die Zukunft gemacht werden.
Der Landesentwicklungsbericht 2015 zeichnet sich durch eine neue, verbesserte und übersichtlichere Struktur
aus. Er ist unterteilt in die sechs übergeordneten Kapitel Bevölkerung, Raumordnung, Raumstruktur, Wirtschafts-
und Verkehrsinfrastruktur, Daseinsvorsorge und Freiräume. Das Herzstück der jeweiligen Kapitel sind wiederum
die einheitlich strukturierten Kennblätter, die sich durch eine anschauliche Gestaltung mit informativen Karten-
material und Abbildungen auszeichnen.
Ich wünsche Ihnen nun viel Freude beim Lesen und bedanke mich bei allen, die am neuen Landesentwicklungs-
bericht mitgearbeitet haben.
Markus Ulbig
Sächsischer Staatsminister des Innern

| 5
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
Abkürzungsverzeichnis 6
Kartenverzeichnis 10
Abbildungsverzeichnis 12
Kennblattverzeichnis 14
Einleitung 16
Sachsens Bevölkerung
19
1.1 Bevölkerungsentwicklung 20
1.2
Erwerbstätigkeit und Beschäftigung
24
Sachsens Raumordnung 27
2.1 Landes- und Regionalplanung 28
2.2
Europäische und Regionale Zusammenarbeit
30
Sachsens Raumstruktur
45
3.1
Raumstrukturelle Situation
46
3.2 Siedlungsentwicklung
58
Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsinfrastruktur 77
4.1 Räumliche Wirtschaftsstruktur 78
4.2 Verkehrsinfrastruktur
86
4.3 Energie- und Wasserversorgung 106
4.4
Digitale Infrastruktur
116
Sachsens Daseinsvorsorge 121
5.1
Sicherung der Daseinsvorsorge
122
5.2
Erziehungs- und Bildungswesen, Wissenschaft und Forschung
126
5.3
Gesundheits- und Sozialwesen
140
5.4
Kultur und Sport
148
5.5
Öffentliche Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Sicherheit und Ordnung
156
Sachsens Freiräume
165
6.1 Freiraumschutz
166
6.2 Freiraumnutzung
186
Stichwortverzeichnis 196

A
AG Arbeitsgruppe
B
BauGB Baugesetzbuch
BfUL
Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt
und Landwirtschaft
BIP Bruttoinlandsprodukt
BMI
Bundesministerium des Innern
BMVI
Bundesministerium für Verkehr und digitale
Infrastruktur
BNatSchG Bundesnaturschutzgesetz
BOS
Behörden und Organisationen mit Sicherheits-
aufgaben
BR Biosphärenreservat
BSZ
Berufliches Schulzentrum
BuVA
Bedarfs- und Verfügbarkeitsanalyse
BVB
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme
BVJ Berufsvorbereitungsjahr
BVWP Bundesverkehrswegeplan
D
DB AG
Deutsche Bahn AG
DFG
Deutsche Forschungsgemeinschaft
DHL
DHL International GmbH
DiOS
Digitale Offensive Sachsen
DLM
Digitales Landschaftsmodell
DMO Destinationsmanagementorganisationen
DOSB
Deutscher Olympischer Sportbund
DSL
Digital Subscriber Line (engl. für Digitaler Teil-
nehmeranschluss)
DSVTh
Förderverein des Deutsch-Sorbischen Volks-
theaters
E
EEG Erneuerbare-Energien-Gesetz
EFRE
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
EKP
Energie- und Klimaprogramm Sachsen 2012
ELER
Europäischer Landwirtschaftsfonds für die
Entwicklung des ländlichen Raumes
EQ Einstiegsqualifikation
ETZ
Europäische Territoriale Zusammenarbeit
F
FFH Flora-Fauna-Habitat
FhG Fraunhofer-Gesellschaft
Abkürzungsverzeichnis
FlurbG Flurbereinigungsgesetz
FOC
Factory Outlet Center
FOS
Fachoberschule
FR-Regio
Förderrichtlinie Regionalentwicklung
G
GeoSN
Staatsbetrieb Geobasisinformation und Ver-
messung Sachsen
GRW-Infra
GRW - Wirtschaftsnahe Infrastruktur
GRW-RIGA
GRW - Gewerbliche Wirtschaft
GRW
Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der re-
gionalen Wirtschaftsstruktur"
GrwV Grundwasserverordnung
GT-HKW
Gasturbinen Heizkraftwerk
GVZ Güterverkehrszentrum
GWh Gigawattstunde
GWU Gesamtwertumfang
H
ha Hektar
HIP Hochwasserschutzinvestitionsprogramm
HWRM-RL Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie
HWSK Hochwasserschutzkonzept
HZDR
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf
I
IHK
Industrie- und Handelskammer
ILE
Integrierte Ländliche Entwicklung
ILEK
Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept
INSEK
Integriertes Stadtentwicklungskonzept
IUCN
International Union for Conservation of Na-
ture and Natural Resources (Internationale
Union zur Bewahrung der Natur und natürli-
cher Ressourcen)
IÖR
Leibnitz-Institut für ökologische Raument-
wicklung
K
kV Kilovolt
KV
Kombinierter Verkehr
KWIS.net
Kommunales Wirtschafts-Informationssystem
L
LABEL
ELBE-LABE-Anpassung an das Hochwasserri-
siko im Elbeeinzugsgebiet
LAG RV
Landesarbeitsgemeinschaft Radverkehr
6 |

LASuV
Landesamt für Straßenbau und Verkehr
LDS
Landesdirektion Sachsen
LEADER
Liaison entre actions de développement de
l'économie rurale, „Verbindung zwischen Ak-
tionen zur Entwicklung der ländlichen Wirt-
schaft"
LEB Landesentwicklungsbericht
LEP Landesentwicklungsplan
LF
landwirtschaftlich genutzte Fläche
LfULG
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geoleogie
LISt
Gesellschaft für Verkehrswesen und ingeni-
eurtechnische Dienstleistungen mbH
LMBV
Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Ver-
waltungsgesellschaft mbH
LNO
Ländliche Neuordnung
LRT Lebensraumtypen
LSG Landschaftsschutzgebiet
LTE
Long Term Evolution (auch 3.9 generation)
LTV Landestalsperrenverwaltung
LTV Sachsen
Landestourismusverband Sachsen
LVP Landesverkehrsplan
LwAnpG Landwirtschaftsanpassungsgesetz
M
MFAG
Mitteldeutsche Flughafen AG
MIBRAG
Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH
min Minute
Mio. Million
Mrd. Milliarde
MVZ
Medizinisches Versorgungszentrum
MW Megawatt
MZSV Mittelzentraler Städteverbund
N
NGA Next-Generation-Access
NHWSP
Nationales Hochwasserschutzprogramm
NLP Nationalpark
NSG Naturschutzgebiet
O
OBA
Sächsisches Oberbergamt
OGewV Oberflächengewässerverordnung
OWK
Oberflächenwasserkörper
ÖGD
Öffentlicher Gesundheitsdienst
ÖPNV
Öffentlicher Personennahverkehr
P
PJ Petajoule
R
RAG RV
Regionale Arbeitsgemeinschaft Radverkehr
REK
Regionales Entwicklungskonzept
RHK
Regionales Handlungskonzept
RI-EBW-PRÜF Richtlinie zur einheitlichen Erfassung, Bewer-
tung, Aufzeichnung und Auswertung von
Ergebnissen der Bauwerksprüfung nach DIN
1076
RL AUK
Richtlinie Agrarumwelt- und Klimamaßnah-
men
RL DiOS
Förderrichtlinie „Digitale Offensive Sachsen“
RL NE
Richtlinie Natürliches Erbe
RL TWN
Richtlinie Teichwirtschaft und Naturschutz
ROG Raumordnungsgesetz
ROKO
Raumordnungskommission Halle-Leipzig
RPV
Regionaler Planungsverband
S
SAB
Sächsische Aufbaubank -Förderbank
SAENA
Sächsische Energieagentur GmbH
SALKA
Sächsisches Altlastenkataster
SBA
Sächsische Bildungsagentur
SBO
Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH
SBS
Staatsbetrieb Sachsenforst
SK
Sächsische Staatskanzlei
smac
Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
SMI
Sächsisches Staatsministerium des Innern
SMK
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
SMS
Sächsisches Staatsministerium für Soziales
und Verbraucherschutz
SMUL
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft
SMWA
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft,
Arbeit und Verkehr
SMWK
Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst
SPNV Schienenpersonennahverkehr
StaLA
Statistisches Landesamt
SuV
Siedlungs- und Verkehrsfläche
SächsKRG
Sächsisches Kulturraumgesetz
SächsKurG
Sächsisches Kurortegesetz
SächsLPlG Landesplanungsgesetz
SächsStOG
Sächsisches Standortgesetz
SächsWG
Sächsisches Wassergesetz
| 7

Abkürzungsverzeichnis
T
TEN-V
Transeuropäische Verkehrsnetze
TEU
Twenty-foot Equivalent Unit (Standardcontai-
ner)
TU Dresden
Technische Universität Dresden
U
UZVR
Unzerschnittene verkehrsarme Räume
V
V Volt
VREG
Vorrang- und Eignungsgebiet
W
WBG Weiterbildungsgesetz
WFS
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH
WHG Wasserhaushaltsgesetz
WITAJ
Sorbisch für „Willkommen"
WLAN
Wireless Local Area Network
WRRL
Europäische Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/
EG)
WSV
Wasser- und Schifffahrtsverwaltung
Z
ZTV ZEB-StB Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen
und Richtlinien zur Zustandserfassung und
-bewertung von Straßen
ZVMS
Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen
ZVNL
Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leip-
zig
ZVOE
Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe
ZVON
Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-
Niederschlesien
ZVV
Zweckverband Öffentlicher Personennahver-
kehr Vogtland
ZwSt. Zweigstelle
8 |

| 9

Sachsens Bevölkerung
Karte 1.1: Bevölkerungsentwicklung 2011-2014
20
Karte 1.2: Geschlechterproportion der 18- bis unter 30-Jährigen
21
Karte 1.3: Erstaufnahmeeinrichtungen 2015
22
Karte 1.4: Arbeitslosenquote und Arbeitsplatzdichte
24
Karte 1.5: Pendlerbeziehungen zwischen den Oberzentren und Pendlerüberschuss
25
Sachsens Raumordnung
Karte 2.1: Planungsregionen im Freistaat Sachsen
29
Karte 2.2: Fördergebiete der grenzübergreifenden Zusammenarbeit 2007–2013 im Rahmen des Ziels „Europäische
territoriale Zusammenarbeit“ zwischen Sachsen und Polen bzw. Tschechien
32
Karte 2.3: Mitglieder der Metropolregion nach Kategorie und Anzahl
36
Karte 2.4: Aktionsräume der Regionalentwicklung
38
Karte 2.5: Sorbisches Siedlungsgebiet im Freistaat Sachsen
40
Karte 2.6: Sanierungsstandorte und FR-Regio-Vorhaben in Räumen mit besonderem Handlungsbedarf
42
Sachsens Raumstruktur
Karte 3.1: Zentrale Orte und zentralörtliche Verbünde
48
Karte 3.2: Festgelegte Versorgungs- und Siedlungskerne und Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion
50
Karte 3.3: Mittelzentrale Verflechtungsbereiche der Mittel- und Oberzentren
52
Karte 3.4: Überregionale und Regionale Achsen und Einbindung in das TEN-V
54
Karte 3.5: Gliederung der Verbindungs- und Entwicklungsachsen durch regionale Grünzüge und Grünzäsuren;
Sicherung zusammenhängender, siedlungsnaher Freiräume
55
Karte 3.6: Raumkategorien gemäß LEP 2013 und aktuelle Siedlungsstruktur
56
Karte 3.7: Städte und Gemeinden im Städtebauförderprogramm „Stadtumbau Ost"
60
Karte 3.8: Geförderter Rückbau von Wohnungen bis 2013 und Leerstandsquote Wohngebäude 2011
61
Karte 3.9: Integierte Stadtentwicklungskonzepte (INSEK)
62
Karte 3.10: ILE- und LEADER-Gebiete in der EU-Förderperiode 2007-2013
64
Karte 3.11: Anerkannte LEADER-Gebiete in Sachsen 2014-2020
65
Karte 3.12: Laufende Verfahren der ländlichen Neuordnung
66
Karte 3.13: Entwicklung der Siedlungs- und Verkehrsfläche von 2010-2013 in %
70
Karte 3.14: Brachenstandorte im KWIS.net am 31.12.2014
72
Karte 3.15: Bebauungspläne und Satzungen von 2010-2014
74
Karte 3.16: Lärmschutzbereiche internationaler Flughäfen
75
Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsinfrastruktur
Karte 4.1: Großflächiger Einzelhandel - Verkaufsflächenausstattung und Bebauungspläne zur raumordnerischen
Prüfung 80
Karte 4.2: Tourismusintensität 2014 nach Gemeinden
82
Karte 4.3: Touristische Nutzung der Bergbaufolgelandschaften Lausitzer Seenland und Leipziger Neuseenland
84
Karte 4.4: Anmeldungen für den BVWP 2030
88
Karte 4.5: Neubaustrecke Dresden-Prag im Kontext des europäischen TEN-V-Kernnetzes 89
Karte 4.6: Neubaumaßnahmen im Bundesfern- und Staatsstraßennetz 2010–2014 (> 10 Mio. €)
90
Karte 4.7: S-Bahn Liniennetzpläne 2014 der Ballungsräume Dresden, Leipzig, Chemnitz
92
Karte 4.8: Standorte der Häfen und Fähren, der Güterverkehrszentren und Terminals für den kombinierten Verkehr
(LEP 2013)
96
Karte 4.9: Standorte der Flughäfen, der regionalen und lokalen Verkehrslandeplätze
98
Karte 4.10: Öffentlicher Personennahverkehr - Verkehrsverbünde und Zweckverbände 2014
102
Karte 4.11: SachsenNetz Rad – Hauptnetz der touristischen Radwege 2014
104
Karte 4.12: Regionale und kommunale Strom- und Gasnetzbetreiber
108
Karte 4.13: Verbundsysteme der öffentlichen Trinkwasserversorgung und Trinkwasserschutzgebiete
110
Kartenverzeichnis
10 |

Karte 4.14: Windenergieanlagen in Vorrang- und Eignungsgebieten (VREG)
114
Karte 4.15: Breitbandversorgung ≥ 50 Mbit/s in Prozent der Haushalte 2014
118
Karte 4.16: Breitbandversorgung - und Verbesserung nach dem Förderverfahren RL ILE Juli 2012
119
Sachsens Daseinsvorsorge
Karte 5.1: Verteilung ausgewählter zentralörtlicher Funktionen der Daseinsvorsorge
124
Karte 5.2: Besuchsquoten der Kinder im Alter von ein bis drei Jahren in Kindertageseinrichtungen 128
Karte 5.3: Grundschulen im Schuljahr 2014/2015 in den Zentralen Orten
130
Karte 5.4: Oberschulen und Gymnasien im Schuljahr 2014/2015 in den Zentralen Orten
131
Karte 5.5: Berufsbildende Schulen im Schuljahr 2014/2015 in den Zentralen Orten
132
Karte 5.6: Anzahl der Studierenden an Universitäten und Hochschulen 2014/2015
136
Karte 5.7: Hochschulstandorte und Standorte außeruniversitärer Forschungseinrichtungen
138
Karte 5.8: Krankenhäuser nach Versorgungsstufe und Kapazität (Planbetten)
142
Karte 5.9: Hausärztliche Versorgung
144
Karte 5.10: Wohnheimplätze für Erwachsene mit Behinderung
146
Karte 5.11: Urbane und ländliche Kulturräume 150
Karte 5.12: Fördersumme und Anzahl der geförderten Maßnahmen von 2010–2014
154
Karte 5.13: Soll-Standorte sächsischer Landesbehörden und Gerichte
157
Karte 5.14: Gemeindegebietsänderungen von 2010-2014
158
Karte 5.15: Standorte der Mobilen Bürgerservices „Mobiler Bürgerkoffer" und „Bürgerterminal"
160
Karte 5.16: Polizeidirektionen und Polizeidienststellen
162
Karte 5.17: Träger des Rettungsdienstes
163
Sachsens Freiräume
Karte 6.1: Biotopverbund und Lebensraumverbundsystem großräumig lebender Wildtiere
168
Karte 6.2: Landschaftsgliederung und Kulturlandschaftsgebiete
170
Karte 6.3: Landesplanerisch bedeutsame großflächige Schutzgebiete
172
Karte 6.4: Unzerschnittene verkehrsarme Räume (UZVR)
174
Karte 6.5: Bodenschutz
176
Karte 6.6: Vergleich 2009 und 2015 „Chemischer Zustand Grundwasserkörper" und Belastungen der Grundwasser-
körper 180
Karte 6.7: Vergleich 2009 und 2015 „Ökologischer Zustand Oberflächenwasserkörper" und Belastungen der
Fließgewässer-Wasserkörper 182
Karte 6.8: Maßnahmen Hochwasserschutzkonzepte und Hochwasserschutzinvestitionsprogramm
184
Karte 6.9: Hochwasserentstehungsgebiete und regionalplanerische Ausweisungen Hochwasser
185
Karte 6.10: Gebiete mit speziellem Bodenschutz und regionalplanerische Ausweisungen Landwirtschaft
188
Karte 6.11: Entwicklung des Waldanteils in den Planungsregionen
190
Karte 6.12: Rohstoffvorkommen und Gewinnungsbetriebe
194
| 11

Abbildungsverzeichnis
Einleitung
Abbildung 1.1: Situation Berichtszeitraum LEB 2015
16
Abbildung 1.2: Aufbau eines Kennblattes
17
Sachsens Bevölkerung
Abbildung 1.3: Anzahl der Zugänge in Erstaufnahmeeinrichtungen zum 31.12.2015 (Quelle: SK Sachsen)
23
Abbildung 1.4: TOP 10 der Herkunftsländer und sogenannte Maghreb -Staaten zum 31.12.2015 (Quelle: LDS)
23
Sachsens Raumordnung
Abbildung 2.1: Anzahl der geförderten Projekte (ohne Kleinprojekte) in den Programmen der grenzübergreifenden
Zusammenarbeit in der Förderperiode 2007–2013 zwischen dem Freistaat Sachsen und der Republik
Polen bzw. der Tschechischen Republik (Quelle: SMI)
33
Abbildung 2.2: Anzahl der Vertreter in den Arbeitsgruppen nach Kategorie (Mehrfachmitgliedschaften einer Person
möglich, Quelle: Mitgliederverzeichnisse der AGs der Metropolregion Mitteldeutschland)
37
Abbildung 2.3: Förderung sorbischer Institutionen durch die Stiftung für das Sorbische Volk im Jahr 2014 (Quelle:
www.stiftung.sorben.com)
41
Sachsens Raumstruktur
Abbildung 3.1: Anzahl der zentralörtlichen Gemeinden sowie Anteil der Bevölkerung und der SV-pflichtig
Beschäftigten in zentralörtlichen Gemeinden im Jahr 2014 unterschieden nach Planungsregion
(Quelle: LEP 2013, Regionalpläne 2008-2010, StaLA)
49
Abbildung 3.2: Anzahl der ausgewiesenen besondereren Gemeindefunktionen je Landkreis (Quelle: Regionalpläne
2008-2010) 51
Abbildung 3.3: Bevölkerung und SV-pflichtig Beschäftigte am Arbeitsort in den mittelzentralen Verflechtungs-
bereichen im Jahr 2014 (Quelle: StaLA, BA)
53
Abbildung 3.4: Bevölkerungs- und Flächenanteil nach Raumkategorien zum 31.12.2014 (Quelle: StaLA, LEP 2013)
57
Abbildung 3.5: Städtebauförderung von 1991-2014 (Quelle: SMI)
63
Abbildung 3.6: Jährlich angeordnete und beendete Verfahren nach FlurbG 2005–2014 (Quelle: SMUL)
67
Abbildung 3.7: Entwicklung der Fläche für Siedlung und Verkehr in ha pro Tag von 2001–2014 (Quelle: SMI)
71
Abbildung 3.8: Flächen- und Mengenanteil der bis zum 31.12.2014 erfassten Brachen nach Flächen bzw.
Eigentumskategorie (Quelle: KWIS.net-Datenbank) 73
Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsinfrastruktur
Abbildung 4.1: Entwicklung der Einzelhandelsverkaufsfläche von 2010 bis Feb. 2015 nach Landkreisen/Kreisfreien
Städten (Quelle: IHK Handelsatlas 2015)
81
Abbildung 4.2: Ankünfte und Übernachtungen von 2010–2014 nach Touristischen Destinationen (Quelle: StaLA,
Berichte zum Beherbergungsgewerbe im FS Sachsen (bis 2011 Betriebe mit neun und mehr Betten/
ab 2012 Betriebe mit zehn und mehr Betten))
83
Abbildung 4.3: Beherbergungsstatistik Leipziger Neuseenland und Lausitzer Seenland 2012–2014 (Quelle: SMWA)
85
Abbildung 4.4: Zustand der Brücken im Staatsstraßennetz im Vergleich zwischen 2010 und 2014 (Quelle: SMWA)
91
Abbildung 4.5: Angebotsleistung im SPNV in Mio. Fahrplankilometer 2010–2014 (Quelle: SMWA)
93
Abbildung 4.6: Umschlagsentwicklung der sächsischen Häfen sowie Umschlag nach Transportart (Schiff, Waggon,
LKW) in t 2010–2014 (Quelle: SMWA)
97
Abbildung 4.7: Umschlagsleistungen sächsischer Terminals in TEU 2010–2014 (Quelle: SMWA)
97
Abbildung 4.8: Passagierzahlen und Flugbewegungen der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden von 2010–2014
(Quelle: SMWA)
99
Abbildung 4.9: SPNV-Nachfrage nach Zweckverbänden 2013 in Mio. Personenkilometer (Quelle: SMWA)
103
Abbildung 4.10: Länge der Radwege an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen in km von 2005–2014 (Quelle: SMWA)
105
Abbildung 4.11: Endenergieverbrauch in Deutschland und Sachsen 2013 nach Energieträgern (linke Abb.) und nach
Sektoren (rechte Abb.) in % (Quelle: SMWA)
109
Abbildung 4.12: Anschlussgrad der öffentlichen Wasserversorgung 1990–2013 (Quelle: LfULG)
111
12 |

Abbildung 4.13: Flächenanteile Trinkwasserschutzgebiete nach Wasserherkunft Dez. 2014 (Quelle: LfULG)
111
Abbildung 4.14: Anzahl, Leistung und Energieertrag der Windkraftanlagen in den Planungsregionen zum 31.12.2014
(Quelle: SAENA)
115
Sachsens Daseinsvorsorge
Abbildung 5.1: PKW-Erreichbarkeit (schnellste Route) der Mittelzentren zum nächsten Oberzentrum 2014 (Quelle:
SMI) 125
Abbildung 5.2: Entwicklung der Anzahl der Kindertageseinrichtungen von 2010-2014 je Landkreis, aufgeschlüsselt
nach öffenlichen und freien Trägern (Quelle: StaLA)
129
Abbildung 5.3: Veränderung der Schülerzahlen in den Aufnahmeklassen 2009/2010–2014/2015 (Bezugsjahr 2009 =
100 %) (Quelle: StaLA, SMK)
133
Abbildung 5.4: Verteilung der Schüler in den Aufnahmeklassen 2014/15 (Quelle: StaLA, SMK)
133
Abbildung 5.5: Anzahl der Studierenden nach Fächergruppen 2010–2014 (Quelle: StaLA)
137
Abbildung 5.6: Drittmitteleinnahmen der Hochschulen nach Drittmittelquellen von 2010–2014 (Quelle: StaLA)
139
Abbildung 5.7: Anteil der Krankenhäuser nach Trägerschaft zum 31.12.2014 (Quelle: Krankenhausplan)
143
Abbildung 5.8: Entwicklung der vertragsärztlichen ambulanten medizinischen Versorgung von 2010–2014 (Quelle:
SMS) 145
Abbildung 5.9: Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen 2000–2014 (Quelle: SMS)
147
Abbildung 5.10: Entwicklung der Förderung des Freistaates Sachsen durch die Kinder- und Jugendpauschale nach
Kreisgebieten 2012–2014 (Quelle: SMS)
147
Abbildung 5.11: Ausgereichte Mittel für Einrichtungen bzw. Maßnahmen nach Spartendurchschnitt 2010–2014
(Quelle: SMWK)
151
Abbildung 5.12: Zahl der Mitglieder in Bezug zur Anzahl der Vereine im Landessportbund Sachsen und in Bezug zur
Bevölkerungsentwicklung von 1991–2014 (Quelle: Landessportbund Sachsen)
155
Abbildung 5.13: Anzahl der Gemeinden von 1990–2014 (Quelle: StaLA)
Anzahl der Gemeinden nach Organisationsform sowie Einwohnerspektrum der Einheitsgemeinden
bzw. aller Gemeinden zum 31.12.2014 (Quelle: SMI)
159
Sachsens Freiräume
Abbildung 6.1: Erhaltungszustände der in Sachsen vorkommenden FFH-LRT und FFH-Arten (Quelle: FFH-Bericht
2007–2012) 169
Abbildung 6.2: Anteil gefährdeter Arten 2009 und 2014 (Quelle: Rote Liste)
169
Abbildung 6.3: Jährliche Besuchszahlen im „Haus der Tausend Teiche" im Jahr 2014 (Quelle: SMUL)
173
Abbildung 6.4: Bruterfolg des Seeadlers (Halliaeetus albicilla) im Biosphärenresevat im Jahr 2014 (Quelle: SMUL)
173
Abbildung 6.5: Anzahl und Flächenanteil der UZVR in Sachsen (Quelle: LEP 2013)
175
Abbildung 6.6: Flächenanteile der UZVR in den Jahren 2010, 2012 und 2014 (Quelle: IÖR-Monitor)
175
Abbildung 6.7: Anzahl der SALKA-Flächen in Sachsen 2012–2014 (Quelle: LfULG)
177
Abbildung 6.8: Kennzahlen der Altlastenbearbeitung in Sachsen im April 2014 (Quelle: LfULG)
177
Abbildung 6.9: Chemischer und mengenmäßiger Zustand der Grundwasserkörper 2009 und 2015 (Quelle: LfULG)
181
Abbildung 6.10: Ökologischer Zustand/Potenzial der Oberflächenwasserkörper 2009 und 2015 (Quelle: LfULG)
183
Abbildung 6.11: Pfluglos bearbeitete Ackerfläche 2010–2014 (Quelle: LfULG, AuW)
189
Abbildung 6.12: Entwicklung des ökologischen Landbaus 2002–2014 (Quelle: Sächs. Agrarbericht)
189
Abbildung 6.13: Bodenschutzkalkung im Gesamtwald in Sachsen 2010–2014 (Quelle: SMUL)
191
Abbildung 6.14: Entwicklung der durchgeführten Kunstverjüngung im Landeswald 2005–2014 (Quelle: SBS)
191
Abbildung 6.15: Verwertbare Fördermenge an Braunkohle in Mio. t von 1996–2014 (Quelle: OBA)
195
Abbildung 6.16: Fördermenge Festgesteine, Kiese und Kiessande in Mio. t – Betriebe unter Bergaufsicht von
1996–2014 (Quelle: OBA)
195
| 13

Kennblattverzeichnis
Sachsens Raumordnung
Grenzübergreifende Zusammenarbeit Sachsen-Böhmen-Niederschlesien
32
Länderübergreifende Zusammenarbeit und Europäische Metropolregion Mitteldeutschland
36
Regionale Maßnahmen und Kooperationen
38
Sorben 40
Räume mit besonderem Handlungsbedarf
42
Sachsens Raumstruktur
Zentrale Orte und zentralörtliche Verbünde
48
Versorgungs- und Siedlungskerne, Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion
50
Verflechtungsbereiche und Erreichbarkeit Zentraler Orte
52
Überregionale und Regionale Achsen
54
Raumkategorien 56
Stadtumbau 60
Stadtentwicklung 62
Dorfentwicklung 64
Ländliche Neuordnung
66
Siedlungs- und Verkehrsfläche
70
Revitalisierung brachliegender Flächen
72
Bauflächen und Baugebiete
74
Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsinfrastruktur
Großflächiger Einzelhandel
80
Touristische Infrastruktur, Kur- und Erholungsorte
82
Touristische Nutzung der Bergbaufolgelandschaften
84
Ausbau von Eisenbahnstrecken und Sicherung der Neubaustrecken
88
Straßenausbau und Sicherung der Neubaustrecken
90
S-Bahn-System und SPNV
92
Schiffs- und Güterverkehr
96
Luftverkehr 98
Struktur und Organisation des ÖPNV
102
Radverkehrsnetze 104
Energieversorgung 108
Trinkwasserversorgung 110
Windenergie 114
Breitbandversorgung und Breitbandausbau
118
14 |

Sachsens Daseinsvorsorge
Zentralörtliche Funktionen der Daseinsvorsorge
124
Kinderkrippen, Kindergärten, Horte und Kindertagespflege
128
Allgemeinbildende Schulen
130
Berufsbildende Schulen, Schulen des zweiten Bildungsweges & Weiterbildungseinrichtungen
132
Hochschulentwicklung 136
Kooperationen von Hochschulen und Forschungseinrichtungen
138
Stationäre Versorgung
142
Ambulante Versorgung und öffentlicher Gesundheitsdienst
144
Soziale Einrichtungen und Dienste
146
Kulturräume und Kultureinrichtungen
150
Sportinfrastruktur 154
Kommunale Gebiets- und Verwaltungsstrukturen
158
E-Government
160
Öffentliche Sicherheit, Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz
162
Sachsens Freiräume
Arten- und Biotopschutz
168
Kulturlandschaft 170
Großflächige Schutzgebiete
172
Unzerschnittene verkehrsarme Räume und Zersiedlung
174
Bodenschutz 176
Grundwasserschutz 180
Oberflächenwasserschutz 182
Vorbeugender Hochwasserschutz
184
Landwirtschaft 188
Waldmehrung und Waldumbau
190
Sicherung und Abbau von Rohstofflagerstätten
194
| 15

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2009
2010
2011 2012 2013
2014
Berichtszeitraum LEB 2015
Berichtszeitraum LEB 2020
2008
2015
2016
2017
Berichtszeitraum LEB 2010
Erscheinungsjahr LEB 2015 ist 2016
LEP 2003
LEP 2013
Regionalpläne 2008, 2009, 2010
Fortschreibung
16 |
Einleitung
Hintergrund und Aufbau des Landesentwicklungsberichtes 2015
Abbildung 1.1: Situation Berichtszeitraum LEB 2015
Berichtszeitraum und Zielrichtung
Der allgemeine Berichtszeitraum des Landesentwicklungsberichtes 2015 (LEB 2015) umfasst im Wesentlichen die Jahre 2010-2014. Er
schließt damit nahtlos an den Berichtszeitraum des LEB 2010 an. Der LEB 2015 ist insbesondere als erster Evaluierungsbericht zum
Landesentwicklungsplan 2013 (LEP 2013) anzusehen, wenngleich der Berichtszeitraum Zeiten vor und nach Inkrafttreten des LEP 2013
einschließt (vgl. Abbildung 1.1). Im Vordergrund steht die Betrachtung raumordnerischer Belange, indem die Verwirklichung bzw. Um-
setzung der im LEP 2013 formulierten evaluierbaren Ziele und Grundsätze der Raumordnung die Berichtsschwerpunkte bilden. Der
LEB 2015 versteht sich vordergründig als Raumordnungsbericht.
Da sich zum Zeitpunkt der Erstellung des LEB 2015 alle Regionalpläne in unterschiedlichen Phasen der Fortschreibung befinden, werden
Ziele und Grundsätze des LEP 2013, die im Wesentlichen Handlungsaufträge an die Regionalplanung zum Inhalt haben, von der Bericht-
erstattung ausgenommen. Die aktuell gültigen Regionalpläne zielen auf den LEP 2003 ab und sind im Rahmen der Aufstellung des
LEP 2013 hinsichtlich ihrer Umsetzung bewertet worden. Die Ergebnisse der Bewertung wurden im LEP 2013 bereits berücksichtigt.
Der LEB 2015 zielt auf eine Berichterstattung und Analyse der bisherigen Maßnahmen und Vorhaben hinsichtlich der Umsetzung der
Handlungsaufträge des LEP 2013 ab und kann keine Evaluierung des LEP 2013 im Sinne einer mathematisch-statistischen Bewertung
leisten, da sich die Wirkung der meisten Ziele und Grundsätze noch nicht statistisch abbilden lässt. Der LEP 2013 ist auf einen Zeitraum
von rund zehn Jahren ausgerichtet. Im Rahmen der Raumbeobachtung soll der LEB 2015 somit als Ausgangsbasis für ein potenzielles
zukünftiges langjährig aufzubauendes Monitoring hinsichtlich der Umsetzung der evaluierbaren Ziele und Grundsätze des LEP 2013
dienen.
Neue Struktur und neues Layout
Die Ziele und Grundsätze des LEP 2013 bestimmen maßgeblich die Struktur des LEB 2015. Jedes Hauptkapitel des vorliegenden LEB
besitzt eine Leitfarbe, die sich in den Unterkapiteln, in den Themen- und Kennblättern sowie in den Graphiken, Tabellen und Karten
wiederfindet.
Die sechs Haupt- und entsprechenden Unterkapitel des LEB 2015 sind weitgehend einheitlich strukturiert aufgebaut. Jedes Unterkapitel

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| 17
Landesentwicklungsplan
2013
48 |
| 49
Ziel 1.3.2
Zentrale Orte höherer Stufe
übernehmen auch Aufgaben der Zentralen Orte der
jeweils niedrigeren Stufe für den entsprechenden
Verflechtungsbereich
Ziel 1.3.3
Vermeidung von Beeinträchtigung
der Funktionsfähigkeit Zentraler Orte
Ziel 1.3.5
funktionsteilige Aufgabenwahrneh-
mung zentralörtlicher Funktionen im
zentralörlichen Verbund
Ziel 1.3.6
Oberzentren, Oberzentraler
Städteverbund
Ziel 1.3.7
Mittelzentren, Mittelzentrale
Städteverbünde
Ziel 1.3.8
Festlegung von Grundzentren in den
Regionalplänen zur Ergänzung der Ober- und
Mittelzentren
Zentrale Orte und zentralörtliche Verbünde
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation| Zentrale Orte und Raumkategorien
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien
Leipzig
Dresden
Chemnitz
Plauen
Görlitz
Hoyers-
werda
Bautzen
Delitzsch
Torgau
Eilenburg
Schkeuditz
Wurzen
Grimma
Riesa
Oschatz
Döbeln
Borna
Großenhain
Meißen
Coswig
Radebeul
Freital
Dippoldiswalde
Freiberg
Mittweida
Markkleeberg
Limbach-
Oberfrohna
Glauchau
Crimmitschau
Werdau
Zwickau
Reichenbach im Vogtl
Oelsnitz/Vogtl.
Annaberg-
Buchholz
Marienberg
Weißwasser
Niesky
Pirna
Zittau
Löbau
Kamenz
Stollberg/
Erzgeb.
Radeberg
MZ SV Göltzschtal
MZ SV
Silberberg
MZ SV
Sachsenring
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (Ober- und Mittelzentren, Raumkategorien)
Regionalpläne 2008-2010 (Grundzentren)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Gemeindegrenze
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Zentrale Orte
Oberzentrum
Mittelzentrum
zentralörtlicher Verbund
Grundzentrum
Raumkategorien
Verdichtungsraum
verdichteter Bereich im
ländlichen Raum
ländlicher Raum
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
[Anzahl]
Anzahl zentralörlicher Gemeinden
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
1
2
3
4
5
[Mio.]
Bevölkerung in zentralörlichen Gemeinden
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
1
2
[Mio.]
SV-pflichtig Beschäftigte am Arbeitsort
in zentralörlichen Gemeinden
ohne zentralörtliche Funktion
Oberzentrum
Mittelzentrum
Grundzentrum
Karte 3.1: Zentrale Orte und zentralörliche Verbünde
Abbildung 3.1: Anzahl der zentralörtlichen Gemeinden sowie Anteil der Bevölkerung und der SV-pflichtig beschäftigten in zentralörtlichen Gemeinden unter-
schieden nach Planungsregion (Quelle: LEP 2013, Regionalpläne 2008-2010, StaLA 2014)
Vor dem Hintergrund des fortschreitenden demografischen Wandels und der Verminde-
rung finanzieller Ressourcen ist das Zentrale-Orte-System zur Sicherung wichtiger Raum-
funktionen unabdingbar. Dabei spielen vor allem die Mittelzentren als Ankerpunkte im
ländlichen Raum eine tragende Rolle. Aber auch die in den Regionalplänen ausgewiesenen
Grundzentren nehmen wichtige Ergänzungsfunktionen im Raum wahr. Die Stabilisierung
des Systems der Zentralen Orte, insbesondere auch zur Sicherung der Daseinsvorsorge im
ländlichen Raum war und ist eine wesentliche Aufgabe der Raumordnung und der Fach-
planungen (vgl. Kennblatt „Zentralörtliche Daseinsfunktionen“ S. 124).
Im LEP 2013 werden neben den Oberzentren Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen und Zwi-
ckau sowie dem Oberzentralen Städteverbund Bautzen-Görlitz-Hoyerswerda (Z 1.3.6)
wiederum insgesamt 38 Mittelzentren ausgewiesen, darunter drei Mittelzentrale Städte-
verbünde mit drei, vier bzw. sechs Städten (Z 1.3.7) (vgl. Karte 3.1). Auf eine Differenzierung
der Mittelzentren nach ihrer Lage im Raum - wie noch im LEP 2003 erfolgt - wird verzich-
tet. Durch die Regionalen Planungsverbände wurden insgesamt 80 Grundzentren festge-
legt, darunter sind 11 Grundzentrale Städteverbünde mit je zwei Gemeinden, drei mit je
drei Gemeinden und einer mit fünf Gemeinden. Im Rahmen der Fortschreibung der Regi-
onalpläne werden derzeit auch die ausgewiesenen Grundzentren evaluiert (Z 1.3.8).
Am 31.12.2014 lebten 39,6 % der Einwohner des Freistaates in Oberzentren, 21,9 % in
Mittelzentren und 17,3 % in Grundzentren. Damit wohnen mehr als drei Viertel der Ein-
wohner in einem Ort mit Zentralortfunktion unterschiedlicher Hierarchiestufe (vgl. Abbil-
dung 3.1). Die Stärkung und Weiterentwicklung eines Zentralen Ortes wird wesentlich von
der Einwohnerentwicklung sowie vom Angebot an Arbeitsplätzen determiniert. Beide
tragen maßgeblich zur Wirtschaftskraft und damit auch zur Sicherung von Dienstleistun-
gen und Infrastruktur für Bürger und Wirtschaft bei.
Unter den Oberzentren können die drei Kreisfreien Städte seit mehreren Jahren einen
deutlichen Einwohnerzuwachs verzeichnen. In einer besonderen Liga spielt dabei Leipzig, das allein im Zeitraum seit dem Zensus 2011
(Stichtag 09.05.2011) bis Ende 2014 (Stichtag 31.12.2014) mit 8,3 % noch eine deutlich größere Zunahme als Dresden mit 4,7 % aufweist.
In Chemnitz ist der Zuwachs noch moderat mit 1,4 %. In den übrigen Oberzentralen Orten hat sich der Rückgang der Einwohner etwas
verlangsamt, auch wenn die absoluten Zahlen insbesondere in Hoyerswerda noch hoch sind. In Görlitz und Plauen konnte für das Jahr
2014 erstmals ein geringer Einwohnerzuwachs verzeichnet werden. Eventuell deutet sich damit ein Trend an, der den größeren Städten
wieder Zuzug verschafft – sowohl von außerhalb des Freistaates als auch zu Lasten des ländlichen Raumes in Sachsen. Zumindest für
die Kreisfreien Städte kann sich damit ein Siedlungsdruck ergeben, der perspektivisch auf dem eigenen Territorium nicht mehr vollstän-
dig abgedeckt werden kann.
Mit Ausnahme von Plauen konnte im Berichtszeitraum in allen Oberzentralen Orten das Arbeitsplatzangebot um mindestens 2,5 %
gesteigert werden. Mit mehr als 11 % hebt sich Leipzig auch hier deutlich von den anderen Oberzentren ab.
Auch die Mittelzentren in den Verdichtungsräumen der Oberzentren Leipzig und Dresden können bei der Einwohnerzahl fast durchweg
einen Positivtrend vermerken, ebenso die Universitätsstadt Freiberg. Bei der Entwicklung der Arbeitsplätze ist das Bild etwas heterogen.
Hier konnten insbesondere im Verdichtungsraum Chemnitz/Zwickau der Mittelzentrale Städteverbund Sachsenring und das Mittelzen-
trum Glauchau im Berichtszeitraum ihre Wirkung als Arbeitsmarktzentrum nicht ausreichend zur Geltung bringen.
Die Zentralen Orte in den Verdichtungsräumen stehen in engen wechselseitigen Verflechtungen mit ihrem Umland. Diesem besonderen
Abstimmungsbedarf sowohl zwischen den Zentralen Orten als auch in den Stadt-Umland-Räumen ist durch geeignete Formen der
Zusammenarbeit zu entsprechen. Beispiele für die Umsetzung sind die informellen Aktionsräume der Regionalentwicklung Grüner Ring
Leipzig, Erlebnisregion Dresden oder floez-Region um Zwickau (vgl. Kennblatt „Regionale Maßnahmen und Kooperationen“ S. 38).
Die Mittelzentren im Ländlichen Raum kämpfen - insbesondere im Vogtland und in der Lausitz, aber zum Beispiel auch die Stadt Riesa
- weiter mit rückläufigen Bevölkerungszahlen. Am stärksten sind hierbei im betrachteten Zeitraum seit 2011 (Zensus) Oelsnitz/Vogtl. mit
-5,7 % oder Weißwasser mit -6,1 % betroffen. Die Funktionalität der Städte muss auf weniger Einwohner ausgerichtet werden, d.h.
Schrumpfungs- und Umbauprozesse sind zu berücksichtigen, während gerade die Zentralen Orte gleichzeitig als attraktive Standorte
für Wohnen, Handel, Gewerbe und Kultur gestärkt und weiterentwickelt werden müssen. Insbesondere im kulturellen Bereich wächst
der Druck zur Kooperation zwischen den Einrichtungen in den Mittelzentren, um trotz gestiegener Kosten ein angemessenes Angebot
aufrechterhalten zu können (vgl. Kennblatt „Kulturräume und Kultureinrichtungen“ S. 150). Beim Arbeitsplatzangebot konnten bis auf
Döbeln und Freiberg alle Mittelzentren im Ländlichen Raum eine positive Entwicklung verzeichnen, darunter Steigerungsraten von mehr
als 10 % in Kamenz, Mittweida und Oschatz.
Wesentliche Voraussetzung für die Festlegung eines Grundzentrums ist das Vorhandensein eines leistungsfähigen Siedlungs- und Ver-
sorgungskernes (vgl. Kennblatt „Versorgungs- und Siedlungskerne, Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion“ S. 50) sowie die
Erforderlichkeit der Netzergänzung zur Erreichbarkeit von Leistungen und Einrichtungen der Grundversorgung. Bei den auf dieser
Grundlage festgelegten Grundzentren variiert die Einwohnerentwicklung zwischen -6 und +5 %. Die Entwicklung beim Arbeitsplatzan-
gebot ist noch stärker differenziert und variiert von -12 bis +29 %. Damit wird deutlich, dass allein die Festlegung als Zentraler Ort kein
Garant für eine wirtschaftliche Entwicklung ist und die Stabilisierung der Zentralen Orte weiter gemeinsame Aufgabe der Raumplanung
und der Fachplanung bleibt.
Eine funktionsteilige Wahrnehmung der Zentralortfunktion als Städte- bzw. Gemeindeverbund setzt eine Abstimmung und interkom-
munale Zusammenarbeit auf vertraglicher Basis voraus (Z 1.3.5). Sowohl auf grundzentraler, aber auch auf mittelzentraler Ebene ist die
tatsächliche Funktionsteilung sehr unterschiedlich ausgeprägt. Problematisch ist dies insbesondere dann, wenn mehr als zwei Gemein-
den zu einem solchen Verbund gehören, ein siedlungsstruktureller Zusammenhang nicht gegeben ist und/oder die Größe und Leistungs-
fähigkeit der beteiligten Gemeinden sich stark unterscheidet. Diesbezüglich müssen die drei mittelzentralen und 15 grundzentralen
Städteverbünde ihre Zusammenarbeit und Funktionsteilung regelmäßig auf den Prüfstand stellen.
SMI
Ziel 1.3.7
...
Ziel 1.3.8
...
Landesentwicklungsplan
2013
48 |
| 49
Ziel 1.3.2
Zentrale Orte höherer Stufe
übernehmen auch Aufgaben der Zentralen Orte der
jeweils niedrigeren Stufe für den entsprechenden
Verflechtungsbereich
Ziel 1.3.3
Vermeidung von Beeinträchtigung
der Funktionsfähigkeit Zentraler Orte
Ziel 1.3.5
funktionsteilige Aufgabenwahrneh-
mung zentralörtlicher Funktionen im
zentralörlichen Verbund
Ziel 1.3.6
Oberzentren, Oberzentraler
Städteverbund
Ziel 1.3.7
Mittelzentren, Mittelzentrale
Städteverbünde
Ziel 1.3.8
Festlegung von Grundzentren in den
Regionalplänen zur Ergänzung der Ober- und
Mittelzentren
Zentrale Orte und zentralörtliche Verbünde
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation| Zentrale Orte und Raumkategorien
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien
Leipzig
Dresden
Chemnitz
Plauen
Görlitz
Hoyers-
werda
Bautzen
Delitzsch
Torgau
Eilenburg
Schkeuditz
Wurzen
Grimma
Riesa
Oschatz
Döbeln
Borna
Großenhain
Meißen
Coswig
Radebeul
Freital
Dippoldiswalde
Freiberg
Mittweida
Markkleeberg
Limbach-
Oberfrohna
Glauchau
Crimmitschau
Werdau
Zwickau
Reichenbach im Vogtl
Oelsnitz/Vogtl.
Annaberg-
Buchholz
Marienberg
Weißwasser
Niesky
Pirna
Zittau
Löbau
Kamenz
Stollberg/
Erzgeb.
Radeberg
MZ SV Göltzschtal
MZ SV
Silberberg
MZ SV
Sachsenring
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (Ober- und Mittelzentren, Raumkategorien)
Regionalpläne 2008-2010 (Grundzentren)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Gemeindegrenze
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Zentrale Orte
Oberzentrum
Mittelzentrum
zentralörtlicher Verbund
Grundzentrum
Raumkategorien
Verdichtungsraum
verdichteter Bereich im
ländlichen Raum
ländlicher Raum
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
[Anzahl]
Anzahl zentralörlicher Gemeinden
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
1
2
3
4
5
[Mio.]
Bevölkerung in zentralörlichen Gemeinden
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
1
2
[Mio.]
SV-pflichtig Beschäftigte am Arbeitsort
in zentralörlichen Gemeinden
ohne zentralörtliche Funktion
Oberzentrum
Mittelzentrum
Grundzentrum
Karte 3.1: Zentrale Orte und zentralörliche Verbünde
Abbildung 3.1: Anzahl der zentralörtlichen Gemeinden sowie Anteil der Bevölkerung und der SV-pflichtig beschäftigten in zentralörtlichen Gemeinden unter-
schieden nach Planungsregion (Quelle: LEP 2013, Regionalpläne 2008-2010, StaLA 2014)
Vor dem Hintergrund des fortschreitenden demografischen Wandels und der Verminde-
rung finanzieller Ressourcen ist das Zentrale-Orte-System zur Sicherung wichtiger Raum-
funktionen unabdingbar. Dabei spielen vor allem die Mittelzentren als Ankerpunkte im
ländlichen Raum eine tragende Rolle. Aber auch die in den Regionalplänen ausgewiesenen
Grundzentren nehmen wichtige Ergänzungsfunktionen im Raum wahr. Die Stabilisierung
des Systems der Zentralen Orte, insbesondere auch zur Sicherung der Daseinsvorsorge im
ländlichen Raum war und ist eine wesentliche Aufgabe der Raumordnung und der Fach-
planungen (vgl. Kennblatt „Zentralörtliche Daseinsfunktionen“ S. 124).
Im LEP 2013 werden neben den Oberzentren Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen und Zwi-
ckau sowie dem Oberzentralen Städteverbund Bautzen-Görlitz-Hoyerswerda (Z 1.3.6)
wiederum insgesamt 38 Mittelzentren ausgewiesen, darunter drei Mittelzentrale Städte-
verbünde mit drei, vier bzw. sechs Städten (Z 1.3.7) (vgl. Karte 3.1). Auf eine Differenzierung
der Mittelzentren nach ihrer Lage im Raum - wie noch im LEP 2003 erfolgt - wird verzich-
tet. Durch die Regionalen Planungsverbände wurden insgesamt 80 Grundzentren festge-
legt, darunter sind 11 Grundzentrale Städteverbünde mit je zwei Gemeinden, drei mit je
drei Gemeinden und einer mit fünf Gemeinden. Im Rahmen der Fortschreibung der Regi-
onalpläne werden derzeit auch die ausgewiesenen Grundzentren evaluiert (Z 1.3.8).
Am 31.12.2014 lebten 39,6 % der Einwohner des Freistaates in Oberzentren, 21,9 % in
Mittelzentren und 17,3 % in Grundzentren. Damit wohnen mehr als drei Viertel der Ein-
wohner in einem Ort mit Zentralortfunktion unterschiedlicher Hierarchiestufe (vgl. Abbil-
dung 3.1). Die Stärkung und Weiterentwicklung eines Zentralen Ortes wird wesentlich von
der Einwohnerentwicklung sowie vom Angebot an Arbeitsplätzen determiniert. Beide
tragen maßgeblich zur Wirtschaftskraft und damit auch zur Sicherung von Dienstleistun-
gen und Infrastruktur für Bürger und Wirtschaft bei.
Unter den Oberzentren können die drei Kreisfreien Städte seit mehreren Jahren einen
deutlichen Einwohnerzuwachs verzeichnen. In einer besonderen Liga spielt dabei Leipzig, das allein im Zeitraum seit dem Zensus 2011
(Stichtag 09.05.2011) bis Ende 2014 (Stichtag 31.12.2014) mit 8,3 % noch eine deutlich größere Zunahme als Dresden mit 4,7 % aufweist.
In Chemnitz ist der Zuwachs noch moderat mit 1,4 %. In den übrigen Oberzentralen Orten hat sich der Rückgang der Einwohner etwas
verlangsamt, auch wenn die absoluten Zahlen insbesondere in Hoyerswerda noch hoch sind. In Görlitz und Plauen konnte für das Jahr
2014 erstmals ein geringer Einwohnerzuwachs verzeichnet werden. Eventuell deutet sich damit ein Trend an, der den größeren Städten
wieder Zuzug verschafft – sowohl von außerhalb des Freistaates als auch zu Lasten des ländlichen Raumes in Sachsen. Zumindest für
die Kreisfreien Städte kann sich damit ein Siedlungsdruck ergeben, der perspektivisch auf dem eigenen Territorium nicht mehr vollstän-
dig abgedeckt werden kann.
Mit Ausnahme von Plauen konnte im Berichtszeitraum in allen Oberzentralen Orten das Arbeitsplatzangebot um mindestens 2,5 %
gesteigert werden. Mit mehr als 11 % hebt sich Leipzig auch hier deutlich von den anderen Oberzentren ab.
Auch die Mittelzentren in den Verdichtungsräumen der Oberzentren Leipzig und Dresden können bei der Einwohnerzahl fast durchweg
einen Positivtrend vermerken, ebenso die Universitätsstadt Freiberg. Bei der Entwicklung der Arbeitsplätze ist das Bild etwas heterogen.
Hier konnten insbesondere im Verdichtungsraum Chemnitz/Zwickau der Mittelzentrale Städteverbund Sachsenring und das Mittelzen-
trum Glauchau im Berichtszeitraum ihre Wirkung als Arbeitsmarktzentrum nicht ausreichend zur Geltung bringen.
Die Zentralen Orte in den Verdichtungsräumen stehen in engen wechselseitigen Verflechtungen mit ihrem Umland. Diesem besonderen
Abstimmungsbedarf sowohl zwischen den Zentralen Orten als auch in den Stadt-Umland-Räumen ist durch geeignete Formen der
Zusammenarbeit zu entsprechen. Beispiele für die Umsetzung sind die informellen Aktionsräume der Regionalentwicklung Grüner Ring
Leipzig, Erlebnisregion Dresden oder floez-Region um Zwickau (vgl. Kennblatt „Regionale Maßnahmen und Kooperationen“ S. 38).
Die Mittelzentren im Ländlichen Raum kämpfen - insbesondere im Vogtland und in der Lausitz, aber zum Beispiel auch die Stadt Riesa
- weiter mit rückläufigen Bevölkerungszahlen. Am stärksten sind hierbei im betrachteten Zeitraum seit 2011 (Zensus) Oelsnitz/Vogtl. mit
-5,7 % oder Weißwasser mit -6,1 % betroffen. Die Funktionalität der Städte muss auf weniger Einwohner ausgerichtet werden, d.h.
Schrumpfungs- und Umbauprozesse sind zu berücksichtigen, während gerade die Zentralen Orte gleichzeitig als attraktive Standorte
für Wohnen, Handel, Gewerbe und Kultur gestärkt und weiterentwickelt werden müssen. Insbesondere im kulturellen Bereich wächst
der Druck zur Kooperation zwischen den Einrichtungen in den Mittelzentren, um trotz gestiegener Kosten ein angemessenes Angebot
aufrechterhalten zu können (vgl. Kennblatt „Kulturräume und Kultureinrichtungen“ S. 150). Beim Arbeitsplatzangebot konnten bis auf
Döbeln und Freiberg alle Mittelzentren im Ländlichen Raum eine positive Entwicklung verzeichnen, darunter Steigerungsraten von mehr
als 10 % in Kamenz, Mittweida und Oschatz.
Wesentliche Voraussetzung für die Festlegung eines Grundzentrums ist das Vorhandensein eines leistungsfähigen Siedlungs- und Ver-
sorgungskernes (vgl. Kennblatt „Versorgungs- und Siedlungskerne, Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion“ S. 50) sowie die
Erforderlichkeit der Netzergänzung zur Erreichbarkeit von Leistungen und Einrichtungen der Grundversorgung. Bei den auf dieser
Grundlage festgelegten Grundzentren variiert die Einwohnerentwicklung zwischen -6 und +5 %. Die Entwicklung beim Arbeitsplatzan-
gebot ist noch stärker differenziert und variiert von -12 bis +29 %. Damit wird deutlich, dass allein die Festlegung als Zentraler Ort kein
Garant für eine wirtschaftliche Entwicklung ist und die Stabilisierung der Zentralen Orte weiter gemeinsame Aufgabe der Raumplanung
und der Fachplanung bleibt.
Eine funktionsteilige Wahrnehmung der Zentralortfunktion als Städte- bzw. Gemeindeverbund setzt eine Abstimmung und interkom-
munale Zusammenarbeit auf vertraglicher Basis voraus (Z 1.3.5). Sowohl auf grundzentraler, aber auch auf mittelzentraler Ebene ist die
tatsächliche Funktionsteilung sehr unterschiedlich ausgeprägt. Problematisch ist dies insbesondere dann, wenn mehr als zwei Gemein-
den zu einem solchen Verbund gehören, ein siedlungsstruktureller Zusammenhang nicht gegeben ist und/oder die Größe und Leistungs-
fähigkeit der beteiligten Gemeinden sich stark unterscheidet. Diesbezüglich müssen die drei mittelzentralen und 15 grundzentralen
Städteverbünde ihre Zusammenarbeit und Funktionsteilung regelmäßig auf den Prüfstand stellen.
SMI
46 |
Zentrale Orte und Raumkategorien
| 47
3.1 Raumstrukturelle Situation
Sachsens Raumstruktur
Foto 3.1:
Bautzen - Oberzen-
traler Städteverbund
(SMI, Petroschka)
Ein wesentliches Ziel der sächsischen Landesplanung ist die langfristige Sicherung und Weiterentwicklung aller Teilräume, insbesonde-
re die Erhaltung der Städte und Dörfer als attraktive Wohn- und Arbeitsorte. Diese Ansätze sind durch Sachsen auch auf Bundesebene
in den Diskussionsprozess über die „Leitbilder und Handlungsstrategien für die Raumentwicklung in Deutschland“ eingebracht worden.
Mit der damit verbundenen stärkeren Hervorhebung des ländlichen Raumes ist ein aus sächsischer Sicht wichtiges Ziel erreicht worden.
Die Raumstruktur in Deutschland und damit auch im Freistaat Sachsen wird weitgehend geprägt durch das System der Zentralen Orte,
die als Leistungsträger das Grundgerüst für eine ausgewogene Entwicklung in allen Landesteilen bilden (vgl. „Zentrale Orte und zent-
ralörtliche Verbünde“, S. 48). Die Bedeutung der Zentralen Orte wird u. a. im „Leitbild für die Entwicklung des Freistaates Sachsen als
Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsraum“ verdeutlicht, das dem LEP 2013 vorangestellt ist.
In den Regionalplänen der zweiten Generation wurde das im LEP festgelegte System der Ober- und Mittelzentren um die Grundzentren
ergänzt. Dieses dreistufige zentralörtliche Konzept hat sich grundsätzlich bewährt. Auf eine Differenzierung der Mittelzentren im länd-
lichen Raum, wie sie noch im LEP 2003 mit den „Ergänzungsstandorten im ländlichen Raum“ festgelegt war, wird im Interesse gleicher
Entwicklungschancen und Handlungsspielräume im LEP 2013 verzichtet.
Neben der Weiterentwicklung des ländlichen Raumes fand auch die Stärkung der Zentralen Orte im Koalitionsvertrag der Sächsischen
Staatsregierung für die 6. Legislaturperiode ihren Niederschlag. Auch wenn es hierfür kein gesondertes Förderprogramm gibt, muss
unter den Bedingungen des demographischen Wandels, insbesondere im Bereich der Infrastrukturförderung, der Fokus auf die nachhal-
tige Konzentration der Leistungen der Daseinsvorsorge in Zentralen Orten gelegt werden (vgl. „Zentralörtliche Funktionen der Daseins-
vorsorge“, S. 124). Die jeweils zuständigen Fachplanungen können hier im Rahmen ihrer Fachförderung entsprechende Prioritäten
setzen.
Das Konzept der Zentralen Orte als Mittel zur Erreichung landesentwicklungspolitischer Zielsetzungen bezieht sich auf die folgenden
drei Teilziele der Nachhaltigkeit (Z 1.3.1):
Das Teilziel „sozial“ stellt auf die gerechte Verteilung von Ressourcen ab und erfüllt damit den Auftrag zur Her-
stellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Teilräumen. Insbesondere in ländlichen Räumen soll das Zen-
trale-Orte-System ein Mindestmaß an Versorgungsgerechtigkeit sicherstellen und das Versorgungsnetz stabilisie-
ren.
Das Teilziel „ökonomisch“ bezieht sich auf die Tragfähigkeit und Auslastung von Infrastruktureinrichtungen und
den effizienten Einsatz öffentlicher Mittel.
Das Teilziel „ökologisch“ zielt auf die Begrenzung des Ressourcenverbrauchs, den sparsamen Umgang mit Flächen
und die Minimierung ökologischer Belastungen ab. Dazu gehört auch eine an der Verkehrsvermeidung (bzw.
Verkehrsminimierung) orientierte Siedlungsentwicklung.
Die Standortvorteile der Zentralen Orte im Freistaat Sachsen bestehen insbesondere in Synergieeffekten durch die räumliche Konzen-
tration ihrer vielfältigen Funktionen für Wohnen und Infrastruktur sowie als wirtschaftliche Schwerpunkte und Verkehrsknoten. Diese
Funktionen bieten sie nicht nur für ihre eigene Bevölkerung, sondern auch für die Bevölkerung und die Wirtschaft in ihrem Verflech-
tungsbereich. Das Netz der Zentralen Orte soll verlässliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sowie für private und öffentliche
Träger der Daseinsvorsorge bei ihren Standort- und Investitionsentscheidungen bieten (Z 1.3.1).
Die Zentralen Orte der höheren Stufe übernehmen auch die Aufgaben der jeweils niedrigeren Stufen für die entsprechenden Verflech-
tungsbereiche (Z 1.3.2). Bis auf zwei Ausnahmen wird für alle Mittelzentren ein räumlich abgrenzbarer Verflechtungsbereich („Mittelbe-
reich“) kartographisch im LEP 2013 in der Erläuterungskarte "Mittelbereiche" dargestellt (vgl. „Verflechtungsbereiche und Erreichbarkeit
Zentraler Orte“, S. 52). Diese Mittelbereiche werden im Wesentlichen durch die Pendlereinzugsbereiche definiert. Dabei kommt es
vielfach auch zu Überschneidungen von Mittelbereichen. Die grundzentralen Verflechtungsbereiche („Nahbereiche“) werden in den
Regionalplänen abgegrenzt. Oberbereiche, das heißt Verflechtungsbereiche der Oberzentren, lassen sich auf Grund der großräumigen
Überschneidungen der funktionsbezogenen Einzugsbereiche nicht eindeutig abgrenzen und gehen zum Teil weit über die Landesgrenzen
des Freistaates Sachsen hinaus. Auf eine Darstellung im LEP 2013 wurde deshalb verzichtet. Die sächsischen Oberzentren Chemnitz,
Leipzig und Zwickau sind Kernstädte der Metropolregion Mitteldeutschland (vgl. „Länderübergreifende Zusammenarbeit und Europäische
Metropolregion Mitteldeutschland“, S. 36).
Die Festlegung zentralörtlicher Verbünde stellt grundsätzlich den Ausnahmefall dar, für den eine tatsächlich praktizierte Funktionsteilung,
die über eine interkommunale Zusammenarbeit hinausgeht, Voraussetzung ist. Die gemeinsame Wahrnehmung zentralörtlicher Funkti-
onen durch mehrere Gemeinden setzt voraus, dass die Funktionsteilung in einer entsprechenden vertraglichen Regelung, z. B. mittels
eines landesplanerischen Vertrages nach § 13 Abs. 2 Nr. 1 ROG, festgeschrieben ist (Z 1.3.5).
Auf der Ebene der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) wird derzeit an der weiteren Qualifizierung des raumordnerischen Ins-
truments der Festlegung Zentraler Orte, insbesondere unter dem Blickwinkel einer bundesweiten Vergleichbarkeit der Zentrale-Orte-
Systeme der Länder, gearbeitet, um eine nachhaltige Stärkung des Instruments sowohl in der Politik als auch in der Praxis zu erzielen.
Als Verbindungselemente der Struktur der Zentralen Orte dienen die Verbindungsachsen (vgl. „Überregionale und Regionale Achsen“,
S. 54). Im LEP 2013 (Festlegungskarte "Raumstruktur") werden die überregional bedeutsamen Verbindungs- und Entwicklungsachsen
festgelegt, die in den Regionalplänen durch regionale Achsen ergänzt werden (Z 1.5.3). Die überregional bedeutsamen Verbindungsach-
sen im LEP 2013 geben die räumlichen Verflechtungen der sächsischen Verdichtungsräume und Oberzentren mit den Oberzentren und
Verdichtungsräumen benachbarter Länder und Staaten sowie die Einbindung in europäische Verkehrsnetze wieder. Die weitere Ausge-
staltung der überregional bedeutsamen Verbindungs- und Entwicklungsachsen ist von fundamentaler Bedeutung, um Sachsen in den
europäischen Wirtschaftsraum einzubinden und die Wettbewerbsfähigkeit Sachsens zu sichern. Die Weiterführung der Achsen in den
Nachbarstaaten findet noch nicht immer eine leistungsfähige funktionale Entsprechung, was auf die unterschiedliche Anwendung des
raumordnerischen Instruments der Achsen in den Raumordnungsplänen der Nachbarregionen zurückzuführen ist.
Die durch die Regionalplanung festzulegenden regional bedeutsamen Verbindungs- und Entwicklungsachsen stellen die räumlichen
Verflechtungen von Oberzentren, Mittelzentren und Grundzentren dar. Sie erfüllen im Verdichtungsraum vorrangig Ordnungsfunktionen
und im ländlichen Raum vorrangig Erschließungsfunktionen.
Für die nachhaltige Raumentwicklung gemäß der Leitvorstellung nach § 2 Abs. 2 ROG bedarf es der Funktionsfähigkeit und der Zusam-
menarbeit aller unterschiedlich strukturierten Teilräume des Freistaates. Wachstum und Schrumpfung von Bevölkerung finden sowohl
in den Verdichtungsräumen als auch im ländlichen Raum mit seinen Teilräumen im unterschiedlichen Maße, oft auch in räumlicher Nähe,
statt (vgl. "Bevölkerungsentwicklung", S. 20). Mit der Festlegung von Raumkategorien im LEP 2013 (Festlegungskarte "Raumstruktur")
wird der unterschiedlichen bevölkerungs- und siedlungsstrukturellen Situation Rechnung getragen (vgl. „Raumkategorien“, S. 56). Die
auf Gemeindebasis abgegrenzten Raumkategorien wurden aktualisiert und dem teilweise veränderten Gebietsstand angepasst. Raum-
kategorien sind vor allem siedlungsstrukturell abgegrenzte Räume. An der grundsätzlichen Unterscheidung zwischen Verdichtungsräu-
men und dem ländlichen Raum wird daher im LEP 2013 festgehalten. Die Verdichtungsräume Chemnitz/Zwickau, Dresden und Leipzig
sind in ihrem räumlichen Umgriff im Vergleich zum LEP 2003 im Wesentlichen unverändert geblieben. Innerhalb des ländlichen Raumes
wurden die verdichteten Bereiche als gesonderte Raumkategorie mit veränderten Abgrenzungskriterien neu festgelegt.
Die Raumkategorien (vgl. „Raumkategorien“, S. 56) sind nicht per se Fördergebietskulissen. Einige Fachförderungen nutzen sie jedoch
zur räumlichen Schwerpunktsetzung, wenn die Förderinhalte auf die spezifischen Potenziale bzw. die Lösung spezieller Probleme der
Verdichtungsräume oder des ländlichen Raumes ausgerichtet sind.
SMI
Sachsens Raumstruktur
]
Abbildung 1.2: Aufbau eines Kennblattes
Hauptkapitel
Themenblatt
im
Unterkapitel
Kennblatt
gliedert sich in geschlossene Themenbereiche, die in Form von Kennblättern den Stand der Umsetzung der evaluierbaren Ziele und
Grundsätze der Raumordnung des LEP 2013 Ende 2014 darstellen. Ein entsprechender Verweis auf die in den Themen- und Kennblättern
aufgegriffenen Ziele und Grundsätze erfolgt durch „Z" und „G".
Die Gliederung des LEB 2015 ist übersichtlich und bietet einen einfachen thematischen Einstieg. Ergänzend ermöglichen das Kennblatt-
verzeichnis und das Stichwortverzeichnis die gezielte sachgebietsbezogene Suche.
Eine Sonderstellung nimmt das erste Hauptkapitel „Sachsens Bevölkerung" ein. Es skizziert die Eckdaten der demographischen Entwick-
lung, des Arbeitsmarktes und das Pendlerverhalten im Berichtszeitraum. Aus aktuellem Anlass wurde abweichend vom Berichtszeitraum
im Kapitel „Bevölkerungsentwicklung“ ein Themenblatt zur Flüchtlingsmigration 2015 ergänzt.
Aufbau der Kennblätter
Das Herzstück des LEB 2015 sind 56 einheitlich strukturierte Kennblätter. Die Ziele und Grundsätze der Raumordnung des LEP 2013 sind
den Kennblättern zugeordnet und geben somit die Thematik der Kennblätter vor. Jedes Kennblatt zeichnet sich durch folgende Elemen-
te aus (vgl. Abbildung 1.2):
Name des Kennblattes,
Bezug zum LEP 2013 durch Auflistung entsprechender Ziele und Grundsätze (inklusive inhaltlicher Kurzdarstellung),
differenzierte Darstellung der Ziele und Grundsätze nach Handlungsaufträgen an die Regionalplanung (
) und
den evaluierbaren Zielen und Grundsätzen (
),
Nennung evtl. Zielgrößen, gesetzlicher Grundlagen oder anderer Berichtspflichten,
Erläuterung bisheriger landesweiter Entwicklungen und Skizzierung der Umsetzung von Maßnahmen,
Darstellung möglicher Entwicklungstendenzen,
Karte des Entwicklungsstandes zum Ende des Berichtszeitraumes und
Abbildung der Entwicklung im Berichtszeitraum in Form eines Diagrammes, einer Tabelle, einer Grafik oder einer
zusätzlichen Karte.
SMI
Name des
Kennblattes
Ziele und
Grundsätze der
Raumordnung
des LEP 2013
Karte zum
Entwicklungsstand
Ende 2014
Diagramm zur
Entwicklung im
Berichtszeitraum
2010-2014
Kopf- und
Fußzeile mit
Kapitelkennung
ohne (
)/mit (
)
Handlungsauf-
trag an die
Regionalplanung

image
 
Sachsens Bevölkerung

20 |
1.1 Bevölkerungsentwicklung
Eckdaten 2010 - 2014
S a c h d a te n :
G e o b a sisd a te n :
K a rto g ra p h i :e
S ta L A , 0 9 .0 5 .2 0 11 / 3 1 .1 2 .2 0 1 4
G e o S N 2 0 1 4
S M I, R e fe ra t 4 6
Entwicklung 2011-2014
"d 5- %
- 5 - 2- 5, %
- 2 5, -0
%
0
-25 ,%
2 5,
-5 %
>
5%
Verlust (Einwohner)
"d 1 0 0
1 0 0 - 5 00
5 00 - 1 .0 0 0
> 1 .0 0 0
Gewinn (Einwohner)
"d 1 0 0
1 0 0 - 050
5 00 - 1 .0 0 0
1 0.0 0 - 1 0 .0 0 0
> 1 0 .0 0 0
G re n z e aLn dk re i /K
s re i fre
s ie ta
S d t
G e m e in de g re n ze
Karte 1.1:
Bevölkerungsentwicklung 2011-2014
Mit dem Zensus zum Stichtag 9. Mai 2011 wurden für Sachsen 4.056.799 Einwohner gezählt, 84.362 weniger als erwartet. Die Abweichung
von - 2 % war etwas größer als im Bundesdurchschnitt (- 1.8 %) und erklärt sich hauptsächlich aus der gegenüber der Fortschreibung
um fast 38.000 Personen geringeren Ausländeranzahl. 40 % dieser korrigierten Einwohnerzahl entfielen auf Leipzig (- 21.350) und
Dresden (- 11.854).
Seit 2011 ist Sachsen wieder Zuzugsland.
Nach einem Wanderungsverlust von 3.555 Personen 2010 und einem Wanderungsplus von
3.600 Personen 2011 brachten die Folgejahre deutliche Wanderungsgewinne von 12.000 und 13.000 Personen, die sich 2014 auf über
23.000 steigerten. Getragen wird der Wanderungsgewinn des Berichtszeitraumes zu 84 % vom Auslandssaldo. Bei insgesamt fast glei-
chen Anteilen überwog 2010 und ab Mitte 2014 die Zuwanderung aus Asien/Afrika, dazwischen die aus dem europäischen Ausland. Die
europäische Zuwanderung erfolgte zu 82,5 % aus EU-Staaten. Erstmals seit fast 50 Jahren konnte Sachsen 2014 wieder einen Bevölke-
rungszuwachs verzeichnen. Der Gewinn von fast 9.000 Einwohnern gleicht die relativ geringen Verluste der Jahre 2012 und 2013 aus.
Von 2010 bis 2014 ist Dresden „Geburtenhauptstadt“.
Trotz anhaltend hoher Geburtenzahlen in Dresden und der höchsten Gesamt-
fruchtbarkeitsrate der Länder (1,58 Kinder je Frau im Jahr 2014) wird das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 in Sachsen nicht erreicht.
Die rückläufige Anzahl potenzieller Mütter wird die absoluten Geburtenzahlen weiterhin verringern. Für Sachsen insgesamt wird das
Geburtendefizit die bestimmende Größe in der Bevölkerungsbilanz bleiben. Im Berichtszeitraum blieben sowohl die Geburtenzahlen als
auch die Anzahl der Sterbefälle sehr konstant (rund 35.000 bzw. 52.000 jährlich).
Das Wanderungsverhalten verschärft regionale Gegensätze.
Auf regionaler Ebene wird die Bevölkerungsentwicklung vom Wande-
rungsverhalten bestimmt. Die regionalen Unterschiede sind enorm. Die Menschen ziehen von den Dörfern in die Städte. Leipzig und

Sachsens Bevölkerung
| 21
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
StaLA, 09.05.2011
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt (KfSt.)
Gemeindegrenze
Männer je 100 Frauen
< 1 0 0
1 0 0 - 210
1 20 - 1 4 0
"e 1 4 0
Karte 1.2: Geschlechterproportion der 18- bis unter 30-Jährigen
Dresden üben eine große Anziehungskraft aus und gehören mit Wanderungsüberschüssen von 47.208 bzw. 25.469 Personen zu den
wachstumsstärksten Städten Deutschlands. Die sich auf Leipzig und Dresden konzentrierende Zuwanderung nach Sachsen ist zu 68 %
(Leipzig) bzw. 47 % (Dresden) Ursache dieser Zuzüge. Neben Chemnitz verzeichnen eine Reihe weiterer Mittelstädte geringere, auf in-
nersächsischen Wanderungen beruhende Gewinne. Die Unterschiede zwischen den dicht besiedelten Regionen um Leipzig und Dresden
und den dünn besiedelten peripheren Gebieten der Lausitz, Nordsachsens und im Erzgebirge/Vogtland verstärken sich weiter.
Es gibt eine Trendwende beim Thema Abwanderung.
Seit 2012 gewinnt Sachsen auch bei der innerdeutschen Wanderungsbilanz
wieder Einwohner hinzu. Nicht neu ist die positive Bilanz gegenüber den neuen Ländern, im Durchschnitt von 5.000 Personen jährlich,
das deutliche Plus von 1.832 Zuzügen gegenüber den alten Ländern 2014 schon. Der Trend geht bereits über einen längeren Zeitraum
in Richtung ausgeglichene Bilanz und betrifft sowohl die Fortzüge (Verringerung zwischen 2010 und 2014 von 31.000 auf knapp 27.000)
als auch die Zuzüge (Steigerung von 25.000 auf 28.700).
Sachsen hat deutschlandweit die zweitälteste Bevölkerung.
Das Durchschnittsalter der sächsischen Bevölkerung betrug zum Zensus-
stichtag 46,3 Jahre und erhöhte sich bis Ende 2014 weiter auf 46,7 Jahre. Auch hier sind die regionalen Unterschiede groß. Die Bevöl-
kerung des Vogtlandkreises ist durchschnittlich fünf Jahre älter als die der Stadt Dresden (42,6 Jahre). Die jüngste Bevölkerung hat die
Gemeinde Ralbitz-Rosenthal mit 39,7 Jahren, die vogtländische Gemeinde Bad Brambach hat mit 50,7 Jahren das höchste Durchschnitts-
alter. Der Anteil junger Menschen unter 18 Jahren liegt mit 13,4 % deutlich unter dem Bundesschnitt von 15,7 %, ist aber im Berichts-
zeitraum leicht gestiegen. Jeder vierte Sachse ist 65 Jahre oder älter (Sachsen: 24,8 %; Deutschland: 21,1 %), Tendenz steigend. Die
Bevölkerung im Erwerbsalter nimmt ab.
Die Abwanderung junger Frauen führt zum Männerüberschuss bei den 18- bis unter 30-Jährigen.
In Sachsen leben deutlich mehr
Frauen als Männer. Die Differenz zwischen weiblichen und männlichen Einwohnern betrug Ende 2014 mehr als 80.000. Zwei Drittel der
Gemeinden verzeichnen einen Frauenüberschuss. Bei Betrachtung der Altersgruppe der 18 bis unter 30-Jährigen zeigt sich dagegen ein
anderes Bild (vgl. Karte 1.2): Hier stehen statistisch 100 Männern durchschnittlich nur knapp 91 Frauen gegenüber (vgl. Karte 1.2). Von
dieser Entwicklung ist der Osten Sachsens am stärksten betroffen. Die Ursache liegt u. a. in der schon seit langem bekannten Abwande-
rung junger Frauen, die auf der Suche nach Arbeit oder Ausbildung deutlich mobiler sind.
Der Ausländeranteil liegt unter dem Durchschnitt.
Mit dem Zensus wurde die Anzahl der Ausländer in Sachsen von 115.000 auf 77.261
korrigiert. Die Zahl stieg bis Ende 2014 auf 117.057, was einem Bevölkerungsanteil von 2,9 % entspricht und weit unter dem bundes-
deutschen Anteil von 9,3 % liegt. Der Ausländeranteil erreicht in den Kreisfreien Städten maximal 6,1 % in Leipzig und bleibt in den
meisten Landkreisen deutlich unter 2 %. Über die Hälfte der Ausländer leben in Leipzig und Dresden. Die meisten Ausländer waren Ende
2014 Polen (10.134), Russen (9.326) und Vietnamesen (7.687), die bis 2012 die zahlenmäßig größte Gruppe bildeten.
SMI

22 |
1.1 Bevölkerungsentwicklung
Flüchtlingsmigration 2015
S a c h d a te n :
G e o b a sisd a te n :
K a rto g ra p h i :e
S M I, D e z . 2 0 1 5
G e o S N 2 0 1 4
S M I, R e fe ra t 4 6
G re n z e aLn dk re i /K
s re i fre
s ie ta
S d t (K fS t.)
Standort und Kapazität der
Erstaufnahmeeinrichtungen
[Plätze]
"d
2 00
2 0 0 - 5 00
5 0 0 - 7 05
>
7 05
Verteilungsquote
"d 6 %
6 - 7 %
7 - 8 %
8 - 9 %
> 9 %
Karte 1.3: Erstaufnahmeeinrichtungen 2015
2015 wurden 1,1 Mio. Menschen als Flüchtlinge in Deutschland erfasst, so viele wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. Insgesamt
wird für das Jahr 2015 von 890.000 Asylsuchenden ausgegangen. Die Verteilung innerhalb Deutschlands erfolgt nach dem Königsteiner
Schlüssel, der Sachsen zur Aufnahme von 5,1 % der ankommenden Flüchtlinge verpflichtet.
2015 sind in Sachsen fast 70.000 Menschen als Flüchtlinge angekommen, die teilweise jedoch in andere Bundesländer oder andere
EU-Mitgliedstaaten weiter gereist sind.
Dies sind
mehr als sechsmal so viele wie 2014. Dieser Flüchtlingsstrom ist die größte Herausfor-
derung für Politik und Gesellschaft seit der Wiedervereinigung. 2015 begann mit einer Zuwanderungswelle aus den Balkanstaaten,
insbesondere aus dem Kosovo, Albanien und Serbien. Da die Menschen dort weder politisch verfolgt werden noch als bedroht gelten, ist
deren Anerkennungsquote verschwindend gering. Ab Jahresmitte folgte eine massive Zunahme der Flüchtlingsströme aus den Kriegs-
regionen des Nahen und Mittleren Ostens, die das Gesamtbild des Jahres 2015 dominierten.
Ende 2015 standen ca. 19.000 Plätze in 49 Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) zur Verfügung
(vgl. Karte 1.3). Wer als Flüchtling nach
Deutschland kommt, muss sich in einer EAE, über die jedes Land verfügt, registrieren lassen. In den ersten maximal sechs Monaten
wohnen Flüchtlinge in einer EAE des Landes, dem sie entsprechend des Königsteiner Schlüssels zugewiesen werden. Die monatlichen
Zugangszahlen in den EAE Sachsens, die bis 2014 bei einigen Hundert lagen, stiegen ab Juli 2015 auf 4.000 und überschritten ab Sep-
tember die Zahl von 10.000 (vgl. Abbildung 1.3).
Die regulären Kapazitäten der EAE in Chemnitz und der Außenstelle Schneeberg mit ca. 2.000 Plätzen mussten fortwährend durch Pro-
visorien und temporäre Einrichtungen erweitert werden. Im Rahmen einer Neuordnung der Erstaufnahme errichtete Sachsen auch in
Leipzig und Dresden im Jahr 2015 neue EAE und hielt am Ende des Jahres 2015 trotz geringerer Belegung ca. 19.000 EAE-Plätze - unter

image
Sachsens Bevölkerung | 23
726
491
523
613
683
867
1.002
1.077
1.352
1.283
1.452
1.771
1.640
2.011
1.413
1.578
1.570
2.286
4.077
5.759
10.285
14.339
16.862
8.080
JFMAMJJASOND
2014
2015
Gesamt: 11.840
Gesamt: 69.900
Afghanistan
Pakistan
Syrien
Irak
Iran
Libanon
Kosovo
Albanien
Libyen
Marokko
Tunesien
Algerien
sonstige
3.540
10.213
29.697
8.152
1.382
1.432
1.743
2.804
1.558
1.608
580
77
7.114
5,1 %
14,6 %
42,5 %
11,7 %
2 %
2 %
2,5 %
4 %
2,2 %
3,2 %
10,2 %
Maghreb-
Staaten
69.900
Abbildung 1.3: Anzahl der Zugänge in Erstaufnahmeeinrichtungen
zum 31.12.2015 (Quelle: SK Sachsen)
Abbildung 1.4: TOP 10 der Herkunftsländer und sogenannte Maghreb -
Staaten zum 31.12.2015 (Quelle: LDS)
Einschluss temporärer Kapazitäten - vor. Die Bewältigung der Erstunterbringung mit Registrierung und medizinischer Versorgung und
die parallel beginnende Weiterverteilung auf die Landkreise und Kreisfreien Städte, verbunden mit der Schaffung regionaler und lokaler
Kapazitäten, prägten das Jahr 2015.
Mit Stellung eines Asylantrages erhalten Asylbewerber eine Aufenthaltsgestattung, die i.d.R. nach drei Monaten mit einer Aufhebung
räumlicher Aufenthaltsbeschränkungen verbunden ist. Damit sind nach der Phase der regionalen Erstverteilung auch Binnenwanderun-
gen absehbar. Potenzielle Wanderungsziele dürften vor allem strukturstarke Regionen mit ihren breiteren Bildungs- und Arbeitsange-
boten sein. Veränderungen werden sich durch die neue Wohnsitzregelung ergeben, die in § 12a Aufenthaltsgesetz (AufenthG) festlegt,
dass nach Anerkennung als Asylberechtigter oder erstmaliger Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis ein Ausländer verpflichtet ist, für drei
Jahre seinen Wohnsitz in dem Land zu nehmen, in dem sein Verfahren durchgeführt worden ist.
42 % der 2015 in Sachsen aufgenommen Flüchtlinge sind Syrer.
Über zwei Drittel der aufgenommenen Flüchtlinge stammen aus den
Kriegsgebieten Syriens, des Iraks und Afghanistans. Flüchtlinge vom Balkan stellen 8 %, Flüchtlinge aus den sogenannten Maghreb-
Staaten 3 % (vgl. Abbildung 1.4). Ende 2015 waren drei Viertel der Flüchtlinge männlich. 27 % sind unter 18 Jahre alt, nur 10 % 40 Jah-
re oder älter. Den größten Anteil stellt die Altersgruppe der 18 bis unter 40-Jährigen mit 63 %. Hier liegt der Frauenanteil bei ca. 20 %.
Gerechnet wird mit einer Verfünffachung der Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die zwar nur einen Bruchteil der Asylsu-
chenden ausmachen, aber einer besonderen Betreuung durch die Kinder- und Jugendhilfe bedürfen.
2015 wurden 28.317 Asylanträge für den Bereich Sachsen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) registriert.
2014 waren es noch 6.930. Entschieden wurden 14.600 Verfahren, davon 6.326 positiv. Davon erfolgte zu 98 % die Anerkennung als
Flüchtling gemäß § 3 Asylgesetz (AsylG)/Art. 16a Grundgesetz (GG); die Gewährung von subsidiärem Schutz und Abschiebeverbot waren
Ausnahmen. Die Anerkennungsquote lag bei 43 %.
Im Datenbestand der Zentralen Ausländerbehörde des Freistaates Sachsen (ZAB) wurden zum 31.12.2015 insgesamt 7.258 vollziehbar
ausreisepflichtige Ausländer mit bekanntem Wohnsitz sowie im seit 1991 kumulierten Bestand weitere 25.130 mit unbekanntem Wohn-
sitz (die keine Leistungen mehr empfangen, in ihre Heimatländer zurückgekehrt oder in andere Länder oder das Ausland verzogen sind)
geführt. Die Zahl der Rückführungen stieg von 1.037 im Jahr 2014 auf 1.725 im Jahr 2015, davon 940 Abschiebungen und 785 behörd-
lich bestätigte Ausreisen.
Die Zuwanderung wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen.
Dem trägt auch die Anfang 2016 veröffentlichte 6. Regionali-
sierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes (StaLA) Rechnung. Ergebnis ist wie schon in den vorangegangenen
Berechnungen ein Korridor, in dem sich die Bevölkerungszahl voraussichtlich bewegen wird. Begrenzt wird dieser von einer sich aus der
im April 2015 veröffentlichten 13. Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes ableitenden und einer sachsenspezifischen Variante.
Diese berücksichtigt annähernd die Flüchtlingszahlen des Jahres 2015 und erwartet binnen zehn Jahren den Rückgang auf das von der
Bundesvorausberechnung angesetzte Niveau sowie die Rückkehr eines Großteils der Flüchtlinge in ihre Heimatländer. Im Mittel der
Varianten werden für 2025 etwas über 4 Mio. Einwohner erwartet, gut 300.000 mehr als nach der letzten Prognose aus dem Jahr 2011.
Für 2030 sind zwischen 3,9 und 4 Mio. Einwohner prognostiziert (StaLA 2016).
SMI

24 |
1.2 Erwerbstätigkeit und Beschäftigung
Arbeitsmarkt und Pendlerverhalten
1 0 ,9 % | 7 ,7 %
1 4 ,2 % | 11 ,8 %
1 4 % | 1 0 ,2 %
1 2 ,7 % | 9 ,9 %
1 2 ,6 % | 1 0 %
11 ,9 % | 7 ,9 %
11 ,4 % | 7 ,9 %
11 ,3 % | 8 ,4 %
11 ,2 % | 8 ,8 %
11 ,1 % | 7 ,6 %
1 0 ,9 % | 9 ,1 %
1 0 ,6 % | 7 ,9 %
1 0 ,6 % | 7 ,9 %
Leipzig
Dresden
Chemnitz
Plauen
Görlitz
Hoyerswerda
Bautzen
Zwickau
S a c h d a te n :
G e o b a sisd a te n :
K a rto g ra p h i :e
S ta L A , 3 0 .0 6 .2 0 1 4 (E i wn o h n e r i m e rw e rb sfä h i egn A lte r)
S ta ti ti
s kd e r B fA , 3 0 .0 6 .2 0 1 4 (S V - p fl ih ti
c gB e sc h ä fti te
g - A u sp e n d l re
n a c h G e m e i dne n , A rb e i sl
t se
o n q u o te z u m 3 1 .1 2 . e i ens Ja h re s)
G e o S N 2 0 1 4
S M I, R e fe ra t 4 6
Arbeitsplatzdichte [Erwerbstätige
am Arbeitsort je 1.000 Einwohner
im erwerbsfähigen Alter]
"d
5 00
5 0 0 - 7 05
7 5 0 - 10 0. 0
>
10 .00
G re n z e aLn dk re i /K
s re i fre
s ie ta
S d t
G e m e in de g re n ze
Arbeitslosenquote
11 ,4 % | 7 ,9 %
2 01 0 ib s2 01 4
2 01 0
2 01 4
O b e rz e n tru m
O b e rz e n tra l re tä
S d te v e rb u n d
M itte l ezn tru m
Karte 1.4: Arbeitslosenquote und Arbeitsplatzdichte
Entsprechend den Grundsätzen der Raumordnung ist der Raum im Hinblick auf ein ausreichendes und vielfältiges Angebot an Arbeits-
und Ausbildungsplätzen zu entwickeln (§ 2 Abs. 2 Nr. 4 Raumordnungsgesetz (ROG)). Es sind die räumlichen Voraussetzungen für eine
nachhaltige Mobilität und ein integriertes Verkehrssystem zu schaffen (§ 2 Abs. 2 Nr. 3 ROG). Diese Grundsätze der Raumordnung sind,
soweit erforderlich, durch Festlegungen in Raumordnungsplänen zu konkretisieren. Daher wurde im LEP 2013 die Förderung von Inno-
vation und Wachstum als ein Handlungsschwerpunkt identifiziert.
Niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung.
In allen Landkreisen sank die Arbeitslosenquote seit 2010 kontinuierlich. In
Sachsen sank der Wert von 11,8 % im Jahr 2010 auf 8,8 % im Jahr 2014 und erreichte damit den niedrigsten Wert seit der Wiederver-
einigung. Der zunehmende Bedarf der Wirtschaft an Arbeitskräften zeigt sich nicht nur im Rückgang der Arbeitslosenquote sondern
auch im Anstieg der Erwerbstätigkeit. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Berichtszeitraum um fast 125.000
auf 1.511.499 (30.06.2014) deutlich gestiegen.
Diese Veränderungen am Arbeitsmarkt, die weiterhin wachsende Erwerbstätigkeit und der Rückgang der Arbeitslosenquote, haben un-
mittelbar Einfluss auf die Mobilität der Menschen. Vor allem in kleineren Gemeinden führt ein beschränktes Arbeitsplatzangebot zu
Pendlerverflechtungen hin zu attraktiven Arbeitsplätzen. Denn gute Erwerbschancen der Bevölkerung sind erfahrungsgemäß eher in den
Städten zu erwarten, da dort die Arbeitsplatzdichte bekanntermaßen höher ist als auf dem Land (vgl. Karte 1.4). Daher wird ein Teil des
städtischen Arbeitskräftebedarfs gewöhnlich durch Einpendler aus Umlandregionen abgedeckt (vgl. Karte 1.5).
Oberzentren weiterhin wichtigste Arbeitsplatzzentren.
Zwar nimmt die Bedeutung der Pendlerströme zwischen Umland und Stadt
tendenziell ab, dennoch bleiben die sächsischen Oberzentren aufgrund der hohen Konzentration der Arbeitsplätze weiterhin die wich-

Sachsens Bevölkerung | 25
Le ip zig
D re s de n
C h em n tz
i
P la u en
G ö rlitz
H o y e rs we rd a
B a u tz e n
Z w ic k a u
5 2 7
9 1
1 2 3 81 2 4 3
5 2 0
2 6 0
3 3 6
6 7 7
8 8 7
8 6 3
4 02
9 9
1 81 4
3 4
1 2 16
3 1
9 2 7
1 2 8 7
3 3 3
2 9 6
5 6
2 8 0
4 9 4
2 2 8
2 3 8 5
2 5 3 0
1 9 7
3 1 7
9 5
3 2
4 6
3 9
1 4
8 4
6 9
9 7
2 0 3
1 0
3 6
3 0
8 9
2 5
S a c h d a te n :
G e o b a sisd a te n :
K a rto g ra p h i :e
S ta ti ti
s kd e r B fA , 3 0 .0 6 .2 0 1 4 (P e n d l r)
e
LE P 2 0 1 3 (O b e r- u n d M i te l ezn tru m )
G e o S N 2 0 1 4
S M I, R e fe ra t 4 6
O b e rz e n tru m
O b e rz e n tra le r S tä d te v e rb u n d
M i te lz e n tru m
Anzahl der Pendler
"d 01 0
1 0 0 -5 00
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10 .00
Gemeinden mit
g e ri gn
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Auspendler-
überschuss
Einpendler-
überschuss
G re n z e aLn dk re i /K
s re i fre
s ie ta
S d t
G e m e in de g re n ze
Karte 1.5: Pendlerbeziehungen zwischen den Oberzentren und Pendlerüberschuss
tigsten Arbeitsplatzzentren (Z 1.3.6), auf die sich die stärksten Pendlerströme ausrichten. Allerdings sind von diesen Pendlerströmen nicht
alle Oberzentren gleichermaßen betroffen, sondern vor allem Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau (vgl. Karte 1.5). Gleichwohl weisen,
bis auf Hoyerswerda, alle Oberzentren einen positiven Pendlersaldo auf (BBSR-Analysen KOMPAKT 15/2015).
Intensivierung der Pendlerverflechtungen zwischen den Zentren.
Die erwähnte hohe Konzentration der Arbeitsplätze in den Oberzen-
tren und die Verbesserung der verkehrlichen Vernetzung der Zentren untereinander, z. B. durch schnellere Bahnverbindungen und
Ausbau des Straßennetzes (vgl. „Straßenausbau und Sicherung der Neubaustrecken“, S. 90), erhöhten die Flexibilität der Arbeitskräf-
te, so dass in Folge auch die Pendlerverflechtungen zwischen den Oberzentren zunehmen.
Auch grenzüberschreitend stiegen die Pendlerströme, wie z. B. zwischen Leipzig und Halle um 20 bis 25 %. Was einerseits sicherlich an
der kurzen zu überwindenden Distanz liegt, andererseits auch ein Hinweis auf ein attraktives Wohnumfeld sein kann. Steigende Ein-
pendlerzahlen aus benachbarten Oberzentren weist auch Bautzen auf. Ein Indiz für die zunehmende Attraktivität dieser Stadt als Ar-
beitsplatzzentrum der Region.
Diese intensiven Verflechtungsbeziehungen – insbesondere die starken Pendlerströme zwischen den Oberzentren und ihren Verdich-
tungsräumen erfordern jedoch auch leistungsfähige Schienenverbindungen im Nahverkehr (vgl. „S-Bahn-System und SPNV“, S. 92,
Z 3.4.3 und Z 3.4.4).
Der Anteil an Nachwuchskräften am Arbeitsmarkt sinkt weiter.
In nahezu allen Kreisen Sachsens können die aus dem Erwerbsleben
ausscheidenden Arbeitskräfte (60 bis 65-Jährige) immer schwerer durch berufliche Neueinsteiger (15 bis 20-Jährige) ersetzt werden. Im
Berichtszeitraum ist das Verhältnis der jungen zu den alten Erwerbsfähigen um 7 % von durchschnittlich 53 % im Jahr 2010 auf 46 %
im Jahr 2014 gesunken. Das heißt, dass der Zugang zu qualifiziertem Personal immer weniger über den direkten Zugriff auf junge Ab-
solventen gelingen wird.
Ernüchternde Bilanz bei der Rückwanderung von Beschäftigten nach Sachsen.
Grundsätzlich bringt die Rückwanderung viele Vortei-
le für die Zielregion mit sich, indem beispielsweise die Bevölkerungsstruktur stabilisiert und die Kaufkraft erhöht werden. Dennoch
profitiert der heimische Arbeitsmarkt nur bedingt davon, da die Rückkehrer zwar zu einem erheblichen Teil ihren Wohnort verlagern
nicht jedoch ihren Arbeitsplatz. Prinzipiell wären die Rückkehrer für Arbeitgeber eine gute Möglichkeit, Fachkräftestellen zu besetzen.
Jedoch besteht dabei das Problem, dass sächsische Arbeitgeber im Wettbewerb mit Arbeitgebern aus den alten Ländern stehen und
aufgrund geringerer Lohnzahlungen einen erheblichen Nachteil haben (IAB-Regional. IAB Sachsen 02/2015).
SMI

image
 
Sachsens Raumordnung

Landesentwicklungsplan 2013 und Fortschreibung der Regionalpläne
28 |
2.1 Landes- und Regionalplanung
Gemäß § 8 Abs. 1 ROG sind im Freistaat Sachsen ein landesweiter Raumordnungsplan sowie Raumordnungspläne für die Teilräume des
Landes (Regionalpläne) aufzustellen. Die Inhalte der Raumordnungspläne sowie die Verfahrensvorschriften für die Aufstellung der Plä-
ne sind im ROG sowie im Landesplanungsgesetz (SächsLPlG) geregelt. Für die Aufstellung des LEP für den Gesamtraum des Freistaates
Sachsen ist die oberste Raumordnungs- und Landesplanungsbehörde, das Sächsische Staatsministerium des Innern (SMI), zuständig.
Landesentwicklungsplan (LEP 2013)
Der am 12. Juli 2013 von der Sächsischen Staatsregierung beschlossene LEP 2013 ist das aktuelle Zukunftskonzept für die räumliche
Ordnung und Entwicklung im Freistaat Sachsen.
Der LEP koordiniert Nutzungsansprüche an den Raum in vertikaler (Zusammenspiel Land-Region-Gemeinde) als auch in horizontaler
Richtung (Fachpolitiken). Mit seinen wesentlichen Instrumenten (Zentrale Orte, Achsen, Raumkategorien, Vorrang-, Vorbehalts- und
Eignungsgebiete) gibt er landesweit ein räumliches Orientierungsmuster für Standortentscheidungen der Fachplanungsträger und für
private Investoren sowie vor allem den Rahmen für die konkrete Ausformung auf der Ebene der Regionalplanung vor.
Eine wesentliche Zielsetzung des LEP 2013 besteht weiterhin darin, die regionale Ebene im Sinne des Subsidiaritätsgedankens als die
sachgerechte Entscheidungsebene für räumliche Entwicklungen aufzuwerten. Insofern erfolgen im LEP 2013 selbst, bis auf das Kapitel
Verkehr, keine landesweiten Festsetzungen über Raumnutzungen, sondern entsprechende Handlungsaufträge an die Träger der Regio-
nalplanung, damit die Regionen nach einer landesweit einheitlichen Verfahrensweise letztendlich über die jeweiligen Raumnutzungen
selbst entscheiden können.
Der LEP 2013 ist auf einen Zeitraum von ca. zehn Jahren ausgerichtet. Er ist bei Bedarf durch Fortschreibung der weiteren Entwicklung
anzupassen. Mit dem Inkrafttreten des LEP 2013 erhielten die Regionalen Planungsverbände (RPV) den Auftrag, ihre Regionalpläne in-
nerhalb von vier Jahren an den LEP anzupassen (bis 2017).
Regionalplanung
Im Freistaat Sachsen obliegt die Regionalplanung den kommunal verfassten Regionalen Planungsverbänden (vgl. Karte 2.1). Seit der
Fusionierung der Verbände Südwestsachsen und Chemnitz/Erzgebirge zum neuen Planungsverband Südsachsen im August 2008 exis-
tieren in Sachsen vier Regionale Planungsverbände. Außerdem wurde zu diesem Zeitpunkt der ehemalige Kreis Döbeln (Planungsverband
Westsachsen) dem neu gebildeten Verband Südsachsen, der sich Ende 2009 in Region Chemnitz umbenannt hat, zugeordnet. Der Regi-
onale Planungsverband Westsachsen trägt seit Mitte 2010 den Namen Leipzig-Westsachsen.
Die Regionalen Planungsverbände sind nach § 4 Abs. 1 SächsLPlG verpflichtet, für ihre Planungsregion einen Regionalplan aufzustellen.
Die Regionalpläne sind aus dem LEP des Freistaates Sachsen zu entwickeln. In den Regionalplänen werden die Grundsätze nach § 2 ROG
sowie die Ziele und Grundsätze des LEP auf der Grundlage einer Bewertung des Zustandes von Natur und Landschaft sowie der Raum-
entwicklung räumlich und sachlich ausgeformt. Die Regionalpläne übernehmen zugleich auch die Funktion der Landschaftsrahmenplä-
ne nach § 6 Sächsisches Naturschutzgesetz (SächsNatSchG). Derzeit sind folgende Regionalpläne und Teilfortschreibungen in Sachsen
verbindlich:
RPV Leipzig-Westsachsen: Regionalplan Westsachsen: in Kraft getreten am 25.07.2008, Teilfortschreibung B 87n:
in Kraft getreten am 26.01.2012,
Planungsverband Region Chemnitz: Regionalplan Chemnitz-Erzgebirge: in Kraft getreten am 31.07.2008, Teilfort-
schreibung Wind: in Kraft getreten am 20.10.2005, Teilfortschreibung „Industrie und Gewerbe“: in Kraft getreten
am 28.10.2004 sowie Regionalplan Südwestsachsen: in Kraft getreten am 31.07.2008 [Unwirksamkeit des Kap.
Windenergienutzung – gemäß Normenkontrollurteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 19. Juni 2012
(Az.: 1 C 40/11); bestätigt durch Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Oktober 2012 ( Az.: 4 BN
35.12)],
RPV Oberes Elbtal/Osterzgebirge: Regionalplan Oberes Elbtal/Osterzgebirge: in Kraft getreten am 19.11.2009 (mit
Ausnahme des Teils Windenergienutzung), Teilfortschreibung Wind: in Kraft getreten am 24.04.2003 und
RPV Oberlausitz-Niederschlesien: Regionalplan Oberlausitz-Niederschlesien: in Kraft getreten am 04.02.2010.
Neben der Neuaufstellung eines Regionalplanes für die Planungsregion Region Chemnitz, der Aufstellungsbeschluss erfolgte bereits am

Sachsens Raumordnung | 29
KfSt.
Dresden
Osterzgebirge
Leipzig-
Westsachsen
Region Chemnitz
Oberes
Elbtal/
Oberlausitz-
Niederschlesien
Bautzen
Radebeul
Zwickau
Landkreis
Nordsachsen
Landkreis Meißen
Landkreis Bautzen
Landkreis
Görlitz
Landkreis
Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
Landkreis
Mittelsachsen
Erzgebirgskreis
Vogtlandkreis
Landkreis
Zwickau
Landkreis
Leipzig
KfSt. Leipzig
KfSt.
Chemnitz
22
18
17
16
19
20
21
2
1
4
3
5
7
6
13
15
8
10
11
12
14
23
24
9
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
RPV, 2015 (Braunkohlen- und
Sanierungsrahmenpläne)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Spreetal
Laubusch/Kortitzmühle
Zeißholz
Heide (sächs. Teil)
Skado und Koschen
Welzow-Süd (sächs. Teil)
Nochten
Trebendorfer Felder
Reichwalde
Borna-Ost/Bockwitz
Haselbach
Vereinigtes Schleenhain
Witznitz
Espenhain
Zwenkau/Cospuden
Profen
Delitzsch-Südwest/Breitenfeld
Goitzsche-Holzweißig-Rösa
Berzdorf
Bärwalde
Lohsa, Teil 1 und 2
Werminghoff (Knappenrode)
Scheibe
Burghammer
17
18
19
16
20
21
22
23
24
1
2
3
4
5
6
14
7
8
9
10
11
12
13
15
Planungsregion
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt (KfSt.)
Sitz der obersten Raumordnungs- und Landesplanungsbehörde (SMI)
Sitz der oberen Raumordnungsbehörde (Dienststelle der LDS)
Geschäftsstelle eines Regionalen Planungsverbandes
Sanierungsrahmenplan
in Fortschreibung
Braunkohlenplan
Sanierungsrahmenplan
Karte 2.1: Planungsregionen im Freistaat Sachsen
12.11.2008, wird daher in allen Planungsregionen seit 2013 die Fortschreibung der Regionalpläne (3. Generation) vollzogen.
Braunkohlenplanung
In den vom Braunkohlenbergbau betroffenen Planungsregionen „Leipzig-Westsachsen“ und „Oberlausitz-Niederschlesien“ ist durch die
Regionalen Planungsverbände für jeden Tagebau ein Braunkohlenplan als Teilregionalplan, bei stillgelegten Tagebauen als Sanierungs-
rahmenplan, aufzustellen (vgl. Karte 2.1). Grundlage der Braunkohlenpläne sind die langfristigen energiepolitischen Vorstellungen der
Staatsregierung. Die Betriebspläne der in den Braunkohlenplangebieten tätigen Bergbauunternehmen und die Sanierungsvorhaben sind
mit den Braunkohlenplänen in Einklang zu bringen.
In der Planungsregion „Oberlausitz-Niederschlesien“ wurde im Oktober 2007 durch den Regionalen Planungsverband das Fortschrei-
bungsverfahren für den Braunkohlenplan Nochten aufgenommen. Die Fortschreibung des Braunkohlenplanes ist im Mai 2014 in Kraft
getreten. Für den minimalen sächsischen Teil des Braunkohlentagebaus Welzow-Süd, Weiterführung in den räumlichen Teilabschnitt I
(sächs. Teil), wurde seit Mai 2009 ein Braunkohlenplan in enger inhaltlicher und zeitlicher Abstimmung mit den entsprechenden Braun-
kohlenverfahren in Brandenburg aufgestellt. Dieser Braunkohlenplan ist im Juli 2015 in Kraft getreten. Der seit 1994 verbindliche
Braunkohlenplan für den Tagebau Reichwalde hat nach wie vor Gültigkeit.
Im Dezember 2003 wurde durch den Regionalen Planungsverband „Westsachsen“ mit dem Verfahren zur Neuaufstellung des Braunkoh-
lenplanes Vereinigtes Schleenhain begonnen. Seit August 2011 ist der Braunkohlenplan Vereinigtes Schleenhain verbindlich.
In der Planungsregion „Oberlausitz-Niederschlesien“ sind 14 Sanierungsrahmenpläne aufgestellt und für verbindlich erklärt worden.
Davon wurde inzwischen der Sanierungsrahmenplan Olbersdorf aufgehoben, da seine Ziele hinsichtlich der Bergbausanierung vollstän-
dig umgesetzt sind. Für die anderen 13 Sanierungsrahmenpläne (Bärwalde, Berzdorf, Burghammer, Heide, Laubusch/Kortitzmühle,
Lohsa Teil 1, Skado und Koschen, Lohsa Teil 2, Scheibe, Spreetal, Tagebau I Werminghoff (Knappenrode), Trebendorfer Felder sowie
Zeißholz) wurde im Juli 2007 die Fortschreibung beschlossen, mit dem Ziel, die festgelegten Raumnutzungen künftig in den Regionalplan
zu integrieren.
In der Planungsregion „Leipzig-Westsachsen“ liegen sieben verbindliche Sanierungsrahmenpläne vor (Borna-Ost/Bockwitz, Delitzsch-
Südwest/Breitenfeld, Espenhain, Goitsche, Haselbach, Witznitz, Zwenkau/Cospuden). Für die Sanierungsrahmenpläne Delitzsch-Südwest/
Breitenfeld und Goitsche läuft zurzeit ein gemeinsames Fortschreibungsverfahren.
SMI

Europäische territoriale Zusammenarbeit
30 |
2.2 Europäische und Regionale
Zusammenarbeit
Der Freistaat bekennt sich im „Leitbild für die Entwicklung des Freistaates Sachsen als Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsraum“ des LEP
2013 zu einem starken Engagement in Europa. Das Kapitel „Einbindung Sachsens in Europa und Europäische Territoriale Zusammenarbeit“
bildet für die raumordnerische Positionierung Sachsens in Europa den strategischen Rahmen für alle Planungen, Maßnahmen und
Vorhaben. In Folge der EU-Erweiterungen liegt Sachsen nicht mehr am Rand sondern zentral innerhalb der EU. Um seiner Brückenfunk-
tion zwischen West- und Ost- sowie Nord- und Südeuropa gerecht zu werden, sollen die räumlichen Voraussetzungen für die Entwick-
lung Sachsens verbessert werden (G 2.1.2.1).
Aus dieser neu gewonnenen zentralen Lage innerhalb der EU ergeben sich für die Raumordnung neue Herausforderungen und Perspek-
tiven für die europäische Zusammenarbeit. Diesbezüglich formuliert der LEP 2013 die Notwendigkeit, dass Planungen und Maßnahmen
mit grenzüberschreitenden Auswirkungen nach den Grundsätzen der Gegenseitigkeit und Gleichwertigkeit zwischen den berührten
Staaten bzw. Ländern abgestimmt und umgesetzt werden (Z 2.1.2.3). Insbesondere werden die Stärkung und der Ausbau der Zusammen-
arbeit mit der Tschechischen Republik und der Republik Polen in den Fokus gerückt (vgl. „Grenzübergreifende Zusammenarbeit Sachsen-
Böhmen-Niederschlesien“, S. 32).
Zur Verringerung unterschiedlicher Entwicklungsstände der einzelnen Regionen werden auf europäischer Ebene verschiedene Förderin-
strumente bereitgestellt. Eines dieser Förderinstrumente ist die „Europäische Territoriale Zusammenarbeit“ (ETZ) als Teil der Kohäsions- und
Strukturpolitik der EU, die aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird. In der Förderperiode 2007–2013
wurde die ETZ aufgewertet und erstmalig als eigenständiges Ziel der EU-Strukturpolitik geführt (Ziel-3). Analog der vorangegangenen
Förderzeiträume, blieben die drei Ausrichtungen im Rahmen des Ziel-3 bestehen:
die grenzübergreifende Zusammenarbeit (INTERREG A),
die transnationale Zusammenarbeit (INTERREG B) und
die interregionale Zusammenarbeit (INTERREG C).
Der LEP 2013 unterstreicht die Bedeutung der Programme der ETZ für die Förderung der Zusammenarbeit (Z 2.1.2.4), der Vernetzung
und des Austausches von Erfahrungen zwischen Partnern auf der jeweiligen territorialen Ebene. Im Berichtszeitraum des LEB 2015 lag
der Schwerpunkt in Sachsen auf der Umsetzung der EU-Förderperiode 2007–2013 sowie der Vorbereitung der Förderperiode 2014–2020.
Grenzübergreifende Zusammenarbeit (INTERREG A)
Die grenzübergreifende Zusammenarbeit wurde im Rahmen des „Programms zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit
2007–2013 zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik“ sowie dem „Operationellen Programm der grenzübergrei-
fenden Zusammenarbeit Sachsen – Polen 2007–2013“ gefördert. Die Verwaltungsbehörden und damit die Gesamtverantwortung für
beide Programme lagen auf der sächsischen Seite. Die Programme stellen auf das übergeordnete Ziel ab, für das Fördergebiet grenz-
übergreifende wirtschaftliche, kulturelle, soziale und ökologische Aktivitäten für eine nachhaltige territoriale Entwicklung umzusetzen
sowie eine ausgeglichene Entwicklung mit dem Ziel der Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts zu unterstützen
(vgl. „Grenzübergreifende Zusammenarbeit Sachsen-Böhmen-Niederschlesien“, S. 32).
Transnationale Zusammenarbeit (INTERREG B)
In der Förderperiode 2007–2013 beteiligte sich Sachsen im Rahmen der transnationalen Zusammenarbeit im Programmraum Central
Europe. Im Vergleich zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit umfasst das Programm Central Europe mit Deutschland (Baden-Würt-
temberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), Norditalien, Österreich, Polen,
Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn, Slowenien sowie fünf Regionen der Ukraine einen wesentlich größeren Kooperationsraum. Das
nationale Programmgremium in Central Europe ist der „Deutsche Ausschuss“, in dem der Bund sowie die am Programm beteiligten
Länder vertreten sind. Es ist gelungen, den Nationalen Kontaktpunkt für das Programm in Dresden anzusiedeln. Insgesamt konnten 124
Projekte umgesetzt werden, wobei ca. 30 % aller deutschen Partner aus Sachsen kamen. Darüber hinaus war in jedem dritten Projekt
(40 von 124) des Programms ein Partner aus Sachsen vertreten und in 36 von 40 Projekten wurde mit polnischen und/oder tschechischen
Partnern zusammengearbeitet, wodurch die Kooperationsbeziehungen nach Polen und Tschechien gestärkt werden konnten.
In Central Europe wurden in der Förderperiode 2007–2013 unterschiedliche thematische Schwerpunkte gefördert. Im Rahmen des The-
menfeldes „Kulturelles Erbe und Kreativwirtschaft“ konnte unter Beteiligung verschiedener sächsischer Partner beispielsweise das Projekt
„ReSource“ umgesetzt werden. Dieses hatte die Analyse und Entwicklung von Kultur- und Naturpotenzialen ehemaliger mitteleuropäi-

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Sachsens Raumordnung
| 31
Foto 2.1: LABEL
Konferenz im
Sächsischen Landtag
(SMUL/Oliver Killig)
scher Bergbauregionen zum Ziel, um deren wirtschaftliche Basis neu zu definieren und Entwicklungsstrategien anzupassen sowie in den
Regionen eine neue Identität zu entwickeln.
Unter der Mitwirkung des SMI und weiterer sächsischer Partner beschäftigte sich das Projekt „LABEL“ (ELBE-LABE-Anpassung an das
Hochwasserrisiko im Elbeeinzugsgebiet) aus dem Themenfeld „Umwelt risiken und Klimawandel“ mit der Reduzierung von Risiken und
Wirkungen von Hochwasserereignissen, der Bewusstseinserhöhung zu Hochwassergefahren und dem Ausbau des ökonomischen Poten-
zials der Elbe.
Im Projekt „Via Regia plus“ des Themenfeldes „Nachhaltiger Verkehr und Logistik“ wurde das Ziel der Stärkung von Korridorknoten als
Entwicklungsmotoren durch eine Verbesserung der Erreichbarkeit des nachhaltigen Verkehrssystems und durch die Aktivierung touris-
tischer Potenziale verfolgt.
„ADAPT2DC“ (Adaptation to demographic change), ein Projekt des Themenfeldes „Demographischer Wandel und Wissensentwicklung“,
entwickelte innovative Lösungen für das Management von Dienstleistungen und öffentlicher Infrastruktur in Regionen und Städten mit
strukturellem Anpassungsbedarf.
Interregionale Zusammenarbeit (INTERREG C)
Die dritte Ausrichtung der ETZ beinhaltet die interregionale Zusammenarbeit. Das Fördergebiet umfasste das gesamte EU-Gebiet, ein-
schließlich der nichtkontinentalen und überseeischen Gebiete sowie Norwegen und die Schweiz. Im Rahmen dieses Programms wurden
insgesamt 204 Projekte gefördert. Aus Sachsen beteiligten sich 21 Partner an Projekten des Programms INTERREG IV C. Das Programm
unterstützte Projekte in zwei thematischen Prioritäten, in denen die Vernetzung sowie der interregionale Erfahrungsaustausch zwischen
regionalen und lokalen Behörden gefördert werden:
Die Priorität 1 „Innovation und Wissenschaft“ umfasste Themen, wie bspw. Forschung, technologische Entwicklung,
Wissensgesellschaft, Beschäftigung, Humankapital und Ausbildung. Ein in dieser Priorität unter der Mitwirkung
der Sächsischen Staatskanzlei durchgeführtes Projekt war „DART“ (Declining, Ageing and Transformation - Bevöl-
kerungsrückgang, Alterung und regionale Transformation). Im Rahmen des Projektes tauschten die beteiligten
europäischen Regionen Ideen, Erfahrungen und erfolgreiche Konzepte bzgl. der Auswirkungen des demographi-
schen Wandels aus.
Die Priorität 2 „Umwelt- und Risikomanagement" fördert Projekte mit den Themenschwerpunkten natürliche und
technologische Risiken, Wasser- und Abfallmanagement, Energie und nachhaltiger Transport sowie kulturelles
Erbe und Kulturlandschaften. Als sächsischer Partner wirkte das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie (LfULG) im Projekt „SHARP" (Sustainable Hydro Assessment and Groundwater Recharge Project) mit. Ziel
von „SHARP" war es mit innovativen Werkzeugen, Methoden und Technologien die existierenden Grundwasser-
ressourcen für zukünftige Generationen zu sichern und zu schützen. Im Vordergrund des Projektes stand der
Austausch von Erfahrungen zwischen den Projektteilnehmern auf dem Gebiet des nachhaltigen Grundwasserma-
nagements.
Der Freistaat Sachsen hat bis jetzt von der EU-Förderung erheblich profitiert und setzt sich für das intensive Einwerben und die nach-
haltige Nutzung der EU-Mittel sowie zur Sicherstellung eines höchstmöglichen Niveaus der EU-Förderung für alle sächsischen Regionen
auch weiterhin ein.
SMI

Grundsatz 2.1.2.1
Entwicklung der
Wirtschafts- und Kulturregion Sachsen-Böhmen-
Niederschlesien
Ziel 2.1.2.3
Abstimmung von grenzüberschrei-
tenden Planungen und Maßnahmen
Ziel 2.1.2.4
Stärkung und Ausbau der
Zusammenarbeit mit der Republik Polen und der
Tschechischen Republik
Grenzübergreifende Zusammenarbeit
Sachsen-Böhmen-Niederschlesien
32 |
Landesentwicklungsplan
2013
Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Europäische territoriale Zusammenarbeit
R Z E C Z P O S P O L I T A
P O L S K A
F R E I S T A A T
S A C H S E N
E S K Á R E P U B L I K A
M e iß en
S äc h sisc h e
S ch w e iz - O ste rz g eb irg e
C h e m n itz
E rz g e b irg sk re is
M itte lsa c h se n
G ö rlitz
D re sd en
B a u tz e n
V o g tla n d kre is
Z wic k a u
K a rlo va rsk ý k ra j
Ú ste c k ý k ra j
L ib ere c k ý k ra j
S a le - O rla -
K re is
G re iz
Z eilo no gó rsk i
Wroclaw
Je le n oi gó rsk i
W a lb rz y sk i
Wroclawski
S ä c h si csh es öFrd e rg e b i te
n ac h l Fxeib i li iru
esng sre g e l
P o ln ic hs -S ä c h si csh es
F ö rd e rg e b i te
Tsc h e c h i csh - S ä c h si csh es
F ö rd e rg e b i te
S a c h d a te n :
G e o b a sisd a te n :
K a rto g ra p h i :e
S M I R e fe ra t 4 6 (F ö rd e rg e b i te )
© G e o B a sis- D E /B K G 2 0 1 4 (D a te n v e rä n d e rt), © A rc C R , A R C D A TA , P R A H A , 2 0 1 4 , E S R I
S M I, R e fe ra t 4 6
L a n d e sg re n ze /W o i wo d sc h a ft
S ta a tsg re n z e
G re n z e aLn dk re i /K
s re i fre
s ie tSa d t/
K ra j P/o d re g i no
Karte 2.2: Fördergebiete der grenzübergreifenden Zusammenarbeit 2007–2013 im Rahmen des Ziels
„Europäische territoriale Zusammenarbeit“ zwischen Sachsen und Polen bzw. Tschechien
Die Grenze des Freistaates Sachsen mit der Tschechischen Republik und der Republik
Polen ist zugleich Chance und Verpflichtung für eine nachbarschaftliche Zusammenarbeit.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür bilden die 1991 bzw. 1992 geschlossenen
deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Nachbarschaftsverträge. Zudem bekennt
sich Sachsen in Artikel 12 der Verfassung des Freistaates Sachsen zur grenzüberschreiten-
den regionalen Zusammenarbeit und dem Ausbau nachbarschaftlicher Beziehungen.
Unterstrichen wurde dies durch die Unterzeichnung entsprechender Erklärungen zwischen
dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik sowie den Woiwodschaften Nie-
derschlesien und Lebuser Land. Als Ausdruck langjähriger, erfolgreicher Zusammenarbeit
wurden zu deren Verstetigung und Intensivierung im Jahr 2012 die sächsischen Verbin-
dungsbüros in Prag und Breslau eröffnet, um Abstimmungen zu verschiedenen Themen
direkt in den Nachbarländern vor Ort vornehmen zu können.
Darüber hinaus unterstützt der Freistaat Sachsen bereits seit den 90er Jahren grenzüber-
greifende Projekte sächsischer Kommunen und Landkreise sowie aus der Zivilgesellschaft
über die Richtlinie zur Förderung der grenzübergreifenden und interregionalen Zusam-
menarbeit sowie zur Förderung des Europagedankens (RL Internationale Zusammenarbeit).
Im LEP 2013 wird die Entwicklung der Wirtschafts- und Kulturregion Sachsen-Böhmen-
Niederschlesien als wesentlicher Bestandteil des Wirtschaftskernraumes in Europa in den
Vordergrund gerückt. Um diesem Erfordernis Rechnung zu tragen, ist die Intensivierung
der räumlichen Zusammenarbeit und die optimale Nutzung der bestehenden Potenziale
erforderlich (G 2.1.2.1).
Beiderseits der Grenze sind die Akteure aufgefordert, Planungen und Maßnahmen mit
grenzüberschreitenden Auswirkungen partnerschaftlich abzustimmen und umzusetzen

image
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Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Europäische territoriale Zusammenarbeit | 33
60
86
121
69
48
0
20
40
60
80
100
120
140
Prioritätsachse I
Prioritätsachse II
Prioritätsachse I
Prioritätsachse II
Prioritätsachse III
SN-PL 2007-2013
SN-CZ 2007-2013
Abbildung 2.1: Anzahl der geförderten Projekte (ohne Kleinprojekte) in den Programmen der grenzübergreifenden Zusammenarbeit in der Förderperiode
2007–2013 zwischen dem Freistaat Sachsen und der Republik Polen bzw. der Tschechischen Republik (Quelle: SMI)
(Z 2.1.2.3). Zur Förderung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bedienen sich sächsische Akteure unterschied-
licher Instrumente. Das Instrument der ETZ (Z 2.1.2.4) (vgl. „Europäische territoriale Zusammenarbeit“, S. 30) mit seinen Programmen
zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit mit Tschechien und Polen kam in der Förderperiode 2007–2013 vollumfänglich zum Einsatz.
Im sächsisch-tschechischen Programm konnten insgesamt 1.273 Projekte und im sächsisch-polnischen 401 Projekte umgesetzt werden.
Unter der Regie der Euroregionen wurden im Rahmen der Kleinprojektefonds im sächsisch-tschechischen Programm 1.035 und im
sächsisch-polnischen Programm 255 Kleinprojekte durchgeführt, die zur Stärkung der grenzübergreifenden lokalen Zusammenarbeit
beigetragen haben. Für das grenzübergreifende Förderprogramm mit der Tschechischen Republik wurden bilateral drei thematische
Förderschwerpunkte, so genannte Prioritätsachsen, definiert:
Prioritätsachse 1 - Entwicklung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Fördergebiet,
Prioritätsachse 2 - Entwicklung der Wirtschaft und des Tourismus und
Prioritätsachse 3 - Verbesserung der Situation von Natur und Umwelt.
Das grenzübergreifende Förderprogramm mit der Republik Polen umfasste zwei Prioritätsachsen:
Prioritätsachse 1 - Grenzübergreifende Entwicklung und
Prioritätsachse 2 - Grenzübergreifende gesellschaftliche Integration.
In beiden Programmen betrug die Förderquote bis zu 85 %. Abbildung 2.1 gibt einen Überblick über die Anzahl der geförderten Projek-
te (ohne Kleinprojekte) in beiden Programmen nach den verschiedenen Prioritätsachsen.
Die Zusammenarbeit auf Ebene der Landesentwicklung und Regionalplanung wurde im Berichtszeitraum in der auf Initiative der säch-
sischen Landesplanung 2005 gegründeten, „Sächsisch-Böhmischen Arbeitsgruppe Raumentwicklung“ und „Sächsisch-Niederschlesisch-
Lebuser Arbeitsgruppe Raumentwicklung“ kontinuierlich fortgeführt.
Der besondere Handlungsauftrag für die sächsische Landesentwicklung und Regionalplanung besteht in der Schaffung räumlicher Vo-
raussetzungen für den europäischen Zusammenhalt. Raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen, die erhebliche Auswirkungen auf
Nachbarstaaten haben können, sind nach den Grundsätzen der Gegenseitigkeit und Gleichwertigkeit mit diesen abzustimmen (Z 2.1.2.3).
Voraussetzung für ein abgestimmtes Handeln ist die möglichst frühzeitige Einbindung relevanter Akteure im Grenzraum bei der Erstel-
lung und Fortschreibung von raumrelevanten Planungsunterlagen mit grenzübergreifender Bedeutung. Die gegenseitige Information
und Abstimmung von Planungsentwürfen mit grenzübergreifenden Auswirkungen zwischen den Akteuren sind mittlerweile zu einer
Selbstverständlichkeit geworden und tragen zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Sachsen, Tschechien und Polen bei. Ein ge-
genseitiger Austausch erfolgte im Berichtszeitraum u. a. zur Politik der Raumentwicklung der Tschechischen Republik und den raum-
analytischen Unterlagen der Bezirke, zu den Raumordnungsplänen der Woiwodschaften Niederschlesien und Lebuser Land sowie zum
LEP Sachsen.
Einen wesentlichen Beitrag zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den sächsischen Trägern der Regionalplanung und ver-
gleichbaren Trägern der Raumplanung in der Tschechischen Republik und der Republik Polen haben die grenzübergreifenden Projekte
„CROSS-DATA - Grenzüberschreitendes Datenmanagement für raumbezogene Planungen“ und „Gemeinsam für den Grenzraum Nieder-
schlesien–Sachsen“ geleistet.
Um die Grenzraumentwicklung den künftigen Herausforderungen und politischen Zielsetzungen anzupassen, wurde durch das Minis-
terium für Regionalentwicklung der Tschechischen Republik und das SMI die Erarbeitung einer „Sächsisch-Tschechischen Grenzraum-
studie“ in Auftrag gegeben. Die 2013 veröffentlichten Ergebnisse dieser Studie dienen der besseren Koordination handlungs- und pro-
blemlösungsorientierter grenzüberschreitender Aktivitäten und der Stärkung des gemeinsamen Grenzgebietes. Untersucht wurden
Themen wie Bevölkerung und Daseinsvorsorge, Arbeitsmarkt und Wirtschaft, Verkehr und technische Infra struktur, Umwelt-, Natur- und
Landschaftsschutz sowie Regionalentwicklung mit Hilfe zahlreicher „Best-Practice“-Beispiele. Zur Abdeckung des gesamten Grenzge-
bietes wird gegenwärtig eine inhaltlich vergleichbare Studie zwischen Sachsen und Polen vorbereitet.
SMI

Regionalentwicklung
34 |
2.2 Europäische und Regionale
Zusammenarbeit
Die Region als Akteur
Auch im Freistaat Sachsen gewinnen die Regionen – und zwar auf unterschiedlicher Maßstabsebene – sowohl als Handlungs- als auch
als Aktionsraum zunehmend an Bedeutung. Hierfür maßgeblich ist auch eine gewachsene regionale Identifikation der Bewohner mit
ihrem erweiterten räumlichen Lebensumfeld. Die Hinwendung der Menschen zur regionalen Dimension ist zugleich auch ein Reflex auf
die Globalisierung und Internationalisierung vieler Lebensbereiche.
Den stetig neuen Anforderungen des zunehmenden Wettbewerbs und des Handelsaustausches in einer globalisierten Welt können die
Regionen nur durch eine verstärkte Zusammenarbeit, z. B. in regionalen Produktionsnetzwerken, begegnen. Zudem lassen sich durch
finanzielle Grenzen und die Auswirkungen des demographischen Wandels viele wirtschaftliche, ökologische und soziale Probleme nur
noch auf der Ebene der Region und nicht mehr von der einzelnen Kommune lösen. Die regionale Entwicklung wird von außen von einer
Vielzahl von Faktoren beeinflusst, auf die die Region selbst nur in begrenztem Maße einwirken kann. Entscheidungen der EU gewinnen
in allen Bereichen des täglichen Lebens an Bedeutung.
Fragen, wie die verkehrsmäßige Erschließung der Regionen durch Bundesautobahnen oder die Marktchancen und -preise für landwirt-
schaftliche und industrielle Erzeugnisse, werden meist fernab der Entscheidungssphären regionaler Akteure beantwortet. Vor diesem
Hintergrund ist es umso wichtiger, dass sich die maßgeblichen Akteure einer Region über die zur Verfügung stehenden eigenen Hand-
lungskompetenzen und -optionen im Klaren sind und daraus ihre eigenen Entwicklungspotenziale gezielt in Wert setzen können.
Aufwertung informeller Planungsinstrumente
Um auf die neuen Herausforderungen schneller und flexibler reagieren zu können, besteht ein Bedarf an geeigneten dezentralen Steu-
erungsinstrumenten. Die alleinige Orientierung auf die Erarbeitung der zum Teil sehr komplexen - formellen - Raumordnungspläne (LEP,
Regionalpläne (vgl. „Landesentwicklungsplan 2013 und Fortschreibung der Regionalpläne“, S. 28)) reicht für eine Steuerung der
räumlichen Entwicklung allein nicht mehr aus.
Denn mit – formellen - planerischen Vorgaben allein sind die Herausforderungen zur Raumentwicklung ohnehin nicht zu bewältigen.
Erst mit der Verknüpfung von formellen und informellen Instrumenten lassen sich aus regional initiierten Projekten zudem auch über-
tragbare und praxisnahe Lösungen entwickeln. Bundesweit und selbst begrenzt auf Sachsen gilt, dass hier ausreichend dokumentierte
Zusammenstellungen von „Guten Beispielen" aus den Modellregionen zur Verfügung stehen, die nunmehr weiter konkretisiert und in
Bezug auf ihre Umsetzung noch praktikabler gemacht werden können.
Regionalförderung in Sachsen gut abgestimmt und beispielgebend
Um gemeinsam mit den regionalen Akteuren konkrete Umsetzungsprojekte zu initiieren, stehen in Sachsen gesonderte Fördermittel zur
Verfügung: Umsetzungsprojekte können über die „Förderrichtlinie Regionalentwicklung (FR-Regio)“ des SMI unterstützt werden. Diese
seit Mitte der 1990er Jahre erfolgreich eingesetzte Förderrichtlinie war auch Vorbild für entsprechende Instrumente in anderen Ländern.
Zudem gibt es noch die Förderrichtlinie „Demographie" der Staatskanzlei, aus der innovative und übertragbare kleinere Projekte außer-
halb der Verdichtungsräume Dresden und Leipzig finanziert werden können. Schließlich sind - wie überall in Deutschland - auch die
ELER-Programme für die Entwicklung des Ländlichen Raumes zu nennen, die in der neuen Förderperiode bis 2020 sachsenweit in den
LEADER-Regionen fortentwickelt werden. Auch hierüber können beispielgebende Projekte umgesetzt werden (vgl. „Dorfentwicklung“,
S. 64).
Unverzichtbar ist dabei aber eine Harmonisierung der Planungsinstrumente im Rahmen von ressortübergreifenden Konzepten. Hierzu
stellt der aktuelle LEP 2013 mit seiner neuen Ausrichtung einen programmatischen Rahmen dar.
Voraussetzung für eine tatsächliche Harmonisierung ist jedoch der ressortübergreifende Konsens und eine verbindliche Abstimmung
über die - ggf. auch „nur" federführend anzusiedelnden - Zuständigkeiten. Dies wurde bei der Erarbeitung und Umsetzung des „Hand-
lungskonzeptes Demographie“ (2010) bereits praktiziert.
Instrumentell ist mit einem Kabinettsbeschluss zur „Harmonisierung der Planungsinstrumente" ebenfalls ein wichtiger Schritt gemacht
worden. Trotz unterschiedlicher räumlicher und sachlicher Förderkulissen müssen die in der Regionalentwicklung tätigen Ressorts für
Wirtschaft, Landwirtschaft, Stadtentwicklung und Landesplanung die jeweils vorliegenden räumlichen Entwicklungskonzepte des jeweils

image
Sachsens Raumordnung | 35
Foto 2.2: Baustelle
Harthkanal zwischen
Zwenkauer und
Cospudener See im
Kreuzungsbereich
mit der Autobahn
A 38 (LMBV mbH/
Peter Radke)
anderen berücksichtigen - auch bei der Vergabe von Fördermitteln. Zugleich sollen Tatbestände einer Doppelförderung ebenso ausge-
schlossen sein wie die vielfach beklagten „Förderlücken" zwischen Stadt und Land.
Förderung übertragbarer und praxisnaher Lösungen in den „Impulsregionen“
Vor diesem Hintergrund hat das SMI im Herbst 2013 erstmalig den Wettbewerb „Impulsregionen – Innovative Wege in der regionalen
Daseinsvorsorge“ ausgeschrieben. Dabei hat eine unabhängige Jury auf der Basis der eingereichten Wettbewerbsbeiträge vier Regionen
identifiziert, die sowohl aufgrund ihrer demographischen Ausgangslage als auch mit Blick auf ihre eingereichten Lösungsvorstellungen
das Potenzial für eine „Impulsregion“ bieten. Dies sind der Vogtlandkreis, Reichenbach/O.L. mit dem Landkreis Görlitz, der Erzgebirgskreis
und der Landkreis Nordsachsen.
Bei der Entwicklung dieser Impulsregionen sollen die mit dem demographischen Wandel verbundenen Aufgabenstellungen modellhaft
angegangen, möglichst praktisch umgesetzt und als beispielgebende Lösungen zur Nachahmung in anderen Teilen Sachsens weiterent-
wickelt werden. Hierfür stellte der Freistaat Sachsen im Doppelhaushalt 2013/14 erstmals insgesamt 7,6 Mio. € für investive Projekte
zur Verfügung, die auf der Grundlage der FR-Regio finanziell unterstützt werden können.
Im Gegensatz zu den bisherigen Modellvorhaben in Sachsen – und wohl auch in Deutschland insgesamt – werden damit nicht nur
Konzepte und Strategien zur Gewährleistung der regionalen Daseinsvorsorge gefördert, sondern ausdrücklich auch konkrete – investive
– Umsetzungsprojekte. Dabei gilt allerdings weiterhin der der FR-Regio zu Grunde liegende Vorrang der Fachförderung, sodass investi-
ve Maßnahmen nur dann gefördert werden können, wenn sich das Vorhaben durch einen innovativen und fachlich übergreifenden
Ansatz auszeichnet.
Grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit
Wesentliche Beiträge zur Regionalentwicklung liefern auch die Projekte der grenzüberschreitenden regionalen Zusammenarbeit zum
Ausbau nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen Sachsen und Polen sowie Tschechien; der besondere Stellenwert dieser Zusammen-
arbeit ist im Artikel 12 der Verfassung des Freistaates Sachsen verankert und findet sich auch im aktuellen Koalitionsvertrag 2014–2019.
Die Kooperation über Ländergrenzen hinweg hat zudem als eigenständiges Ziel Eingang in den LEP 2013 gefunden (Z 2.1.2.4) (vgl.
„Grenzübergreifende Zusammenarbeit Sachsen-Böhmen-Niederschlesien“, S. 32). Bezogen auf die Raumordnung sollen gemeinsame,
grenzübergreifende Strategien und Entwicklungskonzepte erarbeitet und umgesetzt werden, um Potenziale zu erkennen und Impulse
für die Regionalentwicklung zu geben.
Auch für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien ist festzustellen, dass der Einsatz informeller Planungs-
instrumente, die eine zielführendere Zusammenarbeit zwischen den Trägern der Regionalplanung beiderseits der Grenze erwarten lassen,
zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dagegen sind die Möglichkeiten einer gemeinsamen formellen Raumordnung angesichts der sehr
unterschiedlich entwickelten nationalen Planungssysteme noch sehr begrenzt.
SMI

Grundsatz 1.6.1
Zusammenarbeit über
Ländergrenzen (Brandenburg, Sachsen-Anhalt,
Bayern und Thüringen)
Grundsatz 1.6.2
Zusammenarbeit der
sächsischen Städte in der Metropolregion
Mitteldeutschland
Ziel 1.6.3
Stärkung Metropolfunktion durch
Koorperation sächischer Oberzentren mit ihrem
Umland
Grundsatz 1.6.5
Kooperation sächsischer
Städte der Metropolregion und ländlicher Raum
Länderübergreifende Zusammenarbeit und Eu-
ropäische Metropolregion Mitteldeutschland
36 |
Landesentwicklungsplan
2013
Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Regionalentwicklung
Frankenberg/Sa.
Leuna
Bitterfeld-Wolfen
Spergau
Zwickau
Dresden
Bernburg
Erfurt
Merseburg
Grüna
Markkleeberg
Schkopau
Magdeburg
Leipzig
Gera
Zeitz
Halle
Chemnitz
Jena
Dessau-Roßlau
Kabelsketal
Eisenach
Sachsen-Anhalt
Sachsen
Thüringen
Burgenlandkreis
Altenburger
Land
Leipzig
Saalekreis
Wittenberg
Mitglieder nach Kategorie
Forschungseinrichtung
Universität/(Fach-)Hochschule
IHK
Unternehmen
Landkreis
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
SMI, Referat 45, Dez. 2015
© GeoBasis-DE/BKG 2014
SMI, Referat 46
Anzahl der Mitglieder je Kategorie
Stadt
1
2 - 5
> 5
Land
Karte 2.3: Mitglieder der Metropolregion nach Kategorie und Anzahl
Die Ländergrenzen übergreifende Zusammenarbeit in der Raumordnung ist insbesondere
mit den beiden mitteldeutschen Nachbarn Sachsen-Anhalt und Thüringen wegen der
funktionalen Verflechtungen im Raum Leipzig-Halle sehr ausgeprägt entwickelt (G 1.6.1).
Auf der Grundlage gemeinsam geschlossener Staatsverträge haben sich die drei Länder
verpflichtet, sich über raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen regelmäßig auszu-
tauschen; im Fall mit Sachsen-Anhalt geschieht dies über die Raumordnungskommission
Halle-Leipzig (ROKO) (G 1.6.1).
Die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland hat sich nach ihrer inhaltlichen und
organisatorischen Neuausrichtung 2014 durch die Einbeziehung der Wirtschaft, der Kam-
mern und der Hochschulen zunehmend für die Stärkung der Region als Wirtschafts- und
Technologiestandort verwendet. Überdies konnte durch die Einbeziehung der Landkreise
als Mitglieder die Kooperation zwischen den Städten des Verdichtungsraumes und dem
ländlichen Raum intensiviert werden (Z 1.6.5). Die drei mitteldeutschen Länder unterstüt-
zen die Projektarbeit der Metropolregion durch eine Zuwendung.
Gemeinsame Projekte der Regionalentwicklung sind jedoch nicht auf den Kernraum Leip-
zig/Halle begrenzt. So wurde die langjährige Kooperation in der Dübener Heide beiderseits
der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt mit Förderung durch die Länder 2010–2012 fortge-
setzt. Mit dem Freistaat Thüringen gab es Projekte im Raum Werdau-Greiz (2013/2014)
sowie im Regionalen Entwicklungskonzept Altenburg-Borna (2010–2013). Die raumord-
nerische Zusammenarbeit mit Brandenburg hat v. a. im Bereich des Lausitzer Seenlandes
und in Bad Muskau/Fürst-Pückler-Park/Kulturlandschaft Schwerpunkte.
Zusammenarbeit mit den benachbarten Ländern (G 1.6.1)
Die Ländergrenzen übergreifende Zusammenarbeit bedient sich im Wesentlichen infor-
meller Instrumente der Raumordnung. Mit Förderung durch die FR-Regio sowie analoger

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Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Regionalentwicklung | 37
Unternehmen
Forschungseinrichtung
Universität/Hochschule
IHK
Stadt
Landkreis
Land
9
1
6
1
1
2
3
7
1
2
10
4
3
18
2
7
4
3
9
4
1
7
4
3
22
1
1
7
5
5
AG
Demographie und
Ausbildung
AG
Wirtschaft und
Standort-
entwicklung
AG
Verkehr und
Mobilität
AG
Wissenschaft und
Forschung
AG
Kultur und
Tourismus
Abbildung 2.2: Anzahl der Vertreter in den Arbeitsgruppen nach Kategorie (Mehrfachmitgliedschaften einer Person möglich, Quelle: Mitgliederverzeichnisse
der AGs der Metropolregion Mitteldeutschland)
Mittel Sachsen-Anhalts konnte 2013/14 mit dem „Tourismuswirtschaftlichen Gesamtkonzept" (TWGK) ein Rahmenkonzept für eine
Region von rund 6.500 km² entwickelt werden, dessen räumlicher Umgriff insgesamt zehn Landkreise und Kreisfreie Städte Mittel-
deutschlands umfasst. Die wirtschaftliche Inwertsetzung der Gewässerlandschaft wird auch begünstigt durch die günstigen verkehrlichen
Erreichbarkeiten – nicht zuletzt durch das neue S-Bahn-Netz Mitteldeutschland. Hierzu ist – ebenfalls über drei Länder hinweg – zwischen
2013 und 2015 für einen Raum mit insgesamt rund 1,7 Mio. Einwohnern eine „Regionalstrategie Daseinsvorsorge: Mobilität und Infra-
strukturen“ erarbeitet worden, die insbesondere die Herausforderungen für die dünner besiedelten Teile im Öffentlichen Personennah-
verkehr (ÖPNV) bis 2030 untersucht hat.
Die Projektergebnisse wurden in der ROKO, die sich im Berichtszeitraum zu vier Sitzungen getroffen hat, intensiv beraten. Darüber hin-
aus informierten sich die Mitglieder der ROKO gegenseitig u. a. über Vorhaben im Einzelhandel, den Stand der Regionalplanungen, die
Stadt-Umland-Beziehungen der Oberzentren Halle und Leipzig sowie über die Neuausrichtung der Metropolregion.
Europäische Metropolregion Mitteldeutschland (G 1.6.2, G 1.6.3)
Die Metropolregion Mitteldeutschland war bis 2013 ein Städtenetz der Oberzentren Chemnitz, Dessau-Roßlau, Dresden, Gera, Halle
(Saale), Jena, Leipzig, Magdeburg und Zwickau in den drei mitteldeutschen Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Jahr
2013 hat sich die Landeshauptstadt Dresden entschieden, die Metropolregion zu verlassen. Auch die Landeshauptstädte Magdeburg und
Erfurt sowie Weimar entschlossen sich, der Metropolregion nicht als Mitglieder angehören zu wollen. Diese Entscheidungen waren für
die verbliebenen Mitgliedsstädte Anlass, sich im Rahmen eines Strategieworkshops im September 2013 über die Sinnhaftigkeit und
künftige Ausrichtung der Metropolregion zu verständigen. Die Oberbürgermeister der übrigen Mitgliedsstädte haben sich einvernehm-
lich für eine weitere Zusammenarbeit als Metropolregion Mitteldeutschland ausgesprochen, wobei sich diese in die Fläche erweitern und
mit der „Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland" (WiM) zusammenarbeiten soll. Dabei wurde Wert auf eine formal institutionalisier-
te Organisationsform (Verein) gelegt.
Die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland verfügt durch die Mitgliedschaft im Netzwerk der Europäischen Metropolregionen
METREX auch über gute Verbindungen zu anderen europäischen Ballungs- und Großräumen.
Zur räumlichen Abgrenzung der Metropolregion wurde ein anfänglicher Aktionsraum definiert. Dieser Aktionsraum erstreckt sich mit
einem Radius von ca. 100 km um die Städte Halle (Saale) und Leipzig, wird im Süden durch die Städte Chemnitz, Zwickau, Gera und Jena
begrenzt und erstreckt sich im Norden bis Dessau-Roßlau. Weiter wurde sich darauf verständigt, in einem ersten Schritt die in diesem
Aktionsraum befindlichen Landkreise aktiv für eine Mitarbeit/Mitgliedschaft in der Metropolregion zu gewinnen. Inzwischen gehören
fünf Landkreise, darunter der Landkreis Leipzig, der „neuen“ Metropolregion an. Damit haben kreisangehörige Mittelzentren nunmehr
die Möglichkeit, sich in die Arbeitsstrukturen der Metropoloregion einzubringen. Hinzu kommen Wirtschaftsunternehmen, Kammern,
Hochschulen und sonstige Institutionen (vgl. Karte 2.3).
Die im April 2014 beschlossene Satzung sieht eine Umlagefinanzierung durch die Mitglieder vor; die drei Länder haben den Status eines
„Unterstützers“. Die fachliche Arbeit leisten derzeit fünf Arbeitsgruppen (AG) (vgl. Abbildung 2.2):
AG Wirtschaft und Standortentwicklung,
AG Wissenschaft und Forschung,
AG Demographie und Ausbildung,
AG Kultur und Tourismus und
AG Verkehr und Mobilität.
SMI

Grundsatz 1.1.1
ausgewogene Entwicklung
und Zusammenarbeit der Teilräume des Freistaates
Sachsen
Grundsatz 1.1.2
Bewahrung und Stärkung der
lokalen und regionalen Identität der Teilräume
Grundsatz 1.1.3
Berücksichtigung
unterschiedlicher Gegebenheiten und Potenziale in
den Teilräumen
Grundsatz 2.1.1.1
Stärkung der regionalen
Handlungsfähigkeit durch Regionale
Kooperationsnetzwerke und interkommunale
Zusammenarbeit
Grundsatz 2.1.1.2
Integrierte Strategie- und
Handlungskonzepte (ILEK, INSEK, REK)
Grundsatz 2.1.1.3
Vorbereitung und
Begleitung von Aufgaben der raumordnerischen
Zusammenarbeit durch Regionalplanung
Regionale Maßnahmen und Kooperationen
38 |
Landesentwicklungsplan
2013
Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Regionalentwicklung
6
7
9
4
5
3
8
33
31
30
2
32
29
26
1
27
28
25
Chemnitz
Dresden
Leipzig
Bautzen
Erzgebirgskreis
Görlitz
Leipzig
Meißen
Mittelsachsen
Nordsachsen
Sächsische Schweiz - Osterzgebirge
Vogtlandkreis
Zwickau
34
35
36
22
10
11
12
13
14
15
16
17
18
20
21
23
24
19
40
38
37
39
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
SMI, Referat 45, Apr. 2014
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Gemeindegrenze
Karte 2.4: Aktionsräume der Regionalentwicklung
In den vergangenen Jahren standen der kommunalen Ebene zunehmend geringer wer-
dende finanzielle Ressourcen zur Verfügung. Andererseits müssen die Herausforderungen
des demographischen Wandels bewältigt werden. Die in diesem Spannungsfeld entste-
henden Probleme können perspektivisch nur noch auf Ebene der Regionen gelöst werden.
Die Stärkung und Weiterentwicklung der Teilräume unter Ausschöpfung ihrer Potenziale
ist daher ein wichtiger Grundsatz bei der Förderung der Regionalentwicklung (G 1.1.3).
Aber auch die Bewahrung regionaler Identität ist eine wesentliche Säule im Hinblick auf
die Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität (G 1.1.2).
Eine kooperative Zusammenarbeit ist eine erfolgversprechende Möglichkeit, um Synergie-
effekte zu erzielen und den strukturell bedingten Herausforderungen erfolgreich zu be-
gegnen. Die interkommunale Kooperation basiert dabei auf den Prinzipien der Freiwilligkeit
und Einigkeit der Kooperationspartner (G 2.1.1.1).
Für eine Steuerung der teilräumlichen Entwicklung bedarf es zunehmend handlungs-,
projekt- und umsetzungsorientierter informeller Planungsinstrumente, wie z. B. das Re-
gionale Handlungs- bzw. Entwicklungskonzept (RHK, REK, § 13 ROG, § 13 SächsLPlG)
(G 2.1.1.2). Das REK/RHK soll zur Stärkung der regionalen Identität und damit auch zur
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Regionen dienen. Die darin festgeschriebenen
konkreten Maßnahmen werden gemeinsam in Angriff genommen, sodass das Konzept vor
allem durch die „Selbstbindung“ der an der Kooperation Beteiligten wirkt.
Seit Bestehen der Richtlinie zur Förderung der Regionalentwicklung (FR-Regio) haben sich
insgesamt 40 Aktionsräume der Regionalentwicklung herausgebildet, die die interkom-
munale Zusammenarbeit und Abstimmung verfolgen. Bereits bestehende Kooperations-
netzwerke wurden fortgeführt, aber auch neue geschaffen. Darunter zu finden sind einer-
seits formelle Aktionsräume, wie etwa der im LEP ausgewiesene Oberzentrale Städtever-

Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Regionalentwicklung | 39
Formelle Aktionsräume
1
Oberzentraler Städteverbund
Bautzen-Görlitz-Hoyerswerda
Mittelzentraler Städteverbund
Silberberg
2
Grundzentraler Städteverbund
Sachsenkreuz
5
8
Grundzentraler Verbund Lamperts-
walde-Schönfeld-Thiendorf
7
Grundzentraler Städteverbund
Zwenkau-Böhlen
6
Grundzentraler Städteverbund
Groitzsch-Pegau
9
Grundzentraler Gemeindeverbund
Großdubrau-Radibor
Informelle Aktionsräume
Sächsische Mitgliedsstädte
der Metropolregion
Mitteldeutschland
25
33
Grenzüberschreitendes
Städtenetz Rumburk-
Varnsdorf-Seifhennersdorf-
Großschönau
Demographischer Wandel
Modellvorhaben
Aktionsprogramm regionale
Daseinsvorsorge Oberes Elbtal/
Osterzgebirge
36
Modellregion Westerzgebirge
35
Modellregion Oberlausitz-
Niederschlesien
34
38
Impulsregion Reichenbach/O.L.
und Landkreis Görlitz
37
Impulsregion Vogtlandkreis
floez-Region
15
Grüner Ring Leipzig
10
Raum Altenburg-Borna
13
Sanierungs- und
Entwicklungsgebiet
Uranerzbergbau
17
Erzgebirge
16
Fürst-Pückler-Park
und Kulturlandschaft
14
Dübener Heide
12
Krabat-Region
23
Lausitzer Seenland
20
Umgebindeland
22
Impulsregion Erzgebirgskreis
40
39
Impulsregion Landkreis
Nordsachsen
Kommunales Forum
Südraum Leipzig
11
Terra plisnensis
24
Oberlausitzer Heide-
und Teichlandschaft
21
18
Region Dresden
ErlebnisREGION Dresden
19
28
Städtenetzwerk Oberlausitz
27
Städtenetz Torgau-Oschatz-
Döbeln-Riesa-Mittweida
Sächsisch-Bayerisches
Städtenetz
26
29
Städtebund Dübener Heide
31
Städteverbund
Nordöstliches Vogtland
32
Städtebund Elbe-Elsteraue
Städteverbund
Kleines Dreieck
30
4
Mittelzentraler Städteverbund
Göltzschtal
3
Mittelzentraler Städteverbund
Sachsenring
bund Bautzen-Görlitz-Hoyerswerda, andererseits informelle Aktionsräume, wie das „Lausitzer Seenland“. Die Aktionsräume Schkeuditzer
Kreuz und Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau (WIREG Chemnitz) – Zwickau haben sich zwischenzeitlich aufgelöst. In Karte 2.4 sind
die Aktionsräume im Freistaat im Einzelnen ersichtlich.
Regionale Maßnahmen bedürfen aufgrund begrenzt vorhandener Mittel häufig finanzieller Unterstützung. Mit der FR-Regio können die
Regionen in die Lage versetzt werden, ihre Entwicklungspotenziale zu identifizieren und auszuschöpfen. Die interkommunale Zusam-
menarbeit hat sich nach den Bewertungen der kommunalen Ebene und nach den Aktionsräumen durchweg positiv entwickelt, wenngleich
vielleicht nicht bei jedem Einzelprojekt die ursprünglichen Zielsetzungen immer in der geplanten Zeit erreicht werden konnten. Durch
entsprechende Projekte kann die Zusammenarbeit jedoch befördert, gestärkt und verstetigt werden (G 2.1.1.1).
Nach einer Pause im Zuge der Haushaltskonsolidierung in den Jahren 2011 und 2012 konnte auf Wunsch insbesondere der kommunalen
Ebene die FR-Regio im Doppelhaushalt 2013/2014 wieder mit Fördermitteln ausgestattet werden. So wurden mithilfe der FR-Regio
insgesamt 61 Projekte mit einer Gesamtsumme von ca. 1,53 Mio. € gefördert. Darunter sind u. a. Regionale Handlungs- bzw. Entwick-
lungskonzepte, Modellprojekte der Raumordnung, Studien und Vorplanungen sowie sonstige regionale Konzepte. Aber auch die imma-
teriellen Werte, wie die Bewahrung und Stärkung regionaler Identität in den Teilräumen sind Aufgabe der Regionalentwicklung (vgl.
„Sorben“, S. 40). Beispielhaft ist an dieser Stelle das geförderte Kulturlandschaftsprojekt Mittelsachsen zu nennen.
Um die FR-Regio an aktuelle Entwicklungen, insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen des demographischen Wandels, an-
zupassen, wurde diese im Jahr 2013 überarbeitet. Zum einen wurden - in Abgrenzung zu Förderbereichen anderer Richtlinien - Abbruch-
maßnahmen bei der Brachenrevitalisierung als Fördergegenstand der FR-Regio gestrichen.
Zum anderen kamen - mit dem Ziel der Sicherstellung einer nachhaltigen regionalen Daseinsvorsorge - investive Maßnahmen zur Ent-
wicklung von Impulsregionen als neuer Fördergegenstand hinzu. Die vier aus einem Wettbewerb des SMI hervorgegangenen Impulsre-
gionen sind: Vogtlandkreis, Reichenbach/O.L. und Landkreis Görlitz, Landkreis Nordsachsen, Erzgebirgskreis. In diesen vier Referenzregi-
onen konnten im Berichtszeitraum acht Projekte mit insgesamt 2,2 Mio. € gefördert werden.
Ferner wurde der Landkreis Meißen für ein Modellprojekt der Raumordnung aus dem „Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge“ des
Bundes unterstützt, welches in Kooperation mit den Städten Radebeul, Radeburg und Coswig sowie den Gemeinden Moritzburg und
Ebersbach durchgeführt wurde und beispielhaft für die sich aus dem demographischen Wandel ergebenden Problemlagen steht. Das
Projekt hat die Einrichtung eines mobilen Beratungszentrums für ältere Menschen in der o. g. Teilregion zum Ziel.
Ein weiteres Handlungsfeld der interkommunalen Kooperation stellen die Maßnahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) dar.
Auf der Grundlage der Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepte (ILEK) und nach eigenen Prioritätensetzungen konnten die 35 ILE/
LEADER- Regionen bis 2013 wichtige Ziele der ländlichen Entwicklung ressort- und sektorübergreifend umsetzen (G 2.1.1.2) (vgl. „Dorfent-
wicklung“, S. 64).
SMI

Grundsatz 1.1.2
lokale und regionale Identität
der Teilräume
Grundsatz 2.1.2.1
Entwicklung der
Wirtschafts- und Kulturregion Sachsen-Böhmen-
Niederschlesien
Ziel 6.3.9
zweisprachige Kindertagesbetreu-
ungsangebote bzw. Bildungseinrichtungen im
sorbischen Siedlungsgebiet
Grundsatz 6.4.1
Netz der Kultureinrichtungen,
regionale kulturelle Tradition
Sorben
40 |
Landesentwicklungsplan
2013
Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Regionalentwicklung
E lst eh er die /
H a lat orw sk a H o la
S p re e atl/
S p rje win y D o B
H o y e sw
r e dra /W o je er cy
W it tc hie na u /K u lo w
O ß lin g /
W ó slin k
L o h sa /
A a z
B o x be gr/
H a m o r
R ie tc hse n/
R ˙ ic y
K ra u sc h w it /z
K ru aw ic a
W e ßik e ßie /l
W u sk id z
W e ßiw a sse /r
B ˙ aB W o d a
Tre be nd o rf/
Trje bin
S c h le fe
i /
S le po
G ro ß D ü b e n/
D z ˙ win
G a b le nz /
Ja b Bo D c
B a d M u sk a u /
M u ~ a k o w
K re ba - N e ud o rf/
C h rje bja - N o w a
W je s
Q u it dzo rf
a m S e e
M ü c k a /
M ik o w
H o h e nd u b ra u /
W y so k a
D u b ra w a
K a m e nz /
K a m je nc
K ö n ig sw a rt ha /
R a k e cy
R a lb it -zR o se nt ha l/
R a lb ic y - R ó ~ a n t
N e be sc
l h ü t /z
N je bje lic y
R ä c k e wl it /z
W o rk le cy
E lst ar/
H a lat orw
P a n sc h w it -zK u c k a u /
P a n ic y - K u k o w
B u rk a u /
P o rc h o w
G ö d a /H o d z ij
D o b e sc
r h a u - G a u ß ig /
D o b ru aa - H u sk a
G ro ß p o st wit /z
B u d e st e yc
O b e gru rig /
H o rn ja H ó rk a
B a u t ez n/B u d y ain
N e sc h w it /z
N je sw a id Bo
R a d ib o r/
R a d w o r
G ro ß d u b ra u /
W u lk a D u b ra w a
M a lsc h w it /z
M a le ae cy
K u b sc h ü t /z
K u b aic y
W e ßie nb e gr/
W ó sp o rk
H o c h k irc h /
B u k e cy
P u sc h w it /zB ó aic y
C ro st wit /z
C h ró s ic y
G ro ß S ä rc h e n /
W u l ek } d z a ry
B a ru th /
B a rt
G u tta u /
H u i an
B a sc h ü tz /
B o ae c y
M u sc h e lw i zt/
M y ae c y
B e rg e n /
H o ry
S c h w a rz k o l l /m
o rn y C h o B mc
S o l lc hsw i zt/
S u l eac y
A u ri zt/
W u ri yc
B u rg n e u d o rf/
N o w a W j se
N e u sta d t/
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W o krj e Zs ho jr e l c
Z e i iß /g isk
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G e m e in de n am e
G e m e in de g re n ze
G re n z e aLn dk re i /K
s re i fre
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S o rb i csh sp ra c h i egr iK n edrta g e sstä tte /- p fl gee
S o rb i csh sp ra c h i egr Gru nd sc h ul e
S o rb i csh sp ra c h i egr Ob e rsc h u el
S o rb i csh sp ra c h i egm G y m n asi mu
S o rb i csh e s iS del nu gsg e b i te
S a c h d a te n :
G e o b a sisd a te n :
K a rto g ra p h i :e
S ä c h sS o rb G (so rb i csh e s S ie d l nug sg e b i t)
e
W ITA J- S p ra c h z e n tru m , O k t. 2 0 1 2 (so rb i csh e s K i dne rta g e sstä tte n - u n d S c h u l entz )
G e o S N 2 0 1 4
S M I, R e fe ra t 4 6
Sorbischsprachige/r Erziehung/Unterricht
bzw. sorbischer Sprachunterricht in
Karte 2.5: Sorbisches Siedlungsgebiet im Freistaat Sachsen
Heimat der sorbischen Bevölkerung sind Ober- und Niederlausitz in den Ländern Sachsen
und Brandenburg. Es leben ca. 40.000 Obersorben in der sächsischen Oberlausitz, ca.
20.000 Niedersorben/Wenden in der brandenburgischen Niederlausitz. Das westslawische
Volk ist seit dem 6. Jahrhundert in der Region ansässig – ohne einen eigenen Staat. Sied-
lungsgebiet in Sachsen sind die Landkreise Bautzen und Görlitz (vgl. Karte 2.5). Aufgrund
der gesetzlich festgelegten Bekenntnisfreiheit gibt es keine exakte statistische Erfassung
zu Anzahl und Bevölkerungsstruktur. Die Brückenfunktion der Sorben bei der grenzüber-
schreitenden Zusammenarbeit ist vielfach nachvollziehbar. Durch ihre interkulturelle Kom-
petenz und Mehrsprachigkeit können Sprachbarrieren überwunden und auf verschiedenen
Gebieten Zusammenarbeit gepflegt werden.
Die Staatsregierung erstattet dem Sächsischen Landtag mindestens einmal pro Legisla-
turperiode einen Bericht zur Lage des sorbischen Volkes im Freistaat Sachsen (§ 7 Sächsi-
sches Sorbengesetz - SächsSorbG). Die Bewahrung seiner Identität sowie Pflege und Ent-
wicklung seiner angestammten Sprache, Kultur und Überlieferung gehört zu den in der
Verfassung des Freistaates Sachsen verbrieften Rechten des sorbischen Volkes (Art. 6). Die
sorbische Kultur bereichert die sächsische Kultur. Der bikulturelle Charakter des sorbischen
Siedlungsgebietes soll gemäß LEP 2013 (Z 6.3.9) durch zweisprachige Kindertagesbetreu-
ungsangebote, schulische Bildungseinrichtungen und Jugendfreizeitstätten in ausreichen-
dem Maß und in der erforderlichen Qualität erreicht und dadurch die sorbische Identität
und aktive Zweisprachigkeit gefördert werden (vgl. Karte 2.5).
Im sorbischen Siedlungsgebiet des Freistaates Sachsen sind sorbische Traditionen und
deren Pflege stark verwurzelt. Es ist geprägt durch die sorbische Sprache, sorbische Schu-
len und eine Vielzahl sorbischer Kultureinrichtungen – gefördert durch die Stiftung für
das sorbische Volk (vgl. Abbildung 2.3). Diese wird von Bund, Brandenburg und Sachsen
gemeinsam finanziert. Der besondere Charakter des sorbischen Siedlungsgebietes und die

Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Regionalentwicklung
| 41
Sorbisches
National-Ensemble
GmbH
24,0 %
Domowina-Verlag
13,0 %
DSVTh
6,0 %
Domowina e. V. und
WITAJ-
Sprachzentrum
Sorbisches
15,0 %
Institut
10,0 %
Stiftungs-
verwaltung 5 %
Förderung
sorbischer
Institutionen
72 %
Investitionen
12 %
Projekte 7 %
Immobilien-
verwaltung/IT 4 %
Sorbische Kultur-
informationen
Bautzen/Cottbus 1,0 %
Sorbisches Museum
Bautzen 2,0 %
Wendisches Museum
Cottbus 1,0 %
Abbildung 2.3: Förderung sorbischer Institutionen durch die Stiftung für das Sorbische Volk im Jahr 2014 (Quelle:
www.stiftung.sorben.com)
Interessen des sorbischen Volkes zur Bewahrung und Stärkung seiner lokalen und regionalen Identität in den Teilräumen finden auf der
Ebene der Landesplanung insofern Berücksichtigung (G 1.1.2), als dass den Belangen des sorbischen Volkes und seines Siedlungsgebie-
tes unter Einbeziehung seiner Interessenvertretung durch entsprechende raumordnerische Festlegungen Rechnung getragen wird (§ 6
Abs. 1 S. 1 Nr. 3 SächsLPlG). Wichtiger Partner für die Belange des sorbischen Volkes ist der Regionale Planungsverband Oberlausitz-
Niederschlesien, der die Landkreise Bautzen/Budyšin und Görlitz/Zhorjelc umfasst. Die Beachtung sorbischer Interessen bei der Regio-
nalplanung dient dem Ziel, das Siedlungsgebiet des sorbischen Volkes zu schützen und weiterzuentwickeln. Im Regionalplan Oberlausitz-
Niederschlesien von 2010 sind deshalb Festlegungen der Raumordnung zum gesamten sorbischen Siedlungsgebiet und zu seinen
regional bedeutsamen Einrichtungen der Kultur-, Kunst- und Heimatpflege, zu den Zentren zur Förderung der sorbischen Kultur und
des Fremdenverkehrs sowie zur besonderen Gemeindefunktion „Sorbische Kultur“ im sorbischen Siedlungsgebiet enthalten. In diesem
Plan ist die kulturelle Besonderheit des Zusammenlebens von Deutschen und Sorben und die daraus resultierende Zweisprachigkeit der
Region in einem zusammenwachsenden Europa als besonderer Standortvorteil bei der Entwicklung der Region zu einem attraktiven und
vielfältigen Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraum im Leitbild der Region hervorgehoben.
Die Besonderheiten des Siedlungsgebietes der Sorben und der Schutz und die Pflege der sorbischen Kultur, Tradition und Sprache wer-
den dadurch unterstützt und gefördert, dass im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien/Hornja Łužica-Delnja Šleska darauf geachtet
wird, die unikaten sorbischen Kultureinrichtungen zu erhalten und bei ihrem weiteren Ausbau den Anforderungen an die Zweisprachig-
keit und die kulturellen Traditionen der Sorben zu entsprechen (G 6.4.1). Die Staatsregierung hat 2012 einen Maßnahmenplan zur Er-
mutigung und Belebung des Gebrauchs der sorbischen Sprache angenommen (als zweisprachige Broschüre veröffentlicht), der vom Rat
für sorbische Angelegenheiten im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt wird. Durch die Förderung von Einrichtungen der Kunst,
Kultur und Heimatpflege der Sorben, durch die Mitwirkung bei Vorhaben der Dokumentation, Publikation und Präsentation sorbischer
Kunst und Kultur dient die Stiftung für das sorbische Volk der Pflege und Förderung sorbischer Sprache und Kultur als Ausdruck der
Identität des sorbischen Volkes. Die in Bezug auf die Brückenfunktion Sachsens als Bestandteil eines zusammenwachsenden Wirtschafts-
kernraumes in Europa angesprochene traditionelle Zusammenarbeit des sorbischen Volkes mit seinen slawischen Partnern (G 2.1.2.1)
findet ihren Ausdruck in vielfältigen Kooperationen auf verschiedenen Gebieten grenzüberschreitender Zusammenarbeit.
Bezüglich des Themas Braunkohlenabbau/Bergbaufolgelandschaften achtet die Staatsregierung kontinuierlich darauf, dass die Interes-
sen des sorbischen Volkes auch mit Blick auf die geltenden europäischen Minderheitenrechte eingehend und nachhaltig einbezogen
werden. Mit der Fortschreibung des Braunkohlenplanes Nochten/Wochozy werden die Belange der im Umsiedlungsgebiet lebenden
Sorben durch Erhaltung und Förderung der sorbischen Kultur mittels baulicher, soziokultureller und infrastruktureller Maßnahmen der
Dorfentwicklung berücksichtigt. Die Zusammenarbeit mit dem Land Brandenburg bei der Entwicklung der Seenlandschaft und des sie
umfassenden Siedlungsraumes ist dabei weiterhin von hoher Bedeutung. Im Rahmen der ILEK für die LEADER-Region Oberlausitzer
Heide- und Teichlandschaft (vgl. „Dorfentwicklung“, S. 64) wird unter Einbeziehung der Domowina e. V. Geschichte und authentisches
Brauchtum der Sorben als ausbaufähiges touristisches und damit auch wirtschaftliches Potenzial verankert. Das Regionalmanagement
steht den sorbischen Bürgern zweisprachig als Ansprechpartner zur Verfügung und ist in die Vorbereitung und Organisation von tou-
ristischen Veranstaltungen eingebunden.
Kindertagesbetreuungsangebote und schulische Bildungseinrichtungen sowie Jugendfreizeitstätten stellen einen der wichtigsten Grund-
pfeiler für den Erhalt und die Fortentwicklung der sorbischen Sprache und Identität im Siedlungsgebiet des sorbischen Volkes dar (Z 6.3.9)
(vgl. „Frühkindliche Bildung, Schulen und Erwachsenenbildung“, S. 126). Im Bildungsbereich sei dabei insbesondere auf das WITAJ-
Projekt zum Erlernen der sorbischen Sprache in Kindertageseinrichtungen und Schulen und die reguläre Umsetzung der Konzeption
2plus im Schuljahr 2013/2014 an neun Grundschulen, sechs Oberschulen und am Sorbischen Gymnasium Bautzen hingewiesen, durch
die in Sachsen ein durchgängiges Spracherwerbskonzept gewährleistet wird (vgl. Karte 2.5).
SMWK

Ziel 2.1.3.1
Entwicklung und Förderung der
Räume mit besonderem Handlungsbedarf
Ziel 2.1.3.2
Erarbeitung von Entwicklungsstra-
tegien in Bergbaufolgelandschaften
Ziel 2.1.3.3
Abbau lagebedingter Nachteile in
den grenznahen Gebieten
Ziel 2.1.3.4
Weiterentwicklung der sächsischen
Grenzregion
Ziel 2.1.3.5
Erarbeitung grenzübergreifender
Konzepte zur Stadt- und Dorfentwicklung
Räume mit besonderem Handlungsbedarf
42 |
Landesentwicklungsplan
2013
Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Regionalentwicklung
22
36
21
50
49
48
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46
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65
64
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16
15
14
20
13
12
11
10
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (Bergbaufolgelandschaften, grenznahe Gebierte)
Wismut GmbH, 2015 (Sanierung Wismut-Altstandorte)
Standortsanierungskonzepte, OBA (Sanierungsstandorte Steinkohle)
SMI Referat 45, 2015 (FR-Regio Vorhaben)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Gemeindegrenze
Bergbaufolgelandschaften
Braunkohle
Altbergbau
grenznahe Gebiete
grenznahe Gebiete
Sanierungsstandorte
Wismut (Uranbergbau)
Steinkohle
Schematische Lokalisierung der FR-Regio-Vorhaben
Bergbaufolgelandschaft
grenznahes Gebiet
Bergbaufolgelandschaft/grenznahes Gebiet
Karte 2.6: Sanierungsstandorte und FR-Regio-Vorhaben in Räumen mit besonderem Handlungsbedarf
Als Räume mit besonderem Handlungsbedarf werden im LEP 2013 festgelegt (vgl. Karte
2.6):
Bergbaufolgelandschaften des Braunkohlen- und des Altbergbaus
(Uran- , Steinkohlen- und Erzbergbau) sowie
grenznahe Gebiete an der Staatsgrenze zur Republik Polen und zur
Tschechischen Republik.
Diese Räume weisen topographisch, historisch und strukturell bedingte spezifische Prob-
leme auf. Für sie sind zur Überwindung dieser komplexen Problemlagen und zur Inwert-
setzung ihrer spezifischen Potenziale und Chancen teilräumlich passfähige Entwicklungs-
strategien und –maßnahmen erforderlich (Z 2.1.3.1).
Bergbaufolgelandschaften (Z 2.1.3.2):
In Sachsen hat der Bergbau über Jahrhunderte das Landschaftsbild, die Siedlungsentwick-
lung sowie die Flächennutzung einzelner Teilräume geprägt. Diese Flächen sind so zu
entwickeln, dass der Naturhaushalt verbessert, die standorttypische Biotopvielfalt geför-
dert, eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung sowie eine nachhaltige touristische und
gewerbliche Infrastruktur ermöglicht wird.
In den Landschaften des ehemaligen Uran-, Steinkohlen- und Braunkohlenbergbaus voll-
zieht sich durch die laufende Sanierung eine rasante Entwicklung. Hierfür ist eine gut
funktionierende interkommunale Kooperation erforderlich. Ziel ist es weiterhin, die ganz-
heitlichen regionalen Entwicklungsprozesse voranzutreiben.
Die Braunkohlenreviere in der Lausitz sowie nördlich und südlich von Leipzig wurden seit
1990 zu großflächigen „Landschaften nach der Kohle“ mit attraktiven Freizeit-, Sport- und
Erholungsangeboten umgestaltet. Fachliche Grundlage für die Braunkohlensanierung
bilden die Sanierungsrahmenpläne als Teilregionalpläne, die seit 1992 aufgestellt und

Sachsens Raumordnung | Europäische und Regionale Zusammenarbeit | Regionalentwicklung | 43
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
Annaberg-Buchholz
Aue
Bad Schlema
Bärenstein
Breitenbrunn
Callenberg
Dresden
Elterlein
Freital
Geyer
Johanngeorgenstadt
Klingenthal
Lauter-Bernsbach
Lengenfeld
Marienberg
Mildenau
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Muldenhammer
Neuensalz
Oberwiesenthal
Pockau-Lengefeld
Raschau-Markersbach
Scheibenberg
Schneeberg
Schwarzenberg
Sehmatal
Theuma, Stadt Plauen
Tirpersdorf
Wolkenstein
Zschorlau
Zwickau
Zwönitz
Wismut
(Uranbergbau) Altstandorte
Sanierungsprojekte
Steinkohlenbergbau
Sanierungsstandorte
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
Zwickau
Reinsdorf
Mülsen
Wilkau-Haßlau
Oelsnitz/E.
Lugau
Gersdorf
Hohndorf
Niederwürschnitz
Freital
Wilsdruff
Dresden
Bannewitz
45
46
47
48
49
50
Borna (4)
Leipzig (2)
Böhlen/Markkleeberg
Delitzsch
Hoyerswerda
Gersdorf
51 Oelsnitz/E.
Berbaufolgelandschaften
FR-Regio-Vorhaben*
* bei mehr als einem Vorhaben steht die Anzahl in Klammern
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
Zittau
Seifhennersdorf
Eibenstock
Löbau
Annaberg-Buchholz (5)
Freiberg (3)
Pirna (2)
Sebnitz
Lauter-Bernsbach
Görlitz
Plauen
Oelsnitz/V.
Reichenbach/O.L.
Jahnsdorf
51 Oelsnitz/E.
Grenznahe Gebiete
teilweise mehrfach fortgeschrieben wurden (vgl. „Landesentwicklungsplan 2013 und Fortschreibung der Regionalpläne“, S. 28). Diese
fixieren Grundzüge der Wiedernutzbarmachung einerseits als Sanierungsauftrag an die Bergbauunternehmen (Mitteldeutsche Braun-
kohlengesellschaft mbH (MIBRAG) sowie Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV)) und andererseits
setzen sie den Rahmen für die Ausgestaltung durch die Kommunen.
Als Grundlage für die interkommunale Zusammenarbeit wurde bereits im Jahr 2003 ein REK für das Lausitzer Seenland beschlossen, in
dem ein Leitbild und Schlüsselprojekte im regionalen Konsens entwickelt wurden. Aufgrund des kontinuierlichen Weiterentwicklungs-
prozesses von der Bergbau- zur Tourismusregion wurde dieses in den Jahren 2013 und 2014 fortgeschrieben (vgl. „Touristische Nutzung
der Bergbaufolgelandschaften“, S. 84). Damit wird die interkommunale Kooperation gestärkt und weiterhin eine abgestimmte gemein-
same Vorgehensweise, die sich positiv auf den Wettbewerb mit anderen Regionen auswirkt, ermöglicht. Für das Revier nördlich und
südlich von Leipzig wurde in den Jahren 2013 und 2014 ein länderübergreifendes Tourismuswirtschaftliches Gesamtkonzept für die
Entwicklung der Gewässerlandschaft im mitteldeutschen Raum erarbeitet sowie das RHK für den Grünen Ring Leipzig fortgeschrieben.
Alle diese Vorhaben wurden vom SMI über die FR-Regio gefördert (vgl. „Regionale Maßnahmen und Kooperationen“, S. 38).
Die Sanierung und Entwicklung von Altstandorten des Uran- und Steinkohlenbergbaus, ist ebenfalls ein Schwerpunkt der Regionalent-
wicklung. Die vom ehemaligen Uranerzbergbau der 1950er und 1960er Jahre betroffenen Kommunen haben immer wieder auf die ak-
tuellen Sanierungserfordernisse und Entwicklungsdefizite der Region hingewiesen. Mit dem im September 2003 zwischen Bund und
Freistaat Sachsen unterzeichneten und im Jahr 2013 ergänzten Verwaltungsabkommen für die Sanierung sächsischer Wismut-Altstand-
orte ist nunmehr die finanzielle Grundlage für die weitere zweckgebundene Sanierung der Wismut-Altstandorte bis zum Jahr 2022
gesichert (vgl. Karte 2.6).
Über 125 Jahre wurde in den Revieren Zwickau, Lugau-Oelsnitz und Freital Steinkohle gefördert, bevor diese in den 1970er Jahren ein-
gestellt wurde. Heute stellen die Flächen in den ehemaligen Steinkohlenrevieren ein enormes Umwelt- und Sanierungsproblem dar. Im
Jahr 2005 haben deshalb neun Städte und Gemeinden in einer gemeinsamen Erklärung vereinbart, die interkommunale Zusammenarbeit
im Interesse einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung und zur Bewältigung der Bergbaufolgen zu intensivieren, um gemein-
sam Zukunftsperspektiven für die vom Bergbau geschädigten Städte, Gemeinden und Ortsteile zu entwickeln und geeignete Projekte
umzusetzen. Neben den Städten Lugau/Erzgeb., Oelsnitz/Erzgeb. und Zwickau sind weitere sechs Gemeinden Teil des interkommunalen
Kooperationsnetzwerks der floez-Region („future for Lugau Oelsnitz Zwickau“). Seit Mitte 2011 stehen nunmehr auch Mittel aus dem
EFRE für „Vorhaben für die gewerbliche Wirtschaft zur nachträglichen Wiedernutzbarmachung in ehemaligen Bergbauregionen“ zur
Verfügung.
Grenznahe Gebiete (Z 2.1.3.3; Z 2.1.3.4):
Die Grenze des Freistaates Sachsen zur Republik Polen und zur Tschechischen Republik ist trotz der seit 2007 geltenden Freizügigkeit
noch immer eine Trennlinie mit raumstrukturellen Auswirkungen auf die grenznahen Gebiete. Neben infrastrukturellen Defiziten und
Lücken bestehen weitere Hemmnisse, u. a. durch Unterschiede in der räumlichen Planung, der Verwaltungsstrukturen, der Rechtssyste-
me und durch die Sprachbarrieren. Zugleich bietet die Grenzöffnung aber auch gute Voraussetzungen diese Defizite zu überwinden.
Ziel der regionalen Entwicklungsprozesse für die peripheren grenznahen Gebiete ist es, diese besser in die Regionen einzubinden, struk-
turelle Defizite abzubauen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu den Nachbarländern zu befördern. Hierfür wurden im
Berichtszeitraum durch das SMI ebenfalls Projekte gefördert. Zu nennen sind hier eine Sicherheits- und Präventionsstrategie für den
Landkreis Görlitz, eine Studie zur Erreichbarkeitssituation wichtiger Industriestandorte zu den kommunalen Zentren im Erzgebirgskreis
sowie eine Vorstudie zur Erstellung eines grenzübergreifenden REK für den Erzgebirgskreis aber auch Projekte in den Landkreisen Säch-
sische Schweiz-Osterzgebirge und Mittelsachsen, die sich mit den Auswirkungen der demographischen Entwicklung befassen.
SMI

image
 
Sachsens Raumstruktur

46 |
Zentrale Orte und Raumkategorien
3.1 Raumstrukturelle Situation
Ein wesentliches Ziel der sächsischen Landesplanung ist die langfristige Sicherung und Weiterentwicklung aller Teilräume, insbesonde-
re die Erhaltung der Städte und Dörfer als attraktive Wohn- und Arbeitsorte. Diese Ansätze sind durch Sachsen auch auf Bundesebene
in den Diskussionsprozess über die „Leitbilder und Handlungsstrategien für die Raumentwicklung in Deutschland“ eingebracht worden.
Mit der damit verbundenen stärkeren Hervorhebung des ländlichen Raumes ist ein aus sächsischer Sicht wichtiges Ziel erreicht worden.
Die Raumstruktur in Deutschland und damit auch im Freistaat Sachsen wird weitgehend geprägt durch das System der Zentralen Orte,
die als Leistungsträger das Grundgerüst für eine ausgewogene Entwicklung in allen Landesteilen bilden (vgl. „Zentrale Orte und zent-
ralörtliche Verbünde“, S. 48). Die Bedeutung der Zentralen Orte wird u. a. im „Leitbild für die Entwicklung des Freistaates Sachsen als
Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsraum“ verdeutlicht, das dem LEP 2013 vorangestellt ist.
In den Regionalplänen der zweiten Generation wurde das im LEP festgelegte System der Ober- und Mittelzentren um die Grundzentren
ergänzt. Dieses dreistufige zentralörtliche Konzept hat sich grundsätzlich bewährt. Auf eine Differenzierung der Mittelzentren im länd-
lichen Raum, wie sie noch im LEP 2003 mit den „Ergänzungsstandorten im ländlichen Raum“ festgelegt war, wird im Interesse gleicher
Entwicklungschancen und Handlungsspielräume im LEP 2013 verzichtet.
Neben der Weiterentwicklung des ländlichen Raumes fand auch die Stärkung der Zentralen Orte im Koalitionsvertrag 2014–2019 ihren
Niederschlag. Auch wenn es hierfür kein gesondertes Förderprogramm gibt, muss unter den Bedingungen des demographischen Wandels,
insbesondere im Bereich der Infrastrukturförderung, der Fokus auf die nachhaltige Konzentration der Leistungen der Daseinsvorsorge
in Zentralen Orten gelegt werden (vgl. „Zentralörtliche Funktionen der Daseinsvorsorge“, S. 124). Die jeweils zuständigen Fachplanun-
gen können hier im Rahmen ihrer Fachförderung entsprechende Prioritäten setzen.
Das Konzept der Zentralen Orte als Mittel zur Erreichung landesentwicklungspolitischer Zielsetzungen bezieht sich auf die folgenden
drei Teilziele der Nachhaltigkeit (Z 1.3.1):
Das Teilziel „sozial“ stellt auf die gerechte Verteilung von Ressourcen ab und erfüllt damit den Auftrag zur Her-
stellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Teilräumen. Insbesondere in ländlichen Räumen soll das Zen-
trale-Orte-System ein Mindestmaß an Versorgungsgerechtigkeit sicherstellen und das Versorgungsnetz stabilisie-
ren.
Das Teilziel „ökonomisch“ bezieht sich auf die Tragfähigkeit und Auslastung von Infrastruktureinrichtungen und
den effizienten Einsatz öffentlicher Mittel.
Das Teilziel „ökologisch“ zielt auf die Begrenzung des Ressourcenverbrauchs, den sparsamen Umgang mit Flächen
und die Minimierung ökologischer Belastungen ab. Dazu gehört auch eine an der Verkehrsvermeidung (bzw.
Verkehrsminimierung) orientierte Siedlungsentwicklung.
Die Standortvorteile der Zentralen Orte im Freistaat Sachsen bestehen insbesondere in Synergieeffekten durch die räumliche Konzen-
tration ihrer vielfältigen Funktionen für Wohnen und Infrastruktur sowie als wirtschaftliche Schwerpunkte und Verkehrsknoten. Diese
Funktionen bieten sie nicht nur für ihre eigene Bevölkerung, sondern auch für die Bevölkerung und die Wirtschaft in ihrem Verflech-
tungsbereich. Das Netz der Zentralen Orte soll verlässliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sowie für private und öffentliche
Träger der Daseinsvorsorge bei ihren Standort- und Investitionsentscheidungen bieten (Z 1.3.1).
Die Zentralen Orte der höheren Stufe übernehmen auch die Aufgaben der jeweils niedrigeren Stufen für die entsprechenden Verflech-
tungsbereiche (Z 1.3.2). Bis auf zwei Ausnahmen wird für alle Mittelzentren ein räumlich abgrenzbarer Verflechtungsbereich („Mittelbe-
reich“) kartographisch im LEP 2013 in der Erläuterungskarte „Mittelbereiche" dargestellt (vgl. „Verflechtungsbereiche und Erreichbarkeit
Zentraler Orte“, S. 52). Diese Mittelbereiche werden im Wesentlichen durch die Pendlereinzugsbereiche definiert. Dabei kommt es
vielfach auch zu Überschneidungen von Mittelbereichen. Die grundzentralen Verflechtungsbereiche („Nahbereiche“) werden in den
Regionalplänen abgegrenzt. Oberbereiche, das heißt Verflechtungsbereiche der Oberzentren, lassen sich aufgrund der großräumigen
Überschneidungen der funktionsbezogenen Einzugsbereiche nicht eindeutig abgrenzen und gehen zum Teil weit über die Landesgrenzen
des Freistaates Sachsen hinaus. Auf eine Darstellung im LEP 2013 wurde deshalb verzichtet. Die sächsischen Oberzentren Chemnitz,
Leipzig und Zwickau sind Kernstädte der Metropolregion Mitteldeutschland (vgl. „Länderübergreifende Zusammenarbeit und Europäische
Metropolregion Mitteldeutschland“, S. 36).
Die Festlegung zentralörtlicher Verbünde stellt grundsätzlich den Ausnahmefall dar, für den eine tatsächlich praktizierte Funktionsteilung,

image
image
Sachsens Raumstruktur | 47
Foto 3.1:
Bautzen - Oberzen-
traler Städteverbund
(SMI, Petroschka)
die über eine interkommunale Zusammenarbeit hinausgeht, Voraussetzung ist. Die gemeinsame Wahrnehmung zentralörtlicher Funkti-
onen durch mehrere Gemeinden setzt voraus, dass die Funktionsteilung in einer entsprechenden vertraglichen Regelung, z. B. mittels
eines landesplanerischen Vertrages nach § 13 Abs. 2 Nr. 1 ROG, festgeschrieben ist (Z 1.3.5).
Auf der Ebene der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) wird derzeit an der weiteren Qualifizierung des raumordnerischen Ins-
truments der Festlegung Zentraler Orte, insbesondere unter dem Blickwinkel einer bundesweiten Vergleichbarkeit der Zentrale-Orte-
Systeme der Länder, gearbeitet, um eine nachhaltige Stärkung des Instruments sowohl in der Politik als auch in der Praxis zu erzielen.
Als Verbindungselemente der Struktur der Zentralen Orte dienen die Verbindungsachsen (vgl. „Überregionale und Regionale Achsen“,
S. 54). Im LEP 2013 (Festlegungskarte „Raumstruktur") werden die überregional bedeutsamen Verbindungs- und Entwicklungsachsen
festgelegt, die in den Regionalplänen durch regionale Achsen ergänzt werden (Z 1.5.3). Die überregional bedeutsamen Verbindungsach-
sen im LEP 2013 geben die räumlichen Verflechtungen der sächsischen Verdichtungsräume und Oberzentren mit den Oberzentren und
Verdichtungsräumen benachbarter Länder und Staaten sowie die Einbindung in europäische Verkehrsnetze wieder. Die weitere Ausge-
staltung der überregional bedeutsamen Verbindungs- und Entwicklungsachsen ist von fundamentaler Bedeutung, um Sachsen in den
europäischen Wirtschaftsraum einzubinden und die Wettbewerbsfähigkeit Sachsens zu sichern. Die Weiterführung der Achsen in den
Nachbarstaaten findet noch nicht immer eine leistungsfähige funktionale Entsprechung, was auf die unterschiedliche Anwendung des
raumordnerischen Instruments der Achsen in den Raumordnungsplänen der Nachbarregionen zurückzuführen ist.
Die durch die Regionalplanung festzulegenden regional bedeutsamen Verbindungs- und Entwicklungsachsen stellen die räumlichen
Verflechtungen von Oberzentren, Mittelzentren und Grundzentren dar. Sie erfüllen im Verdichtungsraum vorrangig Ordnungsfunktionen
und im ländlichen Raum vorrangig Erschließungsfunktionen.
Für die nachhaltige Raumentwicklung gemäß der Leitvorstellung nach § 2 Abs. 2 ROG bedarf es der Funktionsfähigkeit und der Zusam-
menarbeit aller unterschiedlich strukturierten Teilräume des Freistaates. Wachstum und Schrumpfung von Bevölkerung finden sowohl
in den Verdichtungsräumen als auch im ländlichen Raum mit seinen Teilräumen im unterschiedlichen Maße, oft auch in räumlicher Nähe,
statt (vgl. „Bevölkerungsentwicklung", S. 20). Mit der Festlegung von Raumkategorien im LEP 2013 (Festlegungskarte „Raumstruktur")
wird der unterschiedlichen bevölkerungs- und siedlungsstrukturellen Situation Rechnung getragen (vgl. „Raumkategorien“, S. 56). Die
auf Gemeindebasis abgegrenzten Raumkategorien wurden aktualisiert und dem teilweise veränderten Gebietsstand angepasst. Raum-
kategorien sind vor allem siedlungsstrukturell abgegrenzte Räume. An der grundsätzlichen Unterscheidung zwischen Verdichtungsräu-
men und dem ländlichen Raum wird daher im LEP 2013 festgehalten. Die Verdichtungsräume Chemnitz/Zwickau, Dresden und Leipzig
sind in ihrem räumlichen Umgriff im Vergleich zum LEP 2003 im Wesentlichen unverändert geblieben. Innerhalb des ländlichen Raumes
wurden die verdichteten Bereiche als gesonderte Raumkategorie mit veränderten Abgrenzungskriterien neu festgelegt.
Die Raumkategorien (vgl. „Raumkategorien“, S. 56) sind nicht per se Fördergebietskulissen. Einige Fachförderungen nutzen sie jedoch
zur räumlichen Schwerpunktsetzung, wenn die Förderinhalte auf die spezifischen Potenziale bzw. die Lösung spezieller Probleme der
Verdichtungsräume oder des ländlichen Raumes ausgerichtet sind.
SMI

Landesentwicklungsplan
2013
48 |
Ziel 1.3.2
Zentrale Orte höherer Stufe
übernehmen auch Aufgaben der Zentralen Orte der
jeweils niedrigeren Stufe für den entsprechenden
Verflechtungsbereich
Ziel 1.3.3
Vermeidung von Beeinträchtigung
der Funktionsfähigkeit Zentraler Orte
Ziel 1.3.5
funktionsteilige Aufgabenwahrneh-
mung zentralörtlicher Funktionen im
zentralörlichen Verbund
Ziel 1.3.6
Oberzentren, Oberzentraler
Städteverbund
Ziel 1.3.7
Mittelzentren, Mittelzentrale
Städteverbünde
Ziel 1.3.8
Festlegung von Grundzentren in den
Regionalplänen zur Ergänzung der Ober- und
Mittelzentren
Zentrale Orte und zentralörtliche Verbünde
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien
Leipzig
Dresden
Chemnitz
Plauen
Görlitz
Hoyers-
werda
Bautzen
Delitzsch
Torgau
Eilenburg
Schkeuditz
Wurzen
Grimma
Riesa
Oschatz
Döbeln
Borna
Großenhain
Meißen
Coswig
Radebeul
Freital
Dippoldiswalde
Freiberg
Mittweida
Markkleeberg
Limbach-
Oberfrohna
Glauchau
Crimmitschau
Werdau
Zwickau
Reichenbach im Vogtl
Oelsnitz/Vogtl.
Annaberg-
Buchholz
Marienberg
Weißwasser
Niesky
Pirna
Zittau
Löbau
Kamenz
Stollberg/
Erzgeb.
Radeberg
MZ SV Göltzschtal
MZ SV
Silberberg
MZ SV
Sachsenring
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (Ober- und Mittelzentren, Raumkategorien)
Regionalpläne 2008-2010 (Grundzentren)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Gemeindegrenze
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Zentrale Orte
Oberzentrum
Mittelzentrum
zentralörtlicher Verbund
Grundzentrum
Raumkategorien
Verdichtungsraum
verdichteter Bereich im
ländlichen Raum
ländlicher Raum
Karte 3.1: Zentrale Orte und zentralörtliche Verbünde
Vor dem Hintergrund des fortschreitenden demographischen Wandels und der Verminde-
rung finanzieller Ressourcen ist das Zentrale-Orte-System zur Sicherung wichtiger Raum-
funktionen unabdingbar. Dabei spielen vor allem die Mittelzentren als Ankerpunkte im
ländlichen Raum eine tragende Rolle. Aber auch die in den Regionalplänen ausgewiesenen
Grundzentren nehmen wichtige Ergänzungsfunktionen im Raum wahr. Die Stabilisierung
des Systems der Zentralen Orte, insbesondere auch zur Sicherung der Daseinsvorsorge im
ländlichen Raum war und ist eine wesentliche Aufgabe der Raumordnung und der Fach-
planungen (vgl. „Zentralörtliche Funktionen der Daseinsvorsorge“, S. 124).
Im LEP 2013 werden neben den Oberzentren Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen und Zwi-
ckau sowie dem Oberzentralen Städteverbund Bautzen-Görlitz-Hoyerswerda (Z 1.3.6)
wiederum insgesamt 38 Mittelzentren ausgewiesen, darunter drei Mittelzentrale Städte-
verbünde mit drei, vier bzw. sechs Städten (Z 1.3.7) (vgl. Karte 3.1). Auf eine Differenzierung
der Mittelzentren nach ihrer Lage im Raum - wie noch im LEP 2003 erfolgt - wird verzich-
tet. Durch die Regionalen Planungsverbände wurden insgesamt 80 Grundzentren festge-
legt, darunter sind 11 Grundzentrale Städteverbünde mit je zwei Gemeinden, drei mit je
drei Gemeinden und einer mit fünf Gemeinden. Im Rahmen der Fortschreibung der Regi-
onalpläne werden derzeit auch die ausgewiesenen Grundzentren evaluiert (Z 1.3.8).
Am 31.12.2014 lebten 39,6 % der Einwohner des Freistaates in Oberzentren, 21,9 % in
Mittelzentren und 17,3 % in Grundzentren. Damit wohnen mehr als drei Viertel der Ein-
wohner in einem Ort mit Zentralortfunktion unterschiedlicher Hierarchiestufe (vgl. Abbil-
dung 3.1). Die Stärkung und Weiterentwicklung eines Zentralen Ortes wird wesentlich von
der Einwohnerentwicklung sowie vom Angebot an Arbeitsplätzen determiniert. Beide
tragen maßgeblich zur Wirtschaftskraft und damit auch zur Sicherung von Dienstleistun-
gen und Infrastruktur für Bürger und Wirtschaft bei.
Unter den Oberzentren können die drei Kreisfreien Städte seit mehreren Jahren einen

Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien | 49
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
[Anzahl]
Anzahl zentralörtlicher Gemeinden
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
1
2
3
4
5
[Mio.]
Bevölkerung in zentralörtlichen Gemeinden
Sachsen
Region Chemnitz
Leipzig-Westsachsen
Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Oberlausitz-Niederschlesien
0
1
2
[Mio.]
SV-pflichtig Beschäftigte am Arbeitsort
in zentralörtlichen Gemeinden
ohne zentralörtliche Funktion
Oberzentrum
Mittelzentrum
Grundzentrum
Gemeinden
Abbildung 3.1: Anzahl der zentralörtlichen Gemeinden sowie Anteil der Bevölkerung und der SV-pflichtig Beschäftigten in zentralörtlichen Gemeinden im Jahr
2014 unterschieden nach Planungsregion (Quelle: LEP 2013, Regionalpläne 2008-2010, StaLA)
deutlichen Einwohnerzuwachs verzeichnen. In einer besonderen Liga spielt dabei Leipzig, das allein im Zeitraum seit dem Zensus 2011
(Stichtag 09.05.2011) bis Ende 2014 (Stichtag 31.12.2014) mit 8,3 % eine noch deutlich größere Zunahme als Dresden mit 4,7 % aufweist.
In Chemnitz ist der Zuwachs noch moderat mit 1,4 %. In den übrigen Oberzentralen Orten hat sich der Rückgang der Einwohner etwas
verlangsamt, auch wenn die absoluten Zahlen insbesondere in Hoyerswerda noch hoch sind. In Görlitz und Plauen konnte für das Jahr
2014 erstmals ein geringer Einwohnerzuwachs verzeichnet werden. Eventuell deutet sich damit ein Trend an, der den größeren Städten
wieder Zuzug verschafft – sowohl von außerhalb des Freistaates als auch zu Lasten des ländlichen Raumes in Sachsen. Zumindest für
die Kreisfreien Städte kann sich damit ein Siedlungsdruck ergeben, der möglicherweise perspektivisch auf dem eigenen Territorium nicht
mehr vollständig abgedeckt werden kann.
Mit Ausnahme von Plauen konnte im Berichtszeitraum in allen Oberzentralen Orten das Arbeitsplatzangebot um mindestens 2,5 %
gesteigert werden. Mit mehr als 11 % hebt sich Leipzig auch hier deutlich von den anderen Oberzentren ab.
Auch die Mittelzentren in den Verdichtungsräumen der Oberzentren Leipzig und Dresden können bei der Einwohnerzahl fast durchweg
einen Positivtrend vermerken, ebenso die Universitätsstadt Freiberg. Bei der Entwicklung der Arbeitsplätze ist das Bild etwas heterogen.
Hier konnten insbesondere im Verdichtungsraum Chemnitz/Zwickau der Mittelzentrale Städteverbund Sachsenring und das Mittelzen-
trum Glauchau im Berichtszeitraum ihre Wirkung als Arbeitsmarktzentrum nicht ausreichend zur Geltung bringen.
Die Zentralen Orte in den Verdichtungsräumen stehen in engen wechselseitigen Verflechtungen mit ihrem Umland. Diesem besonderen
Abstimmungsbedarf sowohl zwischen den Zentralen Orten als auch in den Stadt-Umland-Räumen ist durch geeignete Formen der
Zusammenarbeit zu entsprechen. Beispiele für die Umsetzung sind die informellen Aktionsräume der Regionalentwicklung Grüner Ring
Leipzig, Erlebnisregion Dresden oder floez-Region um Zwickau (vgl. „Regionale Maßnahmen und Kooperationen“, S. 38).
Die Mittelzentren im ländlichen Raum kämpfen - insbesondere im Vogtland und in der Lausitz, aber z. B. auch die Stadt Riesa - weiter
mit rückläufigen Bevölkerungszahlen. Am stärksten sind hierbei im betrachteten Zeitraum seit 2011 (Zensus) Oelsnitz/Vogtl. mit
- 5,7 % oder Weißwasser mit - 6,1 % betroffen. Die Funktionalität der Städte muss auf weniger Einwohner ausgerichtet werden, d. h.
Schrumpfungs- und Umbauprozesse sind zu berücksichtigen, während gerade die Zentralen Orte gleichzeitig als attraktive Standorte
für Wohnen, Handel, Gewerbe und Kultur gestärkt und weiterentwickelt werden müssen. Insbesondere im kulturellen Bereich wächst
der Druck zur Kooperation zwischen den Einrichtungen in den Mittelzentren, um trotz gestiegener Kosten ein angemessenes Angebot
aufrechterhalten zu können (vgl. „Kulturräume und Kultureinrichtungen“, S. 150). Beim Arbeitsplatzangebot konnten bis auf Döbeln
alle Mittelzentren im Ländlichen Raum eine positive Entwicklung verzeichnen, darunter Steigerungsraten von mehr als 10 % in Kamenz,
Mittweida und Oschatz.
Wesentliche Voraussetzung für die Festlegung eines Grundzentrums ist das Vorhandensein eines leistungsfähigen Siedlungs- und Ver-
sorgungskernes (vgl. „Versorgungs- und Siedlungskerne, Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion“, S. 50) sowie die Erforder-
lichkeit der Netzergänzung zur Erreichbarkeit von Leistungen und Einrichtungen der Grundversorgung. Bei den auf dieser Grundlage
festgelegten Grundzentren variiert die Einwohnerentwicklung zwischen - 6 und + 5 %. Die Entwicklung beim Arbeitsplatzangebot ist
noch stärker differenziert und variiert von - 12 % bis + 29 %. Damit wird deutlich, dass allein die Festlegung als Zentraler Ort kein Garant
für eine wirtschaftliche Entwicklung ist und die Stabilisierung der Zentralen Orte weiter gemeinsame Aufgabe der Raumplanung und
der Fachplanung bleibt.
Eine funktionsteilige Wahrnehmung der Zentralortfunktion als Städte- bzw. Gemeindeverbund setzt eine Abstimmung und interkom-
munale Zusammenarbeit auf vertraglicher Basis voraus (Z 1.3.5). Sowohl auf grundzentraler, aber auch auf mittelzentraler Ebene ist die
tatsächliche Funktionsteilung sehr unterschiedlich ausgeprägt. Problematisch ist dies insbesondere dann, wenn mehr als zwei Gemein-
den zu einem solchen Verbund gehören, ein siedlungsstruktureller Zusammenhang nicht gegeben ist und/oder die Größe und Leistungs-
fähigkeit der beteiligten Gemeinden sich stark unterscheiden. Diesbezüglich müssen die drei mittelzentralen und 15 grundzentralen
Städteverbünde ihre Zusammenarbeit und Funktionsteilung regelmäßig auf den Prüfstand stellen.
SMI

Landesentwicklungsplan
2013
50 |
Ziel 2.2.1.2
Festlegung von Versorgungs- und
Siedlungskernen in den Regionalplänen
Ziel 2.2.1.3
Festsetzung neuer Wohngebiete in
zumutbarer Entfernung zu Versorgungs- und
Siedlungskernen
Ziel 1.4.1
Gemeinden mit besonderer
Gemeindefunktion „Verteidigung"
Grundsatz 1.4.2
Festlegung von Gemeinden
mit besonderer Gemeindefunktion in den
Regionalplänen
Ziel 6.5.4
Erhaltung und angemessene
Nutzung militärischer Anlagen; Errichtung neuer
militärischer Anlagen außerhalb von
Verdichtungsräumen
Versorgungs- und Siedlungskerne, Gemein-
den mit besonderer Gemeindefunktion
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien
Annaberg-
Buchholz
Bautzen
Borna
Freiberg
Görlitz
Meißen
Pirna
Plauen
Torgau
Zwickau
Chemnitz
Dresden
Leipzig
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (Mittel- und Oberzentren)
Regionalpläne 2008-2010 (Grundzentren, Versorgungs-
und Siedlungskerne, besondere Gemeindefunktionen)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Zentrale Orte
Oberzentrum
Mittelzentrum
Grundzentrum
Versorgungs- und
Siedlungskern
* Mehrfachausweisungen einer Gemeindefunktion innerhalb einer Gemeinde
durch Gebietsänderungen seit Plan-Inkrafttreten
Sorbische Kultur
Gesundheit/Soziales
Bildung
Verteidigung
Verkehr
Gewerbe
Sport
Fremdenverkehr
grenzübergreifende
Kooperation
besondere Gemeindefunktion*
Geltungsbereich der Regionalpläne 2008-2010
Kreisstadt
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Gemeindegrenze
Karte 3.2: Festgelegte Versorgungs- und Siedlungskerne und Gemeinden mit besonderer Gemeindefunk-
tion
Versorgungs- und Siedlungskerne
Nach § 4 Abs. 2 SächsLPlG werden in den Regionalplänen Versorgungs- und Siedlungs-
kerne festgelegt, soweit es für die räumliche Ordnung, Entwicklung und Sicherung erfor-
derlich ist. Als Versorgungs- und Siedlungskern einer Gemeinde wird der Ortsteil angese-
hen, der aufgrund seiner bereits vorhandenen Funktionen und Entwicklungsmöglichkeiten
sowie seiner Erreichbarkeit und Verkehrsanbindung die Voraussetzung für eine räumlich
konzentrierte Versorgung der Bevölkerung bietet (Z 2.2.1.2).
Das Instrument der Versorgungs- und Siedlungskerne soll gemäß LEP 2013 in Anbetracht
immer größerer Flächengemeinden insbesondere auf die Zentralen Orte (vgl. „Zentrale
Orte und zentralörtliche Verbünde“, S. 48) angewandt werden und zur Konzentration
von zentralörtlichen Einrichtungen beitragen. Wird durch die Regionalplanung von der
Festlegung Gebrauch gemacht, ist die Neuansiedlung von zentralörtlichen Einrichtungen
außerhalb der Versorgungs- und Siedlungskerne unzulässig (Z 2.2.1.2). Hiervon ausge-
nommen sind Einrichtungen mit besonderen Standortanforderungen. Im Vergleich zum
LEP 2003 hat sich damit die Anwendung des Instruments stärker auf die Steuerung der
zentralörtlichen Einrichtungen ausgerichtet. Aber auch die Steuerung von Wohnbauge-
bieten ist damit weiterhin verbunden (Z 2.2.1.3).
Das Instrument kann durch die Regionalplanung auch darüber hinaus zur räumlichen
Ordnung, Entwicklung und Sicherung der Siedlungsstruktur für Gemeinden ohne zen-
tralörtiche Funktion angewandt werden, wenn dies in enger Abstimmung und Einverneh-
men mit den berührten Gemeinden erfolgt (Z 2.2.1.2).
Bisher sind in allen verbindlichen Regionalplänen Versorgungs- und Siedlungskerne fest-
gelegt. Von der Option, auch in nichtzentralen Orten Versorgungs- und Siedlungskerne
festzulegen, wurde nur im Regionalplan Chemnitz-Erzgebirge (teilweise) sowie im Regi-

Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien
| 51
0
10
20
30
40
Leipzig
Nordsachsen
Erzgebirgskreis
Mittelsachsen
Vogtlandkreis
Zwickau
Bautzen
Görlitz
Meißen
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Leipzig-
Region Chemnitz
Westsachsen
Oberlausitz-
Nieder-
schlesien
Oberes Elbtal/
Osterzgebirge
[Anzahl]
ausgewiesene besondere Gemeindefunktion
davon in Zentralen Orten
[Landkreis]
Abbildung 3.2: Anzahl der ausgewiesenen besondereren Gemeindefunktionen je Landkreis (Quelle: Regionalpläne 2008-2010)
onalplan Westsachsen (flächendeckend) Gebrauch gemacht. Im Regionalplan Westsachsen wurde darüber hinaus das Instrument auch
für Mittelzentren angewandt (vgl. Karte 3.2).
Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion
Gemäß § 8 Abs. 5 ROG sollen Raumordnungspläne Festlegungen zur Raum- und Siedlungsstruktur enthalten, hierzu können auch be-
sondere Gemeindefunktionen zählen. Mit dem raumordnerischen Instrument „Gemeinde mit besonderer Gemeindefunktion“ können
einzelne, deutlich herausgehobene Funktionen von Gemeinden gewürdigt und deren Erhalt und Fortentwicklung unterstützt werden.
Die Legaldefinition aus dem LEP 2013 lautet:
„Eine besondere Gemeindefunktion ist eine Funktion, die den wirtschaftlichen und sozialen Charakter einer nichtzentralörtlichen Ge-
meinde dominiert und in ihrer raumstrukturellen Wirkung deutlich über die eigene Gemeinde hinaus geht oder die in Grundzentren eine
deutlich herausgehobene Funktion gegenüber den anderen Aufgaben eines Grundzentrums darstellt“.
Vor allem für nichtzentralörtliche Gemeinden bedeutet die Festlegung als Gemeinde mit besonderer Gemeindefunktion, dass Maßnahmen
oder Planungen im Zusammenhang mit dieser Funktion über die Eigenentwicklung hinaus zulässig sind. Aufgabe dieser so herausgeho-
benen Gemeinden ist es aber auch, die weitere funktionale Arbeitsteilung im Raum zu unterstützen. Die Abbildung 3.2 zeigt die Anzahl
der Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion nach Landkreisen.
In der Praxis werden an Ober- und Mittelzentren keine besonderen Gemeindefunktionen geknüpft, da diese als Zentrale Orte ohnehin
besondere Funktionen für ihre Verflechtungsbereiche erfüllen. Im LEP wurden allerdings durch die Staatsregierung wegen des besonde-
ren landesentwicklungspolitischen Interesses unabhängig von der zentralörtlichen Einstufung bereits Gemeinden mit der besonderen
Gemeindefunktion Verteidigung (z. B.: Delitzsch, Marienberg) festgelegt (Z 1.4.1).
Gemäß dem Grundsatz der Raumordnung in § 2 Abs. 2 Nr. 7 ROG ist den räumlichen Erfordernissen der Verteidigung und des Zivilschut-
zes Rechnung zu tragen. Dies erfordert auch eine ausreichende Berücksichtigung bestehender Anlagen der Verteidigung sowie festge-
legter Schutzbereiche gemäß Schutzbereichsgesetz im Rahmen der Regionalplanung (Z 6.5.4). Zum Zeitpunkt der Aufstellung des LEP
2013 bestehen folgende Anlagen der Verteidigung: Truppenübungsplatz Oberlausitz, Standortübungsplätze Gelobtland (Marienberg),
Dreibrüderhöhe (Marienberg), Altenhain (Frankenberg), Dittersbach (Frankenberg), Delitzsch, Bad Düben und Munitionshauptdepot
Mockrehna.
Gemäß dem Grundsatz 1.4.2 im LEP 2013 können durch die Regionalplanung weitere Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion
festgelegt werden (optionaler Handlungsauftrag). Davon soll aber nur bei einem besonderen überörtlichen Regelungserfordernis Gebrauch
gemacht werden. Als Orientierung für die Regionalplanung wurden für die Gemeindefunktionen Gewerbe, Verkehr, Tourismus und Bildung
Kriterien und Richtwerte im LEP vorgegeben. Die Regionalplanung kann Gemeinden weitere Funktionen zuweisen, wenn sich regions-
spezifische Ausprägungen und Ausstattungsmerkmale der Gemeinden besonders signifikant hervorheben und diese aus regionalplane-
rischer Sicht gesichert werden sollen.
In den derzeit verbindlichen Regionalplänen wurde das Instrument sehr unterschiedlich angewandt. In einigen Plänen wurden Gemein-
den teilweise bis zu vier besondere Funktionen zugewiesen, wodurch das Instrument hinsichtlich seiner Zielrichtung in Frage gestellt
wird (vgl. Karte 3.2). Neben den im LEP 2013 vorgeschlagenen Funktionen Gewerbe, Verkehr, Tourismus und Bildung wurden noch die
Funktionen Gesundheit/Soziales, grenzübergreifende Kooperation, Sport und Sorbische Kultur festgelegt. Es kann davon ausgegangen
werden, dass in allen vier Planungsverbänden auch im Rahmen der Fortschreibung Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion fest-
gelegt werden. Eine stringentere Anwendung unter Beachtung der übergemeindlichen Bedeutung sollte dabei angestrebt werden.
SMI

Landesentwicklungsplan
2013
52 |
Ziel 1.3.1
Entwicklung der Zentralen Orte mit
dem Ziel der Sicherstellung der Erreichbarkeit der
Einrichtungen der Daseinsvorsorge in zumutbarer
Entfernung
Ziel 1.3.4
Sicherung der Erreichbarkeit
Zentraler Orte (PKW-Fahrzeit; ÖPNV-Angebote)
Ziel 1.3.7
Mittelzentren, Mittelzentrale
Städteverbünde
Ziel 1.3.8
Festlegung von Grundzentren in den
Regionalplänen und Darstellung von Nahbereichen
auf der Grundlage sozioökonomischer Daten
Verflechtungsbereiche und Erreichbarkeit
Zentraler Orte
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien
Reichenbach
im Vogtl.
Limbach-
Oberfrohna
Annaberg-
Buchholz
Stollberg/
Erzgeb.
Oelsnitz/Vogtl.
Dippoldiswalde
Markkleeberg
Crimmitschau
MZ SV
Sachsenring
Hoyerswerda
Schkeuditz
Großenhain
Marienberg
Weißwasser
Delitzsch
Eilenburg
MZ SV
Göltzschtal
Chemnitz
Radebeul
Freiberg
Glauchau
Radeberg
Leipzig
Dresden
Görlitz
Bautzen
Oschatz
Freital
Zwickau
MZ SV
Silberberg
Plauen
Torgau
Wurzen
Grimma
Döbeln
Meißen
Coswig
Werdau
Niesky
Zittau
Kamenz
Riesa
Borna
Pirna
Löbau
Mittweida
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (Mittelbereich, Zentrale Orte)
SMI, 2013 (ÖPNV-Erreichbarkeit)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Zentrale Orte
Oberzentrum
Mittelzentrum
Mittelbereich
Gemeindegrenze
zentralörtlicher Verbund
Überschneidungsbereich
unterdurchschnittliche
ÖPNV-Erreichbarkeit
Zentraler Orte
Erläuterungen der Farben
in der Abbildung 3.3
Karte 3.3: Mittelzentrale Verflechtungsbereiche der Mittel- und Oberzentren
Ein ausgewogenes raumstrukturelles Netz der Zentralen Orte (vgl. „Zentrale Orte und
zentralörtliche Verbünde“, S. 48) soll dazu beitragen, dass in allen Teilräumen des Frei-
staates die Bevölkerung Einrichtungen der Daseinsvorsorge in zumutbarer Entfernung zu
ihrem Wohnort erreichen kann (Z 1.3.1).
Den Zentralen Orten werden Verflechtungsbereiche zugeordnet, die aufzeigen, welche
Städte und Gemeinden durch die jeweilige zentralörtliche Ausstattung mitversorgt werden.
Den Ober- und Mittelzentren werden Mittelbereiche zugeordnet, die jeweils mehrere in
den Regionalplänen festzulegende Nahbereiche (= Verflechtungsbereiche der Grundzen-
tren) umfassen können (Z 1.3.8.).
Oberzentrale Verflechtungsbereiche werden aufgrund großräumiger Überschneidungen
der Einzugsbereiche der Oberzentren, die teilweise auch weit über Sachsen hinausreichen,
nicht ausgewiesen.
Durch Mobilität und Strukturwandel sind die zentralörtlichen Bindungen Veränderungen
unterworfen. Nicht eindeutig zuzuordnende Verflechtungen oder der Zusammenschluss
verschieden orientierter Gemeinden führen zu Überschneidungen von Mittelbereichen.
Zur Abgrenzung der Mittelbereiche wurden funktionsräumliche Verflechtungen, insbeson-
dere die Pendlerverflechtungen herangezogen.
Aus Tragfähigkeitsgründen wird für einen mittelzentralen Verflechtungsbereich von einer
Mindesteinwohnerzahl von 45.000 Einwohnern (2010) ausgegangen. Eine Ausnahme bil-
den die im LEP 2003 im Verdichtungsraum ausgewiesenen Mittelzentren, die aufgrund
ihrer Nachbarschaftslage zu Oberzentren oder benachbarten Mittelzentren nur in geringem
Umfang übergemeindliche Funktionen wahrnehmen, aber dennoch leistungsfähige Ver-
sorgungs-, Bildungs- und Wirtschaftsstandorte darstellen (Z 1.3.7).

Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien | 53
Mittweida
Görlitz
Reichenbach im Vogtl.
MZ SV Silberberg
Meißen
Annaberg-Buchholz
MZ SV Göltzschtal
Döbeln
Riesa
Löbau
Pirna
Plauen
Hoyerswerda
Radebeul/Coswig
MZ SV Sachsenring
Stollberg
Zittau
Borna
Marienberg
Limbach-Oberfrohna
Grimma
Kamenz
Glauchau
Torgau
Delitzsch
Dippoldiswalde
Oschatz
Weißwasser
Oelsnitz
Großenhain
Eilenburg
Wurzen
Freital
Werdau
Niesky
Crimmitschau
Markkleeberg
Radeberg
Schkeuditz
0
45.000
90.000
135.000
0
10.000
20.000
30.000
40.000
[Bevölkerung]
[SV-pflichtig Beschäftigte am Arbeitsort]
Mindesteinwohnerzahl im Verflechtungsbereich auf Grund
der Nähe zu Oberzentren bzw. Mittelzentren nicht anwendbar
Kreisdurchmesser symbolisiert die Flächengröße der Verflechtungsbereiche
Unterschreitung der Mindesteinwohnerzahl für den Verflechtungsbereich
Einhaltung der Mindesteinwohnerzahl für den Verflechtungsbereich
mittelzentrale Verflechtungsbereiche (Kriterium Mindesteinwohnerzahl)
Chemnitz
Dresden
Leipzig
Zwickau
Bautzen
Freiberg
0
150.000
300.000
450.000
600.000
0
50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
Übersicht
Detailausschnitt
Abbildung 3.3: Bevölkerung und SV-pflichtig Beschäftigte am Arbeitsort in den mittelzentralen Verflechtungsbereichen im Jahr 2014 (Quelle: StaLA, BA)
Im LEP 2013 werden 45 Mittelbereiche ausgewiesen (Z 1.3.7) (vgl. Karte 3.3). Schkeuditz und Markkleeberg besitzen keinen abgrenzbaren
übergemeindlichen Verflechtungsbereich, Radebeul und Coswig bilden einen gemeinsamen Verflechtungsbereich.
Die durchschnittliche Flächengröße eines Mittelbereichs liegt bei 410 km² und schwankt zwischen 78 km² (Crimmitschau) und gut
900 km² (Bautzen). Die Einwohnerzahlen der Mittelbereiche der Oberzentren Dresden (587.000), Leipzig (659.000) und Chemnitz (348.000)
liegen deutlich über dem Durchschnitt von 90.100. Als gefährdet hinsichtlich der Tragfähigkeit ihrer mittelzentralen Einrichtungen
müssen wegen Unterschreitung der Mindesteinwohnerzahl neun Mittelzentren gelten. Niesky (26.000), Wurzen (31.000) und Eilenburg
(32.000) unterschreiten den Wert deutlich (vgl. Abbildung 3.3).
Seit Inkrafttreten des LEP 2013 erfolgten keine verflechtungsbereichsübergreifenden gemeindlichen Gebietsänderungen.
Das Netz der Zentralen Orte in Sachsen ist relativ dicht, so dass die Entfernung zum nächsten Ober- oder Mittelzentrum nur in wenigen
Randbereichen (Bad Brambach, Neuhausen-Sayda-Seiffen sowie Sebnitz) mehr als 20 km beträgt. Gleichzeitig verfügt Sachsen über ein
gut ausgebautes Straßennetz unter Einbindung aller Ober- und Mittelzentren. Entsprechend stellt der Landesverkehrsplan Sachsen 2025
(LVP) fest, dass bereits im Jahr 2010 von allen Gemeinden ein sächsisches Ober- oder Mittelzentrum in weniger als 45 min PKW-Fahrzeit
erreichbar ist (Z 1.3.4). Selbst das nächste Oberzentrum soll laut LVP zum Prognosehorizont 2025 aus über 80 % der sächsischen Ge-
meinden in weniger als 45 min Fahrzeit erreichbar sein.
Eine gute Erreichbarkeit von Ober- und Mittelzentren beinhaltet auch entsprechende ÖPNV-Angebote. Ausgehend von der Richtlinie für
integrierte Netzgestaltung (RIN 2008) wird im LEP 2013 eine Fahrzeit von maximal 45 min vom Wohnstandort zum nächsten Mittelzen-
trum und von maximal 90 min zum nächsten Oberzentrum angestrebt (Z 1.3.4).
Neben der zeitlichen Komponente sind auch die flächendeckende Verfügbarkeit und die Bedienhäufigkeit von ÖPNV-Angeboten von
Bedeutung. Naturgemäß stehen hier insbesondere periphere, dünner besiedelte Räume, wie das obere Erzgebirge oder Vogtland, vor
besonderen Herausforderungen. Aber auch der zentrenferne Raum um Neustadt/Sebnitz, nicht eindeutig auf ihr Verflechtungsbereichs-
zentrum ausgerichtete (Rochlitz, Leisnig) oder uneindeutig ausgerichtete Räume (Striegistal) sind aktuell unterdurchschnittlich ange-
bunden (vgl. Karte 3.3).
Zu einer deutlichen Verbesserung der ÖPNV-Erreichbarkeit führte die Inbetriebnahme des Leipziger S-Bahnnetzes Ende 2013 (vgl. „S-
Bahn-System und SPNV“, S. 92). Damit ist fast die Hälfte aller Ober- und Mittelzentren in ein solches schnelles und zuverlässiges
schienengebundenes ÖPNV-Angebot eingebunden.
SMI

Landesentwicklungsplan
2013
54 |
Grundsatz 1.5.1
verkehrsträgerübergreifende
Erhaltung und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in
den überregional bedeutsame Verbindungs- und
Entwicklungsachsen
Ziel 1.5.2
Bündelung der Bandinfrastruktur in
den Verbindungs- und Entwicklungsachsen
Ziel 1.5.3
Ergänzung regional bedeutsamer
Entwicklungsachsen in den Regionalplänen
Ziel 1.5.4
Gliederung der Verbindungs- und
Entwicklungsachsen durch regionale Grünzüge
und Grünzäsuren
Grundsatz 1.6.4
Vernetzung der Oberzentren,
Einbindung in transeuropäische Netze und
europäische Verkehrskorridore
Ziel 2.1.2.2
Sicherstellung der Einbindung in
transeuropäische Netze und europäische
Verkehrskorridore
Ziel 2.2.1.8
Festlegung Regionaler Grünzüge
und Grünzäsuren in den Regionalplänen
Überregionale und Regionale Achsen
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien
Hoyers-
werda
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Görlitz
Bautzen
Zwickau
Plauen
Hof/
Nürnberg/
München
Leipzig/
Berlin
Nürn-
berg/
Mün-
chen
Karlovy Vary/Plzen
Praha
Praha
Usti/Praha
Liberec/
Praha
Wroclaw/
Krakow
Cottbus/Berlin
Berlin
Frankfurt (Oder)/
Cottbus/Poznan
Dessau/Berlin
Halle/
Magdeburg/
Hannover
Erfurt/
Frankfurt/M./
Nürnberg
Erfurt/
Frankfurt/M.
Erfurt/
Frankfurt/M.
Plzen
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (Zentrale Orte, überregionale Achsen, Eisenbahnstrecke)
Regionalpläne 2008-2010 (regionale Achsen)
LISt 2014 (überörtliche Straßen); VO (EU) Nr. 1316/2013 (TEN-V)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Eisenbahn
überregional
regional
überörtliche Straßen
Autobahn
Bundesstraße
Verbindungs- und Entwicklungsachsen
überregional bedeutsam
regional bedeutsam
Zentrale Orte
Oberzentrum
Mittelzentrum
Landesgrenze
Transeurpäisches Verkehrsnetz (TEN-V) -
Kernnetzkorridor
Orient/Östliches
Mittelmeer
Skandinavien-
Mittelmeer
Karte 3.4: Überregionale und Regionale Achsen und Einbindung in das TEN-V
Achsen sind gemäß § 8 Abs. 5 ROG im weitesten Sinne als Instrument zur anzustrebenden
Siedlungsstruktur zu verstehen. In Sachsen werden diese in überregional und in regional
bedeutsame Verbindungs- und Entwicklungsachsen unterschieden. Diese bilden zusammen
mit den Zentralen Orten eine punktaxiale Struktur, die im Wesentlichen die räumlichen
Verflechtungen und die angestrebte räumliche Ordnung und Entwicklung des Landes ab-
bildet und gleichzeitig auch die Einbindung in den europäischen Wirtschaftsraum sicher-
stellen soll (vgl. Karte 3.4).
Die überregionalen Achsen wurden bereits im LEP 2003 schematisch festgelegt und in den
Regionalplänen der zweiten Generation (2008-2010) weiter ausgeformt und durch regi-
onale Achsen ergänzt. Die Achsen sind in Ihrem Verlauf im Wesentlichen an der überre-
gionalen Schienen- und Straßeninfrastruktur ausgerichtet (G 1.5.1), die bedingt durch die
Topographie in Sachsen häufig räumlich getrennt verläuft.
Im Interesse der Planungskontinuität wurden die durch die Regionalplanung ausgeform-
ten überregionalen Achsen bei der Fortschreibung in den LEP 2013 übernommen. Die
Evaluierung und ggf. erforderliche Aktualisierung der regionalen Achsen sind Bestandteil
der derzeitigen Fortschreibung der Regionalpläne.
Die für den Freistaat Sachsen wichtigen Verkehrsvorhaben in den Achsen wurden parallel
im LVP 2025 aufgenommen und für den Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) angemel-
det. Die überregionalen Achsen wurden auch unter Berücksichtigung des Transeuropäi-
schen Verkehrsnetzes (TEN-V) festgelegt. Für Sachsen ist die Einbindung in den Europäi-
schen Wirtschaftraum von fundamentaler Bedeutung (G 1.6.4, Z 2.1.2.2). Die bereits 2009
begonnene Revision der TEN-V wurde im Dezember 2013 mit der Verordnung über Leitli-
nien der Union für den Aufbau eines transeuropäischen Verkehrsnetzes (VO (EU)
1315/2013) und der Verordnung zur Einrichtung der Fazilität „Connecting Europe“ (VO
(EU) 1316/2013) abgeschlossen und damit die erwartete Zwei-Ebenen-Struktur, mit einem

Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien | 55
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (überregionale Achsen)
Regionalpläne 2008-2010 (regionale Achsen, Grünzüge, Grünzäsuren)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Verbindungs- und Entwicklungsachsen
überregional bedeutsam
regional bedeutsam
Grünzäsur
Regionaler Grünzug
Landesgrenze
Siedlungsfläche
Karte 3.5: Gliederung der Verbindungs- und Entwicklungsachsen durch regionale Grünzüge und Grünzäsuren; Sicherung zusammenhängender,
siedlungsnaher Freiräume
Kernnetz und einem Gesamtnetz, eingeführt. Insbesondere das Kernnetz soll bis 2030 fertiggestellt werden. Sachsen ist insbesondere in
die Kernnetzkorridore Skandinavien – Mittelmeer und Orient/Östliches Mittelmeer eingebunden (vgl. Karte 3.4).
Bei der angestrebten Bündelung aller relevanten Bandinfrastrukturen entlang der festgelgten Achsen (Z 1.5.2) sind u. a. technische
Machbarkeiten, naturschutzrechtliche Bestimmungen, aber auch wirtschaftliche Grundsätze zu berücksichtigen. Soweit möglich und
sinnvoll wird jedoch beim Aus- und Neubau der Verkehrsinfrastruktur bereits in der Planungsphase eine weitgehende Bündelung ange-
strebt, um mit diesen raumbedeutsamen Vorhaben die weitere Zerschneidung von Natur und Landschaft zu minimieren und die damit
verbundenen Eingriffe auf das notwendige Maß zu beschränken. Beispielhaft sei hier die Verlegung der B 173 bei Flöha, die Planung der
Verlegung der B 172 bei Pirna oder der B 87n im Raum Torgau genannt (vgl. „Straßenausbau und Sicherung der Neubaustrecken“, S. 90).
In den Raumordnungsplänen benachbarter Staaten und Länder wird deutlich, dass das Planungsinstrumentarium der Achsen unter-
schiedlich angewendet wird. So deckt sich der über die Grenzen angedeutete Verlauf der planerischen Ausweisung der Achsen nicht
immer mit den benachbarten Raumordnungsplänen, beispielsweise in der Tschechischen Republik, aber auch in Thüringen. In der Regel
kann aber in diesen Fällen in Hinblick auf die vorhandene Verkehrsinfrastruktur von einer funktionalen Entsprechung ausgegangen
werden.
Die Festlegung von regional bedeutsamen Verbindungs- und Entwicklungsachsen sowie von Grünzügen und Grünzäsuren in den Regio-
nalplänen (Z 1.5.3, Z 2.2.1.8) ist wegen der derzeit laufenden Fortschreibungsverfahren nicht abschließend evaluierbar. Regionale Grün-
züge und Grünzäsuren sind ein wichtiges Instrument zur Gliederung der Achsen, zur Steuerung der Siedlungsentwicklung und zur Si-
cherung zusammenhängender siedlungsnaher Freiräume. Sie werden auf Ebene der Regionalplanung festgelegt (Z 1.5.4, Z 2.2.1.8).
Damit soll das Zusammenwachsen von Siedlungen, die Zersiedelung der Landschaft und die Entstehung von Bandsiedlungen verhindert
werden. Derartige raumordnerische Vorgaben sind sinnvoll, da auch bei konstanter bzw. rückläufiger Bevölkerung neue Bauflächen
häufig an Siedlungsrändern geplant werden. Regionale Grünzüge und Grünzäsuren dienen nicht nur zur Gliederung der Siedlungsstruk-
tur, sondern erfüllen auch vielfältige Funktionen für die Freiraumstruktur. Beispielsweise tragen sie zur Stärkung der Erholungsfunktion
und zum Erhalt des Landschaftsbildes, zur Verbesserung des lokalen Klimas sowie zur Stärkung des Biotopverbundes bei. Insgesamt
wurden in den derzeit geltenden Regionalplänen 672 Grünzäsuren festgelegt (vgl. Karte 3.5). Die ausgewiesenen Regionalen Grünzüge
unterschiedlicher Größe liegen überwiegend in den Verdichtungsräumen, aber auch in den verdichteten Bereichen im ländlichen Raum
kommt dieses Instrument zur Anwendung.
Es ist bereits jetzt erkennbar, dass sich diese Planungsinstrumente bewährt haben und die Festlegungen im Interesse der Planungskon-
tinuität weitgehend in die neuen Regionalpläne überführt werden (vgl. Karte 3.5).
SMI

Landesentwicklungsplan
2013
56 |
Grundsatz 1.2.1
Stärkung der Verdichtungs-
räume als überregional bedeutsame
Leistungsträger
Grundsatz 1.2.2
Stärkung und Weiterentwick-
lung des ländlichen Raumes
Grundsatz 1.2.3
Unterstützung von Planungen
und Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen
Raumes
Grundsatz 1.2.4
Weiterentwicklung der
verdichteten Bereiche im ländlichen Raum als
Siedlungs-,Wirtschafts- und Versorgungsräume
Grundsatz 1.2.5
Gestaltung der Infrastruktur
für den Personen- und Güterverkehr im ländlichen
Raum zur inneren Erschließung und zur
Erreichbarkeit der Verdichtungsräume
Raumkategorien
Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LEP 2013 (Raumkategorien)
StaLA, 31.12.2013 (SuV)
StaLA, 31.12.2014 (Einwohner)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Raumkategorien gemäß LEP 2013 (Datenbasis 2010)
Gemeindegrenze
Siedlungs- und Verkehrs-
flächenanteil der Gemeinde
Siedlungsstruktur
Verdichtungsraum
verdichteter Bereich im ländlichen Raum
ländlicher Raum
ländlicher
Raum
< 10 %
verdichteter Bereich
im ländlichen Raum
> 11,6 %
10 - 11,6 %
Verdichtungsraum
Siedlungsdichte der Gemeinde
> 2.000 Einwohner/km²
Einwohnerdichte der Gemeinde
> 200 Einwohner/km²
Schwellenwerte gemäß LEP 2013 (Datenbasis 2013/2014)
Karte 3.6: Raumkategorien gemäß LEP 2013 und aktuelle Siedlungsstruktur
Die im LEP 2013 festgelegten Raumkategorien sind siedlungsstrukturell abgegrenzte Räu-
me. Unterschieden werden Verdichtungsraum und ländlicher Raum, im ländlichen Raum
werden zusätzlich verdichtete Bereiche festgelegt. Gegenüber dem LEP 2003 blieben die
Verdichtungsräume nahezu unverändert, während für die verdichteten Bereiche im länd-
lichen Raum praktisch eine Neuabgrenzung erfolgte.
Die Abgrenzung der Raumkategorien im LEP 2013 beruht auf dem Anteil der Siedlungs-
und Verkehrsflächen (SuV) im Jahr 2010 (Verdichtungsraum > 11,6 %, verdichtete Bereiche
> 10 %). Für die Zuordnung zum Verdichtungsraum gelten zusätzlich eine Einwohnerdich-
te von > 200 Einwohnern je km² und eine Siedlungsdichte von > 2.000 Einwohnern je km²
SuV, wobei mindestens zwei der drei Kriterien erfüllt sein müssen. Als Mindestgrößen zur
räumlichen Abgrenzung wurden für Verdichtungsräume 150.000 und für verdichtete Be-
reiche im ländlichen Raum, die nicht im Randbereich des Verdichtungsraumes liegen,
10.000 Einwohner festgelegt. Zur Vermeidung von „Insellagen" wurde in Einzelfällen die
Abgrenzung arrondiert.
Fast 56 % der Einwohner Sachsens konzentrieren sich in den Verdichtungsräumen um
Dresden, Leipzig und Chemnitz-Zwickau auf 16,8 % der Landesfläche. Der ländliche Raum
ohne seine verdichteten Bereiche bildet mit 56,4 % die flächengrößte Raumkategorie bei
einem Bevölkerungsanteil von nur 17,8 %. Im verdichteten Bereich des ländlichen Raumes
leben 26,4 % der Bevölkerung auf 26,8 % der Fläche (vgl. Abbildung 3.4).
Sachsenweit nahm die SuV im Zeitraum 2010-2013 um 3,44 % zu, in den Verdichtung-
räumen um 4,23 %, in den verdichteten Bereichen im ländlichen Raum um 3,18 %, im
ländlichen Raum um 2,83 %. Der Anteil der SuV an der Gesamtfläche stieg sachsenweit
auf 12,8 %, in den Verdichtungsräumen auf 27,8 %, in den verdichteten Bereichen im
ländlichen Raum auf 14,6 % und auf 7,5 % im ländlichen Raum (vgl. „Siedlungs- und

Sachsens Raumstruktur | Raumstrukturelle Situation | Zentrale Orte und Raumkategorien | 57
16,8 %
26,8 %
56,4 %
55,8 %
26,4 %
17,8 %
Verdichtungsraum
verdichteter Bereich im ländlichen Raum
ländlicher Raum
Bevölkerung
Fläche
Abbildung 3.4: Bevölkerungs- und Flächenanteil nach Raumkategorien zum 31.12.2014 (Quelle: StaLA, LEP 2013)
Verkehrsfläche“, S. 70).
Bei fast konstanter Bevölkerungszahl seit dem Zensus 2011 wiesen die Verdichtungsräume 2,5 % Bevölkerungswachstum auf, im länd-
lichen Raum, einschließlich der verdichteten Bereiche im ländlichen Raum, ist die Bevölkerung um 3 % zurückgegangen. In Karte 3.6
erfolgt eine Darstellung der für die Festlegung im LEP 2013 zugrunde gelegten Kriterien für alle Gemeinden auf Grundlage aktueller
Daten, um statistische Veränderungen, bezogen auf die Siedlungsstruktur, seit 2010 aufzuzeigen. Die im LEP 2013 auf Basis von Daten
des Jahres 2010 festgelegten Raumkategorien sind nach wie vor plausibel, obwohl nicht in jedem Fall die Kriterien zutreffen. Ursachen
dafür liegen in Schwellenwertunter- und -überschreitungen durch Veränderung von SuV bzw. Einwohnerzahl sowie in Gemeindege-
bietsänderungen. Insbesondere die Abgrenzung der Verdichtungsräume erweist sich als eindeutig und stabil. Bei den verdichteten Be-
reichen unterschreiten einige Gemeinden westlich von Plauen, zwischen Grimma und Döbeln und südwestlich von Dresden aktuell den
SuV-Anteil von 10 %.
Probleme bei der Anwendung der Raumkategorien entstehen bei einem Zusammenschluss von Gemeinden, die unterschiedlichen Raum-
kategorien zugeordnet sind. Eine „formlose“ Änderung der im LEP getroffenen Festlegungen ist rechtlich nicht möglich. Der Adressat der
Raumkategorie-Festlegung bleibt die Gemeinde – freiwillige Zusammenschlüsse können jedoch nicht von der Raumkategorie abhängig
gemacht werden. Im Betrachtungszeitraum betroffen sind die Gemeinden Dippoldiswalde (Eingemeindung von Schmiedeberg) und
Nossen (Eingemeindung von Ketzerbachtal und Leuben-Schleinitz). Diese Gemeinden umfassen damit sowohl Gemeindeteile aus den
verdichteten Bereichen im ländlichen Raum als auch aus dem ländlichen Raum. Für statistische Betrachtungen im Rahmen dieses Be-
richtes wurden beide Gemeinden auf Basis einer Neuberechnung entsprechend der Kriterien des LEP 2013 in die Kategorie ländlicher
Raum einbezogen.
Die Festlegung von Raumkategorien soll eine differenziertere Adressierung fachlicher Ziele und Grundsätze ermöglichen, um siedlungs-
strukturellen Unterschieden Rechnung tragen zu können. Entsprechend beziehen sich die Grundsätze zu den Raumkategorien im Kapi-
tel 1.2 des LEP 2013 auf folgende Inhalte:
G 1.2.1 die „Verdichtungsräume" u. a. hinsichtlich
Siedlungs-/Verkehrsentwicklung (vgl. „Siedlungsentwicklung", S. 58 und vgl. „Verkehrsinfrastruktur", S. 86),
Zusammenarbeit in Stadt-Umland-Räumen (vgl. „Regionalentwicklung“, S. 34),
effektiver Flächennutzung (vgl. „Flächenneuinanspruchnahme“, S. 68),
G 1.2.2 den „ländlichen Raum" u. a. hinsichtlich
funktionaler Stärkung seiner zentralen Orte (vgl. „Zentrale Orte und Raumkategorien“, S. 46),
Erreichbarkeit zentraler Orte aus ihrem Verflechtungsbereich (vgl. „Zentrale Orte und Raumkategorien“, S. 46),
Bewältigung des demographischen Wandels/Daseinsvorsorge (vgl. „Räumliche Sicherung“, S. 122),
G 1.2.3 den „ländlichen Raum" hinsichtlich
Erweiterung der Erwerbsgrundlagen für Gewerbe/Handwerk/Dienstleistungen (vgl. „Gewerbliche Wirtschaft, groß-
flächiger Einzelhandel und Tourismus“, S. 78),
Stärkung der Funktionen als Freizeit- und Erholungsraum (vgl. „Gewerbliche Wirtschaft, großflächiger Einzelhan-
del und Tourismus“, S. 78) ,
räumlicher Voraussetzungen zur Stärkung der Land- und Forstwirtschaft/Arbeitsplätze (vgl. „Land- und Forstwirt-
schaft“, S. 186) sowie
G 1.2.4 und G 1.2.5 die „verdichteten Bereiche im ländlichen Raum" hinsichtlich
ihrer verkehrlichen Erschließung (vgl. „Straßen- und Eisenbahnverkehr“, S. 86, vgl. „ÖPNV, Fahrrad- und Fuß-
gängerverkehr“, S. 100).
SMI

58 |
Stadt- und Dorfentwicklung
3.2 Siedlungsentwicklung
Sachsen ist für Menschen jeden Alters lebenswert und bietet allen Generationen eine Heimat. Großstädtische Zentren bieten eine Vielfalt
hochwertiger Wirtschafts-, Bildungs-, Forschungs-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen und haben Strahlkraft weit über Sachsen hinaus.
Daneben sorgen regionale Zentren im ländlichen Raum, mittlere und kleinere Städte für Entwicklung und Versorgung im ganzen Land
(Sachsen 2020).
Ziel ist es, durch integrierte Maßnahmen der Stadt- und Dorfentwicklung die Lebensverhältnisse stetig zu verbessern. Die größten Her-
ausforderungen für die Siedlungsentwicklung in Sachsen sind der demographische Wandel und die notwendigen Anpassungen an Kli-
mawandel und Energiewende. Städte und Dörfer müssen sich diesen Herausforderungen stellen, um das gemeinsame Ziel aller Sachsen,
eine lebenswerte Heimat - auch in Zukunft - gestalten zu können. Der Rückgang der Bevölkerungszahlen zwingt uns, gemeinsame
Strategien von Stadt und Land zu entwickeln.
Ohne regionales Denken und Handeln wird es nicht gelingen, in Zukunft Wohnen, Infrastruktur und Versorgung auf hohem Niveau in
Stadt und Land gleichsam vorzuhalten. Der Anpassungsdruck für die Städte und Dörfer in Sachsen an weniger Einwohner und eine älter
werdende Bevölkerung stellt die Stadt- und Dorfentwicklungsplanung vor die Herausforderung gemeinsamer Planungen. Es ist notwen-
dig, Funktionen zu bündeln und Ankerpunkte für Infrastruktur und Versorgung in ländlichen Regionen zu bilden. Leistungsstarke Städ-
te müssen Funktionen für ihr Umland übernehmen und Defizite ausgleichen. Für die Siedlungsentwicklung im Freistaat Sachsen sind
deshalb im LEP 2013 auch Ziele zur Konzentration zentralörtlicher Funktionen festgehalten:
Soweit zur Konzentration der zentralörtlichen Funktionen erforderlich, sollen in den Regionalplänen Versorgungs-
und Siedlungskerne festgelegt werden mit der Folge, dass die Ansiedlung zentralörtlicher Einrichtungen außerhalb
dieser Kerne unzulässig ist; ausnahmsweise solche mit spezifischen Standortanforderungen (Z 2.2.1.2) (vgl. „Ver-
sorgungs- und Siedlungskerne, Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion“, S. 50).
Eine Siedlungsentwicklung, die über den aus der natürlichen Bevölkerungsentwicklung, aus den Ansprüchen der
örtlichen Bevölkerung an zeitgemäße Wohnverhältnisse sowie den Ansprüchen ortsangemessener Gewerbebe-
triebe und Dienstleistungseinrichtungen entstehenden Bedarf (Eigenentwicklung) hinausgeht, ist nur in den Zen-
tralen Orten gemäß ihrer Einstufung und in den Gemeinden mit besonderer Gemeindefunktion zulässig (Z 2.2.1.6)
(vgl. „Bauflächen und Baugebiete“, S. 74).
Die Lebensqualität in unseren Städten und Dörfern ist entscheidend dafür, ob die Menschen gern im Freistaat Sachsen leben. Gleich-
wertige Lebensverhältnisse zu erhalten oder zu schaffen, ist Ziel und Herausforderung zugleich. Deshalb sollen nach dem LEP 2013
diese Eckpunkte für eine nachhaltige Entwicklung der Städte und Dörfer gelten:
Das historische Siedlungsgefüge soll berücksichtigt und Innenstädte und Ortskerne als Zentren für Wohnen,
Gewerbe, Handel, Infrastruktur und Daseinsvorsorge gestärkt und weiterentwickelt werden, dabei sollen gesund-
heitliche Belange der Bevölkerung berücksichtigt werden und bedarfsgerechte Anpassungen erfolgen (G 2.2.2.2).
Brachflächen sollen in die Stadt- und Dorfentwicklungsplanung integriert und einer neuen Nutzung zugeführt
werden (G 2.2.2.2).
Es soll eine energiesparende und energieeffiziente integrierte Siedlungs-und Verkehrsflächenentwicklung gewähr-
leistet werden (G 2.2.2.2).
Stadt- und Dorfumbau müssen bedarfsgerecht, durch Maßnahmen zur Erhaltung, Aufwertung, Umnutzung, zum
Umbau und Neubau erfolgen (G 2.2.2.2).
Das Auseinanderbrechen des Siedlungsgefüges soll durch vorrangige Nutzung und Stärkung städtebaulich inte-
grierter Lagen verhindert werden. Dabei soll notwendiger Rückbau von außen nach innen erfolgen (G 2.2.2.3).
Die Lebensqualität und die natürliche biologische Vielfalt in den Städten und Dörfern soll zur Schaffung und Er-
haltung von naturnahen Lebensräumen und Grünflächen innerhalb des Siedlungsgefüges aufgewertet werden
(G 2.2.2.4).
Die Dorfentwicklung soll so erfolgen, dass die historisch gewachsenen Siedlungsstrukturen und typischen Bau-
stile und Bauweisen unter Berücksichtigung zeitgemäßer Anforderungen sowie der regionaltypischen Ausstattung
bewahrt und weiterentwickelt werden. Dabei sollen auch die Belange der Landwirtschaft in angemessener Weise
berücksichtigt werden (G 2.2.2.5).

image
image
Sachsens Raumstruktur | 59
Foto 3.2: Stadtum-
bau Ost in Stollberg
(Wohnungsbaugenos-
senschaft „Wismut
Stollberg“ eG)
In kleineren Städten und Dörfern, die aufgrund ihrer demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung einen hohen Gebäudeleerstand
sowie Tragfähigkeitsprobleme von Einrichtungen der Daseinsvorsorge einschließlich der technischen Infrastruktur aufweisen, gilt es den
Grundsatz 2.2.2.6 umzusetzen. Dieser enthält folgende Zielstellungen:
Ortskerne sollen für Wohnen und Gewerbe attraktiv bleiben.
Innovative Lösungen für die Bereitstellung von Leistungen und Einrichtungen der Daseinsvorsorge einschließlich
der technischen Infrastruktur sollen Defizite vermeiden.
Leerstehende Bausubstanz und Brachflächen sollen umgenutzt, rückgebaut, zwischengenutzt oder renaturiert
werden.
Eine angemessene verkehrliche Anbindung soll gewährleistet bleiben.
Sachsen hat nicht nur den ältesten Gebäudebestand aller Länder. Zwei Drittel der Gebäude im Freistaat Sachsen wurden vor 1948 er-
richtet. Sachsen besitzt auch ein reiches und vielfältiges, oftmals sehr hochwertiges kulturelles Erbe mit rund 105.000 Baudenkmalen.
70 % davon sind Wohnhäuser. Die notwendigen Anpassungsprozesse müssen so erfolgen, dass Gesicht und Charakter unserer Städte
als eines unserer wichtigsten Kulturgüter bewahrt werden.
Die wertvolle historische Bausubstanz soll auch für kommende Generationen Zeugnis der heimatlichen Entwicklung sein. Ziel ist es
deshalb, „Altes“ zu bewahren und in das moderne Leben einzubinden. Dabei sind insbesondere die im Sächsischen Denkmalschutzgesetz
verankerten Vorgaben zu berücksichtigen (G 2.2.2.2). Im Durchschnitt sind mehr als zwei Drittel des Denkmalbestandes mittlerweile
instand gesetzt oder zumindest gesichert. Allerdings sind deutliche regionale Unterschiede festzustellen. Dürften inzwischen 80 bis 85 %
zumindest gesichert sein, liegt im ländlichen Raum oder in Klein- und Mittelstädten der Wert oft erheblich unterhalb des Durchschnitts.
So ist einerseits eine enorme Aufbauleistung zu verzeichnen, andererseits gibt es noch sehr viel zu tun.
Bis auf wenige Ausnahmen - z. B. Dresden und Leipzig - werden die sächsischen Städte wegen des anhaltenden Bevölkerungsrückgangs
kleiner. Perspektive für die Stadt- und Dorfentwicklung sind kompakte Siedlungskörper. Diese Entwicklung muss selbstverständlich von
außen nach innen erfolgen (G 2.2.2.3). Es ist eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre, ein Auseinanderfallen der Sied-
lungsstrukturen trotz notwendiger Rückbaumaßnahmen zu verhindern. Die Konzentration der Funktionen auf die räumlich bestehenden
Strukturen, ihr qualitativer Ausbau für das Leben, Wohnen, Arbeiten in den Städten muss für die Städte und Dörfer das bestimmende
Entwicklungsziel sein. Die kompakte Stadt ist das ökologisch und ökonomisch effiziente europäische Stadtmodell. Klimaschutz- und
Energieeffizienzziele sowie eine geringere Flächeninanspruchnahme können in einer kompakten Stadt am effektivsten erreicht werden.
Um die Lebensverhältnisse sowohl in den Städten der Verdichtungsräume und des ländlichen Raumes als auch in den Dörfern zu ver-
bessern, werden vor allem im Rahmen der Städtebauförderung und der Integrierten Ländlichen Entwicklung sowie auch im Rahmen der
einzelnen Fachförderprogramme eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen gefördert. Im Interesse des effizienten Einsatzes der öf-
fentlichen Mittel erfolgt die Förderung dabei zunehmend auf der Grundlage integrierter Entwicklungskonzepte wie den Integrierten
Stadtentwicklungskonzepten (INSEK) und den ILEK, die aufeinander abgestimmt werden sollen (vgl. „Stadtentwicklung“, S. 62 und vgl.
„Dorfentwicklung“, S. 64).
SMI

Landesentwicklungsplan
2013
60 |
Ziel 2.2.2.1
Weiterführung integrierter
Maßnahmen der Stadt- und Dorfentwicklung zur
Verbesserung der Lebensverhältnisse in den
Gemeinden
Grundsatz 2.2.2.2
Weiterentwicklung der
Städte und Dörfer hinsichtlich Siedlungsgefüge,
Innenstädte, Brachflächen, integrierte
SuV-entwicklung und Stadt- und Dorfumbau
Grundsatz 2.2.2.3
Stadt- und Dorfumbau:
Rückbau von außen nach innen, vorrangige
Nutzung städtebaulich integrierter Lagen zur
Verhinderung des Auseinanderbrechens des
Siedlungsgefüges
Stadtumbau
Sachsens Raumstruktur | Siedlungsentwicklung | Stadt- und Dorfentwicklung
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
SMI, Dez. 2013
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
S tä d te b a u fö rd e rp ro g arm m ˚S ta d tu m b a u O st˝
Programmteil
Aufwertung
Rückbau
im Programm aufgenommene Städte und Gemeinden
Gemeindegrenze
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Karte 3.7: Städte und Gemeinden im Städtebauförderprogramm „Stadtumbau Ost"
Stadtumbau ist in den meisten Städten im Freistaat Sachsen ein wichtiger Teil der Stadt-
entwicklung geworden. Der Rückgang der Bevölkerungszahlen und das steigende Durch-
schnittsalter machen die Anpassung der städtischen Strukturen notwendig. Zugleich gilt
es, die Quartiere an zukunftsfähige Energien anzupassen, die standortgerechte Nutzung
von Brachflächen in die neuen Stadtstrukturen einzubeziehen und die vorhandene Infra-
struktur für Verkehr, Stadttechnik und Versorgung so anzupassen, dass sie wirtschaftlich
betrieben werden können. Einrichtungen für Bildung, Gesundheitswesen und Sport sollen
nachhaltig angepasst werden (G 2.2.2.2).
Lebensqualität wird wesentlich durch die Funktionalität der Städte geprägt. Neben immer
noch notwendigen Rückbaumaßnahmen stehen nachhaltige Aufwertungsmaßnahmen im
Vordergrund des Stadtumbaus. Selbst die drei großen Städte Dresden, Chemnitz und Leip-
zig, die mittlerweile stabile Einwohnerzahlen haben, sind aufgrund des demographischen
Wandels und der Energiewende mit der Anpassung der Stadtquartiere beschäftigt. Der
Rückgang der Bevölkerungszahlen prägt anhaltend kleinere Städte und Dörfer. Dort soll
der Stadtumbau, insbesondere die städtischen Strukturen, auch bei rückläufigen Bevölke-
rungszahlen lebendig halten und die Lebensqualität durch gezielte städtebauliche Maß-
nahmen erhalten und verbessern (G 2.2.2.2).
Die Innenstädte sollen im Stadtumbauprozess nach dem Leitbild der europäischen Stadt
gestärkt und traditionelle Strukturen erhalten werden, d. h., Innenentwicklung hat Vorrang
vor Außenentwicklung. Ziel ist die kompakte, nutzungsgemischte Stadt mit kurzen Wegen
(G 2.2.2.2, G 2.2.2.3).
Das Städtebauförderprogramm „Stadtumbau Ost“ bietet den Städten eine flexible finan-
zielle Unterstützung für die komplexen städtebaulichen Maßnahmen, die im Rahmen der
INSEK geplant sein müssen (G 2.2.2.1).

Sachsens Raumstruktur | Siedlungsentwicklung | Stadt- und Dorfentwicklung
| 61
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
StaLA, (Gebäude- und Wohnungszählung 2011, Bevölkerungssalden 2006-2014)
SAB, 2015 (Wohnungsbaumonitor 2014 | 2015 - Rückbau)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
geförderter Rückbau von
Wohnungen 2000 - 2013
<
10 .00
1 0. 00
-.20 0 0
2 0. 00
-.50 0 0
5 0. 00
-01.0 0 0
"e 01 0.0 0
Bevölkerungssaldo 2006 - 2009
"d 2-.5 0 0
- 2 5.0 0 -0
>
0
Leerstandsquote
Wohngebäude 2011 [%]
>
1 6
1 2 - 61
8
-1 2
"d
8
Grenze Wohnungsmarktregion SAB
Karte 3.8: Geförderter Rückbau von Wohnungen bis 2013 und Leerstandsquote Wohngebäude 2011
Stadtumbau findet im Freistaat Sachsen vor allem in den Städten selbst statt. Aber auch Gemeinden mit dörflichem Charakter ab 2.000
Einwohner haben Zugang zum Programm „Stadtumbau Ost“, wenn sie von hohem Leerstand und Umbaubedarf betroffen sind. Der
Stadtumbau kommt im Freistaat Sachsen gut voran. Auf der Basis der konsequenten integrierten Stadtentwicklungsplanung unter Be-
achtung der Bevölkerungsentwicklung konnten gravierende Auswirkungen des Leerstandes auf den Wohnungsmarkt verhindert werden.
Die notwendigen Rückbaumaßnahmen konnten zum überwiegenden Teil bis 2010 abgeschlossen werden. In den weiterhin vom Bevöl-
kerungsrückgang betroffenen Gemeinden bleibt der Rückbau jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Stadtentwicklungsmaßnahmen
(G 2.2.2.3).
Bis 2014 wurden rund 140.000 leer stehende Wohnungen zu einem großen Teil mit Fördermitteln aus dem Programm „Stadtumbau Ost“
vom Markt genommen, die ansonsten das Gleichgewicht am sächsischen Wohnungsmarkt erheblich beeinträchtigen würden. Der Leer-
stand hätte zudem einen großen Teil finanzieller Mittel der Wohnungseigentümer gebunden, die nun wieder in Investitionen zur Auf-
wertung der Wohnquartiere fließen können. Im Programm „Stadtumbau Ost“ wurden bislang mit rund 390 Mio. € Rückbaumaßnahmen
unterstützt, begleitend wurden Infrastrukturanpassungen mit rund 54 Mio. € anteilig finanziert. In die Aufwertung sowie Sicherung
wertvoller Bausubstanz flossen rund 565 Mio. €. In Summe wurde seit 2002 rund 1 Mrd. € in den Umbau unserer Städte allein aus dem
Programm „Stadtumbau Ost“ investiert. Hinzu kommt der Eigenanteil der Gemeinden.
Für das Jahr 2030 sind für den Freistaat Sachsen zwischen 3,9 und 4,0 Mio. Einwohner prognostiziert. Damit leben 2030 voraussichtlich
zwischen 58.000 und 204.000 bzw. 1,4 % bis 5,0 % weniger Menschen im Freistaat Sachsen als Ende 2014 (StaLA 2016). Zugleich hat
Sachsen den höchsten Wohnungsleerstand Deutschlands und den ältesten Gebäudebestand. Mehr als 231.000 Wohnungen standen zum
Zensusstichtag 2011 in Sachsen leer. Damit betrug die Leerstandsquote in Sachsen durchschnittlich knapp 10 %. Etwa 64.000 Wohnun-
gen standen in kleineren Mehrfamilienhäusern leer. Zusammen mit den knapp 129.000 leer stehenden Wohnungen in größeren Gebäu-
den mit sieben und mehr Wohnungen ergibt das eine Leerstandsquote von mehr als 12 % in diesem Gebäudetyp. Im Vergleich zum
Bundesdurchschnitt (4,5 %) war die Leerstandsquote im Freistaat mehr als doppelt so hoch (Wohnungsbaumonitoring 2014/2015 SAB).
Außerdem muss im Freistaat in den darauffolgenden Jahrzehnten - weitgehend vorgezeichnet durch die bestehende Altersstruktur und
das steigende Durchschnittsalter - mit einem kontinuierlich steigenden Bedarf an altersgerechtem Wohnraum und einem entsprechen-
den Wohnumfeld sowie passender Infrastruktur gerechnet werden. Das heißt, Stadtumbau bleibt auch zukünftig ein wesentliches
Thema der Stadtentwicklung.
SMI

Landesentwicklungsplan
2013
62 |
Ziel 2.2.2.1
Weiterführung integrierter
Maßnahmen der Stadt- und Dorfentwicklung zur
Verbesserung der Lebensverhältnisse in den
Gemeinden
Grundsatz 2.2.2.2
Weiterentwicklung der
Städte und Dörfer hinsichtlich Siedlungsgefüge,
Innenstädte, Brachflächen, integrierte
SuV-entwicklung und Stadt- und Dorfumbau
Grundsatz 2.2.2.4
Aufwertung der
Lebensqualität durch Schaffung und Erhaltung
naturnaher Lebensräume und Grünflächen
innerhalb des Siedlungsgefüges
Stadtentwicklung
Sachsens Raumstruktur | Siedlungsentwicklung | Stadt- und Dorfentwicklung
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
SMI
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
Gemeindegrenze
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Gemeinde mit INSEK
Stadt
Teilentwicklungskonzept
Landgemeinde
Gemeinde ohne INSEK
Stadt
Landgemeinde
Karte 3.9: Integierte Stadtentwicklungskonzepte (INSEK)
Die Menschen leben wieder gern in den Städten. Die Städte im Freistaat Sachsen sind nach
25 Jahren deutscher Einheit zu einem lebendigen Spiegel der Gesellschaft geworden. Sie
dominieren nicht nur mit ihrer Leuchtkraft, sondern erfüllen in zunehmendem Maße wich-
tige Funktionen der Daseinsvorsorge auch für das Umland.
Von der positiven Stadtentwicklung zeugen nicht nur die Gesichter unserer Städte. Auch
hinter den Fassaden wurde modernisiert, umgebaut, angepasst und gleichzeitig alter Glanz
wieder ins rechte Licht gerückt. Infrastruktur und Wohnen haben einen modernen, be-
darfsgerechten Standard erhalten. Die Leitlinien für die Stadtentwicklung in Sachsen wur-
den 2010 in der Stadtentwicklungsstrategie Sachsen 2020 vom SMI neu formuliert. Im
Mittelpunkt stehen lebenswerte Städte für alle Generationen (G 2.2.2.2 und G 2.2.2.4).
Zentrale Herausforderung der Stadtentwicklung ist die Anpassung der Städte an den
demographischen Wandel, die Energiewende und den Klimawandel. Ziel ist es, dass diese
Entwicklung im engen Verbund von Stadt und Umland erfolgt. Stadtentwicklung soll so
geplant werden, dass auch die Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Umland
ein Bestandteil ist (G 2.2.2.2).
INSEK bieten die Chance, diesen komplexen Prozess der Entwicklung der Städte durch die
Einbeziehung aller Fachbereiche, Akteure und Bürger ganzheitlich abzubilden und dyna-
misch fortzuentwickeln (Z 2.2.2.1).
Im Jahr 2000 wurden die INSEK zunächst für den Stadtumbau, seit 2012 für alle Program-
me der Städtebauförderung als Zuwendungsvoraussetzung eingeführt.
Auch die Wohnraumförderung nutzt die in den INSEK verankerten Aussagen zu inte-
grierten Lagen, um den Einsatz der Fördermittel im Einklang mit der Stadtentwicklung zu

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Sachsens Raumstruktur | Siedlungsentwicklung | Stadt- und Dorfentwicklung | 63
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1991
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1993
1994
1995
1996
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2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
[Mio. €]
vor dem Berichtszeitraum
im Berichtszeitraum
Abbildung 3.5: Städtebauförderung von 1991-2014 (Quelle: SMI)
steuern (Z 2.2.2.1).
Für die Wohnraumförderung erhält der Freistaat Sachsen seit 2007 vom Bund Entflechtungsmittel in Höhe von 59,64 Mio. € pro Jahr.
Diese werden über den Wohnraumförderungsfonds für die Programme „Wohneigentum“, „Energetisch Sanieren“ und „Mehrgeneratio-
nenwohnen“ zur Modernisierung und zum Umbau von Wohnraum im Rahmen der Stadtentwicklung objektbezogen verwendet.
In der Städtebauförderung können Städte und Gemeinden ab 2.000 Einwohnern für aus dem INSEK abgeleitete, räumlich abgegrenzte
städtebauliche „Gesamtmaßnahmen“ in den einzelnen Programmen finanzielle Unterstützung erhalten. Über die Hälfte der 431 sächsi-
schen Städte und Gemeinden nutzen diese Gebietsförderung (Z 2.2.2.1) (vgl. Karte 3.9).
Mit rund 5 Mrd. € seit 1991 trägt die Städtebauförderung erheblich zur positiven Entwicklung unserer Städte und Gemeinden bei (vgl.
Abbildung 3.5). Allein in den Jahren 2010–2014 standen rund 824 Mio. € Kassenmittel aus den Bewilligungen der einzelnen Programm-
jahre in den Programmen der Städtebauförderung zur Verfügung:
Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen rund 145 Mio. €,
Aktive Stadt- und Ortsteilzentren rund 37 Mio. €,
Städtebaulicher Denkmalschutz rund 257 Mio. €,
Soziale Stadt rund 42 Mio. €,
Stadtumbau Ost/Rückbau rund 86 Mio. €,
Stadtumbau Ost/Aufwertung rund 250 Mio. € und
Kleinere Städte und Gemeinden rund 7 Mio. €.
Der Investitionspakt brachte den Städten zusätzlich rund 54 Mio. € für Investitionen in die Stadtentwicklung.
Die Schwerpunkte der Städtebauförderung korrespondieren mit den Herausforderungen der Stadtentwicklung:
Stärkung der Innenstädte und innenstadtnaher Stadtteile, die auf Dauer zur Versorgung der Städte mit Wohnraum
und Infrastruktur erforderlich sind und Anpassung und Gestaltung öffentlicher Freiräume an Bedürfnisse von
Familien mit Kindern und älteren Menschen, vorrangig in innerstädtischen Gebieten,
Stärkung des innerstädtischen Einzelhandels und Gewerbes in innerstädtischen Bereichen und Ortsteilzentren,
CO2-Minderung durch energetische Modernisierung und umweltbewusste Gestaltung des öffentlichen Raumes
(Grünflächen, Straßengrün und Ähnliches) ,
Rückbau oder Umnutzung von Gebäuden, die durch wirtschaftlichen und demographischen Wandel funktionslos
geworden sind, Beseitigung oder Wiedernutzung von Brachen und
Sicherung und Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge mit Blick auf das Umland (G 2.2.2.2).
Zusätzlich flossen rund 112 Mio. € aus dem EFRE in der Förderperiode 2007–2013 in die Entwicklung städtischer Quartiere mit dem
Schwerpunkt der nachhaltigen Stadtentwicklung. Ziel war es, Städte und Stadtgebiete mit erheblichen Entwicklungshemmnissen bei der
Entwicklung und Umsetzung baulicher, infrastruktureller, energetischer und bildungsorientierter Strategien und Maßnahmen zu unter-
stützen. Die Förderung konzentrierte sich auf Gebiete der industrialisierungsbedingten Stadterweiterungen aus der Zeit zwischen 1870
und 1948, die noch erkennbar über Bebauung aus dieser Zeit verfügen (G 2.2.2.2).
In der Förderperiode 2014–2020 stehen für die Integrierte Stadtentwicklung 120 Mio. € zur Verfügung.
SMI

Landesentwicklungsplan
2013
64 |
Grundsatz 2.2.2.2
Entwicklung der Städte und
Dörfer, Stärkung der Ortskerne, bedarfsgerechter
Dorfumbau
Grundsatz 2.2.2.5
Bewahrung und
Weiterentwicklung gewachsener Siedlungsstruktu-
ren und typischer Bauweisen
Ziel 2.2.2.6
Entwicklung innovativer Lösungen
für Dörfer, die dem demographischen und
wirtschaftlichen Strukturwandel unterliegen und
somit einen sehr hohen Gebäudeleerstand sowie
Tragfähigkeitsprobleme von Einrichtungen der
Daseinsvorsorge einschließlich der technischen
Infrastruktur aufweisen
Dorfentwicklung
Sachsens Raumstruktur | Siedlungsentwicklung | Stadt- und Dorfentwicklung
Augustus-
burger
Bautzner
Oberland
Dübener
Heide
Falkenstein
3
Kottmar
Lausitzer Seenland
4
Naturpark
Zittauer
Gebirge
Ost-
elbien
Östliche
Oberlausitz
Sachsen-
kreuz
Sächsische
Schweiz
Sächsisches
Zweistromland
Schönburger
Land
Silbernes
Erzgebirge
2
Weiße
Elster
Westerzgebirge
Dresdner Heidebogen
Zwickauer
Land
1
Zwönitztal/
Greifenstein-
region
Südraum
Leipzig
Annaberger
Land
Land
Delitzscher
Land
Elbe-Röder-
Dreieck
Klosterbezirk Altzella
Land des
Roten Porphyr
Leipziger
Muldenland
Lommatzscher
Pflege
Oberlausitzer Heide-
und Teichlandschaft
Vogtland
Westlausitz
Zentrale
Oberlausitz
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LfULG, Referat 31 (ILE-/ LEADER-Gebiet)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
1 Lugau-Oelsnitzer Becken
2 Tor zum Erzgebirge
3 Gemeinsame Zukunft Erzgebirge
4 Mittleres Flöha- und Zschopautal
ILE-Gebiet
LEADER-Gebiet
Grenze Landkreis/Kreisfreie Stadt
Karte 3.10: ILE- und LEADER-Gebiete in der EU-Förderperiode 2007-2013
Die Mehrheit der Menschen in Sachsen lebt nicht in großen Städten – sie wohnt in länd-
lichen Regionen. Daher stellt der ländliche Raum für den Freistaat Sachsen ein wichtiges
Rückgrat dar. Einzigartige Dörfer und kleine Städte in einer vielfältigen Kulturlandschaft
sind attraktive Arbeits- und Lebensorte.
Der ganzheitliche Ansatz der Maßnahmen der ILE im Sinne der Ziele und Grundsätze des
LEP 2013 hat zu einer deutlichen Aufwertung der sächsischen Dörfer und Städte und
damit zu verbesserten Lebensbedingungen im ländlichen Raum beigetragen. Dass die
Menschen sich im ländlichen Raum wohlfühlen, belegt eine Umfrage im Jahr 2012: Öf-
fentlich geförderte Maßnahmen werden von den Bewohnern im ländlichen Raum wahr-
genommen und gewürdigt.
Im ländlichen Raum wurden in 35 anerkannten LEADER- und ILE-Gebieten ILEK erarbeitet
und in der Förderperiode der Europäischen Union im Zeitraum 2007-2013 umgesetzt. Von
entscheidender Bedeutung war hierbei das hohe Engagement der gesellschaftlichen und
privaten Akteure vor Ort.
Entsprechend der endogenen Entwicklungspotenziale wurde ein Entwicklungsschwerpunkt
in den ILEK auf die weitere Inwertsetzung der Ortskerne ländlicher Siedlungen in den
Bereichen Infrastruktur, Grundversorgung, Wohnen und Gewerbe gelegt (Z 2.2.2.6). Bei-
spielsweise wurden in der EU-Förderperiode 2007-2013 274 Vorhaben zur Modernisierung
von Schulen und Kindertageseinrichtungen bezuschusst. Ein gutes Beispiel ist die sanier-
te Grundschule in Possendorf.
Die Entwicklung der ländlichen Wirtschaft ist in allen ILEK ein Leitthema. Die Grundver-
sorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen ist dabei ein wichtiger Teilas-
pekt. Hier werden vor Ort Lösungen entwickelt, die sowohl der demographischen Entwick-

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Annaberger
Land
Bautzner
Oberland
Delitzscher
Land
Dübener
Heide
Elbe-Röder-
Dreieck
2
Klosterbezirk Altzella
Kottmar
Land des
Roten Porphyr
Lausitzer Seenland
Leipziger
Muldenland
Lommatzscher
Pflege
Erzgebirgsregion
Flöha- und
Zschopautal
Naturpark
Zittauer
Gebirge
Oberlausitzer Heide-
und Teichlandschaft
Sächsisches
Zweistromland
- Ostelbien
Östliche
Oberlausitz
Sachsenkreuz
Sächsische
Schweiz
Schönburger
Land
Silbernes
Erzgebirge
1
Vogtland
Westerzgebirge
Westlausitz
Dresdner Heidebogen
Zentrale
Oberlausitz
Zwickauer
Land
Zwönitztal/
Greifenstein-
region
Südraum
Leipzig
Sachdaten:
Geobasisdaten:
Kartographie:
LfULG, Referat 31, 22.04.2015 (Annerkannte LEADER-Entwicklungsstrategien)
GeoSN 2014
SMI, Referat 46
1 Tor zum Erzgebirge - Vision 2020