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Im Januar 2015 haben sich 30 sächsische Regionen
mit LEADER-Entwicklungsstrategien (LES) um Aner-
kennung als LEADER-Gebiete beworben.
Diese Strategien enthalten regionale Aktionspläne
mit wichtigen Informationen zu den geplanten Maß-
nahmen, zu Begünstigten und Budgets.
Ausgewählte Inhalte dieser Aktionspläne wurden auf
Landesebene zusammengestellt. Dadurch ist es
möglich aufzuzeigen, welche Probleme in den ländli-
chen Regionen Sachsens mit LEADER bis 2020
angepackt werden sollen.
30 Pläne, 1.000 Maßnahmen, 12 Kategorien
In den 30 vorgelegten regionalen Aktionsplänen
1
wurden insgesamt 1.000 Maßnahmen
2
identifiziert.
Um LEADER-Aktivitäten in geeigneter Weise
abzubilden, erschien es angebracht, die vielfältigen
Maßnahmen angelehnt an das Modell der Daseins-
grundfunktionen zu kategorisieren.
3
Dabei wurden
zwölf Maßnahmekategorien entwickelt (s. Abb. 1).
Abb.1: Die Maßnahmekategorien im Überblick
1
Die Datengrundlagen sind die in den LES-Entwürfen enthaltenen
Aktionspläne (Stand 01/2015).
2
Der Begriff „Maßnahme“ wird in den Aktionsplänen und resp. in
diesem Beitrag im Sinne eines Fördergegenstandes verwendet.
3
Das Modell der Daseinsgrundfunktion (DSGF) ist ein Sozialgeo-
grafisches Ordnungsschema für menschliche Tätigkeiten und
Leistungen, die zur Lebensbewältigung notwendig sind. Einige
Maßnahmen waren diesem Grundschema jedoch nicht zuordenbar,
woraus die Sammelmaßnahme (DSGF) sowie weitere Kategorien
resultieren. Die individuelle Einordnung erfolgte nach dem jeweils
erkennbaren Maßnahmenschwerpunkt.
Die vorgenommene Kategorisierung ist nicht nur
Maßstab dieses Beitrags sondern gleichzeitig
Bezugsbasis für die fachlich-wissenschaftliche
Begleitung des LfULG im Verlauf der Förderperiode.
Wohnen ...
... wird in fast allen Regionen thematisiert. Insgesamt
wurden über 40 diesbezügliche Maßnahmen identifi-
ziert, davon über die Hälfte mit hoher Priorität. Der
Anteil dieser Kategorie am LEADER-Gesamtbudget
4
beträgt ca. 13%. Der Anteil am regionalen Budget va-
riiert, der Maximalwert eines Gebietes beträgt 25%.
Die RL LEADER ist die bevorzugte Finanzierungs-
quelle.
Schwerpunkte sind nach wie vor Um- und Wiedernut-
zungen ländlicher Gebäude für private Wohnzwecke
4
Hier ist das gesamte Budget für Sachsen gemeint.
LEADER – Entwicklungsstrategien: Maßnahmen im Überblick

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sowie der Erhalt und die Entwicklung regionaltypi-
scher und ortsbildprägender Wohnbebauung.
Neu ist die spezifische Ausrichtung diesbezüglicher
Maßnahmen mit Blick auf demografiegerechtes Woh-
nen. Damit werden vielerorts Vorhaben förderfähig
zur
- Schaffung altersgerechter Wohnungen,
- Umnutzung zu barrierefreiem Wohnraum oder
- Entwicklung alternativer Wohnformen.
Ebenso neu ist die Förderung des Umbaus ländlicher
Bausubstanz zum Zwecke der Vermietung in acht
Gebieten.
Arbeiten ...
... ist das Schlüsselwort in allen Gebieten, was durch
die knapp 130 programmierten Maßnahmen deutlich
wird, davon ein Viertel mit hoher Priorität.
Der Anteil am LEADER-Gesamtbudget liegt bei 9%
(Maximalwert eines Gebietes 22%). Dieser Wert ist
deshalb relativ gering, weil für viele Maßnahmen
neben der RL LEADER auch andere Finanzierungs-
quellen herangezogen werden sollen.
Zum Spektrum der Kategorie „arbeiten“ gehören u. a.
- die Förderungen gewerblicher Um- und Wieder-
nutzungen,
- die Diversifizierung bestehender Betriebe,
- Betriebserweiterungen, -verlagerungen und
Existenzgründungen,
- die Unterstützung von Wertschöpfungsketten und
Direktvermarktung sowie
- die Förderung von Innovation und Investitionen in
Klein- und Kleinstunternehmen.
Erholen ...
... stellt einen ebenso wichtigen Aspekt in allen
LEADER-Gebieten dar und ist die Kategorie, die die
meisten Maßnahmen in sich vereint (knapp140),
wovon mehr als ein Drittel mit hoher Priorität
ausgewiesen wird.
Die Finanzierung soll nahezu ausschließlich über die
RL LEADER erfolgen mit einem Gesamtbudget von
13% (Maximalwert eines Gebietes 38%).
Neben investiven Maßnahmen wie
- der baulichen Veränderungen an Beherbergungs-
und Gastronomiebetrieben,
- der Schaffung öffentlich zugänglicher, kleiner
touristischer Infrastrukturen sowie
- dem Erhalt und der Neuanlage touristischer Wege
(Anbindung an touristische Punkte)
sind auch nichtinvestive Maßnahmen zur
- Förderung touristischer Marketingprojekte und
Konzepte,
- Unterstützung touristischer Events sowie
- Zertifizierung, Netzwerkbildung und Kooperation
geplant.
Auch Investitionen in den Bereichen Freizeit und
Naherholung stehen in einigen Gebieten auf der
Agenda.
Bilden ...
... umfasst mehr als 80 verschiedene Maßnahmen
(davon ein Viertel mit hoher Priorität) in 80 % der
LEADER-Gebiete.
Das Engagement in den LEADER-Gebieten richtet
sich perspektivisch u. a. auf
- die Entwicklung von Bildungseinrichtungen wie
Schulen und Kindergärten,

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- die Vernetzung und Kooperation zwischen
Schulen und Unternehmen (Fachkräftesicherung),
- gruppen- und altersspezifische Bildungsangebote
oder
- die Unterstützung von Museen, Heimatstuben u.a.
Am Verkehr teilnehmen ...
... vereint über 110 Maßnahmen aus den Bereichen
Verkehr und Mobilität.
Alle Gebiete sehen diesbezügliche Maßnahmen vor,
zu einem Viertel mit hoher Priorität. Auffällig ist der
mit 23,5% hohe LEADER-Budgetanteil (Maximalwert
eines Gebietes 47%), der durch große Investitions-
summen bei Straßenbaumaßnahmen begründet wird
(Neu- oder Ausbau von Straßen, Wegen und
Plätzen).
Interessant ist, dass auch Aspekte des barrierefreien
Bauens in dieser Kategorie identifiziert werden
konnten, d. h. barrierefreie Mobilität und Erreich-
barkeit wird in den LEADER-Gebieten thematisiert.
Nichtinvestive Maßnahmen zur Verbesserung der
Mobilität sind in 23 Gebieten angedacht. Dazu ge-
hören beispielsweise
- Bedarfsanalysen und Machbarkeitsstudien zu
verkehrlichen Themen sowie
- die Entwicklung von nutzerfreundlichen ÖPNV-
Angeboten einschließlich der Erprobung inno-
vativer Ansätze (Bürgerbus, Mitfahrzentrale,
Elektromobilität etc.).
In Gemeinschaft leben ...
... beinhaltet Maßnahmen in 29 Gebieten. Insgesamt
wurden 87 Maßnahmen zugeordnet (davon 29% mit
hoher Priorität) mit einem LEADER-Budgetanteil von
etwa 8% (Maximalwert eines Gebietes 22%).
Für diesbezügliche Maßnahmen sollen nur Mittel der
RL LEADER eingesetzt werden.
Maßnahmen dieser Kategorie sind u.a.
- die Freiraumgestaltung für soziokulturelle Zwecke,
- Um- und Wiedernutzungen sowie Ausstattungen
für soziokulturelle Zwecke,
- die Unterstützung lokaler Initiativen zur Entwick-
lung einer Willkommenskultur und zur Integration,
- Unterstützung von Ehrenamt und Vereinen oder
- Projekte zur Teilhabe besonderer Bewohnergrup-
pen wie Jugendliche, Senioren u.a.
Ver- und Entsorgen ...
... ist eine Kategorie, der knapp 80 Maßnahmen
(40% mit hoher Priorität) in 25 Gebieten zugeordnet
werden können.
Da 25% der Maßnahmen dieser Kategorie über
andere Finanzierungsquellen realisiert werden sollen,
ist der Anteil am LEADER-Gesamtbudget mit 6% nur
gering, wobei es größere regionale Unterschiede gibt
(Maximalwert eines Gebietes 20%).
Das Maßnahmespektrum umfasst den Ausbau und
die Verbesserung von
- Breitbandversorgung (in 19 Gebieten),
- Nahwärmenetzen und dazugehöriger Infrastruktur,
- medizinischen und pflegerischen Angeboten,
- mobilen Versorgungs- und Dienstleistungsein-
richtungen und
- gewerbliche Um- und Wiedernutzung von
Gebäuden als Versorgungseinrichtungen.

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Sammelmaßnahme DSGF ...
... enthält mehr als 50 Maßnahmen, die zwei oder
mehr Daseinsgrundfunktionen ansprechen und somit
nicht eindeutig zugewiesen werden konnten, was in
25 Regionen der Fall war.
In diese Kategorie fallen auch nichtinvestive Maß-
nahmen wie Leerstandsmanagements, ländliche Ge-
bäudebörsen oder Dorfumbauplanungen.
Der Dorfumbau ist ein neues Themenfeld, welches
erstmalig in ländliche Entwicklungsstrategien
eingegangen ist.
Die Finanzierung soll vor allem aus der RL LEADER
erfolgen, der veranschlagte LEADER-Budgetanteil
beträgt knapp 8%.
Natur und Umwelt ...
... als Kategorie umfasst knapp 120 Maßnahmen
(davon 29 mit hoher Priorität) in 29 Gebieten. Der
Anteil am LEADER-Gesamtbudget beträgt nur 6%,
wobei der regionale Anteil durchaus bis 15%
betragen kann.
Die Kategorie fasst Umweltmaßnahmen im weiteren
Sinne zusammen. Das sind beispielsweise:
- der Rückbau ländlicher Bausubstanz und
Flächenentsiegelung (in 25 Gebieten),
- die Pflege und der Erhalt der Kulturlandschaft,
- Siedlungsflächenmanagement bzw. Flächenpools
für Kompensationsmaßnahmen (Ökokonto) oder
- Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser und
Erosion.
Ländliche Neuordnung ...
... wurde in einigen Gebieten in den Aktionsplan auf-
genommen. Das ist insofern bedeutend, weil damit
eine um 10 Prozentpunkte höhere Förderung nach
RL LE/2014
5
gewährt werden kann.
5
Förderrichtlinie Ländliche Entwicklung – RL LE/2014)
Sonstige ...
... sind innovative Einzelmaßnahmen, deren Inhalte
keiner anderen Kategorie zuordenbar sind.
Dazu zählten u.a. Aktivitäten
- zur Unterstützung und zum Ausbau der Hilfe bei
Sucht- und Sozialproblemen,
- zur Umsetzung regionaler Leistungsschauen oder
- die Gründung und Organisation von Energiege-
nossenschaften.
Insgesamt wurden dieser Kategorie elf Maßnahmen
aus neun verschiedenen Regionen zugeordnet.
Umsetzung LES, Kooperationen,
Netzwerkarbeit ...
... lässt sich als Kategorie durch folgende Schlag-
worte umschreiben:
- Begleitung, Umsetzung und Evaluierung
LEADER-Entwicklungsstrategien,
- Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit für die
Region,
- Netzwerkarbeit und Kooperationsvorhaben,
- LAG und Regionalmanagements sowie
- Projektmanagement im Allgemeinen.
Insgesamt summiert sich die Anzahl der Maßnahmen
auf knapp 130 mit einem LEADER-Budgetanteil
von11%.

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Ansätze der Finanzierung
Die Finanzierung der programmierten Maßnahmen
soll auf verschiedenen Wegen erfolgen. Für 65% der
Maßnahmen werden ausschließlich Mittel des ELER
(RL-LEADER) vorgesehen. Etwa ein Viertel der
Maßnahmen soll entweder über die RL LEADER
oder über andere Finanzierungsquellen erfolgen. Für
10% der Maßnahmen werden grundsätzlich andere
Finanzierungsquellen
6
angestrebt (s. Abb. 2).
Abb. 2: Angestrebte Finanzierungsquellen
Für LEADER-Vorhaben stehen in der Förderperiode
2014 bis 2020 Zuschüsse in Höhe von insgesamt
427 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen
Fachförderprogramme sowie sonstige Finanzierungs-
quellen.
Auf die Begünstigten und die regionalen Fördersätze
kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Es
ist jedoch bereits erkennbar, dass einige Gebiete be-
sondere Anreizsysteme zur Erreichung qualitativer
Ziele entwickeln (z. B. Basisförderung + spezifische
Aufschläge, z. B. für Impulsvorhaben, für besondere
Zielgruppen, für Barriereabbau oder für Vorhaben im
Sinnes eines Dorfumbauplans).
Zusammenfassung und Fazit
In Sachsen wurden 30 LES vorgelegt. Diese beinhal-
ten insgesamt 1.000 Maßnahmen, die sich in zwölf
einordnen lassen. Die Kategorie „erholen“ vereint die
meisten Maßnahmen auf sich (s. Abb. 3).
6
Als Finanzierungsquellen wurden beispielsweise andere Fonds
(ESF, EMFF, EFRE) bzw. andere (Fach)Förderungen angegeben.
Namentlich aufgelistet wurden u.a. Bundes- bzw. Landesmittel:
GAK, RL DiOS (Digitale Offensive Sachsen), FR „Regionalent-
wicklung“, Förderprogramm "Brachflächenrevitalisierung", RL für
die Förderung von Straßen- und Brückenbauvorhaben kommuna-
ler Baulastträger (RL-KStB), RL-Demografie. Des Weiteren sollen
Mittel der Landkreise und der freien Wirtschaft eingesetzt werden.
Aber auch Kredite, Wettbewerbe usw. kommen infrage.
Abb. 3: Anzahl Maßnahmen nach Kategorien
In der Kategorie „wohnen“ sind die häufigsten Maß-
nahmen mit hoher Priorität. Der Kategorie „am Ver-
kehr teilnehmen“ ist das mit Abstand höchste Budget
zugewiesen.
Die Aktionspläne haben in allen LEADER-Gebieten
ein breites thematisches Spektrum, wobei es Hinwei-
se auf die Fokussierung einiger Gebiete auf einzelne
Themenfelder gibt.
Bevorzugt sollen Maßnahmen über die RL LEADER
realisiert werden, aber auch andere Finanzierungs-
quellen kommen infrage.
Die analysierten Maßnahmen lassen aus verschie-
denen Gründen innovative Vorhaben erwarten, wofür
drei folgende Beispiele stehen:
1. Mit einzelnen Maßnahmen bzw. dem spezifischen
Qualitätsanspruch von Maßnahmen wird in den
ländlichen Regionen Sachsens Neuland betreten
(z. B. demografiegerechtes Wohnen, alternative
Mobilitätskonzepte, Willkommenskultur, Umnut-
zung zum Zwecke der Vermietung, Dorfumbau-
pläne).
2. Die Förderungen beinhalten interessante Anreiz-
systeme, wodurch besondere qualitative Ergeb-
nisse zu erwarten sind (z. B. mehr Barrierefreiheit,
Vorhaben im Sinne eines Dorfumbauplanes,
bessere Bedingungen für junge Familien).
3. Die Arbeit in Kooperationsprojekten wird an sich
schon einen höheren Mehrwert im Sinne des
LEADER-Gedankens erzielen.
Text:
LfULG, Referat 23 – Ländliche Entwicklung
Telefon:
(0351) 2612-2305
E-Mail:
dorit.mueller@smul.sachsen.de
Fotos:
LfULG
Internet:
www.smul.sachsen.de/lfulg
Stand:
06/2015