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Hinweise zur Probeentnahme
von Futtermitteln im
landwirtschaftlichen Betrieb
Kontakt
Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL)
GB4 | Landwirtschaftliches Untersuchungswesen
Fachbereich 42 | Pflanzen, Futtermittel
Frau Theresa Mohr
Waldheimer Straße 219
01683 Nossen
Telefon: 035242 / 632-4230
Fax: 035242 / 632-4099
Email: theresa.mohr@smul.sachsen.de
Stand 03/2019

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Einleitung
Bei Futteruntersuchungen, die nicht im Rahmen der amtlichen Futtermittelüberwachung er-
folgen, trägt der jeweilige Auftraggeber der Untersuchung die Verantwortung für eine reprä-
sentative und ordnungsgemäße Probenentnahme. Von Seiten der Untersuchungsstelle kann
der Probenehmer lediglich unterstützt werden.
Zur Probenentnahme im nicht hoheitlichen Bereich ist jeder berechtigt, der im Auftrag des
jeweiligen landwirtschaftlichen Betriebes handelt. Die Probenentnahme erfolgt im Rahmen
von Dienstleistungen sowie wissenschaftlichen Untersuchungsprogrammen und berührt die
amtliche Futtermittelüberwachung nicht.
Als Orientierung für eine repräsentative Probenentnahme von Futtermitteln sollte auf die fut-
termittelrechtlichen Bestimmungen (EU-Verordnung zu Probenahmeverfahren und Analyse-
methoden) sowie auf Empfehlungen des Verbands deutscher landwirtschaftlicher Untersu-
chungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA-Methodenbuch Band III) bei wirtschaftseigenem
Futter zurückgegriffen werden. Je nach Art des Futtermittels (Einzel- und Mischfuttermittel in
kuchen-, mehlform oder pelletiert, Raufutter, Silage, Hackfrüchte oder Mineralfutter) und je
nach Zweck der Untersuchung (amtliche Kontrolle, QS-System im landwirtschaftlichen Be-
trieb, Bestimmung des Futterwerts, Schadstoffuntersuchung) können die Probeentnahmebe-
stimmungen sehr unterschiedlich sein.
Grundsätze der Probenahme von Futtermitteln
1.
In Abhängigkeit vom Untersuchungsziel muss die
Probe repräsentativ zu einer be-
stimmten Partie
(die Menge eines Futtermittels, die sich nach ihrer sensorischen Beschaf-
fenheit, Deklaration und räumlichen Zuordnung deutlich als Einheit darstellt) sein. Ein Futter-
stapel kann aus mehreren Partien zusammengesetzt sein.
2.
Hilfsmittel zur Probenahme und Transportgeräte sind in ihrer Beschaffenheit so zu wählen,
dass die Futterprobe in ihrer Art nicht beeinflusst oder verändert wird. Die Proben sollten in
dem Zustand zur Untersuchung gebracht werden, in dem sie der Futterpartie entnommen
werden und auch zur Verfütterung gelangen.
3.
Entnahme und Bildung der Probe
3.1.
Die Probenahme beginnt mit der
Abgrenzung von Partien
nach einheitlichen Quali-
tätsparametern durch sensorische Beurteilung (Farbe, Geruch, Feuchte, Gefüge, Konsistenz
usw.). Deck- und Randschichten bzw. offensichtlich verdorbene Teile, die auch nicht zur Ver-
fütterung gelangen, müssen von der Beprobung ausgeschlossen werden.
3.2.
Aus der abgegrenzten Partie werden möglichst
gleichgroße Einzelproben
an räumlich
repräsentativ verteilten Stellen und nach dem Zufallsprinzip entnommen (empfohlene Anzahl
der Einzelproben siehe Tabelle). Die Anzahl der Einzelproben wird durch die jeweilige Fut-
termittelart und Partiegröße bestimmt.
3.3.
Die Probenahme ist bei
Silagen vorzugsweise vom Anschnitt
(möglichst frisch nach
der Futterentnahme, um eventuelles Nachgären, mikrobiellen Abbau bzw. Veratmung zu

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vermeiden; bis ca. 30 cm tief), aus geschlossenen Partien mit
Hilfe eines Probestechers
(bis zu 80 – 100 cm tief) oder aus dem Futtertrog möglich. Bohrlöcher müssen mit geeigne-
tem Material (Silage, Kraftfutter oder Mineralfutter) ausgefüllt und mit Silofolie luftdicht ver-
schlossen werden.
Grünfutter kann vom Schwad oder Häckselstrom entnommen werden. Weidefutter-, Siliergut-
bzw. Grünfutterproben von Wiesen, Weiden bzw. vom Feld sind möglichst durch repräsenta-
tives Mähen gleichgroßer Flächen zu gewinnen. Die Schnitthöhe bei der Probenahme sollte
der Höhe bei der Ernte entsprechen.
Von Schütthaufen, Packungen oder aus Tanks werden Konzentrate entnommen, wobei das
Entmischen oder Separieren möglichst ausschlossen werden sollte.
3.4.
Durch die Technik der Probenahme darf sich die Probe gegenüber der Partie möglichst
nicht verändern (z.B. durch Sedimentieren, Bröckeln, Reißen, Verschmutzen, Abpressen,
Verderben). Geräte zur Probenentnahme (z.B. Probestecher) müssen garantieren, dass
durch ihre Anwendung
keine
qualitativen
Veränderungen
provoziert werden.
3.5.
Die Einzelproben werden durch intensives Durchmischen zu einer
Sammelprobe
ver-
eint (empfohlene Menge der Sammelprobe siehe Tabelle).
3.6.
Die Sammelprobe wird durch geeignete Techniken (z.B. Flächenausgrenzung durch
Bildung von Diagonalen einer kreisförmig ausgebreiteten Sammelprobe; Probeteiler) zu einer
Endprobe
reduziert (empfohlene Menge der Endprobe siehe Tabelle).
3.7.
Die Endprobe ist in einen sauberen, dichten Plastikbeutel, aus welchem nach dem Ein-
füllen der Endprobe die Luft entfernt wird, zu verpacken und eindeutig zu kennzeichnen.
4.
Um die Nährstoffverluste nach der Probenahme zu minimieren, müssen insbesondere
Frischfutterproben, die einen TS-Gehalt von unter 86 % aufweisen, auf dem kürzesten Weg
(max. 12 Stunden) zur Untersuchungsstelle gebracht werden. Direkter Einfluss von Luft,
Sonnenlicht, erhöhten Temperaturen bzw. Kontakt mit verunreinigten Medien muss vermie-
den werden. Sollte absehbar sein, dass ein Zeitraum von 12 Stunden von der Probenahme
bis zur Übermittlung an die Untersuchungsstelle überschritten wird, muss die Probe im Kühl-
schrank (max. 2 Tage bei 5°C) zwischengelagert werden. Das Einfrieren von Futterproben
(-18°C) bei einer Lagerdauer von über 2 Tagen sollte auf ein Minimum beschränkt werden,
da sensorische und nährstoffseitige Veränderungen in der Auftauphase möglich sind.
Proben für
mikrobiologische Untersuchungen
dürfen
nicht eingefroren
werden und es
sollte eine detaillierte Absprachen zum Transport und zur Zwischenlagerung mit der Unter-
suchungsstelle erfolgen.
5.
Neben der gekennzeichneten Futterprobe müssen der Untersuchungsauftrag und ein Pro-
benahmeprotokoll der Probe beigelegt sein.
Das Probenahmeprotokoll sollte folgende Mindestangaben enthalten:
Probenkennung (Probennummer)

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Auftraggeber (Name, Anschrift)
Herkunft der Probe
Ort und Zeitpunkt der Probenahme
Probenehmer
gewünschte Untersuchungen (Analysenparameter)
Nutzungsart (für Energieberechnung)
Futtermittelart
Art der Zwischenlagerung
Unterschrift
Weitere Angaben zur Probe, wie z.B. sensorische Befunde, Problemsicht der Fütterungsbe-
ratung, hygienische Veränderungen des Futtermittels, botanische Reinheit, Schnittzahl, Ve-
getationszeitpunkt bzw. – stadium, Sorte etc., können die Bewertung einer Futtermittelprobe
durch die Untersuchungsstelle wesentlich verbessern.
6.
Bei Untersuchung auf unerwünschte oder verbotene Stoffe, die ungleichmäßig auch in-
nerhalb einer Partie verteilt sein können, sind mehrere Sammel-/Endproben zu bilden und
entsprechend gekennzeichnet zur Untersuchung einzusenden.
Weiterführende Hinweise zur Probenentnahme
für die
amtliche Futtermittelkontrolle
: Verordnung (EU) Nr. 691/2013 zur Änderung der
Verordnung (EG) Nr. 152/2009
:
Anhang 1: Probenahmeverfahren
für die Probenahme auf dem
landwirtschaftlichen Betrieb
: VDLUFA Methodenbuch 3: „Die
chemische Untersuchung von Futtermittel“:
Methode 1.4 (2012): Entnahme, Aufbewahrung und Transport von Proben
halbflüssiger und flüssiger Futtermittel
Methode 1.9 (2016): Entnahme, Transport und Aufbewahrung von Grob- und
Saftfutter (Grundfutter)

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Tabelle: Benötigte Mindestmengen für Sammel- und Endprobe
Anzahl der Einzelproben
Mindestmenge der
Mindestmenge der
Futtermittel
für eine
Sammelprobe
Endprobe
Sammelprobe
( kg )
( kg )
Grünfutter
von der Fläche
20...30 5 1… 2
aus dem Schwad
10...20 5 1… 2
aus dem Stapel
5...10 5 1… 2
aus dem Futtertrog
5...10 5 1… 2
Silagen
von der Anschnittsfläche
5...10 4 0,5… 1
aus dem geschlossenen Silo
5...10 4 0,5… 1
aus Volumenstrom
5...10
4
0,5… 1
aus dem Futtertrog
5...10 4 0,5… 1
Pressschnitzel, Treber, Trester
5...10 4 1... 1,5
Heu und Stroh
5...10 1 0,25
Hackfrüchte
-
Kartoffeln
- ganze Rüben
10
10
25
25
2-5
5
trockene Konzentrate
(auch pelletiert einschließlich
Mischfutter, Einzelfuttermittel und
Trockengrün)
nach Menge
5 .....10
4
0,5
Flüssige Futtermittel
4
4 Liter
1 Liter