image
image
Autor, Fotos:
Dr. Gerald Lattauschke
aktualisiert:
Thomas Rettschlag
Abteilung/Referat:
Gartenbau/Gartenakademie
E-Mail:
gartenakademie@smul.sachsen.de
Gartentelefon:
Donnerstag 14-17 Uhr, 0351 2612-8080
Fax:
0351 2612-8099
Internet:
www.gartenakademie.sachsen.de
Redaktionsschluss:
11.03.2016
Chinakohl kurz vor der Ernte
Anbau von Chinakohl im Haus- und Kleingarten
Eine ausgewiesene Nachfrucht für die Kulturabfolge in der Saisonplanung
Bedeutung
Die Heimat des Chinakohls (
Brassica rapa
L. subsp.
chinensis
L.) ist wahrscheinlich der
südostasiatische Raum. Er wird dort schon seit Jahrhunderten angebaut und ist auch heute
noch in Japan, Korea und China eine der wichtigsten Gemüsearten. Erst in den letzten Jahr-
zehnten hat die Kultivierung auch in Deutschland, vor allem mit der Züchtung von Hybridsor-
ten zugenommen. Aufgrund seiner Eigenschaften ist der Anbau als Folgekultur nach ande-
rem Gemüse zu empfehlen.
Die Köpfe sitzen auf Höhe des Bodenniveaus
und bilden sortentypisch unterschiedliche
Formen aus. Zumeist setzen sich die rasch
wachsenden, locker angeordneten Kohlblät-
ter aber in aufrecht ovaler Kopfform zusam-
men. Chinahohl ist zart und gut bekömmlich
und findet hauptsächlich als knackiges Salat-
gemüse sowie etwas weniger als Kochgemü-
se Verwendung. Bedeutung hat vor allem
sein Gehalt an Aminosäuren, Vitaminen und
Mineralstoffen. Gleichzeitig reichert er jedoch
hohe Mengen Nitrat an.
Standort
Infolge des enormen Zuwachses an Frischmasse in kurzer Zeit sind die Ansprüche an eine
Verfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen recht hoch. Mittelschwere, nährstoffreiche Böden
(sandige Lehmböden) mit einem guten Wasserhaltevermögen und ausreichender Humus-
versorgung bieten optimale Bedingungen. Da er gegenüber Bodenverdichtungen und
Staunässe empfindlich reagiert, ist eine lockere, tiefgründige Bodenstruktur wichtig. Die Bo-
denreaktion sollte im neutralen bis leicht basischen Bereich (pH-Wert 6,8-7,5) liegen.
An das Klima stellt die Kultur keine besonderen Anforderungen. Maritime Bedingungen mit
gleichmäßiger, relativ hoher Luftfeuchtigkeit und geringen Temperaturschwankungen sind für
den Anbau besonders geeignet. Eine windexponierte Lage ist nicht optimal. Vorübergehend
verträgt Chinakohl geringe Fröste, kann aber auch von -4 °C schon frostbedingte Schäden
aufweisen.

image
2
Chinakohl in der Kopfbildungsphase
Sorten
Chinakohl ist von Natur aus eine Langtagpflanze. Durch intensive Züchtung stehen jedoch
Sorten zur Verfügung, die weitgehend tagneutrale Reaktionen zeigen, also unter Langtagvo-
raussetzungen, während der Sommermonate weder Schossen noch Blühtriebe bilden.
In Ostasien werden Sorten mit unterschiedlichsten Kopfformen, zum Teil sogar nur Rosetten
angebaut. Für den Anbau in unseren Breitengraden haben lediglich kopfbildende Sorten, in
erster Linie die weitgehend tagneutralen Hybridsorten Bedeutung. Im hier vielfältig angebo-
tenen Spektrum verfügen z.B. ´Kilakin F
1
`, ´Orient Surprise F
1
` und ´Parkin F
1
` über eine Re-
sistenz gegenüber der Kohlhernie.
Die Sorten werden nach ihrem Anbau in verschiedene Reifegruppen eingeordnet. Von Juni
bis Oktober ist somit eine Ernte ausgewachsener Kohlköpfe aus dem Freiland möglich.
Beispiele für Chinakohlsorten für den Anbau im Haus- und Kleingarten
Typ
Sorte
früh und mittelfrüh
Hopkin, Kasumi F
1
mittelspät und spät
Granaat, Hong-Kong F
1
, Kilakin F
1
, Michihili F
1
, Monument F
1
,
Orient-Surprise F
1
, Parkin F
1
Anbau
Die recht kurze Entwicklungszeit von 55-75 Tagen zwischen Pflanzung und Ernte gestattet
eine Vielfalt an Möglichkeiten zur Einordnung in eine Fruchtfolge als Vor- oder Nachkultur.
Auch bei den Frühsorten besteht die Gefahr des Schossens infolge zu niedriger Temperatu-
ren, darum müssen Jungpflanzen im Frühanbau recht warm (15-20 °C) angezogen werden.
Die Anzucht sollte in Erdpresstöpfen erfolgen. Vorrangig ist jedoch der Erwerb vitaler Jung-
pflanzen zu empfehlen, da eine eigene Anzucht unter Beachtung von Temperatur und Sor-
tenwahl recht aufwendig ist.
Spätere Sätze (optimal von Anfang Juli bis Mitte August) können direkt im Freiland ausgesät
und nach dem Auflaufen vereinzelt werden. Eine
Pflanzung ist jedoch vorzuziehen. Sämlinge (Jung-
pflanzen ohne Ballen) wachsen nach dem Um-
pflanzen oft nur zögerlich weiter. Ein Verpflanzen
ist hier nicht zweckdienlich.
Frühe Pflanzungen im April sollten mit Gartenvlies
(eventuell sogar doppelt) oder Loch- bzw. Schlitzfo-
lie vor niedrigen Temperaturen geschützt werden.
Die Folie muss allerdings Mitte April meist schon
wieder abgenommen werden, das Gartenvlies kann
ca. 2-3 Wochen länger liegen bleiben. Die Reihen-
abstände bei Frühpflanzungen betragen ca. 40 cm,
in der Reihe 35-40 cm, bei der Normalkultur für
Sommer- und Herbsternte ca. 50 cm, in der Reihe 40-50 cm. Der Pflanzabstand hat wesent-
lichen Einfluss auf die Kopfgröße. So kann man mit einer Engpflanzung von 30x30 cm recht
kleine und zartblättrige Köpfe erzielen.

image
image
image
3
Die Bildung der Blattmasse setzt erst gegen Ende der Kultur ein. Zu dieser Zeit müssen die
Hauptnährstoffmengen im Boden zur Verfügung stehen. Da Chinakohl kein intensives Wur-
zelsystem ausbildet, ist eine reichliche Humusakkumulation durch gute Bodenvorbereitung
wesentlich. Am besten eignet sich ein Eingrubbern von Kompost und weiteren organischen
Düngematerial in den Oberboden im vorangegangenen Herbst. Auf eine zusätzliche Stick-
stoffdüngung sowohl vor als auch während der Kultur sollte wegen der Nitratanreicherung im
Blatt verzichtet werden. Das Schaffen ausgewogener Wachstumsbedingungen steht im Vor-
dergrund. So kann einseitiges- als auch übermäßiges Düngen in vielen Fällen zu pflanzen-
physiologischen Störungen (z.B. Innenblattnekrosen) führen. Mangelerscheinungen und ein
Befall mit Pilzerregern sind nicht selten die Folge.
Eine hohe Bedeutung ist einer gleichmäßigen und ausreichenden Wasserversorgung beson-
ders während der Kopfbildung und in Trockenperioden beizumessen. Gleichzeitig darf sich
das Wasser nicht stauen. Eine gelegentliche Bodenlockerung dient vor dem Bestandes-
schluss auch der Unkrautbekämpfung. Durch Einbringen einer Mulchdecke kann die Boden-
verdunstung reguliert werden.
Wie bei der Düngung sollten auch beim Pflanzenschutz naturnahe Maßnahmen zur Anwen-
dung kommen. Dem Auftreten von Blattfleckenerkrankungen (
Alternaria brassicae, A. bras-
sicola, Phoma lingam
) kann durch robuste Sorten entgegen gewirkt werden. Gegen einen
Befall mit Kohlhernie helfen sowohl eine Anbaupause zu Kohlgewächsen über einen Zeit-
raum von 3 bis 4 Jahren als auch ein Anbau einer resistenten Sorte sowie ein hoher pH-
Wert (>7,0) des Bodens, der durch regelmäßiges Kalken erreicht wird. Bei zu starkem Auf-
kalken bis zu einem pH-Wert >8,0 kann es zu Festlegungen wichtiger Spurenelemente wie
z.B. Bor und Mangan kommen.
Links: Gelb-bräunliche Flecken, hervorgerufen durch den Erreger
Phoma lingam
Mitte und rechts: Schadbilder der Kohlhernie an Kohlköpfen und Wurzel
Zum vorbeugenden Schutz gegen Vogelfraß und Schadinsekten sind die Pflanzungen mit
Insektenschutznetzen abzudecken. Die Netze verbleiben bis zur Ernte auf der Kultur. Somit
werden die typischen Kohlschädlinge wie Kohlerdflöhe, Kohleule, Kohlfliege, Kohlmotten-
schildlaus, Kohlweißling und Mehlige Kohlblattlaus sowie die Kohlrübsenblattwespe abgehal-
ten. Ist dennoch ein Befall festzustellen, wirkt ein Einsammeln und Entfernen von Larven
sowie von geschädigten Pflanzenteilen (z.B. inkl. Blattläusen) den Schaden begrenzend. Im
besonderen Maße hat sich die Entwicklung von Artenvielfalt, durch eine abwechslungsreich
gestaltete Gartenstruktur, zur Förderung von natürlichen Gegenspielern bewährt.

image
4
Küchenfertiger Chinakohl
In der Summe der Maßnahmen sollte ein Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel unterblei-
ben. Dies gilt auch bei Problemen mit Schneckenfraß. Diesen lästigen Gartenbewohnern
kann durch unüberwindbare Barrieren, dem Offenlegen der Eigelege sowie dem allgemeinen
Einsammeln und Entfernen der Tiere beigekommen werden.
Ernte
Die Köpfe sollten nicht zu groß und schwer sein. Gewichte um
1 kg entsprechen den Verbraucherwünschen weitgehend. Immer
Vorausgesetzt, dass eine gewisse Kopffestigkeit erreicht wurde.
Die äußeren Umblätter werden entfernt und wieder als organi-
sche Substanz dem Gartenboden zugeführt. Gesunder China-
kohl lässt sich auch unter einfachen Bedingungen recht gut la-
gern. An der Lagerware belässt man mehrere Hüllblätter, die den
eigentlichen Kopf schützen und anschließend bei der Auslage-
rung entfernt werden.
Weiterführende Literatur für den Gartengebrauch
Eine Information der Pflanzenschutzdienste der Länder Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen [Hrsg.] (2014): Sachgerechter Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten.
4. Aufl.
LABER, H. und G. LATTAUSCHKE [Hrsg.] (2014): Gemüsebau. 2. Aufl., Verlag Eugen Ulmer,
Stuttgart.