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Feldleistungsprüfung Schaf
Schriftenreihe, Heft 6/2010

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 2
Erprobung neuer Verfahren der Feldleistungsprüfung von Schafen
Katrin Diener, Dr. Regina Walther, Dr. Roland Klemm
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Hanno Franke, Enrico Steiner
Sächsischer Schaf- und Ziegenzuchtverband e.V.
Dr. Monika Altmann, Dr. Knut Strittmatter
Albrecht-Daniel-Thaer-Institut für Agrarwissenschaften e.V., Leipzig

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 3
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung und Zielstellung
................................................................................................4
2
Bedeutung des Geburtsgewichts für den Wachstumsverlauf
........................................... 4
2.1
Einflussfaktoren auf das Geburtsgewicht und den Wachstumsverlauf
............................. 6
2.1.1
Rasse
...............................................................................................................................6
2.1.2
Geburtstyp
........................................................................................................................7
2.1.3
Geschlecht
.....................................................................................................................11
2.1.4
Alter der Mutter
...............................................................................................................13
2.1.5
Fütterung
........................................................................................................................15
2.1.6
Jahreszeit
.......................................................................................................................18
2.1.7
Sonstige Einflüsse
..........................................................................................................19
2.2
Heritabilität
.....................................................................................................................21
2.3
Konsequenzen für die Zuchtwertschätzung
.................................................................... 25
2.4
Beziehungen zwischen Lämmerwachstum und Milchleistung der Mutter
....................... 26
2.4.1
Milchleistung und Laktationsverlauf bei nicht zur Milchproduktion gehaltenen Rassen
.. 26
2.4.2
Korrelationen zwischen Zunahme der Lämmer und Milchleistung
................................. 28
2.4.3
Nutzung des Lämmerwachstums oder anderer indirekter Merkmale für die Selektion
nach Milchleistung
..........................................................................................................30
2.5
Ableitung für die Gestaltung der Leistungsprüfungen
..................................................... 31
3
Ergebnisse
.....................................................................................................................34
3.1
Geburtsgewicht und 30-Tage-Gewicht (LVG Oberholz und LVG Iden) –
.......................34
Teil ADT Institut Leipzig/LLFG Iden
................................................................................34
3.1.1
Material und Methode
.....................................................................................................34
3.1.2
Ergebnisse
.....................................................................................................................36
3.1.3
Schlussfolgerungen
........................................................................................................46
3.2.
Ergebnisse (Teil LfULG/SSZV)
.......................................................................................47
3.2.1
Material und Methode, Versuchsanstellung
.................................................................... 47
3.2.2
Datenbasis der Ablammperioden 1 (12/2006 - 6/2007) und 2 (7/2007 - 3/2008)
............47
3.2.3
Datenbasis zu den Geburtsgewichten 2002 - 2008
........................................................ 50
3.2.4
Ergebnisse der Untersuchungen im Rahmen zu Geburtsgewichten, 60-Tage- und
100-Tage-Gewichte
........................................................................................................51
3.2.4.1
Geburtsgewichte
............................................................................................................51
3.2.4.2
Geburtsgewichte - Gesamtstichprobe
............................................................................ 55
3.3.4.3
Statistische Auswertung der Geburtsgewichte
............................................................... 64
3.2.4.4
Ergebnisse 60-Tage-Gewichte
.......................................................................................69
3.2.4.5
100-Tage-Gewichte
........................................................................................................72
3.2.4.6
60- und 100-Tage-Gewichte, Gesamtstichprobe (identische Lämmer)
.......................... 75
3.3
Schlussfolgerungen
........................................................................................................79
4
Zusammenfassung
.........................................................................................................87
5
Literaturverzeichnis
........................................................................................................88

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 4
1 Einleitung und Zielstellung
Die Leistungsprüfungen in der Schafzucht stehen aufgrund der Konsequenzen aus der Umsetzung
des novellierten Tierzuchtgesetzes sowie zukünftiger Entwicklungen im Bereich von Fördermög-
lichkeiten unter erheblichen wirtschaftlichen Zwängen. Dies wird sich auch auf die Formen der
Leistungsprüfungen auswirken, dabei werden Leistungsprüfungen unter Feldbedingungen (d. h. in
praktischen Zuchtbetrieben) wieder an Bedeutung gewinnen.
Zu diesem Zweck wurden in fünf Herdbuchzuchtbetrieben Sachsens über einen Zeitraum von zwei
Ablammperioden die Geburtsgewichte, 60-Tage-Gewichte sowie 100-Tage-Gewichte aller gebore-
nen Lämmer ermittelt. Dabei war ein hohes Maß an Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverläs-
sigkeit gerade im Hinblick auf zu verwendende Daten notwendig.
Ziel des geplanten Vorhabens war die Erprobung und Bewertung der Feldleistungsprüfung beim
Schaf unter den gegenwärtigen Bedingungen, insbesondere zur Ableitung optimaler Zeitpunkte zur
Erfassung von Daten für das Wachstum sowie Art und Umfang der Leistungsermittlung und deren
Einordnung in das Prüfsystem im Rahmen des Zuchtprogrammes beim Schaf.
Unter Federführung des LfULG wurde ein Teilthema vom Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtver-
band e.V. als Auftragnehmer durchgeführt. Dies betraf die praktische Durchführung der Wiegungen
in fünf Schaf haltenden Betrieben, die Aufbereitung der Daten sowie den Abgleich mit den Herd-
buchdaten.
Analoge Untersuchungen in zwei Lehr- und Versuchsgütern Sachsens, die ebenfalls Herdbuch-
zuchtbetriebe sind, wurden von Mitarbeitern des LfULG durchgeführt.
Im Rahmen eines Mehrländerprojektes
zwischen der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und
Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLFG) und dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie (LfULG) wurden auch die entsprechenden Daten der im Zentrum für Tierhaltung und
Technik Iden gehaltenen Mutterschafe einbezogen. Als Auftragnehmer fungierte das Albrecht-
Daniel-Thaer Institut für Agrarwissenschaften an der Universität Leipzig.
2
Bedeutung des Geburtsgewichts für den Wachstumsverlauf
Das Geburtsgewicht
wird von einer Vielzahl endogener Faktoren wie Geburtstyp, Wurfgröße, Alter
und Rasse der Mutter sowie dem Geschlecht des Lammes beeinflusst. Mit der Analyse dieser
Faktoren haben sich eine Reihe von Autoren wie z. B.
KANTER 1977, SMITH 1977; KALLWEIT 1981;
WAßMUTH 1983; RENSING 1985, YAPI et al. 1992 auseinandergesetzt.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 5
These 1:
Das Geburtsgewicht bestimmt in großem Maße die Lebensfähigkeit, das Verhal-
ten und die Entwicklung der Lämmer im frühen Alter. Ein besonders leichtes Lamm hat im Allge-
meinen schlechtere Überlebenschancen als ein Lamm mit normalem Geburtsgewicht. Bei geringe-
rem Geburtsgewicht steigen die Verluste infolge geringerer Vitalität. Diese Tiere benötigen nach
der Geburt längere Zeit zum Aufstehen, sind weniger aktiv und weniger erfolgreich beim Suchen
nach Muttermilch (W
AßMUTH 1983).
These 2:
Leichte Lämmer verfügen über geringere Fettreserven zur Wärmeregulation und ein
ungünstigeres Oberflächen/Volumen-Verhältnis, es kommt schneller zu Unterkühlung. Die Korrela-
tion zwischen dem Geburtsgewicht und der Rektaltemperatur betrug r = 0,50. Das Infektionsrisiko
erhöht sich bei geringem Geburtsgewicht (
RENSING 1985). Die geringsten Verluste (6,1 – 8,2 %)
traten bei Geburtsgewichten zwischen 4,6 und 5,5 kg auf (KANTER 1977). Der Nettoeffekt des stei-
genden Geburtsgewichts war bis zu einem Gewicht von etwa 5,5 - 6,0 kg positiv (
SMITH 1977).
These 3:
Hohe Geburtsgewichte verursachen Schwergeburten. Der Anteil an Schwergeburten
war bei Geburtsgewichten von über 6 kg signifikant erhöht (R
ENSING 1985). Gleichfalls steigt bei
höheren Gewichten die Dauer des Geburtsvorgangs. Es kommt zur Hypoxie und damit zu einer
geringeren Katabolisierung. Schwergeburten führen zu Schwächung und eventuellem Verlust des
Lammes (K
ALLWEIT und SMIDT 1981). Die
errechneten phänotypischen und genetischen Korrelatio-
nen zwischen dem Geburtsgewicht und dem Anteil der Totgeburten bewegten sich im Bereich von -
0,14 bzw. -0,04, zu den Aufzuchtverlusten korrelierte das Geburtsgewicht mit -0,15 bzw. -0,23.
These 4:
Die Entwicklung des Körpergewichts nach der Geburt hat bei Schafen und auch
anderen Tierarten einen S-förmigen Verlauf, der mittels Wachstumsfunktionen beschrieben werden
kann. Die Phase der höchsten täglichen Zunahme entspricht dem Wendepunkt der Wachstumskur-
ve. Die einzelnen Gewebe erreichen ihr maximales Wachstum zu unterschiedlichen Zeiten: zuerst
die Knochen, dann die Muskulatur und am spätesten das Fettgewebe. Der Zeitpunkt der höchsten
Gewichtszunahme wird von genetischen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst und von Inten-
sivrassen in der Regel zu einem Zeitpunkt zwischen dem 1. und 3. Lebensmonat erreicht. Schnell
wachsende Rassen bzw. Kreuzungen erreichen die Phase der höchsten Zunahme früher als lang-
samer wachsende (S
IMUKALI 1999; LAMBE et al. 2006) sowie Einlinge früher als Mehrlinge. Nach der
Gombertz-Funktion wird das Maximum der Wachstumsgeschwindigkeit bei einem Körpergewicht
erreicht, welches 36,8 % des Gewichts im adulten Zustand entspricht. Die nachfolgende Reduzie-
rung der Wachstumsgeschwindigkeit ist hauptsächlich durch eine Verringerung des Muskelwachs-
tums bedingt. Als Ursachen für die sinkenden Zunahmen wird eine Limitierung der Ressourcen
(Nährstoffe, Wachstumsfaktoren, Raum) oder eine Anhäufung von Inhibitoren (z. B. Hormone) oder
Produkten (z. B. Zellen) diskutiert (Review bei O
WENS et al. 1993).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 6
2.1 Einflussfaktoren auf das Geburtsgewicht und den Wachstumsverlauf
2.1.1
Rasse
These 1:
Rassenunterschiede im Geburtsgewicht ergeben sich vor allem dann, wenn diese in
der Größe der adulten Muttertiere differieren. Das Geburtsgewicht von Einzellämmern beträgt bei
kleinen Rassen etwa 10 % des Körpergewichts der ausgewachsenen Mutter, bei großen Rassen
6,5 %. Für Zwillinge werden Werte von 15 bzw. 11 % angegeben (D
ONALD und RUSSEL 1970). Das
Geburtsgewicht von Landschafrassen ist geringer als von Fleischschafrassen. Dies wird deutlich
sichtbar in der Plazentamorphologie. Suffolkschafe wiesen höhere Plazentagewichte auf als Scot-
tish Blackface (Mutterschafe differierten um etwa 30 kg). Die Anzahl an Kotelydonen war um 21 %
geringer, das durchschnittliche Gewicht jedoch um 60 % höher (D
WYER et al. 2005).
These 2:
Das Geburtsgewicht wird deutlich durch die Rasse des Mutterschafes beeinflusst.
Bestätigung erfährt diese Aussage durch reziproke Kreuzungen oder Transplantationen befruchte-
ter Eizellen. Bei Anpaarung von Suffolkböcken an Mutterschafe mit Finnschaf-Genanteilen waren
die Geburtsgewichte deutlich geringer als von denen des Merinofleisches bzw. Kreuzungen von
Merinofleisch- und Milchschaf (S
Üß und KÖNIG 1986).
These 3:
KALLWEIT und PFLEIDERER (1972) zeigten, dass auch die Vaterrasse von Bedeutung
sein kann. Bei der Anpaarung von Finnschafböcken an SKF-Mutterschafe verringerte sich das
Geburtsgewicht um 710 g im Vergleich zu reinrassigen SKF-Lämmern trotz ähnlicher Ablammer-
gebnisse. Bei der Anpaarung von Suffolkböcken an Graue Gehörnte Heidschnucken stieg das
Geburtsgewicht um 1,3 kg bei männlichen und um 0,9 kg bei weiblichen Lämmern im Vergleich zu
den reinrassigen Heidschnucken-Lämmern (J
URKSCHAT 2001).
Die Tab. 1 zeigt die Ergebnisse einiger Arbeiten aus Deutschland, in denen mindestens zwei Ras-
sen gleichzeitig unter ähnlichen Bedingungen untersucht wurden. Dabei handelt es sich in der
Mehrzahl um LSQ-Mittelwerte, sodass die Geburtsgewichte nicht durch eventuelle Rassenunter-
schiede in der Verteilung der Geburtstypen und Geschlechter beeinflusst sind.
Tabelle 1:
Geburtsgewichte bei verschiedenen Rassen
SKF MFS MLS TEX RHO WBS
Autor
4,14 4,99
MARTIN (1966)
3,92
4,34
ENGEL (1972)
4,28
4,69
KALLWEIT und PFLEIDERER (1972)
4,10
4,30
KALLWEIT und SMIDT (1978)
4,20 3,90 ROTTMANN (1983)
4,12
RENSING (1985)
4,49 4,40
KAULFUß et al. (2006)
4,81
4,06 LÖER (1998)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 7
SKF MFS MLS TEX RHO WBS
Autor
5,03
4,23
HIENDLEDER und WAßMUTH (1999)
5,30
4,00
BRANDT et al. (2004)
5,07
3,97
DEGENHARDT (2004)
4,99
4,63 MOORS (2005)
4,90 4,95 5,75
CONSTANTIN (2006)
2.1.2
Geburtstyp
These
1
Der Geburtstyp hat den größten Einfluss auf das Geburtsgewicht. Während bis etwa
zum Ende des 3. Trächtigkeitsmonats noch keine Differenzen im Gewicht zwischen Einlings- und
Mehrlingsfeten bestehen, werden später die Größenunterschiede immer deutlicher, Einlinge sind
schwerer als Mehrlinge.
These 2:
Ursache für die Größenunterschiede zwischen den Geburtstypen ist hauptsächlich
die Nährstoffversorgung. Obwohl sich die Entwicklung der Plazenta und Kotelydonen zwar in ge-
wissen Umfang an die Anzahl der Feten anpasst, sind Mehrlinge hinsichtlich der Versorgung mit
Nährstoffen und des Abtransportes von Stoffwechselendprodukten gegenüber den Einlingen be-
nachteiligt (K
AULFUß et al. 2000a; DWYER et al. 2005).
These 3:
Der Rückgang des Geburtsgewichts kann mit steigender Wurfgröße bei einzelnen
Rassen sehr unterschiedlich sein. Als Ursache werden Unterschiede in der Anpassung der Plazen-
ta an die Mehrlinge bei verschiedenen Rassen oder Umwelten vermutet (GOOTWINE 2005). Eine
Auflistung der aus Deutschland bzw. von deutschen Rassen vorliegenden Ergebnisse ist in Tab. 2
dargestellt.
Tabelle 2:
Geburtsgewicht von Lämmern in Abhängigkeit vom Geburtstyp, absolut
und als Differenz zu den Einlingen (Ergebnisse aus Deutschland)
Genotyp
der
Lämmer
Einlinge
absolut
kg
Zwillinge
absolut
Differenz
kg
kg
%
Drillinge
absolut Differenz
kg
kg
%
Autor
MLS 5,80 4,80 -1,00 17,2 SCHMIDT (1958)
MLS 5,35 4,45 -0,90 16,8 MARTIN (1966)
MLS 4,98 3,94 -1,04 20,9 SUSIC et al. (2005)
MFS 4,77 3,82 -0,95 19,9 ZORN et al. (1932)
MFS 4,95 3,90 -1,05 21,2
GLEMANN & LINDEN (1953)
MFS 5,94 4,70 -1,24 20,9 FLEISCHER (1989)
MFS 5,60 4,30 -1,30 23,2 3,40 -2,20 39,3 KAULFUß, STRITTMATTER
(1994)
MFS 5,27 4,15 -1,12 21,2 KAULFUß et al. (2000B)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 8
Genotyp
der
Lämmer
Einlinge
absolut
kg
Zwillinge
absolut
Differenz
kg
kg
%
Drillinge
absolut Differenz
kg
kg
%
Autor
SKF 4,98 3,79 -1,19 23,9 LOHSE (1965)
SKF 4,45 3,65 -0,80 18,0 MARTIN (1966)
SKF 4,89 3,87 -1,02 20,8 KEMAL BIYIKOGLU (1967)
SKF 4,92 3,70 -1,22 24,8 WITT et al. (1967)
SKF 5,06 3,88 -1,18 23,3 WITT und LOHSE (1968)
SKF 5,35 4,32 -1,03 19,2 3,62 -1,73 32,3 KAULFUß et al. (2000B)
MLSx
MFS
SKFx
MFS
TEXxMFS
SUF x MFS
X SUF
5,80
6,00
5,80
5,50
4,70
4,60
4,50
4,50
-
-1,10
-
-1,40
-
1,30
19,0
23,3
22,4
18,2
3,60
3,60
-2,60
-2,60
43,3
43,3
K
AULFUß, STRITTMATTER
(1994)
SUFxMFS
SUFxK1
5,00
4,79
3,30
3,90
-1,70
-0,89
21,4
18,6
3,07
3,25
-1,93
-1,54
38,6
32,1
S
Üß & KÖNIG (1986)
TEX, BS, 4,30 3,90 -0,40 9,30 3,50 -0,80 18,6 ROTTMANN et al. (1983)
H x MFS
5,31
4,13
-1,18
22,2
ZORN et al. (1932)
SKF, LES.
WBSx
5,51 4,34 -1,17 21,2 3,40 -2,11 38,3 RENSING (1985)
SKF, RHO
u. Kreuz.
5,01 4,21 -0,80 16,0
LÖER (1998)
K3 x MFS
5,40
4,30
-1,10
20,4
BETHKE (1976)
Zusammenfassend wurden für die
Wirtschaftsrassen Merinoland- und Merinofleischschaf sowie
Schwarzköpfiges Fleischschaf
folgende Geburtsgewichte und Differenzen nach dem Geburtstyp
ermittelt:
Merinolandschaf
Einlinge: 5,38 kg
Zwillinge: 4,40 kg
Differenz: -0,98 kg
18,3 %
Merinofleischschaf
Einlinge: 5,31 kg
Zwillinge: 4,17 kg
Differenz: -1,14 kg
21,4 %
Schwarzköpfiges Fleischschaf
Einlinge: 4,94 kg
Zwillinge: 3,87 kg
Differenz: -1,07 kg
21,7 %
In Tab. 3 sind zum Vergleich einige Ergebnisse aus anderen Ländern dargestellt. Um repräsentati-
ve Aussagen zu gewinnen, wurden nur Arbeiten mit sehr großen Stichprobenumfängen ausge-
wählt. Dieser schwankt zwischen 9.000 (M
OUSA et al. 1999) und 21.500 (DOBEK et al. 2004). Wäh-
rend die Ergebnisse von B
ORG (2007) etwa den gefundenen Durchschnittswerten aus deutschen

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 9
Untersuchungen entsprechen, weisen in den anderen Arbeiten vor allem die Zwillinge etwas gerin-
gere Gewichtsdepressionen im Vergleich zu den Arbeiten aus Deutschland auf.
Tabelle 3:
Geburtsgewicht von Lämmern in Abhängigkeit vom Geburtstyp absolut und
als Differenz zu den Einlingen (internationale Ergebnisse, LSQ-Mittelwerte)
Genotyp
der
Lämmer
Einlinge
absolut
kg
Zwillinge
absolut
Differenz
kg
kg
%
Drillinge
absolut
Differenz
kg
kg
%
Autor
Columbia,
Hampshire,
Suffolk, Dor-
set, Polypay,
Rambouillet
5,71 4,81 -0,90 15,8 4,14 -1,57 27,5 W
ILSON et al.
(1996)
Columbia x
Hampshire x
Suffolk
6,45 5,57 -0,88 13,6 4,80 -1,65 25,6 MOUSA et al.
(1999)
div. Reinzucht
u. Kreuzungen
4,99 4,21 -0,78 15,6 3,67 -1,32 26,4 DOBEK et al.
(2004)
Targhee 5,36 4,37 -0,99 18,5 3,68 -1,68 31,3 BORG (2007)
These 4
:
Mit zunehmendem Alter sinkt der Einfluss des Geburtstyps auf die Wachstumsge-
schwindigkeit der Lämmer, vor allem nach dem Absetzen. Der Anteil des Geburtstyps an der Ge-
samtvariation des Körpergewichts betrug in Untersuchungen von B
ETHKE (1976) zur Geburt 52 %.
Am 30. bzw. 60. Tag sank dieser Anteil auf 31 bzw. 18 % ab. Für die Zunahme bis zum 60. Tag
fand W
ALTHER (1977) einen Varianzanteil von 15 %, der bis zum 90. bzw. 120. Tag auf 5 bzw. 6 %
sank. Bei mutterloser Aufzucht wurde kein Einfluss des Geburtstyps auf die Zunahmen beobachtet
(P
ETERS & HEANEY 1974). Die absoluten Differenzen in der Zunahme zwischen Einlingen und Zwil-
lingen im Durchschnitt der in Tab. 1 dargestellten Arbeiten verringerten sich mit zunehmendem
Alter. So war die Zunahme bei Einlingen am 30. Tag um 88 g, am 60. Tag um 33 g höher als bei
Zwillingen.
Tabelle 4:
Einfluss des Geburtstyps auf die Lebenstagszunahmen bei in Deutschland
gehaltenen Rassen
Alter
(Tage)
Zunahme (g/Tag)
Einling
Zwilling Drilling
Rasse Autor
2
260
146*
SKF, RHO, SKF x RHO
MOORS (2005)
15 291
305
203
221
SKF, RHO, SKF x RHO
SKF, RHO, SKF x RHO
LOER (1998)
MOORS (2005)
30
288
208
SKF, RHO, SKF x RHO
LOER (1998)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 10
Alter
(Tage)
Zunahme (g/Tag)
Einling
Zwilling Drilling
Rasse Autor
291
357
195*
270
232
SKF, RHO, SKF x RHO
SKF, MFS, LES
MOORS (2005)
ALTMANN ET AL. (2007)
40
300
214*
SKF, RHO, SKF x RHO
MOORS (2005)
60 321
311
287*
280*
Kreuzungen
Kreuzungen
WALTHER (1977)
G
ÖHLER (1978)
90 334 311* Kreuzungen WALTHER (1977)
100 252
239
336
211
203
289
275
SKF
SKF
MFS
K
EMAL BIYIKOGLU (1967)
W
ITT (1967)
M
ÜLLER (1995)
120 233
245
214
210
SKF
MLS
MARTIN (1966)
M
ARTIN (1966)
* Mehrlinge; SKF: Schwarzköpfiges Fleischschaf, MFS: Merinofleischschaf, MSL: Merinolandschaf, ROH: Rhön-
schaf, LE: Leineschaf
These 5:
Einlinge haben nicht nur ein insgesamt höheres Leistungsniveau als Mehrlinge, son-
dern auch einen unterschiedlichen Verlauf der Wachstumskurve in einzelnen Altersabschnitten.
Mehrlinge können ihr genetisch bedingtes Leistungspotenzial im frühen Alter offensichtlich nicht voll
ausschöpfen, da ihnen während der Säugezeit weniger Milch zu Verfügung steht als Einlingen. In
Untersuchungen von G
RUMBACH & TOBER (1999) an durchschnittlich 63 Tage alten Merinoland-
schaf-Lämmern waren bei Zwillingen die Anzahl der Saugakte und die Gesamtsäugedauer pro Tag
um 25 % niedriger als bei Einlingen. Zwillinge saugten dabei zu 33 % an einer fremden Mutter, was
auf eine nicht ausreichende Versorgung durch die eigene Mutter schließen lässt. Am etwa 90.
Lebenstag bestanden in der Säugedauer keine Unterschiede mehr zwischen den Geburtstypen,
jedoch war bei Zwillingen immer noch ein deutlich höherer Anteil Fremdsaugen zu verzeichnen.
These 6
:
Bei Merinofleischschafen fiel die Zunahme bereits nach dem 30. Tag ab, bei Einlin-
gen jedoch stärker als bei Zwillingen (F
LEISCHER 1989). In Untersuchungen von ALTMANN et al.
(2007) war die Reduzierung der Zunahmen nach dem 30. Tag bei Einlingen von Merinofleischscha-
fen in der Tendenz geringer als bei Schwarzköpfigen Fleischschafen. Die Leistungssteigerung nach
dem 30. Tag bei Zwillingen war dagegen bei Merinofleischschafen tendenziell höher.
These 7:
Als Einling geborene und aufgezogene Lämmer haben höhere Zunahmen gegenüber
Lämmern, die zwar als Einling aufgezogen, aber als Zwilling geboren wurden (D
ICKERSON & LASTER
1975; MARTIN et al. 1980; BRANFORD OLTENACU & BOYLAN 1981; RENSING 1985; BRADFORD 2003;
BORG 2007). Am 30. Tag betrug die Differenz im Körpergewicht 2,0 (ALTMANN et al. 2007) bzw.
2,4 kg (W
ILSON et al. 1996), am 60. Tag 2,5 (BOGGESS et al. 1991) bzw. 2,7 kg (WILSON et al. 1996).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 11
Die Unterschiede zwischen „echten“ Zwillingen und als Zwilling aufgezogenen Lämmern aus Dril-
lingsgeburten sind etwas geringer. Sie betrugen am 30. Tag 0,7 (W
ILSON et al. 1996) bzw. 0,9 kg
(A
LTMANN et al. 2007) und am 60. Tag 1,4 (WILSON et al. 1996) bzw. 1,3 kg (BOGGESS et al. 1991).
2.1.3 Geschlecht
These 1:
Männliche Lämmer haben in der Regel ein höheres Geburtsgewicht als weibliche,
obwohl einige Autoren diese Differenzen statistisch nicht sichern konnten (ROTTMANN et al. 1983,
AL-CHIKH 989, KALLWEIT & SMIDT, 1978, HARTMANN 1977, JUNGHANS 1985). In Tab. 5 sind Arbeiten
aus Deutschland bzw. an deutschen Rassen gewonnene Ergebnisse vorgestellt.
These 2:
Die Geschlechtsunterschiede variieren in diesen Arbeiten zwischen 0,10 und 0,50 kg
bzw. 2,4 und 10,9 %. Im Durchschnitt aller Untersuchungen beträgt die Differenz zwischen männli-
chen und weiblichen Lämmern 0,30 kg bzw. 6,9 %. Bei Schwarzköpfigen Fleischschafen sind die
Geschlechtsunterschiede geringfügig höher als bei Merinoland- und Merinofleischschafen.
Tabelle 5:
Geburtsgewicht weiblicher und männlicher Lämmer (absolut und als Diffe-
renz zu den weiblichen (Ergebnisse aus Deutschland)
Genotyp der Lämmer
Weiblich
absolut
kg
Männlich
absolut
kg
Differenz
kg
%
Autor
MLS 4,70 5,10 0,40 8,5MARTIN (1966)
MLS 4,40 4,52 0,12 2,7 SUSIC et al. (2005)
MLS ges. 4,55 4,81 0,26 5,6
MFS 4,19 4,40 0,21 5,0ZORN et al. (1932)
MFS 4,20 4,30 0,10 2,4 CRANZ (1970)
MFS 5,13 5,51 0,38 7,4 FLEISCHER (1989)
MFS 4,50 4,70 0,20 4,4
K
AULFUß, STRITT-
MATTER
(1994)
MFS 4,20 4,57 0,37 8,8 KAULFUß et al.
(2000b)
MFS 4,80 5,10 0,30 6,3 CONSTANTIN (2006)
MFS ges. 4,50 4,76 0,26 5,8
SKF 3,90 4,20 0,30 7,7MARTIN (1966)
SKF 4,27 4,49 0,22 5,1 KEMAL BIYIKOGLU
(1967)
SKF 4,18 4,43 0,30 7,2 WITT ET AL. (1967)
SKF 4,13 4,46 0,33 8,0 SOMMER (1973)
SKF 4,33 4,63 0,30 6,9 KAULFUß et al.
SKF 4,70 5,10 0,40 8,5 CONSTANTIN (2006)
SKF ges. 4,25 4,55 0,30 7,1
MLS x MFS
SKF x MF
4,70
4,70
4,90
5,10
0,20
0,40
4,2
8,5
KAULFUß, STRITT-
MATTER
(1994)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 12
Genotyp der Lämmer
Weiblich
absolut
kg
Männlich
absolut
kg
Differenz
kg
%
Autor
MLS x MLE u. TEX x 4,45 4,86 0,41 9,2 BAUER (1970)
SUF x MFS
SU x K1
3,84
3,80
4,16
3,96
0,32
0,16
8,3
4,2
SÜß & KÖNIG
(1986)
SUF x GGH
4,13
4,56
0,43
10,4
JURKSCHAT (2001)
HAM x MFS
4,63
4,81
0,18
3,9
ZORN et al. (1932)
SKF, LES u. WBS x LES 4,26
4,58
0,32
7,5
RENSING (1985)
SKF, RHO u. Kreuz.
4,24
4,60
0,36
8,5
LÖER (1998)
SKF, RHO
4,64
5,04
0,40
8,6
Moors (2005)
div. Kreuz.
4,00
4,23
0,23
5,8
Göhler (1978)
Tabelle 6:
Geburtsgewicht weiblicher und männlicher Lämmer, absolut und als Diffe-
renz zu den weiblichen (internationale Ergebnisse, LSQ-Mittelwerte)
Genotyp der
Lämmer
Weiblich
absolut
kg
Männlich
absolut
Differenz
kg
kg
%
Autor
div. Reinzucht
u. Kreuzungen
4,00 4,25 0,25 6,2 SMITH (1977)
Columbia, Hamp-
shire, Suffolk, Dorset,
Polypay, Rambouillet
5,71 5,03 0,29 6,1 W
ILSON et al. (1996)
Columbia x Hamp-
shire x Suffolk
5,64 5,92 0,28 5,0 M
OUSA et al. (1999)
div. Reinzucht
u. Kreuzungen
4,41 4,58 0,17 3,8 DOBEK et al. (2004)
Targhee 4,32 4,62 0,30 6,9 BORG (2007)
Nach A
L-CHIKH (1989) kommen Gefäßanasthomosen und damit ein Blutaustausch zwischen den
Zwillingen auch beim Schaf vor, das Geburtsgewicht und die Funktion weiblicher Geschlechtsorga-
ne sind dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. Die Arbeiten aus anderen Ländern (Tab. 6) bestätigen
recht gut die Werte, die im Durchschnitt der an deutschem Tiermaterial durchgeführten Untersu-
chungen ermittelt wurden. Lediglich D
OBEK et al. (2004), fanden mit 0,17 kg bzw. 3,8 % etwas ge-
ringere Geschlechtsdifferenzen.
These 3:
Der Einfluss des Geschlechts auf die Zunahme ist besonders in frühem Alter
gering im Vergleich zum Geburtstyp (B
ETHKE 1976). Bei den in Tab. 7 dargestellten Ergebnissen
aus Deutschland liegen die Geschlechtsunterschiede in der Lebenstagszunahme zwischen 17 und
54 g/Tag. Eine Altersabhängigkeit ist dabei kaum erkennbar. Die Geschlechtsdifferenzen in der
Zunahme bis zum 100. Tag sind in ihrem Niveau vergleichbar mit den Ergebnissen der Feldleis-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 13
tungsprüfung in Mecklenburg-Vorpommern. Dort erzielten männliche Lämmer in Abhängigkeit von
Rasse und Haltungsform im Durchschnitt um 9 bis 59 g höhere Zunahmen gegenüber weiblichen
Lämmern.
Tabelle 7:
Einfluss des Geschlechts auf die Lebenstagszunahmen bei in Deutschland
gehaltenen Rassen
Alter
(Tage)
Zunahme (g/Tag)
Diff.
Rasse Autor
15
258
236
22
SKF, RHO, SKF x RHO
LÖER (1998)
30 260
299
235
285
25
14
SKF, RH, SKF x RHO
SKF, MSF, LES
LÖER (1998)
A
LTMANN et al. (2007)
60 304 287 17 div. Kreuzungen GÖHLER (1978)
100 237
226
311
340
226
216
289
286
11
10
22
54
SKF
SKF
MFS
SKF
K
EMAL BIYIKOGLU (1967)
W
ITT ET AL. (1967)
MÜLLER (1995)
S
TRITTMATTER & KAULFUß
(1999)
120 237
244
209
212
28
32
SKF
MLS
MARTIN (1966)
M
ARTIN (1966)
SKF: Schwarzköpfiges Fleischschaf, MFS: Merinofleischschaf, MLS: Merinolandschaf, LES: Leineschaf,
RHO: Rhönschaf
2.1.4
Alter der Mutter
These
1:
Mutterschafe im Alter von etwa 4 - 6 Jahren bringen nicht nur Lämmer mit dem
höchsten Geburtsgewicht zur Welt, ihre Lämmer erreichen auch höhere Zunahmen. Dies steht in
engem Zusammenhang mit der Altersabhängigkeit der Milchleistung der Mutterschafe. So hatten 1-
jährige Muttern eine signifikant geringere Milchleistung als 2-jährige Tiere (P
EETERS et al. 1992). Die
höchste Milchleistung ermittelten G
OOTWINE & POLLOTT (2000) in der 3. und 4. Laktation, danach fiel
sie wieder ab. Bei jungen, wachsenden Mutterschafen scheint die Hierarchie der Verwendung der
Nährstoffe anders zu sein, indem vorrangig maternale Gewebe auf Kosten des Nährstoffbedarfs
des graviden Uterus gebildet werden. Deshalb kommt es besonders im letzten Trächtigkeitsdrittel
zur Nährstoffkonkurrenz. In Untersuchungen von D
WYER et al. (2005) war bei Mutterschafen mit 1.
Ablammung im Vergleich zu Tieren mit 2. oder 3. Ablammung das Plazentagewicht niedriger. Die
Anzahl an Kotelydonen unterschied sich nicht signifikant, jedoch war das durchschnittliche Gewicht
je Kotelydone deutlich geringer, was auf eine schlechtere Versorgung der Feten hinweist.
These 2:
Die höchsten Geburtsgewichte sind in einem Alter der Mutterschafe von etwa 4 – 6
Jahren zu erwarten (Abb. 1). Dies wird auch durch Untersuchungen von K
AULFUß et al. (2000) un-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 14
terstützt, der bis zum 5. Wurf steigende Plazentagewichte fand. Danach ist wieder ein Rückgang
des Geburtsgewichts zu beobachten.
3
3,5
4
4,5
5
5,5
6
12 34 56 7 89
Alter (Jahre)
Geburtsgewicht (kg
Sidwell und Miller (1971)
Wilson et al. (1996)
Dobek et al. (2004)
Cloete et al. (2002)
Analla et al. (1998)
Borg (2007)
Abbildung 1:
Geburtsgewicht in Abhängigkeit vom Alter der Mutter
Die Differenzen in den Geburtsgewichten aus 1. Ablammung mit den Gewichten aus der 2. bzw.
aus allen anderen Ablammungen wurden zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Ras-
sen in Deutschland untersucht:
Geburtsgewicht
kg
Autor
Differenz zwischen 1. Wurf und 2. Wurf
-0,35
-1,04
-0,20
W
ITT et al. 1967
R
ENSING 1985
SÜß & KÖNIG 1986
Differenz zwischen 1. Wurf und allen
Würfen
-0,32
-0,66
-0,70
-0,93
-0,34
- 10%
W
ITT et al. 1967
E
NGEL 1972
K
ALLWEIT & SMIDT 1978
R
ENSING 1985
S
Üß & KÖNIG 1986
H
INRICHSEN et al. 1959
Als durchschnittliche Differenz zwischen 1. und 2. Ablammung ergibt sich ein Wert von 0,53 kg;
zwischen 1. Ablammung und allen folgenden ein Wert von 0,59 kg. Bei Ablammung im 1. Lebens-
jahr (Frühnutzung) betrug das Geburtsgewicht 76 % des maximalen Gewichts, welches im 6. Jahr
erreicht wurde (N
OTTER et al. 2005). Bei Lammung im 2. bzw. 3. Jahr lagen die Werte bei 90 bzw.
96 %.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 15
These 3:
Das Alter der Mutter beeinflusst in unterschiedlichem Maße den weiteren Wachs-
tumsverlauf der Lämmer.
An einem umfangreichen Material von 21.481 Tieren fanden D
OBEK et al. (2004) geringere Zunah-
men bis zur 4. Woche bei Lämmern, die von 1-jährigen und von sieben und mehr Jahre alten Mut-
terschafen stammten. M
AVROGENIS & LOUCA (1979) beobachteten bis 3./4. Wurf einen Anstieg des
Gewichts am 35. Tag. Bis zum 6. Wurf sank es dann leicht ab, jedoch nicht unter die Leistung aus
dem 1. Wurf. E
NGEL (1972) beobachtete bei Lämmern aus der 1. Ablammung ein um etwa 4 kg
geringeres Körpergewicht beim Absetzen am etwa 80. Tag. S
IDWELL et al. (1964), RAY & SMITH
(1966) und
FREDERIKSEN et al. (1967) fanden auch beim Absetzen am 120. Tag geringere Gewichte
bzw. Zunahmen der Lämmer von 2-jährigen und über sechs Jahre alten Mutterschafen.
2.1.5 Fütterung
These
1:
Während der Trächtigkeit beeinflusst die Futteraufnahme einerseits direkt das fetale
Wachstum durch die Lieferung essentieller Nährstoffe, andererseits indirekt durch die Beeinflus-
sung der Expression maternaler und fetaler endokriner Faktoren, die die Aufnahme und Verwertung
dieser Nährstoffe durch den Fötus regulieren.
These 2:
Eine über dem Bedarf liegende Nährstoffversorgung in der Deckperiode führt zu
einem Anstieg des Körpergewichtes. Durch gezielte Energiezufuhr kurz vor und nach der Anpaa-
rung (Flushing-Fütterung) werden höhere Ovulationsraten erreicht.
These 3:
Im 1. Drittel der Trächtigkeit (die ersten 50 Tage) sollte die Fütterung von Mutter-
schafen mit optimaler Körperkondition auf der Höhe des Erhaltungsbedarfs liegen. Eine energeti-
sche Unterversorgung ist ebenso zu vermeiden wie eine Überversorgung. Untersuchungen haben
gezeigt, dass hohe Tageszunahmen in den ersten sechs Wochen der Trächtigkeit (mehr als 300 g)
zu einer Hemmung des Plazentawachstums und ihrer Funktion führen. Hiervon hängt das embryo-
nale Überleben der Föten ab, da diese über die Plazenta ernährt werden. In diesem Zusammen-
hang muss auch auf die Rolle von Vitamin E und des Spurenelements Selen auf das Plazenta-
wachstum hingewiesen werden. Ein Mangel an diesen Stoffen kann ebenfalls die embryonale Ü-
berlebensrate
vermindern
(B
ELLOF 2009).
These 4:
Im 2. Drittel der Trächtigkeit (vom 50. bis 100. Tag) sollte die Energieversorgung
unter dem Niveau des Erhaltungsbedarfs liegen. Wie australische Untersuchungen belegen, fördert
diese Strategie bei durchschnittlich konditionierten Schafen die Ausreifung der Plazenta und somit
die späteren Geburtsgewichte der Lämmer. Bei Mutterschafen in schlechter Körperkondition wird
aber genau das Gegenteil erreicht, d.h. die Lämmer weisen geringere Geburtsgewichte auf. Bei zu
guter Versorgung der Schafe in diesem Zeitabschnitt der Trächtigkeit kann die Sterblichkeit in den
ersten Stunden nach der Geburt erhöht sein, weil die Lämmer durch die Plazenta schlechter ver-
sorgt wurden. Als Ursache für die schlechte Entwicklung der Plazenta ist der niedrige Progesteron-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 16
gehalt (Trächtigkeitsschutzhormon) in Folge einer überreichlichen Nährstoffversorgung des Mutter-
schafes zu sehen
(B
ELLOF 2009).
These 5:
Die Fütterung beeinflusst hauptsächlich im letzten Trächtigkeitsdrittel das Wachstum
der Feten. Neuere Untersuchungen belegen, dass die pränatale Entwicklung bereits in sehr frühen
Stadien durch die Nährstoffversorgung der Mutter beeinflussbar ist, wenn der Bedarf der Feten
noch gering ist
(
Review bei R
OBINSON et al. 1999 & REDMER et al. 2004). Bereits vor der Implantati-
on kann eine Harnstoffzulage im Futter den embryonalen Metabolismus beschleunigen und das
Geburtsgewicht erhöhen (MCEVOY et al. 1997).
These 6:
Im 3. Drittel der Trächtigkeit (vom 100. bis 150. Tag = hochtragende Zeit) sollte die
Energieversorgung über dem Erhaltungsbedarf erfolgen. Versuchsergebnisse zeigen, dass eine
ausreichende Energieversorgung der Mutterschafe am Ende der Tragezeit die Geburtsgewichte der
Lämmer positiv beeinflusst. Allerdings sollte hierbei ein Optimum angestrebt werden (B
ELLOF 2009).
Eine Überversorgung der Mutter und damit die Entwicklung sehr großer und schwerer Lämmer
begünstigen nach W
AßMUTH (1983) fehlerhafte Haltungen im Mutterleib und damit Schwergeburten.
Ein mittleres oder niedriges Fütterungsniveau führte zu geringeren Geburtsgewichten, vor allem bei
Mehrlingsträchtigkeiten (K
HALAF et al. 1979). Lämmer von knapp ernährten Muttern hatten wesent-
lich weniger Fettgewebe. In Untersuchungen von MOORS (2005) hatten Lämmer von Mutterschafen
mit schlechter Kondition zum Geburtszeitpunkt die niedrigsten Geburtsgewichte.
These 7:
Junge, noch im Wachstum befindliche Mutterschafe reagieren auf eine Überversor-
gung mit Nährstoffen mit einer Beeinträchtigung des fetalen Wachstums. Bei diesen Tieren kann
eine Überfütterung während des 1. und 2. Trächtigkeitsdrittels zum Zweck des schnelleren Wachs-
tums der Mutter die Hierarchie der Nährstoffverteilung drastisch zuungunsten der Feten verändern.
Plazentawachstum, Anzahl und Gewicht der Kotelydonen, utero-plazentaler Blutfluß, Sauerstoffge-
halt des fetalen Blutes und die Kapazität für den Nährstoffaustausch werden dabei beeinträchtigt
und das Geburtsgewicht ist reduziert (W
ALLACE et al. 1996, 1997). Nach RUSSEL et al. (1981) tritt
dieser Effekt nur dann ein, wenn zu Beginn der Trächtigkeit Gewicht und Kondition der Mutter hoch
bzw. gut ist. Bei relativ niedrigem Körpergewicht und schlechter Kondition der Mutter kann eine
höhere Fütterungsintensität in der Mitte der Trächtigkeit das Geburtsgewicht steigern. Wird ein
hohes Fütterungsniveau im 1. Drittel der Trächtigkeit auf ein moderates Niveau im 2. Drittel redu-
ziert, führt dies zu einer Stimulierung des Plazentawachstums und des Geburtsgewichts (W
ALLACE
et al. 1999). Erfolgt die Reduzierung auf ein niedriges Niveau erst im letzten Drittel, werden dage-
gen die Geburtsgewichte negativ beeinflusst.
These 8:
Eine Überversorgung junger Mutterschafe in der späten Trächtigkeit führte ebenfalls
zur Beeinträchtigung des plazentalen und fetalen Wachstums (W
ALLACE et al. 2000, 2002). Die
Trächtigkeitsdauer war verringert. W
ALLACE et al. (2005) erklären das damit, dass eine Plazentain-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 17
suffizienz zu fetaler Hypoxie und Hypoglykämie führt, die wiederum die Reifung der fetalen Hypo-
thalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, die eine zentrale Rolle bei der Geburtsauslösung
spielt, beschleunigen kann. Kein Effekt wurde bei überfütterten adulten Schafen gefunden.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 18
2.1.6 Jahreszeit
Jahreszeitliche
Einflüsse werden vor allem über die Faktoren Temperatur, Photoperiode und Fut-
terangebot bzw. Futteraufnahme wirksam.
These 1:
Hohe Umgebungstemperaturen führen häufig zu einer Reduzierung der Futterauf-
nahme. In Gebieten mit sehr heißen Sommern (maximale Tagestemperatur > 30 °C) ist das Ge-
burtsgewicht bei Schafen, die während dieser
Zeit tragend sind, verringert.
G
OOTWINE & ROZO (2006) fanden unter diesen Bedingungen Unterschiede zwischen Frühjahrs- und
Herbstlammung von 0,66 kg. Saisonale Einflüsse wurden aber auch unter weniger extremen Um-
weltbedingungen beobachtet. A
L-SHOREPY & NOTTER (1996, 1998) ermittelten in einem Gebiet der
USA mit Temperaturen < 30 °C ein um 0,60 kg geringeres Geburtsgewicht bei Herbstlammung im
Vergleich zu Frühjahrslammung.
Unter europäischen Klimaverhältnissen wurden im Sommer die höchsten, im Winter die niedrigsten
Geburtsgewichte gefunden, was vermutlich mit der besseren Futterversorgung im Sommer in Zu-
sammenhang steht
SÜß & KÖNIG (1986), MENDEL et al. (1989), NIZNIKOWSKI & RINGDORFER (2004),
SUSIC et al. (2005). SORMUNEN-CRISTIAN & SUVELA (1999) konnten in Finnland keine signifikanten
Unterschiede finden. Zum gleichen Ergebnis kamen
PEETERS et al. (1996).
These 2:
Hohe Umgebungstemperaturen während des letzten Trächtigkeitsdrittels führen
unabhängig von der reduzierten Futteraufnahme zu Depressionen im fetalen Wachstum (B
ROWN et
al. 1977). Das Geburtsgewicht der Lämmer lag unter hohen Umgebungstemperaturen bei 3,26 kg,
während in der Kontrollgruppe (gleiche Futteraufnahme wie in der Versuchsgruppe, jedoch normale
Temperatur) ein Geburtsgewicht von 4,69 kg erzielt wurde.
These 3:
Nach A
LEXANDER & WILLIAMS (1971), VATNICK et al. (1991) und GALAN et al. (1999)
treten Wachstumsdepressionen vor allem dann auf, wenn die Schafe während der aktiven plazen-
talen Wachstumsphase (2. Drittel der Trächtigkeit) hohen Temperaturen ausgesetzt sind.
These 4:
Nach G
OOTWINE & ROZO (2006) ist weniger die Temperatur, sondern die Tageslicht-
länge bedeutsam. Vermittelt wird dieser Effekt nach diesen Autoren wahrscheinlich durch die sai-
sonal unterschiedliche Sekretion von Melatonin, welches entweder nach Übergang in den fetalen
Blutkreislauf direkt das Wachstum des Lammes beeinflusst oder indirekt auf die Prolaktinsekretion
und damit auf das plazentale Laktogen wirkt. Das wiederum stimuliert die Entwicklung des Uterus
und die Nährstoffversorgung. Die Haltung von Mutterschafen ab 100. Trächtigkeitstag unter Lang-
tagen resultierte in höheren Geburtsgewichten als eine Haltung unter Kurztagen, obwohl die Fut-
teraufnahme in beiden Gruppen gleich war (B
OCQUIER 1985). Dagegen erhöhte eine Exposition

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 19
unter Langtagen in den letzten sechs Wochen der Trächtigkeit winterlammender Schafe zwar den
Prolaktinspiegel, nicht aber das Geburtsgewicht (B
ASSETT 1992).
These 5:
Niedrige Umgebungstemperaturen üben einen negativen Einfluss auf die Milchleis-
tung aus. So fanden T
HOMSON et al. (1979), dass bei Ziegen unter windigen und kalten Witterungs-
bedingungen die Blutzufuhr zum Eutergewebe im Vergleich zur thermoneutralen Umwelt um 25 %
niedriger ist. In Verbindung damit ging die Milchproduktion um etwa 35 % zurück. F
AULKNER et al.
(1980) stellten bei Ziegen in der Laktationszeit unter kalten Wetterbedingungen fest, dass der Blut-
glucosewert steigt, aber die vom Euter aus dem Kreislauf entnommene Glucosemenge sinkt. Dies
soll sich auch auf die Milchzusammensetzung auswirken.
CLARKE et al. (1976) fanden bei Ziegen
unter Kältestress in der Milch geringere Konzentrationen von Lactose, Eiweiß und Fett. Im Gegen-
satz dazu ermittelten M
CBRIDE & CHRISTOPHERSON (1984), dass der Kälte ausgesetzte Schafe einen
Milchfettgehalt von 9,1 % hatten und Schafe in warmer Umgebung einen Fettgehalt von 7,2 %. Die
Konzentrationen von Lactose und Eiweiß lagen auf gleichem Niveau.
These 6:
Niedrige Umgebungstemperaturen erfordern bei den Lämmern eine höhere En-
ergieaufnahme zur Regulierung der Körpertemperatur. Der höhere Bedarf der Lämmer in kalter
Umgebung spiegelte sich auch bei Flaschenfütterung wider, wo unter diesen Bedingungen eine
erhöhte Milchaufnahme zu verzeichnen war (G
IBB & PENNING 1972). KAYA (2001) wies nach, dass
bei niedrigen Temperaturen die Stabilisierung der Blutglukosekonzentration nach der Geburt ver-
zögert und der Anstieg der Triglyceridkonzentration geringer ist. Bei Temperaturen unter 0 °C nah-
men die Lämmer in den ersten drei Lebenstagen deutlich weniger zu als in wärmerer Umgebung.
Nach diesen Ergebnissen wäre für im Frühjahr und Sommer geborene Lämmer eine höhere Zu-
nahme zu erwarten, was auch in mehreren Untersuchungen bestätigt wurde (N
IZNIKOWSKI & RING-
DORFER
2004, GOULD & WHITEMAN 1971, MENDEL et al. 1989, PEETERS et al. 1996, DIMSOSKI et al.
1999,
NOTTER & COPENHAVER 1980, STRIZKE & WHITEMAN 1982).
2.1.7 Sonstige Einflüsse
These
1
:
Das Geburtsgewicht erhöht sich etwa um 87 g bei Verlängerung der Trächtigkeits-
dauer um einen Tag (etwa 4.000 Ablammungen). Die Trächtigkeitsdauer variierte zwischen 130
und 157 Tage (G
OOTWINE & ROZO 2006).
These 2:
Erfolgt die Schur weniger als fünf Wochen vor der Geburt, ist der Effekt gering oder
nicht mehr nachweisbar (MORRIS et al. 1999; SMEATON et al. 2000; CORNER et al. 2006). Werden die
Tiere
6 – 15 Wochen vor der Geburt geschoren, ist mit einer Steigerung des Geburtsgewichts um etwa
10 – 20 % zu rechnen (Review bei F
ALCK et al. 2002).
Die Ursachen dieses Zusammenhanges sind nicht bekannt. Die Futteraufnahme sehen
KENYON et
al. (2002a) und R
EVELL et al. (2002) nicht als Ursache an. Geschorene Schafe haben zwar nach

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 20
S
YMONDS et al. (1986) eine erhöhte Futteraufnahme, die fehlende Isolierung gegen niedrige Umge-
bungstemperaturen erhöht jedoch die Passagerate und senkt die Verdauung, sodass die Differen-
zen in der Aufnahme metabolisierbarer Energie zwischen geschorenen und nicht geschorenen
Schafen minimal sind. Veränderungen im Metabolismus der Mutter (K
ENYON et al. 2002b) oder
steigende Konzentrationen an Thyroidhormonen (KENYON et al. 2005) werden ebenfalls als Ursache
ausgeschlossen. Auch den mit dem Scheren verbundenen Stress sehen C
ORNER et al. (2006) nicht
als Ursache an. Dagegen erhöhte in Untersuchungen von R
OUSSEL et al. (2004) ein durch Trans-
port und Isolation hervorgerufener Stress in den letzten fünf Wochen der Trächtigkeit das Geburts-
gewicht.
These 3:
Zwischen Polymorphismen im Prionenprotein-Gen und Fruchtbarkeit bzw. Geburts-
gewicht bei Merinolandschafen und Rhönschafen gibt es keinen Zusammenhang. Bei einer Selek-
tion auf den Genotyp ARR/ARR sind keine korrelierten Selektionserfolge in diesen Merkmalen zu
erwarten. (B
RANDT et al. 2004, ALEXANDER et al. 2005; TONGUE et al. 2006).
These 4:
Das Körpergewicht der Mutter innerhalb einer Rasse steht einerseits in Beziehung
zum Alter, dessen Einfluss auf das Geburtsgewicht, andererseits ist es abhängig von der Futterver-
sorgung. Die einzelnen Untersuchungen ergaben widersprüchliche Aussagen (WOJTOWSKI et al.
1990, MARTIN 1966, RENSING 1985, KAULFUß et al. 2000A, RAY & SMITH 1966, NÄSHOLM & DANELL
1996).
These 5:
Ein Einfluss auf das Wachstum der Lämmer ist vor allem dann zu beobachten, wenn
die Tiere relativ früh abgesetzt werden. Am etwa 45. Tag abgesetzte Lämmer hatten eine geringere
Zunahme als später abgesetzte Lämmer infolge der nur langsamen Gewöhnung an festes Futter
(L
EE et al. 1990; GAILI 1992). In Untersuchungen von (CANEQUE et al. 2001) waren die Zunahmen
vom 25. Tag bis zur Schlachtung mit 26 kg Körpergewicht bei Lämmern, die mit 45 Tagen abge-
setzt wurden, geringer (275 g/Tag) als bei Lämmern, die mit 65 Tagen abgesetzt wurden (293
g/Tag). Die höchsten Zunahmen erzielten Lämmer, die bis zur Schlachtung bei der Mutter verblie-
ben (336 g/Tag). Sie verbrauchten dabei etwa nur ein Drittel der Menge an Kraftfutter wie die am
45. Tag abgesetzten Lämmer. Zwischen 6. und 8. Woche war der Zuwachs bei bereits abgesetzten
Lämmern geringer als bei noch nicht abgesetzten (O
CHOA-CORDERO et al. 2003). Die Lebenstags-
zunahme von Geburt bis 12. Woche unterschied sich jedoch nicht zwischen Lämmern, die im Alter
von 6 bzw. 8 Wochen abgesetzt wurden.
Nach der 8. Lebenswoche spielt das Absetzalter offenbar nur noch eine geringe Rolle. Lämmer, die
mit acht Wochen abgesetzt wurden, hatten in Untersuchungen von S
CHICHOWSKI et al. (2007) sogar
höhere Zunahmen bis zur 12. und 16. Woche als Lämmer, die bis zur 16. Woche bei der Mutter
verblieben. Ein zweistufiges Absetzverfahren (Verhindern des Saugens durch Euternetz, eine Wo-
che später räumliche Trennung) verminderte zwar Unruhe und Lautäußerungen, hatte aber keinen
Einfluss auf die Wachstumsleistung.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 21
2.2
Heritabilität
These
1
:
Heritabilitätsschätzungen aus der additiven genetischen Varianz in älteren Arbeiten
aus anderen Ländern lieferten Werte für das Geburtsgewicht im Bereich von etwa 0,10 bis 0,30.
Aus Deutschland sind nur Untersuchungen von WITT et al. (1967) bekannt, die für Schwarzköpfige
Fleischschafe einen h
2
-Wert von 0,09 ermittelten, sowie von BETHKE (1976), die bei Kreuzungen
von Merinofleischschafen mit Fleischschafrassen einen h
2
-Wert von 0,17 fand.
These 2
:
Schätzungen der additiven genetischen Varianz enthalten jedoch zumindest einen
Teil der maternalen Varianz, wenn maternale Effekte nicht im Modell berücksichtigt werden. Mater-
nale Effekte werden definiert als Beitrag der Mutter zur phänotypischen Expression der Nachkom-
men unter Ausschluss ihres direkt additiv genetischen Effekts. Das heißt, die Mutter trägt zum
Phänotyp ihrer Nachkommen nicht nur durch die Übertragung der Hälfte ihrer Gene bei, sondern
zusätzlich durch die intrauterine Umwelt (einschließlich der Anzahl der Wurfgeschwister), die wie-
derum z. T. genetisch, z. T. umweltbedingt ist. Die Schätzung dieser Effekte kann mittels moderner
statistischer Verfahren (BLUP-Tiermodell) erfolgen. Neben direkten additiven genetischen Effekten
können maternale Effekte (getrennt nach genetischen und Umwelteffekten) sowie Korrelationen
zwischen direkten additiven Effekten und maternalen genetischen Effekten ermittelt werden. Solche
Schätzergebnisse liegen bisher nicht für Schafe in Deutschland vor. In Tab. 8 sind deshalb einige
internationale Arbeiten aufgeführt.
Bei Berücksichtigung maternaler Effekte sinkt die direkte Heritabilität. Viele Autoren finden relativ
hohe maternale additive genetische Effekte und maternale permanente Umwelteffekte. Nach den
Werten in Tab. 8 können beide zusammen bis zu etwa 60 % der Varianz im Geburtsgewicht erklä-
ren. In den meisten Arbeiten werden negative direkt-maternale Korrelationen gefunden. Das heißt,
besitzt der Fötus die genetische Veranlagung für ein hohes Geburtsgewicht, wird die intrauterine
Umwelt dieser Ausprägung entgegenwirken. Aus Sicht der Evolution erscheint diese negative Kor-
relation logisch, denn sie bewahrt die Art davor, immer größer zu werden (C
UNDIFF 1972). Aus Sicht
des Züchters ist sie eher unerwünscht, denn es ist dadurch schwer, direktes und maternales Leis-
tungspotenzial gleichzeitig zu verbessern. Extrem hohe Korrelationen erscheinen jedoch biologisch
unwahrscheinlich.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 22
Tabelle 8:
Heritabilitätsschätzungen für das Geburtsgewicht
Rasse n h
d
2
h
m
2
c
2
r
dm
Autor
Rambouillet, Targhee,
Columbia
4.302 0,19 –
0,34
0,30 –
0,65
-0,18 –
-0,74
BURFENING & KRESS
(1993)
Romanov 2.086 0,04 0,22 0,10 -0,99 MARIA et al. (1993)
Hampshire
Polled Dorset
Romanov
2.659
13.977
2.436
0,39
0,12
0,07
0,22
0,31
0,13
0,37
0,27
0,32
-0,56
-0,35
-0,13
T
OSH & KEMP (1994)
Schwedische Fein-
wollschafe
5.001 0,07 0,30
0,11 NÄSHOLM & DANELL
(1996)
Kreuz. zw. Finnschaf,
Dorset, Rambouillet
2.099 0,23 0,07 –
0,11
0,23 –
0,25
AL-SHOREPY & NOT-
TER
(1998)
Kreuz. zw. Suffolk,
Hampshire, Columbia
9.055 0,09 0,17 0,09 0,01 MOUSA et al. (1999)
Chios 7.318 0,18 0,19 0,17 -0,44 LIGDA et al. (2000)
Dorper 3.549 0,11 0,10 0,11 0,35 NESER et al. (2000)
Südafrik. MF
Dorper
1.298
1.118
0,11
0,21
ns
0,16
0,18
0,15
CLOETE et al. (2002)
Suffolk 892 0,17 0,35 0,13 -0,64 MANIATIS & POLLOTT
(2002)
Türk. Merino
2.378 0,08 0,09 0,19 -0,63 OZCAN et al. (2005)
div. Rassen und
Kreuzungen
29317 0,21 0,27
SZWACZKOWSKI et al.
(2006)
Texel
Shropshire
Oxford Down
Suffolk
51.699
37.035
26.594
10.550
0,19
0,19
0,16
0,19
0,19
0,17
0,15
0,20
-0,26
-0,17
-0,45
-0,46
M
AXA et al. (2007)
Targhee 11.818 0,19 0,15 0,09 BERG (2007)
h
d
2
: additive Heritabilität, h
m2
: maternale Heritabilität, c
2
: Anteil der maternalen Umweltvarianz an der Gesamtva-
rianz, r
dm
: direkt – maternale genetische Korrelation
These 3:
Die Körperentwicklung während der Säugezeit wird beeinflusst vom Genotyp des
Lammes (Wachstumsvermögen), vom Genotyp der Mutter (Milchleistung, Mütterlichkeit) sowie von
Umwelteinflüssen, die direkt auf das Lamm oder über die Mutter auf das Lamm wirken. Die nicht
genetisch bedingten maternalen Einflüsse lassen sich untergliedern in Effekte, die während der

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 23
gesamten Nutzungsdauer der Mutter auf alle ihre Nachkommen wirken und die Varianz zwischen
den Müttern beeinflussen (maternal permanent environmental effects) und in Effekte, die temporär
auf die Lämmer eines bestimmten Wurfes wirken und an der Variation zwischen den Würfen der
gleichen Mutter beteiligt sind (maternal common environmental effects). Die Nichtbeachtung eines
oder mehrerer dieser Faktoren führt zur Überschätzung der im Analysenmodell verbliebenen Kom-
ponenten. Untersuchungen an Schafen in Deutschland wurden an relativ kleinen Tierzahlen durch-
geführt und berücksichtigten bisher keine maternalen Komponenten. Die geschätzte additive Heri-
tabilität variierte in diesen Arbeiten zwischen 0,10 und 0,37 (Tab. 9).
Tabelle 9:
Heritabilität für Lebenstagszunahme (LTZ) und Körpergewicht aus Untersu-
chungen in Deutschland
Rasse Merkmal
n h
2
Autor
Schwarzköpfiges
Fleischschaf
Gewicht 100. Tag
LTZ 1.-100. Tag
k.A. 0,13
0,10
WITT et al. (1967)
div. Kreuzungen
Gewicht 30. Tag
Gewicht 60. Tag
515 0,33
0,35
BETHKE (1976)
div. Kreuzungen
LTZ 1.-60. Tag
1694
0,34;
WALTHER (1977)
div. Kreuzungen ♂
LTZ 1.-60. Tag
1873
1998
0,16; 0,37
0,19; 0,37
GÖHLER & SCHUH (1988)
Merinofleischschaf LTZ 1.-100. Tag 2198 0,11
MÜLLER (1995)
Internationale Ergebnisse unter Einbeziehung genetischer und nichtgenetischer maternaler Kom-
ponenten in das Auswertungsmodell enthält Tab. 10. Die große Bedeutung dieser Effekte zeigt sich
darin, dass sie in ihrer Summe meist gleich oder sogar höher als die additive Heritabilität sind.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 24
Tabelle 10:
Heritabiltätsschätzungen für das Körpergewicht in verschiedenen Altersstu-
fen
aus Untersuchungen in anderen Ländern
Alter
(Tage)
h
d
2
h
m
2
pe
2
ce
2
r
dm
Rasse Autor
30 0,22
0,16
0,14
0,18
0,04
0,07
0,03
0,03
0,29
0,27
-0,45
-0,44
div. Rassen
Schw. Bergschaf
Weißes Alpenschaf
S
ZWACZKOWSKI et al. (2006)
H
AGGER (1998)
H
AGGER (1998)
40 0,34
0,17
0,28
0,07
0,25
0,07
0,10
0,09
0,00
0,08
0,11
0,06
-0,98
-0,26
-0,63
Romanov
Chios
Dorper
Targhee
M
ARIA et al. (1993)
L
IGDA et al. (2000)
NESER et al. (2000)
B
ORG (2007)
60 0,01
0,15
0,12
0,12
0,10
0,04
0,13
0,08
0,09
0,12
0,16
0,05
0,20
0,00
-0,55
-0,32
Targhee
Suffolk
Polypay
Suffolk
N
OTTER &HOUGH (1997)
N
OTTER (1998)
N
OTTER (1998)
MANIATIS &POLLOTT (2002)
90 0,09
0,19
0,12
0,20
0,16
0,12
0,01
0,04
0,12
0,09
0,11
0,04
0,07
0,11
0,13
0,06
0,23
0,08
0,18
0,04
-0,97
0,00
-0,55
0,08
0,06
-0,92
Romanov
Suffolk
Polypay
Welsh Mountain
Welsh Mountain
Merino
M
ARIA et al. (1993)
N
OTTER (1998)
NOTTER (1998)
S
AATCI et al. (1999)
AP DEWI et al. (2002)
O
ZCAN et al. (2005)
100 0,39
0,25
0,14
0,12
0,20
0,19
0,08
0,02
0,13
0,09
0,08
0,20
0,19
0,12
-0,74
-0,31
-0,43
0,47
-0,58
Hampshire
Polled Dorset
Romanov
Schwed. FWS
Dorper
T
OSH & KEMP (1994)
T
OSH & KEMP (1994)
T
OSH & KEMP (1994)
NÄSHOLM & DANELL (1996)
N
ESER et al. (2000)
120 0,15
0,10
0,12
0,11
0,05
0,08
0,08
0,04
0,37
Schwed. FWS
Targhee
Targhee
N
ÄSHOLM & DANELL (1996)
N
OTTER & HOUGH (1997)
B
ORG (2007)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 25
2.3
Konsequenzen für die Zuchtwertschätzung
These
1:
Entsprechend der Verordnung über die Leistungsprüfungen und die Zuchtwertfest-
stellungen bei Schafen und Ziegen soll das Geburtsgewicht bei der Ermittlung der Lebenstagszu-
nahme in der Feldprüfung berücksichtigt werden. Liegt für das Lamm kein Geburtsgewicht vor, ist
ein rassespezifischer Mittelwert unter Berücksichtigung von Geschlecht und Geburtstyp einzuset-
zen.
These 2:
Der rassespezifische Mittelwert für Merinolandschafe und für Schwarzköpfige
Fleischschafe beträgt 4,5 kg Einling und 3,5 kg Mehrling und für Merinofleischschafe 4,0 kg Einling
und 3,0 kg Mehrling. Diese Werte differieren zu Werten aus der Literatur (Z
ORN et al. 1932, MARTIN
1966, KEMAL BIYIKOGLU 1967, FLEISCHER 1989, SUSIC et al. 2005, ALTMANN et al. 2006). Die Zunahme
bis zum 100. Lebenstag wird bei Verwendung dieser Rassenmittel somit um 8 bis 15 g/Tag über-
schätzt. Für die Zuchtwertschätzung ist dies jedoch weniger von Bedeutung, da diese nur innerhalb
der Rasse erfolgt.
These 3:
Die angenommene Differenz zwischen Einlingen und Mehrlingen bei dem ange-
nommenen Rassenmittel von 1 kg bestätigt sich in den meisten Literaturquellen, „Mehrlinge“ wur-
den jedoch nur als Zwillinge berücksichtigt. Werden zusätzlich noch Drillinge oder Vierlinge einbe-
zogen, steigt die Differenz zwischen Einlingen und Mehrlingen auf 1,5 kg an. Drillinge haben ge-
genüber Zwillingen ein um etwa 0,5 kg geringeres Geburtsgewicht. Wird für beide Geburtstypen der
gleiche rassenspezifische Mittelwert eingesetzt, sind Drillinge in der Zuchtwertschätzung für die
Zunahme bis zum durchschnittlich 100. Lebenstag um 5 g/Tag gegenüber Zwillingen benachteiligt.
Erfolgt bei Berechnung der Lebenstagszunahme keine Berücksichtigung des Geburtsgewichtes,
sind Mehrlinge gegenüber Einlingen in der Zuchtwertschätzung benachteiligt. Bei einer Differenz im
Geburtsgewicht von durchschnittlich 1 kg würde die Zunahme bei Zwillingen um etwa 10 g/Tag
unterschätzt werden. Stammen die Zwillinge darüber hinaus noch aus der 1. Ablammung, erhöht
sich die Benachteiligung auf etwa 15 g/Tag.
These 4:
Da die rassenspezifischen Mittelwerte offensichtlich nur bedingt das tatsächliche
Leistungsniveau der Rasse repräsentieren, wäre als Alternative die Verwendung von Zu- oder
Abschlägen vom Gewicht am 100. Lebenstag entsprechend des Geburtstyps und gegebenenfalls
der Wurfnummer zu empfehlen. Wird das Geburtsgewicht als eigenständiges Merkmal in der
Zuchtwertschätzung berücksichtigt, sollten im Falle der BLUP-Methode zumindest die Faktoren
Geburtstyp, Geschlecht und Wurfnummer in das Modell aufgenommen werden. Bei mehreren
Lammzeiten im Jahr sollten auch diese berücksichtigt werden.
These 5:
Erfolgt die Zuchtwertschätzung nicht mittels BLUP, wäre eine Korrektur der Daten mit
speziellen Faktoren erforderlich. Dabei ist zu bedenken, dass nach W
ILSON et al. (1996) bei Ver-
wendung additiver Faktoren die Varianz konstant bleibt, während multiplikative Faktoren die Vari-

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 26
anz verändern. Für die Korrektur von Geschlecht und Geburtstyp empfehlen die Autoren multiplika-
tive, für die Wurfnummer additive Faktoren. Für eine Korrektur des Geburtsgewichts männlicher
Lämmer auf das der weiblichen wäre nach W
ILSON et al. (1996) und MARTIN et al. (1980) ein mul-
tiplikativer Faktor von 0,94 anzusetzen. Einlinge müssten auf das Gewicht von Zwillingen mit dem
Faktor 0,81 bzw. 0,84 korrigiert werden; Drillinge mit 1,14 bzw. 1,16.
These 6:
Für eine Korrektur des Alters der Mutter ist die Bildung von Altersklassen möglich wie
z. B. im U.S. National Sheep Improvement Programm. Hier werden die Klassen 1, 2, 3 - 6 und > 6
Jahre verwendet und die Korrektur erfolgt mit diskontinuierlichen, multiplikativen Faktoren. Bei
verkürzten Zwischenlammzeiten ist die Zuordnung in die Klasse jedoch fragwürdig oder die Klas-
sen müssen noch weiter unterteilt werden. LAMBPLAN in Australien verwendet eine kontinuierliche
Korrektur, die aus polynomen Funktionen 2. Grades abgeleitet wurden. Nach N
OTTER et al. (2005)
ist eine Hybrid-Kurve am geeignetsten, die ein asymptotisches Regressionsmodell zur Beschrei-
bung des Anstiegs vom 1-jährigen Mutterschaf bis zum Maximum beim adulten Tier kombiniert mit
einer polynomen Funktion 2. Grades, die den Abfall des Geburtsgewichts bei älteren Mutterschafen
beschreibt. Die an etwa 18.700 Polypay-Lämmern ermittelten Korrekturfaktoren (Abb. 2) bedürfen
jedoch vor einer Anwendung in anderen Populationen einer Überprüfung.
Abbildung 2:
Multiplikative Korrekturfaktoren zur Korrektur des Alters der Mutter für das
Geburtsgewicht (gepunktete Linie) und das Absetzgewicht (volle Linie)
(N
OTTER et al. 2005)
2.4
Beziehungen zwischen Lämmerwachstum und Milchleistung der Mutter
2.4.1 Milchleistung und Laktationsverlauf bei nicht zur Milchproduktion gehaltenen Rassen
Untersuchungen
zur Milchleistung bei nicht speziell für die Milchproduktion genutzten Schafrassen
wurden in Deutschland bisher wenig durchgeführt. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse wird auch
erschwert durch unterschiedlich lange Lakationszeiträume und z. T. fehlende Angaben zum Auf-
zuchttyp. Einige Daten zur Milchleistung sind aus Tab. 11 ersichtlich. Darüber hinaus ermittelte
K
ONSTANTINOU (1973) bei Schwarzköpfigen Fleischschafen eine Milchleistung von 107,6 kg wäh-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 27
rend einer Laktationsdauer von 12 Wochen ohne Berücksichtigung des Aufzuchttyps. Merinoland-
schafe produzierten in 25 Wochen 129,8 kg Milch, wobei am 49. Tag von ursprünglich zwei Läm-
mern ein Lamm abgesetzt wurde (B
ERG 1958).
Durch Melken von Weißen Bergschafen in Österreich ermittelten R
INGDORFER et al. (2007) eine
durchschnittliche Milchleistung über die gesamte Laktation in einzelnen Fütterungsgruppen zwi-
schen 0,90 und 1,19 l/Tag. Obwohl ein hohes Fütterungsniveau theoretisch etwa 2 l/Tag ermöglicht
hätte, wurde dies nicht erreicht, was die Autoren auf die fehlende Selektion auf Milchleistung in
Österreich zurückführten. In den USA führten S
AKUL & BOYLAN (1992) eine 5-jährige Studie mit den
Rassen Dorset, Finnschaf, Lincoln, Rambouillet, Romanov, Suffolk, Targhee und drei synthetischen
Rassen durch. Dabei wiesen die Suffolks die höchste, Romanov-Schafe die niedrigste Milchleis-
tung auf (42 % im Vergleich zu Suffolk). Die Milch bei Suffolk hatte gleichzeitig den höchsten pro-
zentualen Fettgehalt. In einer Studie von P
EETERS et al. (1992) hatten Suffolks eine höhere Milch-
leistung als Texelschafe.
Mutterschafe passen in begrenztem Umfang ihre Milchleistung an die Anzahl der aufzuziehenden
Lämmer an. Dies wird vor allem über die stärkere Stimulierung des Euters bei Mehrlingen vermit-
telt. Die Steigerung der Milchleistung bei Aufzucht von Zwillingen ist unter anderem vom Alter der
Mutter und dem Laktationsstadium abhängig. Bei frühgenutzten Suffolk-Kreuzungsschafen fanden
B
ENSON et al. (1999) eine nichtsignifikante Steigerung der Milchleistung bei Aufzucht von Zwillingen
um 14,9 %. C
ARDELLINO & BENSON (2002) ermittelten bei frühgenutzten Mutterschafen eine Erhö-
hung um 7 %, bei zweijährigen Muttern dagegen eine Erhöhung um 32 % im Durchschnitt über eine
Laktation von 63 Tagen. Die höchste Steigerung von 15 bzw. 39 % erfolgte dabei in der frühen
Laktation zwischen 6.-21. Tag, während in der späten Laktation vom 45. - 63. Tag kaum noch Un-
terschiede nachzuweisen waren.
Die Fähigkeit zur Steigerung der Milchproduktion bei Aufzucht von Mehrlingen ist sehr variabel und
bei einzelnen Rassen offensichtlich unterschiedlich ausgeprägt (Tab. 11). In der Mehrzahl der Un-
tersuchungen hatten Zwillingsmütter eine um etwa 25 – 45 % höhere Milchleistung als Einlingsmüt-
ter. Es wurden aber auch wesentlich geringere (z. B. 4,9 % bei Hampshire) oder höhere Steigerun-
gen (z. B. 64,2 % bei Suffolk) beobachtet.
Signifikante Unterschiede zwischen Geburts- und Aufzuchttypen ermittelten M
ORGAN et al. (2006).
Einlingsmütter (Kreuzungen mit 50 % Merino-Genanteil) produzierten 1,86 kg Milch/Tag. Schafe,
die Zwillinge geboren hatten, aber nur ein Lamm aufzogen, hatten eine Leistung von 2,03 kg/Tag.
Zwilllingsmütter, die beide Lämmer aufzogen, produzierten 2,37 kg Milch/Tag.
In den Arbeiten von L
OHSE (1963) und SOMMER (1973) hatten Schwarzköpfige Fleischschafe bereits
in der 1. bis 2. Woche ihre höchste tägliche Milchleistung. Andere Untersuchungen weisen jedoch
meist auf eine Laktationsspitze in der 3. bis 4. Woche hin. Einlingsmütter erreichten diese etwas

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 28
früher als Zwillingsmütter (B
ENSON et al. 1999). Das Geschlecht der Lämmer hatte keinen Einfluss
auf die Milchleistung (W
OHLT et al. 1984).
Tabelle 11:
Milchleistung in Abhängigkeit vom Aufzuchttyp bei verschiedenen Rassen
Rasse Laktations-
dauer
(Wochen)
Einlinge
(kg)
Zwillinge
(kg)
Steigerung
(%)
Autor
Merinofleischschaf 16 164,8 208,4 26,4 KELLNER (1931)
Merinolandschaf 22 129,8 144,6 11,7 SCHMIDT 1957)
Leineschaf
20 116,6 159,2 36,0 ULRICH (1953)
SKF 14 85,2 119,4 40,1 LOHSE (1965)
SKF Fütterung niedrig
Fütterung hoch
Finnschaf x SKF
Fütterung hoch
12
12
12
125,0
147,8
133,6
S
OMMER (1973)
Hampshire
12 75,2 78,9 4,9 BURRIS/BAUGUS
(1955)
Scottish Blackface 10 101,0 142,0 40,6 PEART (1967)
Rambouillet und Co-
lumbia
Fütterung niedrig
Fütterung hoch
13
13
142,8
166,5
184,6
207,2
29,3
24,4
G
ARDNER &
HOGUE (1964)
Hampshire
Corriedale
12
12
178,5
117,1
200,6
176,1
12,4
50,4
GARDNER &
HOGUE (1966)
Dorset
8 80,7 99,7 23,5 WOHLT et al.
(1984)
Rambouillet
Columbia
Polypay
Suffolk
10
10
10
10
97,8
96,9
102,2
101,1
143,6
141,4
147,4
166,0
46,8
45,9
44,2
64,2
S
NOWDER &
GLIMP (1991)
Texel, Suffolk und
Fläm. Milchschaf
5 51,8 67,1 29,5 PEETERS et al.
(1992)
2.4.2 Korrelationen zwischen Zunahme der Lämmer und Milchleistung
Die Tab. 12 zeigt eine Zusammenfassung einiger Ergebnisse, die an deutschen und internationalen
Rassen gewonnen wurden. Demnach bestehen enge Zusammenhänge zwischen Zunahme und
produzierter Milchmenge. Dies gilt vor allem in der frühen bis mittleren Laktation, wenn die Lämmer

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 29
noch keine größeren Mengen an festen Futtermitteln aufnehmen und ihren Nährstoffbedarf vorwie-
gend über die Milch decken. Nach P
EETERS et al. (1992) benötigten Lämmer bis zum 45. Lebenstag
für 1 kg Zuwachs eine Milchmenge von 4,6 kg. Die täglich mit der Milch aufgenommene Trocken-
substanzmenge korrelierte zum 30-Tage-Gewicht von Targhee-Lämmern in Höhe von 0,81 (R
EY-
NOLS
& BROWN 1991). Danach wurden die Korrelationen geringer. ROBINSON et al. (1969) ermittelten
die Zunahme von Lämmern in einem Zeitraum von fünf Tagen in der 2. bzw. 3. Lebenswoche und
errechneten eine Korrelation mit der Milchleistung von 0,87. In Untersuchungen von W
ILSON et al.
(1970) korrelierte die Zunahme bis zur 12. Woche mit der Milchleistung bis zur 6. Woche in Höhe
von r = 0,50; mit der Milchleistung zwischen 7. - 12. Woche jedoch nur mit r = 0,38.
Tabelle 12:
Korrelationen zwischen Milchleistung und Gewicht der Lämmer in Abhän-
gigkeit vom Alter
Alter
(Wochen
)
Einlinge
r
Mittel
r
von – bis
Quellen
Zwillinge
r
Mittel
r
von – bis
Quellen
1 – 2
0,53
0,38 – 0,81
3,4,6
0,79
0,74 – 0,83
3,6
3 – 4
0,62
0,35 – 0,90 1,3,6,7,8
0,63
0,46 – 0,80
2,3,6,7,8
5 – 6
0,53
0,44 – 0,65
3,4,6,7
0,28
0,08 – 0,51
3,6,7
7 – 8
0,63
0,53 – 0,80
1,6,7
0,56
0,32 – 0,85
2,6,7
9 – 10
0,42
0,00 – 0,70
4,5,6,7
0,23
0,00 – 0,51
5,6,7
11 –14
0,55
0,51 – 0,61
1,4,6
0,17
0,11 – 0,24
6
Quellen: 1: Burris & Baugus (1955), 2: Munro (1962), 3: Peart (1967), 4: Sommer (1973), 5: Geenty (1979), 6:
Torres-Hernandez & Hohenboken (1980), 7: Snowder & Glimp (1991), 8: Hatfield et al. (1995)
Am geeignetsten für eine Einschätzung der Milchproduktion wird die Zunahme bis zur 4., 5. oder 6.
Woche angesehen (B
ARNICOAT et al. 1949; OWEN 1957; POUJARDIEU 1969). Nach MORGAN et al.
(2007) erklärte die Milchleistung bis zur 4. Woche einen höheren Anteil der Varianz in der Zunahme
der Lämmer als die Milchleistung in der 12. Woche. Regressionsanalysen ergaben, dass die Stei-
gerung der Milchleistung in der 4. Woche um 1 kg/Tag zu einer Erhöhung der Zunahme bei Einlin-
gen um 52 g/Tag führt, bei Mehrlingen um 18 g/Tag.
In einigen Arbeiten wurden für Einlinge höhere Korrelationen zwischen Zunahme und Milchleistung
gefunden als für Mehrlinge. Dies ist möglicherweise dadurch bedingt, dass die geringere Milchver-
sorgung bei Zwillingen zu früherer und höherer Beifutteraufnahme führt.
Die Verringerung der Zunahmen von Mehrlingen im Vergleich zu Einlingen kann ein Maßstab für
das Leistungsniveau in der Milchproduktion einer Herde bzw. Rasse sein. So fanden S
NOWDER &
GLIMP (1991) bei Suffolk-Lämmern geringere Unterschiede zwischen Einlingen und Zwillingen als
bei Rambouillet, Columbia und Polypay. Gleichzeitig wiesen sie bei Suffolk-Mutterschafen die in-
tensivste Steigerung der Milchleistung bei Aufzucht von Zwillingen nach.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 30
2.4.3 Nutzung des Lämmerwachstums oder anderer indirekter Merkmale für die Selektion
nach Milchleistung
In einigen Ländern erfolgt seit längerem die Berücksichtigung der Körpermasseentwicklung der
Lämmer während der frühen Laktation als indirektes Kriterium der Milchleistung bei der Selektion
von Mutterschafen in Fleisch- oder Zweinutzungsrassen. So werden in allen von der französischen
Zuchtorganisation UPRA betreuten Herden die tägliche Zunahme zwischen dem 10. und 30. Le-
benstag als Maß für die mütterliche Milchleistung sowie die Zunahme vom 30. bis 70. Lebenstag
als Basis für die weitere Selektion ausgewiesen (S
Üß 2000).
In der Schweiz erfolgt die Ermittlung der Zunahme von der Geburt bis zum 30. Tag (ab 2005 bis
zum 40. Tag) und Korrektur nach Geschlecht, Wurfgröße und Alter der Mutter (A
NONYM 2004). Von
1992 bis 2004 konnte in diesem Merkmal beim Weißen Alpenschaf eine Leistungssteigerung von
380 auf 430 g/Tag erreicht werden und beim Schwarzbraunen Bergschaf von 365 g auf 414 g/Tag
(R
OBERT 2004).
In einer Spanischen Merinopopulation führte die Selektion nach dem 30-Tage-Gewicht über fünf
Jahre zu einem genetischen Fortschritt von 66 g/Jahr und einem phänotypischen Fortschritt von
594 g/Jahr (J
URADO et al. 1994).
Bei Targhee-Schafen konnte durch Selektion nach dem Absetzgewicht am 120. Tag über 24 Jahre
eine Steigerung der Milchleistung um 309 - 360 g/Tag erzielt werden (B
ROWN et al. 1987). Das 30-
Tage-Gewicht erhöhte sich dabei um etwa 3 kg. Ein Einfluss auf die Milchzusammensetzung wurde
nicht nachgewiesen.
Eutermaße, vor allem Eutertiefe, -länge, -breite und -volumen haben nach L
ABUSSIERE (1988), FER-
NANDEZ
et al. (1995) und KRETSCHMER (2001) bei Milchschafen enge Beziehungen zur Milchleistung
(r = 0,38 bis 0,71). Bei Targhee-Schafen ermittelten REYNOLS & BROWN (1991) keine signifikanten
Beziehungen zwischen Eutermaßen und Milchleistung. Dagegen fanden B
ENCINI & PURVIS (1990)
bei australischen Merinos eine Korrelation zwischen Eutervolumen und Milchleistung in der 5. Lak-
tationswoche von 0,72. Bei Hampshire korrelierte die Milchproduktion über 12 Wochen mit der
Euterbreite in Höhe von 0,47 (B
URRIS & BAUGUS 1955).
Aufgrund der Beziehungen zwischen Eutermorphologie und Milchleistung erfolgte in den USA über
11 Jahre eine subjektive Beurteilung der Milchleistung innerhalb von 24 Stunden post partum bei
den Rassen Columbia, Polypay, Rambouillet, Targhee (S
NOWDER et al. 2001a). Beurteilt wurde
innerhalb weniger Stunden nach der Ablammung der Füllungszustand des Euters durch Palpation
sowie der Füllungsgrad des Lämmermagens in einer 5-stufigen Notenskala. Dabei wiesen Colum-
bia-Schafe den höchsten Anteil der Note „High“ auf. Mutterschafe mit hoher Milchleistungsnote
brachten schwerere Lämmer zur Welt und das Wurfgewicht sowie das individuelle Gewicht der
Lämmer beim Absetzen nach etwa 120 Tagen waren höher. Die Autoren empfehlen die Milchleis-

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 31
tungsnote als Selektionsmerkmal. Sie errechneten Heritabilitäten für die 1. Ablammung zwischen
0,18 bis 0,32 und für die 2. Ablammung zwischen 0,19 bis 0,32 (S
NOWDER et al. 2001b). An einem
späteren Material mit den gleichen Rassen errechneten S
AWALHA et al. (2005) Heritabilitäten für die
1. Ablammung zwischen 0,05 bis 0,18 und für die 2. Ablammung zwischen 0,01 bis 0,27. Die Milch-
leistungsnote aus dem 1. oder 2. Wurf wies hohe positive genetische Korrelationen zu den Noten
aus späteren Würfen auf. Eine frühe Selektion würde somit auch die Milchleistung in späteren
Ablammungen verbessern.
2.5
Ableitung für die Gestaltung der Leistungsprüfungen
Ableitung
1:
Zeitpunkt der Erfassung der Zunahmeleistung
Da das Wachstum der Lämmer in frühen Phasen weniger durch die eigene genetische Veranla-
gung, sondern hauptsächlich durch maternale Faktoren bestimmt wird, wäre die Ermittlung der
Zunahme der Lämmer am 30. oder 40. Lebenstag sinnvoll, um auch die Milchleistung der Mutter-
schafe einschätzen zu können. Zur Beurteilung der Wachstumsleistung ist dagegen ein möglichst
später Zeitpunkt, d. h. kurz vor der Schlachtreife empfehlenswert. Ein Kompromiss zwischen diesen
Zeitpunkten wie etwa der 60. Tag würde für beide Leistungskomplexe – Milchleistung und Fleisch-
leistung – eine Verringerung der Aussagefähigkeit und damit des möglichen Zuchtfortschritts be-
deuten.
Ableitung 2:
Die optimalste Verfahrensweise ist ein zweimaliges Wiegen der Lämmer, wie es
beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern oder in Frankreich praktiziert wird. Ist dies aufgrund
des höheren Zeitaufwandes nicht möglich, wäre eine nach Rassen differenzierte Leistungsprüfung
eine Alternative. In Merinorassen, die auch bei Gebrauchskreuzung oft als Muttergrundlage dienen,
sollte zur Verbesserung der Milchleistung die Zunahme der Lämmer im frühen Alter ermittelt wer-
den, bei Fleischrassen zur Verbesserung der Fleischleistung die Zunahme in einem möglichst
späten Alter (80 – 90 Tage).
Ableitung 3:
Wägungen in einem bestimmten Alter erfolgen in der Praxis meist nicht genau am
festgelegten Tag, sondern weichen von diesem mehr oder weniger ab. Bei einer Korrektur des
aktuellen Gewichts auf ein Standardalter mittels Regression wird von einem linearen Zusammen-
hang zwischen Alter und Körpergewicht ausgegangen, was jedoch nicht immer zutreffend ist. Nach
B
OGGESS et al. (1991) darf bei einem Standardalter von 30 bzw. 60 Tagen die tatsächliche Wägung
nicht mehr als +
7 Tage abweichen, damit eine lineare Korrektur nicht zu größeren Fehlern führt.
Ähnliches dürfte zutreffen, wenn nicht das Gewicht, sondern die Zunahme bis zu einem bestimmten
Tag in der Leistungsprüfung verwendet werden soll. Bei der Durchführung der Wägungen im Feld
sollte deshalb auf möglichst geringe Abweichungen vom Standardalter geachtet werden.
Ableitung 4:
Da nachweislich zwischen Einlingen und Zwillingen eine Differenz im Geburtsge-
wicht von etwa 1 kg besteht, werden ohne Beachtung des Geburtsgewichts Zwillinge gegenüber
den Einlingen in der Zunahme bis 100. Lebenstag um 10 g/Tag benachteiligt. Bei der Zunahme bis

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 32
zum 60. Tag wären es 17 g und am 30. Tag 33 g/Tag. Da der Geburtstyp den größten Einfluss auf
das Geburtsgewicht ausübt, ist zumindest die Verwendung von geburtstypsspezifischen Standard-
gewichten zu empfehlen. Die im Rahmen dieses Projektes ermittelten Geburtsgewichte sollten
dazu dienen, die in Ansatz zu bringenden rassen- und geburtstypsspezifischen Standardgewichte
für eine künftige Berücksichtigung bei der Feldprüfung in Sachsen festzulegen.
Ableitung 5:
Auf Gewicht bzw. Zunahme in einem bestimmten Alter wirken eine Reihe von Ein-
flussfaktoren, die bei der BLUP-Zuchtwertschätzung im Modell berücksichtigt werden sollten. Er-
folgt die Zuchtwertschätzung nicht mittels BLUP-Verfahren, wie gegenwärtig in Sachsen, wäre
zumindest eine Korrektur für Geburtstyp, Geschlecht und Alter der Mutter sinnvoll. Eine solche
Korrektur ist umso nötiger, je jünger die Lämmer bei der Leistungsprüfung sind.
Ein Beispiel für die Korrektur der Zunahme bis zum 30. Tag, wie sie in der Schweiz zur Anwendung
kommt, zeigt Tab. 13. Korrigiert wird die Lebenstagszunahme mit rassenspezifischen multiplikati-
ven Faktoren. Ein anderes Beispiel aus den USA in Tab. 14 zeigt die Korrektur des Körpergewichts
am 60. Tag. Hier erfolgt im Gegensatz zur Schweiz eine differenziertere Berücksichtigung der An-
zahl geborener und aufgezogener Lämmer sowie von über zwei Jahre alten Mutterschafen.
Tabelle 13:
Multiplikative Faktoren für die Korrektur der Zunahme bis zum 30. Tag nach
Geschlecht, Wurfgröße und Alter der Mutter
(S
CHWEIZERISCHER SCHAFZUCHTVERBAND 2002)
Weißes
Alpenschaf
Braunköpfiges
Fleischschaf
Schwarzbraunes
Bergschaf
Walliser
Schwarznasen-
schaf
Wurfgröße:
1
2
> 3
1,000
1,216
1,371
1,000
1,243
1,376
1,000
1,185
1,348
1,000
1,203
1,445
Geschlecht:
männlich
weiblich
1,000
1,037
1,000
1,041
1,000
1,043
1,000
1,008

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 33
Weißes
Alpenschaf
Braunköpfiges
Fleischschaf
Schwarzbraunes
Bergschaf
Walliser
Schwarznasen-
schaf
Alter der Mutter:
bis 1 Jahr
Einling ♂
Einling ♀
Mehrling
1 - 2 Jahre
Einling ♂
Einling ♀
Mehrling
1,089
1,063
1,106
1,026
1,020
1,032
1,108
1,101
1,147
1,030
0,994
1,029
1,108
1,082
1,191
1,060
1,074
1,047
1,034
1,028
1,028
1,019
1,026
1,019
Tabelle 14:
Multiplikative Faktoren für die Korrektur des 60-Tagegewichts nach Ge-
schlecht, Geburts- und Aufzuchttyp sowie Alter der Mutter
(SCHOENIAN 2007)
Geschlecht Alter der
Geburts-/Aufzuchttyp
Mutter
(Jahre)
1/1 1/2 2/1 2/2 >3/1
>3/2 >3/3
1
1.14 1.30 1.27 1.37 1.36 1.46 1.56
2
1.06 1.21 1.18 1.27 1.26 1.36 1.45
3-6
1.00 1.14 1.11 1.20 1.19 1.28 1.37
weiblich
> 6
1.04 1.19 1.15 1.25 1.24 1.33 1.42
1
1.04 1.18 1.15 1.24 1.23 1.33 1.42
2
0.96 1.10 1.07 1.16 1.15 1.23 1.32
3-6
0.91 1.04 1.01 1.09 1.08 1.16 1.25
männlich
> 6
0.95 1.08 1.05 1.14 1.13 1.21 1.30
N
OTTER et al. (2005) schlagen allerdings für die Korrektur des Alters der Mutter eine Korrekturfunk-
tion vor, die keine diskontinuierlichen Altersklassen, sondern das exakte Alter der Mutter berück-
sichtigt (Abb. 3). Ein solches Verfahren der Alterskorrektur wäre vor allem bei Frühnutzung
und/oder verkürzten Zwischenlammzeiten vorteilhaft.

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 34
Abbildung 3:
Multiplikative Korrekturfaktoren zur Korrektur des Alters der Mutter für das
Geburtsgewicht (gepunktete Linie) und das Gewicht am 60. Tag (volle Linie)
(N
OTTER et al. 2005)
Ableitung 6:
Ein schnelles Wachstum der Lämmer bis zur Schlachtreife ist zwar für die Rentabi-
lität der Schafhaltung von großer Bedeutung, trotzdem sollen einige längerfristige Konsequenzen
einer Selektion auf Wachstum nicht unerwähnt bleiben. Aufgrund der positiven Korrelationen zwi-
schen Geburtsgewicht und Zunahme wird eine Selektion auf frühes Wachstum das Geburtsgewicht
steigern. Bis zu einem bestimmten Optimum wirkt ein hohes Geburtsgewicht zwar fördernd auf die
Überlebenschancen der Lämmer, jedoch ist darüber hinaus mit einem höheren Anteil an Schwer-
geburten zu rechnen.
Eine Selektion auf Wachstum ist außerdem verbunden mit einem Anstieg des Körpergewichts im
adulten Zustand. Deshalb sollten in regelmäßigen Zeitabständen Analysen des genetischen Trends
für diese und andere wirtschaftlich bedeutsamen Merkmale durchgeführt werden, um rechtzeitig auf
unerwünschte Leistungsentwicklungen reagieren zu können.
3 Ergebnisse
3.1
Geburtsgewicht und 30-Tage-Gewicht (LVG Oberholz und LVG Iden) –
Teil ADT Institut Leipzig/LLFG Iden
3.1.1 Material und Methode
Für
die Auswertungen stand Datenmaterial aus dem Lehr- und Versuchsgut Oberholz der Universi-
tät Leipzig sowie aus der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Zentrum für
Tierhaltung und Technik Iden, zu Verfügung. In Oberholz wurden Schwarzköpfige Fleischschafe
(SKF), Merinofleischschafe (MFS) sowie Merinofleischschafe mit Booroola-Fruchtbarkeitsgen
(MFS-BOO) gehalten. Das Alter der Mutterschafe bei der 1. Ablammung betrug hier zwei Jahre. In
den Jahren 2005 bis 2008 wurden die Geburtsgewichte und die Gewichte genau am 30. Lebenstag
erfasst.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 35
In Iden wurden SKF, MFS sowie Leineschafe (LES) gehalten. Die Mutterschafe lammten hier be-
reits im Alter von einem Jahr das erste Mal ab. Geburtsgewichte liegen aus den Jahren 2002 bis
2005 sowie 2007 und 2008 vor. Im Jahr 2006 wurden die Lämmer nach der Geburt nicht gewogen,
sodass dieser Jahrgang bei der Auswertung fehlt. Die zweite Wägung der Lämmer differierte zum
Teil erheblich vom angestrebten 30. Lebenstag und lag zwischen dem 19. und 57. Tag. Die Ge-
wichte wurden mittels der täglichen Zunahme zwischen Geburt und zweiter Wägung auf ein einheit-
liches Alter von 30 Tagen korrigiert.
Die Auswertung erfolgte mit dem Programm SPSS 14.0. Für die varianzanalytische Untersuchung
wurden nur Lämmer verwendet, die folgenden Bedingungen entsprachen:
bei Auswertung des Geburtsgewichts:
- bis zum 30. Tag überlebt
- Geburtstyp <
4
bei Auswertung von Gewicht und
LTZ am 30. Tag:
- Alter bei der 2. Wägung 30 +
10 Tage
- Geburts-/Aufzuchttyp 1/1, 2/1, 2/2, 3/2
oder 3/3
- LTZ >
50 g/Tag
Mittels univariater Varianzanalyse wurde getrennt für jede Rasse der Einfluss verschiedener
Faktoren nach folgendem Modell geschätzt:
Y
ijklmn
=
μ
+ B
i
+ GT/AT
j
+ G
k
+ A
l
+ J
m
+ e
ijklmn
Y
ijklmn
- Beobachtungswert des
ijklmn
–ten Tieres
μ
- Populationsmittel
B
i
- Betrieb
GT/AT
j
- Geburtstyp bei Auswertung des Geburtsgewichts bzw. Geburts-/Aufzuchttyp
bei Auswertung von Gewicht und LTZ bis 30. Tag
G
k
- Geschlecht
A
l
- Alter der Mutter in Tagen
J
m
- Jahr
e
ijklmn
- Restfehler

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 36
Außerdem enthielt das Modell Wechselwirkungen. Die Berechnung der Quadratsummen erfolgte
nach Typ IV, einer Methode für unausgeglichene Modelle mit leeren Zellen. Waren für einen Faktor
mehr als zwei Stufen vorhanden, wurde für Mehrfachvergleiche zwischen diesen Stufen der Tam-
hane-Test verwendet, da in keinem Fall Varianzhomogenität zwischen den Faktorstufen vorlag.
Dabei wurden signifikante Differenzen mit unterschiedlichen Buchstaben gekennzeichnet.
3.1.2 Ergebnisse
Die Rohdaten
für die untersuchten Rassen und Betriebe sind in Tab. 15 und 16 dargestellt. Aus
Oberholz lagen Geburtsgewichte auch von Lämmern vor, die noch vor dem 30. Tag verendeten.
Die Gewichte dieser Tiere waren wesentlich niedriger als die der anderen Lämmer. SKF und LES
zeigten ein sehr ähnliches Niveau im Geburtsgewicht und im Wachstum bis zum 30. Tag. Die MFS
und MFS-BOO erreichten vergleichsweise geringere Leistungen. Die geringfügig höheren Geburts-
gewichte in Iden könnten mit der etwas geringeren Zahl geborener Lämmer/Mutter erklärt werden.
In der Zunahme bis zum 30. Tag war kein gerichteter Betriebseinfluss erkennbar.
Die Ergebnisse der Varianzanalyse für das Geburtsgewicht zeigt Tab. 17. Obwohl in Iden das Ge-
burtsgewicht in der Tendenz etwas höher lag, war der Betriebseinfluss insgesamt nicht signifikant.
Allerdings lagen bei der Rasse MFS mehrere signifikante Wechselwirkungen des Betriebes mit
anderen Effekten vor.
Der Geburtstyp ist bei allen Rassen hochsignifikant. Die Differenzen zwischen Einlingen und Zwil-
lingen variierten von 0,65 kg bei MFS bis 1,16 kg bei MFS-BOO. Zwischen Einlingen und Drillingen
reichten die Differenzen von 1,27 kg bei MFS bis 1,84 kg bei MFS-BOO. Vierlinge kamen nur bei
diesen beiden Rassen vor. Die Differenzen zu den Einlingen betrugen 1,97 bzw. 2,39 kg. Literatur-
werte ergaben Gewichtsunterschiede zwischen Einlingen und Zwillingen bzw. Einlingen und Drillin-
gen von etwa 1,1 bzw. 1,8 kg. Damit ist die hier vorliegende Differenzierung zwischen den Geburts-
typen mit Ausnahme von MFS-BOO geringer als in der Literatur angegeben.
Das Geschlecht übte bei SKF, MFS und MFS-BOO einen signifikanten Einfluss auf das Geburts-
gewicht aus. Die Geschlechtsdifferenz war mit 0,45 kg bei SKF am höchsten und mit 0,15 kg bei
MFS-BOO am geringsten. Signifikante Wechselwirkungen mit anderen Effekten bestanden bei
MFS und MFS-BOO. Bei den Leineschafen konnte der Einfluss des Geschlechts weder als Haupt-
effekt noch als Wechselwirkung statistisch gesichert werden. Aus Arbeiten anderer Versuchsanstel-
ler in Deutschland war eine Geschlechtsdifferenz von durchschnittlich 0,3 kg ableitbar. Damit de-
cken sich die hier vorliegenden Werte in etwa mit den Literaturangaben.
Das Alter der Mutter hatte mit Ausnahme von MFS-BOO zwar insgesamt einen signifikanten Ein-
fluss auf das Geburtsgewicht, jedoch ließen sich Differenzen zwischen einzelnen Altersgruppen nur
in wenigen Fällen sichern. Bei den Rassen SKF und LS waren die Geburtsgewichte der Lämmer
von ein Jahr alten Mutterschafen nicht signifikant verringert (etwa 0,3 – 0,4 kg) im Vergleich zu

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 37
Lämmern von zwei bzw. drei Jahre alten Muttern. Dies entspricht etwa den Literaturangaben, wo-
nach Lämmer von einjährigen Mutterschafen durchschnittlich 0,5 kg leichter waren als Lämmer von
zweijährigen Tieren. Eine Altersabhängigkeit in dieser Weise war dagegen bei der Rasse MFS
nicht zu beobachten. Hier erreichten Lämmer von frühgenutzten Muttern keine geringeren Geburts-
gewichte.
Der Einfluss des Untersuchungsjahres war teilweise signifikant. Die höchsten Gewichte wurden
jeweils im Jahr 2002 erreicht. Die Differenzierung zwischen den Jahren könnte methodische Ursa-
chen haben oder durch veränderte Umweltfaktoren bedingt sein. Möglicherweise spielt auch die
Tatsache, dass hier ein Modell mit sehr unterschiedlich besetzten bzw. leeren Zellen vorliegt, eine
Rolle.

Tabelle 15:
Ergebnisse in Oberholz 2005 bis 2008 (Rohdaten)
MFS
n
MW
s
von-bis
SKF
n
MW
s
von-bis
MFS-BOO
n
MW
s
von-bis
Anzahl Ablammungen
insg. geb. Lämmer/Ablammung
leb. geb. Lämmer/Ablammung
aufgez. Lämmer/Ablammung
198
1,99 0,8 1-5
1,89 0,8 1-5
1,75 0,7 0-4
147
1,85 0,6 1-3
1,80 0,6 1-3
1,47 0,7 0-3
72
2,31 1,0 1-5
2,04 0,8 1-4
1,92 0,7 1-4
Geburtsgewicht (kg)
alle leb. geb. Lämmer
bis 30. Tag überlebende Lämmer
bis 30. Tag verendete Lämmer
371 4,43 1,0 1,6-7,0
348 4,50 1,0 2,0-7,0
23 3,37 1,0 1,6-5,2
263 4,76 1,1 2,2-8,3
215 4,96 1,1 2,2-8,3
48 3,88 1,0 2,4-6,3
147 3,92 1,0 1,5-6,2
137 4,04 0,9 1,8-6,2
10 2,31 0,8 1,5-4,3
Gewicht 30. Tag (kg)
348 12,04
2,9 4,0-20,3 215 14,66
3,4 6,4-23,7 137 11,20
3,1 3,2-18,1
LTZ (g/Tag)
348
252
75
33-443
215
323
95
83-530
137
239
79
37-417
Tabelle 16
Ergebnisse in Iden 2002-2005 und 2007-2008 (Rohdaten)
MFS
n
MW
s
von-bis
SKF
n
MW
s
von-bis
LES
n
MW
s
von-bis
Anzahl Ablammungen
insg. geb. Lämmer/Ablammung
aufgez. Lämmer/Ablammung
778
1,89 0,6 1-4
1,66 0,5 1-3
257
1,75 0,6 1-3
1,59 0,5 1-3
247
1,97 0,6 1-4
1,72 0,5 1-3
Geburtsgewicht (kg)
bis 30. Tag überlebende Lämmer
1264 4,85
0,8 2,0-8,5
391 5,24 0,9 2,5-9,0
407 5,09 0,9 2,5-9,0
Alter bei 2. Wägung (Tage)
1264 33,8 6,0 20-57 391 35,0 5,5 19-54 407 34,1 5,5 22-54
Gewicht 30. Tag (kg)
1
1264 12,8 2,6 5,5-21,4 391 14,6 2,8 5,1-23,0 407 14,6 2,7 7,6-24,0
LTZ
1
korrigiert
(g/Tag)
auf den 30. Lebenstag
1264
264
83
0-519
391
313
82
37-534
407
317
83
94-566

Tabelle 17:
Einfluss verschiedener Effekte auf das Geburtsgewicht (kg)
Effekt SKF
n
MW
SE
MFS
n
MW
SE
LES
n
MW
SE
MFS-BOO
n
MW
SE
Betrieb
Oberholz
Iden
Signifikanz
215 5,14 0,07
391 5,26 0,06
0,635
343 4,53 0,05
1263 4,79 0,03
0,633
entfällt entfällt
Geburtstyp
1
2
3
4
Signifikanz
115 5,91
a
0,09
424 5,06
b
0,05
67 4,40
c
0,12
-
-
-
0,000
228 5,37
a
0,06
1074 4,72
b
0,03
286 4,10
c
0,05
18 3,40
d
0,16
0,000
51 5,83
a
0,12
272 5,06
b
0,07
82 4,43
c
0,11
-
-
-
0,000
15 5,50
a
0,17
61 4,34
b
0,10
41 3,66
c
0,12
16 3,11
d
0,18
0,000
Geschlecht
männlich
weiblich
Signifikanz
307 5,44 0,06
299 4,99 0,07
0,000
798 4,82 0,04
808 4,59 0,04
0,001
192 5,26 0,08
213 5,03 0,08
0,088
63 4,31 0,09
70 4,16 0,10
0,022
Alter der Mutter
1 Jahr
2 Jahre
3 Jahre
> 4 Jahre
Signifikanz
13 4,73
a
0,24
185 5,15
a
0,08
141 5,16
a
0,09
267 5,41
a
0,07
0,000
76 5,00
ab
0,09
348 4,66
ab
0,06
340 4,60
a
0,06
842 4,73
b
0,04
0,007
30 4,80
ab
0,16
105 5,13
a
0,10
104 5,25
b
0,10
166 5,26
ab
0,09
0,005
-
-
-
9 4,30
a
0,22
15 3,93
a
0,17
109 4,32
a
0,08
0,201
Jahr
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
Signifikanz
27 6,07
a
0,18
67 5,32
b
0,13
66 5,43
ab
0,13
121 5,02
b
0,10
50 5,23
b
0,13
150 5,00
b
0,10
125 5,18
b
0,11
0,022
109 5,03
a
0,10
133 4,60
b
0,08
238 4,87
a
0,07
265 4,56
b
0,05
89 4,38
b
0,10
438 4,64
bc
0,06
340 4,78
ac
0,06
0,007
38 5,65
a
0,16
43 5,10
bc
0,16
67 5,29
acd
0,13
39 4,80
bd
0,15
-
-
-
113 5,04
bd
0,12
105 4,99
bd
0,10
0,098
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
59 4,05
a
0,11
34 4,40
a
0,12
31 4,02
a
0,14
9 4,81
a
0,22
0,037
Gesamt 606 5,22 0,05 1606 4,70 0,03 405 5,14 0,06 133 4,24 0,07
Signifikanz P≤ 0,05

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 40
Bei dem zur Varianzanalyse verwendeten Tiermaterial war das Gewicht der Lämmer am 30. Tag
(Tab. 18) mit 14,9 bzw. 14,8 kg für SKF und LES nahezu identisch. Dies entsprach einer Lebens-
tagszunahme von 328 bzw. 324 g/Tag (Tab. 19). Geringere Leistungen erreichten MFS und MFS-
BOO.
Das Gewicht und die Lebenstagszunahme unterschieden sich zwischen den Betrieben nicht signifi-
kant. Gesicherte Effekte waren dagegen für den Geburts- und Aufzuchttyp nachweisbar. Als Einling
geborene und aufgezogene Lämmer hatten ein um 3,0 kg (MFS-BOO) bis 3,5 kg (LS) höheres
Gewicht am 30. Tag als Lämmer, die als Zwilling geboren und aufgezogen wurden. Diese Ergeb-
nisse liegen etwas über den Literaturangaben von Untersuchungen in Deutschland, woraus Unter-
schiede zwischen diesen Aufzuchttypen von durchschnittlich 2,6 kg ableitbar waren. Die Differen-
zen in der Zunahme variierten zwischen 63 (MFS-BOO) und 93 g/Tag (LS). Als Drilling geborene
und aufgezogene Lämmer hatten gegenüber den Einlingen um 4,6 bis 6,7 kg geringere Gewichte
bzw. um 99 bis 167 g/Tag geringere Zunahmen. Bei SKF und MFS war außerdem die Wachstums-
leistung von Lämmern, die zwar als Einling aufgezogen, aber als Zwilling geboren wurden, signifi-
kant geringer im Vergleich zu „echten“ Einlingen. Die Unterschiede betrugen 2,6 bzw. 1,5 kg. Die
Differenz von 3,0 kg bei LS war wegen der geringeren Tierzahl nicht signifikant. Leistungsunter-
schiede zwischen „echten“ Zwillingen und als Drilling geborene, aber als Zwilling aufgezogene
Lämmer, waren weniger ausgeprägt und konnten auch statistisch nicht gesichert werden. Der Ein-
fluss des Geburtstyps bei gleichem Aufzuchttyp wird auch in der Literatur bestätigt.
Das Geschlecht übte mit Ausnahme von MFS-BOO auch im Alter von 30 Tagen einen signifikanten
Einfluss auf das Gewicht aus. Die zur Geburt vorhandenen Unterschiede von 0,15 bis 0,45 kg er-
höhten sich auf 0,4 bis 1,3 kg. In der Literatur werden Werte von durchschnittlich 0,8 kg angege-
ben. Differenzen in der Zunahme zwischen den Geschlechtern waren in der vorliegenden Untersu-
chung allerdings bei keiner Rasse statistisch gesichert.
Das Alter der Mutter hat keinen signifikanten Einfluss auf das Gewicht der Lämmer am 30. Tag.
Das gleiche gilt mit Ausnahme von LS auch für die Lebenstagszunahme. Bei den Ergebnissen für
die einzelnen Untersuchungsjahre fallen die erhöhten Gewichte und Zunahmen im Jahr 2002 auf,
vor allem bei MFS.
Im Hinblick auf die beabsichtigte Berücksichtigung rassetypischer Geburtsgewichte in der Feldleis-
tungsprüfung werden die Ergebnisse für die hier vorliegenden Rassen in Abhängigkeit von Ge-
burtstyp und Geschlecht in Tab. 20 dargestellt. Im Vergleich zu den bisher in einigen Zuchtverbän-
den verwendeten Standardgewichten sind die gefundenen Werte deutlich höher. Für Einlinge der
Rassen SKF und LS werden in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern 4,5 kg angesetzt,
während in diesen Untersuchungen 5,6 bis 6,1 kg ermittelt wurden. Das Standardgewicht für MFS-
Einlinge von 4,0 bzw. 4,5 kg ist im Vergleich zu den hier gefundenen 5,2 und 5,9 kg ebenfalls zu
niedrig angesetzt. Ähnliches gilt für Zwillinge, bei denen die Standardgewichte etwa 1,5 kg unter

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 41
den in Tab. 6 dargestellten Werten liegen. Für Drillinge und Vierlinge existieren in den beiden ge-
nannten Zuchtverbänden keine Standardgewichte. Die in Bayern für Drillinge verwendeten 3,0 kg
sind anhand der hier gefundenen Ergebnisse ebenfalls als zu niedrig einzuschätzen.

Tabelle 18:
Einfluss verschiedener Effekte auf das Gewicht am 30. Tag (kg)
Effekt SKF
n
MW
SE
MFS
n
MW
SE
LES
n
MW
SE
MFS-BOO
n
MW
SE
Betrieb
Oberholz
Iden
Signifikanz
213 15,1 0,2
315 14,8 0,2
0,529
328 12,5 0,2
1037 13,2 0,1
0,969
entfällt entfällt
Geb./Aufz.typ
1/1
2/1
2/2
3/2
3/3
Signifikanz
98 17,5
a
0,3
47 14,9
bc
0,4
333 14,1
bc
0,2
32 13,0
cd
0,5
18 10,8
d
0,6
0,000
192 15,3
a
0,2
113 13,8
b
0,2
815 12,0
c
0,1
138 11,8
c
0,1
107 10,7
d
0,3
0,000
42 17,8
a
0,4
23 14,8
ab
0,5
207 14,3
a
0,2
47 13,1
a
0,4
26 12,8
a
0,4
0,000
15 15,2
a
0,6
-
-
-
60 12,2
b
0,3
10 11,7
ab
0,7
28 9,9
b
0,5
0,000
Geschlecht
männlich
weiblich
Signifikanz
266 15,6 0,2
262 14,3 0,2
0,015
692 13,2 0,1
673 12,6 0,1
0,032
162 15,0 0,2
183 14,6 0,2
0,038
53 12,4 0,3
60 12,0 0,3
0,208
Alter der Mutter
1 Jahr
2 Jahre
3 Jahre
> 4 Jahre
Signifikanz
12 15,1
a
0,7
151 15,5
a
0,3
126 14,8
a
0,3
239 14,6
a
0,2
0,594
44 12,4
a
0,4
301 12,9
a
0,2
275 12,9
a
0,2
745 13,1
a
0,1
0,021
27 14,6
a
0,5
83 15,6
a
0,3
88 14,1
a
0,3
147 14,9
a
0,2
0,200
-
-
-
9 11,4
a
0,7
12 11,8
a
0,6
92 12,5
a
0,3
0,113
Jahr
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
Signifikanz
26 16,3
a
0,6
49 14,4
b
0,5
56 14,3
bc
0,4
84 14,6
ab
0,3
49 15,7
ac
0,4
150 14,9
ab
0,3
114 15,2
ab
0,3
0,036
105 15,3
a
0,3
105 12,0
bc
0,3
213 12,7
b
0,2
121 12,5
bc
0,3
88 12,2
bc
0,3
426 13,2
b
0,2
307 12,3
c
0,2
0,000
38 16,6
a
0,4
33 16,0
ab
0,5
53 15,2
bd
0,4
10 16,7
abcd
0,8
-
-
-
110 14,3
bd
0,3
101 13,0
c
0,3
0,000
-
-
-
-
-
-
-
-
-
50 11,4
a
0,4
33 12,9
b
0,4
23 12,2
ab
0,5
7 12,9
b
0,8
0,254
Gesamt 528 14,9 0,1 1365 12,9 0,1 345 14,8 0,2 113 12,2 0,2

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 44
Tabelle 19:
Einfluss verschiedener Effekte auf die Lebenstagszunahme bis zum 30. Tag (g/Tag)
Effekt SKF
n
MW
SE
MFS
n
MW
SE
LES
n
MW
SE
MFS-BOO
n
MW
SE
Betrieb
Oberholz
Iden
Signifikanz
213 338 6
315 320 5
0,293
328 265 5
1037 281 4
0,851
entfällt entfällt
Geb./Aufz.typ
1/1
2/1
2/2
3/2
3/3
Signifikanz
98 390
a
8
47 340
b
12
333 302
b
5
32 280
bc
14
18 223
c
19
0,000
192 329
a
7
113 307
b
9
815 243
c
4
138 252
c
7
107 230
c
8
0,000
42 400
a
12
23 325
ab
15
207 307
b
7
47 284
b
12
26 279
b
14
0,023
15 324
a
16
-
-
-
60 261
b
10
10 264
abc
18
28 213
c
13
0,000
Geschlecht
männlich
weiblich
Signifikanz
266 341 6
262 314 6
0,142
692 282 4
673 268 4
0,193
162 324 7
183 324 7
0,213
53 265 10
60 263 9
0,470
Alter der Mutter
1 Jahr
2 Jahre
3 Jahre
> 4 Jahre
Signifikanz
12 345
a
22
151 350
a
8
126 323
a
8
239 311
a
6
0,347
44 251
a
12
301 276
a
6
275 276
a
6
745 280
a
4
0,108
27 329
ab
15
83 352
a
10
88 295
b
10
147 324
ab
8
0,027
-
-
-
9 237
a
20
12 262
a
17
92 269
a
8
0,149
Jahr
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
Signifikanz
26 342
abc
16
49 299
a
14
56 307
ac
12
84 320
abc
10
49 354
b
12
150 334
bc
9
114 334
abc
9
0,022
105 344
a
10
105 248
bc
10
213 262
b
7
121 267
bc
8
88 264
b
11
426 286
b
6
307 254
c
6
0,000
38 366
a
14
33 361
ab
15
53 336
ab
11
10 387
abc
24
-
-
-
110 312
b
10
101 271
c
9
0,000
-
-
-
-
-
-
-
-
-
50 238
a
11
33 291
b
12
23 260
ab
15
7 271
b
23
0,225
Gesamt
528 328 4 1365 275 3 345 324 5 113 264 7

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 46
Tabelle 20:
Korrigierte Mittelwerte für das Geburtsgewicht (kg) in Abhängigkeit von
Geburtstyp und Geschlecht
Rasse Geburtstyp männlich weiblich
SKF 1
2
3
4
6,0
5,3
4,7
-
5,8
4,9
4,2
-
MFS 1
2
3
4
5,9
4,8
4,1
3,3
5,2
4,6
4,1
3,4
LES 1
2
3
4
6,1
5,1
4,6
-
5,6
5,0
4,3
-
MFS-BOO 1
2
3
4
5,5
4,4
4,0
3,1
5,5
4,2
3,3
3,2
3.1.3 Schlussfolgerungen
Die Untersuchungen bestätigen, dass der Geburtstyp den größten Einfluss auf das Geburtsgewicht
ausübt. Die Festlegung von rassespezifischen Standardgeburtsgewichten für die Feldleistungsprü-
fung sollte deshalb mindestens nach Geburtstyp getrennt erfolgen. Dabei sollten Standardgewichte
nicht nur – wie in einigen Bundesländern üblich – für die Gruppen Einlinge und Zwillinge bzw. Ein-
linge und Mehrlinge festgelegt werden, sondern auch differenziert nach Drillingen und Vierlingen
(würde nur für sehr fruchtbare Rassen wie Milchschaf oder Rassen mit Booroola-Gen zutreffen).
Über eine Berücksichtigung des Geschlechts ist zu diskutieren, da die Unterschiede zwischen
männlichen und weiblichen Lämmern in den meisten Fällen zwar signifikant, in ihrer Höhe aber
geringer waren als die Unterschiede zwischen den Geburtstypen. Der Einfluss des Alters der Mut-
ter war ebenfalls relativ gering und gestaltete sich zum Teil nicht in der aus der Literatur bekannten
Form. Deshalb erscheint eine Berücksichtigung dieses Effektes nicht unbedingt erforderlich.
Zu prüfen ist in weiteren Untersuchungen die Möglichkeit, Rassen mit ähnlichem Leistungsniveau
zusammenzufassen. Nach den vorliegenden Ergebnissen wäre dies für die Rassen SKF und LES
sinnvoll.
Der Wachstumsverlauf bis zum 30. Tag wird am stärksten vom Geburts- und Aufzuchttyp beein-
flusst. Das Geschlecht spielt eine geringere Rolle und das Alter der Mutter ist für diese Betrach-
tungsweise ohne Bedeutung. Bei einer eventuellen Vorverlegung der Feldleistungsprüfung vom

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 47
100. auf den 60. Lebenstag ist mit einem stärkeren Einfluss des Geburts- und Aufzuchttyps auf das
Wachstum zu rechnen, der bei der Zuchtwertschätzung berücksichtigt werden sollte.
3.2.
Ergebnisse (Teil LfULG/SSZV)
3.2.1
Material und Methode, Versuchsanstellung
Untersuchungen in acht Herdbuchbetrieben in Sachsen (7) und Sachsen-Anhalt (1) unter Ein-
beziehung von sechs Intensivrassen (MLS, MFS, SKF, SUF, TEX, LES)
Datenbasis:
Ablammperiode 1:
Einbeziehung der Lämmer aller Mutterschafe, die im Zeit-
raum 1.12.2006 –30.6.2007 ablammten
Ablammperiode 2:
Einbeziehung der Lämmer aller Mutterschafe, die im Zeit-
raum 1.7.2007 – 31.3.2008 ablammten
Erfassung der geborenen Lämmer (Abstammung, Geburtstyp, Geschlecht), Kennzeichnung
und Ermittlung der Geburtsgewichte (Schaf haltende Betriebe)
Erfassung der Gewichte am 61. Lebenstag (+/- 3 Lebenstage) durch Schaf haltende Betriebe
und z. T. SSZV
Erfassung der Gewichte am 101. Lebenstag (+/- 3 Lebenstage) durch Schaf haltende Betriebe
und z. T. SSZV
Aufbereitung der erhobenen Daten in einer Datenbank als Vorbereitung für die Auswertung
(SSZV)
Abgleich mit den Herdbuchdaten zu den einbezogenen Tieren in Sachsen (SSZV)
Schlachtkörperbewertung und -zerlegung von ca. 1 % der gewogenen Lämmer, die exempla-
risch einer Testschlachtung unterzogen wurden (LfULG)
Auswertung der erhobenen Daten, Vorschläge für die zukünftige Gestaltung der Feldleistungs-
prüfung beim Schaf
3.2.2 Datenbasis der Ablammperioden 1 (12/2006 - 6/2007) und 2 (7/2007 - 3/2008)
Im Rahmen
der durchgeführten Untersuchungen in den fünf Schaf haltenden Betrieben Sachsens,
den beiden Lehr- und Versuchsguten Sachsens sowie der LLFG Sachsen-Anhalt konnten die Da-
ten der nachfolgend dargestellten Tiere in die Auswertung einbezogen werden (Tab. 21 – Tab. 23
sowie Abb. 4).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 48
Tabelle 21:
Datenbasis SN bzw. ST nach Rasse, Geschlecht, Standort
Kriterium
Rasse Standort
GESCHLECHT
Anzahl
einbezogene
Lämmer
SN, Anzahl nach Rassen, Standort und Geschlecht
00
SN00006
1
230
00
SN00006
2
216
00
SN00011
1
14
00
SN00011
2
13
00
SN00015
1
208
00
SN00015
2
218
01
SN01002
1
105
01
SN01002
2
84
01
SN01002
3
3
01
SN01006
1
91
01
SN01006
2
80
01
SN01021
1
22
01
SN01021
2
23
05
SN05004
1
67
05
SN05004
2
54
05
SN05004
3
2
05
SN05011
1
53
05
SN05011
2
55
05
SN05017
1
192
05
SN05017
2
169
07
SN07002
1
6
07
SN07002
2
18
07
SN07004
1
24
07
SN07004
2
21
08
SN08010
1
85
08
SN08010
2
82
08
SN08014
1
62
08
SN08014
2
65
100
SN05017
23
100
SN05017
1
329
100
SN05017
2
336
100
SN07004
1
9
100
SN07004
2
7
100
SN08010
1
1
100
SN08010
2
1
SN, Anzahl nach Rassen
00
Merinolandschaf
899
01
Merinofleischschaf
408
05
Schwarzköpfiges Fleischschaf
592
07
Texel
69
08
Suffolk
294
100
Kreuzungen
706
SN, Anzahl Lämmer gesamt
2968
Iden, Anzahl nach Rassen, Standort und Geschlecht
01
SA01070
1
368
01
SA01070
2
313
05
SA05010
1
102
05
SA05010
2
80
10
SA10001
1
128
10
SA10001
2
103
Iden, Anzahl nach Rassen
01
Merinofleischschaf
681
05
Schwarzköpfiges Fleischschaf
182
10
Leineschaf
231
Iden, Anzahl Lämmer gesamt
1094
SN+Iden, Anzahl Lämmer gesamt
4062

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 49
Tabelle 22:
Datenbasis gesamt nach Züchtern und Rassen
Im Rahmen der Untersuchungen des FuE-Projektes konnten insgesamt 4.062 geborene Lämmer
einbezogen werden. Die Verteilung auf die untersuchten Rassen ist in Abb. 4 ersichtlich. Dabei ist
festzustellen, dass die zahlenmäßig bedeutsamsten Wirtschaftsschafrassen in Sachsen mit einen
beachtlichen Stichprobenumfang zwischen 744 und 1.089 Lämmern erreichen. Dieser lässt auch
vertiefende Auswertungen zu.
Standort
Züchter
Rasse Code
Rasse
geprüfte Lämmer
SN01002
LVG Köllitsch
01
Merinofleischschaf
192
SN05004
LVG Köllitsch
05
Schwarzköpfiges Fleischschaf
123
SN07002
LVG Köllitsch
07
Texel
24
SN01006
LVG Oberholz
01
Merinofleischschaf
171
SN01021
LVG Oberholz
01
Merinofleischschaf
45
SN05011
LVG Oberholz
05
Schwarzköpfiges Fleischschaf
108
SN00011
Schneider
00
Merinolandschaf
27
SN07004
Schneider
07
Texel
61
SN00006
Scholz
00
Merinolandschaf
446
SN05017
Strehlitz
05
Schwarzköpfiges Fleischschaf
1049
SN00015
Wabnitz
00
Merinolandschaf
426
SN08010
Wabnitz
08
Suffolk
169
SN08014
Weber
08
Suffolk
127
nach Rassen:
00
Merinolandschaf
899
01
Merinofleischschaf
408
05
Schwarzköpfiges Fleischschaf
592
07
Texel
69
08
Suffolk
294
100
Kreuzungen
706
Sachsen gesamt:
2968
LVG Iden
01
Merinofleischschaf
681
LVG Iden
05
Schwarzköpfiges Fleischschaf
182
LVG Iden
10
Leineschaf
231
Iden gesamt:
1094
Sachsen und Iden 2007+2008 gesamt:
4062

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 50
Abbildung 4:
Einbezogene Lämmer der Ablammperioden 2006/07 und 2007/08
3.2.3 Datenbasis zu den Geburtsgewichten 2002 - 2008
Über den
Prüfumfang im Mehrländerprojekt (FuE-Projekt) hinaus konnten in die Auswertung noch
Geburtsgewichte einbezogen werden, die durch das Albrecht-Daniel-Thaer-Institut für Agrarwis-
senschaften e.V. an der Universität Leipzig (ADT) im Rahmen früherer Forschungsarbeiten im LVG
Oberholz und der LLG (Zentrum für Tierhaltung und Technik Iden) erhoben wurden (vgl. Kapitel
3.1.). Zusammengefasst ist die Datenbasis in Tabelle 23 dargestellt.
Für alle einbezogenen Lämmer wurden dabei Standort, Rasse, Geschlecht und Geburtstyp erfasst,
sodass nach diesen Kriterien zahlreiche Auswertungen möglich sind.
0
200
400
600
800
1000
1200
Anzahl Lämmer
MLS
MFS
SKF
TEX
SUF
LES
KRZ
geprüfte Lämmer 2007 und 2008 - nach Rassen
Iden
SN

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 51
Tabelle 23:
Datenbasis Geburtsgewichte der Jahre 2002 - 2008
3.2.4 Ergebnisse der Untersuchungen im Rahmen zu Geburtsgewichten, 60-Tage- und 100-
Tage-Gewichte
3.2.4.1 Geburtsgewichte
Im Folgenden
werden zunächst die im Rahmen des FuE-Projektes für die Ablammperioden
2006/07 und 2007/08 für Sachsen und Iden dargestellt. Die Einbeziehung der zusätzlichen Ge-
burtsgewichte für die Jahre 2002 bis 2006 erfolgt unter Kapitel 3.3.2.
Kriterium
Rasse
Geschlecht
Anzahl
ADT nach Rassen bis 2006
01
942
05
363
10
187
ADT bis 2006 gesamt
1492
FE-Projekt nach Rassen ab 2006
00
680
01
923
05
708
07
69
08
259
10
202
100
676
FE-Projekt ab 2006 gesamt
3517
Geburtsgewichte gesamt nach Rasse, Geschlecht
00
1
327
00
2
353
01
1
952
01
2
910
01
3
3
05
1
556
05
2
513
05
3
2
07
1
30
07
2
39
08
1
133
08
2
126
10
1
194
10
2
195
100
1
336
100
2
340
Geburtsgewichte gesamt nach Rasse
00
680
01
1865
05
1071
07
69
08
259
10
389
100
676
Geburtsgewichte gesamt
5009

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 52
Tabelle 24:
Geburtsgewichte Sachsen 2006/07 und 2007/08
Kriterium
Rasse Geschlecht Geburtstyp Anzahl
Mittelwert von LM
Geburt
nach Rasse, Geschlecht und Geburtstyp
00
1
E
102
6,8
00
1
Z
214
5,5
00
1
D
11
4,6
00
2
E
104
6,5
00
2
Z
241
5,3
00
2
D
8
4,6
01
1
E
33
5,6
01
1
Z
118
4,7
01
1
D
37
4,1
01
1
V
8
3,0
01
1
F
4
2,6
01
2
E
24
5,3
01
2
Z
103
4,4
01
2
D
36
3,8
01
2
V
14
2,7
01
2
F
1
2,0
01
3
E
1
5,0
01
3
Z
1
4,5
01
3
D
1
3,4
05
1
E
97
5,8
05
1
Z
186
5,0
05
1
D
7
4,1
05
2
E
78
5,5
05
2
Z
171
4,7
05
2
D
14
4,1
05
3
Z
2
5,1
07
1
E
13
6,0
07
1
Z
15
5,2
07
1
D
2
6,0
07
2
E
18
5,1
07
2
Z
20
4,7
07
2
D
1
4,0
08
1
E
44
6,4
08
1
Z
83
5,1
08
1
D
6
4,2
08
2
E
51
6,0
08
2
Z
72
4,9
08
2
D
3
4,3
Kreuzungen
100
E
1
5,3
100
1
E
108
5,9
100
1
Z
217
5,3
100
1
D
11
4,7
100
2
E
132
5,8
100
2
Z
200
5,1
100
2
D
7
4,6
nach Rasse und Geschlecht
00
1
327
5,9
00
2
353
5,6
01
1
200
4,6
01
2
178
4,3
01
3
3
4,3
05
1
290
5,2
05
2
263
4,9
05
3
2
5,1
07
1
30
5,6
07
2
39
4,8
08
1
133
5,5
08
2
126
5,3
100
1
5,3
100
1
336
5,5
100
2
339
5,4
nach Rasse
00
680
5,7
01
381
4,5
05
555
5,1
07
69
5,2
08
259
5,4
100
676
5,4
SN gesamt
2620
5,3

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 53
Innerhalb des Untersuchungszeitraums konnten die Geburtsgewichte von 2.620 Lämmern ermittelt
werden, darunter 1.316 männliche (Code 1), 1.298 weibliche (Code 2) und fünf Zwitter (Code 3),
bei einem Lamm fehlt die Zuordnung des Geschlechtes. Alle geborenen Lämmer konnten einem
Geburtstyp zugeordnet werden, so wurden 806 Einlinge, 1.643 Zwillinge, 144 Drillinge, 22 Vierlinge
und fünf Fünflinge geboren, von denen das Geburtsgewicht erfasst wurde (Tabelle 24). Die prozen-
tuale Verteilung der Ablammungen auf die Geburtstypen im Rahmen des FuE-Projektes zeigt
Abb. 5.
Abbildung 5:
Prozentuale Verteilung der Ablammungen auf die Geburtstypen
(SN 2006 - 2008)
Hinsichtlich der Auswertung der Geburtsgewichte nach Rassen fällt auf, dass die MLS-Lämmer mit
5,7 kg deutlich die höchsten Gewichte aufweisen, gefolgt von der Lämmern der Rasse Suffolk und
den Kreuzungslämmern mit jeweils 5,4 kg. Bei den Kreuzungslämmern handelt es sich zum über-
wiegenden Teil um Lämmer aus MLS-Muttern, die mit SKF-Bock angepaart wurden. Zwischen den
Texel-Lämmern (5,2 kg) und den SKF-Lämmern (5,1 kg) gibt es kaum nennenswerte Unterschiede.
Die Lämmer der Rasse MFS, die während der Untersuchungsperiode in Sachsen geboren wurden,
weisen mit 4,5 kg dagegen deutlich niedrigere Geburtsgewichte auf. Bei dieser Betrachtung ist
allerdings zu berücksichtigen, dass der Anteil von den Mehrlingsgeburten bei den Merinofleisch-
schafen mit 71 % deutlich höher liegt als im Mittel aller untersuchten Ablammungen (51 %).
Ablammungen in Sachsen nach Geburtstypen
47,9%
48,8%
0,3%
2,9%
0,1%
Einllingsgeburt
Zwillingsgeburt
Drillingsgeburt
Vierlingsgeburt
Fünflingsgeburt

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 54
Eine detaillierte Interpretation der Untersuchungen zum Geburtsgewicht unter Einbeziehung von
Rasse, Geschlecht und Geburtstyp soll allerdings unter Kapitel 3.3.2 vorgenommen werden, wenn
die Gesamtstichprobe analysiert wird.
Nachfolgend werden in Tabelle 25 noch die Geburtsgewichte, die im Zentrum für Tierhaltung und
Technik Iden während der Ablammperioden 2006/07 und 2007/08 erhoben wurden, dargestellt.
Hier wurden neben den auch in Sachsen untersuchten Rassen MFS und SKF zusätzlich Tiere der
Rasse Leineschaf (LES) einbezogen. Zu bemerken ist dabei, dass es sich in Iden um Leineschafe
handelt, die als Wirtschaftsrasse gehalten werden. Im Unterschied dazu sind die im Herdbuch des
SSZV geführten Leineschafe dem „ursprünglichen Typ“ (LEU) zuzuordnen und zählen zu den
Landschafrassen.
Tabelle 25:
Geburtsgewichte Iden 2006/07 und 2007/08
Kriterium
Rasse
Geschlecht Geburtstyp
Anzahl
Mittelwert von LM
Geburt
Iden, nach Rasse, Geschlecht, Geburtstyp
01
1
E
45
5,2
01
1
Z
195
4,8
01
1
D
43
4,2
01
2
E
37
5,1
01
2
Z
184
4,7
01
2
D
38
4,2
05
1
E
20
5,3
05
1
Z
61
5,2
05
1
D
6
4,6
05
2
E
15
5,6
05
2
Z
47
4,8
05
2
D
4
4,0
10
1
E
12
5,7
10
1
Z
66
5,0
10
1
D
28
4,4
10
1
V
1
5,0
10
2
E
8
4,6
10
2
Z
64
4,9
10
2
D
22
4,2
10
2
V
1
5,0
Iden, nach Rasse, Geschlecht
01
1
283
4,8
01
2
259
4,7
05
1
87
5,2
05
2
66
5,0
10
1
107
4,9
10
2
95
4,7
Iden, nach Rasse
01
542
4,7
05
153
5,1
10
202
4,8
Iden, alle
897
4,8
SN gesamt
2620
5,3
SN+Iden gesamt
3517
5,2

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 55
Innerhalb des Untersuchungszeitraums konnten in Iden die Geburtsgewichte von 897 Lämmern
ermittelt werden, darunter 477 männliche und 420 weibliche. Alle geborenen Lämmer konnten
einem Geburtstyp zugeordnet werden, so wurden 137 Einlinge, 617 Zwillinge, 141 Drillinge und
zwei Vierlinge geboren, von denen das Geburtsgewicht erfasst wurde. Die prozentuale Verteilung
der Ablammungen auf die Geburtstypen wird stark vom hohen Anteil untersuchter MFS-Tiere be-
stimmt. So waren 27,8 % Einlingsgeburten und 72,2 % Mehrlingsgeburten (dar. 62,6 % Zwillings-,
9,5 % Drillings- und 0,1 % Vierlingsgeburten) zu verzeichnen. Diese Ergebnisse sind daher mit den
separaten Aussagen für die Rasse MFS in Sachsen vergleichbar.
Auch die ermittelten Geburtsgewichte nach Rassen weichen für die MFS mit 4,7 kg bzw. für die
SKF mit 5,1 kg nicht wesentlich von den sächsischen Mittelwerten ab und lassen folgende Erkennt-
nisse zu:
Insgesamt wurden im Rahmen des FuE-Projektes in Sachsen und Sachsen-Anhalt für die
Ablammperioden 2006/07 und 2007/08 die Geburtsgewichte von 3.517 Lämmern erfasst.
Dabei handelt es sich um 1.793 männliche und 1.718 weibliche Lämmer.
Es wurden 2.841 Lämmer von sechs Wirtschaftsrassen in die Untersuchung einbezogen so-
wie 676 Kreuzungslämmer (vorwiegend MLS x SKF).
43 % der Ablammungen waren Einlingsgeburten, 52 % Zwillingsgeburten und 5 % Mehrlings-
geburten mit 3, 4 oder 5 Lämmern.
Das durchschnittliche Geburtsgewicht der Lämmer betrug 5,2 kg und lag damit im Rahmen
der unter Punkt 3.2 vorgestellten Ergebnisse. Diese Daten, die ja in zwei der auch aktuell un-
tersuchten Betriebe gewonnen wurden, fließen nachfolgend in die Gesamtstichprobe ein, so-
dass von einer ausreichenden Homogenität der Daten ausgegangen werden kann.
Bereits jetzt ist festzustellen, dass die aktuell ermittelten Daten für die vergleichbaren Rassen
deutlich über den unter Punkt 2.1 dargestellten historischen Geburtsgewichten liegen (mit
Ausnahme der MFS-Lämmer).
3.2.4.2
Geburtsgewichte - Gesamtstichprobe
Wie
in Tabelle 26 dargestellt, wurden in die nachfolgenden Auswertungen insgesamt 5.009 Läm-
mer einbezogen, darunter 2.528 männliche (Code 1), 2.476 weibliche (Code 2) sowie fünf Zwitter
(Code 3).
Die rassenmäßige Verteilung der einbezogenen Lämmer zeigt Abbildung 6: Aufgrund der
Einbezie-
hung der Lämmer früherer Untersuchungen machen die Merinofleischschaf-Lämmer mit 1.865 den
größten Teil der Stichprobe aus (37,2 %). Aber auch die Rassen Merinolandschaf, Schwarzköpfi-
ges Fleischschaf und Leineschaf bieten mit ca. 700 bis 400 untersuchten Lämmern einen ausrei-
chenden Stichprobenumfang für gesicherte Ergebnisse. Es wurden darüber hinaus 259 Suffolk-
bzw. 69 Texel-Lämmer einbezogen, diese rassenmäßige Verteilung spiegelt (mit Ausnahme der

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 56
MFS, die einen deutlichen geringeren Anteil annehmen) auch annähernd die Rassenanteile unter
den Wirtschaftsrassen in den Herdbüchern des SSZV wider.
Abbildung 6:
Anzahl untersuchter Lämmergeburtsgewichte nach Rassen
(Gesamtstichprobe)
Tabelle 26:
Geburtsgewichte Gesamtstichprobe nach Rasse und Geschlecht
Kriterium
Rasse
Geschlecht Geburtstyp
Anzahl
Mittelwert von LM
Geburt
gesamt, nach Rasse und Geschlecht MLS
1
327
5,9
MLS
2 353
5,6
MFS
1 952
4,7
MFS
2 910
4,5
MFS
33
4,3
SKF
1 556
5,2
SKF
2 513
4,9
SKF
32
5,1
TEX
1 30
5,6
TEX
2 39
4,8
SUF
1 133
5,5
SUF
2 126
5,3
LES
1 194
5,1
LES
2 195
4,9
KRZ
1 336
5,5
KRZ
2 340
5,4
gesamt, nach Rasse
MLS
680
5,7
MFS
1865
4,6
SKF
1071
5,1
TEX
69
5,2
SUF
259
5,4
LES
389
5,0
KRZ
676
5,4
Gesamtstichprobe
5009
5,1
680
1865
1071
69
259
389
676
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
2000
MLS
MFS
SKF
TEX
SUF
LES
KRZ
Anzahl untersuchter Lämmergeburtsgewichte nach Rassen

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 57
Zusammenfassend lassen sich aus der vorliegenden Tabelle 26 sowie aus Abb. 6 zunächst folgen-
de Aussagen ableiten:
Die höchsten Geburtsgewichte weisen mit 5,7 kg die MLS-Lämmer auf, gefolgt von den
SUF-Lämmern und den Kreuzungslämmern (überwiegend MLS-Mutter x SKF-Bock) mit
jeweils 5,4 kg.
Die Lämmer der Rassen TEX (5,2 kg), SKF (5,1 kg) sowie LES (5,0 kg) liegen auf annä-
hernd gleichem Niveau.
Deutlich fallen bei dieser Betrachtungsweise der MFS-Lämmer mit 4,6 kg ab, was jedoch
in erster Linie durch den wesentlich höheren Anteil von Mehrlingsgeburten zu begründen
sein könnte.
Betrachtet man die Unterschiede zwischen den Geschlechtern innerhalb einer Rasse, so
bestätigt sich, dass die männlichen Lämmer bei fast allen Rassen 0,2 kg schwerer sind
(MLS: 0,3 kg) als die weiblichen Lämmer.
Eine Ausnahme bildet dabei die Rasse TEX, hier waren die männlichen Lämmer mit
5,6 kg um 0,8 kg schwerer als die weiblichen Lämmer. Allerdings lässt die geringe Stich-
probe bei dieser Rasse mit insgesamt nur 69 einbezogenen Lämmern keine Verallgemei-
nerungen zu.
Bevor aus diesen Daten Richtwerte abgeleitet werden können, ist es zwingend notwendig,
die Stichprobe noch hinsichtlich der Geburtstypen zu analysieren.
Abbildung 7:
Geburtsgewichte nach Rassen und Geschlecht (Gesamtstichprobe)
Geburtsgewichte nach Rassen und Geschlecht
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
ml wbl ml wbl ml wbl ml wbl ml wbl ml wbl ml wbl
MLS
MFS
SKF
TEX
SUF
LES
KRZ
Geburtsgewichte (kg)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 58
Tabelle 27:
Geburtsgewichte Gesamtstichprobe nach Rasse, Geschlecht und Geburts-
typ
Kriterium
Rasse
Geschlecht Geburtstyp
Anzahl
Mittelwert von LM
Geburt
gesamt, nach Rasse, Geschlecht, Geburtstyp MLS
1
E
102
6,8
MLS
1 Z 214
5,5
MLS
1 D 11
4,6
MLS
2 E 104
6,5
MLS
2 Z 241
5,3
MLS
2 D 8
4,6
MFS
1 E 145
5,5
MFS
1 Z 595
4,8
MFS
1 D 189
4,1
MFS
1 V 19
2,9
MFS
1 F 4
2,6
MFS
2 E 112
5,2
MFS
2 Z 580
4,7
MFS
2 D 189
3,9
MFS
2 V 28
3,1
MFS
2 F 1
2,0
MFS
3 E 1
5,0
MFS
3 Z 1
4,5
MFS
3 D 1
3,4
SKF
1 E 158
5,8
SKF
1 Z 363
5,0
SKF
1 D 35
4,5
SKF
2 E 117
5,6
SKF
2 Z 350
4,8
SKF
2 D 46
4,2
SKF
3 Z 2
5,1
TEX
1 E 13
6,0
TEX
1 Z 15
5,2
TEX
1 D 2
6,0
TEX
2 E 18
5,1
TEX
2Z 20
4,7
TEX
2 D 1
4,0
SUF
1 E 44
6,4
SUF
1 Z
83
5,1
SUF
1 D 6
4,2
SUF
2 E 51
6,0
SUF
2 Z 72
4,9
SUF
2 D 3
4,3
LES
1 E 23
6,0
LES
1Z 129
5,2
LES
1D 41
4,4
LES
1 V 1
5,0
LES
2 E 23
5,2
LES
2 Z 132
5,0
LES
2D 39
4,4
LES
2 V 1
5,0
Kreuzungen
KRZ
1 E 108
5,9
KRZ
1 Z 217
5,3
KRZ
1 D 11
4,7
KRZ
2 E 133
5,8
KRZ
2 Z 200
5,1
KRZ
2D7
4,6

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 59
Die Geburtsgewichte sollen in den nachfolgenden Abbildungen zunächst innerhalb einer Rasse
nach Geburtstypen dargestellt werden. Die Zwitter (Code 3), die bei MFS und SKF geboren wur-
den, bleiben in diesen Übersichten unberücksichtigt.
Geburtsgewichte MLS
6,8
5,5
4,6
6,5
5,3
4,6
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
8,0
EZDE ZD
ml
wbl
MLS
Geburtsgewichte (kg)
Abbildung 8:
Geburtsgewichte Merinolandschaf nach Geburtstyp
Geburtsgewichte MFS
5,5
4,8
4,1
2,9
2,6
5,2
4,7
3,9
3,1
2,0*
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
EZDVFEZDVF
ml
wbl
MFS
Geburtsgewichte (kg)
* Einzelw ert
Abbildung 9:
Geburtsgewichte Merinofleischschaf nach Geburtstyp

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 60
Geburtsgewichte SKF
5,8
5,0
4,5
5,6
4,8
4,2
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
EZDEZD
ml
wbl
SKF
Geburtsgewichte (kg)
Abbildung 10:
Geburtsgewichte Schwarzköpfiges Fleischschaf nach Geburtstyp
Geburtsgewichte TEX
6,0
5,2
5,1
4,7
6,0**
4,0*
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
EZDEZD
ml
wbl
TEX
Geburtsgewichte (kg)
* Einzelwert
** nur 2 Lämmer
Abbildung 11:
Geburtsgewichte Texel nach Geburtstyp

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 61
Geburtsgewichte SUF
6,4
5,1
4,2
6,0
4,9
4,3
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
EZ D E Z D
ml
wbl
SUF
Geburtsgewichte (kg)
Abbildung 12:
Geburtsgewichte Suffolk nach Geburtstyp
Geburtsgewichte LES
6,0
5,2
4,4
5,2
5,0
4,4
5,0*
5,0*
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
EZDVEZDV
ml
wbl
LES
Geburtsgewichte (kg)
* Einzelw ert
Abbildung 13:
Geburtsgewichte Leineschaf nach Geburtstyp

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 62
Geburtsgewichte Kreuzungslämmer
5,9
5,3
4,7
5,8
5,1
4,6
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
E Z D EZ D
ml
wbl
KRZ
Geburtsgewichte (kg)
Abbildung 14:
Geburtsgewichte Kreuzungslämmer nach Geburtstyp
Betrachtet man die Geburtsgewichte hinsichtlich der einzelnen Geburtstypen, sind folgende Aussa-
gen zu treffen:
Die Rassen mit den höchsten Geburtsgewichten (MLS und SUF) weisen bei Einlingen
Geburtsgewichte von über 6 kg sowohl bei den männlichen als auch den weiblichen
Lämmern auf.
Bei diesen beiden Rassen ist die Differenz zwischen Einlingen und Zwillingen mit jeweils
1,3 kg (männliche Lämmer) bzw. 1,2 kg (weibliche Lämmer) deutlich höher als bei den
Rassen mit niedrigeren Geburtsgewichten.
Sowohl die anderen Rassen als auch die Kreuzungslämmer weisen wesentlich geringere
Differenzen hinsichtlich der Geburtsgewichte von Einlingen und Zwillingen auf. Diese lie-
gen zwischen 0,2 kg (LES weiblich) und 0,9 kg (LES männlich) zugunsten der Einlinge.
Die Betrachtung der entsprechenden Mittelwerte lässt den Schluss zu, dass es einen Zu-
sammenhang zwischen Einlingsgewicht und Differenz des Einlingsgewichtes zu den Zwil-
lingsgewichten der jeweiligen Rasse gibt.
Die Differenzen zwischen den Geburtsgewichten von Zwillingen im Vergleich zu den Dril-
lingen der entsprechenden Rasse liegen zwischen 0,5 kg (Kreuzungslämmer weiblich)
und 0,9 kg (MLS und SUF männlich) und weisen damit wesentlich geringere Schwan-
kungsbreiten auf.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 63
Zusammengefasst werden die Geburtsgewichte für die Rassen in Tabelle 28 nochmals nach Ein-
lingen und Mehrlingen, wobei bei den Mehrlingen nur die Zwillinge und Drillinge einbezogen wur-
den. Grafisch wird das in Abbildung 15 dargestellt.
Tabelle 28:
Geburtsgewichte nach Rasse, Geschlecht und Geburtstyp (Einling/
Mehrling)
Geburtsgewichte nach Rassen und Geburtstyp
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
8,0
ml wbl ml wbl ml wbl ml wbl ml wbl ml wbl ml wbl
MLS
MFS
SKF
TEX
SUF
LES
KRZ
Geburtsgewichte (kg)
Einling
Mehrling (Zwillinge und
Drillinge)
Abbildung 15:
Geburtsgewichte nach Rassen und Geburtstyp
Rasse
Geschlecht
Einling
Mehrling
(Zwillinge und Drillinge)
MLS
ml
6,8
5,5
wbl
6,5
5,2
MFS
ml
5,5
4,6
wbl
5,2
4,5
SKF
ml
5,8
5,0
wbl
5,6
4,7
TEX
ml
6,0
5,3
wbl
5,1
4,6
SUF
ml
6,4
5,0
wbl
6,0
4,9
LES
ml
6,0
5,2
wbl
5,0
4,8
KRZ
ml
5,9
5,2
wbl
5,8
5,1
Geburtsgew icht (kg)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 64
3.3.4.3 Statistische Auswertung der Geburtsgewichte
Die
statistische Auswertung der Geburtsgewichte erfolgte mittels Varianzanalyse. Wegen der ge-
ringen Häufigkeit von Vierlingen (49 Lämmer) und Fünflingen (fünf Lämmer) wurden diese mit zur
Gruppe der Drillinge hinzugerechnet, sodass sich für den Geburtstyp insgesamt drei Kategorien
ergaben. Für die Auswertung wurde folgendes Modell einschließlich aller möglichen Wechselwir-
kungen benutzt:
Y
ijkl
=
μ
+ R
i
+ GT
j
+ G
k
+ e
ijkl
Y
ijkl
- Beobachtungswert des
ijkl
–ten Tieres
μ
- Populationsmittel
R
i
- Rasse
GT
j
- Geburtstyp
G
k
- Geschlecht
e
ijkl
- Restfehler
Die Ergebnisse der Varianzanalyse sind in Tab. 29 dargestellt. Demnach übten Rasse, Geschlecht
und Geburtstyp einen hochsignifikanten Einfluss auf das Geburtsgewicht aus. Der Wert „partielles
Eta-Quadrat“ gibt den Anteil an der Gesamtvarianz wieder, der auf den entsprechenden Einfluss-
faktor zurückzuführen ist. Er zeigt, dass der Geburtstyp den weitaus größten Einfluss ausübte,
gefolgt von der Rasse. Außerdem bestand eine signifikante Wechselwirkung zwischen Rasse und
Geburtstyp, die besagt, dass die Unterschiede zwischen den Geburtstypen nicht in allen Rassen
gleich groß bzw. Rassendifferenzen bei den einzelnen Geburtstypen unterschiedlich sind.
Tabelle 29:
Ergebnisse der Varianzanalyse für das Geburtsgewicht
Variations-
ursache
Quadrat-
summe
Freiheits-
grade
Mittel der
Quadrate
F
Signifi-
kanz
partielles Eta-
Quadrat
Rasse (R)
157,5
6
26,3
34,1
,000
,040
Geschlecht (G) 16,5 1 16,5 21,5 ,000 ,004
Geburtstyp (GT) 317,3 2 158,6 206,2 ,000 ,077
R * G
5,9
6
1,0
1,3
,258
,002
R * GT
60,1 12 5,0 6,5 ,000 ,015
G * GT
2,8
2
1,4
1,8
,161
,001
R * GT * G
7,8
12
0,6
0,8
,605
,002
Restfehler 3814,3 4958 0,8
Gesamt 133719,8 5000
Signifikanz: P≤ 0,05

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 65
Die LSQ-Mittelwerte für die einzelnen Rassen in Tab. 30 liegen mit Ausnahme der MFS über den in
der Literatur mitgeteilten Werten, die meist aus älteren Quellen stammen. Dies lässt vermuten,
dass die stattgefundene Selektion auf Wachstum auch indirekt eine Erhöhung des Geburtsgewichts
bewirkte. Paarweise Vergleiche zwischen den Rassen mit dem Tukey-Test ergaben, dass folgende
Rassengruppen sich signifikant unterscheiden:
Gruppe 1: MFS
Gruppe 2: SKF, TEX, LES
Gruppe 3: SUF, KRZ
Gruppe 4: MLS
Innerhalb der Gruppen 2 und 3 bestanden keine signifikanten Rassendifferenzen, sodass für diese
jeweils ein einheitliches Geburtsgewicht angenommen werden könnte.
Einlinge hatten im Vergleich zu Zwillingen ein um 0,8 kg bzw. 14 % höheres Geburtsgewicht. Dies
entspricht etwa den aus anderen Untersuchungen bekannten Werten. Im Durchschnitt der aus
Deutschland ausgewerteten Literatur ergab sich eine Differenz von 1,0 kg bzw. 20 %, aus der in-
ternationalen Literatur ein Wert von 0,9 kg bzw. 16 %. Beim Vergleich zwischen Einlingen und
Drillingen bis Fünflingen stiegen die Gewichtsdifferenzen um fast das Doppelte an und betrugen 1,4
kg bzw. 24 %. Drillinge wurden nur von wenigen anderen Autoren in Deutschland untersucht. Sie
waren den Einlingen um durchschnittlich 1,8 kg bzw. 35 % unterlegen. Arbeiten aus anderen Län-
dern ergaben Differenzen von 1,6 kg bzw. 28 %.
Tabelle 30:
LSQ-Mittelwerte und Standardfehler (s. e.) für das Geburtsgewicht (kg)
Variationsursache LSQ s.e.
Rasse
MLS
MFS
SKF
TEX
SUF
LES
KRZ
5,5
d
4,7
a
5,0
b
5,1
b
5,1
c
5,0
b
5,2
c
0,07
0,02
0,04
0,19
0,11
0,06
0,07
Geburtstyp
E
Z
D-F
5,8
a
5,0
b
4,4
c
0,04
0,03
0,10
Geschlecht
männlich
weiblich
5,3
a
4,9
b
0,04
0,06
abc
mit unterschiedlichen Buchstaben gekennzeichnete Mittelwerte unterscheiden sich signifikant, Tukey-Test,
P
<
0,05

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 66
In Tab. 31 sind die Wechselwirkungen zwischen Rasse und Geburtstyp näher dargestellt. Dabei
ergaben sich auch innerhalb einer Rasse jeweils signifikante Differenzen zwischen den Geburtsty-
pen. Die einzige Ausnahme bildeten die Texel-Schafe, bei denen die Gruppe der Drillinge bis Fünf-
linge sich nicht signifikant von den anderen Geburtstypen unterschied, was sicher auf den geringen
Stichprobenumfang bei dieser Rasse zurückzuführen ist.
Die Gewichtsdifferenzen zwischen den Geburtstypen waren für die einzelnen Rassen zum Teil sehr
unterschiedlich. So variierten die Differenzen zwischen Einlingen und Zwillingen von 0,5 bis 1,2 kg.
Dabei bestätigte sich der bereits vermutete Zusammenhang, wonach bei Rassen mit hohem Ge-
burtsgewicht der Einlinge auch höhere Gewichtsdifferenzen zwischen den Geburtstypen auftreten.
Um dies genauer zu prüfen, wurden für jede Rasse – unterteilt nach den jeweiligen Standorten –
die entsprechenden Gewichte bzw. Gewichtsdifferenzen berechnet. Hierbei korrelierte das Ein-
lingsgewicht signifikant mit der Differenz zu den Zwillingen in Höhe von r = 0,69 (es wurden nur
Datensätze einbezogen, bei denen die Anzahl der Zwillinge >
25 war, dies war die kleinste Einheit
um Zwillinge zusammenzufassen). Die Korrelation zwischen Einlingsgewicht und Gewichtsdifferenz
zur Gruppe der Drillinge bis Fünflinge betrug r = 0,52, war jedoch nicht statistisch gesichert. Die an
diesem Datenmaterial gefundene Abhängigkeit der Differenzen zwischen den Geburtstypen vom
jeweiligen Leistungsniveau der Rasse bestätigte sich auch in der Literatur. Eine Auswertung der
dazu verfügbaren Daten aus deutschen und internationalen Quellen (Basis arithmetisches Mittel
aus verschiedenen Quellen) ergab eine Korrelation zwischen Geburtsgewicht der Einlinge und
Gewichtsdifferenz zu den Zwillingen von ca. 0,5. Die entsprechende Korrelation für die Gewichtsdif-
ferenz zu den Drillingen lag bei 0,69.
Innerhalb der einzelnen Geburtstypen war der Rasseneinfluss ebenfalls signifikant. Einlinge und
Zwillinge bei MLS wiesen die im Vergleich zu allen anderen Rassen höchsten Geburtsgewichte auf.
In der Gruppe der Drillinge bis Fünflinge war diese Überlegenheit der MLS jedoch nicht mehr
nachweisbar. Die geringsten Mittelwerte bei allen drei Geburtstypen wurden zwar für die MFS er-
rechnet, jedoch unterschieden sie sich nicht signifikant wie in Tab. 30 zu sämtlichen anderen Ras-
sen.
Anhand dieser Ergebnisse ist die Bildung der vier Rassengruppen mit jeweils ähnlichen Geburts-
gewichten, wie sie aus Tab. 30 abgeleitet wurden, nur bedingt nachvollziehbar. Am ehesten bestä-
tigt sich die Abgrenzung der MLS von allen anderen Rassen. Andererseits ist zu berücksichtigen,
dass durch die Aufsplittung des Datenmaterials nach Rasse und Geburtstyp auch der Stichproben-
umfang in den Untergruppen stark reduziert wird und damit die Wahrscheinlichkeit, signifikante
Unterschiede nachzuweisen, sinkt.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 67
Tabelle 31:
LSQ-Mittelwerte für das Geburtsgewicht (kg) nach Rasse und Geburtstyp
Rasse E Z D-F Differenz
E zu Z
Differenz
E zu D-F
Differenz
Z zu D-F
MLS 6,6
A a
5,4
B a
4,6
C a
1,2 2,0 0,8
MFS 5,4
A b
4,7
B b
3,9
C b
0,7 1,5 0,8
SKF 5,7
A c
4,9
B c
4,3
C a
0,8 1,4 0,6
TEX 5,5
A bc
4,9
B bcd
5,0
AB ab
0,6
0,5 -0,1
SUF 6,2
A d
5,0
B cd
4,2
C ab
1,2 2,0 0,8
LES 5,6
A bc
5,1
B cd
4,4
C a
0,5 1,2 0,6
KRZ 5,9
A bcd
5,2
B d
4,6
C a
0,7 1,3 0,6
E
ABC
=
unterschiedliche
Einling, Z = Zwilling,
Großbuchstaben
D = Drilling, F
kennzeichnen
= Fünfling
signifikante Differenzen zwischen den Geburtstypen inner-
abc
halb
unterschiedliche
einer Rasse, Tukey-Test,
Kleinbuchstaben
P
<
0,05
kennzeichnen signifikante Differenzen zwischen den Rassen innerhalb
eines Geburtstyps, Tukey-Test,
P
<
0,05
Von den untersuchten Faktoren Rasse, Geburtstyp und Geschlecht übte das Geschlecht den ge-
ringsten Einfluss auf das Geburtsgewicht aus. Die LSQ-Mittelwerte differierten zwischen männli-
chen und weiblichen Lämmern um 0,4 kg bzw. 7,5 % (Tab. 30). Vergleichsweise dazu ergab sich
im Durchschnitt der ausgewerteten Literaturdaten aus Deutschland eine Geschlechtsdifferenz von
0,3 kg bzw. 6,9 %.
Da Angaben zur Ablammfolge (Ablammung je Mutterschaf) nur bei 2.073 Lämmern vorhanden
waren, wurde dieser Einfluss in einer zweiten Varianzanalyse geprüft. Das Modell enthielt neben
der Ablammnummer wiederum die Effekte Rasse, Geburtstyp und Geschlecht sowie sämtliche
Wechselwirkungen. Die in dem Datenmaterial vorkommenden Ablammnummern 1 bis 9 wurden zu
drei Kategorien zusammengefasst: 1. Ablammung, 2. Ablammung, 3. - 9. Ablammung. Wie Tab. 32
zeigt, übte die Ablammnummer einen signifikanten Einfluss auf das Geburtsgewicht aus, der jedoch
geringer war als der Effekt von Geburtstyp und Rasse.
Die LSQ-Mittelwerte betrugen für die 1. Ablammung 4,7 kg, für die 2. Ablammung 4,9 kg und für die
3. - 9. Ablammung 5,1 kg, wobei der Unterschied zwischen den letzten beiden Gruppen statistisch
nicht gesichert war. Im Vergleich zur Literatur, wonach Lämmer aus der 1. Ablammung um etwa
0,5 kg leichter waren als Lämmer aus der 2. Ablammung, ist die Differenzierung am vorliegenden
Datenmaterial deutlich geringer.
Hinsichtlich der Ablammnummer ist zu bedenken, dass diese nicht immer mit dem Alter der Mutter
identisch ist. Frühgenutzte Mutterschafe sind bei der 1. Ablammung etwa ein Jahr alt, während
Schafe mit traditioneller Zuchtbenutzung etwa zwei Jahre alt sind. Werden diese Tiere in der ersten
Deckperiode nicht tragend, erhöht sich das Alter bei der 1. Ablammung auf drei Jahre. Da für das
Geburtsgewicht die körperliche Entwicklung der Mutter, insbesondere des Uterus, eine Rolle spielt,

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 68
wäre eine Berücksichtigung des Alters sinnvoller als die der Ablammnummer. Angaben zum Alter
standen jedoch bei Schafen aus Iden, welche den Hauptteil des Datenmaterials zur Auswertung
der Ablammungen darstellten, nicht zu Verfügung. Da in diesem Betrieb die Frühnutzung der Mut-
terschafe durchgeführt wird, ist mit einer größeren Variation des Alters zur 1. Ablammung und den
folgenden Ablammungen zu rechnen, die jedoch in der Auswertung nicht berücksichtigt werden
konnte. Außerdem wäre die Festlegung von Standard-Geburtsgewichten in Abhängigkeit von Al-
tersklassen mit 1-Jahres-Abständen nicht unproblematisch, da die Zuordnung von Tieren, deren
Alter im Grenzbereich zweier Klassen liegt, schwierig ist und bei verkürzten Zwischenlammzeiten
zwei Ablammungen je Jahr anfallen können.
Tabelle 32:
Ergebnisse der Varianzanalyse mit Berücksichtigung der Ablammnummer
Variations-
Ursache
Quadrat-
summe
Freiheits-
grade
Mittel der
Quadrate
F
Signifi-
kanz
partielles Eta-
Quadrat
Rasse (R)
28,4
2
14,2
23,2
,000
,022
Geschlecht (G)
7,8
1
7,8
12,8
,000
,006
Geburtstyp (GT)
123,9
2
61,9
101,3
,000
,091
Ablammnummer
(AN)
13,5
2
6,7
11,0
,000
,011
G * GT
2,8
2
1,4
2,3
,101
,002
G * R
1,2
2
0,6
1,0
,370
,001
G * AN
0,6
2
0,3
0,5
,621
,000
GT * R
4,7
4
1,2
1,9
,102
,004
GT * AN
4,4
4
1,1
1,8
,124
,004
R * AN
0,3
4
0,1
0,1
,975
,000
G * GT * R
2,6
4
0,6
1,1
,366
,002
G * GT * AN
0,8
4
0,2
0,3
,855
,001
G * R * AN
2,4
4
0,6
1,0
,418
,002
GT * R * AN
8,2
6
1,4
2,2
,038
,007
G * GT * R *AN
8,4
6
1,4
2,3
,033
,007
Restfehler
1237,3
2023
0,6
Gesamt
50065,6
2073
Signifikanz: P≤ 0,05
Aus den Untersuchungen ist abzuleiten, dass bei der Festlegung von Standard-Geburtsgewichten
die Faktoren Rasse, Geburtstyp und Geschlecht berücksichtigt werden sollten. Anhand der Ergeb-
nisse in Tab. 30 ist eine Zusammenfassung von Rassen in die bereits genannten vier Gruppen zu
empfehlen. Beim Geburtstyp wäre eine Unterteilung in Einlinge, Zwillinge sowie Drillinge – Fünflin-
ge ratsam, da zwischen allen drei Gruppen signifikante Differenzen bestanden. Die bereits genann-
ten Probleme hinsichtlich des Effekts von Ablammnummer bzw. Alter der Mutter und die für eine

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 69
fundierte Empfehlung unzureichende Datengrundlage sollte Anlass sein, auf eine Berücksichtigung
dieses Faktors gegenwärtig zu verzichten. Somit würden sich die in Tab. 33 dargestellten Stan-
dard-Geburtsgewichte in Abhängigkeit von Rasse, Geburtstyp und Geschlecht ergeben. Sie wur-
den anhand der zu Verfügung stehenden Rohdaten errechnet, die das Leistungsniveau in den
sächsischen Stammherden widerspiegeln. Sollten diese Standard-Gewichte auch in anderen Her-
den zur Anwendung kommen, wäre zu klären, ob diese z. T. relativ hohen Werte dem dort vorlie-
genden Leistungsstand entsprechen.
Tabelle 33:
Standard-Geburtsgewichte (kg) in Abhängigkeit von Rasse, Geburtstyp und
Geschlecht
Rasse Geschlecht Geburtstyp
Einling
Zwilling
Drilling – Fünfling
MLS
ml
wbl
6,8
5,5
4,6
6,5
5,2
4,6
SUF, KRZ
ml
wbl
6,1
5,2
4,5
5,9
5,0
4,5
SKF, TEX, LES
ml
wbl
5,8
5,1
4,5
5,5
4,8
4,3
MFS
ml
wbl
5,5
4,8
4,0
5,2
4,7
3,8
3.2.4.4 Ergebnisse 60-Tage-Gewichte
Im Rahmen des FuE-Projektes konnten die 60-Tage-Gewichte für 2.671 Lämmer in Sachsen bzw.
852 Lämmer in Iden ermittelt werden. Die Daten wurden nach Rasse, Geschlecht und Geburtstyp
separat ausgewertet. Im Rahmen dieses Punktes werden die 60-Tage-Gewichte für Sachsen und
Iden getrennt nach Rassen und Geschlecht betrachtet. Eine Tiefenanalyse, in welcher der Geburts-
typ Beachtung findet, wird unter Punkt 3.2.4.6 für die identischen Lämmer, von denen sowohl das
60-Tage- als auch das 100-Tage-Gewicht vorliegt, vorgenommen.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 70
Tabelle 34:
60-Tage-Gewichte nach Rassen und Geschlecht (SN bzw. Iden)
Folgende Aussagen können bezüglich aller ermittelten 60-Tage-Gewichte getroffen werden:
Die Versuchsanstellung wurde exakt umgesetzt, das mittlere Alter der Lämmer zum Zeit-
punkt der 1. Wiegung betrug in SN 61 Tage bzw. in Iden 60 Tage.
Die Schwankungsbreiten waren bei beiden Stichproben mit 27 bis 90 Tage (SN) bzw. 24
bis 87 Tage gleich hoch.
Trotz geringerer Geburtsgewichte (4,9 kg) liegt das durchschnittliche Gewicht aller gewo-
genen Lämmer am 60. Tag in Iden mit 23,8 kg höher als das der sächsischen Lämmer
(22,9 kg am 60. Tag/5,3 kg Geburtsgewicht).
Folgerichtig liegt die
mittlere Lebendmassezunahme
der Lämmer aus Iden mit
317 g/Tag (
bei Berücksichtigung des Geburtsgewichtes
) um 17 g höher als die der
sächsischen Lämmer (300 g/Tag).
Die höchsten Zunahmen erreichten die SKF-Lämmer (Iden), gefolgt von den MLS- und
Text-Lämmern aus Sachsen. Die sächsischen SKF-Lämmer bleiben dabei über 40 g/Tag
hinter den SKF aus Iden zurück, wogegen die MFS-Lämmer aus SN und Iden identische
Zunahmen bis zum 60. Tag aufweisen.
Kriterium
Rasse
GESCH
LECHT
Anzahl
LM
Geburt
LM 60
LTZ 60
Tage
LTZ 60 ohne
Geb_gewicht
Mittel Mittel Min
Max
Mittel
Mittel
Mittel
SN, 60 Tage nach Rasse,
00
1
419
5,9
62
34
90
24,7
331
400
00
2
427
5,6
62
51
90
24,1
318
389
01
1
191
4,6
58
33
65
22,5
311
388
01
2
164
4,3
60
55
65
21,9
297
365
01
3
2
4,0
57
57
57
25,6
380
449
05
1
263
5,2
60
32
84
23,5
312
393
05
2
236
5,0
61
47
76
22,4
290
369
07
1
30
5,6
61
47
73
25,8
333
426
07
2
36
4,8
61
44
72
23,8
309
388
08
1
126
5,5
60
30
79
20,9
272
350
08
2
131
5,4
60
27
75
19,9
264
333
100
23
5,3
63
58
71
25,2
400
403
100
1
308
5,5
60
47
86
22,1
275
365
100
2
315
5,4
61
49
75
21,7
268
356
SN, 60 Tage nach
00
846
5,8
62
34
90
24,4
324
394
01
357
4,5
59
33
65
22,2
305
378
05
499
5,1
60
32
84
23,0
302
382
07
66
5,2
61
44
73
24,7
320
405
08
257
5,4
60
27
79
20,4
268
341
100
646
5,5
61
47
86
22,0
276
362
SN, 60 Tage alle
2671
5,3
61
27
90
22,9
300
377
Iden, 60 Tage nach Rasse,
01
1
260
4,9
61
26
84
23,8
315
395
01
2
255
4,8
62
29
77
23,2
300
377
05
1
78
5,3
55
24
79
24,7
352
453
05
2
68
5,0
59
34
79
24,7
338
423
10
1
102
5,0
59
29
80
24,3
329
412
10
2
89
4,8
59
27
87
23,2
315
399
Iden, 60 Tage nach
01
515
4,8
61
26
84
23,5
307
386
05
146
5,1
57
24
79
24,7
345
439
10
191
4,9
59
27
87
23,8
322
406
Iden, 60 Tage alle
852
4,9
60
24
87
23,8
317
399
Alter 1.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 71
Bei allen Rassen weisen die männlichen Lämmer höhere Zunahmen als die weiblichen bis
zum 60 Tag auf, wobei die Differenzen zwischen 7 g/Tag (SUF und Kreuzungs-Lämmer)
und 25 g/Tag (TEX) betragen.
Abbildung 16:
60-Tage-Gewichte alle Lämmer (SN bzw. Iden)
In Sachsen werden die Lebenstagszunahmen im Rahmen der Eigenleistungsprüfung im Feld bis-
lang ohne Berücksichtigung der Geburtsgewichte ermittelt. Zum Zwecke der Vergleichbarkeit sind
in der vorstehenden Tabelle in der letzten Spalte die LTZ ohne Geburtsgewicht dargestellt worden.
Folgende Schlüsse sind aus dieser Auswertung zu ziehen:
Berücksichtigt man die Geburtsgewichte bei der Berechnung der Lebenstagszunahmen
nicht, so liegen die LTZ im Mittel bis zum 60. Lebenstag um 77 g (SN) bzw. 82 g (Iden)
höher.
Diese Differenz ist in gleicher Größenordnung bei allen Rassen zu finden und reicht von
70 g (MLS SN) bis zu 94 g (SKF Iden).
Die höchsten täglichen Zunahmen bis zum 60. Lebenstag
ohne Berücksichtigung des
Geburtsgewichtes
erreichen die Lämmer Rassen SKF Iden (439 g), LES (406 g) und
TEX (405 g).
Es ist festzustellen, dass vor allem die Rassen mit niedrigeren Geburtsgewichten davon
profitieren, berechnet man die LTZ ohne Berücksichtigung des Geburtsgewichtes
(Abb. 17).
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
30,0
MLS
(SN)
MFS
(SN)
SKF
(SN)
TEX
(SN)
SUF
(SN)
KRZ
(SN)
MFS
(Iden)
SKF
(Iden)
LES
(Iden)
Gewicht (kg)
200
220
240
260
280
300
320
340
360
LMZ (g / Tier und Tag)
LM Geburt
LM 60
LTZ 60 Tage

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 72
Abbildung 17:
Differenzen bei den LTZ bis zum 60. Tag (ohne bzw. mit Berücksichtung des
Geburtsgewichtes)
3.2.4.5 100-Tage-Gewichte
Im Rahmen
des FuE-Projektes konnten die 100-Tage-Gewichte für 2.413 Lämmer in Sachsen bzw.
582 Lämmer in Iden ermittelt werden. Die Daten wurden nach Rasse, Geschlecht und Geburtstyp
separat ausgewertet. Im Rahmen dieses Punktes werden analog zu Kapitel 3.2.4.4 die 100-Tage-
Gewichte für Sachsen und Iden getrennt nach Rassen und Geschlecht betrachtet. Eine Tiefenana-
lyse, in welcher der Geburtstyp Beachtung findet, wird unter Punkt 3.2.4.6 für die identischen Läm-
mer, von denen sowohl das 60-Tage- als auch das 100-Tage-Gewicht vorliegen, vorgenommen
Differenzen LTZ ohne und mit Berücksichtigung
Geburtsgewicht (60. LT)
70
73
80
85
73
86
79
94
84
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
MLS
(SN)
MFS
(SN)
SKF
(SN)
TEX
(SN)
SUF
(SN)
KRZ
(SN)
MFS
(Iden)
SKF
(Iden)
LES
(Iden)
Geburtsgewicht (kg)
60
65
70
75
80
85
90
95
100
Differenz LTZ (g / Tier und Tag)
LM Geburt
Differenz LTZ

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 73
Tabelle 35:
100-Tage-Gewichte nach Rassen und Geschlecht (SN bzw. Iden)
Folgende Aussagen können bezüglich aller ermittelten 100-Tage-Gewichte getroffen werden:
Die Versuchsanstellung wurde exakt umgesetzt, das mittlere Alter der Lämmer zum Zeit-
punkt der 2. Wiegung betrug in SN 99 Tage bzw. in Iden 100 Tage.
Die Schwankungsbreiten waren mit 68 bis 136 Tage (SN) bzw. 69 bis 127 Tage (Iden) in
SN etwas höher.
Trotz geringerer Geburtsgewichte (4,9 kg) liegt wie bereits am 60. Tag auch das durch-
schnittliche Gewicht aller gewogenen Lämmer am 100. Tag in Iden mit 36,8 kg höher als
das der sächsischen Lämmer (34,0 kg am 100. Tag / 5,4 kg Geburtsgewicht).
Folgerichtig liegt die
mittlere Lebendmassezunahme
der Lämmer aus Iden mit
326 g/Tag (
bei Berücksichtigung des Geburtsgewichtes
) um 30 g höher als die der
sächsischen Lämmer (296 g/Tag). Während die Lämmer aus Iden am 100. Tag leicht hö-
here Zunahmen ausweisen als bis zum 60. Tag (317 g), liegen die sächsischen Lämmer
hier im Vergleich geringfügig niedriger (300 g am 60. Tag). Da es sich bei diesem Daten-
pool jedoch nicht vollständig um identische Lämmer handelt, soll dieser Aspekt hier nicht
weiter untersucht werden, zumal die Abweichungen gering sind.
Hinsichtlich der 100-Tage-Gewichte erreichen die Lämmer aus Iden auch im Vergleich al-
ler „Rassegruppen“ die höchsten Werte (SKF: 349 g/LES: 335 g/MFS: 317 g je Tier und
Tag). Den höchsten Wert der sächsischen Vertreter weisen die MLS mit 315 g je Tier und
Tag auf.
Bei allen Rassen weisen die männlichen Lämmer höhere Zunahmen als die weiblichen bis
zum 100. Tag auf, wobei die Differenzen zwischen 8 g/Tag (SUF) und 38 g/Tag
Kriterium
Rasse
GESCH
LECHT
GEB
TYP
Anzahl
LM
Geburt
LM 100
LTZ 100
Tage
LTZ 100 ohne
Geb_gewicht
Mittel Mittel Min Max Mittel
Mittel
Mittel
SN, 100 Tage nach Rasse, Geschlecht
00
1
384
5,9
100
79
132
36,9
327
371
00
2
422
5,6
100
74
132
34,9
304
348
01
1
117
4,5
98
72
125
35,9
324
365
01
2
136
4,3
99
72
112
33,3
295
337
05
1
238
5,3
98
71
136
35,5
313
364
05
2
218
5,1
99
79
119
33,5
291
338
07
1
29
5,6
100
83
115
34,6
289
345
07
2
35
4,8
99
80
111
32,5
279
328
08
1
103
5,4
102
71
120
30,9
257
303
08
2
122
5,3
101
71
120
29,2
248
290
100
21
5,3
98
80
106
36,2
365
367
100
1
287
5,5
97
68
125
32,9
285
342
100
2
301
5,4
99
69
136
31,4
266
321
SN, 100 Tage nach Rasse
00
806
5,8
100
74
132
35,9
315
359
01
253
4,4
99
72
125
34,5
308
350
05
456
5,2
99
71
136
34,5
302
352
07
64
5,2
99
80
115
33,4
284
336
08
225
5,4
101
71
120
30,0
252
296
100
609
5,5
98
68
136
32,3
278
332
SN, 100 Tage alle
2413
5,4
99
68
136
34,0
296
343
Iden, 100 Tage nach Rasse, Geschlecht
01
1
177
4,9
103
71
127
38,6
336
381
01
2
181
4,8
101
71
127
34,5
298
344
05
1
50
5,3
96
74
119
39,6
363
417
05
2
46
4,9
93
77
120
35,1
334
386
10
1
75
5,0
100
69
124
38,9
344
392
10
2
53
4,7
94
76
119
34,4
322
372
Iden, 100 Tage nach Rasse
01
358
4,8
102
71
127
36,5
317
362
05
96
5,1
95
74
120
37,4
349
402
10
128
4,9
97
69
124
37,0
335
384
Iden, 100 Tage alle
582
4,9
100
69
127
36,8
326
373
Alter 2. Wiegung

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 74
(MFS Iden) betragen. Diese Überlegenheit der männlichen gegenüber den weiblichen
Lämmern hat sich im Vergleich zum 60. Tag von der Höhe her nicht nennenswert verän-
dert.
Abbildung 18:
100-Tage-Gewichte alle Lämmer (SN bzw. Iden)
In Sachsen werden die Lebenstagszunahmen im Rahmen der Eigenleistungsprüfung im Feld bis-
lang ohne Berücksichtigung der Geburtsgewichte ermittelt. Zum Zwecke der Vergleichbarkeit sind
in der vorstehenden Tabelle in der letzten Spalte die LTZ ohne Geburtsgewicht dargestellt worden.
Folgende Schlüsse sind aus dieser Auswertung zu ziehen:
Berücksichtigt man die Geburtsgewichte bei der Berechnung der Lebenstagszunahmen
nicht, so liegen die LTZ im Mittel bis zum 100. Lebenstag um 48 g (SN) bzw. 47 g (Iden)
höher.
Diese Differenz ist in gleicher Größenordnung bei allen Rassen zu finden und reicht von
42 g (MFS SN) bis zu 54 g (KRZ SN). Damit fallen diese Differenzen zwar um ca. 30 g/
Tier und Tag geringer aus als am 60. LT, sind aber immer noch in einer Größenordnung
vorhanden, die nicht vernachlässigt werden kann. Auch darauf wird bei der Betrachtung
der identischen Lämmer unter Punkt 3.3.5 näher eingegangen.
Die höchsten täglichen Zunahmen bis zum 100. Lebenstag
ohne Berücksichtigung des
Geburtsgewichtes
erreichen die Lämmer Rassen SKF Iden (402 g), LES (384 g) und
MFS Iden (362 g). Auch hier liegen die MLS aus SN mit 359 g knapp darunter.
Auch die Auswirkungen der Berücksichtigung des Geburtsgewichtes auf die LTZ bis zum
100. LT soll grafisch dargestellt werden (Abb. 19).
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
30,0
35,0
40,0
MLS
(SN)
MFS
(SN)
SKF
(SN)
TEX
(SN)
SUF
(SN)
KRZ
(SN)
MFS
(Iden)
SKF
(Iden)
LES
(Iden)
Gewicht (kg)
200
220
240
260
280
300
320
340
360
LMZ (g / Tier und Tag)
LM Geburt
LM 100
LTZ 100 Tage

Schriftenreihe des LfULG, Heft 6/2010 | 75
Abbildung 19:
Differenzen bei den LTZ bis zum 100. Tag (ohne bzw. mit Berücksichtung
des Geburtsgewichtes)
3.2.4.6 60- und 100-Tage-Gewichte, Gesamtstichprobe
(identische Lämmer)
Lebendmasseentwicklung unter Einbeziehung des Geburtsgewichtes (identische Lämmer).
Im
Rahmen des FuE-Projektes konnten die
60- und 100-Tage-Gewichte
für 2.350 identische Lämmer
in Sachsen bzw. 579 identische Lämmer in Iden ermittelt werden. Diese insgesamt 2.929 Daten-
sätze wurden nach Rasse, Geschlecht und Geburtstyp separat ausgewertet. In folgenden Tabellen
wird eine vertiefte Auswertung vorgenommen und im Punkt 3.3. kommentiert.
Differenzen LTZ ohne und mit Berücksichtigung
Geburtsgewicht (100. LT)
42
50
52
44
54
48
53
49
47
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
MLS
(SN)
MFS
(SN)
SKF
(SN)
TEX
(SN)
SUF
(SN)
KRZ
(SN)
MFS
(Iden)
SKF
(Iden)
LES
(Iden)
Geburtsgewicht (kg)
30
35
40
45
50
55
60
Differenz LTZ (g / Tier und Tag)
LM Geburt
Differenz LTZ

Tabelle 36:
60- und 100-Tage-Gewichte identischer Lämmer nach Rassen und Geschlecht (Gesamtstichprobe)
Kriterium
Rasse
GESC
H
LECHT
GEB
TYP
Anzahl
LM
Geburt
Alter 1.
Wiegung
Alter 2.
Wi
e
g
u
n
g
LM 60
LM 100
LTZ 60
Tage
LTZ 100
Tage
LTZ 60 ohne
Geb_gewicht
LTZ 100
ohne
Geb_gewicht
LTZ 60 bis
100 ohne
Ge
b
_
g
e
w
i
c
h
t
60 und 100 Tage nach Rasse, Geschlecht
00
1
382
5,9
62
100
25,0
37,0
331
327
402
371
318
00
2
417
5,6
62
100
24,1
34,9
318
304
389
348
280
01
1
288
4,8
63
101
24,5
37,5
319
331
388
374
348
01
2
311
4,6
62
100
22,7
34,0
296
297
367
341
293
05
1
277
5,3
61
98
24,8
36,2
326
321
406
373
321
05
2
256
5,0
60
98
22,7
33,7
300
297
381
345
287
07
1
29
5,6
61
100
25,7
34,6
330
289
422
345
219
07
2
34
4,9
61
99
23,4
32,6
304
280
385
330
242
08
1
99
5,5
62
102
20,9
30,9
264
258
342
304
253
08
2
117
5,3
60
101
19,7
29,2
258
249
329
291
235
10
1
75
5,0
63
100
25,4
38,9
326
344
402
392
381
10
2
52
4,7
57
93
22,5
34,3
312
323
398
373
325
100
20
62
99
25,4
36,5
408
371
408
371
295
100
1
281
5,5
60
97
22,2
32,9
276
285
366
343
314
100
2
291
5,4
61
99
21,8
31,6
269
268
357
322
267
60 und 100 Tage nach Rasse
00
799
5,8
62
100
24,6
35,9
324
315
395
359
298
01
599
4,7
62
101
23,6
35,7
307
313
377
357
319
05
533
5,2
60
98
23,8
35,0
313
309
394
359
305
07
63
5,2
61
99
24,5
33,5
316
285
402
337
231
08
216
5,4
61
101
20,3
30,0
261
253
335
297
243
10
127
4,9
61
97
24,2
37,0
321
335
400
384
358
100
592
5,5
61
98
22,1
32,4
277
280
363
334
290
60 und 100 Tage alle
2929
5,3
61
99
23,4
34,5
304
302
381
350
299

Tabelle 37:
60- und 100-Tage-Gewichte identischer Lämmer nach Rassen, Geschlecht und Geburtstyp (Gesamtstichprobe)
Kriterium
Rasse
GESCH
LECHT
GEB
TYP
Anzahl
LM
Geburt
Alter 1.
Wiegung
Alter 2.
Wiegung
LM 60
LM 100
LTZ 60
Tage
LTZ 100
Tage
LTZ 60 ohne
Geb_gewicht
LTZ 100
ohne
Geb_gewicht
LTZ 60 bis
100 ohne
Geb_gewicht
60 und 100 Tage nach Rasse, Geschlecht,
Geburtstyp
00
1
E
116
6,8
62
99
28,7
40,7
374
356
460
410
321
00
1
Z
250
5,6
62
100
23,5
35,4
311
313
377
354
315
00
1
D
16
4,8
60
100
21,8
35,4
332
333
368
355
338
00
2
E
119
6,5
61
100
27,3
38,4
356
330
443
383
287
00
2
Z
285
5,3
62
100
23,0
33,6
304
295
370
336
277
00
2
D
13
4,6
64
100
20,1
30,7
278
280
323
308
288
01
1
E
43
5,4
63
99
27,7
39,6
361
353
440
403
345
01
1
Z
193
4,8
63
101
24,6
37,7
318
331
387
374
349
01
1
D
46
4,1
62
101
22,2
35,7
294
317
357
356
349
01
1
V
2
2,8
60
112
19,7
37,0
282
305
328
330
332
01
1
F
4
2,6
61
95
16,5
27,8
228
261
270
289
317
01
2
E
40
5,2
62
97
26,5
35,9
341
321
426
376
275
01
2
Z
221
4,7
62
101
22,6
34,4
294
299
365
342
301
01
2
D
43
3,9
61
101
20,9
31,7
280
278
341
315
273
01
2
V
6
2,9
61
103
15,8
27,6
212
240
260
268
279
01
2
F
1
2,0
61
97
11,6
19,4
157
179
190
200
217
05
1
E
93
5,8
61
97
27,4
38,5
359
339
451
398
312
05
1
Z
177
5,1
61
98
23,3
34,9
307
311
382
359
325
05
1
D
7
4,5
66
94
27,2
36,7
342
344
411
393
346
05
2
E
78
5,7
60
96
25,6
35,4
338
315
429
370
273
05
2
Z
165
4,8
60
99
21,6
33,1
284
290
363
336
295
05
2
D
13
4,1
62
102
20,0
30,9
264
267
324
304
266
07
1
E
12
6,0
62
99
28,1
33,9
358
286
456
347
169
07
1
Z
15
5,2
61
101
24,3
34,8
314
289
400
341
242
07
1
D
2
6,0
57
101
22,2
37,4
284
310
389
370
344
07
2
E
16
5,1
60
98
25,3
34,0
333
294
418
346
242
07
2
Z
17
4,7
61
99
22,4
31,5
288
270
365
317
234
07
2
D
1
4,0
57
101
11,0
28,1
123
239
193
278
389

Fortsetzung Tabelle 38:
Kriterium
Rasse
GESC
H
LECHT
GEB
TYP
Anzahl
LM
Geburt
Alter 1.
Wie
g
u
n
g
Alter 2.
Wiegung
LM 60
LM 100
LTZ 60
Tage
LTZ 100
Tage
LTZ 60 ohne
Geb_gewicht
LTZ 100
ohne
Geb_gewicht
LTZ 60 bis
100 ohne
Geb_gewicht
60 und 100 Tage nach Rasse, Geschlecht,
Geburtstyp
08
1
E
30
6,6
59
101
24,6
36,3
314
301
420
362
293
08
1
Z
63
5,0
63
102
19,6
28,9
246
242
312
283
238
08
1
D
6
4,2
61
104
16,3
25,4
199
204
267
244
209
08
2
E
44
6,1
61
101
22,5
32,4
290
271
373
320
241
08
2
Z
71
4,8
60
100
18,1
27,4
241
238
303
275
233
08
2
D
2
4,9
57
103
15,3
23,5
182
181
268
228
179
10
1
E