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Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
1
Bearbeiter:
Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft
Geschäftsbereich Umweltradioaktivität

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
2
INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG
3
2
VORKOMMEN VON RADIOAKTIVITÄT
4
3
GESETZLICHE GRUNDLAGEN FÜR DIE ÜBERWACHUNG DER RADIOAKTIVITÄT
5
3.1
Überwachung der Umweltradioaktivität
5
3.2
Überwachung der anlagenbezogenen Radioaktivität – kerntechnische Anlagen am
Forschungsstandort Rossendorf
6
3.3
Überwachung der anlagenbezogenen Radioaktivität – ehemaliger Uranerzbergbau der
Wismut GmbH
7
4
ERGEBNISSE DER ÜBERWACHUNG DER RADIOAKTIVITÄT
8
4.1
Allgemeine Umweltradioaktivität
8
4.2
Anlagenbezogene Radioaktivität - kerntechnische Anlagen am Forschungsstandort
Rossendorf
16
4.3
Anlagenbezogene Radioaktivität - Anlagen des ehemaligen Uranerzbergbaues der
Wismut GmbH
22
5 STRAHLENEXPOSITION
26
6 LITERATURVERZEICHNIS
30
7
ERLÄUTERUNGEN VON BEGRIFFEN, SYMBOLEN UND ABKÜRZUNGEN
31

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Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
3
1 Einleitung
Die Überwachung der Radioaktivität in der
Umwelt begann in Deutschland in den frühen
fünfziger Jahren mit der Messung des radioak
-
tiven Fallouts als Folge der oberirdischen
Kernwaffentests. 1955 wurde der Deutsche
Wetterdienst (DWD) mit der großräumigen
Überwachung der Radioaktivität von Luftaero-
solen und Niederschlag beauftragt. Mit dem
„Vertrag zur Gründung der Europäischen
Atomgesellschaft“ von 1957 verpflichtete sich
die Bundesrepublik Deutschland zur Überwa-
chung der Umweltradioaktivität. Die Überwa-
chungsaufgaben teilen sich seither der Bund
und die Länder.
Mit der Errichtung von Anlagen zur großtech-
nischen, friedlichen Nutzung der Kernenergie
kam die Umgebungsüberwachung dieser An-
lagen hinzu. Die Überwachung leitet sich aus
dem Atomgesetz (AtG) /1/ und der Strahlen-
schutzverordnung (StrlSchV) /2/ ab und ist in
der „Richtlinie zur Emissions- und Immissions-
überwachung kerntechnischer Anlagen (REI)“
/3/ geregelt. Der Störfall im Block A des Kern-
kraftwerkes Gundremmingen im Jahr 1977 war
dann Anlass für die Errichtung von „Kernreak-
tor-Fernüberwachungssystemen (KFÜ)“ für
Leistungsreaktoren. Es werden ausgewählte
Parameter der kerntechnischen Anlage erfasst
und on-line an die atomrechtlichen Aufsichts-
behörden übertragen.
Der Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl im
Jahre 1986 verursachte eine großräumige
Kontamination und führte in der Bundesrepu-
blik Deutschland zur Verabschiedung des
Strahlenschutzvorsorgegesetzes (StrVG) /4/.
Auf dieser Grundlage wurde die bisherige
großräumige Überwachung der Umweltradio-
aktivität ertüchtigt und mit Hilfe der Informati-
onstechnik zu einem umfassenden „Integrier-
ten Mess- und Informationssystem (IMIS)“
ausgebaut. In nahezu gleicher Weise wie bei
der Umsetzung des Euratom-Vertrages teilen
sich die Überwachungsaufgaben der Bund und
die Länder.
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990
wurden die fünf neuen Bundesländer in das
IMIS eingebunden. Es erweiterte sich das
Aufgabenspektrum der Überwachung der
Umweltradioaktivität um die Überwachung der
Hinterlassenschaften des ehemaligen Uran-
erzbergbaus (in Sachsen und Thüringen) so-
wie des seit dem späten Mittelalter betriebe-
nen Erzbergbaus (z.B. der
Kupferschiefergewinnung im Mansfelder Ge-
biet in Sachsen-Anhalt). Die großräumige Er-
mittlung der Umweltradioaktivität aus bergbau-
licher Tätigkeit wurde als Bundesaufgabe in
das StrVG übernommen.
Die behördliche Überwachung der Umweltra-
dioaktivität in der Umgebung der Sanierungs-
objekte der WISMUT GmbH ist Länderaufgabe
im Auftrag des Bundes und basiert auf der
nach dem Einigungsvertrag weiter geltenden
Verordnung zur Gewährleistung von Atomsi-
cherheit und Strahlenschutz (VOAS) /5/. Die
Aufgabenstellung und die Zuständigkeiten für
die Emissions- und Immissionsüberwachung
sind in einer „Richtlinie zur Emissions- und
Immissionsüberwachung bei bergbaulichen
Tätigkeiten (REI-Bergbau)“ /6/ geregelt.
2000
REI-
Wiederver-
Bergbau
einigung (1990)
IMIS
1990
Unfall im KKW
Tschernobyl
(1986)
StrVG
REI
KFÜ
1980
Störfall im KKW
Gundremmingen
REI
(1977)
(und Vorläufer-
Richtlinien)
1970
Verbot oberird.
Kernwaffentests
(1963)
1960
Euratom-Vertrag
Artikel 35 (1957)
Fallout durch
DWD-Gesetz
Kernwaffentests
(1955)
1950
Überwachung
der Umwelt-
der anlagen-
radioaktivität bezogenen
Radioaktivität
Abbildung 1
: Geschichte der Radioaktivitäts
überwachung (vereinfacht – nach /7/)
Von 1959 bis 1990 wurde auf dem Territorium
der DDR die Überwachung der Umweltradio-
aktivität und der anlagenbezogenen
Radioaktivität anfangs durch verschiedene
Institutionen und später durch das Staatliche
Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz
sicherheit und Strahlenschutz (SAAS) wahr-
genommen. Nach der Wiedervereinigung ü-
bernahm bis zum 30.06.1991 die gemeinsame
Einrichtung der Länder (GEL) diese Aufgaben,
ehe sie ab 01.07.1991 in Länderhoheit über-
gingen. Im Freistaat Sachsen wurde im Jahr

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
4
1991 die Landesmessstelle für Umweltradioak-
tivität im Sächsischen Landesamt für Umwelt
und Geologie (LfUG) Standort Radebeul
Wahnsdorf installiert. Der Landesmessstelle
für Umweltradioaktivität sind u.a. folgende
Aufgaben übertragen worden:
- Landesmessstelle
und
Landesdatenzentrale nach dem StrVG;
- Behördlich beauftragte Sachverständige
für die Emissionsüberwachung und unab-
hängige Messstelle für die Immissions-
überwachung von kerntechnischen Anla-
gen am Forschungsstandort (FS)
Rossendorf;
-
unabhängige Messstelle für die Emissions-
und Immissionsüberwachung von
bergbaulichen Tätigkeiten an den
Standorten der WISMUT GmbH in
Königstein, Gittersee, Schlema-Alberoda,
Pöhla und Crossen.
Seit 01.01.1994 sind die Aufgaben der Mess-
stelle dem Geschäftsbereich Umweltradioakti-
vität der Staatlichen Umweltbetriebsgesell-
schaft (UBG) übertragen worden. Eine zweite
Landesmessstelle im Geschäftsbereich Um-
weltradioaktivität der UBG wurde auf der
Grundlage des Kabinettsbeschlusses 02/0447
vom 18.06.1996 in Chemnitz aufgebaut. Die
Inbetriebnahme fand im Mai 2000 statt. Die
UBG untersteht der Dienstaufsicht des Säch-
sischen Staatsministeriums für Umwelt und
Landwirtschaft (SMUL). Im Bereich Umweltra-
dioaktivität übt das SMUL ebenso die Fach-
aufsicht aus. Auf den Gebieten Datenerhe-
bung zur Überwachung radioaktiver Altlasten
und Radon in Häusern sowie aufsichtlichen
Kontrollmessungen einschließlich Messungen
bei bedeutsamen Ereignissen wird die Fach-
aufsicht durch das LfUG ausgeübt.
Der Jahresbericht mit dem Titel „Umweltradio-
aktivität im Freistaat Sachsen“ wird seit dem
Jahre 1994 jährlich zur Information der Öffent-
lichkeit herausgegeben. Er gibt Auskunft über
die Ergebnisse der Überwachungsaufgaben
nach dem StrVG, am Forschungsstandort
Rossendorf sowie an den sächsischen Stand-
orten der WISMUT GmbH. Einzelergebnisse
sind auf Anfrage bei der UBG erhältlich.
2 Vorkommen von Radioak-
tivität
Kennzeichnend für radioaktive Stoffe ist die
Emission ionisierender Strahlung infolge spon-
taner Umwandlung von Atomkernen. Die ioni-
sierende Strahlung (z. B. Alpha-, Beta- oder
Gammastrahlung) kann bei Einwirkung auf
lebende Organismen mit deren Zellmaterial
wechselwirken und Veränderungen hervorru-
fen. Deshalb ist eine Untersuchung und Über-
wachung der Radioaktivität von Gegenstän-
den, Einrichtungen und Anlagen, die in
irgendeiner Weise mit dem Menschen in Be-
rührung kommen können, zum Schutz der
Bevölkerung und der Umwelt notwendig. Ioni-
sierende Strahlen lassen sich nicht durch
menschliche Sinne wahrnehmen. Es gibt aber
sehr leistungsfähige Messverfahren, die die
Eigenschaft des Ionisierungsvermögens der
Strahlung ausnutzen, um Art und Intensität
(z.B. Aktivität) festzustellen. Daraus lässt sich
die Strahlenexposition für den Menschen er-
mitteln.
Es gibt zwei Arten der Einwirkung ionisieren-
der Strahlung auf den Menschen, die äußere
und die innere Strahlenexposition. Größen für
die Beurteilung sind die Dosis bzw. Dosisleis-
tung. Während die äußere Strahlenexposition
direkt gemessen wird, muss die innere Exposi-
tion, die durch Verzehr (Ingestion) und Einat-
men (Inhalation) erfolgt, über die Messung der
Aktivität (Becquerel oder Becquerel pro Mas-
sen- oder Volumeneinheit) in den einzelnen
Umweltbereichen und Produkten mit anschlie-
ßender Berechnung der Dosis ermittelt wer-
den.
Es gibt natürliche und künstliche Radionuklide.
Natürliche Radionuklide lassen sich in drei
Klassen einteilen /8/:
- Primordiale Radionuklide, die seit Entste-
hung der Erde vorhanden sind (vgl.
Abbildung 2). Die wichtigsten Vertreter sind
Kalium 40 (K-40), Uran 238 (U-238), Uran
235 (U-235) und Thorium 232 (Th-232). Ih-
re Halbwertszeit ist vergleichbar mit dem
Alter der Erde.
- Kurzlebigere Zerfallsprodukte der primordi-
alen Radionuklide U-238, U-235 und Th-
232, die ständig nachgebildet werden. Zer-
fallsprodukte sind u.a. Radium- und Radon-
isotope (vgl. Abbildung 2).
- Kosmogene Radionuklide, die durch die
kosmische Strahlung in der Stratosphäre
gebildet werden. Typische Vertreter sind
Tritium (H-3), Beryllium 7 (Be-7) und Koh-
lenstoff 14 (C-14).
Die Verbreitung der Radionuklide der ersten
beiden Klassen erfolgt vom Boden aus in die
bodennahe Atmosphäre (Atemluft), in Wasser,
Pflanzen, Tiere und Baumaterialien. Kosmo-
gene Nuklide befinden sich in der Atemluft. Mit
der Nahrungsaufnahme und der Atemluft er-
folgt eine innere und durch Bodenstrahlung,
aus Baumaterialien und kosmische Strahlung
eine äußere Strahlenexposition des Menschen
durch natürliche Quellen.

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
5
Künstliche Radionuklide entstehen vor allem
bei der Nutzung der Kernenergie. So entste-
hen z.B. durch Neutroneneinfang während des
Abbrandes der Kernbrennstoffe im Reaktor
Abbildung 2:
Schematischer Ausschnitt aus der Nuklidkarte mit den Hauptnukliden der natürlichen
Zerfallsreihe
verschiedene Transuraniumelemente (u.a.
Plutonium). Durch die neutroneninduzierte
Spaltung im Kernbrennstoff entstehen über-
wiegend Nuklide mit Nukleonenzahlen zwi-
schen 95 und 110 bzw. zwischen 125 und 140.
Die Überwachung der künstlichen Radioaktivi-
tät konzentriert sich vor allem auf häufig vor-
kommende Radionuklide mit großen Dosiswir-
kungsfaktoren oder großen Halbwertszeiten.
Es sind dies besonders Strontium 90, Iod 131,
Cäsium 134 und 137 sowie Plutonium 239.
Die Verbreitung dieser radioaktiven Nuklide in
die Umwelt erfolgte in den 50er und Anfang
der 60er Jahre global über die Stratosphäre
durch umfangreiche oberirdische Kernwaffen-
versuche als Hauptquelle. Nach dem Reaktor-
unfall von Tschernobyl, bei dem 1986 ein
Kernspaltungsreaktor für die Energieerzeu-
gung havarierte, erhöhte sich in Deutschland
die Ablagerung von Cs-137 auf dem Boden
auf das etwa Fünffache, während der Zuwachs
für Sr-90 bei 10 Prozent lag /9/. Cs-137 ist
global seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl
in der Biosphäre nachweisbar /10/.
Auch bei kerntechnischen Anlagen gibt es
durch technologiebedingt unvermeidliche Ab-
leitungen radioaktiver Stoffe (Emissionen) eine
lokale Verbreitung von Radionukliden in die
Umwelt (Immissionen). Die Emissionen und
Immissionen sind jedoch zu minimieren (Mini-
mierungsgebot). Die Verbreitung natürlicher
Radionuklide in die Umwelt infolge Emissionen
aus den Betrieben und Anlagen des (stillgeleg-
ten) Uranerzbergbaues ist ebenso betriebsbe-
dingt unvermeidlich. Der Eintrag in die Umwelt
kann über den Transport durch die Luft mit
entsprechender Verdünnung, durch den
Transport und die Verteilung im Wasser und
Boden sowie die Verteilung und Anreicherung
in Nahrungsketten erfolgen.
3 Gesetzliche Grundlagen für
die Überwachung der Radioak-
tivität
Es ist zu unterscheiden zwischen der Überwa-
chung der Radioaktivität in der Umwelt und der
Überwachung der Radioaktivität in der Umge-
bung von kerntechnischen oder bergbaulichen
Anlagen.
3.1 Überwachung der Umweltradio-
aktivität
Zur Überwachung der Radioaktivität in der
Umwelt hat der Bundestag mit Zustimmung
des Bundesrates das Strahlenschutzvorsorge-
gesetz (StrVG) beschlossen. Anlass der
Schaffung dieses Gesetzes waren die Erfah-
rungen aus den Folgen des Reaktorunfalls von
Tschernobyl in der Bundesrepublik Deutsch-
land. Es wurden alle vorhandenen Einrichtun-
gen zur Überwachung der Umweltradioaktivität
α
U234
U235
U238
2E5a
7E8a
5E9a
Pa231
Pa234
3E4a
1m
Th227
Th228
Th230
Th231
Th232
Th234
Uran-Radium
19d
2a
8E4a
26h
1E10a
24d
stabil
A = 4n + 2
Ac227 Ac228
Actinium
22a
6h
β-Strahler
A = 4n + 3
Ra223 Ra224
Ra226
Ra228
Thorium
11d
4d
2E3a
6a
α-Strahler
A = 4n
Rn219 Rn220
Rn222
4s
1m
4d
β
-
- Zerfall
A=n
A: Massenzahl
Z=m+1
Z: Kernladungszahl
Po210
Po212
Po214 Po215 Po216
Po218
A=n
Z=m
140d
0,3μs
2E2μs
2ms
0,2s
3m
Bi210
Bi211
Bi212
Bi214
5d
2m
1h
20m
Pb206 Pb207 Pb208
Pb210 Pb211 Pb212
Pb214
A=n-4
U238 Element/
Z=m-2
Nukleonenzahl
23a
36m
11h
27m
5E9a Halbwertszeit
Tl207
Tl208
5m
3m
Die Hauptnuklide der
natürlichen
Zerfallsreihen
- Zerfall

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
6
in einem Mess- und Informationssystem ver-
einheitlicht und erweitert. Die Aufgaben des
Bundes sind im § 2 (1) StrVG festgelegt. Sie
beinhalten u.a. die großräumige Ermittlung der
Radioaktivität in Luft und Niederschlägen, in
Bundeswasserstraßen und in Nord- und Ost-
see sowie der Gammaortsdosisleistung. Die
im § 3 StrVG genannten Aufgaben der Länder
umfassen die Ermittlung der Radioaktivität
- in Lebensmitteln, Tabakerzeugnissen und
Bedarfsgegenständen sowie Arzneimitteln
und deren Ausgangsstoffen,
- in Futtermitteln,
- im Trinkwasser, Grundwasser und in ober-
irdischen Gewässern außer Bundeswas-
serstraßen,
- in Abwässern, im Klärschlamm, in Reststof-
fen und Abfällen,
- im Boden und in Pflanzen (z. B. Farne,
Laub),
- in Düngemitteln.
Die von den Ländern gemäß § 3 StrVG ge-
wonnenen Daten werden an die Zentralstelle
des Bundes für die Überwachung der Umwelt-
radioaktivität (ZdB) übermittelt. Die Länder
bedienen sich hierzu des von der ZdB betrie-
benen bundesweiten Integrierten Mess- und
Informationssystems (IMIS).
Die Überwachung der Umweltradioaktivität
erfordert, den derzeit vorhandenen Pegel der
Radioaktivität in den genannten Umweltberei-
chen und Medien zu kennen und zu bewerten
sowie alle Mess- und Arbeitsmethoden, die
diesem Ziel dienen, zu trainieren. Das ge-
schieht im sogenannten Messprogramm für
den Normalbetrieb /11/. Es ist die Vorausset-
zung dafür, dass in einem Ereignisfall das
durch den BMU in Kraft gesetzte Intensiv-
messprogramm /12/ vollzogen werden kann.
Durch die genaue Ermittlung der Veränderung
der Umweltradioaktivität infolge eines Ereig-
nisses oder einer Tätigkeit ist die daraus resul-
tierende Veränderung der Strahlenexposition
auf den Menschen und die Umwelt feststellbar.
Im IMIS werden in erheblichem Maße nuklid-
spezifische Aktivitätsbestimmungen in allen für
den Menschen expositionsrelevanten Medien,
die inkorporiert werden können, durchgeführt.
Die
eingesetzten Messverfahren richten sich nach
den Messanleitungen für die Radioaktivität des
BMU /13/ bzw. nach den Empfehlungen zur
Überwachung der Umweltradioaktivität des
Fachverbandes Strahlenschutz /14/.
Tabelle 1 gibt einen Überblick über die im Frei-
staat Sachsen überwachten Umweltbereiche
und Medien sowie über die dabei angewand-
ten Messverfahren. Im Ereignisfall wird die
Beprobungsfrequenz für die Umweltbereiche
für den Zeitraum des Ereignisses erhöht. Ge-
gebenenfalls wird auch die Anzahl der Probe-
nentnahmeorte vergrößert. Alle Analysen nach
§ 3 StrVG werden von autorisierten Messla-
bors der Länder, den sogenannten Landes-
messstellen, in Bundesauftragsverwaltung
ausgeführt. Im Freistaat Sachsen sind diese
Aufgaben dem Geschäftsbereich Umweltra-
dioaktivität der UBG mit den zwei Landes-
messstellen und der Landesdatenzentrale
übertragen worden.
3.2 Überwachung der anlagenbezo-
genen Radioaktivität – kerntechni-
sche Anlagen am Forschungs-
standort Rossendorf
Die Überwachung der Radioaktivität in der
Umgebung kerntechnischer Anlagen erfolgt in
Deutschland auf der Grundlage der §§ 46-48
StrlSchV in Verbindung mit dem AtG. Der BMU
hat zur bundeseinheitlichen Gestaltung der
Überwachungsmaßnahmen die Richtlinie zur
Emissions- und Immissionsüberwachung kern-
technischer Anlagen (REI) und die Richtlinie
"Kontrolle der Eigenüberwachung radioaktiver
Emissionen aus Kernkraftwerken" erlassen.
Im Freistaat Sachsen werden die kerntechni-
schen Anlagen am Forschungsstandort Ros-
sendorf sowohl bezüglich der Ableitung radio-
aktiver Stoffe mit Luft und Wasser als auch
bezüglich des Eintrages radioaktiver Stoffe in
Tabelle 1:
Überblick über die Messaufgaben nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz für den Freistaat Sachsen
Überwachte Umweltbereiche und Medien
-
Freilandgemüse, Getreide, Obst, Kartoffeln, Rindfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch, Geflügel, Gesamtnahrung, Säug-
lings- und Kleinkindernahrung, Milch, Gras, Blätter, Nadeln, Weide- und Wiesenbewuchs, Mais, Futtergetreide, Futterkar-
toffeln, Boden, Oberflächenwasser, Sedimente, Schwebstoff, Trinkwasser, Grundwasser, Süßwasserfisch, Abwasser, Klär-
schlamm, Deponie für Hausmüll und Klärschlamm, Kompostieranlagen, Tabak
-
Importierte Produkte (Freilandgemüse, Getreide, Obst, Kartoffeln, Rindfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch, Geflügel,
Milchprodukte, Einzelfuttermittel, Fisch einschl. Krusten- und Schalentiere)
-
Landesproben nach § 2 (2) StrVG (Wildpilze, Farne, Oberflächenwasser, Schwebstoff, Süßwasserfisch)
Angewandte Messverfahren
-
γ
-Spektrometrie, Sr-90-Bestimmung, α-Spektrometrie, H-3-Bestimmung, In-situ-γ-Spektrometrie

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
7
Tabelle 2:
Überblick über die Messaufgaben gemäß REI für die unabhängige Messstelle am For-
schungsstandort Rossendorf
Überwachte Umweltbereiche und Medien
-
Emission: Abluft (Aerosole und Iod), Abwasser
-
Immission (bestimmungsgemäßer Betrieb): Luft (äußere Strahlung und Aerosole), Niederschlag,
Boden, Futtermittel, Freilandgemüse, Obst, Milch, Oberflächenwasser, Sediment, Süßwasser-
fisch, Trinkwasser
-
Immission (Störfalltraining): Luft (äußere Strahlung, Aerosole und Iod), Boden, Bewuchs, Milch,
Oberflächenwasser.
Angewandte Messverfahren
-
γ-Spektrometrie, Sr-90-Bestimmung, H-3-Bestimmung, In-situ-γ-Spektrometrie, Messung der
Ortsdosisleistung, Bestimmung der Ortsdosis mittels Thermolumineszenzdosimetern
die Umgebung überwacht. Alle Altanlagen
wurden mit dem 31.12.1991 außer Betrieb ge-
nommen und werden - soweit dies nicht schon
erfolgt ist - derzeit stillgelegt. Die Ableitung ist
durch behördliche Festlegungen begrenzt.
Damit wird dem Schutzziel des Atomgesetzes,
"Leben, Gesundheit und Sachgüter vor den
Gefahren der Kernenergie und der schädli-
chen Wirkung ionisierender Strahlen zu schüt-
zen", Genüge getan. Da die kerntechnischen
Anlagen am Forschungsstandort Rossendorf
kein Kernkraftwerk sind, wird die REI gemäß
Anhang D unter Berücksichtigung der Spezifik
der Anlagen für die Überwachung der Anlagen
in Rossendorf angewendet. Für die Emissi-
onsüberwachung der kerntechnischen Anlage
am Forschungsstandort Rossendorf ist der
Verein für Kernverfahrenstechnik und Analytik
e.V. (VKTA) verantwortlich. Durch eine be-
hördlich bestimmte, unabhängige Messstelle
müssen Kontrollmessungen durchgeführt wer-
den. Der Geschäftsbereich Umweltradioaktivi-
tät der UBG ist mit dieser Aufgabe beauftragt
worden.
Die Tabelle 2 gibt einen Überblick über die von
der UBG überwachten Umweltbereiche und
Medien sowie über die angewandten Messver-
fahren.
3.3 Überwachung der anlagenbezo-
genen Radioaktivität – ehemaliger
Uranerzbergbau der Wismut GmbH
Die Überwachung der Radioaktivität in der
Umgebung der Anlagen des ehemaligen U-
ranerzbergbaues erfolgt in Deutschland auf
der Grundlage der §§ 48, 118 StrlSchV in Ver-
bindung mit dem AtG und der VOAS. Der BMU
hat zur einheitlichen Gestaltung der Überwa-
chungsmaßnahmen die REI-Bergbau erlas-
sen.
Die Überwachung der Anlagen des ehemali-
gen Uranerzbergbaues an den Standorten
Königstein, Gittersee, Schlema-Alberoda, Pöh-
la und Crossen erfolgt bezüglich der Abgabe
radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre und in
Grund- und Oberflächenwasser wie auch für
deren Eintrag in die Umgebung. Sowohl die
Emissions- als auch die Immissionsüberwa-
chung werden auch nach Einstellung der U-
ranerzförderung am 01.01.1991 fortgeführt.
Durch Anordnung des LfUG vom 27.09.1996
wurde die WISMUT GmbH verpflichtet, die
zwischenzeitlich bewährten Basisprogramme
zur Überwachung der Umweltradioaktivität als
langfristiges Monitoring weiterzuführen. Der
Geschäftsbereich Umweltradioaktivität der
UBG führt als unabhängige Messstelle ein
behördliches Kontrollprogramm zum Basispro-
gramm durch.
Das Basismonitoring der WISMUT GmbH wird
ergänzt durch zeitlich befristete sanierungsbe-
gleitende Programme. Dieses Monitoring ist in
der Regel Bestandteil der vom SMUL (seit
01.07.2000 vom LfUG) auf der Grundlage der
VOAS erteilten Genehmigungen. Dem Ge-
schäftsbereich Umweltradioaktivität der UBG
werden behördliche Kontrollmessungen vom
SMUL als Genehmigungsbehörde oder vom
LfUG als Aufsichtsbehörde (seit 01.07.2000
vom LfUG als Genehmigungs- und Aufsichts-
behörde) zugewiesen.
Die Tabelle 3 gibt einen Überblick über die von
der UBG überwachten Umweltbereiche und
Medien sowie über die angewandten Messver-
fahren.
Tabelle 3:
Überblick über die Messaufgaben der unabhängigen Messstelle bei der Umgebungsüber-
wachung der WISMUT-Sanierungsbetriebe (behördliches Kontrollprogramm zum Basisprogramm)
Überwachte Umweltbereiche und Medien
-
Emission: Abluft/Abwetter, Abwasser
-
Immission: Luft, Sickerwasser, Oberflächenwasser, Grundwasser, Trinkwasser, Bodenoberfläche
(Niederschlag)
Angewandte Messverfahren
-
Bestimmung von U
nat
, Ra-226, Pb-210 sowie von langlebigen Alphastrahlern, Radonmessung

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Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
8
4 Ergebnisse der Überwa-
chung der Radioaktivität
4.1 Allgemeine Umweltradioaktivität
Die Überwachung der Radioaktivität in der
Umwelt erfolgt zum Schutz der Bevölkerung
und soll eine Beurteilung ermöglichen, in wel-
chem Maße der Mensch ionisierender Strah-
lung ausgesetzt ist, die von der Umwelt aus-
geht. Gegenstand der Überwachung sind
radioaktive Stoffe künstlichen Ursprungs, de-
ren Konzentration in den Umweltbereichen
infolge von Tätigkeiten des Menschen zuneh-
men und so zu einer erhöhten Strahlenexposi-
tion führen können. Zu berücksichtigen sind
besonders die langfristigen Auswirkungen von
Kernwaffenversuchen und die großräumigen
und globalen Folgen des Betriebes von Anla-
gen des Kernbrennstoff-Kreislaufes im In- und
Ausland.
Abbildung 3 gibt einen Überblick über die regi-
onale Verteilung der im Freistaat Sachsen
ausgewählten Probenentnahme- und Messor-
te.
Abbildung 3:
Probenentnahmeorte für das Messprogramm im Normalbetrieb für den Freistaat Sach-
sen nach §3 StrVG

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Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
9
Abbildung 4: Tagesmittelwerte (18.10.2002) für die Gammaortsdosisleistung im Frei-
staat Sachsen
Ortsdosisleistung(ODL), Luft, Niederschlag
Die Ermittlung der äußeren Strahlenexposition
(Ortsdosis oder Ortsdosisleistung) ist ein wich-
tiger Indikator dafür, ob sich die Quellen der
Umweltradioaktivität verändert haben und
damit ein Eintrag in andere Umweltbereiche
möglich ist. Die Messung der Gammaortsdo-
sisleistung erfolgt in Sachsen an den Messsta-
tionen des ODL-Messnetzes des BfS durch
den Bund. Ein landeseigenes Messnetz gibt es
in Sachsen diesbezüglich nicht. Es können
aber die vom Bund erhobenen Daten über das
Rechnernetz des IMIS von den Ländern abge-
rufen und z.B. in Form von Zeitreihen für einen
Ort oder flächendeckend für Sachsen für einen
wählbaren Zeitraum dargestellt werden.
Abbildung 4 zeigt als Beispiel die Tagesmittel-
werte vom 18.10.2002 für die zum damaligen
Zeitpunkt in Betrieb befindlichen 95 Messstati-
onen in Sachsen. Die unterschiedlichen Dosis-
leistungen resultieren aus den unterschiedli-
chen geologischen Verhältnissen, wobei
abhängig von der Witterung und insbesondere
der Niederschlagssituation deutliche, natürlich
bedingte Schwankungen möglich sind (Aus-
waschen von Radonfolgeprodukten aus der
Luft und Ablagerung auf dem Boden). Der
Mittelwert aus den 95 dargestellten Werten
beträgt 0,104 μSv/h. Der Wertebereich um-
fasst 0,066 bis 0,156
µ
Sv/h.
Auch für die Umweltbereiche Luft und Nieder-
schlag lassen sich für das Gebiet des Freistaa-
tes Sachsen vom Bund erhobene Daten über
den Rechnerverbund des IMIS abfragen. Da-

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
10
bei sind in der Luft Aktivitätswerte natürlicher
Radionuklide (z. B. Folgeprodukte des Radon
und Be-7) dominant.
Boden, Futtermittel, Pflanzen
Der Boden ist die Grundlage der Nahrungsmit-
telproduktion. Er spielt bei den meisten
Expositionspfaden eine wichtige Rolle für den
Anbau pflanzlicher und die Gewinnung
tierischer Nahrungsmittel. Gemäß dem
Routinemessprogramm werden Bodenarten
und Bodentypen, die landwirtschaftlich genutzt
werden, erfasst. Es werden sowohl bearbeitete
Flächen (Äcker) als auch unbearbeitete
Flächen (Dauerweiden) beprobt. Zusätzlich
wird zur Gewinnung von Referenzwerten die
Bodenkontamination mit Hilfe der in-situ-
Gamma-Spektrometrie bestimmt
(nuklidspezifische Ortsdosisleistung).
Gras (Weide- und Wiesenbewuchs) als wichti-
ges Futtermittel und fast immer verfügbarer
Bodenbewuchs ist ein wichtiges Indikatorme-
dium für den Transfer von Radionukliden in die
Ketten der menschlichen Ernährung. Es ist
Ausgangspunkt für eine mögliche Exposition
durch den Weide-Kuh-Milch-Pfad. Die Routi-
neüberwachung konzentriert sich auf diejeni-
gen pflanzlichen Futtermittel, die den Hauptan-
teil der Produkte bilden, potentiell die höchste
Kontamination erfahren und damit eine Indika-
torfunktion für den Futtermittelsektor erfüllen
können. Neben Weide- und Wiesenbewuchs
werden daher Grünmais, Futtergetreide und
Futterkartoffeln beprobt.
Die Probenentnahme weiteren Pflanzenmate-
rials beschränkt sich auf Bereiche ohne land-
wirtschaftliche Nutzung und dort auf als Indika-
toren geeignete Pflanzen bzw. Pflanzenteile.
Es werden jährlich die gleichen Probenent-
nahmeorte aufgesucht. In Boden, Futtermitteln
und Pflanzen werden derzeit vor allem die
künstlichen Radionuklide Cs-137, Cs-134 (im
Bericht wegen der Kleinheit der Werte nicht
ausgewiesen, Aktivitätsverhältnis Cs-134/Cs-
137 ca. 0,02) und Sr-90 als Folge der oberirdi-
schen Kernwaffenversuche und des Reaktor-
unfalls von Tschernobyl und das natürliche
Radionuklid K-40 nachgewiesen. Die spezifi-
sche Aktivität von K-40 ist in der Regel größer
als die der künstlichen Radionuklide. In
Tabelle 4 sind die Ergebnisse zusammenge-
stellt. Es sind jeweils Messwerte oder Nach-
weisgrenzen angegeben. Die Nachweisgrenze
gibt an, welcher kleinste wahre Wert der
Messgröße mit einem anzuwendenden Mess-
verfahren noch nachgewiesen werden kann
.
Tabelle 4
: Zusammenfassung der Ergebnisse der Umweltüberwachung (spezifische Aktivität bzw.
nuklidspezifische Ortsdosisleistung) von Boden, Futtermittel und Pflanzen für das Jahr 2001 / 2002.
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Boden
Acker- und Weide-
Cs-137
24
5,7E+00
7,3E+01
Bq/kg(TM)
Boden
K-40
24
2,6E+02
8,6E+02
Sr-90
10
7,0E-01
2,9E+00
Nuklidspezifische
Cs-137
52
3,9E-04
3,5E-03
μGy/h
Ortsdosisleistung
K-40
52
4,2E-03
2,2E-02
Futtermittel (ohne importierte Produkte)
Weide- und
Cs-137
40 (16)
< 2,0E-01
7,2E+00
Bq/kg(TM)
Wiesenbewuchs
K-40
40
5,8E+02
1,5E+03
Sr-90
21
3,9E-01
2,3E+00
Grünmais
Cs-137
40 (29)
9,2E-02
1,2E+00
K-40
40
3,0E+02
6,2E+02
Futtergetreide
Cs-137
20 (19)
< 5,2E-02
< 1,7E-01
K-40
20
1,0E+02
1,8E+02
Futterkartoffeln
Cs-137
20 (10)
< 1,1E-01
8,3E-01
K-40
20
5,1E+02
1,1E+03
Pflanzen
Laub
Cs-137
12
3,9E-01
2,8E+01
Bq/kg(TM)
K-40
12
1,3E+02
3,4E+02
Gras/ Farn
Cs-137
19 (2)
1,9E-01
4,5E+02
K-40
19
5,5E+01
9,5E+02
Nadeln
Cs-137
6
2,9E+00
5,8E+01
K-40
6
2,2E+02
3,6E+02
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43

image
image
Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
11
Weide- und Wiesenbewuchs
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
Sr-90
Cs-137
Weideboden
0
5
10
15
20
25
30
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
Sr-90
Cs-137
*
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.
Abbildung 5:
Spezifische Aktivität von Cs-
137 und Sr-90 im Weideboden (oben) und im
Weide- und Wiesenbewuchs (unten) an einer
Probenentnahmestelle im Landkreis Zwickau
(unausgefüllte Säulen: Messwert kleiner als
Nachweisgrenze; *: Sr-90 Analytik nicht
durchgeführt).
Abbildung 5 zeigt ab 1993 die spezifische Akti-
vität von Sr-90 und Cs-137 im Weideboden
und im Weide- und Wiesenbewuchs an einer
Probenentnahmestelle im Landkreis Zwickau.
Aus dem zwischen Weideboden und Bewuchs
veränderten Verhältnis Cs-137 / Sr-90 sieht
man, dass Sr-90 stärker aufgenommen wird
als Cs-137.
Gewässer
Wasser ist u.a. lebensnotwendig für die Ernäh-
rung aller Lebewesen, weshalb für die Unter-
suchung des Gehaltes an radioaktiven Stoffen
sowohl Oberflächen- als auch Grund- und
Trinkwasser einbezogen sind. Bei oberirdi-
schen Gewässern bilden vor allem Gewässer-
bereiche mit aktueller oder potentieller Nut-
zung den Schwerpunkt der Überwachung.
Radionuklide lagern sich im Wasser an
Schwebstoffe an und sind demzufolge auch im
Sediment angereichert wiederzufinden. Da
diese Medien z. B. für Fische auch als Nah-
rung dienen, werden diese Medien beprobt
und gemessen.
Trinkwasserproben werden entnommen aus
Wasserwerken, die ungeschützte Rohwässer

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
12
nutzen (Flüsse, Seen, Talsperren) und aus
Wasserwerken, die geschützte Rohwässer
nutzen (Grundwasser). Zusätzlich wird das
Grundwasser an solchen Stellen überwacht,
Tabelle 5
: Zusammenfassung der Ergebnisse der Umweltüberwachung (Aktivitätskonzentration bzw.
spezifische Aktivität) von oberirdischen Gewässern, Trink- und Grundwässern für die Jahre
2001/2002
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Oberirdische Gewässer
Oberflächen-
Cs-137
40(33)
9,9E-04
< 5,3E-03
Bq/l
wasser
K-40
40
1,4E-01
1,1E+00
Sr-90
20(1)
1,0E-03
1,7E-02
H-3
40(28)
3,2E+00
< 9,4E+00
U-238
20(2)
< 5,8E-04
5,6E-02
Pu-239/240
20(20)
1,1E-04
< 2,3E-03
Sediment
Cs-137
40(5)
2,9E-01
1,8E+01
Bq/kg(TM)
K-40
40
3,4E+02
1,0E+03
Schwebstoff
Cs-137
16(1)
5,8E+00
4,2E+01
Bq/kg(TM)
K-40
16
6,2E+02
8,8E+02
Trink- und Grundwasser
Trinkwasser
Cs-137
32(25)
1,6E-03
4,8E-03
Bq/l
K-40
32
2,4E-02
2,1E-01
Sr-90
12(3)
1,0E-03
7,0E-03
U-238
12(9)
< 2,3E-04
3,5E-03
Pu-239/240
12(12)
< 2,9E-04
< 3,6E-03
Grundwasser
Cs-137
16(16)
< 1,1E-03
< 3,6E-03
Bq/l
K-40
16
5,4E-02
4,7E-01
Sr-90
8(5)
1,0E-03
< 2,0E-03
U-238
8(3)
< 2,5E-04
7,0E-03
Pu-239/240
8(8)
< 3,0E-04
< 1,8E-03
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.
die nur in Ausnahmefällen zur Trinkwasserge-
winnung herangezogen werden.
In den Oberflächen-, Trink- und Grundwässern
können die künstlichen Radionuklide Cs-137,
H-3 und Sr-90 als Folge der oberirdischen
Kernwaffenversuche und des Reaktorunfalls
von Tschernobyl nachgewiesen werden. Die
künstlichen Radionuklide Pu-238, Pu-239 und
Pu-240 (zusammengefasst als Pu-239/240)
werden nicht nachgewiesen. Das natürliche
Radionuklid K-40 ist im Allgemeinen in höhe-
ren Aktivitätskonzentrationen als die künstli-
chen Radionuklide enthalten. Die natürlichen
Radionuklide U-238 und U-234 sind in vielen
Proben nachweisbar (Tabelle 5).
Nahrungsmittel
Nahrungsmittel stellen das letzte und somit
wichtigste Glied in der Nahrungskette dar.
Lebensmittel tierischer Herkunft werden
gleichmäßig über das Jahr verteilt beprobt,
Lebensmittel pflanzlicher Herkunft werden
hingegen so ausgewählt, dass über das Jahr
verteilt verschiedene erntereife Produkte aus
den für die Versorgung relevanten Anbauge-
bieten erfasst werden. Lebensmittel pflanzli-
cher Herkunft, die Radionuklide stark anrei-
chern, jedoch wegen ihrer Menge für die
Ernährung der Bevölkerung eine untergeord-
nete Rolle spielen (z.B. Wildpilze), werden
stichprobenartig überwacht.
In den überwachten Nahrungsmitteln sind i.a.
noch die künstlichen Radionuklide Cs-137 und
Sr-90 nachzuweisen (Tabelle 6). Die spezifi-
schen Aktivitäten an natürlich vorhandenem K-
40 sind jedoch auch hier in der Regel größer.
Nachfolgend werden exemplarisch die Medien
Wildpilze, Milch, und Gesamtnahrung disku-
tiert.
Ein für die menschliche Ernährung in Deutsch-
land zwar nicht typisches, aber saisonal be-
liebtes Nahrungsmittel sind Wildpilze. Sie rei-
chern unter anderem besonders Cs-137 an.
Die gemessene spezifische Aktivität von Wild-
pilzen lag unter 750 Bq/kg(FM) und betrug im
Mittel 150 Bq/kg(FM). Die daraus resultierende
Exposition beträgt etwa 3% der mittleren effek-

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
13
tiven Dosis für einen Bewohner der BRD pro
Jahr (2,4 mSv), wenn 5 kg Pilze mit einer spe-
zifischen Aktivität von 200 Bq/kg(FM) im Laufe
einer Pilzsaison gegessen werden (Tabelle 6).
Tabelle 6:
Zusammenfassung der Ergebnisse der Umweltüberwachung (Aktivitätskonzentration, spe-
zifische Aktivität bzw. Aktivitätszufuhr pro Tag und Person) für Lebensmittel, Gesamtnahrung sowie
Säuglings- und Kleinkindernahrung und Milch für die Jahre 2001/2002
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Lebensmittel tierischer Herkunft und Fische
Rindfleisch
Cs-137
58(9)
< 7,3E-02
1,2E+01
Bq/kg(FM)
K-40
59
9,4E+01
1,4E+02
Schweinefleisch
Cs-137
46(10)
6,3E-02
6,9E-01
K-40
46
1,1E+02
1,4E+02
Kalbfleisch
Cs-137
12
6,1E-02
8,6E-01
K-40
12
1,1E+02
1,5E+02
Geflügel
Cs-137
20(12)
5,8E-02
2,7E-01
K-40
20
1,1E+02
1,5E+02
Süßwasserfisch
Cs-137
16
1,4E-01
6,5E+00
K-40
16
9,1E+01
1,4E+02
Sr-90
4
1,8E-02
3,1E-02
Lebensmittel pflanzlicher Herkunft
Freilandgemüse
Cs-137
186(177) < 5,3E-02
< 2,1E-01
Bq/kg(FM)
(ohne Wildpilze)
K-40
186
4,2E+01
2,3E+02
Sr-90
15
1,8E-02
2,6E-01
Getreide
Cs-137
65(58)
3,8E-02
2,3E-01
K-40
65
1,1E+02
2,3E+02
Sr-90
6
1,3E-01
2,5E-01
Obst
Cs-137
57(53)
< 3,5E-02
1,2E+01
K-40
57
2,8E+01
2,2E+02
Sr-90
6
8,0E-03
4,8E-02
Kartoffeln
Cs-137
20(18)
< 7,4E-02
< 2,2E-01
K-40
20
1,1E+02
1,5E+02
Sr-90
2
2,4E-02
3,2E-02
Wildpilze
Cs-137
27
3,4E-01
7,4E+02
K-40
27
6,9E+00
1,7E+02
Gesamtnahrung sowie Säuglings- und Kleinkindernahrung
Gesamtnahrung
Cs-137
128(96)
7,6E-02
2,7E+01
Bq/(d
.
p)
K-40
128
8,1E+01
3,8E+02
Sr-90
31
7,9E-02
2,1E-01
Säuglings- und
Cs-137
24(15)
< 6,5E-02
1,9E-01
Bq/kg(FM)
Kleinkindernahrung
K-40
24
2,5E+01
5,9E+01
Sr-90
4
2,2E-02
2,7E-02
Milch
Milch
Cs-137
71(60)
4,8E-02
< 1,2E-01
Bq/l
K-40
71
4,3E+01
5,7E+01
Sr-90
32
2,5E-02
6,4E-02
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.
Milch ist ein besonders für Kinder notwendiges
Nahrungsmittel. Da der mittlere jährliche Ver-
zehr in der Bundesrepublik Deutschland 70 l
pro Einwohner beträgt (Milchprodukte ausge-
nommen) und der Eintrag in die Milch über den
Weide-Kuh-Pfad sehr kurz ist, muss der Be-
probung von Rohmilch im möglichen Ereignis-
fall große Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Die folgende Abbildung 6 zeigt den zeitlichen
Verlauf der Aktivitätskonzentration von Cs-137
und Sr-90 in Milch seit 1993 an einer ausge-
wählten Probenentnahmestelle. Die Aktivitäts-
konzentration von Cs-137 liegt i.a. unter der
Nachweisgrenze. Die Abnahme von 1993 bis
1997 ist nur scheinbar und ist auf eine verbes-
serte Analytik zurückzuführen.

image
Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
14
Abbildung 6
: Aktivitätskonzentration von Cs-137 und Sr-90 in Milch von einer Probenentnahmestelle
im Landkreis Meißen
(1992, 1993: Sr-90 Analytik nicht durchgeführt; unausgefüllte Symbole: Messwerte kleiner als Nach-
weisgrenze)
Eine Methode, wie außer aus typischen Ein-
zelkomponenten der menschlichen Ernährung
eine integrale Ermittlung des Radionuklidein-
trages in den menschlichen Körper durch In-
gestion erfolgen kann, ist die periodische Er-
mittlung der Aktivität künstlicher Radionuklide
pro Tag und Person für eine landestypische
Tagesgesamtnahrung. In Sachsen wird an
einer Probenentnahmestelle pro Woche eine
Tagesprobe gemessen. Die folgende
Abbildung 7 zeigt den zeitlichen Verlauf der
Aktivitätszufuhr pro Tag und Person von Cs-
137 und Sr-90 seit 1993. Die Aktivitätszufuhr
der künstlichen Radionuklide Cs-137 und Sr-
90 beträgt ca. 0,3 Bq/(d*p) bzw. 0,15 Bq/(d*p)
im Vergleich zu einer Aktivitätszufuhr des na-
türlichen Radionuklides K-40 von ca. 100
Bq/(d*p).
Kläranlagen, Deponien, Reststoffe
Kläranlagen werden überwacht hinsichtlich
des Abwassers (Klarwasser) und des Klär-
schlamms. Ebenso werden Sickerwässer,
deponienahe Grundwässer sowie Kompost
aus Kompostierungsanlagen überwacht. Da in
diese Medien eine Vielzahl von Stoffströmen
aus unterschiedlichen Bereichen eingehen,
sind sie gute Indikatoren für das Auftreten von
Radionukliden in der Umwelt und im Alltag. Im
Allgemeinen werden die künstlichen Radionuk-
lide Cs-137 und Sr-90 als Folgen der oberirdi-
schen Kernwaffentests und des Reaktorunfalls
von Tschernobyl nachgewiesen (Tabelle 7).
Eine Besonderheit ist der Nachweis des kurz-
lebigen Nuklides I-131 (Halbwertszeit T
1/2
=
8,021 d) im Abwasser (Klarwasser) bzw. im
Klärschlamm. Es resultiert aus der genehmig-
ten Abgabe von radiomedizinischen Einrich-
tungen mit Radioiodtherapie bzw. aus diffusen
Ausscheidungen von entlassenen Radioiodpa-
tienten. Auch bei diesen Materialien ist der
Gehalt an dem natürlichen Radionuklid K-40
im Allgemeinen wesentlich größer als der Ge-
halt an den künstlichen Radionukliden I-131,
Cs-137 und Sr-90.
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
Cs-137
Sr-90

image
Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
15
Abbildung 7
: Aktivitätszufuhr von Cs-137 und Sr-90 pro Tag und Person mit der Gesamtnahrung
(1992, 1993: Sr-90 Analytik i.a. nicht durchgeführt; unausgefüllte Symbole: Messwerte kleiner als
Nachweisgrenze)
Tabelle 7:
Zusammenfassung der Ergebnisse der Umweltüberwachung (Aktivitätskonzentration bzw.
spezifische Aktivität) von Kläranlagen, Deponien für Hausmüll und Klärschlamm sowie Kompostie-
rungsanlagen für die Jahre 2001/2002
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Kläranlagen
Abwasser
Cs-137
39
4,5E-03
< 1,2E-02
Bq/l
(Klarwasser)
K-40
39(3)
3,5E-01
1,5E+00
I-131
30(1)
< 1,2E-02
1,1E+00
Sr-90
8(4)
5,0E-03
9,0E-03
U-238
8(1)
< 7,2E-04
5,5E-02
Pu-239/240
8(8)
< 5,9E-04
< 4,3E-03
Klärschlamm
Cs-137
39
1,6E+00
1,3E+01
Bq/kg
K-40
39
2,9E+01
1,9E+02
(TM)
I-131
39
4,6E+00
5,7E+02
Sr-90
10(1)
1,2E+00
3,5E+00
U-238
10
1,3E+01
4,7E+01
Pu-239/240
9(9)
< 4,7E-01
< 2,4E+00
Deponien für Hausmüll und Klärschlamm
Sickerwasser oder
Cs-137
16(15)
< 5,7E-03
2,3E-02
Bq/l
deponienahe
K-40
16
4,6E-01
2,0E+01
Grundwässer
H-3
16(7)
< 4,4E+00
3,4E+01
Kompostierungsanlagen
Kompost
Cs-137
8
5,7E+00
2,2E+01
Bq/kg(TM)
K-40
8
1,6E+02
5,7E+02
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
Cs-137
Sr-90

image
image
Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
16
4.2 Anlagenbezogene Radioaktivität
- kerntechnische Anlagen am For-
schungsstandort Rossendorf
Es werden Resultate der Emissions- und Im-
missionsüberwachung für die Jahre 2001/2002
berichtet, die auf Grund des Innehabens und
der Stilllegung von kerntechnischen Anlagen
sowie des Umganges mit radioaktiven Stoffen
in den Einrichtungen am Forschungsstandort
Rossendorf durchgeführt worden sind.
Der östlich von Dresden gelegene For-
schungsstandort (Abbildung 8) ist aus dem
Zentralinstitut für Kernforschung der ehemali-
gen Akademie der Wissenschaften der DDR
hervorgegangen. Zum Betriebszustand der
kerntechnischen Anlagen werden u.a. im Jah-
resbericht des Fachbereiches Sicherheit und
Strahlenschutz /15/ Angaben gemacht. Hier-
aus ist Abbildung 9 entnommen, in der u.a. die
einzelnen Emittenten radioaktiver Stoffe mit
Fortluftmesseinrichtungen ausgewiesen sind.
Die kerntechnischen Anlagen am Forschungs-
standort Rossendorf werden ausschließlich
nur im Rahmen von Genehmigungen nach
dem Atomgesetz oder der
Strahlenschutzverordnung betrieben, verwahrt
oder rückgebaut. Diese Genehmigungen sind
vom SMUL bzw. vom LfUG erteilt worden. Die
Einhaltung dieser Genehmigungen wird von
diesen Behörden überwacht.
Abbildung 8:
Lage des FS Rossendorf im Freistaat Sachsen.
Leipzig
Dresden
G?rlitz
Chemnitz
Plauen
FS Rossendorf

image
image
Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
17
Abbildung 9
: Gebäudeplan des inneren Bereiches des FS Rossendorf (Ausschnitt einer Karte aus
/15/). Der höchstbelastete Punkt für den Wasserpfad befindet sich in südlicher Richtung (Ablauf des
Kalten Baches aus dem Forschungsstandort); für den Luftpfad liegt der höchstbelastete Punkt für die
Expositionspfade "Inhalation", "γ-Submersion","γ-Bodenstrahlung" in nördlicher Richtung in der Nähe
der Bundesstraße B6 (Z10) und für den "Ingestionspfad" in ostnordöstlicher Richtung in der Nähe des
MET (Z17).
Gebäude mit Kontrollbereich
ODL x
stationäre Sonde
Sonstige Gebäude
GW x
Kontrollpunkte Grundwasser
Fortluftmesseinrichtung
MET
Meteorologisches Messfeld
Schornstein
Emissionsüberwachung
Die beim Betrieb der Anlagen unvermeidlichen
Abgaben radioaktiver Stoffe mit der Fortluft
und dem Abwasser (Ableitungen) werden ge-
trennt kontrolliert und bilanziert. Die Fortluft
der Anlagen wird über Kamine abgeleitet und
dabei überwacht. Es werden Nuklide bzw.
Nuklidgruppen erfasst und bilanziert. Dabei
handelt es sich um radioaktive Edelgase bzw.
Gase, Tritium (H-3), radioaktiven Kohlenstoff
(C-14) und aerosolförmige Stoffe (vgl. Tabelle
8). Die dort angegebenen Nuklidgruppen sind
folgendermaßen definiert:
A..
Aerosole ..
A
A
.. α-Strahler T
1/2
8 Tage
A
BL
.. β-Strahler langlebig T
1/2
8 Tage
A
GL
.. γ-Strahler langlebig T
1/2
8 Tage
A
GK
.. γ-Strahler kurzlebig1<T
1/2
<8 Tage
G
Radioaktive Gase
H-3
Tritium
C-14
Radioaktiver Kohlenstoff
Sowohl die freigegebenen und gereinigten
Abwässer aus den Sammelbehältern der spe-
ziellen Kanalisation als auch die Abwässer aus
der Kläranlage werden in den Vorfluter "Kalter
Bach" abgeleitet, ehe sie in die Wesenitz und
Elbe gelangen. Eine nuklidspezifische Bilan-
zierung der Ableitungen wird an mengenpro-
portionalen Rückstellmischproben, im Falle
von Nukliden mit Halbwertszeiten < 30 d aus
den Resultaten der Freigabemessungen
durchgeführt.
Die Emissionsüberwachung des Betreibers
wird umfassend vom Fachbereich Strahlen-
schutz und Sicherheit, Abteilung Umgebungs-
überwachung, am Standort durchgeführt. Die
nach REI durchzuführende Kontrolle der E-
missionen durch die unabhängige Messstelle
erfolgt an ausgewählten Proben. Die im fol-
genden Absatz beschriebenen Resultate sind
dem Jahresbericht des Fachbereiches
Strahlenschutz und Sicherheit entnommen
/15/, um einen Überblick über 2001/2002
erfolgten Emissionen zu vermitteln.

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
18
Tabelle 8:
Ableitung von Radionukliden mit der Fortluft aus Emittenten am Forschungsstandort Ros-
sendorf /15/ für die Jahre 2001/2002
Emittent
Nuklid-
gruppe
Bezugsnuklid Ableitbare
Umgangs-
nuklide
Ober-
grenzen
[Bq/a]
Ableitung
[Bq]
2001
2002
Gebäudekomplex
Tritium
H-3
H-3
4,4E+10
1,8E+09
4,5E+09
91 / 8d
Kohlen-
C-14
C-14
6,0E+09
stoff
C-14 organisch
7,9E+07
C-14 anorganisch
5,6E+07
1,3E+08
A
GL
Co-60
Co-60
1,5E+07
2,5E+04
1,5E+05
Cs-137
9,2E+03
7,4E+04
Eu-152
2,2E-03
6,0E+03
A
BL
Sr-90
Sr-90
1,5E+07
7,6E+03
1,4E+04
Cl-36
4,0E+04
3,9E+05
A
AL
Pu-239
Pu239/240
1,5E+05
1,7E+02
4,2E+02
U-234
7,8E+03
5,3E+03
U-235
2,1E+02
1,5E+02
U-238
4,6E+03
3,7E+03
RFR
Tritium
H-3
H-3
5,0E+11
2,7E+10
1,7E+10
Gebäude 9/9a
Kohlen-
C-14
C-14
4,0E+09
C-14 organisch
6,3E+07
stoff
C-14 anorganisch
1,2E+07
8,9E+07
A
GL
Cs-137
Cs-137
5,0E+08
3,0E+04
7,2E+04
Co-60
1,3E+04
1,8E+04
A
BL
Sr-90
Sr-90
5,0E+06
2,6E+03
8,2E+03
A
AL
Am-241
Am-241
1,0E+05
3,2E+01
4,8E+01
Pu238
2,9E+01
Pu239/240
1,1E+02
U-234
3,4E+03
2,0E+03
U-235
6,9E+01
2,6E+01
U-238
1,9E+03
1,2E+03
ESR
Tritium
H-3
H-3
2,3E+10
6,2E+08
1,4E+09
Gebäude 86.1
Kohlen-
C-14
4,0E+09
stoff
C-14 organisch
1,0E+07
3,0E+07
C-14 anorganisch
2,9E+08
1,4E+08
LSN
Tritium
H-3
H-3
2,0E+09
2,9E+07
5,0E+09
Gebäude 86.2
Kohlen-
C-14
1,0E+09
stoff
C-14 organisch
1,7E+06
4,6E+06
C-14 anorganisch
6,3E+07
1,7E+08
Gebäude 8a
A
GL
Co-60
Co-60
2,0E+07
5,9E+02
KB 3
Fe-55
9,0E+03
Eu-152
6,2E+03
8,4E+02
Eu-154
2,7E+03
Eu-155
2,7E+02
Gebäude 8a
Tritium
H-3
1H-3
5,0E+09
1,9E+08
1,9E+08
KB 4
Kohlen-
C-14
5,0E+08
stoff
C-14 organisch
1,9E+06
2,1E+06
C-14 anorganisch
4,0E+07
3,7E+06
Gebäude 8a
Tritium
H-3
1H-3
5,0E+10
3,7E+08
1,5E+09
KB 6
Kohlen-
C-14
5,5E+09
stoff
C-14 organisch
1,8E+05
3,3E+05
C-14 anorganisch
3,5E+06
8,5E+05
Gebäude 8a
Tritium
H-3
H-3
*)
1,0E+07
1,0E+07
KB 6
Kohlen-
C-14
2,5E+09
(Raum C212)
stoff
C-14 organisch
8,4E+06
1,7E+07
C-14 anorganisch
1,8E+08
2,2E+08

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
19
Emittent
Nuklid-
gruppe
Bezugsnuklid Ableitbare
Umgangs-
nuklide
Ober-
grenzen
[Bq/a]
Ableitung
[Bq]
2001
2002
PET-Zentrum
Tritium
H-3
H-3
8,0E+07
4,3E+07
Gebäude 92,93
Kohlen-
C-14
*)
stoff
C-14 organisch
1,7E+07
C-14 anorganisch
2,7E+07
G
F-18
F-18
5,0E+12
9,1E+10
2,1E+11
C-11
1,4E+10
4,6E+10
N-13
2,0E+08
O-15
3,6E+09
1,6E+10
CYCLONE
A
GL
Zn-65
Zn-65
*)
Gebäude 7
Cs-137
1,8E+06
A
BL
Sr-90
Sr-90
*)
1,3E+03
G
Ar-41
Ar-41
2,0E+11
6,6E+09
9,2E+09
F-18
1,8E+10
1,7E+10
RCL
Kohlen
C-14
2,0E+10
Gebäude 8b
stoff
C-14 organisch
2,3E+08
3,4E+08
C-14 anorganisch
2,0E+09
2,6E+09
A
GL
Cs-137
Cs-137
2,0E+05
1,6E+03
2,5E+02
ELBE
G
N-13
N-13
3,5E+13
9,5E+08
Gebäude 40
Neutronenhalle
Rückbau AMOR I/II
A
GL
Cs-137
Cs-137
1,5E+07
7,0E+02
Te-125m
3,8E+02
A
BL
Sr-90
Sr-90
1,5E+07
6,3E+01
A
AL
PU-239
Pu-239/240
1,5E+05
4,9E+00
U-234
1,9E+02
U-235
6,0E+00
u-238
1,2E+02
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) vorsorgliche Überwachung
Abbildung 10
: Ableitung expositionsrelevanter Radionuklide mit Wasser aus Rückhalteeinrichtungen
des Forschungsstandortes Rossendorf 1991 bis 2002
/15/
(
*
<4,8E+08 Bq, seit 1992 empfindlicheres Messsystem mit niedrigerer Nachweisgrenze)
1,00E+05
1,00E+06
1,00E+07
1,00E+08
1,00E+09
1,00E+10
1,00E+11
1,00E+12
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
Ableitung in Bq
Sr-90
C-14
H-3 (in kBq)
Co-60
Cs-137
*

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
20
Tabelle 8 zeigt die Ableitung ausgewählter
radioaktiver Stoffe mit der Fortluft aus den
wesentlichen Emittenten des Forschungs-
standortes für die Jahre 2001/2002. Die Ablei-
tung ausgewählter expositionsrelevanter Ra-
dionuklide mit Wasser aus den
Rückhalteeinrichtungen am Forschungsstand-
ort ist in Abbildung 10 dargestellt.
Die Ableitungswerte sowohl mit der Fortluft als
auch mit dem Wasser liegen deutlich unter
den Obergrenzen. Die Obergrenzen stellen
jeweils die Ableitwerte der Aktivität für die je-
weils relevante Nuklidgruppe bzw. das jewei-
lig relevante Nuklid entsprechend dem Emissi-
onsplan einer Anlage dar. Sie sind so
festgelegt, dass die Grenzwerte der Strahlen-
exposition für Personen (Referenzpersonen) in
der Umgebung bei Ausschöpfung und unter
Berücksichtigung der jeweils ungünstigsten
Ausbreitungsbedingungen sowie konservativer
Annahmen für Aufenthalts- und Verzehrge-
wohnheiten an einem Bezugsort (ungünstigste
Einwirkungsstelle) nach § 47 StrlSchV von
0,3 mSv pro Jahr jeweils für den Luft- und
Wasserpfad nicht überschritten werden. Die
Resultate der Expositionsrechnungen werden
in Abschnitt 5 zitiert und eingeschätzt.
Immissionsüberwachung
Hier werden Ergebnisse der Immissionsüber-
wachung durch die unabhängige Messstelle im
Normalbetrieb dargestellt. Ausführliche Dar-
stellungen der Ergebnisse der Immissions-
überwachung sowohl für das Programm des
Betreibers als auch für das Programm der
unabhängigen Messstelle befinden sich in den
jeweiligen Jahresberichten an das SMUL.
Ortsdosis (äußere Strahlung), Luft/Aero-
sole, Niederschlag
Zur Überwachung der möglichen Dosisbeiträ-
ge aus der Direktstrahlung der Anlage und der
Ableitung radioaktiver Stoffe mit der Luft wer-
den sowohl am Betriebsgeländezaun als auch
in der Umgebung des Forschungsstandortes
jeweils über ein Jahr Festkörperdosimeter
exponiert. Diese Messung erfasst auch die
Gammadosis durch radioaktive Stoffe natürli-
cher Herkunft (Untergrundstrahlung). Der ge-
messene Bereich der γ-Ortsdosis, sowohl am
Betriebsgeländezaun als auch in der Umge-
bung, liegt im Bereich der natürlichen γ-
Ortsdosis im Freistaat Sachsen (vgl. Abbildung
4). Ein betrieblicher Einfluss ist nicht nach-
weisbar.
Gemäß REI werden zur Überwachung der
luftgetragenen Aerosolkonzentration durch den
Genehmigungsinhaber Filter an automatischen
Messstationen bestaubt. Die unabhängige
Messstelle untersucht gammaspektrometrisch
Quartalsmischproben, die aus Einzelproben
des Genehmigungsinhabers erstellt werden.
Niederschlag wird außerhalb des Betriebsge-
ländezaunes sowohl am Standort der Wohn-
siedlung und am Referenzort in Wahnsdorf
kontinuierlich gesammelt und monatlich ge-
messen. Im Niederschlag konnten keine
Messwerte oberhalb der Nachweisgrenze
festgestellt werden.
In der Tabelle 9 sind die Ergebnisse der Um-
gebungsüberwachung des FS Rossendorf für
die genannten Bereiche zusammengestellt.
Tabelle 9
: Zusammenfassung der Ergebnisse der Umgebungsüberwachung des FS Rossendorf von
Luft/Äußere Strahlung, Luft/Aerosole und Niederschlag für die Jahre 2001/2002
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Luft/äußere Strahlung (Ortsdosis) mittels Festkörperdosimeter
(Betriebsgelände-
zaun)
γ-Orts-
dosis
30
5,0E-01
7,2E-01
mSv
(Umgebung der
Anlage)
γ-Orts-
dosis
37
5,7E-01
9,8E-01
Luft/Aerosole mittels Filter
Cs-137
16(11)
7,0E-06
1,2E-05
Bq/m³
Co-60
16(16)
< 7,2E-06
< 1,3E-05
Niederschlag
Cs-137
48(46)
< 8,1E-02
< 1,3E+00
Bq/m²
Co-60
48(48)
< 9,0E-02
< 1,4E+00
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
21
Boden, Futtermittel, Nahrungsmittel pflanz-
licher Herkunft, Kuhmilch, Fisch
Es werden jeweils Böden sowie Weide- und
Wiesenbewuchs im Bereich der ungüns-
tigsten Einwirkungsstelle und an einem
Referenzort entnommen. Zur Überwachung
der Nahrungsmittelkette werden vereinzelt
Nahrungsmittel pflanzlicher Herkunft,
Kuhmilch und Fisch beprobt (
Tabelle 10).
Die gemessenen Aktivitätskonzentrationen
bzw. spezifischen Aktivitäten liegen im Bereich
der in ganz Sachsen gemessenen Werte (vgl.
Abschnitt 4.1).
Tabelle 10
: Zusammenfassung der Ergebnis-
se der Umgebungsüberwachung (Aktivitäts-
konzentrationen bzw. spezifische Aktivitäten)
des FS Rossendorf von Boden und Futtermit-
tel, Nahrungsmittel pflanzlicher Herkunft,
Kuhmilch sowie Fisch für die Jahre 2001/2002
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Boden und Futtermittel
Boden
Cs-137
16
3,8E-01
2,1E+01
Bq/kg TM
Co-60
16(10)
< 2,2E-01
5,4E-01
Weide- und
Cs-137
16(1)
6,4E-01
3,5E+01
Wiesenbewuchs
Co-60
16(16)
< 2,5E-01
< 4,7E-01
Nahrungsmittel pflanzlicher Herkunft; Kuhmilch
Salat
Co-60
1(1)
< 1,4E-01
Bq/kg FM
Cs-137
1(1)
< 1,2E-01
Sr-90
1
1,8E-01
Obst
Co-60
2(2)
< 1,4E-01
< 1,6E-01
Cs-137
2(2)
< 1,2E-01
< 1,6E-01
Sr-90
2
2,7E-02
3,7E-02
Kuhmilch
Cs-137
4(2)
6,8E-02
3,1E-01
Bq/l
Co-60
4(4)
< 8,2E-02
< 9,5E-02
Sr-90
4
2,8E-02
3,4E-02
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.
Tabelle 11:
Zusammenfassung der Ergebnisse der Umgebungsüberwachung (Aktivitätskonzentration
bzw. spezifische Aktivität) des FS Rossendorf von Oberflächenwasser, Sediment und Trinkwasser für
die Jahre 2001/2002
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Oberirdische Gewässer, außer OW-1 (Kalter Bach am Zaun des FS)
Oberflächen-
Cs-137
20(19)
< 2,9E-03
< 3,7E-03
Bq/l
wasser
Co-60
20(20)
< 3,0E-03
< 4,3E-03
H-3
20(20)
< 8,5E+00
< 1,1E+01
Sediment
Cs-137
15
1,4E+00
1,1E+01
Bq/kg TM
Co-60
15(15
< 3,1E-01
< 6,7E-01
Oberirdische Gewässer, OW-1 (Kalter Bach am Zaun des FS)
Oberflächen-
Cs-137
8(2)
< 4,6E-03
2,7E-02
Bq/l
wasser
Co-60
8
1,3E-02
4,3E-02
H-3
8
3,2E+01
9,1E+02
Sediment
Cs-137
4
1,2E+01
2,3E+01
Bq/kg TM
Co-60
4
1,8E+00
3,5E+00
Trinkwasser
Trinkwasser
Cs-137
16(16)
< 3,1E-03
< 9,1E-03
Bq/l
Co-60
16(16)
< 2,3E-03
< 9,2E-03
Sr-90
2
3,0E-03
6,0E-03
H-3
6(6)
< 8,5E+00
< 1,1E+01
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.

image
Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
22
Oberflächenwasser, Sediment und Trink-
wasser
Die Überwachung des Oberflächenwassers
erfolgt entlang des Kalten Baches bis zur Elbe.
Es wird gleichzeitig Sediment beprobt. Der
weitere Pfad des Oberflächenwassers wird bis
in die Elbe oberhalb des Wasserwerkes
Hosterwitz beprobt, weil dort Uferfiltrat zur
Trinkwassergewinnung genutzt wird. Trink-
wasser wird im direkten Umfeld des
Forschungsstandortes beprobt.
Die Messwerte sind mit den Werten der allge-
meinen Umweltkontamination vergleichbar.
Die erhöhten Messwerte am Betriebsgelände-
zaun resultieren aus den genehmigten Ablei-
tungen freigegebener Abwässer (Tabelle 11).
Messprogramme für Stör- und Unfälle
Außer dem Messprogramm für den bestim-
mungsgemäßen Betrieb fordert der Gesetzge-
ber ein Messprogramm für Stör- und Unfälle.
Diese Programme werden vom VKTA und von
der unabhängigen Messstelle unabhängig
voneinander mehrmals im Jahr trainiert. Sie
überdecken einen Umgebungsbereich mit
einem Radius von etwa 10 km. Neben Mes-
sungen der Ortsdosisleistung und der nuklid-
spezifischen Deposition auf Boden und Be-
wuchs, werden Aerosol- und Jodfilter
beaufschlagt, Wasser-, Boden- und Bewuchs-
proben entnommen und umgehend ausgewer-
tet.
4.3 Anlagenbezogene Radioaktivität
- Anlagen des ehemaligen Uranerz-
bergbaues der Wismut GmbH
Im folgenden Abschnitt werden die Ergebnisse
des behördlichen Kontrollprogrammes zur
Überwachung von Emissionen und Immissio-
nen für die Jahre 2001/2002 dargestellt. Maß-
nahmen und Ergebnisse der Eigenüberwa-
chung für die fünf in Sachsen gelegenen
Standorte der Wismut-Sanierungsbetriebe sind
in jährlichen Berichten der Wismut GmbH aus-
führlich beschrieben und der Öffentlichkeit
zugänglich./16/
Ziel des behördlichen Kontrollprogrammes ist
nicht, die anlagenbezogene Umweltradioaktivi-
tät umfassend zu überwachen, sondern die
Messungen des Betreibers zu kontrollieren,
damit dessen Ergebnisse als Basis für die
Bewertung der radiologischen Situation nutz-
bar sind.
Abbildung 11
: Lage der Betriebsteile der Sanierungsbetriebe der WISMUT GmbH auf dem Gebiet
des Freistaates Sachsen
Crossen
Gittersee
K?nigstein
Aue
P?hla

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
23
Das behördliche Kontrollprogramm wurde auf
der Basis der REI-Bergbau durchgeführt und
orientierte sich darüber hinaus an folgenden
vom Sächsischen Staatsministerium für Um-
welt und Landwirtschaft erteilten Genehmi-
gungen: Probebetrieb bzw. Betrieb der Was-
serbehandlungsanlagen Schlema, Pöhla und
Helmsdorf; Auswurfgenehmigungen für die
Betriebsteile Schlema-Alberoda, Pöhla und
Königstein; Umlagerung der Bergehalde Cros-
sen und Zwischenabdeckung der IAA Helms-
dorf; Flutungsexperiment Königstein; Flutung
des Grubengebäudes Gittersee.
Abbildung 11 zeigt die Lage der Betriebsteile
der Sanierungsbetriebe der WISMUT GmbH
auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen. Die
Ergebnisse der behördlichen Überwachung
sind in den folgenden Absätzen dargestellt.
Emissionen
Die WISMUT GmbH führt mit dem Basismoni-
toring sowie mit genehmigungsbegleitenden
Messungen eine Eigenüberwachung zur Kon-
trolle und Bilanzierung der flüssigen und gas-
förmigen Auswürfe durch. Durch diese Mes-
sungen wird der Nachweis erbracht, dass die
genehmigten Ableitwerte eingehalten werden.
Die Ergebnisse der Emissionsüberwachung
werden in jährlichen Berichten dem LfUG
übergeben. Eine Zusammenfassung der bilan-
zierten Abgaben im Vergleich mit den geneh-
migten Ableitwerten ist in der folgenden
Tabelle 12 für U
nat
(natürliches Uran), Ra-226,
Rn-222 und die Summe langlebiger α-Strahler
(LLA) dargestellt.
Zur behördlichen Kontrolle der Emissions-
überwachung an den Einleitstellen und Abwet-
terschächten der Betriebsteile der Sanie-
rungsbetriebe der WISMUT GmbH erfolgen
durch die UBG Kontrollmessungen an Proben
der WISMUT GmbH und unabhängige Stich-
probenahmen. Es konnten keine wesentlichen
Unterschiede zwischen den von der WISMUT
GmbH berichteten Werten und den von der
UBG ermittelten Werten festgestellt werden.
Zur Bewertung der Wasseranalytik der
WISMUT GmbH werden Messungen der UBG
und der WISMUT GmbH an Aliquoten einer
Probe durchgeführt. Als Maß zur Überein-
stimmung der Messergebnisse wird die soge-
nannte Vergleichstandardabweichung heran-
gezogen. Diese kann in Ringvergleichen
ermittelt werden. Die Abbildung 12 zeigt den
Vergleich der Analytik der WISMUT GmbH mit
der Analytik der UBG am Beispiel der Bestim-
mung des Urangehaltes von wässrigen Pro-
ben. Innerhalb der durchgezogenen Linien
liegende Werte werden mit 95%iger Wahr-
scheinlichkeit als vergleichbar gewertet. Die
Darstellung zeigt die
Tabelle 12:
Zusammenfassung der Ergebnisse der Eigenüberwachung der WISMUT GmbH der flüs-
sigen und gasförmigen Ableitungen radioaktiver Stoffe für die Jahre 2001/2002
Nuklid
Genehmigungswert
2001 2002
Bilanzierter
Ist-Wert
2001 2002
Einheit
Ableitungen mit dem Abwasser
Schlema-Alberoda
U
nat
7,2E+03
5,1E+03
2,0E+03
3,7E+03
kg
Ra-226
3,8E+03
3,6E+03
1,7E+02
2,6E+02
MBq
Pöhla-Tellerhäuser
U
nat
1,8E+02
1,8E+02
4,4E+00
3,6E+00
kg
Ra-226
2,6E+02
2,6E+02
1,6E+01
1,6E+01
MBq
Crossen
U
nat
— *)
1,3E+02
6,2E+01
kg
Ra-226
— *)
2,8E+01
3,5E+01
MBq
Königstein
U
nat
2,3E+03
1,7E+03
3,4E+02
3,4E+02
kg
Ra-226
1,1E+04
2,3E+03
4,9E+02
4,2E+02
MBq
Ableitungen mit der Abluft
Schlema-Alberoda
LLA
1,0E+01
1,0E+01
2,6E+00
3,4E+00
MBq
Rn-222
2,4E+02
1,3E+02
9,6E+01
1,2E+02
TBq
Pöhla-Tellerhäuser
LLA
1,0E+00
1,0E+00
6,9E-01
5,0E-01
MBq
Rn-222
8,0E-01
8,0E-01
3,1E-01
3,0E-01
TBq
Königstein
LLA
8,9E+01
8,9E+01
2,0E+00
1,0E+01
MBq
Rn-222
3,2E+02
3,2E+02
2,2E+02
1,4E+02
TBq
Gittersee
LLA
1,6E+00
1,6E+00
MBq
Rn-222
1,6E+00
1,6E+00
1,2E-01
2,1E-01
TBq
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) Genehmigt wurden nur Konzentrationen (0,5 mg/l Uran, 0,2 Bq/l Ra-226); die genehmigten Kon-
zentrationen wurden sowohl im Maximalwert als auch im Mittelwert nicht überschritten.

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
24
Abbildung 12
: Vergleich der Eigenüberwachung mit den Ergebnissen der behördlichen Kontrolle am
Beispiel der Uranbestimmung in Wässern
gute Übereinstimmung von behördlichen
Messwerten mit Messwerten der WISMUT
GmbH für die Urananalytik in einem mehr als 3
Größenordnungen überstreichenden Wertebe-
reich.
Immissionen
Bei bergbaulichen Anlagen und Tätigkeiten
spielen Freisetzungen eine größere Rolle als
bei kerntechnischen Anlagen. Freisetzungen
sind die diffusen, messtechnisch nicht oder nur
schwer erfassbaren Emissionen, wie Radon
aus Halden, Sickerwässern, Staub u.ä. . Frei-
setzungen können nicht direkt, sondern nur
durch Immissionsmessungen (Messungen der
Auswirkung der Ableitungen und der Freiset-
zungen auf die Umwelt) bestimmt werden.
In den Jahren 2001 und 2002 wurden insge-
samt 202 Vergleichsmessungen an Abwäs-
sern, Sickerwässern, Oberflächenwässern und
Grundwässern durchgeführt. Deren Ergebnis-
se werden in der vorstehenden Abbildung 12
diskutiert. In der folgenden Tabelle 13 werden
Ergebnisse der Gewässerüberwachung der
Vorfluter und von Trinkwässern dargestellt. Ein
Vergleich mit den Richtwerten der Empfehlung
der Strahlenschutzkommission zur Nutzung
von bergbaulich beeinflussten Wässern /17/
(U
nat
: 0,3 mg/l; Ra-226: 0,7 Bq/l; Pb-210: 0,4
Bq/l) zeigt auf, dass die überwiegende Mehr-
zahl der Wässer Aktivitäts- und Elementkon-
zentrationen unter den Richtwerten aufweist.
Als Maß für die betriebliche Beeinflussung der
Oberflächengewässer sind aus der folgenden
Tabelle die Ergebnisse der Überwachung der
Elbe (Sanierungsbetrieb Königstein) und der
Zwickauer Mulde (Sanierungsbetrieb Aue /
Betriebsteil Schlema-Alberoda bzw. Sanie-
rungsbetrieb Seelingstädt / Betriebsteil Cros-
sen) zu entnehmen. Es wurden jeweils Mess-
punkte ober- und unterhalb der betrieblichen
Beeinflussung überwacht. Im Ergebnis ist nur
ein geringer oder kein Einfluss durch Emissio-
nen der Sanierungsbetriebe der WISMUT
GmbH feststellbar, der für die radiologische
Bewertung der Oberflächenwässer als Trink-
wasser bedeutungsvoll wäre.
Es wurden vom Geschäftsbereich Umweltra-
dioaktivität der UBG als unabhängiger Mess-
stelle auch Parallelmessungen der Radonkon-
zentration an ausgewählten Stellen des
Radonmessnetzes der WISMUT GmbH
durchgeführt. Hierzu werden Kernspurdosime-
ter der UBG und der Wismut GmbH jeweils
über ein halbes Jahr zeitgleich und am glei-
chen Ort exponiert. Die in der Tabelle 14 auf-
geführten Werte deuten darauf hin, dass im
Allgemeinen die Radonkonzentrationen in der
Jahresvergleich 2002 - Uran in Wässern
1,0E-04
1,0E-03
1,0E-02
1,0E-01
1,0E+00
1,0E+01
1,0E-04
1,0E-03
1,0E-02
1,0E-01
1,0E+00
1,0E+01
Elementkonzentration UBG (mg/l)
Elementkonzentration Wismut (mg/l)
BT Schlema,
Pöhla,
Crossen,
Gittersee
BT Königstein

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
25
bodennahen Luft kleiner als 200 Bq/m³ sind,
was durch die umfangreichen Messungen der
Wismut GmbH im wesentlichen bestätigt wird.
Ebenso wurden zur Überwachung der Exposi-
tion durch langlebige Alphastrahler der Uran-
Zerfallsreihe (LLA) im Schwebstaub Kontroll-
messungen an Filtern der WISMUT GmbH
durchgeführt. Auch hier ergeben sich i.a. ge-
ringe Aktivitätskonzentrationen und geringe
damit verbundene Belastungen für die Bevöl-
kerung in der Umgebung der Sanierungsbe-
triebe der WISMUT GmbH.
Tabelle 13
: Ausgewählte Ergebnisse (Aktivitäts- und Elementkonzentrationen) der Überwachung des
Wasserpfades für die Jahre 2001/2002
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Vorfluter Elbe, SB Königstein
Oberhalb
U
nat
6
6,7E-04
5,5E-03
mg/l
Ra-226
6(5)
< 6,1E-03
2,5E-02
Bq/l
Unterhalb
U
nat
4
5,0E-04
1,1E-03
mg/l
Ra-226
4
6,0E-03
1,5E-01
Bq/l
Vorfluter Zwickauer Mulde, SB Aue / BT Schlema-Alberoda
Oberhalb
U
nat
4
2,0E-03
2,9E-03
mg/l
Ra-226
4
9,0E-03
5,2E-02
Bq/l
Unterhalb
U
nat
4
6,0E-03
1,3E-02
mg/l
Ra-226
4
1,1E-02
7,2E-02
Bq/l
Vorfluter Zwickauer Mulde, SB Seelingstädt / BT Crossen
Oberhalb
U
nat
2
7,2E-03
1,0E-02
mg/l
Ra-226
2
1,5E-02
4,6E-02
Bq/l
Unterhalb
U
nat
2
2,0E-03
7,1E-03
mg/l
Ra-226
2
9,0E-03
1,9E-02
Bq/l
Trinkwasser
U
nat
11(5)
< 4,0E-05
1,7E-02
mg/l
Ra-226
11
3,0E-03
1,2E-02
Bq/l
Pb-210
11(2)
< 4,0E-03
1,3E-02
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.
Tabelle 14:
Zusammenfassung der gemessenen Radonkonzentrationen in der bodennahen Luft (ge-
messen mit Kernspurdosimetern) sowie der Aktivitätskonzentration von langlebigen Alphastrahlern im
Schwebstaub der Luft
Nuklid
Anzahl
der
Werte
*)
Kleinster Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Größter Wert
(Messwert bzw.
Nachweisgrenze)
Einheit
Radonkonzentration in der bodennahen Luft
Königstein
Rn-222
24(14) < 1,0E+01
2,1E+02
Bq/m³
Gittersee
Rn-222
19(10) < 1,0E+01
3,0E+01
Schlema/Alb.
Rn-222
27(6)
< 1,0E+01
7,0E+01
Pöhla
Rn-222
23(9)
< 1,0E+01
3,0E+01
Crossen
Rn-222
63(17) < 1,0E+01
1,9E+02
Langlebige Alphastrahler im Schwebstaub der Luft
Königstein
LLA
23
3,5E-02
2,2E-01
mBq/m³
Gittersee
LLA
12
2,8E-02
8,2E-02
Schlema/Alb.
LLA
23
1,9E-02
2,4E-01
Pöhla
LLA
4
2,9E-02
6,9E-02
Crossen
LLA
39(1)
1,2E-02
2,6E+01
Zahlendarstellung: 4,3E-01 = 4,3
.
10
–01
= 0,43
*) der Klammerwert gibt an, wie viele der Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze lagen.

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
26
5 Strahlenexposition
Die Strahlenexposition der Bevölke-
rung in der Bundesrepublik
Deutschland wird durch die mittlere
effektive Dosis für eine Einzelper-
son beschrieben. In
Abbildung 13
ist dieser Sachverhalt
für 2001 dargestellt, wobei 2,1 mSv
auf die natürliche und 2,0 mSv auf
die zivilisatorische Strahlenexposi-
tion entfallen. Diese Mittelwerte sind
mit großen Schwankungsbreiten
behaftet. So kann die natürliche
Strahlenexposition in Deutschland
mit einem jährlichen Mittelwert für
die effektive Dosis von 2,1 mSv zwi-
schen 1 und 10 mSv auf Grund z. B.
regionaler Unterschiede des geolo-
gischen Untergrundes variieren /18/.
Der Anteil der durch künstliche Ra-
dionuklide verursachten Exposition
ist in
Abbildung 13
mit < 0,01 mSv Strahlen-
exposition durch Kernwaffenversu-
che und mit < 0,015 mSv Strahlen-
exposition durch den Reaktorunfall
von Tschernobyl für das Jahr 2001
angegeben. Diese Zahlen ergeben
sich durch Expositionsrechnungen
aus den von Bund und Ländern er-
hobenen Daten für die Umweltra-
dioaktivität und betragen weniger
als 1 % der natürlichen Strahlenex-
position. Zu diesen Zahlen tragen
auch die in Abschnitt 4.1 vorgestell-
ten Messergebnisse vom Gebiet des
Freistaates Sachsen bei. Für die
kerntechnischen Anlagen in der
Bundesrepublik weist
Abbildung 13 im Mittel < 0,01 mSv für das Jahr
2001 aus.
Im Abschnitt 4.1 dieses Berichtes werden für
die Jahre 2001/2002 Messwerte der künstli-
chen Radioaktivität in verschiedenen Umwelt-
medien vorgestellt. Diskutiert wurden speziell
die Ergebnisse zu den Medien Milch, Gesamt-
nahrung und Wildpilze. In der Milch sowie in
der Gesamtnahrung lässt sich das überwie-
gend aus der Freisetzung beim Reaktorunfall
in Tschernobyl stammende Radionuklid
Cs-137 noch vereinzelt nachweisen. Das von
den oberirdischen Kernwaffentests der 50er
Jahre stammende Radionuklid Sr-90 ist fast
immer nachzuweisen. Die Aktivitätskonzentra-
tion bzw. die Aktivitätszufuhr pro Tag und Per-
son liegt bei diesen künstlichen Radionukliden
bei ca. 0,05 Bq/l bzw. 0,2 Bq/(d*p) und ist da-
mit sehr klein gegenüber den entsprechenden
Werten des natürlichen Radionuklides K-40
von 50 Bq/l bzw. 100 Bq/(d*p) das täglich mit
der Nahrung zugeführt wird. Die Messreihen
der vergangenen Jahre zeigen, dass die Be-
lastung mit künstlichen Radionukliden von
Milch, der Gesamtnahrung und anderen Me-
dien seit 1992 auf einem nahezu konstanten
und relativ niedrigen Niveau verharrt. Bei den
saisonal beliebten Wildpilzen können in Ab-
hängigkeit von Art und Standort vereinzelt
hohe spezifische Aktivitäten an Cs-137 gefun-
den werden, jedoch führen die niedrigen jährli-
chen Verzehrsraten von maximal einigen Kilo-
gramm zu nur unbedeutenden und gegenüber
dem natürlichen Strahlenniveau zu vernach-
lässigenden Strahlenexpositionen.

image
Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
27
Abbildung 13
: Mittlere effektive Jahresdosis durch ionisierende Strahlen im Jahr 2001: 4,5mSv /10/
Auf Grund der Forderungen des Gesetzgebers
ist der VKTA am Forschungsstandort Rossen-
dorf verpflichtet, ableitungsbedingte Expositi-
onsrechnungen für die Umgebung als Nach-
weis für die Einhaltung der Grenzwerte nach
§ 47 StrlSchV von jeweils 0,3 mSv für den
Luft- und Wasserpfad an der jeweils ungüns-
tigsten Einwirkungsstelle zu erbringen. Für
2002 betragen die effektive Dosis eines Er-
wachsenen für den Fortluftpfad 0,0005 mSv
am Zaun an der Bundesstraße B 6 (vgl.
Abbildung 8) und für den Wasserpfad 0,013
mSv am Kalten Bach bei Verlassen des Ge-
ländes am Forschungsstandort (vgl. Abbildung
8). Das sind Ausschöpfungen der zulässigen
Grenzwerte von etwa 0,16 % für den Fortluft-
und 4,3 % für den Wasserpfad.
Das Fazit daraus ist /19/: "Die resultierende
zusätzliche jährliche Strahlendosis für die Be-
völkerung der Umgebung (am Forschungs-
standort Rossendorf) liegt nicht nur weit unter-
halb der gesetzlich zulässigen Grenzwerte, sie
ist etwa 1000fach geringer als die ohnehin
natürlich vorhandene" und wesentlich kleiner
als deren Schwankungsbereich.
Die im Abschnitt 4.2 berichteten Ergebnisse
der Kontrollmessungen des Geschäftsbereichs
Umweltradioaktivität können vorstehend ge-
machte Aussagen bestätigen. Die Resultate
der Umgebungsüberwachung für den For-
schungsstandort Rossendorf liegen im Bereich
der für ganz Sachsen
gemessenen Werte.
Das bedeutet, dass die Situation in unmittelba-
rer Nähe des Standortes dieselbe ist, wie wei-
ter davon entfernt, und die gemessene Aktivi-
tät von den natürlichen radioaktiven Stoffen
dominiert wird.
Die Ableitungen von Radionuklidenmit dem
Abwasser bzw. der Abluft zeigen seit der Au-
ßerbetriebnahme der kerntechnischen Anla-
gen am 31.12.1991 eine leicht rückläufige
Tendenz bzw. sind nahezu konstant. Gering-
fügige Anstiege der Ableitungen einzelner
Radionuklide sind mit der zunehmenden
Rückbautätigkeit aufgrund vorliegender Stillle-
gungsgenehmigungen zu erklären. Die effekti-
ve Dosis für den Erwachsenen betrug in den
Jahren 1992 bis 2002 im
Jahresmittel jeweils
3,3 bis 24 μSv über den Abwasserpfad und
0,038 bis 0,82 μSv über den Abluftpfad (Abbil-
dung 14). Die erlaubten Dosisgrenzwerte von
je 300 μSv werden damit zu weniger als 8%
(Abwasserpfad) bzw. zu weniger als 0,13 %
(Abluftpfad) ausgeschöpft.

image
Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
28
Abbildung 14:
Effektive Dosis für die Einzelperson am FS Rossendorf (nach /15/).
In der Umgebung von Anlagen des ehemali-
gen Uranerzbergbaues liegen die gemessenen
Aktivitätskonzentrationen von Ra-226 und
Uran in den Vorflutern Elbe und Zwickauer
Mulde sowie in Trinkwässern mit weniger als
ca. 0,02 mg/l Uran bzw. weniger als ca.
0,15 Bq/l Ra-226 deutlich unter den Richtwer-
ten der SSK-Empfehlung von 0,13 mg/l Uran
und 0,7 Bq/l Ra-226. Die jährliche Exposition
infolge der Nutzung solcher Wässer ist sehr
viel kleiner als der Schwankungsbereich der
natürlichen Strahlenexposition.
Die im Abschnitt 4.3 berichteten Ergebnisse
der Kontrollmessungen des Geschäftsbereichs
Umweltradioaktivität zeigen die Plausibilität
der von der WISMUT GmbH in verschiedenen
Berichten dargestellten Messwerte. Die Ablei-
tung radioaktiver Stoffe mit der Abluft nahm an
den sächsischen Standorten in den Jahren
1989 bis 2002 von ca. 1600 TBq auf ca.
260 TBq Radon bzw. von ca. 13000 MBq auf
ca. 14 MBq langlebiger Alphastrahler deutlich
ab. Dies ist durch die fortschreitende Verwah-
rung offener Grubengebäude zu erklären.
Abbildung 15:
Ableitungen radioaktiver Stoffe mit dem Abwasser und der Abluft durch die Sanie-
rungsbetriebe der WISMUT GmbH auf dem Territorium des Freistaat Sachsen (nach /16/)
0,01
0,1
1
10
100
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002
Jahr
Abwasser
Abluft
1
10
100
1000
10000
100000
1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002
Jahr
Ra-226 im Abwasser [MBq]
Uran im Abwasser [kg]
Rn-222 in der Abluft [TBq]
LLA in der Abluft [MBq]

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
29
Die Ableitung radioaktiver Stoffe mit dem Ab-
wasser nahm in den Jahren 1989 bis 2002 von
ca. 14000 MBq auf weniger als 730 MBq Ra-
226 bzw. von ca. 13 t auf ca. 4 t Uran ebenso
deutlich ab. Die Veränderung wird vor allem
durch die fortschreitende Flutung der Gruben-
gebäude bewirkt. Der Anstieg im Jahr 1996
wurde vor allem durch eine erhöhte Gruben-
wasserabgabe durch Flutungsregelung im
Betriebsteil Schlema-Alberoda bewirkt (Abbil-
dung 15). Die bilanzierten Ist-Werte liegen
immer unter den Genehmigungswerten.
Es sei darauf hingewiesen, dass Ableitungen
natürlicher Radionuklide in dem beschriebe-
nen Maße nicht im Bereich des ehemaligen
Uranbergbaus allein auftreten. Da sowohl das
Radongas in der Luft als auch die Belastung
der aus der Grube austretenden gelösten Ra-
dionuklide allein von der geochemischen
Zusammensetzung der Gesteine am Standort
abhängen, sind ähnliche Werte im Bereich von
Schaubergwerken, stillgelegten Gruben des
Nicht-WISMUT-Bergbaus sowie von Radon-
bzw. Radiumbädern bekannt. Allerdings ver-
langt die Strahlenschutzverordnung weder die
Überwachung dieser Plätze noch die Bilanzie-
rung der Ableitungen.
Zur weiteren Information sei auf die vom LfUG
herausgegebene Broschüre "Radioaktivität –
Normalität oder Risiko ?" hingewiesen. Die
Broschüre ist kostenlos zu beziehen über die
Lößnitz-Druck GmbH in 01445 Radebeul.

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
30
6 Literaturverzeichnis
/1/ Gesetz über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren
(Atomgesetz- AtG) zuletzt geändert am 21.August 2002 (BGBl. I S. 3322)
/2/ Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen (Strahlenschutzverord-
nung - StrlSchV) vom 20. Juli 2001 (BGBl. I S. 1714
/3/ Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen (REI) vom
19. August 1993, GMBl. Nr. 29, S. 501
/4/ Gesetz zum vorsorgenden Schutz der Bevölkerung gegen Strahlenbelastung (Strahlenschutz-
vorsorgegesetz-StrVG) vom 19. Dezember 1986 (BGBl. I S. 2610) zuletzt geändert am 24. Juni
1994 (BGBl. I S. 1416)
/5/ Verordnung über die Gewährleistung von Atomsicherheit und Strahlenschutz (VOAS) vom
11.10.1984
/6/ REI-Bergbau, unveröffentlicht
/7/ Bayer,A.: Überwachung der radioaktiven Kontamination und der Strahlenexposition in der Um-
welt in Deutschland – Aufgaben, Techniken, Realisierungen-, Neuherberg, Januar 1998
/8/ Debertin, K.; Kolb, W., Lauterbach, U.; Peßara, W.: "Umweltradioaktivität - Probleme bei Aktivi-
tätsbestimmungen", PTB-Ra-19, Braunschweig 1987
/9/ Volkmer, M.: "Die wichtigsten Erkenntnisse des Strahlenschutzes" aus der Reihe Kernenergie
"Radioaktivität und Strahlenschutz", Bonn 1992
/10/ UMWELTPOLITIK, Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung im Jahr 2001, Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
/11/ Richtlinie für die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt nach dem Strahlenschutzvorsor-
gegesetz; Teil I: Messprogramm für den Normalbetrieb (Routinemessprogramm), vom
26.09.1994, GMBl. Nr. 32, S. 930
/12/ Richtlinie für die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt nach dem Strahlenschutzvorsor-
gegesetz; Teil II: Messprogramm für den Intensivbetrieb (Intensivmessprogramm) vom
11.04.1995,
GMBl. Nr. 14, S. 261
/13/ Messanleitungen für die Überwachung der Radioaktivität, Gustav-Fischer-Verlag Stuttgart, 1992
/14/ Empfehlungen zur Überwachung der Umweltradioaktivität, Loseblattsammlung des Arbeitskrei-
ses Umweltüberwachung des Fachverbandes für Strahlenschutz e.V., FS-78-15-AKU
/15/ Jahresberichte Strahlenschutz 2001 und 2002des Forschungszentrums Rossendorf e.V. und des
Vereins für Kernverfahrenstechnik und Analytik e.V.
/16/ Emissionsberichte der Wismut GmbH für die Jahre 2001 und 2002
/17/ "Strahlenschutzkriterien für die Nutzung von möglicherweise durch den Uranbergbau beeinfluss-
ten Wässer als Trinkwasser", Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK) verabschiedet
auf der114. Sitzung der SSK am 10./11. Dezember 1992
/18/ A. Kaul et al. "Die natürliche Strahlenexposition und ihre Schwankungsbreite" in "Nutzen und
Risiko bei der Einwirkung kleiner Dosen ionisierender Strahlung", Kolloquium 4. - 6. Oktober
1993 Schlema/Sachsen
/19/ Wie sicher ist der Forschungsstandort Rossendorf?
Publikation des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landesentwicklung 1995

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
31
7 Erläuterungen von Begriffen, Symbolen und Abkürzungen
Aerosol
Mischung aus einem Gas und darin suspendierten flüssigen und/oder
festen Teilchen
Aktivität
Anzahl der je Sekunde zerfallenden Atomkerne eines radioaktiven Stof-
fes
Alphastrahler
Radionuklide, die Alphateilchen (Heliumatomkerne) aussenden
Äquivalentdosis
Produkt aus Energiedosis und einem von der Strahlenart abhängigen
Bewertungsfaktor. Die Äquivalentdosis ist das Maß für die Wirkung einer
ionisierenden Strahlung auf den Menschen
AtG
Atomgesetz
Becquerel [Bq]
SI-Einheit der Aktivität. Die Aktivität von 1 Becquerel liegt vor, wenn 1
Atomkern je Sekunde zerfällt
Betastrahlung
Teilchenstrahlung, die aus beim radioaktiven Zerfall von Atomkernen
ausgesandten Elektronen besteht
Bq/d*p
Becquerel pro Tag und Person
Dosis
Siehe Energiedosis und Äquivalentdosis
Effektive Dosis
Summe der gewichteten mittleren Äquivalentdosen in den einzelnen
Organen und Geweben des Körpers. Der Wichtungsfaktor bestimmt sich
aus den relativen Beiträgen der einzelnen Organe und Gewebe zum
gesamten Strahlenrisiko des Menschen bei Ganzkörperbestrahlung
Energiedosis
Quotient aus der Energie, die durch ionisierende Strahlung auf das Ma-
terial in einem Volumenelement übertragen wird, und der Masse in die-
sem Volumenelement
FM
Frischmasse
Gammastrahlung
Energiereiche elektromagnetische Strahlung, die bei der radioaktiven
Umwandlung von Atomkernen oder bei Kernreaktionen auftreten kann
Gray [Gy]
SI-Einheit der Energiedosis.
HaldAO
Haldenanordnung
IMIS
Integriertes Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Ra-
dioaktivität in der Umwelt
Ingestion
Allgemein: Nahrungsaufnahme
Speziell: Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit der Nahrung
Inhalation
Allgemein: Einatmung von Gasen
Speziell: Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit der Atemluft
Inkorporation
Allgemein: Aufnahme in den Körper
Speziell: Aufnahme radioaktiver Stoffe in den menschlichen Körper
Ionisierende Strahlen
Elektromagnetische oder Teilchenstrahlen, welche die Bildung von Io-
nen bewirken können (z.B. Alphastrahlen, Betastrahlen, Gammastrah-
len, Röntgenstrahlen)
Isotop
Atome mit gleicher Kernladungszahl (=Ordnungszahl, d.h. des selben
chemischen Elementes) jedoch verschiedenen Massenzahlen bzw.
Atomgewichten
Kernbrennstoff
Nach der Definition des Atomgesetzes (in der bis 31.07.2001 geltenden
Fassung) sind Kernbrennstoffe besonders spaltbare Stoffe in Form von
-
Plutonium-239 und Plutonium–241,
-
Uran-233,
-
mit den Isotopen 235 oder 233 angereichertes Uran,
-
jeder Stoff, der einen oder mehrere der vorerwähnten Stoffe enthält,
- Uran und uranhaltige Stoffe der natürlichen Isotopenmischung, die
so rein sind, dass durch sie in einer geeigneten Anlage (Reaktor) ei-
ne sich selbst tragende Kettenreaktion aufrechterhalten werden
kann.
Kosmische Strahlung
Sehr energiereiche Strahlung aus dem Weltraum
Nachweisgrenze (NWG)
Die Nachweisgrenze gibt an, welcher kleinste wahre Wert der Messgrö-
ße mit einem anzuwendenden Messverfahren noch nachgewiesen wer-
den kann. Sie erlaubt damit die Entscheidung darüber, ob das Messver-
fahren den gestellten Forderungen genügt und damit für den
Messzweck geeignet ist.
Neutronen
Ungeladenes Elementarteilchen mit einer Masse von 1,67482
*
10
–27
kg
Nuklid
Durch Protonenzahl (Ordnungszahl) und Massenzahl charakterisierte
Atomart

Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen
32
Ortsdosis
Äquivalentdosis für Weichteilgewebe, gemessen an einem bestimmten
Ort
Ortsdosisleistung
In einem kurzen Zeitintervall erzeugte Ortsdosis, geteilt durch die Länge
des Zeitintervalls
Radioaktive Stoffe
Stoffe, die Radionuklide enthalten
Radioaktivität
Eigenschaften bestimmter chemischer Elemente bzw. Nuklide, ohne
äußere Einwirkung Teilchen- oder Gammastrahlung aus dem Atomkern
auszusenden
Radioiod
Radioaktive Iodisotope
Radionuklide
Instabile Nuklide, die unter Aussendung von Strahlung in andere Nuklide
zerfallen
REI
Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer
Anlagen
REI-Bergbau
Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung bergbaulicher
Tätigkeiten
Sievert [Sv]
SI-Einheit der Äquivalentdosis.
SSK
Strahlenschutzkommission
Strahlenexposition
Einwirkung ionisierender Strahlen auf den menschlichen Körper oder
seine Teile
StrlSchV
Strahlenschutzverordnung
StrVG
Strahlenschutzvorsorgegesetz
Terrestrische Strahlung
Strahlung der natürlichen radioaktiven Stoffe, die überall auf der Erde
vorhanden sind
TLD
Thermolumineszenzdetektor
TM
Trockenmasse
UBG
Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft
VKTA
Verein für Kernverfahrenstechnik und Analytik
VOAS
Verordnung zur Gewährleistung von Atomsicherheit und Strahlenschutz

Impressum
Herausgeber:
S?chsisches Staatsministerium f?r Umwelt und Landwirtschaft
01075 Dresden
Internet
:
www.smul.sachsen.de
B?rgerbeauftragte:
Frau Sabine K?hnert, Telefon: (0351) 564 6814,
Fax: (0351) 564 6817
E-Mail:
info@smul.sachsen.de
(Kein Zugang f?r elektronisch signierte sowie f?r verschl?sselte
elektronische Dokumente)
Redaktion:
S?chsisches Staatsministerium f?r Umwelt und Landwirtschaft
Redaktionsschluss:
November 2003
Auflagenh?he:
300 Exemplare
Gestaltung:
S?chsische Umweltbetriebsgesellschaft, GB 2
Druck:
S?chsisches Staatsministerium der Finanzen (Hausdruckerei)
Kostenlose Bestelladresse:
Zentraler Brosch?renversand der S?chsischen Staatsregierung
Hammerweg 30, 01127 Dresden
Tel.: 0351/210 3671 oder 0351/210 3672, Fax: 0351/210 3681
E-Mail:
publikationen@sachsen.de
(Kein Zugang f?r elektro-
nisch signierte sowie f?r verschl?sselte elektronische
Dokumente)
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Diese Informationsschrift wird von der S?chsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer
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