Gutachten
Artenschutzfachbeitrag zum Bebauungsplan „EKZ
Görlitz – PV-Anlagen“ in Görlitz
Im Auftrag von:
Richter + Kaup
Ingenieure & Planer
Berliner Str. 21
02826 Görlitz
Auftragnehmer:
Dr. rer. nat. Markus Ritz
Seidenberger Str. 27b
02827 Görlitz
Planungsstand:
30.10.2018
Anlage 3 zum Umweltbericht

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
2
Inhalt
Zielsetzung ................................................................................................................................. 3
Einleitung ................................................................................................................................... 3
Beschreibung des Untersuchungsgebietes und des Vorhabens .............................................. 3
Artenschutzrechtliche Rahmenbedingungen .......................................................................... 5
Bestimmungen des § 44 BNatSchG ................................................................................... 5
Begriffsbestimmung lokale Population .............................................................................. 6
Ausnahmen gem. § 45 BNatSchG...................................................................................... 8
Befreiung gem. § 67 BNatSchG ......................................................................................... 8
Artenschutzrechtliche Bestimmungen des § 15 (5) BNatSchG ......................................... 8
FFH-Verträglichkeitsprüfung ............................................................................................. 8
Umweltschadensgesetz ....................................................................................................... 9
Methoden .................................................................................................................................... 9
Arterfassung ........................................................................................................................... 9
Abschichtung der Eingriffsrelevanz ..................................................................................... 10
Ergebnisse ................................................................................................................................ 11
Brutvögel .............................................................................................................................. 11
Bluthänfling (
Carduelis cannabina
) ................................................................................ 12
Star (
Sturnus vulgaris
) ..................................................................................................... 13
Gartenrotschwanz (
Phoenicurus phoenicurus
) ................................................................ 13
Neuntöter (
Lanius collurio
) .............................................................................................. 13
Goldammer (
Emberiza citrinella
) .................................................................................... 13
Gelbspötter (
Hippolais icterina
) ...................................................................................... 14
Fitis (
Phylloscopus trochilus
)........................................................................................... 14
Gartengrasmücke (
Sylvia borin
) ....................................................................................... 14
häufige Arten .................................................................................................................... 15
weitere Arten ........................................................................................................................ 15
Zauneidechse (
Lazerta agilis
) .......................................................................................... 15
Vorhabensbezogene Einschätzung ........................................................................................... 16
Anlagebedingte Wirkfaktoren .............................................................................................. 16
Baubedingte Wirkfaktoren ................................................................................................... 17
Betriebsbedingte Wirkfaktoren ............................................................................................ 17
Maßnahmen zur Vermeidung (V) und zum Ausgleich (A) ...................................................... 17
Anlagebedingte Wirkfaktoren .............................................................................................. 18
V 1 – Minimierung der Flächenversieglung .................................................................... 18
V 2 – Baufeldbegrenzung ................................................................................................. 18
A 1 – Anlage/Aufwertung einer Baumhecke mit breitem Saum ..................................... 18
A 2 – Anlage einer lockeren Hecke ................................................................................. 18
A 3 – Aufwertung des Zauneidechsenhabitates ............................................................... 18
A 4 – Wiesen an/unter den PV-Modulen ......................................................................... 19
Baubedingte Wirkfaktoren ................................................................................................... 21
V 3 – Bauzeitenregelung .................................................................................................. 21
Betriebsbedingte Wirkfaktoren ............................................................................................ 21
A 5 – Pflege der PV-Fläche .............................................................................................. 21
A 6 – Pflege der Randstrukturen ...................................................................................... 21
Zusammenfassung .................................................................................................................... 22
Literatur .................................................................................................................................... 23

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
3
Zielsetzung
Im vorliegenden Gutachten wird das Datenmaterial zum Vorkommen von Tieren im Bereich
des B-Plan „EKZ Görlitz – PV-Anlagen“ in Görlitz zusammengetragen und bewertet. Dazu
fand im August 2018 eine Begehung der Fläche zur Erfassung der Habitate und möglicher
Lebensstätten, sowie einer Abschätzung des potenziellen Artenspektrums statt. Zusätzlich
wurde nach bereits vorhandenen Altdaten gesucht. Die ermittelte Fauna wird in Bezug auf
ihre Störungsempfindlichkeit gegenüber Baumaßnahmen und Betrieb des Gebäudekomplexes
bewertet. Vorgeschlagene Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen sollen negative
Auswirkungen auf die Tierwelt verhindern.
Einleitung
Die folgenden Abschnitte beschreiben das zu beurteilende Vorhaben und das daran
angepasste Untersuchungsgebiet (UG) und geben eine Einführung zu den zu beachtenden
artenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen.
Beschreibung des Untersuchungsgebietes und des Vorhabens
Das geplante Bauprojekt soll im Norden von Görlitz zwischen dem Wohngebiet Königshufen
und dem Industriegebiet Görlitz durchgeführt werden. Südwestlich anschließend befindet sich
das Einkaufszentrum (EKZ) Görlitz, das in den letzten Jahren umgebaut wurde. Der
Ankermieter des EKZ „Marktkauf“ möchte zum Ausbau seiner regenerativen Energie-
versorgung eine Photovoltaikanlage auf dem jetzt brach liegenden Gelände errichten lassen.
Dazu soll etwa die Hälfte der Fläche mit PV-Modulen und den Wechselrichtern bebaut
werden, während die andere Hälfte u.a. für Ausgleichsmaßnahmen zur Verfügung steht.
Die zu bebauende Brachfläche liegt am Florinusweg, der die Baufläche im Osten begrenzt
und als Gartenzugang zu den Grundstücken der Einfamilienhäuser in der angrenzenden
Siedlung Königshufen fungiert. Im Norden grenzt eine große Ackerfläche an, die
konventionell bewirtschaftet wir. Westlich angrenzend befindet sich eine typische große
Garagensiedlung aus DDR-Zeiten, die weiterhin genutzt wird. Im Südwesten grenzt das Plan-
gebiet auf etwa 30 m an das EKZ Görlitz. In dem Bereich befinden sich versiegelte Verkehrs-
flächen als Zufahrten für die Warenanlieferung und das Zentrum mit seinen Lagerflächen. Im
Süden ist der Übergang zu einer teilweise verbuschten Wiese an einem kleineren Gewerbe-
betrieb eher fließend.
Das Gelände steigt leicht von Süd nach Norden an und im Westen gibt es einen
Höhenunterschied von wenigen Metern zur Garagensiedlung. Die Topographie der Brache ist
recht unruhig und es finden sich kleinräumig Höhenunterschiede von reichlich 2 m, die durch
Ausgrabungen bzw. Aufschüttungen entstanden sind.
Das Plangebiet ist vollständig bewachsen, wobei Ruderalfluren aus Brennnessel, Goldrute,
Gräsern und Him- und Brombeeren den Großteil der Fläche bedecken. Verschiedene Büsche
(Holunder, Wildrose) sind über die Fläche verstreut. Im östlichen mittleren Teil sowie im
Westen stehen einige größere Bäume (v.a. Esche, Weide, Pappel, Walnuss). Besonders im

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Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
4
Osten macht sich die Nähe zu den Gärten bemerkbar, da durch die abgelagerten Gartenabfälle
verschiedene Obstbäume aufgewachsen sind. Insgesamt ist das Gebiet recht strukturreich und
bietet viele Übergänge.
Naturräumlich gehört das Untersuchungsgebiet zur Östlichen Oberlausitz in der Naturregion
Sächsische Lössgefilde. Der Untergrund ist im Plangebiet allerdings schon stark überformt
und es finden sich Reste von früherer neuzeitlicher Bebauung.
Die östlichen Teile des SPA-Gebietes „Feldgebiete in der östlichen Oberlausitz“ (EU-Nr.
4753-451) befinden sich etwa 3 km westlich des Untersuchungsgebietes. Es dient vor allem
dem Schutz der Vogelarten der offenen und halboffenen Agrarlandschaft (Ortolan,
Grauammer, Kiebitz, Schwarzmilan, Weißstorch). Durch die große Entfernung der
Baumaßnahme und die Vorbelastungen auf der Fläche sind aber keine negativen
Auswirkungen auf die Schutzziele des SPA-Gebietes zu befürchten.
Bild 1: Vogelperspektive auf die geplante PV-Fläche (verbuschtes Gelände mittig) am Florinusweg
(östlich) nördlich des EKZ Görlitz (südwestlich angrenzend). Ausschnitt aus der Karte zu den
Planungsunterlagen von Richter + Kaup.
Das Untersuchungsgebiet umfasst das Plangebiet des Bebauungsplanes (Bild 1, schwarz
gestricheltes Gebiet) mit einem etwa 50 m breiten Puffer. Das Plangebiet ist annähernd
rechteckig mit einer Breite von ca. 135 m. Seine Länge beträgt ca. 150 m im Osten und ca.
180 m im Westen. Die Flächengröße beträgt ca. 2,2 ha.

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
5
Artenschutzrechtliche Rahmenbedingungen
Der Verweis auf das Artenschutzrecht soll vorab verdeutlichen, welche genehmigungs-
rechtlichen Aspekte zu berücksichtigen sind, wenn im Bereich des geplanten Vorhabens
Arten potenziell beeinträchtigt werden.
Mit dem Inkrafttreten des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) vom 29.Juli 2009 am
1.März 2010 ist auch die Vorrangregelung vor dem sächsischen Naturschutzgesetz
(SächsNatSchG) wirksam. Allerdings ist es nach Art. 72 Abs. 3 Grundgesetz zulässig, dass
die Länder ergänzende bzw. abweichende Regelungen treffen. Daher ist es notwendig
zusätzlich zum BNatSchG das jeweils einschlägige Landesnaturschutzgesetz (SächsNatSchG)
zugrunde zu legen. Das SächsNatSchG ist aber nur noch anwendbar wenn das BNatSchG zu
einem Sachverhalt keine Regelung enthält. Soweit das Bundesrecht abschließend regelt, ist
bestehendes Landesnaturschutzrecht nichtig.
Als eines der wichtigsten Naturschutzinstrumente hat sich die FFH-Richtlinie der
europäischen Union herausgestellt. Sie regelt den Schutz von Arten und ihren Lebensräumen
und war ausschlaggebend für das Schutzgebietssystem „Natura 2000“. Besondere
Anforderungen für den Artenschutz gelten für Arten die in Anhang IV der FFH-Richtlinie
(Pflanzen, Tiere außer Vögel) und im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie (Vögel) gelistet
sind. Mit der Neufassung des BNatSchG ist das Europarecht weitestgehend implementiert
worden. Im Zusammenhang mit der Prüfung der Verträglichkeit von Bebauungsvorhaben ist
somit hauptsächlich das BNatSchG anzuwenden. Insbesondere bei einer abgestuften
Beurteilung der Eingriffsrelevanz ist aber das Europarecht zu berücksichtigen.
Artenschutzrechtliche Vorgaben finden sich im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sowohl
im Kapitel 3 zum „allgemeinen Schutz von Natur und Landschaft“ (§ 19) als auch im
Abschnitt 3 des Kapitel 5, welches die Regelungen zum „Schutz der wild lebenden Tier- und
Pflanzenarten, ihrer Lebensstätten und Biotope“ zum Gegenstand hat (§ 44). Während der
§ 44 BNatSchG ein Regelungsregime zum Schutz einzelner Tiere und Pflanzen im Hinblick
auf den Artenschutz etabliert, wird in § 19 BNatSchG den artenschutzrechtlichen Belangen
bei der Abwägungsentscheidung im Rahmen der Zulassung eines Eingriffs ein besonderes
Gewicht zugewiesen.
Bestimmungen des § 44 BNatSchG
Die Notwendigkeit einer artenschutzrechtlichen Betrachtung von Vorhaben im Rahmen von
Plänen und Projekten ergibt sich im Wesentlichen aus § 44 BNatSchG. Dort werden im
Hinblick auf die Realisierung von Vorhaben für die besonders und streng geschützten Arten
die im Folgenden aufgeführten Verbotstatbestände („Zugriffsverbote“) definiert:
„(1) Es ist verboten
wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu
verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu
beschädigen oder zu zerstören,
wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der
Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser- Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
6
stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand
der lokalen Population einer Art verschlechtert,
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten
aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
Als betrachtungsrelevantes Artenspektrum ist aus § 44 (4) und (5) BNatSchG und aus den
Folgen von § 54 (2) folgendes Artenspektrum abzuleiten:
alle Tier- und Pflanzenarten, die in Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie)
aufgeführt sind und
alle „europäischen Vogelarten" und
alle per Rechtsverordnung streng geschützten Arten.
Aufgrund der Umsetzung von Europarecht in bundesdeutsches Recht sind demnach alle in
Europa natürlich vorkommenden „europäischen“ Vogelarten den streng geschützten Arten
anderer Artengruppen de facto gleichgestellt. Die Unterscheidung von streng geschützten
Vogelarten (Greifvögel, Eulen,…) und besonders geschützten Vogelarten (alle anderen
heimischen Vögel) ist mit Blick auf die Zugriffsverbote dadurch hinfällig geworden. Die
Aufnahme aller europäischen Vogelarten in das relevante Artenspektrum bedeutet auch, dass
den Vögeln bei der Eingriffsplanung eine herausragende Bedeutung zukommt.
Europäische Vogelarten sind nach der Vogelschutz-Richtlinie (Artikel 1, Satz 1): „sämtliche
wildlebenden Vogelarten, die im europäischen Gebiet der Mitgliedsstaaten, auf welches der
Vertrag Anwendung findet, heimisch sind.“ Das BNatSchG (§7, Absatz 2) präzisiert dazu den
Begriff heimische Art: „eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart, die ihr Verbreitungsgebiet
oder regelmäßiges Wanderungsgebiet ganz oder teilweise
a) im Inland hat oder in geschichtlicher Zeit hatte oder
b) auf natürliche Weise in das Inland ausdehnt;
als heimisch gilt eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart auch, wenn sich verwilderte oder
durch menschlichen Einfluss eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden Art im
Inland in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population
erhalten.“
Demnach sind auch in Deutschland eingebürgerte oder verwilderte Arten zu betrachten,
sobald sie sich bereits über mehrere Generationen fortgepflanzt haben. Dies betrifft z.B. die
Neozoon Nilgans und Mandarinente.
Begriffsbestimmung lokale Population
Schwierigkeiten bei der praktischen Beurteilung von Eingriffen bereitet die Definition der
lokalen Population einer Art. Obwohl das Verschlechterungsverbot für den Erhaltungszustand
einer Population einer Art ein zentrales Element in der FFH-Richtlinie ist, wird der Begriff
dort nicht näher definiert. Das BNatSchG enthält unter § 7 (Begriffsbestimmungen) den
Hinweis: „Population: eine biologisch oder geografisch abgegrenzte Zahl von Individuen

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
7
einer Art“. Aber auch diese Definition hilft kaum weiter, da sie die biologischen oder
geografischen Kriterien zur Abgrenzung offen lässt. Die Findung dieser Kriterien ist nicht
trivial und auch nicht auf alle Arten gleich anwendbar. In der Begründung zum neuen
BNatSchG vom 25.4.2007 steht noch eine etwas ausführlichere Definition: „Eine lokale
Population umfasst diejenigen (Teil-)Habitate und Aktivitätsbereiche der Individuen einer
Art, die in einem für die Lebens(-raum)ansprüche der Art ausreichenden räumlich-
funktionalen Zusammenhang stehen.“ Interessanterweise wird hier die Population über die
von der Art benötigten Habitate definiert. Diese Herangehensweise gibt es beim biologischen
Populationsbegriff nicht, bei dem die Population nur über das besiedelte Areal (mit)definiert
wird. Allerdings ist in der Praxis eine Orientierung am biologischen Populationsbegriff nach
populationsbiologischen oder populationsgenetischen Kriterien kaum umsetzbar. Daher
spricht sich auch die Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz (LANA 2009) für einen
pragmatischen Umgang aus. Je nach Verteilungsmuster, Sozialstruktur, individuellem
Raumanspruch und Mobilität der Arten werden zwei Haupttypen von lokalen Populationen
unterschieden:
1) Arten mit gut abgrenzbaren örtlichen Vorkommen im Bezugsraum
Kleinräumig konzentrierte Vorkommen, bei denen sich viele Individuen bedingt durch
eine enge Bindung an bestimmte Lebensraumtypen bzw. -strukturen oder bestimmte
Sozialstrukturen und Verhaltensweisen in gut abgrenzbaren Bereichen konzentrieren.
Zu dieser Kategorie zählen auch Vorkommen von Arten mit einer punktuellen oder
zerstreuten Verbreitung oder solche mit lokalen Dichtezentren. Die Abgrenzung sollte
sich an den Beständen selbst bzw. den von ihnen besiedelten Lebensräumen und
kleinräumigen Landschaftseinheiten orientieren (z.B. Gewässer, Waldbereiche,
Grünlandkomplexe, Niederungen) oder auch auf klar abgegrenzte Schutzgebiete
beziehen. Beispiele sind die Laichgemeinschaften von Amphibien, die Reptilien eines
Moores, die Libellen eines Teichgebietes, die Bachmuschelvorkommen eines Fließ-
gewässerabschnitts, die Fledermäuse einer Wochenstube oder eines Winterquartiers.
2a) Arten mit flächiger Verbreitung im Bezugsraum
Bei Arten mit einer weitgehend flächigen Verbreitung kann eine Abgrenzung der
lokalen Population meist nur pragmatisch erfolgen und z.B. auf den Bereich einer
naturräumlichen Landschaftseinheit bezogen werden. Hierfür dürften sich in der Regel
die von Meynen & Schmithüsen (1953-1963) definierten naturräumlichen Unter-
einheiten oder aber bei Arten mit größerer Mobilität die dreistelligen Haupteinheiten
anbieten. Wo eine naturräumliche Abgrenzung fachlich nicht sinnvoll oder möglich
ist, können unter pragmatischen Gesichtspunkten ggf. auch planerische Grenzen
(bspw. Schutzgebietsgrenzen) zu Grunde gelegt werden. Beispiele sind u.a. die durch-
gehende Verbreitung von einzelnen Libellenarten an einigen Fließgewässern oder die
relativ großflächige Verbreitung der Zauneidechse.
2b) Sonderfall: Arten mit sehr großen Aktionsräumen

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
8
Bei Arten mit sehr großen Raumansprüchen, für die die Punkte 1. und 2a. nicht
zutreffend sind (z.B. Schwarzstorch, Luchs, Wolf, Fischotter), ist die Abgrenzung
einer lokalen Population auch bei flächiger Verbreitung häufig gar nicht möglich. In
diesem Fall ist (insbesondere bei seltenen Arten) vorsorglich das einzelne territoriale
Individuum oder das Paar/Rudel als lokale Population zu betrachten.
Obwohl auch diese Einteilung (naturgemäß) einen Spielraum offen lässt, erscheint sie
naturschutzfachlich sinnvoll und hat sich gleichzeitig bisher als praktikabel erwiesen. Dieser
Ansatz wird daher auch im vorliegenden Gutachten verfolgt.
Ausnahmen gem. § 45 BNatSchG
Ausnahmen von den Verboten des § 44 BNatSchG werden für im öffentlichen Interesse
liegende Projekte vollumfänglich durch den § 45 (7) BNatSchG geregelt und von den
zuständigen Landesbehörden zugelassen. Eine Ausnahme darf zugelassen werden, wenn
keine zumutbare Alternative gegeben ist,
der Erhaltungszustand der Population einer Art sich nicht verschlechtert,
Art. 16 Abs. 1 und 3 der FFH-Richtlinie nicht entgegen stehen,
Art. 9 Abs. 2 der EU-Vogelschutzrichtlinie nicht entgegen steht.
Befreiung gem. § 67 BNatSchG
Befreiungen gem. § 67 BNatSchG sind bei der zuständigen Behörde zu beantragen für
Projekte, die die Kriterien nach § 45 nicht erfüllen. Dabei ist nachzuweisen ob
dies aus Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich solcher
sozialer und wirtschaftlicher Art, notwendig ist oder
die Durchführung der Vorschriften im Einzelfall zu einer unzumutbaren Belastung
führen würde und die Abweichung mit den Belangen von Naturschutz und
Landschaftspflege vereinbar ist.
Artenschutzrechtliche Bestimmungen des § 15 (5) BNatSchG
Eine weitere Normierung mit Bezug zum Artenschutz findet sich in der Eingriffsregelung im
§ 15 Abs. 5 des BNatSchG. Hier wird ausgeführt:
„(5)
Der
Eingriff
darf
nicht
zugelassen
oder
durchgeführt
werden,
wenn
die
Beeinträchtigungen [streng geschützter Arten] nicht zu vermeiden oder nicht in angemessener
Frist auszugleichen oder zu ersetzen sind und die Belange des Naturschutzes und der
Landschaftspflege bei der Abwägung aller Anforderungen an Natur und Landschaft anderen
Belangen im Range vorgehen.
FFH-Verträglichkeitsprüfung
Soll ein Vorhaben in der Nähe eines Schutzgebietes nach der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie
verwirklicht werden, ist in einer FFH-Vorprüfung zu prüfen ob negative Auswirkungen auf
das Schutzgebiet ausgeschlossen werden können. Können diese nicht ausgeschlossen werden

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
9
muss eine FFH-Verträglichkeitsprüfung zeigen ob das Vorhaben mit den Schutzzielen des
FFH-Gebietes vereinbar ist.
Umweltschadensgesetz
Neben den artenschutzrechtlichen Bestimmungen sind als Folge möglicher erheblicher
Beeinträchtigungen von europäisch geschützten Tier- und Pflanzenarten und deren Habitaten,
die umweltrechtlichen Vorgaben des Umweltschadensgesetzes (2007) zu beachten.
Methoden
Arterfassung
Zur Beurteilung des Konfliktpotenzials an den zu untersuchenden Standorten wurde das
verfügbare Datenmaterial zusammengetragen und bewertet. Das Material stammte aus den
folgenden Quellen:
Auswertung von Jahresberichten von ornithologischen Ortsgruppen
Befragung von vor Ort aktiven Ornithologen
Recherche in ornitho.de um mögliche weitere aktive Beobachter kontaktieren zu
können
eigene Daten
Durch die Kleinräumigkeit des Vorhabens lagen für den konkreten Bereich kaum historische
Artangaben vor. Einige Zufallsbeobachtungen stammen von ortsansässigen Ornithologen und
wurden bei der Bewertung berücksichtigt.
Aufgrund einer Auftragserteilung im August 2018 konnte keine angepasste Brutvogel-
kartierung nach den Methodenstandards (Südbeck
et al.
2005) durchgeführt werden.
Allerdings wurde von der UNB Görlitz auch eine Potenzialabschätzung zu vorkommenden
Naturschutzgütern für möglich erachtet. Diese basiert auf einer Abschätzung der
vorkommenden Arten anhand der vorgefundenen Habitate und Strukturen. Bei einer
Begehung am 23. August wurde neben einer Betrachtung der Habitate besonders auf
mögliche
Lebensstätten
geachtet.
Gemeinsam
mit
der
Habitatanalyse
und
den
Zufallsbeobachtungen lässt sich so ein realistisches Bild der vorkommenden Arten erzeugen.
Im Sinne einer worst-case-Betrachtung wird dabei das Vorkommen der Arten konservativ
abgeschätzt, d.h. es wird tendenziell von mehr Arten ausgegangen als eine exakte Kartierung
vermutlich ergeben hätte. Damit wird dem deutlich höheren Unsicherheitsfaktor einer
Potenzialabschätzung im Vergleich zu einer Artenkartierung Rechnung getragen.

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Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
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Bild 2: Blick auf den verbuschten mittleren Teil des Plangebietes mit Ruderalfluren auf stark
profiliertem Untergrund.
Abschichtung der Eingriffsrelevanz
Bei den meisten Artengruppen ist eine vertiefte Betrachtung der Eingriffsrelevanz in Bezug
auf die Zugriffsverbote klar geregelt und betrifft:
streng geschützte Arten und
Arten im Anhang IV der FFH-Richtlinie.
Vertieft betrachtet werden sollten aber auch Arten, für die das jeweilige Bundesland oder
Deutschland eine erhöhte Verantwortung trägt.
Bei den Vögeln müssen theoretisch alle „europäischen“ Arten vertieft betrachtet werden. Dies
betrifft also auch häufige, ungefährdete Arten wie Kohlmeise, Buchfink, Amsel… . In der
Praxis bläht diese Herangehensweise die Berichte auf und führt dazu, dass für etliche Arten
einfach Textbausteine verwendet werden. Daher wird im Endbericht eines FuE-Vorhabens im
Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz ein abgestuftes Vorgehen empfohlen (Runge
et al.
2010, Warnke & Reichenbach 2012). Vertieft zu betrachten sind demnach:
Vogelarten, deren Erhaltungszustand als ungünstig-unzureichend (gelb) oder
ungünstig- schlecht (rot) einzustufen ist,
Vogelarten der Rote-Liste-Kategorien 0, 1, 2, 3, R, V (ungünstigste Bewertung aus
Bundes- und Landesliste maßgeblich, da Bundesländer, in denen die Art noch häufiger
vorkommt, eine besondere Verantwortung haben),

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Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
11
Koloniebrüter,
Arten, die in ihrem Bestand gefährdet sind und für die Deutschland in hohem Maße
verantwortlich ist, sobald eine Rechtsverordnung nach
5
54 BNatSchG vorliegt.
Alle ubiquitären Arten (nicht gefährdet, euryök, >1 Mio. Brutpaare in Deutschland) werden
üblicherweise in Gruppen nach ihren Habitatansprüchen (Gebüschbrüter, Waldarten,
Offenlandarten) gemeinsam betrachtet. Für diese Arten wird davon ausgegangen, dass im
Zuge der Kompensationsmaßnahmen der Status quo erhalten werden kann und keine
dauerhafte Beeinträchtigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten eintritt (i. S. v. „die
ökologische Funktion der von dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen Fortpflanzungs- oder
Ruhestätten ist im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt“).
Ergebnisse
Brutvögel
Insgesamt brüten im Untersuchungsgebiet (potenziell) 28 Vogelarten (Tabelle 1). Unter den
Brutvogelarten sind etliche ubiquitäre Arten der halboffenen Habitate und von Siedlungen
Durch den Fund von Nestern konnten Amsel, Elster und Ringeltaube als sichere Brutvögel
nachgewiesen werden. Von der Nachtigall gibt es den Nachweis eines singenden Männchens
aus dem Mai 2017 an der Nordwestecke des Plangebietes. Im Untersuchungsgebiet brütet am
Nordrand potenziell der Neuntöter, der im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie gelistet ist. Als
einzige Art mit einem ungünstigen Erhaltungszustand in Sachsen brütet potenziell der
Gelbspötter in den verbuschten Ruderalfluren. Zwei Arten (Bluthänfling, Star) werden auf der
bundesdeutschen Rote Liste und eine weitere Art (Gartenrotschwanz) in der Sächsischen Rote
Liste geführt. Zusätzlich werden drei Arten auf der bundesdeutschen (Goldammer) oder
sächsischen (Fitis, Gartengrasmücke) Vorwarnliste aufgeführt. Diese acht wertgebenden
Arten (inkl. Kategorie V) werden im Folgenden vertieft betrachtet.
Tab. 1: Liste der (potenziellen) Brutvogelarten im B-Plangebiet „EKZ Görlitz – PV-Anlagen“. Fett
hervorgehobene Arten werden im nachfolgenden Text vertieft betrachtet. Die Nachweiskategorien A-C beziehen
sich auf die europäischen Brutzeitcodes: A – mögliches Brüten, C - sicheres Brüten; P – Brut potenziell aufgrund
der Habitatausstattung möglich; VRL – Anhang I der Vogelschutzrichtlinie; RL D 2015 – Rote Liste
Deutschland (Grüneberg
et al.
2015); RL SN 2015 – Rote Liste Sachsen (Zöphel
et al.
2015); lokale Population
– maximaler räumlicher Bezugsraum zur Abgrenzung der lokalen Population aus den Arbeitshilfen für
artenschutzrechtliche Bewertungen SN
Art
Nach
weis
VRL
RL D
2015
RL SN
2015
Erhaltungs-
zustand SN 2017
lokale
Population
Amsel
C
günstig
Gemeinde
Blaumeise
P
günstig
Gemeinde
Bluthänfling
P
3
V
günstig
Gemeinde
Buchfink
P
günstig
Gemeinde
Buntspecht
P
günstig
Gemeinde

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Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
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Art
Nach
weis
VRL
RL D
2015
RL SN
2015
Erhaltungs-
zustand SN 2017
lokale
Population
Dorngrasmücke
P
günstig
Gemeinde
Eichelhäher
P
günstig
Landkreis
Elster
C
günstig
Landkreis
Fitis
P
V
günstig
Gemeinde
Gartengrasmücke
P
V
günstig
Gemeinde
Gartenrotschwanz
P
V
3
günstig
Gemeinde
Gelbspötter
P
V
unzureichend
Gemeinde
Girlitz
P
günstig
Gemeinde
Goldammer
P
V
günstig
Gemeinde
Grünfink
P
günstig
Gemeinde
Heckenbraunelle
P
günstig
Gemeinde
Kohlmeise
P
günstig
Gemeinde
Mönchsgrasmücke
P
günstig
Gemeinde
Nachtigall
A
günstig
Gemeinde
Neuntöter
P
X
günstig
Gemeinde
Ringeltaube
C
günstig
Landkreis
Rotkehlchen
P
günstig
Gemeinde
Schwanzmeise
P
günstig
Gemeinde
Singdrossel
P
günstig
Gemeinde
Star
P
3
günstig
Gemeinde
Stieglitz
P
günstig
Gemeinde
Zaunkönig
P
günstig
Gemeinde
Zilpzalp
P
günstig
Gemeinde
Bluthänfling (Carduelis
cannabina)
Der Bluthänfling ist ein (ehemaliger) Charaktervogel der Agrarlandschaft und besiedelt
strukturreiche Wegränder, Brachen und halboffene extensive Grünländer. Im Wald kommt er
auch in größeren jungen Schonungen mit angrenzenden Wegen vor. Die Art hat im Vergleich
zur landesweiten Kartierung 1993-1996 abgenommen und wurde aufgrund einer absehbaren
weiteren Verschlechterung der Lebensraumsituation in die Vorwarnliste der Rote Liste
Sachsen aufgenommen. Die sehr starke Abnahme innerhalb der letzten 25 Jahre hat dazu
geführt, dass der Bluthänfling als „gefährdet“ (RL D 3) in der Rote Liste der Brutvögel
Deutschlands geführt wird.
Der Bluthänfling wird regelmäßig am Rand der Eigenheimsiedlung Königshufen
nachgewiesen. Auch wenn direkt aus dem Plangebiet keine Nachweise gemeldet wurden, ist
es wahrscheinlich, dass die Art dort brütet. Die Ruderalfluren mit einzelnen Büschen und die
Ränder zu offenen Flächen (vor allem im Norden) kommen der Art entgegen. Der Erhalt von
Vorkommen des Bluthänfling liegt am Erhalt von halboffenen Habitaten, die genügend
Nahrung und geeignete Brutplätze in Form von Büschen bieten.

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
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Star (Sturnus
vulgaris)
Der Star ist eine (noch) weit verbreitet Vogelart und besiedelt sowohl (Laub)Wälder, als auch
Siedlungsbereiche und parkartige Landschaften. Voraussetzung für sein Brutvorkommen ist
das Vorhandensein von (Baum)Höhlen, da er sie nicht selber anlegen kann. Der Star hat in
den letzten Jahren stark abgenommen und wurde daher in der neuen Roten Liste Deutschlands
(Grüneberg
et al.
2015) als „gefährdet“ (RL D 3) aufgenommen.
Der Star brütet potenziell in den älteren Bäumen mit Naturhöhlen am Westrand des
Untersuchungsgebietes. Da sich der Star hauptsächlich auf offenen Flächen (Wiesen) ernährt,
spielt das Plangebiet fast nur als Brutplatz eine Rolle. Die Vorkommen des Stars können
durch den Erhalt von alten Bäumen am Rand oder auch durch das Anbringen von Nistkästen
an weiteren Bäumen erhalten werden.
Gartenrotschwanz (Phoenicurus
phoenicurus)
Der Gartenrotschwanz besiedelt halboffene Landschaften mit einem höheren Baumanteil und
lichte Wälder. Sein Bestand beträgt in Sachsen noch 6.000-12.000 Brutpaare, ist aber über die
letzten Jahrzehnte stark rückläufig und die Art wird daher in der Roten Liste Sachsen als
gefährdet (RL SN 3) eingestuft.
Nachweise von singenden Gartenrotschwänze liegen aus der Siedlung Königshufen vor. Die
großräumigen Gärten mit altem Baumbestand sind ein typisches Habitat der Art. Es ist davon
auszugehen, dass auch die verbuschten Flächen des Plangebietes zum Revier der Art gehören.
Für die Art sind daher verbuschte Flächen zu erhalten bzw. anzulegen. Auch die Schonung
einiger größeren Einzelbäume fördert die Art.
Neuntöter (Lanius
collurio)
Der Neuntöter gilt als Charakterart der gut strukturierten Agrarlandschaft, besiedelt aber auch
Brachen, gestuften Waldränder und Schonungen. Bei der Nahrungswahl ist er opportunistisch
und nimmt Großinsekten, Kleinsäuger und andere Vögel. Zur Brut ist er auf dichte Büsche
zur Nestanlage angewiesen. Die Art ist im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie aufgeführt. Die
Art wird nicht in der Roten Liste Deutschlands oder Sachsens geführt. Der Bestand ist über
die letzten 25 Jahre fluktuierend, aber zeigt über die letzten 12 Jahre eine leichte Abnahme
(Sudfeldt
et al.
2013). In Sachsen gilt der Erhaltungszustand des Neuntöters bei einem
Bestand von 8.000-16.000 Brutpaaren als günstig. Über die letzten Jahrzehnte hat sein
Bestand in Sachsen deutlich zugenommen.
Der Nordrand des Plangebietes ist potenziell als Brutrevier des Neuntöters geeignet. Es finden
sich dort offene Ruderalfluren mit einzelnen Büschen und die angrenzende Ackerflur kann in
Abhängigkeit der Feldfrucht bei der Nahrungssuche einbezogen werden. Bei einer Gestaltung
des Nordrandes als Hecke mit breiten Übergangszonen lässt sich das (potenzielle) Neuntöter-
revier erhalten.
Goldammer (Emberiza
citrinella)
Die Goldammer besiedelt gern linienartige verbuschte Strukturen in einer ansonsten offenen
Landschaft und ist ein typischer Heckenbewohner. Günstige Lebensbedingungen findet sie

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
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aber auch an gestuften Waldrändern und in verbuschten Offenlandschaften. Auch in jungen
Baumpflanzungen siedelt die Goldammer gern. Aufgrund von deutlichen kurzfristigen
Bestandsrückgängen wurde die Goldammer auf die Vorwarnliste der Roten Liste der
Brutvögel Deutschlands gesetzt.
Im Untersuchungsgebiet ist der nördliche Rand des Plangebietes als Brutrevier für die Gold-
ammer geeignet. Bei Erhaltung von Teilen der verbuschten Ruderalflur mit einzelnen
größeren Bäumen wird auch das Goldammerrevier erhalten bleiben.
Gelbspötter (Hippolais
icterina)
Der Gelbspötter besiedelt Waldrandbereiche und stärker verbuschte Bereiche. Bei einer
entsprechenden Vegetationsstruktur ist er regelmäßig in Gärten und Parkanlagen anzutreffen.
Aufgrund
eines
kurzfristigen
drastischen
Bestandsrückgangs
auf
nunmehr
6.000-
12.000 Brutpaare in Sachsen wird der Gelbspötter in der Roten Liste Sachsen in die
Vorwarnliste aufgenommen. Sein Erhaltungszustand wird in Sachsen als unzureichend
eingeschätzt.
Im Untersuchungsgebiet sind etliche Bereiche mit dichten Büschen und auch die Weiden-
dickichte als Revier des Gelbspötters geeignet. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte man dort
die Anwesenheit sogar vorausgesetzt, aber nach den starken Bestandsrückgängen ist ein
Vorkommen schwerer prognostizierbar. Ein potenzielles Revier des Gelbspötters lässt sich
erhalten wenn eine dichte Hecke und ggf. einige größere Bäume erhalten bleiben.
Fitis (Phylloscopus
trochilus)
Der Fitis besiedelt hauptsächlich lichte Vorwälder. Aufgrund einer Halbierung des Brut-
bestandes (40.000-80.000 Brutpaare) im Vergleich zur landesweiten Erfassung 1978-1982
wird er in der Roten Liste Sachsen in die Vorwarnliste aufgenommen. Als Rückgangs-
ursachen werden neben Verlusten auf dem Zugweg eine intensivere und geänderte Land-
nutzung angesehen. So sind Kahlschläge seltener geworden und Vorwaldstadien werden in
weniger Bereichen geduldet bzw. wieder neu erschaffen.
Im Untersuchungsgebiet ist das Vorkommen des Fitis in den mit jüngeren Bäumen
bestandenen Bereichen möglich. Das Plangebiet entspricht allerdings nicht den Optimal-
habitaten der Art, so dass ein Vorkommen unsicher ist. Sofern Bereiche mit Aufwuchs von
Bäumen erhalten bleiben, kann auch der Fitis im Plangebiet weiterhin brüten.
Gartengrasmücke (Sylvia
borin)
Die Gartengrasmücke bewohnt stark verbuschte Bereiche an Waldrändern, lichte Vorwälder,
Parks und auch Siedlungen. Mit ihren Ansprüchen steht sie zwischen der Dorngrasmücke, die
sehr offene Landschaften besiedelt und der Mönchsgrasmücke, die auch in älteren Wäldern
brütet. Mit 35.000 – 70.000 Brutpaaren ist sie ein häufiger sächsischer Vogel. Ihr Bestand hat
aber sowohl langfristig als auch kurzfristig deutlich abgenommen und sie wird daher in die
Vorwarnliste der Roten Liste Sachsen aufgenommen.
Im Untersuchungsgebiet brütet mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens eine Gartengras-
mücke. Gerade die mittleren, stärker bewaldeten Bereiche sind für die Art gut geeignet. Durch

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Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
15
die Anlage einer breiten Hecke mit einigen größeren Bäumen kann auch für die
Gartengrasmücke weiterhin geeignetes Habitat vorgehalten werden.
häufige Arten
Im Untersuchungsgebiet brüteten (potenziell) etliche Vogelarten der der halboffenen
Landschaft (Stieglitz, Dorn-, Garten-, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle, Grünfink) mit
Baumbeständen (Ringeltaube, Bunt-, Nachtigall, Zaunkönig, Zilpzalp). Sie sind von einer
Beseitigung der höheren Vegetation im mittleren Bereich des Plangebietes betroffen. Im
Gegenzug werden aber die Habitate an den Rändern und insbesondere im Nordteil des
Plangebietes aufgewertet, so dass sie zusätzliche Brutpaare aufnehmen können. Die Arten der
offenen Habitate können von einem Zurückdrängen der Ruderalflur und den eher offenen
Bereichen an/unter den PV-Modulen profitieren. In der Summe ergibt sich demnach auch
keine Beeinträchtigung der häufigen Vogelarten.
Bild 3: Nest der Ringeltaube in einer Weide im mittleren Teil des Plangebietes.
weitere Arten
Zauneidechse (Lazerta
agilis)
Die Zauneidechse ist ein Bewohner wärmebetonter, offener Randhabitate. Sie benötigt ein
Mosaik aus sehr offenen Sonnenstellen (möglichst mit Steinen), verkrauteten, insektenreichen
Bereichen und Büsche und/oder Holzstapel auf relativ kleinem Raum. Zur Eiablage ist
lockeres Substrat (am besten Sand) notwendig. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft
mit einem verstärkten Pestizid- und Düngereinsatz und der Beseitigung von Kleinstrukturen
ist sie im Bestand rückläufig und wird in der Roten Liste Sachsen als gefährdet (RL SN 3)
geführt. Ihr Erhaltungszustand wird in Sachsen als „günstig - unzureichend“ eingeschätzt.
Außerdem ist sie in Anhang IV der FFH-Richtlinie als streng zu schützende Art aufgeführt.
Bei Eingriffen in ihre Lebensräume muss sichergestellt werden, dass sich der Erhaltungs-
zustand der lokalen Population nicht verschlechtert.
Während der Begehungen konnten keine Zauneidechsen beobachtet werden. Allerdings war
die Witterung (27°C, wolkenlos) während der Begehung nicht optimal zum Nachweis von

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Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
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Bild 4: Durch Ablagerung von Abfällen aus der
Eigenheimsiedlung entstandene Struktur aus
Holzresten. Sie sind gemeinsam mit den
Altgrasbeständen potenzieller Lebensraum für
Zauneidechsen.
Reptilien. Aufgrund der geeigneten Habitatstrukturen ist ein Vorkommen der Zauneidechse
am Rand des Plangebietes möglich. Auch innerhalb des Plangebietes finden sich kleinräumig
geeignete Strukturen. Sie sind aber regelmäßig zu isoliert, als dass sie von Zauneidechsen
besiedelt sein können.
Im 3 km-Umkreis befinden sich bekannte
Vorkommen der Zauneidechse und die
Flächen am EKZ Görlitz sind durch günstige
Habitate an der Bahntrasse, den Rändern der
Ackerflächen und in Randbereichen im
Gewerbegebiet
erreichbar.
Auch
unter
Berücksichtigung der geringen Ausbreitungs-
distanzen
der
Zauneidechse (Blanke
&
Fearnley 2015) ist es wahrscheinlich, dass
(potenzielle) Vorkommen am EKZ Görlitz
Teil einer größeren Meta-Population um
Görlitz sind. Es wird deshalb vorsorglich von
einem Vorkommen der Zauneidechse im
Untersuchungsgebiet ausgegangen. Es ist mit
hoher Wahrscheinlichkeit kein Individuen-
starkes Vorkommen, aber im Sinne einer
guten Vernetzung der Population um Görlitz
erhaltenswert.
Die
Population
der
Zauneidechse
ist
potenziell
in
geringem
Umfang
durch
Habitatüberbauung an den Rändern des Plan-
gebietes
betroffen.
Eine
erhebliche
Betroffenheit kann aber durch einen Erhalt
von Randstrukturen und geeignete Habitataufwertungen (siehe Maßnahme A 3) verhindert
werden.
Vorhabensbezogene
Einschätzung
Anlagebedingte Wirkfaktoren
Die größte Beeinträchtigung für die Fauna ergibt sich in geringem Maß durch die Überbauung
von Habitaten im Zentrum der Baufläche. Bei der Errichtung der PV-Module wird der
Untergrund von Vegetation befreit und eingeebnet. Die Flächen unter den PV-Modulen
können nur von wenigen Offenlandarten besiedelt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass
die Flächen von etlichen Arten zur Nahrungssuche genutzt werden.
PV-Module werden von Vögeln nicht als überdurchschnittlich störend empfunden (Herden
et
al.
2009). Die Tiere sitzen regelmäßig auf den Modulen oder suchen in ihrem Bereich nach
Nahrung.

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PV-Module reflektieren einen Anteil von ca. 15-20% des einfallenden Sonnenlichts. Es gibt
keine Hinweise, dass diese Reflektionen von Vögeln als so störend empfunden werden, dass
sie den Bereich mit PV-Modulen meiden. Es gab Befürchtungen, dass die reflektierenden
Module mit Wasserflächen verwechselt werden und Wasservögel zum (verletzungsträchtigen)
Landen verleiten. Diese Befürchtungen haben sich aber als weitestgehend unbegründet
erwiesen. Auf die Errichtung von PV-Anlagen direkt neben bestehenden Wasserflächen sollte
aus dem genannten Grund aber verzichtet werden. Im weiteren Umkreis des Plangebietes
befinden sich keine Wasserflächen, und Kollisionen von Wasservögeln mit Modulen sind
daher unwahrscheinlich.
Baubedingte Wirkfaktoren
Während der Baumaßnahmen wird es zu Störungen durch Lärm und Bewegungen kommen.
Diese Störungen sollten sich allerdings in lokalen Grenzen halten und können durch die im
Folgenden beschriebenen Vermeidungsmaßnahmen reduziert werden.
Im Rahmen der Nivellierungsarbeiten, dem Bau von Zuwegungen, bei der Schaffung von
Fundamenten für die PV-Module sowie für die Gebäude für die Wechselrichter wird es zu
Bodenumlagerungen kommen. Außerdem wird durch die Befahrung der Fläche mit
Baufahrzeugen der Boden verdichtet. Abgesehen von möglichen Auswirkungen auf das
Bodenleben, sind von Bodenumlagerungen und einer mäßigen Bodenverdichtung kaum
negative Auswirkungen auf die Avifauna zu erwarten. Die Umlagerungen können, im
Gegenteil, dazu beitragen, dass eine größere Heterogenität der Bodenzusammensetzung im
Plangebiet sowie im Durchschnitt geringer wüchsige Böden entstehen. Durch die damit
verbundene größere floristische Artenvielfalt erhöht sich das Nahrungsangebot für Insekten
und Wirbeltiere.
Betriebsbedingte Wirkfaktoren
Während des Betriebes des Solarparks wird es zu Störungen durch Geräusche, Licht und
menschliche Aktivitäten kommen. Die PV-Module und Wechselrichter müssen regelmäßig
kontrolliert und gewartet werden. Dazu wird das Gelände befahren und durch Menschen
begangen. Diese Aktivitäten finden in modernen Solarparks allerdings recht selten statt und
die Störwirkung ist gering. Die nachgewiesenen bzw. potenziell vorkommenden Arten sind
auch nicht besonders störungsempfindlich, sondern tolerieren solche menschliche Aktivitäten
in ihrem Umfeld gut.
Bauten mit Wechselrichtern werden im Lastbetrieb von vielen Arten gemieden, da die
Wechselrichter hohe Geräusche emittieren. Die hochfrequenten Töne sind allerdings nicht
weit zu hören, so dass sich die Meidung (bei Sonnenschein) auf den Bereich unmittelbar um
die Wechselrichter beschränkt.
Maßnahmen zur Vermeidung (V) und zum Ausgleich (A)
Im Folgenden wird ein Überblick über die empfohlenen Maßnahmen zum Schutz der
potenziell beeinträchtigten Arten gegeben.

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Anlagebedingte Wirkfaktoren
V 1 – Minimierung der Flächenversieglung
Generell muss, auch im Sinne der deutschlandweit angestrebten Reduzierung der Flächenneu-
versieglungsrate, ein hoher Versiegelungsgrad vermieden werden. Die Zuwegung sollte
unversiegelt (z.B. sandgeschlämmte Schotterdecke) oder teilversiegelt (Rasengittersteine)
angelegt werden und dadurch auch Lebensraum für Offenboden liebende Arten bieten. Wege
zwischen den Modulreihen sind in jedem Fall unversiegelt zu gestalten. Günstig ist z.B. ein
nährstoffarmes Substrat, das ein üppiges Wachstum verhindert und dadurch auch ohne
häufige Mahd Fahrstreifen frei lässt.
V 2 – Baufeldbegrenzung
Im Sinne einer Minimierung der Bodenverdichtung sind nur die zu bearbeitenden Flächen mit
Baufahrzeugen zu befahren. Die als Ausgleichsflächen dienenden Ränder sind nicht durch
schwere Baufahrzeuge zu befahren. Auf eine Nivellierung dieser Flächen sollte verzichtet
werden, um die ansonsten mögliche Tötung von Zauneidechsen zu vermeiden.
A 1 – Anlage/Aufwertung einer Baumhecke mit breitem Saum
Auf einem ca. 40 m breiten Streifen am Nordrand des Plangebietes wird eine Hecke neu
angelegt bzw. unter Nutzung der vorhandenen Büsche aufgewertet. Bestehende größere
Bäume werden erhalten. Die Hecke wird nur in einem 5 – 15 m breiten Streifen in der Mitte
des 40 m-Streifens in Ost-West-Ausrichtung angelegt. Die Flächen nördlich und südlich der
Hecke werden nicht bepflanzt, sondern dienen als gleitender Übergangsbereich zur
Agrarfläche im Norden und den Wiesenflächen an den PV-Modulen im Süden. Einzelne
Büsche in diesen Saumbereichen sollen erhalten bleiben.
Im Heckenstreifen werden standorttypische einheimische Sträucher (z.B. Wildrose,
Weißdorn, Schneeball, Holunder, Schlehe, Pfaffenhütchen, Gewöhnlicher Liguster) gepflanzt.
Einzelne kleine Bäume (Eberesche, Feldahorn, Faulbaum, Kornelkirsche) können eingestreut
werden. Die Pflanzung sollte nicht regelmäßig und ohne gerade Außenkanten erfolgen. Zur
Erhöhung der Habitatqualität sind die Pflanzen vielmehr gruppenweise und mit einer
geschwungenen langen äußeren Grenze der Pflanzung anzuordnen. Dadurch wird der für viele
Arten wichtige Grenzlinieneffekt erhöht.
A 2 – Anlage einer lockeren Hecke
Am Ost- und Westrand des Plangebietes wird auf ca. 8 m Breite eine lockere Hecke aus
einheimischen Sträuchern angelegt. Die Hecke muss nicht durchgängig sein und sollte keine
geraden Außenkanten haben. Eine so gestaltete Hecke bietet gemeinsam mit der Wiese an den
PV-Modulen vielen Bewohnern halboffener Habitate Lebensraum.
A 3 – Aufwertung des Zauneidechsenhabitates
Die Zauneidechse benötigt aufgrund ihrer Ökologie und der geringen Reviergrößen sehr
strukturreiche Habitate, in denen sich auf kleiner Fläche sehr wärmebetonte und offene
Stellen mit stärker verkrauteten Bereichen und Haufen aus Stein und Holz abwechseln.

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Gerade bei guten Bodenverhältnissen ist es daher erforderlich den Oberboden abschnittsweise
(je ca. 10 m²) abzuschieben und als Wall zu lagern bzw. zu entfernen. Bei mageren
Bodenverhältnissen muss unbedingt auf das Aufbringen von Oberboden verzichtet werden.
Als Winterquartier für die Zauneidechse werden Haufen aus grobem Gestein, Steinplatten und
Totholz errichtet, wobei der Boden am zukünftigen Standort ca. 0,5 bis 1 m tief ausgebaggert
und das anfallende Erdmaterial nach Setzen des Haufens seitlich an den Hügel angeschüttet
wird (Blanke & Fearnley 2015). Alternativ kann auch unbelastetes Beton-Recylingmaterial
entsprechender Größe (Bruchstücke mindestens 10 cm) verwendet werden.
Sandhaufen sind als potenzielle Eiablageplätze der Zauneidechse essentiell. Hierzu wird auf
eine vorher 20-40 cm tief ausgeschobene Mulde ca. 3 m³ Sand als Haufen oder Wall (in Ost-
West-Richtung orientiert) geschüttet. Da Zauneidechsen völlig offene Geländestrukturen
meiden, werden die Sandhaufen im oberen Teil stellenweise mit Reisig, Totholz und Stroh
durchmischt und abgedeckt. Weitere Totholz- bzw. Reisighaufen in unmittelbarer
Nachbarschaft dienen als Unterschlupf. Über die Fläche unregelmäßig verteilt sind solche
Kombinationen aus Stein-, Sand- und Reisig- bzw. Totholzhaufen im Abstand von ca. 10-
15 m anzulegen. An die Nordseite der Haufen sollten bei mindestens der Hälfte der Haufen
einheimische Sträucher (z.B. Wildrose, Weißdorn, Schneeball, Holunder, Schlehe) gepflanzt
werden. Sie bieten Deckung und Nahrung in Form der dort lebenden Insekten.
Anfänglich ist keine Pflege der angelegten Strukturen nötig. Bei einer fortschreitenden
Verbuschung der Fläche ist aber eine abschnittsweise einschürige Mahd und eine
Reduzierung des Gehölzaufwuchses durchzuführen. Dabei ist darauf zu achten, dass immer
verkrautete Bereiche insbesondere an den Haufen bestehen bleiben.
Die gegenwärtig für die Zauneidechse nur mäßig geeigneten Ränder im Norden und Süden
des B-Plan-Gebietes werden durch die beschriebenen Strukturen aufgewertet. Im Süden sind
auf den etwa 100 m direkt am Rand des Plangebietes mind. vier Stein/Totholzhaufen
anzulegen. Im Norden sind jeweils mind. vier der Strukturen nördlich und südlich der Hecke
in den offenen Bereichen anzulegen.
A 4 – Wiesen an/unter den PV-Modulen
Bei der Neuanlage der Wiesenflächen an/unter den PV-Modulen sollte eine wildkräuterreiche
Mischung aus schwachwüchsigen Pflanzenarten verwendet werden. Dadurch ist zum Einen
ein gutes Nahrungsangebot und zum Anderen ein möglichst geringer Pflegeaufwand sicher-
gestellt.

image
Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
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Bild 5 : Schematische Darstellung der Lage der geplanten Ausgleichsflächen im Rahmen des B-Planes
„EKZ Görlitz – PV-Anlagen“

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Baubedingte Wirkfaktoren
V 3 – Bauzeitenregelung
Wenn möglich sollten besonders lärmintensive Baumaßnahmen außerhalb der Brutzeit
zwischen August und März erledigt werden. Eventuelle Baumfällungen/Gebüschrodungen
müssen zur Wahrung des Tötungsverbotes außerhalb der Brutzeit durchgeführt werden. Falls
davon abgewichen werden soll, muss ein Sachverständiger den zu rodenden Bereich vorher
auf das Vorkommen von Nestern untersuchen.
Betriebsbedingte Wirkfaktoren
A 5 – Pflege der PV-Fläche
Im gesamten Planbereich ist auf die Verwendung von Herbiziden und Pestiziden zu
verzichten. Dadurch wird eine deutlich verbesserte Nahrungsverfügbarkeit auf den Flächen
erreicht.
Die günstigste Pflegeform für die Wiesenflächen ist eine extensive Beweidung durch Schafe
und/oder Ziegen. Diese kann bei sehr geringen Besatzdichten ganzjährig, oder bei etwas
höheren Viehdichten zeitweise durchgeführt werden. Ist eine Beweidung nicht möglich, so
sind die Wiesen einmal jährlich ab Juli zu mähen. Bei starkem Aufwuchs kann eine 2. Mahd
im Herbst nötig sein.
A 6 – Pflege der Randstrukturen
Die Offenbereiche an den randlichen Hecken können mit beweidet werden. Dadurch wird ein
komplettes Zuwachsen durch Sukzession verhindert und die Habitatheterogenität gefördert. In
mindestens den ersten fünf Jahren nach Anlage der Hecke ist allerdings keine Beweidung
durchzuführen, um den Anwachserfolg nicht zu gefährden.
Sofern eine Beweidung nicht möglich ist, sind die offenen Bereiche alle 1-3 Jahre einmalig zu
mähen und das Mahdgut von der Fläche zu entfernen (kein Mulchen). Eine Ablagerung des
Mahdgutes in der Hecke ist möglich. Bei einer Mahd sollten immer jeweils ungemähte
Bereiche stehen bleiben, da in krautigen Strukturen viele Insekten überwintern und Altgras
eine wichtige Habitatrequisite für Zauneidechsen ist.
Bei starkem Aufkommen von Gehölzen (z.B. Robinie) können mittelfristig Pflegeeingriffe
zum Zurückdrängen der Bäume nötig sein. Ebenso muss die Hecke in größeren Abständen
(abschnittsweise) zurückgeschnitten werden.

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Zusammenfassung
Im vorliegenden Gutachten wurde das Vorkommen von Tieren im Bereich des Bebauungs-
planes „EKZ Görlitz – PV-Anlagen“ am Nordrand von Görlitz untersucht und bewertet. Im
Plangebiet möchte der Eigentümer auf einem Teil der Fläche eine PV-Anlage errichten. Dzu
muss die gegenwärtige Ruderalflur mit Aufwuchs von Büschen und einigen großen Bäumen
entfernt und das Gelände nivelliert werden.
Zur Abschätzung des Arteninventars wurde das Untersuchungsgebiet am 23. August 2018
begangen und neben einer Betrachtung der Habitate besonders auf mögliche Lebensstätten
geachtet. Gemeinsam mit vorhandenen Artnachweisen und der Potenzialanalyse lässt sich so
ein realistisches Bild der vorkommenden Arten erzeugen.
Insgesamt brüten im Untersuchungsgebiet (potenziell) 28 Vogelarten. Der Neuntöter ist im
Anhang I der Vogelschutzrichtlinie gelistet und brütet potenziell am Nordrand des
Plangebietes. Als einzige Art mit einem ungünstigen Erhaltungszustand in Sachsen brütet
potenziell der Gelbspötter in den verbuschten Ruderalfluren. Zwei Arten (Bluthänfling, Star)
werden auf der bundesdeutschen Rote Liste und eine weitere Art (Gartenrotschwanz) in der
Sächsischen Rote Liste geführt. Zusätzlich werden drei Arten auf der bundes-deutschen
(Goldammer) oder sächsischen (Fitis, Gartengrasmücke) Vorwarnliste aufgeführt.
Im Untersuchungsgebiet ist das Vorkommen der Zauneidechse vor allem am nördlichen und
südlichen Rand des Plangebietes möglich
Es werden Maßnahmen vorgeschlagen, um erhebliche anlage-, bau- und betriebsbedingte
Störungen und einen Verstoß gegen das Tötungsverbot zu vermeiden.

Artenschutzfachbeitrag zum B-Plan „EKZ Görlitz – PV Anlagen“
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Literatur
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Kurzfassung (Dezember 2015).