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Hinweise zur Probeentnahme
bei wirtschaftseigenem Futter
zur Untersuchung auf
unerwünschte Stoffe
Kontakt
Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL)
GB4 | Landwirtschaftliches Untersuchungswesen
Frau Theresa Mohr; Herr Dr. Ralf Klose
Telefon: 035242 / 632-4230 bzw. -4100; Fax: 035242 / 632-4099
Email:
theresa.mohr@smul.sachsen.de
;
ralf.klose@smul.sachsen.de
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Abteilung 7
|
Landwirtschaft
Herr Dr. Olaf Steinhöfel
Telefon: 034222 / 46-2200, Fax 034222 / 46-2099
E-Mail:
olaf.steinhoefel@smul.sachsen.de
Stand 03/2019

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Einleitung
Ein beträchtlicher Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Freistaates Sachsen liegt im
Erzgebirge, dem Erzgebirgsvorland bzw. in den Auen der das Erzgebirge entwässernden
Flüsse. In den Böden dieser Gegenden können, geogen bedingt erhöhte Gehalte an Arsen
vorkommen. Dies betrifft auch Grünlandflächen, welche als Futtergrundlage für Wiederkäuer
genutzt werden. Die Bundesbodenschutzverordnung hat bei Grünlandnutzung für Arsen ei-
nen Maßnahmenwert von 50 mg je kg Bodentrockenmasse festgelegt. Die Fut-
termittelverordnung schreibt für Arsen einen
Höchstgehalt von 2 mg je kg
(bei 88 % Tro-
ckenmasse) fest. Mit der 24. Änderung der Futtermittelverordnung vom 16.12.03 ist das Ver-
schneidungsverbot für Futtermittel, die einen unzulässig hohen Gehalt an unerwünschten
Stoffen enthalten, in Kraft getreten. Das heißt, dass die Überschreitung des Arsen-
Grenzwertes für Einzelfuttermittel und Alleinfuttermittel unweigerlich zu einem Einsatzverbot
führt.
Bodenbürtiges Arsen kann entweder durch die Wurzel von der Pflanze aufgenommen wer-
den oder lagert sich als Staub- oder Erdverschmutzung an die Pflanzenoberfläche ab. Der
erstgenannte systemische Eintragspfad ist bisher schwer quantifizierbar, da es eine Vielzahl
von Einflussfaktoren gibt, welche den Arsentransfer vom Boden in die Pflanze beeinflussen
können.
Die Arsenanreicherung durch Schmutzanhaftung an den Pflanzen dagegen steht in klarer
Beziehung zum Rohaschegehalt der geernteten Pflanzen und zum Arsengehalt im Boden.
Zur Verminderung der Verschmutzung von Grünlandfutter können ausgewählte Empfehlun-
gen dem Faltblatt „Hinweise und Empfehlungen zum Umgang mit arsen- und schwermetall-
belasteten landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Böden“ entnommen werden (siehe:
http://www.bful.sachsen.de/download/Faltblatt_2017_C.pdf
).
Futtermittelrechtlich gilt: „wer im Rahmen seines beruflichen oder gewerbsmäßigen Um-
gangs mit Futtermitteln Kenntnis darüber erhält, dass ein Futtermittel so hoch mit uner-
wünschten Stoffen belastet ist, dass es bei bestimmmungsgemäßer und sachgerechter Ver-
fütterung eine schwerwiegende Gefahr für die menschliche oder tierische Gesundheit dar-
stellt, hat die nach § 19 Abs. 1 FMG zuständige Behörde unverzüglich davon zu unterrichten,
selbst wenn die Vernichtung der Futtermittel beabsichtigt ist.“ Die Verfütterung derartiger
Futtermittel ist nicht erlaubt und wird futtermittelrechtlich geahndet.
Daraus folgt
: Wenn der Hinweis oder Verdacht einer Arsenbelastung des Grünlandauf-
wuchses besteht, darf das Futter ohne eine klärende Laboruntersuchung nicht ver-
wendet werden.
Die Kontrolle der eingesetzten wirtschaftseigenen Futtermittel wird daher
dringend empfohlen. Unter dem folgendem Link finden Sie eine Liste von Laboren in Sach-
sen, die die entsprechende Analytik durchführen:
http://www.bful.sachsen.de/download/Tabelle3.pdf
Aufgrund der großen Bedeutung der Probenahme für die Repräsentativität der Befunde, sol-
len nachfolgend wichtige Hinweise zur Beprobung von Grünlandaufwüchsen gegeben wer-
den. Bei Grünfutter/ Weide handelt es sich um inhomogenes Material, in dem auch die uner-
wünschten Stoffe, wie Arsen, sehr ungleichmäßig verteilt sein können. Zur Erhöhung der

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Sicherheit orientieren sich die nachfolgenden Empfehlungen an den Methoden der amtlichen
Futtermittelüberwachung.
Es gilt der Grundsatz: Für die repräsentative und ordnungsgemäße Probenahme trägt der
Auftraggeber die Verantwortung. Erfolgt die Probenahme durch Privatpersonen, d.h. nicht
durch amtliche Probenehmer, sind die Befunde
nicht amtlich anerkannt
. Bei einer Über-
schreitung des Grenzwertes von 2 mg Arsen je kg Grünlandaufwuchs (88 % Trockenmasse)
muss dies jedoch auch in diesem Fall der
zuständigen Behörde
(Sächsisches Landesamt
für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie)
angezeigt werden
.
Das Grünfutter bzw. daraus hergestellte Konservate dürfen dann keinesfalls verfüttert wer-
den, bevor nicht die amtliche Futtermittelüberwachung deren Unbedenklichkeit bescheinigt
hat.
Grundsätze für die Probeentnahme
1.
In Abhängigkeit vom Untersuchungsziel muss die
Probe repräsentativ für eine be-
stimmte Partie
sein. Eine Grünlandfläche kann bedingt durch deutliche Unterschiede im
Pflanzenbestand, in der Nutzung, dem Vegetationsstadium usw. aus mehreren Partien be-
stehen. Partien sind grundsätzlich getrennt zu beproben.
2.
Hilfsmittel zur Probeentnahme und Transportbehältnisse sind so zu wählen, dass die Fut-
terprobe in ihrer Art nicht beeinflusst oder verändert wird. Die Proben sollten in dem Zustand
zur Untersuchung gebracht werden, in dem sie entnommen wurden und auch zur Verfütte-
rung gelangen.
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. Entnahme und Bildung der Probe
3.1.
Die Probeentnahme beginnt mit der
Abgrenzung von Partien
durch sensorische Beur-
teilung (Farbe, Geruch, Feuchte, Gefüge, Konsistenz, Verunreinigung). Große Schläge soll-
ten in kleinere Teilflächen unterteilt werden. Bewirtschaftungs- und Standortunterschiede
innerhalb eines Schlages (z. B. unterschiedliche Bodenart, unterschiedliche Nutzung, wie
Beweidung oder Ernte, Vorfurcht, Düngung oder Senken) sind jeweils als Teilschlag zu be-
trachten und zu beproben.
3.2.
Aus der abgegrenzten Partie werden möglichst
gleichgroße Einzelproben
(bei Grünfut-
ter etwa eine Hand voll) nach dem Zufallsprinzip an repräsentativ verteilten Stellen entnom-
men. Ein Schlag sollte im
Zick-Zack
so begangen werden, dass etwa
5-7 Schrägüberque-
rungen
zustande kommen. In regelmäßigen Abständen sollte an
20 bis 50 Stellen
mit ei-
nem geeigneten Schneidwerkzeug (z.B. Messer, Sichel, Schere) die Entnahme gleichgroßer
Probemengen erfolgen (z.B. alle 10 m bei einem Gesamtweg von 500 m).
Die Anzahl der Einzelproben wird durch die jeweilige Futtermittelart und Partiegröße be-
stimmt. Die Schnitthöhe bei der Probeentnahme sollte der Höhe bei der Ernte bzw. dem
Verbiss beim Beweiden entsprechen.
Untypische, deutlich verschmutzte
oder in Wuchs
und Beschaffenheit auffällige Pflanzen werden
nicht zur Beprobung
herangezogen. Grün-
futter kann auch vom Schwad oder aus dem Häckselstrom entnommen werden. Vom
Schwad bzw. aus dem Häckselstrom sollten mindestens 10 bis 20 Einzelproben entnommen
werden.

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3.3
Durch die Technik der Probenahme darf es nicht zu Veränderungen der Qualität gegen-
über der Partie kommen (z.B. durch Sedimentieren, Bröckeln, Reißen, Verschmutzen, Ab-
pressen, Verderben oder jegliche Fraktionierung). Das Blatt–Stängel-Verhältnis muss erhal-
ten bleiben. Geräte zur Probeentnahme (z. B. Schneidwerkzeuge) müssen garantieren, dass
durch ihre Anwendung
keine
qualitativen
Veränderungen
provoziert werden.
3.4.
Die Einzelproben werden durch intensives Durchmischen in einem sauberen Behältnis
(z.B. Wanne oder große Schüssel) oder auf einer sauberen Unterlage zu einer
Sammelpro-
be von ca. 5 kg Frischmasse
vereint.
3.5.
Die Sammelprobe wird durch geeignete Techniken (z. B. Vierteilungsmethode) zu einer
Endprobe von ca. 2 kg Frischmasse
reduziert. Bei langhalmigem Material wird eine vorhe-
rige Zerkleinerung auf ca. 10 cm Länge zur besseren Homogenisierung empfohlen.
Vierteilungsmethode:
Probe auf einer sauberen Unterlage ausbreiten und mit der Hand in 4 gleichgroße Sektoren
teilen. Die 2 gegenüberliegenden werden erneut vermischt (die 2 übrigen nicht einbeziehen).
Das Verfahren wird solange wiederholt bis eine reduzierte Endprobe entstanden ist.
3.6.
Die Endprobe ist in einen
sauberen, dichten Plastikbeutel
, aus welchem nach dem
Einfüllen der Endprobe die Luft entfernt wird, zu verpacken und eindeutig zu kennzeichnen.
Die Probe ist kühl aufzubewahren und zügig der Untersuchungsstelle zu übergeben.
4.
Mit der gekennzeichneten Futterprobe muss der unterschriebene
Untersuchungsauftrag
und ein
Probenahmeprotokoll
zur Untersuchungsstelle versandt werden.
Das Probenahmeprotokoll sollte folgende Mindestangaben enthalten:
Futtermittelart
Probenkennung (Probennummer),
Auftraggeber (Name, Anschrift),
Probenehmer
Ort und Zeitpunkt der Probenahme
Herkunft der Probe (Schlagbezeichnung, bei Teilflächenbeprobung ggf. Skizze und
eindeutige Bezeichnung)
mögliche Schadeinwirkungen
gewünschte Untersuchungen (Analysenparameter)
Unterschrift
Weitere Angaben zur Probe, wie z.B. sensorische Befunde, Problemsicht der Fütterungsbe-
ratung, hygienische Veränderungen des Futtermittels, botanische Reinheit, Vegetationszeit-
punkt bzw. –stadium, Sorte etc., können die Bewertung einer Futtermittelprobe durch die
Untersuchungsstelle wesentlich verbessern.