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Nichtregierungsorganisationen
als Träger der ehrenamtlichen
Entwicklungszusammenarbeit
in Sachsen

2
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung
........................................................................................................................................................5
2. Einleitung
........................................................................................................................................................................7
3. Rolle von NROs in der Entwicklungspolitik und aktuelle Zahlen zu NROs als Teil des
Nonprofit-Sektors
......................................................................................................................................................8
4. Studienphasen und Begründung
...........................................................................................................................31
5.
Methodik
der
Studie
.................................................................................................................................................
32
5.1.
Online-Fragebögen ............................................................................................................................................. 32
5.1.1 Struktur und Entwicklung ........................................................................................................................... 32
5.1.2 Bestimmung der Stichprobe ....................................................................................................................... 33
5.2
Fokus-Interviews ..................................................................................................................................................
34
5.3 Online-Workshop ................................................................................................................................................. 35
6.
Ergebnisse
.....................................................................................................................................................................
37
6.1 NROs in der Entwicklungszusammenarbeit ................................................................................................. 37
6.1.1 Strukturelle Daten ........................................................................................................................................ 37
6.1.2 Mitglieder, freiwillig Engagierte und Hauptamtliche ..........................................................................43
6.1.3. Finanzen ......................................................................................................................................................... 45
6.2 Ehrenamtliches und privates Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit..............................47
6.2.1 Allgemeine Fragen des Engagements ...................................................................................................... 47
6.2.2 Konkrete inhaltliche Aufgaben .................................................................................................................. 48
6.2.3 Motivation des Engagements .................................................................................................................... 50
7. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
............................................................................................................ 53
7.1 SWOT-Analyse ...................................................................................................................................................... 53
7.2.
Empfehlungen ......................................................................................................................................................
56
7.
2.1 Für den Freistaat Sachsen ........................................................................................................................... 56
7.2.2 Aus der Netzwerkperspektive .................................................................................................................... 58
7.2.3 Für die Organisationen ................................................................................................................................ 59
7.2.4 Für weitere gesellschaftliche Akteure ..................................................................................................... 60
8.
Fazit
.................................................................................................................................................................................61
Literaturverzeichnis
........................................................................................................................................................ 62

3
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Formen des Engagements im Zeitverlauf in Prozent laut Freiwilligensurvey (in Prozent) ........... 17
Abb. 2: Anstoß für das freiwillige Engagement nach Altersgruppen (2014) (in Prozent) .......................... 18
Abb. 3: Motive der freiwillig Engagierten 2014 in Prozent ................................................................................ 19
Abb. 4: Verbesserungsmöglichkeiten laut Freiwilligensurvey 2014 in Prozent .............................................20
Abb. 5: Spendenmotive und ihre Verknüpfung mit Grundmotiven, Grundbedürfnissen und
Grundwerten ......................................................................................................................................................27
Abb.
6:
Grundemotionen
............................................................................................................................................... 28
Abb. 7: Themen bei denen sich die zivilgesellschaftliche Organisationen mehr Unterstützung
durch die Politik wünschen (in Prozent) .................................................................................................... 30
Abb.
8:
Studienphasen
................................................................................................................................................... 31
Abb. 9: Organisatorischer Rahmen (N=62) ..............................................................................................................37
Abb. 10: Gründungsjahre (N=63) ............................................................................................................................... 38
Abb. 11: Tätigkeitsbereiche (N=70) ............................................................................................................................ 39
Abb. 12: Tätigkeitsfelder oder -regionen (N=70) ................................................................................................... 40
Abb. 13: Tätigkeitsländer (N=70) ............................................................................................................................... 41
Abb. 14: Institutionelle Partnerschaften (N=70) ................................................................................................... 42
Abb. 15: Ziele der Zusammenarbeit mit Partnern (N=70) ...................................................................................43
Abb. 16: Entwicklung der Mitgliederzahl und der Zahl der Ehrenamtlichen, hauptamtlichen
Mitarbeiter und Personen mit Migrationshintergrund seit 2015 (N=50) ......................................45
Abb. 17: Gesamteinnahmen im Haushaltsjahr 2019 (in Euro) (N=40) ............................................................46
Abb. 18: Einnahmequellen im Haushaltsjahr 2019 (N=39) ................................................................................46
Abb. 19: Entwicklung der Einnahmen seit 2015 (N=39) ..................................................................................... 47
Abb. 20: Dauer des Engagements (N=79) ................................................................................................................ 48
Abb. 21: „Was ist der Inhalt Ihrer eigenen Tätigkeit? Geht es überwiegend...“ (N=75) ..............................49
Abb. 22: „Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2015 die Agenda 2030 beschlossen. Dies sind
die 17 Nachhaltigkeitsziele (¨Sustainable Development Goals – SDGs¨). Bitte ordnen
Sie ein, zu welchen Zielen Ihre Aufgabe am besten passt.“ (N=75) ...............................................50
Abb. 23: „Woher kam für Sie damals der Anstoß, die Tätigkeit zu übernehmen? Der Anstoß
kam...“
(N=79)
................................................................................................................................................. 51
Abb. 24: „In welchem Umfang haben Sie durch Ihre Tätigkeit Fähigkeiten erworben, die für Sie
wichtig sind?“ (N=69) .................................................................................................................................. 52
Abb. 25: Bildungsabschluss (N=69) ........................................................................................................................... 53

4
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Rechtsformen im Zeitverlauf für den gesamten Sektor ......................................................................... 9
Tab. 2: Vereinsdichte je 1000 Einwohner ................................................................................................................. 10
Tab. 3: Prozentuale Verteilung der Tätigkeitsfelder von Vereinen 2016
bezogen auf Deutschland (in Prozent) ......................................................................................................... 11
Tab. 4: Gründungsjahre von Vereinen nach Handlungsfeld (in Prozent) .........................................................13
Tab. 5: Vereinsgröße nach Handlungsfeld (in Prozent) ........................................................................................ 14
Tab. 6: Entwicklung der Mitgliedszahlen seit 2012 nach Handlungsfeld (in Prozent) ................................15
Tab. 7: Entwicklung der Mitgliedsanzahl der Vereine nach Siedlungsgröße
(zwischen 2012 und 2016) (in Prozent) ..................................................................................................... 15
Tab. 8: Freiwillig Engagierte nach Handlungsfeld (in Prozent) ..........................................................................16
Tab. 9: Entwicklung der Mitgliederzahlen nach Vereinsgröße (in Prozent) ....................................................20
Tab. 10: Gewinnung dauerhaft Engagierter nach Handlungsfeld (in Prozent) ..............................................21
Tab. 11: Einnahmen (in Euro) nach Handlungsfeld (in Prozent) ........................................................................22
Tab. 12: Einnahmequellen 2017 nach Handlungsfeld (Mittelwerte der Prozentangaben) ........................23
Tab. 13: Spendenvolumen nach Verteilung der Spendenzwecke 2014 bis 2016 (in Prozent) ...................24
Tab. 14: Spendenquote und Spendenhöhe im Zeitverlauf nach Bundesland .................................................29
Tab. 15: Fokus-Interviews mit relevanten Akteuren der entwicklungspolitischen
Zusammenarbeit von NROs ......................................................................................................................... 35
Tab. 16: Informationen zur Personalzusammensetzung der Organisationen
(Anzahl im Durchschnitt) (N=52) ..............................................................................................................44
Tab. 17: SWOT-Analyse im Zusammenhang mit der Tätigkeit entwicklungspolitischer NROs im
Freistaat Sachsen ...........................................................................................................................................54

5
1. Zusammenfassung
NROs in der Entwicklungszusammenarbeit
• Die entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen (NROs) in Sachsen bilden ein gut etabliertes
Netzwerk, das sich aus meist kleinen Vereinen zusammensetzt. Die Mehrzahl der Organisationen ist seit
langem etabliert und wurde vor mehr als drei Jahrzehnten gegründet. Die NROs sind hauptsächlich in zwei
Tätigkeitsbereichen aktiv: „entwicklungspolitische Bildung und Öffentlichkeitsarbeit / Globales Lernen“ und
„partnerschaftliche Entwicklungszusammenarbeit“.
• Fast die Hälfte der Organisationen ist hauptsächlich auf regionaler Ebene tätig. Auf internationaler Ebene
ist Afrika der Kontinent, auf dem die Organisationen die meisten Projekte und Aktivitäten entwickeln,
gefolgt von Asien. Die am häufigsten genannten Schwerpunktländer sind Tansania, Uganda, Indien und
Myanmar.
• Mehr als zwei Drittel der Organisationen berichteten im Haushaltsjahr 2019 über Einnahmen zwischen
20.000 und 1 Million Euro. Der Großteil der Einnahmen der Organisationen im Haushaltsjahr 2019 stammte
aus zwei Quellen: öffentliche Fördermittel und Spenden. Mehr als die Hälfte der Organisationen teilt mit,
dass die Höhe der öffentlichen Fördermittel und Spenden seit 2015 gestiegen ist.
Ehrenamtliches und privates Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit
• Aus der Perspektive der ehrenamtlichen Mitglieder scheint ein langfristiges Engagement zu überwiegen.
Fast die Hälfte der Freiwilligen und Mitglieder gab an, dass sie seit 10 oder mehr Jahren in ihrer Organisation
engagiert sind.
• Die Gruppe der Freiwilligen ist ebenfalls hoch motiviert und betrachtet ihre Aktivitäten als einen sehr
wichtigen Aspekt in ihrem Leben. Unter Berücksichtigung der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige
Entwicklung (SDGs) ist die Tätigkeit der Freiwilligen hauptsächlich mit drei Zielen verbunden: 4 (
Hochwertige
Bildung
), 1 (
Keine Armut
) und 10 (
Weniger Ungleichheiten
).
Herausforderungen und Potenzial
• Zu den häufigsten Herausforderungen für entwicklungspolitische NROs in Sachsen gehören der Mangel
an personellen und finanziellen Kapazitäten, die oft administrativ sehr komplexen Förderstrukturen
und Antragsverfahren, die fehlende Anerkennung der Tätigkeit, sowie die Schwierigkeit, neue dauerhaft
engagierte Mitarbeiter zu finden.
• Trotz dieser Herausforderungen bietet der Nonprofit-Sektor im Bereich der entwicklungspolitischen
Zusammenarbeit in Sachsen ein großes Potenzial für die Umsetzung der SDGs der Vereinten Nationen
sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die Bildung von Sozialkapital und den Aufbau
eines positiven Images für die Region.

6
Um die Tätigkeit zu stärken und das Potenzial der entwicklungspolitischen Organisationen in Sachsen zu
entwickeln, werden folgende Empfehlungen vorgeschlagen:
Interministerieller Dialog zum Thema entwicklungspolitische
Zusammenarbeit
Einfacheres und entbürokratisiertes Antragsverfahren
Fortsetzung des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokra-
tie und Toleranz“ (WOS) inklusive einer besseren Verzahnung mit den
Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs)
Weitere Unterstützung für entwicklungspolitische Informations- und
Bildungsarbeit
Beratungs- und Mentorenprogramme zum Aufbau
organisatorischer Kapazitäten in NROs
Erweiterte Partnerschaften
Fortsetzung der Beteiligung an Aktionsprogrammen zur
Verwirklichung der Ziele der Vereinten Nationen (SDGs)
Innovative Finanzierungsmodalitäten
Veränderung der Rekrutierungsstrategien
Mehr Kooperation (trotz Pandemie und Konkurrenz) ist notwendig
Systematischere Vernetzung
Aktivierung der zivilgesellschaftlichen Ressourcen
Entdeckung des Potenzial der
entwicklungspolitischen Organisationen in Sachsens
Für weitere
gesellschaftliche
Akteure
Für die
Organisationen
Im Rahmen
der Netzwerke
Für den
öffentlichen
Sektor

7
2. Einleitung
Der Nonprofit-Sektor spielt eine entscheidende Rolle bei der Verwirklichung der sozialen, wirtschaftlichen,
politischen und kulturellen Rechte in jeder demokratischen Gesellschaft. Als Teil des Nonprofit-Sektors
tragen Nichtregierungsorganisationen (NROs) zur Verbesserung des Lebensstandards von Gemeinschaften
auf nationaler und internationaler Ebene bei, indem sie wichtige Dienstleistungen für die Gemeinschaft
erbringen, bürgerschaftliches Engagement vorantreiben und Einfluss auf Regierungsentscheidungen für
eine nachhaltigere und integrativere Zukunft nehmen. Darüber hinaus sind NROs besonders wichtige
Akteure für die Umsetzung und Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) und
der Agenda 2030. In diesem Sinne übertragen NROs die internationalen Verpflichtungen der Länder auf die
lokale Ebene, überwachen die Umsetzung der SDGs im öffentlichen und privaten Sektor und vermitteln die
Bedeutung und den Inhalt der SDGs an ein breiteres und nicht spezialisiertes Publikum.
NROs sind auch wichtige Elemente der internationalen Entwicklungspolitik verschiedener Staaten und
Regionen. Für den Freistaat Sachsen werden NROs und andere gemeinnützige Organisationen wie kirchliche
Entwicklungsorganisationen und Netzwerke als strategische Partner zur Verwirklichung der SDGs und der
Entwicklungszusammenarbeit des Landes angesehen.
Trotz ihrer wichtigen Bedeutung gibt es derzeit keine Untersuchung, wissenschaftliche Studie oder
aggregierte Daten über die Aktivitäten, Herausforderungen und das Potenzial dieser Organisationen in
Sachsen. Die vorliegende Studie soll dazu beitragen, diese Lücke durch die Analyse der Struktur und des
Inhalts des Engagements von NROs in Sachsen in der Entwicklungszusammenarbeit zu schließen. Wie sind
die NROs strukturell organisiert? Was sind die Motivationen der Akteure? In welchen Zielregionen sind die
NROs tätig? Welche Ziele möchten die Akteure und die NROs künftig erreichen? Welches inhaltliche Profil
haben die NROs? Welche Herausforderungen ergeben sich in der Tätigkeit? Wie groß ist das Potenzial der
Organisationen? Dies sind einige der Schlüsselfragen, die in der Studie beantwortet werden sollen.
Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Studie wie folgt strukturiert. Das erste Kapitel analysiert die Bedeutung
und die Einordnung entwicklungspolitischer NROs als Teil des Nonprofit-Sektors anhand eines Überblicks
über aktuell veröffentlichte Berichte und Studien. In Kapitel zwei werden die Phasen und die Begründung
dieser Studie ausführlicher erläutert. Das dritte Kapitel konzentriert sich auf die Beschreibung der in der
Studie angewandten wissenschaftlichen Methoden. In Kapitel vier werden zunächst die Ergebnisse der
Studie vorgestellt. Schließlich werden in Kapitel 5 die Empfehlungen der Studie diskutiert und in Kapitel 6
die Schlussfolgerungen zusammengefasst.
Zusätzlich liefert diese Analyse die Grundlagen für eine Weiterentwicklung des entwicklungspolitischen
Engagements von NROs in Sachsen zur Erreichung und Umsetzung der SDGs und der Agenda 2030 der
Vereinten Nationen.

8
3. Rolle von NROs in der Entwicklungspolitik
und aktuelle Zahlen zu NROs als Teil des
Nonprofit-Sektors
Aktuelle Zahlen zu der Bedeutung und der Einordung entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen
(NROs) als Teil des sehr heterogenen Nonprofit-Sektors sind dem aktuellen Datenreport Zivilgesellschaft
- ZiviZ (Krimmer, 2019; Priemer et al., 2017) zu entnehmen. Der vom Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend geförderte und von ZiviZ im Stifterverband organisierte Datenreport
Zivilgesellschaft gibt erstmals einen Überblick über den Stand und die Entwicklung der Zivilgesellschaft
und des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland auf der Grundlage umfassender Daten zum
Thema aus dem Datenforum Zivilgesellschaft (FZD) (ZiviZ im Stifterverband, 2019).
Am ehesten lassen sich die entwicklungspolitischen NROs im Freistaat Sachsen dem Handlungsfeld
„Internationale Solidarität“ zuordnen. Darunter subsumiert die ZiviZ-Erhebung Fair-Trade Vereinigungen-
und Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit im Dienste der Völkerverständigung und der Agenda
2030 (Priemer et al., 2017). Im ersten Schritt wird das Handlungsfeld „Internationale Solidarität“ in das
ehrenamtliche Engagement eingeordnet.
Wie generell im NRO-Sektor dominieren auch bei den entwicklungspolitischen NROs die eingetragenen
Vereine. Aus dem Datenreport Zivilgesellschaft sind folgende Entwicklungen bei den Rechtsformen für den
gesamten Sektor zu entnehmen (Priemer, Bischof, et al., 2019, S. 10)

9
Tab. 1: Rechtsformen im Zeitverlauf für den gesamten Sektor
Sachsen liegt genau im Durchschnitt bei der Vereinsdichte, wie Tab. 2 zeigt.
Jahr
Vereine *
Stiftung **
gGmbH ***
Genossenschaften
1995
416.861
13.068
1996
433.149
13.974
1997
449.104
13.661
1998
464.427
13.805
1999
477.860
13.459
2000
490.875
13.086
2001
503.682
10.503
12.706
2002
515.283
11.277
12.342
2003
523.529
12.000
12.147
2004
535.832
12.670
12.061
2005
548.517
13.490
11.619
2006
554.097
14.401
10.736
2007
559.607
15.449
16.400
9.583
2008
566.171
16.406
14.100
9.593
2009
570.374
17.372
15.100
9.614
2010
576.357
18.162
17.300
9.134
2011
582.339
18.946
20.000
9.283
2012
588.368
19.551
20.500
8.561
2013
591.759
20.150
22.600
8.719
2014
630.143
20.784
22.100
8.719
2015
598.210
21.301
25.200
8.768
2016
602.602
21.806
25.300
8.743
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 10) auf Basis des *Bundesamts für Justiz **rechtsfähige Stiftungen des
bürgerlichen Rechts (Bundesverband Deutscher Stiftungen: Umfrage unter den Stiftungsaufsichtsbehörden,
Stichtag jeweils 31. Dezember) *** IAB-Betriebspanel 2007–2016, hochgerechnete Werte, gGmbH: Betriebe
mit der Rechtsform GmbH, die zugleich im Sinne des Steuerrechts als gemeinnützige, mildtätige oder
kirchliche Einrichtung steuerbegünstigt sind.

10
Tab. 2: Vereinsdichte je 1000 Einwohner
Anzahl
Prozent
je 1.000 EW
Baden-Württemberg
83.562
13,8
7,8
Bayern
90.796
15,0
7,1
Berlin
24.643
4,1
7,0
Brandenburg
17.924
3,0
7,2
Bremen
3.727
0,6
5,6
Hamburg
9.788
1,6
5,5
Hessen
50.283
8,3
8,1
Mecklenburg-Vorpommern*
12.700
2,1
7,9
Niedersachsen
56.685
9,4
7,2
Nordrhein-Westfalen
120.207
19,9
6,7
Rheinland-Pfalz
37.989
6,3
9,4
Saarland
10.337
1,7
10,4
Sachsen
29.777
4,9
7,3
Sachsen-Anhalt
19.142
3,2
8,5
Schleswig-Holstein
17.229
2,9
6,0
Thüringen
19.097
3,2
8,8
Deutschland
603.886
100,0
7,3
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 15) auf Basis der Vereinsliste 2016. Die Daten basieren auf den Angeboten der
Vereinsregister, die im gemeinsamen Registerportal der Länder digital zugänglich sind. Stand der Daten ist
August 2016. *Über das Registerportal konnten für Mecklenburg-Vorpommern nur 5.923 Vereine abgerufen
werden. Auf Basis der Zahlen des Bundesamtes für Justiz von 2014 wird der Vereinsbestand auf 12.770
geschätzt.
Das dominierende Tätigkeitsfeld von Vereinen ist der Sport, wie die ZiviZ- Ergebnisse zeigen (Tab. 3,
Priemer, Bischof, et al., 2019, S. 17). Mit einem Anteil von 2,9 % hat die internationale Völkerverständigung
nur einen geringen Anteil am zivilgesellschaftlichen Engagement. Die ZiviZErhebung differenziert auch
30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch zwischen Ostdeutschland und dem gesamten Bundesgebiet.
Danach haben Vereine im Handlungsfeld Internationale Solidarität einen Anteil von 1 % an den Vereinen
in Ostdeutschland (Staemmler, Priemer, &
Gabler, 2020, S. 21).

11
Tab. 3: Prozentuale Verteilung der Handlungsfelder von Vereinen 2016 bezogen auf Deutschland
(in Prozent)
Sport
22,6
Bildung/Erziehung
18,3
Kultur/Medien
16,1
Freizeit/Geselligkeit
7,9
Soziale Dienste
7,1
Sonstiges
4,3
Kirchen/religiöse Vereinigungen
4,0
Gesundheitswesen
3,5
Umwelt-/Naturschutz
3,1
Bevölkerungs-/Katastrophenschutz
3,1
Internationale Solidarität
2,9
Bürger-/Verbraucherinteressen
2,7
Wissenschaft/Forschung
2,3
Wirtschafts-/Berufsverbände
1,6
Gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben
0,7
Gesamt
100,00
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 17) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017, nur Vereine, n=6.461 (gewichtet), davon
fehlend: 162.
Von der Entstehungsgeschichte her sind Vereine im Handlungsfeld Internationale Solidarität ein
vergleichsweiser junger Bereich, wie die nachfolgende Tabelle zeigt (Priemer, Bischof, et al., 2019, S. 18). In
den östlichen Bundesländern liegen, laut Aussagen unserer Interviewpartnerinnen und Interviewpartner,
die Wurzeln der internationalen Solidaritätsarbeit zum einen in solidarischen Auslandsprojekten, wie sie
zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mit „befreundeten Bruderstaaten“ bestand (z.
B. Angola, Äthiopien, Mosambik, Republik Kongo, Tansania) und zum anderen der Konziliare Prozess der
Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, der seinen Ausgangspunkt bei der
Vollversammlung des Weltkirchenrates in Vancouver im Jahr 1983 hatte. Bereits dort forderten Vertreter
der Kirchen aus der DDR unter Berufung auf Dietrich Bonhoeffer ein Friedenskonzil.
In den 1980er Jahren formierte sich in der DDR der „Arbeitskreis Solidarische Kirche“ und die „Initiative Kirche
von unten“, die sich beide auf den konziliaren Prozess beriefen. Es entstanden Projekte mit Partnergemeinden,
beispielsweise im Rahmen der Lepra-Hilfe in Tansania. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der
DDR führte in den Jahren 1988 und 1989 mehrere ökumenische Versammlungen für Gerechtigkeit, Frieden
und Bewahrung der Schöpfung in der DDR durch. Neben der internationalen Friedensarbeit kam bereits
damals der internationalen kirchlichen Solidaritätsarbeit mit dem globalen Süden und der Forderung nach
einer sozial-gerechteren und ökologisch nachhaltigeren Weltwirtschaftsordnung eine zentrale Bedeutung
zu. Nach dem Mauerfall wurde im Frühjahr 1990 ein „entwicklungspolitischer runderTisch (ERT)“ eingerichtet,
an dem grundsätzliche Fragen der Fortsetzung der Solidaritäts- und Entwicklungsarbeit der DDR diskutiert
wurden, sowie, wie das Vermögen des staatlichen Solidaritätskomitees der DDR für entwicklungspolitische
Aufgaben von NROs in Berlin und den östlichen Bundesländern nutzbar gemacht werden konnte (Stiftung
Nord-Süd-Brücken, 2020, S. 7).

12
1994 wurde die Stiftung Nord-Süd-Brücken gegründet. Als Stiftungskapital dienten rund drei Fünftel
des Vermögens des Solidaritätskomitees der DDR, das mit rund 33 Millionen DM beziffert (Stand 1992)
wird (Stiftung Nord-Süd-Brücken, 2020, S. 9). Die Stiftung Nord-Süd-Brücken wurde gegründet, um zwei
Hauptziele zu erreichen: „die Förderung partnerschaftlicher und solidarischer Entwicklungszusammenarbeit
zur Schaffung menschenwürdiger Entwicklungsmöglichkeiten in benachteiligten Regionen der Welt,
besonders in Entwicklungsländern“ und „die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für die Notwendigkeit
von Entwicklungszusammenarbeit“ (Satzung der Stiftung Nord-Süd-Brücken, 1994). Zur Erreichung dieser
Ziele fördert die Stiftung gemäß Satzung (1994) insbesondere:
- Projekte der Entwicklungszusammenarbeit;
- entwicklungsbezogene Bildungs- und Informationsarbeit;
- projektbezogene Studien;
- Projekte der Völkerverständigung wie Austausch und Reisen von Projektträgern und deren Zielgruppen und
- Projekte, die der Bildung und Erziehung dienen, wie Seminare und Unterrichtseinheiten an schulischen
und außerschulischen Einrichtungen.
Heute fördert die Stiftung Nord-Süd-Brücken Projekte ostdeutscher NROs (Berlin, Brandenburg,
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und ihrer Partner in mehr als 50
Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas (Stiftung Nord-Süd-Brücken, 2020). Die Stiftung Nord-Süd-
Brücken verfügt über eigene Mittel und verwaltet Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), insbesondere des Landes Berlin und des Freistaates Sachsen.
Die entwicklungspolitische Arbeit in den ostdeutschen Bundesländern ist zu 80 bis 90 % ehrenamtlich
getragen (Rosen, 2010). Inhaltlich bearbeiten die ostdeutschen NROs sämtliche entwicklungspolitischen
Fragen und Themenkomplexe, die das BMZ verfolgt (Rosen, 2010, S. 1). Inhaltlich umfassen die Projekte
des Globalen Lernens, beispielsweise durch Bildungspromotorinnen und Bildungspromotoren, direkte
Partnerschaftsprojekte in Ländern des Globalen Südens, Projekte des Fairen Handels und Projekte zur
Umsetzung der Ziele der Agenda 2030. Laut Rosen (2010, S. 2) wirkt die entwicklungspolitische Arbeit
in den östlichen Bundesländern auch demokratie- bzw. toleranzfördernd. Der entwicklungs- und
bildungspolitische Output ist hoch, gemessen an den de facto kaum vorhandenen hauptamtlichen
Strukturen (Rosen, 2010, S. 2). Als ein positives Beispiel sind hier die Sächsischen Entwicklungspolitischen
Bildungs- und Informationstage und die Arbeit des Entwicklungspolitischen Netzwerks Sachsen e.V. (ENS)
anzuführen. Hinsichtlich der Finanzierung der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit, sind die Budgets, die
in Ostdeutschland zur Verfügung stehen, noch geringer als jene in Westdeutschland (Rosen, 2010). Die sehr
dünne hauptamtliche Personaldecke der ostdeutschen entwicklungspolitischen NROs wird laut mehrerer
Interviewpartnerinnen und Interviewpartner im Wesentlichen über die kirchlichen Entwicklungsdienste, das
BMZ und die Stiftung Nord-Süd-Brücken finanziert. Die kirchlichen Initiativen in diesem Bereich basieren
auf Beziehungen mit Partnergemeinden und sind durch persönliche Kontakte entstanden.
Die meisten Vereine der internationalen Solidaritätsarbeit sind seit den 1990er Jahren gegründet worden.
Die ersten Eine-Welt-Läden zum Beispiel, die ebenfalls Teil der internationalen Solidaritätsarbeit sind,
entstanden 1990 in den östlichen Bundesländern. Seit 1996 gibt es in den östlichen Bundesländern
mit der F.A.I.R.E Warenhandels eG einen eigenen regionalen Großhändler, der laut Homepage (F.A.I.R.E.
Warenhandels eG, 2020) rund 60 Weltläden, viele Aktionsgruppen sowie Großverbraucher und Bioläden in
ganz Ostdeutschland mit Produkten des Fairen Handels versorgt.

13
82,7 % der im Handlungsfeld „Internationale Solidarität“ tätigen Vereine haben unter 100 Mitglieder und
sind somit im Vergleich zu anderen Vereinen klein (Tab. 5).
Tab. 4: Gründungsjahre von Vereinen nach Handlungsfeld (in Prozent)
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 18) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017, nur Vereine, n=6.461 (gewichtet), davon
fehlend: 346.
bis 1950
50/60er
70/80er
seit 90ern
Gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben
5,4
8,1
13,5
73,0
Internationale Solidarität
3,4
5,1
20,2
71,3
Bildung/Erziehung
5,1
5,6
22,7
66,6
Sonstiges
8,1
9,3
18,5
64,1
Bürger-/Verbraucherinteressen
18,3
7,3
11,6
62,8
Gesundheitswesen
8,3
3,7
25,8
62,2
Soziale Dienste
6,3
6,8
28,7
58,2
Kirchen/religiöse Vereinigungen
17,2
4,4
20,4
58,0
Umwelt-/Naturschutz
26,7
9,9
11,0
52,4
Kultur/Medien
21,0
8,0
20,9
50,1
Gesamt
19,9
9,5
21,4
49,2
Wissenschaft/Forschung
17,9
13,6
23,6
45,0
Wirtschafts-/Berufsverbände
19,4
10,8
30,1
39,8
Freizeit/Geselligkeit
30,1
11,5
24,1
34,3
Bevölkerungs-/Katastrophenschutz
48,9
6,9
11,7
32,4
Sport
34,3
16,4
20,9
28,3

14
Die Entwicklung der Mitgliederzahlen nach Handlungsfeld ist Tab. 6 (Priemer, Bischof, et al., 2019,
S. 20) zu entnehmen. Vereine im Bereich Internationale Solidarität konnten ihre Mitgliederzahlen
überdurchschnittlich erhöhen. Mehr als ein Drittel der Vereine im Handlungsfeld Internationale Solidarität
konnten neue Mitglieder gewinnen.
Tab. 5: Vereinsgröße nach Handlungsfeld (in Prozent)
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 19) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017, nur Vereine, n=6.461 (gewichtet), davon
fehlend: 700.
klein
(bis 100
Mitglieder)
mittelgroß
(101 bis 300
Mitglieder)
groß
(mehr als
300 Mitglieder)
Sport
40,4
28,6
30,9
Wirtschafts-/Berufsverbände
58,4
16,9
24,7
Wissenschaft/Forschung
52,2
26,1
21,6
Bürger-/verbraucherinteressen
55,9
24,8
19,3
Umwelt-/Naturschutz
54,0
27,0
10,0
Gesamt
60,9
24,0
15,1
Gesundheitswesen
65,0
20,0
15,0
Bevölkerungs-/Katastrophenschutz
56,4
30,3
13,3
Kirchen/religiöse Vereinigungen
65,1
22,9
11,9
Gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben
71,8
17,9
10,3
Kultur/Medien
65,6
25,2
9,3
Freizeit/Geselligkeit
62,1
28,7
9,2
Sonstiges
71,3
20,6
8,1
Soziale Dienste
66,7
25,5
7,8
Bildung/Erziehung
77,6
16,0
6,4
Internationale Solidarität
82,7
13,3
4,0

15
Steigende Mitgliedszahlen verzeichnen vor allem Vereine in den Städten (Mittelstädte und Großstädte),
wie Tab. 7 zeigt. Der statistisch belastbare Trend zur Verstädterung spiegelt sich in der Entwicklung der
Vereinslandschaft wider. Vom Mitgliederschwund bis hin zum Vereinssterben sind vor allem Vereine im
ländlichen Raum betroffen.
Tab. 6: Entwicklung der Mitgliedszahlen seit 2012 nach Handlungsfeld (in Prozent)
Tab. 7: Entwicklung der Mitgliederzahlen der Vereine nach Siedlungsgröße (zwischen 2012 und 2016) (in
Prozent)
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 28) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017, nur Vereine, n=6.461 (gewichtet), davon
fehlend: 600.
Quelle: Priemer et el. (2019, S. 21) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017, nur Vereine, n=6.461 (gewichtet), davon
fehlend 535.
gestiegen
unverändert
gesunken
Bürger-/Verbraucherinteressen
51,3
35,6
13,1
Wirtschafts-/Berufsverbände
47,7
29,1
23,3
Umwelt-/Naturschutz
45,1
32,4
22,5
Bevölkerungs-/Katastrophenschutz
44,1
38,0
17,9
Gesundheitswesen
40,0
40,0
20,0
Internationale Solidarität
38,5
44,4
17,2
Wissenschaft/Forschung
37,7
41,3
21,0
Bildung/Erziehung
35,7
48,1
16,2
Kirchen/religiöse Vereinigungen
35,7
40,9
23,5
Gesamt
35,2
42,5
22,3
Freizeit/Geselligkeit
34,0
40,4
25,7
Sport
32,4
40,6
26,9
Sonstiges
32,4
49,0
18,7
Gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben
32,4
52,9
14,7
Kultur/Medien
32,1
41,5
26,4
Soziale Dienste
31,2
48,0
20,7
gestiegen
unverändert
gesunken
Dorf/Gemeinde
30,5
43,9
25,6
Kleinstadt
34,8
43,0
22,2
Mittelstadt
39,2
41,1
19,7
Großstadt
35,7
42,2
21,9
Gesamt
35,3
42,5
22,2

16
Eine aktuelle Studie zu der Entwicklung von Vereinen in der Lausitz (Staemmler et al., 2020) zeigt, dass
die Entwicklung ein Spiegelbild der jahrelangen demografischen und wirtschaftlichen Situation im
ostdeutschen, ländlichen Raum ist. Die meisten Vereine arbeiten ausschließlich mit ehrenamtlichen
Mitgliedern, sind massiv bei der finanziellen Ressourcenmobilisierung von Strukturwandel betroffen und
können nicht auf hauptamtliche Beschäftige zugreifen, die sich dem Fundraising (z. B. der Spendenakquise,
dem Aufbau des Sponsoring oder der Akquise von Fördergeldern) widmen (Staemmler et al., 2020, S. 4).
Die meisten Vereine in Deutschland haben weniger als 20 freiwillig Engagierte, wie Tab. 8 (Priemer, Bischof,
et al., 2019, S. 22) zeigt. Auch hier zeigt sich wieder, dass die Vereine im Handlungsfeld Internationale
Solidarität eher klein sind.
Organisationen im Handlungsfeld „Internationale Solidarität“ leben wie die meisten zivilgesellschaftlichen
Organisation vom Engagement der freiwilligen Engagierten. Wie die Daten aus dem aktuellsten
Freiwilligensurvey aus dem Jahre 2014 zeigen, gewinnt das informelle Engagement an Bedeutung.
klein
(bis 20 Engagierte)
mittelgroß
(21 – 50 Engagierte)
groß
(mehr als 50 Engagierte)
Bevölkerungs-/
Katastrophenschutz
22,3
42,5
35,2
Kirchen/religiöse Vereinigungen
60,9
18,7
20,4
Soziale Dienste
60,5
22,0
17,5
Wirtschafts-/Berufsverbände
65,4
17,3
17,3
Sport
57,9
26,3
15,7
Bürger-/Verbraucherinteressen
60,4
25,5
14,1
Freizeit/Geselligkeit
66,7
20,0
13,2
Gesamt
64,5
22,5
13,0
Gesundheitswesen
73,0
16,9
10,1
Kultur/Medien
65,8
24,6
9,6
Internationale Solidarität
70,8
19,6
9,5
Bildung/Erziehung
76,0
15,2
8,8
Umwelt-/Naturschutz
63,3
28,2
8,5
Sonstiges
71,7
20,2
8,2
Wissenschaft/Forschung
70,8
23,3
5,8
Tab. 8: Freiwillig Engagierte nach Handlungsfeld (2012 und 2016) (in Prozent)
Quelle: Priemer et el. (2019, S. 21) auf Basis des ZiviZ -Surveys 2017, nur Vereine mit freiwillig Engagierten,
n=6.461 (gewichtet), davon fehlend: 760, ohne gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben, da zu wenig Fälle.

17
Nach wie vor gibt es zwischen den Bundesländern Unterschiede im freiwilligen Engagement, wobei das
freiwillige Engagement seit 1999 zunimmt. Die Engagementquote in den westlichen Bundesländern
liegt bei 44,8 % und der korrespondierende Wert für die östlichen Bundesländer bei 38,5 %, wobei sich
dort jüngere Personen häufiger engagieren als ältere Personen (Kausmann & Simonson, 2017, S. 573).
Für junge Engagierte (unter 30 Jahren) und ältere freiwillig Engagierte (ab 65 Jahren) ist Vertrauen ein
wichtiges Element für ihr Engagement (Huxhold & Müller, 2017, S. 499). Sozial gut eingebettete Personen,
d. h. Menschen mit einem guten sozialen Netz, engagieren sich häufiger als sozial nicht gut eingebettete
Personen (Huxhold & Müller, 2017, S. 499).
Geldzahlungen oder Sachaufwendungen als Gegenleistung für das freiwillige Engagement sind eher selten.
Männer legen auf Geldzahlungen einen größeren Wert als Frauen. Laut dem aktuellen Freiwilligensurvey
aus dem Jahr 2014 erhalten nur 9,9 % der freiwillig Engagierten eine niedrige Kostenerstattung und 14,6
% der Engagierten Sachaufwendungen (Romeu Gordo & Vogel, 2017, S. 377). Diese Ergebnisse decken sich
auch mit der sozialpsychologischen Erkenntnis, dass die freiwillig Engagierten primär intrinsisch motiviert
sind und sich eine symbolische Vergütung kontraproduktiv auf die intrinsische Motivation auswirkt.
Die direkte Ansprache von leitenden Organisationsmitgliedern oder Personen aus dem privaten Umfeld
sind nach wie vor der Hauptanstoß für ein freiwilliges Engagement, wie das Freiwilligensurvey von 2014
zeigt.
Abb. 1: Formen des Engagements im Zeitverlauf laut Freiwilligensurvey (in Prozent)
Quelle: Simonson & Vogel (2017, S. 532) auf Basis der Freiwilligensurveys; FWS 1999 (n=4.683), FWS 2004
(n=5.128), FWS 2009 (n=6.986), 2014 (n=12.296).
55.8
56.3
53.4
52.1
13.60
14.40
14.30
13.00
10.20
10.20
9.20
8.70
9.40
9.00
8.40
10.20
11.00
10.00
14.60
16.00
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Verein oder Verband
Kirche oder religiöse Vereinigung
Staatliche oder kommunale Einrichtung
Andere formal organisierte einrichtung
Individuell organisierte Gruppe
1999
2004
2009
2014

18
Schaut man sich die Motive an, steht an erster Stelle das hedonistische Motiv „Spaß haben“ gefolgt von
gesellschaftsbezogenen und gemeinschaftlichen Motiven laut der Daten des Deutschen Freiwilligensurveys
(Müller et al., 2017, S. 377)
Abb. 2: Anstoß für das freiwillige Engagement nach Altersgruppen (2014) (in Prozent)
Quelle: Müller et al. (2017, S. 423).
47.5
45.5
47.3
52.6
40
42
44
46
48
50
52
54
Leitende Person aus Engagementumfeld
Engagementumfeld
65 Jahre und älter
50-64 Jahre
30-49 Jahre
14-29 Jahre
40.3
27.8
41.9
27.8
44.4
27.8
52.9
27.8
02
03
04
05
06
0
Mitglieder der Familie, Freunde oder Bekannte
Erfahrungen in der Familie
Privates Umfeld
65 Jahre und älter
50-64 Jahre
30-49 Jahre
14-29 Jahre
01
01
01
0
10
20
30
40
50
60

19
Abb. 3: Motive der freiwillig Engagierten 2014 (in Prozent)
Befragt nach den Verbesserungsmöglichkeiten durch die Organisation, in der sich Freiwillige engagieren,
zeigt sich das in Abb. 4 dargestellte Bild.
Quelle: Müller et al. (2017, S. 377) auf Basis des FWS 2014.
80
59.5
57.2
60.9
33.5
15.1
14.9
3.5
13.9
22.5
23.8
19.2
18
16.5
10
3.7
01
02
03
04
05
06
07
08
09
01
00
Spaß haben
Mit anderen Menschen zusammenkommen
Gesellschaft mitgestalten
Mit anderen Generationen zusammenkommen
Qualifikation erwerben
Ansehen und Einfluss gewinnen
Beruflich vorankommen
Dazuverdienen
Stimme voll und ganz zu
Stimme eher zu
10
10
16.5
16.5
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

20
Abb. 4: Verbesserungsmöglichkeiten laut Freiwilligensurvey 2014 (in Prozent)
48.3
42
40.8
35.9
34.6
30
21.4
Bei der Bereitstellung von geeigneten Räumen
und Ausstattungsmitteln für die Projekt- und
Gruppenarbeit
Bei der fachlichen Unterstützung der Tätigkeit
Bei den Weiterbildungsmöglichkeiten
Bei einer unbürokratischen Kostenerstattung
Bei der Anerkennung der Tätigkeit durch
hauptamtliche Kräfte in der Organisation
Bei der Anerkennung der Tätigkeit in Form von
Zeugnissen, Ausweisen oder Ähnlichem
Bei der finanziellen Vergütung für die geleistete
Arbeit
Nach Größenklassen zeigt sich in der ZiviZ-Umfrage, dass die meisten Vereine eine stagnierende Anzahl an
Mitgliedern haben (Tab. 9).
Dauerhaft Engagierte zu gewinnen, ist in allen Tätigkeitsbereichen eine Herausforderung, wie Tab. 10
zeigt. Hier ist auch zu beachten, dass sich die Engagementformen wandeln. Vor allem jüngere Engagierte
bevorzugen informelle, kurzfristige, anlassbezogene Engagementformen.
gestiegen
unverändert
gesunken
klein (bis 100 Mitglieder)
23,3
62,0
14,8
mittelgroß (101 bis 300 Mitglieder)
18,6
62,9
18,5
groß (mehr als 300 Mitglieder)
18,6
58,9
22,5
Gesamt
21,4
61,7
17,0
Tab. 9: Entwicklung der Mitgliederzahlen nach Vereinsgröße (in Prozent)
Quelle: Simonson & Vogel (2017, S. 532) auf Basis des FSW 2014 (Basis: Alle Engagierten. Mehrfachnennungen
möglich. Bereitstellung von Räumen (n=12.343), Fachliche Unterstützung (n=12.339), Weiterbildung
(n=12.318), Kostenerstattung (n=12.240), Anerkennung durch Hauptamtliche (n=12.253), Anerkennung
durch Zeugnisse (n=12.327), Vergütung (n=12.315).
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 25) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017, nur Vereine mit freiwillig Engagierten
(gewichtet), n=5.959, davon fehlend: 962.
34.6
30
0%
10%
20%
30%
40%
50%

21
Hinsichtlich der Einnahmenhöhe sind dem ZiviZ-Surveys aus dem Jahr 2017 folgende Daten zu entnehmen:
Jede zweite Organisation hatte maximal 10.000 Euro zur Verfügung. Differenziert man die Einnahmenhöhe
nach den Handlungsfeldern, so zeigt sich folgendes Bild (Tab. 11).
trifft (voll) zu
weder noch
trifft (gar) nicht zu
Umwelt-/Naturschutz
8,6
21,3
70,1
Bürger-/Verbraucherinteressen
9,3
23,8
66,9
Bevölkerungs-/Katastrophenschutz
10,1
29,8
60,1
Sport
10,4
25,0
64,7
Gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben
11,4
28,6
60,0
Internationale Solidarität
12,3
25,2
62,2
Bildung/Erziehung
13,1
24,3
62,6
Gesamt
13,5
24,9
61,1
Gesundheitswesen
13,8
28,2
58,0
Kultur/Medien
14,0
25,4
60,0
Kirchen/religiöse Vereinigungen
14,0
29,0
57,0
Freizeit/Geselligkeit
17,2
23,3
59,5
Sonstiges
17,4
21,9
60,7
Soziale Dienste
19,3
23,0
57,7
Wirtschafts-/Berufsverbände
21,1
29,6
49,3
Tab. 10: Gewinnung dauerhaft Engagierter nach Handlungsfeld (in Prozent)
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 27) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017, nur Vereine mit freiwillig Engagierten
(gewichtet), n = 5.959, davon fehlend: 466.

22
Spenden sind im Handlungsfeld der Internationalen Solidarität die Haupteinnahmequellen gefolgt von
sonstigen Einnahmen und den Mitgliedsbeiträgen (siehe Tab. 12). Unter der Rubrik „Sonstige Einnahmen“
werden beispielsweise Einnahmen aus Bußgeldern oder Erbschaften subsumiert. Auch kleine Vereine
bemühen sich um öffentliche Fördermittel. Eine besondere Bedeutung kommt für die entwicklungspolitische
Arbeit in den ostdeutschen Ländern dabei der Stiftung Nord-Süd-Brücken zu. Im Bereich der Internationalen
Solidarität kommt Spenden eine besondere Relevanz zu, während Sponsorengelder und Mitgliedsbeiträge
eher eine unterdurchschnittliche Rolle spielen.
bis
10.000
10.001 –
20.000
20.001 –
100.000
100.001 –
1 Mio.
mehr als
1 Mio.
Gesamt
Bevölkerungs-/Katastrophenschutz
74,4
16,7
7,1
1,8
0,0
100
Freizeit/Geselligkeit
69,1
10,0
19,0
1,9
0,0
100
Sonstiges
64,5
16,0
6,9
10,8
1,7
100
Umwelt-/Naturschutz
60,4
10,4
18,1
9,3
1,0
100
Bürger-/Verbraucher-interessen
57,7
15,4
10,7
14,1
2,0
100
Kultur/Medien
56,1
14,7
21,1
7,0
1,0
100
Internationale Solidarität
54,0
6,9
26,4
5,2
7,5
100
Gesamt
49,8
12,0
20,7
13,0
4,5
100
Kirchen/religiöse Vereinigungen
49,1
8,5
24,1
16,5
1,8
100
Wirtschafts-/Berufsverbände
46,6
12,3
20,5
19,2
1,4
100
Wissenschaft/Forschung
45,8
13,1
17,36
15,0
8,5
100
Bildung/Erziehung
45,2
8,5
15,8
22,0
8,6
100
Sport
43,8
14,3
28,7
11,9
1,3
100
Gesundheitswesen
39,4
5,6
26,8
20,7
7,6
100
Gemeinschaftliche Versorgungsaufgaben*
34,0
17,0
29,8
17,0
2,1
100
Soziale Dienste
28,1
11,6
21,5
19,9
18,9
100
Tab. 11: Einnahmen (in Euro) nach Handlungsfeld (in Prozent)
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 117) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017, n=6.750 (gewichtet), davon fehlend:
1.136, * n<50 (47).

23
Hinsichtlich der Spendenzwecke flossen 2016 77 % des Spendenvolumens in den Bereich der humanitären
Hilfe. Ein Überblick ist Tabelle 13 zu entnehmen. Die eigentliche Entwicklungshilfe im engeren Sinne hat
innerhalb der humanitären Hilfen einen eher kleinen Anteil (Priemer, Corcoran-Schliemann, et al., 2019, S.
130)
Mit-
gliedsbei-
träge
Erwirt-
schaftete
Mittel
Spenden
Öffentli-
che För-
dermittel
Sponso-
rengelder
Vermö-
gens-
erträge
Sonstige
Wirtschafts-/
Berufsverbände
79,1
7,5
2,6
2,6
2,7
1,2
79,1
Sport
56,0
16,1
11,1
5,7
5,6
2,1
56,0
Freizeit/
Geselligkeit
50,7
25,9
8,0
3,4
2,4
3,3
50,7
Bürger-/
Verbraucherinteressen
49,7
11,0
19,8
13,1
2,8
0,7
49,7
Umwelt/Naturschutz
48,2
13,8
23,9
6,1
2,4
4,0
48,2
Sonstiges
42,3
13,9
17,5
10,4
5,2
3,2
42,3
Wissenschaft/
Forschung
40,8
10,0
15,2
10,4
3,3
12
40,8
Gesamt
38,6
20,1
18,8
11,0
4,0
3,2
38,6
Bevölkerungs-/
Katastrophenschutz
3,64
27,2
18,3
5,4
2,4
1,0
36,4
Kultur/Medien
34,5
28
17,2
9
5,1
2,7
34,5
Gemeinschaftliche
Versorgungsaufgaben
32,2
35,7
13,0
2,1
4,8
8,9
32,2
Kirchen/
religiöse Vereinigun-
gen
30,1
12,3
40,8
3,7
1,0
5,0
30,1
Gesundheitswesen
26,7
21,6
27,6
12,4
4,8
3,2
26,7
Bildung/ Erziehung
26,5
18,9
21,7
23,0
3,7
3,0
26,5
Internationale Solidari-
tät
20,8
16,2
43,9
9,6
2,0
3,2
20,8
Soziale Dienste
16,0
28,0
25,1
18,1
3,2
5,1
16,0
Tab. 12: Einnahmequellen 2017 nach Handlungsfeld (Mittelwerte der Prozentangaben)
Quelle: Priemer et al. (2019, S. 123) auf Basis des ZiviZ-Surveys 2017; alle Organisationen, n=6.750 (gewichtet),
davon Fehlend 963.

24
Die spendenfreundlichste Gruppe sind die über 70-jährigen, bei den jüngeren Personen spielen Zeitspenden
eine größere Rolle (Priemer, Corcoran-Schliemann, et al., 2019, S. 128). Die Ergebnisse in Bezug auf die Höhe
des Geldspendenvolumens in Deutschland variieren. Für das Jahr 2014 ermittelt das Sozio-ökonomische
Panel (SOEP) ein Geldspendenvolumen von 8 Milliarden Euro, die Bilanz des Helfens kam im selben Jahr
auf 5 Milliarden und das deutsche Freiwilligensurvey bezifferte das Spendenvolumen mit 5,7 Milliarden
Euro (Priemer, Corcoran-Schliemann, et al., 2019, S. 134). Für das Jahr 2017 berichtet das SOEP ein
Gesamtspendenvolumen in Deutschland von rund 9,8 Milliarden Euro, während die Bilanz des Helfens 5,2
Milliarden Euro angibt (Gricevic, Schulz-Sandhof, & Schupp, 2020, S. 11).
Ähnlich schwankend sind auch die Angaben zur Spenderquote, d.h. dem Anteil der Spenderinnen und
Spender an der Gesamtbevölkerung. Die Survey-Daten schwanken zwischen 31,5 % (Bilanz des Helfens
in 2017), 54 % (Freiwilligensurvey in 2014) und 46,8 % (SOEP in 2017) (Gricevic et al., 2020, S. 11). Die
Unterschiede zwischen den Studien sind eine Folge der methodischen Besonderheiten und Verfahren
(Berücksichtigung größerer Spenden, Formulierung der Spendenfrage, Stichprobengrößen usw.) (Gricevic
et al., 2020, S. 28).
Einen besonderen Einfluss auf das Spendenvolumen haben Katastrophenfälle, wie z. B. das Hochwasser in
Deutschland im Jahr 2013 (158 Millionen Euro), das Erdbeben in Haiti (230 Millionen Euro) oder Hilfen bei
den Tsunamis in Südostasien (670 Millionen Euro, alle Angaben in Priemer et al. 2019, S. 141).
Neben der klassischen Spendenakquise, bei der Mitglieder nach wie vor die ergiebigste Basis sind, hat in
den vergangenen Jahren das Crowddonating als eine Form des Crowdfunding für NROs an Bedeutung
gewonnen. Das Crowdfunding lässt sich laut Amrein und Dietrich (2020, S. 721) nach den verschiedenen
Formen der Gegenleistung differenzieren. Während beim Crowdinvesting die Geldgeber eine monetäre
Spendenvolumen
2014
2015
2016
Humanitäre Hilfe
79,0
79,3
76,8
Hilfe für Kinder
20,9
20,7
21,0
Kirchl./Religiöse Zwecke
19,9
18,4
20,4
Not-/Katastrophenhilfe
11,9
16,5
11,8
Hilfe für Kranke/Behinderte
11,5
7,9
9,4
Entwicklungshilfe
3,8
2,8
3,6
andere soziale Zwecke
11,0
13,0
10,6
Tierschutz
5,7
5,3
5,5
Sport
2,4
2,5
2,7
Kultur-/Denkmalpflege
2,9
2,4
2,6
Umwelt-/Naturschutz
2,7
2,1
2,5
Sonstige/Keine Angaben
7,4
8,4
10,0
Tab. 13: Spendenvolumen nach Verteilung der Spendenzwecke 2014 bis 2016 (in Prozent)
Quelle: Priemer, Corcoran-Schliemann, et al. (2019, S. 130) auf Basis des GfK und der Daten des Deutscher
Spendenrat.

25
Gegenleistung, beispielsweise in Form einer Eigenkapitalbeteiligung enthalten, besteht die Gegenleistung
beim Crowdlending in der Form eines Zinsertrages und beim Invoice Trading aus dem Erwerb einer
offenen Rechnung unter dem Rechnungsbetrag (Amrein & Dietrich, 2020, S. 721). Diese drei Formen des
Crowdfunding sind für entwicklungspolitische NROs de facto irrelevant, es sei denn, es geht um den Aufbau
eines Betriebes im Globalen Süden. Erhalten die Unterstützerinnen und Unterstützer einer Crowdfunding-
Kampagne keine direkte Gegenleistung, wird dies als Crowddonating bezeichnet (Amrein & Dietrich, 2020, S. 721).
Als Zwischenform zwischen einer direkten monetären Gegenleistung und dem Crowddonating ist das
Crowdsupporting einzustufen, bei der ein Crowdfunder oder eine Crowdfunderin beispielsweise einmalig
ein Produkt oder eine Dienstleistung erhält (Bücher, Gutscheine, Musik, Konzertkarte, Kunstwerk etc.), wobei
die Grenzen zwischen Crowdsupporting und Crowddonating fließend sind (Amrein & Dietrich, 2020, S. 721).
Hinsichtlich des Volumens relativ zur Bevölkerung ist im deutschsprachigen Raum das Schweizer
Crowdsupporting und Crowddonating am besten entwickelt. Während in absoluten Zahlen im Jahr 2017
in Deutschland das Volumen bei 44,9 Millionen Euro lag, betrug der Schweizer Wert im Jahr 2017 25,2
Millionen Euro und der österreichische Vergleichswert 6,1 Millionen Euro (Amrein & Dietrich, 2020, S. 725).
Diese Zahlen zeigen, dass das Crowdsupporting und das Crowddonating weit hinter den drei anderen
Formen des Crowdfunding zurückbleiben. 2017 flossen in das Crowdinvesting, das Crowdlending und das
Invoice Trading insgesamt 550,6 Millionen Euro in Deutschland, in der Schweiz waren es 310 Millionen
Euro und in Österreich immerhin 27,1 Millionen Euro (Amrein & Dietrich, 2020, S. 724). Eine Studie zu den
Erfolgsfaktoren des Crowdsupporting und Crowddonating im Schweizer Kulturbereich (Amrein, Dietrich,
Duss, & Wernli, 2016) hat folgende Erfolgsfaktoren und Besonderheiten ergeben (Amrein & Dietrich, 2020, S. 729):
- Crowdfunding ist ein lokales Phänomen, d.h. die geographische Distanz zwischen Geldgebern und
Empfängerorganisationen ist gering (unter 30 km). Somit stammen die Geldgeberinnen und Geldgeber
in aller Regel aus dem unmittelbaren Umfeld der NROs;
- Crowdfunding ist, zumindest in der Schweiz, deutlich erfolgreicher im urbanen Raum. Die Erhebung
von Amrein u.a. (2016) hat für Kulturorganisationen eine um 12 % höhere Erfolgsquote im urbanen
Raum ergeben;
- Das erste Drittel der Laufzeit einer Crowdfunding-Kampagne ist entscheidend, da Kampagnen, die im
ersten Drittel der Laufzeit 40 % der Zielsumme erreichen, fast immer erfolgreich abgeschlossen
werden, was Amrein & Dietrich (2020, S. 279), plakativ als „launch hard or go home“ bezeichnen.
Am Anfang und am Ende einer Kampagne ist die Mitteleinwerbung höher als in der Mitte. Um dieses
„valley of the death“ zu reduzieren, sollte in der Mitte der Laufzeit eine entsprechende Kommunika-
tionsoffensive gestartet werden (Amrein & Dietrich, 2020, S. 730);
- Die Schweizer Auswertung hat gezeigt, dass eine Laufzeit zwischen 30 und 45 Tagen am erfolgver-
sprechendsten ist und sich eine Kampagnenfinanzierung erwartungsgemäß in den Sommermonaten
schwieriger gestaltet als im Frühjahr oder den besonders volumenstarken Monaten Oktober und
November (Amrein & Dietrich, 2020, S. 739).
Aus diesen Erfolgsparametern werden bereits weitere Merkmale deutlich. Es muss sich um eine
klar und einfach zu kommunizierende Kampagne handeln, bei der kleine und mittlere Geldbeträge
eingesammelt werden. Durch den Kampagnencharakter scheiden Projekte aus, bei der die Förderung eines
Organisationsaufbaus im Zentrum steht. Das Crowdfunding erfordert eine intensive Öffentlichkeitsarbeit auf
allen Kommunikationskanälen (online und direkte Ansprache/Veranstaltungen) und Projektinformationen,
die auch die emotionale Seite ansprechen. Crowdfunding ist eine spezifische Form des Online-Fundraising
(Viest, 2016).

26
Spezifische sekundäre Ziele für NROs sind laut Viest (2016, S. 308) beim Online-Fundraising die Erhöhung
des Bekanntheitsgrades bei den Nutzern, die Steigerung der Zahl der online akquirierten Adressen, die
Steigerung der Follower spezifischer Angebote und ggfs. auch die Steigerung der Zahl der Seitenabrufe.
Wichtig ist beim Online-Fundraising, dass die Website einer NRO als Pull-Medium fungiert und so wirkt,
dass die Websitenutzerinnen und Websitenutzer alle drei Phasen der Interaktion durchlaufen (Viest,
2016, S. 309). Dies sind erstens das Anziehen von Nutzerinnen und Nutzern, zweitens das Animieren der
Nutzerinnen und Nutzern sich mit den Inhalten zu beschäftigen und drittens die Nutzerinnen und Nutzer
zu einer Spendentransaktion, dem Crowddonating oder Crowdsupporting, zu bewegen (Viest, 2016, S.
309). Es geht nicht nur um die rationalen Argumente, sondern auch um eine emotionale Ansprache. Die
Ansprache ist dann erfolgreicher, wenn dabei die Spendenmotive getroffen werden.
Laut Buss (2016, S. 60), der sich intensiv mit der Psychologie des Spendenverhaltens auseinandergesetzt
hat, lassen sich fünf Spendenmotive unterscheiden. Dies sind erstens die Verbundenheit, d.h. die SpenderIn
spendet, weil er oder sie andere Menschen, die unschuldig in Not geraten sind, unterstützen will, in der
Hoffnung in einer Notsituation ebenfalls eine gesellschaftliche Unterstützung zu erfahren. Dahinter
steht ein sicherheitsorientiertes Motiv. Das zweite Spendenmotiv nach Buss (2016, S. 60) ist jenes der
Verantwortungsübernahme und der Einflussnahme weil sich der Staat zu wenig engagiert. Es geht um ein
gestaltungsorientiertes Motiv, da der oder die SpenderIn etwas positiv verändern möchte (Buss, 2016, S.
60). Übertragen auf die entwicklungspolitischen NROs korrespondiert dies mit dem Motiv, einen Beitrag zu
einer gerechteren Welt zu leisten. Als drittes Spendenmotiv identifiziert Buss ein moralorientiertes Motiv
(Moral, Ethik oder religiöse Überzeugung), das laut Buss selbst in der heutigen säkularen Gesellschaft
nach wie vor das stabilste und stärkste Spendenmotiv ist (Buss, 2016, S. 60). Dies deckt sich auch mit
den multivariaten Analysen des sozial-ökonomischen Panels, da Personen mit einer Religionszugehörigkeit
eine höhere Spendenwahrscheinlichkeit aufweisen, als Agnostikerinnen und Agnostiker (Gricevic et al.,
2020, S. 26). Viertens wollen Spenderinnen und Spender eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe erleben
(sozialorientiertes Motiv), wobei hier ein sehr breites Spektrum von Selbstverwirklichung in einer
Gemeinschaft gleichgesinnter Personen bis hin zum sozialen Druck einer Wohltätigkeitsveranstaltung
besteht (Buss, 2016, S. 61). Das fünfte Spendenmotiv, das Buss als identitätsorientiertes Motiv bezeichnet,
ist das Streben nach Anerkennung, die sich positiv auf das Selbstvertrauen der Spenderinnen und Spender
auswirkt (Buss, 2016, S. 61).
Abb. 5 stellt den Zusammenhang zwischen Spendenmotiven, Grundmotiven, Grundbedürfnissen und
Grundwerten graphisch dar.

27
Neben rationalen Motiven bedarf es der Aktivierung von Emotionen als Treiber, da diese darüber entschei-
den, ob daraus Handlungen in Form von Zeit- oder Geldspenden entstehen (Buss, 2016, S. 64). Basierend
auf Elkman unterscheidet Buss (2012, S. 77) sieben Grundemotionen (Abb. 6):
Spendenmotive
Grundmotive
Grundbedürfnisse
Grundwerte
sicherheits-
orientiertes
Motiv
Verbundenheit
zeigen
Verteidigen
Sicherheits-
bedürfnisse
Sicherheit
gestaltungs-
orientiertes
Motiv
Verantwortung tragen
und Einfluss nehmen
Lernen
Selbstverwirkli-
chungsbedürfnisse
Wohl-
befinden
moral-
orientiertes
Motiv
Moralisch-ethischen
Werten folgen und/
oder dem Hilfsgebot
des eigenen Glaubens
nachleben
sozial-
orientiertes
Motiv
Zugehörigkeit erleben
Binden
Soziale Bedürfnisse
Gebor-
genheit
identitäts-
orientiertes
Motiv
Anerkennung erfahren
Wertschätzungs-
bedürfnisse
Abb. 5: Spendenmotive und ihre Verknüpfung mit Grundmotiven, Grundbedürfnissen und Grundwerten
Quelle: Buss (2012, S. 55)

28
Während negative Emotionen vor allen beim sicherheitsorientierten Spendenmotiv wirken und in einem
geringerem Umfang auch beim moralorientierten Spendenmotiv, stehen positive oder neutrale Emotionen
am stärksten mit den sozial- und identitätsorientierten Spendenmotiven in einem Zusammenhang (Buss,
2016, S. 66). Rein auf Emotionen zu setzen, bringt laut Buss nichts, da dann die Basis für das Handeln fehlt
(Buss, 2016, S. 74). Spendenmotive und Emotionen gilt es miteinander in Einklang zu bringen.
Während sich die bisherigen Ausführungen zur Psychologie des Spenderverhaltens allgemein auf
die Mobilisierung der Spendenbereitschaft beziehen, sind beim Online-Fundraising auch technische
Anforderungen an die Website-Gestaltung der jeweiligen Kampagne zu stellen. Diese umfassen laut Viest
(2016, S. 310):
- die Bereitstellung relevanter und aktueller Inhalte zur Fundraising-Kampagne
- emotionale, bildliche und farbliche Ankerpunkte, um die potentiellen Spenderinnen und Spender zur
Beschäftigung mit der Kampagne zu animieren
- aussagekräftige Headlines und Barrierefreiheit
- eine klare Strukturierung und eine einfache Navigation
- die Smartphonefähigkeit der Website
- das Offerieren von Dialogoptionen (z. B. Kontaktpersonen, Bestellformulare, Newsletter-Abos, Social-
Media Links, Spendenformulare etc.)
- das Erfüllen der Sicherheits- und Datenschutzanforderungen beim Umgang mit den Spenden
(z. B. 128-Bit-SSL-Verschlüsselung).
Quelle: Buss (2012, S. 77)
Abb. 6: Grundemotionen
Die sieben Grundemotionen
positiv wirkende
Emotionen
neutralwirkende
Emotionen
negativ wirkende
Emotionen
Freude
Überraschung
Zorn
Verachtung
Ekel
Trauer
Angst

29
Hinsichtlich der Erfolgsfaktoren von NROs in der internationalen Zusammenarbeit, gibt es nur sehr
wenige Studien. Eine aktuelle Best-Practice-Studie identifiziert, unter Rückgriff auf das Freiburger
Verbandsmanagement -Modell, folgende Faktoren (Baumann, 2019, S. 32):
- eine verständliche Mission mit konsistenten Projekten sowie eine klare strategische Positionierung
- eine sehr hohe strategische Kooperationsbereitschaft mit nationalen und internationalen Partnern
- eine klare Orientierung an den Erwartungen zentraler Fördermittelgeberinnen und Fördermittelgeber
- Lobbying-Aktivitäten zum Aufbau lokaler Netzwerke in den Ländern des globalen Südens
- ein professionelles Projektmanagement;
- Aufbau eines engagierten und professionellen Teams
- niedrige Fixkosten oder ein Büro als Anlagevermögen.
In Bezug auf die Spendenhöhe insgesamt und die Spendenquote (Anteil der Spenderinnen und Spender
an der Gesamtbevölkerung) bestehen nach wie vor Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland, wie
eine aktuelle Auswertung auf Basis der 2017er Daten des SOEP zeigt (siehe Tab. 14)
Spendenquote (in Prozent)
Spendenhöhe (in Euro)
2009
2014
2017
2009
2014
2017
Region
Westdeutschland
42
49
49
219
277
323
Ostdeutschland
33
36
38
134
140
163
Bundesland
Baden-Württemberg
42
51
51
258
384
402
Bayern
46
55
55
197
230
291
Berlin
40
49
50
170
248
257
Brandenburg
33
33
35
166
152
175
Bremen
46
36
55
282
´235
342
Hamburg
35
51
45
200
223
264
Hessen
40
50
46
237
329
349
Mecklenburg-Vorpom-
mern
32
40
35
106
105
127
Niedersachsen
44
47
47
496
271
377
Nordrhein-Westfalen
40
46
45
241
290
512
Rheinland-Pfalz
39
45
47
217
222
243
Saarland
48
51
55
149
126
182
Sachsen
38
37
37
136
164
144
Sachen-Anhalt
29
32
33
176
126
139
Schleswig-Holstein
43
48
47
188
211
188
Thüringen
30
34
38
82
118
225
N (Anzahl der Spender)
16.648
25.045
25.620
6.911
11.208
110.357
Tab. 14: Spendenquote und Spendenhöhe im Zeitverlauf nach Bundesland
Quelle: Gricevic et al. (2020, S. 21)

30
Diese Erfolgsfaktoren zeigen, dass entwicklungspolitische NROs mit hauptamtlichem Personal
günstigere Voraussetzungen haben. Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor sind Kooperationen in Form von
strategischen Partnerschaften und in Form einer intensiven Zusammenarbeit, um Skalierungseffekte
(z. B. bei Lobbyaktivitäten und in Bezug auf Ressourcen) zu erreichen und die „liability of smallness“
1
mit der viele entwicklungspolitische NROs zu kämpfen haben, zu reduzieren. Die Herausforderung,
dass entwicklungspolitische NROs meist nur wenige aktive Mitglieder haben, ist etwas mit dem
handlungsfeldunabhängig viele Vereine kämpfen.
Befragt nach den Wünschen der Nichtregierungsorganisationen an die Politik, ergibt sich folgendes Bild
(Priemer, Krimmer, & Labigne, 2017, S. 28):
- Die Antragstellung für Fördermittel wird als besonders anspruchsvoll eingestuft, was vor allem kleinere
NROs schnell überfordert;
- Lange Zeiten zwischen der Beantragung und Bewilligung, sowie die weittgehend größenunabhängigen
Anforderungen an die Verwendung der Fördermittel erfordern nicht nur eine Liquiditätsreserve, sondern
auch eine entsprechende Expertise in den jeweiligen NROs;
- Unterstützungen in Form von Sachspenden oder Infrastruktur, sind vor allem für kleine NROs wesentlich.
Organisationen im Handlungsfeld Internationale Solidarität gaben beim ZiviZ-Survey an, dass materielle
Unterstützungen einen Anteil von 56 % ausmachen (Priemer et al., 2017, S. 30). Damit bewegen sie sich
im Mittelfeld.
1
Der Begriff „liability of smallness“ (auf Englisch) bezieht sich auf die Begrenztheit in Bezug auf Ressourcen
und Fähigkeiten und damit auf die Vulnerabilität gegenüber äußeren Veränderungen (Guercini & Milanesi,
2016, S. 304).
Abb. 7: Themen, bei denen sich die zivilgesellschaftliche Organisationen mehr Unterstützung durch die
Politik wünschen (in Prozent)
Quelle: Priemer et al. (2017, S. 30).
66
53
48
39
36
01
02
03
04
05
06
07
0
Abbau von bürokratischem Aufwand
Verbesserung beim Gemeinnützigkeits-
/Spendenrecht
Unterstützung beim
Fundraising/Beantragen/Verwalten von
Fördermitteln
Verbesserung beim Versicherungsschutz für
Engagierte
Mehr Ansprechpartner in Politik/Verwaltung
0
%
10
%
20
%
30
%
40
%
50
%
60
%
70
%

31
4. Studienphasen und Begründung
Die vorliegende Studie hat zum Ziel, die Struktur und die Inhalte des Engagements von NROs in
Sachsen in der Entwicklungszusammenarbeit zu analysieren. Gegenwärtig gibt es keine Untersuchung,
wissenschaftliche Studie oder aggregierte Daten über die Aktivitäten, Herausforderungen und das Potenzial
dieser Organisationen in Sachsen. Allerdings ist die Kenntnis über die ehrenamtlichen NROs, die sich das
Thema Entwicklungszusammenarbeit zum Vereinszweck gewählt haben, von erheblichem öffentlichem
Interesse.
Daher bietet die Studie die Gelegenheit, die Leistungs- und Aufnahmefähigkeit der NROs zu skizzieren,
Zielregionen und Schwerpunktthemen zu beschreiben, ihre Organisationsstruktur und finanzielle Situation
zu erklären sowie die Treiber und Hindernisse ihre Arbeit zu verstehen. Analyse und Ergebnisse werden es
ermöglichen, Vorschläge und Möglichkeiten für eine optimale Finanzierung und Unterstützung der NROs
im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit zu formulieren.
Die Studie wurde in folgende Phasen und Meilensteine gegliedert:
Die erste Phase der Studie wurde zwischen Juli und August 2020 durchgeführt und diente der Konzeption
und dem Forschungsdesign der Studie. In diesem Zeitraum wurde die zu analysierende Gruppe von NROs
in Sachsen identifiziert und die Inhalte und Schwerpunkte der Studie definiert. Während der Phase 2
zwischen September und November 2020 konzentrierte sich die Studie auf die Sammlung von Daten und
wichtigen Informationen durch Fragebögen, Fokus-Interviews sowie einen Online-Workshop. Die Analyse
der Daten und das Verfassen des Studienberichts wurden innerhalb der Phase 3 zwischen November und
Dezember 2020 realisiert. Phase 4 der Studie war als eine fortlaufende Aktivität konzipiert, die sich auf die
Weitergabe der Ergebnisse an interessierte Schlüsselakteure bezog. Die Idee besteht darin, die Erkenntnisse
und Empfehlungen der Studie zu verbreiten, um politische Entscheidungen zu beeinflussen und politische
Auswirkungen zu generieren.
Quelle: Priemer et al. (2017, S. 30).
Abb. 8: Studienphasen
Konzeption
& Design
JUL – AUG 2020
SEP – NOV 2020
NOV – DEZ 2020
2021
■ Auswahl der NROs
■ Identifikation der
Inhalte
1
2
3
4
■ Fragrbögen
■ Fokus-Interviews
■ Online-Workshop
■ Datenanalyse
■ Studienbericht
■ Auswikung auf politische
Entscheidungen
Sammlung
von Daten
Analyse &
Reporting
Verbreitung und
Weiterentwicklung

32
5. Methodik der Studie
Die Studie verwendete sowohl primäre als auch sekundäre Daten. Um Daten über die Struktur und die Inhalte
des Engagements von Nichtregierungsorganisationen (NROs) in Sachsen in der entwicklungspolitischen
Zusammenarbeit zu erfassen, wurde in der Studie eine Forschungsmethodik gewählt, die aus drei
verschiedenen Instrumenten bestand: Online-Fragebögen, Fokus-Interviews und einem Online-Workshop.
Thematische Schwerpunkte waren die Organisation und Struktur der NROs, die Aktivitäten und Motivationen
der ehrenamtlichen Mitglieder sowie die Herausforderungen und Perspektiven des entwicklungspolitischen
Engagements in Sachsen.
Gleichzeitig wurden sekundäre Daten durch eine umfassende Aufarbeitung der Fachliteratur, Berichten
von NROs, Grundsatzpapieren und Analysen zu den Studienthemen Entwicklungszusammenarbeit,
ehrenamtliche Arbeit, Ziele der nachhaltigen Entwicklung und die Rolle von NROs in der Entwicklungspolitik
gesammelt. Diese Informationen waren besonders relevant für die Entwicklung der Online-Fragebögen und
die Kontextualisierungen der Studie.
5.1. Online-Fragebögen
5.1.1 Struktur und Entwicklung
Mit dem Online-Umfragetool „Lime Survey“ wurden zwei Online-Fragebögen entwickelt. Die Fragebögen
hatten eine ähnliche Struktur und enthielten kombinierte Multiple-Choice-, offene, dichotome und
skalierende Fragen (7-Punkte-Likert-Skala).
Der erste Fragebogen richtete sich an ehrenamtliche Mitglieder, um mehr Informationen über ihre
Motivationen sowie die Triebkräfte und Hindernisse für ihr Engagement zu erfassen. Dieser bestand aus
drei verschiedenen Teilen: allgemeine Fragen und Zeitaufwand/Häufigkeit des Engagements (Fragen 1 bis
5), konkrete inhaltliche Aufgaben (Fragen 6 bis 8), und Motivation des Engagements (9 bis 16).
Der zweite Fragebogen war an die Vorstände der NROs gerichtet, um mehr Details über die Strukturdaten
der NROs zu erfassen. Der Fragebogen war ebenfalls in drei verschiedene Teile strukturiert: Organisation
und Struktur (Fragen 1 bis 17), Mitglieder, freiwillig Engagierte und Hauptamtliche (Fragen 18 bis 38), und
Finanzen (39 bis 64).
Grundlage des Fragebogens bilden Erkenntnisse aus der Literatur als auch durchgeführte Experteninterviews.
Für die Sicherstellung einer hohen Qualität und Eignung des Fragebogens wurde der Fragebogen in
Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen und praxisnahen Experten entwickelt. Als wissenschaftlicher
Experte wurde das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS) herangezogen, das den Fragebogen
hinsichtlich des Aufbaus, der einzelnen Fragestellungen und der Antwortoptionen bewertet. Als Experten
aus der Praxis wurden Mitarbeiter des Entwicklungspolitischen Netzwerks Sachsen e.V. (ENS) einbezogen.
Um einen kollektiven Konsensus über ihre Zuverlässigkeit und Validität zu erhalten, wurden die Fragebögen
in einem iterativen mehrstufigen Prozess nach der Delphi-Methode (Okoli & Pawlowski, 2004) erstellt.

33
Diese Methode bestand darin, die Fragebögen nach mehreren Runden anonymen Rückmeldungen und
Antworten neu zu entwickeln, bis der zuverlässigste Konsens der Expertengruppe erreicht war.
Um sicherzustellen, dass der Fragebogen umfassend alle relevanten Themenfelder abdeckt und das Online-
Tool gut handhabbar ist, aber auch um auszuschließen, dass missverständliche Fragen zu einer Verzerrung
der Ergebnisse führen, wurden sowohl in der Sächsischen Staatskanzlei als auch bei ausgewählten NROs-
Mitgliedern des Entwicklungspolitischen Netzwerks Sachsen e.V. Pre-Tests durchgeführt.
Die gesammelten Daten verblieben während der Dauer der Studie ausschließlich bei UNU-FLORES und
wurden streng vertraulich behandelt. Alle in der Studie generierten Daten werden ausschließlich für
die wissenschaftliche Forschung verwendet. Die Ergebnisse werden in anonymisierter und aggregierter
Form veröffentlicht. Auf Grund der Ergebnisse sind keine Rückschlüsse auf die Identität der Befragten
möglich. Die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung der Daten erfolgte auf der gesetzlichen Grundlage der
freiwilligen und informierten Einwilligung der Teilnehmer (gemäß §§ 4, 4a BDSG
2
). Datenschutzrechtliche
und ethische Überlegungen zu den Fragebögen wurden mit dem „Referat 3.5 – Informationssicherheit“ an
der Technischen Universität Dresden (TUD) abgestimmt.
5.1.2 Bestimmung der Stichprobe
Zur Analyse der Struktur und der Inhalte des Engagements von NROs in Sachsen in der
Entwicklungszusammenarbeit und zur Repräsentativität der Studie wurde zwischen August und
September 2020 ein Verzeichnis aus folgenden Quellen erstellt: das gemeinsame Registerportal der
Bundesländer
3
und die Engagementbörse auf der Online-Plattform des Sächsischen Staatsministeriums
für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
4
. Um die Organisationen zu finden, die in Sachsen
in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit tätig sind, wurden die folgenden Suchbegriffe und
Kriterien verwendet: „Entwicklung“, „Zusammenarbeit“, „Entwicklungspolitik“, „Sozial“, „Partnerschaft“,
„Nachhaltigkeit“, „Umwelt“, „Gerechtigkeit“, „Global“, „International“, „Afrika“, „Asien“, „Lateinamerika“,
„Südamerika“. Nach einer ersten Liste von NROs wurden auf Anregung des ENS und der Sächsischen
Staatskanzlei weitere Organisationen in die Auswahl aufgenommen. Insgesamt wurden 143 Organisationen
gefunden. Die vorgesehene Auswahl von 143 wurde auf 131 Organisationen reduziert, die wir tatsächlich
als aktiv überprüfen konnten. Dieser Prozess umfasste Telefonanrufe, E-Mails und Website-Recherchen.
Die ausgewählten 131 NROs erhielten eine formelle E-Mail mit der Einladung, an beiden Befragungen
teilzunehmen. Auf diese E-Mail folgten dann einzelne Telefonanrufe und E-Mail-Erinnerungen, um
die Rücklaufquote zu erhöhen. Der Kontakt- und Folgeprozess der NROs wurde mit Unterstützung
des ENS durchgeführt. Insgesamt haben 34 Organisationen den Fragebogen zu den Strukturdaten der
NRO vollständig ausgefüllt. Weitere 53 Organisationen haben den Fragebogen teilweise ausgefüllt. Der
Fragebogen zur Motivation der ehrenamtlichen Mitglieder erhielt 67 komplette Antworten und 23 partielle
Antworten. Im Fall des Fragebogens zur Motivation der ehrenamtlichen Mitglieder ist es jedoch wichtig,
darauf hinzuweisen, dass mehrere Antworten von derselben Organisation hätten kommen können.
2
Weitere Informationen unter
https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018
3
Weitere Informationen unter
https://www.handelsregister.de
4
Weitere Informationen unter
https://www.ehrenamt.sachsen.de/engagementboerse

34
5.2 Fokus-Interviews
Zusätzlich zu den Online-Fragebögen wurden Fokus-Interviews mit relevanten Akteuren der entwicklungs-
politischen Zusammenarbeit von NROs durchgeführt, um ein tieferes Verständnis und detailliertere In-
formationen zu den Themen der Studie zu erhalten. Die Interviews waren wichtig zum Austausch von
Erlebnissen und Erfahrungen, die allein durch die Beantwortung der Fragebögen nur schwer zu erfassen
sind. Zu den Befragten gehörten akademische Experten, Vertreter der NROs und ehrenamtliche Mitglieder.
Aus den anfänglich identifizierten Teilnehmern wurden durch Empfehlung bereits befragter Personen im
Anschluss an das Schneeball-Prinzip (Walter, 2020) weitere potentielle Akteure identifiziert. Insgesamt
wurden 8 halbstrukturierte Einzelinterviews vom 5. und 16. Oktober über die Online-Meeting-Plattform
„Zoom“ und per Telefon durchgeführt. Die Fragen wurden im Voraus vorbereitet, waren jedoch offen struk-
turiert, um die freie Äußerung von Ideen und Meinungen zu ermöglichen. Jedes Interview dauerte insge-
samt 45 bis 60 Minuten.

35
5.3 Online-Workshop
Schließlich wurde am 9. November 2020 von 17:30 bis 19:30 Uhr mit Unterstützung des ENS ein Online-
Workshop organisiert, der als ein exploratives Instrument zur Bewertung von Schlüsselkonzepten und zur
weiteren Erforschung des Engagements von NROs in Sachsen in der Entwicklungszusammenarbeit diente.
Die Teilnehmer wurden in Zusammenarbeit mit dem ENS ausgewählt und umfassten 15 Mitglieder von
10 ausgewählten NROs. Die Zahl der Teilnehmer in der Gruppe wurde möglichst gering gehalten, um ein
immersives und kollaboratives Umfeld zu ermöglichen. Um die Regelungen der lokalen COVID-19-Schutz-
Verordnung einzuhalten, wurde der Workshop über eine Videokonferenzplattform organisiert.
Tab. 15: Fokus-Interviews mit relevanten Akteuren der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit von NROs
Name und Funktion
Organisation
Datum
Thema
1
Andreas Rosen,
Geschäftsführer
Stiftung Nord-Süd-
Brücken
5. Okt.
13:00 Uhr
Finanzierung, Ge-
schichte und Bedeu-
tung der Stiftung
Nord-Süd Brücken
2
Prof. Thomas Gegenhuber,
Juniorprofessur für BWL, insbeson-
deredigitale Transformation
Leuphana Universität
Lüneburg
07. Okt.
13:00 Uhr
Crowdfunding
3
Heinz Kitsche,
Ansprechpartner
AK
„Entwicklungshilfe“;
INKOTA
07. Okt.
14:00 Uhr
Geschichte der EZ
INKOTA; Aufgaben
und Funktionen von
EZ NROs
4
Prof. Dr. phil. Michael Vilain,
Vizepräsident für Forschung und
Internationales; Geschäftsführender
Direktor des Instituts für Zukunfts-
fragen der Gesundheits- und Sozial-
wirtschaft (IZGS)
Evangelische
Hochschule
Darmstadt
09. Okt.
10:00 Uhr
Management-
Herausforderungen
von kleinen NROs
5
Christine Müller,
Beauftragte für kirchlichen Entwick-
lungsdienst
Ev. Luth.
Landeskirche
Sachsens
09. Okt.
11:00 Uhr
Kirchgemeinden
und EZ
6
Ehrenamtlicher 1
Marienkirche
Leipzig-Stötteritz
09. Okt.
12:30 Uhr
Engagement,
Motivation
7
Ehrenamtlicher 2
Internationale
Frauen Leipzig e.V.
14. Okt.
11:30 Uhr
Engagement,
Motivation
8
Ehrenamtlicher 3 Eine Welt e.V. Leipzig
16. Okt.
10:00 Uhr
Engagement,
Motivation
9
Ulrich Clausen,
Bereich Kontakte zur Weltkirche,
Bischöfliche Werke,
missio-Diözesanstelle
Bistum Dresden-
Meissen;
Bischöfliches
Ordinariat
28. Okt
14:30 Uhr
Pfarrgemeinden
und EZ

36
Der Online-Workshop war in zwei verschiedene Hauptteile strukturiert. Nach Begrüßungsworten von UNU-
FLORES und ENS begann der Online-Workshop mit einer Auftaktdiskussion über die Bedeutung des ent-
wicklungspolitischen Engagements in Sachsen und der Welt. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden
gebeten, ihre eigene Meinung zum Thema zu äußern. Im Anschluss an diese erste Auftaktdiskussion wurden
die Teilnehmer in drei verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt, um die folgenden Themen zu diskutieren:
Gruppe 1 - Sorgen & Nöte für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit von NROs in Sachsen; Gruppe
2 - Evaluation in der EZ: Vor- und Nachteile der Projektdokumentation; Gruppe 3 - Finanzierungsquellen
für Entwicklungspolitisches Engagement in Sachsen. Jede Gruppe hatte einen Vertreter von UNU-FLORES
oder der ENS, der die Diskussionen moderierte. Schließlich endete der Workshop mit einem Abschluss- und
Abschiedsteil, in dem die Teilnehmer darüber informiert wurden, wie die Informationen des Online-Work-
shops in der Studie analysiert werden sollen.

37
6. Ergebnisse
Die in dieser Studie gezeigten Verteilungen werden normalerweise als Prozentsätze angegeben. Um die
Darstellung der Ergebnisse und die deskriptive Analyse zu vereinfachen, wurden die Zahlen je nach Einzelfall
auf- oder abgerundet, so dass sie sich in der Regel zu 100 % summieren.
6.1 NROs in der Entwicklungszusammenarbeit
6.1.1 Strukturelle Daten
Nach allgemeinem Zustand des NRO-Sektors sind die überwiegende Mehrheit (90 %) der in der Studie
untersuchten Organisationen Vereine. Andere Organisationsformen wie kirchliche oder religiöse
Vereinigungen (3 %), Initiativen oder Projekte (2 %) und Stiftungen (2 %) wurden kaum berücksichtigt.
Die meisten Organisationen, die den Fragebogen beantwortet haben, sind schon lange etabliert und wurden
vor mehr als drei Jahrzehnten gegründet. Die Periode mit den zweitmeisten Gründungen lag zwischen den
Jahren 2011 und 2015. Nur 8 % der Organisationen wurden in den letzten fünf Jahren gegründet.
Abb. 9: Organisatorischer Rahmen (N=62)
Quelle: Eigene Darstellung.
90%
3%
2%
2%
3%
Verein
Kirche oder religiöse Vereinigung
Initiative oder Projekt
Stiftung
Sonstiges

38
Die NROs in Sachsen sind hauptsächlich in zwei Tätigkeitsbereichen aktiv. 66 % der Organisationen arbeiten
zu entwicklungspolitischer Bildung und Öffentlichkeitsarbeit/Globales Lernen und 51 % sind im Bereich
der partnerschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Andere Themen wie die Verknüpfung von
Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit, fairer Handel, Wirtschaft und Nachhaltigkeit wurden seltener
erwähnt.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 10: Gründungsjahre (N=63)
22%
14
8%
16%
17%
8%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
BIS 1990
1991-
1995
1996-
2000
2001-
2005
2006-
2010
2011-
2015
2016-
2020
4%
14
4%

39
Fast die Hälfte (46 %) der NROs sind auf regionaler Ebene tätig. Es folgen die Kommunalebene (36 %),
die Landesebene (33 %) und schließlich die Bundesebene (26 %). Aus internationaler Sicht ist Afrika der
Kontinent, auf dem die meisten Organisationen aktiv sind (37 %). Es folgen Asien (29 %), Südamerika (16
%) und Europa (14 %).
Betrachtet man die Zukunftspläne der NROs, so wollen die meisten (46 %) auch auf regionaler Ebene
arbeiten. Dahinter folgt die kommunale Ebene (39 %), die Landesebene (31 %) und die Bundesebene (29 %).
Afrika (34 %) und Asien (26 %) bleiben die zwei Kontinente, in denen die Organisationen auch in Zukunft
am stärksten arbeiten möchten. Interessanterweise gibt es einen höheren Prozentsatz von NROs, die lieber
in Europa (14 %) als in Südamerika (10 %) arbeiten möchten. Dies entspricht auch den Informationen, die
im Rahmen unserer Fokus-Interviews gesammelt wurden. Die Anzahl der NRO-Projekte in Lateinamerika
ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 11: Tätigkeitsbereiche (N=70)
23%
23%
26%
51%
66%
0%
10
0%
30
0%
50
0%
70%
Sonstiges
Fairer Handel, Wirtschaft und Nachhaltigkeit
Verknüpfung von Umweltschutz und sozialer
Gerechtigkeit
Partnerschaftliche Entwicklungszusammenarbeit
Entwicklungspolitische Bildungs- und
Öffentlichkeitsarbeit / Globales Lernen
%2
%2
%4
%4
%6
%6

40
Betrachten wir die Länder, in denen die NROs tätig sind genauer, so gibt das folgende Diagramm einen
interessanten Überblick. Wie unten dargestellt sind Afrika und Asien die Kontinente, auf denen die NROs
ihre Tätigkeit am häufigsten ausüben. Aus Afrika haben 9 Organisationen über Aktivitäten in Tansania und
7 in Uganda berichtet. In Asien sind Indien und Myanmar die Länder, in denen die NROs am aktivsten sind.
Weitere Schwerpunktländer sind Bolivien (5), Kenia (5), Australien (4), die Ukraine (4) und Indonesien (4).
Die vollständige Liste der Länder finden Sie im Folgenden.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 12: Tätigkeitsfelder oder -regionen (N=70)
46%
36%
33%
26%
37%
29%
16%
14%
46%
39%
31%
29%
34%
26%
10%
14%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
40%
45%
50%
Schon Aktiv
Zukünftiger Wunsch

41
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 13: Tätigkeitsländer (N=70)
Indien
7
Tansania
9
Bolivien
5
Kenia
5
Australien
4
Ukraine
4
Indonesien
4
Papua-
Neuguinea
4
Sri Lanka
3
Syrien
3
Irak
3
Russland
3
Demokratische
Republik Kongo
3
Argentinien
3
Guatemala
3
Bangladesch
2
Italien
2
Peru
2
Mongolei
2
Lybien
2
Nigeria
2
Äthiopien
2
Somalia
2
Guyana
1
China
1
Israel
1
Paraguay
1
Burkina
Faso
1
Japan
1
Algerien
1
Kuba
1
Jemen
1
Südafrika
1
Sudan
1
Brasilien
1
Belarus
1
Griechenland
1
Bosnien und
Herzegowina
1
Elfenbein-
küste
1
Thailand
1
Malawi
1
VAE
1
Togo
1
Ungarn
1
Slowakei
1
Ghana
1
Ecuador
1
Libanon
2
Nicaragua
1
Neuseeland
1
Mosambik
1
El Salvador
2
Tschechien
2
Kamerun
1
Chile
2
Madagaskar
2
Burundi
2
Frankreich
2
Vietnam
2
Gambia
2
Haiti
2
Republik
Kongo
2
Österreich
2
Palästinensische
Gebiete
2
Mali
4
Afghanistan
3
Philippinen
3
Sierra Leone
3
Uganda
7
Myanmar
7

42
Bei den institutionellen Partnerschaften antworteten fast 80 % der Organisationen, dass sie mit anderen
gemeinnützigen Organisationen (32 %) (z. B. Vereine, Dachverbände) zusammenarbeiten, was auf die
Bedeutung von Vernetzung und des Austauschs von Informationen und Erfahrungen innerhalb der
Gruppe hinweist. Weitere, höhere Prozentsätze wurden bei kommunalen Einrichtungen und Ämtern (z. B.
Jugendämtern, Schulen) (44 %) und Universitäten (40 %) beobachtet.
Hinsichtlich der Ziele dieser Partnerschaften erklärten 76 % der entwicklungspolitischen NROs, der
Hauptgrund sei die Entwicklung von Projekten und Angeboten.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 14: Institutionelle Partnerschaften (N=70)
27%
11%
17%
26%
40%
44%
79%
0%
10
0% 30
0% 50
0% 70
0% 90%
Mit anderen
Mit Freiwilligenagenturen
Mit privatwirtschaftlichen Unternehmen
Mit staatlichen Organen (z.B. Ministerien)
Mit Universitäten
Mit kommunalen Einrichtungen und Ämtern (z.B.
Jugendämtern, Schulen)
Mit anderen gemeinnützigen Organisationen (z.B.
Vereine, Dachverbände)
%2%2
%2%4
%2%6
%2%8

43
6.1.2 Mitglieder, freiwillig Engagierte und Hauptamtliche
Die in der Studie untersuchten entwicklungspolitischen NROs haben im Durchschnitt 21 aktive Mitglieder und
59 fördernde Mitglieder aus der Gesamtzahl der tätigen Menschen in den Organisationen. Betrachtet man
die Daten über ehrenamtlich Engagierte, so ist die durchschnittliche Anzahl der aktiven Mitglieder 11 und die
anderer Freiwilliger 10. Unter den Freiwilligen sind durchschnittlich 61 % Frauen und die durchschnittliche
Gesamtarbeitszeit pro Woche umfasst 31 Stunden. Zudem berichteten die entwicklungspolitischen
NROs über durchschnittlich 12 hauptamtlich Beschäftigte. Davon sind durchschnittlich 66 % Frauen
und die durchschnittliche Gesamtzahl der Arbeitsstunden pro Woche beträgt 249. Letztlich, in Hinblick
auf die Zusammensetzung der NROs, liegt die durchschnittliche Anzahl engagierter Personen mit
Migrationshintergrund bei 5. Davon sind 61 % Frauen, und die Gesamtarbeitszeit pro Woche entspricht
durchschnittlich 56 Stunden. Diese Informationen sind in der nächsten Tabelle zusammengefasst.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 15: Ziele der Zusammenarbeit mit Partnern (N=70)
5%
2%
14%
14%
15%
19%
76%
0%
10
0% 30
0% 50
0% 70
0%
Sonstiges
Die Zusammenarbeit verschafft uns einen
Wettbewerbsvorteil
Die Zusammenarbeit ermöglicht uns eine
bessere kommunale Verankerung
Wir erschließen über Kooperationen
zusätzliche Finanzquellen
Wir erreichen neue Mitglieder und freiwillig
Engagierte
Wir kommen mit den Zielgruppen unserer
Arbeit besser in Kontakt
Wir entwickeln mit Partnern gemeinsame
Projekte und Angebote
%4%2
%4%4
%4
%6
%4%8

44
Seit 2015 haben die Organisationen folgende Entwicklungen in Bezug auf die Zahl ihrer Mitglieder,
Ehrenamtlichen, hauptamtlichen Mitarbeiter und Menschen mit Migrationshintergrund registriert. Bei fast
der Hälfte der Organisationen (48 %) ist die Zahl der Mitglieder gesunken oder gleich geblieben. 46 % der
Organisationen antworteten weiterhin, dass die Zahl ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter zurückgegangen
oder gleich geblieben ist. Ein großer Teil (42 %) der NROs nannte ebenfalls, dass sie keine hauptamtlichen
Mitarbeiter haben, was die geringe Professionalisierung innerhalb des Sektors reflektiert.
5
Bei der Analyse der durchschnittlichen Anzahl aktiver Mitglieder und Fördermitglieder wurden zwei
Ausreißerantworten aus den Ergebnissen herausgenommen. Die Aufnahme dieser Antworten würde zu
einem Ergebnis von 39 aktiven Mitgliedern und 85 Fördermitgliedern aus der Gesamtzahl der aktiven
Menschen führen.
Quelle: Eigene Darstellung.
Tab. 16: Informationen zur Personalzusammensetzung der Organisationen (Anzahl im Durchschnitt) (N=52)
Menschen
5
Beschäftigte
Personen mit
Aktive
Mitglieder
Förder-
mitglieder
Aktive
Mitglieder
Andere
12
5
21
59
11
10
Weiblich
Männlich
Divers
Weiblich
Männlich
Divers
Weiblich
Männlich
Divers
61%
38%
1%
64%
35%
1%
61%
37%
2%
Gesamte Arbeitskraft pro Woche in Stunden
31
249
56
H
Migrationshintergrund
Freiwillig Engagierte
Freiwillige
hauptamtlich

45
6.1.3. Finanzen
Was die finanziellen Aspekte der Organisationen betrifft, so lagen mehr als zwei Drittel (68 %) ihrer
Einnahmen im Haushaltsjahr 2019 zwischen 20.000 und 1 Million Euro. Nur 3 % der Organisationen hatten
Einnahmen von mehr als 1 Million Euro, und 22 % der NROs hatten im Haushaltsjahr 2019 Einnahmen von
weniger als 10.000 Euro.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 16: Entwicklung der Mitgliederzahl und der Zahl der Ehrenamtlichen, hauptamtlichen Mitarbeiter und
Personen mit Migrationshintergrund seit 2015 (N=50)
32%
36%
44%
40%
6%
4%
8%
2%
28%
16%
38%
46%
24%
42%
6%
8%
10%
2%
4%
4%
0%
20
0%
60
0%
100%
Personen mit Migrationshintergrund
Hauptamtlich Beschäftigte
Freiwillig Engagierte
Mitglieder
gestiegen
gesunken
unverändert
haben wir nicht
unbekannt
%4 %4
%4 %8

46
Wie die nächste Grafik zeigt, stammt die Mehrheit der Einnahmen der Organisationen im Haushaltsjahr
2019 aus zwei Quellen: Öffentliche Fördermittel (36 %) und Spenden (34 %).
Quelle: Eigene Darstellung.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 17: Gesamteinnahmen im Haushaltsjahr 2019 (in Euro) (N=40)
Abb. 18: Einnahmequellen im Haushaltsjahr 2019 (N=39)
23%
8%
33%
35%
3%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
40%
Bis 10.000
10.001 bis
20.000
20.001 bis
100.000
100.001 bis 1
Million
Mehr als 1
Million
11%
34%
36%
6%
13%
Mitgliedsbeiträge
Spenden
Öffentliche Fördermittel
Fördermittel anderer
Organisationen
Sonstiges

47
6.2 Ehrenamtliches und privates Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit
6.2.1 Allgemeine Fragen des Engagements
Bei den NROs der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in Sachsen scheint ein langfristiges
Engagement die Tendenz zu sein. Fast die Hälfte (49 %) der Freiwilligen und Mitglieder gaben an, dass
sie bereits seit 10 oder mehr Jahren in den Aktivitäten ihrer Organisation engagiert sind. Diese Daten
reflektieren auch die Herausforderung für die Organisationen, neue Mitglieder, insbesondere unter der
Jugend, zu gewinnen.
Betrachtet man die Entwicklung der Einnahmen seit 2015, so ist es interessant zu beobachten, dass
mehr als die Hälfte der Organisationen berichtet, dass die Höhe der Spenden (59 %) und der öffentlichen
Fördermittel (51 %) – ebenfalls die wichtigsten Einnahmequellen – gestiegen ist.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 19: Entwicklung der Einnahmen seit 2015 (N=39)
21%
31%
51%
59%
8%
3%
3%
5%
10%
21%
23%
18%
26%
72%
45%
38%
21%
8%
10%
11%
5%
10%
3%
0%
20
0%
60
0%
100%
Vermögenserträge
Fördermittel anderer Organisationen
Mitgliedsbeiträge
Öffentliche Fördermittel
Spenden
gestiegen
gesunken
unverändert
haben wir nicht
unbekannt
%4
%4
%4
%8

48
6.2.2 Konkrete inhaltliche Aufgaben
Die Art der Tätigkeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter in den NROs ist sehr vielfältig und umfasst verschiedene
Aktivitäten. Auch wenn es schwierig ist, einen bestimmten Trend zu erklären, könnte dies darauf hindeuten,
dass die Freiwilligen nicht nur für eine bestimmte Aufgabe eingesetzt werden, sondern aufgrund der
Nachfrage mehrere Tätigkeiten ausüben.reflektieren auch die Herausforderung für die Organisationen,
neue Mitglieder, insbesondere unter der Jugend, zu gewinnen.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 20: Dauer des Engagements (N=79)
3%
11%
10%
15%
8%
4%
49%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
Unter 1
Jahr
1 bis unter
2 Jahre
2 bis unter
4 Jahre
4 bis unter
6 Jahre
6 bis unter
8 Jahre
8 bis unter
10 Jahre
10 Jahre
oder mehr

49
Im Vergleich der Aktivitäten der ehrenamtlichen Mitarbeiter mit den Zielen der Vereinten Nationen für
nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind deutliche Synergien zu beobachten. Sowohl die Aufgaben als auch die
Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter sind mit mehreren SDGs verbunden. Die drei häufigsten Aktivitäten,
von denen mehr als 10% der Freiwilligen berichten, stehen im Zusammenhang mit den Zielen 4 (
Hochwertige
Bildung
), 1 (
Keine Armut
) und 10 (
Weniger Ungleichheiten
). Die Aktivitäten sind jedoch über das gesamte
Themenspektrum der SDGs weit verbreitet, was die Interdependenzen zwischen den Zielen reflektiert.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 21: „Was ist der Inhalt Ihrer eigenen Tätigkeit? Geht es überwiegend...“ (N=75)
3%
0%
3%
3%
4%
5%
6%
7%
9%
9%
11%
11%
14%
15%
0%
2%
4%
6%
8%
10
2% 14
6%
Sonstiges
um meine Unterstützung als Fördermitglied
um persönliche Hilfeleistungen
um Interessenvertretung und Mitsprache
um Fundraising
um Beratung
um pädagogische Betreuung oder die Anleitung
einer Gruppe
um praktische Arbeiten, die geleistet werden
müssen
um die Organisation und Durchführung von
Projekten mit Pa
um Verwaltungstätigkeiten
um Fördermittelbeschaffung
um Vernetzungsarbeit
um Informations- und Öffentlichkeitsarbeit
um die Organisation und Durchführung von Treffen
oder Veranstaltungen
%1%1
%1%1
rtnerorganisationen im Globalen…
Süden

image
image
50
6.2.3 Motivation des Engagements
Der Hauptimpuls für das ehrenamtliche Engagement der NRO im Bereich der politischen
Entwicklungszusammenarbeit in Sachsen stammt unserer Umfrage zufolge aus der persönlichen
Motivation der Menschen. 37 % der Befragten antworteten, dass ihre Motivation aktiv zu werden aus
persönlicher Erfahrung resultiert. Auch persönliche Verbindungen sind wichtige Faktoren, die den Impuls
für ehrenamtliches Engagement liefern. 23 % der Befragten gaben an, dass der Impuls von Freunden
oder Bekannten ausging, während 18 % ihre Beziehungen zu leitenden Personen aus den Gruppen oder
Organisationen betonten. Nur ein kleinerer Teil der Freiwilligen nannte, dass sie aufgrund von Informations-
und Kontaktstellen (8 %) oder Hinweisen aus der Presse, dem Rundfunk oder dem Fernsehen (4 %) aktiv
wurden.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 22: „Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2015 die Agenda 2030 beschlossen. Dies sind die 17 Nach-
haltigkeitsziele („¨Sustainable Development Goals – SDGs¨). Bitte ordnen Sie ein, zu welchen Zielen Ihre
Aufgabe am besten passt.“ (N=75)

51
Die Tätigkeit im Rahmen der NROs spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau wichtiger Fähigkeiten für die
ehrenamtlichen Mitarbeiter. 95 % der Befragten sind der Meinung, dass ihre Tätigkeit in sehr hohem (29
%), hohem (36 %) oder gewissem (30 %) Umfang zum Erwerb wichtiger Fähigkeiten beiträgt.
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 23: „Woher kam für Sie damals der Anstoß, die Tätigkeit zu übernehmen? Der Anstoß kam...“ (N=79)
6%
3%
4%
8%
18%
23%
37%
10
15
20
25
30
35
40
Sonstiges
von Mitgliedern meiner Familie, die dort schon
aktiv waren
von Hinweisen aus der Presse, dem Rundfunk
oder dem Fernsehen
von einer Informations- und Kontaktstelle
von leitenden Personen aus der Gruppe oder
Organisation, in der ich tätig bin
von Freunden oder Bekannten, die dort schon
aktiv waren
von eigenen Erlebnissen oder Erfahrungen,
die mich bewogen haben, aktiv zu werden
05%05%
%
%
%
%
%
%
%

52
Unter Berücksichtigung des Bildungshintergrunds verfügen 59% der Freiwilligen einen (Fachhochschul-/)
Hochschulabschluss (Bachelor/Master). In niedrigeren Prozentsätzen folgen die weiteren Qualifikationen:
Abitur (allgemeine Hochschulreife), fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife (15%); Lehre/
Berufsausbildung (10%); Fachhochschul-/ Hochschulabschluss (Promotion) (9%); Realschulabschluss
(Mittlere Reife, Fachoberschulreife o.ä.) (6%); und Hauptschulabschluss (1%).
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 24: „In welchem Umfang haben Sie durch Ihre Tätigkeit Fähigkeiten erworben, die für Sie wichtig
sind?“ (N=69)
29%
36%
30%
3%
1%
0%
0%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
40%

53
Quelle: Eigene Darstellung.
Abb. 25: Bildungsabschluss (N=69)
6
Die SWOT-Analyse stammt aus dem Bereich der Betriebswirtschaft und ist eine Methode der strategischen
Planung. Das Akronym auf English steht für „Strengths“ (Stärken), „Weaknesses“ (Schwächen), „Opportunities“
(Chancen) und „Threats“ (Bedrohungen).
7. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
7.1 SWOT-Analyse
Unter Berücksichtigung der oben dargestellten Ergebnisse ist es möglich, die Stärken, Schwächen, Chancen
und Risiken im Zusammenhang mit der Tätigkeit entwicklungspolitischer NROs in Sachsen aus der Sicht
des Freistaates Sachsen, der Netzwerke sowie der Organisationen zu identifizieren. Diese Informationen
lassen sich mithilfe der Struktur einer SWOT-Analyse
6
abgrenzen.
Auf der Grundlage der SWOT-Analyse können Empfehlungen für die strategische Optimierung der
Tätigkeit von entwicklungspolitischen NROs entwickelt werden. Ziel der SWOT-Analyse ist es, das positive
Nachhaltigkeitspotenzial von Stärken und Chancen zu maximieren und gleichzeitig mögliche negative
Auswirkungen von Schwächen und Risiken zu reduzieren oder zu eliminieren (Möller et al., 2012, S. 2). Auf
diese Weise dient die SWOT-Analyse als zentrales Instrument in der Kommunikation der Studienergebnisse
1%
6%
15%
10%
59%
9%
Hauptschulabschluss
Realschulabschluss (Mittlere Reife,
Fachoberschulreife, o.Ä.)
Abitur (allgemeine Hochschulreife),
fachgebundene Hochschulreife oder
Fachhochschulreife
Lehre/Berufsausbildung
(Bachelor/Master)
(Promotion)
Fachhochschul-/Hochschulabschluss
Fachhochschul-/Hochschulabschluss

54
Tab. 17: SWOT-Analyse im Zusammenhang mit der Tätigkeit entwicklungspolitischer NROs im Freistaat Sachsen
STÄRKEN
Aus der Sicht des Freistaates Sachsen:
• Beitrag zur positiven Imagebildung für den Freistaat Sachsen als offenes und internationales
deutsches Bundesland.
• Wichtiger Bestandteil des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ (WOS).
• Beitrag zur Bildung des Sozialen Kapitals und Förderung des solidarischen Denkens in Sachsen.
• Beitrag zur Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs).
• Etablierte, gute Zusammenarbeit mit der Stiftung Nord-Süd-Brücken und Entwicklungspolitisches
Netzwerk Sachsen e.V. (ENS).
Aus der Netzwerkperspektive:
• Große Anzahl und gut etabliertes Netzwerk von entwicklungspolitischen NROs in Sachsen.
• Landesweite, lang etablierte Bildungsarbeit und internationale Solidaritätsarbeit.
• Baustein im Rahmen der Antirassisssmusarbeit und der Förderung der Demokratie.
Aus der Sicht der Organisationen:
• Großes Engagement und hohe Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit für Mitglieder, freiwillig
Engagierte und Hauptamtliche.
• Sensibilisierung für die Entwicklungszusammenarbeit und die Herausforderungen der Länder des
Globalen Südens.
• Förderung des nachhaltigeren Konsums.
• Sensibilisierung für ein holistisches Verständnis der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs).
CHANCEN
Aus der Sicht des Freistaates Sachsen:
• Stärkung der Unterstützung des Freistaates Sachsen für die Entwicklungszusammenarbeit und die
Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.
• Verstärkung der Zusammenarbeit insbesondere mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und weiteren entwicklungspolitisch tätigen Bundesressorts.
Aus der Netzwerkperspektive:
• Positiver Einfluss und Entwicklung des „Eine Welt-Promotor*iInnen-Programms“ insbesondere im
Bereich der Schulen und in einem geringeren Ausmaß auch in der Arbeit mit Erwachsenen.
Aus der Sicht der Organisationen:
• Aufnahme globaler Fragen und Perspektiven in Regierungentscheidungen und zivilgesellschaftliche
Diskussionen.

55
SCHWÄCHEN
Aus der Sicht des Freistaates Sachsen:
• Konkurrenz mit anderen Haushaltstiteln
• Handlungsmöglichkeiten sehr begrenzt, da kleiner Budgetposten.
• Besondere Herausforderung durch die Fördernotwendigkeiten durch die COVID-19-Pandemie.
Aus der Netzwerkperspektive:
• Fokus auf Projekt- und Kampagnenförderungen und Verwaltungskostendeckelungen steht im
Widerspruch zur Notwendigkeit einer strukturellen Netzwerkförderung.
• Fehlende hauptamtliche Kapazitäten bei sehr vielen NROs für ein intensives Fundraising
• Diskrepanz zwischen den Kapazitäten im Rahmen der Netzwerkkoordination und den
Unterstützungsaufgaben für die NROs
Aus der Sicht der Organisationen:
• Häufig administrativ sehr aufwändige Förderstrukturen und Antragsverfahren.
• Schwierigkeiten, den geforderten Eigenmittelanteil aufzubringen.
• Fehlende Anerkennung.
• Schwierigkeiten bei der Suche nach dauerhaft Engagierten.
• Mangel an Personal und finanziellen Kapazitäten u.a durch zu wenige Hauptamtliche, die sich
professionell dem Schreiben von Fördermittelanträgen widmen können.
• Schwache Organisationsstrukturen der meisten NROs: zu klein, zu wenig Schultern, zu wenig
Ressourcen.
• Konkurrenz des Lebensmittelhandels bei Ffair gehandelten Produkten.
BEDROHUNGEN
Aus der Sicht des Freistaates Sachsen:
• Mangelndes gesellschaftliches Bewusstsein für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit.
• Abhängigkeit von der Kofinanzierung entwicklungspolitischer Programme und Maßnahmen der Bun
desregierung.
• Diskrepanzen in der Prioritätensetzung zwischen Sächsischer Staatsregierung und der Bundesregie
rung im Rahmen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit.
• Abhängigkeit der NROs von öffentlichen Mitteln.
Aus der Netzwerkperspektive:
• Diskrepanz zwischen Förderzeiträumen und Langfristigkeit der entwicklungspolitischen Aufgaben.
Aus der Sicht der Organisationen:
• Spendenvolumen ist in Sachsen immer noch unterdurchschnittlich.
• Diskriminierung und Unsicherheitsgefühl von entwicklungspolitischen Aktionsgruppen.
• Überalterung der Engagierten.
• Notwendigkeit immer wieder das Rad neu zu erfinden aufgrund der Zeithorizonte der Förderpro
gramme (3 bis max. 5 Jahre ).
• Wandel des Engagements jüngerer Menschen zu informelleren und kürzeren, aktionsbezogenen Tätig
keiten und in der Folge sich verschlechternde Planbarkeit von Ressourcen bei mehrjährigen Projekten.

image
image
56
7.2. Empfehlungen
Angesichts der in der SWOT-Analyse aufgezeigten Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Tätigkeiten
entwicklungspolitischer Organisationen in Sachsen lassen sich folgende Empfehlungen für den Freistaat
Sachsen, Netzwerke, Organisationen, und weitere gesellschaftliche Akteure formulieren.
7.2.1 Für den Freistaat Sachsen
Interministerieller Dialog zum Thema entwicklungspolitische Zusammenarbeit
Die Einrichtung einer ständigen interministeriellen Arbeitsgruppe zum Thema
politische Entwicklungszusammenarbeit wäre ein wichtiger Schritt zur
Stärkung und Aufwertung des Bereichs innerhalb der sächsischen
Landesregierung. Die interministerielle Arbeitsgruppe würde auch als
Instrument dienen, um die verschiedenen Programme und Aktivitäten
der Ministerien besser zu koordinieren und gleichzeitig die Nutzung
ihrer Synergien zu ermöglichen, um ganzheitlicher alle Aktivitäten der
sächsischen Staatsregierung zur Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele
der Vereinten Nationen (SDGs) zu verzahnen. Darüber hinaus würde diese Struktur die Suche nach
gemeinsamen Ansatzpunkten für Bundesprogramme und entsprechende Finanzierungen vereinfachen. Die
interministerielle Arbeitsgruppe könnte z. B. vierteljährliche Sitzungen abhalten, um gemeinsame Themen
und Punkte von Interesse zu diskutieren. Im Interesse eines Ansatzes der partizipativen Demokratie sollten
die entwicklungspolitischen NROs mindestens einmal jährlich an einer Sitzungen zum Austausch von
Erfahrungen, Forderungen und Erwartungen beteiligt werden.
Einfacheres und entbürokratisiertes Antragsverfahren
Eine gemeinsame Herausforderung der entwicklungspolitischen
Organisationen in Sachsen ist der bürokratische Aufwand bei der Beantragung
und Abrechnung von Projekten und Fördermitteln, präzisiert in der Richtlinie
der Sächsischen Staatskanzlei zur Förderung der interregionalen und
grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und des europäischen Gedankens
(RL Internationale Zusammenarbeit) vom 28. Februar 2019
7
. Positiv wird
dabei die Zusammenarbeit mit der Stiftung Nord-Süd-Brücken und
Engagement Global erwähnt. Kirchliche Interviewpartner heben zudem die
Bedeutung der kirchlichen Hilfswerke und der anlassbezogenen Kollekten
hervor. Insgesamt kritisieren die NROs vor allem die übermäßige Komplexität der Formulare und der zu
erfüllenden Nachweispflichten. Beim Kofinanzierungsmodell haben Organisationen Schwierigkeiten
damit, dass verschiedene Formulare und Dokumente entsprechend den Anforderungen der verschiedenen
Fördermittelgeber mehrfach ausgefüllt werden müssen und jeder institutionelle Fördermittelgeber einer
eigenen Beantragungs- und Rechenschaftslogik folgt. Eine weitere Herausforderung ergibt sich, wenn die
Finanzierungstranchen teilweise zu klein sind und Organisationen mehrere kleine Finanzierungsanträge
ausfüllen müssen, um den notwendigen Betrag für eine effektive Projektdurchführung zu erreichen. Dies ist
vor allem für kleinere Organisationen ohne hauptamtliches Personal eine Belastung, da sie oft nicht über die
notwendige Zeit und die personellen Ressourcen verfügen, um sich der unter Finanzierungsgesichtspunkten
7
Weitere Informationen unter
https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/18045-RL-Internationale-
Zusammenarbeit#ef

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notwendigen Antragsstellung zu widmen. Angesichts dieser Situation könnten die Antragsverfahren
vereinfacht werden, indem ein gemeinsames Verfahren mit den Kofinanzierungsträgern vereinbart und die
Finanzierungstranchen erhöht werden. Eine weitere Möglichkeit wäre die Entwicklung eines mehrstufigen
Antragsverfahrens. Bei diesem Modell würden die Organisationen zunächst aufgefordert, vereinfachte und
kurze Vorschläge zur Vorauswahl durch die Förderorganisationen einzureichen. In einer zweiten Phase
würden ausgewählte Organisationen dann gebeten, einen Vollantrag einzureichen, wobei sich aus der
Aufforderung noch keine provisorische Förderzusage ableiten lässt.
Fortsetzung des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ (WOS) inklusive
einer besseren Verzahnung mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs)
Das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“
(WOS) spielt eine wichtige Rolle bei der Stärkung des zivilgesellschaftlichen
Engagements für eine demokratische Kultur und gibt weitere Impulse für die
Integration und Koordination aus verschiedenen Projekten und Initiativen
des Nonprofit-Sektors in der Region. Um das positive Image des Freistaates
Sachsen als offenes und tolerantes Bundesland weiter auszubauen, könnte das
Programm aufgestockt und enger mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten
Nationen (SDGs) verknüpft werden. Die Ziele 4 (
Hochwertige Bildung
), 10
(Weniger Ungleichheiten), 16 (
Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
) und 17 (
Partnerschaften
zur Erreichung der Ziele
) sind schon heute besonders relevant für die entwicklungspolitischen NROs in
Sachsen. Neben der Stärkung des Engagements des Freistaates Sachsen für die Agenda 2030 der Vereinten
Nationen bietet die Verbindung des Programms mit den SDGs einen interessanten Rahmen von Indikatoren
und Leitlinien für die Auswahl und Bewertung der geförderten Projekte und Initiativen.
Weitere Unterstützung für entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit
Wie aus der Studie hervorgeht, ist die allgemeine Wahrnehmung der
hauptamtlichen Mitarbeiter und der Ehrenamtlichen in den NROs, dass die
entwicklungspolitische Zusammenarbeit in Sachsen noch relativ unbekannt
ist, und dass die Menschen oft nicht hinreichend für Eine-Welt-Themen offen
sind, obwohl beispielsweise die produktbezogenen Kampagnen (Fairer Kaffee,
Faire Baumwolle, etc.) in sehr anschaulicher Weise das individuelle Handeln mit
privaten Konsummustern verbinden. Um das gesellschaftliche Engagement in
Sachsen zu verstärken, sollte die entwicklungspolitische Informations- und
Bildungsarbeit weiter ausgebaut werden. Ein sehr gelungenes Beispiel für eine
solche Zusammenarbeit ist das sächsische Online-Portal Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Das
„Eine Welt-Promotor*iInnen-Programm“ sollte noch stärker in die Regionen expandiert und die Aktivitäten
des Entwicklungspolitisches Entwicklungspolitischen Netzwerks Sachsen e.V. (ENS) weiter gefördert
werden. Der Zugang zu Informationen über Möglichkeiten des Engagements kann sich auch als vorteilhaft
erweisen, um das zivilgesellschaftliche Interesse an der Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit zu
erhöhen. In diesem Sinne ist auch die sächsische Online-Engagementbörse eine positive Entwicklung. Auch
die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) bieten eine interessante Möglichkeit,
Themen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in die Informations- und Bildungsarbeit zu
integrieren. Unsere Studie verdeutlicht die Synergien zwischen der Arbeit der entwicklungspolitischen
Organisationen und der SDGs, insbesondere die Ziele 4 (Hochwertige Bildung), 1 (Keine Armut) und 10
(Weniger Ungleichheiten). Diese Schwerpunktthemen sollten in der Bildungsarbeit in Kooperation mit den
entwicklungspolitischen Organisationen weiter vertieft werden.

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7.2.2 Aus der Netzwerkperspektive
Beratungs- und Mentorenprogramme zum Aufbau organisatorischer Kapazitäten in NROs
Die begrenzten organisatorischen Kapazitäten der entwicklungspolitischen
NROs in Sachsen – insbesondere kleiner Organisationen und der Eine-Welt-
Läden mit Ihrer Doppelfunktion als Laden und bildungspolitischer Akteur
ist ein Problem bei der Beantragung von Fördermitteln, der Formulierung
von Projekten, bei der Projektabrechnung und der Durchführung von
Interessenvertretungs- und Vernetzungsaktivitäten. Um die organisatorischen
und technischen Kapazitäten der entwicklungspolitischen NROs in Sachsen
kurz- und langfristig zu verbessern, sollten Netzwerke Beratungs- und
Mentoringprogramme für die Organisationen anbieten. Neben thematischen
Fragen könnten Netzwerke die NROs bei der Suche nach Fördermöglichkeiten, der Verbesserung der
Kommunikationsstrategien sowie der Umsetzung und Auswertung von Projekten unterstützen. Dies würde
den Nonprofit-Sektor in der Region stärken und sicherstellen, dass die entwicklungspolitischen NROs ihre
Tätigkeit fortsetzen.
Erweiterte Partnerschaften
Die Verbindung mit Partnern auf regionaler und nationaler Ebene ist ein
positives Merkmal der entwicklungspolitischen Netzwerkarbeit in Sachsen.
Ergänzend zur Initiierung der lokalen Vernetzung sollte das Potenzial
grenzüberschreitender Partnerschaften intensiver genutzt werden. Die
Entwicklung direkter Partnerschaften mit multilateralen Organisationen und
der Zivilgesellschaft in unmittelbaren Nachbarländern und der Europäischen
Union sollte gestärkt werden. Durch die Zusammenarbeit mit transnationalen
Akteuren kann der Nonprofit-Sektor in Sachsen seine Stärken und Verbindungen
nutzen, um durch gemeinsame Initiativen, Kampagnen und Veranstaltungen
mehr Einfluss auf Entscheidungsträger auszuüben.
Fortsetzung der Beteiligung an Aktionsprogrammen zur Verwirklichung der Ziele der Vereinten Nationen
(SDGs)
Zivilgesellschaftliche Netzwerke sind besonders wichtige Akteure für die
Umsetzung und Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen
(SDGs). Zusammen mit NROs spielen die Netzwerke eine wichtige Rolle
bei der Umsetzung internationaler Verpflichtungen der Länder in lokale
Realitäten und vermitteln gleichzeitig die Bedeutung und den Inhalt der
SDGs einem breiteren und nicht spezialisierten Publikum. Es gibt viele
verschiedene Möglichkeiten, wie Netzwerke die SDGs unterstützen können, z.
B. durch die Teilnahme an den lokalen und regionalen Umsetzungsprozessen,
die Überwachung der Umsetzung der SDGs im öffentlichen Sektor und in
Unternehmen, oder die Nutzung der SDGs als Rahmen für eigene Projekte und Aktivitäten. Wichtig für
die Netzwerke ist es, dass die SDGs als wirkungsvolle Instrumente dienen können, um auch ihre eigenen
Agenden und Interessen voranzubringen.

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Innovative Finanzierungsmodalitäten
Der Mangel an Finanzierung und Ressourcen ist ein Dauerproblem der
entwicklungspolitischen Organisationen in Sachsen. Obwohl die meisten der in
dieser Studie befragten Organisationen auf traditionelle Einkommensquellen
wie Spenden und öffentliche Fördermittel zurückgreifen, könnten durch
innovative Finanzierungsinstrumente wie beispielsweise das „Crowdfunding“
den NROs zusätzliche Mittel zur Entwicklung und Verbesserung ihrer
Aktivitäten zur Verfügung stehen. Allerdings verfügen die Organisationen in
Sachsen nur über sehr begrenzte Kenntnisse in diesem Bereich und es fehlt
ihnen an den notwendigen Fähigkeiten, Fachkenntnissen und Strukturen,
um potenziell geeignete Instrumente zu verstehen und erfolgreich umzusetzen. In diesem Sinne sollten
Netzwerke und Fördermittelgeber NROs unterstützen, indem sie den Zugang zu Informationen verbessern,
Wissen verbreiten und sie mit Geldgebern und potenziellen Partnern in Verbindung bringen. Überlegenswert
ist auch, wie verstärkt Partnerschaften mit großen Unternehmen zur Verwirklichung der SDGs eingegangen
werden können, wobei dies während einer Pandemie besonders herausfordernd ist.
7.2.3 Für die Organisationen
Veränderung der Rekrutierungsstrategien
Das Profil des Engagements im Nonprofit-Sektor hat sich in den letzten
Jahren stark verändert. Gerade in entwicklungspolitischen Organisationen ist
der Impuls für das Engagement und die Entwicklung von Tätigkeiten stärker
an persönliche Erfahrungen und Interessen gebunden, wie z. B. der direkte
Kontakt zu Schwerpunktthemen, Zielgruppen und Regionen, und weniger an
den Einfluss von Familienmitgliedern. Darüber hinaus nimmt das spontane,
kurzfristige und informelle Engagement zu, vor allem bei der Jugend. Der Erfolg
der globalen Klimastreikbewegung „Fridays for Future“ illustriert diesen Trend.
Angesichts des Problems der Überalterung und der Schwierigkeiten, neue
Mitglieder und Freiwillige zu gewinnen, ist es für die Organisationen wichtig, ihre Rekrutierungsstrategien
anzupassen, insbesondere in Bezug auf Jugendliche oder Menschen mit Migrationshintergrund.
Mehr Kooperation (trotz Pandemie und Konkurrenz) ist notwendig
Die COVID-19-Krise hat die Herausforderungen für Vernetzungsaktivitäten
und für die Öffentlichkeitsarbeit erhöht, aber auch die Möglichkeit der
Zusammenarbeit durch digitale öffentliche Räume eröffnet. Online-
Veranstaltungen, Workshops und Kampagnen ermöglichen neue Wege
zur Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch. In Bezug auf Projekte
und Anträge könnten entwicklungspolitische Organisationen stärker
zusammenarbeiten, insbesondere wenn sie in denselben Regionen und mit
ähnlichen Schwerpunktthemen arbeiten. Es wäre sinnvoll, gemeinsam mit
wichtigen Netzwerken und Partnern eine Online-Plattform oder Datenbank
zu entwickeln, auf der NROs und Geldgeber sehen könnten, wo und mit
welchen Schwerpunktthemen andere Organisationen arbeiten.

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60
Systematischere Vernetzung
Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch sind für die Arbeit der
entwicklungspolitischen Organisationen und die Entwicklung des Nonprofit-
Sektors in Sachsen unerlässlich. Die verschiedenen entwicklungspolitischen
NROs sind jedoch oft klein und die kontinuierliche Arbeit ruht auf den
Schultern einiger weniger Personen. Um lokal an Schlagkraft zu gewinnen,
ist eine intensivere Vernetzung für die Anliegen der internationalen
Solidaritäts- und Bildungsarbeit notwendig. Die lokalen Akteure kennen sich
meist, allerdings sollte die derzeitige Situtation des informellen Wissens über
die Arbeit anderer NROs auf lokaler Ebene zugunsten einer systematischen
lokalen Vernetzungsarbeit geändert werden, beispielsweise durch einen gemeinsamen themenbezogenen
Aktionstag, auch um die wertvolle Arbeit der NROs sichtbarer zu machen.
Aktivierung der zivilgesellschaftlichen Ressourcen
Das Unterstützungsnetzwerk der entwicklungspolitischen NROs in Sachsen
ist angesichts der vielfältigen Aufgaben und Aktivitäten häufig zu klein. Hier
sollten die NROs systematischer und strategischer darüber nachdenken, auf
welche Ressourcenquellen sie zurückgreifen können. Kenntnisse der „Digital
Natives“ über elektronische Datenverarbeitung (EDV) und ihr Wissensstand
über Tendenzen und Veränderungen sowohl im digitalen als auch im
multikulturellen Bereich auf nationaler und internationaler Ebene sind
Beispiele dafür. Weitere interessante Beispiele sind die Pro-Bono-Arbeit von
Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern oder das aktive Zugehen an Service-
Clubs (Rotary, Lions usw.) oder lokal bedeutende Akteure.
7.2.4 Für weitere gesellschaftliche Akteure
Entdeckung des Potentials der entwicklungspolitischen Organisationen in Sachsen
Die Integration wichtiger Akteure und Themen der internationalen Zusam-
menarbeit in die sächsische Gesellschaft ist immer noch gering, obwohl es
in den letzten Jahren positive Entwicklungen gegeben hat. Wenn Akteure
wie Kommunen, Schulen, Universitäten, Unternehmen u.a. ihr Engagement
zur nachhaltigen Entwicklung verstärken wollen, sollten sie mit entwick-
lungspolitischen Organisationen in Sachsen zusammenarbeiten und von
deren bereits vorhandenen Fachkenntnissen, Erfahrungen und Potenzial
profitieren. Angesichts der Dimension unserer globalen Herausforderun-
gen gibt es keinen gesellschaftlichen Sektor, der aus eigener Initiative die
notwendige Wirkung für die Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten
Nationen erreichen könnte.

61
8. Fazit
Die Tätigkeit der entwicklungspolitischen Organisationen in Sachsen ist noch ein verborgener Schatz. Trotz
der Herausforderungen für viele der NROs ist das Gesamtbild unserer Studie, dass der Nonprofit-Sektor
im Bereich der internationalen Zusammenarbeit in Sachsen ein großes Potenzial für die Umsetzung der
SDGs der Vereinten Nationen, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene, die Bildung von
Sozialkapital und den Aufbau eines positiven Images für die Region bietet.
Dieses Potenzial ist jedoch weiter zu kultivieren und zu unterstützen. Der öffentlichen Hand, den regionalen
Netzwerken, den Organisationen selbst und anderen wichtigen gesellschaftlichen Akteuren fällt eine wichtige
Rolle und Verantwortung für die Fortsetzung und Stärkung des entwicklungspolitischen Engagements in
Sachsen zu. Diese Studie hat versucht, einen Überblick zu vermitteln und einige der Möglichkeiten zu
erläutern, wie diese verschiedenen Segmente der Gesellschaft zusammenarbeiten können. Da sich unsere
globalen sozioökonomischen, politischen und ökologischen Herausforderungen rasch verändern, ist es
ebenfalls von größter Bedeutung, dass sich auch der Nonprofit-Sektor in Sachsen und Deutschland weiter
entwickelt.
In weiteren Studien könnte versucht werden, den Zusammenhang zwischen den Erfolgsfaktoren und
Wirkungen entwicklungspolitischer Organisationen in Sachsen zu analysieren, wobei der Schwerpunkt auf
den Hindernissen und Innovationsprozessen liegen könnte. Dies könnte auch eine interessante Perspektive
dafür bieten, wie die Effizienz und Effektivität der Tätigkeit der NROs verbessert werden kann.

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64
Herausgeber:
UNU-FLORES
Ammonstrasse 74, 01067 Dresden
Autoren
*
:
Prof. Dr. Edeltraud Günther, Universität der Vereinten Nationen – Institut für integriertes
Materialfluss- und Ressourcenmanagement (UNU-FLORES)
Prof. Dr. Dorothea Greiling, Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Management Accounting
M. Sc., M. P. P. Thiago Elert Soares, Universität der Vereinten Nationen – Institut für integriertes Material-
fluss- und Ressourcenmanagement (UNU-FLORES)
Telefon: +49 351 892193 70
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Auftraggeber:
Die vorliegende Analyse entstand im Auftrag des Freistaates Sachsen, vertreten durch die Sächsische
Staatskanzlei, Archivstraße 1, 01097 Dresden
Redaktionsschluss:
Februar 2021
Bezug:
Den Bericht finden Sie auch als Download unter publikationen.sachsen.de.
Fotonachweis:
Foto: Vienybe/Dreamstime
Gestaltung:
diamonds network GmbH
e-ISBN:
978-3-944863-84-9
* Die Autoren danken den NROs und Partnern, die sich an den Umfragen zur Studie und am Online-
Workshop vom 9. November 2020 beteiligt haben. Unser Dank geht auch an Atiqah Fairuz Salleh, Eric
Siegmund, Christina Frömder, Juliane Dziumla und Muhan Liu für ihre Beiträge und Kommentare zu
diesem Bericht. Außerdem danken wir Frau Dorothea Trappe und Herrn Willi Vetter sowie dem Team des
Entwicklungspolitischen Netzwerks Sachsen für die engagierte Mitwirkung. Und schließlich danken wir
Herrn Christoph Schmitt für die konstruktive Zusammenarbeit.