image
image
Bearbeiter:
Dr. Wolfgang Karalus
Abteilung/Referat:
Bildung, Hoheitsvollzug/Saatenanerkennung, Sortenwesen
E-Mail:
Wolfgang.Karalus@smul.sachsen.de
Telefon:
035242 631-7205
Redaktionsschluss:
15.02.2019
Internet:
www.smul.sachsen.de/lfulg
Sortenwahl bei Kartoffeln im Haus- und Kleingarten
Wichtige Kriterien bei der Sortenwahl von
Kartoffeln sind die Reifezeit, Kocheigen-
schaften und Knollenmerkmale sowie die
Lagereignung.
Reifezeit und Lagereignung
Sorten der sehr frühen Reifegruppe werden
im Juli geerntet oder sogar bereits im Juni,
wenn das Pflanzgut vorgekeimt wird und
das Auspflanzen zeitig erfolgt.
Kartoffeln der frühen Reifegruppe sind im
August erntereif und mittelfrühe Sorten ab
Anfang September.
Sorten der mittelspäten bis sehr späten Rei-
fegruppe können ab Mitte September gero-
det werden.
Als Lagerkartoffeln eignen sich Sorten mit
geringer Keimfreudigkeit.
Koch- und Speiseeigenschaften
In Abhängigkeit von den Kocheigenschaften
einer Sorte ergibt sich die Eignung für die
verschiedenen Kartoffelgerichte. Während
vorwiegend festkochende Sorten recht uni-
versell einsetzbar sind, gelingt ein Kartoffel-
salat am besten mit einer festkochenden
Sorte und ein Püree am besten mit einer
mehligkochenden Sorte.
Zu beachten ist, dass die sortentypische
Ausprägung der Koch- und Speiseeigen-
schaften deutlich von den Bodeneigen-
schaften im Garten, der Witterung und den
Anbaumaßnahmen, wie zum Beispiel Dün-
gung und Bewässerung, beeinflusst wird
und daher von Jahr zu Jahr variieren kann.
Knollenmerkmale
Kartoffelknollen unterscheiden sich bei der
Augentiefe, der Knollenform (rundoval bis
lang), der Schalenbeschaffenheit (glatt, ge-
netzt, rau) und Schalenfarbe (gelb, rot, blau)
sowie der Fleischfarbe (weiß, hellgelb bis
tiefgelb, rot, blau).
Knollenzahl und Sortierung
Manche Kartoffelsorten setzen viele Knollen
pro Staude an, andere dagegen nur wenige.
Demzufolge bilden sich viele kleine Ernte-
knollen (Untergrößen), oder es entstehen
sogenannte Übergrößen.
Anfälligkeit für Krankheiten und Neigung
zu Schwarzfleckigkeit
Die Anfälligkeit für Viruskrankheiten ist un-
terschiedlich ausgeprägt. Weil die meisten
Kartoffelvirosen über das Pflanzgut übertra-
gen werden, ist für den praktischen Anbau
jedoch entscheidend, dass möglichst ge-
sunde Pflanzknollen verwendet werden. Bei
der
wichtigsten
Kartoffelkrankheit,
der
Kraut- und Knollenfäule, bestehen zwar
auch Sortenunterschiede in der Anfälligkeit,
bei günstigen Ausbreitungsbedingungen für
den Schadpilz werden aber alle Sorten be-
fallen. Dem Auftreten des Kartoffelschorfes
kann durch eine gezielte Sortenwahl entge-
gen gewirkt werden. Kartoffelsorten mit
stärkerer Neigung zu Schwarzfleckigkeit
sollten sehr schonend behandelt werden.
Informationsquellen und Pflanzgutbezug
Informationen über Eigenschaften von Kar-
toffelsorten finden sich in der Beschreiben-
den Sortenliste des Bundessortenamtes

2
(www.bundessortenamt.de).
Neu zugelas-
sene Kartoffelsorten werden in Landessor-
tenversuchen geprüft. Die daraus abgeleite-
ten Sortenempfehlungen dienen vorrangig
der Landwirtschaft, sind aber als Orientie-
rung auch von Kleingärtnern nutzbar. Kar-
toffelpflanzgut kann im Frühjahr in Bau-
märkten, im Landhandel, in Kartoffelver-
mehrungsbetrieben, bei Internethändlern
sowie auf Pflanzgutmärkten erworben wer-
den (Termine für Sachsen im Internet unter:
www.qualitaetskartoffeln.com).
Eigenschaften ausgewählter Kartoffelsorten
Sorte
RG
Koch-
typ
Knollen-
form
Schalen-
farbe
Fleisch-
farbe
Schorf
Über-
größen
Schwarz-
fleckig-
keit
Keim-
freudig-
keit
Solist
1
vf
rundoval
gelb
hellgelb
+
+/0
+
0/-
Paroli
1
vf
oval
gelb
gelb
+/0
+
+/++
0/-
Anuschka
1
f
rundoval
gelb
gelb
+/0
0
+/0
0/-
Annabelle
1
f
langoval
gelb
hellgelb
+/0
0/-
+/++
0
Glorietta
1
f
langoval
gelb
tiefgelb
+
0/-
+/++
0/-
Gala
2
vf
rundoval
gelb
gelb
+/0
0/-
++
-
Marabel
2
vf
oval
gelb
gelb
+/0
0
++
0
Princess
2
f
oval
gelb
gelb
+
0
+/0
-
Valisa
2
vf
rundoval
gelb
gelb
0
0/-
+/0
-
Gunda
2
m
oval
gelb
hellgelb
+
-
+/++
0/-
Queen Anne
2
vf
langoval
gelb
gelb
+
0
+/0
-
Ballerina
2
f
rundoval
gelb
gelb
+/0
0
++
-
Goldmarie
2
f
langoval
gelb
gelb
+/0
0
+
-
Karlena
2
m
rundoval
gelb
hellgelb
+/0
0
0/-
0
Belana
2
f
oval
gelb
gelb
+/0
0/-
+
-
Nixe
2
vf
langoval
gelb
gelb
+/0
+/0
+
0/-
Wega
2
vf
oval
gelb
tiefgelb
+/0
0
+
0/-
Milva
3
vf
oval
gelb
gelb
+
0
+
-
Agria
3
vf
oval
gelb
gelb
-
+
+/++
-/--
Melody
3
m
oval
gelb
gelb
+
+/0
+/0
-
Adretta
3
m
rund
gelb
hellgelb
0/-
0/-
0
-
Bellinda
3
f
langoval
gelb
gelb
0
0
+
-
Soraya
3
vf
oval
gelb
gelb
+
0
++
-
Laura
3
vf
oval
rot
tiefgelb
+/0
0
+/++
-
Solara
3
vf
oval
gelb
gelb
+
0/-
+/++
-/--
Afra
3
m
oval
gelb
gelb
+/0
0/-
0
-/--
Madeira
3
vf
oval
gelb
hellgelb
+
0
+/0
-
Birgit
3
vf
oval
rot
tiefgelb
+
+
+/++
-
Red Fantasy
3
vf
langoval
rot
tiefgelb
+
+/0
+
-
Talent
3
m
langoval
gelb
gelb
+/0
0
0
-/--
Lilly
3
vf
rundoval
gelb
gelb
+
0
0
0/-
Toscana
3
vf
rundoval
gelb
gelb
+
0
+/++
0/-
Wendy
3
vf
oval
gelb
gelb
+
0
+
--
Linda
3
f
langoval
gelb
tiefgelb
+/0
0
+/++
-
Jelly
4
vf
oval
gelb
gelb
+/0
+
+/++
+
Einstufung in Anlehnung an die Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes und auf Grundlage eigener Ergebnisse
RG (Reifegruppe): 1 = sehr früh, 2 = früh, 3 = mittelfrüh, 4 = mittelspät bis sehr spät
Kochtyp: f = festkochend, vf = vorwiegend festkochend, m = mehligkochend
Anfälligkeit für Krautfäule und Schorf, Neigung zu Schwarzfleckigkeit: ++ = sehr gering, + = gering, 0 = mittel, - = stark
Anteil an Übergrößen, Keimfreudigkeit: ++ = sehr hoch, + = hoch, 0 = mittel, - = niedrig