image
image
image
Abteilung Gartenbau
Lohmener Str. 10, Tor 1, 01326 Dresden
Internet:
http://www.smul.sachsen.de/zierpflanzen
Bearbeiter:
Stephan Wartenberg
E-Mail:
stephan.wartenberg@smul.sachsen.de
Tel.:
0351 2612-8200; Fax: 0351 2612-8099
Redaktionsschluss:
05.08.2012
Weiße Fliegen anlocken und bekämpfen
Ein Baustein zur Bekämpfung der Weißen Fliege bei Poinsetttien
Die Bekämpfung der Weißen Fliegen an Poinsettien erfolgt üblicherweise chemisch mit Insektiziden
oder biologisch mit verschiedenen Nützlingen. Insbesondere gegen Ende der Kultur treten dabei im-
mer wieder Probleme auf. Im geschlossenen Bestand werden die auf der Unterseite der ältesten Blät-
ter befindlichen Kolonien der Weiße Fliegen nur unzureichend bekämpft. Mit Kontaktmitteln sind sie
direkt kaum noch zu erreichen. Systemische Mittel werden durch die stark eingeschränkte Transpirati-
on der tief im Bestand befindlichen Blätter nicht mehr zu den Befallsherden transportiert. Auch die
Nützlinge sind im geschlossenen Bestand weniger wirksam.
Eine weitere Bekämpfungsmöglichkeit ist das Einmischen des systemischen Insektizids Exemptor in
das Substrat. Die gute Wirkung gegen Weiße Fliegen hält leider nur etwa zehn bis zwölf Wochen an.
Dies ist gerade zu kurz, um bis zum Kulturende einen wirksamen Rundumschutz zu gewährleisten.
Am LfULG in Dresden-Pillnitz wurde in den letzten Jahren mit Erfolg eine Kombination des Präparates
Exemptor mit speziellen Lockpflanzen angewendet. Die für die Weißen Fliegen sehr attraktiven Pflan-
zen von
Nicandra physaloides
werden erst nach dem Kulturstart der Poinsettien angezogen, in ein mit
Exemptor versehenes Substrat getopft und in den etablierten Poinsettienbestand gestellt. Die Weißen
Fliegen werden von den Nicandrapflanzen angelockt. Durch das Exemptor können sie sich auf diesen
jedoch nicht vermehren bzw. sterben nach dem Saugen
von Pflanzensaft ab.
Nicandra physaloides
ist eine aus Peru stammende,
krautige Pflanze. Die deutschen Namen lauten „Blaue
Lampionblume“ oder auch „Giftbeere“. Sie ist sehr ro-
bust und wüchsig. Schnell überragt sie den Poinsetti-
enbestand. Welkephasen wegen des dann höheren
Wasserbedarfs als das der Poinsettien werden gut
vertragen. Wachsen die Pflanzen zu üppig, kann auch
Blüte der Blauen Lampionblume
(Foto: M. Dallmann, LfULG)

image
image
zurückgeschnitten werden.
Nach Kulturende der Weihnachtssterne sollten einige Nicandra-Pflanzen weiter kultiviert werden, um
aus den bei der Reife austrocknenden Früchten neues Saatgut zu gewinnen. Besser als nach der
Weihnachtssternkultur lässt sich dies in der Frühjahrssaison realisieren, wo das gleiche Verfahren
auch bei Beet und Balkonpflanzen anwendbar ist.
Zwar bedeutet die Anzucht der Pflanzen einen zusätzlichen Aufwand, dem stehen jedoch niedrigere
Insektizidkosten und vor allem eine bessere Bekämpfung der Weißen Fliegen gegenüber. Das Verfah-
ren ist sehr gut mit dem Einsatz von Nützlingen kombinierbar, da diese nicht geschädigt werden.
Die hohe Attraktivität der Nicandra-Pflanzen für Weiße Fliegen erleichtert auch die Bestandsüberwa-
chung. Bei den mindestens wöchentlichen Kontrollen sind die ersten weißen Fliegen immer leicht an
diesen Pflanzen zu finden.
Folgende Vorgehensweise ist empfehlenswert:
Kulturstadium Poinsettien
Maßnahme Nicandra-Pflanzen
3 Wochen vor Kurztagsbeginn
Aussaat in Schalen, leicht mit Substrat bedecken und bis zur Kei-
mung gut feucht halten, Temperatur mindestens 18 °C
1 Woche vor Kurztagsbeginn
Zwischenpikieren in 7- bis 9-cm-Töpfe oder entsprechende Jung-
pflanzenplatten
1. bis 2. Kurztagswoche
Topfen in 18-cm-Töpfe in Standardsubstrat, dem 0,4 g/l Exemptor
untergemischt wurde, Aufstellen in den Poinsettienbestand mit drei
bis vier Pflanzen je 100 m²
Nicandra physaloides
als für Weiße Fliegen "vergiftete" Lockpflanzen im Poinsettienbestand
(Foto: M. Dallmann, LfULG)