Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Gartenakademie
Anbau
von
Pfirsichen und Aprikosen
im Kleingarten
Autor:
Gerd Großmann
Bestellungen:
Telefon: 0351/2612-411 oder 473
Telefax: 0351/2612-489
E-Mail:
gerd.großmann@smul.sachsen.de
Redaktionsschluss: 01.2006
Weitere Informationen finden Sie im Internet:
WWW.LANDWIRTSCHAFT.SACHSEN.DE/GARTENAKADEMIE
oder
WWW.GARTENAKADEMIEN.DE

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Herkunft
Der P f i r s i c h ist im mittleren und nördlichen China beheimatet. In Deutsch-
land werden Pfirsiche erst seit dem 19. Jahrhundert in größerem Umfang ange-
baut. Die Herkunft der
A p r i k o s e konnte bis heute nicht ausreichend geklärt werden. Es besteht a-
ber eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Ursprung in Nordchina liegen kann.
An dieser Stelle muss auch auf die N e k t a r i n e n hingewiesen werden. Die-
se stammen als Knospenmutation vom Pfirsich ab und unterscheiden sich von
diesem eigentlich nur durch ihre glatte, unbehaarte und meist rote Schale.
Wert
Die Früchte dieser Obstarten werden vom Verbraucher wegen des hervorragen-
den Geschmacks, der gesundheitlichen Wirkung und der vielseitigen Verwend-
barkeit hoch geschätzt. Von den für die Ernährung wichtigen Inhaltsstoffe sind
insbesondere der hohe Gehalt an Kalium und Kalzium sowie an den Vitaminen
A und B2 hervorzuheben. Aprikosenfrüchte haben darüber hinaus einen hohen
Gehalt an Gesamtsäure.
Standortbedingungen
Bevorzugt werden tiefgründige, humose, nährstoffreiche und leicht erwärmbare
Böden, das heißt, schwere, nasse und kalte Böden sind ungeeignet. Auszuschlie-
ßen sind ebenfalls durch Spätfrost gefährdete Lagen. Die Wärmeansprüche sind
sehr hoch. Dem kann man in etwas ungünstigeren Lagen beispielsweise durch
den Anbau an einer nach Süden gerichteten Hauswand gerecht werden. Für eine
optimale Fruchtentwicklung ist während der Vegetationszeit eine ausreichende
Wasserversorgung erforderlich.
Unterlagen
Durch die Wahl einer geeigneten Unterlage besteht die Möglichkeit der Anpas-
sung an unterschiedliche Bodenverhältnisse. Für leichtere Böden haben der Pfir-
sichsämling als Unterlage für die Pfirsich- und Nektarinensorten sowie der Ap-
rikosensämling 'Hinduka' für die Aprikosensorten immer noch Bedeutung. Für
alle anderen Böden ist bevorzugt die Unterlage St. Julien INRA 655/2 zu ver-
wenden.
Sorten
Beim P f i r s i c h kann hinsichtlich der Farbe des Fruchtfleisches deutlich in
zwei Gruppen unterschieden werden. Weißfleischige Sorten eignen sich durch
ein ausgeglichenes Zucker-Säure-Verhältnis sehr gut zum Frischverzehr, wäh-

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rend die gelbfleischigen Sorten ein festeres Fruchtfleisch und weniger Säure ha-
ben und somit bessere Konservenfrüchte sind. Für die Sortenwahl beim Pfirsich
spielt außerdem die Steinlöslichkeit eine wichtige Rolle. Früh reifende Sorten
sind in der Regel nicht, spät reifende Sorten dagegen meist gut vom Stein lö-
send. Bei mittelfrüh reifenden Sorten ist vor allem die Witterung entscheidend
für die Steinlöslichkeit. Die im Handel angebotenen Sorten von Pfirsich, Nekta-
rine und Aprikose sind selbstfruchtbar, so dass keine Befruchtersorten in Nach-
barschaft erforderlich sind.
Sortenbeschreibung
Pfirsich
Sorte
Reifezeit
-
Fruchtgröße
-
Fruchtfarbe
-
Fruchtfleischfarbe
-
Steinlöslichkeit
Bemerkungen
Verwertung
Redhaven
A VIII – M VIII
-mittelgroß
-gelb mit roter Deckfarbe
-dunkelgelb
-leicht lösend
gering anfällig für Kräuselkrankheit
sehr hoher Ertrag,
Frischverzehr, Konserve
Benedicte
E VIII
-groß bis sehr groß
-gelblich grün mit roter
Deckfarbe
-weißlich grün
-leicht lösend
gering anfällig gegen Kräuselkrank-
heit,
hoher regelmäßiger Ertrag,
Frischverzehr, Konserve
South Haven
E VIII – A IX
-mittelgroß bis groß
-gelb mit roter Deckfarbe
-gelb
-leicht lösend
mittel anfällig für Kräuselkrankheit
hoher Ertrag,
Frischverzehr, Konserve
Bero
(ostdeutsche Lokalsorte)
E VIII – A IX
-mittelgroß bis groß
-grünlich bis gelb mit
karminroter Deckfarbe
-weißlich gelb
-leicht lösend
widerstandsfähig gegen Kräusel-
krankheit
hoher, regelmäßiger Ertrag
Frischverzehr, Früchte sind druck-
empfindlich
Suncrest
E VIII – M IX
-groß bis sehr groß
-orangerot, rot geflammt
-gelb
-schwer lösend
gering anfällig für Kräuselkrankheit
hoher Ertrag
Frischverzehr
Roter Ellerstädter
(Syn.: Kernechter vom
Vorgebirge)
A IX – M IX
-mittelgroß
-weißlich grün mit dun-
kelroter Deckfarbe
-weißlich grün
-leicht lösend
gering anfällig für Kräuselkrankheit
sehr hoher Ertrag
Frischverzehr, Konserve

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Sortenbeschreibung
Nektarine
Sorte
Reifezeit
-
Fruchtgröße
-
Fruchtfarbe
-
Fruchtfleischfarbe
-
Steinlöslichkeit
Bemerkungen
Verwertung
Independence
M VIII
-mittelgroß bis groß
-orangegelb mit roter
Deckfarbe
-gelborange
-leicht lösend
anfällig für Kräuselkrankheit
Frischverzehr
Flavourtop
E VIII
-mittelgroß bis groß
-weißlich gelb mit
dunkelroter Deckfarbe
-hellgelb – orange
-leicht lösend
anfällig für Kräuselkrankheit und
Mehltau
Frischverzehr, Konserve
Sortenbeschreibung
Aprikose
Sorte
Reifezeit
-
Fruchtgröße
-
Fruchtfarbe
-
Steinlöslichkeit
Bemerkungen
Verwertung
Orangered
E VI – M VII
-sehr groß
-orangerot
-leicht lösend
festes aber sehr saftiges Frucht-
fleisch, beste Geschmackseigen-
schaften
mittlere Ertragsleistung
besonders Frischverzehr und häusli-
che Verwertung
Hagrand
E VII – A VIII
-sehr groß
-mattorange
-leicht lösend
festes Fruchtfleisch, aromatisch
Früchte können lange am Baum
verbleiben ohne mehlig zu werden.
hohe Ertragsleistung,
Frischverzehr und häusliche Ver-
wertung
Ungarische Beste
M VII – A VIII
-mittelgroß bis groß
-gelb, sonnenseits
dunkelrot
-leicht lösend
Früchte neigen zum Platzen
Ertrag relativ hoch
folgernde Reife
Frischverzehr und besonders für die
häusliche Verwertung geeignet
Nancy Aprikose
A VIII – E VIII
-groß bis sehr groß
-hell orangegelb
-leicht lösend
etwas anfällig für Monilia
Ertrag sehr hoch
folgernde Reife
Frischverzehr und häusliche Ver-
wertung

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Pflanzung
Die beste Pflanzzeit für P f i r s i c h e und N e k t a r i n e n ist das Frühjahr.
A p r i k o s e n sind im Herbst zu pflanzen, solange der Boden frostfrei ist.
Bei einem freien Standplatz im Garten muss die Pflanzgrube den Wurzeln aus-
reichend Platz bieten, so daß diese nicht gequetscht werden. Sollen Bäume für
eine Spaliererziehung an eine Hauswand gepflanzt werden, ist es ratsam, die
Pflanzgrube deutlich größer zu bemessen. Der Erdaushub ist mit gut verrotteter
organischer Substanz zu vermischen, um die schlechteren Bodenverhältnisse an
der Hauswand zu verbessern. Frischer Stallmist oder Torf sowie Mineraldünger
gehören nicht in die Pflanzgrube.
Beim Verfüllen der Pflanzgrube wird der Baum vertikal leicht hin und her be-
wegt. Dadurch verbleiben zwischen den Wurzeln keine Hohlräume. Nachdem
die Pflanzgrube zu zwei Drittel verfüllt worden ist, wird die Erde leicht angetre-
ten. Danach wird bis auf den Gießrand weiter aufgefüllt und anschließend kräf-
tig gewässert. Die Baumscheibe wird zum Verdunstungsschutz und zur Verhin-
derung des Aufwuchses von Unkraut mit organischem Material abgedeckt.
Bei der Pflanztiefe ist unbedingt zu beachten:
Bei Bäumen, die am Wurzelhals veredelt sind (Okulat), muss sich die Vered-
lungsstelle etwa 5 bis 10 cm über der Erdoberfläche befinden.
Pflanzschnitt
Der Pflanzschnitt ist je nach der Baumform und der zukünftigen Erziehungsform
unterschiedlich durchzuführen.
P f i r s i c h e und N e k t a r i n e n werden beim freistehenden Gehölz als
Busch
erzogen. Zuerst werden im Bereich des zukünftigen Stämmchens von
etwa 40 bis 60 cm über dem Boden alle Triebe entfernt. Danach sind drei bis
vier Seitentriebe auszuwählen und werden auf zwei bis drei Augen zurück ge-
schnitten (Abb. 1). Erst im Folgejahr wird mit den Austrieben der Triebstummel
die Krone aufgebaut
Bei einer
Spaliererziehung als freier Fächer
genügen zwei Seitentriebe, die
ebenfalls auf zwei bis drei Augen zurück geschnitten werden. Der Mitteltrieb
wird etwa eine Scherenlänge länger belassen.
Beim Pflanzschnitt der A p r i k o s e als
Busch
wird ebenfalls die erforderliche
Stammlänge von ca. 60 cm hergestellt. Dann werden drei bis vier gut um die
Mittelachse verteilte Triebe ausgewählt und soweit zurück geschnitten, dass sie
in einer Ebene enden (Saftwaage). Der Mitteltrieb wird etwa eine Scherenlänge
länger belassen. Aprikosen lassen sich auch sehr gut als
Spindel
erziehen. In
diesem Fall wird nur die genannte Stammlänge hergestellt. Alle anderen Seiten-
triebe werden in eine waagerechte Stellung gebracht. Der Mitteltrieb wird nicht
zurück geschnitten.

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Erziehung und Schnitt beim Busch
P f i r s i c h e und N e k t a r i n e n neigen sehr schnell zur Verkahlung. Des-
halb müssen jährlich die einjährigen Triebe zurück geschnitten werden, um die
Neutriebbildung anzuregen und eine ausreichende Verzweigung zu erreichen.
Bereits ab dem dritten Standjahr sind bei Pfirsich und Nektarine Erziehungs-
und Ertragsschnitt (Fruchtholzschnitt) gleichermaßen durchzuführen.
Bei A p r i k o s e n ist auf eine gleichmäßige Kronenentwicklung zu achten.
Langtriebe werden nicht eingekürzt. Ist deren Wuchs zu steil, sind sie in einem
Winkel von etwa 45° zur Senkrechten abzuspreizen oder herunter zu binden. Zur
Anregung der Bildung von Seitentrieben genügt es meist, die Spitzenknospe der
Langtriebe auszubrechen.
Grundsätzlich gilt, dass ins Kroneninnere wachsende Triebe rechtzeitig an ihrer
Basis entfernt werden müssen. Das trifft auch für Triebe zu, die sich auf der
Astoberseite bilden und steil nach oben wachsen werden.
Abb.1
Pflanzschnitt eines Pfirsichbusches als Hohlkrone
(links vor, rechts nach dem Schnitt)
Erziehung und Schnitt eines Spaliers in Form eines freien Fächer
Die Erziehung als freier Fächer (Abb. 2) unterliegt keinen strengen Regeln beim
Formieren. Es kommt vielmehr darauf an, durch eine schräg aufwärts gerichtete
Stellung der Äste (etwa 60° zur Senkrechten) die Wandfläche auszufüllen. Zwi-
schen den Ästen sollte der Abstand etwa 50 bis 70 cm betragen. Dadurch wird
eine ausreichende Belichtung gewährleistet. Triebe, die sich in diesem Zwi-
schenraum entwickeln, müssen deshalb konsequent entfernt werden. Das trifft
auch für Triebe zu, die sich auf der Astoberseite bilden und durch ihre senkrech-
te Stellung eine starke Konkurrenz zur Mittelachse werden. Sind diese Triebe
aber für den weiteren Kronenaufbau erforderlich, sind sie bereits während der

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Vegetationszeit in einem Winkel von etwa 60° zur Senkrechten am Spalier zu
befestigen.
Abb. 2
Beispiel für die Erziehung eines freien Fächers
Fruchtholzschnitt bei Pfirsichen und Nektarinen
Bei P f i r s i c h und N e k t a r i n e sind verschiedenen Triebformen zu unter-
scheiden (Abb. 3).
Holztriebe
haben nur langgestreckte, schlanke Blattknospen.
Wahre Fruchttriebe
sind dadurch gekennzeichnet, dass jeweils eine Blattknos-
pe von einer oder zwei rundlich geformten Blütenknospen flankiert wird.
Fal-
sche Fruchttriebe
haben nur an der Basis und an der Triebspitze Blattknospen,
während alle anderen am Trieb befindlichen Knospen einzeln stehende Blüten-
knospen sind. Der beste Zeitraum für den Fruchtholzschnitt ist nach der Blüte
bis zur Entwicklung der Früchte in Haselnussgröße. Dadurch wird gleichzeitig
eine Fruchtausdünnung vorgenommen, die für eine optimale Fruchtgröße und –
qualität notwendig ist. Kräftig entwickelte wahre Fruchttriebe werden soweit
zurückgeschnitten, dass etwa 5 bis 6 Früchte verbleiben. Falsche Fruchttriebe
sind entweder ganz wegzuschneiden oder bis auf die basalen Blattknospen zu-
rück zu schneiden. Die Holztriebe werden gleichzeitig mit dem Fruchtholz-
schnitt um etwa ein Drittel ihrer Länge eingekürzt. Dadurch wird zum einen eine
gute Verzweigung erreicht und zum anderen werden für das kommende Jahr
neue wahre Fruchttriebe gebildet.

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Abb. 3
Verschiedene Triebformen bei Pfirsich und Nektarine
(links Holztrieb, Mitte wahrer Fruchttrieb, rechts falscher Frucht
trieb)
Weitere Schnittmaßnahmen und Schnittzeiten
A p r i k o s e n bilden sehr leistungsfähige und langlebige Fruchtäste. Dadurch
reduzieren sich erforderliche Schnittmaßnahmen auf wenige Korrekturen bei der
Astentwicklung. Es wird meist nur erforderlich sein, sogenannte „Reiter“, die
sich auf der Astoberseite bilden, zu entfernen.
Mit zunehmendem Alter der Bäume kann die Triebleistung jedoch derart zu-
rückgehen, dass nicht mehr ausreichend Fruchtholz gebildet wird. Dann ist eine
Verjüngung der Krone
unumgänglich. Der Rückschnitt der Gerüstäste und
jüngeren Seitenäste muss in der gesamten Krone gleichmäßig erfolgen, um auch
einen gleichmäßigen Austrieb zu erzielen.
Der beste
Zeitraum für den Schnitt bei Aprikosen und dem Verjüngungs-
schnitt
ist sofort nach der Ernte. Auf keinen Fall sind Pfirsiche, Nektarinen und
Aprikosen, wie auch andere Steinobstarten, im Spätherbst oder in den Winter-
monaten zu schneiden, denn in dieser Zeit bilden die Schnittwunden keinen
Wundkallus und können somit nicht verschließen. Schnittwunden, die einen
Durchmesser von mehr als 4 cm haben, sind mit einem Wundverschlussmittel zu
behandeln.
Pflegemaßnahmen
Die Baumscheibe ist bei Pfirsichen und Nektarinen über die gesamte Standzeit
sowie bei Aprikosen in den ersten fünf bis sechs Standjahren frei vom Unterbe-
wuchs zu halten. Auf trockenen Standorten, insbesondere bei Hausspalieren und
bei lang anhaltenden Trockenperioden ist für eine optimale Fruchtentwicklung
eine Zusatzbewässerung erforderlich. Zum Verdunstungsschutz sollte die Baum-
scheibe mit organischem Material abgedeckt werden. Jährlich sind 80 – 100
g/m² eines Stickstoff-Kalium-Düngers zu verabreichen.