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Siedlungsstrukturelle Veränderungen sächsischer Dörfer
im demografischen und strukturellen Wandel

2 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Inhalt
Teil 1
Untersuchungsergebnisse der siedlungsstrukturellen Veränderung von
Dörfern in Sachsen anhand von Fallbeispielen
ab Folie 3
Teil 2
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung
Steuerungsinstrumente im Rahmen der kommunalen Planungshoheit
ab Folie 32
Dorfumbau in der Integrierten Ländlichen Entwicklung / LEADER
ab Folie 37

3 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Siedlungsstrukturelle Veränderung von Dörfern
Untersuchung
Studie:
Analyse der siedlungsstrukturellen Veränderung von Dörfern vor
dem Hintergrund des demografischen und strukturellen Wandels
in den sächsischen LEADER- und ILE-Regionen
Inhalt:
Anhand von Beispiel-Dörfern sollten Art, Dynamik und bestimmen-
de Faktoren von entsprechenden Entwicklungsprozessen bewertet
und verallgemeinert werden.
Laufzeit:
August 2013 – April 2014
Bearbeitung:
Dr. Kruse Plan GbR / planart4 Leipzig

4 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Ziel:
Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von Strategien und
Entwicklungsprozessen auf regionaler und kommunaler Ebene
Leistungsbild für einen örtlichen/ gemeindlichen Dorfumbau-Plan
Darstellung von Praxisbeispielen
Sensibilisierung von Akteuren
Die nachfolgende Präsentation gibt Auszüge der eingangs genannten, unver-
öffentlichten Studie wieder.
Siedlungsstrukturelle Veränderung von Dörfern
Untersuchung

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5 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Fallstudien
in 5 ausgewählten Dörfern

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6 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Einwohnerzahl, Fläche und Siedlungsform der
Untersuchungsorte

7 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Ergebnisse
Siedlungsentwicklung und historische Ursachen
Dorfformen stehen im engen Zusammenhang mit der Besiedlungsgeschichte,
insbesondere bei den planmäßig angelegten Formen, wie Waldhufendörfern
gravierende historische Transformationen der ursprünglichen Siedlungsformen
bis 1990 – Überprägung durch
Industrialisierung
Kollektivierung/ industriemäßige Produktion in der Landwirtschaft
Folgewirkungen, wie Zuzug Beschäftigte i.V.m. Wohnungsbau
Umbrüche nach 1990 haben geringere Auswirkungen auf das Ortsbild, stehen
aber in engem Zusammenhang mit der Intensität des Strukturwandels im
dominierenden Wirtschaftszweig.
Historische Dorfformen als kulturelles Erbe können nicht in der Breite bewahrt
werden – ausgewählte charakteristische Siedlungen bzw. Siedlungsteile von
regionaler bzw. sächsischer Bedeutung sollten geschützt bzw. gesondert
unterstützt werden.

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8 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Großschönau
Historische Karten zeigen die Entwicklung der
Siedlungsstruktur vom klassischen landwirtschaft-
lichen
Waldhufendorf
(1666)
zum
(Textil-)
Industriedorf mit deutlicher Nachverdichtung durch
Weberhäuser in der Flussaue und erste Siedlungs-
erweiterungen (1856) bis zum heutigen Stand mit
großen Alt- /Industrieanlagen und teilweise klein-
städtisch anmutenden Bereichen.
1666
1856
heute

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9 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Wülknitz
Die Siedlungsentwicklung erfolgte auch hier in mehreren Etappen. Ein wesentlicher Impuls kam durch
den Bau der Eisenbahn mit nachfolgendem Bahnbetriebswerk sowie Gewerbe- und Wohnansiedlung
außerhalb des historischen Straßendorfs nach 1875. Einen zweiten Schub brachte der Umbruch der
Landwirtschaft nach 1945 – verbunden mit neuer Landwirtschafts-, Gewerbe- und Wohnbebauung (z.T.
im Außenbereich und dem Verschmelzen von Alt-Ort und Bahnsiedlung. Prägend für die Transformation
des Ortes ist die zu DDR-Zeiten erfolgte Verlagerung des dörflichen Zentrums mit Kirche und Friedhof
aus dem historischen Dorf in das neue Zentrum mit Schule, Sportplatz und Gemeindeverwaltung.

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10 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Veränderung der Flächennutzung
Ausgangssituation:
Fortschreitende Bodeninanspruchnahme und Umwandlung von naturnahen
Böden in Sachsen –
trotz
des Bevölkerungsrückgangs und einer großen Zahl von
brachliegenden Flächen.
Entwicklungen von Bevölkerung und Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr zwischen 2000 und 2011
(Quelle: LfULG, Broschüre Vorbeugender Hochwasserschutz 2013)

11 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Verschiebungen der Flächennutzung mit folgenden Schwerpunkten:
Individueller Wohnungsbau
Gewerbe- und Verkehrsflächen
Landwirtschaftliche Anlagen i.V.m. Betriebserweiterungen.
In allen untersuchten Dörfern sind negative Versiegelungsbilanzen trotz des
teilweise drastischen Bevölkerungsrückgangs zu verzeichnen.
Veränderung der Flächennutzung

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12 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Bräunsdorf
Die Entwicklungsflächen der Agrarbetriebe für bauliche Anlagen,
Hof- und Lagerflächen machen in dem stark landwirtschaftlich
geprägten Dorf den überwiegenden Teil des zusätzlichen
Flächenverbrauchs seit 1990 aus (Beispiele im Kartenausschnitt).
Dazu trägt hier aber auch eine geringe Neubautätigkeit bei
gleichzeitig zahleichen Umnutzungen für Wohnzwecke bei.

13 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
generell hohe Eigentumsquote in den Dörfern
Leerstand in den Dörfern …
ist überwiegend geringer als in der Stadt (Probleme hier oft durch
Geschosswohnungsbau); im Fall Großzössen aber genau deshalb
umgekehrte Situation im Vgl. zum Hauptort,
bedeutet i.d.R. Leerstand von Gebäuden,
hat absehbar eine steigende Tendenz - demografiebedingt ist steigendes
Angebot und sinkende Nachfrage nach Wohnraum zu erwarten,
verläuft oft als „schleichender“ Prozess über Unternutzung und ggf. sogar
vorgetäuschte Nutzung,
ist in Sachsen vielfach kein Ortskernproblem (Dorfformen), sondern ist ohne
erkennbares „Muster“ über das ganze Dorf verteilt und wird meist erst durch
Ballung kritisch für das Ortsbild.
Veränderungen spiegeln sich oft noch nicht adäquat im Dorfbild und damit auch in
der öffentlichen und kommunalen Wahrnehmung wider.
Veränderung der Gebäudenutzung
– Leerstand

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14 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Leerstand zeigt sich in den Dörfern oft zuerst bei Gebäuden mit ehemals
öffentlichen Nutzungen durch Wegfall oder Konzentration dieser Funktionen an
anderer Stelle (Gemeindeämter, Schulen, Läden, Gasthöfe).
Beispiel
Großzössen
Schließung des Dorfladens mit Beginn
der Straßensanierung und Aussicht auf
den Bau einer Ortsumfahrung
Veränderung der Gebäudenutzung
– Leerstand

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15 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Wülknitz
Die
Ruine
beeinträchtigt
gleichermaßen das Ortsbild
und das Nachbargrundstück.
Veränderung der Gebäudenutzung
– Leerstand

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16 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Veränderung der Gebäudenutzung
Strategien
Wiedernutzung, ggf. mit Umgestaltung und Anpassung an neue Bedürfnisse
(z.B. Mietwohnungen – für Haushaltsgründer wie für Senioren)
Umnutzung / Zwischennutzung / Multifunktion von Gebäuden
Sicherung der Bausubstanz bzw. des Gebäudecharakters bei historisch
wertvollen Bauten, auch für Identitätswahrung und Erinnerungskultur
Rückbau oder Teilrückbau (ggf. mit Ersatzneubau)
Beispiel
Wülknitz
Die Wohnumnutzung des
alten Gasthofs (Fotos alt
– neu) verdeutlicht auch
den gestalterischen Be-
ratungsbedarf im Dorf-
umbau.

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17 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Reinsdorf
Multifunktion unter einem Dach:
im
kombinierten
Feuerwehr-
und
Dorfgemeinschaftshaus
konzentrieren sich – seit der
Schließung von Kita, Gemein-
deamt, Gasthof und Laden –
alle öffentlichen Aktivitäten.
Veränderung der Gebäudenutzung
Strategien

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18 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Wülknitz
– Erinnerungskultur:
- der bauliche Charakter der früheren Molkerei ist trotz Wohnumnutzung erhalten worden
- Info-Tafeln erläutern die Geschichte historischer Gebäude
Veränderung der Gebäudenutzung
Strategien

19 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beweggründe für den Rückbau nicht mehr benötigter Bausubstanz sind für
Kommunen bzw. private Eigentümer:
keine anderen Nutzungsmöglichkeiten,
die Gebäude drohen durch dauerhaften Leerstand zu verfallen und die
öffentliche Sicherheit ist bedroht,
das Ortsbild wird durch den ruinösen Bauzustand empfindlich gestört,
die Immobilie befindet sich im Eigentum der Gemeinde bzw. es besteht
eine Zugriffsmöglichkeit,
es kann Förderung in Anspruch genommen werden.
Rückbau muss mit einer konkreten Nachnutzung des Grundstücks gekoppelt
sein, um eine Verbesserung der städtebaulichen Situation zu erreichen.
Rückbau ist insbesondere in dicht besiedelten Orten eine Chance zur
städtebaulichen Gestaltung von Freiräumen sowie für Hochwasserschutz- und
Renaturierungsmaßnahmen (einschl. Kompensation von Eingriffen).
Veränderung der Gebäudenutzung
Rückbau

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20 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Großzössen
Die Gemeinde Neukieritzsch hat die leerstehende Hofanlage (1) erworben und abgerissen und als inner-
örtlichen Neubaustandort mit 4 Grundstücken ausgewiesen (2+3) .
Veränderung der Gebäudenutzung
Strategien

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21 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Wülknitz
Das Schulgebäude (von 1975) wurde nach Einstellung des Schulbetriebs und vergeblichen Bemühungen
zur Fortführung als Vereinshaus durch die Gemeinde 2012 abgerissen – gekoppelt mit einer Nachnutzung
der freigewordenen Flächen für Spiel- und Erholungszwecke und zusätzliche Stellplätze für die Turnhalle.
Veränderung der Gebäudenutzung
Strategien

22 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Bei der Wasserver-/ Abwasserentsorgung können abnehmende Nutzerdichten
zu steigenden Gebühren und Unterhaltungskosten führen, die die teilweise
günstigeren Lebenshaltungskosten auf dem Land relativieren.
In den Untersuchungsdörfern …
überwiegt die Anbindung an zentrale Kläranlagen (erbaut 1994 bis 2004).
bestehen dezentrale Einzellösungen in den beiden stark ländlich
geprägten, langgestreckten Waldhufendörfern Bräunsdorf (teilweise)
und Reinsdorf (vollständig).
Vorteil dezentraler Lösungen aus Sicht Dorfumbau
: Bevölkerungsrückgang
und ggf. Rückbau von Anwesen (und damit Rückgang der Einwohnerwerte
oder Wegfall von Anschlüssen) hat keine Auswirkungen auf eine zu
unterhaltende zentrale Anlage bzw. auf die Gebühren der verbleibenden
Anschlüsse.
Technische Infrastruktur

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23 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
In Verbindung mit Neubau oder Sanierung öffentlicher Einrichtungen sind
entsprechende bauliche Anforderungen mittlerweile Standard.
Darüber hinaus besteht häufig noch wenig Sensibilität – in den Unter-
suchungsorten konnten keine speziell unter dem Vorzeichen der
Barrierefreiheit errichteten oder sanierten Objekte gefunden werden.
Barrierefreiheit muss in einer älter werdenden Gesellschaft allgemeiner
Standard werden und nützt Senioren, Menschen mit Behinderung und
Familien mit Kleinkindern gleichermaßen (= Mehrgenerationentauglichkeit).
Beispiel
Großzössen
Beim Straßenausbau wurde auf niveaugleiche Straßen-
und Fußwege für multifunktionale Nutzung und auch
ein barrierefreies Überqueren geachtet.
Barrierefreiheit

24 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
In vielen Dörfern hat die Bebauung der Auenbereiche verbunden mit
Gewässerregulierung sowie Flächenversiegelung die Hochwasser-
gefährdung erhöht.
Die Renaturierung und Schaffung von Retentionsräumen sind innerhalb
dicht bebauter Ortslagen grundsätzlich schwierig umzusetzen.
Durchgreifende Hochwasserschutzmaßnahmen können nur im
großräumigen, regionalen Maßstab erfolgen (z. B. Ausweisung von
Retentionsflächen).
Hochwasserschutz

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25 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Großschönau:
Hochwasserereignisse (Foto: 2010) richten in den verdichteten Auenbereichen (vgl. Hochwassergefähr-
dungskarte) mit ihrem großen Anteil denkmalgeschützter Umgebindehäuser immer wieder schwere
Schäden an.
Hochwasserschutz
(Quelle: GeoSN)

26 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Höhe der
Bodenrichtwerte
in den Untersuchungsdörfern (über regionale
Gutachterausschüsse*):
generell sehr geringes Niveau (12-30 €/m²)
stagnieren in den alten Ortslagen seit 2000 oder sind rückläufig
zum Teil deutlicher Anstieg in Neubaugebieten bzw. in Quartieren des
individuellen Wohnungsbaus
Immobilien-Preisentwicklung
mittels
Marktanpassungsfaktoren
bewertet:
Beispiel Großschönau (siehe Folgeseite): MAF = 0,7 (für „Dorflagen“)
bei gleichen Grundstücks- und Baukosten hat eine Immobilie in der
Dorflage Großschönau einen deutlich geringeren Vermögenswert (im Fall
Verkauf oder Beleihung) als in einer durchschnittlichen Stadt (mit MAF = 1)
Immobilienwirtschaftliche Auswirkungen
Niedrige bzw. rückläufige Immobilienpreise können ein Indiz für Struktur-
schwäche der Region sein und die Attraktivität ländlicher Räume auch
hinsichtlich drohendem Wertverlust von Vermögen mindern.

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27 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Immobilienwirtschaftliche Auswirkungen

28 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Welche Auswirkungen haben die genannten Veränderungen auf
verschiedene Siedlungsstrukturen?
Mittel- bis langfristige
Szenarien
für die Entwicklung der Siedlungsstruktur
können gegeben werden durch
Auswertung des prognostizierten Bevölkerungsrückgangs,
konkrete Erhebungen zu aktuell leerstehenden oder unternutzen
Gebäuden, und Flächen,
Visualisierung in einem Schwarzplan (Darstellung nur von Gebäuden in
einem ausgewählten Planausschnitt ohne andere Planelemente wie
beispielsweise Straßen, Vegetation oder Gewässer).
Auswirkungen auf die Siedlungsstruktur - Szenarien

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29 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Auswirkungen auf die Siedlungsstruktur - Szenarien
Beispiel
Reinsdorf
Waldhufendorf mit typischer
locker bebauter Siedlungs-
struktur, die weitgehend erhalten ist
prognostizierter Bevölkerungsverlust für den Landkreis bis 2025 = 12,7%
entspricht einer Anzahl von 50 EW
bei einer Haushaltsgröße von derzeit 2,5 EW/Wohnung = ca. 20 WE
(entspricht hier: Wohngebäuden)
Langfristiges Szenario:
deutlicher Verlust ortsbildprägender Gebäude/ Gehöfte (bzw. Hofteile)
die historische Struktur des Waldhufendorfes beginnt zu zerfallen und
entwickelt sich in Richtung einer Streusiedlung
keine gravierenden negativen Auswirkungen auf die technische
Infrastruktur aufgrund der dezentralen Ver- und Entsorgung
freigewordene Flächen könnten renaturiert oder auch wieder in landwirt-
schaftliche Nutzfläche umgewandelt werden.
Schwarzplan der aktuellen Siedlungsstruktur (Quelle: TK 25, GeoSN)

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30 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Schwarzplan der aktuellen Siedlungsstruktur (Quelle: TK 25, GeoSN)
Auswirkungen auf die Siedlungsstruktur - Szenarien
Beispiel
Wülknitz
(Altdorf)
Straßendorf mit typischer enger
Bebauung, die im Wesentlichen
gut erhalten ist (geschützt durch
B-Plan mit Gestaltungsvorgaben)
Sanierungsstau bei schleichendem
Leerstand: 1875 lebten hier 274 EW,
heute noch ca. 60 EW
Umnutzung und Ersatzneubau durch enge Bebauung teilweise eingeschränkt
Langfristiges Szenario:
Wegfall von Gebäuden und Höfen führt zu einer deutlichen Perforierung
und Veränderung des traditionell geschlossenen Ortsbildes, was auch mit
Identitätsverlust einhergehen kann
keine negativen Auswirkungen auf technische Infrastruktur – solange
Mindestauslastung gegeben ist
Rückbau schafft Freiflächen, aber auch Pflegeaufwand

31 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Kompakte Siedlungsformen (z.B. Rundling, Straßendorf)
klare Abgrenzung zwischen Innen- und Außenbereich möglich.
Locker bebaute, ausgedehnte Siedlungsformen (z.B. Waldhufendörfer)
die Abgrenzung von Innen- und Außenbereich ist aufgrund des fließenden
Übergangs zwischen Siedlungs- und Landschaftsraum schwerer
die gewünschte Innenverdichtung und Lückenbebauung kollidiert mit den
siedlungsstrukturellen Besonderheiten einer gering bebauten innerörtlichen
Aue und ausgedehnten naturnahen Flächen zwischen den Gehöften
(einschl. Biotopschutz)
Anlagen der technischen Infrastruktur haben einen geringeren
Auslastungsgrad aufgrund der niedrigen Anschlussdichte.
Primat Innen- vor Außenentwicklung?
– Betrachtung bei verschiedenen Siedlungsformen
Verschiedene Dorfformen verlangen grundsätzlich spezifische
Lösungsansätze.

32 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung
Steuerung der siedlungsstrukturellen Entwicklung im Rahmen der
kommunalen Planungshoheit
durch
formelle Steuerungsinstrumente (wie Flächennutzungs-/ Bebauungsplan,
Satzungen)
informelle Steuerungsinstrumente (wie Dorfumbauplan)

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33 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Wülknitz:
Aufstellung einfacher Bebauungsplan „Wülknitz - Dorf “,
um die Gestaltung und die bauliche Entwicklung des historischen Ortskerns
besser steuern zu können (2003)

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34 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Wülknitz:
Der einfache Bebauungsplan enthält
Regelungen zu überbaubaren Grundstücksflächen einschl. Vorgaben zur
Einhaltung von Baulinien, Baugrenzen und Ausrichtung der Gebäude
Bauordnungsrechtliche Festsetzungen zur Erhaltung und Gestaltung des
Ortbildes (Gestaltungsvorgaben wurden als örtliche Bauvorschrift
festgesetzt, z.B. Farbpalette, Fassaden)
Gestaltungsfibel für die alte Ortslage
Der Bebauungsplan wurde mit umfassender Bürgerbeteiligung aufgestellt.
Im Zuge des Verfahrens wurde unter Mitwirkung
des Planers die heutige Gestaltung der Dorfstraße
entwickelt.

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35 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Wülknitz:
Änderung Bebauungsplan „Am Fußweg“
Der rechtsverbindliche
Bebauungsplan (1993)
sah auf 5,4 ha eine
teilweise sehr dichte
Wohnbebauung mit
Einzel-/ Doppelhäusern/
Hausgruppen vor und
war damit über den
tatsächlichen Bedarf
der Gemeinde geplant
– Änderung 2013 in
Verbindung mit der
Festsetzung eines
Überschwemmungs-
gebietes.

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36 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel
Bräunsdorf:
Sicherung des gut erhaltenen Teils des
Waldhufendorfes durch eine Gestaltungssatzung sowie eine
Satzung zur Festsetzung geschützter Landschaftsbestandteile

37 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Dorfumbau in der Integrierten Ländlichen Entwicklung / LEADER
ILE-Konzepte hatten in vielen Bereichen bereits Dorfumbauthemen zum Inhalt,
ohne unter diesem Begriff eindeutige Schwerpunkte zu setzen.
Die erwarteten Auswirkungen auf die Siedlungsstruktur bzw. Dorfumbau als
Lösungsansatz sollten vor dem Hintergrund des demografischen Wandels
stärker thematisiert und in den neuen LEADER-Konzepten verankert werden:
Räume mit Handlungsbedarf herausarbeiten
Schwerpunkte des Dorfumbaus konkret verorten (Konzepte, Maßnahmen).
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

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38 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Region
Kommune
Dorf / Einwohner
Dorfumbau ist in alle Planungsebenen zu implementieren
je nach Bedarf Einsatz spezifischer Planungsinstrumente unter Einbeziehung der
Akteure
Wie lässt sich Dorfumbau auf kommunaler / regionaler Ebene integrieren?
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

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39 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
LEADER-Entwicklungsstrategie (LES)
Integration des Dorfumbaus als Handlungsfeld in die Gesamtstrategie
Unterstützung der Erarbeitung von GEK* und DUP**
Absicherung der Umsetzung durch Budgetzuordnung
Gemeindeentwicklungskonzept (GEK
*
)
ges. Gemeindegebiet: Bestandserhebg./ SWOT, Leitbildentwicklung,
Abstimmung der Funktionszuordnung der OT, Festlegung räumlicher
Handlungsschwerpunkte, Umsetzungsstrategie/ Maßnahmenplan
Dorfumbauplan (DUP
**
)
Klärung der konkreten räumlichen Situation und Festlegung von
Maßnahmen für das Dorf (bzw. für Teilbereiche oder auch für mehrere
Dörfer mit übereinstimmenden Problemstellungen) unter Mitwirkung
der Einwohner und Eigentümer
Nutzungskonzept/ Objektplanung
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

40 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Was ist auf den verschiedenen Ebenen zu tun?
Handlungsebene Land
Sensibilisierung der ILE-Akteure für die Problematik Demografiegerechter
Dorfumbau
Aufzeigen von Lösungsansätzen und Beispielen
Handlungsebene Region
(LES-Erstellung)
Thematisierung und Diskussion
Abschätzung Dorfumbaubedarf, z.B. durch
kommunale Erhebungen (insbesondere Leerstands-Problematik)
Zukunfts-Check
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

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41 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Beispiel: Check demografische Zukunftsfähigkeit (aus: „Die Zukunft der Dörfer“, Berlin-Institut 2011)
Ergänzungs-
kriterien
könnten von
den Regionen
individuell
festgelegt
werden.

42 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Handlungsebene Kommune
Kommunale Entwicklungsstrategien/ -konzepte aufstellen bzw. fortschreiben
Gemeindeentwicklungskonzept
Stadtentwicklungskonzept (einschl. Erweiterung bzw. Spezifizierung)
Vitalitätschecks
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung
Ausgehend von der spezifischen kommunalen Situation bestehen vielfältige
konzeptionelle Möglichkeiten (einschl. Förderung), die siedlungsstrukturelle
Entwicklung zu gestalten.

43 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Gemeindeentwicklungskonzept (GEK):
Beispiel
Großpösna 2025 – Integriertes GEK der Gemeinde Großpösna (2013)
(
http://grosspoesna.de/new/cms/upload/pdf/news/Gemeindeentwicklungskonzept_2025.pdf
)
dynamische Entwicklung des Südraumes Leipzig
gleichzeitig demografischer Probleme: moderater Bevölkerungs-
rückgang, aber deutlicher Anstieg des Altersdurchschnitts (infolge z.B.
des Mangels an seniorengerechten Mietwohnungen)
Untersuchung der Rahmenbedingungen und örtlichen Potenziale –
Formulierung von Entwicklungszielen und Schwerpunkten der
Gemeindeentwicklung
realisiert über die Förderung der Städtebaulichen Erneuerung im
Freistaat Sachsen
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

44 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Stadtentwicklungskonzept (SEKo):
Beispiel
SEKo 2020 Neukieritzsch/ Lobstädt (2008) – Aussagen und Festlegungen:
Gesamtbetrachtung auf kommunaler Ebene mit Fachkonzepten zu
Themen wie Wohnen, Wirtschaft, Verkehr, Soziales, Landschaft und
räumlichen Vertiefungsbereichen in den Ortsteilen
Bestands- / Leerstandserhebung mit räumlicher Verortung
Leitbild mit Funktionszuordnung für die örtliche Entwicklung
Umsetzungsstrategie mit Katalog wichtiger Maßnahmen und Projekte
Festlegung von Stadtumbaugebieten
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

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45 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Auszug SEKo: Stadtumbaugebiet Großzössen

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46 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Ergänzung SEKo:
Beispiel
Dorfentwicklungskonzept der Stadt Großenhain (2012)
http://www.grossenhain.de/tl_files/pdf/PDF_Wirtschaft/Stadtentwicklung/Stadtentw
icklungskonzept/3_Dorfentwicklungskonzept.pdf
Erarbeitet infolge des Zusammenschlusses mit
mehreren Gemeinden: regionales Leitbild und ein
Handlungs- und Maßnahmenkatalog für die
Entwicklung der 15 Ortsteile
vertiefende Aussagen für jeden Ortsteil: baulich-
räumliche Entwicklung, funktionale Verflech-
tungen, Aufwertung der Ortsbilder
untersucht wurden ausschließlich die Ortsteile,
das Stadtgebiet selbst wurde bei den
teilräumlichen Untersuchungen ausgenommen
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

47 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Vitalitätschecks:
Einschätzung der Innenentwicklungspotenziale bzw. der Zukunftsfähigkeit
der Dörfer
formalisierte Bestandserhebungen in Form von Checklisten
Ziel: schneller Überblick über die Situation und die Handlungsmöglichkeiten
des jeweiligen Ortes und planerische Entscheidungshilfen für die Verwaltung
Beispiele
Bayern
(
www.stmelf.bayern.de/landentwicklung/dokumentationen/059178/index.php
)
Thüringen
(
www.thueringen.de/th8/tmlfun/laendlicherraum/entwicklung/dorferneuerung/materialien/
)
Vitalitätschecks u. Ä. sollten nicht losgelöst von einer Entwicklungskonzeption
erfolgen und müssen entsprechend gewertet und analysiert werden, um
Fehlinterpretationen (infolge der Standardisierung) zu vermeiden.
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

48 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Handlungsebene Dorf - Dorfumbauplan
möglichst in Ableitung von übergeordneten Konzepten/ Strategien bzw.
Aktualisierung von vorliegenden örtlichen Planungen (soweit aktuell)
Inhalte
demografische Entwicklung
Bestandsanalyse mit Schwerpunkt Siedlungsstruktur
Gebäudesubstanz: Nutzung, Leerstand, Prognose,
Veränderungspotenzial
Flächen – Stand und Potenzial
Infrastruktur
Ziele / Handlungsfelder
Umsetzungsstrategie / Maßnahmenplan
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung
Modulares Leistungsbild Dorfumbauplan:
www.laendlicher-raum.sachsen.de/dorfumbau
Strategie

49 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
Prämissen Dorfumbauplanung
lokale Analyse und Ableitungen in Bezug zur kommunalen/ regionalen Strategie
setzen
Vorrang der
Bestandsentwicklung
Flexibilität für künftige Anpassung unter tendenziell negativen Vorzeichen
Offenhaltung/ Sicherung von Entwicklungspotenzialen
die Planung (Instrument) sowie deren inhaltliche und räumliche Abgrenzung am
konkreten Bedarf ausrichten
Korrektur bestehender unrealistischer Pläne (ggf. Aufhebung) und
Ausweisungen
Mitwirkung der Akteure mehr denn je essentiell, insbesondere auch Eigentümer
Dorfumbau ist weniger eine Planung, als eine Zukunftswerkstatt
Strategien zur siedlungsstrukturellen Entwicklung

50 | 19. Dezember 2014 |
Markus Thieme
weitere Informationen zum demografiegerechten
Dorfumbau in Sachsen:
www.laendlicher-raum.sachsen.de/dorfumbau
Verfasser (Red.schluss: 19.12.2014):
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologe
Referat 23, Ländliche Entwicklung
Markus Thieme
August-Böckstiegel-Str. 1, 01326 Dresden Pillnitz
Tel.: +49 351 2612-2307 | Fax: +49 351 2612-2099
markus.thieme@smul.sachsen.de
|
www.smul.sachsen.de/lfulg